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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [US] Alaska 2012 (3/4): Östliche Alaska Range



Libertist
01.11.2012, 17:36
Zum Video ein bisschen nach unten scrollen.

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Diese sechstägige Trekking- und Packrafting-Tour hätte eigentlich ein längeres und auch recht spannendes Abenteuer werden sollen, leider musste ich aufgrund meiner eigenen Dummheit etwas verfrüht abbrechen.

Startpunkt meiner Tour war „Maclaren Summit“ am Denali Highway in Alaska. Von meinem „Base Camp“ in Palmer aus waren es 400 km bis dahin – sechs Stunden brauchte ich, um die Strecke zu trampen. Da es in diesem Bericht sonst nicht allzu viel zu erzählen gibt, möchte ich mal ein paar Gedanken zum Trampen loswerden, die auch gerne hinterfragt und diskutiert werden dürfen.

Ich war ehrlich gesagt schon ein bisschen empört darüber, als Nicki und Max sich in ihrem Island-Bericht plötzlich dafür rechtfertigen „mussten“, mit dem Daumen unterwegs zu sein. Auf meinen Nordamerika-Reisen mache ich das nun seit Jahren schon so - ich bin in Kanada und den USA sicher schon über 12.000 Kilometer getrampt, vielleicht sogar 15.000. Warum?

1. Ich spare dadurch eine Menge Geld. Öffentliche Verkehrsmittel sind (insbesondere in Alaska) quasi nicht vorhanden und würde ich mir jeden Sommer vor Ort ein Auto mieten müssen, könnte ich meine Reisen nicht finanzieren. Mal davon abgesehen, dass es extrem unpraktisch wäre, schließlich enden meine Touren selten da, wo sie begonnen haben – ich müsste also sowieso trampen, zumindest zurück zum Mietwagen.

2. Ich komme mit Leuten ins Gespräch. Und Leute kommen mit mir ins Gespräch. Daraus sind im Laufe der Jahre schon wirklich gute Freundschaften entstanden - ich treffe unterwegs auf sehr inspirierende Persönlichkeiten und habe beim Trampen schon eine Menge gelernt. Als kleiner Nebeneffekt sei hier auch erwähnt, dass dabei immer wieder meine „sozialen Fähigkeiten“ auf den Prüfstand gestellt werden, schließlich muss ich irgendwie mit jedem klarkommen, der mich mitnimmt. Da gäbe es viele lustige und spannende Geschichten zu erzählen: von Mittel- und Heimatlosen, die mich nur mitnehmen, weil sie sich eine Spende für die nächste Tankfüllung erhoffen; von einem kriminellen 17-Jährigen, der den Kofferraum voller Waffen hat; von einem todkranken Rentner, der mich mitnimmt, damit er nicht fahren muss; von reichen Geschäftsführern, die ihre Erfolgsgeschichte mit mir teilen; von religiösen Fundamentalisten, die mich am liebsten sofort vors Taufbecken ziehen würden; von weltfremden Träumern auf der Suche nach der letzten Goldgrube Alaskas; von schönen Frauen; willigen Mädchen; rauen Männern; Hippies; Drogensüchtigen, Abenteurern und Weltverbesserern. Und auch von ganz normalen Menschen und solchen, die kein Wort mit mir reden.

3. Es ist sehr ökonomisch und, gemessen an der Alternative „Mietauto“, umweltfreundlich. Und das bemerken auch immer mehr Leute, die mich mitnehmen. So viele Autofahrer sitzen allein in ihrem Wagen – selbst Amerikaner merken manchmal, dass das irgendwie nicht sein muss.

Wenn ich mit dem eigenen Auto unterwegs bin, nehme ich selbstverständlich auch Tramper mit – das kam bisher zweimal vor, habe den Wagen ja auch nur etwa drei Wochen lang besessen (LINK (http://www.outdoorseiten.net/forum/showthread.php?48346-IT-GR-TR-GE-Herbst-2010-Roadtrip-4500-Kilometer-nach-Georgien&p=772002&viewfull=1#post772002))! :-p Aber, mit nochmaligem Bezug auf den Kommentar im Island-Bericht: trampen sollte immer legitim sein; auch, wenn man im Gegenzug selbst niemanden mitnehmen kann.


Okay, genug davon. Nun zur eigentlichen Tour.

Mein Startpunkt, „MacLaren Summit“, ist nichts weiter als ein kleiner Hügel am Denali Highway, der Schotterpiste, welche die Orte Paxson und Cantwell verbindet. Als ich am Abend des 1. Septembers dort ankam, regnete es natürlich. Überhaupt regnete es die ganze Zeit, aber daran war ich ja schon gewohnt. Das Ziel der Reise war die Robertson River Bridge am Alaska Highway, zwischen Delta Junction und Tok. Vor mir lagen etwa 300 Kilometer, die ich in 12 Tagen zu Fuß und mit dem Packraft, das ich im Rucksack hatte, zurücklegen wollte. Neben den Flussabschnitten, die ich zu raften hatte und dem weglosen Gelände lagen die Schwierigkeiten vor allem in einem zugeschneiten Pass und einem dahinter liegendem Gletscher, den ich zu überqueren hatte. Doch dazu kam es nie.

Vom MacLaren Summit führt ein bald endender Pfad nach Norden in Richtung der Alaska Range, wo Mount Hayes in den tiefliegenden Wolken verschwunden war. Ich folgte dem Pfad für etwa eine Stunde bis zu dessen Ende und schlug mein erstes Lager auf.

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Der zweite Tag verlief ereignislos. Im Regen marschierte ich durch die weglose Tundra, die sich mir zwar in den herrlichsten Herbstfarben präsentierte, aber so richtig genießen konnte ich das nicht. Zu nass, zu kalt, das Gelände zu mühsam. Ich ließ den Sevenmile Lake zu meiner Rechten liegen und ging weiter nach Norden, geradewegs auf den Eureka Glacier zu, wo ich am dritten Tag meiner Reise ankam.

Da oben sammelten sich die Caribous. Ich fand’s ja ziemlich lustig, weil ich zuvor, am Denali Highway, enorm viele Jäger getroffen habe, die nach genau diesen Tieren Ausschau hielten. Diese Jäger sitzen dann auf den gut gepolsterten Sitzen ihrer ATVs, brausen durch die Landschaft und wundern sich trotz all des Lärms, warum sie keine Tiere vors Visier bekommen. Es war gerade Jagdsaison. Das bedeutet, dass sich die Tiere vorzugsweise dort aufhalten, wo man nur zu Fuß hinkommt. ;-)

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Caribou-Party am Eureka Glacier.


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Am Nachmittag des 3. Septembers kam ich am Eureka Creek an und setzte mein Boot ins Wasser. Anfangs war der Fluss einfach zu raften. Keine großen Schwierigkeiten, aber auch nicht langweilig – es gab immer was zu tun. Und nach der anstrengenden Wanderung durch die nasse Tundra war mir der Rafting-Abschnitt im höchsten Maße willkommen.

Die Nacht verbrachte ich am Eintritt des Flusses in einem Canyon und wollte am nächsten Morgen entscheiden, ob ich den Canyon rafte oder lieber umtrage und 5 Kilometer weiter wieder einsetze. Als es so weit war, entschied ich mich dafür, weiter zu raften.

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich sogar ungefähr ahnen konnte, was auf mich zukam. Am Tag vor meiner Abreise hatte ich den Eureka Creek noch kurz gegoogelt und fand dabei heraus, dass der schon hin und wieder mal mit Packrafts befahren wurde – allerdings wurde der Canyon dabei immer gemieden und das Boot umgetragen. „Class V“ heißt es da in den Foren, „beyond packrafting level“ - für Packrafts also nicht machbar. Wirklich nicht? dachte ich. Woher wollen die das denn wissen, wenn sie aus 100 Metern Höhe auf einen Fluss hinab schauen? Und: Kann man überhaupt in den Canyon schauen, wenn man ihn, Wildpfaden folgend, umgeht? Vielleicht ist es ja machbar und es hat sich bisher bloß noch keine getraut!? Wer weiß das schon? Mit anderen Worten: ich hatte keine Angst und wollte es einfach machen! Wenn es zu schwierig wird, kann ich ja immer noch abbrechen und aus dem Canyon klettern… dachte ich mir.

Und das war dumm, anders kann man es nicht sagen. Wie dumm genau konnte ich noch nicht wissen, aber folgendes war mir bereits vorher klar:

1. Ich war allein. Eigentlich sollte man nie allein ins Wildwasser.
2. Ich kannte den Fluss nicht. Es gab noch nicht mal Erfahrungsberichte zu lesen, wahrscheinlich ist noch niemand diesen Canyon geraftet.
3. Erfahrene Packrafter haben diesen Canyon ausgelassen, sogar in der Gruppe, wo man sich gegenseitig hätte sichern können.
4. Ich hatte meine gesamte Ausrüstung am Raft festgeschnallt, das Zeug wiegt eine Menge und macht das Boot vergleichsweise unflexibel. Ohne das Gewicht, das beim Kentern übrigens wirklich zum Problem werden kann, könnte man ja ein bisschen im Wasser plantschen, so wie wir das erst kurz vor dem Sommer auf der Salza (http://www.outdoorseiten.net/forum/showthread.php?66614-AT-Libertists-Packrafting-Ausfl%FCge&p=1080398&viewfull=1#post1080398) gemacht hatten.

Es ist schon wahr, dass ich die Herausforderung mag und meine Reisen (zumindest solo, also wenn ich nur für mich selbst verantwortlich bin) grundsätzlich mit einer gewissen Risikobereitschaft antrete. Gleichzeitig bin ich auch immer um eine adäquate Einschätzung bemüht, so dass ich wenigstens weiß, worauf ich mich da gerade einlasse. Es gibt nämlich einen Punkt, an dem Risikobereitschaft in Dummheit überschlägt – und diese Grenze habe ich diesmal überschritten, zum ersten Mal auf meinen Reisen. Freunde, die schon mit mir unterwegs waren, wissen genau, dass ich auf Tour eigentlich immer reflektierte, wohl durchdachte Entscheidungen treffe. Aber diesmal war ich dumm.

Zu Beginn des Canyons machte das Raften noch Spaß. Die Schwierigkeiten nahmen zu, aber es war alles machbar. Der Akku meiner GoPro gab dann schon bald den Geist auf und ich war in dem Moment zu faul, einen Ersatzakku einzulegen, also gibt es von dem „interessanten“ Teil des Eureka Creeks noch nicht mal Aufnahmen bei voller Fahrt.

Nach einer scharfen Rechtskurve ist es dann passiert. Der Fluss verengte sich zu einer Breite von etwa drei Metern; es war eine Schlucht, die zu beiden Seiten durch steil nach oben ragende Felswände begrenzt wurde – ein Aussteigen war jetzt unmöglich. Ich raste durch die Stromschnellen, durch die erste, die zweite… die dritte schaffte ich nicht. Zu heftiges Wildwasser; weitaus heftiger, als ich es jemals zuvor geraftet bin. In Sekundenschnelle wurde mein Boot umgeworfen, ich war unter Wasser.

Nun ist es nicht so, dass ich einfach ans Ufer schwimmen konnte. Ich war unter Wasser und wusste nicht, wo oben und unten war. Aus dem Boot hatte ich mich schnell befreit, dann war es auch schon weg, ich hatte nur noch das Paddel in der Hand und war in einer Walze festgehalten die mich wie ein kleines Spielzeug durchs Wasser wirbelte. Nach ein paar Sekunden kam ich los, tauchte kurz auf, holte Luft und sah gerade noch rechtzeitig, dass ich gerade in die nächste Walze hineinfalle. Ich befand mich in einer Serie von Stromschnellen, der Fluss hatte hier ein Gefälle von etwa 20%. Es gab kein Entkommen; ich konnte mich ja noch nicht mal orientieren, weil ich mit nur kurzen Unterbrechungen von Walze zu Walze geschleudert und dort jeweils für mehrere Sekunden festgehalten und wie in der Trommel einer Waschmaschine durchgerüttelt wurde.

Ich wusste nicht, ob sich mein Boot vor oder hinter mir befand. Mein Paddel ließ ich auch los; ich dachte, zwei freie Hände könnten mir im entscheidenden Moment helfen, mich irgendwo an einem Felsen festzuhalten. Daraus wurde leider nichts, viel zu schnell war der Fluss und zu glatt die Felsen – außerdem hatte ich ja nach wie vor keine Orientierung, die meiste Zeit verbrachte ich unter Wasser. Da merkte ich auch zum ersten Mal, wie furchtbar gefährlich dieses „Whitewater“ ist: durch die viele Luft im Wasser (weiße Luftbläschen überall) fand ich keinen Halt: der Versuch, durch Armkraft an die Wasseroberfläche zu tauchen, war vergebens – es fühlte sich so an, als würde ich in die Luft schlagen, ich spürte keinen Widerstand. Mir ging die Luft aus und ich schluckte Wasser.

Nur nicht sterben, dachte ich mir. Du musst das überleben, du musst das irgendwie schaffen, du musst hier raus – das ist der einzige Gedanke, an den ich mich im Nachhinein erinnere. Keine Gebete oder Ähnliches… nur bloß nicht sterben!

Ich schätze, das Trauerspiel dauerte etwa 40 Sekunden, 120 Meter trieb ich den Fluss hinunter. Ohne jegliches Zutun meinerseits wurde ich in einen kleinen Pool gespült, der sich auf der rechten Seite des Flusses gebildet hatte. Dort konnte ich zwar nicht stehen, aber das Wasser war ruhiger; ich wurde nicht fortgetrieben. Ich tauchte auf und stellte in Sekundenschnelle fest: ich war vorerst in Sicherheit.

Im Wasser schwimmend drehte ich mich um und blickte auf den Hauptstrom, der an mir vorbeirauschte. In genau diesem Moment sah ich mein Boot, es muss scheinbar direkt hinter mir gewesen sein. Mir blieb keine Zeit zum Überlegen: reflexartig holte ich aus und warf mich ein Stück weit zurück in die Fluten. Nicht zu weit, aber so weit, dass ich mein Boot zu fassen bekam. Irgendwie ist es mir gelungen, das Raft in den kleinen Pool zu ziehen. Im Wasser schwimmend drehte ich das Teil, sodass mein festgeschnallter Rucksack wieder oben war und das Wasser heraus lief. Das Boot einschließlich Rucksack an einer Hand hinter mir her ziehend kletterte ich auf ein kleines Felsplateau und atmete durch.

Alles, was ich verloren hatte, war mein Paddel und die Crocs. Hätte genauso gut mein Leben sein können. Dass ich nicht nur mich, sondern auch fast meine gesamte Ausrüstung habe retten können, war ein extremer Glücksfall. Manche Walzen können einen menschlichen Körper minutenlang unter Wasser halten und ihn dort begraben.

Zunächst einmal pellte ich mich aus dem nassen Drysuit und zog mir lange Hose und Jacke an, mir war kalt. Ich bewegte alle meine Gelenke und betrachtete meinen Körper: keine ernsten Verletzungen, nur blaue Flecke und Schmerzen überall – ich muss unter Wasser an eine Menge Felsen geschleudert worden sein, die Stromschnellen hinterließen einige drohende Spuren. Der Schmerz war mir nun gerade so egal, ich war am Leben! Schnell wurden ein paar Fotos gemacht – ich fühlte mich schon etwas besser! – alles zusammengepackt und dann wurde die nächste Hürde in Angriff genommen: ich musste aus dem Canyon klettern.

Mit dem schweren Rucksack auf dem Rücken kletterte ich die steilen Felsen und das Geröll hinauf. Es waren etwa 100 Höhenmeter, ich brauchte 2 ½ Stunden. Jeder Schritt war ein Risiko, manchmal ließ ich mir mehrere Minuten Zeit, um mit der Schuhspitze eine „Stufe“ in den losen Fels zu hämmern. Es war die gefährlichste Kletterei meines bisherigen Lebens, mit Abstand.

Als ich oben angekommen war, trank ich fast den gesamten Mini-Bach aus, der aus einer kleinen Senke in den Canyon floss. Danach setzte ich mich in die Wiese, machte Pause, dachte nach und resümierte, was gerade geschehen ist. Zwei dominierende Gefühle verspürte ich. Zum einen fühlte ich mich unglaublich glücklich, im Wortsinn, also vom Glück geküsst und in die Arme genommen. Diese ungemein brenzlige Situation ging so glimpflich aus; ich kann gar nicht sagen, wie viel Glück ich gehabt haben muss! Ich musste tatsächlich lachend den Kopf schütteln und konnte es kaum fassen.
Zum anderen fühlte ich mich wie ein kleiner dummer Junge, der mal wieder nicht hören wollte. War doch klar, war doch so sonnenklar, dachte ich mir, wie dumm bin ich eigentlich!? Unglaublich dumm fühlte ich mich. ;-) Hab die Schwierigkeiten wohl ein wenig unterschätzt. So viel zum Thema Erfahrung, Reife, Erwachsensein, Verantwortung, na klar…

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Der kleine Pool, aus dem ich mich retten konnte.


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Beim Klettern nach unten fotografiert.

Im Video, gegen Ende, sieht man den Canyon mal in Action.

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Der Rest der Reise verlief vergleichsweise unspannend. Ohne Paddel war die Tour nicht machbar; dass ich zurück musste, stand außer Frage. Beim Gehen stellte ich mir vor, wie es wohl gewesen wäre, wenn ich da in letzter Sekunde mein Boot nicht mehr zu fassen bekommen hätte. Meine Ausrüstung wäre vielleicht irgendwo an einem Felsen mitten im Canyon hängen geblieben, schwer oder gar nicht zu finden. Oder sie wäre weiter gekommen, der Eureka Creek fließt dann schon bald in den Delta River, der wiederum in den Tanana River mündet – das wäre eine lustige Suche geworden. Und ich hätte meine Ausrüstung wahrscheinlich nie aufgegeben, mein gesamtes Kamera-Equipment war darin untergebracht. Zunächst jedoch hätte ich ohne Schuhe und ohne Essen zurück zum Highway laufen müssen, das waren 40 km.

Nachts, als ich längst in meinem warmen Schlafsack lag, sah ich mich immer wieder in den Stromschnellen festhängen und malte mir aus, was alles hätte passieren können. Und was dieser Tag, hätte ich ihn nicht überlebt, für meine Familie bedeutet hätte…

Am nächsten Morgen war ich trotzdem guter Dinge und gab mein Bestes, um es bis zum Abend zurück zum Denali Highway zu schaffen. Am Nachmittag klarte es kurz auf, dann versank alles wieder in tief hängenden Regenwolken.

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Am Abend des 6. Septembers war ich schon wieder in Palmer und machte mich tags darauf auf nach Anchorage, um ein neues Karbon-Paddel zu kaufen. Es ist ja nicht so, dass ich jetzt Angst vor Wasser gehabt hätte, oder vorm Raften. Nein, es ging natürlich weiter – die nächste Packrafting-Tour war schon anvisiert, am 10. September sollte es losgehen.

Ein Risiko dieser Größenordnung werde ich jedenfalls nicht mehr eingehen. Naja, zumindest nicht mit dem Packraft. Zumindest nicht allein. Zumindest nicht, wenn ich meine gesamte Ausrüstung dabei hab ;-) … Also, zumindest nicht, wenn… ach, ich hab’s diesmal halt ein wenig übertrieben. Wird mir eine Lehre sein.


Bericht zur Tour im Alaska Dispatch (http://www.alaskadispatch.com/article/our-alaska-rafting-eureka-creek-video) (Ohne mein Wissen geschrieben und veröffentlicht.)

Und hier geht's weiter. (http://www.outdoorseiten.net/forum/showthread.php?67474-US-Alaska-2012-%284-4%29-12-Tage-Talkeetna-Mountains&p=1094911&viewfull=1#post1094911)

Fliehender
01.11.2012, 18:00
… ach, ich hab’s diesmal halt ein wenig übertrieben. Wird mir eine Lehre sein.
..."ein wenig?" :ignore:

Schöner Bericht, tolle Fotos, schön, dass du noch lebst und mit uns diese Erfahrung teilst ;-)

MatthiasK
01.11.2012, 18:06
JA bist du des Wahnsinns, diese Stromschnellen sind....du solltest diesen Tag als 2ten Geburtstag feiern. Das war haarscharf mein Freund.

Ist gut das du das so offen und ehrlich hier preisgeben kannst, sowas könnte sonst durchaus traumatisierende folgen haben.

winnetoux
01.11.2012, 18:09
Danke. Der Wille war groß, die Solo-Tour auch, Alaska ist größer?! Aber du packst das. Dummer Junge! !
Du packst es ja auch, der Wille ist groß. Mehr fällt mir nicht ein. Schöne Herbstfarben. Wir könnten das Trampen diskutieren.

Bergtroll
01.11.2012, 19:17
Interessant. Dir ist ungefähr genau das worst case Szenario widerfahren, dass ich mir vorher überlegt hatte. Ich bin deshalb mit Wanderschuhen geraftet (die Crocs hatte ich schon beim Wildwassertraining geschrottet) und meine Personal Locator Beacon habe ich in der Schwimmweste getragen. Schön, dass Du dem Tod noch einmal von der Schippe gesprungen bist und Deine Ausrüstung fast vollständig wiedereinfangen konntest.

Beinahe hätte ich dieses Jahr einen ganz ähnlichen Fehler gemacht und wäre den Tasnuna Canyon (der auch als "lethally unraftable" gilt) geraftet. Ich wollte nach tagelangem Horrorbushwhacking mit Innenbandriss und Erkältung und zerschundenen Schienenbeinen, hunderten von Mückenstichen usw. usw. endlich in den Fluss und das Ganze hinter mir lassen. Hatte bereits den Beginn des Tasnuna-Canyons (der mit einem kleinen Wasserfall startet) ausgekundschaftet und mir dabei immer gesagt: "Das geht schon, wird schon irgendwie klappen, der kleine Wasserfall und danach wird es bestimmt besser usw." Irgendwie habe ich mich dann aber - zum Glück - doch für noch einen weiteren Tag Bushwhacking entschieden. Vielleicht, weil ich weiss, wie schlecht ich packrafte ;)

Wenn wir das Trampen diskutieren wollen, dann bitte insbesondere diesen Part: "Da gäbe es viele lustige und spannende Geschichten zu erzählen: von ... schönen Frauen; willigen Mädchen" :bg:

rumtreiberin
01.11.2012, 19:51
Herzlichen Glückwunsch zum zweiten Geburtstag!

und vor allem danke für deine Alaska-Tourberichte die ich fasziniert von den tollen Fotos verschlungen habe.

Was mich bei den Packrafts immer wieder erstaunt: Wie gut ist da eigentlich die Sicht nach vorne auf Hindernisse etc? - gerade in deinem Video aus Paddlerperspektive scheint mir dieser Gepäckberg vorne doch ziemlich unüberschaubar zu sein, so daß es wohl nicht einfach ist leicht überspülte Hindernisse im Stromzug auszumachen.

Mich fasziniert einerseits so ein winzigst verpackbares Boot das man eigentlich überall hin mitnehmen könnte, andererseits kann ich es mir nur schwer vorstellen aus meiner Kajakerfahrung heraus - es wirkt so als wäre es nicht unbedingt einfach es punktgenau dahin zu lenken wo man hin möchte - und Dinge wie Kehrwasser fahren stelle ich mir damit doch als eine ziemliche Herausforderung vor. In deinem Video macht es eher den Eindruck von "Rein in die Strömung, ein paar Korrekturschläge und ansonsten eben auf den wohl recht guten Auftrieb vertrauen" - auch schon vor dem canyon waren ein paar Löcher dabei an denen man mit einem Wildwasserboot wohl schon ordentlich U-Boot hätte spielen können, die das Teil aber offenbar recht gutmütig genommen hat.

Sarekmaniac
01.11.2012, 20:14
Ich finde es wirklich gut, dass Du so einen krassen Fehler so offen dokumentierst, fällt ja tatsächlich nicht in die Kategorie "unvermeidliches Restrisiko" sondern war ein Leichtsinns- und Planungsfehler.

Aus deinem mit lustiger Country-Musik unterlegten Youtube-Video geht aber keineswegs hervor, dass der Eureka River unraftbar und absolut lebensgefährlich ist, und was dir da zugestoßen ist. Ob das eine gute Idee ist, sowas ins Web einzustellen?

So einen der persönlichen Dummheit geschuldetetn zweiten Geburtstagstermin habe ich auch, sogar noch einen dritten. Liegen beide im Winter.;-)

Ingwer
01.11.2012, 20:52
Ist gut das du das so offen und ehrlich hier preisgeben kannst, sowas könnte sonst durchaus traumatisierende folgen haben.

Ich war genau einmal auf der Tara raften und da bin ich an einer eigentlich unspektakulären Stelle über Bord gegangen. Dann durfte ich ordentlich die Luft anhalten, bin ordentlich an die Steine geschleudert worden. Seitdem habe ich absolut keine Lust auf Raften mehr.

HammelHugo
01.11.2012, 23:23
So schnell hab ich nicht damit gerechnet, super! Erstmal lesen jetzt! :D

EDIT: Meine Herren, mach keinen Scheiss, das hätt anscheinend echt gut ins Auge gehen können. Ich dachte, deinen bisherigen Berichten zu urteilen, dass du solchen Gefahren durch ein wenig Erfahrung automatisch aus dem Weg gehen würdest, aber Fehler und Überschätzungen können wohl bei allen auftreten, gut zu wissen! Feier den Tag!

fjellstorm
01.11.2012, 23:54
:o
Holy shit...Ich kenn mich zwar mit Packraften nicht aus, aber ich denke du hast da mehr als Glück gehabt, nicht selten bezahlt man solche Aktionen mit dem Leben...!

Gut, dass zu diesen Fehler so offen als Dummheit (was es wohl auch war) charakterisierst, und nicht als einer dieser unvermeidlichen Restrisiken, wie es Sarekmaniac treffend formulierte.
Vielleicht in Zukunft ein wenig kürzer treten ?;-)


... Youtube-Video geht aber keineswegs hervor, dass der Eureka River unraftbar und absolut lebensgefährlich ist, und was dir da zugestoßen ist. Ob das eine gute Idee ist, sowas ins Web einzustellen?

Unraftbar?-im Bericht steht ja,dass der Fluss bisweilen schon geraftet wird-nur nicht dieser spezielle Canyom..aber ja, erwähnen könnte man das schon im Video, vielleicht in Hinblick als künftiger Guide und damit verbundene Verantwortung;-)

Ansonsten:Schöne Fotos mit der verfärbten Tundra, stehen schön im Kontrast zu den Grau/grün dominierten der Brooks..

Zum thema trampen: Sehe ich wie du, warum man sich darüber empören kann, kann ich mir eigentlich nicht erklären-oder doch- man kann alles und nichts zum Thema machen:roll:

mhim
02.11.2012, 00:00
Schöner ehrlicher Bericht, wie auch dein letzter!
Naja du wirst weitermachen, du wirst weiter Risiken eingehen und steigern, und vielleicht hast du mal kein Glück mehr. Aber zumindest hast du gelebt 5sterne

fjellstorm
02.11.2012, 00:12
du wirst weiter Risiken eingehen und steigern, und vielleicht hast du mal kein Glück mehr. Aber zumindest hast du gelebt 5sterne
Auf solch Weißheiten antworte ich für gewöhnlich:
Was nützt dem toten Hund ein Beafsteak?;-)

Mika Hautamaeki
02.11.2012, 09:33
Und wieder ein grandioser Bericht und tolle Bilder. Irgendwie bin ich froh, daß du so schlechtes Wetter hattest, da ich sonst von der Masse der grandiosen Bilder wohl erschlagen worden wäre.
Auch von mir nochmal vielen Dank, dafür, daß du so offen mit den Risiken bzw. Fehlern umgehst.

Eine Frage zu den Elchen: Wie nah warst du an denen dran? Sieht mir so nach 50 m aus, wieso sind die nicht auf und davon?

Rattus
02.11.2012, 10:02
Danke für den Bericht und schön, dass du's überlebt hast ;-) Die Fotos sind wieder mal toll. Besonders gefällt mir das Stachelschwein - ich musste erst mal googeln und stieß dann auf den Urson. Sieht ziemlich genervt aus :bg:

volx-wolf
02.11.2012, 10:20
In Abwandlung eines bekannten Sprichwortes:
"Tu Dummes und rede darüber!"

…aber vielleicht hilft es ja dem einen oder anderen bei späteren Entscheidungsfindungen, doch lieber die sicherere aber aufwändigere Fortkommensweise als bessere Alternative zu sehen.

Jedenfalls (wie immer von Dir) klasse Fotos und gut geschriebener Bericht.

Eine Bitte hätte ich noch:
Magst Du in Deinem Bericht eine kurze englische Zusammenfassung einstellen, damit diejenigen, die weniger gut Deutsch können, aber Deine Berichte hier betrachten, von Deinem Erlebnis wissen und gewarnt sind.
Eventuell auch irgendwo am/beim/im Video? Oder zumindest Deine englische Version hier verlinken?

Der Foerster
02.11.2012, 11:33
Sehr schöner Bericht, noch schönere Fotos und eine krasse Tour - Glückwunsch!

Ich finde schon spannend wie Du hier für die Offenlegung eines gefährlichen Fehlers mit moralisch erhobenen Zeigefinger gelobt wirst...:roll: Es steht einem Außenstehenden (der Dich in den meisten Fällen noch nicht einmal kennt) nur bedingt zu. Aber das ist nur meine Meinung.

Was mich fast mehr interessiert ist, ob es normal ist, dass das Baumstachelschwein/Urson als Baumbewohner in einer Gegend vorkommt in der es so gut wie keine Bäume gibt (jedenfalls keine wo man als Baumstachler in sichere Höhe reinklettern kann). War das eine Einzelbegegnung, oder kam es öfters vor?

Ich finde ja Deine Ernährungsgewohnheiten auf Tour bewundernswert und nachvollziehbar - aber für mich wäre das nichts;-)
Kennst Du den Film bzw. das Buch The Hunter von Julia Leigh? Der Hauptdarsteller hat (vor allem im Buch) sehr ähnliche Ernährungsgewohnheiten wie Du:D (Tasmanien wäre doch für Dich auch ein schönes Reiseziel:grins: )

Was übrigens auch gut geht, ist unter der Hardshell-Jacke ein Shirt von Brynje (http://www.brynje-shop.com/) zu tragen. Dies Netzzeug trocknet sehr gut und schnell.

Der Foerster
02.11.2012, 11:40
Mein letzter Satz bezieht sich natürlich nicht auf das Rafting sondern auf die Tour davor.

Der Canyon hat doch sicherlich WW4 - 4+ oder?

fjellstorm
02.11.2012, 12:18
Ich finde schon spannend wie Du hier für die Offenlegung eines gefährlichen Fehlers mit moralisch erhobenen Zeigefinger gelobt wirst...:roll: Es steht einem Außenstehenden (der Dich in den meisten Fällen noch nicht einmal kennt) nur bedingt zu. Aber das ist nur meine Meinung.

Den Fehler hat er selber als Dummheit eingesehen [und dies auch rational begründet]-ich seh da nichts moralisches, wenn man ihm diese Offenheit und Ehrlichkeit in der Darstellung zu gute hält, vor allem wenn man es selber so sieht-egal ob man Libertist jetzt persönlich kennt oder nicht. Und zumindest macht sich der ein oder andere mal Gedanken drüber anstatt der üblichen 5 sterne Einzeiler.

Der Foerster
02.11.2012, 12:40
Das sollte auch keine Kritik an seinem Bericht sein, ich finde es nur ein wenig befremdlich, wenn daraufhin ihm fast alle sagen: "Was für ein großer Leichtsinn. Mach das ja nie nie wieder. Und bitte nicht nachmachen".

Inhaltlich stimme ich dem ganzen ja zu, es ging mir nur um die Form. Ich möchte aber der Diskussion darum nun bitte keinen neuen Auftrieb verleihen (habe ich wahrscheinlich schon).

Die meisten werden eh nicht in so eine Situation kommen und die die es tun werden sich entweder mit dem Thema auseinandersetzen oder leichtsinnig sein. Egal ob hier geschrieben wird, dass das wohl nicht so fachmännisch war;-)

Was keiner schreibt (ich hoffe ich habe es nur nicht überlesen) ist, wie man sich bei so etwas richtig verhält. Alle schreiben nur, das es "leichtsinnig" ist und eine "Dummheit" und das er "kürzer treten sollte".

Eine inhaltliche Diskussion wäre, wenn wir schreiben würden, dass man in unbekanntem Gelände immer vor jeder Kurve aussteigen sollte und scouten muss. Auch wenn das nervt und ewig aufhält. Schließlich kann der selbe Fluss bei unterschiedlichen Wasserständen zwischen leicht und unmöglich schwanken. Deshalb nützen auch Erfahrungsberichte wenig. Auf viel befahrenen Wildwasserstrecken ist die natürlich anders, dort gibt es aber auch definierte Pegelstände.
Wenn man beim Scouten feststellt, dass das WW die Stufe 1 (1+) überschreitet würde ich den Teil nicht im Alleingang fahren, schon gar nicht in so einer einsamen Gegend, wo ich meine Ausrüstung einfach nicht verlieren darf.
Da scouten so aufhält und lästig ist, denkt man sich oft, dass man es sich sparen kann. Ich denke aber, dies ist bei einer Wildnissflusstour das A und O um wirklich Sicherheit zu gewährleisten.

Bergtroll
02.11.2012, 12:50
Die für mich interessante Frage ist, warum ein vermutlich überdurchschnittlich intelligenter Mensch diese hinrissige Entscheidung getroffen hat (und auch ich fast eine ebenso schlechte Entscheidung getroffen hätte). Und warum bereits so viele Menschen in ähnlichen Situation ihren Leben verloren haben.

Meiner Meinung nach gibt es bestimmte Situationen in der Natur, die deutlich weniger gefährlich wirken, als sie sind. Dazu gehören insbesondere Schneehänge (Lawinengefahr) und Wildwasser. Ich glaube, dass hier der natürliche Instinkt nicht richtig funktioniert und man nicht genug Angst hat. In anderen Situationen (steiler Abgrund usw.) funktioniert der Instinkt besser.

Ich habe auch den Eindruck, dass man während eines anstrengenden Outdoortrips oft weniger rational handelt als am Schreibtisch.

Vielleicht hilft es, sich das klar zu machen, um später die Wahrscheinlichkeit konservativer Entscheidungen zu erhöhen.

fjellstorm
02.11.2012, 12:59
Was keiner schreibt (ich hoffe ich habe es nur nicht überlesen) ist, wie man sich bei so etwas richtig verhält. Alle schreiben nur, das es "leichtsinnig" ist und eine "Dummheit" und das er "kürzer treten sollte".
Ich denke, den Sachverhalt hat Libertist selber dargestellt und die genannten Bezeichnungen auch großteils, da ist es schon Ok den Fehler auch mal beim Namen nennen zu dürfen-Über Formulierungen und ev. überlesene Ironien kann man ja dann noch diskutieren. Und Rumreiten brauch man auch nicht drauf.Solche Grenzerfahrungen polarisieren halt auch desweilen.

Und mit der inhaltlichen Diskussion hast du ja begonnen.. ;-) ( ich kenn mich da zu wenig aus)

Libertist
02.11.2012, 17:21
1. Wie konnte ich so leichtsinnig sein?

Ich bin halt nicht perfekt, mir passieren Fehler. Bisher keine gravierenden, sonst hätte es schon mehr Berichte dieser Art gegeben. ;-) Ich meine, da draußen grundsätzlich schon zurechtzukommen und bisher meistens gute Entscheidungen getroffen zu haben. Diesmal halt nicht. Ich hielt es einfach für unwahrscheinlich, dass der Canyon wirklich „unraftbar“ ist UND ich das nicht rechtzeitig erkennen und aussteigen könnte. Oder anders ausgedrückt: ich wollte es einfach versuchen und erst abbrechen, wenn ich selbst von der Unmachbarkeit überzeugt war. Ich vernachlässigte das Risiko, dass es im entscheidenden Moment, in dem ich die Gefahr sehe, bereits zu spät sein könnte – und genau das ist passiert.

Wer den Bericht gelesen hat, dem ist klar, dass ich meinen Fehler völlig offen lege und keinesfalls zu verteidigen versuche. Trotzdem möchte ich anmerken, dass ich nur deshalb als „dummer Junge“ da stehe, weil es diesmal eben nicht funktioniert hat. Vor dem Canning River wurde ich auch gewarnt und ich hatte keinerlei Informationen darüber, wie die Überquerung sein würde. Die Sache ging gut aus, also kommt keiner auf den Gedanken, dass ich da vielleicht zu viel riskiert haben könnte. Keiner kritisiert das, weil der „Erfolg“ mir Recht gibt.

Wenn man den fertigen Bericht liest, ist es immer leicht, den „moralischen Zeigefinger“ zu heben und zu sagen: war doch klar, du Dummerchen. Und ich beschwere mich auch gar nicht darüber – im Gegenteil, ich benenne meine Fehler ja selbst. Aber ich möchte auch in Erinnerung rufen, dass dieser Reisestil (den viele hier im Forum ja teilen) einfach verlangt, dass man hin und wieder etwas riskiert. Die Frage ist nur: wie viel riskiert man? Es ist halt immer ein Abwägen und diesmal habe ich zu viel riskiert. Das wissen wir aber auch nur deshalb, weil es diesmal eben schief ging. Was wäre, wenn ich geschrieben hätte: Das Raften des Canyons war schwierig, aber machbar. Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Das hätte wahrscheinlich niemanden großartig verwundert, kennt man ja.


2. Warum lege ich meinen Fehler hier so offen dar?

Naja, warum denn nicht? Genauso, wie ich eine erfolgreich abgeschlossene Tour nicht übertrieben darstellen möchte, will ich einen Misserfolg auch nicht leichtfertig abtun oder sogar leugnen. Es tut meinem Ego doch nicht weh, zuzugeben, dass ich Fehler mache – weiß doch sowieso jeder! ;-) Aufrichtigkeit hat (mir) noch nie geschadet.

Und wessen Leben ist schon eine einzige Erfolgs-Geschichte? Meines nicht.

Libertist
02.11.2012, 17:40
Was mich bei den Packrafts immer wieder erstaunt: Wie gut ist da eigentlich die Sicht nach vorne auf Hindernisse etc? - gerade in deinem Video aus Paddlerperspektive scheint mir dieser Gepäckberg vorne doch ziemlich unüberschaubar zu sein, so daß es wohl nicht einfach ist leicht überspülte Hindernisse im Stromzug auszumachen.

Da hast du definitiv Recht: die Sicht ist umso schlechter, je größer der Rucksack ist. Die Teile sind ja auch vorzugsweise in die UL-Schiene einzuordnen, dort sind die Rucksäcke kleiner und leichter. Für mich ist das Packraft also streng genommen gar nicht so ideal konstruiert, der Rucksack versperrt die Sicht auf alles, was sich unmittelbar vor dem Boot befindet.




In deinem Video macht es eher den Eindruck von "Rein in die Strömung, ein paar Korrekturschläge und ansonsten eben auf den wohl recht guten Auftrieb vertrauen" - auch schon vor dem canyon waren ein paar Löcher dabei an denen man mit einem Wildwasserboot wohl schon ordentlich U-Boot hätte spielen können, die das Teil aber offenbar recht gutmütig genommen hat.

Absolut, das Packraft verträgt mehr, als man auf den ersten Blick denken würde. Schau dir mal mein Video von unserem Salza-Ausflug im Juli an, da sind wir über alle möglichen Hindernisse nur so drüber gerauscht. Juckt das Boot überhaupt nicht. ;-)

Libertist
02.11.2012, 17:45
Aus deinem mit lustiger Country-Musik unterlegten Youtube-Video geht aber keineswegs hervor, dass der Eureka River unraftbar und absolut lebensgefährlich ist, und was dir da zugestoßen ist. Ob das eine gute Idee ist, sowas ins Web einzustellen?

Im Reisebericht steht es eigentlich recht deutlich: der Teil des Eureka Creeks, den ich geraftet bin (und auf dem ich auch gefilmt habe), war sehr gut machbar. Dann ging die Kamera aus. Nur das Ende vom Video zeigt den Teil, der mit dem Packraft wohl kaum zu raften ist. Naja gut, einige Experten machen halt alles...

Wer nähere Infos zu dem Fluss und dem Canyon will, muss sich halt die Mühe machen und den Bericht aufrufen. Der ist ja direkt unter dem Video verlinkt. Mit meinen Berichten und Videos übernehme ich prinzipiell mal keine Verantwortung für das, was andere später daraus machen. Oder?

Libertist
02.11.2012, 17:48
Eine Frage zu den Elchen: Wie nah warst du an denen dran? Sieht mir so nach 50 m aus, wieso sind die nicht auf und davon?

50 Meter könnten hinkommen. Das Wild in Alaska ist prinzipiell nicht so scheu, wie man es teilweise aus Europa kennt. Aber eine fachmännische Antwort kann ich dir darauf leider auch nicht geben. Elche sind faul und bequem. ;-)

Libertist
02.11.2012, 17:52
Eine Bitte hätte ich noch:
Magst Du in Deinem Bericht eine kurze englische Zusammenfassung einstellen, damit diejenigen, die weniger gut Deutsch können, aber Deine Berichte hier betrachten, von Deinem Erlebnis wissen und gewarnt sind.
Eventuell auch irgendwo am/beim/im Video? Oder zumindest Deine englische Version hier verlinken?

Ich bin mir nicht sicher, ob ich dich richtig verstehe: Nicht-Deutschsprachige, die auf ODS landen, sollen hier den Link auf den englischsprachigen Bericht auf meiner Website finden? Meine Website ist doch in meiner Signatur und auch auf Youtube, direkt unter dem Video, ist der Direktlink zum englischsprachigen Bericht. Im Video selbst, zu Beginn und am Ende, wird auch meine Website eingeblendet. Wer sich informieren möchte, dem stehen alle Informationen zur Verfügung, einfach zu finden sind sie auch.

Vielleicht habe ich dich aber auch missverstanden...?

Libertist
02.11.2012, 18:07
Was mich fast mehr interessiert ist, ob es normal ist, dass das Baumstachelschwein/Urson als Baumbewohner in einer Gegend vorkommt in der es so gut wie keine Bäume gibt (jedenfalls keine wo man als Baumstachler in sichere Höhe reinklettern kann). War das eine Einzelbegegnung, oder kam es öfters vor?

Hm, ich habe keine Ahnung.:bg: Mir sind die Viehcher schon öfter mal in Gegenden ohne Bäumen begegnet. Scheint normal zu sein - das ist leider alles, was ich dazu sagen kann.




Der Canyon hat doch sicherlich WW4 - 4+ oder?

Mindestens. Auf packrafting.org wurde Klasse V geschätzt.

fjellstorm
02.11.2012, 20:38
Wenn man den fertigen Bericht liest, ist es immer leicht, den „moralischen Zeigefinger“ zu heben und zu sagen: war doch klar, du Dummerchen
Wo wurde das bitteschön gesagt?
Und was habt ihr ständig mit dem moralischen Zeigefinger?


Die Sache ging gut aus, also kommt keiner auf den Gedanken, dass ich da vielleicht zu viel riskiert haben könnte. Keiner kritisiert das, weil der „Erfolg“ mir Recht gibt.

Du hast zuviel riskiert. Jetzt zufrieden?:baetsch:


Was wäre, wenn ich geschrieben hätte: Das Raften des Canyons war schwierig, aber machbar. Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Das hätte wahrscheinlich niemanden großartig verwundert, kennt man ja.
Ja das hätte niemanden verwundert, weil den Fluss die wenigsten kennen. Was willst du jetzt genau damit sagen?
Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß?

Warum rechfertigst du dich überhaupt? Ich denke die meisten schätzen deine Art zu Reisen,deine Berichte, deine Art an Dinge ranzugehen..wenn da einmal was schiefläuft-sollte man in erster Linie froh sein, dass dir nichts passiert ist-egal wer wieviel Risoko eingegangen ist, was passiert wäre wenn. Und übrigens schade, dass ich sowas hier erfahren muss,solch Erlebnisse hätten mich bei Ouzo und Co definitiv interessiert....

Libertist
02.11.2012, 20:44
Du hast ja Recht.



Und übrigens schade, dass ich sowas hier erfahren muss,solch Erlebnisse hätten mich bei Ouzo und Co definitiv interessiert....

Ach komm, das kleine Fläschchen war ja schon leer, da hab ich noch nicht mal "Alaska" sagen können. :baetsch:

Mortias
02.11.2012, 20:51
Also mir stockte da beim Lesen wirklich erstmal der Atem. Es wirkte fast etwas surreal für mich zu lesen wie Du um Dein Lebens kämpftestgekämpft hast. Wenn Leute verunglücken, dass lese ich davon in den Nachrichten und es betrifft mir nicht bekannte Personen wodurch sich einfach eine gewisse Distanz aufbaut. Und jetzt kommst Du, und schilderst hier sehr detailiert Dein Beinahe-Ertrinken. Sowas wirkt einfach nochmal ganz anders auf mich und macht mir irgendwie klar, dass es theoretisch jeden von uns Treffen kann, der sich in die Natur begibt (auch wenn bei durchschnittlichen Wandertouren das Unglücksrisiko natürlich um Weiten geringer ist).
Jedenfalls erfreulich zu lesen, dass Du nur mit dem Schrecken und ein paar blauen Flecken davon gekommen bist und Deine Ausrüstung nicht verloren hast. Deine schonungslose Selbstkritik hat mir gut gefallen, da sie zeigt, dass Du nachdenkst und Dir Deiner Fehler bewusst bist. Und das ist auch gut so, denn würdest Du nicht aus diesem Fehler lernen können, gäbe es vielleicht eines Tages keine spannenden Berichte mehr von Dir. Und ich glaube das würde vielen hier im Forum sicherlich nicht sonderlich gut gefallen. :cool:

volx-wolf
02.11.2012, 21:08
Ich bin mir nicht sicher, ob ich dich richtig verstehe: Nicht-Deutschsprachige, die auf ODS landen, sollen hier den Link auf den englischsprachigen Bericht auf meiner Website finden? Meine Website ist doch in meiner Signatur und auch auf Youtube, direkt unter dem Video, ist der Direktlink zum englischsprachigen Bericht. Im Video selbst, zu Beginn und am Ende, wird auch meine Website eingeblendet. Wer sich informieren möchte, dem stehen alle Informationen zur Verfügung, einfach zu finden sind sie auch.

Vielleicht habe ich dich aber auch missverstanden...?

Nein, Du hast mich richtig verstanden. Ja, die Links sind zu sehen.
Aber nein, niemand weiss, dass sich dahinter englischsprachige Berichte verbergen.
Ich dachte es eben nur als Service, insbesondere da es hier um sehr selten begangene Gebiete und wichtige Sicherheitsinformationen geht.
Liegt aber daran, dass ich mich für meine Reisevorbereitungen durch ukrainische, polnische oder rumänische Blogs und Foren wühle, ohne dieser Sprachen mächtig zu sein und mich dann über englische Zusammenfassung/Erläuterungen freue ;-)
Ja, wir sind ein deutschsprachiger Blog, aber so einklitzekleiner Linkhinweis, den fände ich gut.
Meine private Meinung!

Sarekmaniac
02.11.2012, 21:55
Aber ich möchte auch in Erinnerung rufen, dass dieser Reisestil (den viele hier im Forum ja teilen) einfach verlangt, dass man hin und wieder etwas riskiert. Die Frage ist nur: wie viel riskiert man?

Ja das ist eine interessante Frage. Ich denke es gibt immer ein nicht mehr minimierbares Restrisiko, es gibt einfach Pech, Zufall, unglückliche Umstände (die gibt es auch daheim im Straßenverkehr), und es gibt Risiken, die, in der anschließenden Analyse, aus vermeidbaren Fehlern entstanden sind. Da kann man dann auch (tödliches) Pech haben, rein statistisch geht es meist glimpflich aus, dann lernt man draus.

Meine Erfahrung: Gerade wenn man allein unterwegs ist, und wenn man lange unterwegs ist, verschiebt sich die Risikowahrnehmung oft unmerklich. Man erbringt, ganz auf sich gestellt, enorme Leistungen, das Selbstbewusstsein steigt (ich schätze, die Rafting-Tour fand nach der Brooks-Range-Tour statt?) , und die kleine Rückkopplung mit einem Tourpartner, die vielleicht mit einem Satz: "Und was meinst Du"? den Blick auf eine bestimmte Situation komplett ändern würde, fehlt.

Die Risikowahrnehmung verschiebt sich zum Teil zu recht. Wenn man viel drauf hat, Erfahrung hat und lange unterwegs ist kommt man mit bestimmten Situationen eben besser zurecht als andere, für die dieselbe Situation nicht nur subjektiv, sondern auch objektiv riskanter wäre. Wenn man aber nicht aufpasst und die kritische Selbstreflektion verloren geht, schiebt man dann, im Zustand einer euphorie-induzierten Denklähmung, auch leichtfertig Risiken beiseite und macht Sachen, über die man hinterher selbst nur den Kopf schüttelt.

Es gibt neben Motivation, Ehrgeiz und Euphorie noch andere Faktoren, die auf Solotouren das Denken lähmen können, wenn man nicht aufpasst - Müdigkeit, Frust, Ungeduld z.B.

Libertist
02.11.2012, 21:58
Sehr guter Beitrag. Ich glaube, da steckt viel Wahrheit drin.

se
02.11.2012, 22:10
Was mich noch interessieren würde:
Im Bericht über die Brooks Range erwähnst du am Ende, dass du einen SPOT dabei hattest. Hattest du den auch auf dieser Tour mit, wenn ja, wo war dieser als du auf dem Fluss warst? Also für den Fall, dass du deine Ausrüstung verloren hättest, wäre dir die Möglichkeit geblieben ein Notsignal abzusenden, oder war das Teil dann im Rucksack? Denn durchnässt und unterkühlt, noch dazu ohne Schuhe zurück zum Highway zu laufen (auf dem vermutlich auch nicht alle Stunde ein Auto vorbeikommt) klingt für mich eher unrealistisch, aber das kann ich nicht wirklich einschätzen.
Zugegeben im Nachhinein eine eher theoretische Frage, zum Glück ist es ja soweit nicht gekommen.

Libertist
02.11.2012, 22:23
Was mich noch interessieren würde:
Im Bericht über die Brooks Range erwähnst du am Ende, dass du einen SPOT dabei hattest. Hattest du den auch auf dieser Tour mit, wenn ja, wo war dieser als du auf dem Fluss warst? Also für den Fall, dass du deine Ausrüstung verloren hättest, wäre dir die Möglichkeit geblieben ein Notsignal abzusenden, oder war das Teil dann im Rucksack? Denn durchnässt und unterkühlt, noch dazu ohne Schuhe zurück zum Highway zu laufen (auf dem vermutlich auch nicht alle Stunde ein Auto vorbeikommt) klingt für mich eher unrealistisch, aber das kann ich nicht wirklich einschätzen.
Zugegeben im Nachhinein eine eher theoretische Frage, zum Glück ist es ja soweit nicht gekommen.

Okay, jetzt kommt's ganz hart: der SPOT war im Rucksack! :o

Normalerweise wickle ich das Teil in mein kleines Handtuch und stopfe es dann in einen Mini-Drybag von Sea-to-Summit. So verschwindet der Drybag dann in einer Tasche meines Drysuits. Immer dabei. Nur diesmal - ich trau's mir ja kaum zu sagen - hab ich gar nicht mehr an den SPOT gedacht und ihn im Rucksack gelassen. Dieses Versäumnis hat mich im Nachhinein auch total aufgeregt, zumal ich das Gerät wirklich bei jeder Raftingtour dabei habe, selbst bei einem Tagesausflug auf einem Alpenfluss. :roll:

Wenn ich in dem Canyon meine Ausrüstung verloren hätte, ansonsten aber fit gewesen wäre, dann wäre ich zum Highway marschiert. Von dem SOS Signal Gebrauch zu machen, wäre mir übertrieben vorgekommen... 20 Stunden ohne Essen hätte ich schon durchgehalten und die Füße, naja, die wären wohl auch nicht abgefallen. Es wäre eine Tortour gewesen, aber der Notruf käme für mich wirklich nur dann in Frage, wenn ich wirklich nicht in der Lage bin, mir selbst zu helfen.

tizzano1
03.11.2012, 07:02
Hallo,

ich möchte anmerken, dass dein Bericht Alaska 2012 (3/4) rein literarisch sehr gelungen ist. Lässt einen wirklich den Atem anhalten, beschreibt detailiert und sekundiös was los ist. Ich glaube nicht, dass es ausschließlich am Ereignis liegt,das einen beim Lesen packt, man muss schon auch die richtigen Worte finden, es zu beschreiben.
Wenn ich Libertist als " Der mit den Büchern was hat" übersetzen darf, ist dir mit dem Bericht was besonderes gelungen.

Bin schon gespannt auf 4/4:popcorn: ;-)

tizzi

Corin
03.11.2012, 10:07
Wenn ich Libertist als " Der mit den Büchern was hat" übersetzen darf, ist dir mit dem Bericht was besonderes gelungen.



tizzi



Mhm..... ich dachte immer sein Profilname kommt von Liberté - Freiheit.....

Wildniswanderer
03.11.2012, 11:39
Ein sehr gelungener Bericht, ehrlich und den Leser mitnehmend! Abgesehen davon, denke ich, dass du genau die richtigen Schlüsse aus dieser Erfahrung gezogen hast.
Was das Trampen angeht, habe ich es auch immer als sehr spannende wenn auch manchmal etwas frustrierende Geschichte empfunden. Ich habe auch immer das Gefühl, ich sollte dem jenigen der mich mitnimmt etwas zurückgeben. In der Regel versuche ich daher "meine Fahrer" zu unterhalten. Jedenfalls bringt einem das Trampen ein Land und seine Bewohner aus einer anderen Perspektive nah, die man beim Mieten eines Wagens nicht erleben kann.

nicki1005
03.11.2012, 12:13
Erstmal: Ich bin froh, dass du da heil raus gekommen bist... :o

Und zum Rest des Berichts: Die Tierfotos gefallen mir besonders gut :D Und was das Thema Trampen betrifft: Ich sehe das genauso wie du (und wie viele andere hier auch), aber das ist ja keine Überraschung ;-)

Bergtroll
04.11.2012, 18:12
@Libertist Du hast einen interessanten youtube Kommentar bekommen. Offenbar hat sich da noch einer den Eureka Canyon heruntergestürzt und es auch nicht geschafft, den Darwin Arward zu gewinnen :bg:

"Ouch man. I learned that lesson the hard way myself (my glasses are still at the bottom of that waterfall...) But glad it all turned out."

Libertist
04.11.2012, 18:27
@Libertist Du hast einen interessanten youtube Kommentar bekommen. Offenbar hat sich da noch einer den Eureka Canyon heruntergestürzt und es auch nicht geschafft, den Darwin Arward zu gewinnen :bg:

"Ouch man. I learned that lesson the hard way myself (my glasses are still at the bottom of that waterfall...) But glad it all turned out."

Ja, wobei es sich dabei wahrscheinlich nicht um denselben Fluss handelt. Ist nicht so klar. "That waterfall" muss (im Englischen) nicht heißen, dass dieser Wasserfall gemeint ist. Ich frag mal nach.

Bergtroll
04.11.2012, 19:46
Offenbar kann man auch bereits oberhalb des Canyons Spass haben ...

http://www.youtube.com/watch?v=ROZQE3_vIY0&feature=related ;-)

Libertist
04.11.2012, 20:02
Offenbar kann man auch bereits oberhalb des Canyons Spass haben ...

http://www.youtube.com/watch?v=ROZQE3_vIY0&feature=related ;-)

Hab ich auch schon gesehen. Keine Ahnung, was der Typ da getrieben hat. Diese Stelle kommt sogar in meinem Video vor (0:25). :roll:

heron
04.11.2012, 20:11
Hallo Libertist

na toll - da fällt mir nur ein den Blödsinn, den wir heute gemacht haben, wollen wir morgen noch überbieten, oder so? :bg: :bg:
Schön, dass du's gepackt hast - auch das, was einem an Gedanken durch den Kopf geht ist sehr interessant ... Bei mir war das in sehr kritischen Situationen eigentlich immer ein OK, das wars dann also.
Und ganz allgemein auch die Frage, ob nicht ohnehin ein Grossteil des Überlebens oder Nicht-Überlebens von ganz anderen Faktoren als den eigenen Leistungen/Entscheidungen abhängt. Da sind andere schon mit viel weniger ums Leben gekommen - und wenn die Zeit noch nicht gekommen ist, macht man mit Blödsinn machen eben weiter, bis man die Summe am Quick aufgebraucht hat :grins:
Mir gefallen die Stachelschweinbilder auch gut - bei den Flussbildern wird mir eher schlecht und ich bekomm schwitzige Hände - sind das Symptome?



Ich glaube, dass hier der natürliche Instinkt nicht richtig funktioniert und man nicht genug Angst hat. In anderen Situationen (steiler Abgrund usw.) funktioniert der Instinkt besser.


Oh, bei mir funktioniert der schon super - ich habs wie Ingwer mit dem Wildwasser ...


J und die kleine Rückkopplung mit einem Tourpartner, die vielleicht mit einem Satz: "Und was meinst Du"? den Blick auf eine bestimmte Situation komplett ändern würde, fehlt.


Sehr schöner Beitrag - hätte er mich dabei gehabt, wär er das ganz bestimmt nicht geraftet :ignore: :baetsch:

Xanatos
04.11.2012, 21:30
"That waterfall" muss (im Englischen) nicht heißen, dass dieser Wasserfall gemeint ist. Ich frag mal nach.

Darf ich mal kurz fragen, wie du darauf kommst? Ich wuesste naemlich nicht, was es sonst heissen soll und auf was das "that" sonst referenzieren sollte.

Libertist
04.11.2012, 21:45
Darf ich mal kurz fragen, wie du darauf kommst? Ich wuesste naemlich nicht, was es sonst heissen soll und auf was das "that" sonst referenzieren sollte.

Jetzt sind wir schon ziemlich OT, aber egal. ;-) Das Wort "that" lässt vermuten, dass es sich um einen anderen Wasserfall bzw. Fluss handelt. Hätte der User "this waterfall" geschrieben, wäre eindeutig der in meinem Video gezeigte gemeint. Das ist zumindest die Regel - es kann durchaus sein, dass er "this waterfall" meint, so wie man im Deutschen gerne mal dem und den verwechselt. Ob man überhaupt von "Regel" sprechen kann, weiß ich noch nicht mal... jedenfalls wird es so gehandhabt.

SvenSch
04.11.2012, 21:51
Hatte leider nicht die Zeit mir alle Kommentare anzusehen. Dennoch eine kurze Rückmeldung.

Hab beim Lesen des Berichtes nur gedacht, Ja bist du des Wahnsinns!
Bist du nicht, sonst hättest du das hier nicht so reflektieren können!

Großes Danke dafür.

Die Art von Affektentscheidung kommt m.M.n. oft von dem Umstand, dass wir uns beim Paddeln mit der Schwerkraft bewegen, nicht dagegen, also weniger den inneren Schweinehund überwinden müssen. Ebenso passieren die meisten Unfälle im Bergsport ja beim Abstieg.

Beim Packraften ist das wohl noch verstärkt, da die Paddelphase nach der (Lauf)Arbeit Entspannung verspricht (so ein schöner Sport im Sitzen!). Die Tendenz "da jetzt noch durch/drüber rutschen" ist schnell eingeschlagen, da man auch (relativ) passiv vorrankommt und Luftboote (bis zu einem gewissen Grad) so verzeihend im Fahrverhalten sind.

Wenn wir müde, erschöpft und unkonzentriert sind, gehen wir kaum einen Gipfel an, im Boot zu sitzen schein jedoch verlockend, auch in einen solch ungewissen Canyon.

Aber was mich noch interessiert, welchen Anteil hatte der schwere Rucksack. Wärst du ohne Gepäck auch gekentert deiner Einschätzung nach? Wie war dein Halt im Boot? Die Verblockung auf den Bildern sieht wirklich alles andere als fair aus, und es ist Wunder, daß es da keinen Klemmer gegeben hat.

Ideal finde ich anspruchsvolle Packraftingtourem immer zu 25/50/25: eine schöne Aufwärmphase zu Fuß, die Hauptkonzentration auf dem Wasser in der Mitte und dann der Ausklang, egal of Tages oder Wochentouren.

S.

Xanatos
04.11.2012, 22:30
Jetzt sind wir schon ziemlich OT, aber egal. ;-) Das Wort "that" lässt vermuten, dass es sich um einen anderen Wasserfall bzw. Fluss handelt. Hätte der User "this waterfall" geschrieben, wäre eindeutig der in meinem Video gezeigte gemeint. Das ist zumindest die Regel - es kann durchaus sein, dass er "this waterfall" meint, so wie man im Deutschen gerne mal dem und den verwechselt. Ob man überhaupt von "Regel" sprechen kann, weiß ich noch nicht mal... jedenfalls wird es so gehandhabt.

Ist wirklich OT, aber das stimmt nicht. Sorry ;) Ich werde mal auf PN ausweichen, um es nicht komplett vollzuspammen.

Libertist
04.11.2012, 22:41
Ist wirklich OT, aber das stimmt nicht. Sorry ;) Ich werde mal auf PN ausweichen, um es nicht komplett vollzuspammen.

Habe vorhin extra noch mal meine Exfreundin angerufen, die Englisch studiert hat, ne ganze Weile in Irland gelebt hat und jetzt im Bereich englische Literatur ihren Doktor macht. Sie ist sich sehr sicher. :roll:

Edit: Oha, PN!

Libertist
04.11.2012, 23:04
Hallo Sven,

danke für deine Einschätzung; ich glaube, da ist sehr viel Wahres dran.




Aber was mich noch interessiert, welchen Anteil hatte der schwere Rucksack. Wärst du ohne Gepäck auch gekentert deiner Einschätzung nach? Wie war dein Halt im Boot?

Der Rucksack stört mich beim Raften immer, aber in diesem Fall wäre ich auch ohne das Teil gnadenlos gekentert. Hätte keinen Unterschied gemacht, nur das Rausziehen des Bootes aus dem Wasser wäre mir leichter gefallen.

Ich bin mir nicht ganz sicher, was du mit "Halt im Boot" meinst. Sobald mein Kopf im Wasser war, war's um den Halt geschehen. ;-)

Libertist
05.11.2012, 13:27
Neues auf Youtube: "Nope. Different river, same mistake."

berniehh
06.11.2012, 08:07
Jetzt bin ich endlich auch mal dazu gekommen den Bericht zu lesen: Wirklich sehr spannend,......aber gut daß du da nochmal heil aus der Nummer wieder rausgekommen bist;-);-)

Auch wenn die Tour nicht so verlaufen ist wie geplant,......deine Fotos sind absolut phantastisch! In den bunten Herbstfarben wirkt die Landschaft besonders sensationell5sterne

SvenSch
10.11.2012, 15:55
Hi Gabriel,


Ich bin mir nicht ganz sicher, was du mit "Halt im Boot" meinst.

ist eigentlich nich so wichtig, das war ja ohnehin jenseits von Gut und Böse ;)

Mir ging bei deiner Geschicht nur durch den Kopf, dass Packrafting ja immer noch als 'Bootswandern' propagiert wird, weil das eben den Unterschied ausmacht bzw. das Besondere ist.

Es wird wohl Zeit, dass Packrafting als richtiger Wassersport ernstgenommen und so kommuniziert wird. Das Material gibt es ja ohnehin her. Oft genug wird es ja auch als reines Sportboot genutzt wird.

Die niedrige Einstiegshürde im Vergleich zu anderen Paddelarten ist jedenfalls nicht unkritisch, zumindest bringt es Nutzer eher ins WW als sonst beim Paddeln.


Der Rucksack stört mich beim Raften immer

Mich auch! Der hohe Schwerpunkt ist in der Tat grenzwertig bei technischem Wildwasser. Ein großes Gepäckstück vorn auf dem Boot zu transportieren, hat sich historisch halt so entwickelt (und ist bei echten Pack und Raft Touren ja auch praktisch). Insbesondere das mittlerweile verlängerte Heck bietet aber auch die Möglichkeit einer Verteilung (Heck/Bug/Sitz/Boden). !

S.

Bergtroll
10.11.2012, 17:10
Man kann das Gepäck auch so schlecht befestigten am Bug, dass es sich lockert und dann im WW III neben dem Bug schwimmt. Wenn man sich dann stark auf die andere Seite lehnt, geht es ^^

Abgesehen davon: Ich finde, dass die aktuellen Packrafts mit mittlerem Gewicht auf dem Bug besser fahren als ganz ohne Gewicht. So ca. 15kg auf dem Bug scheinen mir ziemlich optimal, wenn hinten ein Mann mit ordentlich Gewicht sitzt.

Libertist
12.11.2012, 13:07
Übrigens bekam ich am Freitag eine Email von Ed Plumb, der mich auf einen Artikel über meine Tour im "Alaska Dispatch" aufmerksam machte, auf den er gestoßen ist. Dieser Artikel wurde ohne mein Wissen geschrieben und veröffentlicht, ich habe echt nur zufällig davon erfahren. Mit der Formulierung zum Thema "Magic Bus" bin ich nicht so ganz glücklich, aber egal. Hier der Link:

Bericht zur Tour im Alaska Dispatch (http://www.alaskadispatch.com/article/our-alaska-rafting-eureka-creek-video)


Zum Thema "Packrafting als Sport" und "Gepäcktransport" gebe ich Sven vollkommen Recht. Und wer weiß, vielleicht entwickelt Alpacka ja noch etwas für die Kunden, die mit mehr Gepäck als die von Bergtroll angesprochenen 15 kg unterwegs sind?

BigKahuna
12.11.2012, 14:28
Zum Thema "Packrafting als Sport" und "Gepäcktransport" gebe ich Sven vollkommen Recht. Und wer weiß, vielleicht entwickelt Alpacka ja noch etwas für die Kunden, die mit mehr Gepäck als die von Bergtroll angesprochenen 15 kg unterwegs sind?

Zum Thema "Packraft & hohes Gewicht" gibt es hier eine ganz interessante Diskussion: klick (http://forums.outdoorsdirectory.com/showthread.php/119173-Alpaca-pack-rafts?highlight=packraft)

Dieses Raft ist für höheres Gewicht ausgelegt: klick (http://www.pristineventures.com/products/rafts-canoes/pr-49.html)

fjellstorm
12.11.2012, 15:52
Übrigens bekam ich am Freitag eine Email von Ed Plumb, der mich auf einen Artikel über meine Tour im "Alaska Dispatch" aufmerksam machte, auf den er gestoßen ist. Dieser Artikel wurde ohne mein Wissen geschrieben und veröffentlicht, ich habe echt nur zufällig davon erfahren. Mit der Formulierung zum Thema "Magic Bus" bin ich nicht so ganz glücklich, aber egal. Hier der Link:

Ist doch gute Werbung...Dein Blog hat jetzt sicher ungeahnten Traffic :cool: ...Und wär mir neu, dass "Journalisten" darauf Wert legen, die Erlaubnis anderer für ihr Schaffen einzuholen... ;-)
Aber du hast Recht, die Formulierung bezüglich des "Magic Bus" hat einen seltsamen Beigeschmack,-obwohl dieses Phänomen vermutlich auch auf einige die dort hinpilgern zutrifft.

Libertist
12.11.2012, 17:24
Ist doch gute Werbung...Dein Blog hat jetzt sicher ungeahnten Traffic :cool: ...Und wär mir neu, dass "Journalisten" darauf Wert legen, die Erlaubnis anderer für ihr Schaffen einzuholen... ;-)
Aber du hast Recht, die Formulierung bezüglich des "Magic Bus" hat einen seltsamen Beigeschmack,-obwohl dieses Phänomen vermutlich auch auf einige die dort hinpilgern zutrifft.

Natürlich braucht niemand meine Erlaubnis. Aber man hätte mich zumindest wissen lassen können, dass da gerade ein kurzer Bericht zu meiner Tour erschienen ist. Ich hätte jetzt vermutet, dass das normal ist... naja, offensichtlich liege ich damit falsch. ;-)

Bergtroll
12.11.2012, 18:25
"Zum Thema "Packrafting als Sport" und "Gepäcktransport" gebe ich Sven vollkommen Recht. Und wer weiß, vielleicht entwickelt Alpacka ja noch etwas für die Kunden, die mit mehr Gepäck als die von Bergtroll angesprochenen 15 kg unterwegs sind? "

sowie

"Dieses Raft ist für höheres Gewicht ausgelegt"

Nach meinem Verständnis ist das neue, grosse Alpacka Raft nur für Jäger sinnvoll und nur bis Wildwasserklasse III gedacht. Bis WW III kann man aber auch mehr oder weniger locker ein Denali Llama mit 20-25kg auf dem Bug fahren. Ich bin jedenfalls in AK mit ca. 20kg auf dem Bug nie gekentert. Und das trotz meiner bescheidenen Fahrkünste.

SvenSch
12.11.2012, 21:29
Ohh, jetzt wird es doch etwas Off-Topic, eine Produktdiskussion sollte das ja nicht werden ;)

Das Big Rig bzw. PR-49 ist nicht von Alpacka, sondern PristineVentures! Mit knapp 7kg auch die Frage der Definition "Packraft". Wer wirklich sehr viel Gepäck (im Boot) transportieren will, ist eigentlich bestens mit einem Alpacka Zweier ("Explorer 42") bedient, wenn man den alleine fährt, hat man sehr viel Auftrieb, Platz und trotzdem ein Boot unter 3 kg. Aber grundsätzlich hat Bertroll recht, 25 kg auf einem Standard Boot sind auch kein Problem, der Auftrieb ist vollkommen ausreichend.

Ps. Finde es sehr interessant, dass hier immer von "Raften" geschrieben wird, wenn es ums Wasser geht ;) Packraften ist für mich auch immer die Kombination. 'Einfach' nur paddeln in einem Packraft ist aber auch vollkommen ok :)