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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Schneckenkind versus Hasenkind



Mus
07.11.2012, 16:07
Ich habe folgendes Problem:
Ein großes Kind, das schon immer sehr schnell unterwegs ist. Das erst nach Kilometer 10 ausgeglichen und heiter wird.
Ein kleines Kind das langsam und gründlich und dabei sehr ausdauernd unterwegs ist. Das auf jeden Fall selber laufen will, auch wenn ihm schon fast die Augen zufallen und die Geschwindigkeit gegen Null konvergiert.
Der relativ große Altersunterschied verstärkt die Problematik.

Ich kann beides: Ich liebe es, mit dem Großen so richtig flott und weit wandern und dabei zu können und dabei gemeinsam zu philosophieren oder zu albern. Ich genieße es, mit der Kleinen in aller Gemütsruhe durch die Gegend zu schlendern und dabei 1000 Dinge zu entdecken oder Liedchen zu singen.

Aber gemeinsame Unternehmungen werden zur Zerreißprobe für alle drei. Der Große nimmt sich zwar zurück, aber irgendwann will er einfach auch mal die "Handbremse" lösen (so groß ist er ja schließlich auch noch nicht). Die Kleine will aber SELBER. Und selber ist l.a.n.g.s.a.m. Ich versuche irgendwie zu vermitteln und eine Lösung zu finden. Das mit der gegenseitigen Rücksichtnahme ist schön und gut aber sie sind beide Kinder und da geht das eben nur bis zu einem gewissen Punkt.

Manchmal habe ich Glück und der Große macht "den Hund" (vor-zurück-nach hinten-wieder vor-links in die Büsche-rechts in die Büsche).
Manchmal habe ich Glück und die Kleine macht "den Vogel" (Ich kann fliegen *rennrennrennArmeausbreiten*.)
Manchmal fällt mir ein Märchen ein, das beide gleichermaßen fesselt und vergessen lässt, dass sie und in welcher Geschwindigkeit sie laufen.
Manchmal, ganz manchmal reden sogar die beiden beim Laufen über eine Sache oder spielen dabei etwas zusammen und sogar länger als 5 Minuten.
Manchmal packe ich, wenn mich das Getrödel entgültig nervt, meinen Rucksack dem Großen und mir die protestierende Kleine auf den Rücken.

Trotzdem ist das irgendwie ziemlich demotivierend und kräftezehrend. Immer nur mit jeweils einem loszuziehen ist zwar entspannen und beglückend aber im Alltag nur sehr selten möglich.

Kennt ihr das? Habt ihr das auch? Sind die Unterschiede auch so gleichbleibend krass? Wann verwächst sich das? Habt ihr schlaue Lösungen? Was habt ihr gemacht? Wie habt ihr den Wahnsinn überlebt? Habt ihr tröstende Worte? Gute Tipps? Oder müssen wir hier eine Selbsthilfegruppe für traumatisierte Eltern aufmachen? Wo haut bei euch der Altersunterschied auf Tour noch so richtig rein und sorgt für Stress bei allen Beteiligten (zu Hause lässt es sich irgendwie besser differenzieren finde ich). Geht es euch auch so, dass ihr an manchen Tagen lieber gleich zu Hause bleibt oder sie nur bis zum nächsten Spielplatz karrt, ehe ihr euch DAS antut?

Ich brenne vor Neugier auf eure persönlichen Erfahrungen und Tricks!

Enja
07.11.2012, 17:22
Du hast nicht geschrieben, wie alt die beiden sind. Wir waren mit drei solchen Modellen unterwegs. Deshalb weiß ich, dass sich das verwächst. Aber es tun sich dann andere Scheren auf. Vielleicht verhält sich das Kleine später mal so wie das Große jetzt, während das Große sich nur noch maulend vorwärts bewegt.

Familie zu sein, heißt meist, ständig mit so etwas konfrontiert zu sein - auf vielen Gebieten. Man arbeitet dran. Löst irgendwas, um festzustellen, dass es sofort neue Probleme gibt. Da helfen nur ständige Kompromisse. Also immer mal, wenn irgend möglich, getrennt losziehen, damit jeder bekommt, was er möchte. Und immer wieder versuchen, ob man es nicht auch zusammen hinbekommt.

Es endet todsicher damit, dass die Kinder den Vater irgendwann nicht mehr mitnehmen.

chartinaelik
07.11.2012, 17:53
Mich interessiert, wo die Mutter derweil ist. Bei uns ist es so, daß Papa und Kind Groß (12) oftmals voraneilen und ich mit Kind klein (1) hinterherlahme. Doof ist es zZ beim Paddeln, weil Kind Groß gern wie Kind Klein sich einfach nur durch die Gegend paddeln lassen würde. Geht aba niche. Nee, nee. Wer schwer ist, wie ne Große, Zeug mit hat, wie ne Große und auch noch ißt, wie ne Große muß auch paddeln, wie ne Große. Dafür wurde sie ja auch fast 10 Jahre lang durch die Gegend gepaddelt bzw mußte nur pseudopaddeln.

Ansonsten paßt das bei uns gut. Der Altersunterschied ist schon wieder echt prima und mit 2 Erwachsenen gut zu bewältigen. Kürzere Abstände stell ich mir da problematischer vor.

khyal
07.11.2012, 18:36
Tja zum Einen geht das halt in der Gruppe einfach besser...
Dann habe die schnelleren Kids genuegend Entertainement untereinander, evtl laeuft je nach Gelaende ein Erwachsener mit und die Kids, die langsam unterwegs sind, alles genauer untersuchen wollen, haben auch ihre stressfreie Tour..

Ansonsten evtl voruebergehend auf´s Wasserwandern ausweichen (war fuer mich der urspruengliche Grund fuer den Canadierkauf), da kann man es besser komnimieren...

Den Aelteren mit Geocaching, Pflanzenbestimmung, GPS / Karte usw beschaeftigt halten, funkt auch manchmal...

Randonneur
07.11.2012, 19:28
Bei uns sind es ja zwei Grosse und zwei Kleine. Wir machen Touren sowohl mit allen oder teilen uns auf, zu zweit ist das ja kein Problem. Mit allen Kindern finden sich immer wieder neue Kombinationen, wer mit wem laeuft, das hilft auf alle Faelle.
Mit sechs Jahren laufen die Kleinen allerdings inzwischen recht gut, so dass die Grossen mit dem Tempo zufrieden sind. Da ist also Hoffnung.

Fuer gemeinsame Aktivitaeten ist Pilzesammeln oder aehnliches geeignet. Dann nimmt jedes der Grossen eine kleine Schwester mit oder die beiden Kleinen spielen zusammen waehrend die anderen weitersuchen. Bergtouren bei denen einer (meist meine Frau) mit den Kleinen in der Seilbahn hochfahren kann und dort die anderen fuer die weitere Tour trifft haben sich auch bewaehrt.

Touren nur mit den Grossen mache ich trotzdem noch, vor allem eine zweiwoechige Tour im Sommer.

Enja
07.11.2012, 19:57
An den Einjährigen, der unbedingt "selber" unterwegs sein wollte, erinnere ich mich noch sehr gut. War dasselbe Kind, dass uns mit fünf Jahren energisch davonlief und sich beschwerte, dass wir alle so schneckenmäßig unterwegs seien. Unsere drei haben je gut zwei Jahre Abstand, insgesamt also knapp fünf Jahre, die da abgedeckt werden.

Rebecca
12.12.2012, 15:31
Ich erinnere mich nur an die Erzählungen aus meiner Kindheit. Ich wollte auch immer selber laufen, der Baggie musste aber trotzdem mit. Meine Mutter hatte immer einen guten Einkaufswagen dabei. Nur wenn es bergauf ging wollte ich mich rein setzten, das gab es dann aber nicht. Da war sie standhaft.

johngraham
29.12.2012, 11:18
Meine Frau wurde als kleines Kind von ihre Mutter zu Wandern gezwungen.
Mit der Folge, dass sie heute wandern hasst und ich alleine Wandern gehe.
Was für einen Erwachsenen gut ist, ist nicht automatisch für jedes Kind gut.

Tie_Fish
30.12.2012, 12:33
Bei uns hat sich so eine Art "Gummiband"-Prinzip eingebürgert: Hasen-Papa und Hasen-Sohn rennen wie bekloppt den Berg hoch und Schnecken-Mama (fotografiert jedes Blümchen :roll: ) und Schnecken-Kind (guckt gerne beim Fotografieren jeden Blümchens zu) kommen langsam nach. Da die Hasen oben erstmal Pause brauchen, legen die sich auf den grünen Rasen und warten, bis die ausgeruhten Schnecken an ihnen vorübergezogen sind. Dann beginnt das Spiel von vorne. Das Gummiband dehnt sich soweit, wie Sichtweite oder schwierige Stellen (Klettern, Furten) es erlauben.

In schwierigem Gelände passen sich die Hasen den Schnecken an, wenn's regnet, meistens die Schnecken den Hasen :grins: