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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : K(l)eine Spuren - leave no trace - minimal Impact: Hintergrund



Dominik
04.10.2012, 11:42
Hallo zusammen,

die ersten Diskussionen hier zeigen eigentlich schon ganz gut, dass wir alle noch etwas unbedarft mit der Thematik umgehen.
Das ist insofern von Bedeutung, da "selbstzusammengeschusterte" Ideen für umweltverträgliche Outdoortechniken nicht immer das erwünschte Resultat bieten und in einigen Fällen sogar genau verkehrt sind - trotz des Willens.

Auf einem Vortrag zum Thema K(l)eine Spuren beim letzten Forumscamp wurde das z.B. beim Topic Zeltplatzauswahl deutlich. Ein Großteil der Teilnehmer hätte - trotz des Bewusstseins - aus unterschiedlichen Möglichkeiten zur Wahl eines Zeltplatzes, die ungünstigste Variante gewählt.
Ähnliche Erfahrungen wurden in Amerikanischen Nationalparks gemacht. Trotz eines (untersucht) hohen Naturbewusstseins der Outdoorsportler, traten Schäden auf.

Genau aus diesem Grund, sind letztlich die leave no trace Prinzipien entwickelt worden, welche -wissenschaftlich fundiert - Hilfestellung geben, wie in welchen Situationen Outdoorsportler umweltverträglich sowie für das Naturerlebnis aller am besten handeln können. Heute ist die leave no trace Organisation in den USA, Canada, Neuseeland und Schottland sehr bekannt und das Wissen um diese Techniken verbreitet sich.

Wichtig dabei:
Das Konzept vermittelt nicht ausschließlich umweltverträgliche Outdoormethoden sondern legt Wert auf das Naturerlebnis.
D.h. es werden ebenfalls Methoden vermittelt, wie man sich auf Touren verhalten kann, ohne das Naturerlebnis für sich selbst und auch für andere zu mindern.

Es geht also nicht nur um Ökologie & Naturschutz sondern auch um die Bewahrung von Landschaften und Landschaftserlebnissen für uns selbst.

Wer sich zu diesem Thema autodidaktisch vertiefen möchte, dem sei folgenden Buch empfohlen:
NOLS: Soft Path: Enjoying the wilderness without harming it. (http://www.amazon.de/NOLS-Soft-Paths-Wilderness-Jun-15-2011/dp/B007MIU5QW/ref=sr_1_4?ie=UTF8&qid=1349341612&sr=8-4)
Es beinhaltet das Lehrmaterial der leave no trace Kurse und geht auch auf philosophische Fragen ein.

Was ist nun der Unterschied zwischen K(l)eine Spuren und leave no trace oder minimal impact?
Leave no Trace ist die größte Organisation, welche hauptsächlich im amerikanischen Raum, die angesprochene Thematik verbreitet. U.a. werden die vermittelten Methoden Minimal Impact Techniken geannt.

K(l)eine Spuren ist der Versuch des Vereins outdoorseiten.net e.V. das Bewusstsein für diese Thematik zu streuen.
Der Name geht aus einer Diskussion der Vereinsmitglieder hervor, die sich dazu Gedanken gemacht haben, wie das Thema bekannter gemacht werden kann.
Insgesamt sollen unter diesem Namen verschiedene Aktionen stattfinden. Im Offlinebereich stehen uns dazu zwei ausgebildete Dozenten zur Verfügung. Momentan probiert der Verein aus, Stammtische für das Thema zu begeistern. Ein Kurs wird momentan mit dem Ruhrpottstammtisch organisiert.
Falls das Konzept erfolgreich ist, ist vorstellbar, dass der Verein K(l)eineSpuren Kurse für die Stammtische sponsort. So brauchen wir evtl. nicht mehr kostenpflichtige Kurse anbieten.
Ausserdem tun sich gerade ein paar Türen auf und einige Vereinsmitglieder basteln an Dingen. Dazu dann aber später mehr.

Hier im Forum wird die Plattform zur Verfügung gestellt, sich über das Thema auszutauschen. Gerne auch kontrovers und mit viel Diskussion. ;-) Hauptsache es bewegt sich was!

Viele Grüße
Dominik

Enja
04.10.2012, 12:05
Ein Großteil der Teilnehmer hätte - trotz des Bewusstseins - aus unterschiedlichen Möglichkeiten zur Wahl eines Zeltplatzes, die ungünstigste Variante gewählt.

Kannst du das präzisieren? Ich habe nun gelesen, dass man am besten ausgewiesene Campingplätze nutzt (in Deutschland ist sowieso nichts anderes erlaubt) oder bereits benutzte Plätze. Keine, die sehr groß sind. Wenn möglich das Zelt dort aufstellt, wo es keine Vegetation gibt.

Nichts so ganz verstanden habe ich, warum Sand, Strand, Dünen so geeignet zum Wandern, Zelten etc. sein sollen. Ich glaube gerne, dass Spuren hier verwehen, kenne das aber eigentlich als einen besonders empfindlichen Naturraum.

Sarekmaniac
04.10.2012, 12:29
Ist zwar nicht Thema dieses Fadens, aber zum Beispiel, dass man mitten in einer schönen Umgebung einen durch Gebrauch erodierten, völlig kaputt wirkenden Flecken entdeckt und den instinktiv meidet, weil man ihn schonen will. Tatsächlich ist so ein Platz die erste Wahl.

Scrat79
04.10.2012, 12:35
Kurze Frage: Wo und wie wird die ganze Thematik eigentlich abgegrenzt?
Bezieht sich das K(l)eine Spuren Thema allein auf den Aufenthalt vor Ort, also quasi am Urlaubsziel selbst,
oder werden die meist größeren Spuren bis dort hin vollkommen abgekapselt?

Meines Erachtens auch ein nicht unbedeutender Punkt.
Der Outdoorer, der von der eingenen Haustüre los marschiert und zwei Wochen in heimischen Wäldern campiert wird am Ende weniger globale Spuren hinterlassen, als ein Tourist, welcher 15.000 Kilometer durch die Welt fliegt und in Mombasiland seine eigenen Spuren hinter sich mit nem Pinselchen verwischt.
In diesem Fall könnte Ersterer ganze Mülleimer im Wald vergraben und hätte vermutlich immer noch eine bessere Ökobillanz als der Weltreisende welcher Tonnen an CO2 in die Stratosphäre pustet. ;-)

(und nein, ich entsorge meinen Abfall nicht auf diese Art und Weise! :bg:)

Sarekmaniac
04.10.2012, 13:37
Ich denke die Antwort steckt in Dominiks Post schon drin:


Das Konzept vermittelt nicht ausschließlich umweltverträgliche Outdoormethoden sondern legt Wert auf das Naturerlebnis.
D.h. es werden ebenfalls Methoden vermittelt, wie man sich auf Touren verhalten kann, ohne das Naturerlebnis für sich selbst und auch für andere zu mindern.

Es geht um konkrete, beim Wandern etc. anzuwendende Methoden, ein stattfindendes Naturerlebnis zu gestalten, nicht darum, ob man sich eine bestimmte Reise versagt. Obwohl das natürlich auch eine wichtige Frage ist.

Enja
04.10.2012, 13:49
Das ist im Grunde wieder der Aspekt Kernkraftwerk-Mülltrennung. Wenn ich sonstwohin "düse" spielt die Frage, wo ich mein Zelt aufbaue vielleicht nicht mehr die entscheidende Rolle.

Wie ist das denn nun in Island. Da sind so wenig Menschen unterwegs, dass sie problemlos unterwegs sein können?

Pylyr
04.10.2012, 14:01
Mit deiner Flugreise richtetst du global Schaden an, wenn du in hochalpiner Lage ein Biotop zerstörst, kann das sehr lange für die Regeneration brauchen oder sogar irreversibel sein.

Es geht darum, ein gewisses Verhalten zur Norm zu machen, dann verhälst du dich auch auf Island so, oder triffst eine bewußte Ausnahmeentscheidung.
Übrigens waren auch die europäischen Wälder mal wild und groß und unendlich...

Dominik
05.10.2012, 14:17
Kurze Frage: Wo und wie wird die ganze Thematik eigentlich abgegrenzt?
Bezieht sich das K(l)eine Spuren Thema allein auf den Aufenthalt vor Ort, also quasi am Urlaubsziel selbst,
oder werden die meist größeren Spuren bis dort hin vollkommen abgekapselt?
Ein wichtiger Schritt des Konzepts fällt in den Bereich "Planung der Reise". Also alles was nicht vor Ort regelbar ist. Darunter fallen ganz unterschiedliche Punkte. Von "Müll, den ich schon im Vorfeld zu Hause lassen kann" über "Schutzgebietregelungen" bis hin zur "Anreise".
In der Literatur ist soweit ich weiß das Thema Co2 noch nicht angesprochen. Das liegt aber IMHO daran, dass die Bücher vor der allgemeinen Klimadiskussion geschrieben wurden.
Meine persönliche Meinung ist, dass auch die Anreise (Flug, Auto, Bahn etc.) ein wesentlicher Punkt bei "Planung der Reise" sein sollte. Ist imo ein gutes Thema, was auch hier diskutiert werden kann!

Letztlich wäre es meiner Meinung nach auch grotesk, nur auf Outdoortour sein eigenes Handeln und die Auswirkungen davon zu reflektieren.
Da wird aber jeder seinen eigenen Weg und Einstellung zu haben.

Viele Grüße
Dominik