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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [CA, US] Von Dawson City zur Dalton Highway Bridge



wildboy
30.09.2012, 13:42
Hallo zusammen,

zusammen mit drei Freunden bin ich mitte Juli von Dawson City zur Dalton Highway Bridge gepaddelt. Am Ende der Kanutour waren wir noch im Denali Nationalpark. Hier ist mein Reisebericht:

Yukon River
Eine Kanutour mit dem Verwöhnaroma

Genüsslich läuft das Yukon Gold unsere Kehlen hinab. Wir sitzen im Downtown Hotel in Dawson City. Die legendäre Goldgräberstadt am Klondike und Yukon. Am Nachbarstisch sitzt Kaptain Dick mit seinem Sourtoe. Er hat einiges zu tun. Es sind nicht wenige die Mitglied bei Ihm werden möchten. Das ist aber auch nicht besonderes schwierig. Man bestellt sich einfach einen Whiskey und geht zu ihm. Der Käptain, eigentlich hat er sich nur so verkleidet, erzählt ein kleine Story und legt den Zeh in den Drink. Dann folgt der Spruch: You can drink it fast, you can drink it slow -- But the lips have gotta touch the toe. Ganz kurz berührt der Zeh die Lippen der Gäste. Das war es schon. An dieser Stelle endete vor 11 Jahren unsere erste Kanutour auf dem Yukon. Damals sind wir über den Chilkoot Trail gewandert und von Whitehorse nach Dawson gepaddelt. Im Downtown Hotel wurden auch wir damals Mitglieder im Sourtoe Club.
Seit dieser Zeit ist viel Wasser den Yukon hinab geflossen. Damals hatte ich mich schon gefragt wie es wohl hinter Dawson weitergehen würde. Warum sollte man die Tour nicht einfach fortsetzen? Bei meinen Recherchen konnte ich nur Interessantes darüber in Erfahrung bringen. Wo kann man schon mal im Zeitalter von Nacktscannern mit einem Kanu ohne richtigen Grenzübergang in die USA einreisen? Das Yukon - Charley River National Preserve sowie die Yukon Flats hörten sich sehr viel versprechend an. Ebenso die Tatsache, dass für die meisten Kanuten die Tour in Dawson endet. Nur sehr wenige fahren von dort weiter, noch weniger bis zur Mündung an der Behring See. Dafür benötigt man etwa 3 Monate. 4 Wochen Urlaub sind da schon eher drin. In diesem Zeitrahmen kann man relativ gemütlich bis zur Dalton Highway Brücke paddeln. Das ist die einzige Brücke über den Yukon in Alaska. Etwa 900 km beträgt die Strecke von Dawson City zur Dalton Highway Bridge. Schnell konnte ich mit dieser Idee meine Freunde zum mitfahren bewegen. Sepp und Werner waren schon 2001 mit dabei. Für Oliver war das die erste Kanutour am Yukon.
Die eigentliche Organisation begann erst jetzt. Wir benötigten 2 Kanus sowie verschiedene Transporte. In Dawson gibt es nicht sehr viele Möglichkeiten ein Kanu auszuleihen. Viele fahren nur bis Eagle. Von dort ist ein Rücktransport ziemlich einfach. Für die gesamte Strecke sieht das aber anders aus. Schon allein der Rücktransport der 2 Kanus von Fairbanks nach Dawson würde über 1000 $ kosten und dazu käme dann noch die Kanumiete. Alles in allem wäre das aber immer noch günstiger als ein geführter Trip, der mehrere Tausend Dollar kosten würde. Ich machte mir Gedanken ob es nicht besser wäre ein faltbares Kayak oder ein Kanu zu kaufen und es einfach von Deutschland aus mitzunehmen. Vielleicht wäre es auch einfacher 2 Kanus bei Amazon.com zu kaufen und sie nach Dawson liefern zulassen. Gute Kanus gibt es schon ab 500 $. Über das Internet stieß ich auf Peter Kamper in Fairbanks und Mike Sager aus Eagle. Beide organisieren Kanutrips. Das führte letztendlich dazu, dass ich von Mike 2 gebrauchte Kanus gekauft habe. Mit Peter hatte ich vereinbart, dass er uns von der Brücke abholt und nach Fairbanks bringt. Den Transport würden wir mit den Kanus verrechnen. Das war für uns die beste und auch günstigste Variante.
Für die Routenplanung besorgte ich mir digitale topografische Karten von Kanada und Alaska. Ich legte die ungefähre Route auf die Karte und hatte somit die ungefähre Länge der Strecke. Interessante Stellen habe ich als Wegpunkte markiert und schon mal vorab in Google Earth in 3D angeschaut. Eine tolle Sache. Die ganze Strecke habe ich auf etwa 30 DIN A4 Seiten ausgedruckt. Jedes Blatt wurde laminiert. Somit hatten wir ziemliche genaue Karten in einem handlichen, etwa 500 Gramm schweren Format. Das ganze wurde auch noch auf ein kleines tragbares GPS Gerät übertragen. Das zeigt neben der aktuellen Position auch die Geschwindigkeit an. Das ist vor allem bei Gegenwind sehr hilfreich, denn oft glaubt man, dass man nicht vorwärts kommt. Das wiederum kann sich negativ auf die Stimmung auswirken. Das GPS lässt sich nicht täuschen und zeigt ständig eine positive Geschwindigkeit an.
Da wir eigenständig unterwegs sein würden, mussten wir alles selber mitbringen. Die Liste dafür war sehr lang. Früher konnte man ja immer 2 mal 32 kg auf Reisen in die USA mitnehmen. Mittlerweile sind es nur noch 23 kg pro Gepäckstück und das zweite kostet jetzt schon extra Gebühren. Ich habe somit für jeden ein 2. Gepäckstück sowie den Sitzplatz bei Condor gebucht. Für Kleidung, Schlafsack und Isomatte benutzte jeder einen Ortlieb Xtreamer. Die restliche Ausrüstung wurde in 2 Zarges Boxen und 2 60 ltr. Plastiktonnen gepackt.
Kurz vor Reisebeginn hat mich Peter darauf hingewiesen, dass wir uns auf dem ersten Teil bis Circle viel Zeit lassen sollten, da es der schönste Teil der Reise sein werde. Gerne habe ich diesen Vorschlag angenommen und die Route abgeändert. Das bedeutete aber auch, dass wir ab Fort Yukon täglich 100-120 km paddeln müssen. Einigen von uns gefiel dieser Gedanke nicht so sehr. Da das alles ja nur Theorie ist und letztendlich die Natur unseren Reiseplan bestimmen wird, ließen wir das Ganze einfach auf uns zu kommen.
Als wir gegen 22:00 Uhr den Saloon verlassen, blendet uns die tief stehende Sonne. Gemütlich schlendern wir zur Fähre um auf die gegenüberliegende Seite zu kommen. Seit 2 Tagen sind wir nun schon im Yukon Territory. Gestern früh sind wir von Whitehorse mit Air North nach Dawson geflogen und haben uns bei Dieter in seinem Hostel einquartiert. Hier treffen wir auf einige Paddler, die hier ihre Tour bereits beendet haben. Sie sitzen gemütlich am Lagerfeuer und unterhalten sich die ganze Nacht hindurch, denn so richtig dunkel wird es ja nicht.
Unsere Kanus sind schon länger hier. Auf den ersten Blick sehen sie nicht so toll aus. Das ist aber auch verständlich. Schließlich liegen sie schon seit dem letzten Herbst ungenutzt rum und neu sind sie ja schon lange nicht mehr. Wir verlegen sie zu unseren Zelten, um sie für die geplante Tour vorzubereiten. Als erstes befreien wir sie von Moos und Schmutz. Schon sehen sie besser aus. Es sind ein 15 und ein 17 Fuß Coleman Kanu. Optimal für unser Vorhaben. Am Nachmittag gehen wir mit unserer Einkaufsliste Proviant für die Tour einkaufen. Hier ist alles sehr teuer. Als Notverpflegung haben wir Travellunch von Zuhause mitgebracht. Auch auf das Risiko hin das es uns am Zoll abgenommen wird. Wie in den USA ist auch hier die Einfuhr von Lebensmittel die Fleisch enthalten, egal in welcher Form, nicht erlaubt. Auf dem Einreiseformular haben wir die Lebensmittel angekreuzt. Daraufhin hat uns die Dame von Zoll gefragt ob Travellunch Fleisch enthält. Nein, das sind Nudeln. OK, war ihre Antwort.
Für 3 Wochen benötigen wir einiges an Proviant. Da wir zu Fuß sind müssen wir einige Male zwischen dem Campingplatz und Dawson hin und her pendeln. Zwischendurch trinken wir ein Bier im Downtown Hotel. Wir verstauen alle Lebensmittel in den Plastiktonnen. Ein paar schöne Steaks legen wir auf das Lagerfeuer. Am Abend sehen wir uns noch die Show bei Diamond Tooth Gertie an.
Eiskalt war die Nacht, nur 8 Grad zeigt das Thermometer meiner Uhr. Zu unserem Glück sollte das die kälteste Nacht während unseres gesamten Aufenthalts bleiben. Heute beginnt unsere Kanutour. Wir wollen am frühen Nachmittag losfahren. Die Zeit bis dahin nutzen wir für die letzten wichtigen Besorgungen. Heute hat endlich der Liquor Store geöffnet. Da kommen schnell noch einige Kilos zusammen. Zum Glück haben beide Kanus eine hohe Zuladung. Mit einer Prepaid Telefonkarte rufen wir alle noch mal zu Hause an. Die Karte funktioniert auch in Alaska. Ich telefoniere auch mit Peter in Fairbanks und informiere ihn über unsere Abfahrt. Das werde ich auch unterwegs so machen. Es ist gut wenn jemand weiß, wo man sich befindet.
Gleichzeitig mit uns packen auch zwei Mädels aus Österreich ihre Sachen. Ebenso wie wir starten auch sie in Richtung Alaska. Vor der Abfahrt machen wir noch mal Brotzeit. Ein freundlicher Japaner, der bei uns am Tisch sitzt, lässt uns von seinem Reis in Algenblättern probieren. Mhhh, lecker. Die Algen schmecken extrem nach Fisch und sind schon gewöhnungsbedürftig. Gegen 15:00 Uhr schwimmen die Kanus voll bepackt im Yukon River. Viel Freibord haben sie nicht mehr. Der Fluss fließt sehr schnell an Dawson vorbei. Die Strömung ist stark. Ungewohnt, man macht sich so seine Gedanken. Kaum abgelegt, sind diese aber auch schon wieder verschwunden. Endlich sind wir unterwegs. Von niedrigen Bergen umgeben schlängelt sich der Fluss nach Norden, dazu scheint die Sonne. Die Temperatur liegt irgendwo zwischen 25 und 30 Grad. Wie gut, dass wir hauptsächlich Winterklamotten dabei haben. Unser erstes Etappenziel ist nur etwa 30 km entfernt. Auf einer Sandbank im Chandindu Creek stellen wir unsere Zelte auf. Beim Brennholzsammeln sehe ich Kratzspuren von einem Bär an einem Baum. Seine Fußabdrücke können wir am Flussufer sehen. Wir sind im Land der Bären. Dementsprechend muss man sein Verhalten anpassen. Um Konflikten mit Bären aus dem Weg zu gehen gibt es einige Verhaltentipps. Hält man sich an diese, benötigt man weder Pfefferspray noch Schusswaffen. In der Mündung schwimmt ein Biber. Später schwimmt er mit einem Jungen Huckepack den glasklaren Chandindu hoch. Kurz vor Mitternacht gehen wir schlafen. Ich träume von Bären.


Fortsetzung folgt...

Mika Hautamaeki
01.10.2012, 12:25
Hey, das geht sioch ja schon gut an, aber kannst du noch ein paar Bilder mit einfügen, das würde den Bericht etwas auflockern.

wildboy
07.10.2012, 16:40
https://lh4.googleusercontent.com/-M-0Nd-Ell3E/UHGDyPWew4I/AAAAAAAAEI4/0WZliqpd7KE/s640/Yukon_2012-1612.JPG
Hallo zusammen,

den ganzen Reisebericht und einige Bilder habe ich auf meine Homepage geladen.

Schöne Grüße
Jürgen

bratgitarre
26.02.2013, 12:46
Hmm, verwöhnaroma betrifft besonders das Yukon Gold.
Bier Hamburger und Eis können die Kanadier.

Ein schöner Bericht auch ohne Bilder. Wenn man selber schonmal in Dawson oder im Yukon war hatte man natürlich das eine oder andere Dejavu Erlerbnis.
Der Rest auf deiner HP ist auch sehr spannend. Besonders die RossRiver/ Pelly Tour.
Ich plane auch für dieses Jahr eine Tour auf dem Pelly. Der Ross River scheint sich da als "Extension" anzubieten.Wieviel hat denn das Einfliegen gekostet? Wäre als Solo Tour aber wohl mühsam. Hattet ihr ein Sattelefon?

vG Guido


[IMG]https://lh4.googleusercontent.com/-M-0Nd-Ell3E/UHGDyPWew4I/AAAAAAAAEI4/den ganzen Reisebericht und einige Bilder habe ich auf meine Homepage geladen.

Schöne Grüße
Jürgen

wildboy
26.02.2013, 18:45
HI Guido,
ich weiß nicht mehr genau was das Fliegen gekostet hat. War definitiv kein Schnäppchen. Dafür sind die Itsi Lakes echt Klasse. Wir sind damals mit Alpine Aviation aus Whitehorse geflogen. Wenn es dich interessiert kannst du da ja unverbindlich anfragen. Alternativ kann man aber auch über die North Canol Road bis zum Sheldon Lake fahren und von dort starten.
Im Juni gibt es auch bei mir wieder Yukon Gold :lol:

Jürgen