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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [RU] Baikalsee - Frolikha Adventure Coastline Track und Olchon



I3eren
15.11.2012, 18:29
Russland - Land der Extreme und Widersprüche

Gleich vorneweg: Schon die Einleitung und Anreise umfasst mehr als ein paar Wörter, allerdings schildere ich meine Eindrücke auch sehr genau, sodass ich hoffe, dass der ein oder andere in unsere Reise und 4-wöchige Wirklichkeit in einer fremden Welt hineinzuziehen ist. Ich habe den Bericht nicht nur speziell für das Forum verfasst, sondern eigentlich hauptsächlich für mich, weil ich einfach Spaß daran habe. Deswegen ist er auch sehr lange geraten. Für alle, die keine 40 Computer-Textseiten lesen wollen, werde ich am Ende eine Zusammenfassung schreiben, mit allen wichtigen Informationen und einem Fazit zur Reise, nach dem 14., 18. und 25. August ein Zwischenfazit.

Schon seit vielen Jahren machen wir 2-3 wöchige Trekkingreisen und sind dabei durch Schottland, Irland, Schweden (südlicher Kungsleden) und Norwegen (Lofoten und Gebiet um Bodo) gewandert. Wir, das ist eine Gruppe zwischen 3 und 10 jungen Männern aus dem bündischen Umfeld - etwas in der Art von Pfadfindern ;) -, haben dabei beständig unsere Ausrüstung verbessert und Erfahrungen gesammelt, sodass auch unsere Ansprüche gestiegen sind.

Auf diesen Reisen wurde immer wieder der Baikalsee als Fernziel genannt, auch weil der Bund etwas Russland-affin ist und dieser See zudem mystifiziert wird; auch wir stellten uns relativ unberührte Wildnis vor und träumten von der Ferne.

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Gerade mir war die Vorstellung doch auch irgendwie suspekt, weil ich dachte, dass es schon sehr weit von meiner geliebten Heimat entfernt ist, es in einem Landstrich liegt, von dem ich annahm, dass die Kriminalitätsrate viel höher liegt als in Europa und auch Bären nicht gerade zu meinen bevorzugten Reisepartnern gehören sollen; auch das Vorurteil, dass "der Ivan" an sich einfach nicht zu den nettesten Menschen gehört, konnte ich nicht ganz verleugnen, obwohl ich keineswegs unaufgeschlossen bin. Deswegen überwand ich mich letztendlich auch dazu, all meine Vorbehalte zu vergessen, um die Vorurteile, die ich eigentlich nicht in meinem Kopf haben will, zu widerlegen. Ohne zu viel zu verraten: Dieses Ziel wurde erreicht und alle Hoffnungen übertroffen :)

Sobald diese Schwierigkeiten überwunden waren, begannen die Recherchen. Relativ schnell war klar, dass wir den Frolikha Adventure Coastline Track laufen, da wir auch nicht völlig auf einen Weg verzichten wollten, da es uns auch zu hart vorkam, uns weglos ohne einen ortskundigen Guide durch die Taiga zu schlagen. Dieser Weg wurde von Baikalplan e.V., ansässig in Dresden, angelegt und wird bis heute von diesen mit Hilfe Freiwilliger einigermaßen gepflegt. Es gibt da irgendwie ein Projekt, um in ferner Zukunft ein größeres Wanderwegenetz um den Baikalsee herum anzulegen, genauere Infos könnt ihr aber deren Homepage entnehmen . Der Track hat insgesamt so um die 100 km Länge, wobei der Hauptteil von einer Rangerstation bis Khakussy so ungefähr 70km lang ist. Um zum Startpunkt zu gelangen, haben wir uns in Sewerobaikalsk ein Boot mit Fahrer gemietet, welches uns dahin brachte; von Khakussy aus fährt ein Linienboot zurück nach Nischneangarsk, von wo aus wiederum ein Bus zurück nach Sewerobaikalsk fährt. Südlich von Khakussy kann man noch ein-zwei Tagestouren machen, aber es empfiehlt sich preistechnisch meiner Meinung nach, wieder von Khakussy aus zurückzufahren. Auch unterwegs gibt es schon die ein oder andere Alternativroute, welche einen Schlenker in die Berge macht, die dort bis zu 2000 m hoch sind und recht wild schienen. Dort ist meiner Meinung nach eher mit Wild- und Trampelpfaden zu rechnen, aber ich kann es nicht mit Sicherheit sagen, da wir auf dem Hauptweg geblieben sind, auch da dort die Mückendichte nicht ganz so hoch war wie im tiefsten Wald, doch dazu später mehr.

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Also bestellten wir uns das Material, welches von diesem Verein zusammengestellt wurde (die Trailbeschreibung und eine grobe Karte) und suchten weitere Karten aus diversen Quellen zusammen, welche allerdings alle nicht allzu detailliert waren. 70 Kilometer + Tagestouren und Ausflüge erschien uns zwar nicht viel, auch wenn wir dieses täglich nicht allzu viel laufen wollten - die vorherigen Jahre haben auch immer unsere 20 km am Tag runtergespult -, sondern die Landschaft genießen wollten, vielleicht auch mal einen Ruhetag zum Angeln und Relaxen einzulegen gedachten usw., trotzdem planten wir 9 Tage zwischen Ankunft und Abfahrt ein. Nach dieser Tour wollten wir noch eine kleinere Wanderung an anderer Stelle machen, entweder auf der Insel Olchon oder südlich von Sewerobaikalsk, wo es auch einen Trail gibt, das wurde allerdings letztendlich erst kurz vor der Abreise beziehungsweise während der ersten Wanderung entschieden.

Der grobe Plan sah also vor, etwas länger als zwei Wochen am Baikalsee unterwegs zu sein, dann mit der Transsibirischen Eisenbahn von Irkutsk nach Moskau zu fahren (ungefähr 4 Tage Fahrtzeit) und noch einige Tage in der größten Stadt Europas zu verbringen - die volle Dosis also. Also buchten wir die Flüge von Dresden nach Irkutsk und von Moskau nach Dresden bei einem kleinen russischen Reisebüro, das sich auch um die benötigten Visa kümmerte, und begannen mit den Nachforschungen, wie wir die restliche Strecke zu den Trails und von dort zur festen Station Irkutsk, von wo aus unser Zug abfuhr, zurücklegen konnten.

Gerade die Buchung über ein solches Reisebüro kann ich Russlandreisen-Interessierten wärmstens empfehlen. Die Flüge waren unvergleichbar günstig und die Rennerei zur Visabeschaffung wurde uns ebenfalls für einen Spottpreis abgenommen, nur muss akzeptiert werden, dass sich das Personal am Telefon erstmal auf Russisch meldet und auch danach auf Deutsch sehr russisch telefoniert, was bedeutet, dass sie nicht besonders freundlich sind und Verabschiedungsformeln usw. nicht bekannt sind. Das ist allerdings normal, wenn man meiner russischen Dozentin glaubt und man wird dafür umso überraschter sein, wenn man den Russen bei persönlicher Begegnung vis-a-vis aufgeschlossen entgegentritt und dann sofort als Freund behandelt wird, weshalb man gleich auf 1-10 Wodka eingeladen wird.

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Die restliche Planung funktionierte mit Hilfe des Internets überraschend gut. Langsam - fast so langsam wie sich dieser Bericht entwickelt :P - nahm der Plan endgültige Konturen an. So buchten wir, um von Irkutsk nach Sewerobaikalsk zu gelangen, zwei Fahrten auf der Raketa, einem Tragflächenboot, das mit guten 50 km/h den Baikalsee befährt, wodurch man ihn in 11 Stunden beinahe in der gesamten Länge durchqueren kann, nach Sewerobaikalsk und von dort 12 Tage später auf die Insel Olchon; falls wir dann doch den anderen Trail hätten gehen wollen, wären wir mit dem Minibus von dort nach Irkutsk gerattert, was dann später doch auch geschah, nachdem wir auf Olchon wandern waren. Selbst für diese Verbindung war online ein Fahrplan aufzutreiben, der tatsächlich auch eingehalten wurde.

Generell zweifelte an dem reibungslosen Ablauf des gesamten Transportes die Mutter eines Mitreisenden, die in der ehemaligen Sowjetunion aufgewachsen war und dort auch zeitweise bei der Transsib gearbeitet hat; doch ihre Bedenken wurden nicht bestätigt, sondern es klappte alles beängstigend gut: So wurden unsere Onlinetickets auf der Raketa und in der transsibirischen Eisenbahn akzeptiert und alle angekündigten Busse und Schiffe fuhren pünktlich ab. Dass Vieles so reibungslos ablief und wir so intensiv die Kultur aufnehmen konnten, haben wir allerdings auch ihr und den Russisch-Kenntnissen ihres Sohnes zu verdanken. So wurde so manche Information nochmal am Telefon bestätigt und eingeholt oder unser Kommen im Voraus angekündigt.

Falls jemand noch Fragen zu organisatorischen Gesichtspunkten hat, kann er sich gerne per PM melden. Im Voraus entschuldige ich mich für meinen manchmal zu hypotaktischen Stil; ich versuche, das weitgehend zu unterlassen und bemühe mich, den Text ab und zu etwas aufzulockern, aber ich muss zugeben, dass ich kein sonderlich kreativer Schreiberling bin, sondern eher ein hart arbeitender Wörterschmied, um die Worte von besseren Autoren aufzugreifen. So, nach langer Vorrede und vielen Andeutungen geht's jetzt dann endlich los.

Rechtschreibfehler dürfen vom Finder einbehalten werden, wenn ich manchmal aus dem Tempus-System gefallen sein sollte, ist das dramatisches Präsens oder künstlerische Freiheit :) Da ich während der Reise kein Tagebuch verfasst habe, sondern alles im Rückblick aufgezeichnet habe, ist der Bericht auch dementsprechend verfasst worden. Auch die Bilder sind nicht bearbeitet, sondern ich stelle sie so hier ein, wie sie aufgenommen wurden; Quantität statt Qualität :P Der Bericht liegt fertig auf dem PC, sodass ihr euch nicht allzu lange gedulden müsste, jedoch habe ich nicht allzu viel Zeit, aber ich versuche, jeden Tag 2 Reisetage hochzustellen. Die Bilderdichte nimmt natürlich zu, sobald der Bericht in die heiße Phase kommt und wir auch in der Natur sein werden.

1.11.-3.11: Anreise. Der lange Weg ans Ende der Welt

Früh am Morgen begann unsere Reise ab Stuttgart, die uns in den nächsten 48 Stunden 5000 km in den Osten führen sollte. Wir wurden zum Streitbahnhof kutschiert und fuhren oberirdisch mit unserem rail-and-fly-Ticket zu dritt los, um unterwegs in Frankfurt noch die letzten beiden Mitreisenden einzusammeln. Ich und eine weitere Person, nennen wir sie einfach Hermann, waren die einzigen, die alle Mitreisenden kennen und beschlossen haben, dass man sich schon verträgt. Wir scherzten noch auf der weiteren Fahrt nach Dresden, suchten raus, welche Fische man im Baikal fangen kann und welche davon essbar sind. Eine Angel hatten wir dabei und hofften, dass der Besitzer erfolgreicher Fische fängt als er das in Norwegen getan hatte (Spoiler: unsere Hoffnung sollte enttäuscht werden :P). Nachdem wir in Dresden angekommen waren, wogen wir unsere Rucksäcke, in denen noch kein Essen und Gruppenmaterial verstaut war, und jeder, der mehr als 8 Kilo Basisgewicht hatte, wurde ausgelacht und darauf hingewiesen, dass er trotzdem denselben Anteil an Gemeinschaftsmaterial zu tragen hat.

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Wir hatten schon zuvor fast das ganze Essen für die erste Tour, also um die 10 Tage eingekauft, sodass es nun 24 kg auf 5 Rucksäcke zu verteilen gab, dazu unser Palast von einem Zelt, ein Lavvo für 6-8 Personen von Bergans of Norway, das sich schon auf zahlreichen Touren bewährt hat, und Materialen wie (Benzin-)Kocher, Pötte, Beil und Spaten. Nach dieser doch als episch zu bezeichnenden Packaktion mitten im Dresdner Flughafen, die uns einige komische Blicke einbrachte, hatte jeder so um die 20 kg Rucksackgewicht und noch Kleinigkeiten im Handgepäck. Wir checkten ein und gingen durch die Passkontrolle. Der freundliche Beamte war not amused, dass das Reisebüro einen Teil des Visums direkt in unsere Reisepässe getackert hatte und murmelte irgendwas von Beschädigung von Staatseigentum. Das war einer der letzten deutschen Sätze, die wir von fremden Lippen vernahmen.

Im Flugzeug der Aeroflot wurde dann fast ausschließlich Russisch gesprochen, sowohl von den Passagieren als auch vom Personal. Trotzdem war ich von der Airline eigentlich positiv überrascht. Die Maschine war eine recht neue Boeing, das Personal freundlich und es gab sogar eine Kleinigkeit zu essen, wenn es auch nur das typische Flugzeugessen war, alles einzeln in Plastik verpackt, worauf ich sofort an die Umweltverschmutzung und Fightclub denken musste :) Nach einem ungefähr zweistündigen Flug landeten wir in Moskau, wo wir einige Stunden Aufenthalt hatten.

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Mitten in der Nacht ging es weiter, nachdem wir unser Gepäck aufgenommen und sofort wieder abgegeben hatten; zwar waren in Moskau die Schilder noch zweisprachig, das Flughafenpersonal sprach aber selten Englisch. Während des 5-stündigen Fluges konnte man kaum schlafen, da erst immer wieder Airline-Personal kam und einem etwas zu essen brachte - kurz nach dem Start gab es Fisch oder Fleisch. Ich entschied mich für Fleisch, weil der Fisch doch sehr fischig roch, das Fleisch schmeckte aber auch leicht nach Hammel, wie ich später feststellen musste; na ja, ich hab schon schlechter gegessen, wenn ich einmal an meine Schulzeit und die schuleigene Mensa zurückdenke :)

Später ließ der Blick aus dem Fenster dann nicht mehr an Schlaf denken. Unter dem Flugzeug war endlose 'Tundra'-Steppen, Taiga und Gebirgslandschaft zu sehen, worauf die Sehnsucht wuchs, endlich zu landen und durch dieses Abenteuerland zu streifen. Wir landeten irgendwann am Vormittag und waren froh, relativ schnell unsere Rucksäcke vom Gepäckband aufzusammeln zu können. Mittlerweile sprach kein Mensch mehr Englisch und auch die Schilder zeigten nur noch kyrillische Buchstaben, die wir immerhin alle entziffern konnten, da drei von uns ein Semester Sprachkurs an der Uni besucht hatten, einer sogar drei Semester und der fünfte im Bunde die Sprache auf Grund seines familiären Hintergrundes fließend sprach. Wir setzten uns erstmal vor das Terminal und chillten einige Minuten, was auf dieser Reise noch zu einer unserer Hauptbeschäftigungen werden sollte

Während Shop, der Übersetzer, noch nach einem Bus in die Innenstadt von Irkutsk suchte, saßen wir also vor dem Flughafen, gingen nochmal ab und zu durch die Sicherheitsschleuse ins Innere. Schon zu Beginn sprach uns sofort ein Taxifahrer an, dessen Angebot wir allerdings noch ablehnten, um es später dann anzunehmen, nachdem er den Preis noch deutlich gesenkt hatte (Wahrscheinlich haben wir immer noch zu viel bezahlt :P).

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So quetschten wir also ein paar der Rucksäcke in den Kofferraum und den Rest nahmen wir auf den Schoß, denn dort war auf den vier Beinpaaren, welche sich auf der Rückbank eingefunden hatten, noch reichlich Platz. Anschnallen konnte man sich eigentlich nicht, was ich zuerst nicht allzu tragisch sah, jedoch überdenken musste, als ich die Fahrweise des Taxifahrers bemerkte, welcher übrigens etwas Deutsch beherrschte, weil er das vor ewigen Zeiten einmal studiert hatte, und dazu den für europäische Verhältnisse komplett chaotischen Verkehr. So fuhren wir auf dem Weg zur Raketa-Station an einem Unfall vorbei, der mehrere Autos mit Totalschaden hervorgebracht hatte, aber wir hatten es ja nicht mehr weit. Von der Stadt sah man nicht viel. Die Häuser sahen auf den ersten Blick nach typischen Plattenbauten aus, die eben noch etwas heruntergekommener aussahen als die deutschen Pendants.

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Wir stiegen nun also am Ufer des Baikalsees aus dem Auto aus und sahen das erste Mal richtig das Gewässer, das uns die nächsten Wochen Getränkelieferant, Badewanne, Waschmaschine und Musiker, der unsere 'Musik' zum Einschlafen liefert, sein sollte. Bisher war das allerdings noch keine allzu aufregende Vorstellung, da man sich noch in der Zivilisation befand und vielleicht von der schon langen Anreise etwas müde war, die aber noch einige Stunden dauern sollte. Das Tragflächenboot legt nur früh am Morgen ab, weshalb wir fast einen ganzen Tag und die Nacht warten mussten bis es weiterging. Diesen wollten wir nutzen, um noch ein paar Dinge wie Mehl, Tee usw. einzukaufen, welche wir nicht eingeführt hatten, weil es sie überall gibt.

Also ließen wir unsere Rucksäcke in der Raketa-Station; auch dort hatten wir zuvor angerufen und gefragt, ob wir dort irgendwie übernachten können. Wir durften unser Zelt auf der angrenzenden, verschmutzten 'Wiese' aufstellen, worüber der Nachtwächter noch kurz informiert wurde, was natürlich äußerst praktisch war, da wir morgens nur einzupacken brauchten und uns auf's Schiff begeben konnten. In dem Gebäude saßen den ganzen Tag mehrere Männer von der Polizei oder Miliz, spielten Karten oder starrten in den aufgehängten Flachbildfernseher. Ich mochte ihre Uniformen :P.

Wir begaben uns zur Bushaltestelle und ich war sehr verwundert, als dann schließlich ein Minibus kam, ein asiatisches Fabrikat, einem alten Sprinter nicht ganz unähnlich, der ungefähr 10 Sitzplätze bot, die auf der Fahrt dann aber nach und nach mit ungefähr 17 Leuten besetzt wurden, denn auf einem normalen Sitz haben in Russland auch 2 Leute Platz :P Es wäre in Deutschland wohl niemals denkbar, dass sie zwei fremde Leute auf einen Sitz quetschen wie Schulmädchen, die nicht wollen, dass ihre beste Freundin die Fahrt zur Schule stehend verbringen muss. Auch die Bezahlung war hier etwas anders geregelt. So steigt man einfach ein und wenn man wieder aussteigt, gibt man dem Fahrer einen festen Betrag, egal wie weit man mitgefahren ist, der übrigens sehr niedrig ist. Auch dieser Fahrer passte sich den örtlichen Gepflogenheiten im Verkehrsgeschehen an, sodass ich manches Mal befürchtete, wir würden gleich ein Auto einfach wegschieben oder es von hinten rammen, wodurch wir alle durch den Bus geschleudert werden. An diese Fahrweise und den Verkehr gewöhnte ich mich allerdings recht schnell, sodass ich auf der Rückfahrt bereits deutlich entspannter war.

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Aus dem Bus ausgestiegen bot sich uns im Zentrum ein ganz anderes Bild von der Stadt. Hier war alles deutlich asiatisch geprägt. Gleichzeitig fuhren sehr alte Trams durch die Straßen. Wir fühlten uns alle etwas verloren inmitten der Menschenmassen und der fremden Umgebung. Das kann man wohl irgendwie als Kulturschock bezeichnen, der noch verstärkt wurde, als wir dann schließlich zu unserem Ziel gelangten, dem Markt. Dieser befand sich zum Teil auf einem Platz vor einem großen Gebäude, der Markthalle, in welcher sich der Hauptteil befand.

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Die Markthalle gab mir nun völlig den Rest. Es befanden sich dort zahlreiche Buden, wovon allerdings viele das gleiche Sortiment hatte. So gab es jeweils mehrere Süßigkeiten-Stände, 'Bäckereien', die Süßes und Herzhaftes anboten, Tee-Stände, Gemischtwaren-Stände, wo es Mehl, Zucker usw. erworben werden konnte und Getränkestände. Obst und Gemüse befanden auf dem vorgelagerten Platz. Im hinteren Teil der Halle wurde Fleisch und Fisch verkauft. Spätestens da zweifelte ich, ob ich hier denn richtig sei, da es dort sehr stark nach Fisch und Schwein roch, zusammenfassend nicht allzu appetitlich. Ich kann nicht leugnen, dass ich in dieser Zeit doch etwas schlecht gelaunt war.

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Wir machten unsere Besorgungen also auf diesem Markt, auch wenn ich mir in diesem Moment einfach nur einen Supermarkt gewünscht hätte, der doch irgendwie überall auf der Welt gleich ein gewohntes und sicheres Konsum- Gefühl vermittelt. Neben den Besorgungen für unsere Reise nahmen wir noch 3 geräucherte Omule, ein endemischer, sehr fettiger Salmonid, der nur in der Baikalregion vorkommt, Brot, ein paar Nusshörnchen und eine Melone zum Abendessen mit und gönnten uns sofort einen Kwas, von einer alten Frau aus einem ganzen Tank davon in eine Plastikflasche abgefüllt (vergleiche Wikipedia 'Kwas', zweites Bild :P).

Nachdem wir uns ebenfalls eine russische Prepaid-Karte besorgt hatten, mit der man übrigens wirklich sehr günstig ins deutsche Netz telefonieren kann, obwohl man diese eigentlich nur mit Registrierung bekommt, die wir uns erst später in Sewerobaikalsk abholten, fuhren wir auf dieselbe Weise zurück zu unserem Zeltplatz, in einem Minibus. Wir entspannten noch in der Nachmittagssonne, aßen unsere eingekauften Vorräte und bauten das Zelt auf.

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Soweit ich mich erinnere, verkrochen wir uns auch recht früh in unsere Schlafsäcke, da wir alle doch von der Reise geschafft waren und am nächsten Morgen das Schiff auch früh ablegen sollte. Es regnete gleich in der ersten Nacht leicht, was aber irgendwann wenigstens die Jugendlichen vertrieb, die keine 20 Meter von unserem Zelt wohl angeheitert lautstark sich auf einem alten Spielplatz aufhielten, wenn man das so nennen darf.

Der nächste Tag verlief dann wirklich unspektakulär. Wir standen auf, packten zusammen und warteten auf die Ankunft des Bootes. Während des Wartens kamen immer mehr Passagiere, teilweise ebenfalls mit Rucksäcken, oftmals jedoch mit 'normalem' Gepäck. Es gab etwas Verwirrrung, ob das irgendwann ankommende Boot nun das unsrige sei, weil es kein Tragflächenboot war, was allerdings durch unseren 'Russen' schnell gelöst werden konnte. Wir mussten mit diesem Boot nach Port Baikal und dort umsteigen. Während des Wartens fielen mir auch einige Menschen mit getatzten Jacken und Deuter-Rucksäcken auf; die Ahnung bestätigte sich beim Vorbeilaufen, allerdings gab ich mich ihnen nicht zu erkennen. Ich war im Urlaub und damit weg von Deutschland.

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Die erste Bootsfahrt war dann wahrlich nicht sehr aufregend, nur das im Nebel verschwindende Irkutsk bot einen schönen Anblick und auch Port Baikal sah im Nebel auftauchend faszinierend aus, fast wie ein Schifffriedhof, da dort einige sehr alte und wahrscheinlich nicht mehr im Dienst befindliche Boote lagen. Auf dem See ging erst ein starker Wind, der sich im Laufe des Tages allerdings legte, sodass wir auf spiegelglatter See fahren konnten.

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Der Umstieg in die Raketa ist allerdings auch noch eine Erwähnung wert. Wir saßen im hinteren Bootsteil und mussten so am Funkraum vorbei, der in etwa aussah wie das Wohnzimmer meiner 80-jährigen Oma. Als ich dadurch also abschätzen konnte, wie alt dieses Schiff war, dachte ich mir, dass es einmal der Stolz der Sowjets gewesen sein musste, was mich jedoch eher beruhigte als stutzig machte, denn im Schwarzwald fahren noch heute alte Schneeraupen aus der UdSSR durch die Gegend, wenn nichts anderes mehr dem Schnee trotzen kann und auch der Chef meines Kumpels aus der ehemaligen DDR, welcher heute bei einem namenhaften Institut arbeitet, meinte, dass die Sowjettechnik unzerstörbar gewesen sei, sobald man sie einmal zum Laufen gebracht habe. Also setze ich mich auf einen der Sitze, die denen in alten Bahnen gleichen und wartete auf den 'Start'.

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Zwar bemerkte man nach diesem während der Fahrt überhaupt keinen Wellengang, allerdings sorgten die Motoren und der Luftwiderstand für einen Geräuschpegel, der jeden normalen Menschen wohl am Schlafen gehindert hätte, mich allerdings nicht :P So verschlief ich wohl gut 2/3 der Fahrt, aber während des restlichen vier Stunden blieb auch noch genügend Zeit, um zu essen, zu lesen und vor allem immer wieder hinauszugehen, um die vorbeifliegende Landschaft zu bewundern oder froh darüber zu sein, dass ich so viel geschlafen hab, damit ich nicht die blonde Beth Ditto in viel zu engem Kleid sehen musste, welche am 'Kiosk' stand, Wurstbrote schmierte und einfach nicht schön aussah.

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Doch noch 1-2 Worte zur Landschaft, welche ihr auch auf den Bildern betrachten könnt. Man sah hauptsächlich kleinere Berge, die vollständig bewaldet waren und dazwischen immer wieder winzige Ortschaften oder Fischersiedlungen am Ufer. Auf jeden Fall wuchs der Wunsch bei diesem Anblick, endlich auch diese Gebiete zu durchstreichen, an eben diesem Ufer zu sitzen und den Blick in die andere Richtung zu genießen, auf den See, welcher von dort aus wie ein Meer zu sein scheint.

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Nach 11 Stunden Fahrt kamen wir dann gegen 20 Uhr in Sewerobaikalsk an, wo und Evgenij schon erwartete. Er betreibt ein Hostel, das mit Hilfe des Baikalplan e.V. aufgebaut wurde und seitdem ist er eigentliche eine feste Durchgangsstation auf dem Weg zum F.A.C.T. (Auf der HP: baikaltrail.ru gibt es weitere Infos zu dem netten Herren). Er hatte zwei Taxen mit zum Hafen gebracht, die uns schnurstracks zum Hostel beförderten, beschallt wurden wir von regionaler Folklore-Musik, was mir sehr gefiel. Unser Taxi, in dem Evgenij nicht saß, war als erstes da. Wir wurden vor mehreren Plattenbauten abgesetzt und haben uns erstmal gefragt, wo denn nun das Hostel sei. Nach einigen Minuten kam das andere Taxi mit unserem Host. Er spazierte zu einem der Plattenbauten und führte uns in den ersten Stock, wo er die Wohnung angemietet hat. In ihr befinden sich zwei Schlafräume, eine Küche, ein Bad mit Dusche und ein Toilettenraum.

Alles sah ganz sauber aus und sogar W-LAN war vorhanden, sodass ich mich erstmal daheim melden konnte. Normalerweise versuche ich, das auf das Nötigste zu beschränken, dieses Mal war es mir allerdings wichtig, mich so oft wie möglich daheim zu melden, da ich einen guten Monat vor unserer Abreise eine ganz besondere Frau kennenlernte, welche ich nicht für 4 Wochen vergessen konnte. Sie schwirrte die ganze Zeit in meinem Kopf herum und ich konnte oft die Reise erst richtig genießen, wenn ich ihr eine SMS senden konnte oder gar eine von ihr empfangen konnte. Bei mir ging es nicht so weit, wie das bei dem User Fliehender der Fall war, dass mein Heimweh und meine Sehnsucht nach ihr mir die Laune ganz vermiesen konnten, jedoch war diese unbestreitbar besser, wenn wir nicht für mehrere Tage gar keinen Kontakt hatten.

Evgenij meinte, dass wir ja Hunger haben müssten, was wir eigentlich nicht bestätigten, aber er kochte uns trotzdem etwas zu essen. Er öffnete eine Dose Fleisch, erinnerte mich zuerst etwas an Hundefutter, war dann allerdings doch recht gut, briet dies mit Zwiebeln an und kochte dazu Buchweizen ab, dazu gab es die obligatorische rohe Gurke und Tomate.
Gurken und Tomaten bekamen wir gerade in Sibirien sehr oft und sahen diese auch die Russen bei jeder Mahlzeit verspeisen. Manchmal waren sie roh und manchmal gab es eingelegte Gurken, ähnlich unseren Essiggurken, die jedoch nur in Salzlake mit Dillblüten und einigen anderen Gewürzen eingelegt waren. Die gibt's auch in Moskau auf den Märkten zu kaufen und sie sind unglaublich lecker, aber mir ist der Name gerade leider entfallen, aber wenn sich jemand dafür interessiert, frage ich unseren Experten.

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Eigentlich dachten wir erst, dass Evgenij uns zu dem Essen einlädt, jedoch stellte er es uns am Ende in Rechnung, was wir ihm natürlich nicht übelnahmen, da er viel für uns getan hat. So gab er während des Kochens die letzten Tipps und verließ uns dann gegen späten Abend, ohne mit uns noch einen- zehn Wodka zu trinken, da er Antialkoholiker ist; wir sollten mit Russen noch genügend Wodka trinken ;)

Wir genossen das letzte Mal für die nächsten Tage die Annehmlichkeiten der Zivilisation, duschten und saßen noch lange am Küchentisch, um die schwäbische Kultur, in Form von Benoggl, einem Kartenspiel, auch 5000 km fern der Heimat hochzuhalten. Zuletzt erlaubten wir uns noch einen Spaß mit der stylischen Leopardendecke, machten damit ein paar Fotos, die auch in einem osteuropäischen Soft-Pornofilm hätten gezeigt werden können, und lasen das Gästebuch, in welchem Einträge von Personen aus der ganzen Welt zu finden waren, die in letzter Zeit allerdings mehrfach von zahlreichen regnerischen Tagen auf verschiedenen Trails berichteten. Wir hatten auf all unseren Fahrten immer unerhörtes Glück mit dem Wetter und darauf verließen wir uns auch dieses Mal, weswegen wir beruhigt einschliefen und am nächsten Morgen nicht allzu spät aufstanden.

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4. August: Endlich in der Natur :)

Der Plan war, morgens noch ein paar Dinge mit den Behörden zu klären, Benzin für unseren Kocher zu besorgen und dann gegen frühen Mittag mit dem von Evgenij gemieteten Boot samt Fahrer zum Trail zu fahren. Erst lief alles nach diesem Plan. Evgenij übernahm für uns die Registrierung bei der örtlichen Behörde, welche wir allerdings erst bei unserer Rückkehr ausgehändigt bekommen sollten, wir registrierten uns als Wanderer, die den Nationalpark durchqueren dürfen, was uns einen lächerlichen Betrag abverlangte und Evgenij schläuchelte uns Benzin aus einem Auto, was ihm ein Freund vorbeibrachte, auch wenn die Tankstelle eigentlich nur 500m vom Hostel entfernt gewesen wäre :P

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Dann kam leider ein Anruf, dass die Überfahrt bei dem Wetter nicht zu machen sei. Wir fragten uns: Welches Wetter? Denn es gab blauen Himmel und kaum Wind, aber man vertraut einem ortsansässigen Seemann dann doch mehr als seinem eigenen Landrattenverstand. Also mussten wir warten.

Evgenij sagte, dass er uns anriefe, sobald es Neues gebe, weswegen wir kurzerhand zum See liefen, ungefähr 2 km weit und dort am Kiesstrand mal wieder chillten, was bedeutete, dass wir Steine ins Wasser warfen, schnitzten oder uns einfach nur ausruhten. Auf dem Weg dorthin war uns im Wald die erste inoffizielle Entsorgungsstätte für Plastik aufgefallen. Man hatte einfach ein großes Loch gegraben und darin lagen nun hunderte von Plastikflaschen - Müllentsorgung auf Russisch. Es sollte nicht das letzte Mal bleiben, dass wir verwundert bis schockiert waren.

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In der Zeit des Wartens wurde das Wetter immer schlechter, sodass wir schon befürchteten, heute nicht mehr von hier wegzukommen. Doch plötzlich kam der Anruf, dass wir nun übersetzen können. Auf dem Rückweg Evgenij spekulierten wird, ob der Kapitän vielleicht auf einen von uns angebotenen Gefahrenzuschlag gehofft hatte und nun einfach nachgab, aber bei der Spekulation blieb es und mittlerweile war es uns auch recht egal, da es endlich loszugehen schien :)
Auf dem Rückweg überquerten wir zum wiederholten Male die Eisenbahnschienen der B.A.M. Auf dem Bahnhof war viel Betrieb, hauptsächlich Güterverkehr wurde gesteuert. Evgenij berichtete uns, dass man in dieser Stadt entweder vom Tourismus oder von der Eisenbahn lebe, was uns sofort einleuchtend erschien.

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Auch sahen wir an diesem Tag, da es im Gegensatz zu unserer Ankunft hell war, vollständig, wo wir überhaupt gelandet waren. Die Plattenbausiedlung sah so aus, wie man sie sich in Russland vorstellte: alt, irgendwie etwas heruntergekommen und vor den Häusern verweste ein toter Hund.

Nachdem wir angekommen waren, bezahlten wir Evgenij, reservierten uns noch fünf Betten, wenn wir dann in 10 Tagen zurückkommen sollten, um nach einer Nacht mit der Raketa wieder abzufahren und verabschiedeten uns in angemessener Form. Er hatte uns noch den Weg zurück zum 'Hafen' erklärt, den wir an diesem Tag zu Fuß zurücklegen wollten, da es nur ungefähr 3 km waren. Unterwegs begann es dann zu regnen, weswegen wir gleich zu Beginn unsere Regenklamotten überziehen durften. Kurz vor unserem Ziel lag auch eine Basis der Marine, aus deren Mitte wir später noch ehemalige Kampftaucher kennenlernen sollten.

Einen Tag zuvor kamen wir an deren Rand an und mussten auch durch einen Schlagbaum der Basis, um nach draußen zu gelangen, was ich aber erst an diesem Tag kapierte. Im danebenliegenden Hafen lagen kleine Boote und sehr kleine Boote; wir fragten uns, auf welcher dieser Jollen wir über eine Stunde quer über mittlerweile doch recht unruhigen Baikal fahren durften. Unseren Kapitän fanden wir rasch. Sein Boot war kein sehr kleines Boot sondern nur ein kleines, das er mit einer Plane überspannt hatte, um uns etwas vor dem strömenden Regen zu schützen. Der Zugang zum "Lade- und Passagierraum" war ungefähr einen Fuß breit und befand sich seitlich des Bootes. Ich selbst habe mit über 20 kg Rucksackgewicht nicht das allerbeste Gleichgewicht, wie ich leider zugeben muss, weswegen ich mich schon im kalten See schwimmen sah. Den Rucksack nahm man mir ab, wie noch das ein oder andere Mal auf der Tour, wenn es über eine sehr schmale Brücke ging - hiermit nochmal ein Dank an meine Mitreisenden - und das Einsteigen ging dann ganz gut. Alle waren im Boot, bekamen Schwimmwesten und dann ging es ging los.

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Wir sahen Sewerobaikalsk immer kleiner werden und gewöhnten uns an den Wellengang, so sehr, dass jemand sogar schlafen konnte. Zwischenzeitlich sah man kein Ufer mehr, bis am Horizont langsam Berge auftauchten. Auch diese waren bewaldet, nur dieses Mal so hoch, dass die Baumgrenze auch überschritten wurde. Alles lag im Nebel und sah einfach magisch aus, was leider auf den Fotos nicht rauskommt, obwohl wir sehr gute Kameras dabei hatten, da es einfach zu 'diesig' war.

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Als diese Landschaft schon greifbar nah schien, setzten wir schließlich auf Grund. Der Kapitän, von dem wir eigentlich annahmen, dass er diese Tour schon einmal gemacht hätte, schien ziemlich ratlos, versuche erst den Motor weniger steil ins Wasser zu setzen und dann mit dem Ruder aus dieser Situation zu kommen, auch sein GPS lieferte ihm keine Lösung. So schickte er einen von uns zum Sichten der Wassertiefe auf den Bug, aber auf dieser Seite der Landzunge, auf welcher die Rangerstation schon zu sehen war, konnte man nicht bis zum Ufer fahren. Da wir meinten, irgendwo gelesen zu haben, dass auf der Rückseite ein Anlegesteg sein sollte, wiesen wir ihn dorthin. Tatsächlich war ein Anlegesteg zu sehen, auch wenn der Tiefgang für den Motor wieder zu hoch war, sodass die letzten Meter wieder mit dem Ruder zurückgelegt werden mussten.

Doch endlich waren wir da. Vor uns lag ein Sumpf, dahinter thronten majestätisch Berge, die Vögel zwitscherten und es regnete immer noch. Der Ranger war nicht da, nur sein Hund bewachte die Station. Später erfuhren wird, dass er im Krankenhaus sei, weswegen man nicht dort übernachten könnte, was grundsätzlich möglich sein müsste. Wir stellten uns unter einen Unterstand und holten unser Mittagessen nach.

Dieses Bestand wie in den kommenden Tagen aus einem Snickers, 2-3 Fetzen Beefjerkey und 2 Händen Studentenfutter. An den restlichen Tagen der Tour kamen noch 2 Fladenbrote dazu. Diese brieten wir abends meist über den Feuer raus. Der Teig ist dem von Naan-Brot sehr ähnlich; er besteht aus Trockenhefe, Zucker, Salz, Milchpulver, Mehl und Wasser. Unsere Abende liefen so ab, dass zwei Leute das Zelt aufbauten, einer den Teig machte, einer Feuer machte und der 5. je nach Zustand entweder ausruhen durfte, jemandem zur Hand gehen musste oder andere Aufgaben übernahm wie weiteres Holz zu suchen und die Angel ins Wasser zu halten.

Just bemerkten wir das, was wir auch befürchtet hatten: Mücken. Was diese Plagegeister angeht, waren wir zugegeben schlecht vorbereitet, auch wenn wir schon über sie nachgedacht hatten. Nur Shop hatte Mückenschutzmittel dabei, das wir bald auf unsere Gesichter und Hände auftrugen, der restliche Körper war sowieso von Regenjacke und langer Hose bedeckt (wir hatten keine Regenhose dabei, da wir alle kein Geld dafür ausgeben wollten, weil die Hosen von Fjällraven sowieso so schnell trocknen, dass es sich kaum lohnt. Wenn es also regnet, tragen wir tagsüber die nassen Hosen, lassen sie abends auch im Zelt noch eine geraume Weile an, um sie am Körper zu trocknen und ziehen sie am nächsten Morgen wieder an, auch wenn sie noch etwas klamm sind. So halten wir es seit Jahren, aber bisher hatten wir auch das Glück, dass es selten mehrere Tage am Stück regnete, sodass wir sie spätestens am nächsten Wandertag vollends am Körper trocknen konnten). Leider half auch das Mittel nur bedingt; die Biester flogen in die Ohren, in die Nase und in die Augen. Das hatte ich mir so nicht vorgestellt; wir waren zwar schon in Schweden und Norwegen, wobei es da wohl in beiden Regionen und zu der Jahreszeit einfach zu kalt war. Ich wähnte mich zuerst in der Hölle, gewöhnte mich aber mit der Zeit doch etwas daran, meiner Seneca und Marc-Aurel-Lektüre sei Dank

Na ja, es hieß trotzdem: Und los! Reiten wir in den Sonnenuntergang. Hühühühüüü! Ruhig Brauner! Tatsächlich war es nämlich schon später Nachmittag und wir wollten doch noch ein bisschen Strecke reißen. Die ersten paar Kilometer führten uns durch eine Dünenlandschaft, am Horizont sah man wieder das Gebirge.

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Das Laufen durch den tiefen Sand mit den schweren Rucksäcken schlauchte sofort, die Mücken waren unerbittlich und die Dichte an ihnen nahm noch merkbar zu. Himmel und Hölle können eben sehr nahe beisammen liegen.

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Leider sah auch der See bei diesem Wetter nicht sehr gut aus. Ich konnte die Scheuklappen leider auch nicht ausblenden, weswegen mein Blick getrübt war. Am Strand lag nämlich sehr viel angeschwemmter Müll, der das Bild nicht unbedingt so romantisch zeichnete wie ich es erhofft hatte. Strapazen bin ich gewöhnt und damit kann ich umgehen, aber verschmutzte Umwelt zieht mich runter, vor allem bei diesem anhaltenden Regenwetter.

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Auch die Wasserqualität konnte nicht als gut eingestuft werden. Es hieß, dass man direkt aus dem See trinken könne, jedoch war das zu diesem Zeitpunkt schwer denkbar. Am Strand fanden wir auch bald unsere ersten Bärenspuren. Zusammenfassend: Vor wenigen Stunden befanden wir uns noch in der warmen Zivilisation, nun wurden wir ins eiskalte Wasser geworfen. Da wir aber keine kompletten Anfänger sind, wussten wir, dass auch wieder bessere Zeiten kommen würden, sobald wir in unseren Schlafsäcken liegen und es wenigstens da trocken ist, weswegen wir uns nicht entmutigen ließen und weiterliefen.

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Es ging weiterhin an der Küste entlang - klar wenn der Track auch Coastline Track heißt :P - und ab und zu ins Hinterland, wo es sehr sumpfig wurde. Zwar hatten wir Gamaschen an, allerdings hatte es in den letzten Tagen so viel geregnet und es gab so wenig Weg, dass wir beim Waten durch den Sumpf doch leicht nasse Strümpfe bekamen, einfach weil wir manchmal fast knietief in den Sumpf einsanken. Wir hatten aber auch nicht die Nerven, die Sümpfe weit zu umgehen, weswegen wir sie hüpfend durchquerten, sodass zumindest meine Füße befriedigend trocken blieben. Die Hose war sowieso schon nass, da es wirklich beständig regnete. Schön war, dass wir wussten, dass wir auch immer an der Küste entlanglaufen mussten, um das Ziel zu erreichen, denn wir haben auch vor Ort keine besseren Karten bekommen.

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Wir wanderten bis in den späten Abend hinein, ohne einen geeigneten Zeltplatz zu finden. Unsere Hoffnung lag auf einer eingezeichneten Hütte. Zwar wollten wir nicht darin nächtigen, jedoch gingen wir davon aus, dass sich in deren Nähe bestimmt ein Plätzchen finden ließe. Das war auch der Fall, allerdings war die Hütte von der Witterung und wahrscheinlich auch Vandalen so zerstört worden, dass wir nicht in ihrer Nähe bleiben wollten. Das war unser erster wirklicher Fehler. Wir hätten nicht annehmen dürfen, dass die Zeltplätze für unser Zelt mit 12,5 m2 Grundfläche in der russischen Taiga so zahlreich, zumal wir es auf den letzten 5 km ja gesehen hatten, sondern die Störung unseres ästhetischen Empfindens in Kauf nehmen. Taten wir nicht, weswegen wir weiterliefen und nicht so schnell einen neuen Platz fanden.

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Die Sonne begann schon unterzugehen, die Laune schlechter zu werden und wir stapften immer noch über Kiesstrände und durch den Wald, der zu dicht war, um unser Zelt sinnvoll aufzubauen. Schließlich beschlossen wir, auf Teufel komm raus einen Platz zu suchen. Wir fanden eine Stelle, die offen genug war, allerdings etwas vom Ufer entfernt und einen federnden Untergrund aufwies. Am Horizont sahen wir auch Feuerschein, Rauch und Boote. Scheinbar lagerten dort schon Menschen. Wir beratschlagten, ob wir uns einfach zu diesen gesellen sollten, da es dort ja wahrscheinlich einen besseren Platz gäbe. Allerdings sah es schon nach einem guten Stück aus und wir waren alle geschafft. Gerade ich war dafür, es trotz der widrigen Bedingungen an Ort und Stelle zu versuchen. Wenn wir mit aller Kraft die Heringe in den Boden hämmern würden, würden wir schon durch die 30 cm dicke Schicht an Moosen und Flechten stoßen und einige Bäumchen waren auch vorhanden, an denen wir die Schlaufen befestigen konnten.

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Die anderen gaben sich ebenfalls der Illusion hin und so versuchten wir es. Eigentlich hatten wir nur einen Versuch, da es mittlerweile sehr stark regnete. Es ist zwar theoretisch möglich, das Zelt erst ohne Bodenplane aufzubauen, dass diese nicht nass wird, bei dieser Bodenbeschaffenheit allerdings war es so schwer, dass wir entschieden, den Boden schnell auszuspannen und gleich das Zelt drüberzulegen. Wir haben das Zelt und seinen kleinen Bruder schon öfters bei Regen aufgestellt und es war immer erträglich. Selbst wenn es im Zelt etwas feucht ist, bringt es einen nicht um.

Also begannen wir, stellten jedoch schnell fest, dass wir auf diesem Boden das Zelt zwar zum Stehen bekommen, allerdings kein Sturm kommen durfte, in dem es normalerweise seine Stärken erst entfaltet. Wir vertrauten auf unser Glück, es stand mehr schlecht als recht, aber war immerhin innen nur annehmbar feucht. Während des Aufbaus wurden wir beständig von Mücken geplagt, weswegen wir uns schnell in unser Zelt verkrochen, das eigentlich recht mückendicht ist, wenn man es sauber ausspannt. Wir beschlossen, auch nicht mehr zu kochen, sondern uns mit Studentenfutter, Schokolade und einem Müsliriegel zu begnügen.

Am Rande eine lustige Anekdote, welche bisher schon für viele Lacher gesorgt hat, sogar an diesem Abend, obwohl die Stimmung eher gedrückt war:

Wir lagen schon in den Schlafsäcken, doch ich musste noch eine Kleinigkeit davor erledigen. Ich hatte mich schon der nassen Sachen weitgehend entledigt und trat so vor das Zelt, um es hinter mich zu bringen. Als ich dann also so da in der Taiga stand, wurde mir plötzlich schmerzhaft bewusst, dass ich die Mücken total vergessen hatte, die mich nun an jeglicher zu erdenkender Stelle meines Körpers liebkosten. Die machen wirklich vor gar nichts halt. Laut fluchend rannte ich zurück ins Zelt, wo mich das schadenfrohe Lachen der anderen herzlich willkommen hieß. Diese Begebenheit werde ich nie vergessen :D

Wir lagen also im Zelt und die Stimmung war wieder einigermaßen gut, da wir ja wussten, dass nun alles gut zu werden versprach und am nächsten Tag alles anders aussehen werde. Wir packten noch unsere Vorräte in einen Sack, der so schwer war, dass er kaum zu tragen war und deponierten diesen gute 100m vom Zelt entfernt (angezogen :P), um nicht noch nächtlichen Besuch vom Verursacher der vor kurzer Zeit gefundenen Spuren zu erhalten.

Andere Vorsichtsmaßnahmen ergriffen wir kaum. Tagsüber hatten wir Bärenglocken an den Rucksäcken und als 5er-Gruppe sollten wir auch so genügend Lärm erzeugen; mehr aus Spaß ließen wir auch immer wieder laute "URSUS"-Rufe durch die Wälder hallen, ergänzt durch "ARCTOS"-Entgegnungen. "Ursus arctos" ist der lateinische Namen des Braunbären, was einen Kenner beider alten Sprachen allerdings erheitern kann, da "arktos" auf Alt-Griechisch "Bär" bedeutet und es so der "Bärbär" ist, nicht zu verwechseln mit dem Barbar oder dem Barbier :). Ein Bärenspray hatten wir auch nicht dabei, aber wir sahen auch keinen, nicht einmal aus der Ferne, nur ab und zu Spuren und manchmal beängstigend frische Losung, soweit wir das als Laien beurteilen konnten.

Also beschlossen wir zu schlafen. Dies klappte zuerst nicht allzu gut, da uns immer wieder Mücken peinigten. Ich ging davon aus, dass es wenige im Zelt seien, da eigentlich alles hätte dicht sein müssen und diese sich auf mich konzentrierten, jedoch dachte das wohl jeder. Irgendwann begannen die Gespräche doch wieder und es wurde gefragt, wie viel Zeit denn schon vergangen sei. Die Antwort: 20 Minuten! entmutigte uns als alle, das Jammern begann. Wir dachten schon daran, dass wir unter diesen Umständen die Tour wohl in 3 Tagen durchrennen würden und dann umplanen müssten, jedoch wurden solche Reden sofort als unrealistisch und Gespenster der Nacht abgetan.

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Doch jeder klagte über sein Leid, dass gerade ihn die wenigen Mücken belästigen, was uns dann doch so langsam Spanisch vorkam. Wir schalteten die Kopflampen an und entdeckten über uns ganze Wolken von Mücken. So etwas hatte ich noch niemals gesehen und nun war es in unserem Zelt. Das Problem war, dass man sich auch nicht im Schlafsack verkriechen konnte, da es in diesem viel zu heiß war. Wir hatten unsere Schlafsäcke für Temperaturen um den Gefrierpunkt dabei, doch in der Anfangszeit gab es eher Nachttemperaturen im zweistelligen Bereich, sodass man darin vollends eingemummelt an Überhitzung gestorben wäre. Also musste ein Plan her, um den Biestern Herr zu werden. Die ersten Versuche können getrost als verzweifelt bezeichnet werden: So war die erste Idee, einige mit Deo tot zu sprühen, der zweite Plan war, Klebeband aufzuhängen, in dem sie sich verfangen sollten. Beide waren natürlich zum Scheitern verurteilt. Schließlich erinnerte man sich, dass so Getier doch auf Licht stehe. Also stellten wir eine Stirnlampe auf die niedrigste Stufe und banden diese so hoch wie möglich in Dachnähe an die in der Mitte befindliche Zeltstange. Das funktionierte überraschend gut, weswegen wir relativ unbehelligt schlafen konnten, auch wenn sich am nächsten Morgen doch einige Stiche auf unseren Körpern wiederfanden.

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Der Schlaf erlöste uns irgendwann wirklich, jedoch war er sehr unruhig, da es nachts doch sehr windig wurde und jeder Angst hatte, dass unser Zelt einfalle, weil es so schlecht aufgestellt war. Auch war es die erste Nacht auf Bärengebiet und gerade ich hatte davor schon Respekt. Doch jede Nacht geht irgendwann vorbei; so auch diese, die ich trotzdem als die schlimmste meines ganzen Lebens bezeichne, in der ich andauernd hoffte, dass es doch endlich Morgen werde.

codenascher
15.11.2012, 19:35
Woohoo, und der nächste Russland Reisebericht!!! Bitte schnell weiterschreiben :bg:

Kuoika
15.11.2012, 22:09
Ah wie cool - ein Bericht vom Baikalsee. Ich will auch mal einen schreiben, dieses Fleckchen Erde steht auch auf meiner To-Do Liste, Sommer wie Winter. Bin gespannt, wie es weiter geht und hab gleich mal wieder die Ballade vom Baikalsee rausgekramt. :)
wUEniUFILkM

chri1
15.11.2012, 22:45
Super, bin auch schon gespannt auf die Fortsetzung.
Ich wäre das Jahr auch gern mit der Raketa gefahren, aber nachdem die fürs Rad nochmal so viel wollten, wie für 1 Person bin ich aussen rum gefahren.
Das mit den billigen Aeroflotflügen kenne ich auch, wir haben da direkt bei Aeroflot in Zürich angerufen und die haben echt günstige Gabelflüge.
Den Baikalsee habe ich übrigens als Schönwetterinsel in Erinnerung. Aussen rum hat es meist geregnet, aber auf Olchon und um Severobaikalsk war dann blauer Himmel.

Mika Hautamaeki
16.11.2012, 10:34
Juhuu, Russland scheint ja mittlerweile ein gefragtes Reiseziel zu sein. Schön noch einen weiteren Bericht aus diesem Land lesen zu können. Freue mich auf die Fortsetzungen!

I3eren
16.11.2012, 16:34
Weiter im Text

5. August: Der Baikal nimmt und gibt

Am ersten Tag hat uns der Baikal sehr viel abverlangt, doch morgens sieht alles anders aus. Wir erwachten, unser Zelt stand noch und es hatte kein Bär seine Nase ins Zelt gesteckt, obwohl ihn niemand durch Schnarchen fernhielt. Nachdem wir beschlossen hatten, nicht sofort zu frühstücken, sondern abzubauen, ans Ufer zu laufen und das dort nachzuholen, um von diesem verfluchten Ort wegzukommen, taten wir das so schnell wie auf der gesamten Reise nicht mehr, sammelten unser unangetastetes Essen wieder ein und wanderten zum Ufer. Das Wetter sah annehmbar aus, es bestand sogar die Hoffnung, dass es aufreißen könne.

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Am Ufer angekommen schöpften wir erstmal Wasser, das mittlerweile auch trinkbar aussah, um unser Schoko-Müsli mit getrockneten Cranberries und Milchpulver anzurühren. Nachdem gefrühstückt war und die Trinkflaschen aufgefüllt waren, ging's los in die Richtung des Lagerplatzes, den wir gestern schon gesehen hatten. Bei anständigem Tageslicht wurde jetzt leider ersichtlich, dass es dorthin doch nicht mehr so weit gewesen wäre wie uns unsere müden Augen am vorherigen Abend vorgetäuscht hatten. Die Gruppe mit Booten war noch immer da und als wir sie erreicht hatten, erzählten sie uns, dass es bei ihnen kaum Mücken gegeben habe und wir sahen, dass wir auch noch ausreichend Platz gehabt hätten.

Ich erkannte einen Mann von der Bootsüberfahrt auf der Raketa. Schon im Boot hatte ich mir gedacht, dass dieser wettergegerbte Geselle nach einem echten Waldläufer aussehe und ich ihn gerne mit seinem Gewehr am Feuer sitzen hätte, um die erste Schicht der nächtlichen Bärenwache zu übernehmen :P Es war ebenfalls eine Reisegruppe, die allerdings ihn und zwei weitere Personen als Guide gemietet hatten und auch weiterhin mit Booten unterwegs war. Manche von ihnen hatten zuvor schon mit Booten die Angara befahren, wo die Mücken angeblich so groß wie Mäuse seien :)

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Nach ein paar Scherzen verabschiedeten wir uns und liefen in den Wald. Dort waren unsere geflügelten Freunde ständige Begleiter, sodass man eigentlich kaum stehenbleiben konnte und weswegen es kaum Fotos gibt, auf denen die abgelichtete Person nicht mit den Händen um sich schlägt. Schon nach wenigen Kilometern tauchte der erste Bach auf. Über ihn waren 3 dünne Baumstämme gelegt, die allerdings teilweise überspült waren und nicht wirklich miteinander vertaut; es war insgesamt eine recht wacklige Angelegenheit und der Bach sehr tief. Nachdem wir prüften, ob er an anderer Stelle nicht besser zu überqueren war, diese Hoffnung nicht erfüllt wurde und wir festgestellt hatten, dass er für uns auch an der Einmündung in den See nicht zu waten war, weil er zu tief war, fassten wir eine andere Entscheidung.

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Es wurde eine Art Halteseil installiert. Wir hatten an die 100 Meter Seil dabei, weil auch die Möglichkeit bestand, dass es später ein Floß zu bauen galt, um einen Fluss zu überqueren, doch dazu später mehr. Dieses Seil wurde auf Kopfhöhe zwischen zwei Bäumen auf jeder Seite gespannt (ohne Rucksack war die Überquerung schon zu machen mit etwas Geschick) und festgezurrt. So hatten wir eine zusätzliche Möglichkeit, etwas Halt zu bekommen und konnten unsere Rucksäcke relativ problemlos auf die andere Seite befördern. Es wäre wohl auch irgendwie ohne diese Aktion gegangen, die auch Zeit kostete, jedoch hatten wir genügend Zeit und sowas macht ja auch Spaß und vermittelt das Gefühl von Abenteuer :)

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Nach ein paar zurückgelegten Metern galt es, den nächsten Bach zu überqueren, dieses Mal jedoch über eine bessere 'Brücke', die aus einem zwar rutschigen, jedoch sehr breiten Baumstamm bestand, wo man sich zusätzlich am darüber liegenden Geäst etwas festhalten konnte.

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Nach den zwei Überquerungen fanden wir uns auf einem breiten Kiesstrand wieder. Das Wetter hatte sich zwischenzeitlich verändert. Es hatte aufgeklart und war sehr warm. Unser Zelt und einige Klamotten waren von der letzten Nacht noch klamm-nass, zudem waren schon wieder einige Stunden seit dem Frühstück vergangen, sodass wir beschlossen, das warme Abendessen vorzuziehen und unsere Ausrüstung zu trocknen. Diese wurde auf dem gesamten Strandabschnitt verteilt und nahm wohl gute 50 m2 in Beschlag. Wir nahmen währenddessen ein Bad, wuschen die ersten Socken und Boxershorts und kochten Tortellini, die wir mit Tomatenmark und Gemüsebrühe verzehrten.

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Jetzt war wieder alles wunderbar. Der Baikal wurde für seine Großzügigkeit gepriesen und wir realisierten das erste Mal, wo wir eigentlich waren. Das Leben war wieder perfekt :)

Während wir chillten, fielen uns das erste Mal die ganzen unbekannten Insektenarten auf. Alle waren selbst für Insekten irgendwie ziemlich hässlich und die meisten recht groß. Ein riesiger schwarzer Käfer war besonders aufdringlich. Wenn dieser angeflogen kam, hörte man ihn, bevor man ihn sah, ich verglich ihn oft mit einem Hubschrauber. Scheinbar scheint er Menschen beziehungsweise Textilien zu lieben. Er setzte sich immer auf ein Kleidungsstück und wenn man versuchte, ihn von diesem wegzuschnipsen, klammerte er sich mit aller Kraft am Gewebe fest. Er war so schwer zu lösen, dass ich annehme, er hat irgendwelche Widerhaken an den Beinen.

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Nachdem wieder alles eingepackt war, was wieder recht lange dauerte, gingen wir weiter. Leider hatte einer aus unserer Gruppe ziemliche Probleme mit dem Magen-Darm-Trakt, weswegen wir nicht allzu schnell vorankamen. Es ging weiter an der Küste entlang. Das Laufen auf den Kieselsteinen, die mal klein wie Wachtel- und mal groß wie Straußeneier waren, war anstrengend. Besonders blöd fand ich, dass die Füße unterschiedlich belastet wurden, weil immer leicht am Abhang ging und rechts auf diesem Untergrund mehr wegrutschte als links. Auch das war ein Grund dafür, dass wir an allen Tagen nicht allzu weite Strecken zurücklegten, obwohl wir kaum Steigungen zu bewältigen hatten.

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Das war jedoch alles vollkommen okay, weil wir so viel Zeit eingeplant hatten. Zeitweise ging es auch auf Trampelpfaden durch den Wald und sogar ein Geröllfeld wie man wir es aus Schweden kannten, musste mit großen Schritten übersprungen werden.

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Auch aufgrund des Gesundheitszustandes des Angeschlagenen planten wir an diesem Tag, nicht mehr lange zu laufen. Bald fanden wir leicht erhöht einen idealen Zeltplatz. Er war direkt über einem Abhang, aber eben, nah am Ufer und dem Wind ausgesetzt, weswegen wir hofften, dass sich das Mückenproblem der letzten Nacht minimieren ließe. Diese waren den Tag über größtenteils kein so großes Problem mehr; manchmal wurde man sogar bis zu 30 Minuten vollkommen verschont. Auch ein Kochfeuer konnte auf dem Kiesstrand entfacht werden, ohne großen Schaden anzurichten. Da wir zudem nicht wieder so spät einen Zeltplatz suchen wollten, entschieden wir uns, einfach an diesem Ort zu bleiben. Die schon angesprochene Arbeitsteilung wurde umgesetzt, sodass der Teig bald gehen konnte, das Zelt an diesem Tag wie gewohnt wie eine 1 stand und nur der Angler beim Angeln eingedöst war, sodass kein Fisch auf unserem Teller landete. Das sollte noch öfters so geschehen :P.

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Wir genossen das Wetter und die Aussicht auf den See und eine komfortable Nacht. Gegen späten Abend, während wir noch unser Fladenbrot im Deckel des Topfes 'buken', tauchte dann eine neue Art von Mücken auf. Zuvor wurden wir hauptsächlich von Moskitos gestochen; die neuen Tiere waren winzig, schwarz und schienen eher zu beißen als zu stechen.

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Trotzdem verharrten einige noch einige Zeit eingepackt draußen, während ich mich ins Zelt zurückzog, mich daheim meldete und noch etwas las. Zum Handyempfang ist zu sagen, dass man manches Mal wenig Empfang hatte; zum Telefonieren hätte es nicht gereicht, SMS konnte man ab und zu versenden.

Wir brachten das Essen wieder in Sicherheit und verbrachten eine ereignislose und erholsame Nacht, wobei der Balkan uns durch das Rauschen der Wellen in den Schlaf sang, was ich in den kommenden Tagen immer genossen habe.

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6. August: Unser Glück hält an

Direkt nach dem Aufstehen wird aufgeräumt und zusammengepackt. Wir stehen meistens so gegen 9 auf, brauchen dann aber ewig, bis wir fertig sind, was nicht an unserer Unfähigkeit oder dem vielen Gepäck lag, sondern eher unserer Trägheit. Oft kam es vor, dass es fast eine Stunde dauerte von dem Zeitpunkt an, als ich als erster fertig mit Packen war, bis wir losliefen. Wenn man so viel Zeit hat, nimmt man sie sich eben auch und Chillen können wir, da wir alles Studenten sind, zwischen dem 3. und 15. Semester :P

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Nachdem wir es dann endlich geschafft hatten loszugehen, mussten wir direkt nach dem Aufbruch wiederum einen Bach auf einer improvisierten Brücke überqueren. Danach verlief der Weg lange auf Kiesstrand direkt am Ufer entlang. Die Wegmarkierungen waren ausreichend dicht gesetzt, oft führte sowieso ein einziger Trampelpfad am Waldrand entlang und wenn dieser nicht vorhanden war, galt es einfach den Strand zu benutzen.

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Mir, der ich der Angeschlagene war, ging es mittlerweile wieder besser bzw. ich begann, mich mit meinem Schicksal abzufinden, ab und zu in den Büschen verschwinden zu müssen. Ich war es nur nicht mehr gewohnt, krank zu sein. Die letzten Jahre war ich unbesiegbar, hab mich wenige Wochen vor unserer Reise dann doch bei meiner Freundin mit einer Erkältung angesteckt, mir aber trotzdem die letzte Tollwut-Impfung geben lassen, da das medizinische Fachpersonal des Tropeninstitutes meinte, dass eine leichte Erkältung kein Hindernis sei; das warf mich völlig aus der Bahn und zerschoss mein Immunsystem völlig, womit ich bis heute zu kämpfen habe. Doch genug des Jammerns, denn es beeinträchtigte die Tour nicht wesentlich.

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Nach wenigen Stunden des Wanderns fanden wir einen vorgelagerten Felsen im See, welcher uns der perfekte Pausenplatz zu sein schien. Dort verzehrten wir unser Mittagessen, bestehend aus den schon erwähnten Nahrungsmitteln und dem Brot, das wir am vorherigen Abend endlich planmäßig backen konnten. An diesem Tag war die Brandung auch wieder recht stark, sodass während unserer Mahles unser Felsen die ganze Zeit leicht schaukelte.

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Nach der Mittagspause ging es bald in Wald hinein. Dort ging es teilweise durch sehr hohes (Schilf-)Gras, was mich irgendwie an Bilder aus Südostasien erinnerte bzw. an Rambo II :P Im Wald fanden wir eine Hütte, die relativ intakt zu sein schien. Nach genauerer Betrachtung der außen herumliegenden Utensilien vermuteten wir, dass zurzeit jemand sogar jemand darin wohne, gerade war aber keine Spur von einem Menschen; vielleicht war der Bewohner gerade jagen oder Wasser holen, auf jeden Fall meldete sich niemand. Wir wanderten also weiter und wurden zurück an die Küste geführt.

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Der restliche Tag sah so aus, dass wir immer wieder zwischen Küste und Wald wechselten. Gegen späteren Nachmittag kamen wir zu einer weiteren Hütte, die scheinbar auch für Wanderer gedacht war. Wir lasen, dass Baikalplan e.V. wohl etwas mit ihrer Errichtung zu tun hatte und auch vor Kurzem hier noch ein Work-Camp stattfand, das ein 'Klohäuschen' hervorgebracht hatte. Die Hütte war zwar nicht zum Nächtigen geeignet, da sie im Inneren leicht vermodert und verdreckt war - 7-8 Monate Kälte, Nässe und Schnee tun einer Holzhütte, die nicht dauerhaft bewohnt und beheizt ist, einfach nicht gut -, trotzdem war es ein schöner Platz, da genügend Raum war, um unser Zelt zu stellen und am Strand unten sich sogar eine Feuerstelle befand mit Überbau und Haken, um einen Topf über das Feuer zu hängen. Sogar Sitzgelegenheiten waren um die Feuerstelle herum angeordnet, von wo aus die Aussicht spektakulär war.

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Wir beratschlagten kurz, was wir tun sollten, da es erst Nachmittag war und am nächsten Tag die Frolikha-Überquerung anstand. Dieser zwischen 50 und 70 Meter breite Fluss muss entweder mit einem selbst gebauten Floß überquert werden oder man muss warten, bis ein Boot vorbeikommt. Wir wussten, dass je nach Wetter die Strömung auch nicht zu vernachlässigen sei, wenn wir sie aus eigener Kraft überqueren wollen, oder die Möglichkeit bestand, dass wir geraume Zeit warten müssen, bis der auf der anderen Seite wohnende Jäger, der auch Parkverwalter ist, auf uns aufmerksam wird oder ein Ausflugsboot vorbeikommt. Wir hatten auch einmal angedacht, ein Packraft mitzunehmen und daheim Versuche mit alten Traktorreifen gestartet, worauf ein Mitarbeiter des Outdoorshops unseres Vertrauens gebracht hatte, da er das bei einem bekannten Abenteurer, dessen Namen ich leider vergessen habe, gesehen hatte. Beide Möglichkeiten wurden wieder verworfen; wir wollten uns auf das Glück verlassen oder ein Floß bauen, wozu wir das Seil mitgebracht hatten, auf dem wir wenigstens unsere Rucksäcke trocken auf die andere Seite bringen konnten.

Auf Grund all dieser Tatsachen, wäre es auch sinnvoll gewesen noch weiter zu laufen, um den ganzen darauffolgenden zur Lösung des Problems zu haben. Allerdings war der Platz wirklich wunderschön und wir konnten im Notfall auch noch einen Tag an der Frolikha opfern, da wir unser Tempo ja noch beliebig steigern zu vermochten. Also blieben wir dort, stellten in Ruhe das Zelt, setzten Teig an, wuschen einige Klamotten, die dann auch noch ein paar Stunden trocknen konnten und vor dem Schlafengehen dann in die Hütte verlagert wurden, sodass diese auch noch zu etwas gut war.

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Es tat unseren Seelen gut, den ganzen Nachmittag zum Baden, Fotografieren, Dösen, Schnitzen und Reden zu haben, sodass bei mir totales Urlaubsfeeling aufkam und ich komplett tiefenentspannt war. Am Abend kochten wir über dem Feuer schon wieder Tortellini, die wir wegen des hohen Gewichts schnell loshaben wollten. An die Rucksacklast hatten wir uns mittlerweile zwar gewöhnt, jedoch schadete etwas weniger Gewicht auch nicht. Immer wieder fuhren Boote vorbei und irgendwann kamen Fischer, die ihre Netze in unserem Blickfeld spannten. Ihr geschäftiges Treiben und lautes Reden begleitete uns viele Stunden und war bis tief in die Nacht hörbar; irgendwie unwirklich in dieser Gegend.

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So ließen wir den Tag entspannt ausklingen und gingen wieder nicht allzu spät schlafen, als die Mücken uns schon wieder eine Weile mit ihrer Anwesenheit erfreut hatten. Am nächsten Tag hieß die große Hürde Frolikha, was uns aber nicht sehr beunruhigte. Gott liebt coole Menschen :P

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utor
16.11.2012, 16:34
super unterhaltsam geschrieben, weitermachen!

I3eren
16.11.2012, 16:40
Tatsächlich hatten wir, wie ihr sehen könnt, auch wir die meiste Zeit wunderbares Wetter, auch wenn es auf der anderen Uferseite bei Sewerobaikalsk meistens schlechter aussah, wenn man denn hinüberschauen konnte :)

I3eren
16.11.2012, 16:41
super unterhaltsam geschrieben, weitermachen!

Dein Wunsch wurde umgehend erfüllt ;)

Rattus
16.11.2012, 16:55
Toller Bericht, spannend, mit interessanten und witzigen Fotos! Süß, das Weihnachts- äh... Bärenglöckchen am Nadelbaum. War das Springkraut auf dem einen Foto?? Wenn ich die ganzen Mückenberichte so lese ... ich glaube, mich würden sie fertigmachen, die kleinen noch eher als die mausgroßen :bg:

I3eren
16.11.2012, 17:23
War das Springkraut auf dem einen Foto??

Das kann ich dir leider nicht beantworten; meine botanischen Kenntnisse beschränken sich auf heimisches Gemüse, das man auf dem Markt auch kaufen kann. Ich hoffe, dass jemand auszuhelfen vermag?! :)

Libertist
16.11.2012, 18:22
Eigentlich hält sich mein Interesse an Reiseberichten im Allgemeinen sehr in Grenzen, aber das hier habe ich zur Abwechslung wirklich mal gelesen. Und ich find's klasse, dass ihr so eine Reise mit eher unkonventionellem Ziel unternommen habt, wirklich! Ihr seht alle noch recht jung aus - umso bemerkenswerter, dass ihr es euch zutraut, so eine Russland-Reise (auch, wenn es sich hier um eine Wander-Region handelt) selbstständig vorzubereiten und durchzuführen. Freut mich immer wieder zu sehen, dass sich auch (andere) junge Studenten die Zeit und das Geld für Reisen nehmen, die in entlegene Gebiete führen. Ihr traut euch selbst etwas zu - spitze, weiter so!

Wahrscheinlich wirst du im Verlauf bzw. am Ende des Berichts noch darauf eingehen, aber: habt ihr vor, noch tiefer ins "Wildnisreisen" einzutauchen? Gerade Russland bietet ja unendlich viele Möglichkeiten, wenn man erstmal bereit ist, ins weglose Gelände vorzudringen. Mich würden da eure konkreten Ideen für die nahe Zukunft interessieren.

Was mir in dem Bericht etwas fehlt, ist die Vorstellung der Reisegruppe - sowas interessiert mich eigentlich immer am meisten. ;-) Also, wer seid ihr, wie alt seid ihr und so weiter. Mir macht es dann viel mehr Spaß, einer Geschichte zu folgen - eine gewisse Distanziertheit kann ich ja verstehen, aber warum muss man denn so völlig anonym sein ("Ich und eine weitere Person, nennen wir sie einfach Hermann...")?

Du schreibst, ihr hattet "sehr gute Kameras" dabei - welche denn?

I3eren
17.11.2012, 15:19
Hallo Libertist,

ich habe meine Reisebegleiter und mich nicht vorgestellt, da ich kein großer Fan der Datensammelmaschinerie bin, jedoch habe ich noch einmal darüber nachgedacht und da ich auch schon Bilder von uns hochgestellt habe, ist wohl auch nichts gegen ein paar Informationen einzuwenden; trotzdem benutze ich ihre Klarnamen nicht, einfach weil ich mich dann besser fühle.

Wir sind alle zwischen 22 und 27 Jahren alt, also ungefähr in deinem Alter.

Hermann und ich, Chris, was wirklich mein Name ist, sind seit der 5. Klasse befreundet. Er ist wie schon angedeutet aus dem bündischen Umfeld und hat mich in dieses nach und nach integriert, auch wenn ich mich darauf nie ganz festnageln ließ. Ich nehme an wenigen Veranstaltungen teil und wir gehen gemeinsam auf "Fahrt". Die "Fahrten/Reise-Kultur" in fremde Länder und die Natur gehört zur Tradition solcher Vereine.

Hermann studiert jetzt im Osten der Republik einen technischen Studiengang, eine weitere Leidenschaft ist aber die Kunst, weshalb er als Hobby und manchmal nebenberuflich zeichnet, malt und Graffitis sprayt. Ihn zieht es wohl mehr als mich auch regelmäßig in die Ferne, die Initiative zu diesem 'exotischen' Ziel ging schon hauptsächlich von ihm aus und ihn wird es wohl noch in so manche wilde Gegend und an außergewöhnliche Reiseziele führen. Er versteht gerne die Naturgesetze, denkt über Phänomene in der Natur nach, aber kann sich auch mit zweckfreien Betrachtung von natürlicher Schönheit begnügen. Er ist findig, organisiert, problemorientiert und das Kartenstudium macht ihm wie auch dir Spaß, was ihn für Wildnisreisen wohl prädestiniert.

Ich habe gerade vor wilden Gegenden und Orten, die weitläufig als nicht so sicher betrachtet werden, etwas mehr Respekt. Beispielsweise Südamerika oder Ostasien schrecken mich etwas ab, da ich glaube, dass man gerade in den Städten nicht sehr sicher ist. In der Natur fühle ich mich sicherer; ich würde mir schon auch Touren in wildere Gegenden zutrauen, allerdings nicht alleine. Man kann mich wohl schon als Schöngeist bezeichnen; bei Schwierigkeiten würden mir wohl oft die einfachsten Ideen nicht einfallen, weswegen ich findige Menschen wie Hermann brauche. Auch mein Orientierungssinn und Kartenverstand ist nicht allzu gut ausgeprägt, weswegen größere Solotouren nichts für mich sind, auch wenn ich psychisch damit umgehen könnte. Ich bin, wenn es verlangt ist, trotzdem überraschend zäh und kann mich selbst aus psychischen Löchern ziehen, wenn ich will und muss. Ich plane sehr viel voraus, weiß wie ich an Informationen und Quellen komme und das Recherchieren ist schon eine meiner Leidenschaften, die ich wohl auch etwas beherrsche, da ich in meinem Studium auch darauf zurückgreifen muss (Germanistik und Theologie).

Doch um abschließend auf die Frage nach weiteren Plänen einzugehen: Gerade ist nichts geplant. Hermann macht im Sommer seinen Bachelor und kann deswegen nicht auf so lange Sicht planen. Wir werden, wenn überhaupt etwas möglich sein wird, wohl eher spontan uns ein Ziel suchen, weswegen ein solches wohl nicht zu realiseren sein wird, das größere Planung verlangt. Russland ist ein super Reiseziel und es gäbe dort wohl noch einiges zu entdecken. Sibirien oder auch Kamtschatka fallen für mich persönlich im Sommer weg, da ich die Mücken auf lange Sicht nicht ertragen will, aber es ist nicht auszuschließen, dass uns dieses Land im Herbst einmal wiedersehen wird, da kältere Temperaturen kein Problem wären. Einer der Russen, die wir am Bärenstrand kennengelernt haben, hat uns seine Visitenkarte gegeben. Er organisiert Individualreisen und meinte, dass er uns als Guide durch den Ural, seine Heimat, führen könnte. Er war ein cooler Typ und könnte uns bestimmt helfen, unseren Traumurlaub zu organisieren. Sowas wäre eine Überlegung wert, wäre aber eben nicht ganz selbstständig organisiert. Ich schließe es aber auch nicht aus, dass wir in Zukunft krassere Dinge tun werden. Grönland oder Alaska reizt uns auch schon seit Jahren und irgendwann werden diese Fernziele noch erobert werden, wobei es auch gut möglich ist, dass es dann wegloser zugehen wird.

Also zusammenfassend: Gerade ist nichts geplant, Fernziele sind vorhanden, wir sind beide wohl zäh genug und auch die sonstigen Voraussetzungen für Wildnisreisen sind wohl vorhanden, ob der Wille dazu da ist, wird sich mit der Zeit zeigen; mehr kann ich dir im Moment dazu leider nicht sagen.

Auf die anderen bin ich bis jetzt wenig eingegangen. In den letzten Jahren war es so, dass die Initiative von Hermann und mir ausging und dann Reisebegleiter gesucht wurden, die dieses Mal allerdings auch aktiv an der Reiseplanung beteiligt waren, der eine mehr, der andere weniger.

Dabei war außer uns:

Shop: Er war unsere Stimme auf der Reise. Er ist größtenteils in Deutschland aufgewachsen, hat aber einen slawischen Migrationshintergrund, weswegen er russisch spricht. Hermann kennt ihn vom Zivi, ich kenne ihn, weil ich Hermann dort und auch in seinem Studienort besucht habe, wo auch Shop studiert. Shop ist für alles zu begeistern. Er ist von wirklich allem fasziniert, kann sich manchmal aber auch in der Faszination verlieren. Er ist etwas chaotischer Hermann und ich, meistens steckt hinter seinen Handlungen aber doch ein Plan. Er ist sehr kontaktfreudig, noch mehr als wir, die wir auch nicht gerade als schüchtern zu bezeichnen sind. Er interessiert sich für Fotografie.

Der Turner: Er hat kurz vor der Reise sein Diplom in Mathematik abgeschlossen (Man beachte den Abschluss, um daraus abzulesen, wielange er studiert hat und wie alt er ist :P), weswegen er sich an der Planung nicht allzu sehr beteiligen konnte. Er zeichnet sich durch eine ruhige Art aus, geht alles sehr entspannt an, aber doch auch wirklich gründlich. Hermann und ich kennen ihn, da er im gleichen Bund wie jener ist, schon damals mit uns auf den Lofoten war und man ihn oft bei den bündischen Veranstaltungen sieht, da er dort mittlerweile eine führende Rolle hat. Oft meinte er, dass wir fast zu laut seien, um diese wunderbare Welt während der Wanderung ins uns aufzunehmen, weswegen öfters der Spruch kam: "Manne, kucket au die Landschaft oa".

Wir vier haben alle, um es euphemistisch auszudrücken, ein gesundes Selbstvertrauen. Oft gab es Diskussionen über die richtige Vorgehensweise oder der andere wurde vorsichtig kritisiert. Zeitweise war der ein oder andere vielleicht sogar etwas beleidigt, aber nach kurzem Nachdenken darüber war das Gefühl verflogen und man hatte sich wieder lieb, weil man musste, aber vor allem weil wir uns wirklich mögen.

Der Schwimmer: Er war der fünfte im Bunde. Er war derjenige, der in unserer Gruppe am meisten in sich ruhte. Er war beständig gutgelaunt, beschwerte sich selten, hielt sich dabei tadellos und beruhigte auch so manches Mal ein Gemüt. Er studiert mit Hermann, weswegen ich ihn von meinen Besuchen auch schon kannte. Man kann ihn eigentlich nur mögen. Das Schlimme ist, dass man über die besten Menschen meist am wenigsten sagen kann, aber ich belasse es dabei.

Die Antwort auf die Frage nach den Kameras muss ich verschieben, da ich selbst nur eine Digi-Cam dabei hatte (meine Spiegelreflex war mir zu schwer, zumal Shop und der Schwimmer eine dabei hatten und irgendjemand auch die Knipsereien übernehmen musste, anstatt eine Landschaft aus einem etwas anderen Winkel zu verschieben). 'Sehr gut' ist natürlich relativ; es handelt sich um eher günstige klassische Einsteigermodelle in Art der Sony Alpha 380 oder Canon Eos XY.. Ich werde mich informieren und melde mich die Tage nochmal :)

Gruß Chris

I3eren
17.11.2012, 15:37
7. August: Russische Lebensart - Fisch und Vodka

Während des Zusammenpackens fuhr ein Boot an unseren Strand heran. Wir erkannten schnell, dass es einer der Fischer der letzten Nacht war. Nach einer kurzen Unterhaltung schenkte er uns 10 fangfrische Omule. Wir sehr dankbar dafür, da unsere Kost ohne solche Geschenke des Sees oder der Menschen - da unser Angler dem See nichts abtrotzen konnte, wobei man ihm auch zugestehen muss, dass er es nicht oft versuchte, weil auch selten gute Stellen von Ufer aus erreichbar waren -doch eher eintönig war, auch wenn wir in diesem Jahr etwas großzügiger eingekauft hatten, sodass niemand auf der Wanderung Hunger hatte wie das in Schweden der Fall gewesen war. Zum Dank wollten wir ihm etwas Schnaps geben, den wir eigentlich für genau solche Zwecke eingeführt hatten, jedoch war auch er Antialkoholiker. Sowieso waren die Russen vom mitgebrachten Kräuterschnaps auch später nicht begeistert; der hatte ihnen wohl zu viel Eigengeschmack. Wir hätten wohl besser wieder einen selbstgebrannten Zwetschgenschnaps einpacken sollen, denn der wäre wenigstens durchsichtig gewesen, weshalb vielleicht eine Chance bestanden hätte, ihnen diesen anzudrehen. Na ja: "wer ned will, hat scho kett".



Uns stellte sich jetzt noch die Frage, wann wir dazu kämen, den Fisch zu verarbeiten und wie wir bis dahin verhindern, dass er verdirbt, da es an dem Tag doch recht warm war (so um die 25 Grad Celsius). Doch gerade das nutzen wir aus. Wir wickelten den Fisch in mehrere Schichten Textilien, banden diese zu einem Beutel, den man gut tragen konnte, und tränkten das Bündel im Laufe des Tages immer wieder mit Wasser; die Verdunstungskälte hielt den Fisch wirklich richtig kühl. So versuchten wir später auch Vodka zu kühlen. MacGyver hat uns einiges gelehrt :)

Die ersten paar Kilometer führten oben an der der Steilküste entlang. Um auf den Weg zu gelangen, mussten wir zuerst um die 30 hm (ja, lächerlich) steil eine Böschung hochklettern, um genauso schnell wieder 20 hm zu verlieren und dann eine ganze Zeit über dem See zu bleiben.

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Während des Begehens dieses 'Höhenweges' entdeckten wir plötzlich einige Unebenheiten auf der sonst spiegelglatten Wasseroberfläche, die ich erst für Steine hielt, doch sie bewegten sich. Es waren Nerpas, Baikalrobben, die einzigen Robben, welche ausschließlich im Süßwasser leben. Wenn man Wikipedia glauben darf, halten sie sich eigentlich im Sommer hauptsächlich im Süden des Sees auf, aber wir hatten auch im Norden das Glück. Regungslos verharrten wir an Ort und Stelle, nur Shop bemerkte nichts, schwatzte munter vor sich hin und bewunderte ein Grab- oder Denkmal. Doch auch er verstand irgendwann unsere Gesten und leisen Zurufe, sodass die Robben sich von uns nicht gestört fühlten, weitere aus dem Wasser auftauchten und auf einen herausragenden Stein robbten :P Wir schossen zahlreiche Fotos, die leider alle von starkem Zoom zeugen, da wir uns schon in einiger Entfernung befanden und niemand das passende Objektiv auf der Kamera hatte. Shop versuchte, sich näher heranzupirschen, irgendwann bemerkten sie das jedoch und zogen sich zurück, weshalb wir es ihnen gleich taten. Beim Weglaufen sah ich, dass dieser Zustand bei ihnen nicht lange anhielt und sie sich schon wieder auf den Stein zu bewegten, um ihr Sonnenbad fortzusetzen.

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Wir kamen wieder auf die Höhe des Sees, fanden das erste Mal Zirbelkieferzapfen, deren 'Nüsse' wir auch gleich probierten. Sie schmecken echt gut, es benötigt jedoch auch etwas Fummelei, bis man beim essbaren Teil angelangt ist. Vom Strand aus konnte man die Buchten und Landzungen sehen, welche wir in den letzten Tagen umlaufen hatte ("Es ist nur noch eine Biegung"). Die Frolikha rückte immer näher und somit auch unsere Gedanken an ihre Überquerung, aber es war erst früher Nachmittag und wir hatten noch lange Tageslicht.

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Der Küstenabschnitt kurz vor der Einmündung des Flusses in den See ist ein kilometerlanger Sandstrand. An dessen Beginn machten wir noch eine Pause und beratschlagten, wie wir die Sache nun angehen wollten. Dabei genossen wir eine einmalige Aussicht. Vor uns lag eine weite Ebene, wohl auch Ergebnis des Flussdeltas, und hinter dieser eine gewaltige Gebirgskette, deren Berge für mich schon beeindruckend aussahen. Wir riefen uns in Erinnerung, dass in diesem Gebiet niemand lebte und fragten uns, wie viele Bären wohl in den Bergwäldern umherstreiften. Man fühlte sich klein und unbedeutend und doch durfte man an der Natur teilhaben und diese ehrfurchtsvoll betrachten.

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Im Nachhinein frage ich mich, warum wir den folgenden Plan beschlossen, aber es passierte nun mal so und damals erschien er uns ganz sinnvoll. Zwei blieben an Ort und Stelle, um die Fische auszunehmen und bratfertig zu machen, damit wir sie notfalls noch auf dieser Seite zubereiten konnten, falls wir keine Möglichkeit fanden, den Fluss noch am selben Tag zu überqueren, die anderen drei liefen ohne Rucksack zum Fluss und sollten die Lage auskundschaften. Der Strand war wie gesagt über einen Kilometer lang und bestand aus feinkörnigem Sand. Das Laufen ohne Rucksack war jedoch so angenehm, dass wir trotzdem bald das Ende und somit den Fluss erreichten.

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Evgenij hatte uns gesagt, dass wenn man laut genug rufe, der Jäger einen höre und abhole. Allerdings war es an diesem Tag auf der offenen Fläche so windig, dass das himmlische Kind unsere Rufe sofort schluckten. Wir sahen die Jägerhütte auch nicht direkt, sondern nur eine Fahne, welche in schon einiger Entfernung über den Baumwipfeln wehte. "Never ever hört der uns", waren unsere Gedanken. Trotz Wind war die Strömung einigermaßen ruhig, sodass wir schon den Plan fassten, dass einer im Notfall rüber schwimme und den Jäger so benachrichtige. Bis zur Ausführung dieses Plans war jedoch noch etwas Zeit, da unsere Rucksäcke und unsere zwei Reisegefährten noch in weiter Ferne waren. In unmittelbarer Nähe befand sich schon eine Feuerstelle und genügend Treibholz lag auch herum. Deswegen beschlossen wir, dass unser 'Russe' hier bleibt, ein Feuer macht, der Jäger vielleicht so auf unsere Anwesenheit aufmerksam wird, vorbeikommt und Shop mit ihm das Organisatorische klärt, während wir die Rucksäcke holen und den anderen Bescheid sagen. So verfuhren wir.

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Ich und der spätere Schwimmer, um das schon einmal vorauszunehmen, liefen zurück, entdeckten dabei am Strand einen großen Schlitten, was mich sehr erheiterte. Die anderen überzeugte unsere Argumentation, weswegen wir uns mit unseren Rucksäcken auf dem Rücken und dem Shops zwischen uns auf den Weg zur Frolikha machten, während die beiden noch die verbliebenen drei Fische ausnahmen, um dann in wenigen Minuten nachzukommen und gegebenenfalls den Rucksack aufzusammeln, falls er uns mit der Zeit zu schwer geworden wäre.

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Das Tragen eines 20 kg schweren Rucksackes zum eigenen Gewicht hinzu über einen kilometerlangen Sandstrand ist tatsächlich auf lange Sicht nicht allzu angenehm. Zwar wechselten wir alle paar Minuten die Seiten, sodass die Belastung auf unsere Oberarme und Hände gleichmäßig verteilt wurde, allerdings schnitten die Träger gegen Ende doch tief in die Handflächen ein und die Arme wurden irgendwann schwer. Aber wiederum will ich nicht jammern, es ging irgendwie und wir kamen an. Die anderen waren noch nicht aufgebrochen, das Feuer schwelte noch, allerdings war sehr viel Brennstoff verbraucht worden, da der Wind es kräftig anfeuerte (Wortspiel :P).

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Vom Jäger war noch keine Spur zu sehen, jedoch tauchte am Horizont ein Schiff auf, das ich jedoch erst für zu groß hielt, als dass es in unserer Bucht halten können. Mit der Zeit zeigte sich, dass es schon eine beachtliche Größe hatte und zu groß war, um uns über den Fluss zu bringen, jedoch nahmen wir an, dass es auch ein Beiboot haben könnte. Tatsächlich legte es in der nächsten Bucht an. Der vorher schon angedachte Plan nahm Gestalt an. Unser Triathlet erklärte sich bereit, durch den Fluss zu schwimmen und die Leute zu fragen, ob sie uns helfen könnten oder den Jäger in seiner Hütte aufzusuchen. Da er nur wenige Brocken Russisch beherrscht, schrieb ihm Shop einen Zettel, auf dem alles erklärt wurde. Dieser wurde mit Klamotten in unserem Ortlieb-Duschsack verwahrt. Unser Held band sich den Sack mit einem Seil um den Rücken und war bereit die Reise anzutreten. Mittlerweile waren auch die zwei Fischvorbereiter angekommen.

Wir schauten unserem Gesandten zu, wie er den Fluss rasend schnell durchschwamm, sich anzog und in die Ferne davon joggte; es fehlte ihm jetzt nur noch sein Fahrrad, um glücklich zu sein. Für uns hieß es warten. Da war jedoch nicht allzu tragisch, da die Aussicht immer noch so grandios war und auch das Jagen und Spiel der Vögel fesselte. Die schwebten lautlos über den Fluss, um sich dann plötzlich scheinbar ziellos ins Wasser zu stürzen und mit einem Fisch aufzutauchen. Unser Angler wurde ob dieses Erfolges offensichtlich neidisch. Gelernt ist gelernt.

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Nach einiger Zeit tauchte ein kleines Schlauchboot am Horizont auf, darin zwei Gestalten, die beide nicht als unser Gesandter zu identifizieren waren. Hatten sie ihn etwa gemeuchelt und kamen nun, um uns Ähnliches anzutun? Natürlich nicht. Sie berichteten uns, dass er heil angekommen sei und auf der anderen Seite auf uns warte. Ohne jegliche Bezahlung zu verlangen oder anzunehmen (wieder haben sie unseren Schnaps abgelehnt und meinten nur, dass sie selbst genügend Vodka hätten) brachten sie uns mit zwei Fahrten ans andere Ufer. Wir versuchten auf Russisch auszudrücken, wie wunderbar die Landschaft sei, scheinbar verstanden sie es auch. Bei dieser Konversation blieb es von meiner Seite aus, da ich einfach zu wenig Vokabeln beherrschte, als dass ich sie mehr hätte fragen können als nach ihren Namen, ihrem Wohnort, ihrem Alter und dem Namen ihrer Mutter :P Wir bedankten uns also sehr herzlich und schon waren sie wieder weg.
Am Horizont sahen wir auch schon unseren Gesandten antraben, um seinen Rucksack aufzunehmen. Als er näher kam, dachte ich mir schon, dass er irgendwie komisch aussehe. Sofort erzählte er, dass die Bedingung für unsere Rettung gewesen sei, dass er bis zu unserer Ankunft mit der restlichen Schiffsbesatzung Wodka trinken müsse. Was tut man nicht alles für die Gemeinschaft? :P Er hatte also schon 5 Gläser Schnaps trinken müssen und bekam eine wohlschmeckende Suppe, was aber auch fast die einzige Nahrung des bisherigen Tages war, weswegen der Alkohol seine Aufgabe hervorragend erfüllte. Ich grämte mich, dass ich nicht selbst der Triathlet war, sondern Sportarten betrieb, welche mir hier keine Suppe und keinen Schnaps einbrachten. Zur Belohnung seiner Strapazen bekam er wenigstens noch eine Flasche Wodka aus ihrer Schatzkiste, welchen wir am Abend zusammen trinken konnten. Die Gruppe hatte das Boot mit Kapitän und Smutje / Mädchen für alles gemietet, um durch den Baikalsee zu fahren, zu angeln und vor allem kräftig zu trinken, weswegen sie wirklich eine große Kiste voll mit Wodka an Bord hatten.

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Wir liefen zur Hütte des Jägers, neben der ein offizieller Lagerplatz war, wo wir unser Zelt aufschlagen konnten, da uns die an diesem Tag zurückgelegte Strecke genug war. Auch dort waren zwei Bauten, welche für Wanderer gebaut worden waren und gebaut wurden. Wir wollten uns doch irgendwie bei unseren 'Rettern' bedanken und brachten ihnen noch etwas Jerkey vorbei, wobei ich annehme, dass sie es eher als Köder verwendeten als aßen, da unser selbst-gedörrtes Jerkey irgendwie bei allen Russen nicht so wirklich ankam, obwohl es sehr delikat war.

Der Jäger, dessen Zahnpracht übrigens an einer Hand abzuzählen war, was im krassen Gegensatz dazu stand, dass er sich anscheinend sehr nach weiblicher Gesellschaft sehnte, weil direkt auf die Begrüßung die Frage gestellt wurde, warum wir denn keine Frauen dabei hätten, war auch irgendwann eingetroffen und kam kurz seiner Aufgabe als Parkwächter nach, indem er unsere Registrierung überprüfte und die Anglergruppe tadelte, weil mittlerweile ein Teil ihrer Gemeinschaft mit den Schlauchbooten die Frolikha hinauffuhr, um zu angeln, was allerdings nicht erlaubt war. Ihn erboste scheinbar aber nicht die Überschreitung des Verbotes, sondern viel mehr, dass er jetzt den Stress habe, dies zu sanktionieren. Die Sanktionierung bestand aus einem lächerlichen Bußgeld, was mich als Angler eher belustigt als abgeschreckt hätte, zumal uns später berichtet wurde, dass sie einen riesigen Hecht gefangen hatten.

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Abends konnten wir endlich unseren Fisch grillen und mit dem erneut gebackenen Brot verspeisen, sodass wir unseren Kocher wieder nicht einsetzen mussten, der bisher auch fast nur sein Dasein im Rucksack fristete. Wir tranken unseren kühlen Wodka, den wir auf dieselbe Weise gekühlt hatten wie den Fisch.

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Als wir schon langsam darüber nachdachten, nun in die warmen Schlafsäcke zu kriechen, da die Mückendichte auch wieder erheblich zunahm, hörten wir einen schwankenden Schritt auf dem Kiesstrand. Der Smutje tauchte schon deutlich angeheitert auf und hielt in der Hand eine weitere Flasche Wodka. Natürlich erwachten unsere Lebensgeister wieder und der Wille, die Plagegeister zu ertragen, nahm zu, da wir schließlich ja auch etwas von der russischen Kultur mitnehmen wollten und wie ginge das besser als beim Trinken mit den Ortsansässigen?

Wir setzen uns ans Feuer, tranken und redeten. Der Smutje kam in Stimmung und erzählte Anekdoten und Witze, die ich euch nicht ganz vorenthalten will. Er war jahrelang Scharfschütze bei der Armee. Stolz erzählte er von seinem ehemaligen Leben, auch wenn ich denke, dass er etwas übertrieben hat, als er davon berichtete, dass er beispielsweise eine Prüfung absolvierte, bei der man einen 50kg schweren Rucksack über 30 km tragen müsse und danach noch diverse Fitnessübungen mit diesem absolvieren, wobei er fantastische Zahlen an Liegestützen und Klimmzügen nannte, aber ein bisschen Wahrheit wird natürlich drinstecken. Auf die Frage, warum er denn aus der Armee ausgeschieden sei, die wir stellten, da er von dieser Zeit mit Stolz und Freude erzählte, antwortete er "Familie", für die er jetzt sorge, indem er im Sommer auf diesem Boot arbeite, wodurch er seine Familie jedoch auch selten sah, und im Winter in verschiedenen Restaurants kellnere. Das Wappen seiner Einheit hatte er aber am Oberarm tätowiert, was wir sahen, als er irgendwann typisch russisch sein Oberteil auszog und seinen Oberkörper zur Schau stellte. Man sah ihm an, dass er einmal sehr viele Muskeln gehabt hatte, aber leider unsauber abtrainiert hatte, weswegen er jetzt eher aussah wie ein Bär vor dem Winterschlaf.

Der Bär ist in der Taiga sowieso ein großes Thema. Sobald wir auf Menschen trafen, wurden wir sofort gefragt, ob wir Begegnungen mit dem Herren der Taiga gehabt hatten. Die Menschen berichteten wiederum selbst von Bärenbegegnungen in ferner Zeit, an anderen Orten oder von Rufen, die sie einmal im Wald gehört hatten. Ich denke, dass manche uns auch Angst machen wollten, der Respekt aber schon vorhanden war. Ein lustiges Sprichwort, was er uns erzählte, handelt auch vom Bären: "Was soll ich machen, wenn ich in der Taiga einem Bären begegne?" - "Schmier im Scheiße auf die Nase" - "Ja wo bekomme ich in der Taiga denn so schnell Scheiße her?" - "Darauf wirst du eine Antwort bekommen, wenn du dem Bären begegnest" :) Er erzählte zudem noch den Witz vom Bären und dem schwulen Jäger, der immer absichtlich danebenschießt, aber den kennt man auch bei uns, weswegen ich ihn nicht wiederhole. So ging das eine Weile und auch Shop versuchte, einige deutsche Witze ins Russische zu übersetzen, um sich zu revanchieren.

Die Wodka-Flasche war schon längst leer, als er uns fragte, was wir denn von seinem Körper hielten. Halb im Scherz nannten wir ihn einen Bären, was dort ein Kompliment ist und so fasste er es auch auf. Darauf forderte er uns nacheinander zum Armdrücken heraus. 4 von 5 besiegte er mit Leichtigkeit, unserem Turner-Ass war er allerdings nichts gewachsen :P
So endete der Tag. Wir verschwanden alle leicht beschwipst in unseren Schlafsäcken, aber waren glücklich, auch diese Seite von Russland kennengelernt zu haben, auch wenn die Sprachschwierigkeiten den Abend leicht getrübt hatten; insgesamt war es jedoch ein toller Tag.

elaso
18.11.2012, 03:11
5sterne

I3eren
18.11.2012, 16:09
8. August: Der Baikal nimmt...

Schon in der Nacht regnete es immer wieder, aber ich habe beständig gehofft, dass es gegen Morgen wieder aufklart. Tat es nicht. So klingelte der gestellte Wecker, wurde aber nochmal neu gestellt, ein Resultat der allgemeinen Unlust, bei Regenwetter aufzustehen. Als auch beim erneuten Klingeln keine Besserung eingetreten war und ein Blick aus dem Zelt verhieß, dass es nicht besser werden sollte, rafften wir uns auf, packten alles zusammen, was wir schon in die Rucksäcke verstauen konnten, und quälten uns ins Freie. Dort sah es wirklich nicht allzu einladend aus. Es regnete beständig und vor allem tobte das himmlische Kind durch die Taiga. Dieser peitschte die Wellen so auf, dass von dem am Vortag ungefähr 5 Meter breiten Strand nun nur noch ungefähr ein halber übrigblieb. Das Wasserholen gestaltete sich dementsprechend schwer, sodass der Auserwählte äußerst nass wurde.

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Nachdem auch der Zeltabbau gemeistert war, was auch bei Wind nicht gerade einfach war, da das Zelt ohne Spannung sich immer zum perfekten Segel entwickelt, frühstückten wir dann doch in der Hütte und machten uns vollends bereit zum Abmarsch. Schon währenddessen war der Jäger vorbeikommen und hatte gefragt, ob wir Medikamente für seinen Schwager hätten, der ihn gerade besuchte. Die geschilderten Symptome - starke Beschwerden beim Schlucken, Fieber und Schwäche - deuteten auf etwas Ernsteres hin, aber wir konnten nur ein paar antiseptische Halstabletten und Paracetamol erübrigen, worüber er jedoch auch sehr dankbar.

Der Patient kam kurze Zeit später selbst vorbei, wodurch sich unsere Abreise noch einmal verschob. Die Schwester des Jägers hatte anscheinend ein deutlich ansprechenderes Äußeres, denn es stellte sich heraus, dass ihr Mann ein wohlhabender Bänker aus Moskau war. Er war uns ebenfalls sehr dankbar, weswegen wir kubanische Zigarren geschenkt bekamen, die er aus dem Urlaub bei Fidel (oder mittlerweile Raul?), mitgebracht hatte. Zudem hatte er einen weiteren Omul dabei, nach dem uns eigentlich nicht so der Sinn stand, weil uns noch etwas flau im Magen vom gestrigen Wodka-Abend war oder auch weil wir uns am fettigen Omul komplett überfressen hatten. Da wir aus Höflichkeit allerdings nichts abschlagen wollten, probierten wir und vor allem ich war sehr überrascht. Ich bin nicht der allergrößte Fan von Salmoniden, in dieser Zubereitungsweise schmeckte er jedoch richtig köstlich, eine Offenbarung; der Fisch war gestern gefangen und über Nacht in reichlich Salz 'gepökelt' worden. Er berichtete noch kurz von seinen Abenteuern in der Taiga, die im Wesentlichen an die Ausflüge erinnerten, wie sie der User 'sibirier' uns hier stückweise serviert, bestand auf ein gemeinsames Abschiedsfoto, auch wenn wir uns gerade erst kennengelernt hatten, und dann marschierten wir in den Regen davon.

Eigentlich verlief der Weg auf dem Strand, von dem jedoch wie schon berichtet nicht mehr viel übrig war. So marschierten wir am oberen Rand und immer wieder schwappte etwas Wasser auf unsere Schuhe.

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Nach kurzer Zeit begann der Sandstrand sich zu wandeln, wurde erst schmaler und verwandelte sich dann in felsiges Ufer. Wir mussten von Stein zu Stein springen, was eine rutschige Angelegenheit war. Wiederholt war die einzige Möglichkeit voranzukommen, zu warten bis eine Welle sich zurückzog, schnell auf einen freigegebenen Stein zu springen und dort wieder weg zu sein, bevor die nächste Welle kam; ich fühlte mich etwas wie der bekannte italienische Klempner, der schon Schnurrbärte trug, als die zahlreichen Hippster das noch nicht für sich entdeckt hatten (ist das momentan vielleicht modern, weil diese nun erwachsenen Mode'opfer' die Nintendo-Spieler von gestern sind? Man weiß es nicht!), und bekam spontan Lust, meine alte Konsole nach der Heimkehr wieder herauszusuchen :)

So ging es ungefähr einen Kilometer an der Küste entlang, was uns einige Zeit kostete, aber es machte Spaß und man fühlte sich wieder einmal so, als sei man wirklich auf einen 'Adventure Trail'. Irgendwann waren wir dessen dann doch überdrüssig, kletterten die Böschung links von uns hinauf und schlugen uns eine Weile durch das Gebüsch. Nach einiger Zeit bog der Weg dann ins Landesinnere ab, um eine Landzunge zu kreuzen. Dort mussten wir den ersten höheren Hügel 'erklimmen', was jedoch im Vergleich zu den Steigungen der letzten Urlaube wirklich lächerlich war. Oben angekommen ließen wir unsere Rucksäcke an einer Kreuzung zurück, um den 'Kamm' entlangzulaufen und den Aussichtspunkt an dessen Ende mitzunehmen. Vin diesem aus hatte man einen schönen Ausblick in den Süden, direkt vor unseren Füßen fiel eine Wand senkrecht ab, deren Abbruchkante so aussah, als könne man schnell in den 50 Meter darunter befindlichen Baikal rutschen; wir hatten Gott sei Dank die letzten Tage schon das ein oder andere Kilogramm verloren, sodass der Druck nicht hoch genug war :)
Nach dem Aufsammeln unserer Rucksäcke ging es wieder zum Ufer hinab ("Die guten Höhenmeter!"). Es hatte schon die ganze Zeit beständig geregnet und sollte an diesem Tag auch nicht mehr aufhören. Auch während unserer Mittagspause war das also der Fall, was sie deutlich verkürzt ausfallen ließ, obwohl sie so vielversprechend war, da wir auch noch einen gesalzenen Omul mitbekommen hatten, was mal wieder etwas Abwechslung in unseren Speiseplan brachte.

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Nach der Mittagspause verlief der Weg erst durch einen Birken- und Kiefern-Wald. Dort bot sich ein faszinierender Anblick; der Wald war zweigeteilt. Auf der einen Seite stand er in vollem Saft, sodass die verschiedensten Grün-Töne ein buntes Bild abgaben, auf der anderen Seite einer Schneise, in der auch der Weg verlief, war er Opfer eines Taigabrandes geworden, von dem er sich bisher nicht erholen konnte. Wir spekulierten, ob die Schneise zum Zwecke, den Brand aufzuhalten, geschlagen worden war oder natürlichen Ursprung hatte, denn wer sollte mitten in Sibirien Bäume abholzen? Ohne zu einem Ergebnis zu kommen, ging es weiter.

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Das Ziel der Etappe war die Ayaya-Bucht, welche als die schönste Bucht der Wanderung beschrieben worden war. Die letzten Kilometer dorthin hatten es nochmal in sich. Ungefähr 10 Meter über dem See führte der Weg meistens über rutschige Felsen durch's nasse Gebüsch. Oft musste man wieder von Stein zu Stein springen, dieses Mal zwar ohne die Bedrohung der Wellen, dafür fiel es rechts neben dem Weg ordentlich steil ab. Unterwegs rutschte auch jemand aus und fiel hin. Es sah schon etwas lustig aus, wie er da wie ein bewegungsunfähiger Käfer auf dem Rücken zwischen den Felsen lag, wobei wir mit dem schadenfrohen Lachen natürlich warteten, bis er bestätigte, dass nichts geschehen war. Gerade weil es die ganze Zeit über regnete, die Berührung der klitschnassen Flora nicht zu vermeiden war und das Vorankommen bei diesem Terrain sehr anstrengend war, war man bald trotz Regenjacke ziemlich durchnässt. Mir war kalt, jedoch nicht allein deswegen, sondern weil zu meinen sonstigen Beschwerden nun auch noch Fieber dazugekommen war. Deshalb war ich froh, als wir endlich am Strand angekommen waren.

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Wir hatten zwar damit gerechnet, dass wir dort nicht unbedingt ganz allein sein sollten, weil in der Trailbeschreibung schon geschrieben stand, dass die Bucht ein beliebtes Ausflugsziel für Bootsreisende war, was wir dann jedoch sahen versetzte uns schon etwas in Staunen.

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Am Strand herrschte beinahe reges Treiben. Hier war sogar eine Art Zeltplatz zu finden. Sogar Klohäuschen gab es da, über die ich in den nächsten Stunden aber sogar einigermaßen glücklich war. Zahlreiche Boote waren an Baumstämmen festgemacht und ihr Insassen waren auf dem langen Strand verteilt. Wir sattelten also ab, noch immer leicht irritiert von dieser 'Zivilisation' in unserer 'Wildnis' und erkundeten den Strand, auch auf der Suche nach einem geeigneten Stellplatz für unser Zelt. Unterwegs plauderten wir ein wenig mit den Menschen. Ich war überrascht, wie eine Familie mit schlechten Regenjacken und in kurzen Hosen am Strand stehen konnte, um ein altes Fischernetz zu entwirren, während ich in meinem hervorgeholten Vlies fror; ich war wohl wirklich krank. Der Regen hatte immer noch nicht ganz aufgehört, war jedoch schwächer geworden, weswegen wir schnell unser Zelt am Anfang des Strandes aufstellten und auch gleich darin verschwanden, um uns erstmal aufzuwärmen.

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Die Gespräche drehten sich um den anstrengenden Tag und unsere weitere Etappenplanung. Wir hatten eigentlich nur noch so um die 25 Kilometer vor uns und mussten eigentlich erst in 4 Tagen in Khakussy sein, um unser Boot zurück nach Sewerobaikalsk zu erwischen. Deswegen beschlossen wir, am nächsten Tag einen Pausentag einzulegen, um mir etwas Zeit zur Erholung zu geben, falls sich mein Zustand bis zum folgenden Tag nicht bessern sollte, da zudem die Möglichkeit bestand, von diesem Standort aus eine Tagestour zu unternehmen. Denn wenige Kilometer von der Bucht entfernt sollte sich im Landesinneren der Frolikha-See befinden, dem eine traumhafte Kulisse bescheinigt wurde. Für Erheiterung sorgten beim Aufwärmen außerdem einige Videos auf einer unserer Kameras; der Besitzer hatte zufälligerweise den Sturz am Nachmittag aufgezeichnet. Er filmte gerade die Landschaft und den Weg, um dessen Beschaffenheit in bewegten Bilder festzuhalten, als sich der Stürzende zu seinem Höhenflug aufschwang. Das (oder wie manche hartnäckig behaupteten "der") Video (Die Schwaben haben es ja mit den Artikeln. So heißt es bei uns auch: der Butter) schauten wir wieder und wieder an. Die halbe Drehung zu Beginn war von äußerster Eleganz, das weitere Fallen wie aus dem Lehrbuch und die Kommentare des auf dem Boden liegenden Gestürzten besorgten den Rest. Auch ein Video, das aus dem Internet gezogen worden war, lockerte die Stimmung weiterhin auf (wenn man die Kristallgoogle nach dem "Big Tasty Kritiker" befragt, wird sie einem diese absolut erhellende Analyse zeigen :P ).

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An diesem Tag opferten sich nur noch zwei Menschen aus unserer Gruppe für diese, indem sie Trinkwasser schöpften und völlig durchnässt Couscous kochten, der uns wärmte, bevor wir in die Schlafsäcke krochen.

9. August: Berg und Tal

Am nächsten Morgen sah das Wetter wieder deutlich besser aus. Wir gingen erst einmal baden (wie immer nackt, obwohl wir dieses Mal schnell über den Strand mussten, um die jungen Mädchen nicht völlig um den Verstand zu bringen :P), wuschen uns mit Hilfe unseres Duschsackes die Bio-Outdoor-Seife vom Körper und chillten erstmal. Mir ging es eigentlich ganz gut, sodass ich noch guter Dinge war, dass ich mit auf den Tagesauflug könne.

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Die Zeit verging, wir konnten uns nicht entscheiden, ob wir nun zum See laufen oder doch sogar den an den Strand angrenzenden Berg zu besteigen versuchen sollten. Jemand hatte uns erzählt, dass dies innerhalb von 2 Stunden möglich sei, es jedoch keinen Pfad gebe, sondern man den sehr steilen Hang einfach so zu überwinden hätte. Wir konnten uns nicht entscheiden, was wir tun sollten und taten so eine ganze Zeit einfach gar nichts.

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Als dann schon früher Nachmittag war, fiel die Entscheidung spontan auf die Besteigung des Berges, da auf dieser Tour sowieso wenig Höhenmeter zurückgelegt wurden und sie Aussicht verlockte, da es im Umkreis einer der höchsten 'Gipfel' war. Ich entschied mich, vernünftig zu sein, den Tag vollends zur Erholung zu nutzen, in der Hoffnung, die Beschwerden endlich ganz loszuwerden.

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So blieb ich beim Zelt zurück, ärgerte mich mit dem zickigen Benzinkocher herum, buk den Tag über Brot, schrieb etwas Tagebuch und las einen großen Teil meines mitgeschleppten Buches ("Der Club der unverbesserlichen Optimisten", ein Buch, das ich Menschen empfehlen kann, die einfach nur einen gut zu lesenden Roman suchen, welcher am Rande mit den 68ern eine interessante Zeit streift. Er enthält auch viele Anspielungen auf geisteswissenschaftliche Hochzeiten - Sartre und Camus :) - und ist von einem sprachlich gewandten Übersetzer aus dem Französischen übertragen. Lasst euch nicht vom Cover und dem Klappentext abschrecken, welche eher auf einen Groschenroman für alte Witwen hindeuten).

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Vom Ausflug meiner Kollegen kann ich leider nicht allzu viel berichten. Sie erzählten aber, dass der Anstieg sehr anstrengend gewesen sei, die Aussicht atemberaubend war und der Abstieg Spaß brachte, da sie einfach querfeldein den Hang herunterrannten und gelegentlich das Tempo herausnahmen, indem sie auf Bäume aufliefen.

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Als sie dann zurückkamen, ging es mir leider wieder schlechter, sodass ich schon befürchtete, dass wir noch einen Tag in der Bucht bleiben müssten. Mittlerweile war eine weitere Reisegruppe mit einem vollkommen überladenen Boot angekommen, die sich als Zusammenschluss deutscher Rentner offenbarte. Sie wollten fast den kompletten Baikalsee umrunden und das mit einem Boot, welches es auf eine geschätzte Durchschnittsgeschwindigkeit von 10 km/h brachte; ich dachte mir nur, dass sowas nichts für mich wäre. Den ganzen Tag nur auf diesem Katamaran sitzen, egal ob die Sonne unbarmherzig sticht oder Regen und Wind einen komplett auskühlen, da man sich ja kaum bewegen konnte. Von ihnen bekam ich weitere Medikamenten und auch ein Russe gab mir Tabletten ohne Wirkstoffbezeichnung. Er nahm diese auch nicht aus einer Packung, worauf die Übersetzerin der deutschen Gruppe ihn fragte, was das denn sei. Er wollte nicht so recht damit rausrücken, sondern sagte nur: Er wird einen glücklichen Tod sterben. Das gefiel mir :P Ich nahm diese Tabletten und am nächsten Tag sollte es mir tatsächlich etwas besser gehen.

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Abends musste doch noch einer zum Frolikha-See laufen, weil er seinen Rucksack einem Russen ausgeliehen hatten, der ihn zwar hatte zurückbringen wollen, jedoch den falschen gebracht hatte, sodass sich der richtige noch am See befand. Deshalb gibt es aber heute auch Fotos vom See.

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Dorthin begleitete ihn der ansässige Jäger, welcher jedoch mit dem anderen nicht zu vergleichen war. Dieser war sehr jung, sogar jünger als wir, die wir zwischen 22 und 27 sind, und lebte mit seiner Frau in einer Hütte. Am Frolikha-See sammelte er schließlich den richtigen Rucksack ein und kam zurück, nachdem er mit der schon angesprochenen Gruppe ehemaliger Marinetaucher getrunken und Fischsuppe gegessen hatte, was uns schon auch etwas neidisch machte. Diese hatte er dort kennengelernt. Der Hauptmann oder Major (ach, ich weiß den genauen Rang nicht mehr und kenn mich in der militärischen Hierarchie auch gar nicht aus) hatte sich mit seinen Untergebenen mit einer Sicherheitsfirma selbstständig gemacht, was scheinbar ganz gut lief, da sie öfters von ihrem hohen Verdienst berichteten und auf diesem gemeinsamen Urlaub dies auch zeigten. Sie sollten uns später noch das ein oder andere Mal begegnen.

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Als er dann zurückkam, gab es noch Grießbrei zu essen und dann ging's in die Schlafsäcke.

dingsbums
18.11.2012, 16:36
Ein wirklich schöner Bericht. Egal ob für dich oder für uns - ich finde es klasse, dass du so ausführlich schreibst!

ShortBrini
18.11.2012, 21:50
Hallo,

habt ihr das Wasser aus dem Baikalsee komplett ungefiltert zu euch genommen, oder habt ihr es vorher abgekocht, mit Chlortabletten behandelt oder sonstwie gefiltert?

Hattest nur du Magen-Darm-Probleme, und hattest du das schon öfter auf Tour?

Ich frage mich das gerade, weil ich erst gestern eine Doku über den Baikal-See gesehen habe und dort gesagt wurde, das eine ansässige Papierfabrik ihr Abwasser ungefiltert in den See pumpt...

chri1
18.11.2012, 22:02
Hallo

die Papierfabrik dürfte im Süden sein, die Tour hat im Norden stattgefunden, wo die obere Angara ein grosser Baikal-Zufluss ist, zudem dürften sich die Abwässer recht gut verdünnen.
Auf Olchon ist der Baikal die Haupttrinkwasserquelle, ich glaube ich habe dennoch ein paar Tropfen reingetan.
Mir ist in Russland nur mal aaO passiert, dass ich dummerweise aus einem See getrunken hatte, ein Blick im Nachhinein auf google earth hat dann weniger erbaut, brauche aber weiterhin eine Stirnlampe in der Nacht.

berniehh
18.11.2012, 23:27
Ich frage mich das gerade, weil ich erst gestern eine Doku über den Baikal-See gesehen habe und dort gesagt wurde, das eine ansässige Papierfabrik ihr Abwasser ungefiltert in den See pumpt...
Auch wenn das Wasser aus dem Baikal See trinkbar ist,.....ich würde es wahrscheinlich auch bedenkenlos trinken wenn es keine anderen Wasserquellen gäbe. Dennoch frage ich mich ob es wirklich notwendig war das Wasser zu trinken, denn eigentlich müsste es doch auch genügend kleine Bäche geben die da in den See reinfließen:roll:

Eine sehr schöne Tour habt ihr da gemacht!
So eine Kombination aus Küste, Wälder und Berge mag ich wirklich sehr;-) Eure Fotos machen Lust dort selber mal hinzufahren. Da muss ich aber erstmal schauen wie ich an ein dreimonatiges Russlandvisa kommen kann. Ein einmonatiges Touristenvisum wäre mir nämlich viel zu kurz:roll:

Abt
19.11.2012, 04:57
Mich interessiert mal, ob ihr Werkzeug wie Säge, Beil und so etwas dabeihattet.
Würdet ihr zu so etwas anraten,bzw. wäre es von Vorteil, derartiges fürs Lagerfeuer dabeizuhaben?

Im Übrigen kenne ich jemand, der vermutlich mit diesem Katamaran euren Weg gekreuzt hat.
Derjenige war restlos sauer und frustriert über seinen 3-wöch.Urlaub auf dieser Heringstonne, zudem als Antialkoholiker:ignore: Nur ist er nie runtergekommen und war auch nicht auf Umplanung orientiert.
Wenn ich Bilder von euren Trail dagegen sehe,- einfach schön.
Dankeschön für den Tourenbericht von dir.

I3eren
19.11.2012, 10:38
Mich interessiert mal, ob ihr Werkzeug wie Säge, Beil und so etwas dabeihattet.
Würdet ihr zu so etwas anraten, bzw. wäre es von Vorteil, derartiges fürs Lagerfeuer dabeizuhaben?

Hallo Alibotusch,

wir hatten tatsächlich ein Beil dabei, um Holz zu hacken und um die Zeltheringe in den Boden zu klopfen. Es wäre meistens auch ohne Beil möglich gewesen, genügend Feuerholz zu finden. Um die Aussage noch zu präzisieren: Wir haben natürlich nur totes Holz zum Feuermachen verwendet und niemals einen lebenden Baum beschnitten. Nur lagen manchmal schon große Äste / Stämme auf dem Boden, die wir dann kleingehackt haben; weil wir dann eben langanhaltenderes Holz hatten als mit dem Kleinzeug und da uns solche arbeiten Spaß machen. Wir sind alles Akademiker, zwar vom Lande, weshalb man schon noch ab und zu körperlich arbeitet, aber eben doch meistens mit dem Kopf arbeiten, weshalb solche Arbeiten ganz nett sind. Wenn wir kein Kochfeuer gemacht haben, sondern nur unsere Fladen rausbacken mussten, haben wir das aber oft ausschließlich mit kleinen Ästen getan.

Säge hatten wir keine dabei, nur noch ein Klappspaten befand sich in unserer Werkzeugkiste und natürlich Messer verschiedenster Größe.

Gruß Chris

Abt
19.11.2012, 10:53
Hallo Chris,
also Beil hätte ich vielleicht nicht mitgenommen, aber eine Faltbügelsäge sicher für den Floßbau und um stehendes, Todholz für das Lagerfeuer zu gewinnen. Das ist allgemein trocken und qualmt daher weniger. Auch mal um den Weg freizusägen.Bei mir brauchst du dich nicht ökologisch zu verbiegen. Ich weiß wie angenehm Lagerfeuer abends ist:grins:

I3eren
19.11.2012, 10:57
Hallo,

habt ihr das Wasser aus dem Baikalsee komplett ungefiltert zu euch genommen, oder habt ihr es vorher abgekocht, mit Chlortabletten behandelt oder sonstwie gefiltert?

Hattest nur du Magen-Darm-Probleme, und hattest du das schon öfter auf Tour?

Ich hab tatsächlich auf Tour meistens etwas Probleme, aber normalerweise eben nicht in diesem Ausmaß. Wir haben das Wasser fast immer direkt aus dem See genommen und nicht gefiltert. Es gab leider nicht so viele Bäche, aber wenn diese vorhanden waren, haben wir das Wasser schon ab und zu daraus entnommen. Alle Russen haben das Wasser auch direkt aus dem See getrunken; man könnte jetzt sagen, dass sie sowas vielleicht gewöhnt sind, aber die anderen von uns hatten ja eigentlich auch kein Problem. Es hat zwar jeden irgendwann ganz kurz erwischt, teilweise dann aber erst auf Olchon oder sogar in Moskau, aber eigentlich hat es uns nie ausgebremst. Unsere Ernährung auf Tour ist wahrscheinlich auch nicht so einfach zu verarbeiten.

Die russischen Mütterchen am Bärenstrand, von denen noch berichtet werden wird, meinten schon, dass das Wasser für Kranke abgekocht werden müsste und das taten wir dann auch, als es mir nach mehreren Tagen immer noch nicht besser ging. Schließlich half der Zwieback wohl am besten.

Gruß Chris

I3eren
19.11.2012, 11:07
Hallo Chris,

also Beil hätte ich vielleicht nicht mitgenommen, aber eine Faltbügelsäge sicher für den Floßbau und um stehendes Todholz für das Lagerfeuer zu gewinnen. Das ist allgemein trocken und qualmt daher weniger. Auch mal um den Weg freizusägen. Bei mir brauchst du dich nicht ökologisch zu verbiegen. Ich weiß wie angenehm Lagerfeuer abends ist :grins:

Keine Frage, dass es das ist :) Ich wollte nur nicht den Anschein erwecken, als hätten wir uns dort wie die Berserker verhalten, da es über Ressourcen usw. hier ja auch zu Recht Diskussionen gibt.

Von unserem Beil sind wir schon überzeugt (das hatten wir auf jeder Reise dabei, selbst in Irland :P), da stehendes Todholz mit diesem auch meistens zu "fällen" ist und zum Einschlagen der Zeltheringe wird es auch jeden Tag benutzt. Für unser Zelt haben wir sehr stabile Heringe, die sich auch durch Steine treiben lassen, sodass man es überall zum Stehen bekommt, was aber auch nötig ist, da es nur durch die Heringe steht und so groß ist, dass man bei der Suche nach einem Platz meistens nicht allzu wählerisch sein kann, was Bodenbeschaffenheit usw. angeht. Klar kann man die Heringe auch mit einem großen Stein einschlagen, was wir auch schon auf kleineren Touren praktiziert haben, aber es ist schon deutlich mühsamer. Deswegen ist das Beil für uns wohl die beste Lösung, zumal wir keine fanatischen Anhänger der UL-Fraktion sind.

Gruß Chris

Abt
19.11.2012, 11:19
Das Problem mit dem "Flotten Otto",- andere nennen das Durchfall,- habe ich auch allgemein auf so einer Fahrt.
Bei mir hat sich da fetthaltiger Schnittkäse und ein Sitzpolster abends als beste Lösung erwiesen. Du hattest das Problem aber schon mitgebracht, wie da geschrieben steht.

I3eren
19.11.2012, 11:37
Du hattest das Problem aber schon mitgebracht, wie da geschrieben steht.

Nicht direkt, aber ein geschwächtes Immunsystem, was aber wohl der Grund war weswegen ich einfach anfälliger war als die anderen. Normalerweise gibt sich das recht schnell wieder, aber beenden wir dieses Thema doch besser :P

Ich denke, dass am Trail nichts gegen das Wasser aus dem See einzuwenden ist, wenn man gesundheitlich auf der Höhe ist; so sagten es und auch die Einheimischen, aber natürlich sind die Bäche schon die besser Lösung, falls welche vorhanden sind.

TLow
19.11.2012, 11:51
5sterne Sehr beeindruckend.

Und toll, wenn man mal eben 5 Leute zusammenbekommt.

I3eren
19.11.2012, 19:37
10. August: Bärenjagd? Bärenstrand jedenfalls

Am nächsten Morgen wachte ich als erster auf. Mir ging es doch deutlich besser, aber ich hatte schon gestern so viel geschlafen, dass ich auch sofort aufstand, ein bisschen fotografierte und die Umgebung genoss. Das Wetter war wieder wunderschön und versprach eine angenehmen Tag, an dem unser Ziel: "Der Bärenstrand" hieß. Wir brauchten an diesem Morgen eine Ewigkeit, um zusammenzupacken.

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Als wir dann gegen Mittag loskamen, ging es mir wieder schlechter. Meine Schritte waren an diesem Tag extrem unsicher; ich schleppte mich Meter um Meter voran, gab immer mehr meines Rucksackinhaltes ab und so ging es. Bald kamen wir an einen schmalen Sandstrand, auf dem wir wieder einmal Bärenspuren fanden, es waren größere und kleinere. Wir besprachen, etwas mehr auf die Umgebung zu achten, falls es sich um eine Mutter mit Jungem handeln sollte, die vielleicht auch etwas langsamer vorankommen konnten, gerade weil wir 5 Minuten später auch frische Losung fanden. Das geschah an diesem Tag häufiger, die Bären benutzen den Trampelpfad von einem Weg wohl ebenfalls gerne.

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Die nächsten Kilometer führten wieder quer durch den wilden Wald, um die Landzunge nicht komplett auszulaufen. Nach einem erneuten kurzen Strandabschnitt ging es wieder in den selbigen. Aus dem Gebüsch heraus konnten wir erneut Nerpas beobachten und an diesem Tag sahen wir auch die einzigen Wanderer auf unserem Trail.

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Nach wenigen Kilometern kamen wir schon am Bärenstrand an. Wir hätten wiederum weiterlaufen können, da es erst Nachmittag war, aber es waren nur noch ungefähr 10 Kilometer bis zu unserem Ziel, Khakussy, und wir hatten noch einige Tage Zeit. Auch weil ich krank war, blieben wir an Ort und Stelle, wo schon bisher nur eine russische Familie ihr Zelt aufgeschlagen hatten.

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Der Strand war atemberaubend. Er war mit wenigen Unterbrechungen mehrere Kilometer lang und bestimmt 500 Meter breit (oder tief? Vom See zum Wald waren es auf jeden Fall 500 Meter :P).

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Der Tag war relativ ereignislos verlaufen und so ging er für mich auch weiter. Ich legte mich schlafen und hoffte, dass das helfen würde, dass ich endlich wieder auf den Damm käme. Als ich aufwachte, hatten die anderen schon das Zelt gestellt und eine Kochstelle aufgebaut, die von äußerster Kreativität zeugte. Es war eine Art improvisierter Kamin, sodass wenig Holz verbrannt werden musste, um unsere letzte Portion Tortellini zu kochen. Auf diese verzichtete ich allerdings, da ich von der russischen Familie Zwieback bekommen hatte, an den ich mich auch in den nächsten Tagen hielt.

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Das in Verbindung mit einigen anderen Medikamenten, welche ich von anderen Russen bekam, brachte dann endlich Besserung. Jeder, der hörte oder sah, dass es mir nicht gut ging, schenkte uns sofort Medikamente und Hausmittel und jedes war natürlich das Beste nach Aussage des Schenkenden :). Auf jeden Fall habe ich selten so hilfsbereite Menschen erlebt, die mir schließlich zur Besserung verhalfen, womit jetzt aber auch endlich genügend über meinen labilen Gesundheitszustand gesagt sei.

Ich legte mich relativ schnell dann auch in den Schlafsack, während die anderen noch mit der russischen Familie bis in die Nacht palaverten.

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11. August: Kultur

Noch war nicht endgültig geklärt, wann wir in Khakussy sein wollten. Wir wollten das Boot am 14. zurück nehmen, jedoch auch einen Tag früher vor Ort sein, um notfalls auch vorher fahren zu können, falls das Wetter für den 14. so schlecht vorausgesagt gewesen wäre, dass ein Boot vielleicht nicht hätte fahren können. Es war klar, dass es trotzdem auf jeden Fall reichen würde, wenn wir am 12. Khakussy erreichen würden, sodass wir dort immer noch einen ganzen Tag Puffer hätten, den wir auch in den dortigen heißen Quellen verbringen konnten.

Meine Freundin hat am 11. August Geburtstag und ich hätte ihr an diesem Tag gerne persönlich am Telefon gratuliert, weswegen ich zeitweise eher dazu tendierte, an diesem Tag weiterzulaufen, um in Khakussy Empfang zu haben und dort noch einen Tag länger zu bleiben. Da es nur noch 10 Kilometer bis dahin sein sollten, vertagten wir die Entscheidung, ob wir weiterlaufen oder noch einen Tag an diesem paradiesischen Fleckchen Erde verbringen sollten, auf den Mittag. Bis dahin verbrachten wir die Zeit mit Lesen, Reden, Schnitzen und Turnen. Unser Turner stellte seine Bodenturnfähigkeiten zur Schau und so mancher versuchte, es ihm im weichen Sand gleichzutun.

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Als dann schließlich der Zeitpunkt der Entscheidung gekommen war und wir gerade diskutierten, wurden neue Argumente geschaffen; mittlerweile war eine sehr große Gruppe mit Booten angekommen und schaffte allerlei Utensilien an uns vorbei an ihren Lagerplatz. Schon nach kurzer Zeit, als sie gehört hatten, dass wir Ausländer waren, die in der Einsamkeit Sibiriens doch auch irgendwie noch so etwas wie Außerirdische waren, luden sie uns ein, doch den Tag zu verbringen, zu fischen, zu essen und abends in die Banja zu gehen. Eine Banja ist eine Art Schwitzhütte. In der Natur sollte das so improvisiert werden, dass ein natürlicher Ofen gebaut werden sollte, dann mit einer mitgeführten Plane ein quadratisches Zelt mit dem 'Ofen' in der Mitte ausgespannt werden sollte, worin man dann sitzen, stehen, Aufgüsse erleben und mit Birkenzweigen ausgepeitscht werden sollte.

Das klang natürlich verlockend und versprach, so viel natürliche Kultur (Oxymoron :P) vermittelt zu bekommen wie es wenigen Touristen möglich ist. Das überzeugte auch mich und damit war die Entscheidung eigentlich gefallen. Ich beschloss jedoch, dann wenigstens alleine soweit wie möglich in Richtung Khakussy zu laufen und nach Empfang zu jagen, den es an ausgesetzten Stellen in der Vergangenheit immer mal wieder gegeben hatte, sodass man wenigstens eine SMS verschicken konnte. Die anderen hießen mich verrückt, das in meinem Zustand zu tun, aber ich bin manchmal ein naiver Romantiker, dessen Dickschädel für keine logischen Argumente zugänglich ist. Gerade mein bester Kumpel ließ mich zähneknirschend ziehen und hieß mich wohl insgeheim zu Recht einen Idioten.

Kurz vor unserer Trennung tauchten noch weitere Wanderer auf. Ein kurzer Blick auf ihre Ausrüstung genügte wieder, um sie als Landsleute zu identifizieren, die sogar noch aus demselben Bundesland stammten. Es war eine Zweiergruppe, bestehend aus einem älteren Mann und einem jüngeren, der sein Sohn hätte sein können, was für mich jedoch nicht ganz zweifelsfrei geklärt wurde. Auch sie wollten an diesem Strand bleiben. Sie waren ein paar Tage nach uns gestartet, hatten uns aber einholen können, da wir ja langsam vorangekommen waren. Wir hatten uns wirklich bewusst so viel Zeit gelassen. Man fliegt nicht 5000 km in den Osten, um dann den Wanderweg durchzurennen und sich noch die wenigen Städte anzuschauen. Wir wollten in der Natur sein und Russland in uns aufnehmen, was wir geschafft hatten und auch weiter schaffen sollten.

Ich brach also auf uns sollte an diesem Tag ungefähr die Hälfte der Strecke nach Khakussy schaffen, um dann zurückzulaufen, ohne auf Empfang gestoßen zu sein. Trotzdem war ich im Nachhinein irgendwie besser gelaunt, da ich mein Möglichstes getan hatte. Meine Freundin wusste zwar, wo ich war und war mir auch überhaupt nicht böse, dass es nicht geklappt hat, aber ich wäre mir selbst böse gewesen, wenn ich nicht getan hätte, was ich tun konnte.

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Während ich mich hin und wieder zurück schleppte, hatten die anderen Beeren gesammelt, woraus unsere russischen Freunde eine Art Fruchtsirup aus Blaubeeren, Hagebutten, Preiselbeeren und einigen anderen Zutaten mischten, das köstlich schmeckte. Da wir mehrmals mit ihnen aßen, bekomme ich die Reihenfolge der Gerichte nicht mehr zusammen. Es gab, so glaube ich, zuerst eine Fischsuppe aus den ganzen Fischen, welche auch mir die russischen Mamas zu essen erlaubten, die natürlich auch schon mitbekommen hatten, dass ich krank war. Diese waren so, wie ich mir russische Mütter immer vorgestellt hatte: sehr resolut. Einmal saß ich auf dem Boden und aß, als sie mir sofort sagten, dass das so nicht ginge, weil ich mir sonst eine Blasenentzündung holen würde. Ich meinte, dass ich das immer so mache und mir noch nie so etwas passiert sei, aber sie duldeten keinen Widerspruch. Ich fand es irgendwie lustig und gehorchte, da sie ja nur das Beste für mich wollten :) Auch wollte einmal jemand von uns Tee ohne Zucker trinken, aber sie bestanden darauf, dass derjenige Zucker hinein schüttete; wir würden die Energie brauchen. Herzallerliebst, solange man es nicht jeden Tag ertragen muss, weil ich es normalerweise wirklich hasse, bevormundet zu werden, aber man will ja auch niemanden erzürnen :)

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Dann ging es daran, die Banja vorzubereiten. Um das Feuer herum und auch darüber war eine Pyramide mit Loch und Spalte gebaut worden, wo die Luft zu- und abströmen konnte; diese war aus Steinen aufgesetzt worden, die man am Strand finden konnte. Es fehlten noch einige Steine, worauf zwei von uns welche suchen gingen, die aber nur hellgrau mit schwarzen Punkten sein durften. Wir sammelten einen Rucksack voll und trugen damit unseren Teil zur abendlichen Entspannung bei. Die Steine wurden durch das Feuer erhitzt, welches später dann gelöscht wurde. Wieder überlegten wir, was wir denn tun sollten, um uns irgendwie zu revanchieren. Wir taten alles, was in unserer Macht stand, buken für das Abendessen zwei Ladungen Brot und opferten einen Teil unseres Jerkeys. Von dem Brot sollten sie später wirklich begeistert sein.

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Zuvor ging es jedoch mit der Familie vom Vortag, der großen Gruppe, die übrigens vom Ural stammte und den beiden Deutschen in die mittlerweile fertiggestellte Banja. Auf diese musste ich leider auch verzichten, da ich immer noch krank war und es für keine gute Idee hielt, mein Immunsystem mit einem Dampfbad und anschließenden Bad im eiskalten Baikal zu belasten. Die anderen berichteten jedoch, dass es eine Offenbarung gewesen sei und von außen hörte es sich auch nach einer großen Gaudi an. Die Stimmung kochte darin über, die Aufgüsse auf den heißen Steinen heizten diese an und es bereitete augenscheinlich sogar Spaß, einen anderen mit Birkenzweigen auszupeitschen und selbst ausgepeitscht zu werden.

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Ich hasste meinen Körper dafür, dass er mir dieses Erlebnis vorenthielt, aber behielt vorerst meine gute Laune. Mit jedem neuen Durchgang wurde das jedoch schwieriger, auch wenn dann wenigstens jemand da war, der Bilder vom Sonnenuntergang machen konnte und ein Video drehte, das beweist, dass in dem 'Zelt' um die 20 Menschen waren, obwohl ich mir vorstellte, dass es darin zugehen müsse wie in einem engen Hühnerstall. Nach ungefähr einer Stunde war die Zeremonie vorbei und wir kehrten erstmal zum Zelt zurück, wo ich den restlichen Abend auch verblieb, da meine Laune irgendwann doch gekippt war.

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Die anderen begaben sich ans Lagerfeuer der Russen, aßen bei diesen eine Gemüse-Rinder-Suppe, sangen mit ihnen russische und deutsche Lieder und tranken zusammen, wobei kein normaler Wodka war, sondern hochprozentiges Ethanol, das mit Wasser verdünnt und mit Beeren aromatisiert wurde. Unter den Liedern war eins, das ihnen besonders gefallen hatte: Машина Времени - Однажды мир прогнется под нас könnt ihr bei Youtube suchen. Es ist eine lustige Kritik an der Jugendkultur. Als sie zurückkamen, weilte ich bereits halb in Hypnos Reich.

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EbsEls
20.11.2012, 08:05
Vielen Dank für diesen klasse Bericht. Mein Interesse ist groß, da ich vor ein paar Jahren auch Baikal-Luft schnuppern durfte.
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OT @ Alibotusch:

... sauer und frustriert über seinen 3-wöch.Urlaub auf dieser Heringstonne ...
Da hätte unser Bekannter mal jemand fragen sollen, der sich damit auskennt, denn wie steht in der Baikalhymne geschrieben:


Herrlicher Baikal, du heiliges Meer,
Auf einer Lachstonne will ich dich zwingen!
Starker Nordost treibt die Wellen daher.
Rettung, sie muss mir gelingen.

Mika Hautamaeki
20.11.2012, 09:07
die vom Hügel geschossenen Strandbilder sind ja ein Träumchen! Wenn die Tannen nicht wären, könnte man den Strand glatt in die Karibik verlegen.

Rattus
20.11.2012, 11:00
Tolle Fotos und wirklich witzig und selbstironisch geschrieben! Ja ja, die russischen Mamas sollte man wahrscheinlich nicht erzürnen, sonst gibt es Haue :bg:

I3eren
20.11.2012, 21:29
12. August: Zurück in die reale Welt

Nach dem Aufstehen frühstückten wir wieder mit unseren russischen Freunden. Es gab, wenn ich mich recht erinnere, unter anderem Haferbrei und gebratenen Fisch. Nach dem Frühstück verabschiedeten sich die beiden anderen Wanderer mit den Worten: Bleib sitting, I make only a photo :P Ich bewunderte sie mittlerweile noch mehr, da sie nicht nur kein Russisch sprachen, sondern auch ein solches Englisch, und sich trotzdem in diesen Landstrich wagten. Wir sollten uns am nächsten Tag wieder in Khakussy sehen, bei Evgeni in Sewerobaikalsk nochmal und ein letztes Mal auf der Raketa, aus der wir dann in Olchon ausstiegen, während sie bis nach Irkutsk fuhren, um die Stadt noch 3 Tage anzuschauen, was ich definitiv für zu lange hielt.

Nachdem auch unser Zelt abgebaut war, wir uns herzlich von den Menschen verabschiedet hatten, die uns so viel gegeben hatten, wofür wir uns nur mit so wenig und einem gemeinsamen Abschiedsfoto revanchieren konnten, brachen wir dann zur vorerst letzten Etappe auf.

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Die ersten Kilometer verliefen wieder völlig ereignislos und waren für mich zudem weniger spannend, da ich sie am vorherigen Tag ja schon zweimal gelaufen war. Meistens verlief der Weg am Waldrand, manchmal direkt an der Küste. Unterwegs fanden wir Schädel-, Schulter- und Schenkelknochen von relativ großen Tieren und kamen auch gegen Ende in Gebiet, welches sehr an das schwedische Fjäll erinnerte, in dem auch wir letztes Jahr unterwegs gewesen war.

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Ungefähr 2 Kilometer vor dem Ziel legten wir die letzte Mittags- und Schokoladenpause ein. Wir hatten pro Tag übrigens zwei Tafeln Schokolade dabei, die uns gegen Nachmittag ein bisschen neue Energie geben sollte. Unser Essenssystem ist über Jahre ausgearbeitet worden und hat wohl nun so langsam seine endgültige Form erreicht :).

Vor dieser Stärkung galt es allerdings noch ein letztes Hindernis hinter uns zu bringen. So war wieder ein Zufluss zum Baikal zu überqueren. Wieder war er an Ort und Stelle zu tief zum Waten, aber es waren zwei schmale Baumstämme über das Gewässer gelegt. Mit Rucksack war die 'Brücke' ohne Hilfsmittel jedoch schwer zu begehen, da sie wieder nicht allzu stabil, dafür aber rutschig war. Auf unserer Uferseite lagen lange Stangen. Diese nahmen wir auf, um uns bei der Überquerung mit diesen abzustützen. So gingen wir nacheinander über die Brücke, indem wir die Stangen in den 'Flussboden' rammten, welche dann von der Strömung gegen die Baumstämme gedrückt wurden; das brachte erstaunliche Stabilität. Wie Gondoliere stocherten wir uns so auf die andere Seite; die Stangen mussten dabei wiederholt über den Zufluss gestoßen werden, um allen die erleichterte Überquerung zu ermöglichen.

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Schon nach diesem letzten Abenteuer kamen die ersten Anzeichen der 'Zivilisation' mit uns in Kontakt. Zwei 'Wanderer' in Turnschuhen kamen aus Khakussy. Das 'Dorf' ist eine Art Kurort mit heißen Quellen und Wellness-Angebot. Dabei kann man dort entweder campen / zelten oder eins der Holzhäuser mieten.

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Auf den letzten Metern kamen uns weitere Menschen entgegen, die hier offensichtlich zur Kur waren. Als wir schließlich im Zentrum angekommen waren, fiel zumindest mein Zivilisationsschock nicht ganz so heftig aus. An der Bar / dem Kiosk holten wir uns erst einmal ein gekühltes Bier und meldeten uns daheim, da wir die Tage zuvor keinen Empfang hatten.

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Auch die ehemaligen Marine-Soldaten waren in Khakussy gelandet. Sie waren schon mit Trinken von Bier und Wodka und dem Essen von Omul beschäftigt und luden Shop gleich dazu ein. Wir waren eher zurückhaltend, besonders ich fand' die meisten von ihnen nicht ganz so sympathisch. Nachdem wir uns einen Platz auf dem Boot, das am 14. fahren sollte, gesichert hatten, bauten wir das Zelt auf. An diesem Tag wurde nicht mehr allzu viel vollbracht; nur Essen wurde noch gekocht und die meisten von uns tranken abends an der Bar noch ein Bier. Dort legte bis in den späten Abend ein 'DJ' Hits aus allen Jahrzehnten auf.

13. August: Warten

Ein schnell abzuhandelnder Tag, von dem es eigentlich kaum Bilder gibt. Wir tranken das ein oder andere Bier, wuschen ein paar Klamotten, faulenzten in den heißen Quellen, die wirklich sehr heiß waren (ich konnte mich nur in die zwei Becken setzen, welche mit kaltem Wasser auf eine aushaltbare Temperatur gekühlt wurden, wobei es trotzdem das heißeste Wasser war, in welchem ich jemals saß; es gab noch 3 heißere Becken), duschten und erholten uns einfach, auch wenn es eigentlich gar nicht so sehr nötig gewesen wäre. Lustig, jedoch auch etwas unangenehm, fand ich, dass wir, als wir von dort zurückkamen, sahen, dass uns russische Zeltnachbarn Nudeln und Dosenfleisch vor das Zelt gestellt hatten, da sie wohl der Meinung waren, dass man sich so wie wir nicht ernähren könne. Ich hielt mich sowieso weiterhin an Zwieback.

Gegen Nachmittag kamen auch unsere Bekannten vom Bärenstrand nach, mit denen am Abend dann auch die kubanischen Zigarren geraucht wurde, die wir noch nicht aufgebraucht hatten. Beim örtlichen 'Restaurant' hatten wir uns Abendessen bestellt; es gab Kohlrouladen, Buchweizen und Rote-Bete-Salat mit Mayonnaise, was eigentlich echt ganz gut geschmeckt hat. Ich verschwand wieder relativ schnell nach dem Sonnenuntergang im Zelt, welchen wir auf einem Steg vor der Bar betrachteten. Dort waren hunderte Schilder angebracht, die scheinbar von den Besuchern angebracht worden waren, welche ihren Heimatort mit dazugehöriger Entfernung zu Khakussy darauf verewigten.

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Abt
20.11.2012, 22:05
Danke, war toll zu lesen. kann es sich bei den gefundenen Schädel um einen Bärenschädel handeln?

I3eren
20.11.2012, 22:37
Also der Schädel war eigentlich zu klein für einen (erwachsenen) Bären. Mein schneller Vergleich mit Bildern von Bärenschädeln spricht eigentlich auch eher dagegen; ich tippe auf einen Fuchs, wobei ich die anderen Knochen diesem nicht auf Anhieb zuordnen würde, weil sie wiederum zu groß waren :)

Ja, also der Bericht über die Wanderung auf dem F.A.C.T. ist hiermit abgeschlossen. Es folgt noch der kürzere Aufenthalt auf Olchon. Auch über die Transsib und Moskau würde ich noch gern ein paar Worte sagen, einfach auch weil viele Freunde der Reisenden hier mitlesen und es diese auch interessiert, wobei ich mich bei da kurz gefasst habe und natürlich auch nicht so viele Bilder poste, da es sich ja um ein Outdoor-Forum handelt :)

Gruß Chris

elaso
20.11.2012, 22:55
Für mich kanns gar nicht genug Bilder geben. :cool:

I3eren
21.11.2012, 17:13
Fazit zum F.A.C.T.

Der Trail ist wie schon zu Beginn erwähnt nicht allzu lange. Wir haben uns sehr viel Zeit für die Begehung genommen. Zuvor hatten wir uns zwar vorgenommen, einen Tagesausflug in das Hinterland zu unternehmen, taten das aber schließlich nicht, obwohl mit dem Weg an den Frolikha-See das möglich gewesen wäre, und es auch einen Rundweg auf einen Berg geben sollte, der von einem der deutschen 'Wegbauer', sie nannten ihn Terminator, angelegt worden war. Bei uns kamen Krankheiten dazwischen und irgendwie waren wir auch einfach zu gemütlich unterwegs.

Der Hauptweg war wunderschön und von der Beschaffenheit auch für Menschen geeignet, welche noch keine allzu große Wandererfahrung haben. Er führte eigentlich immer an Küste entlang, oft direkt auf dem Strand, oft auch durch den Wald. Dabei bewegte man sich im Wald meistens auf einem schmalen Trampelpfad, selten musste man sich weglos durch's Gebüsch schlagen, wobei keineswegs eine Machete benötigt wurde, was allerdings auch manche Gruppen dabei hatten, wie man uns erzählte. Das Gehen auf den Kiesstränden war zwar für die Füße und Beine anstrengend, jedoch war die konditionelle Anforderung nicht allzu hoch, weil man kaum Steigungen zu überwinden hatte. Die Schwierigkeit bestand vielmehr in der Entfernung zur Zivilisation. Zwischen der Rangerstation und Khakussy liegen nur die Jägerhütte an der Frolikha und die 'Zeltsiedlung' in der Ajaja-Bucht.

Auf dem Weg selbst sahen wir tagsüber gar keine Menschen, dafür können einem abends Ausflugsboote und russische Bürger, die in diesem Gebiet Campingurlaub machen, begegnen. Das ist eine Chance, wenn man etwas Russisch spricht oder wenigstens offen ist, mit Hand und Fuß Kontakt mit Menschen aufzunehmen. Manche beherrschten ein paar Worte Englisch, aber darauf sollte man sich nicht allzu sehr verlassen. Unterwegs kann man unberührte Natur erleben, aber auch sehen, welchen Einfluss der Mensch auf diese hat; so lag immer wieder angespülter Müll am Ufer. Wir konnten Baikalrobben, Streifenhörnchen und sehr viele Insekten beobachten, von Wölfen und Bären sahen wir nur die Spuren und Hinterlassenschaften. Fische haben wir trotz Angel nicht gefangen, aber so manchen geschenkt bekommen.

Unsere menschlichen Bekanntschaften bereicherten unseren Erfahrungsschatz und Speiseplan ungemein. Die Menschen waren uns gegenüber offen, fast neugierig; sie sind unfassbar nett und gastfreundlich. Ich glaube, dass wir eigentlich keine echten Burjaten, die ursprünglichen Bewohner dieser Landschaft, kennenlernten. Die meisten unserer Bekanntschaften waren vielmehr entweder selbst Touristen, nur eben russische, oder Nachfahren der Menschen, welche in Sibirien Abenteuer, Einsamkeit oder Arbeit gesucht hatten. So ist auch Sewerobaikalsk erst im 20. Jahrhundert entstanden, als die Eisenbahn ausgebaut wurde, wo man heute entweder von der selbigen lebt oder vom Tourismus, der in den letzten Jahren zunahm.
Das Ziel, Khakussy, ist ein Kurort, welcher mir eigentlich eher trostlos vorkam, was aber wohl auch an der unberührten Natur der vorherigen Tage lag. Die heißen Quellen sind ganz angenehm, um noch etwas zu entspannen, während man auf die Abreise mit dem Boot warten muss.

Ich habe die Zeit am östlichen Baikalufer genossen und würde die Gegend jedem empfehlen. Wenn man will und hart genug ist, den Urwald und die Mücken zu ertragen, kann man sich mit Guide oder alleine ins Hinterland schlagen, wobei man dann noch einige Zeit in das Finden von Karten investieren sollte, um dort absolute Wildnis und Einsamkeit zu finden. Auf dem Trail kann man Erlebnisse in der Natur und solche mit Menschen verbinden, sodass man auch etwas Kultur, fern der eigentlichen touristischen Zentren, in sich aufnehmen kann. Die angesprochenen Mücken waren zu Beginn eine Plage, was sich mit der Zeit aber gab. Nach den ersten beiden Tagen waren sie tagsüber stoisch zu ertragen, am Abend wurde es heftiger, aber es war noch nicht so schlimm, dass man sich sofort nach dem Stillstand ins Zelt zurückziehen musste.

Um dorthin und wieder zurück zu gelangen, muss man allerdings viel Zeit in den unterschiedlichsten Verkehrsmitteln verbringen. Um zur Rangerstation, dem Start, zu gelangen, muss man nach Irkutsk oder Ulan-Ude fliegen, von dort aus entweder mit der teuren Raketa oder dem günstigen, aber auch beengten Zug nach Sewerobaikalsk fahren, von wo aus ein kleines gechartertes Boot einen über den Baikal befördert. Insgesamt dauert die Anreise also gut 48 Stunden. Und Anreise bleibt Anreise, auch wenn viele Dinge in Russland anders laufen.

Auf jeden Fall kann man es so zusammenfassen: Schee war's! :)

I3eren
21.11.2012, 17:23
14. August: До свидания (Auf Wiedersehen) östliches Baikalufer!

Eigentlich wollten wir mit dem Linienboot zurück nach Nischniangarsk fahren und dann weiter zu Evgenij, wenige Stunden vor dessen Abfahrt, bot sich jedoch die Möglichkeit mit einem 'privaten Taxi' zu einem günstigeren Preis den See zu überqueren. Wir schlugen sofort zu und nachdem wir unser Zelt dann eilig zusammengeworfen hatten, ging es mit einem wirklich topmodernen Boot flott sogar direkt nach Sewerobaikalsk. Die Ostküste, an der wir so viel erlebt hatten, verschwamm langsam am Horizont und war schließlich nicht mehr zu sehen.

Im Hafen angekommen, bezahlten wir den Fahrer und liefen den gleichen Weg zurück zu Evgenij, den wir das letzte Mal im strömenden Regen zurückgelegt hatten. Bald tauchten die schon vertrauten Plattenbauten vor uns und wir begaben uns direkt zum Hostel. Evgenij selbst war nicht da, worauf wir schon vorbereitet waren, da er uns erzählt hatte, dass er mit einer Wandergruppe unterwegs sein werde. Seine Frau oder eine Angestellte begrüßte uns aber und teilte uns bald mit, dass wir nicht hier übernachten könnten, aber wir schon weitervermittelt worden waren. Uns sollte eine Freundin des Hauses abends abholen und bei sich beherbergen; bis dahin konnten wir unsere Sachen im Hostel lassen und uns dort aufhalten. Wir blieben noch einige Zeit dort, da einer sein teures Vlies im Boot vergessen hatte, weswegen er mit meinen Schuhen zum Hafen zurückjoggte, um es zu holen.

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Ich hatte 3 Paar Schuhe dabei. Ein paar Nike Free für die Aufenthalte in den Städten und die Abende nach der Wanderung, ein Paar Five Fingers für eventuelle Bachquerungen, 'Strandaufenthalte' und lange Mittagspausen und natürlich meine Wanderschuhe. In Schweden war ich mit den Five Fingers auch manchmal wandern, was ich auf diesem Weg allerdings nicht hätte machen können, da es an den Stränden schon sehr unangenehm gewesen wäre und die Waldwege selten waren bzw. so verwachsen, dass man über die schweren Schuhe (Hanwag Alaska GTX) doch meistens froh war.

Während seiner sportlichen Einlage las und beantwortete ich Mails. Als er zurück war, brachen wir rasch auf. Wir hatten mittlerweile beschlossen, dass wir auf Olchon eine Wanderung versuchen wollten. Da klar war, dass die Lebensmittelbeschaffung dort nicht so einfach sein sollte wie hier, wollten wir uns bereits in Sewerobaikalsk eindecken. Zuvor besuchten wir allerdings noch ein Restaurant, das uns Evgenij empfohlen hatten. Dort aßen wieder einen Salat mit Mayonnaise und als Hauptgang Teigtaschen, die sehr an Maultaschen erinnerten. Sie hießen nicht Pirogen und auch nicht Pelmeni, sondern irgendwas in der Art von 'Pose'. Sie schmeckten gut, allerdings wurde das Mundgefühl immer wieder von in der Füllung befindlichen Knorpeln gestört.

Auf dem Weg zur Bank, wo wir unsere Bargeldreserven auffüllten, kamen wir an einem Platz vorbei, der mit Marschmusik und epischen Hymnen beschallt wurde, obwohl dort nichts Besonderes stattfand; typisch russisch :P. Wir hatten in den letzten 10 Tagen unterwegs eigentlich kein Geld verbraucht; nur die Transportmittel mussten bezahlt werden und das eben bar. Die Bank sah so aus, wie man sich ein Geldinstitut in ärmeren Gegenden vorstellt. Vor der Tür bewachte sie ein Sicherheitsbeamter mit Schusswaffe und die Fenster waren mit dicken Eisenstäben gesichert, aber man bekam mit Kreditkarte sein Geld. Danach deckten wir uns in der Apotheke noch mit Kohle- und Rinderbluttabletten ein und gingen auf den Markt. Ich blieb nur kurz dort, da schon wieder heftig über die weitere Planung diskutiert wurde, ich darauf keine Lust hatte, da ich mit allem einverstanden war, und ich von der Situation unter vielen Menschen irgendwie auch überfordert war.

Wir diskutierten, wie schon manchmal angedeutet, sehr viel. Wir sind 5 junge Männer mit jeweils nicht gerade kleinem Ego. Eigentlich war jeder bei allem immer davon überzeugt, dass er es am Besten könne, egal was es war; entweder weil er das kundtun wollte, weil er tatsächlich helfen wollte oder weil er einfach nur Alternativen hatte nennen wollen, ohne jetzt eine Handlung direkt zu kritisieren, ließ er alle an seiner Meinung teilhaben (Der Schwimmer sei einmal herausgenommen; er ist der wohl sozialverträglichste). Das ging wohl jedem irgendwann einmal auf den Keks und wenn er sich gerade nicht im Griff hatte, führte es auch selten zu energischeren Diskussion. Wir wussten jedoch alle, dass wir einander brauchen und es niemand tatsächlich böse meint. Dass alle so starke Persönlichkeiten sind, und da ist der Schwimmer eindeutig wieder miteinbezogen, hatte auch seine Vorteile; zu jeglichem Thema konnte jeder etwas beitragen, sodass wir abends teils sehr interessante Diskussionen über das Bildungssystem, die deutsche und russische Sozialstruktur, zu unserem Wirtschaftssystem usw. hatten, auch wenn es in diesen manchmal nur um die Diskussion ging, weil eigentlich alle eine ähnliche Meinung hatten, jedoch darüber auch reden wollten.

Also ging ich zurück zum Hostel und genoss die Einsamkeit bis unsere deutschen Bekanntschaften vom Bärenstrand eintrafen. Die anderen kamen dann auch bald mit Lebensmitteln und Trinkwasser zurück. Sie hatten bezüglich des Essens für die nächsten Tage etwas anders eingekauft als wir das bisher getan hatten. So wurden für die Wanderung auf Olchon mehr frische Lebensmittel gekauft und einige Büchsen Dosenfleisch. Gewichtstechnisch war das im Verhältnis zwar um einiges schwerer, allerdings hatten wir ja genug Kapazität, da wir auch nur vom 15. bis zum 20. August auf Olchon bleiben konnten Einer von uns flog nämlich schon am 20. von Irkutsk aus in die Heimat, da er dort Verpflichtungen hatte, und auch unser Zug fuhr am 21. nach Moskau ab. Wir reservierten noch ein Hostel in Moskau mit Abholservice vom Bahnhof, da wir mitten in der Nacht dort ankommen sollten und da nicht allzu viele Möglichkeiten sahen, das auf anderem Wege zu regeln. Am frühen Abend kam schließlich unser Auto. Natürlich war es nur ein normales Auto, sodass es mit insgesamt 6 Personen und unseren Rucksäcken wieder recht eng wurde.

Unsere Gastgeberin fuhr aus der Stadt heraus und brachte uns zu ihrem Haus in einem ungefähr 3 Kilometer entfernten Vorort. Auf dem Weg dorthin musste so manche Kuh abgepasst werden, die dort frei herumliefen. Überhaupt war es sehr ländlich. Yippie, wieder eine andere Seite von Russland, die wir in uns aufnehmen konnten :) Das Haus war sehr sauber, die Betten waren mir zwar zu weich, aber die Unterbringung war mehr als akzeptabel. Wir wurden sofort in die Küche gelassen, um einen Gemüseeintopf zuzubereiten. Die Bewohner trauten unseren Kochkünsten allerdings nicht allzu sehr, weswegen immer wieder prüfend ein Blick in die Küche geworfen wurde :) Auch unsere Zutatenauswahl war scheinbar als nicht ausreichen beurteilt worden, weswegen uns erntefrisches Gemüse aus dem eigenen Garten gebracht wurde. Hinter dem Haus war ein riesiges Feld, auf dem die Familie selbst zig Sorten an Gemüse anbaute. Wir selbst kommen auch alle vom Land, jedoch können wir uns leider nicht in diesem Maße selbst versorgen, aber das gefiel uns sehr.

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Wenn ich mich recht erinnere, wurde uns noch eine Banja angeboten, aber wir begnügten uns mit dem Badezimmer, da es schon spät war und es am nächsten Tag früh zur Raketa-Station zu fahren galt. Das Badezimmer ist noch eine Erwähnung wert. Und zwar war in diesem eine wahre Luxus-Dusche, die viele Einstellungsmöglichkeiten bot. Man merkte die Nähe zu Südostasien, wo man ja auf luxuriöse Badeinrichtung steht. Man konnte das Wasser aus der Decke strömen lassen, einen normalen Duschkopf benutzen, gleichzeitig noch die Kniekehlen bespritzen lassen und die Temperatur relativ genau einstellen. Nicht alle Funktionen waren einsatzbereit (das Telefon zum Beispiel nicht :P und auch das Licht in der Dusche ging nicht, weswegen eine Schreibtischlampe außerhalb angebracht war, die allerdings nicht ausreichte, um den Innenraum durch die abgedunkelten Scheiben zu beleuchten), weswegen ich vermute, dass es sich um eine fehlerhafte Produktionslinie oder etwas in der Art handelte, weswegen sie auch erschwinglich oder sogar umsonst gewesen sein wird. Ich fand es auf jeden Fall lustig eine solche Dusche zu benutzen :)

Nach dem Essen wollten wir natürlich sofort spülen, die Hausherrin bestand jedoch darauf, das selbst zu tun. Wir diskutieren zwar darüber, gaben jedoch irgendwann auf und gingen schlafen. Am nächsten Tag wollten wir ihr etwas mehr als den vereinbarten Betrag auszahlen, da man sich so gut um uns gekümmert hatte, aber das lehnte sie kategorisch ab. Das nennt man dann wohl Gastfreundschaft. Für uns ist das schwer zu verstehen, aber es zeigt, was für eine tolle Region und Kultur man dort vorfindet.

15. August: Tourismus

Als wir gerade erst aufgestanden waren, hatte unsere Gastgeberin bereits den Frühstückstisch gedeckt. Nach dem Frühstück fuhr sie uns zum Hafen, wo bald die Raketa auftauchte. Auf der Fahrt las ich mein Buch fertig und schlief mehrere Stunden. Nach 7-8 Stunden erreichten wir Olchon. Die Anlegestelle war ein altes Schiff, was ich äußerst amüsant fand. Wir schauten noch dem Start der Raketa zu und wendeten uns dann der neuen Landschaft zu. Diese war nicht mehr mit dem nordöstlichen Baikalufer zu vergleichen. Es waren grasbewachsene Hügel zu sehen, die noch von braunen Fahrtwegen durchzogen waren.

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Wir wussten noch nicht genau, wo wir denn die nächsten Tage verbringen sollten, auch wenn wir schon eine Idee für eine Route hatten, deren Tauglichkeit wir uns allerdings noch einmal bestätigen lassen wollten . Unser Ziel hieß zuerst einmal Chuschir, wo wir uns weiter informieren wollten. Ein Linienbus, der uns dorthin bringen konnte, sollte am Abend zur nahegelegenen Fährstation kommen, wohin wir uns deshalb wendeten. Da er auch die Fähre benutzen musste, um auf die Insel, auf welcher wir uns schon befanden, zu kommen, war es wohl sinnvoller vor der Überfahrt die Details mit dem Fahrer zu klären, falls er nach dieser sofort davonbrausen sollte. Deshalb benutzten auch wir die Fähre, die zu unserer Freude kostenlos benutzt werden konnte.

Auf der anderen Seite angekommen hatten wir noch mehrere Stunden Zeit bis zur Ankunft des Busses, die wir nutzten, um uns im nahegelegenen Ort schon mal etwas über die Bedingungen auf der Insel zu informieren. Man bot uns dort allerdings nur an, die üblichen touristischen Ziele anzufahren, was wir natürlich ablehnten. Während des Wartens sprachen uns einige Asiaten an, woher wir den seien; sie selbst sprachen sehr schlecht Englisch, beherrschten aber sehr gut Russisch und waren eindeutig Touristen; hatte Kim Jong-un einige Funktionäre zur Erholung in den kommunistischen Bruderstaat geschickt, der heute offiziell eine Demokratie zu sein vorgibt? :P Irgendwann änderten wir unseren Plan und fuhren zurück auf die andere Seite.

Dort fragten wir mehrere Fahrer von Minibussen, ob sie uns nach Chuschir fahren könnten und was das kosten würde, weil wir doch nicht so spät dort ankommen wollten. Der fünfte Fahrer wollte uns für einen akzeptablen Preis mitnehmen. In seinem Gefährt einen UAZ-Bus saßen bereits zwei Russinnen, aber wir fanden samt Rucksäcken noch einen Platz. Anschnallen konnte man sich natürlich wieder nicht, aber für unsere Sicherheit waren an der Frontscheibe zahlreiche Heiligenbildchen angebracht :P Deren Schutz benötigten wir auch. Der verrückte Fahrer heizte mit halsbrecherischer Geschwindigkeit tollkühn über die Straßen, in denen sich Schlaglöcher befanden, die bis zu einem halben Meter tief waren. Oft fuhr er auf der 'Gegenfahrbahn' auf eine Anhöhe zu, worauf ich mich fragte, was denn nun geschehen würde, wenn von der anderen Seite ein Auto mit derselben Geschwindigkeit auf seiner Straßenseite entgegenkommen würde; zeitweise hatte ich Angst um mein Leben. Der Minibus hielt diesen Belastungen überraschend stand; die schon angesprochene russische Technik begeisterte wiederholt :)

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Wir sind im Zentrum von Chuschir abgesetzt worden, wo sich uns ein ganz anderes Bild als bisher bot; die ganze Stadt war ausschließlich auf den Tourismus ausgerichtet. Es befanden sich nur Restaurants, eine Touri-Info, Ausflugsorganisationen und Werbeschilder für Ausflüge und Hotels entlang der Hauptstraße, die allerdings auch den Charme einer Westernidylle vermittelte, zumal ein Cafe wie ein Saloon aussah. Über die Straßen bewegten sich aber keine Steppenläufer (Die Pflanzenbälle in 'Cowboyfilmen' :P), sondern nur zahlreiche Touristen und mehrere Straßenköter.

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Nachdem wir den Schock überwunden hatten, kauften wir noch ein paar Kleinigkeiten ein und machten uns auf zur Nationalparkverwaltung, wo wir uns wieder eine Genehmigung abholen wollten und vor allem unsere angedachte Route abzuklären gedachten. Leider wurde und gesagt, dass sie nicht zu machen sei, weil es dort zu wenig Wasser, gar keine Wege und nur Gestrüpp gebe, worauf wir umdenken mussten. Wir hatten auch schon überlegt, ob wir einfach bis zur Nordspitze der Insel laufen sollten, wo sich auch der berühmte Schamanenfelsen befindet, um uns von da wieder abholen zu lassen. Auch diese Idee wurde verworfen, weil es sehr teuer war, von dem vor allem bei Touristen beliebten Ort wegzukommen. Also entschieden wir uns dafür, zur Südspitze der Insel (Fährstation) zu laufen, was so um die 50 Kilometer sein sollten, für unsere dreieinhalb Tage also in gemütlichem Tempo gut zu machen. Von dort waren wir ja gerade günstig nach Chuschir gekommen und das sollte uns wieder gelingen.

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Eine Karte von Olchon hatten wir schon erstanden, sodass eigentlich alles vorbereitet war, denn auch die Fahrkarten nach Irkutsk hatten wir bereits für den 20.8. gekauft Es war schon später Abend, weshalb wir die Nacht in der Nähe von Chuschir verbringen wollten. Nördlich (ja, eigentlich die falsche Richtung) befand sich am Baikalufer ein Zeltplatz, den wir in dieser Nacht nutzten. Er war nicht allzu sauber und auch das Wasserholen war recht anstrengend, da es doch noch gute 500 Meter bis zum See waren und der Sand sehr fein war, aber wir wollten hier ja nur eine Nacht bleiben.

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Dort begegneten wir einem Russen, der vor langer Zeit in der DDR stationiert gewesen war und sich sehr für uns interessierte. Ich fand ihn nicht allzu sympathisch, da er mir zu aufgedreht war, auch wenn er es wohl nur gut gemeint hat. So hatten wir kleinere Probleme mit unserem Benzinkocher, der manchmal etwas rumzickt, worauf er uns seinen Gaskocher brachte, obwohl wir das abgelehnt hatten, weil wir wussten, dass unserer über kurz oder lang sich wieder fangen würde. Das tat er auch wirklich, worauf wir einen köstlichen Gemüseeintopf /eine Gemüsesuppe verzehren konnte. Ich verzieh ihm sein übermotiviertes Verhalten aber spätestens, als er eine Flasche Wodka brachte und wir diese gemeinsam tranken. Kurz darauf gingen wir schlafen.

chri1
21.11.2012, 17:50
Die Posy sind einfach burjatische Teigtaschen, was daran so burjatisch ist, weiss ich auch nicht, so viel anders schmecken die ja nicht.
Ihr dürftet gemerkt haben, dass man in Chuschir durchaus auch was einkaufen kann, nur das Internet fand ich dort witzig.
Das mit dem Wasser hatten auch andere Wanderer festgestellt, zwar ist die Insel vom See umgeben, aber gerade an der Ostküste und auch auf dem Weg nach Koboi hat es viele Steilküstenabschnitte, so dass es für sie schwierig war um an Wasser zu kommen (sagten sie mir).
Die Schamanenfelsen sind übrigens in Chuschir und das Kap Koboi lohnt sich trotz vieler Touristen sehr, mir hat es auf Olchon eigentlich erst hinter Chuschir gefallen (was auch daran lag, dass ich recht antizyklisch unterwegs war, d.h. am Abend zum Kap geradelt und am Morgen sobald die Busse da waren, wieder zurück).
Die Uaziks gefallen mir übrigens auch sehr gut, allerdings sind die Einheimischen nicht so gut auf diese zu sprechen (sind doch nicht so robust, wie sie aussehen, aber man kriegt sie wohl doch meist irgendwie geflickt).

I3eren
22.11.2012, 23:25
16. August: Endlich wieder draußen

Am nächsten Morgen packten wir für unsere Verhältnisse recht schnell zusammen. Schon auf dem Weg zurück zum Zentrum begann es heftig zu regnen, worauf wir unsere Regensachen überzogen. Trotzdem warteten wir die heftigste Phase unter einem Pavillon ab, der vor ein Cafe gebaut war. Beim Warten wurde es recht frisch, weswegen wir dann doch bald aufbrachen. Sowieso war es in den letzten Wochen etwas kälter geworden, sodass wir in unseren Schlafsäcken nachts nicht mehr allzu sehr schwitzten.

Aus der Siedlung heraus folgte uns ein Straßenköter, der uns bis zum frühen Nachmittag nicht mehr verlassen sollte. Bald kamen wir in den Wald, der jedoch erstmal nicht viel mit einem Wald zu tun hatte. Es war ein schrecklicher Anblick und blutete allen das Herz; der komplette Wald wurde als Müllkippe missbraucht! So sieht sie aus die Schattenseite des Tourismus, wenn die Folgen nicht bedacht wurden oder wenn einfach das ökologische Bewusstsein fehlt. Leider gibt es gar keine Bilder von dieser Schandtat, aber wir waren wohl alle zu sehr geschockt. Da kommt man aber schon mal ins Nachdenken über das Reisen. Wir selbst haben auch Unmengen an CO2 verursacht und hätten einiges einsparen können, wenn wir mehr mit dem Zug gereist wären, aber man hat eben leider auch nicht immer die Zeit, nicht einmal als Student. Ach, besser nicht allzu viel nachdenken :(

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Bald ließen wir das hinter uns und kamen auf offene, grasbewachsene Flächen. Wir bewegten uns auf Fahrtwegen fort, die von den Mini-Bussen ausgefahren worden waren, welche Touristen an die Stellen fuhren, die wir die nächsten Tage zu Fuß erreichen würden. Von den Bussen sahen wir in den folgenden Tagen aber nur wenige. Der Weg verlief durch hügeliges Gelände, was und mit den mittlerweile doch auch wieder schwereren Rucksäcken schon ins Schwitzen brachte, vor allem da wir die Regenjacken noch tragen mussten, weil es immer wieder regnete. Die Mittagspause verbachten auf dem höchsten Hügel im Umkreis, der uns einen schönen Blick auf Chuschir ermöglichte. Nachdem wir den Straßenköter vertrieben hatten, ging es weiter.

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Bis zum Abend besserte sich das Wetter beständig und sollte auch die nächsten Tage halten. Wir wanderten nun den ganzen Tag durch eine Landschaft, welche mehr baumlose Tundra als Taiga war, was ich als eine gute Abwechslung erlebte, auch wenn ich sehr gerne im Wald unterwegs bin.

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Am Abend fanden wir einen wunderbaren Stellplatz für unser Zelt. Direkt neben einer Installation aus Baumstämmen und Knochen, die ich eigentlich eher für künstlichen Touristenmagnet hielt als für eine wirklich schamanische Opferstelle bauten wir das Zelt auf. In unmittelbarer Nähe befand sich auch ein See.

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Wir hofften, dass wir unsere Trinkwasservorräte an diesem auffrischen konnten, wurden allerdings enttäuscht, da es ziemliches Brackwasser war, zudem stark schwefelhaltig. Wir hatten also nicht mehr allzu viel Wasser, aber wir haushalteten bis zum nächsten Tag gut und litten so nur wenig Durst.

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Etwas Wasser musste allerdings für den Buchweizen verbraucht werden, den es zum Dosenfleisch gab. Ich hielt mich weiterhin an meinen Zwieback. Ich habe Zwieback schon immer geliebt und tue es auch nach diesem Urlaub noch, in dem ich mich über eine Woche nur von diesem ernährt habe :P Wir kochten natürlich wieder auf dem Feuer, trieben mit diesem noch allerlei kontrollierten Schabernack, um ein paar schöne Fotos zu bekommen und verkrochen uns dann ins Zelt.

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17. August - Endlose Steppe

Am nächsten Morgen war das Wetter wieder wunderbar. Wir brachen auf und liefen die ersten Stunden durch weite Wiesen. Auf diesen lebten sehr viele Heupferde (große Grashüpfer :P), die so einen Krach machten, dass man sich wie in einer Metall-Fabrik fühlte. Diese Viecher verfolgten uns den ganzen Tag. Sie versuchten auch, unsere Hosen, Rucksäcke und Kamerataschen zu fressen, sogar vor menschlicher Haut machten sie nicht Halt; natürlich kamen sie durch keine Oberfläche durch :P

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Im Laufe des Tages zog der Himmel wieder zu. Wir mussten endlich unsere Wasserreserven auffüllen, die langsam zur Neige gegangen waren. Unser Weg führte uns auf Olchon niemals an die Küste, aber manchmal so nahe heran, dass Wasserholen ohne größeren Zeitaufwand möglich war. Gegen frühen Nachmittag war die Stelle erreicht, an der wir nur ungefähr einen halben Kilometer laufen mussten, um an den See zu kommen. Da wir wieder relativ gut im Zeitplan waren, beschlossen wir, unsere Rucksäcke am Weg zurückzulassen, wo auf einem Opferfelsen Menschen auch schon zahlreiche Münzen dargebracht hatten, und unten an der Küste zusätzlich zum Wasserholen zu relaxen und zu kochen.

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Der Weg dorthin führte an Felsen vorbei, deren Anblick mich an die Winnetou-Verfilmungen erinnerten, doch niemand wollte mit mir den Schatz der Apachen suchen gehen :( Unten angekommen gingen die meisten von uns erstmal schwimmen, ich schlief auf dem Kiesstrand sogar ein. Es war eine schöne Bucht, die leider nicht ganz so einsam war, da auch ein Fahrweg so nah lag, dass selbst lauffaule Touristen diese erreichen konnten, ohne ihre gehüteten Wohlstandsbäuche in Gefahr zu bringen. Als ich aufwachte, hatte die anderen bereits ein Feuer gemacht und kochten drauf Nudeln mit Tomatensauce. Als wir gegessen hatte, wollten wir dann weiterziehen, doch noch bevor wir spülen konnten, schüttete es plötzlich wie aus Kübeln. Die Regenjacken hatten wir Gott sei Dank eingepackt. Schon bald brachen wir trotz des Regens auf.

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Nachdem wir bei den Rucksäcken angekommen waren, hörte es auf zu regnen und auch den restlichen Tag blieb es trocken. Nach wenigen Minuten erreichten wir eine offene Steppe, deren Weite uns förmlich erschlug. Bis zum Horizont sahen wir grasbewachsene Hügel, auf denen sich nur ab und zu ein Wäldchen befand, nirgends ein anderer Mensch als wir.

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Bald fanden wir nach der Durchquerung eines Wäldchens einen Zeltplatz, der mir sehr gefiel. Er lag auf einem leichten Abhang und aus der Zelttür hatte man einen wunderbaren Blick auf den gegenüberliegenden Wald, welchem ebenfalls ein Abhang vorgelagert war. Wir kochten an dem Abend wieder einmal Grießbrei und buken auf einem kleinen Feuer, das wir in einem ausgehobenen Loch gemacht hatten, unser Fladenbrot heraus. An diesem Tag wurde es verdammt früh kalt und den Bäckern, die noch nach Sonnenuntergang beschäftigt waren, gebührt größten Respekt.

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In der Nacht war es so kalt, dass das Kondenswasser an der Zeltinnenwand gefroren war, als ich aufwachte, und auch unser Wasser in den Plastikflaschen nur noch Eis war. Endlich konnte man sich einmal richtig in seinem Schlafsack verkriechen, ohne Angst haben zu müssen, dass man an Überhitzung sterben könnte.

I3eren
24.11.2012, 15:37
18. August: It's a long way..

An diesem Morgen hatten wir so schnell zusammengepackt wie an sonst keinem Tag, da es einfach so kalt war, dass jeder so schnell wie möglich los wollte. Es ging erst kurz durch den Wald, dann über flache Grasflächen und schließlich wurde es wieder hügelig.

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Es gab nicht wie in den letzten Tag einen eindeutigen Weg, sondern eigentlich nur noch Trampelpfade. Wir verbrachten allerdings nicht allzu viel Zeit mit dem Kartenstudium, um zu erfahren, wo genau wir den seien, sondern liefen einfach der Nase nach. Es waren nur noch so um die 25 km bis zum Fähranleger, Wald würde es nicht mehr geben, sodass es einfach war die Richtung zu halten, um zum Ziel zu gelangen.

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In der Mittagszeit regnete es immer wieder leicht, aber wie auf der ganzen Fahrt wurden wir relativ verschont. Da es allerdings immer noch frisch war und nicht mal die Sonne schien, kamen wir schnell voran. Immer wieder gab es schöne Aussichtspunkte über die hügelige Graslandschaft, am Horizont konnte man sogar schon den Fähranleger erahnen.

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Weil wir so schnell vorankamen, wobei ich mich noch an ein anregendes Gespräch über Filme und Bücher erinnere, waren wir schon am Nachmittag so weit, dass die restliche Strecke bis zum Ziel so kurz war, dass wir sie an diesem Tag voll hätten zurücklegen können. Das lag natürlich nicht in unserem Interesse, da wir schon Fahrkarten für den 20. hatten und es nicht wünschenswert war, einen Tag länger als notwendig in der Touristenhochburg Chuschir (für sibirische Verhältnisse natürlich ;) ) zu verbringen. Also schlugen wir den Weg zur Küste ein und fanden bald einen schönen Zeltplatz.

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Es war an dem Tag sehr windig, weswegen sich der Zeltaufbau etwas schwieriger gestaltete. Während dies drei von uns bewältigten, liefen die anderen den Kilometer zum Seeufer, um unsere Wasservorräte aufzustocken. Nach dem Zeltaufbau legte ich erstmal einen Mittagsschlaf ein, obwohl es eigentlich eher verwunderlich war, dass ich noch schlafen konnte, weil wir die ganze Reise über mindestens 10 Stunden in der Nacht geschlafen hatten, aber ich kann immer schlafen, auch wenn ich mich im Alltag dazu zwinge, das zu reduzieren, sonst verpasst man ja das ganze Leben :)

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Um unser Zelt herum wuchsen Pflanzen mit phallischer Anmutung (vielleicht wäre es unter normalen Umständen allerdings auch nicht zu solchen Assoziationen gekommen, aber es war eben auch schon die dritte Woche fern der Heimat :P) und südlich von unserer sicheren Burg erhob sich der höchste Hügel im Umkreis. Als die anderen nach kurzer Zeit wieder bei uns waren, bestiegen wir diesen noch in legerer Fußbekleidung (ich in meinen Five-Fingers) und genossen den Ausblick über einen Großteil der Insel, da es mittlerweile auch wieder aufgeklart hatte.

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Auf dem Gipfel hatte man guten Handyempfang und da wir noch viele Minuten mit unserem russischen Guthaben nach Deutschland telefonieren konnten, meldete sich jeder daheim. An dem Tag wechselte das Wetter ständig, sodass es bald auch wieder so aussah, als ob man besser absteige, wenn man nicht nass werden wollte. Also taten wir das, setzten Teig für unser Brot an und ließen einfach die Seele baumeln.

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Ich las ein Buch von Hermann; es heißt "Vergessen in der Taiga" und ist ein Bericht über eine russische Familie, die seit vielen Jahrzehnten alleine in der Taiga wohnt und auch erst vor ungefähr 30 Jahren von Geologen entdeckt wurde. Dorthin waren sie während religiösen Unruhen in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts gezogen und lebten dort bis zum Zeitpunkt ihrer "Entdeckung" in fast mittelalterlichen Zuständen mit nur wenigen 'Errungenschaften' der Zivilisation. Das Buch war nicht allzu gut übersetzt / geschrieben, die Geschichte aber doch sehr interessant. Da es sich um eine wahre Begebenheit handelt, kann man mehr über sie erfahren, wenn man die Kristallgoogle nach "Familie Lykow" befragt.

Irgendwann wollten wir noch Kochen und die Fladen backen, jedoch machte unser Benzinkocher Zicken - vielleicht war er beleidigt, weil er so oft durch ein Kochfeuer ersetzt worden war? - weswegen dieser Plan nicht aufging. An dieser Stelle ein Tipp für Kochinteressierte: Wir dachten, dass wir den Hefeteig einfach in Zipp-Beuteln aufbewahren könnten und er über Nacht schon nicht so sehr gehen würde, wenn es doch so kalt war und er luftdicht eingeschlossen: Pustekuchen! Über Nacht vergrößerte er sich inflationär und sprengte sein Behältnis.

Nach einer längeren Unterhaltung folgte dann die vorletzte Nacht im Zelt, die letzte einigermaßen fern der Zivilisation :(

19. August: Der letzte Wandertag

Der letzte Wandertag verlief nun noch unspektakulärer als der vorherige. Die größte Hürde war noch das erneute Besteigen des 'Hausberges', was mit Rucksack doch etwas anstrengender war, und danach ging es mit ganz gutem Blick auf die Küste über ein paar letzte Hügel und schon waren wir beim Fähranleger.

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Dort hielt unser unerhörtes Glück auf dieser Reise an. Wir liefen die Straße hinunter, als uns ein UAZ entgegenkam, welcher nach Chuschir zu fahren schien. Schnell wurde das Auto angehalten und die Frage, ob er uns mitnehmen könne, umgehend positiv beantwortet. Der Preis war halb so hoch wie auf unserer letzten Fahrt, aber der Fahrer fuhr auch lange nicht so schnell, womit ich aber leben konnte :P

In Chuschir angekommen begaben wir uns zum selben Zeltplatz wie bei unserem letzten Aufenthalt und begannen schnell das Zelt aufzubauen, da der Himmel so aussah, als würde es in unmittelbarer Zukunft regnen. Tatsächlich begann es schon während des Aufbaus, aber bevor es richtig losging, waren wir im sicheren Inneren.

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Kurze Zeit später war eine russische Stimme zu hören; die gehörte zu einem bereits angeheiterten Russen, der offenbar erkannt hatte, dass wir keine normalen Reisenden waren. Er war Soldat bei der Luftwaffe, wenn auch zu diesem Zeitpunkt nicht in Uniform. Er war mit zwei Kameraden zum Campen und Saufurlaub nach Chuschir gefahren. Umgehend wurden wir auf einen Wodka eingeladen, den wir natürlich nicht ausschlugen. Leider war nicht der beste Tropfen, aber wir bekamen Bier zum nachspülen. Während er also mit uns im anhaltenden Regen stand, trank und uns eine Lektion in Geschichte gab ("Deutsche Kriegsgefangene waren im Zweiten Weltkrieg und danach keinesfalls bis hinter den Ural verschleppt worden"), bauten seine Mitreisenden schon das Zelt ab und waren scheinbar nicht allzu amused, dass er sich darum drückte.

Ich verabschiedete mich bald wieder, um zurück ins Trockene zu kommen. Die anderen unterhielten sich noch kurze Zeit mit ihm und buken dann unseren Fladenbrotteig heraus, der noch immer vom vorherigen Tag übrig war, obwohl es nie ganz aufhörte zu regnen, aber des Schwaben Motto ist: "No nix verkomme lasse!"

So war der letzte Abend im Freien eher trostlos, aber wir hatten die letzten Wochen schon viel erlebt, weswegen das zu verkraften war :)

Fazit Olchon:

Die Landschaft auch Olchon ist an sich sehr schön und auch unsere Wanderung hatte ganz gute Momente. Es war eine schöne Abwechslung, eine andere Landschaft zu sehen als am nördlichen Ufer. Chuschir war für mich der absolute Horror, da es sehr touristisch ist und dabei nicht einmal schön. Es ist mir zwar öfters so vorgekommen, als ob man in diesem Landstrich kein Bewusstsein für Ästhetik hätte, aber wahrscheinlich war und ist das einfach nicht möglich, da das Geld für so etwas fehlt und nur wichtig ist, dass es etwas praktisch ist. Das und auch die relative Armut bedrückt mich sehr und trübte meine Laune schon das ein oder andere Mal. Ach, eigentlich gibt es nicht viel über Olchon zu sagen. Durch die Fokussierung auf den Tourismus wurde wohl viel von der eigentlich schönen Insel zerstört, sodass Kultur und Natur beide nicht mehr zeigen können, was sie eigentlich zu bieten haben, da jene aufgrund der touristischen Ausrichtung nicht mehr authentisch ist und diese durch den Tourismus verändert wird (siehe Müll und Fahrtwege). Leider.

Damit bin ich also am Ende des Outdoor-Teiles der Reise angelangt. Ich würde trotzdem gerne noch ein paar Worte zu den letzten Tagen in der Transsib und in Moskau verlieren, weil viele unserer Freunde diesen Bericht hier lesen und der Teil sie bestimmt auch interessiert. Natürlich fasse ich mich kurz und poste nur wenige repräsentative Bilder.

I3eren
25.11.2012, 01:30
20. August: Die lange Heimreise beginnt

Am Morgen ging es los zur 'Bushaltestelle', wo schon ein paar Menschen warteten. Nach kurzer Zeit kam ein Minibus, ein asiatisches Fabrikat, an, auf dessen Kühlergrill wie in der Gegend üblich ein großer Mercedes-Stern angebracht war :P
Schnell war klar, dass unser Gepäck nicht mehr im Bus wohnen konnte, da schon für uns nur noch wenig Platz war. Wir bekamen jeweils einen Müllsack, in dem wir unsere Rucksäcke einpackten, worauf sie dann auf dem Dach verschnürt wurden - mein armer Rucksack :(.

Die Fahrt nach Irkutsk dauerte ungefähr 5 Stunden und führte erst über die staubigen Wege von Olchon und dann über endlose gerade Straßen. Dort wurde ein ordentliches Tempo gefahren und so manches Auto überholt. Ich habe während der Fahrt wieder geschlafen, während der Wachphasen gab es allerdings auch landschaftlich nicht so viel zu sehen; die Straßen führten schnurgerade durch Wälder und Steppen, sodass man meist sehr weit nach vorne bzw. hinten (ich saß mit dem Rücken zur Fahrtrichtung) sehen konnte.

Bald erreichten wir Irkutsk. Kurz vor Ende der Fahrt schüttete es noch wie aus Kübeln, sodass ich schon Angst um meinen Rucksackinhalt hatte, aber der Müllsack und die Regenhülle hielten in trocken.

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In Irkutsk angekommen suchten wir schnell eine Möglichkeit, um zu unserem Hostel zu gelangen, wo wir dann erstmal duschen und dem Konsum ungehemmt frönen wollten. Bald hatten in Erfahrung gebracht, dass uns ein Bus vom Zentrum aus direkt dorthin bringen konnte und fanden diesen auch sofort. Das Zahlungssystem war genauso organisiert wie in den Minibussen, obwohl es sich dieses Mal um einen großen Omnibus handelte. Wir fuhren über eine halbe Stunde mit dem Bus und zahlten nur wenige Rubel, obwohl der Bus sogar Vorhänge besaß, die ihn ein bisschen wie einen kitschigen Asia-Imbiss aussehen ließen :P Die Öffentlichen in Russland gefielen mir insgesamt wirklich sehr, schön günstig :)

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Nach der kostenlosen Irkutsk'rundfahrt' fanden wir schnell das Hostel. Abends wollten wir kochen und auch das ein oder andere Glas Wodka zu uns nehmen, weswegen drei aus unserer Gruppe erstmal den nächsten Supermarkt aufsuchten. Auf dem Weg dorthin sahen wir mit Deuter-Rucksäcken bestückte Menschen, von welchen wir schon annahmen, dass sie Landsleute seien und wir sie später im Hostel wohl wieder sehen könnten, was tatsächlich der Fall war. Leider war die Einkaufsmöglichkeit nicht ein solches Konsumparadies wie wir gehofft hatten, sondern eher ein kleiner Laden, dessen Gemüseauswahl uns nicht überzeugte. So beließen wir es beim Kauf weniger Zutaten und kauften den Großteil in der angrenzenden Markthalle, welche wir zuerst nicht gesehen hatten. Dort gab es herrlich frisches Gemüse, an dem wir uns reichlich bedienten, da es abends wieder eine Gemüsesuppe bzw. Borschtsch-Interpretation geben sollte.

Als wir ins Hostel zurückkamen, saßen die 4 Reisenden, welche wir vorher gesehen hatten, bereits am Tisch und mein Verdacht bestätigte sich - Deutsche. Ich muss zugeben, dass ich normalerweise im Urlaub nicht so gerne auf andere Deutsche treffen, aber diese stellten sich als äußerst nett heraus. Sie waren in unserem Alter und sollten auch mit uns im Zug nach Moskau zurückfahren. In Russland hielten sie sich auf, weil sie Freiwillige waren, die an dem Projekt mitarbeiteten, welches auch unseren Pfad gebaut hatte. Leider waren sie an eine Teamleiterin geraten, welche nicht allzu viel Plan hatte, weswegen die Gruppe auch schon vor dem geplanten Ende ihren Dienst quittiert hatten und etwas waren, wenn sie auch noch weniger Strecke als wir zurückgelegt hatten.

Nun waren wir also zu neunt im Hostel, später sollte auch noch ein Russe, ein Türke, ein Österreicher und zwei weitere Deutsche auftauchen, sodass es in der kleinen Küche recht kuschelig wurde; damit konnten wir aber auch nach der mehr oder weniger einsamen Zeit gut umgehen. Gegen Abend wurde es wirklich gemütlich, sodass wir spontan noch einige Flaschen Wodka und Bier kauften. Bis spät in die Nacht oder eher bis in den frühen Morgen wurde also getrunken und erzählt; in dieser Nacht wurde einer aus unserer Gruppe, der Schwimmer, mit dem Taxi abgeholt, da er schon an diesem Tag nach Hause flog. Seine Ausreise lief nicht ganz glatt, sondern er wurde am Flughafen von mehreren Beamten befragt, vielleicht weil er nicht für jeden Tag einen registrierten Aufenthaltsort nachweisen konnte (böse Zungen behaupten, dass es auch an seiner Fahne gelegen haben könnte), was dann aber an der Sprachbarriere scheiterte, weil natürlich niemand Englisch konnte und er nur ein paar Brocken Russisch. Schließlich wurde er wieder entlassen und flog gen Heimat, während wir unseren Rausch ausschliefen.

21. August - 24. August: Die lange Fahrt mit Transsibirischen Eisenbahn

Wir waren also nur noch zu viert. Unser Zug fuhr erst abends ab, weshalb wir den Tag noch einigermaßen nutzen konnten. Morgens gingen wir wieder auf den Markt und in den Supermarkt, um uns für die fast 4-tägige Fahrt mit Vorräten einzudecken. Im Gegensatz zum ersten Besuch fühlten wir uns auf jenem dieses Mal recht wohl; wir hatten uns wohl an die Gepflogenheiten gewöhnt, zudem roch es in der Fleischabteilung auch nicht mehr so stark nach Schwein, da es früher am Tag war. Auf dem Markt kauften wir Obst, Gemüse, Zirbelkiefernüsse, Fisch und Brot, womit wir mit wenigen Zukäufen bis nach Moskau kamen. Was auch nicht fehlen durfte, waren natürlich ein paar Flaschen Wodka, den wir am vorherigen Tag ja schon ausgiebig getestet hatten :P

Zur Feierabendzeit ging es dann mit dem Bus zum Bahnhof. Der Bus war wieder uralt und ein asiatisches Fabrikat wie die meisten Vehikel, die sich in Irkutsk über die Stra0en bewegten. Mit unseren 4 Rucksäcken war es im Bus, der sowieso schon überfüllt war, ganz schön eng; ich konnte mich nirgends festhalten, aber war mit dem Rucksack so zwischen Decke und Boden eingekeilt, dass gar nichts passieren konnte. :P

Am Bahnhof warteten wir noch eine ganze Weile auf den Zug. Zwischenzeitlich war auch der Chef der ehemaligen Soldaten uns verabschieden gekommen, die wir noch am Baikalsee kennengelernt hatten. Unsere deutschen Trinkkumpanen vom gestrigen Abend waren ebenfalls vor Ort und wir sollten sie während der Zugfahrt noch oft zu Gesicht bekommen. Schließlich kam der Zug an, der Einstieg lief völlig ohne Probleme ab, unsere Karten, die wir uns schon nach Deutschland schicken lassen hatten (organisiert von Real Russia in London) wurden vom Schaffner akzeptiert und wir fanden unsere Plätze schnell.

Wir hatten die unterste Klasse gebucht. In dieser Klasse hat man kein abgeschlossenes Abteil für sich, sondern es sind auf der einen Seite offene 4-Abteile, die ungefähr 1,80 lang sind (Bettenlänge), ebenso breit (zwei 70 cm breite Betten gegenüber mit einem klappbaren Tisch dazwischen) und 2,50 m hoch, da auch zwei Betten übereinander sind; auf der anderen Seite des Mittelganges sind noch zwei Betten übereinander, wobei das untere so klappen kann, dass man sich zu zweit gegenübersitzen kann und einen Tisch hat. Das Gepäck kann man unter der Decke und unter den unteren Betten verstauen. Wir hatten das Glück, dass wir 4 auch ein Abteil für uns hatten, sogar eins der zwei im Wagon mit Steckdose, sodass wir tagsüber fröhlich wechseln konnten, die Schlafwilligen oben schlafen konnten, während die Spiel- oder Esswilligen unten sitzen konnten.

Den anderen Deutschen war das nicht vergönnt. Sie hatten alle die oberen Betten erwischt. Das Problem daran ist, dass wenn die Person im unteren Bett liegen will, der obere Bettbesitzer auch in seinem verbleiben muss, was umso schlimmer ist, da bis zur Decke nur gute 50 cm Platz sind. Für mich blieb nur noch die Bettlänge ein Problem, da ich 1,93 groß bin, das aber nicht allzu schlimm war, weil ich in allen Positionen schlafen kann und auch erstaunlich gelenkig bin.

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Für uns war es allgemein eine angenehme Reise, auch wenn ich wieder krank war und mich das Antibiotika, welches ich gegen meine Mandelentzündung nahm, mich vom Trinken abhielt, was die anderen beständig praktizierten, auch wenn sie nie betrunken waren.

Die 3 Nächte und 3 Tage fasse ich zusammen, da während der Fahrt nicht allzu viel Spannendes passierte.
Tagsüber lasen wir Bücher, redeten und spielten Kartenspiele, das Klopfermännchen (so ein Sozialpädagogenspiel :P) und Schach. Schach wurde vor allem auch gespielt, weil wir am zweiten Tag uns einen neuen russischen Freund machten, der bald mehr bei unserer Gruppe war als bei seiner Frau. Er war wie einer von uns ein Turner und liebte Schach, das ihm typisch Russisch sein Opa beigebracht hatte. Alex, unser Mathematiker beherrschte das Spiel natürlich auch vorzüglich, weshalb sie sich einige spannende Partien lieferten. Er sprach auch viel mit uns, auf Deutsch, das er noch aus Schulzeiten etwas beherrschte und Russisch. Er versuchte sich auch an "Unterm Birnbaum" von Fontane und "Romeo und Julia auf dem Dorfe" von Keller, übrigens beides schreckliche Werke, woran er deswegen auch scheitern musste, und war mit Feuer und Flamme beim Klopfermännchen dabei, das zwei der deutschen Mädels lange mit uns spielten. Sehr lustig fand ich, als kurz vor seinem Ausstieg seine Frau wohl Durst hatte, worauf er unser Wasser nahm und es ihr einschenkte; sie war etwas verwundert, ob das okay sei, dass er uns nicht einmal frage, aber er legte einen Blick auf, der sofort klarmachte, dass das seine Richtigkeit habe :D Natürlich war das vollkommen okay, aber ich fand seinen Blick einfach zum Schießen. Ach, russische Herzlichkeit. Als sie mitten in der Nacht ausstiegen, überließen sie uns noch ihre Vorräte.

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Der Zug hielt durchschnittlich so 5-7 mal, wobei es 2-3 längere Halte gab, während denen man an den Bahnhöfen die Vorräte auffrischen konnte oder sich mal ein Eis oder Piroschka (Die mit Lauch sind hervorragend, aber die mit Kartoffelfüllung auch nicht zu verachten) gönnen konnte. Manchmal kamen auch die Frauen aus den Städten und boten selbst gemachte Kuchen, gebratene Hähnchen oder die schon angesprochenen Gurken an. Ich hielt mich fast die ganze Reise von Fleisch fern, da ich es nicht unbedingt brauche und eigentlich nur das Essen will, von dem ich auch weiß, von wo es ungefähr stammt. Wenn es Dosenfleisch gab, verzichtete ich auf die Mahlzeit nach dem Versucherle bei Evgenij.
Man fuhr also durch Städte, deren Namen man als beinahe mythisch wahrgenommen hatte, weil sie in Liedern vorkommen, wenn ein Ort genannt werden muss, der für das Ende der Welt steht: Krasnojarsk, Nowosibirsk, Omsk, Perm und Nischni Nowgorod. Von den Städten nahm man eigentlich noch am meisten durch die Zugfenster wahr. Während man über das weite Land fuhr, sah man wenig, da meistens ein Wäldchen entlang der Strecke gepflanzt worden war, das fast alle Blicke schluckte. Manchmal, wenn die Bäume niedergebrannt waren oder nicht so viele Blätter trugen, konnte man riesige Moore, weite Steppen und Felder und selten ein Dörfchen oder Datschen sehen. So verging die Zeit.

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Abends trank man etwas mehr, begab sich irgendwann in die Toilette am Wagonende und machte sich dort bettfertig, worauf man wieder bis zum morgen schlief, wenn man es denn noch konnte, obwohl man schon den halben Tag gedöst hatte.

Trotzdem war es irgendwie eine angenehme Art zu reisen. Man stieg ein, alles war irgendwie surreal und stieg 4000 km westlich wieder aus.

25. - 29. August: Moskau - fremd und geheimnisvoll

In der Nacht auf den 25. August hatte uns ein Taxiservice am Bahnhof abgeholt und zum Hostel gebracht. Der Fahrer war erst skeptisch, dass er uns vier mit den großen Rucksäcken in sein Auto bekommen würde, aber wir beruhigten ihn, als wir sein doch recht großes Auto sahen; da hatten wir schon ganz andere Dinge getan.

Die Fahrt durch das nächtliche Moskau war ein weiterer Schock, den es wieder zu verdauen galt. Plötzlich war nach Wochen des nächtlichen Dämmerlichtes nachts alles hell erleuchtet. Man sah von weitem die Gebäude, welche man aus den Nachrichten kennt, und andere, die mindestens genauso beeindrucken waren.

Nach etwas Suchen kamen wir gegen 3 Uhr morgens im Hostel an, wo sich gerade einige Bewohner und Mitarbeiter aufmachten, das Nachtleben beginnen zu lassen. Sehr sympathisch, hier waren wir richtig :) Die Küche, die Toiletten und die Duschen waren trotzdem äußerst annehmbar und W-LAN gab es auch, das ich doch etwas vermisst hatte, weil die Sehnsucht nach meiner Freundin so langsam doch nicht mehr im Zaum zu halten war und man sich so wenigstens schreiben konnte.

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Wir hatten vier Betten im 10er Schlafsaal gebucht wurden aber im 8er untergebracht, obwohl wir weiterhin den Preis des gebuchten Zimmers zahlten, was wir natürlich super fanden. Alle widerstanden der Versuchung, sich ein Bier aus dem Kühlschrank zu nehmen, sondern gingen und duschen und dann schlafen.

Auch die nächsten Tagen kann ich rasch zusammenfassen. Wir absolvierten das übliche Touristenprogramm; der Kreml, die Basilius-Kathedrale, der Rote Platz und alle Stalin-Gebäude wurden von uns aufgesucht und teilweise besichtigt. Zudem waren wir im Museum für russische Geschichte, das mich etwas enttäuschte, da fast nichts auf Englisch erklärt wurde und auch die Ausstellungsstücke nicht sonderlich gut präsentiert wurden. Wenn man einfach nur durch Moskau läuft oder mit der Metro fährt, ohne in ein Gebäude zu gehen, sieht man schon genug, um zwei Tage zu füllen.

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Jenseits des ganz normalen Touristenprogrammes sahen wir uns die Universität an, welche wirklich beeindruckend ist, und suchten nach einem Viertel, das auf staatlichen Auftrag von Graffiti-Künstlern verschönert wurde, was wir allerdings nicht fanden. So kamen wir jedoch trotzdem etwas vom Zentrum weg, könnten über weitere Märkte schlendern und den Charme des 'wahreren' Moskaus aufnehmen, auch wenn wir natürlich noch lange nicht in den Randbezirken waren. Man kann diese unvorstellbar große Stadt einfach nicht ganz erfassen und begreifen.

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Die anderen drei waren am zweiten Abend ebenfalls auch aktiv im Nachtleben unterwegs und befanden dieses als durchaus akzeptabel. Am letzten Abend bekam ich auch einen sanften Eindruck davon, als wir erst in einem Restaurant so typisch russisch aßen wie es in Moskau im Zentrum wohl möglich war (Gulaschsuppe mit Rinderherz, Borschtsch war aus, wurde uns aber von unserem Russen daheim stilecht versprochen, frittierte Pelmeni mit Pilz-Bratkartoffeln und Salat und zum Nachtisch ein Gebäck, das mit süßem Frischkäse gefüllt war) und danach in einer Bar das hauseigene Bier tranken. Das Essen war sehr lecker und dabei erschwinglich, das Bier wirklich lecker und sehr schön in 4,8 Liter Teekannen serviert (Pitcher im Irish Pub? Ha, Kindergarten).

Schließlich ging es am 29. nach 4 Wochen fern der Heimat in diese via Dresden zurück. Dort erwartete jeden das, auf was er schon Wochen gewartete hatte, sei es nun eine Thüringer Bratwurst oder die Lippen seiner Freundin :)

Abschließendes Fazit:

Moskau und Russland:

Ich habe schon während des Aufenthaltes in Moskau einige meiner Eindrücke gebündelt niedergeschrieben und an meine Freundin gemailt; aus diesen Mails entstand mit Ergänzungen auch ein kleines persönliches Fazit für Interessierte. Ich habe versucht, das Land, die Städte und die Bevölkerung zu beobachten und zu analysieren, einfach weil mir sowas Spaß macht. Da ich allerdings kein studierter Soziologe oder etwas in der Art bin, bitte ich nachzusehen, dass meine Ausführungen an einigen Stellen verallgemeinernd und ganz und gar unwissenschaftlich sind, aber vielleicht gefallen sie dem ein oder anderen doch. Ich poste das hier jetzt einfach als Fazit:

Mir wurde immer wieder vor Augen geführt, das Russland das Land der Kontraste ist. Man schaut in Moskau auf eindrucksvolle, förmlich einschüchternde (Stalin-)Bauten von staatlichen Atheisten, hört religiöse Musik, auch im Blickfeld sind moderne Hochhäuser, die den Erfolg des Kapitalismus bezeugen und verspielte Kirchen aus anderen Zeiten. Es fahren fast nur Nobelkarossen durch die Stadt (Mercedes, Audi, Bentley, Rolls Royce, Jaguar), nur einige japanische Autohersteller sind auch vertreten, von denen ich gar nicht wusste, dass sie so große Autos überhaupt herstellen. Vordergründig prägen Prachtbauten und Sauberkeit das Bild des Stadtkerns (so ähnlich hätte wohl auch Germania ausgesehen, wenn die Nazis ihre Pläne in die Tat umsetzen hätten können), aber sobald man in die Hinterhöfe kommt oder das Zentrum verlässt, zeigt sich der alte Sowjetcharme; Plattenbauten und heruntergekommene Fassaden. Alles passt nicht zusammen, aber existiert trotzdem an einem Ort.

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Langsam bündeln sich auch meine ganzen Eindrücke und ich versuche eine laienhafte Mentalitäts- und Gesellschaftsanalyse durchführen. Die Schere zwischen arm und reich ist einfach unglaublich. Die Armen haben einerseits Sehnsucht nach Reichtum, andererseits mögen gerade die Studenten ihr Leben wohl auch irgendwie, glaube ich. Gerade die Hostelmitarbeiter haben zum Beispiel ein cooles Leben. Als junge Person kannst du schon in relativer Freiheit Leben und ein wildes Leben haben. Die leerstehenden Lagerhallen und doch überraschend geräumigen Plattenbauwohnungen sind perfekte Partylocations und haben schon Flair. Irgendwie mag man sein Land, auch wenn man nicht von uneingeschränkter Vaterlandsliebe sprechen kann, weil dieses Leben nur möglich ist, weil die Regierung sich nicht für einen interessiert, solange man sich ruhig verhält, weswegen es eben nur relative Freiheit ist. Es wimmelt überall nur so von Polizisten, Miliz und Militärangehörigen. Intellektuelle und Akademiker können oft nicht als solche Leben. Sie wurden zu Sowjetzeiten für bestimmte Firmen ausgebildet, die es nach deren Niedergang nicht mehr gab. Nun arbeiten sie als Taxifahrer, Fabrikarbeiter oder sogar Tagelöhner. Nur im Verborgenen darf man sich auflehnen wie das Urteil gegen Pussy Riot zeigt, aber dort kann das Leben schön sein. Im Gegensatz zu Deutschland müsste das Sprichwort nicht: "Schaffe, schaffe, Häusle bauen" heißen, sondern: "schaffe, schaffe, schaffe". Die Menschen arbeiten hier sehr viel, verdienen wenig und haben wenig Zeit. Allerdings scheinen viele Arbeiten etwas ziellos und verplant zu sein, wenn ich die Tage den Bauarbeitern vor unserem Fenster zuschaue. Arbeitsbeschaffungsmaßnahmennach 5 Jahresplänen scheinen die UdSSR überlebt zu haben.

Die Gesellschaft gliedert sich in 'typische' Russen und überraschend viele "Asiaten", auch hier in Moskau. Zwar scheint es Rassenhass nicht in hohem Maße zu geben, aber ich habe wenige "chinesisch-mongolische Menschen" in Anzügen oder mit Luxuskarossen gesehen, sondern nur auf Märkten usw. Die höheren Positionen sind wohl von "Russen" besetzt, wie es mir auch mal ne Mitpraktikantin aus einem der südlichen Ex-Sowjetstaaten erzählt hat.

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Lustig fand ich, dass die Disziplin beim Bezahlen der öffentlichen Verkehrsmitteln hier nicht so vorhanden ist. Dauernd springen Menschen über Zäune oder Drehkreuze und niemand kratzt es, selbst wenn es vor den Augen des Lokführers geschieht. Auch wenn man die Schienen mal direkt überquert, kommt nicht gleich eine Durchsage, sondern niemand stört sich daran, solange nichts passiert. Die Metro ist hart. Viel erinnert an Paris, nur dass die Stationen alle aus den 30er Jahren sind und nichts auf Englisch beschrieben ist, sondern nur in Russisch. Einige sind mit prachtvollem Marmor verkleidet, sind von Lampen, die an Petroleumleuchten erinnern, beschienen, mit angenehmen gelben Licht, andere Stationen erinnern an Fabriken mit kaltem Neonlicht. Die Züge sind schneller, breiter, älter und vor allem lauter. Man kommt sich vor wie in einem Flugsimulator, alles ist unwirklich.

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Das beschreibt Moskau, für mich die eindrucksvollste Stadt Europas und ich hab mittlerweile doch recht viele gesehen. Vordergründig ist alles sauber und prachtvoll, kommt man in die die Hinterhöfe, sieht man aber wie marode und heruntergekommen alles ist. Außerhalb des Zentrums steht Plattenbau an Plattenbau und die Atmosphäre schlägt sonst sofort in eine ländliche um. Gleich sind Tante-Emma-Läden zurück und die Menschen werden wieder freundlicher.
Russland ist definitiv einen Besuch wert. Moskau ist krass, aber schön, das Hinterland vollkommen anders, wild, herzlich und sehr faszinierend.

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The End

Mortias
25.11.2012, 13:19
Super Bericht und tolle Fotos. Eien echt schöne Gegend habt ihr Euch da ausgesucht und wettertechnisch hattet ihr ja größtenteils auch Glück. Mir gefällt auch wie detailiert Du über Deine Eindrucke, örtliche Bekannteschaften und die auftretenden Widersprüche Russlands berichtest. Was mich noch interessiert, ob ihr die Rückfahrt mit der Transib aus finanziellen Gründen einem Flug vorgezogen habt oder weil Ihr einfach mal mit diesert legendären Eisenbahn fahren wolltet. Weil 3 Tage Eisenbahnfahrt stelle ich mir doch ein wenig monoton vor. :o

I3eren
25.11.2012, 22:44
Hallo Mortias,

es war keine Entscheidung aus finanziellen Gründen; die Fahrt hat um die 140 Euronen gekostet und der Flug wäre höchstwahrscheinlich zu einem ähnlichen Preis zu bekommen gewesen. Wir wollten aber tatsächlich einmal mit diesem Zug gefahren sein und es war auch irgendwie ein Erlebnis; ich würde es wieder tun.

Gruß Chris

P.S. Und von mir ein herzliches: Danke! an alle Leser für all das Lob.