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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [RU] Kamtschatka 2012



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willo
08.08.2012, 21:34
Kamtschatka 13.07.2012 – 04.08.2012

Vorbemerkungen

Die Idee zu einer Reise nach Kamtschatka hatten Kati und ich schon länger im Kopf, aber immer wieder aus verschiedenen Gründen verworfen. Bei unserer Tour 2011 in Kirgistan haben wir das erneut immer mal wieder andiskutiert und uns schliesslich darauf verständigt über das Forum mal ganz unverbindlich nach Interessenten zu suchen. Wir wollten nur fahren wenn wir mindestens zwei Mitreisende finden würden und bis Anfang 2012 absehbar wäre, dass die Tour auf jeden Fall zustande kommen würde.

Angefangen hat es dann mit einer Suchanzeige hier bei ODS: http://www.outdoorseiten.net/forum/showthread.php?57806-Tour-2012-nach-Kamtschatka

Die Resonanz war zu Anfang recht groß, aber schon nach kurzer Zeit haben sich fast alle Interessenten aus verschiedenen Gründen wieder ausgeklinkt. Lediglich Sven (Codenascher) hat schnell zugesagt. Später hat sich dann auch noch Susanne (Schmetterling) auf die Suchanzeige gemeldet. Als wir dann angefangen haben einige Leute gezielt anzuschreiben, standen wir mit einmal vor dem Problem das die Gruppe plötzlich auf 8 Leute mit festen Zusagen angewachsen war und somit deutlich größer als ursprünglich geplant. Nun waren auch Arne (Göttergatte), Barbara (Sarekmaniac), Ute (Ühürü) und Bert (Pülür) mit an Board. Da sich aber alle mit einer so großen Gruppe anfreunden konnten war es dann letztlich auch kein Problem auch noch Katrin (Laka23) eine Zusage zu erteilen, die über eine Suchanzeige im globetrotter Forum auf uns aufmerksam wurde. Um das ganze endgültig fest zu machen, haben wir schnell Flugtickets gekauft und danach mit Hilfe eines Unterforums die Tour geplant.

Da es genau einen Reiseführer (Heßberg, 2012) und so gut wie keine Erfahrungsberichte im Netz gibt, beschränkte sich die Planung auf ein absolutes Minimum. Lediglich zwei grobe Zielgebiete wurden festgelegt und ein paar alte Militärkarten besorgt. Da Barbara russisch spricht konnten auch noch zwei Unterkünfte für vor der Tour vorgebucht werden.

Der folgende Reisebericht schildert die Reise aus der individuellen Sicht der TeilnehmerInnen und entsteht hier nach und nach. Wir werden dafür chronologisch sortiert einzelne Beiträge in diesem Thread anfügen. Dabei kann es natürlich zu Doppelungen kommen, trotzdem hoffen wir dass diese subjektiven Eindrücke interessanter sind als ein von allen zusammen geschriebener Bericht. Denn genauso so verschieden die TeilnehmerInnen und ihre individuellen Hintergründe waren, genauso verschieden waren auch die Erwartungen an die geplante Tour. Fest stand lediglich, dass wir uns auf ein für uns großes Abenteuer eingelassen haben und große Teile der Reise völlig ungewiss sein würden.

Ohne viel vorweg zu nehmen kann für alle TeilnehmerInnen sicher gesagt werden, dass zumindest die Erwartungen auf ein großes Abenteuer sicher erfüllt worden sind.

Schmetterling
12.08.2012, 12:22
Prolog

„Warum macht man denn so was?!“ Wenn ich die bevorstehende Reise nach Kamtschatka erwähnte, erntete ich verständnislose Blicke, gefolgt von großen Augen, als die Lage von Kamtschatka klar wurde. Ja, warum? Eigentlich war es purer Zufall. Meine geplante Reise nach Madagaskar platzte im März und voller Panik durchforstete ich das ODS-Reiseforum nach guten Alternativen. Die Gesuche in Richtung Skandinavien hörten sich alle nicht attraktiv an und schließlich fiel mein Blick auf den Kamtschatka-Aufruf. Hörte sich nach Abenteuer an. Als ich dann sah, dass das nicht Willos erste Reise in die Wildnis war, fragte ich an, ohne mir zu viel Hoffnung zu machen, denn der Aufruf lag ja schon lange zurück. Umso größer war meine Freude, dass ich noch mit aufspringen durfte. Mit einem flauen Gefühl im Magen sagte ich schließlich fest zu und buchte einen Flug, der inzwischen exorbitant teuer geworden war. Egal, die Möglichkeit für so eine Reise bietet sich nur einmal im Leben. In den Wochen vor der Abreise steigerte sich meine Nervosität und ich fragte mich mehr als einmal, ob das eine gute Idee war: mit 8 unbekannten Leuten in die unbekannte Wildnis. Schließlich konnte ich Willo, Kati, Ühürü und Pülür in Berlin kennen lernen und telefonierte häufiger mit meiner künftigen Zeltnachbarin Laka23 – alles nette Leute mit denen man es doch 3 Wochen aushalten sollte. Die Nervösität wich der zunehmenden Vorfreude.
Diese stieg über die Wochen beim Packlisten wälzen, Globetrotter leer bestellen, Essenspläne schmieden. Die Entscheidung über die Gebiete, in die es gehen sollte, überließ ich den anderen, Erfahreneren. Interessant würde es allemal werden und wo keine großen Erwartungen, da keine Enttäuschungen (eine gute Strategie, wie sich herausstellte ;-)). Erst kurz vorher besorgte ich mir einen Reiseführer und stimmte mich mit den Bildern auf Vulkanlandschaften und spektakuläre Ausblicke ein. Sorgen machten mir weniger die vielen Bären (auf die freute ich mich), sondern vielmehr die Mücken, vor denen von allen Seiten gewarnt wurde. Ich hatte mich jahrelang gesträubt, nach Skandinavien zu fahren, da ich Mücken nicht ausstehen kann. Und nun würde ich mich drei Wochen in die absolute Mückenhölle begeben, die alles bekannte in den Schatten stellt. Ich setzte auf Gift, mückendichte Kleidung und die Hoffnung auf kaltes Wetter, um möglichst wenig Haut zeigen zu müssen. Erstere Maßnahmen waren erfolgreich, letztere Hoffnung wurde leider enttäuscht: kurz vor Abflug wurden im ersten Zielgebiet 26°C vorhergesagt. Das kann ja heiter werden…

Goettergatte
12.08.2012, 12:55
Irgendwann Ende Januar erreicht mich eine von Kati gesandte PN, mit der Frage, ob ich mir vorstellen könne, an ein, zwei Touren auf Kamtschatka teilzunehmen. Ich erbitte mir Bedenkzeit :bg: und Rücksprache mit Sarekmaiac.
Meine Bedenken gegen die Reise waren:

keinerlei Wehrbauten, abgesehen von einer (nachgebauten) Küstenbatterie in St.-Peter-Paul, sowie
ein rußischer Inlandflug, epischen Ausmaßes, unter mir zweifelhaften Bedingungen

Die Aussicht jedoch, eine Chance zu verpassen, jenen nahezu entferntesten Punkt unserer Landfeste zu erreichen, verleitet mich zu einer recht schnellen Zusage. (Eine Teilnahme Sarekmaniacs stand ohnehin nie in Frage.)
Mit dem Rest der Tourplanung habe ich mich des weiteren nicht befasst, ich gehe auf Anweisung überall lang. Bedingung war nur, Zeit für die Befestigungsreste in Peter-Paul zu haben ;-)

laka23
12.08.2012, 19:02
"Kamtschatka? Wo liegt denn das und wie kommt man auf die Idee DORTHIN zu fliegen?" Fragen, die ich mir nach der Wahl meines diesjährigen Urlaubszieles mehrfach im Freundes- und Kollegenkreis anhören durfte. Kamtschatka, die Halbinsel am östlichsten Zipfel Russlands hat mich schon seit 2001 gereizt als ich das erste Mal auf Exkursion in Russland war und mir ein guter Freund davon erzählte. Die Idee setzte sich fest, mußte aber auf ihre Umsetzung noch 11 Jahre warten bis dieses Jahr endlich die Bedingungen günstig waren: mein Freund bekam keine 3 Wochen Urlaub am Stück und war sowieso nicht an Russland interessiert, so dass ich für mich beschloss Nägel mit Köpfen zu machen und begann in diversen Reiseforen im Internet nach Reisepartnern für Kamtschatka zu suchen. Fast wäre die Idee aber an dieser Stelle wieder zu Grabe getragen worden, da ich lange Zeit nicht fündig wurde (Gibt es denn niemanden, der nach Kamtschatka reisen möchte ????). Doch dann sprang mir Anfang März im Reisepartnerforum von www.globetrotter.de der Eintrag von Sven ins Auge, der sofort mein Interesse weckte. Die Tatsache, dass ich niemanden kannte, war noch nie ein Hinderungsgrund gewesen und die Aussicht die passenden Leute für Abenteuer und Vulkanbesteigungen dabei zu haben, hatte mich sofort überzeugt. Als mein Chef nach langem Hinhalten auch endlich meinen Urlaubsschein unterschrieb, war die Sache gebongt und der Flug noch am selben Abend gebucht. Auf nach Kamtschatka !

In der Folgezeit wurde dann fleißig (besonders von Kati, Heiko und Barbara) im ODS-Forum geplant und getüftelt, Packlisten ausgetauscht und Essenspläne mit meiner zukünftigen Zeltnachbarin geschmiedet. Das war alles mehr oder minder Neuland für mich, da ich in der Vergangenheit meine Urlaube nie durchgeplant habe, was aber bei der großen Teilnehmerzahl von 9 Personen auf jeden Fall notwendig war. Dabei machten mir besonders die Packlisten der anderen Teilnehmer Bedenken. "Oh Gott, wie kann man nur auf 15 kg kommen ????" fragte ich mich mehrfach und sah mich schon mit meinem Gepäck die ganze Zeit hinterherhecheln. Hinzu kam, dass sich vieles aufgrund der schlechten Kartenqualität, der spärlich gesähten Informationen im Internet und der Existenz nur eines Reiseführers nicht abschätzen ließ. Dann noch die Aussicht auf blutgierige Mücken und brütende Hitze. Es versprach ein Abenteuer zu werden ...

codenascher
12.08.2012, 20:05
Kamtschatka? Ich glaube es gibt drei Arten von Reaktionen auf das Reiseziel Kamtschatka:
1) „Kenn ich nicht!“ „Was so weit weg?“ „Was macht man denn da?“
2) „Was willst du denn auf Kamtschatka? Da ist doch kalt!“
3) „Kamtschatka? Ach ja, da war doch was auf der Risikokarte“

Ausser einem groben Vergleich zwischen Kamtschatka und Alaska wusste ich eigentlich nicht viel von unserem östlichstem Fleckchen Land auf unserem Globus. Wahrscheinlich bin auch ich eher Typ 3:

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/Risiko.JPG

Im Vorfeld des geilen Reisepartner Gesuchs von Heiko im Dezember 2011 kannte ich Russland nur durch eine Handvoll interessanter und zugleich spannender Reiseberichte auf ODS. Ich sagte noch am Tag des Gesuchs zu. 100%ig, koste es was es wolle. Anfang Februar buchten wir endlich unsere Flüge, erste Reisepartner waren mit von der Partie. Der Kamtschatka Reiseführer kurz vorher erschienen wurde mein Standardwerk für die nächsten Wochen in der Bahn und den Pausen auf Arbeit! Woohoo

ühürü
13.08.2012, 10:46
Und was hat uns zwei Wünderer - ühürü und Pülür - dazu bewogen, auf Katis am Jahresanfang gestellte Frage "Wir wollen nach Kamtschatka - kommt ihr mit?" mit JA zu antworten? Kamtschatka hat für mich einen ähnlich exotischen Klang wie Sansibar oder Timbuktu. Und einen sehr verlockenden Klang dazu. Vulkane, Bären, kaum Menschen, dazu Namen der Volksgruppen wie Korjaken oder Ewenen - oh ja. Da will ich hin!

Allerdings zögerten Bert und ich doch eine Weile. Ein Grund war der Flugpreis, in den letzten Jahren sind wir meist in verschiedenen deutschen Regionen gewandert, unsere Reiseausgaben hielten sich in Grenzen.
Zudem überlegte ich, ob mein Körper dafür fit genug ist. Bei der Kondition habe ich keine Bedenken, bei meinem rechten Bein schon. Meine Hüftgelenksoperation ist bereits 31 Jahre her, doch besonders bei und nach stärkeren Belastungen schimpft die überstrapazierte Muskulatur im Bein aber doch ziemlich - gelegentlich wälze ich mich im Zelt dann herum, weil ich vor Schmerz nicht einschlafen kann. Beim Alleinwandern und beim Wandern nur mit meinem Komplizen ist das nicht so wild, da gilt mein Tempo; wenn nötig, mache ich eben Pause.

Zudem kenne ich das Gelände in Kamtschatka nicht - zu wandern ist an sich kein Problem, ich lauf gern auch weite Strecken. Auch Höhenmeter bekomme ich hin, aber die eingeschränkte Beweglichkeit erschwert Kletterpassagen deutlich.
Was, wenn ich alle anderen ausbremse? Unangenehme Vorstellung, ich bin selbst gern schnell zu Fuß unterwegs und mag es gar nicht, wenn Leute vor mir hertrotten und ich mich bremsen muss.
Andererseits hat mir mein Hüftgelenk beim Bewandern und Besteigen des Kilimanjaros vor vier Jahren überhaupt keine Probleme gemacht, und das war ja auch eine körperliche Herausforderung.

Nach etwas Überlegerei entscheiden wir uns dann im Frühling doch noch dazu mitzukommen, auch angesichts der Planung von zwei Wandertouren mit Ausruhtag dazwischen. Außerdem: KAMTSCHATKA! Allein wären wir nie auf die Idee gekommen, das als Reiseziel auszusuchen, schon der mangelnden Sprachkenntnisse wegen. Ein Jetzt-oder-nie-Gefühl macht sich breit. Und leise Vorfreude. Reaktionen von Freunden, Familie, Kollegen: "Wohin? Krass!" - Entweder man kennt Kamtschatka vom Risiko-Spielen früher oder aus dem Russischunterricht. "Liegt das nicht bei Japan?" Ja, so ungefähr...

willo
13.08.2012, 11:38
Hier also der Anfang unseres Reiseberichtes - es geht in loser Folge weiter.

Becks
13.08.2012, 13:05
Klingt seltsam vertraut - irgendwie wie ein Urlaub in Kabardino-Balkarien :bg:

Cattlechaser
13.08.2012, 13:09
Toll! Ein mosaikartig zusammengesetzter Reisebericht einer ganzen Reisegruppe aus dem Forum. So in etwa wie Das Forum geht den WHW (http://www.outdoorseiten.net/forum/showthread.php?34176-GB-Das-Forum-geht-den-WHW-2009), nur viel exotischer. Jetzt aber schnell weiter, sonst werde ich sauer. :D

Markus K.
13.08.2012, 13:41
Liebe Teilnehmer und Innen,
ich freue mich herzlich auf diesen Bericht, ist er doch jetzt schon nach der Vorstellung ein Glanzstück, und bin wirklich sehr gespannt wie es weitergeht! :p

Vegareve
13.08.2012, 13:57
Bin gespannt :p. Mir geht es wie so vielen, warscheinlich, ich habe null Ahnung von Eurem Reiseziel. Das Forum ist echt gut fuer meine Allgemeinbildung (und fuer neue Urlaubsideen :cool: )

dfens
13.08.2012, 14:00
Ich auch: Voller Vorfreude. Schon bevor Ihr gefahren seid habe ich mich darauf gefreut. Jetzt gehts los!

dingsbums
13.08.2012, 14:05
Toller Anfang, ich bin auch ganz gespannt auf den Bericht!

smeagolvomloh
13.08.2012, 14:12
Ich bin auch sehr gespannt auf den Bericht. Die Region und die Idee den Bericht durch mehrere Teilnehmer schreiben zu lassen, verspricht interessante Einblicke. Und wenn noch ein paar Bilder dabei sind - umso schöner!

codenascher
13.08.2012, 14:24
Keine Sorge, Bilder wird es bei weitem genug geben ;-) meine ersten Tage liegen schon fertig auf der Festplatte

Sabine38
13.08.2012, 17:08
Keine Sorge, Bilder wird es bei weitem genug geben ;-) meine ersten Tage liegen schon fertig auf der Festplatte

Dann aber hopp hopp, wenn ich bitten darf! ;-) Wir warten... :bg:

Jens2001
13.08.2012, 18:20
Hallo,

ich freue mich auch darauf, mal wieder etwas von meiner "zweiten Heimat" zu lesen.
Dieses Jahr habe ich es ja leider nicht geschafft, da ich von Januar bis März am Rio Negro war aber den nächsten Sommer werde ich hoffentlich wieder in Kamtschatka verbringen!
Ist schließlich eines der interessantesten Ecken auf unserer Erde.

lg Jens

wait
13.08.2012, 21:18
Also,

Euer Einstieg ist ja schon mal klasse!

Bitte schnell weiter so...

willo
13.08.2012, 21:21
Bitte gebt uns etwas Zeit das zu koordinieren, es ist etwas aufwändiger die Berichte von neun Leuten abzustimmen. Und chronologisch sollen die ja auch stimmen.

tbrandner
14.08.2012, 20:22
Hallo Ihr!
Danke, dass Ihr uns an Eurer Reise teilhaben lässt. Mich persönlich reizt Kamtschatka schon längere Zeit enorm - leider konnte ich bei dieser Tour nicht dabei sein ... Aber vielleicht schaffe ich es mal dort hin (Die Hoffnung stirbt zuletzt).

ich freue mich schon riesig auf den Reisebericht!!!!!

lG,
Thomas

ühürü
15.08.2012, 13:00
Anreise mit erhöhter Adrenalinausschüttung

Wir buchen anders als die anderen sieben unsere Flüge bei Transaero statt Aeroflot. Immerhin die zweitgrößte russische Fluggesellschaft, bislang haben alle Passagiere überlebt.
Hinflug: eine Stunde und vierzig Minuten Aufenthalt in Moskau-Domodedovo, Rückflug: 20 Stunden Aufenthalt (= mehrere Hundert Euro günstiger als bei einem dreistündigen Aufenthalt). Bezüglich des Hinflugs fragte ich voller Zweifel extra bei Transaero an, ob die Zeit zum Umsteigen denn genügt, woraufhin ich beruhigt wurde, das sei kein Problem.

Nach ausgiebiger Planung und Erweiterung der Ausrüstung ist es soweit: Am Freitag, den 13. Juli fahren Bert und ich mit einem je 16 Kilo schweren Rucksack plus Handgepäck mit U-Bahn und Bus zum Flughafen Tegel. Beim Einchecken müssen wir unterschreiben, dass wir informiert wurden, dass wir in Moskau unser Gepäck abholen und neu einchecken müssen und dass wir zu Gate 54-58 gehen müssen. Durchchecken geht nicht.

Wir kommen mit 20 Minuten Verspätung an, ich als notorisch Verspätungsängstliche fühle schon leicht erhöhten Puls. Bert beruhigt mich, wir hätten doch noch eine Stunde und zwanzig Minuten bis zum Abflug... Die Bordmannschaft fordert die Passagiere auf, uns wieder zu setzen, ohne Angabe von Gründen. Wir warten. Und warten. Und warten. Die Flugbegleiter haben sich verzogen. Nach 20 Minuten Wartezeit fragt jemand, was los ist - die Tür lasse sich nicht öffnen, irgendein technisches Problem. Es ist kurz vor sechs - um 18:15 schließt unser Boarding. Wir sollen uns alle wieder setzen, mehr wird nicht gesagt, schon gar nicht um Entschuldigung für die Verzögerung gebeten. Ich halte das Rumsitzen nicht mehr aus und drängle mich nach vorn mit unserem Boardingpass für den Inlandsflug. Manchmal ist es praktisch, nah am Wasser gebaut zu sein, denn erst als mir vor Stress die Tränen kommen, zeigen die Flugbegleiter überhaupt Interesse. Ich frage, ob man per Funk durchgeben könne, dass zwei Passagiere verspätet kommen. Wirklich verstehen tun sie das Problem nicht, da ihre Englischkenntnisse eher als rudimentär einzuschätzen sind. Ein Steward geht zu den Flugkapitänen und behauptet uns gegenüber dann, unser Gepäck sei durchgecheckt bzw. würde zum anderen Flug gebracht. Immerhin darf ich vorn am Ausgang bleiben und dort warten, bis die Tür sich endlich öffnet, Bert kommt mit seinem Handgepäck auch dazu. Ich glaube nicht mehr daran, dass wir unser Flugzeug noch erreichen, und überlege schon die Konsequenzen für die anderen, wenn wir erst einen Tag später ankommen... Für Sonntag sind eigentlich Busplätze gebucht... nun, was solls, ist halt so.

Nach einer guten halben Stunde Wartezeit im Flugzeug öffnet sich die Tür, wir sprinten los: ab zur Passkontrolle. Warteschlangen. (Drei Wochen später werde ich mich anlässlich der Kontrolle beim Rückflug erinnern und denken: Bei der Ankunft waren die ja richtig schnell!) Ich bin zuerst durch und laufe weiter zur Gepäckhalle - dort sind Menschenmengen und sechs Gepäckbänder, alle in Betrieb. Die Monitore flackern, in lateinischer Schrift wird jeweils nur kurz angezeigt, auf welchem Band das Gepäck welchen Fluges ist. Band 4 - wo? 1-5 und 6 sehe ich, wo verdammt ist Band 4? Und was, wenn das Gepäck doch durchgecheckt wurde und wir nur Zeit verlieren? Wir hasten zu einem Infoschalter, außer "Band 4, da vorn" gibts keine Info. "Da vorn" finden wir tatsächlich unsere Rucksäcke schon neben dem Gepäckband liegend - meiner in einem Transportsack zum Schutz der Trageriemen. Das hatte sich auf dem Weg nach Tansania bewährt. Nur...Gepäckwagen: Fehlanzeige. Super.

Mittlerweile ist es 18:15, noch fünf Minuten Zeit fürs Boarding. Wir müssen noch durch den Zoll und bis zum Inlandsfluggebäudeteil. Am Zoll lässt man uns unbehelligt. Nach verschiedenen scheiternden Trageversuchen ziehe ich den Rucksack auf dem Boden hinter mir her und renne gebückt durch den Flughafen, Bert rennt voraus. Noch dazu Slalomlauf, unfasbar viele Leute stehen herum (und uns im Weg), die meisten mit Schildern in der Hand, weil sie irgendwen abholen. Ich schwenke irgendwann um und brülle statt SORRY auf deutsch "AUS DEM WEG!". Hilft auch nicht viel - ich remple an diesem Tag so viele Leute an wie vermutlich in meinem ganzen bisherigen Leben nicht.

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Bert kommt um 18:21 am Boardingschalter an - keiner mehr da. Wir laufen zum Transaero-Schalter und drängeln uns einfach vor. Nach Erklärungen zu unserer Verspätung nimmt sich ein energischer Mitarbeiter der Sache an, wir nennen ihn später unseren blonden russischen Retter. Ein paar Ansagen ins Funkgerät, dann rennt er uns voraus, lotst uns an der Passkontrolle vorbei - zum Entsetzen der dortigen Mitarbeiterin. Als wir atemlos an der Handgepäckkontrolle ankommen, hält Bert kurz inne, seine Jacke in der Hand: "Wo ist mein Handgepäck?" Ach du Kacke.
Ich geh durch die Sicherheitsschleuse und kann beim Wiederzuschnüren der Stiefel kurz Verschnaufen; Bert bekommt vom russischen Retter die Ansage, er habe zwei Minuten Zeit. Er rennt zurück in der Annahme, die Tasche am Transaeroschalter gelassen zu haben - wie er ohne offiziellen Begleiter so schnell durch die Kontrollen kommen soll, ist mir schleierhaft, aber Zeit zum Nachdenken habe ich nicht.
Der russische Retter bewacht Berts Rucksack und befiehlt mir zu rennen - auf zu Gate 54. Aktuell sind wir an Gate 15...
Ich zerre also weiter den 16-Kilo-Sack hinter mir her, brülle gelegentlich "AUS DEM WEG!" und renne gebückt durch den Flughafen, gelegentlich bemerke ich erstaunte Blicke, auch von einer Gruppe Schulkinder, die mit dem Finger auf mich zeigen. Kurz blitzt der Gedanke auf, dass ich später was zu erzählen habe, als Anekdote ist das sicher amüsant...

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Am Gate 54 stehen um 18:30 zwei gelangweilte Mitarbeiterinnen herum und nehmen die verschwitzte Deutsche mit gewissem Amüsement zur Kenntnis. Draußen steht ein Bus mit vier weiteren verspäteten Passagieren. Der russische Retter trifft ein, etwas später Bert - ohne Handgepäck. Eine Frage der Prioritäten...
Mit unserem Hauptgepäck steigen wir in den Bus und können zumindest kurz durchatmen. Die Flugbegleitermannschaft ist etwas irritiert, als sie unsere großen Rucksäcke sieht, mit denen wir die Stufen zum Flugzeug hochsteigen. Nun, dann sollen wir sie halt mit reinnehmen und in den Handgepäckfächern verstauen... Das klappt, zum Glück ist das Flugzeug nicht voll besetzt - und die Handgepäckfächer sind großzügig dimensioniert. Schon gehts auf die Startbahn - wir sind außer Atem und komplett durchgeschwitzt, aber immerhin: wir sitzen im Flugzeug nach Kamtschatka. Ich hege die Hoffnung, dass Berts Umhängetasche gefunden wird, wär hauptsächlich schade um das e-Buch, er hat seine Zweifel und geht lieber davon aus, dass die Tasche weg ist. Dokumente und Geld hatte er zum Glück am Mann - die Kameras sind in meinem Handgepäck.

Wir fliegen beide selten genug, um uns über die Aussicht zu freuen: Den ganzen Flug über scheint die Sonne und verwandelt die mäandernden Flüsse Sibiriens in Goldfäden.
Bei der Flugbuchung hatte ich vegetarische Kost geordert - stattdessen bekomme ich vegane Kost, und da hat Transaero nur ein Gericht zur Verfügung. Faden Reis mit Bohnen und Blumenkohl bekomme ich auf den zwei Hinflügen insgesamt dreimal serviert... Aber egal, Hauptsache wir haben den Flug erreicht.
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http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/IMG_6654.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=58481&title=anreise-nach-kamtschatka&cat=500)

Nach Ankunft in PKC lassen wir alle anderen aussteigen, bevor wir unsere Rucksäcke aus den Fächern wuchten - ist das schön, viel Zeit zu haben! Wir gehen über das Rollfeld, hinaus durch ein großes Gittertor: angekommen! Kamtschatka, da sind wir. Die Vorfreude auf die drei Wochen hier macht sich endlich wieder bemerkbar.
Wir werden am Flughafen auf die Aeroflotmaschine mit den sechs anderen aus unserer Gruppe warten und gemeinsam zu Evgeni und Galina fahren. Ich versuche mein Glück am Geldautomaten - dafür war in Moskau ja keine Zeit. Immerhin bekomme ich im sehr überschaubaren Flughafengebäude (mit zwei Gates) 5.000 Rubel, dann ist der Automat leer. Auf der Suche nach einer Toilette finde ich im ersten Stock einen Transaero-Schalter und versuche das mit dem verlorenen Handgepäck zu klären. Ein Mitarbeiter namens Petr zeigt sich sehr engagiert, lässt uns die Tasche skizzieren und den Inhalt angeben. Wir teilen ihm die Nummer von Evgeni mit und bekommen Petrs Telefonnummer. Er fliege noch am Abend nach Moskau und werde sich dort nach Berts Tasche umschauen. Und um das vorwegzunehmen: Als wir Wochen später zwei Tage vor dem Rückflug wieder bei Evgeni ankommen, findet sich dort mit einigen Aufklebern versehen tatsächlich Berts Handgepäck...

Vom Zaun aus beobachten wir in der Mittagssonne die Ankunft der Aerfoflotmaschine und begrüßen dann die sechs Mitreisenden am Gittertor - und dann auf zur ersten Unterkunft.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/IMG_6691b.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=58489&title=anreise-nach-kamtschatka&cat=500)

willo
15.08.2012, 13:00
Gegen Mittag geht es ganz entspannt in Berlin Schönefeld los und ein paar Stunden später landen wir auch schon in Moskau. Hier geht wie immer der Kampf mit den Geldautomaten los. Da wir über das natürliche Vorkommen von Geldautomaten auf Kamtschatka unterschiedliche Quellen haben, will ich auf Nummer Sicher gehen und so viel Geld wie möglich ziehen. Leider erweisen sich die russischen Geldautomaten als technische Katastrophe. Wie immer in Russland werden viel zu viele Fragen gestellt bis man schliesslich ans Ziel kommt. Die erste Frage kann man durch Bebilderung mit Flaggen gerade noch verstehen, leider wird die Antwort "Englisch" ignoriert und es geht auf russisch weiter. Ich drücke einfach irgendwelche Tasten und wähle schliesslich den Maximalbetrag. Eine Minute lang passiert gar nichts, dann geht der Automat aus! Während ich schon Ausschau nach jemandem halte dem ich mein Problem schildern kann und der mir vor allem meine Kreditkarte wiederbeschaffen kann, geht der Automat plötzlich wieder an und spuckt als erstes Meine Karte aus: Kati und ich sind sehr erleichtert. Zweiter versuch an einem anderen Automaten: Englisch wird wieder ignoriert und es dauert wieder eine Minute, dann meldet der Automat "timeout" - anscheinend ist die Verbindung nach Deutschland so schlecht, dass meine Heimbank nicht rechtzeitig Antwortet. Nach ein paar weiteren versuchen habe ich dann die ersten 7000 Rubel in der Hand - was leider nicht viel ist. Also probiere ich am selben Automaten einfach noch mal den Maximalbetrag zu ziehen, was skuriellerweise auch funktioniert! Mit den Taschen voller Bargeld geht es also weiter in Richtung Anschlussflug. mittlerweile haben wir auch Arne und Barbara aufgelesen, deren Gepäck nicht durchgecheckt wurde und die noch einen kompletten Checkin vor sich haben. Als auch der über die Bühne gebracht ist, essen wir noch einen äusserst leckeren Burger im Restaurant mit einer derart schlechten Bedienung die den Ladenbesitzern im Altai alle Ehre gemacht hätte.

Nach einer weiteren Sicherheitskontrolle und der Passkontrolle fängt der nervigste Teil der Reise an: Ein Langstreckenflug mit Aeroflot, der mit Abstand schlechtesten Airline die ich kenne (Easyjet und Ryanair mal ausgenommen). Wie gewohnt ist das Essen eine Zumutung und wird nur noch durch das fehlende Entertainmentsystem getoppt, so etwas habe ich noch nichtmal bei American Airline erlebt, die sonst in Sachen Service und Ausstattung stets auf dem letzten Platz liegen. Also verbringe ich den Flug hauptsächlich mit Lesen und Schlafen. Ab und zu wache ich auf um mir ein nicht gekühltes Getränk vorsetzen zu lassen...

Nach einer ruckeligen Landung unter tosenden Applaus der Russen im Flieger, betreten wir endlich kamtschatkinischen Boden. Der Flughafen hat keine Ankunftshalle und verlassen das Rollfeld und somit den Flughafen zu Fuss durch ein Gittertor. Um an unser Gepäck zu kommen müssen wir ein Nebengebäude des Flughafens betreten wo unser Gepäck schon wartet. Draussen treffen wir auch Ute und Bert - der uns leider eröffnet dass er sein Handgepäck in Moskau vergessen hat, in dem unter anderem ein Großteil seines Proviants war.

Nach kurzer Diskussion an der Bushaltestelle verwerfen wir den Plan uns mit diversen Malen Umsteigen mit dem Nahverkehr zu unserer Unterkunft durchzuschlagen und nehmen zwei Taxen. Die Unterkunft befindet sich in einer Datschensiedlung und ist wirklich schön! Wir haben ein Zweierzimmer in einem schönen Holzhaus und eine Sitzecke in einem großen Garten. Auch unsere letzte Sorge löst sich in Luft auf als wir zwar nicht Sven treffen aber zumindest neun Gaskartuschen rumstehen sehen, die auf seine unversehrte Ankunft hindeuten.

Als Sven schließlich eintrifft erkunden wir noch etwas die Umgebung und Baden etwas in einem kleinen dreckigen Tümpel der als Treffpunkt der Dorfjugend dient. Wieder zurück in der Unterkunft bekommen wir noch ein überaus leckeres Abendessen und planen noch etwas unsere weitere Tour. Am nächsten Morgen wollen wir auch schon weiter gen Norden mit einer neunstündigen Busfahrt.

Goettergatte
15.08.2012, 13:00
Wir, Sarekmaniac und ich, fliegen von D-Dorf aus nach Moskau, das größte Ereignis hierbei ist für mich, der Vorbeiflug an Bornholm, mit einem ausgezeichnetem Blick auf die dortige Nordwestküste mit ihren Küstenbatterien (nur die von Sandvik ist zu erahnen, wenn man sie kennt) und einer guten Aussicht auf Hammerhus' Burgruine.
Livland von oben und die furchtbaren Neureichs-Viertel von Moskau sind auch nicht wenig nachhaltige Eindrücke (Viel Geld, wenig Geschmack, sowie Blaufarbene Dacheindeckung, sind wohl der Slaven letzter Schrei :roll:)
Ich hab Schengenland noch nie velassen und das Prozedere der Einreise in dieses, für mich mit Vorbehalten überladene, despotisch anmutende Staatsgebilde, beunruhigt mich ein wenig.
Im Flughafen treffen wir bald Kati79 und Willo, wir suchen einen Ort zum Speisen, welchen wir auch bald finden.
Ein Schnellrestaurant mit guten Burgern, aber einer Bedienung, deren Gebaren Erinnerungen an das HO-Restaurant "Am Anger", im Erfurt des Februar 90 wach werden lassen.
Nach dem Eincheck für den Inlandsflug treffen wir auch Laka und Schmetterling, mit denen wir die Aeroplane nach St.-Peter-Paul besteigen.
Der lange Flug bleibt mir dadurch in Erinnerung, daß ich, bei Blick auf die nordsibirischen Flußmäander einschlafe, um 5 Stunden später, mit der selben Aussicht aufwache, um Sarekmaniac zu sagen: "Liebling wir fliegen im Kreise".
Doch wenig später, nach dem "Frühstück", überfliegen wir das Ochotzksche Meer und wir erblicken erstmals Kamtschatkas Bergzüge, das Zentraltal und die Schneebedeckten Vulkane und ziemlich blald erfolgt eine holperige Landung, auf einem an einen Schulhof erinnerndem Flugfeld (Kati drückt sich so aus, es trifft die Sache recht gut).
Wir treffen Üte und Pülür, besorgen ein Taxi und fahren zur Pension in einem Datschenviertel Elisowos, durch den dunstigen Himmel blicken die nahegelegenen Vulkane in den Garten.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/aIMG_6632.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=62286&title=kamtchatka&cat=537)
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/aIMG_6633.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=62287&title=kamtchatka-ankunft-bei-jevgeni&cat=537)
Nachdem wir Bekanntschaft mit einer, recht jugendlichen, Erscheinung namens Codenaschers gemacht haben, leitet diese uns zu einem Nahegelegenen Badetümpel, welcher mich lehrt, welch segensreiche Erfindug der Flaschen und Dosenpfand ist.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_1_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69477&title=k1&cat=537)Weg zum Tümpel
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_5_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69481&title=k1&cat=537)Tümpel
Danach besuchen wir unseres Wirtes Banja, kneipen uns am Brunnen ab, duschen, essen gut, mit viel Lachs und Kaminfeuer, zu Abend und fallen zu Bett.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_39_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69479&title=k1&cat=537)Die Banja
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_40_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69480&title=k1&cat=537) Speisehaus und Brunnen

codenascher
15.08.2012, 13:00
Tag 1

13.07.2012 – 14.07.2012 Anreise Berlin – Moskau – Petropavlovsk

Ich wurde Freitag früh um kurz vor acht von meinem Freund Jevgeni nach Schönefeld gebracht. Mein Flieger Richtung Osten startete um 9:45h. Knappe zwei Stunden Aufenthalt in Moskau,
sommerliche Temperaturen lassen mich beim Anblick der russischen Frauen und ihrer kurzen Kleider fast Wahnsinnig werden. Abkühlung verschafft mir eine Flasche Irn-Bru! Ja, meine Lieblingslimo aus GB werde ich die nächsten Wochen noch des öfteren trinken. Hoffentlich findet sich irgendwann mal ein Importeur für diese Sau leckere Brause für Deutschland. :bg: Die restliche Zeit verbringe ich mit dem finden eines Geldautomaten der a) meine Karten akzeptiert und b) auch der englischen Sprache mächtig ist. Klickste auf englisch erscheint der nächste Bildschirm dennoch wieder auf russisch. Und nein, ich bin nicht zu doof gewesen, den anderen ging es genauso. Nach unzähligen Versuchen hab ich dann endlich den Dreh raus und erhalte meine Rubel ;-)

Mein Gepäck wurde durch gecheckt, und schon befand ich mich auf dem wohl längsten Überlandflug der Welt. Reiseziel Kamtschatka. 10 Zeitzonen, 8000km Luftlinie. Land der Superlativen:
Größte Braunbärenpopulation der Erde
Vulkan reichste und aktivste Gegend der Welt
350000 km² groß, 250000 Einwohner. Davon gut die Hälfte in der Hauptstadt Petropavlovsk
Und dann suchen wir Europäer Einsamkeit in Knoydart, Letterewe, Sarek und Co

Gute neun Stunden später steige ich aus meinem Airbus A330 – 300 aus. Das On Board Entertainmentsystem unterhält mich während der Zeit in der ich nicht schlafe.

Die Wettervorhersagen enttäuschen mich beim aussteigen aus der Maschine nicht: knapp 30°C. Über meinen Pass wird von einem Polizeibeamten flüchtig rübergeschaut, ein Bus fährt mich die 300m bis zu Terminal. Hier steht schon meine von Barbara organisierte Abholung bereit. Jevgeni, Betreiber unseres Gästehauses hier in Elisovo zum Start und Ende unserer Tour. Jevgeni im Doppelpack. Einer in Berlin, einer auf Kamtschatka. Er hält ein Schild mit der Aufschrift „ДЕКИН „ hoch. Ich gebe mich zu erkennen, hole mein Gepäck und folge ihm zu seinem Auto. Er spricht ein akzeptables englisch. Nach zweimaligem Anmerken verstehe ich, warum er mich auf der Fahrerseite des Autos einsteigen lassen will. Rechtslenker aus Japan. Überhaupt sehen wir die nächsten Wochen vielleicht zwei Hand voll Europäischer Autos!
Er fährt mit mir zu einer Art Supermarkt für allerlei technischen KlimmBimm, ein Kettensägen/Motoröl/Quad/Messer/Zelt/Schrauben Geschäft. Hier warten bereits neun 440g Gaskartuschen mit Schraubverschluß welche im Vorfeld von Barbara über ihn bestellt wurden auf mich. Wir fahren weiter zu seinem Gästehaus in einer Datschensiedlung in Elisovo.
Hier gönne ich mich erstmal ein kleines Sonnenbad eh ich einmal durch den Garten streife. Kartoffeln, Blumenkohl, Kohlrabi, Kürbis, Möhren, diverse Kräuter, Erdbeeren, Stachelbeeren, ein großes Gewächshaus mit Tomaten, Pfingstrosen und viel weiteres schönes grün finde ich hier gesäumt von Birken. Geht man an der Feuerstelle vor den Gästezimmern durch das Gartentor zeigen sich einem der Avacinskij http://de.wikipedia.org/wiki/Awatschinskaja_Sopka sowie der Korjakskij http://de.wikipedia.org/wiki/Korjakskaja_Sopka

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/kamtschatka_tag_0_-_04.jpg
Der erste Vulkan

Man lädt mich zum Mittagessen ein. Galina, seine Frau hat Fischsuppe gekocht, lecker. Wir unterhalten uns, ich entdecke einen der uns bekannten Reiseführer in der Ecke liegen. Andreas von Heßberg, momentan ebenfalls auf Kamtschatka unterwegs, wo er sich allerdings gerade befinde wisse man nicht.
Nach dem essen bin ich zusammen mit Galina nach Elisovo gefahren. Ich wollte mich ein wenig umschauen und eine russische SIM Karte für mein Telefon kaufen. Hier begann nun mein erstes Abenteuer ;) Die drei jungen Damen in dem Telefongeschäft welches ich aufsuchte beherrschten leider kein einziges Wort Englisch... Ich sagte etwas und sie gackerten. Einige Anrufe beim Chef später hielt ich dann meine russische Prepaid Karte in den Händen.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/kamtschatka_tag_0_-_01.jpg
Bushaltestelle in Esso

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Der Fluß Kamtschatka

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Kontraste! Übrigens ein AMG

Den Weg zurück zur Datscha bin ich gelaufen, Fußläufig gute 30 Minuten. Angekommen im Hause Dekin war unsere Reisegruppe auch schon beinahe vollständig. Heiko (Willo) und Kati (Kati79) kannte ich bereits aus Berlin, Kathrin (Laka23) aus Jena durch Telefonate im Vorfeld dieser Reise. Weiter stellten sich mir noch Susanne (Schmetterling) aus Heidelberg, Ute (Ühürü) aus Berlin und Arne (Göttergatte) aus Hagen vor. Bert (Pülür) und Barbara (Sarekmaniac) die „Anhängsel“ der beiden letztgenannten fehlten noch, befanden sich am Flughafen, da Bert dooferweise sein Handgepäck in Moskau verloren hat. Bert und Ute flogen mit Transaero über Moskau Domodedovo, ihr Aufenthalt von knapp zwei Stunden reichten leider nicht zum Stressfreien umsteigen, technische Probleme an der ersten Maschine. Sie erreichten quasi in letzter Sekunde mitsamt ihres Hauptgepäcks die Kabine ihres Anschlußfluges ! Taschenmesser und Klappsäge inklusive OO

Ich berichtete von meinen ersten Erlebnissen und von einem See nur Unweit unserer Unterkunft entfernt. Dies war auch gleich unser erster gemeinsamer Ausflug. Wirklich kühles Nass fühlt sich zwar anders an, dennoch genossen wir das Planschen im See :bg:
Nach dem See und vor dem wirklich guten Abendbrot ging es für uns in die Banja. Beinahe 30° Außentemperatur und wir gönnten uns erst einmal eine 90° warme Sauna.

Nach dem essen skizzierten wir unseren Zeitplan. 10 Tage Tour 1, 7 Tage Tour 2, zwischendurch einen Ruhetag in Esso. Die Aufregung steigt, gibt es viel zu sehen und zu erleben.

Die erste Nacht teile ich mir mit Susanne und Kathrin ein Zimmer. Die Außentür lassen wir noch auf, zu warm.

Hier mal eine Teilnehmerliste mitsamt der richtigen Namen, da es während des Reiseberichts ja immer wieder zu verdrehungen kommt)



Ach ja, die Ergebnisse meiner Recherche, stimmt's so?

willo - Heiko
Kati79 - Kati

Sarekmaniac - Barbarara
Goettergatte - Arne

ühürü - Ute
Pülür - Bert

"Codenascher" (wtf?) - Sven
Schmetterling - Susanne

Laka23 - Kathrin

Schmetterling
15.08.2012, 13:00
Nach einer, wie immer, stressigen Vorurlaubswoche ging es Freitag früh mit dem Zug zum Flughafen. Am Flughafen traf ich Laka23, mit der ich das Zelt teilen würde und wir checkten zusammen ein. Der Flug nach Moskau verging schnell und auch die 6 Stunden Wartezeit vergingen, vor dem Flughafen lagernd, Kwas schlürfend und die Reisekasse auffüllend, sehr schnell. Das letzte Stündchen verbrachten wir am Gate. Glücklicherweise warfen wir noch einen Blick auf die elektronische Anzeige und sahen, dass der Abflug an einem anderen Gate sein würde. Der gesamte Bereich war chaotisch überfüllt mit Reisenden. Kurz vor Abflug erschien unser Flug endlich auf der Anzeigetafel am Gate und auch Willo, Katia, Göga und Sarekmaniac stießen zu uns.
Auf dem Flug saß ich neben einem jungen Russen, der aus Petropavlosk stammte, in St. Petersburg studierte und nun für die Ferien zurück nach Hause flog. Welch langer Heimweg! Nach einer mehr oder eher weniger geruhsamen Nacht befanden wir uns 9 Flugstunden später im Anflug auf Kamtschatka. Das Flugzeug drehte eine extra Schleife über Petropavlosk und gewährte uns erste, vielversprechende Ausblick auf die Haus-Vulkane der Stadt. Das sah ja schonmal sehr nett aus! Holpernd setzte der Flieger auf, um sofort in die Vollbremsung zu gehen. Vor einer kleinen Flughafenbaracke kamen wir zum Stehen. Ein paar Schritte über die Rollbahn, ein Eisentor und schon standen wir vor dem Flughafen. Das Gepäck konnte man sich in einem kleinen Raum abholen, der von einem einzigen Gepäckband ausgefüllt war. Vor dem Gebäude warteten Ühürü und Pülür und schon war die Reisetruppe bis auf Codenascher fast vollständig.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Flughafen.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=58424&title=flughafen&cat=30)
Ankunft in Petropavlosk

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Truppe.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=58426&title=truppe&cat=30)
Die Reisetruppe ist fast vollständig

Während der Fahrt zu unserem heutigen Quartier die ersten neugierigen Blicke nach draußen: in der Ferne bereits hohe Berge, davor eine große Ebene mit Birken gewachsen. Das sah schon sehr nach Mücken aus! Nach kurzer Fahrt bogen wir in eine liebliche Datschensiedlung ein, in der sich bunte russische Holzhäuser in überwucherndem und blühendem Grün duckten. Ganz am Ende einer kleinen Straße kamen wir zum Stehen und betraten Evgenis Idyll: mehrere kleine Holzhäuser inmitten eines Birkenwaldes. Es war warm und ein leichtes Lüftchen ließ die Blätter rauschen. Hinter dem Gartentürchen begann das freie Feld, über dem ein mächtiger Vulkan thronte. Wie schön müsste es sein, hier den Urlaub zu verbringen, aber nein, am nächsten Morgen würde es bereits weitergehen.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Datschenidyll.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=58422&title=datschenidyll&cat=30)
Datschenidyll

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Evgeni.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=58423&title=evgeni&cat=30)
Evgenis Paradies

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Vulkan1.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=58501&title=kamtschatka-vulkan&cat=30)
Blick über den Gartenzaun

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Badesee.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=58500&title=kamtschatka-badesee&cat=30)
Der Badesee um die Ecke

Von Sven nichts zu sehen, dafür erleichterte uns der Anblick der neun Gaskartuschen sehr. Die Brennstoffversorgung war im Vorfeld noch eine der größten Unbekannten gewesen. Die Zeit bis zum Aufheizen der Sauna verbrachten wir in einem kleinen Tümpel badend (auch hier wieder der Blick auf den Vulkan – sehr schön!) und die Reise planend.

Während Arne ein kleines Nachmittagsschläfchen nachholte, diskutierten Heiko und Barbara eifrig über unsere Tour. Mit leichtem Entsetzen sah ich unsere Ruhetage in Esso auf eine mickrige Nacht schwinden, die restliche Zeit würden wir irgendwo durch die Pampa kriechen. Dabei wollte ich doch ins Museum und einen Tag lang in den heißen Quellen liegen! Aber die Gründe waren vernünftig und ich vertraute darauf, dass letztendlich vieles anders kommt als geplant.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Lagebesprechung.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=58502&title=kamtschatka-lagebesprechung&cat=30)
Lagebesprechung

Das Ergebnis der Planung sah dann folgendes vor:
- Transfer nach Esso
- Tour 1: 10 Tage durch den Bystrinsky-Park; wir wollten einmal zum Fuß des Ichinsky-Vulkans. Die Strecke war mit 8-10 Tagen angegeben, sollte für uns also überhaupt kein Problem sein.
- Transfer in den Kljuchevskoj-Park
- Tour 2: 7 Tage Rundwanderung um den Tolbacik-Vulkan mit Besteigung des Vulkans (ca. 3000m)

Nach der typisch russischen Banja (leider ohne Bieraufguss) stärkten wir uns mit einem vorzüglichen Abendessen (gebratene Lachsstücke, Salate und Kartoffeln aus dem eigenen Garten), packten unser Reisegepäck endgültig und versuchten, einigermaßen früh ins Bett zu kommen.

Sarekmaniac
15.08.2012, 13:00
Beim Hinflug dachte ich manchmal, das Flugzeug steht still.

Stundenlang flogen wir mit Bodensicht über das sibirische Tiefland: Endlose Nadel- und Birkenwälder, riesige Sümpfe, und immer wieder derselbe, mäandrierende Fluss mit zahlreichen Altarmen. Aber nein, doch wieder ein anderer Fluss, wir bewegten uns doch. Auf der Höhe von Jakutsk zog es leider zu, doch beim Landeanflug auf Petropavlovsk gab es wieder Sicht, und wir sahen sie zum ersten Mal: Vulkane mit schneebedeckten Gipfeln, und noch mehr schwarze Berge und Grate mit zahlosen schneegefüllten Erosionsrinnen - riesige schwarzweiß gestreifte Napfschnecken.

Und dann sind wir gelandet. Mein Körper war auf Nacht-Modus geschaltet, aber in und um diesen etwas abgewrackten kleinen Flughafen (Kati taufte ihn sogleich: der Schulhof) war es gleißend hell, heiß, staubig. Wir kaperten zwei Taxis, mit der ausgedruckten Wegbeschreibung lotse ich den Fahrer ans Ziel: Raus aus Jelisowo, über das Flüßchen Mutnaja ("die Trübe") zur Datschensiedlung "Metschta". Das heißt Traum.;-)

Evgenij war gerade auf dem Weg in die Stadt, als wir ankamen, und so fuhren Bert und ich direkt mit ihm zurück in die "City". Nachdem Berts Handgepäck samt Tourproviant in Moskau verloren ging, musste er sich neu eindecken und benötigte zu diesem Behufe eine Fremdsprachensekretärin.:bg: Wir gingen in den erstbesten kleinen Supermarkt und landeten einen Volltreffer. Hier gibt es Eipulver, Sahnepulver, Milchpulver, fertige Kaschamischungen mit Milchpulver und Früchen für das Frühstück. Fertiggerichte mit Buchweizengrütze, mit getrocknetem Fleisch und Gemüse, Dutzende Sorten Trockengemüse, steinhartes Dauerbrot (Weizenmehrkringel), Dauerwurst, Halva, Hirse, Reis, Gries, Buchweizen, Nudeln...

Man brauchte sich eigentlich keine Tournahrung mitnehmen nach Kamtschatka.

Nachdem wir erste Kampferfahrung mit einer Batterie Geldautomaten gemacht und eingekauft hatten, fuhren wir mit dem Taxi zurück. Uns erwartete ein leckeres Abendessen am Kamin, und die Sauna. Aber mehr als zwei Sauna-Gänge hielt ich nicht durch. Schließlich war es .... wieviel Uhr noch mal?

willo
15.08.2012, 13:17
So, der nächste Tag ist online (und die Erstellungszeiten per hand gefälscht damit der Thread richtig sortiert ist:bg:).
Ab dem Start der Trekkingtour gibt es auch mehr Photos...

Markus K.
15.08.2012, 14:12
Super geschrieben. Sehr aufregend zu lesen. Macht Laune und Fernweh!

Becks
15.08.2012, 14:35
Oh ja, toller Bericht, und da kommen gleich wieder Erinnerungen hoch.

Tosender Beifall bei der Landung, im Dauerlauf mit Gepäck durch den Moskauer Flughafen, kriechend langsame Passkontrollen :bg:

Nur fand ich Aeroflot echt gut, das Essen war wirklich super (Lamm bei uns) und keiner meckerte, als man neben Wein auch noch O-Saft oder so dazu bestellte. Wird bislang nur vom Flug nach Sibiu getoppt, bei dem mir die Lufthansa-Stewardessen ungefragt alle fast leeren Weinflaschen eingeschenkt haben.

Sarekmaniac
15.08.2012, 14:41
Man merkt, Du hast keine sowjetischen/russischen Passkontrollen in den 1980er oder frühen 1990ern erlebt.

Ich war ob der Geschwindigkeit der Abfertigung sehr positiv überrascht.:bg:

willo
15.08.2012, 14:41
Bei allen Airlines die ich kenne (Ausser American Airlines) gibt es auf Langstrekcneflügen Softdrinks, Bier und Wein unlimited. Bei Aeroflot gab es zwei Runden warme Softdrinks - evtl. ein Schutz gegen Randalierer;-). Vor zwei Jahren in den Altai (Mittelstrecke) kam uns Aeroflot auch noch etwas besser vor. Vielleicht ist Kamtschatka keine premium Destination:bg:

hanseaticjonny
15.08.2012, 14:46
Weiter so - freue mich auf weitere Kapitel... :)

Gruß,
John

Torres
15.08.2012, 15:12
Schöner Bericht. Bin mal gespannt, wie es weiter geht.

Enja
15.08.2012, 15:25
Auf meinem Aeroflot-Flug gab es hauptsächlich Wodka-unlimited. Und das war (Anfang der 90er) auch dringend nötig. Wobei die Passkontrolle damals "kein Ding" war.

Cattlechaser
15.08.2012, 17:08
Man merkt, Du hast keine sowjetischen/russischen Passkontrollen in den 1980er oder frühen 1990ern erlebt.

Ich war ob der Geschwindigkeit der Abfertigung sehr positiv überrascht.:bg:

Oh ja, die Geschwindigkeit hat sich wirklich extrem verbessert. Aber der Tonfall entspricht an manchen Tagen noch dem Original aus alten Zeiten.:grins:

Fletcher
15.08.2012, 18:53
Bis jetzt ja ein absolutes Reiseberichtshighlight, ich bin schon sehr gespannt auf die Tourentage.
Und dann diese ungewöhnliche Erzählerperspektive, die gleichen Ereignisse von unterschiedlichen Verfassern, einfach nur gut.

Klappstuhl
15.08.2012, 21:07
5sterne Bin sehr gespannt wies weitergeht :D

Jens2001
15.08.2012, 21:37
Hm, also ich war ja nun schon öfters in Kamtschatka und ich fand die Aeroflot Flüge mit der IL-96 immer super, viel Platz für die Beine, Essen ging auch ok gut ist das nie im Flieger, Getränke jeglicher Art soviel ich wollte!
Gut automatisch serviert wurden die nicht, aber wenn man mit den "Saftschubsen" nett spricht kein Ding und soviel ich wollte!
Beim letzten Heimflug haben sie mich in die Business upgegradet.
Also Aeroflot finde ich viel viel besser als Russia!

Aber richtig schlimm war mein Flug dieses Jahr mit Condor von Frankfurt nach Recive!!!!
Essen ging gar nicht, Null Platz im Flieger und fast nix zu trinken, alles außer Saft, Wasser, Kaffe oder Tee mußte man kaufen.

lg Jens

willo
15.08.2012, 21:52
Hm, also ich war ja nun schon öfters in Kamtschatka und ich fand die Aeroflot Flüge mit der IL-96 immer super, viel Platz für die Beine,

Da fliegen jetzt Boing 767-300 in einer nicht offiziell angebotenen Austattungsvariante (so wenig).

Aber das ist hier ja nicht der Vielfliegerthread...

Jens2001
15.08.2012, 22:00
@willo

ja, die fliegen auch mit Boeing 767 nach Kamtschatka und zwar mit ziemlich miesen Kisten in Ausstattung ähnlich den Boeing und Airbus die von Deutschland z.B. von Berlin Schönefeld nach Moskau gehen...
aber es gibt auch gute Flüge nach Kamtschatka welcher Flieger das ist, kann man ja schon bei der Buchung feststellen.
Aber richtig schlimm wird es bei Russia imal und nie wieder die Fliegen die Strecke mit Airbus und drei Zwischenstopps!!!

lg Jens

Schmetterling
15.08.2012, 22:01
Ich will ja nicht vorweg greifen, aber der Hinflug war im Vergleich zum Rückflug supertoll!
Das Essen auf dem Rückflug ging gaaar nicht mehr.

Jens2001
15.08.2012, 22:21
Hm...


Das Essen auf dem Rückflug ging gaaar nicht mehr.

da gibt es doch meisten Lachs ;-)

lg Jens

Nordland_peter
15.08.2012, 22:36
Hm...



da gibt es doch meisten Lachs ;-)

lg Jens

Ich hatte auch die Erfahrung gemacht das die Verpflegung auf dem Hinflug besser war als auf dem Rückflug. Es hängt halt davon ab, wo das Essen zusammen gestellt wird. Es war aber ok.


Ich war zweimal auf Kamtschatka. Ich bin auf euren weiteren Bericht gespannt. ;-)

Jens2001
15.08.2012, 22:45
Ich bin auf euren weiteren Bericht gespannt.

ich mich auch, vor allem hoffe ich auf viele schöne Fotos!
Ich bekomme richtig fern-weh könnte sofort in den Flieger steigen!
Wenn nur nicht immer der Mist mit dem Visa und Einladung wäre....

lg Jens

Schmetterling
16.08.2012, 07:26
Lachs...schön wärs, den essen die selber.
Es gab blanken reis und ein stück gekochtes Hühnchen. Von Soße, Gemüse oder Salat keine Spur.

Ach, egal, hat auch irgendwie gepasst.

ichiro73
16.08.2012, 08:22
Cool, abonniert ;-)

codenascher
16.08.2012, 08:58
Ich weiß gar nicht warum alle meckern. Kati hatte schließlich eine tote Fliege in ihrem essen :ignore:

Jens2001
16.08.2012, 09:13
Schmetterling

Lachs...schön wärs, den essen die selber.
Es gab blanken reis und ein stück gekochtes Hühnchen.


Ich weiß gar nicht warum alle meckern. Kati hatte schließlich eine tote Fliege in ihrem essen

ach ihr armen...

solltet ihr mal wieder hin fahren und wir uns dort treffen, angle ich euch einen Lachs... ;-)

lg Jens

Abt
16.08.2012, 09:18
- Na sicher gab es da die Reste vom Hinflug.

Aber lasst euch nicht vom Nebenthema ablenken und schreibt weiter. Interessanter Bericht, da wir auch in solchen großen Gruppen reisen. Später dann meine Fragen.

gearfreak
16.08.2012, 10:37
Super, es geht los!

Auf diesen Reisebericht freue ich mich schon lange; das wird sicher der Reisebericht des Jahres!
5sterne

rumtreiberin
16.08.2012, 11:36
Toller Anfang, ich freu mich auf mehr

Jens2001
16.08.2012, 11:51
Das für mich lustige und reizvolle an dem Bericht ist, ich kann mich wieder ganz genau an meine erste Reise 2006 nach Kamtschatka erinnern ;-) Wobei sich in den 6 Jahren schon sehr viel verändert hat! Beispielsweise fahren inzwischen die Autos in und um Petropawlowsk viel gesitteter und einigermaßen nach STVO.
2006 gehörten schwere Unfälle noch zum alltäglichen Bild auf den Straßen und die Popen segneten mit geweihtem Wasser Schlaglöcher und Autos. Auch die vielen neuen Gebäude im Stadtgebiet und am Hafen gab es noch nicht.

lg Jens

Goettergatte
17.08.2012, 11:00
15.07

Ich schlafe wie ein Stein, steinhart ist auch das Bett, aber das ist auch gut so, ich hätte sonst Rücken ;-)
Der Wecker holt mich um 6 aus dem Bett, meine Frau und ich treffen Bärt auf der Veranda, alles weitere schläft, denn in wirklichkeit ists noch vor Fünfe.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_41_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69491&title=k2&cat=537)
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_16_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69482&title=k2&cat=537)Solupgang nennts der Schwede
Wir treten aus dem Garten und genießen den morgendlichen, fast unverschleierten Blick auf den Vulkan Korjakski, dessen Fumarole auch sichtbar ist, wir wandern den Rand der Datschenkolonie entlang, erblicken auch bald den Vulkan Awatscha, beide gehören typologisch zu den Schichtvulkanen.http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_25_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69483&title=k2&cat=537)
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_27_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69484&title=k2&cat=537)
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_34_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69486&title=k2&cat=537)Birkenwaldweg
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_30_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69485&title=k2&cat=537)Hofstelle
In der Kolonie betrachten wir verschiedenste Stufen baulicher und heimwerkerischer Improvisation, von verschiedenen Formen des Hochwasserspeichers über Gewächshauszelte, bis zu ddr-iger Bewährungsstahlkreationen für Zäune und Fenstergitter.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/thumbs/kamtschatka_35_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69487&title=k2&cat=537)http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/thumbs/kamtschatka_37_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69488&title=k2&cat=537)http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/thumbs/kamtschatka_38_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69489&title=k2&cat=537)
Als wir von unserer einstündigen Runde zurück sind poltern wir die anderen wach, wohlwissend, daß 9 Leute, die Duschen möchten, mehr Zeit benötigen, als normal, wenn sie sich auf zwei Duschstellen beschränken müssen :grins:
Gedankt wirds uns nicht:roll:
Wir verspeisen ein fantastisches Frühstück mit herrlich fettigen Blienis, Lachs und fantastischer Marmelade.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_45_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69492&title=k2&cat=537)Speisezimmer
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_49_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69493&title=k2&cat=537)

Danach werden wir zum Busbahnhof gekutscht.
Das Zentrum Elisowos zeichnet sich durch verwarloste Sowietarchitektur und modernen Shopping-Mall-Scheußlichkeiten aus, über welche der trockenheiße Sommersonntag vergeblich versucht einen Staubschleier des Vergessens zu legen.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_54_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69494&title=k2&cat=537)http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_59_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69495&title=k2&cat=537)

Der Bus kommt, das Gepäck wird verstaut, die Ausstattung des Gefährts erinnert mich ein wenig an die Wohnzimmer der ostbosporusianischen Mieter meiner Kunden.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_74_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69500&title=k2&cat=537)

Bei Abfahrt bemerke ich mit Erleichterung, daß die Klimaanlage wider Erwarten funktioniert.
Nach etwa einstündiger Fahrt hält der Bus in einem Ort, der mich an eine Budengasse eines Weihnachtsmarkts in hochsommerlichen Gefilden erinnert. Hier werden Pirogen feilgeboten, wovon meine Frau uns zwei Portionen ersteht.
Einmal mit Quarkfüllung, einmal mit Kohl und Zwiebeln. Ich mag beide fettriefende Teigtaschen, egal wie meine Mitreisenden darauf reagieren.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_71_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69497&title=k2&cat=537)
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_69_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69496&title=k2&cat=537)http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_73_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69499&title=k2&cat=537)http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_72_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69498&title=k2&cat=537)

Danach wird die Fahrt fortgesetzt, nach einer weiteren Stund endet die asphaltierte Straße, man merkt es nicht daran, daß die Fahrt unruhiger wird, das ist sie ohnehin, aber dafür staubiger.
Irgendjemand muß den Russen mal erklären, daß zu einer ordentlichen Straße auch eine gutplanierte Substruktion gehört und wie gut sich eine mit Klothoiden trassierte Kurve fahren läßt.
Wir halten noch hier und da, die Stops sind für mich nur Unterbrechungen des Schlafs, bei denen ich in sengendheiße Staubwolken des Straßenrandes gezwungen werde.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_79_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69501&title=k2&cat=537)http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_80_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69502&title=k2&cat=537)

Des Nachmittags erreichen wir etwas, was man als Stadt bezeichnen könnte, Milkowo, vor einem breschnjewschen Betonklotz mit Mehrzweckcharacter in besonders frischem Staubgrau werden wir zwecks Pause herausgelassen, Kaffee Taiga heist das Prachtstück, beherbergt ein Vestibulum mit Garderobe und WC, Speisenauswurf (Essenausgabe), Mehrzwecksaal und Festsaal.
Nebenan ist noch ein kleiner Lebensmittelladen-ein Lichtblick.
Das WC ist etwas, was ich als Türkenklo bezeichne (Duschtasse mit Trittstein und Loch), es ist in Folge olfaktorischer Aufdringlichkeit und mangelnder Zielsicherheit der Vornutzer unbrauchbar.
Ein Teil unserer Gruppe begibt sich richtung Speisenauswurf und taucht in das kulinarische Abenteuer Kaffee Taiga ein.
Sie überleben alle.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_84_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69504&title=k2&cat=537)

Zwischenzeitlich ist der Bus verschwunden :shock:

Aber man gibt uns zu verstehen,er sei lediglich tanken.
Irgenwann gehts weiter.
Ich schlafe, der Bus schaukelt und stößt sich über die unebener und kurviger werdende Piste,
ich träume, ich sei klein und liege im Kinderwagen ...
Ein heftiger Stoß läßt mich erwachen, ich blicke in eine lieblich erscheinende Mittelgebirgslandschaft, mit Wald, Staudenfeldern und munteren Flüssen, kurz darauf, nach 600 km und gut 9 Stunden Fahrt, erreichen wir Esso,
2000 Seelen, das Ende der Straße, unser Ziel.
Das Gepäck wird Ausgeladen, mein roter Rucksack ist beigegrau, das sind die Anderen auch, egal welche Farbe sie zuvor auch hatten. Wir klopfen sie leidlich sauber und suche unser Quartier.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_108_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69509&title=k2&cat=537)http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_141_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69511&title=k2&cat=537)http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_87_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69505&title=k2&cat=537)http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_88_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69506&title=k2&cat=537)http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_103_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69507&title=k2&cat=537)http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_145_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69512&title=k2&cat=537)http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_146_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69513&title=k2&cat=537)http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_90_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69514&title=k2&cat=537)

Bei der Suche gelangen wir in die Nähe des örtlichen Volkskundemuseums - was muß ich da entdecken?!? - ist das Gebäude dort der Turm eines Kosakenostrogs??? - Der Sache muß ich im Laufe des Urlaubs noch auf den Grund gehen :cool:

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_107_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69508&title=k2&cat=537)

Aber leider nicht jetzt. :roll:
Nachdem wir uns einigermaßen erfrischten, einkaufen waren und in einem Hotelgrill gespeist hatten gehen wir ins Örtliche Thermalfreibad in welchem wir, bei ca.38°C Wassertemperatur, mit Baltika III-VIII und einer von Codenascher gesponserten Flasche Vodka den Abend, bei lautem Froschgequak, ausklingen lassen.
Das Freibadbasin ist noch aus sovietische Zeit, als sich die Fliesen verabschiedeten schlug man im Schwimmerbecken die rRestfliesen samt Mörtelbett ab, so das man jetzt in einem schön abgewitterten Betonbecken schwimmt.
Das Nichtschwimmerbecken hat Reste der Fliesen bewahrt, teils ohne die Glasur.
Den abgängigen Bodenbelag des Umlaufs und der Sonnenterasse hat man mit Holzplanken belegt.
Nach dem wir zu Bett gegangen sind dreht die Jugend des Dorfes nochmal auf und feiert bei Autoradio und Schnaps, die Frösche übertönend den Wochenendausklang :motz:
wie gut es doch ist Ohrstöpsel zu haben. :grins:

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_122_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69510&title=k2&cat=537)unser Zimmer

codenascher
17.08.2012, 11:00
15.07.2012 Elisovo – Esso

In der Nacht hat es sich doch erheblich abgekühlt, wir schlossen unsere Tür. Barbara ließ es sich trotz Uhrenvergleichs am Vorabend nicht nehmen, uns eine Stunde zu früh zu wecken. ;-) Dies störte uns zum Glück nicht sonderlich, waren wir eh schon wach – Jetlag sei dank
Zum Frühstück servierte uns Galina Blinies, selbst gekochte Marmelade, Lachs und trockenes Weißbrot – Welch guter Grund früh auf zu stehen. Als alle gepackt haben, entledigen wir uns noch unseres überflüssigen An – und Abreisegepäcks, welches wir im Hause Dekin lagern können. Knappe drei Wochen später ist die Vorfreude auf eine frische Boxershorts und Tshirt unheimlich groß :bg: Wir fuhren zum Busbahnhof von Elisovo. Die Platzkarten für unsere Fahrt nach Elisovo wurden im Vorfeld von Jevgeni reserviert. Barbara erledigte den Rest vor Ort. Um Platzkartenmissbrauch zu vermeiden werden zu jeder Platzkarte die Passdaten des jeweiligen Reisenden notiert. Barbara wurde spätestens ab diesem Zeitpunkt dank ihrer Russisch Sprachkenntnisse zu einer Art Reiseleitung befördert – die Arme hatte es sicherlich nicht immer leicht mit uns...

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/kamtschatka_tag_1_-_02.jpg
Das Zentrum Elisovos

Die Platzkarten kosten 1500 Rubel, der Rucksack noch einmal weitere 200 für die gut 500km lange Fahrt zur Mitte der Insel. Das erste Teilstück der Fahrt fand auf asphaltiertem Boden statt, nach der ersten Pause, an der wir uns mit Piroggen eindeckten ging es staubig über Schotter weiter. Zu meiner Pirogge sage ich lieber nichts und lasse lieber folgendes Bild von Kathrin Bände sprechen:

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Wir sehen als Hauptmotiv des Bildes Bert beim Piroggen Kauf
Bei genauerer Betrachtung erkennt man mich, wie ich meine fettige Pirogge entsetzt angucke...©Kathrin

Zurück auf der Piste entdeckten wir die ungeahnte Langsamkeit die ein beschissener Straßenbelag verursachen kann. Wurde man überholt hieß es erst einmal Geschwindigkeit drosseln, da man eigentlich nichts mehr sah. Den Staub sahen wir auch neun Stunden später – ja, 9 Stunden für 500km Wegstrecke – auf unseren Rucksäcken. Die Gepäckklappen unseres Hyundai Reisebusses hielten dem feinen Staub leider nicht stand. Wenigstens funktioniert die Klimaanlage des Busses. Außentemperatur 30°C...
In Esso angekommen liefen wir erstmal ein wenig planlos umher. Auch die zweite Übernachtung auf dieser Tour wurde von Barbara von Deutschland aus gebucht. Nachdem wir eine Brücke überquert haben und ein Stück den Fluß hinauf und wieder hinab wanderten wurde eine Dame in ihrem Garten auf uns aufmerksam. Unsere Versuche in englischer Sprache führten eigentlich nur zu ihrer Frage in brüchigstem englisch nach Barbara. Zu geil, Nathalia unsere Gastgeberin für die nächste Nacht. Sie zeigte uns unsere Zimmer, zwei 2-Bett Zimmer und ein 4-Bettzimmer in dem Arne als fünfte Person auf dem Boden schläft. Das Zitat „Ich hatte gehofft ihr kommt nicht mehr, lohnt ja schließlich den Aufwand für eine Nacht nicht“ ignorierten wir einfach. Nun ja, ist ja nur eine Nacht. Als Susanne ihr von einem Arbeitskollegen erzählte der im Jahr zuvor als Volunteer in Esso lebte hellte sich die Stimmung unseres Drachen ein wenig auf.

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Im Garten Nathalias

Anschließend ging es zum örtlichen Schaschlikmann. Die Bedienung war eher Trantütig, die Portionen sehr klein und teuer, dafür aber lecker! Einen SB Supermarkt machten wir auf dem Weg dorthin ebenfalls aus.

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Die lächerliche Ausbeute eines Abends

Um den Abend gebührend ausklingen zu lassen ging es endlich in die heißen Quellen von Esso – Ein Traum. Während sich unser Abend dem Ende zuneigte wurde die Dorfjugend erst Richtig wach... An Schlaf war nur bedingt zu denken, da sich mindestens zwei Fahrzeughalter mit ihren Musikboxen ein Duell um die lauteste schlechtklingendste Musik lieferte. Wenigstens dachte mindestens einer an uns Deutsche: Modern Talking lauter als es mir lieb war. Ich drehte mir aus Toilettenpapier Ohrenstöpsel.

Schmetterling
17.08.2012, 11:00
15.7.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Downtown_Elisowo.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=58490&title=kamtschatka-downtown-elisowo&cat=30)
Downtown Elisowo

Nach einem sehr leckeren Frühstück erwartete uns eine achtstündige Fahrt nach Esso. Ich freute mich sehr darauf, so konnte man ganz in Ruhe die Landschaft betrachten und ankommen. Ich liebe es, mit lokaler Musikuntermalung durch die Landschaft getragen zu werden. Groß war jedoch meine Enttäuschung, als wir auf eine staubige, durch Pappel-Birkenwald führende Piste einbogen. Ich habe viele Busfahrten in vielen Ländern überlebt, aber diese war mit Abstand die allerlangweiligste: Wald, Wald, Wald, der einem jegliche Sicht auf die Berge versperrte. Nur selten mündeten kleine Wege aus dem Nichts auf die Straße. So gab ich mich, gut gefüllt mit Pirogi, dem Jetlag hin und versank in Dämmerschlaf. Ein seltener Blick nach draußen bestätigte, dass ich nichts verpassen würde. Gegen Mittag hielten wir in der einzigen größeren Siedlung der Strecke – Milkovo, das vor allem aus heruntergekommenen Platten bauten bestand. In Platte gegossene Trostlosigkeit. Auch die Kantine versprühte trostlosen Ost-Charme und für wenig Geld bekam man eine Schaufel Kartoffelpframpf mit einer Bulette. Beim Aussteigen aus unserem tiefgekühlten Bus fiel uns zuerst die große Hitze hier auf. Meine Güte, das war wahrlich kein erquickliches Wanderwetter. Da Esso nicht wesentlich höher liegt, würde es wohl auch nicht wirklich abkühlen.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Pirogen.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=58498&title=kamtschatka-pirogen&cat=30)
Pirogen

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Kaffee_Taiga.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=58495&title=kamtschatka-kaffee-taiga&cat=30)
Kaffee Taiga

Nach der Stärkung und nachdem wir uns mit einer Flasche Wodka für das Abendprogramm bestückt hatten ging es weiter durch Wald, Wald, Wald, unterbrochen von gelegentlichen Pinkelpausen im Nichts.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Pinkelpause_im_Nirgendwo.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=58497&title=kamtschatka-pinkelpause-im-nirgendwo&cat=30)
Irgendwo im Nirgendwo

Gegen Abend kamen wir in Esso an, wo wir zunächst unsere Rucksäcke kaum mehr wieder erkannten: der Straßenstaub hatte sie mit einer leicht grauen Reisepatina bedeckt. Die Suche nach unserer Pension bescherte uns einen ersten Rundgang durch das sehr idyllische Dorf: auch hier duckten sich zahlreiche bunt verzierte, altersschiefe Häuschen in großen Gärten. Ebenfalls in jedem Garten befand sich ein Gewächshaus, um in dieser sehr kurzen Vegetationsperiode ein Minimum an Gemüse produzieren zu können. Von den strengen Wintern war nun aber nichts zu sehen: die Abendsonne schien warm und Gemüse und bunte Blumen wucherten wild in den Gärten.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Esso1.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=58491&title=kamtschatka-esso1&cat=30)

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Esso2.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=58492&title=kamtschatka-esso2&cat=30)

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Esso3.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=58493&title=kamtschatka-esso3&cat=30)

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Esso4.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=58494&title=kamtschatka-esso4&cat=30)

Nach dem unfreiwilligen Rundgang fanden wir schließlich unsere Pension und bezogen ein Häuschen mit Blick auf die heißen Quellen. Schnell war der Weg zum örtlichen Schaschlik-Experten erfragt. Hier machten wir erste Bekanntschaften mit der hiesigen Mückenpopulation und verschlangen, wild um uns schlagend, eine kleine Portion Schaschlik (jaja, da waren wir noch empfindlich gegen Mücken). Die Portion war wirklich winzig und wir wussten jetzt schon, dass es nach der ersten Tour mindestens eine Doppelportion für jeden geben müsse… An diesem Abend begann auch Arne’s fatale Bekanntschaft mit dem Blitz-Dings, das sich auf der bevorstehenden Tour zu einer massiven Abhängigkeit entwickeln würde. Blitz-Dings ist ein kleiner Piezo-Zünder, der angeblich das Mückengift zerstört und so den Juckreiz bei Stichen verhindern soll. Arne betrachtete fasziniert das Gerätchen, das Ute und Bert da am Gürtel baumeln hatten und machte erste Experimente…
Den Abend ließen wir bei Bier und Wodka in den heißen Quellen ausklingen. Hach, so schön kann Urlaub sein! Wir bedauerten nur, dass wir zwischen diesen Wellness-Phasen noch wandern würden müssen…

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Pension_Lichev.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=58496&title=kamtschatka-pension-lichev&cat=30)
Pension "Dom Sichej"

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Thermalbad_Esso.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=58499&title=kamtschatka-thermalbad-esso&cat=30)
Thermalbad Esso

Sarekmaniac
17.08.2012, 11:00
15.7.2012

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P1070163.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=58413&title=p1070163&cat=500)
Metschta. Frühmorgens


Am nächsten Morgen bin ich übrigens viel früher erwacht als Sven behauptet. So zwischen vier und halb sechs unternehmen Bert, Arne und ich einen kleinen Spaziergang. Dann wecke ich die anderen, schließlich gibt es ja gleich Frühstück.:bg: Dann kommt der georderte Minibus und bringt uns ins Zentrum zum Busbahnhof, da lassen wir die vorgebuchten Tickets auf unsere Namen ausstellen und dürfen endlich den Supidupi- Luxusbus entern. Und dann fahren wir den ganzen Tag das Kamtschatkatal hinab. Fetttriefende Piroggen in Mal'ki, klebrige Bruthitze in Mil'kowo, ein paar Pinkelstops im Nirgendwo auf der Schotterpiste. Und kein Fernblick, das liegt daran, dass das Kamtschatkatal dicht bewaldet ist. Wir lernen: Es ist nicht einfach, aus Nalgeneflaschen zu trinken in einem Supidupi-Luxus-Bus bei Tempo 60 auf einer löchrigen Schotterpiste.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P10701651.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=58414&title=p10701651&cat=500)
Frühstück.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/P10701661.JPG
Mal'ki.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P1070170.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=58416&title=p1070170&cat=500)
Unser Bus soll schöner werden.


Irgendwann kommt Anavgai, und dann ist es nur noch eine halbe Stunde bis Esso, da endet die Straße. Der extrem freundliche Empfang, der uns bereitet wurde, ist bereits gebührend gewürdigt worden, naja gut, auch die Einheimischen leiden unter der Hitzewelle. Wir passen uns rasch an und stürzen uns nach einem Schaschlik-Exzess, bei dem wir uns über die agressiven Mücken echauffieren (:bg:harharhar, da waren wir noch recht pingelig) in das Thermalbad. Erfrischende 35 Grad.

willo
17.08.2012, 11:56
So, Tag 2 ist online. Der nächste Tag ist dann auch der erste Trekkingtag...

Jens2001
17.08.2012, 13:38
hey liest sich toll!

aber Esso ist doch nun wirklich fast "Mücken frei" *grins*
ich kann euch gern mal GPS Koordinaten von Plätzen mit ordentlich vielen Mücken schicken... *lach*

@ Sarekmaniac

die hübsche bunte Budengasse wo es die leckeren Piroggen aus den Kinderwagen gibt ist übrigens nicht in Malki sondern in Sokotsch ;-)


P.S. ordentliche Mücken gibt es hier N52° 28.474' E157° 36.406' hier N52° 27.241' E157° 21.730' und hier N53° 22.610' E157° 29.099' :ignore:

codenascher
17.08.2012, 14:36
Jens, glaub uns, wir können sicherlich jeder nen dutzend Orte nennen wo es viel viel schlimmer wird...warte einfach die nächsten Tage ab :bg:

Jens2001
17.08.2012, 14:56
@codenascher

das glaube ich Dir aufs Wort! ich wollte euch doch nur ein wenig necken.... *grins*

die meisten Leute die noch nicht dort waren haben schlich und einfach keine Ahnung was eine echte Mücken plage ist!

schau mal.... http://kamtschatka2006.flyfishingteam.org/images/Muecken.jpg so sah es 2006 bei mir aus.

lg Jens

smeagolvomloh
17.08.2012, 20:41
Einfach toll diesen Reisebericht Tag für Tag aus den verschiedenen Sichten der Teilnehmer verfolgen zu können!

5sterne

travelkai
18.08.2012, 12:51
Sehr schön wie ihr uns gemeinsam Stück für Stück Kamtschatka serviert. Mein Wunsch die Region selbst zu erkunden wird dadurch jetzt schon ordentlich verstärkt. Ich freue mich auf die Fortsetzung mit vielen Fotos... die ich aber leider erst nach meiner nächsten Reise weiterlesen kann.

across
18.08.2012, 17:32
:cool:

Danke für die tollen Fotos und Eindrücke.... weiter, weiter... Bären, Vulkane, Landschaften....

:popcorn: Kanns kaum erwarten weiterzulesen!

Sir_Hawk
18.08.2012, 22:04
Super.
Ich hoffe, es geht bald weiter.
Finde es toll, dass alle die Tage aus ihrer Sicht schildern.

Frage zwischendurch:
Braucht man ein Visum für Kamtschatka?

Sir Hawk

heron
19.08.2012, 11:03
Ganz toller Bericht 5sterne ! Bin schon gespannt auf die Touren!
Habe deshalb leider keine Zeit meinen zu schreiben ;)

ühürü
19.08.2012, 11:53
Frage zwischendurch:
Braucht man ein Visum für Kamtschatka?

Ja, für Russland wird ein Visum benötigt, somit auch für Kamtschatka.

Jens2001
19.08.2012, 13:33
bis zu 30 Tage Aufenthalt genügt ein Touristenvisa, danach für bis zu 90 Tage benötigt man ein Businessvisa, dies setzt eine förmliche Einladung durch das Russische Außenministerium vorraus....
ist alles möglich zu bekommen kostet aber Zeit und verhindert bei mir spontane Reisen nach Kamtschatka....

lg Jens

Sir_Hawk
19.08.2012, 17:30
Danke für die Info.

Ich hoffe, es geht bald weiter.
Bin schon sehr gespannd.

Sir Hawk

willo
19.08.2012, 18:16
Das Visum zu besorgen ist überhaupt kein Problem. Zumindest in Berlin kann man das sich direkt in der Botschaft holen, was dann auch nur wenige Tage dauert.
Wir haben uns das völlig Problemlos über ein Ortsansässiges Reisebüro besorgt.

Fjaellraev
19.08.2012, 19:20
Ich vermute Jens bezog den Aufwand auf das Businesvisum.

Auch wenn es dadurch natürlich viel mehr zu lesen gibt (Und ich folglich länger vor dem Compi sitzen muss) finde ich es genial dass ihr nicht einen Einheitsbericht schreibt, sondern die tage aus verschiedenen Blickwinkeln präsentiert.

Gruss
Henning

Jens2001
19.08.2012, 21:55
Ich vermute Jens bezog den Aufwand auf das Businesvisum.

ja genau, ich bin meist um die 90 Tage in Kamtschatka unterwegs.

Das Touristenvisa ist einfacher, da genügt ein Voucher eines Reiseveranstalters um das in der Botschaft bekommen.

Es gibt auch Visa Agenturen bei denen man das kaufen kann (Einladung und Visa) kostet ca. 200 €

lg Jens

Sir_Hawk
20.08.2012, 09:13
Bootschaft
Hat das was mit Kreuzfahrten zu tun? :bg:

Sorry, mußte sein. :sorry:

Nochmals danke für die Info.

Sir Hawk

Jens2001
20.08.2012, 09:31
oh, danke für den Hinweis...

um genau zu sagen ist es die Konsularabteilung der Botschaft ;-)

lg

geronimo
28.08.2012, 15:25
Ich bin bereit... :popcorn:

Griffon
10.09.2012, 12:26
... :nomail: ...








:steuermann:

Enja
10.09.2012, 13:00
Jetzt sind wir schon um die halbe Welt geflogen, sind Bus gefahren, haben in Pensionen übernachtet und an reich gedeckten Tischen gesessen.

Jetzt macht doch mal bitte weiter. Was war denn nun mit "outdoor"?

Goettergatte
10.09.2012, 19:33
Reiseberichte von 9 Teilnehmern unter einen Hut zu bekommen dauert seine Zeit,
wir bitten um Geduld ;-)

Kati79
16.09.2012, 22:52
16.07.2012 Von Esso an die Bystraya

Die letzten Tage im Flieger und im Bus habe ich genug gesessen und mir Gedanken darüber gemacht, was ich zu tun habe, wenn wir einen Bären sehen. Ich bin voller Vorfreude auf das, was das sein wird. Auch wenn ich die Planung mit übernommen habe, so ist die ein oder andere Sache völlig unklar. Mücken schien es die letzten Tage kaum zu geben, warm ist es, aber wie hoch wir im Bystrinsky-Park steigen werden, ob es in der Bystraya Fische gibt, wie der Weg aussieht und ob ich abends am Wasser sitzen kann und den Bären beim fischen zusehen kann, das weiß ich nicht, stell es mir aber so vor. Heute geht es richtig los auf Tour und die ein oder andere Frage wollen wir vorher noch im Infocenter des Naturparks klären.

Der Tag beginnt wie üblich, wenn man mit anderen Menschen unterwegs ist, wesentlich früher als nötig. Bereits vor 6 Uhr machen unsere Reisebegleiter Rabbatz. Wir sind alle im gleichen Holzhaus untergebracht, nur auf 3 Appartments verteilt. Es knarrt und quietscht und rumpst mehrfach. Als ich aus meiner Zimmertür rausgucke, sitzen alle bereits in einem kleinen Pavillon und frühstücken. Heiko und ich haben und am Vortag für Brötchen entschieden, die wir mit Käse in der Mikrowelle überbacken wollten oder mit anderem Aufstrich verfeinern wollen. Zu unserer Überraschung haben wir ausschließlich gefüllte Backwaren erwischt. Es sind unterschiedliche Füllungen drin auf die ich nicht so recht Lust habe, Marmelade, was gehacktes aus Fleisch oder Fisch und Zwiebel. Nicht meine Welt. Anfangs wollen wir noch untereinander tauschen, in der Hoffnung was besseres zu erwischen, aber es hilft nichts, wir schälen die Teile aus, legen den Käse drüber und ab damit in die Mikrowelle. Nach dem Frühstück geht das Gepacke los. Wir können nämlich die Sachen, die wir erst bei der zweiten Tour brauchen zwischenlagern.

http://www.album.de/img1/big/236/23688526323096.jpg
Esso_Natalia von Kati79 - Album.de (http://www.album.de/bild/2368852/esso-natalia.cfm)
Fertig gekramt. Die Reisegruppe wartet auf das Taxi.

Gegen 8 Uhr soll ein Taxi kommen und mit ihm ein Mann, der für uns den Transport zur zweiten Tour organisiert, zum Tolbacik. Da kann man nicht einfach mit Taxi hinfahren, sondern braucht ein Geländefahrzeug. Er hat eine Art Ferienlager am Rand von Esso, sowas heißt in Russland „Basa“ oder „Turbasa“. Kurz nach 8 Uhr erscheint er, Barbara und ich fahren mit ihm und dem Gerödel, das wir erst auf der zweiten Tour nutzen wollen zu seinem Gehöft, um die Taschen abzuladen und das Organisatorische zu klären. Anfangs denke ich noch, dass ich mir den Weg merken sollte, spätestens nach der ersten Brücke und drei weiteren Abbiegern irgendwo in den Büschen und im Gelände, verzichte ich darauf. Wir sollten bei unserer Rückkehr definitiv ein Taxi nehmen, um hinzukommen. Der erste eindruck ist nicht schlecht. Volleyballfeld, Pferde, Raftingschlauchbott, „da sind die Duschen“ und ein großer überdachter Aufenthaltsbereich. Alles ist aus Holz gebaut. Wir verstauen unsere Sachen in einer Kammer und setzen uns für das Organisatorische an einen Tisch. Sarkemaniac und der Mann reden miteinander. Ich kann kein Russisch, verstehe, nicht mal Brocken, insofern kann ich das Gespräch nicht wiedergeben. Es ging darum wann wir von unser ersten Tour kommen, wieviele dann in der Basa übernachten und wann es dann weitergeht zur zweiten Tour. Unsere Planung ist ambitioniert. Wir wollen 10 Tage wandern, 5 Tage bis zum Ichinsky-Vulkan, 5 Tage zurück, an Tag Nr. 10 in Esso ankommen, dort übernachten und am nächsten Tag in Richtung Tolbacik (Kljuchevskoy-Naturpark). Unseren ursprünglich geplanten Ruhetag haben wir gestrichen, damit wir mehr Tage für eine echte Tour im zweiten Park haben. Mir ist das zwar nicht so recht, weil ich zwischendurch mich und meine Sachen waschen will und frische Lebensmittel zu mir nehmen möchte, aber so schlimm ist es auch nicht. Zum Abschluss unseres Gesprächs lassen wir uns noch die Unterkunft zeigen. Ich sag mal, kasernenartig. Und zwar so kasernenartig, dass ich mich an DDR-Ferienlager erinnert gefühlt habe, aber eher die Sorte mit militärischem Drall. Der Raum den wir zu sehen bekommen ist dunkel und schnörkellos, alles ist aus Holz, aber nicht Zierholz, sondern Bauholz, ansonsten gibt es nur Doppelstockbetten aus Holz mit alter Matratze drauf und es scheint ein 10-Personen-Zimmer zu sein. Puh, denke ich mir. Das muss man der Ehrlichkeit halber den Andern sagen, dass da nicht gerade ein Hotelbett auf sie wartet, wenn sie nach 10 entbehrungsreichen Tagen zurück in die Zivilisation kommen. Als wir mit dem Taxi zurückkommen ist gut eine Stunde vergangen und die anderen hängen gelangweilt und startklar rum. Dann nichts wie los, aber noch nicht zum Wanderweg, sondern zur Info-Zentrale.

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Esso_Natalia2 von Kati79 - Album.de (http://www.album.de/bild/2368853/esso-natalia2.cfm)
Geduldiges Warten, noch immer an unserer Unterkunft.

Das erste Gebäude das wir ansteuern ist nur die Verwaltung des Naturparks. Wir werden weitergeschickt zur echten Info. Dort gibt es die Permits, die wir für beide Touren brauchen, aber leider keine Karte, die unsere russische Militärkarte sinnvoll ergänzen würde. Unsere Hoffnung dort eine Landkarte für den Kljuchevskoy-Naturpark zu bekommen, wird leider auch nicht erfüllt. Es gibt nur grobe Übersichtskarten und Tand, wie Traumfänger und Postkarten. Barbara spricht mit dem Ranger, trägt Stellen in unsere Karte ein, an denen Furten sein sollen. Wir haben eine Karte auf der ich die bestehenden Wege rot und lila eingezeichnet habe, damit man eine Übersicht für Hin- und Rückweg hat. Der Ranger guckt sich unseren Plan an, meint, dass er unseren Rückweg nicht kennt und dass wir ihm den GPX-Track schicken sollen, wenn wir dort durchkommen. Unsere Weg soll ca. 140 km lang sein. Wir zweifeln nicht daran, dass wir das in 10 Tagen nicht schaffen. Wir fragen ihn noch, wie es mit Bären aussieht, was wir beachten müssen. Er meint, dass unsere Gruppe so groß ist, dass Bären von allein abhauen. Essen nicht in die Zelte, aber zwischen die Zelte packen. Wir bräuchten uns wegen Bären keine Sorgen machen. Das hätten wir erledigt, aber es geht immernoch nicht los.

Ein Teil unserer Reisegruppe hat keine Kopfbedeckung aus verschiedenen Gründen. Aber es gibt einen Marktplatz auf dem es Bekleidung gibt. Dort müssen wir noch Stöbern nach Hüten. Es gibt eine Sorte, die zufriedenstellend erscheint und dann geht es endlich los. 30 Grad, Staub, der Weg hinaus aus der Zivilisation, rein ins Gelände.

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Esso Richtung Bystraya von Kati79 - Album.de (http://www.album.de/bild/2368854/esso-richtung-bystraya.cfm)
Unsere Gruppe neben den letzten Siedlungsfetzen.

Je weniger Ortschaft, desto mehr Grün, desto mehr Mücken. Die Anzahl der Mücken wird sich in den kommenden Tagen steigern. Aber wir werden langsam an diesen wesentlichen Bestandteil kamtschatkinischer Natur herangeführt. Erst Sonnencreme, dann Anti-Mücken-Mittel. Hitze, Staub, alles klebt auf der Haut. Dennoch nimmt Sarakmaniac eine Bärenspur wahr. An mir würde das vorbeigehen. Bis zu unserer ersten Rast an einem kleinen Bach, sehen wir zwei Mal Bärenspuren. Am Wasser erfrischen wir uns, sind völlig durchgeschwitzt.

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Zufluss zur Bystraya von Kati79 - Album.de (http://www.album.de/bild/2368855/zufluss-zur-bystraya.cfm)
Malerischer Zufluss zur Bystraya.

Der Weg führt uns nach dem Wasser auf der staubigen Piste einen Buckel hoch. Ziemlich weit oben gibt es die Möglichkeit eine Aussicht mitzunehmen. Das machen wir, trotz Hitze und Mücken. Auf dem Weg nach oben entledigen sich nach und nach mehr Leute ihres Gepäcks. Oben angekommen haben nur noch zwei oder drei ihre Rucksäcke auf. Vor dort können wir die Bystraya sehen und einen kleinen See auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses, an dem sich ein Steg befindet und in dem ein Mensch schwimmt. Da will ich hin. Wenn nicht jetzt, dann eben auf dem Rückweg. Für heute geht es wohl den staubigen Weg mit den Mücken weiter, kurz vorm Sonnenstich. Die Aussicht hat sich aber gelohnt.

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Aussicht See von Kati79 - Album.de (http://www.album.de/bild/2368856/aussicht-see.cfm)
Der See gegenüber.

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Aussichtsturm von Kati79 - Album.de (http://www.album.de/bild/2368857/aussichtsturm.cfm)
Der Aussichtsturm.

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Bystraya von Kati79 - Album.de (http://www.album.de/bild/2368858/bystraya.cfm)
Die Bystraya. Da müssen wir irgendwann rüber.

Wir verfolgen den Weg bis zu einer Rangerhütte. Von dort aus geht es weiter bis zu einem Rastplatz, an dem wir die Bystraya noch nicht überqueren wollen, sondern erst 5 km weiter. Wir machen Mittagspause, ich gehe mit meinen Füssen ins Wasser, es zwickt und schmerzt, ist aber herrlich bei der Hitze. 11 km sind wir gelaufen, alle sind etwas platt. Nach ein bis zwei Stunden steht die Frage im Raum, wann wir weitergehen. Einer Person geht es nicht gut wegen der Hitze. Der Rest fühlt sich am Platz auch ganz wohl und die vor uns liegende Strecke schätzen wir so ein, dass wir die restlichen 130 km auch an 9 Tagen schaffen werden. Also bleiben wir dort und es wird für mich der herrlichste Nachmittag der ganzen Tour.

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Staubpiste von Kati79 - Album.de (http://www.album.de/bild/2368859/staubpiste.cfm)
Staubiger Weg bis zur Rangerhütte.

Nachdem die Entscheidung zu bleiben getroffen ist, kreisen meine Gedanken nur noch ums Wasser. Es muss doch möglich sein, sich ganz reinzuschmeißen, auch wenn es saukalt ist. Kathrin, Arne und ich legen los. Sachen aus und dann rein ins reißenden, eiskalte Wasser. Aua, Aua, Aua, nach 10 Minuten und mehrmaligem Abkühlen der Füße im Wasser, hält man es länger aus. Arne ist der Erste, der mit Liegestützen im Wasser anfängt, wir machen es nach, später finden wir eine Art Pool mit Sand, in dem man sich ohne schwere Verletzung der Kälte und der Strömung aussetzen kann. Die Hitze macht es möglich, dass alle Baden gehen und sich mit dem ganzen Körper ins Wasser schmeißen. Es ist kälter als ein Tauchbecken nach der Sauna und mückenfrei.

Am Abend beschäftigen sich alle damit Essen zu kochen. Ich bin noch der Meinung mein Essen im Sack an einer Schnur auf den Baum befördern zu müssen, wegen der Bären. Arne und Barbara helfen, es ist nämlich gar nicht so einfach eine Schnur 4 m hoch über einen Ast zu werfen. Die Nacht ist unspektakulär. Nicht kalt, kein Regen, kein Getier, das einen weckt.

willo
16.09.2012, 22:52
Nach einer relativ kurzen Nacht werden wir schon am Tag zuvor weit vor der vereinbarten Zeit durch den Rest der Reisegruppe geweckt, die schon mit irgendwelchem Gekrame im Vorgarten unserer Unterkunft beschäftigt sind. Kastis und mein Frühstück birgt erstmal eine böse Überraschung, da die beiden vermeintlichen Brötchen die wir zum Überbacken mit Käse gekauft haben sich als mit Süsskram gefüllte Teilchen entpuppen. Irgendwie bekomme ich ein paar Bissen runter und nachdem alle ihren Kram zusammen gepackt haben kann es auch schon losgehen. Also zumindest fast. Erstmal wollen Barbara und Kati kurz unser überschüssiges Gepäck in die Unterkunft für nach der Tour bringen um dann soll es gemeinsam losgehen. Leider kommt der Fahrer der die Beiden abholen soll ordentlich zu spät und statt wie geplant nach einer halben Stunde kommen Kati und Barbara erst auch nach weit über einer Stunde wieder zurück. Dann geht es endlich fast los. Zuerst wollen wir nämlich noch zur Nationalparkverwaltung ein paar Infos abgreifen und die benötigten permits kaufen. Leider kann die Nationalparkverwaltung uns nicht wirklich weiter helfen und wir versuchen es an einer art Touristeninformation erneut. Hier arbeiten sogar ein paar deutsche Freiwillige und die Kommunikation gestaltet sich somit noch einfacher. Ich warte draussen vor der Tür und studiere mit Arne die dort stehende Karte auf der auch unser geplanter Track eingezeichnet ist. Nach einer halben Stunde kommt der Rest wieder aus dem Gebäude und wir können so gut wie los gehen. Denn kurz bevor es wirklich los geht fällt Bert ein, dass er noch einen Hut braucht und somit machen wir noch Station auf dem Markt neben der Nationalpark-Info. Mit einen Hut aus irgendetwas Cuben-Artigen ausgestattet machen wir uns endlich auf den Weg. Um zum Start der Tour zu kommen, müssen wir noch einmal durch den ganzen Ort und kommen nach wenigen Minuten wieder an unserer Unterkunft vorbei. Natalia staunt nicht schlecht als sie sieht dass wir vier Stunden nach dem Aufstehen immer noch in Esso sind. Nach wenigen Minuten lassen wir die staubigen Strassen Essos hinter uns und das Gelände steigt leicht an und geht in einen Wald über. Die Hitze ist wirklich drückend und ich hoffe, dass wir noch eine Zeit im Wald bleiben können. Ausschilderung gibt es keine und bei manchen Abzweigungen raten wir einfach.

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kamtschatka (3 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2357981/kamtschatka-3-von-199-.cfm)

Unsere erste Pause machen wir an einer kleinen Brücke und erfrischen uns mit kaltem Wasser. Hier fällt mir zum ersten mal auf, dass einige Teilnehmer anscheinend unter einer ausgeprägten Mücken Phobie zu leiden scheinen. Obwohl ich noch nicht wirklich gestochen wurde und ich auch nicht mehr Mücken als Abends beim Paddeln sehen kann, ist schon heftig Mückenspray im Einsatz und sogar erste Mückennetze kann ich erkennen.
Nach der rast lassen wir den Wald leider ziemlich schnell hinter uns und es geht durch flaches Buschland. Die Sonne brennt unerbittlich direkt von oben und Wolken sind auch keine zu erkennen. Nach einem kleinen Aufstieg erreichen wir schliesslich einen Abzweiger der auf einen kleinen Hügel mit einem Aussichtspunkt führt. Die Aussicht von dort oben ist zwar recht nett, aber nicht wirklich spektakulär. Vor allem ist nicht zu erkennen ob das Gelände die nächsten Tage etwas alpiner werden wird oder ob es erstmal im Hügelland bleibt.

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kamtschatka (5 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2357983/kamtschatka-5-von-199-.cfm)

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kamtschatka (6 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2357984/kamtschatka-6-von-199-.cfm)

Die Hitze setzt mir im verlauf der weiteren Strecke recht stark zu und ich bekomme leichte Kopfschmerzen. Ich beschliesse schon jetzt, nächstes Mal eine hellere Mütze mit zu nehmen. Etwas Linderung bietet eine Rangerstation hoch oben am Flussufer - die Gebäude hier spenden während einer kurzen Pause etwas Schatten. Die Richtige Pause wollen wir aber erst unten am Fluss machen, da wir weder gegen frisches Wasser, noch gegen etwas Abkühlung wirklich was einzuwenden haben.
Unten am Fluss gibt es sogar einen kleinen Picknickunterstand und einen Baum - beides willkommene Schattenspender. Ich lege mich erstmal in den Schatten und schlafe eine Stunde. Aufgeweckt werde ich schließlich von den Geräuschen die ein Teil der Gruppe beim baden im eiskalten Wasser machen.
Nach ein paar Stunden am Wasser bin ich dann doch recht dankbar für die Frage ob ich etwas dagegen hätte, heute nicht mehr weiter zu laufen und willige sofort ein. Am Abend weihe ich Sven noch in die Geheimnisse der Spinnfischerei ein - jedoch ohne jeglichen Erfolg, zumindest was den Fang angeht. Frisch gebadet gehe ich ziemlich früh schlafen und hoffe für den morgigen Tag auf etwas Schatten oder einen früheren Aufbruch. Wir vereinbaren ein Wecken um Acht, damit wir früh los kommen können.

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kamtschatka (10 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2357988/kamtschatka-10-von-199-.cfm)

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kamtschatka (9 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2357987/kamtschatka-9-von-199-.cfm)

Goettergatte
16.09.2012, 22:52
16.07. Auf gehts!

Ich erwache recht früh, ich schätze jet-legbedingt, bei entstöpseln meiner Ohren bemerke ich, daß in einem der Betten Bewegung herrscht - Codenascher ist bereits wach.
Kurz entschlossen beschließen er und ich, ein weiteres Bad im Thermalbecken zu nehmen.
Dabei können wir auch die Spuren der nächtlichen Partygäste am Beckenrand bewundern :o
Anschließend begeben wir uns an die Frühstücksbereitung.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/P10701711.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=62284&title=kamtchatka-fruehstueck-in-der-laube&cat=537)
Frühstück in der Laube
Bis alle Dinge geregelt sind, die geregelt sein müssen, genieße ich den Morgen, die Gespräche mit den Mitreisenden und bereite in aller Ruhe mein Gepäck auf Tourmodus - alles hängt am Garderobenhaken, ich greife einfach zu und stopf's in den Rucksack.
Als wir dann aufbrechen, um unsere Passiererlaubnis für den Naturpark zu erlangen, neigt sich der Morgen schon stark zum Mittag hin und die Sonne läßt das Quecksilber ins End der 20er steigen.
Bevor wir richtig losmarschieren benötige ich noch dringlichst eine Kopfbedckung, da eine, welche ich bestellte, zum Abflugtermin noch nicht geliefert ward. Sarekmaniac besorgt mir einen Hut auf dem Markte des Dorfes.
Sie und Pülür haben das gleich Model erstanden und so können wir endlich dem Passe, welcher uns ins Tal der Bystraja leiten soll, zustreben.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_146_von_1441_1.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69668&title=k2&cat=537)Weg ins Dorf
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/kamtschatka_154_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69674&title=k3&cat=500)Alte Dorfbrücke
Wir verlassen das Dorf in westlicher Richtung, durch zunächst recht mitteleuropäisch-alpenländisch wirkenden Laubwald mit Grasflecken und gelegentlichen weidenden Kühen.
Später wird der Wald etwas dichter, die Hitze bleibt jedoch bestehen und der mir zu Kopfe steigende Dampf kondensiert stauend unter meinem nahezu dampfdichten Hute. Ein Umstand, welcher mir unerträglich wird, zumal das Kondensat ab und an bachartig unter dem Hutband durchbricht.
Schmetterling bemerkt meinen Kummer und bietet mir nahezu umgehend ihren Ersatzhut an, welchen ich dankbarst entgegennehme und sich als wirklich köstlich-luftiger Schattenspender erweist.
Die Hitze dörrt uns langsam aus, ich transpiriere aufs allerfeinste durch die Gegend, wir kommen an Felswänden entlang, welche die Wärme zurückzustrahlen scheinen und bald darauf gelangen wir an ein Flüßchen mit Schutzhütte, an welchem wir eine Trinkpause halten.
Hier bemerken ich die zunehmend lästiger werdenden Blutsauger, welche uns bereits auf dem Weg umsurrten, jedoch nun, da wir uns in relativer Ruhe befinden, erheblich aufdringlicher werden. Sie treiben uns recht schnell wieder zum Aufbruch, wir queren den Fluß über einen Steg. Bald danach findet Sarekmaniac auf dem Weg die ersten Anzeichen der Gegenwart von Bären, in Form eines recht frischen Trittsiegels.
Danach steigt der Weg zum Passe hin stärker an, hier gab es auf den Berghängen einst Lärchenwald, jedoch ist er auf, in aufstrebendem Niederwald stehenden, von einem Waldbrand zeugenden, Baumskelette reduziert.
Nahe der Paßhöhe zweigt ein Pfad zu einem Aussichtspunkt ab, welchen wir aufsuchen.
Uns bietet sich der Blick auf eine Art Durchbruchtal der Bistraya.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/kamtschatka_185_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69680&title=k3&cat=500)
Am gegenüberliegenden Ufer schauen wir auf einen See, welcher die Sehnsucht nach einem Bade in mir weckt, aber nun ein nicht erreichbares Ziel darstellt.http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/kamtschatka_185_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69680&title=k3&cat=500) Im Osten erahnt man Esso, im nachmittagsdundstigen Talkessel.
An meinem Bein hat sich unterdessen einer der geflügelten Plagegeister vollgesogen und wird von Codenascher mittels rascher Handbewegung hinfortgefegt. In Folge dieser ruhmreichen Tat wird Heiko mit dem, mir entnommenen, Inhalt des Insekts bekleckert :grins:
Als wir vom Aussichtspunkt absteigen um den Rest der Paßhöhe zu erklimmen scheint sich die Hitze noch weiter zu steigern, der Staub des Weges legt sich auf uns, mir scheint es, als läge ersich auch auf die Lunge.
Doch kaum, daß man den Scheitelpunkt des Weges erreicht hat, bläßt einem eine sanfte aber belebende Briese entgegen und ermuntert mich zu zügigem Abstieg.
Allmählich wird der Blick auf das, nunmehr sich weitende, Tal des Oberlaufs der Bistraya frei, fjellartiges Buschwerk wechselt mit Staudenflächen und Weidendickichten, felsige Berge mit teils alpinem-, teils mittelgebirgigem Character fassen das Tal ein, ihr Habitus verrät den vulkanischen Ursprung , auf einer Hangterasse liegt eine Rangerhütte.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/kamtschatka_193_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69673&title=k3&cat=500)http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/kamtschatka_195_von_1441_.jpg
Von der Hütte geht es noch einen weiteren Kilometer den Fluß aufwärts, bis wir an einer Furt mit Schutzhütte (man solte eher sagen "Baldachin") rasten.
Ich reiß mir die Schuhe von den Füßen und hole Wasser.
Getrunken wird prompt viel. Anschließend verzehre ich die erste Ration unseres Proviants, Südtiroler Speck mit russischen Hartgebäckkringeln, worauf hin ich mich in den Schatten werf.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_199_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69654&title=k3&cat=537)http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_197_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69653&title=k3&cat=537)http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_206_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69656&title=k3&cat=537)
Nach einer Stunde Jet-legg-kompensation wird beschlossen, wegen Überhitzung nicht weiter zu gehen,
Welches die meisten von uns dazu veranlaßt, die Klamotten vom Leib zu reißen und solchermaßen entblößt in den Fluß zu stürzen.
Ein Versuch ists wert, einigen gelingt es auch, u. A. mir, nach dem ich mich mit Liegestützübungen allmählich unter den Wasserspiegel absenkte.
Nach einigen Malen des Eintauchens finde ich eine Stelle, die sich gut für einige Meter Wasserrutsche eignet.
Anschließend versuchen wir eine Querung der Furt, welches sich jedoch ob der Strömung und der nicht unerheblichen Tiefe als schwer machbar herausstellt.
Nach der Abkühlung fühlen sich alle erheblich besser und wir verleben einen gemütlichen Nachmittag und Abend.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_204_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69655&title=k3&cat=537)Kati sucht Bären
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_215_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69657&title=k3&cat=537)
Willo und Sven versuchen ihr Glück mit den Angeln und ich unterrichte einige Teilnehmerinnen im Topf und Pfanne spülen mit Sediment und Grasbüschel.
Zwischendurch versucht sich Sarekmaniac als Detectiv und findet Codenaschers schmerzlich vermißte Regenjacke in meinem Rucksack,
er muß sie wohl im Quartier an meinen Haken gehangen haben, wo sie zusammen mit dem Rest in meinem Rucksack gelandet ist.
Es weht den ganzen Nachmittag eine angenehme Brise, welch die lästigen Blutsauger in Schach hält, dennoch empfinden wir ihre Anwesenheit als steten Anlaß irgendwo hin zu klatschen und ich mach erste Erfahrungen mit Pülür und Ühürüs "Blitzdings", einem piezozündugsähnlichem Elektroschockdings, dessen Stromstoß das Gerinnungsgift der Mücken denaturieren läßt - ein fantastisches Gerät, wider den Juckreiz.
Vorm zu Sack gehen gilt es noch die Proviantsäcke in einen Baum zu hängen, welches ich bewerkstellige, indem ich die Repschnüre mittels Teleskopstock, als Wurfspeer, über einen hochgelegenen Ast schicke.
Hoffen wir mal, das Bären nicht bis 3 zählen können und den Trick nicht durchschauen und die Schnüre durchreißen ;-)http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_221_von_1441_.jpg
Die Nacht wird friedlich, angenehm kühl und erstmals in diesem urlaub Geräuscharm, abgesehen vom Rauschen des Flusses, aber dieses ist nun wirklich für mich die allerschönste Nachtmusik.

Schmetterling
16.09.2012, 22:52
Auftakt (16.7.)

Heute geht es also endlich los. Wir stärken uns im Garten unserer Pension bei schönstem Sonnenschein mit einem letzten ordentlichen Frühstück, bevor wir auf die ewige Müsli-Diät umsteigen, um dann unsere Rucksäcke endgültig zu schnüren. Barbara und Kati transportieren das zwischen zu lagernde Gepäck mit dem Proviant für die zweite Tour zur Tourbasa, wo wird nach unserer Rückkehr übernachten würden. Ich hatte bis zuletzt gegrübelt, welchen Hut ich wohl mitnehmen sollte – den Coolen wasser- und mückendichten mit dem Fuchs drauf oder einen, dieser Temperatur angemessenen, leichten Sommerhut. Ich beschließe, meiner Dekadenz nachzugeben und ganz frech einfach beide mitzunehmen. Sehr zum Glück fürArne, der seinen Hut vergessen hatte. Ich vermache ihm gerne mein Sommerhütchen, das ihm ganz ausgezeichnet steht. ;-)

Mit geschnürtem Gepäck machen wir uns fröhlich auf zur Nationalparksverwaltung, wo wir unser Entgelt zahlen, uns mit Postkarten eindecken (fall es abends doch langweilig werden sollte) und letzte Tipps für die Bären abholen. Unter Hufgescharre der Heißsporne dieser Truppe werden noch letzte (das letzte Fanta!), allerletzte (noch mehr Sonnenhüte) und allerallerletzte (das letzte Eis!) Einkäufe in Supermärkten und dem Markt getätigt und kurz vor elf sind wir dann auch endlich auf der Piste – mitten in der schönsten Mittagshitze. Frohen Mutes und mit beschwingtem Schritt marschieren wir unter Hundegebell aus dem Dorf, bewundern die erste, wahrlich beeindruckende Bärenspur und tauchen ein in die Kühle des Waldes. Und in die Mückenhölle. Ich hatte mich nicht eingeschmiert und werde augenblicklich von Milliarden dieser Biester attackiert. Das war ja genauso abartig schrecklich, wie ich es mir in den schlimmsten Albträumen vorgestellt hatte! Wild um uns schlagend und fluchend bewegen wir uns vorwärts und machen schon bald an einem Fluss halt, wo wir Gift nachlegen, ich ins mückendichte Hemd wechsle und wir unsere erhitzten und leicht panischen Gemüter etwas abkühlen können. Das Mückenhemd hilft tatsächlich und hält die Biester wenigstens davon ab, mir in die Schultern zu stechen. Auf die frei liegenden Gliedmaßen verteile ich großzügig DEET-Gift.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Tempolimit.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=59429&title=kamtschatka-tempolimit&cat=30)
Äh..


http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Br_cke1.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=59425&title=kamtschatka-bruecke&cat=30)
Es gibt tatsächlich Brücken hier...


Weiter geht es über eine Brücke und auf der staubigen Piste stetig ansteigend in Richtung Pass. Die Sonne brennt unerbittlich und wir schwitzen ordentlich unter der ungewohnten Last unserer Rucksäcke. Ich bin mir nicht sicher, was schlimmer ist: die Hitze oder die Mückenschwärme… Die Hitze hält uns dennoch nicht davon ab, einen Abstecher zum Aussichtspunkt zu machen, wo wir, leider unerreichbar fern auf der anderen Seite der Bystraja, einen wunderbaren See erblicken. Wie wir die dort ihre Runden schwimmenden Touristen beneiden! Das ist wahrer Urlaub. Wir jedoch gehen bald weiter und meistern schwitzend und keuchend die letzten Höhenmeter des Passes, nur um dann wieder hinab ins Flusstal steigen zu können.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Pass.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=59428&title=kamtschatka-pass&cat=30)
Wir erarbeiten unseren ersten Pass


Vorbei an einer Rangerstation gelangen wir schließlich an einen idyllischen Rastplatz, wo wir eine wohlverdiente Mittagspause einlegen und alle Viere von uns strecken. Mitten in der Sonne bratend ist auch von den Mücken fast nichts mehr zu sehen. Reise, Jetlag und die Hitze hatten uns alle mächtig geschlaucht und als wir nach zwei Stunden wieder erwachen, beschließen wir nach kurzer Diskussion, das Lager einfach hier aufzubauen.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Mittagspause.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=59427&title=kamtschatka-mittagspause&cat=30)
Mittagspause


Und so haben wir Zeit, ausgiebig dem Lagerleben zu frönen. Wir stürzen uns alle in die Fluten und machen Bekanntschaft mit dem krass kalten Wasser, das uns augenblicklich alle Glieder einfrieren lässt. Den Gedanken an die Furt am nächsten Tag und wie meine Zehen das überstehen sollen schiebe ich für heute einfach beiseite. Nach einigen Runden Hobo-Tee und erfolglosen Angelversuchen verschwinden wir alle recht früh ins Zelt. In den nächsten Tagen müssen wir noch etwas an unserer Technik feilen, wie wir möglichst wenig Mücken mit in unseren Schlafbereich nehmen…

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Angelstunde.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=59424&title=kamtschatka-angelstunde&cat=30)
Codenaschers erste Angelstunde


http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Lager2.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=59426&title=kamtschatka-lager1&cat=30)
Lageridylle

Sarekmaniac
16.09.2012, 22:52
16.07.2012

Morgens frühstücken wir gemütlich im Garten unserer Unterkunft.

Schon am 15.07 abends hatte ich mit Alexander von Skara, einem Ferienlager direkt außerhalb Essos, gesprochen. Er organisert für und den Jeep für die zweite Tour, besorgt Busfahrkarten für die Rückfahrt, und wir können bei ihm Gepäck zwischenlagern. Mit Kati fahre ich mit dem Taxi kurz dorthin, die Sachen unterstellen.

Dann gibt es eigentlich keine Ausreden mehr, auf gehts, aber nein: Wir wollen/müssen ja noch im Nationalparkzentrum vorbei. Es ist schon recht warm, das Spritzenfahrzeug, dass kreuz und quer durch den Ort fährt und mit einem Wasser-Sprühnebel den Straßenstaub bindet, ist bereits in vollem Einsatz.

Im Nationalparkzentrum nehmen wir noch einige Übersichtskarten mit, und ich kümmere mich um die Formalitäten, d.h. die Permits für den Bystrinskij-Park und den Kljuchevskoj, unser zweites Reiseziel. 50 Rubel pro Person kostet der Bystrinskij, 300 der Kljuchevskoj.

Dima der Ranger, ist sehr nett und entspannt und beantwortet alle Fragen: Bären? Kein Problem, 15 m Abstand halten. Angeln? macht mal, kein Problem. Habt ihr genug Mückenmittel? Das werdet ihr brauchen. Und jetzt darf ich mal antworten: Haben wir. Kein Problem (denke ich mir...):ignore:.

Ich versenke die hübsch bestempelten Papiere in der Wichtige-wichtige-Dokumente-Tasche, und dann geht es los.:D

Es ist so etwa 10:00 Uhr, brütend heiß, und am liebsten würde ich einen Liter trinken. Aber noch mal zu einem Laden latschen habe ich keine Lust, und langsam bewegen wir uns aus dem Ort heraus. Auf dem sehr übersichtlichen "Markt" kaufen Bert, GöGa und ich uns noch Sonnenhüte.

Über einen rumpeligen Fahrweg verlassen wir Esso, es geht über Wiesen und durch Wald. Zwischen Fluss und einem Steilhang ist das Gelände durch Namensschilder in Streifen eingeteilt, ich nehme an, dass es sich um die Mitgleider der Fischerei- und/oder Jagdgenossenschaft handelt, die so ihre Claims abstecken.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P1070176.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=59360&title=p1070176&cat=500)
Raus aus Esso.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/P1070175.JPG
Im Revier von Herrn Okischew.


Nur zwei km außerhalb des Orts erste Bärenspuren, von Mutter und Jungtier offenbar, es gibt sie also wirklich.:D Die Spuren sind recht beeindruckend, wir beschließen, am Abend unsere Lebensmittelvorräte aufzuhängen.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P10701841.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=59364&title=p10701841&cat=500)

:o

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P1070185_B_renspur.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=57996&title=p1070185-b-renspur&cat=500)

Als wir den ersten Bach erreichen, merke ich wie dehydriert ich bin, und das bessert sich im Laufe des Tages nicht wirklich, obwohl ich trinke, trinke trinke. Was für ein Wetter.:o

Wir queren einige Waldbäche, dann geht es eine erste Steigung hinauf. Ohne Gepäck gehen wir vom Weg nochmal ca 120 Höhenmeter hoch zu einer Aussichtsplattform hoch über der Bystraja.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P1070178_I.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=59361&title=p1070178-i&cat=500)
Bystraja

Dann geht es wieder hinunter bis direkt ans Flussufer, wo die Rangerhütte steht und das Ufer entlang. Die Nachtmittagspause dehnt sich, Jetlag und Hitze haben ihr Werk an uns armen Wanderern vollbracht. Und so beschließen wir, an diesem schönen Platz am Ufer zu zelten. Tja.... und dann beginnen sich irgendwie alle die Kleider vom Leibe zu reißen, und ab geht's in die reißenden Fluten.:bg: Und das Wasser ist wirklich kalt, aber dass wir das nicht merken, wird an der Dampfschicht liegen, die sich zwischen Haut und Strömung bildet.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P1070183.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=59363&title=p1070183&cat=500)
Am ersten Tag waren wir noch naiv und nannten das: Gestrüpp. Harharhar, das ist doch kein Gestrüpp.:bg:


Es folgt ein gemütlicher Abend, ich weihe den neuen Hobo ein, und Heiko und Sven werfen auf einer Kiesbank im Fluss ihre Angeln aus - leider vergeblich.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P10701871.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=59366&title=p10701871&cat=500)

willo
16.09.2012, 22:59
Die nächsten zwei Tage folgen Morgen

Dominik
16.09.2012, 23:41
Top!
Das ist aber auch spannend :-)

Snuffy
23.09.2012, 14:05
"Morgen" ist schon vorbei ;)


Snuffy

Griffon
23.09.2012, 16:04
:hahaa: gestern war heute morgen – so wie morgen heute gestern sein wird :ignore:

codenascher
23.09.2012, 21:18
16.07.2012 Naturpark Bystrinskij – Zum Vulkan Itschinsky

Welch bescheidene Nacht. Die Russendisko machte noch bis zwei Uhr Radau. Mehr oder weniger ausgeschlafen schlurfe ich zum Frühstückstisch. Im Supermarkt kaufte ich am Vortag eine Tüte Eier (Kartons gibts hier anscheinend nicht) daraus machte ich eine große Portion Rührei. Als bislang Bioei Verweigerer musste ich erstaunt feststellen, das Eigelb wirklich die Farbe gelb haben kann. Sieht irgendwie komisch oder zumindest ungewohnt aus. Ich wurde aufgeklärt, rotes Krabbenmehl blabla – Fazit, ich kauf in Zukunft Bio Eier! :bg:

Um halb zehn sollte unser Gastgeber für die Zeit zwischen den zwei Touren vorbei kommen und unsere nicht benötigten Lebensmittel, Ladegeräte und eventuelle Wechselklamotten für die zweite Tour in Empfang nehmen. Er kam natürlich zu spät... Weiter gings für die Gruppe in Richtung Parkverwaltung. Wir wollten uns noch ein paar letzte Infos speziell zum Thema Flußquerungen einholen und mussten noch unsere Permits kaufen. Auch dies zog sich einmal mehr...

Heiko und ich trampelten bereits, wollten endlich los. Bert fiel ein, er bräuchte noch einen Hut. Seiner liegt in Moskau beim Handgepäck. Ich trampelte noch mehr. Das Verlangen nach einem Hut kann man im aber gerechter weise nicht abreden. Hatten wir um elf bereits gefühlte 25°C. Den Hut bekamen wir auf dem kleinen Markt gegenüber des SB Supermarktes. Um elf ging es dann endlich los – Abenteuer wir kommen :-)
Der Weg schlängelte sich gemächlich über eine Piste durch den Wald. Verkehrsschilder die eine Höchstgeschwindigkeit von 70 oder auch ein Überholverbot anzeigten ließen uns schmunzeln. Hier entdeckten wir auch die ersten Bärenspuren des Urlaubs - Aufregung. Meine Fresse, janz schön groß die Tapsen ;-)
Kurze Zeit später musste ich mich plötzlich in die Büsche schlagen. Details erspare ich mir, nur so viel: Ich schob es auf die Fetttriefenden Piroggen vom Vortag.

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An einem kleinen Unterstand der Parkverwaltung machten wir eine erste kurze Rast. Hier ging es über eine kleine Brücke erstmalig über einen kleinen Bach. Der Weg selbst heute mindestens so spektakulär wie die Neben(Forst)Wege im Harz. Langweilig könnte man auch dazu sagen. Nadelbäume und Birken wechselten sich ab. Die Sonne brannte brutal auf uns nieder. Gut das ein jeder von uns eine Kopfbedeckung auf hatte. Arne hatte übrigens auch keinen Hut mit, ihm half Susanne aus. Ja, der Trend geht zum Zweithut... Diese halfen aber nicht gegen die erste Invasion von Mücken und Bremsen, die uns fortan für den Rest der Tour das Leben zur Hölle machten. (Und dabei fanden wir den klitzelütten Ansturm von Mücken beim Schaschlikmann als zu viel des guten)

Endlich ein kleines Highlight, eine Wegmarkierung die uns zu einem Aussichtspunkt leitete. Es ging ein kleines Stück einen schmalen Pfad empor eh wir an einer kleinen Aussichtsplattform samt schönem Ausblick standen. Erstmalig erblickten wir von hier oben die Bystraja, dem Fluß, dem wir die nächsten Tage bis zum Itschinsky folgen wollten! Auf der anderen Flußseite machten wir einen idyllisch gelegenen kleinen See samt Unterstand und Steg aus. Später erfahren wir das es sich hierbei um den Itka See handelt, neben der heißen Quelle wahrscheinlich das Naherholungsziel Essos! Ferner rufen wir diesen See als Endziel unserer Tour aus. Einen halben Tag unterwegs bei dieser Hitze und wir träumen schon vom Ende unserer Tour ;-)

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Am Aussichtsturm schnippte ich eine Bremse von Arnes Arm, diese zerplatzt regelrecht und bespritzte reichlich Heikos Bein. Na wenigstens gab es eine reiche Henkersmahlzeit für diesen Teufel.
Die Hitze erreichte ihren Höhepunkt. Das Feld zog sich mittlerweile gut auseinander. An der Rangerstation des Parks machen wir noch eine kurze Pause im Schatten und liefen weiter, hinab zur Bystraja. Diese soll hier per Brücke überquert werden... Eine Brücke suchten wir allerdings vergebens. Die Pistenspuren endeten auf unserer Seite des Flußes und auf der anderen gingen sie weiter. Toll, eine Furt. Wir beschlossen erst einmal unsere Mittagspause hier zu verbringen. Kati wagte sich als erste in den Fluß. Bis zu einer kleinen Insel am Ende des ersten drittels kam sie noch, danach wird das Wasser tiefer, die Strömung stärker. Dies soll nicht unsere Furt werden... Nach guten Zwei Stunden beschlossen wir allesamt entkräftet und lustlos die erste Nacht der Tour hier zu verbringen. Was nun folgte war aufgrund der Temperaturen abzusehen: Raus aus den Plünden und rein ins kühle Nass! Was für ein Leben :bg:

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An der Ranger Station

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Barbaras Hobo

Nach dem Abendbrot, für mich gabs neben einer Knorr Spaghetteria zusätzlich noch ne Lopedum :ignore: gab mir Heiko meine erste Lektion im Angeln. Haben wir uns vor der Tour noch kleine leichte Angeln gekauft. Eh ich aber zum Angeln kam wollte ich mir meine Regenjacke anziehen. Der Schock: Wo ist meine Regenjacke? Ich durch kramte meinen Rucksack, das Zelt, guckte auf den Bänken am Unterstand... nichts. Scheiße... Wo ist die Jacke? In meinem Geiste lief ich schon Richtung Esso zurück – immerhin 12 Kilometer pro Strecke. Ohne Regenjacke würde ich natürlich nicht die Tour fortsetzen, wer weiß was noch kommt.
Barbara befreite mich von meinen Sorgen. Arne hatte meine Jacke heute morgen unwissend aus der Unterkunft in Esso mit eingesteckt. Schwein gehabt!!! Danke Arne ;-) Dies wäre mir mit meiner eigenen Jacke nicht passiert, nur liegt meine rote ME zuhause da undicht. Vor der Tour hat mir Heiko mit einer schwarzen ME Firefox ausgeholfen! Danke noch einmal an dieser Stelle :-)

Das erste mal angeln im Anschluß verlief natürlich Fanglos. Spaß macht es trotzdem!

willo
23.09.2012, 21:18
17.07.2012

Nach einer ruhigen und erholsamen Nacht geht es morgens wie vereinbart um acht aus den Zelten um um neun aufzubrechen. Schon beim Frühstück fällt mir auf, dass hier Welten in Sachen Tourenablauf aufeinander prallen. Während bei mir bisher immer die Tour als Fortbewegen durch die Landschaft im Vordergrund stand und ich meine Mahlzeiten am liebsten schnell im gehen oder während des Zeltabbaus zu mir genommen habe, scheinen andere die Mahlzeiten regelrecht zu zelebrieren. Während ich schon satt bin und das Zelt bereits im Rucksack habe, sind andere noch mit der Zubereitung des ersten Ganges beschäftigt und das Lager sieht noch aus wie am Vorabend. Auch ein strukturierter Abbau ist nicht überall derart verbreitet wie bei ich es bisher gewohnt war: Es wird kreuz und quer durch das Lager gelaufen und hier und da mal, ein scheinbar zufällig ausgewählter Gegenstand in den Rucksack befördert. Die meiste Zeit wird jedoch nicht gepackt, sondern irgend etwas lautstark gesucht. Mich macht das treiben wahnsinnig. Vor allem der Fakt, dass ich gut und gerne zwei Stunden länger hätte schlafen können, lässt mich für denen Morgigen Tag eine andere Strategie erdenken.

Schließlich brechen wir mit zweistündiger Verspätung auf und es ist bereits jetzt vorherzusehen das wir wieder in der Mittagshitze wandern werden. Voller Tatendrang gehen wir eine knappe Stunde den Weg entlang um am Ende des Weges den Fluss zu durchfurten. Leider erweist sich die Bystraja an der veranschlagten Stelle schon beim ersten hinsehen als unfurtbar. Ich probiere es trotzdem, wenngleich ich es ziemlich sinnlos finde, dass einer der stärksten und schwersten die Furt erkundet, da selbst im Erfolgsfall kaum etwas bewiesen wäre. Trotzdem gebe ich mein bestes, muss aber schon nach wenigen Metern umkehren. Es ist nicht nur die Wassertiefe, kombiniert mit der reissenden Strömung die mich zweifeln lässt, sondern vor allem die schiere Länge der Furt, kombiniert mit den eisigen Wassertemperaturen. Nach wenigen Minuten im Wasser fühle ich meine Beine kaum noch und meine Trittsicherheit lässt spürbar nach. Wieder am Ufer, versuchen es noch Arne, Kathrin und Barbara. Letztere scheint sich in eine Art Furtwahn gewatet zu haben und ignoriert sämtliche Kommandos vom Ufer und stapft den Blick immer Eisern auf die Füsse und nicht aufs Ufer gerichtet voran. leider jedoch nicht in Richtung anderes Ufer, sondern zunehmend Flussaufwärts. Irgendwann werden die zunehmend besorgten Rufe von Arne erhört und auch dieser Versuch abgebrochen.

Es bleibt nur noch die Möglichkeit weiter, nun ohne jeglichen Trail, das Ufer hoch zu laufen und auf eine breitere Stelle zu hoffen. Der Weg am Fluss entlang ist extrem uneben und ohne übertreiben als grüne Hölle zu bezeichnen. Körperlich zwar mangels Höhenmeter kein bisschen anstrengend, dafür nervlich ungeheuer fordernd, da man gleichzeitig auf Löcher und Stolperfallen am Boden und Äste und Dornen in Kopfhöhe achten muss. Zusätzlich müssen wir diverse Sumpflöcher umgehen und entfernen uns manchmal so weit vom Fluss, dass wir eventuelle Furtstellen gar nicht sehen würden. Am meisten nerven mich jedoch die Bärenglocken zweier Teilnehmer mit ihrem Gebimmel und ich lasse mich entweder weit zurück fallen oder gehe ein Stück voraus.

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kamtschatka (13 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2357992/kamtschatka-13-von-199-.cfm)

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kamtschatka (15 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2357994/kamtschatka-15-von-199-.cfm)

Nach einer längeren und fast mückenfreien Mittagspause direkt am Ufer machen wir uns wieder auf den Weg. Der Uferstreifen ist hier recht schmal und nass und von der rechten Seite kommt eine Steilwand immer Näher. Ich frage vorsichtig nach, ob jemand einen Plan B dafür hat wenn die Steilwand auf das Wasser treffen würde und wir somit definitiv in einer Sackgasse stecken würden, finde damit aber kein rechtes gehör. Schliesslich tritt der worst case ein und wir stehen vor ein Felswand die direkt ins Wasser abfällt. Barbara versucht noch akrobatisch sich vorbei zu mogeln, muss dann aber einsehen, dass man da nicht vorbei kommen würde - schon gar nicht mit Gepäck.

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kamtschatka (19 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2357998/kamtschatka-19-von-199-.cfm)

Während die Mehrheit frustriert eine Pause macht und sich auf einen Rückmarsch erheblicher Länge einstellt um auf das Plateau zu gelangen, versucht mich Sven zu überzeugen die Wand einfach hoch zu klettern. Ich lehne dankend ab, da ich die Wand auf mehr als 100% Steigung einschätze und keine Lust habe mich schon an Tag zwei ernsthaft zu verletzen. Als Sven jedoch nach kurzer Zeit fast die Hälfte der Wand erklommen hat, packt auch mich der Ehrgeiz und ich klettere hinterher. Es geht deutlich einfacher als gedacht und als wir beide nach Erklettern der halben Wand wieder unten stehen beschliessen wir es einmal mit Gepäck zu versuchen. Diesmal klettere ich voran und stelle fest, dass es mit Gepäck eine völlig andere Situation ist. Der schwere Rucksack führt dazu dass ich mich ständig mit den Händen aktiv Festhalten muss anstatt sie nur zur Unterstützung zu nutzen und das die beim ersten Versuch scheinbar festen Felsnasen sich aus der Wand lösen wenn man kräftig dran zieht. Nachdem ich an einer Stelle nicht mehr wirklich weiter komme und alle erreichbaren Haltesteine bereits in die Tiefe geworfen gabe, überkommt mich eine leichte Panik und ich kündige an meinen Rucksack nach unten zu werfen und wieder abzusteigen. Als ich den Rucksack lösen möchte finde ich noch einen besseren Halt für meinen Fuß und kann zumindest sicher stehen. Während ich meinen Adrenalinspiegel absinken lasse klettert Sven zu mir hoch und steht nach kurzer Zeit vor ähnlichen Problemen wie ich. Wir haben kaum einen Plan wie es weiter gehen soll und beschliessen Quer zum Hang zu einer kleinen Birke zu gelangen, um an deren Stamm zumindest einen sicheren Halt für eine kleine Besprechung zu finden. Von da an geht es dann deutlich einfacher weiter und nach weiteren zehn Minuten befinden wir uns auf der Kuppe des Hügels. Nach einer kurzen Stärkung mit etwas Beef Jerkey beschließen wir noch schnell das wir die Kletterei super finden und warten auf die anderen. Nach einer halben Stunde werden wir etwas unruhig und pusten regelmäßig in die Signalpfeiffe. Wenig später hören wir eine Antwort und treffen wieder auf die anderen Teilnehmer.

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kamtschatka (17 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2357996/kamtschatka-17-von-199-.cfm)

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kamtschatka (18 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2357997/kamtschatka-18-von-199-.cfm)

Jetzt heisst es möglichst schnell den Hügel zu verlassen und wieder runter zum Fluss zu gelangen. Leider ist das einfach gesagt als getan, denn die dichte Vegetation bestimmt hier die möglichen Wegrichtungen und nicht unser toller Plan. Zwei Teilnehmer pfeiffen bereits aus dem letzten Loch und haben zum Teil erhebliche Schmerzen im Bein und eröffnen unmissverständlich, dass wir möglichst Bald unser Nachtlager aufschlagen müssen. Da wir dringend auf den Fluss als Wasserquelle angewiesen sind und es hier oben kaum echte Zeltplätze gibt versuche ich es mit Durchhalteparolen. Von nun an pendel ich ständig zwischen Spitze und Ende der zunehmend zerfallenden Reisegruppe. Vorne bitte ich um etwas weniger Tempo und darum den nächsten Weg zum Fluss zu wählen und hinten verkünde ich, dass wir bald sicher einen Zeltplatz finden. Leider wird das Gelände immer schlechter und als wir endlich den Hügel verlassen ist der Fluss nichtmal mehr zu hören. Von einem kleinen Hügel sehen wir dass es noch mindestens eine breite Ebene mit einem Birkenwäldchen zu durchlaufen gilt bevor der Fluss kommen könnte. Zu allem Überfluss erweist sich das Wäldchen als Sumpfland und wir müssen es auf hochstehenden Grasbüscheln mehr durchhüpfen als durchwandern.

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kamtschatka (20 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2357999/kamtschatka-20-von-199-.cfm)

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kamtschatka (21 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358000/kamtschatka-21-von-199-.cfm)

Als wir am Ufer stehen dämmert es bereits und die Stimmung bei einigen Teilnehmern ist nicht emhr als gut zu bezeichnen. Trotzdem kann man hier nicht Zelten. Wir beschliessen den Fluss in der "falschen Richtung" nach einer Lagerstelle abzusuchen da wir von einem Hügel eine mögliche Furtstelle weiter hinten gesehen haben. In einem weiteren Birkenwäldchen gibt es einen Platz an dem das Aufstellen der Zelte theoretisch möglich wäre, schön ist der aber nicht und extrem viele Mücken schwirren hier auch rum. Trotzdem will die Mehrheit hier Zelten. Kathrin und ich sind noch halbwegs frisch und wir beschliessen alleine weiter bis zu der potenziellen Furt zu laufen und eventuell eine bessere Stelle für ein Nachtlager zu finden. Nach wenigen Metern schliesst sich uns noch Barbara an und wir gehen zu dritt noch einige Kilometer Stromabwärts. Ich diskutiere mit Kathrin über die Furtbarkeit des Flusses und die Wahrscheinlichkeit den angepeilten Vulkan überhaupt noch in den verbleibenden vier Tagen zu erreichen. Wir sind uns beide einig dass wir den Fluss so schnell wie möglich queren müssen und eine art Trail brauchen würden um den Vulkan überhaupt noch zu Gesicht zu bekommen. Ausserdem müsste sich der Gesundheitszustand der Gruppe stark verbessern - allerdings fanden wir beide den Tag ganz witzig und sind der Meinung dass wir das Beste aus den Erlebnissen machen müssen. Mit neu gefasster Motivation kehren wir um und verfolgen den Plan nach der Furt zu suchen nicht mehr weiter, da wir uns sowieso darüber einig sind, dass die anderen nicht noch ein paar Kilometer über Stock und Stein laufen wollen. Als wir verkünden die Furt nicht gefunden zu haben macht sich Erleichterung breit und die Zelte werden aufgebaut. Ich beschäftige mich noch mit einigen Langzeitbelichtungen am Fluss und gehe als es mir zu kalt wird ins Bett. Wir beschliessen diesmal in weiser Voraussicht keine Aufstehzeit, sondern eine Aufbruchzeit. Mal sehen ob es diesmal besser klappen würde...

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kamtschatka (22 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358001/kamtschatka-22-von-199-.cfm)

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kamtschatka (23 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358002/kamtschatka-23-von-199-.cfm)

Goettergatte
23.09.2012, 21:18
17.07.2012
"Ät se wrong seid"

Ein bedrohlich wirkendes Summen und der Drang der Natur treibt mich aus dem Zelt.

Die Nacht war nicht kalt, ich nutzte meinen Robert lediglich als Quilt.

Etliche Mücken bevölkern den Raum zwischen Innen und Außenzelt, einige vorwitzige Exemplare schafften es ins Innenzelt und versuchen, mit schwerem rotgefülltem Abdomen ins Freie zu gelangen. Um das Zelt nicht zu beschmutzen, erledige ich sie morgens mit dem Buch, welches ich auf Tour lese, die Blutflecken passen gut zur Handlung, den Abenteuern eines englischen Bogenschützen im Hundertjährigen Krieg.
Danach gehe ich raus und löse ich die Proviantpakete vom Baume.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_224_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69659&title=k4&cat=537)http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_227_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69660&title=k4&cat=537)http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_229_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69661&title=k4&cat=537)
Wir frühstücken, bei Barbara und mir gibts Amaranth-Müesli mit Milchpulver, zu meiner allerwenigst geringen Freude ist Pülür gerne bereit, seine Kaffeevorräte mit mir zu teilen, denn meine eigene Capuccinoration ist doch recht knapp bemessen. Ihm sei hierfür an dieser Stelle allerherzlichst gedankt, denn diese Kaffeepartnerschaft hält die ganze Reise über an.

Ich nehme noch ein kleines Sitzbad im Fluß, danach drängt alles zu Aufbruch. Da die kleinste und leichteste Person unserer Truppe der Maßstab für die Furtbarkeit der Gewässer ist, beschließen wir, den Fluß nicht am Zeltplatz zu queren, sondern dem Weg diesseits des Flusses zu folgen und die nächste Furt zu nehmen.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_234_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69663&title=k4&cat=537)http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_237_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69664&title=k4&cat=537)
Wir marschieren, wiederum bei sengender Hitze, stromauf. Nach einigen Kilometern, der Weg führte uns auf der Uferterasse entlang, erreichen wir eine Weggabel, deren rechter Zweig nordwärts, in ein Seitental zu einer eineinhalb Tage entfernten Evenensiedlung führt. Diese ist nicht unser Weg. Unser Wegzweig biegt wieder dem Flußufer zu und endet, zwischen Wiesen mit nahezu mannshohen Gras und Stauden an der zweiten sich uns bietenden Furt.

Schnellströmend und tief legt sich die Bystraja uns in den Weg, ihrem Namen alle Ehre machend. Bystraja heist so viel wie "Schnellströmende", um den angelnden Heiko zu foppen, versuche ich ihn glauben zu machen, es bedeute "brassenreiche" :bg:).

Ich beschließe die Furt zu erkunden, ich muss zugeben, dass es die Hitze ist, welche mich in die Fluten treibt. Ich entledige mich meiner Kleidung bis nördlich des Äquators, schon nach zwei Schritten reicht das Wasser bis über die Oberschenkel wenige Schritte weiter gischten die Wellen bis an Bug-und Achtersteven. Ich stemme mich breitbeinig in die Strömung, aber das Flußgeröll ist sehr glitschig, obwohl das Gestein an sich porös ist. Um nicht umgerissen zu werden muß ich stets einen Schritt stromauf setzen, ich habe kaum ein Drittel durchquert, als ich unvermittelt von einem stärkeren Strom erfaßt werde, welcher mir fast die Füße entreißt und Geröll über und unter die Zehen schiebt. Meine Lekis fangen an, heftig im Gespül zu zittern. Ein Blick zum anderen Ufer verrät mir, daß ich noch nicht mal in der Hauptströhmung bin, somit breche ich den Querungsversuch ab. Da es mir schwer möglich ist mich zu drehen, bewege ich mich wie ein Dwarslöper zu unserem Ufer zurück.
Barbara macht einen weiteren Versuch, da ich hoffe, die eigentliche Furtstelle verfehlt zu haben, aber auch sie schaft es kaum auf den Beinen zu bleiben.

Heiko gibt uns nochmals zu bedenken, dass selbst, wenn es irgend jemand schaffe, hinüber zu gelangen, es schwerlich der gesamten Truppe gelänge. Dem ist nicht hinzuzufügen, zumal ich meine Zehen nicht mehr spüre und diese sich erst langsam wieder schmerzend in Erinnerung bringen, dabei bin ich recht kältefest.

Also machen wir uns auf, den Fluss, nunmehr ohne Weg, weiter stromauf zu wandern. Zunächst durch mannshohes Gestaude, über sumpfige Buckel und Bäche, mal durch Weidendickicht, das den Blick kaum weiter als 10 Meter frei gibt, es ist nicht einfach, einen gangbaren Weg zu finden, welcher eine quer eingeschlaufte Isomatte hindurch läßt.

Wer eine Bärenglocke besitzt, hat diese auch ausgelöst, von selbst vermag man ob der geringen Sichtweite keinen nötigen Mindestabstand (15-20m) zu Meister Petz einhalten. Irgendwann gelangen wir an einen zu querenden Nebenfluss, welchen wir wohl einen Halbkilometer oberhalb seiner Mündung queren. Er ist nicht sehr breit aber doch steißtief.

Das Wasser fehlt nun in der Bystraja, das macht uns Mut, nunmehr eine weniger schwere Furtung zu finden. Daher steuern wir unsere Schritte wieder ihrem Ufer zu, queren einen ihrer Seitenarme, gehen einer auwalddickichtbedeckten Insel entlang, indes ohne ein Anzeichen einer gangbaren Querung zu finden. Dafür stoßen wir auf einen Pfad, welcher uns ein wenig zügiger voran kommen läßt. Auf einem gerölligen Uferstreifen halten wir Mittagsrast. Hier baden wir, essen und pausieren. Allda direkt am Strome hält ein Lüftchen die Mücken und Bremsen in Schach, denn diese sind uns, so meinen wir, seit wir uns ins Dickicht begaben, zu einer wahren Plage geworden.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_257_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69666&title=k4&cat=537)http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_260_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69667&title=k4&cat=537)

Ich hatte nicht geahnt, das ich ein Moskitonetz besäße, aber plötzlich zaubert Barbara ein solches, selbstgefertigtes hervor. Nach der Pause folgen wir dem Ufer weiter stromauf. Wieder können wir den einen oder anderen Pfad nutzen, wir wissen nicht von wem sie Stammen, ob Bärenpfad oder menschlich, zumindest finden sich Zeugen menschlichen Daseins, in Form von Lagerfeuerspuren und einer alten Zobelfalle.http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_256_von_1441_.jpg NAch einer Weile bemerke ich, das die Mücken mir während der Pause die Füße recht zerstochen haben müssen, in den Lundhags bemerke ich ein Anschwellen der Knöchel und des Rists, inklusive Juckreiz, aber was solls, da kann man im Moment nichts machen.
Allmählich wird der Ufersaum zwischen Fels und Fluß immer knapper und dann stehen wir vor einem senkrechten, steilen Prallhang, den man auch nicht entlangwaten kann.

Zeit für eine Trinkpause, kurze Beratung und Insektenschutzauftrag, sowie juckende Stiche "blitzdingsen". Heiko und Sven beschließen, den Fels emporzuklettern, um eine gangbare Umgehung zu finden. Mir behagt solches nicht, im unteren Teil besteht der Fels zwar aus gut verpreßtem Sediment, aber darüber lagert eine zig Meter dicke Schicht Auswurfmaterial, welches dem Schuttkegel am Wandfuße nach recht lockerer Konsistenz ist. Meine Bedenken werden durch Warnrufe und Steinschlag von oben bestätigt. Es sei recht gefährlich, aber man könne nicht mehr zurück, heißt es.

So nehmen wir unten gebliebenen einen flacheren Aufstieg, zwische Bäumen, einige 100 Meter weite flussab, aber noch immer mit mehr als 50° Steigung. In diesem Hang leben keine Säuger, die Mücken freuen sich über uns unerwartete Warmblüter. Oben angekommen, wohl 100 m über dem Fluß, treffen wir zu unserer Freude auf einen Reit- und Bärenpfad und kurz darauf auch auf Heiko und Sven. Wir gehen über die waldige Höhe, den Pfad entlang und bemerken Bärenlosung, Spuren und Kratzbäume. Dann geht es wieder Talwärts, auf eine niederer Hangterasse mit Wachholderheide bewachsen. Wir streben wieder dem Flusse zu. Als wir das Tal einsehen können, bemerken wir zu unserer Überaschung am anderen Ufer eine Hütte, mit Stauwehr und einer dahinführenden Fahrspur.

Leider ist all das für uns nicht erreichbar, wir arbeiten uns, bei sinkender Sonne, insektenumsummt durch die Wachholderbüsche um letztendlich einen Geröllhang hinunterrutschend ein den Auenwald begleitenden Sumpf zu erreichen, welcher durchschritten wird. Wir suchen im Weidendickicht nach einer Möglichkeit ein Lager für 5 Zelte zu finden, finden einen solchen auch, nahe eines Kiesstrandes. Die Beschaffenheit der Bystaja und das vorhandensein eines größeren Lagerplatzes läßt uns hoffen am nächsten Morgen eine gangbare Furt zu finden, dieses hebt die Stimmung um einiges, sie war in den letzten Stunden ob der Strapatzen (mit unter haben wir für 700-800 m eine Stunde gebraucht) etwas gedrückt.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_232_von_1441_.jpgSauviehcher

Wir baden im Fluß (es fällt leicht, ins Wasser zu kommen, denn steht man erst mal nackt am Ufer, verspührt man sofort ein Kribbeln und Pieksen am ganzen Körper, welches abrupt aufhört, wenn man untertaucht), kochen und essen und fallen bald zu Sack, da das Mückenaufkommen hier im Auwald auch nicht zum außerzeltigen Verweilen einlädt.

Außerdem sind wir platt!!!

Auf ein Hängen des Proviants wird verzichtet, Kein Baum ist höher, als ein Bär reichen oder biegen kann.

Wir folgen der hierzulande bewährten Methode, den Proviant in Lagermitte zu platzieren.

codenascher
23.09.2012, 21:18
17.07.2012

Der wahrscheinlich größte Nachteil an Gruppenreisen sind Rumgetrödel und lange Wartezeiten. Beinahe zwei Stunden nach geplantem Start ging es endlich los. Dies soll sich den Großteil der Tour auch nicht ändern...

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Welch schönes Licht am Morgen

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Zusammenpacken

Weiter ging es unseren bekannten Weg folgend. Nach einer knappen Stunde erreichten wir die nächste Furtmöglichkeit. Der Fluß breit, schnell und soweit wir sehen konnten tiefer als an der gestrigen Stelle.
Arne startete als erster nur in Shorts, Tshirt und Tevas. Leider ohne Erfolg... Noch vor der Hälfte gab er auf. Das gleiche probierten auch noch Heiko, Barbara und Kathrin vergeblich.

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An der Furt

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Als die durch die Kälte geschundene Haut wieder normal gefärbt und somit auf normale Körpertemperatur erwärmt war, überlegten und besprachen wir Plan B. Diverse Möglichkeiten auf unserer Karte wurden durchgekaut, bis Arne von einer kleinen Exkursion aus dem hohen Gras wiederkam und uns von einer alten zugewachsenen Piste berichtete. Diese wählten wir auch.

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Was passiert mit einem G1000 Hut voller Wasser den Frau auf den Kopf setzt?

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Richtig, trotz der Wärme um Frau herum ist es erstmal sehr "erfrischend"



Ich ging mit meinem Bärenglöckchen am Stock voran. Die Vegetation wurde dichter, bis wir teilweise bis zur Brust durch Strauch, Dornen und Gebüsch gingen. Die Bärenglocke war eigentlich gar nicht nötig, taufte mich Kati dank meines lauten Organs bereits am ersten Tag „Bärenglocke der Tour“ :bg:

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Findet den (nicht)vorhandenen Weg...


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Wildniss pur

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Weiter ging es mehr oder weniger ungefähr der Bystraja folgend. Nach dem ersten Bach den es zu queren galt liefen wir noch ein kleines Stück und machten dann direkt an der Bystraja eine längere Mittagspause. Da es heute ebenfalls wieder so warm wie Gestern war, war dies auch die einzige sinnvolle Entscheidung. Den einzigen Vorteil den die Mittagshitze bietet ist Mückenfreiheit!!! Ein Teil unserer Gruppe schwang sich wieder in die Fluten während der Rest eher matt am Flußrand lag. Ich gönnte mir eine gute Stunde „Augenpflege“
Danach wurde der Weg leider noch immer nicht leichter. Unwegsames Gelände so weit das Auge reicht... Brusthohe Vegetation, Wasserführende Rinnen und irgendwann eine Felswand hielten uns auf bzw. stoppten uns komplett.
Die kurze Pause hier ließ mich mal wieder ein wenig die Geduld verlieren. Ich ging ein kurzes Stück zurück zu einer nicht gänzlich steilen Wand. Ein Scramble zweiten bis dritten Grades, ungefähr 40 Meter hoch. Geguckt und hoch. Ohne Gepäck hoch wars auf jeden Fall für mich schon einmal easy. Runter wurde es schon spannender, da der Fels alles andere als stabil war. Eigentlich gar nicht zum halten, da man mit jedem Griff Gestein lockerte. Mir war das egal. Heiko auch :bg: Wir trennten uns von der Gruppe und kletterten mitsamt unserer Rucksäcke den Hang hinauf.

Der Rest ging ein Stück zurück und folgte einem kleinen Pferdepfad den irgendjemand der Gruppe zuvor entdeckte.
Heiko und ich saßen eine gute halbe Stunde über unserer Kletterei, scherzten und aßen ne Tüte Beef Jerkey – geiles Zeug – Genau die Art von Belohnung, die ich bisher auf Tour vermisst hatte!
Unser Fazit zu der Kletterpassage: Nicht ungefährlich, grenzwertig, aber Geil :bg:

Wir machten uns durch rufen und Trillerpfeifen auf einander aufmerksam, da der Rest der Gruppe nochmal ein paar Meter über uns war. Als wir wieder vereint waren, folgten wir dem Pferdepfad weiter. Es ging hoch und runter, hoch und runter. Auf dem folgendem Plateau machten wir abermals ein kurzes Päuschen, mittlerweile war eigentlich schon Abendbrotzeit, und sahen auf der anderen Flußseite ein kleines Häuschen. Wir glaubten an eine Unterkunft, da es anscheinend sogar ein separates Klohäuschen zu geben schien. Außerdem glaubten wir auch eine Furt am Flussufer zu erkennen. Die Stimmung stieg!
Weiter ging es über das Plateau, Fjellartig, das wollte allerdings einfach nicht enden. Mücken Mücken Mücken...
Allmählich schwand auch das Tageslicht, die Stimmung mittlerweile wieder zu Recht auf dem Tiefpunkt, schleppten wir uns so dahin... Runter ging es endlich, allerdings steil und mit Bäumen und Sträuchern zugewuchert. Hmm, eine Furt machten wir nicht aus. Einen geeigneten Zeltplatz auch nicht. Die Mücken, mittlerweile in Legionsstärke um uns herum. Wir schlugen uns durch einen kleinen Streifen Wald, gelangten an das Ufer der Bystraja. Hier konnte ich endlich meine Wasservorräte auftanken, ging ich seit Stunden schon am Limit, und mich Mücken sicher einpacken. Das auftanken wäre eigentlich nicht nötig gewesen, als ich zum Rest der Gruppe aufschloss, rastete diese an einer kleinen Lichtung im Wald – Ein Zeltplatz groß genug für alle Zelte – Jackpot!!!

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Ein Geschenk des Himmels

Heiko, Kathrin und Barbara sind noch ein Stück weiter, mittlerweile im dunklen, in der Hoffnung auf die Furt. Aber sie fanden weder die Furt, noch sahen sie die Hütte am anderen Ufer...

Wir aßen nur noch unser Abendbrot und fielen nach diesem wirklich anstrengenden und langen Tag nur noch in die Schlafsäcke!

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Dank Heikos Stativ gelangen auch solch tolle Aufnahmen - Die Bystraja!

Schmetterling
23.09.2012, 21:18
Ab in die Wildnis (17.7.2012)

Als ich nach einer wunderbar erholsamen ersten Nacht die Augen aufschlage, grinsen mir durch das Innenzelt bereits wieder meine kleinen Freunde entgegnen, die nur darauf warten, dass ich mich ins Freie wage. So klatsche ich mir denn statt einer Morgenwäsche gleich wieder eine Ladung Gift in das noch schlaftrunkene Gesicht und stelle mich dem Kampf. Ich entsinne mich des Mückennetzes und probiere es gleich mal aus – herrlich! Nun kann ich die Welt mit ihren Mückenschwärmen sehr entspannt betrachten. Alle Mücken, die sich ins Netz verirren, fallen der Imprägnierung zum Opfer, hehe. Zwar sehe ich die Landschaft um mich mit einem leicht grünen Schleier belegt, aber das ist mir die Ruhe allemal wert. Das Aufbrechen zieht sich noch ein wenig und ich gehe mit der Kamera auf Blumenjagd. Als wir endlich loskommen, ist es schon wieder ordentlich heiß und an ein Gehen mit dem Netz ist leider nicht zu denken. Der breite Fahrweg zieht sich eben das Flusstal entlang und ich habe genug Zeit, mir ausgiebig Sorgen zu machen. Darüber, wie lange wohl das kleine Fläschchen Sonnencreme reichen würde. Bei dieser Hitze ist es für mich eine Horrorvorstellung, in langen Hosen laufen zu müssen und ich sehe mich schon krebsrot und mit sich ablösenden Hautschichten in Esso ankommen…
Zum Glück sollten wir bald ein ganz anderes Problem haben. Dann nämlich, als wir nach ca. vier Kilometern an die Furt kommen. Breit lacht uns die Bystraja entgegen. Mit mulmigem Gefühl sehe ich sowohl Arne als auch Barbara und Kathrin kämpfen und scheitern, als sie nicht einmal die Hälfte des Stroms überquert haben. Und das ohne Gepäck. Meine Furterfahrung begrenzt sich auf lächerliche Rinnsale in Norwegen, aber das hier ist ein anderes Kaliber. Meine Nervosität steigt, aber ich weiß, dass ich mich auf das Urteil der Erfahrenen verlassen muss und werde. Wenn es das Kommando zum Furten gibt, stürze ich mich hinein, Lust habe ich aber nicht wirklich. Glücklicherweise entscheiden wir uns dagegen, da Kati und ich als Gruppenkleinsten der Strömung nicht viel entgegen zu setzen haben. Mir fällt ein Stein vom Herzen.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Ab_in_die_Wildnis.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=59711&title=kamtschatka-wildnis1&cat=30)
Ab in die Wildnis

Barbara übernimmt nun das Kommando, heißt uns alle lange Kleidung anziehen und führt uns ins Dickicht. Wir wollen uns auf dieser Uferseite flussaufwärts schlagen und nach einer besseren Furtstelle Ausschau halten. Die Bärenglocken werden in Betrieb genommen und wir tauchen bimmelnd und rufend („Bärchi, wo bist du!“) in die Wildnis Kamtschatkas ein. Im Gänsemarsch bewegen wir uns langsam durch niedrigwüchsigen Auwald, im Storchenschritt über tote Bäume und Grashügel schreitend und regelmäßig in Löcher versinkend. Der Schweiß strömt, es ist eine riesige Plackerei, über die wir sogar fast die Attacken der ausgehungerten Blutsauger vergessen. Abwechslung bieten eine kleinere Furt und das Überqueren eines Heidehügels mit anschließender senkrechter Rutschpartie nach unten. Erneut ein Stück Wald, dann machen wir am Flussufer Mittagspause.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Mittagspause1.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=59718&title=kamtschatka-mittagspause&cat=500)
Mittagspause

Wir sind nicht weit gekommen, aber alle bereits ordentlich geschafft. Auch hier haben wir wieder die Wahl, ob wir uns in die pralle Sonne legen und vor Mücken sicher sind, oder ob wir uns ihren Stichen im kühlen Schatten aussetzen wollen. Nach einer ausgiebigen Pause kämpfen wir uns weiter.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Fluss1.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=59714&title=kamtschatka-fluss1&cat=500)
Immer am Wasser lang

Der Wald öffnet sich und wir betreten eine Wiese, deren Bewuchs uns bis an den Hals reicht. Meine Stimmung schwankt zwischen Begeisterung (wann darf man schon mal durch so eine tolle Wiese laufen…) und zunehmender Gereiztheit. Die Gräser stehen in voller Blüte und pusten ihre Pollen praktischerweise direkt in meine Nase. Ich habe zwar eine Heuschnupfentablette genommen, gegen diese massiven Angriffe hilft aber nichts mehr. Schniefend, niesend und mit brennenden, tränenden Augen kämpfe ich mich weiter und wünsche mich weit weg von hier. Das Gelände ist von zahlreichen sehr tiefen und nahezu unsichtbaren Wassergräben und Löchern durchsetzt und entsprechend langsam bewegen wir uns fort. Barbara watet Stunde um Stunde tapfer voraus und gibt die Warnungen vor den Hindernisse nach hinten weiter.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Gras.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=59715&title=kamtschatka-hohes-gras&cat=500)
Hier könnte mal wieder gemäht werden...

Schließlich macht ein Steilhang das Weitergehen unmöglich und so heißt es Umdrehen, irgendeine flachere Stelle suchen und das Ganze nach oben hin umklettern. Die Stimmung ist nicht gerade euphorisch, aber es hilft nichts. Sven und Heiko scheitern unter Steinhagel fast am steilen Abhang, so dass wir anderen noch ein Stück weiter zurückgehen, um einen sanfteren Abhang zu suchen.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Hang.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=59716&title=kamtschatka-hang&cat=500)
Ab nach oben

Es ist dennoch unglaublich steil und wir arbeiten uns mit Händen und Füßen durch dichten Bewuchs einen gefühlt senkrechten Hang nach oben. Der größte Teil der Vegetation besteht aus sehr dornigen Rosen und wir prüfen sehr genau, wo wir uns festkrallen können. Vor meinem geistigen Auge sehe ich jeden Augenblick einen Bären aus dem Gesträuch auftauchen, überlege kurz, ob es hier wohl Erdwespen gibt und tröste mich schließlich mit dem Gedanken, dass es hier immerhin keine Gifttiere gibt, die wir aufscheuchen können.
Völlig fertig kommen stoßen wir endlich auf einen gut erkennbaren Pfad, dem wir entlang des Hanges folgen können. Wir sehen zahlreiche frische Bärenspuren und einen geplünderten Baum, was uns leicht nervös werden lässt. Laut redend bewegen wir uns weiter und finden auch bald Sven und Heiko wieder.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/B_renbaum.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=59712&title=kamtschatka-baerenbaum&cat=30)
Der wurde von einem Bären geplündert

Leider verlieren wir diesen Pfad bald wieder und so müssen wir uns durch wegloses Heidegestrüpp kämpfen. Die Sonne taucht schon alles in ein sanftes Spätnachmittagslicht, als wir an einer Kante ankommen, von wo wir weit unter uns die Bystraja wieder sehen können.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Heide.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=59717&title=kamtschatka-heide&cat=500)
Heide - nicht minder mühselig als der Wald

Auf der anderen Seite leuchtet eine Hütte herüber und wir fassen eine leise Hoffnung, dass dort auch eine machbare Furt sein könnte. Wir müssen sowieso weiter flussaufwärts, denn weder hier noch unten am Ufer ist an Zelten zu denken, zu uneben ist das Gelände. Also ackern wir mühsam weiter, rutschen schließlich wieder einen Steilhang hinunter und tauchen erneut ein in den sumpfigen Flusswald. Auch hier von Zeltplätzen nichts zu sehen, erst recht nicht von Wegen oder einer Furt. Wir geben diesen Gedanken auf und konzentrieren uns auf das Finden eines Zeltplatzes, da es bereits kurz vor acht Uhr ist. Es sieht hoffnungslos aus, wir alle sind mit unseren Kräften am Ende und der Heuschnupfen raubt mir den allerletzten Nerv. Schließlich entdecken wir eine kleine erhöhte und etwas trockenere Fläche mitten im Wald, auf die wir mit etwas Mühe alle unsere Zelte stellen können. Ein kleines Wunder am Ende eines langen Tages! Vor Erschöpfung ignorieren wir sogar die Mückenschwärme, froh, überhaupt einen Platz gefunden zu haben. Wir essen schnell und fallen erschöpft ins Bett – wir haben immerhin 15 km geschafft.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Essen5.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=59713&title=kamtschatka-mueckenschutz&cat=500)
Nein, es ist nicht kalt, das ist mechanischer Mückenschutz...


http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Vermummung.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=59719&title=kamtschatka-vermummung&cat=500)
Vermummungsverbot?

Sarekmaniac
23.09.2012, 21:18
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P10701941.JPG[/IMG-L]17.07.2012

Zwei kleine Buchstaben machen den Unterschied vom Weg zum Unweg. Dass der Unweg dann noch Umwege mit sich bringt, kommt dazu.

Auf Unwege begibt man sich meist nicht freiwillig, sondern zum Beispiel, weil eine Furt unpassierbar ist.

Das Gute an Un- und Umwegen ist, dass man Neues, Unbekanntes kennenlernt. Ich lernte an diesem Tag ein russisches Wort. Stlannik. So nennt man auf Kamtschatka die dichte, strauchige Buschvegetation.

Nach unserer Tour durch den Bystrinskij hatten wir ein kleines "Nachgespräch" im Infozentrum. Und auf die Mitteilung, die erste Furt sei nicht passierbar gewesen, kam ein erstauntes: "Ach, das wussten wir ja gar nicht. Da müssen wir mal eine Brücke bauen". Es scheint, dass die Frühjahrsschneeschmelze reichlich Geröll mitgenommen hatte, und wir waren tatsächlichdie ersten Wanderer, die sich in diesem Jahr zu Fuß auf diesen Weg begeben hatten. Die Reiter, die sich in geführten Touren zu Pferd zum Ichinskij-Vulkan aufmachen, bleiben am linken Bystraja-Ufer, auf kleinen Saumpfaden, die ein Gutteil weiter weg vom Fluss verlaufen.

Die Trampelpfade der Pferde haben wir dann auch später am Tag gefunden. In den Karten sind sie nicht verzeichnet, außer in den alten Militärkarten aus den 1940er Jahren, die mir später ein Einheimischer aus Esso wärmstens ans Herz legte - für das nächste Mal.

Morgens lässt es sich eigentlich gut an, auch wenn es wieder unerträglich heiß ist. Die Jeep-Piste erlaubt ein stressfreies Vorankommen. Doch nach sechs km erreichen wir die eingezeichnete Furt, und machen lange Gesichter. Heiko und Arne unternehmen kurze Watversuche, doch das Wasser erweist sich als zu tief und reißend Ich will es natürlich nicht glauben und stake auch noch etwas rum, und muss ebenfalls aufgeben, dabei habe ich die tiefste Stelle noch gar nicht erreicht.

Nach kurzer Beratschlagung laufen wir am falschen Ufer weiter - eine Alternative gibt es ja sowieso nicht. Wir machen auf der Karte einige potentiell watbare Stellen aus, die wir in Augenschein nehmen wollen, und ansonsten heißt der Plan, dann eben an diesem Ufer zu bleiben, auf dass wir laut Karte weiter flussauf später eh wieder zurückwaten müssten.

Kleiner Exkurs in die kamtschadalische Flora

Staudenvegetation - mannshoch,
Gras, schulterhoch
blühende Rosendickichte - hübsch, dicht, hüfthoch, stachelig
Uferbewaldung, Weiden und Birkenstöcke mit weniger als 40 cm Abstand
Weidengebüsch
Erlengebüsch
Elfenkieferngebüsch (selbst von masochistisch veranlagten Wanderern nicht durchschreitbar)
Löcher, Rinnen, Gräben, Sumpflöcher (besonders pikant, da unsichtbar im Falle von Staudenvegetation, mannshoch und Gras, schulterhoch)


Und so kehren wir der Furt den Rücken und gingen weiter. Zunächst ein Stück diagonal weg vom Fluss, in der Hoffnung, dort einen besseren Weg zu finden, doch das Unterholz erwies sich dort als noch undurchdringlicher. Sven Bärentöter geht voran, sein Bärenglöckchen in Dauerbetrieb. Dann löse ich ihn ab, wir versuchen, direkt am Flussufer zu gehen, dort verläuft meistens ein weniger als 1 m schmaler, grasig-schlammiger Uferstreifen ohne höheren Bewuchs. Immer wieder, wenn die Bäume doch bis ans Ufer stehen, heißt es einen Schlenker in den Wald drehen, oder sich wie Tarzan direkt über dem Wasser um einen Stamm herumschwingen. Wir queren einen größeren Zufluss der Bystraya und dann längs der Ufer viele kleine Bäche, manchmal ausgetrocknet zu schlammigen Rinnen, manchmal trockenen Fußes, manchmal muss man ein Stück landeinwärts den bach entlang gehen, um eine Stelle zum Queren zu finden.

Da ich kein Bärenglöckchen habe, rufe ich, wenn ich vorangehe. "Hallo, Bär. Hallo, Bär. Hallo, Bär". Denn immer wieder ist das Gras und Gestrüpp vor mir niedergewalzt (eigentlich recht praktisch), wir sehen auch Spuren. Die Bären wandern gern direkt am Ufer lang.

Es ist anstrengend, das Dickicht ist wild, wir kommen nur im Zeitlupentempo voran, aber es macht unglaublichen Spaß. Auf leichten, gebahnten Wegen macht man Kilometer, schnell kommt man ins "Latschen". doch hier ensteht sofort 100%-ige Konzentration: Blick aufs Gelände, Spannung, was hinter der nächsten Flussbiegung kommt, immer auf die Füße achten, mit denen man blind im Gras- und Gestrockmeer herumtastet, Staunen über die absolut unglaubliche Vegetation. Und so übel ist das Laufen direkt am Fluss gar nicht, zumindest so etwa 3 Stunden lang. Da geht es nämlich wieder um eine Biegung und es zeigt sich, dass der auf der Karte eingezeichnete Steilhang über 200, 300 m Länge tatsächlich direkt bis ans Ufer geht: Das strömende Wasser prallt gegen den blanken Fels, nach einem kurzen Versuch, stromaufwärts zu waten, blase ich zum Rückzug.

Flucht nach oben, heißt die Devise, und Sven und Heiko entscheiden sich für die "Diretissima". Wir anderen gehen lieber einige Hundert Meter zurück, wo es etwas flacher ist und vor allem der Untergrund mit Buschwerk und weiter oben mit Bäumen bewachsen. Auf allen vieren bewege ich mich den Hang hoch. Ich weiß jetzt, dass sich Rosengebüsch hervorragend unterkriechen lässt.

Nach einer kurzen Verschnaufpause geht es oben durch Wald und Gestrock weiter: Heide, Blaubeere, Wacholder und Zwergkiefer. Eine Zeitlang folgen wir einem Reiterpfad, doch der führt weg vom Fluss, zu dem wir wieder runter müssen. Denn hier oben fließt kein Tropfen Wasser, es ist schon spät, und wir hoffen auf eine Watstelle gegenüber einer eingezeichneten Hütte.

Ebenso brutal steil wie hinauf geht es auch wieder runter zum Fluss. Als wir das Ufer erreichen stoßen wir wenig später auf einen winzigen geräumten Flecken im Dickicht, alte Spuren abgesägter Äste verraten, dass hier Menschen einmal einen Lagerplatz errichtet haben.

Die Abendkühle ist schon hereingebrochen, Startsignal für ein infernalisches Mückenheer, das gnadenlos über uns herfällt. Und wir dachten, wir wären mittlerweile einiges gewohnt. An der potentiellen Watstelle, die wir oben vom Steilufer ausgemacht haben, sind wir schon vorbei. Katrin, Heiko und ich gehen zurück um sie in Augenschein zu nehmen und vielleicht noch einen besseren Zeltplatz zu finden. Doch an waten ist nicht zu denken, und der ganze Untergrund ist uneben, sumpfig, mit hohen Stauden und Gras bewachsen. Das kleine fleckchen, was wir gefunden haben, ist wirklich das reinste Wunder - die Belohnung für einen harten, langen Tag. für die neun querfeldein km ab der Furt haben wir fast genausoviele Stunden gebraucht.

Wir stellen die Zelte im engen Kreis, kochen und essen rasch und stapeln die Essbeutel in der Mitte unserer kleinen "Wagenburg" auf. Und dann nichts wie in den Schlafsack, ich schlafe wie ein Stein.


[img]http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P1070189.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=59976&title=p1070189&cat=500)
Schöner Morgen, easy going.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P1070192.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=59977&title=p1070192&cat=500)
Sven Bärentöter...

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P1070193.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=59978&title=p1070193&cat=500)
...geht voran.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P1070203.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=59982&title=p1070203&cat=500)
Wir sind alle ganz entspannt.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P10702001.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=59981&title=p10702001&cat=500)
Ein etwas größerer Bystraya-Zufluss.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P1070195.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=59980&title=p1070195&cat=500)
Die Leitflora des Tages war die wilde Rose.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P1070204.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=59983&title=p1070204&cat=500)
Das Steilufer hinauf...

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P1070208.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=59987&title=p1070208&cat=500)
... und eine kurze Rast.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P10702061.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=59984&title=p10702061&cat=500)
Suchbild mit Göttergatte.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P1070210.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=59985&title=p1070210&cat=500)
Alles schläft, einer wacht: Trunki bewaehrt sich als homöopathischer Abwaehr-Baer.

willo
23.09.2012, 21:25
So, der 16. wurde von codenascher noch nachgetragen und der 17. ist nun auch online...

Vegareve
23.09.2012, 22:50
Interessant. Die Landschaft wäre aber nichts für mich (und die Mücken erst recht nicht).

Was für Bären gibt es dort?

Homer
23.09.2012, 22:54
Was für Bären gibt es dort?

kamtschatkabären (http://www.vox.de/tiere/lexikon/tier-detail/id_animal/180);-)

chri1
23.09.2012, 23:01
Hm, ich glaube die Landschaft, die man als Tourist dort sucht, ist bisher noch nicht voll zur Geltung gekommen.
Bei den Mücken wundere ich mich allerdings etwas, da sind Leute in kurzen Hosen und kurzen Hemden unterwegs und haben gleichzeitig ein Moskitonetz auf.
Kamtschatka wäre auf jeden Fall auch auf unserer Reiseliste, da wir die wochenlangen Reisen aber eher mit Rad machen, müssten wir mal umdisponieren.

Die Berichte sind interessant zu lesen, ich hoffe ihr haltet bis zum Ende durch.

PS zum Bären: muss wohl einer der grössten sein (nach dem Kodiak), zudem gibt Kamtschatka mit der grössten Bärendichte der Welt an, insofern bin ich mal gespannt auf eure ersten Sichtungen

PPS ich hatte auf meiner Russlandreise diesen Sommer mal einen Abend in einem Container von meinem einladenden Zimmernachbarn einen sehr schönen russischen Naturfilm über Kamtschatka gezeigt bekommen

willo
23.09.2012, 23:09
Bezgl. der Mücken gab es komplett unterschiedliche Wahrnehmungen. Ich fand es auf dem Kungsleden schlimmer (wenn auch nicht wirklich schlimm) und habe kein Mückennetz dabei gehabt und in drei Wochen eine halbe Flasche Mückenmittel verbraucht und dabei noch ordentlich was abgegeben. Andere haben zeitweilig kaum etwas ausser den Mücken wahrgenommen und bereits nach der ersten Woche fast eine ganze Flasche leer gehabt.
Unstrittig ist jedoch, dass es sehr viele Mücken gibt und man sich dagegen schützen sollte. Das Ausmass hängt dann vor allem davon ab, wie doll einen die Stiche stören. Wer panisch auf Mücken reagiert sollte evtl. solche stark von Mücken heimgesuchten Gebiete meiden, oder eben nonstop nachsprühen und Mückennetz tragen.

Goettergatte
24.09.2012, 14:22
Auf grund der Temperaturen mochte ich nicht auf kurze Klamotten verzichten,
andererseits wollte ich mir auch nicht ständig die Chemie ins Gesicht schmieren,
daher Mückennetz und Kurzbeinig/-ärmelig.
Die Viiehcher springen wohl auf Wärme und Geruch an,
Wer eine minimal erhöhte Temperatur, als seine Partner hat, (1/4° mag reichen)
und dazu stärker schwitzt, wird auch erheblich stärker angeflogen.
Des weiteren stören mich Stiche an den Armen und Beinen weniger,
im Gesicht, Rücken, Hintern, Lenden, Hals, Füßen und Knöchel erheblich mehr,
was das Waschen und Verklappen erheblich erschwerte.

dfens
24.09.2012, 20:58
was das Waschen und Verklappen erheblich erschwerte

Schön formuliert! : )

ühürü
04.10.2012, 21:55
Unstrittig ist jedoch, dass es sehr viele Mücken gibt und man sich dagegen schützen sollte. Das Ausmass hängt dann vor allem davon ab, wie doll einen die Stiche stören. Wer panisch auf Mücken reagiert sollte evtl. solche stark von Mücken heimgesuchten Gebiete meiden, oder eben nonstop nachsprühen und Mückennetz tragen.
Das Ausmaß hängt auch vor allem davon ab, wie häufig man gestochen wird und wie der Körper auf die Stiche reagiert, denn das ist eben sehr verschieden und nicht unbedingt eine Frage von Willen oder Einstellung...

Zum Thema Mücken mal eine wissenschaftliche Perspektive: http://detektor.fm/kultur/forschungsquartett-mythos-muecke-un-geloest/

Ich gehöre zur Spezies der "Mückgneten", und nein, das ist keine Einbildung. Selbst wenn ich mich mit Repellent eingeschmiert habe und am rauchenden Lagerfeuer sitze, scheine ich für Stechmücken attraktiver als meine Sitznachbarn. Erkennbar an der Zahl der Stiche. Allerdings ist der Göttergatte mir mindestens ebenbürtig ;-).

Zudem reagiere ich meist mit ziemlichen Schwellungen, was früher gerade auf Wanderungen durchaus ein Problem werden konnte: Ein Stich in den Fuß genügte, damit selbiger zu einem elefantösen Klumpen mutierte; das (Wander-)Schuhanziehen war dann für mindestens einen Tag unmöglich. Nicht gefährlich, also nix in Richtung anaphylaktischer Schock oder so, aber doch sehr lästig und schmerzhaft. Einnahme von Antihistaminika hilft etwas, aber für mich entpuppte sich erst das hier schon erwähnte "Blitzdings" als Segen. Deswegen hatte ich auch insgesamt drei Stück davon dabei.

Auch wenn manche aus unserer Gruppe es mit Skepsis betrachten, meiner Erfahrung nach reduzieren Clickaway-Geräte tatsächlich Juckreiz und - noch wichtiger - Schwellungen, so dass mich Mückenstiche nicht mehr so beunruhigen, wenn auch nicht völlig kaltlassen. Auch die Wirkung von Wespen- und Bremsenstichen ist damit gut zu bekämpfen. Apropos Bremsen: An diesem schicken Steilhang bekam ich, als ich zwecks Wasserzufuhr mein Mückennetz nochmals mal kurz anhob, meinen zweiten Bremsenstich binnen 20 Minuten in die Oberlippe. :ignore: Fiese Viecher. Am folgenden Morgen entschloss ich mich, trotz Blitzdings-Verpackungshinweis, nicht im Gesicht zu blitzdingsen, meine Oberlippe mit Stromstößchen zu malträtieren. Zwiebelte ordentlich, wirkte aber auch außerordentlich: endlich ließ die Spannung in meiner auf dreifache Dicke gewachsene Oberlippe etwas nach und ich sah laut codenascher "nicht mehr ganz so furchtbar" aus, sondern irgendwie wieder fast normal... :bg:

Ich konnte die Landschaft jedenfalls trotz Mückenansturms genießen. ;)

Obwohl für mich gerade aufgrund meiner eingangs erwähnten alten Hüftgelenksschäden, damit einhergehender muskulärer Probleme und wegen meines ebenfalls gesundheitlich bedingten eher schlechten Gleichgewichtssinnes die unwegsame Strecke verdammt anstrengend war, fand ich es bei aller Erschöpfung gleichzeitig grandios, dort zu sein.

Blöd für mich war das Gefühl, unsere Gruppe auszubremsen (ohne dass mir jemand einen direkten Vorwurf gemacht hätte). Ich hatte beim Stapfen durchs hohe Gras und Gestrüpp das Gefühl, die meisten kommen super klar und nur ich finde es mühselig, nie zu wissen, ob ich beim nächsten tastenden Schritt wieder in ein Erdloch trete oder an einer Wurzel hängenbleibe oder im Morast lande. Irgendwie hatte ich vor Ort den Eindruck, alle anderen sind leichtfüßig und unbeschwert unterwegs. ;) Solches Gelände hatte ich in der Tat nicht erwartet. Aber ich habs nie bereut, dort zu sein, auch wenn ich stellenweise vor Anstrengung und Muskelschmerz in Wutgeheul ausbrach.

Jens2001
05.10.2012, 20:48
landschaftlich gibt die Gegend meist erst was her wenn die Vulkane zu sehen sind.... dann aber wow wow wow

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nur ne kleine Auswahl meiner Bilder und dann soll mal noch einer sagen, dass Kamtschatka landschaftlich nichts hergeben würde...

lg Jens

ühürü
06.10.2012, 14:22
Menschen sind verschieden. Vielleicht bin ich ja leicht zu beeindrucken, ich find ja auch schon das Schiefergebirge in Thüringen wunderbar - jedenfalls fand ich es auch ohne Aussicht auf Vulkane nicht öde und langweilig/eintönig/unspektakulär. ;-)

Ich fand es eigenartig und schön zu wissen, dass ich (in Bezug zu meinem Hauptaufenthaltsort) am anderen Ende der Welt bin (nach Tansania/Kilimanjaro meine zweite Fernreise), dass hier über viele Kilometer außer uns keine anderen Menschen sind, dafür aber Bären, auch wenn ich nicht sie selbst, sondern nur ihre Spuren sehe. Mich hat Kamtschatka nie enttäuscht, ich wollte in der Natur und Wildnis unterwegs sein - und das war ich eindeutig. :bg: Das Wort Dickicht hat für mich eine ganz neue lebendige Kraft. :ignore: Und es gab auch an den ersten Tagen genügend Stellen, an denen ich den Blick auf grüne Wildnis bis zum Horizont genießen konnte.

codenascher
07.10.2012, 12:18
Jo Jens, hörst du bitte auf unseren tollen Reisebericht mit deinen geilen Bildern zu garnieren :grrr: Da konnten wir bis jetzt ja noch nicht mithalten ;-) Mach lieber nen eigenen Faden auf :bg:

Jens2001
07.10.2012, 12:50
Jo Jens, hörst du bitte auf unseren tollen Reisebericht mit deinen geilen Bildern zu garnieren Da konnten wir bis jetzt ja noch nicht mithalten Mach lieber nen eigenen Faden auf

hm... die Bilder gingen eigentlich nicht gegen euren Reisebericht.... sondern PRO Kamtschatka!!!!

Weil ich das mit den "nicht so tollen Landschaften" einfach ein für alle mal ausräumen wollte...

Ich liebe dieses Stückchen Erde!

lg Jens

codenascher
07.10.2012, 13:06
Sers Jens,
Ich hab auch nicht behauptet, dass deine Bilder "gegen" unseren Reisebericht sind. Des war eher spaßig gemeint! Mich wurmt es selbst ein wenig, dass wir hier nicht so aus Potte kommen und die richtig geilen Bilder posten!

Und ich würd mich dennoch über einen eigenen Faden mit erlebnissen von dir freuen (Wink mit dem Zaunpfahl ;)

Jens2001
07.10.2012, 13:37
Und ich würd mich dennoch über einen eigenen Faden mit erlebnissen von dir freuen (Wink mit dem Zaunpfahl ;)

Wenn ich mal mit meinem Amazonas Bericht fertig bin.... aber ich habe bis jetzt 8 1/2 Monate in Kamtschatka verbracht... das wird dann ja richtig Arbeit.... ich weiß nicht ob ich das wirklich in Angriff nehmen möchte... :ignore:

Enja
07.10.2012, 16:27
Bislang frage ich mich eigentlich auch, warum man so weit fliegen muss, um in so einer unspektakulären Gegend zu landen. Macht doch mal hinne......

Jens2001
07.10.2012, 18:38
Bislang frage ich mich eigentlich auch, warum man so weit fliegen muss, um in so einer unspektakulären Gegend zu landen.

weil Kamtschatka unbeschreiblich schön ist!

Goettergatte
07.10.2012, 19:28
Bislang frage ich mich eigentlich auch, warum man so weit fliegen muss, um in so einer unspektakulären Gegend zu landen. Macht doch mal hinne......

Hör mal auf hier rum zu stänkern :bg:

nicki1005
20.10.2012, 09:19
Wann geht es denn hier weiter, bei euch??? Ich finde euren Bericht spannend zu lesen! Ich mag die vielen verschiedenen Perspektiven :D
LG Nicki

willo
25.10.2012, 22:42
18.07.2012

Unsere neue Taktik in Sachen aufstehen geht fast auf und wir kommen relativ pünktlich los. Allerdings ist das Mückenaufkommen hier wirklich heftig und beschleunigt etwas das sonst übliche mehrgängige Frühstück. Die Landschaft will noch keinen Frieden mit uns schliessen und wir müssen nach kurzer Zeit am ebenen Flussufer an einem wirklich steilen Hang entlang hangeln. Der Gesundheit der eh schon Angeschlagenen ist das nicht wirklich zuträglich und schon kurz nach dem Start zerfällt die Gruppe wieder in eine längere Schlange aus Kleingruppen. Das Gelände bleibt unwegsam und es geht extrem langsam voran. meine persönliche Stimmung ist allerdings noch sehr gut, da ich keinerlei Beschwerden habe und auch die Sonne sich noch dezent zurückhält.

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kamtschatka (25 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358005/kamtschatka-25-von-199-.cfm)

Obwohl ich eine solche Landschaft so noch nicht gesehen habe finde ich sie recht eintönig um nicht zu sagen öde. Es bieten sich über lange Strecken kaum Fotomotive und die erhoffte Vulkan/Alpinlandschaft ist nirgends in Sicht. Am ehesten erinnert mich das ganze mit den mit niedrigen Buschwerk überzogenen Hügeln an das südliche Fjäll in Schweden. Trotzdem ist die Landschaft interessant und es gibt immer etwas zu entdecken. Am liebsten würde ich allerdings eine Furtmöglichkeit entdecken die uns das deutlich schnellere Vorankommen auf dem an anderen Ufer liegenden Weg ermöglichen würde. Gegen eine sichere Furtmöglichkeit legt Barbara ein deutliches Veto ein, da sie auf der Karte irgendetwas sieht was ich nicht sehe und die nächsten Stunden von einer "offiziellen" Furtstelle spricht die wir bald erreichen würden. Also geht es am Ufer weiter, immer wieder Sumpfstellen und dichte Birkenwälder umlaufend. Gegen Mittag erreichen wir eine Stelle an der erneut eine Furt möglich scheint und ein weiteres Entlanglaufen am Ufer immer unmöglicher. Sven und ich probieren die Furt ohne Gepäck aus und entscheiden uns für einen Zick-Zack-Kurs über zwei Sandbänke durch den hier ca. 100m bereiten Fluss. Mehr als die Strömung machen uns hier die Temperaturen des schnell fliessenden etwas über knietiefen Wassers zu schaffen. Nach einer kurzen Aufwärmphase laufe ich zurück durch den Fluss um die geliehenen Stöcke zurückzugeben und kurze Zeit später ohne Stöcke, dafür aber mit Rucksack wieder zurück zu laufen. Nach einer Vierten und Fünften Tour spüre ich meine Beine nicht mehr und lege mich zum Aufwärmen ins Gras.

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kamtschatka (27 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358007/kamtschatka-27-von-199-.cfm)

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kamtschatka (29 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358009/kamtschatka-29-von-199-.cfm)

Auch die anderen nutzen die Gelegenheit um etwas auszuspannen und so machen wir im hohen Gras des schmalen Uferstreifens unsere Mittagspause. Nach der Mittagspause geht es gleich wieder recht beschwerlich weiter. Wir müssen durch einen extrem dichten Birkenwald mit sumpfigen Untergrund, erreichen aber nach kurzer Zeit endlich und mit fast zwei Tagen Verspätung wieder den Trail. Wir hoffen jetzt auf ein schnelles Vorankommen nachdem wir am Vormittag nur mit unter einem Kilometer pro Stunde vorangekommen sind. Allerdings wird auch diese Hoffnung enttäuscht: statt Krüppelwäldern und Sumpfgebieten folgt hier nun Minifurt auf Minifurt. Jede Furt kostet uns mindestens eine halbe Stunde, da es einfach ewig dauert bis alle aus der Gruppe Schuhe und Hosen ausgezogen haben und auf der anderen Seite beides wieder angezogen haben.

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kamtschatka (30 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358010/kamtschatka-30-von-199-.cfm)

Sven und ich sind zunehmend genervt vom langsamen Vorankommen und sehen unsere letzten Chancen auf das Erreichen des Tourzieles schwinden. Wohl wissend dass es nichts nützt, laufen wir nun trotzdem weit voraus und behalten unsere Watschuhe über weite Strecken einfach an den Füssen um einmal eine Stunde am Stück einfach laufen zu können. Erst an einem sehr breiten Zufluss warten wir auf den Rest der Gruppe um erneut beim Furten zu helfen. Die Strömung ist hier zwar wirklich sehr stark und mir dreht es manchmal regelrecht die Füsse weg, dafür ist das Wasser aber sehr flach und die Furt dadurch etwas einfacher als die vorherige. Ich laufe sie insgesamt vier mal und behalte die Watschuhe erneut an. Nach einigen Schlenkern vereint sich der Weg mit einem Bachlauf und es geht nun ein Stück durch das flache kalte Wasser gegen den Strom. Wieder an Land finden wir uns an einer recht malerischen Ebene genau am Übergang von Wald zu einer eher steppenartigen Landschaft.

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kamtschatka (31 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358011/kamtschatka-31-von-199-.cfm)

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kamtschatka (33 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358014/kamtschatka-33-von-199-.cfm)

Die Mehrheit der Gruppe plädiert für eine Pause und es gibt einige Signale dass kilometerlanges Weiterlaufen Heute nicht mehr möglich sein würde. Auch wenn es für mich innerlich eine wirkliche Niederlage ist und ich tief enttäuscht bin, rechne ich den anderen vor, dass ein Weiterlaufen unter diesen Vorzeichen keinen Sinn mehr machen würde, da wir den Vulkan sowieso nicht mehr in der verbleibenden zeit erreichen würden. Die Mehrheit der Gruppe nimmt es gleichmütig bis dankbar zur Kenntnis, nur Sven und Kathrin wirken ebenfalls tief enttäuscht, zumal wir eine ähnliche Einschätzung über den bisherigen Verlauf der Tour und die Schönheit der Landschaft haben. Wir hatten uns alle drei etwas mehr spektakuläre Ausblicke, schroffe Vulkanflanken und längere Laufzeiten gewünscht. Trotzdem sind wir uns schnell einig, dass die Tour bisher viel Spass macht, die Gruppe sehr lustig ist und wir einfach das beste draus machen müssen. Ausserdem gibt es ja noch die zweite Tour in ein Gebiet mit deutlich höheren Vulkanen und schrofferer Landschaft.

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kamtschatka (35 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358016/kamtschatka-35-von-199-.cfm)

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kamtschatka (36 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358017/kamtschatka-36-von-199-.cfm)

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kamtschatka (37 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358018/kamtschatka-37-von-199-.cfm)

Wir machen es uns also an dem sehr schönen Lagerplatz bequem und geniessen die Abendsonne. Ich nehme ein Bad in einem tiefen Pool in dem kleinen Bachlauf und wasche zusammen mit den anderen meine komplette Kleidung. In der Dämmerung laufe ich noch ein paar Kilometer den morgigen Weg entlang und mache ein paar schöne Landschaftsaufnahmen mit langer Belichtungszeit.

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kamtschatka (39 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358021/kamtschatka-39-von-199-.cfm)

Goettergatte
25.10.2012, 22:42
18.07. Many rivers to cross...

Ich erwache,
weil ich raus muß,
aber ich mag nicht,
ich hab Tinitus,
nicht so hoch,
wie mas kennt,
Tonlagen tiefer,
aber ebenso eindringlich,
meine Knöchel sind heiß, juckend, geschwollen,
ich hab kein Tinitus,
es sind die Mücken vorm Innenzelt,
ich muß dennoch raus,
JETZT,
...
puh fertig,
schnellstens wieder rein.

Es wird wieder warm, wir wissen, es wird später heiß,
Zuviel Kleidung mag ich nicht tragen, nach dem Frühstück schmier ich mich wieder mit Mückenschutz ein.
Wie? Tube fast alle :o
Wir brechen recht zeitig auf, kämpen uns wiederum durch Auendickicht und durch Sumpfstreifen.
Gefolgt von mannshohen Staudenwäldern.
An dieser Stelle möchte ich betonen, daß ich der Längste der Truppe bin und die Kleinste an meinem ausgestrckten Arm Klimmzüge machen könnte, somit die Stauden für sie und auch andere überfraushoch sind, ca. 2 Kopf.
Wieder geraten wir an einen Prallhang und sind gezwungen eine Staudenbewachsene Böschung zu erklimmen, wobei man als Kletterhilfe mitunter in dornige Ranken greift, echte Stimmungsheber. Da der Scheitel des Hanges Dickichtbedingt nicht erreichbar ist, müssen wir ihn auf zweidrittel Höhe queren, das gehen auf Kante, mit der latenten Möglichkeit bei jedem Schritt auf den Staudenstängeln Talwärts zu rutschen, ist maximalst ansträngend.
Irgend wann ist auch dieses Stück Weg geschafft und wir müssen gradwegs zum Ufer wieder hinab, 50-60° steil, auf langen glatten Staudenstängeln geht es vorsichtig Uferwärts, einige rutschen auf den Hinterteil abwärts. Kati geht vor mir, plötzlich rutscht sie ab, dreht sich dabei rasendschnell quer und landet mit hölzern klingendem Aufschlag mit dem Kopf an einem Baumstamm. Bei dem Geräusch stellen sich meine Rückenhaare aufrecht, aber sie schüttelt sich nur und grinst, alles ist in Ordnung, ich kanns kaum fassen, daß ihr nicht mehr passiert ist.
Nach einer Weile erreichen wir eine Stelle des Ufers, welche relativ Mückenfrei ist und so ausschaut, als könne man hier den Fluß queren.
Codenascher und Willo machen das Vorauskomando und erkunden den Weg.
Sie Queren zunächst einen Seitenarm mit der Strömung, auf eine Kiesbank zu, queren den Hauptsarm des Flusses gegen die Strönung, bis zu einer Inselspitze, um darauf wiederum mit der Strömung einen tiefen, aber langsamen Seitenarm zum jenseitigen Ufer queren.
Ich werde den Fluß nicht mit Sandalen queren, ich entledige mich meiner Socken und Hose und schlüpf barfuß in die Lundhags, dann steige ich die Uferkante hinab und lasse mir den Rucksack anreichen, nehme den Selben Weg, den Willo und Codenascher einschlugen, setze jenseits meinen Rucksack ab, schnappe meine Sandalen bei der Hand, wate wieder nach drüben, gebe meine Lundhags Pülür, ziehe die Sandalen an, reiche einen meiner Stöcke Ühürü, welche jetzt fürs Furten Sarekmaniacs Lundhags trägt und bringe jemandens Rucksack auf die andere Seite.
Danach hole ich nochmal Schuhe und eine Jacke herüber. Auf den Sandalen, mit fremden Gepäck auf dem Rücken, läuft es sich um einiges eieriger, dennoch versuche ich denen, die nicht so trittsicher sind ein Strömungsbrecher zu sein. Wär mir auch fast gelungen, tut mir leid, daß ich auf ein Mal schneller war :sorry:
Am anderen Ufer machen wir Mittagspause, im Schatten mit reichlich "Antibrumm und ähnlicher Chemie gehts, wir liegen und dösen im Schatten, Willo erklärt uns, das wir für ca. 3 km fast 3,5 Stunden brauchten :o.
Nach der Mittagspause schlagen wir uns durch einen Weiden-Birkenwald, mit sumpfigen Wasserläufen und Baumabständen von mitunter weniger als 30 cm richtung Uferterasse, wo sich unser regulärer Weg befinden soll.
Als wir aus dem Wald treten haben wir noch einige moorige Läufe zu queren, die Sonne trifft uns wieder mit voller Härte, aber der Mücken wird es wieder etwas weniger. Dann haben wir den wWeg erreicht, nun kann es zügiger weiter gehen.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_309_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69681&title=k5&cat=537)http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_315_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69682&title=k5&cat=537)
Dann kam ein Fluß, gemessen an der Bysrtaja ein Flüßchen, das ja, aber doch immerhin so tief, das man die Schuhe wechseln muß.
Das kostet Zeit.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_297_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69675&title=k5&cat=537)http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_299_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69676&title=k5&cat=537)

15 Minuten später das selbe Spiel.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_317_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69684&title=k5&cat=537)

Ich mach nicht mehr mit und geh in den Sandalen weiter (die Mücken freuts).
Das nächste Wasser ist ein eklig warmes Sumpfloch mit schmaddrigem Grund, aber der Schmadder hält die Mücken von den Füßen fern. :bg:
dan kommt ein Bach der leicht zu queren wär, aber dieses läßt die Vegetation nicht zu, und dort, wo der Weg ist, hat sich das Wasse auf zig Meter in der Wegspur breit gemacht.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_302_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69677&title=k5&cat=537)
Aber wegen der großen Hitze und der zunehmenden Schwühle, sind mir die Watstellen wilkommene Orte der Kühlung.
Dann stehen wir wieder vor der Bystraja, eine Große Furt, ca. 100 m, aber nur Oberschenkeltief, langsam macht mir das Furten richtig spaß, auch wenn ich nach dieser Querung wieder meine Zehen nicht spühre.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_303_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69678&title=k5&cat=537)http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_306_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69679&title=k5&cat=537)
Im prinziep geht es dann weiter wie gehabt, es folgt noch mindestens ein weiterer Wasserlauf, dan wird irgendwann der Weg selbst zum bache, dem auf gut 150 m zu folgen ist, bis man seine Füße ans Ufer setzen kann.
Am ende dieser Furt ist ein Schutzbaldachin aufgebaut, mit bereitliegendem Feuerholz, hier bleiben wir.
Wir waschen unsere Wäsche und uns selbst, es gibt in einem Kolke des Wasserlaufs eine nette Sitzbadewanne, welche ich ausgiebig nutze.
Danach mache ich mit Kati einen kleinen Abendspaziergang. Anschließend wird gelagert und Sarekmaniac brät Dinkelburger auf ihrem Hobo.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_320_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69685&title=k5&cat=537)http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_321_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69686&title=k5&cat=537)
Nicht all zu spät begeben wir uns zur Ruhe, wir wollen Morgen früher los kommen.

Kati79
25.10.2012, 22:42
18.7.2012

18.7.2012

Aufstehen im im verträumten Auenwald …. Da unsere Zelte recht eng stehen, wache ich durch das Gekrame und die Gespräche der Anderen auf. Sobald ich aus dem Zelt gekrochen bin, greifen die Mücken an. Sie sind einfach überall. Am schlimmsten ist es, wenn man den Kocher anschmeißt, um Wasser zu erhitzen. Aber bevor ich mir mein Müsli mit heißen Wasser gönne, erledige ich die Morgenwäsche. Heute wasch ich mir noch die Haare mit einem Topf und dem eiskalten Wasser. Ich will schöne Haare unterm Mückennetz haben. Man mag es kaum glauben, aber es ist möglich, komplett in Regenbekleidung gehüllt zu sein und sich trotzdem die Haare zu waschen. Es zwickt nur bösartig an der Kopfhaut. Nach der Morgenwäsche räume ich alle meine Sachen aus dem Zelt, damit Heiko schon mal packen und ich in Ruhe frühstücken kann. Nach dem gestrigen Tag, der doch reichlich Energie gekostet hat, starten wir nur langsam, aber auf jeden Fall vorm Mittag. Unser Plan ist es, die Bistraya so schnell wie möglich zu queren und dann auf einem Weg in Richtung Ichinsky-Vulkan weiterzugehen.

Wir arbeiten uns dementsprechend so weit wie möglich am Ufer lang. So weit wie möglich ist ziemlich kurz. Schon nach ca. 100 m ist Schluss, weil das Ufer nicht zum Laufen geeignet ist und wir schlagen uns wieder in die Botanik. Da ich weiter hinten laufe, ist der Weg schon von den Andern ausgetreten. „Kleine Spuren“ sind das nicht gerade, die wir hinterlassen, aber wir brennen uns den Weg zumindest nicht frei, sondern erarbeiten ihn uns. Das Dickicht hat im Vergleich zu anderem Gelände einen Vorteil: es ist schattig, sodass man wenigstens nicht die knallige Sonne hat. Mücken sind unsere stetigen Begleiter, bitte nicht stehenbleiben. Hinterm Dickicht kommen Steilhänge an denen wir langlaufen. Steilhänge, die mit hohem Gras und Büschen bewachsen sind. Man muss schon ziemlich schief laufen und ich haben Blasen an den Fußsohlen, die diese Stellung gar nicht mögen. Ich muss zugeben, dass die Schönheit der Landschaft für mich in den Hintergrund rutscht, ich nehme nur Mücken, schmerzende Füße und spezielles Gelände wahr.

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Steilhang von Kati79 - Album.de (http://www.album.de/bild/2398287/steilhang.cfm)

Nach ungefähr ein bis zwei Kilometern kommen wir an eine Stelle an der wir es versuchen wollen. Heiko und Sven testen die Strecke aus. Es kommt ein Zickzack-Kurs raus, der im Vergleich zu unseren vorigen Versuchen machbar ist. Nach den Testern gehen alle mit Stöckern rüber, die welche dabei haben. Ich gucke mir an, wie es läuft. Alle kommen rüber ohne zu fallen. Sicherheitshalber verpacke ich alles wasserdicht im Rucksack. Nur die Stiefel müssen außen ran. Dann warte ich, bis jemand mit Stöcken zurückkommt. Arne, Sven, Barbara und Heiko machen die Furt doppelt, sodass ich ohne meinen Rucksack gehen kann, nur mit Stöckern. Das Wasser sprudelt mir locker bis an den Schlüpfer. Ich folge meiner Erfahrung und lasse die nasse Kleidung am Körper trocknen. Das geht am schnellsten, auch wenn es nicht immer angenehm ist. Da wir eine Weile für die Furt gebraucht haben, machen wir an dieser Stelle Mittagspause. Ich werfe einen Blick auf die Karte und aufs GPS und erahne, dass wir den Ichinsky wahrscheinlich nicht erreichen werden, wenn wir nicht ordentlich reinknüppeln. Es ist Tag Nr. 3 und wir müssten so langsam mindestens 20 km am Tag schaffen, um den Vulkan zu Gesicht zu bekommen. Bei dem Gelände wäre das eine ziemliche Tortur. Für mich ist das nicht so problematisch, schließlich ist der Weg das Ziel und vielleicht wird der Weg ja schöner im Sinne von, geile Landschaft mit weniger Mücken.

Nach der Mittagspause geht es fast schon einfach durchs Gelände in der Hoffnung den Weg zu finden. Und dann passieren zwei schöne Dinge. Wir erklimmen zunächst eine Ebene über die ein laues Lüftchen weht. Es ist herrlich, denn hier sind wir der Sonne wieder voll ausgesetzt. Es wäre schön, wenn ich die kleinen Dinge, wie das laue Lüftchen im Alltag mehr zu schätzen wüsste. Ein paar Minuten später höre ich ein begeistertes „Der Weg, hier ist der Weg!“. Toll, ab jetzt fliegen die Kilometer sicher nur noch so dahin. Neues Gelände, da müssen wir uns erstmal drauf einstellen.

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Der Weg von Kati79 - Album.de (http://www.album.de/bild/2398288/der-weg.cfm)

Sonnencreme rauf, Hosenbeine ab, aber Vorsicht, es gibt noch immer unglaublich viele Mücken und Pferdebremsen, also auch Anti-Mück.

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Bistraya-Tal von Kati79 - Album.de (http://www.album.de/bild/2398289/bistraya-tal.cfm)

Es folgen viele kleine Furten und eine große bei der der Schlüpfer wieder genässt wird. Schuhe an, Schuhe aus, alles festbinden, gucken ob man die Hose anlassen kann, irgendwann ist letzteres egal, weil die Funktionswäsche schnell trocknet und die Sonne brennt. Eine nasse Hose ist spätestens nach 20 Minuten trocken. Irgendwann laufen wir nur noch in Watschuhen weiter., auch wenn das ungemütlich ist. An einem eingerichteten Rastplatz halten wir an. Es ist zwar noch etwas früh ca. 17 Uhr, um die Tagesetappe zu beenden, aber die bisherige Erfahrung sagt uns, dass man, wenn man Pech hat, ziemlich lang nach einem Rastplatz suchen muss. Also entscheiden wir uns nach 6 bis 7 Tageskilometern zu bleiben. Der restliche Tag wird zum Waschen, Schreiben, Lesen und Essen genutzt. Am Abend geht Heiko fotografieren und ich versuche mit meinem neuen Feldstecher Bären zu entdecken. Das ist gar nicht leicht, weil einem Insekten in die Nasenlöcher fliegen, sobald das Mückennetz fehlt. In der Abendstimmung scheint es noch schlimmer zu sein als sonst. Für meine Füße war der Tag herrlich. Das ständige Furten hat meine Füße geschont und ich werde in den kommenden Tagen keinerlei Blasenprobleme mehr haben.

http://www.album.de/img1/big/239/23982908425051.jpg
Abendstimmung Bistraya-Tal von Kati79 - Album.de (http://www.album.de/bild/2398290/abendstimmung-bistraya-tal.cfm)

codenascher
25.10.2012, 22:42
Damit ich nicht in Verzug gerate :bg:

18.07.2012

Heute wenig Text, viele Bilder

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/kamtschatka_tag_4_-_02.jpg
Frisch mit DEET "lackieren" und rein in die Tevas - Das abgefärbte Größenschild :o

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/kamtschatka_tag_4_-_07.jpg
Landschaftlich wurde es auch langsam schöner

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/kamtschatka_tag_4_-_05.jpg

Wie der gestrige Tag endete, so fing er heute auch wieder an. Wir schlugen uns durch Gebüsch und hohes Gras, liefen lange Zeit an einem mindestens 45° Hang quer entlang hoch und wieder runter.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/kamtschatka_tag_4_-_08.jpg
Kurz vor der Furt

Und endlich erreichten wir einen Platz der uns geeignet zum furten erschien. Woohoo!

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/kamtschatka_tag_4_-_09.jpg
"Unsere Furt"

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Heiko und ich probierten es ohne Gepäck aus. Im Zick-Zack Kurs über drei kleinere Inselchen erreichten wir das andere Ufer. Applaus vom Startpunkt! Das Wasser war kaum tiefer als Kniehöhe (dies galt allerdings nicht für unsere kleineren Teilnehmer ;-) ) Nachdem ich meinen Rucksack geholt hatte lief ich die Strecke noch einmal um Stöcke und Barbaras Lundhangs für Ute hinüber zu bringen. Dies schlug Barbara vor, damit Ute einen sichereren Stand als mit Crocs hätte. Wenn ich schon einmal dabei bin, dacht ich mir nehm ich doch gleich noch einen weiteren Rucksack mit rüber, Kati war die glückliche. Arne ging ebenfalls extra um Ute ihren Sack abzunehmen. Ute schaffte es leider als einzige nicht trocken über den Fluß, stürzte einmal ins nass. Da der Fluß aber eben nicht zu tief war und eine relativ leichte Strömung herrschte passierte nix weiter.

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drei mal hin, drei mal zurück bedeutet kalte Füße... :bg:

Nach der Furt gönnten wir uns eine verdiente Mittagspause :-) Hier wechselten wir allesamt endlich von langen Hosen auf kurze Hosen(Beine), da ja endlich die Aussicht auf einen eingezeichneten Weg bestand! Das einzig schöne an der Mittagshitze war übrigens die Tatsache das dadurch die Mücken ausblieben und uns nur noch die 10000000 Bremsen auf den Sack gingen.

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Weiter Richtung Piste

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Endlich, die Piste

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Bärenspuren

Wir erreichten nach einem kleinen Stück wegsamen Geländes endlich die erhoffte Piste. Juhu! Hier ging es allerdings nur kurz flott voran, da es im 100 bis 250 Meter Abstand kleine Bäche oder Tümpel zu queren gab... Jedes mal Stiefel aus, Stiefel an. Zeitraubend. Ein weiterer breiter Fluß, ein Bystraja Zufluss musste ebenfalls noch gequert werden. Dieser war flach, langsam, für niemanden auch nur das geringste Problem. Hiernach ließen wir die Watschuhe gleich an – dies erwies sich auch als gute Idee, folgten weitere kleine Tümpelstellen auf dem Weg.

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Der Bystraja Zufluss


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"Tümpelstellen"

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Und die lezte Bachquerung des Tages

Nach einer letzten kleinen Querung erreichten wir einen Unterstand samt Feuerstelle und Feuerholz! Jetzt kam natürlich das, was kommen musste. Feierabend! Nach der langen Etappe des Vortages war dies für die gesamte Gruppe außer für mich kein Problem. Gerne wäre ich noch weiter gelaufen. Wir hatten mittlerweile einen ganz schönen Rückstand einzuholen, wenn wir noch zu unserem Vulkan wollten... Während des Waschens im Fluß erlebten wir ein erneutes Mückenhoch! Unglaublich, wovon ernähren sich die Viecher nur, wenn nicht von Wanderern?

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Unser ODS Banner

Heute war endlich einmal Klamotten waschen dran. Klamotten mit Steinen beschwert, bzw. über einen im Wasser liegenden Ast aufgehangen, das funktioniert eigentlich ganz gut. Körper und Klamotten waschen mit der tollen „Ortec Outdoorseife“ ist eine einzige Katastrophe... Null Ergiebigkeit, schäumt nicht, hm. Hab ich mir irgendwie anders vorgestellt. Das schreit noch nach einer 1stern Bewertung bei Globi...

Im Westen zeichneten sich endlich etwas höhere Berge ab. Diese zeigten sich im Abendlicht von ihrer besten Seite. Traumhaft schön.

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Bert hat hier seine Vorliebe für das Hobo Kochen entdeckt. Irgendwie ist es aber auch wirklich putzig, den kleinen Ofen mit Kleinstholz zu befeuern :bg:

Schmetterling
25.10.2012, 22:42
DER WEG (18.7.)

Heute morgen sieht unser mückenverseuchter Zeltplatz fast schon idyllisch aus. Über dem Blätterdach heizt die Sonne schon wieder mächtig und wir essen gemütlich unser Frühstück, dabei immer vermeidend, zu viele Mücken zu schlucken. Ich habe gestern abend trotz der späten Ankunft mein Hemd noch durchs Wasser gezogen und ziehe es nun halb feucht an – Guten Morgen! Da es die Mücken tatsächlich gut abhält, werde ich es die ganze Tour nicht mehr ausziehen.
Mit der üblichen Verzögerung stehen wir schließlich abmarschbereit aufgereiht, bereit für eine weitere Schlacht mit der Wildnis. Wir hoffen, heute im Laufe des Tages eine furtbare Stelle der Bystraja zu erreichen.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Gestr_pp_k.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=60547&title=kamtschatka-gestruepp&cat=30)
Los gehts

Schon kurz nach dem Aufbruch müssen wir in der prallen Sonne einen Steilhang entlang kriechen, diesen nach unten rutschen und noch eine kleine heikle Stelle am Fluss überwinden.

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Ungemütlicher Steilhang

Dann wieder Wald, Wald, Mücken, Mücken. Glücklicherweise ist die Stimmung in der Truppe gut. Wir sind geschafft, konzentriert, aber es verbreitet niemand schlechte Stimmung, sondern es ziehen alle am selben Strang. Das macht alles sehr viel leichter.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Wald_k.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=60551&title=kamtschatka-wald&cat=30)
Die grüne Hölle

Endlich erreichen wir eine Stelle, wo sich der Fluss in mehrere Wasserarme teilt. Wir lassen uns im tiefen Gras nieder, während sich Heiko und Sven ohne Gepäck in die Fluten wagen. Gebannt verfolgen wir, wie sich die beiden von einer Kiesbank zur nächsten vorarbeiten, ohne nennenswert im Wasser zu versinken.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Furtsuche_k.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=60546&title=kamtschatka-furtsuche&cat=30)
Na, wird es wohl klappen?

Und tatsächlich schaffen sie es! Die Erleichterung ist riesig und wir brechen alle in lauten Jubel aus. Ich mache mich abmarschbereit, lasse die Hosen runter und ziehe in meine Crocs Ersatzsocken an, um besseren Halt zu haben und die Zehen ein wenig vor der Kälte zu schützen. Dann noch die Kamera tief in den Rucksack vergraben und schon geht es los. Mir ist mulmig, meine erste richtige Furt. Aber langsam und mit Konzentration kein Problem, es macht sogar richtig Spaß!
Drüben verfolge ich entspannt, wie die anderen furten. Einige der tapferen Jungs machen mehrere Gänge, um Stöcke, Schuhe und Rucksäcke zu transportieren. Schließlich haben wir es alle geschafft, wir feiern und machen erstmal eine ausgiebige Pause.

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Die lang ersehnte Furt

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Codenascher bringt sich in Foto-Pose

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Such_nach_dem_Weg_k.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=60550&title=kamtschatka-suche-nach-weg&cat=30)
Wo ist wohl der Weg?

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Blitzdingssucht_k.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=60542&title=kamtschatka-blitzdingssucht&cat=30)
GöGa fröhnt seiner Blitzdingssucht

Zu unserer Freude verkündet uns Barbara, dass der Weg nur 2 Kilometer entfernt ist und so läuft sich der letzte Rest Dickicht und Heidegestrüpp fast von selbst. Und endlich liegt er in der Sonne vor uns – der Weg! Yippieh!

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DER WEG!!!

Wir wechseln in kurze Hosen und freuen uns, endlich wieder zügig ausschreiten zu können. Die Freude ist allerdings von kurzer Dauer, da wir schon nach einem kurzen Stück von einer kleinen Furt gebremst werden. Also Rucksack runter, Schuhe wechseln, rüber, Füße trocknen, Schuhe wechseln, Rucksack auf, weiter. Immerhin können wir die Hosen anlassen, es kostet trotzdem jedes Mal unglaublich viel Zeit und wir müssen die Prozedur gefühlt alle drei Meter hinter uns bringen. Nach der vierten Furt haben wir die Schnauze voll und laufen in Watschuhen weiter. Auch nicht gerade angenehm, aber besser als ständig wechseln zu müssen. Schließlich wieder eine tiefe Furt, war es die Bystraja oder ein Nebenfluss, wir wissen es nicht. Diesmal trauen sich alle schon etwas flotter hinüber, sind wir inzwischen doch schon etwas geübt.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Furt2_k.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=60545&title=kamtschatka-furt2&cat=30)
Unsere zweite große Furt

Gegen halb fünf nach einer weiteren Furt leuchtet uns einer der wunderbaren Rastplätze entgegen. Ich ahne, was kommt, Sven auch, er knurrt in sich hinein („Ich hasse idyllische Rastplätze, die um halb fünf auftauchen…“). Und tatsächlich lassen wir den Tag nach heroischen 8 km ausklingen. Heiko rechnet uns vor, dass wir heute noch 10 km gehen müssten, um noch eine Chance zu haben, den Fuß des Ichinski wie geplant zu erreichen. Der dort geplante Ruhetag mit Besteigungsversuch ist wegen unseres Rückstandes ohnehin gestrichen. Nach kurzer Diskussion beschließen wir, hier zu bleiben, das Ziel aufzugeben und in den nächsten Tagen jeweils 20 km zu laufen, um den Vulkan von einem Pass aus wenigstens noch sehen zu können.

Ein gutes hat so ein frühes Ende ja: man kann sich und die Klamotten ausgiebig waschen und hat noch eine Chance, dass alles vor dem Abend trocken wird. Am Fluss spielt sich dasselbe Spiel ab wie jeden Abend. Eine Gruppe Nackedeis springt hysterisch fluchend und mit Waschlappen um sich schlagend im niedrigen Wasser umher und versucht, sich unter wütenden Angriffen der Blutsauger möglichst schnell zu reinigen. Tausend Mücken auf dem Rücken sind so lästig, dass sogar ich meist recht schnell im Wasser sitze, obwohl es mich sonst ewige Überwindung kostet, ins eiskalte Wasser zu tauchen. Hier perfektionieren wir auch die Outdoorwaschmaschine und klemmen unsere zu waschende Kleidung einfach eine Zeit lang unter große Steine. Spart Seife. Auch ich habe die unbrauchbare Seife vom Globi, so dass ich gar nicht erst versuche, sie zu benutzen…

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Trunki bewacht die frisch gewaschene Wäsche

Der weitere Abend verläuft wie immer: Spaß und Geplänkel an Hobo und Lagerfeuer. Inzwischen haben wir uns gut zusammen gefunden und die Abende vergehen unter Gelächter und Gespaße wie im Flug. Leider auch die Morgende, sehr zum Leidwesen derer, die pünktlich loskommen wollen…

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Lagerleben

willo
25.10.2012, 22:51
Endlich ist der nächste Tag online. Sorry für die Verspätung, aber ich bin im Moment nonstop am Arbeiten und zu allen Übel gesundheitlich seit Wochen nicht mehr auf der Höhe. Ich gelobe zum wiederholten Male Besserung!

Robiwahn
25.10.2012, 23:46
Danke, das der spannende Bericht endlich eine Fortsetzung bekommen hat.:p Bitte gleich weitermachen mit schreiben und einstellen ;-)

Scrat79
26.10.2012, 22:59
Endlich ist der nächste Tag online. Sorry für die Verspätung, aber ich bin im Moment nonstop am Arbeiten und zu allen Übel gesundheitlich seit Wochen nicht mehr auf der Höhe. Ich gelobe zum wiederholten Male Besserung!

Echt super euer multibler Bericht! :D

Und dir noch gute Besserung und auch Besserung bezüglich der Arbeit.

willo
13.11.2012, 23:38
19.07.2012

Wir probieren heute mal was neues: Wir verabreden keine Aufstehzeit, sondern eine Losgehzeit. So stehe ich 90 Minuten später als die ersten auf und stehe dennoch als erster satt und mit gepackten Sachen im Lager. Trotzdem kommen wir fast pünktlich los und haben daher theoretisch mal einen ganzen Tag zeit zum Wandern.
Die Strecke ist dann auch absolut top und von einigen obligatorischen Watstellen abgesehen geht es auch gut voran. Zum ersten mal sieht man nun auch etwas höhere Berge mal aus der Nähe und die Landschaft verändert langsam etwas ihren Charakter. Trotzdem erinnert mich die gesamte Optik immer mehr an das nördliche Schweden. Nach ein paar Metern laufe ich mit Arne vorne und die anderen sind schon ein gutes Stück zurückgefallen. Arne hat wieder heftig mit den Mücken zu kämpfen und der vorher noch einfache Weg wird durch diverse sumpfige Stellen auch immer beschwerlicher. Irgendwann sind die ausgeprägten Sumpfgebiete der Normalfall und das unbeschwerte Vorankommen zwischen zwei Sumpfgebieten bildet nur noch kurze Zwischenerholungen. Nach einer längeren Pause sind wir wieder alle Zusammen und machen uns weiter auf den Weg.

Da der Fluss hier eine Schleife macht die wir nicht mitgehen, kommen wir in eine etwas trockenere Region die sich nach einigen Metern bereits als relativ Staubtrocken erweist. Dazu passend brennt die Sonne jetzt auch wieder recht unerbittlich direkt von oben. Dadurch das der Weg aber technisch wieder sämtliche Schwierigkeiten verloren hat und auch die Heute zum ersten mal vorhandenen echten Höhenmeter sich nicht wirklich konditionell bemerkbar machen geht es weiter recht zügig voran. Nach kurzer Zeit laufe ich mich Kathrin und Sven an der Spitze und es besteht kein Kontakt mehr zu den Anderen. Wir haben aber verabredet an der nächsten Möglichkeit mit fliesenden Wasser eine Mittagspause zu machen. Auch wenn wir ab und zu mal einen Bach gluckern hören und der eigentliche Fluss laut Karte auch nicht mehr weit sein kann, stehen wir nach ca. 90 Minuten vor einer echten Steigung die wir als einen auf der Karte vermerkten Pass vermuten. Da wir aber keine Karte haben können wir das nicht weiter verifizieren und nehmen die Steigung dann auch umgehend in Angriff. Die Steigung erweist sich dann aber weder als steil, noch als hoch - aber immerhin. Nach einer halben Stunde erreichen wir den höchsten Punkt an dem ein Schild mit einer Ortsbezeichnung nebst einer Bank mit Tisch steht. Wir legen unsere Rucksäcke ab und laufen 50 Meter nach unten und erreichen einen kleinen Gebirgsbach. Überglücklich kühlen wir unsere Füße im Wasser und füllen unsere Flaschen auf. Dazu gibt es Beef Jerkey und Schokolade. Unsere Stimmung ist kaum zu überbieten und wir sind uns schnell einig, dass der heutige Tag endlich mal auch nach unserem Geschmack war: es ging früh los, es gab nicht alle 30 Minuten eine längere Pause und ein wenig Anstrengung war auch dabei. Wenn hinter dem Pass nun auch die Landschaft schöner werden würde, dann bestünde sogar noch die Möglichkeit das wir uns vollständig mit Kamtschatka versöhnen könnten.

http://www.album.de/img1/screen/235/23580247500639.jpg
kamtschatka (42 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358024/kamtschatka-42-von-199-.cfm)

Nach einiger Zeit stoßen die anderen zu uns. Dummerweise - zumindest für mich - haben sie bereits unterwegs gegessen und nicht bis zum ersten Fluss gewartet. So geht es dann für mich ohne richtige Mahlzeit weiter und wir merken auch recht schnell dass es sich nicht um den eigentlichen Pass gehandelt hat. Es geht zwar kaum noch nach oben, dafür aber auch nicht nach unten. Wir sind in eine Art Hochtal gewandert an dessen Ende wohl der eigentliche Pass liegen sollte. Nach kurzer Zeit geben Teile der Gruppe zu verstehen, dass sie nicht mehr weiter können und gerne das Nachtlager aufstellen möchten. Das einzige Problem daran ist, dass es hier kaum Zeltmöglichkeiten gibt. Rechts des Weges befindet sich ein langgezogenes Sumpfgebiet und links des Weges geht es hoch in Richtung Hügel. Da einige Teilnehmer absolut nicht mehr können laufe ich alleine Weiter um nach Zeltplätzen zu suchen. Leider wird der Weg hier wieder recht sumpfig und ich komme aus den Watschuhen gar nicht mehr raus. Zu allem Überfluss wächst jetzt auch noch dichtes Gestrüpp über den Weg und ich ratsche mir meine Beine flächendeckend auf. Nach ein paar Kilometern gibt es links des Weges ein paar gerade Stellen an denen wir unsere Zelte aufstellen können und ich beschließe die anderen zu holen. Meinen Rucksack und meine Schuhe lasse ich gleich da. Aus mir nicht so ganz erklärlichen Gründen ist man mit der beschriebenen Stelle nicht so ganz einverstanden und Barbara macht sich entlang des Hanges auf die Suche nach einem Zeltplatz in der Nähe. Irgendwann findet sie im Hüfthohen Gestrüpp auch eine Fläche. Ich darf also die ganze Strecke noch zweimal Laufen um mein Gepäck und meine Schuhe zu holen.

Als ich wieder zurück bin und wir vor dem Aufbauen der Zelte erst mal das Abendessen einnehmen wollen, bricht ein handfester Streit über den bisherigen Verlauf der Reise aus. Für zwei Teilnehmer ist die Tour einfach zu anstrengend und die technische Schwierigkeit wesentlich höher als erwartet. Für dieses Problem gibt es aber aus meiner Sicht keine Lösung: die Wegbeschaffenheit kann niemand ändern und unsere Tagesleistungen werden sich auch nicht weiter absenken lassen. Dazu kommt noch, das die Gruppe absolut nicht bereit ist früher aufzubrechen und somit ein Laufen in der Mittagshitze auch nicht zu vermeiden ist. Eine Trennung der Gruppe halte ich an diesem Punkt der Reise für den absoluten Wahnsinn da zwischen uns und Esso mindestens zwei sehr schwere Furten liegen, die der eine Teil niemals ohne Hilfe schaffen würde. Wir beschließen daher am nächsten morgen umzudrehen um somit die maximale Zahl an Tagen für den Rückweg zu haben. Sven und Kathrin äussern ihren Unmut sehr direkt, tragen damit aber definitiv dazu bei, dass nach kurzer Zeit alles alles gesagt ist und uns nichts anderes übrig bleibt als das Beste aus dem Rest der Tour zu machen. In einer weiteren Diskussion mit Sven, Susanne, Kathrin, Kati und mir kommen wir auch sehr schnell zu dem Punkt dass wir den Vulkan sowieso nicht in der Gruppenkonstellation erreicht hätten und wir die Gruppe trotzdem als sehr angenehm und die Tour als super lustig empfinden. Auch wenn das ganze körperlich wenig herausfordernd für uns ist und die Landschaft alles andere als eine Offenbarung ist. Nach dem Abendessen hat sich der Frust dann bei allen erstmal sichtlich gelegt und wir beschließen am nächsten Morgen um sieben ohne Gepäck in Richtung Pass aufzubrechen, um wenigstens noch einen Blick auf den Vulkan erhaschen zu können.

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kamtschatka (43 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358025/kamtschatka-43-von-199-.cfm)

Goettergatte
13.11.2012, 23:38
19.07.
"... durch Steppengräserwogen"

Wir schaffen es zeitig aufzustehen, man merkt aber auch jetzt um 6.00, es wird heiß,
auch die Luftfeuchte dürfte zugenommen haben.
Bärt und ich sind Frühstückgenießer, wir treffen uns wieder zum Kaffeekollegium,
ein Frühstück in 10 Min., ist nichts für uns.
Wir sind im Urlaub und nicht auf der Flucht,
und:
Wir sind nicht sehr Zielorientiert,
wir sind Genußwanderer! :cool:
Die Sonne ließe es gut zu, sich frei zu machen, die Blutsauger hingegen nicht.
Trotz unserer Gemütlichkeit, kommen wir heute recht zeitig los und profitieren auf den ersten Kilometern von den moderaten Temperaturen.
zunächst steigt das Gelände terassig leicht an, ist von Stauden und Buschwerk bestanden und gibt den Blick auf zwei Höhenzüge frei, welche das Tal verengend mählich aufeinander zulaufen.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/27/medium/kamtschatka_328_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69715&title=k6&cat=27)Spurenbetrachtunghttp://www.outdoorseiten.net/fotos/data/27/medium/kamtschatka_329_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69716&title=k6&cat=27)Spuren
Immer wieder gillt es auch jetzt Wasserläufe und sumpfige Strecken zu durchwaten.http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/27/medium/kamtschatka_353_von_1441_.jpgimmer wieder Schuhe wechseln
Da der Weg keine großen Ansprüche stellt, lauf ich in Sandalen.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/27/medium/kamtschatka_332_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69718&title=k6&cat=27)
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/27/medium/kamtschatka_331_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69717&title=k6&cat=27)http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/27/medium/kamtschatka_340_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69723&title=k6&cat=27)
Mit vortschreitendem Vormittag steigt auch die Hitze, hinzu kommt eine nicht unerheblich Schwüle, welche mir zunehmend zu schafffen macht.
Nach einigen Kilometern verschwindet der Weg in einem Sumpf.
Ein Reitpfad führt ab hier über einen Moränenartigen Rücken, durch Macciaähnliche Vegetation um das Moor herum.
Im laufe des Vormittags hat sich das Feld recht weit auseinandergezogen, scheinbar ist jeder versucht, auf ebenmäßigen Gelände seinen individuellen Schritt zu gehen.
Zeitweise wander ich allein, um plötzlichen Bärbegegnungen vorzubeugen singe ich vor mir hin, was mir in den Kopf kommt, oder Pfeif mir eins.
Später, als wir über den Moränenrücken gehen, bin ich mit Heiko, über Gott, Weg und die Welt redend, zu zweit unterwegs, um wenig später auf Sven zu stoßen, der neben uns recht unvermittelt auf den Weg tritt.
Er folgte einem anderen Weg, womöglich einem Bärenpfad?
An einem breiteren Nebenfluß der Bystraja treffen wir alle wieder aufeinander, hier neben einer Furt befindet sich wieder ein Wetterschutz, wir beschließen jedoch erst den Fluß zu durchwaten und anschließend zu Pausieren.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/27/medium/kamtschatka_334_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69720&title=k6&cat=27)http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/27/medium/kamtschatka_335_von_1441_.jpghttp://www.outdoorseiten.net/fotos/data/27/medium/kamtschatka_339_von_1441_.jpg

Wir halten eine einstündige Siesta und nutzen das Toilettenhäuschen, einer am Fluß liegenden Jagdhütte.
Diese gewährt uns ein mückenfreies Verklappen unserer Nahrungsrückstände.
Nach kurzer Rast und erledigten Geschäften ziehen wir weiter, das Tal entlang, nunmehr am nördlichen Fuße der Talbegleitenden Hänge, welche einen zunehmend bizarreren Eindruck geben, ihre vulkanische Herkunft nicht mehr leugnen können.
Erodierte basaltige Magmaschlotskelette ragen als Grate aus hangbildenden Schuttkegeln.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/27/medium/kamtschatka_333_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69719&title=k6&cat=27)

Die Hitze steigt, aus sorge nicht rechtzeitig eine adäquate Wasserstelle zu finden bewahre ich meinen Wasservorrat.
Die Hitze steigt weiter, es wird sehr schwühl, der Weg ist staubig, wir haben eine Höhe erreicht, die die Stauden nicht mehr so hoch wachsen läßt, als das sie Schatten spenden könnte. Auch Bäume machen sich rar.
Das Feld ziehtsich auseinander, zunächst gehe ich noch mit Kati zusammen und verschaffe mir ablenkung im Gespräch, dann treffen wir auf Susanne, welche mit Kati weiter zieht, während ich meinen schritt verlangsame um Ute, Barbara und Bärt aufholen zu lassen.
Kathrin Heiko und Sven sind weit voraus.
Ich trotte durch die Hitze und erreiche meinen toten punkt, welchen ich (für mich stets eine gute Strategie) durch Singen abwehre.
Ich kann mir das leisten, sofern ich allein bin.
ich fange an, mit dem Britischen Grenadier Marsch
"Some hear of Alexander and some of Hercules..."
Danach folgt "Suicide is painless"
...
Ich bin bei:
"... durch Steppengräserwogen
sind wir hindurch gezogen..."
als Ute, Barbara und Bert mich einholen,
hoffend mich nicht gehört zu haben, bleibe ich im Schatten eines heckenartigen gestrocks stehen,
nach kurzem Berat entschließen wir uns jetzt, ob unseres Durstes wegen zu Pausieren, da ein Zugang zu Wasser erst in einer Stunde möglich sein wird, und in naher Zukunft kein weiterer Schatten zu erwarten ist.
Ich maule zwar, mach aber mit.
Plan der Gruppe war eigentlich, das wir allesamt an der nächsten Bachquerung anhalten und aufeinander warten, aber ein Fortkommen ohne Qual war im Moment nicht möglich.
(Nicht vergessen, wir sind Genußwanderer;-))
Nach der Pause ziehen wir weiter und gabeln nach einem Kilometer Kati und Susanne auf, welchen es eben so erging wie uns :grins:.
Nach einer weiteren bergwärts beschrittenen Stunde haben wir Kathrin Heiko und Sven erreicht, welche eine ausgiebige Pause, an einem instalierten Rastplatz, an einer Bachquerung machten.
Sie wähnten sich bereits am Passe.
Wir pausieren nochmals mit ihnen und ziehen ihnen den Zahn, den Pass erriecht zu haben.
Wir müssen beschließen, das nachtlager an der nächsten geeigneten Wasserstelle in Paßnähe aufzuschlagen.
Wir folgen dem schluchtigen Bachlauf quellwärts, der Weg führt großteils durch das Wasser oder seine sumpfigen Ufer,
diese Strecke beschreite ich wieder, die Mücken verachtend, in Sandalen, um mir ein stetes Schuhwechseln zu ersparen.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/27/medium/kamtschatka_346_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69725&title=k6&cat=27)http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/27/medium/kamtschatka_345_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69724&title=k6&cat=27)http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/27/medium/kamtschatka_348_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69728&title=k6&cat=27)http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/27/medium/kamtschatka_343_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69727&title=k6&cat=27)

Dann erreichen wir eine Furt, an einer Stelle, wo sich die Schlucht zu einem Sattel erweitert.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/27/medium/kamtschatka_361_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69732&title=k6&cat=27)

Der Tag ist so weit fortgeschritten, das wir hier beschließen zu bleiben.
Ein Entschluß, welcher gleichfalls besagt, daß hier auch der Wendepunkt der Tour, ohne erlangen des Ziels, erreicht ist.
Ein Factum, welches nicht ohne Disput auskommt,
man kann dafür Verständnis aufbringen, wenn man bedenkt, daß einige der Gruppe sich fühlen, wie Bartolomeu Diaz am Rio Infante.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/27/medium/kamtschatka_356_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69726&title=k6&cat=27)http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/27/medium/kamtschatka_354_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69730&title=k6&cat=27)

Da es am Wegrande wegen der über den Paß wehenden Lüfte weniger mückt, kochen wir dort und waschen uns im Bache, welcher für mich wieder eine kleine Sitzbadewanne bereit hält.
Baarbara und Heiko suche einen Zeltplatz, Heiko findet einen in reichlicher Entfernung, Barbara einen im hinter uns liegendem Hange, auf einer terassigen Hangstufe in mitten von Stauden, welchen wir wählen.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/27/medium/kamtschatka_376_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69733&title=k6&cat=27)

Bald gehen wir zu Sack, der Tag hat uns erledigt.

codenascher
13.11.2012, 23:38
So Freunde, weiter gehts :bg:

19.07.2012

Um Heiko und mich ein wenig zu besänftigen vereinbarten wir am Vorabend keine Aufsteh -sondern eine Losgehzeit. Diese hielten wir auch fast ein :ignore: Den Mücken konnten wir dadurch das Frühstück ein klein wenig verzögern, irgendwie sind die Viecher um acht noch nicht wirklich aktiv.

Der heutige Weg begann als einfache Piste. Breit, ausgetreten, staubig. Dies änderte sich natürlich irgendwann. Wär ja schließlich gelacht, wenn wir im Bystrinski Park mal Strecke machen würden...

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Die Piste verlief an einem Hang neben hohem Gras und Schilf. Was natürlich die Folge hatte, dass es hier nur von Matsch und Pfützen so wimmelte.
Das Vorankommen glich schon wieder einer Sisyphusarbeit. Immer mit den Stöcken voran pickend, diese teilweise an den nachkommenden weitergebend suchten wir uns Schritt für Schritt halbwegs begehbare Stellen im Matsch.

An einem kleinen Fluß machten wir nach dem Überqueren eine kleine Pause an einer Hütte. Diese gehörte sicherlich irgendwelchen Kleintierjägern. Drinnen roch es modrig und es war relativ unaufgeräumt. Egal, die Hütte, bzw. der Platz bot den unglaublichen Luxus eines richtigen Plumpsklos!!! Woohoo, mal keine Mückenstiche in den Allerwertesten beim …:bg:

Wir liefen weiter. Der Weg stellte keine Anforderungen, wir machten endlich einmal Strecke. Doof nur: Wir kamen einmal mehr in die totale Mittagshitze. Beinahe 30°C, kein Schatten und auch kein Rinnsal um neues Wasser zu fassen. Unsere Gruppe zog sich einmal mehr unheimlich weit auseinander. Wir vereinbarten, dass wir uns an der erstbesten Stelle mit Schatten und nach Möglichkeit ner Wasserfassmöglichkeit zu ner längeren Pause zusammen raffen würden.

Kathrin, Heiko und ich „rannten“ quasi vor. Das Feld zog sich beinahe zwei Kilometer aus einander! Fix und alle erreichten wir endlich unser so herbei gesehntes Ziel, die vermeintliche Passhöhe. Hier verlief ein Fluß, es gab einen Tisch mitsamt zwei Bänken die zum pausieren einluden. Wir freuten uns wie frisch gebackene Weltmeister, verspeisten eine Tüte Beef Jerkey aus Heikos Vorrat und kühlten die Füße im Fluß. Erwähnte ich schon, das Beef Jerkey geil ist :bg:

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Am vermeintlichen Pass

Eine gute Stunde nach unserem Eintreffen trudelte der Rest unserer Gruppe bei uns ein. Sie zog es schon vorher in den Schatten der hier vereinzelt stehenden Tannenwäldchen.
Zu unserer Bestürzung las uns Barbara vor, das wir uns nicht auf dem Pass befinden würden. Die ganze Freude umsonst... Wobei das Beef Jerkey dennoch genial war und als Stimmungsaufheller zumindest bei mir ausgezeichnet funktionierte!

Der letzte Teil des heutigen Weges war einmal mehr nicht als Weg zu bezeichnen. Die eigentlich Piste, größtenteils überwuchert und unter Wasser gesetzt. Wir schlugen uns durch Mannhohes Gestrüpp und Bäume hindurch auf Reiterpfaden parallel zum Weg. Dies kostete wieder unheimlich viel Zeit und Kraft.

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Ja, das ist ein Pfad auf Kamtschatka

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links sieht man die unter Wasser gesetzten Fahrspuren

Einen letzten kleinen Bach mussten wir noch queren als wir beschlossen an Ort und Stelle zu verbleiben, war es schon wieder sechs Uhr. Doof nur, das es zumindest Augenscheinlich keinen geeigneten Zeltplatz für fünf Zelte zu geben schien. Heiko lief mitsamt seines Rucksacks noch 20 Minuten weiter, während Barbara die Wiesen und Anhöhen links des Weges nach einem geraden Plätzchen absuchte.

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Heiko kehrte wieder zurück. Er habe eine ausreichende Anzahl möglicher Zeltplätze leicht verstreut direkt am Wegesrand gefunden. Doof nur, Bärenspuren ohne Ende.

Barbara präsentierte uns quasi Zeitgleich eine passable Stelle für alle Zelte im leichten Dickicht. Hier trampelten wir in allerbester „so sollte man es nicht machen“ Manier das Kniehohe Gras nieder um Platz für unsere fünf Zelte zu haben :ignore: Erstaunlich ist es aber, dass wir mal wieder einen zusammenhängenden Platz für alle Zelte gefunden hatten.
Doof für Heiko, er hat seinen Rucksack an der von ihm ausgeguckten Stelle liegen lassen. Nun musste er wieder zurück um ihn zu holen.

Das Abendbrot nahmen wir direkt am Weg ein, war hier die Mückendichte um den Faktor fünf kleiner als an den Zelten. Nach dem Essen sprachen wir über den weiteren Verlauf der Tour. Den Vulkan hatte selbst ich mittlerweile abgeschrieben...
Wir besprachen unsere Ziele, die Chancen die gewünschten Ziele zu erreichen, Sinn und Unsinn des Weiterlaufens. Wir einigten uns mehr oder weniger darauf, am morgigen Tag zum Pass zu laufen, hoffentlich den Itschinsky zu sehen und dann nach Esso umzudrehen und noch einen Ruhetag am See einzulegen.
Dies gefiel mir überhaupt nicht. Den gleichen langweiligen Weg ohne Highlights zurück? Kein Vulkan? Hm. Während ich sehr direkt meinen Unmut darüber ausdrückte kam es aus der Diskussion heraus über ein Missverständnis zu einer Meinungsverschiedenheiten und zu einem Streit.
Nichts gravierendes, nur hatte sich in den letzten Tagen doch einiges angestaut, was die Losgehzeiten, das Tempo und die Pausen, sowie Strecken – und Touransprüche betraf. Wir fanden aber einen halbwegs vernünftigen Mittelweg, mit dem alle zufrieden sein konnten! Den Rest der Tour sollte es auch nicht noch einmal dazu kommen. ;-)

Schmetterling
13.11.2012, 23:38
Scheitern - 19.7.

Die Nacht war bescheiden, der Boden hart und unverständlicherweise habe ich gefroren. Wir schaffen es aber erstaunlicherweise, pünktlich um acht loszukommen (das einzige Mal auf der gesamten Reise). Dazu haben sich jene, die ein ausgiebiges Frühstück brauchen, bereits um sechs Uhr aus dem Schlafsack gequält.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Packchaos.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=65103&title=kamtschatka-packchaos&cat=30)
Packchaos am frühen Morgen

Die Überwindung lohnte sich, kommen wir doch in den Genuss eines mückenfreien Frühstücks. Diese hängen noch tief gekühlt in der Nachtstarre. Leider hält die Ruhe nicht lange vor und sobald es ein paar Grad wärmer wird, fallen die altbekannten Horden wieder über uns her. Der Weg zieht sich breit und sanft entlang des Flusstals, in der Ferne locken erstmals ein paar höhere Gipfel. Leider können wir den Anblick nicht wirklich genießen, da die Mücken heute wirklich eine Qual sind. Es ist nicht ganz so heiß wie die letzten Tage, noch dazu laufen wir durch ein Sumpfgebiet. Wir sind sicher, dass sich alle Mücken der Region hier versammelt haben, um auf uns zu warten. Andere Säugetiere haben wir nämlich noch nicht gesehen, von Bären ganz zu schweigen. Dabei soll es hier doch weltweit die größte Bärendichte geben… Wir halten das langsam für ein Gerücht und sind uns sicher, dass die Armen allesamt von den Blutsaugern leergesaugt worden waren. Und nun würde uns dasselbe blühen.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Endlich_Berge.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=65101&title=kamtschatka-endlich-berge&cat=30)
Endlich kommen Berge in Sicht

Die Mücken sind so lästig, dass ich heute mit Kopfnetz und langer Kleidung laufe, obwohl es eigentlich viel zu warm ist. Ich fühle mich wie eine wandelnde Sauna und habe das Gefühl, dass alles Wasser, das ich trinke, sofort wieder verdampft. Pausen machen wir nicht wirklich, keiner hat Lust, sich länger als nötig stehend aufzuhalten. So kämpfen wir uns in der zunehmenden Hitze weiter. Die Truppe zieht sich auseinander. Wir müssen etliche Sumpfstellen mühsam umgehen. Oder besser gesagt, mühsam von Grasbüschel zu Grasbüschel hüpfen. Das ganze Tal ist ein einziger Sumpf und die Fahrspur steht völlig unter Wasser. Immer wieder lassen wir Barbara und Arne mit ihren Lundhags voraus gehen, um den Weg zu erkunden. In dem kinnhohen Gewucher ist das gar nicht so einfach. Ich bin beim Überspringen der vielen kleinen Rinnsale und beim Grasbuschhüpfen mal wieder sehr froh um meine Stöcke und gebe sie gerne an die stocklosen weiter. Immer wieder sind auch kleinere Furten zu queren, die eine willkommene Abkühlung bringen.

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Eine der vielen kleinen Furten...

Am späten Vormittag erreichen wir eine kleine Raststelle mit einer größeren Furt. Wir füllen die Wasserflaschen und einer der Jungs entdeckt bei einer Erkundungstour ein Plumpsklo an einer Jagdhütte. Ein fast mückenfreier Ort! Sofort bildet sich eine lange Schlange ungeduldig trampelnder Wandersleut, die sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen wollen. Mückenlose Örtchen sind hier selten und so wird der Klogang regelmäßig zur Qual…
Unterdessen unterrichte ich die Wartenden im Finden eines geeigneten Wedels: ein junger Pappelast, der weder zu dünn, noch zu dick sein darf. Es werden nur die vorderen Blätter stehen lassen und man kann sich damit wunderbar die Mücken von Gesicht, Hals und den Beinen wegwedeln. Wohl die gesündeste Art des Antimück. Zwar funktionieren auch Weidenröschen, allerdings machen die nach einer halben Stunde schlapp. Ich stehe damit jedoch vor einem Dilemma: Stöcke oder Wedel?

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Perfekter_Wedel.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=65105&title=kamtschatka-mueckenwedel&cat=30)
Der perfekte Wedel

Es ist noch zu früh für eine Mittagspause und wir verabreden, diese beim nächsten Schattenplatz mit Wasser einzulegen. So ein Platz lässt allerdings auf sich warten, da der Weg das Flussufer verlässt und auch höhere Bäume nicht in Sicht sind. Der Weg führt in trockeneres Gebiet, während die Mittagshitze steigt. Zwar gibt es deutlich weniger Mücken, ich merke jedoch, dass ich zu wenig getrunken habe und bekomme leichte Kreislaufprobleme. Zusammen mit Kati schleppe ich mich weiter, die Schnelleren der Truppe sind inzwischen weit vor uns. Schließlich erreichen wir ein paar Bäume und beschließen, eine kurze Pause zu machen, dann eben ohne Wasser. Nicht weit von uns entfernt hören wir das lockende Gurgeln eines Baches, der allerdings durch undurchdringliches Gestrüpp von uns getrennt ist. Mit sehnsuchtsvollen Gesprächen über mückenfreie Gegenden, Kühle und schöne Berge vergeht die Zeit im Fluge, bis uns die Nachzügler einholen und wir zusammen zur Vorhut aufschließen. Diese waren nur zwei Kurven weiter an einer Furt gewesen. So kanns manchmal gehen. Wir verlängern die Pause noch eine Weile, um den großen Durst zu löschen und stiefeln dann weiter. Die endgültige Entscheidung, ob wir heute noch über den Pass gehen, verschieben wir auf die nächste Furt, wo wir das letzte Mal für eine längere Strecke Wasser und damit eine Zeltmöglichkeit haben würden. Der Nachmittag neigt sich wieder dem Ende entgegen und im schönen Licht gehen wir durch ein schmaler werdendes Nebental der Bystraja. Der Weg ist angenehm zu laufen, die zu überwindenden Höhenmeter kaum spürbar, nur hin und wieder müssen Sumpfstellen mühsam und weitläufig umgangen werden. Wir wollen uns nicht ausmalen, wie der Weg bei schlechterem Wetter aussehen würde.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Sven_und_sein_ffchen.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=65104&title=kamtschatka-sven&cat=30)
Der hats gut auf seinem Aussichtspunkt

Gegen 18 Uhr erreichen wir die besagte Furt und diskutieren über ein Weitergehen oder Hierbleiben. Es kommt zu einer Diskussion zwischen den langsameren der Truppe und den schnelleren, die ihren Wunsch nach dem Vulkan nun endgültig schwinden sehen. Die Enttäuschung ist groß, keine Bären, keine Fische, keine spektakulären Landschaften und nun auch noch keinen Vulkan. Es besteht das Angebot, die Truppe zu spalte, wir schnelleren sollten weitergehen und die anderen auf dem Rückweg wieder abholen. Dies wird jedoch einstimmig abgelehnt. Wir haben dies hier aber als Gruppe angefangen und es besteht keine Option einer Spaltung, vor allem nicht hier draußen. So begraben wir den Vulkan. Wir einigen uns, morgen ohne Gepäck zum Pass zu gehen, um den Vulkan wenigstens sehen zu können und danach umzukehren, um einen stressfreien Rückweg zu garantieren. Schließlich erwarten uns auch auf dem Rückweg noch „wilde“ Wegstrecken. Wir erkoren den am ersten Tag gesichteten See als unser Ziel. Wir wollten auf dieser Flussseite bis zur Rangerstation des ersten Tages gehen und hoffen, dass von dort aus ein Weg zum See führt. Im schlimmsten Fall hätten wir 8 km Wildnis, im besten Fall würden wir noch ein, zwei extra Ruhetage in Esso einlegen können. Auch die Aussicht auf schlechter werdendes Wetter in den nächsten Tagen machte den vorzeitigen Abbruch etwas leichter. Zwar ist so etwas nie schön, aber auch diese Erfahrung gehört dazu und zeigt, dass eben nicht alles vorher planbar ist. Ich persönlich fand es nicht schlimm. Ich hatte mich vorher nicht mit der Planung beschäftigt, also auch keine Erwartungen aufgebaut, die nun enttäuscht werden konnten. In den letzten Tagen hatte ich mich auch an das eher gemütlichere Gesamttempo der Truppe gewöhnt. Zwar waren die Wildnis-Tage kein Spaziergang, aber insgesamt war das bisher mein entspanntester Trekkingurlaub und den begann ich so richtig zu genießen. Das Zusammensein in der Truppe, die lustige Atmosphäre und das Lagerleben insgesamt sind wichtiger geworden, als Kilometerleistungen und das Erreichen von Zielen. Und auf der zweiten Tour würden wir hoffentlich auch eine etwas spektakulärere Landschaft haben.
In gereinigter Gruppenatmosphäre finden wir nach etwas Suchen einen einigermaßen akzeptablen Zeltplatz, begehen unser allabendliches Reinigungs- und Kochritual und fallen recht bald ins Bett.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Abendessen1.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=65100&title=kamtschatka-abendessen&cat=30)
Abendessen

willo
13.11.2012, 23:38
20.07.2012

Der nächste Morgen fängt leider wieder wie viele Morgen zuvor an: Kati und ich stehen pünktlich auf um um 7.00h aufbrechen zu können. Leider sind wir die einzigen die überhaupt wach sind und ich glaube nicht an einen Aufbruch vor acht und beschließe einfach nicht mit zum Pass zu gehen, sondern auszuschlafen. Ich verspüre auch den leichten Anflug einer Krankheit und hoffe, dass ich diese irgendwie im Zaum halten kann.
Nach ein paar Stunden sind die Anderen zurück und wir starten das Lager abzubauen. Irgendwann geht es dann weiter und wir laufen den gestrigen Trail wieder zurück. Die langen Sumpfpassagen sind noch nerviger wenn man sie schon alle kennt, dafür passieren diverse Missgeschicke die kurzfristig für große Heiterkeit sorgen. Gegen Mittag kommen sogar ein paar Regentropfen am Boden an und wir malen uns schon aus, wie sich bald auch der Rest der Piste in eine Schlammlandschaft verwandeln wird. Dazu kommt es jedoch nicht, da es erstmal bei einigen wenigen Tropfen bleibt.

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kamtschatka (51 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358034/kamtschatka-51-von-199-.cfm)

Irgendwann erreichen wir den Übernachtungsplatz von Vorgestern und machen eine ausgiebige Mittagspause, einige schlafen sogar ein Stündchen oder sammeln Beeren. Ich gucke etwas mit dem Fernglas in der Gegend herum, doch Kamtschatka bleibt auch weiterhin für uns komplett säugetierfrei.

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kamtschatka (45 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358028/kamtschatka-45-von-199-.cfm)

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kamtschatka (46 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358029/kamtschatka-46-von-199-.cfm)

Als wir an der Hütte mit dem Plumpsklo ankommen wir mehrheitlich beschlossen auf der anderen Seite des Flusses unser Lager aufzuschlagen. Wir machen ein relativ großes feuer an der Feuerstelle und sitzen unter dem Dach um uns vor dem Regen zu schützen. Da der Himmel zum ersten mal etwas Zeichnung hat beschließe ich in der Dämmerung mit dem Stativ loszuziehen und ein paar Langzeitbelichtungen zu machen.

http://www.album.de/img1/big/235/23580307199007.jpg
kamtschatka (47 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358030/kamtschatka-47-von-199-.cfm)

http://www.album.de/img1/big/235/23580314771557.jpg
kamtschatka (48 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358031/kamtschatka-48-von-199-.cfm)

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kamtschatka (49 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358032/kamtschatka-49-von-199-.cfm)

http://www.album.de/img1/big/235/23580337545616.jpg
kamtschatka (50 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358033/kamtschatka-50-von-199-.cfm)

Goettergatte
13.11.2012, 23:38
20.07.
Von Ichinsky zum Niechinsky

Wir werden zeitig wach,
Abends beschlossen wir noch, in der Frühe über den Paß zu gehen, hoffend, einen Blick auf den Ichinsky zu erhaschen.
Heiko bleibt im Sack,
wir ziehen mit leichtem Gepäck los.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_375_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69773&title=k7&cat=537)

Wir erreichen den Paß, überschreiten ihn, ziehen weiter.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_367_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69770&title=k7&cat=537)
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_372_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69772&title=k7&cat=537)

Wir sind auf einem sumpfiggrünem Sattel, von Quellbächen durchzogen, Brutstätte für massig viele hautgeflügelter Plagegeister.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_368_von_1441_.jpg
Mücken Mücken Mücken

Bald müssen wir erkennen, das der Ichinsky sich noch hinter einem Berg versteckt, welchen zu umrunden noch gute 4-5 km kosten würde, welche es auch noch zurückzugehen gälte.
Da sich zudem der eingetrübte Himmel weiter zu uns herniedersenkt, ist zu bedenken, daß der Gipfel des 4000ers ohnehin verhüllt sein dürfte.
Somit wird der Ichinsky zum Niechinsky.
Da geschrieben stand, man könne ihn auf zwei Tage im Voraus sehen, welches uns nicht vergönnt war, mutmaßen wir, das er eine Art imaginäres Ziel sei, ähnlich dem Schlaraffenland oder dem Heiligen Gral.
Also blasen wir zum Rückzug und machen noch eine kleine Teepause am Passe.
Hier bemerke ich ein nerviges Brennen im Nacken, nach dessen Ursache ich Barbara zu schauen bitte.
Ein etwas erschrocken klingendes "Ouh!" ist ihre Antwort.
Die Kordel des Mückennetzes hat Mückenleichen, Schweiß und Staub gleichmäßig in die Stiche meines Nackens einmassiert und eine Konglomerat aus Entzündungen entstehen lassen.
Hier tritt Kathrin als Retterin in Not auf den Plan und gibt mir ihren Zweitbuff als Nacken-Scheuer-Mücken-Sonnenschutz.
Es ist mein Erstkontakt mit dem Kleidungsstück "Buff", ich werde umgehend ein Fan von ihm. :p
Am Lager zurück packen wir zügig um ausgiebig zu frühstücken, heute haben wir es nicht weit, primäres Ziel soll die Jägerhüttenklohausfurt sein.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_381_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69775&title=k7&cat=537)

Frohen Mutes steigen wir anschließend Talwärts, zunächst bleibe ich, bis zum Rastplatz des Schluchtanfanges in Sandalen, wieder den Hautflüglern zur Freude, aber da unten kann ichs ignorieren - denke ich.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_377_von_1441_.jpg
Kurzer Anstieg hinter der Rastplatzfurt

Am Rastplatz halten wir kurz Rast und gehen flugs weiter.
Die Stechviehcher nerven, so reiße ich mir, in Susannes Manier, einen Wedel vom Strauche, kurze Zeit später einen Zweiten, um diese beiden, im Takte der Stockführung durch mein Gesicht streichen zu lassen, eine hervorragend funktionierende Technik, welche mich auf das Mückennetz verzichten läßt, zumal der Hals ab nun durch Kathrins Buff geschützt ist.
Die Ebene liegt unter einer reich gemaserten, das Licht difusierenden, Wolkendecke und die Blüten springen einem Heute stark ins Auge, eine Farbigkeit bietend, die wir zuvor nicht wahrnamen.
In der Ebene zieht sich das Feld stark auseinander, die Einen fotografieren blüten und Landschaft, andere streben stracks dem Ziele zu.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_382_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69776&title=k7&cat=537)
Bautz

Die Bewölkung verdichtet sich, es fällt kondensat aus, erst sehr mälich, dann etwas stetiger, man packt sich in Regenschutz.
Der Himmel sieht nach mehr niderschlag aus, indes es kommt nichts.
Obwohl es von den Temperaturen her moderat zu geht und der Weg nicht weit ist, baue ich nach gut 2 Stunden recht stark ab, ich fühle mich schlapp und abgespannt.
An einer Furtstelle nutze ich einen Schuhwechsel für eine kleine Pause mit Kathrin und Kati.
Susanne, ute und bärt sind noch zurück, Barbara mit Heiko und Sven weit voraus.
Irgendwann trifft die Nachzügler ein, wir ziehen weiter und erreichen letztendlich auch die Hütte, an welcher wir von den dort wartenden ob der mitgezogenen Insekten beschimpt werden.
Hier nimmt der Niederschlag wieder zu, wir warten den Schauer ab und beratschlagen über den Lagerplatz, vor der Hütte, oder am Rastpavilion jenseits der Furt.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_397_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69777&title=k7&cat=537)
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_399_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69778&title=k7&cat=537)
Hütteninneres (der Hüttenkobold ist ob des Ablichtens entsetzt und versucht zu entfleuchen)

Die Hütte ist ein lausiges Refugium und riecht irgendwie nach Aas, rundum lagert Müll und überwucherter Schrott,
so Furten wir unter Mitnahme von Brennstoff, in Form gestürzter Baumstämmchen.
Wir lagern schutzsuchend unter dem Pavilion, schlagen die Zelte auf und waschen unsere Klamotten im Fluß.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_400_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69779&title=k7&cat=537)

Ich nehme ein Kolkbad und fühle mich wieder richtig erfrischt.
Danach spricht mich Heiko wegen der Hügel hinter dem Lageplatz an, sie sehen sehr gleichmäßig-künstlich aus.
Der Gedanke an Grabhügel drängt sich auf. Ich bedenke, daß repräsentative Grabanlagen in Jäger und Sammlerkulturen nicht unbedingt Brauch sind und so gehen wir der Sache auf den Grund. An einer Hügelflanke ist der Untergrund aufgeschlossen, das Sedimentgestein der Talebene ist, wie eine erstarrte Blase aufgepreßt, ich mutmaße das hydrothermische Kräfte bei der Bildung die Ursache waren. Dennoch ist die Erscheinung nicht uninteressant, die Hügel liegen in einer Reihe und laufen auf eine ähnlich gestaltete Geländewelle zu.
Reg unterhaltend und lesend geht der Nachmittag vorüber, wir entzünden ein rauchendes Feuer gegen die Insekten und ich gebe mich eines Runde Blitzdingsens hin, wobei, oh Graus, das von Bert und Ute entliehene Blitzdings in Stücke fliegt.
Der Lebensretter ist entzwei!!!
Ich bin um Reparatur bemüht, kann das Gerät auch wieder sinngemäß, allerdings mit stärker vortretenden kontakten wieder zusammensetzen.
Kathrin stellt mir zur dauerhaften Verbindung derr Einzelteile Gewebeband zur Verfügung.
Darauf kan ich Ute und Bert das reparierte Teil zurückgeben. Diese haben hingegen grad ein Ersatzgerät ausgepackt und schenken mir das Alte.
MEIN EIGENES BLITZDINGS!!!
Der Abend verläuft mit Massagen, Kochen, Essen und Unterhaltung über Tour, Verdauung, juckende Stellen, Rötungen, Wehwechen usw.
Die Schamgrenzen in der Gruppe sind, so scheints, gewissen Großteils aufgelöst.
Sven schmort eine Große Portion Knoblauch in der Pfanne an, von der ich mir einen Teil einheimse, hoffend, nächsten Tags darum weniger Last mit Mücken zu haben.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_401_von_1441_.jpg
In der Dämmerung erkennen wir, daß das Trocknen der gewaschenen Kleidung zum nächste Morgen fraglich erscheint, so begeben wir uns mit jeweil einem zu trocknendem Stück ums Lagerfeuer und wiegen die Wäsche seitlich über der Flamme, um nach gewisser Weile einen Schritt seitwärts schreiten, damit jeder einmal gleichemaßen im Rauch stehe:
Der Ewenische Trockentanz.
(Hierbei fährt mir die Melodie einer färingischen Ballade (http://www.youtube.com/watch?v=Iy6p6uTWgXE)in den Sinn und ich frage mich, ob nicht doch schon Wikinger die Nordwestpassage fanden und kulturellen Kontakt mit der Ewenischen Bevölkerung hatten (http://www.youtube.com/watch?v=FRgzYf0H1tQ&feature=related). :bg:)
Die Wäsche dampft und trocknet bald.
seit dem Essen fühlte ich mich wieder zunehmend matter, beim Aufstehen und Gehen merkte ich, das meine Knöchel stark angeschwollen sind, ebenso auch mein Hals und an den Lidern merke ich, daß mein Gesicht auch runder wird.
Dennoch halte ich aus, bis alle zu Sack gehen, doch sobald ich liege bin ich auch schon entschlummert.

codenascher
13.11.2012, 23:38
20.07.2012

Da wir uns ja nun gegen das Weiterlaufen zum Vulkan entschieden, wollten wir wenigstens in aller früh ohne zu frühstücken in Richtung Pass laufen. Heiko bekam die Sonne am Vortag nicht so gut, er blieb im Zelt. Das Wetter war heute eher bescheiden. Nach knappen drei Kilometern stellten wir allerdings fest, dass wir unserem Ziel noch nicht wirklich näher gekommen sind... Der Abgleich unserer Karte mit der Karte auf Katis GPS ergab, dass wir noch eine ganze Weile um einen Berg herum laufen mussten, der uns genau im Weg stand... Dies machten wir natürlich nicht.
Also gönnten wir uns wenigstens einen Tee. Den ersten Topf mit gerade frisch kochendem Wasser hatte hab ich erstmal schön um geschmissen als ich zu meiner Kamera eilte für ein Gruppenfoto... :bg:
(Das geilste daran ist, dass ich das Gruppenfoto nicht einmal auf meiner Festplatte habe :ignore:)

Auf dem Weg zurück zu unseren Zelten erfreute ich mich an dem Wollgras welches hier überall am Wegesrand wuchs und welches ich zuvor noch nie gesehen hatte!

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/kamtschatka_tag_6_-_01.jpg

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Susanne bei ihrer Lieblingsbeschäftigung - Blumen fotografieren

Am Zeltplatz angekommen packten wir zusammen und aßen unser Frühstück wieder am Wegesrand. Gegen Mittag ging es dann los, unser heutiges Tagesziel sollte die Hütte mit dem Plumpsklo in gut neun Kilometer Entfernung sein – wie spannend. Meine Laune war entsprechend schon wieder auf dem Tiefpunkt.

Drei Stunden später erreichten Heiko und ich mit einem knappen Vorsprung von einer halben Stunde vor den anderen unser Ziel. Ich hab mir extra was für die Hütte aufgehoben :cool:
Auf dem Weg zur Hütte fielen die ersten Regentropfen des Urlaubs. Ein leichter Nieselregen, da es aber nach mehr aussah präparierten sich fast alle komplett Regenfest. Um sich ne halbe Stunde später zumindest die Jacken wieder auszuziehen!
Da dank des bescheideneren Wetters endlich mal ein paar Wolken am Himmel waren sah die ganze Umgebung gleich sehr viel schöner aus. Ein Himmel mit Zeichnung wow. Und natürlich erträgliche Temperaturen!!! Irgendwie war die heutige Etappe um einiges erträglicher! Die Matschepampe störte zumindest mich bis auf einen kleinen Ausrutscher nicht weiter :motz:

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/kamtschatka_tag_6_-_02.jpg
ohne Worte :bg:

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/kamtschatka_tag_6_-_05.jpg
Welch Panorama hinter unserem Zeltplatz


Unsere Zelte schlugen wir auf der anderen Flußseite der Hütte an einer Schutzhütte auf. Wir wuschen unsere Klamotten, machten ein Lagerfeuer und verbrachten den Rest des Abends mit quatschen. Da am heutigen Tag die Sonne fehlte, behalfen wir uns zum Klamottentrocknen des „Ewenischen Trockentanzes“ :bg:

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/kamtschatka_tag_6_-_04.jpg
"Der ewenische Trockentanz"

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/kamtschatka_tag_6_-_03.jpg
Unsere Schutzhütte

Schmetterling
13.11.2012, 23:38
Die Suche nach dem Niechinski - 20.7.

Gegen sieben Uhr brechen wir ohne Frühstück und Gepäck auf zum Pass, von wo aus wir unseren unerreichbaren Vulkan wenigstens kurz betrachten wollen. Nur mit Kamera und ein paar Müsliriegeln bestückt ist es ein angenehmes Vorankommen und unsere mückensichere Vermummung schützt uns auch vor den kleinen Plageviechern. Wir rechneten mit einer guten halben Stunde, der Weg zieht sich jedoch deutlich länger sanft ansteigend dahin. „Pass“ ist in diesem Falle auch wirklich übertrieben, denn wir haben seit gestern kaum Höhenmeter gemacht. Er bezeichnet vielmehr die höchste Stelle eines sanften Taldurchstiegs.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Aufbruch_zum_Niechinski.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=65107&title=kamtschatka-zum-niechinski&cat=30)
Auf der Suche nach dem Ichinski

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Zum_Niechinski.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=65115&title=kamtschatka-zum-niechinski&cat=30)
Wo bleibt er denn...

Schließlich studieren wir doch nochmal die Karte, da weder ein deutlicher Pass, geschweige denn ein Vulkan in Sicht kommt. Der Blick macht uns die Sinnlosigkeit unseres Tuns klar, denn der Vulkan wird von einem kleineren Berg zu unserer Linken verdeckt. Wir würden komplett um dessen Fuß herumgehen müssen, um freie Sicht zu haben. Das wiederum würde noch einige Zeit dauern und wir wollten heute ja noch ein gutes Stück Weg zurück gen Esso schaffen. Also streichen wir endgültig die Segel und kehren um. Zunächst feiern wir unsere Niederlage jedoch mit Müsliriegeln und einem Tässchen Tee. Hiermit taufen wir den Vulkan in „Niechinski“ um, haben wir ihn doch nie zu Gesicht bekommen. Laut Beschreibung hätten wir ihn spätestens im Laufe des gestrigen Tages aus der Ferne sehen müssen. Haben wir aber nicht, trotz guten Wetters. Wahrscheinlich ist dieser Vulkan lediglich ein unerreichbarer Mythos...


http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Abbruchtee.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=65106&title=kamtschatka-abbruchtee&cat=30)
Abbruchtee

Niedergeschlagen treten wir langsam den Rückzug an. Ich lasse mir Zeit, um die zahlreichen blühenden Pflanzen zu fotografieren. Mal wieder bedauere ich, kein Bestimmungsbuch hier zu haben.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Iris.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=65108&title=kamtschatka-iris&cat=30)
Iris am Wegesrand

Zurück am Lager bauen wir die Zelte ab, frühstücken kurz und treten den Rückweg an. Der Himmel ist bedeckt und da wir wissen, was auf uns zukommen würde, läuft sich der Weg sehr angenehm. Eine fast euphorische Stimmung macht sich in mir breit. Vor uns liegen 10 lockere Kilometer, die Temperatur ist angenehm und die Wolken geben dem Himmel nach dem gleisenden Blau der letzten Tage eine nette Struktur. Endlich ein Fotohimmel.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Sumpfumgehung.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=65114&title=kamtschatka-sumpfumgehung&cat=30)
Sumpfumpfumpf

Als wir die Ebene erreichen, fängt es tatsächlich an zu regnen. Grummelnd ziehen wir unsere Regenjacken an. Ich will meine Regenhose nicht anziehen, tue es jedoch auf dringendem Anraten der anderen dennoch. Eigentlich ziehe ich sie nur bei Sturm und Kälte an und tatsächlich läuft mir schon bald der Schweiß runter und ich gehe in meinem eigenen Saft. Meine Laune sinkt auf den Tiefpunkt. Ich bin eh ganz hinten, beschließe jedoch, mich wieder umzuziehen. Nur um festzustellen, dass hinter der nächsten Kurve eine Furt auf uns wartet. Also nochmal alles ausziehen…


http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Neue_Wedeltechnik.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=65113&title=kamtschatka-wedeltechnik&cat=30)
Arne perfektioniert die Wedeltechnik

Zum Glück hört der Regen bald wieder auf und wir lustwandeln fotografierend über die Ebene. Wir haben das Klohäuschen von gestern als unser heutiges Ziel ausgemacht. Ich lasse mich im Laufe des Nachmittags etwas zurück fallen, um in Ruhe Pflanzenaufnahmen machen zu können. Endlich ist auch das Rucksackgewicht so weit geschrumpft, dass ein häufiges Knien auf dem Boden möglich wurde. Ich fühlte mich angekommen und wohl hier draußen.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Russische_Jadgh_tte.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=65116&title=kamtschatka-russische-jadghuette&cat=30)
Ob wir hier bleiben sollen?

Am Klohäuschen befindet sich auch eine Jagdhütte und wir überlegen, einfach hier an der Hütte zu bleiben. Inzwischen regnet es auch wieder und ein Unterstand für die Nacht wäre ganz nett. Die ganze Umgebung ist aber müllig und zugewuchert und auch das Innere der Hütte lädt keineswegs zu einem längeren Aufenthalt ein. So warten wir unter dem Vordach den kurzen Regenschauer ab und überqueren die Furt, um auf der anderen Seite am Picknickplatz unser Zelt aufzubauen. Beim Furten verfangen sich unerklärlicherweise einige große Holzbalken in unseren Rucksäcken, die dann sehr willkommen für ein kleines Lagerfeuer sind.


http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Knobikur.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=65111&title=kamtschatka-knobikur&cat=30)
Angeblich soll viel Knobi gegen Mücken helfen...

Leider hat es wieder angefangen zu regnen. Zwar nicht viel, dafür aber stetig. In kurzen Regenpausen bauen wir die Zelte auf. Trotz Regens wasche ich mein Hemd und hoffe, dass es bis morgen irgendwie trocken wird. Wir kauern uns zum Kochen unter das Dach des Unterstandes und erzeugen mit dem Hobo so viel Rauch, dass die Mückenschwärme einigermaßen erträglich bleiben. Nach dem Essen entfachen wir ein großes Lagerfeuer und gehen daran, unsere frisch gewaschene Kleidung zu trocknen. Dabei entwickeln wir den „Ivenischen Trockentanz“: damit jeder mal in der Rauchfahne stehen muss, wechseln wir alle 10 Sekunden die Position und bewegen uns so langsam kreisförmig um das Feuer. Die Kleidung dampft und trocknet an den prasselnden Flammen erstaunlich schnell, was auch den Rest der Truppe dazu veranlasst, noch das ein oder andere Kleidungsstück zu waschen. Die allgemeine Bettruhe wird spontan bis weit in die Dunkelheit nach hinten verschoben, das Feuer ist einfach zu schön.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Ivenischer_Trockentanz1.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=65109&title=kamtschatka-ivenischer-trockentanz1&cat=30)
Der Ivenische Trockentanz

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Ivenischer_Trockentanz2.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=65110&title=kamtschatka-ivenischer-trockentanz2&cat=30)

willo
13.11.2012, 23:38
21.07.2012

Die guten Vorsätze mit der Losgehzeit anstelle der Aufstehzeit sind jetzt komplett vergessen. Als ich eine halbe Stunde vor Aufbruchzeit aus dem Zelt krieche um schnell zu Frühstücken und Abzubauen, haben die meisten Anderen noch nicht mal mit dem üblichen drei Gängen angefangen und schon gar nicht das endlose Gewühle und Gesuche des Abbauens begonnen. Meine Beschwerden darüber werden aber leider nicht mehr ernst genommen und es wird sich stattdessen darüber lustig gemacht. Auch mein Einwand das ich selber gerne lange schlafe und statt 90 Minuten rumzustehen lieber im Schlafsack bleiben würde wird ignoriert und damit gekonnter, dass ich einfach kein Genusswanderer sei. Wenn sich Genusswandern dadurch auszeichnet 90 Minuten zu Frühstücken und auch nach diversen Tourtagen das Abbauen des Lagers in einem unkontrollierten Chaos ausarten zu lassen - dann bin ich wohl wirklich kein Genusswanderer. Da Rücksichtnahme beim Genusswandern hauptsächlich in eine Richtung funktioniert vertreibe ich mir den Rest des Morgens mit warten ;-)

Den Rest des Vormittags geht es hauptsächlich durch sumpfige Wiesen und über schlammige Trails. Dafür brennt wegen der noch recht starken Bewölkung die Sonne noch nicht so stark. Nach einiger Zeit läuft Sven ca. 100m vor mir auf einen kleinen Hügel und ich sehe wie er wild mit den Armen fuchtelt und mit den Händen eine Kamera imitiert. Als ich darauf komme, dass es irgendwas zu fotografieren gibt montiere ich im Laufen das Tele auf meine Kamera und erreiche Sven nach wenigen Sekunden. Als ich neben Sven stehe, erzählt er mir, dass er einen Bären im Unterholz gesehen habe. Aufgeregt starre ich auf die beschriebene Stelle und urplötzlich stellt sich der Bär ca. 20-30 m vor uns auf seine Hinterbeine und guckt uns neugierig an. Ich halte mit dem Tele drauf und gehe langsam mit Sven nach hinten. Der Bär jedoch, scheint sich nicht nähern zu wollen und guckt uns einfach nur an. Als die ersten weiteren Mitglieder unserer Gruppe um die Ecke kommen, verzieht sich der Bär ins Unterholz, zeigt sich den Anderen jedoch noch einmal kurz auf den Hintebeinen, bevor er in ein kleines Waldstück flüchtet. Ich bin überglücklich! Leider habe ich in der Aufregung vergessen die Belichtungszeit für das Tele anzupassen und so sind die meisten Fotos des Bären ziemlich verwackelt. Mindestens eines ist jedoch halbwegs brauchbar und wird mehrfach in die Runde gegeben. Dieses Foto sollte bis zum Ende der ersten Tour das einzige bleiben, für dass sich das fast 1 kg schwere Tele wirklich gelohnt hat.

http://www.album.de/img1/big/235/23580366832306.jpg
kamtschatka (53 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358036/kamtschatka-53-von-199-.cfm)

http://www.album.de/img1/big/235/23580388181480.jpg
kamtschatka (55 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358038/kamtschatka-55-von-199-.cfm)

Nach dem erneuten durchqueren einer großen Furt treffen wird bald auf den bisher unbekannten Teil des Weges indem wir die Furt vom Start der Reise nicht nehmen, sondern lieber dem Trail folgen und auf irgendeine andere Möglichkeit der Furt hoffen oder eben auf die Möglichkeit uns auf dieser Seite des Flusses nach Esso durchzuschlagen. Die Lichtstimmung ist mit dem Aufreissen der Wolkendecke auf einmal ganz hervorragend und es besteht die Hoffnung auf ein paar schöne Landschaftsaufnahmen. Der Weg ist jetzt von sehr guter Qualität und es geht sehr zügig voran. Vorne ist die Stimmung dementsprechend gut und wir bleiben immer wieder stehen um Fotos von der sich nun in atemberaubender Schönheit zeigenden Landschaft zu machen.

http://www.album.de/img1/big/235/23580483379495.jpg
kamtschatka (64 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358048/kamtschatka-64-von-199-.cfm)

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kamtschatka (65 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358049/kamtschatka-65-von-199-.cfm)

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kamtschatka (66 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358050/kamtschatka-66-von-199-.cfm)

Am frühen Abend sind wir uns sicher, dass man es von hier aus am morgigen Tag sicher zu dem kleinen See bei Esso schaffen kann und wir einigen uns darauf bei der nächsten Möglichkeit das Nachtlager aufzubauen. Leider ist links und rechts des Weges sehr dichtes Buschwerk und an das Aufbauen von Zelten ist nicht zu denken und außerdem ist der recht nahe Fluss absolut nicht zu erreichen. Bei einer kleinen Verschnaufpause schlägt sich Barbara mit einmal ins Unterholz um eine Hütte zu suchen die wir ein paar tage zuvor von der anderen Uferseite aus gesehen haben. Nach einer Stunde und einer durch Arne initiierten Suchaktion schließt sich Barbara wieder uns an, leider ohne die Hütte gesehen zu haben. Nach ein paar weiteren Kilometern geht es an einer durch Sven vorbildlich markierten Weggabelung schließlich nach unten zum Fluss zu einer hervorragenden Lagerstelle. Wir stellen schnell fest, dass wir uns genau auf der anderen Seite der Furt befinden die wir am zweiten tag der Tour wegen des hohen Wasserstandes nicht nehmen konnten. Ebenso schnell stellen wir fest, das wir den tiefsten Teil dieser Furt damals noch gar nicht gesehen hatten. Wir machen noch ein kleines Lagerfeuer und kochen etwas, bevor wir uns in die Zelte verkriechen um Fit für die erwartete morgige Querfeldein-Etappe zu sein.

http://www.album.de/img1/big/235/23580523518389.jpg
kamtschatka (68 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358052/kamtschatka-68-von-199-.cfm)

http://www.album.de/img1/big/235/23580533790820.jpg
kamtschatka (69 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358053/kamtschatka-69-von-199-.cfm)

http://www.album.de/img1/big/235/23580548698700.jpg
kamtschatka (70 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358054/kamtschatka-70-von-199-.cfm)

Goettergatte
13.11.2012, 23:38
21.07.

Meister Petz und die andere Seite des Tals

Ich erwache langsam, habe gut geschlafen, die Mücken im Vorzelt machen, so scheints mir, einen Bogen um mich.
Die Schwellungen im Gesicht scheinen zurückgegangen zu sein, mir gehts, abgesehen von den Knöcheln blendend.
Die Knöchel hingegen sind nicht mehr da, von Wade bis Ferse hat alles den gleichen Durchmesser.
Diagnose:
"Kamchatka-Elefantitis"
Üte hat das selbe Leiden, allerdings an den Händen.
Ich treffe mich wieder mit Bärt zum Kaffeekollegium, es wird ein gemütlicher Morgen.
Das Wetter sieht zunächst noch nach Regen aus, aber es klart auf.
Blödelnd begeben wir uns ans Packen und ziehen frohen Herzens los.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_402_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69782&title=k8&cat=537)

Der Weg ist bekannt, wir kennen seine Tücken, hingegen werden, um manche tückische Stelle, von dieser Richtung, Alternativen sichtbar, welche sich uns auf der Hintur nicht darstellten. Wir kommen rasch vorwärts, genießen das wolkengemaserte Himmelblau und das Farbspiel der Staudenwälder und Wiesen in der klaren Luft.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_420_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69785&title=k8&cat=537)
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_405_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69783&title=k8&cat=537)
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_407_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69784&title=k8&cat=537)

Viele machen Fotopausen zwecks Ablichten der Blüten, andere geben Tempo vor, so zieht sich das Feld weit auseinander.
Irgendwann ziehe ich allein des Weges. Sven und Heiko sind irgendwo weit voraus, Kathrin ca. 300 m hinter mir.
Ich singe wieder vor mir hin, nicht um des toten Punktes willen, sondern wegen der Bären:
"O'er the hills an' far away..."
"Der mächtigste König im Luftrevier..."
"Wir sind des Geyers schwarze Haufen" (
"When boyhoods fire was in my blood..." (A nation once again)
"die Gedanken sind frei"
"Lieschen, Lieschen, Lieschen..." :ignore:
"Go on home british soldiers..."
"Flandern in Not"
...
Kathrin hat mich eingeholt, ich muß langsamer geworden sein,
ich war grad beim Hohenfriedberger Marsch:
"...
Ham se keine Angst,
Herr Oberst von Schwerin,
Ein preußischer Dragoner
tut niemals nicht fliehn
..."
Da grinst sie mich an und ich verstumme, wohl auch errötend.
Ich erklär mich, wir gehen etwas quatschend weiter, später sind wir wieder auseinander.
Ich versuche klassische Stücke zusammenzusummen, das ist weniger verfänglich, wenn wer wieder von hinten anschleicht.
Ich summe grade Tchaikovskys "Slavischer Marsch" als ich auf Heiko, Sven, Barbara und Susanne treff, die mich zu schweigen deuteten und südwärts weisen. Vor uns zeit sich durch einen Streifen Weidengehölz der Lauf eines Flüßchens an, zwischen diesem und uns befindet sich Staudenwiese und lockeres Buschwerk und darin befindet sich
ein BÄR,
es ist mein erster Bär in frieer Wildbahn, oft schon hatte ich, zum beispiel an den Hängen des Fulufjells, im Sarek oder Saltfjell gehofft einen zu treffen. Hier hab ich es letztendlich kaum erwartet, da die Gruppe so groß ist. Nun steht er da, ca 50 m entfernt, und schaut uns an, sellt sich auf die Beine, wittert zu uns herüber, stellt sich auf alle viere.
Kathrin ist mittlerweile auch eingetroffen, Bert und Ute treten weiter hinten in Erscheinung.
Der Bär schaut sich um, wendet uns den Rücken zu, blickt sich noch mals um und trollt sich.
Wir sind ihm wohl zu viel geworden.
Das Ereignis wird aufgeregt besprochen und es vergeht eine Weile, bis wir weiter wandern.
Nun gilt es den Weidenbach zu durchschreiten, es ist ein herrlich begrüntes Gewässer.
Gemeinsam mit Kati und Kathrin schwatzend geht es weiter und bald ist der Rastpavilion der Nacht zu Vorgestern erreicht.
Ich entledige mich der Kleidung und suche zunächst Kühlung im Fluß. Danach Speisen wir, gefolgt von einer ausgiebigen Siesta.
Während ich so, auf dem Bauch liegend, vor mich hin döse, vermeine ich über die Zehen ein vibrieren zu spüren. Ich wunder mich, denke an eine Sinnestäuschung, doch dann ist das leichte vibrieren wieder da, jetzt bemerke ich es, ganz schwach, auch über die Isomatte in Brust und Bauch, doch schon ist es wieder vorbei. Erdbeben denke ich, eines der vielen kaum spürbaren?
Ich bin wieder Wach und sinne vor mich hin, die Erschütterungen vergessend ersinne ich zu "O'er the hills an' far away" einen neuen tourbezogenen Text:

"There’s some porridge in the pan
to those who volunteer to come,
to list and fight the midgeds today
over the Hills and far away.
over the hills and over the main
through Kamtschatkas valleys muddy plains,
ODS calls us and we obey
over the hills and far away"

Kathrin outet sich darauf prompt als Fan von Cornwells "Richard Sharpe"-Reihe :p
Nach der Pause geht es weiter, jetzt kommt wieder die Jimmy Cliff gedächtnis Etappe: "Many Rivers to Cross"

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_434_von_1441_.jpghttp://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_428_von_1441_.jpg
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_439_von_1441_.jpg
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_438_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69790&title=k8&cat=537)
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_460_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69798&title=k8&cat=537)
Ich bleibe wieder gleich in Sandalen. Die vielen Watstellen nehme ich wieder als ausgesprochen angenehm und belebend wahr, auch tut es meinen Knöcheln sehr gut im kalten Wasser zu verweilen.
Die Mücken machen auch kaum probleme, dank des Knoblauchs?
Aber die Hirschlausfliegenähnlichen Sauviehcher hier scheren sich nicht um den Knobi, die zecken weiter, glücklicherweise nicht so arg, wie ihre Vettern im Rogengebiet, die bissen sofort Stücke aus meinen Waden. hier machen sie nur kleine Bisschen.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_455_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69794&title=k8&cat=537)

Sämtliche Querungen, auch die Große über die Bystraja bringen wir zügig, mit viel Witz und Spaß hinter uns.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_451_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69793&title=k8&cat=537)http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_443_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69792&title=k8&cat=537)
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_427_von_1441_.jpg

Dann ist der Punkt erreicht, an dem wir vor 3 Tagen auf den Weg stießen. Fast andächtig betrachten wir die Hänge und Dickichte, die wir neulich durchschritten.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_474_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69802&title=k8&cat=537)
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_463_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69799&title=k8&cat=537)
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_432_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69788&title=k8&cat=537)

Dann ziehen wir weiter, vor 4 Tagen sahen wir auf dieser Talseite eine Hütte und ein Wehr, dort würden wir gerne nächtigen.
Aber je mer wir vorankommen, destomehr schwinden unsere Hoffnungen die Hütte zu finden, kein Weg oder Pfad zweigt zu ihr ab.
Irgendwann bleiben wir stehen und Barbara beschließt einen Erkundungsgang Richtung Fluß zu unternehmen.
Mitlerweile ist die ganze Gruppe wieder beisammen und eine halbe Stunde vergangen, seit Barbara weg ist.
Ich beginne mich zu sorgen und mache mit Bert eine kleine Suchexpedition. Barbara kommt uns von Fliegenschwärmenumwölkt und genervt entgegen, sie hat keine spur von Weg und Hütte gesehen, meint aber, vergebliche Furt des zweiten Tags sei wohl schon recht nah.
Während die Anderen sich auf den Weg machen, bleibe ich mit Barbara zurück, die erst noch verschnaufen und sich der Fliegen erwehren muß.
Dann folgen wir.
Dankenswerterweise hat Sven uns einen Abzweig markiert, der uns schnell zum Lagerplatz an der besagten Furt führt.
Auf den Weg dahin taucht die Sonne die Bergwelt in wunderschönes Abendlicht.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_477_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69803&title=k8&cat=537)
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_483_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69806&title=k8&cat=537)

Der Lagerplatz verfügt über eine Feuerstelle, ein wenig Müll (waren es Windeln oder Binden?) und Feuerholz.
Wir schlagen die Zelte auf und gehen baden. Dummerweise erheben sich, während wir uns nackig machen, Schwärme von Mücken aus den umherliegenden Pferdäpfeln, welche uns prompt pisacken. So fällt es einem leicht, ins eiskalte Naß zu tauchen.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_480_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69804&title=k8&cat=537)

Später sitzen wir am Feuer und haben nach der Art der Einheimischen einen Toppf Tee darüber. Wir scherzen und planen den morgigen Tag, er soll am See enden, welchen wir am ersten Tag sahen, es sind nur 8-9 km, ein Katzensprung.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_490_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69807&title=k8&cat=537)
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_491_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69808&title=k8&cat=537)
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_496_von_1441_.jpg
Natur-Topfhaken

Als das Feuer niedergebrannt und aller Tee getrunken ist begeben wir uns zur Ruh...
weit gefehlt, es wird die schlimmste Nacht.
Die Stiche der Pferdeapfelmücken brennen und Jucken zum wahnsinnigwerden, ich komme erst zur Ruhe, als ich Barbara wecke, das sie mich blitzdingse, aber es hilft.

Scheiß Viehcher

(jetzt da ich dieses schreibe, juckt mir der Rücken erneut :grrr:)

codenascher
13.11.2012, 23:38
21.07.2012

Mit leichter Verzögerung ging es heute früh los. Die Temperaturen annehmbar, der Himmel bewölkt! Die Strecke lief sich heute sehr viel angenehmer als noch vor drei Tagen! Die pralle Sonne und der daraus resultierende Dunst schaffte es die Berge um uns herum vollkommen in ein anderes Licht zu tauchen als heute. Irgendwie war ich heute wesentlich besser gelaunt als die Tage zuvor. Kann dies etwa nur am Licht liegen?

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/kamtschatka_tag_7_-_01.jpg

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/kamtschatka_tag_7_-_02.jpg
zwei Tage zuvor störte mich die Matschepampe noch wesentlich mehr

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/kamtschatka_tag_7_-_03.jpg
Überall Bärenspuren, bloß keine Bären...

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/kamtschatka_tag_7_-_04.jpg
so schön

Da an der einzigen Furt des Tages einmal mehr ohne Ende getrödelt wurde, lief ich einfach alleine los. Ich, meine Gedanken und der verzückte Blick nach links und rechts. Und endlich war es soweit!!!! Meister Petz machte knappe 20 Meter vor mir am Wegesrand Männchen. Woohoo

Ich hab erstmal meine Stöcke fallen gelassen und bin (wahrscheinlich nach einer starren Schocksekunde) langsam Rückwärts gelaufen, dabei an meiner Ortlieb Tasche rumnestelnd die Kamera raus gekramt. :cool:

Bär weg. Häh? Bar wieder da! Ah, der Bursche trollte sich bereits langsam von dannen. Heiko schloss als erster zu mir auf. Als ich ihn in sah, signalisierte ich ihm leise zu sein. Zuerst wusste er nicht worum es geht, verstand dann aber dennoch.
Während ich nun mit meinem UWW Objektiv nen verpixelten Bären aufnahm, konnte er mit seinem Tele Format füllende Aufnahmen schießen!
Bis auf Bert und Ute (welche den Bären leider nicht zu Gesicht bekamen) schloss nunmehr auch der Rest unserer Gruppe zu uns auf.

Was für ein toller Moment. Ich freute mich Riesig und meine Stimmung hellte noch mehr auf! Mensch ich bin auf Kamtschatka war mein erster Gedanke!

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/kamtschatka_tag_7_-_05.jpg
Da ganz klein in der Mitte versteckt er sich ;-) Aufgenommen mit 24mm an Crop

Unseren Schätzungen nach, müsste es sich noch um ein relativ junges Tier von vielleicht drei Jahren handeln. Absolut niedlich diese plüschigen Ohren!!!! Wir waren ihm aber definitiv nicht geheuer. Während seines sanften Rückzugs stellte er sich immer wieder auf seine Hinterbeine um nach den komischen Wesen auf dem Weg zu gucken :bg: Welch geiler Moment

Diese Begegnung sollte leider unsere einzige Begegnung mit einem Bären während der gesamten Tour werden. Dennoch war es einfach nur geil! Wer weiß, wie viele Bären sich aufgrund unserer Gruppengröße und des daraus resultierenden Geräuchpegels bereits von dannen machten, eh wir sie zu Gesicht bekamen. Aber, es gibt sie also doch :bg:

Weiter ging es zu unserem Rastplatz von vor drei Tagen. Hier machten wir zur Mittagszeit eine längere Rast. Während unsere Mücken geplagten vermummt unter dem Hüttendach saßen lag ich nur in kurzer Hose und Oberkörperfrei auf dem Boden. Ich vernahm während meines dösens eins zwei neidische Kommentare, Mich ließen die Viecher ja beinahe komplett in Ruhe :bg:

Wir liefen weiter die uns bereits bekannte Piste, der Himmel leicht bedeckt, immer wieder zeigten sich uns Sonnenstrahlen und zauberten jedes mal ein Lächeln auf mein Gesicht. Die nicht gerade geringe Anzahl der Flüsse und sonstigen Furtstellen störten mich nicht wirklich. Weniger schön war aber die Tatsache, dass wir heute zu der Hütte am Fluß, welche wir vor ein paar Tagen unbedingt erreichen wollten, wieder nicht erreichten... Mittlerweile waren wir schon wieder zu späterer Stund unterwegs, den ersten Teilnehmern ging bereits allmählich die Puste aus.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/kamtschatka_tag_7_-_07.jpg

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/kamtschatka_tag_7_-_06.jpg

Barbara übernahm die Suche nach der Hütte. Während wir am Pistenrand verweilten schlug sie sich in die Büsche Richtung Bystraja. Nach einer knappen halben Stunde (Heiko gab mal wieder eine Runde Beef Jerkey aus :bg:) wurden wir, und vor allem Arne ein wenig ungeduldig, gar nervös...

Rufen und pfeifen blieb unbeantwortet... Arne und Bert machten sich auf den Weg Richtung Fluß. Nicht das Barbara noch irgendwie abgerutscht, abgetrieben, gefressen oder was auch immer ist...

Zehn Minuten später ertönten dann endlich wechselseitig rufe und Pfiffe der Gesuchten sowie den Suchenden. Alles in Ordnung, sie hatte sich ein wenig verfranzt. Die Hütte fand sie aber dennoch nicht.
Ich machte mich einmal mehr alleine auf den Weg. Wir vereinbarten den nächsten geeigneten Schlafplatz mit „Frischwasseranschluß“ zu nehmen. Mittlerweile war es schon wieder halb sieben.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/kamtschatka_tag_7_-_08.jpg

Etwa anderthalb Kilometer später zweigte ein Pferdepfad von der Piste Richtung Bystraja ab. Diesen nahm ich und markierte die Stelle mit einem breiten Pfeil und einem „ODS“ in den Staub geschrieben. Die Botschaft wurde eindeutig gefunden und zehn Minuten nach mir erreichte auch der Rest unserer Gruppe den Zeltplatz den ich am Ende des Pferdepfades fand. Witzigerweise befand sich dieser genau auf der anderen Seite unserer ersten gewagten und nicht geschafften Furt vom zweiten Tag!
Ein sehr schöner Platz samt Feuerstelle, wenn man von den Vollgeschissenen Windeln unserer Vorgänger hier mal absah.
Unsere nicht geschaffte Furt nahmen wir uns selbstverständlich auch noch einmal in Augenschein. Von dieser Uferseite sah man erst recht, wie tief es wurde und das spätestens unseren kleinen Mitwanderer hier nie und nimmer ein Chance gehabt hätten!

Wir blieben heute sehr lange auf, zu gemütlich das Feuer, zu gut tat der Tee! Ich gönnte mir heute eine doppelte Portion „Süßen Moment“ mit frisch gepflückten Heidelbeeren – Jammy :cool:

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Belohnung für alle Strapazen - Süßer Moment

Schmetterling
13.11.2012, 23:38
Bärchi!! - 21.7.

Heute morgen ist irgendwie der Wurm drin, wir kommen und kommen nicht los. Da vor uns nur 15 km auf einer gut zu gehenden Strecke liegen, finde ich es nicht schlimm und genieße das Lagerleben und die lustige Stimmung. Nur für einige Teilnehmer ist es eine Qual, stehen sie doch schon längst startbereit auf dem Weg und scharren ungeduldig mit den Füßen.
Endlich hat jeder seine sieben Sachen gepackt und es kann losgehen.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/Kamtschatkinische_sch_nheit.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=66216&title=kamtschatka-schoenheit&cat=537)
Mückenfutter...

In gelöster Stimmung schreiten wir kräftig aus, auch heute wieder ist der Himmel wunderbar gemustert. In guter Laune meistern wir alle Schlamm-, Wat- und Springstellen und albern uns vor bis an die Übernachtungsstelle von vor zwei Tagen. Diese haben wir zur gemeinsamen Mittagsrast auserkoren, so kann jeder sein eigenes Tempo gehen.

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http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/Skandinavien.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=66219&title=kamtschatkafast-skandivanien&cat=537)

Ich nutze die Gelegenheit wieder zum ausgiebigen Bummeln, Landschaft betrachten und Fotografieren. Plötzlich sehe ich Heiko und Sven vor mir Halt machen, sie bedeuten uns, leise zu sein und deuten aufgeregt nach vorne. Ich schließe vorsichtig auf und sehe ihn - ein kamtschatkinisches Bärchen! Er steht hinter einem Busch und schaut uns an. Als ich mir gerade überlegen wollte, ob ich mir Sorgen machen muss, zieht er sich langsam in die Büsche zurück. Wir sind fasziniert und glücklich, endlich ein Bär!

Die Mittagspause dehnen wir bis weit in den Nachmittag aus. In der prallen Sonne kann man fast unbehelligt von den Mücken schlafen und anschließend füllen wir unsere Becher mit fantastisch schmeckenden Beeren. Diese sind erst in den letzten Tagen reif geworden und schmecken göttlich. Ich mache das ganze Haferl voll, bin jedoch zu gierig, um sie bis später aufzubewahren.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/Blaubeerensammeln.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=66213&title=kamtschatka-blaubeersammlung&cat=537)
Beerensammeln

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/Unterschiedliche_M_ckenaffinit_t.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=66220&title=kamtschatka-mueckenffinitaet&cat=537)
Unterschiede in Mückenaffinität...

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/Blitzdings_nerv.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=66214&title=kamtschatka-nervensuche&cat=537)
Arne bei seiner Lieblingsbeschäftigung: interessante Nervenenden blitzdingsen

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/Arnes_Waden.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=66212&title=kamtschatka-arnes-waden&cat=537)
Ohne Worte

Als Zeitvertreib stellen wir die „Liste der kamtschatkinischen Krankheiten“ zusammen. Hier eine kleine Auswahl:

Kamtschatkinischer Keuchhusten:
Symptome: Abrupt auftretender würgender Husten, gepaart mit Spuckreiz und Auswurf in Form von Mückenleichen
Ursache: Bei Reden und Essen ohne Mückennetz eingeatmete Mücken, die sich direkt auf den Weg in die Lunge machen wollen.

Kamtschatkinischer Feuerring:
Symptome: Stark entzündeter und juckender geschwollener Ring oberhalb der Sockenkante
Ursache: Am Sockenabschluss staut sich Blut, die Stelle ist daher besonders bei Mücken beliebt

Kamtschatkinische Gürtelrose:
Symptome: Zerstochener Bereich am unteren Rücken
Ursache: Moderne Outdoorkleidung ist modisch kurz geschnitten, so dass sie bei jedem Bücken den unteren Rücken dem Mückenagriff preis gibt…

Kamtschatkinischer Mongolismus:
Symptome: Zugeschwollene Augen und Gesichtspartie, kann auch an Fingerknöcheln auftreten
Ursache: Allgemeines Versagen des Lymphsystems bei zu vielen Stichen
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/Mongolismus.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=66218&title=kamtschatka-mongolismus&cat=537)

Kamtschatkinische Botoxlippe:
Symptome: Angeschwollene Lippe; leider meist asymmetrisch
Ursache: Was schon, Mückenstiche natürlich…
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/Botoxlippe.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=66215&title=kamtschatka-botoxlippe&cat=537)

Kamtschatkinische Hysterie:
Symptome: siehe diese Liste, unkontrollierte Lachanfälle
Ursache: Gruppenkoller auf Kamtschatka

Am Nachmittag machen wir uns an die zahlreichen Furten. Die große meistern wir diesmal sehr rasch, wir sind alle geübt und außerdem führt der Fluss deutlich weniger Wasser. Diesmal kamen sogar Kati und ich mit trockenen Unterhosen an… Wir sparen uns das ständige Umziehen und liefen weite Strecken in Watschuhen. Die kleinen Flüsschen sind wieder eine willkommene Abkühlung.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/Alter_Milit_rweg.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=66211&title=kamtschatka-militaerweg&cat=537)
Alte Militärstraße

Schon bald kommen wir an der Stelle vorbei, wo wir vorgestern den Weg betreten haben. Nach einer kurzen Schweige- und Gedenkminute, in der wir andächtig die Wildnis auf der anderen Seite betrachteten, schreiten wir munter voran. Unser heutiges Ziel ist eine kleine Hütte, die wir vorgestern von der anderen Flussseite gesehen haben. Wir freuen uns vor allem auf das kleine Klohäuschen und Sven und Heiko sind ganz wild darauf, ihre Angeln in einem ebenfalls gesichteten angestauten Gewässer auswerfen zu können.
Der Weg zieht sich im weicher werdenden Nachmittagslicht aus dem Flusstal hinauf auf eine weite Ebene. Endlich wird die Landschaft so schön, wie wir sie uns in den letzten Tagen erträumt haben. Wolken ziehen über den Himmel und es sieht fast aus wie in Skandinavien. Verzückt und glücklich steigen wir hinan, immer in der Erwartung eines nach links zur Hütte abbiegenden Weges. Wir haben mit dem Fernglas deutlich einen Fahrweg vor der Hütte gesehen, der muss ja von irgendwoher kommen. Da es hier ja nicht viele Wege gibt, muss der irgendwann nach links abgehen. Dachten wir. Schließlich müssen wir jedoch einsehen, dass wir längst an der Hütte vorbei sind. Barbara startet eine lange Erkundungstour bis an den Fluss, findet jedoch keinen Weg. Sehr seltsam, das alles! Nach dem Geistervulkan nun noch eine Geisterhütte mit einem Geisterweg. Die Frustration ist groß, der Abend mal wieder weit fortgeschritten. Hier können wir aber nicht bleiben, da es hier oben kein Wasser gibt. Also weiter. Wir wollen an der nächsten einigermaßen akzeptablen Stelle Halt machen, in spätestens 4 Kilometern würde der Weg dann wieder zum Fluss hinunter führen.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/Abendstimmung1.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=66210&title=kamtschatka-abendstimmung&cat=537)
Abendstimmung

Die Schnellen sprinten voraus, wir anderen bummeln die Landschaft bewundernd hinterher. Wir haben uns noch auf einen längeren Marsch eingestellt, umso erstaunter sind wir, als bereits nach 2 km der Weg nach links zum Fluss runter führt. Es ist tatsächlich die Furt, an der wir am zweiten Tag gescheitert waren. Und dort wartet ein ganz fantastischer Ratsplatz mit tollen Zeltstellen und einer Feuerstelle. Wieder präpariert von einer der Reitertruppen vor uns. Es folgte das allabendliche Ritual mit Waschen, Kochen, Feuer schüren. Das Waschen ist heute allerdings besonders qualvoll. Es sind unerreichte Mückenzahlen unterwegs, was das Waschen wirklich zur Qual macht. Ich war echt genervt und beschränkte mich auf ein Minimum.
Umso schöner ist der Abend am prasselnden Feuer mit Dauerteeproduktion im Hordentopf. Wieder viel zu spät ob dieser tollen Abendunterhaltung gehen wir ins Bett.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/Vorletztes_Lager.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=66221&title=kamtschatka-lager&cat=537)

Goettergatte
13.11.2012, 23:38
22.07.

Zum See ists nur ein Katzensprung :ignore:
oder:
"Suicide is painless"

Als ich Morgens erwache fühl ich mich wie gerädert (ein Ausdruck der unmöglich ist, wenn man weis, was Rädern wirklich bedeutet, aber mir fällt nichts besseres ein)
Ich schlage die Augen auf, es gelingt mir nur halb, mein Gesicht ist derart verquollen, das ich sie kaum auf kriege. Die Lider sind gradezu aufgebläht, dazu auch Wangen. Während Barbara anfängt zu kichern, bemerke ich auch wieder das feine sämtliche Körperfasern durchdringende Jucken am Rücken.
Ich massiere mein Gesicht, lasse meine Rückfront und den Nacken blitzdingsen, bevor ich mich in die Öffentlichkeit der anderen 7 wage.
Diese diagnostizieren bei mir eine ausgesprochen eindrucksvolle Form des Kamchatka-Mongolismus - na prächtig!

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Tapferer Nachtwächter

Wir Frühstücken ausgiebig, ich treffe mich wieder mit Bärt um an seinem Kaffee zu partizipieren.
Danach behandel ich meinen Hals mit dem Blitzdings. Dabei gelingt es mir wiederholt einen nervenstrang am Hals zu treffen, der meine Schulter unwilkürlich hochzucken läßt. (Kamtschatka-Epilepsie diagnostizieren die Damen Kathrin und Susanne).
Es wird viel geblödelt, Bärt und ich unterhalten uns in Film- und Asterix-Zitaten (Mein Herr?!?)
Als wir schließlich aufbrechen verheddert sich Üte fürchtbar in einem Lachstrang und bringt 80 % der Gruppe mit ins Straucheln.
Für die nächsten 20 Minuten hab ich Bauchmuskelweh.
Wir kommen zügig voran, der Weg führt mählich steigend dem Uferhang hoch und bietet gute sicht auf die Strecke des zweiten Tages.
Die Sonne steigt, es wird wieder heiß, jedoch nicht schwühl und ein leichter wind weht durchs Tal, welcher auch das Fliegzeug nieder hält.
Irgendwann erblicken wir die Rangerstation des ersten Tages in der Ferne und bald darauf sind wir gegenüber unseres ersten Lagers angekommen. Hier verschwindet der Weg im Fluß, eine Querung ist auch heute nicht durchzuführen, wozu auch, zu dem See sinds doch nurnoch maximal 5 km diesseits des Flusses.
So geht es nun weglos weiter, zunächst zeichnet sich noch eine Reitspur in der Uferwiese ab, welche sich jedoch, nahezu genau gegenüber der Rangerstation verliert. Durch Kiefergebüsch und niedrigere Stauden steigen wir etwas Hangwärts auf eine Felswand zu, da wir in ihren Schatten zunächst beratschlagen wollen und wir uns an ihrem Fuße leichteres Vortkommen versprechen.
Dabei können wir noch einmal einen letzten Rückblick ins obere Bystrajatal werfen.
Wir haben 2 Optionen:
- Über den Berg hinter unserem Rücken, durch Wald und steile Hänge, gehen, anschließend ein tiefes schluchtiges Seitental queren und einen Steilhang wieder hoch.
- Das Ufer entlang gehen, so gut es geht, das Seitental in einer Schwemmebene seines Mündungsbereichs queren und die Berglehne mit dem See im direktanstieg nehmen.
Wir entscheiden uns für Option 2.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_509_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69811&title=k9&cat=537)
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_510_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69812&title=k9&cat=537)


Wir gehen weiter, Flußlängs dem Fuße der Felswand folgend. Zunächst gehts gut, dann kommen wir in ein Erosionsfeld, welches zur Blockhalde wird. Diese wird etliche male von Kieferdickicht durchbrochen, durch welches man sich durchzuwühlen hat. Es ist dicht wie eine Hecke.
Das Tal nimmt die Form eines Durchbruchtals an, der Erosionsgürtel geht mittlerweile bis ans Ufer. Hier ist leicht wasser zu nehmen, so beschließen wir hier zu Rasten.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_517_von_1441_.jpghttp://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_525_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69815&title=k9&cat=537)

Noch 3,5 km zum See.

Während der Pause genießen wir das wildromantische Tal mit der Gegenüberliegenden Felswand.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_518_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69814&title=k9&cat=537)

Danach gehts weiter, zunächst direkt am Ufer, danach werden wir von Weidendickicht wieder Hangaufwärts gedrängt.

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http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_536_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69820&title=k9&cat=537)http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_535_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69819&title=k9&cat=537)

Zunehmend wird unser vortkommen durch Baumleichen eines großen Waldbrandes behindert, welche stets und in immer kürzeren Abständen zu übersteigen sind. Bald ist es nicht mehr möglich zwei normale Schritte hintereinander zu machen. Wir werden weiter Hangauf gedrängt, dann sind wir wieder gezwungen abzusteigen, die Hitze im Engen Tal, ohne Schatten, wenigstens regt sich noch ein leichtes Windchen, macht mir wieder sehr zu schaffen. Irgendwann setze ich meinen Rucksack ab, fluche keine Revolvertasche für Trinkflaschen zu haben, geschweige denn ein Trinksystem, und wühle nach meiner Flasche.

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Danach geht es erst einmal wieder flußwärts, Flasche auffüllen, dann wieder den Hang hinauf, die halbverkohlten stämme liegen Hektarweise wie Mikadostäbe in der Landschaft.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_539_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69825&title=k9&cat=537)

Noch 2,8 km zum See.
Föllig genervt werden wir wieder zum Ufer gelenkt, hier ist kein Fortkommen mehr.
Wir queren einen Nebenarm der Bystraja, auf einer Insel finden wir im Weidendickicht einen Bärnpfad, den wir etwas Flußab folgen, dan müssen wir wieder ans landfeste Ufer zurück. Wieder hangwärts, ein erneutes Kieferdickicht durchdringen ... ich verschnauf erst mal an einem schattigen Baum, durstig, aber nicht motiviert, nach meinem Wasser zu kramen, sitze ich fluchend vor mir hin transpiriernd (transpirieren ist eine Sache, die ich mit am besten kann) im Nichts.
Da klingt neben mir mit einem Mal eine Stimme:
"Wasser? Hast Du Durst?"
Ich blicke auf, Kati reicht mir ihre Flasche.
Was soll ich sagen?
In der Kathedrale meines Herzens wird ewig eine Kerze für sie brennen! ;-)
Es wird nicht das letzte Mal sein, das sie mir an diesem Tag zu trinken gibt.
Das GPS Sagt: noch 2,5 km zum See.
Im Kopf nachrechnend sagt mit dieses, daß es nicht unwarscheinlich sein kann, daß bis dahin noch 4-5 Stunden ins Land gehen könnten :o
Mittlerweile sind wir wieder an Ufer, wir gehen einen schmalen Staudenbewachsenen Sims, 1,5 m über der Strömung, einen 30-40° Hang entlang. Das Baumleichenmikado ist vollkommen von stauden überwuchert und Rosenumrankt, man sieht nicht wo hin man tritt, stolpert nur und ist um Ausgleich der Ballance bemüht, um nicht in den Fluß zu stürzen. Einige male gleitet mein flußwärtiger Fuß aus, oder eine unterspülte Nabe bricht ab. Dann stecke ich plötzlich fest.
Mein linker Fuß ist zwischen zwei Baumstämme geraten, ein Ast bohrt sich in meine Pobacke. Fluchend versuche ich mich zu befreien, ich fühl mich wie Ronja bei den Rumpelwichten.
Irgendwann komme ich frei, keine Ahnung mehr, wer mir hilft, und ob überhaupt.
Ich will nur raus aus diesen Gewusel und kletter den Hang hinauf. Dort ist lichter Kieferwald mit viel Blaubeeren. Ich such mir einen Platz mit Schatten und möglichst vielen Beeren ind handgreifender Entfernung.

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Ich lasse die Anderen kommen und machen, ich brauch jetzt meine Ruhe,
noch immer 2,2 km zum See ... :grrr:
Ich summe eine Melodie vor mich hin und versuche den dazugehörigen Text auf die Reihe zu bringen, Johnny Mandells "Suicide is painless".
Dann steht Kati wieder mit der Wasserflasche neben mir .... :p
Ich finde es rührend, das sie zu merken scheint, wie fertig ich mich fühle.
Nach dem ich meine Zellen erfrischt habe, raffe ich mich auf, nach meiner Wasserflasche in den Rucksacktiefen zu wühlen, um widerum Katis Flasche zu füllen,
dann gehen wir weiter, über die Hügelkuppe, durch lichten neu entstehenden Nadelwald, in mitten noch stehender und liegender Waldbrandskelette.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_553_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69830&title=k9&cat=537)

Von hier oben wird auch erkennbar, das der Waldbrand seinerzeit auch die Bystraja übersprang und die Wälder auf dem Wege des ersten Tourtages vernichtete.
Nach wenigen hundert Metern überblicken wir den Mündungsbereich des noch zu querenden Nebenflusses. Wir überblicken eine Staudenüberwachsene Ebene, aus der weitere Baumstümpfe ragen. Auf einem von diesen befindet sich der Horst eines Adlers, welcher schon mindestens seit unserer Rast keifend über uns kreist. Sicher befinden sich Junge im Nest, leider sehen wir sie nicht.
Auf der gegenüberligenden Uferterasse erblicken wir blinkendes Blau, der See,
noch 2 km.
Wir steigen hinab, schneller als erwartet erreichen wir den Nebenfluß, ihn zu queren wird noch mal eine kleine Herausforderung.

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ich habe mich grade meiner Hosen entledigt und die Sandalen an, da schlittert Kati schon Flußwärts das steile ufer hinunter.
das Wasser geht ihr fast bis zum Schritt. Heiko ist bereits voraus, ich rutsche grade zu Wasser, als kati plötzlich den Halt verliert, um bäuchlings in die Fluten zu stürzen ...
:shock:
...was jedoch nicht geschieht, sie taucht lediglich ihre Fototasche unter Wasser.
Der Rest der Querung ist recht einfach, ich schätze wir haben einen blöden Einstieg erwischt.
heiko und ich stürmen den Hang hinauf, dabei erhärtet sich ein Verdacht:
Das Motorengeräusch, welches wir seit dem Abstieg zu letzten Furt gelegentlich wahr nahmen, rührt nicht von Motorsägen her, sondern von einem Schlauch-Motorboot, welches seine nervtötenden Kreise rund um die Insel des Sees zieht, bald darauf ertönt aus dem Radio eines dort stehenden Jeeps laute Technomusik und wir erkennen, das der Rastpvilion von Jugendlichen belegt ist, welche, den Autos nach zu urteilen dem Dorfoligarchiat angehören.
DAs Seeufer ist von zwei Besoffskies mittleren Alters und einer bekifft wirkenden Frau mit Kindern belegt.
Heiko und ich checken das Ufer nach einem Lagerplatz ab.
Dabei erregenw ir die Aufmerksamkeit eines der Besoffskies, er redet auf Heiko ein und kommt uns hinterher, als wir von Ufer wieder aufsteigen, Richtung Rastplatz.
Die einzigen Worte welche ich Verstehe sind "Hitler kaput", "Putin gutt Man" und seinen Namen "Boris".
Mittlerweile ist auch der Rest der Truppe eingetroffen und hat als Lagerplatz eine Waldwärts liegende Wiesenmulde erwählt.
Wiese ist da nicht, einige Grasbüschel und staubfeiner Sand. Diesen Sand, man sollte eher sagen Schluff bedeckt weite Teile des Rastplatzes.
Die russischen Jugendlichen ziehen sich fröhlich schwatzend zurück und verfrachten ihren Besoffski im Auto.
Die Eheleute Besoffski-Kiff verfrachten ihr Boot nebst Kinder und wir haben den See für uns, einschließlich Ölfilm durch Motor.
Dann bemerke ich eine Rauchfahne an einer Baumwurzel, der sache auf den Grund gehend erkenne ich eine Brandstelle, tief unter dem Boden, im Schluff ist ein haarfeines Wurzelgeflecht, welches vor sich hin ülmt, beim untersuchen des Brandnestes entdecke ich einen hlbverkokelten Zigarettenfilter, welcher in den Boden getreten ist. es braucht sämtliche Wasservorräte welche noch bei uns sind, um das Feuer zu löschen, es hat eine Fläche von nur 0,25 m².
Frisches Wasser wird durch Susanne und Alex an der letzten Furt besorgt, ihnen gebührt dafür größtes Lob, denn der See ist scheinbar nur moorgespeist und entwässert durch Versickerung.
Der Wind treibt die Öllache vom Steg fort und ich schwimme mit Kati und Heiko einige Bahnen.
Danach wird gegessen, geteet, gefeuert gespaßt und geschlafen.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_560_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69831&title=k9&cat=537)http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_568_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69833&title=k9&cat=537)http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_565_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69832&title=k9&cat=537)

Kaum das die Sonne fort ist, entsteigen den Wasen die fliegenden Plagen.
Da helfen nur Karibische Antimückenstäbe:

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_592_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69838&title=k9&cat=537)http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_593_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69839&title=k9&cat=537)

codenascher
13.11.2012, 23:38
22.07.2012

Nach dem langen Vortag einigten wir uns heute wieder auf eine Christlichere Aufsteh – bzw. Losgehzeit, diese hielten wir mit einer halben Stunde Verspätung auch knapp ein :bg:

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/kamtschatka_tag_8_-_06.jpg
Äffchen, Rudi, Trunki und Mati

Wir folgten der Piste in Richtung Ranger Station. Vor einem mir unbekannt ausgelösten Lachanfall von Ute (und die gute kann Richtig laut lachen! :bg:) flüchtete ich einfach davon, also erstmal wieder alleine unterwegs ;-) Die Sonne schien erbarmungslos vom Himmel. Von Mücken keine Spur, aber gefühlte 35°, absolut null Schatten...
Die Freude über die Piste hielt leider nur so lange an, bis wir die vermeintlich bereits im Rücken gedachte Rangerstation auf der anderen Flußseite erspähten. Die Strecke bis hier hin zog sich halt doch ganz schön. Schlimmer allerdings: Wie erhofft führt die Piste hier nicht weiter Richtung See.

Heiko und ich gingen das Ufer gegenüber unseres ersten Rastplatzes ab, tief war es hier. Die Strömung zumindest augenscheinlich auch nicht von schlechten Eltern! Trocken wären wir sicherlich nicht alle hier rüber gekommen, wenn wir es versucht hätten...

Weiter ging es erstmal ein Stück über trockenes Gras und Heidekraut bis an den Fuß eines verblockten Steilhanges. Dem Steilhang folgten wir parallel zur Bystraja. Hier machten wir auch unsere verdiente Mittagspause. Einige im Schatten, andere in der Sonne. Während das Gros unserer Gruppe Augenpflege betrieb kochte ich mir ein Süppchen, stopfte Susanne mit Schokolade voll und überhaupt hampelte ich eher unausgelastet umher.

Nach unserem hinausgezögerten Aufbruch wurde der Weg immer Beschwerlicher... Unser bis zur Pause nur verblockter Weg wechselte zum verblockten Steilhang, garniert mit unzähligem Totholz, heruntergekommen durch einen alten Erdrutsch. Die Erosion hat hier schon erstaunliche Fortschritte gemacht. Kahle Bäume legen Zeugnis für einen alten Waldbrand ab.

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Der Weg, unser Weg, war weiterhin beschwerlich wie kaum ein zweites mal. Unsere Gruppe hat sich mittlerweile ein klein wenig aufgespalten. Heiko, Kathrin und ich wie immer in der Spitze, der Rest bildete einen Mittelteil und das Schlusslicht. Das Vorankommen war noch Mühseliger als am zweiten Tag...

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Utes Bein machte mittlerweile leider überhaupt nicht mehr mit. Unter Schmerzen und sicherlich auch Tränen schleppte sie sich wie keine zweite über diesen verfluchten Untergrund... Ich war ehrlich gesagt sehr froh, nicht in ihrer Haut zu stecken. Aufgrund ihrer Hüfte hatte sie die ganze Tour über schon immer am meisten zu kämpfen. Starke Leistung!!!
Irgendwann war es allerdings so schlimm, dass durch Kathrin angeregt wir ihr zumindest einen kleinen Teil ihres Rucksackgewichts abnehmen konnten! Aber selbst zu diesem Zeitpunkt bis Ute die Zähne zusammen und wollte ihr Hab und Gut alleine zu unserem Ziel schleppen. Sturer Esel :bg:
Den Steilhang hatten wir an dieser Stelle mittlerweile komplett erklommen, nur mussten wir nun wieder runter oder in einem Riesenbogen um das vor uns liegende Tal laufen. Runter! Hier versperrten uns Pinien und andere Bäume den Weg. Wir wechselten über einen schmalen Seitenarm auf eine langgezogene Insel im Fluß, durchzogen von Bärenspuren...
Von der Insel ging es wieder zurück an Land und kurze Zeit später wieder auf die Insel und wieder zurück. Von da aus wieder einmal hinauf...

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Die Stille um uns herum wurde eigentlich nur durch das Rauschen der Bystraja untermalt und durch immer währende Flüche von Arne und mir in der ersten Reihe unterbrochen. Immer wieder brachen wir, mittlerweile durch Hüfthohes Gras laufend, zwischen dem ganzen Totholz ein.

Über uns kreiste ein Greifvogel, wachend über seinen Horst. Heiko war mehr als verzückt, schleppte er nunmehr seit einer Woche sein Tele rum. Nach dem Bären am Vortag endlich ein weiteres lohnendes Motiv!

Das letzte Stück ging es über eine Ebene, welche vom Steilhang flach und dünn bewachsen aus sah. Für Kamtschatkinische Verhältnisse war sie es auch, für mitteleuropäische war selbst dies eine Herausforderung. Den letzten Bach des Tages kostete Kati noch einmal besonders aus, fiel sie im nur Knietiefen Wasser hin. Nichts passiert, Kamera wie immer Wasserdicht verpackt.

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Die letzte Furt unserer Tour!

Nun war es nicht mehr weit bis zur erhofften und vor allem verdienten Abkühlung. Nach einer Minierhebung ging es im kurzen Zick-Zack vorbei an zwei kleinen Tümpeln auf den See zu. Die Freude auf den See war allen ins Gesicht geschrieben. Das Entsetzen beim eintreffen allerdings auch. Eine Hand voll Einheimischer zog hier mit einem kleinen Gummiboot mit Außenborder Kreise auf dem vielleicht zwei Hektar großen (oder kleinen?) See. Schaschlikgeruch, Hunde, besoffene...
Erstaunlich allerdings, die Gruppe junger Russen sagte uns freundlich Hallo, packte Boot und Grillzeug ein und bereitete sich auf den Abschied vor. Zwei neue Toyota Jeeps, Armani Sonnenbrillen und eben solche Designeruhren in groß schmückten auch hier die „neuen“ Russen!

Aus der Reihe tanzte hier Boris, in welchem Familiengrad er zu den anderen stand frage ich mich heute noch. Wahrscheinlich der missratene Onkel oder so :ignore:
Auf jeden Fall begrüßte er uns sofort mit dem Hitlergruß, stellte sich immer wieder als Boris vor und wollte unseren Damen die Hand küssen. Er wurde kurzerhand von den Jüngeren in einen der Toyotas gesperrt! Man wünschte uns noch einen schönen Abend und machte sich von dannen.
Eine Zigarette welche Boris achtlos auf den Boden warf erzeugte hier nach wenigen Minuten einen kleinen Schwelbrand unter der Erde! Diesen löschten wir mit Seewasser. Krass wie schnell sowas passieren kann

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/kamtschatka_tag_8_-_05.jpg
Der Itka See

Trotz eines leichten Ölfilms auf der Wasseroberfläche am Steg sprangen wir ins lang ersehnte Nass!

Anschließend mussten wir uns noch einem anderen Problem stellen – kein erkennbarer Zufluss mit Frischwasser. Aus der Plörre wollte keiner so richtig trinken, nicht einmal mit Micropur...
Susanne und ich erklärten uns bereit, mit allen Behältnissen auf den Rücken zu unserer letzten Furt zurück zu stiefeln. Im Gegenzug war unser Lager bereits komplett aufgestellt und sogar meine Neoair bereits aufgeblasen als wir zurück kamen! Dankeschön

Nach dem Abendessen löste sich unsere Gesellschaft langsam auf und trollte sich in die Zelte. Welch schöner Platz um sich den Sternenhimmel anzugucken. Wenns hier denn wenigstens nen vernünftigen Sternenhimmel gegeben hätte... Dieser sah aber genauso aus wie tausende Kilometer weiter in unserer Heimat und das trotz der nicht vorhandenen Lichtverschmutzung.

Die Russen die wir hier trafen waren seit der Rangerstation am ersten Wandertag die ersten Menschen die wir trafen bzw. sahen! Der Bär war überhaupt das einzige Säugetier, was wir in den sieben Tagen gesehen haben. Sowas findet man wahrscheinlich nirgendwo anders auf der Welt. Sieben Tage und nicht ein Säugetier, außer Bären - und Pferdescheiße haben wir nicht einmal Exkremente irgendwelcher anderen Tiere gesehen!

Schmetterling
13.11.2012, 23:38
Der See ruft! - 22.7.

Himmel, die Nacht war eine einzige Qual gewesen!!! Die gestrigen Mückenstiche jucken ausnahmsweise alle, und es sind viele auf Rücken und den Beinen. Noch dazu war es warm gewesen, so dass ich erhitzt im Schlafsack lag und mir hysterisch Beine und Rücken kratzte. Ich drehte fast durch, die Haut wurde immer heißer, das Jucken immer schlimmer. Schließlich musste ich meine gesamte Willenskraft dafür aufwenden, um mit dem Kratzen aufzuhören. Ich zitterte fast vor Anstrengung und es dauerte ewig, bis der Juckreiz so weit aufgehört hatte, dass ich schlafen konnte.
Dementsprechend gerädert stehe ich auf und werde, neben meinen kleinen Freunden, von Gelächter empfangen: ich habe noch dazu eine kamtschatkinische Botox-Lippe. Meine Laune ist auf dem Tiefpunkt, ich finde diesen Urlaub zum ersten Mal so richtig doof und hätte mich am liebsten nach Hause gebeamt. Die Stiche jucken weiter und ich bade eine Runde in Selbstmitleid. Aber zum Glück kann man mit dieser Truppe nicht lange schlechte Laune haben und nach einer Tasse Tee und meinem lecker Müslibrei sieht die Welt wieder gut aus. Wir albern herum und sehen uns heute Nachmittag angelnd und badend am See liegen. Es sind ja nicht mehr viel Kilometer, es würde sicher einen Weg geben und so würden wir bereits am frühen Nachmittag im Wasser liegen. Sogar die Heißsporne lassen sich von der gelösten Stimmung anstecken und drängeln nicht zum Aufbruch. Ich bin ja etwas skeptisch, was die frühen Ankunft angeht, aber den See würden wir heute sicher erreichen. Wann auch immer. Und das bedeutet, dass wir in Esso auf jeden Fall zwei volle Ruhetage haben würden, anstatt wie geplant nur eine Nacht. Hach, herrlich, zwei Tage heiße Quelle, Waschen, entspannen, essen…
In noch albernerer Stimmung als sonst brechen wir auf, die Hälfte der Truppe wird durch einen von Ute ausgelösten Lachkrampf geschüttelt. Eindeutig, die kamtschatkinische Hysterie hat Kreise gezogen und so ziehen wir laut wiehernd, gackernd und brüllend vor Lachen den Weg entlang. Zum Glück sind hier keine Menschen unterwegs, die hätten uns allesamt zwangseingewiesen.
Der Weg zu unserem ersten Zeltplatz vergeht ruckzuck und da auch hier gut ausgetretene Pferdespuren entlang führen, hoffen wir darauf, dass es einen Weg auf dieser Seite geben würde. Die Viecher konnten ja unmöglich über den Fluss gekommen sein und irgendwie müssen die ja nach Esso zurück. Ein Blick auf den Fluss bestätigte uns, dass eine Überquerung auch weiterhin nicht möglich war. So ziehen wir weiter zur Rangerstation, wo sich alle unsere Befürchtungen bewahrheiteten: der Weg hört auf. Wir lassen uns aber nicht von der guten Laune abbringen, sondern stapfen unverzagt durch die Wiesen. Es ist trocken hier, daher haben wir kein Gestrüpp zu durchqueren, sondern Trockenwiesen und Heidekraut, was bedeutend einfacher geht. Ich halte an jedem zweiten Strauch und schiebe mir eine Handvoll Beeren in den Mund.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/Sven_mit_ffchen.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=66358&title=kamtschatka-220112-3&cat=537)
Bereit für das letzte Stück

Schon bald wird das Ufer steiler und steiniger und wir legen erstmal eine kleine Mittagspause ein. Bisher der gemütlichste Mittagsplatz: wir können auf flechtenüberzogenen weichen Steinen ruhen. Nach ausgiebiger Augenpflege marschieren wir weiter. Es geht über Blockhalden, durch Latschengestrüpp immer dicht am Ufer entlang. Wir kommen recht gut voran und genießen den Blick auf das andere Steilufer, wo man sehr deutlich die Schichtungen der Vulkangesteine erkennen kann. Schon bald treffen wir auf einen toten Wald, der von einem Hangabrutsch vollkommen begraben ist. Man sieht nur vereinzelte Äste – ähnlich Walgerippe – aus den großen Steinen ragen. Welche eine fantastische Landschaft! Langsam arbeiten wir uns vorwärts, fotografierend und Beeren naschend. Wir haben uns in den Tagen zuvor oft ein schönes Erdbeben gewünscht, als kleine Attraktion. An diesem Steilhang kann ich aber besser drauf verzichten…

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/Wildnis.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=66360&title=kamtschatka-220112-4&cat=537)

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/Zum_See_9.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=66402&title=kamtschatka-220112-13&cat=537)

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/Zum_See_3.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=66365&title=kamtschatka-220112-7&cat=537)

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/Zum_See_7.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=66401&title=kamtschatka-220112-12&cat=537)

Der Steilhang rückt immer näher ans Ufer und fällt schließlich senkrecht in den Fluss. Also geht’s ans Kraxeln über riesige Steinblöcke, durch Brombeergestrüpp und über die Walgerippe-Wurzeln. Sehr mühsam. Bis zum See sind es nur noch 3 km Luftlinie, wir schaffen allerdings nur 500 m in einer Stunde. Die Sonne brennt auf uns nieder und das Kraxeln ist super anstrengend. Ich habe aber heute sehr viel getrunken, die Ausblicke zurück sind gigantisch und fand es genial. Für mich der schönste Tag der Tour! Obwohl, richtig genießen konnte ich es nicht, da Ute große Probleme hat bei diesem Gelände. Sie tut mir unglaublich leid und ich habe gleichzeitig Sorge, dass sie vor Erschöpfung unglücklich tritt und sich verletzt oder irgendwann einfach nicht mehr weiter kann und wir hier das Lager aufbauen müssen. Das hätte wohl eine kleine Gruppenrevolte gegeben. Aber sie kämpft sich tapfer bis zum Schluss durch und wir konnten sie schließlich auch überzeugen, uns einen Teil des Gepäcks zu geben. Ute, ich finde es bewundernswert, wie du dich trotz großer Schmerzen so tapfer durchgekämpft und deine gute Laune nicht verloren hast!

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/Zum_See_4.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=66366&title=kamtschatka-220112-8&cat=537)

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/Zum_See_5.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=66367&title=kamtschatka-220112-9&cat=537)

Als der Steilhang überwunden ist, wartet ein undurchdringliches Gestrüpp auf uns. 2 km Luftlinie noch, so nah und doch so fern… Ganz kurz überlege ich, was wir machen, wenn die GPS-Karte nicht stimmt und es noch deutlich weiter ist. Diesen Gedanken schiebe ich dann aber ganz schnell wieder weg. Das Gestrüpp umgehen wir, indem wir auf eine kleine Insel waten und dort im altbekannten Flusswald besser vorwärts kommen. Schließlich geht es wieder zurück, noch etwas Latschengestrüpp und endlich wird das Gelände offener. Anhand unserer Fotos konnten wir sehen, dass der See nun tatsächlich nicht mehr weit sein konnte. Wir ersteigen eine kleine Anhöhe und sind erneut begeistert. Vor uns erstreckt sich ein lichter toter Wald, der vor ein paar Jahren einem Waldbrand zum Opfer gefallen war.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/Zum_See_2.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=66363&title=kamtschatka-220112-6&cat=537)

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/Zum_See_1.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=66362&title=kamtschatka-220112-5&cat=537)

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/Nach_Esso.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=66357&title=kamtschatka-220112-2&cat=537)

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/Barbara.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=66355&title=kamtschatka-220112-1&cat=537)

Zwischen den kahlen Baumgerippen steht Heidegestrüpp mit vielen Beerensträuchern und über uns schwebt ein Adler. Schließlich entdecken wir sogar seinen Horst. Alles war in bestes Nachmittagslicht getaucht. Ich bin verzückt! Als wir genießend um uns schauen, vernehmen wir aus der Ferne eindeutige Zivilisationsgeräusche: das Heulen eines Motorboots. Wir sehen uns ungläubig an: da kämpfen wir uns seit Tagen vorwärts, schlagen uns durch die Wildnis, nur um zu diesem See zu kommen und nu fahren die da Motorboot. Vor unserem geistigen Auge erscheinen Horden an betrunkener Russen und wir müssen lachen ob dieser Enttäuschung. Egal, erstmal müssen wir hinkommen. Auf uns warten noch die Durchquerung eines Rosenfeldes (ich laufe schon den ganzen Tag mit kurzen Hosen, meine Beine sind sowas von zerkratzt, alles egal), eine kleine Furt, ein paar Hügelchen hoch und runter. Mit dem letzten Sonnenlicht brechen wir schmutzig, erschöpft und hungrig aus dem Gebüsch und stehen am See. Vor uns eine Horde Jugendlicher, ein Motorboot, Lagerfeuer mit Schaschlik, laute Musik. Wir haben die letzten Tage keine Menschenseele getroffen und sind erstmal baff. Wir hätten uns gerne alle Kleidung vom Leib gerissen, um uns in altbekannter Manier im See zu baden, aber das geht ja hier schlecht. Ich bewache die Rucksäcke, während die anderen ins Wasser gehen. Als ich dran bin, ist die Sonne weg und auf der Wasserfläche schwimmt ein Ölfilm. Ich will da nicht rein, sondern wasche nur meine juckenden Beine.
Die Jugendlichen haben inzwischen auch den Rückzug angetreten und wir sind endlich alleine. Sie waren nicht aufdringlich und hielten auch einen völlig betrunkenen Kollegen in Schach, der ständig mit uns labern wollte. Aber uns wars einfach zu viel. Die zweite Enttäuschung kommt, als wir nach Trinkwasser Ausschau halten. Der See hat keinen Zufluss und auf Ölwasser haben wir keine Lust. Meine Laune ist sowas von im Eimer! Ich habe Hunger und so richtig schlechte Laune. Aber es hilft ja nix, wir brauchen Wasser. Ich mampfe alle meine restlichen Snickers und erbarme mich zusammen mit Sven. Wir machen zwei Rucksäcke leer, nehmen alle Wasserbehälter mit uns schlagen uns im letzten Licht zurück zur letzten Furt, wo wir alles auffüllen.
Dafür werden unsere Zelte aufgebaut und Kathrin kümmert sich ums Essen. Mit vollen Mägen sieht die Welt zwar wieder besser aus, aber der See hat irgendwie seinen Zauber verloren und wir wollen morgen nur noch nach Esso weiter. Nur noch 10 km auf einer guten Piste trennen uns von warmer Dusche, weichem Bett und Schaschlik!

willo
13.11.2012, 23:38
22.07.2012

Als es nach dem Frühstück losgeht zerschlägt sich unsere vage Hoffnung den See komplett auf einem Weg zu erreichen ziemlich schnell. Wenigstens sind es nur noch 4 km Luftlinie. Der Pfad endet nach ein paar Metern und es geht zunächst über eine buschige Ebene mit einigen Kuhlen und Senken. Als diese überquert ist, wird es auf einem großen Blocksteinfeld deutlich mühseliger. Während für mich das ganze noch irgendwie eine spassige Abwechslung ist, ist diese form des Terrains für Ute mit ihrem angeschlagenen Bein der absolute Albtraum. Trotzdem bleibt uns nichts anderes über, als uns Meter für Meter voran zu kämpfen. An, der Stelle wo Geröll und Fluss aufeinandertreffen machen wir eine Pause um dann in kleinen Gruppen den Hang zu bezwingen. Ich und Kathrin versuchen es oben rum indem wir den Hang hochklettern um auf der Kuppe weiter in Richtung See zu kommen. Barbara und Arne sehen wir dabei unten direkt am Ufer ihr Glück versuchen. Oben herum erweist sich für uns als recht spassige Angelegenheit, da wir halbwegs vorankommen und die Klettereinlage eine lustige Abwechslung ist. Als wir dann endlich wieder in die richtige Richtung laufen, weit oberhalb des Flusses, taucht nach wenigen Metern schon das nächste Hindernis auf. Der vor uns liegende Birkenwald ist dermaßen dicht, dass es tatsächlich unmöglich ist, hier irgendwie weiter zu laufen. Es bleibt uns nichts anderes mehr über, als wieder nach unten zum Fluss zu laufen und zu gucken ob man sich hier irgendwie weiter durchschlagen kann. Nach einer Pause, ist die Gruppe wieder komplett und wir nehmen die nächsten Meter in Angriff. Doch auch hier ist der Birkenwald so dicht, dass ein Weiterkommen hier unmöglich ist. Wir schlagen uns in Watschuhen auf eine kleine Insel im Fluss durch und hoffen auf dieser ein paar Meter in die richtige Richtung machen zu können. Hier treffen wir auf einen dünnen Pfad, der wahrscheinlich von Bären stammt und uns bis zur Spitze der Insel führt. Nun waten wir noch eine Weile im eiskalten Wasser flussabwärts bis wir eine Lücke im Unterholz finden um unseren Weg am Ufer fortsetzen zu können.

http://www.album.de/img1/big/235/23580557405742.jpg
kamtschatka (71 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358055/kamtschatka-71-von-199-.cfm)

http://www.album.de/img1/big/235/23580588820371.jpg
kamtschatka (73 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358058/kamtschatka-73-von-199-.cfm)

http://www.album.de/img1/big/235/23580593992387.jpg
kamtschatka (74 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358059/kamtschatka-74-von-199-.cfm)

http://www.album.de/img1/big/235/23580601204739.jpg
kamtschatka (75 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358060/kamtschatka-75-von-199-.cfm)

http://www.album.de/img1/big/235/23580628820812.jpg
kamtschatka (77 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358062/kamtschatka-77-von-199-.cfm)

http://www.album.de/img1/big/235/23580645239993.jpg
kamtschatka (79 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358064/kamtschatka-79-von-199-.cfm)

Nach dem durchqueren einer weiteren Ebene mit Gras, dass fast so hoch wie Kati ist, gehen wir den nächsten Hang an. Das Bild ähnelt dem vorherigen und erneut kommen wir nur bis zu dem Punkt relativ gut voran, wo der Hang direkt auf den Fluss trifft. Diesmal probieren wir es alle etwas weiter oben und mühen uns den durch einen Waldbrand völlig kahlen Hang entlang.

http://www.album.de/img1/big/235/23580659760969.jpg
kamtschatka (80 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358065/kamtschatka-80-von-199-.cfm)

http://www.album.de/img1/big/235/23580661581464.jpg
kamtschatka (81 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358066/kamtschatka-81-von-199-.cfm)

Wir erreichen eine Art Hochebene, bei der man weder die Komponenten Hoch, noch Eben wirklich genau nehmen darf. Plötzlich hören wir direkt über uns einen Greifen kreischen und ich ziehe entzückt mein Tele. Leider sind 200 mm nicht wirklich ausreichend, aber mehr war aus Gewichtsgründen einfach nicht drinnen. Nach kurzer Zeit entdecke ich sogar den Horst des Vogels den er unermüdlich mit tief gezogenen Bahnen und lauten Rufen vor uns verteidigen zu versucht. Weiter geht es Schritt um Schritt durch das extrem schwer zu passierende Gelände und nach einer kurzen Furt stehen wir direkt vor einem 20 m hohen Hang. Laut GPS müsste direkt hinter dem Hang der See liegen.

http://www.album.de/img1/screen/235/23580695859066.jpg
kamtschatka (83 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358069/kamtschatka-83-von-199-.cfm)

http://www.album.de/img1/big/235/23580705203882.jpg
kamtschatka (84 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358070/kamtschatka-84-von-199-.cfm)

Plötzlich hören wir aber nicht mehr nur die langsam verblassenden Rufe des Greifens, sondern ein anderes Geräusch, dass unserer Stimmung nicht gerade zuträglich ist: ein Motorboot! Wir können es nicht fassen, das unser zwischenzeitlich zum reinsten Paradies verklärter See anscheinend auch noch andere Besucher anlockt. Als Arne und ich den Abhang erklommen haben, mischt sich auch noch laute Musik zu den Geräuschen des Motorbootes. Am See angekommen, werden auch die letzten Anflüge wilder Romantik endgültig zerstört. Am See lagert eine ziemlich große Gruppe die mit drei Geländewagen unterwegs sind. unter den Jugendlichen befinden sich auch zwei ältere Männer die komplett besoffen und dementsprechend aggressiv sind. Außerdem ist der See super Flach und mit einem Ölfilm überzogen, der wahrscheinlich vom Bootsmotor herrührt, die Lagerstelle selber ist total verdreckt und Frischwasser scheint es auch keines zu geben. Nachdem einer der beiden Betrunkenen mich langsam anfängt mit Hitlergrüßen zu penetrieren und mich ständig irgendwie anfassen will und ich anfange mit einer körperlichen Auseinandersetzung zu rechnen, haben die Jugendlichen ein einsehen und verladen den Idioten in einen der Geländewagen und fahren nach kurzer aber durchaus netter Unterhaltung mit uns von dannen. Wenigstens haben wir jetzt unsere Ruhe und können erstmal ein Bad im See nehmen. Leider ist der wirklich total flach, dafür aber doch recht erfrischend. Während Sven und Susanne dankenswerter Weise Wasser für alle holen, bauen ich Svens Zelt auf und zünde danach ein kleines Lagerfeuer mit dem restlichen Holz der anderen Gruppe an.

Nach dem Abendessen beschließen Kati, Kathrin und ich, dass wir am nächsten Tag zurück nach Esso wollen und nicht noch einen Ruhetag am See verbringen wollen. Erstens rechnen wir mit weiteren Tagesgästen und zweitens erscheint uns ein Ruhetag an der heißen Quelle mit Dusche und Schaschlik deutlich verlockender als ein ganzer Tag an dem kleinen See mit dem staubigen Ufer.

willo
13.11.2012, 23:55
4 neue Tage!

Libertist
14.11.2012, 00:11
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Abbruchtee.JPG

Oh mein Gott! :o



http://www.album.de/img1/big/235/23580366832306.jpg

So einen lustigen Bären habe ich noch nie gesehen. Sieht aus wie im Puppentheater, irgendwie unecht. :bg:

Gute Fotos, willo, vor allem die mit Graufiltereinsatz(?).

Mika Hautamaeki
14.11.2012, 11:35
Endlich geht es weiter. War grad eine willkommene Ablenkung vom Lernen.
Das Bärenfoto ist genial. Könnte man glatt als ausgestopft bezeichnen ;).

Wurde bei irgeneinem eigentlich nach der Reise eine Anämie diagnostiziert? Bei den Massen an Blutsaugern würde es mich nicht wundern.

Sarekmaniac
14.11.2012, 12:25
Die Frage der Blutarmut kam in der Tat auf.

Heiko hatte dieses Problem aber bereits in der Vergangenheit einmal durchdacht und konnte uns die beruhigende Mitteilung machen, dass die Blutbildung schneller erfolgt als der -verlust durch Mücken, bei einem gegebenen Maximalwert von x Mücken pro cm² haut (weiß nicht mehr den genauen Wert) und einer angenommenen maximalen Exposition ungeschützter Haut von x % (weiß auch nicht mehr) der Körperoberfläche.

Gefährlicher ist, dass man wegen der zugequollenen Augen nichts mehr sieht, stürzt und sich was brechen kann.

Ingwer
14.11.2012, 13:03
Ich durfte noch in der Schule lernen, dass die Todesstrafe im sommerlichen Sibirien durch Moskitos ausgeführt wurde bzw der Verurteile ausgezogen, an einen Pfahl gekettet und von den Moskitos ausgesogen wurde. War hoffentlich eine Räuberpistole.

Mortias
14.11.2012, 14:16
Ich durfte noch in der Schule lernen, dass die Todesstrafe im sommerlichen Sibirien durch Moskitos ausgeführt wurde bzw der Verurteile ausgezogen, an einen Pfahl gekettet und von den Moskitos ausgesogen wurde. War hoffentlich eine Räuberpistole.

Meines Wissens teilweise richtig. Alexander Solschenizyn hat auch davon berichtet, allerdings kam der Tot eher dadurch, dass Verurteilten nach einigen Tagen in der Hitze einfach ausgetrocknet sind. Das mit den Mücken war nur noch so ne nette zusätzliche Foltermethode.

Ansonsten ein wirklich sehr schöner Bericht. Mit gefällt auch, dass er von verschiedenen Autoren geschrieben wird wo jeder dann seine Perspektive und Schreibstil einbringt. Und eine tolle Landschaft die ihr da durchquert habt, auch wenn das mit den Mücken teilweise alles andere als feierlich aussieht. Da ist ja Lappland nichts gegen. Aber beim Bärenbild musste ich auch schmunzeln, weil ich zuerst dachte, dass da ein Mensch in nem Kostüm steckt. :bg:

codenascher
14.11.2012, 14:41
[OT]...Aber beim Bärenbild musste ich auch schmunzeln, weil ich zuerst dachte, dass da ein Mensch in nem Kostüm steckt. :bg:

Pssst, nicht verraten, das ist Bert :bg:

Nachdem der erste kurze Schock sich gesetzt hat, die Freude über den gesehenen ins Unermessliche gestiegen ist, hätt ich dem Bärchi am liebsten die Ohren geknuddelt. Zu geil die Plüschöhrchen!!!!

hotdog
14.11.2012, 15:20
Pssst, nicht verraten, das ist Bert :bg:
...der vermutlich nicht mal ein Kostüm trug :ignore:

Apropos Kostüm:
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/kamtschatka_tag_6_-_02.jpg
Das nenne ich mal ne anständige Beinbehaarung! ;-)

Rattus
14.11.2012, 16:18
Halb-OT: Irgendwie passend zum Thread (den ich genial finde mit den Berichten der verschiedenen Hauptdarsteller :bg:) und zu dem von Sibirier läuft gerade Stille Seelen (http://www.kino.de/kinofilm/stille-seelen/133176) im Kino an.

codenascher
14.11.2012, 17:30
Rattus, Stille Seelen hm. ALso ausser das der Film aus Russland kommt, find ich nichts was daran passend sein soll? Ich lese hier (noch) nichts von toten, Merja Traditionen, sehe nicht einmal tolle Landschaften im Trailer...

Dennoch danke fürs Lob :bG:

Rattus
14.11.2012, 17:38
Ich wurde vom Plakat mitgerissen - k.A., ob da Parallelen außer der Landschaft bestehen. Von viel Landschaft geh ich einfach mal aus und finde das interessant. Von 1 : 1 hab ich nichts gesagt ;-)

Pfad-Finder
14.11.2012, 20:36
http://www.album.de/img1/big/235/23580366832306.jpg
kamtschatka (53 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358036/kamtschatka-53-von-199-.cfm)



Also ich kann mir nicht helfen - der Bär sieht gefakt aus.

Aber wer ist es nun wirklich?

Er (http://blog.uni-r.de/wp-content/upload/baerenmarke-199x300.jpg) ist es nicht.

Er (http://www.outdoorseiten.net/forum/customavatars/avatar18958_3.gif) auch nicht.

Hier (http://images1.wikia.nocookie.net/__cb20090506031937/alf/images/a/ab/Alf.gif) stimmt die Nase nicht.

Schon eher (http://www.costumes-etc.com/images/Costumes/Mascots/BrownBear.jpg).

Goettergatte
14.11.2012, 21:21
Ich habe den letzten Tag noch ergänzt ;-)

codenascher
14.11.2012, 21:50
Komme gerade von einem Diavortrag von Ronald Prokein über Kamtschatka. Der war 2002 mit seinem Passmann Markus Möller per pedes und mit auf Kamtschatka geschweißten Schubkarren unterwegs.

...mäßig unterhaltsam

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/IMAG0372.jpg

Bergtroll
14.11.2012, 21:59
Danke für den Bericht. Bin gespannt auf die 2. Tour.

willo
14.11.2012, 22:52
Gute Fotos, willo, vor allem die mit Graufiltereinsatz(?).

Danke! Das Lob aus Deiner Feder freut mich ungemein. Hab aber auch einige Touren gebraucht um mit meinen Fotos jetzt zum ersten Mal richtig zufrieden zu sein. Graufilter und Stativ werde ich auf jeden Fall weiter mitnehmen....

heron
16.11.2012, 18:45
Sehr schöner Bericht - ich schaff nur nicht sehr viel auf einmal, weil der Frustlevel schon allein beim Lesen so hoch wird, dass ich aufgebe :ignore: Meine Hochachtung an alle jene - eh schon wissen :bg:

Edit: Ich meine nicht die Mücken ... :)

Ditschi
16.11.2012, 21:37
Hallo,
ich habe die Berichte verschlungen. Ich finde auch die Idee, gleiches Erleben aus unterschiedlichen Perspektiven zu schildern, unterhaltsam.
Aber mich graust es auch, wenn ich die Mücken und das andere beißende Viehzeug sehe.
Ich tobe schon mit der Fliegenklatsche durch das nächtliche Schlafzimmer, wenn nur eine einzige Mücke um meinen Kopf summt. Die da in Kamschatka hätte ich eigenhändig erwürgt --alle!
Nicht umsonst zieht es meine Frau und mich zumeist an die Küsten. Viel Wind und Salzwasser bewahren vor solchen Plagegeistern.
Gruß Ditschi

Ingwer
16.11.2012, 22:35
Hallo,

aus eurem Mückenproblem werde ich nicht ganz so schlau. Habt ihr euch auf die Mückenschwärme nicht eingestellt, wart ihr von der Intensität überrascht, habt ihr mit anderen bzw regenreicheren (und mückenärmeren) Wetter gerechnet oder eventuell falsch vorbereitet?
Versteht das bitte nicht als gehäßige Kritik, ich leider wirklich mit jeden von euch mit. Vorallem mit dem Göga. Denn auch ich habe mich in einen Stichheiler, bei mir aber ein Bite-away Stichheiler, verliebt. Den nutze ich gerne bis die Akkus leer sind. Und danach opfere ich lieber die GPS Akkus als das es mich weiter juckt.

Eventuell wäre für den ein oder andern von euch eine weitgeschnittene Baggy-Leinenhose interessant gewesen. Hält die Mücken ebenfalls fern, ist auf der Haut recht kühlend, besseres Klima unter der Kleidung und läßt sich mit Faden und Nadel gut reparieren. Ein sogenanntes Bugshirt wäre als Oberbekleidung interessant für euch gewesen.

Eventuell hättet ihr euch ja noch an einen tragbaren Nachbau eines Moskito Magnets machen können, ich finde die Dinger total effektiv bzw habe so ein Ding schonmal live erlebt.:bg:
http://www.worldtrip.de/Globetrotter-Equipment/Moskitonetze-Mosquitonets/moskitonetze-mosquitonets.html
bzw.
http://www.worldtrip.de/Tonga/Tonga-Tagebuch/Foiata/foiata.html#mosmag
Ein improvisierter Nachbau wäre ein Mesh-Innenzelt mit zwei Gaslampen drin. Tür auf, warten bis viele Moskitos drinnen sind, Gaslampen aus, Tür zu, Innenzelt einmal zusammenpacken, dann wieder aufbauen und Tür wieder aufmachen.
Nach drei Durchgängen ist die Population der Viecher meist schon ziemlich geschrumpft.

Ansonsten lenken leuchtende Farben die Viecher gerne ab. Ich habe schon einmal feststellen können dass sich einige Viecher mehr für meinen leuchtend roten Rucksack(einen millet Expedition 65) interessiert haben als für mich.

Grüße

codenascher
17.11.2012, 00:22
Sers Ingwer,

Nun ja Mückenproblem.... Der eine hat es, der andere nicht. Ich hatte es nicht :bg: Man siehts ja auf dem Bild wo ich mit Kati in der Sonne liege :baetsch:
Mein Erfolgsrezept gegen die Viecher Deet 50% und viel VIEL Knoblauch

Unabhängig davon ob die Viecher nun stechen oder nicht, sie nerven einfach generell. (so wie halt überall wo es Mücken gibt)

Deine "Antimückentipps" find ich nur irgendwie gerade ein wenig, äh übertrieben - Die "Tischbohrmaschine" zum Beispiel :ignore: :bg: Wobei ich sie sicherlich auch einmal stationär in Aktion sehen wollen würde!

Schmetterling
17.11.2012, 00:32
Mückenproblem? Welches Mückenproblem ;-)
Wir hatten natürlich vorher von den Schwärmen gehört, aber man muss es schon am eigenen Leib erleben. Und wir hatten ein trockenes Jahr mit wenig Mücken (das wurde uns zumindest hinterher gesagt :ignore:).
Trotz langer Kleidung und DEET wurden wir natürlich gestochen. Die Stiche sehen zwar krass aus (siehe Arne), haben aber erstaunlich wenig gejuckt. Das war also nicht so sehr das Problem. Die Viecher haben halt genervt, besonders abends beim Waschen. Und es macht irgendwie auch keinen Spaß, morgens von einer Horde Blutsauger vor dem Zelt empfangen zu werden und sich als Morgentoilette erstmal ordentlich DEET ins Gesicht schmieren zu müssen. :roll:
Also die Mücken waren ständiges Gesprächsthema, aber schlecht vorbereitet fühlten wir uns nicht.

MatthiasK
17.11.2012, 09:29
Das wäre mir zu hart mit den Biestern. Ansonsten schöner Bericht!

Goettergatte
19.11.2012, 08:16
Hallo,

... Habt ihr euch auf die Mückenschwärme nicht eingestellt, wart ihr von der Intensität überrascht, habt ihr mit anderen bzw regenreicheren (und mückenärmeren) Wetter gerechnet oder eventuell falsch vorbereitet?
Versteht das bitte nicht als gehäßige Kritik, ich leider wirklich mit jeden von euch mit. Vorallem mit dem Göga.
...

Die Aussagen über Insektendichte sind immer recht relativ, ich war auf skandinavische Verhältnisse eingestellt, kenne dort allerdings auch nur die Situation ab mitte Juli.
Im großen und ganzen war es auszuhalten, ich werde von den Tieren halt mehr gemocht.
Meine Körpertemperatur liegt seit je leicht über dem Durchschnitt und ich schwitze mehr als die meisten, das lockt die Viehcher natürlich an.
Mückendicht waren wir alle gekleidet und Mittelchen hatten wir auch.
großartig gequält haben die Stiche nicht, abgesehen von Schwellungen der Gelenke.
Die waren aber auch einfach nur dick und sonst nichts.
Lediglich die Mücken, die auf den Pferdeäpfeln saßen haben des Nachts ordentlich gestört.

Lästig war das ständige umsurrtsein und einatmen der Dinger.
Eine Hand voll Insekten inhalieren ist echt mies

ühürü
30.11.2012, 16:42
aus eurem Mückenproblem werde ich nicht ganz so schlau. Habt ihr euch auf die Mückenschwärme nicht eingestellt, wart ihr von der Intensität überrascht, habt ihr mit anderen bzw regenreicheren (und mückenärmeren) Wetter gerechnet oder eventuell falsch vorbereitet?

Dank Blitzdings fand ich es erträglich, für mich ist in Sachen Mücken die allergische Reaktion und der Juckreiz am nervigsten. Auf Schmetterlings Fotos sieht man meine angeschwollenen Hände, ich bin leider zu eitel, um ein Foto meiner aufgequollenen Lippen hier zu präsentieren...als hätte ein Schönheitschirurg sich verspritzt ;)
Ich war noch nicht in Skandinavien und auch nicht in Schottland, nur in Tansania - wo die Moskitos nicht rund um die Uhr sirren und nerven, sondern nur ab der Dämmerung am Abend.
Ich wusste in der Theorie und aus Reiseberichten durchaus, dass Mücken wohl die schlimmsten (und einzigen) Raubtiere sein werden, die uns in Kamtschatka attackieren. Dass es solche Mengen sind und ich davon zwangsläufig einige einatme, fand ich trotzdem erstaunlich.

Ich war wie die meisten anderen auch vorbereitet: DEET-haltige Sprays/Lotion, Mückennetz für den Hut, mit NoBite imprägnierte Kleidung.

Für mich war das unwegsame Gelände die größere Herausforderung und ärgerte mich, dass mein alter Hüftgelenksschaden für so viel Schmerzen sorgt, das kannte ich von anderen Touren nicht. Schmerzen: ja, kenn ich. Neu war, dass ich bei der ersten Tour jeden Abend eine Schmerztablette nehme, um nachts schlafen zu können und mich nicht nur herumzuwälzen. Trotzdem hab ich nicht bereut, dort zu sein...

Aber: Lieber ein Mückenproblem als ein Lavaproblem. :ignore:
Der Vulkan Tolbachik als Ziel unserer zweiten Tour ist seit Dienstag wieder ordentlich aktiv - zum ersten Mal seit 1976.

www.kscnet.ru/ivs/kvert/current_eng.php?name=Plosky%20Tolbachik
http://www.digitaljournal.com/article/337991
http://en.ria.ru/russia/20121128/177787830.html
http://www.wired.com/wiredscience/2012/11/russias-tolbachik-erupts

codenascher
30.11.2012, 16:47
Mit der Vulkanaktivität ist echt heftig, wenn man bedenkt das wir vor fast vier Monaten am Kraterrand des Plosky Tolbachik im Schneegestöber standen (Bericht folgt :bg:)

Jens2001
30.11.2012, 21:06
schade, dass jetzt Winter ist, sonst wäre ich wegen dem Vulkan rüber geflogen...

ja die Mücken in Kamtschatka haben eine besondere Qualität... aber man gewöhnt sich daran :-)

lg

ühürü
04.12.2012, 23:20
Hier ein Link zu einem (öffentlichen) Facebook-Album mit aktuellen Fotos:
https://www.facebook.com/media/set/?set=a.441277955937128.106451.100001647821315
Um die Bilder sehen zu können, muss man allerdings bei FB eingeloggt sein.

Ich bin leider der russischen Sprache nicht mächtig, aber die Bilder sprechen zum Teil eh für sich...
Webcam: http://www.qicknews.de/Webcams/Tolbachik.php

Torres
04.12.2012, 23:24
Schade, ich hätte die Fotos gerne angeschaut. :(

Ingwer
04.12.2012, 23:41
Ich bin auch nicht bei Facebook.

ühürü
04.12.2012, 23:50
Vorschlag: legt Euch einen FB-Account unter einem Alibinamen wie Ano Nym und mit irgendeiner sonst nicht genutzten Drittmailadresse zu. Könnt Ihr danach ja wieder löschen.

Jens2001
05.12.2012, 09:50
Sehr schöne Fotos vom Vulkanausbruch....
lg

WeitraLord
05.12.2012, 12:09
Hallo, durch die Referrer auf meiner Seite habe ich gesehen, das einige user von hier meine Seite aufgerufen habe, aus gewohnheit sehe ich dann immer nach was angesehen wird, ich habe gesehen das einige User diese Facebook Bilder gerne sehen würden, aber keinen Facebook Account haben bzw. wollen (Verständlich), deshalb verweise ich auf diese Slideshow hier, wo man alle diese Bilder auch OHNE Facebook Account ansehen kann: http://www.qicknews.de/Forum/viewtopic.php?f=41&p=4211#p4211

Mfg WeitraLord (S.E.T.I)

Jens2001
05.12.2012, 12:32
Das Panorama über den Kamtschatka Fluss fotografiert finde ich einfach nur genial...
wäre sehr gern mit der Kamera dort unterwegs.
Hoffentlich erwischt es nicht so viele Bären die schon im Winterschlaf sind!

lg Jens

willo
05.12.2012, 12:45
Hallo, durch die Referrer auf meiner Seite habe ich gesehen, das einige user von hier meine Seite aufgerufen habe, aus gewohnheit sehe ich dann immer nach was angesehen wird, ich habe gesehen das einige User diese Facebook Bilder gerne sehen würden, aber keinen Facebook Account haben bzw. wollen (Verständlich), deshalb verweise ich auf diese Slideshow hier, wo man alle diese Bilder auch OHNE Facebook Account ansehen kann: http://www.qicknews.de/Forum/viewtopic.php?f=41&p=4211#p4211

Mfg WeitraLord (S.E.T.I)

Super Sache. Tausend Dank!

ühürü
06.12.2012, 12:47
deshalb verweise ich auf diese Slideshow hier, wo man alle diese Bilder auch OHNE Facebook Account ansehen kann: http://www.qicknews.de/Forum/viewtopic.php?f=41&p=4211#p4211

Mfg WeitraLord (S.E.T.I)
Auch ich sage: Herzlichen Dank!

Oh, die Quelle ist weg bzw. verschüttet? (War ja eigentlich klar - wenn Leningradskaja unter Lava geraten ist, betrifft das auch die Quelle daneben.)
Ein Freund sagte zu mir angesichts des Ausbruchs, dann hätten wir mit unserer Reise nach Kamtschatka und speziell zum Tolbachik ja gutes Timing bewiesen... ;)

Goettergatte
06.12.2012, 15:54
Wenn ich deines der Bilder richtig deute, ist eine der Eruptionen direkt auf der Ebene, auf der Kathrin, Susanne und Sven beim Aufstieg abgewettert haben?
Der "ODS-Ebene"

ühürü
19.12.2012, 20:42
Neue Fotos vom Tolbachik: http://www.airpano.ru/360Degree-VirtualTour.php?3D=Tolbachik-Volcano-Kamchatka

codenascher
19.12.2012, 21:04
Wow, sind das gewaltige Bilder!!!! DAnke Ute

@Arne, wenn man sich das vierte Bild anguckt könnte man meinen du hast recht mit der Eruption auf der ODS Ebene! :o:o:o

Mika Hautamaeki
20.12.2012, 09:38
Geniale Bilder!!!!!!

Robiwahn
20.12.2012, 19:59
Tolbatschik bei Spiegel-online-Video (http://spon.de/vfntL)

willo
25.12.2012, 17:49
23.07.2012

Sah es am Vorabend noch so aus, als würde isch eine Mehrheit uns auf dem heutigen Weg nach Esso anschließen, machen wir uns letztendlich gegen Mittag zu dritt auf den Weg. Die Stimmung ist dafür geradezu als bombastisch zu bezeichnen. Das Wetter ist super, wir haben nur 10 km vor uns und kommen extrem zügig voran. Nach vielen tagen in einer so großen Gruppe ist es tatsächlich mal regelrecht entspannend einfach nur zu dritt nebeneinander einen Weg entlang zu schlendern und zu quatschen. Selbst die Landschaft ist mir ihrem Wechsel von Wald zu Heide recht abwechselnd und der nahe Fluss bietet immer wieder Erfrischungsmöglichkeiten. Nach zwei Stunden haben wir Esso erreicht und kümmern uns als erstes um eine Unterkunft. Das erweist sich erstmal als recht schwierig, da die wenigen Unterkünfte ausgebucht sind. Bevor wir zum großen Hotel am anderen Ende des Dorfes wandern - dort gibt es ja auch das Schaschlik - schauen wir noch kurz in der Nationalparkzentrale vorbei und fragen dort ob man uns bei der Suche behilflich sein könnte. Nach kurzem Rumtelefonieren vermittelt man uns ausgerechnet ein Zimmer bei Natalia, wo wir auch die ersten Nächte in Esso verbracht hatten. Diesmal erhalten wir statt eines Zimmers eine komplette Wohnung inkl Wannenbad und Küche in einem kleinen Windschiefen Holzhaus. Wir verlieben uns sofort in unsere Wohnung und buchen drei Nächte. Nachdem wir diverse Körperflegeprodukte eingekauft haben kümmern wir uns ausgiebig um selbige und versuche mal vorsichtig bei Natalia nach der Option auf eine Waschmaschine vorzufühlen. Leider erhalte ich umgehend eine Abfuhr da die Waschmaschine nicht den Gästen zu Verfügung stehen würde - wäre auch zu schön gewesen. Unserer sehr guten Stimmung tut das aber keinen Abbruch, da wir eh nicht damit gerechnet hatten. Ich wasche also meine Wandersocken mit sündhaft teurem Pantene Pro-V und hoffe auf seidigen Glanz! Während Kathrin Duscht und Kati in der Küche ihre Sachen wäscht setze ich mich in den Pavillon im Garten und lese. Da der Tisch und die Bank total verstaubt sind und ich mich so ungewohnt sauber fühle, hole ich einem Eimer mit Wasser aus dem garten und wische Tisch und Bank. Als Natalia das sieht und ich ihr nicht wie gefordert den Eimer überlasse, ist sie mit einmal wie ausgetauscht und total freundlich. Sie erkundigt sich nach unserer Tour und fragt wie wir die Landschaft fanden, etc.. Plötzlich ist auch die Nutzung der Waschmaschine kein Problem mehr und auch die Kosten für Energie und Waschpulver will sie nur widerwillig erstattet haben. Wir einigen uns auf 50 Rubel und nach kurzer Seit ist sämtliche Wäsche in der Maschine.

Nur mit Regenhose, Tshirt und Watschuhen bekleidet machen wir uns auf zum Schaschlik-Hotel. Die Teenie-Mädchen an der Bar erkennen uns wieder und müssen permanent wegen unserer Russischversuche lachen. Leider machen sie uns klar, das es um diese Uhrzeit (ca. 20:30) kein Schaschlik mehr geben würde und außerdem alle Plätz wegen einer Feier belegt sein. Diesmal taten wir so als würden wir nichts verstehen und ordern immer wieder Schaschlik und Bier bis die beiden Mädchen aufgeben und nicken. Wir setzen uns nach draussen und auf die Terasse und warten ab. nach kurzer Zeit wird der Grill angefeuert und drei große Schaschliks gebrutzelt - das große Finale eines schönen Tages naht. Als wir gerade beim Essen sind, wird auch die Feier aus dem Gastraum nach draussen verlagert und eine Gruppe von ca. 20 total betrunkener und bestens gelaunter Frauen verschiedener Altersgruppen tafelt auf dem Tisch neben uns auf und feiert lautstark weiter. Als wir fertig gegessen und getrunken haben wollen wir uns gerade auf den Weg machen, als mich eine der Frauen anspricht und uns an den Tisch bittet. Man erklärt uns, dass eine der Frauen heute Oma geworden ist und das traditionell im Kreise der Frauen begossen werde. Sekunden später sitzen wir mit am Tisch und unsere Gläser füllen sich wie von Geisterhand. Als ich der alten Tradition nach einem Glas Vodka ein paar halbe Limetten inkl. Schale zu essen nicht folgen möchte, wird mir kurzerhand der Mund aufgehalten und so viele Limetten reingestopft bis er voll ist. Das alles unter dem lauten Gegröhle der anderen. Mehrfach dürfen wir noch das Fotos des Enkels bewundern, nur als wir wissen wollen wie er heißt und von überall unterschiedlich Namen gerufen werden bricht eine kleine Debatte aus, die mit einigen Drinks dann aber auch geklärt wird und man sich dann doch auf einen einheitlichen namen einigt

Stark angetrunken erreichen wir die Unterkunft und legen uns noch mit einigen Bieren bewaffnet in die heiße Quelle. Das ich alleine mit zwei Frauen unterwegs war, ist jedoch für sämtliche männlichen Russen zwischen 14 und 65 eine eindeutige Einladung sich um mindestens eine der beiden selber zu kümmern. So sind wir länger als ein paar Minuten alleine im Wasser und müssen uns ständig ohne jegliche Sprachkenntnisse über irgendwas unterhalten. Da niemand zudringlich wird ist die Stimmung aber recht entspannt und lustig. Zumal die Versorgung mit weitere Getränken auf diese Weise für den Rest des Abends sichergestellt ist. Nach einigen Tuborg Black verlassen wir den Pool in Richtung Unterkunft wo im Garten unsere frisch gewaschene Wäsche im Wind flattert.

Goettergatte
25.12.2012, 17:49
23.07.

Wasser und Feuer

Dem gemütlichen Abend am See folgt ein ebenso gemütliches Erwachen,
welches ich zu allernächst mit einem ausgiebigen Bad im See kröne.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_569_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69841&title=k10&cat=537)
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_571_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69842&title=k10&cat=537)

Der See ist nicht sehr tief, man könnte drinn stehen, wenn es der Grund zuließe, man sackt jedoch überknieweit in jenem ein,
was man dabei an gebundenen Gasen löst ist nicht wirklich lecker zu riechen ;-)
Überraschend ist auch, das der See so früh am Morgen so warm ist, er scheint sich des nachts nicht abgekühlt zu haben und wärmer zu sein, als die morgendliche Luft. Möglicherweise wird er durch eine thermale Quelle gespeist (?)

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_578_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69844&title=k10&cat=537)
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_577_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69843&title=k10&cat=537)

Wir frühstücken ausgiebigst und haben reichlich Spaß dabei.
Nach dem Frühstück gehen wir nochmals Schwimmen.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_582_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69846&title=k10&cat=537)
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_581_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69845&title=k10&cat=537)

Danach kommt es zu einer vorübergehenden Secession.
Heiko, Kati und Kathrin wollen bereits ins Dorf, Duschen Toiletten und Thermalbad, sowie der Schaschlikgrill verüben eine zu große Verlockung, der ich auch beinahe erliege und mich auch fast verleitet, mit ihnen zu ziehen.
Letztendlich bleibe ich doch bei Frau und den Anderen am See.
nach dem wir uns verabschiedet haben, starten barbara, Bärt und ich eine Expedition zum Bystrayaufer, da unsere Wasservorräte zu Neige gehen.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_585_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69847&title=k10&cat=537)

Wir wandern den See entlang und steigen an seiner gegenüberliegenden Seite den Hang flußwärts hinab.
Hier sieht es viel begangen und auch mitunter befahren aus. Bald schon hören wir das Rauschen des Flusses, welchen wir schon nach weiteren 200 m erreichen. - Wenn das Susanne und Sven erfahren, die sich gesternabend noch durch Dickicht und Sumpf zum Wasser quälten :bg:.
Am Ufer macht ein Ponyführer mit einer Familie Rast, Barbara gerät mit ihm ins Gespräch.
Wir erfahren, das der Waldbrand vor 30 Jahren stattfand, unsere Entscheidung, die Furt nicht zu verwenden die richtige war, auch die Ponyführer benutzen Pfade am Nordufer.
Wenn wir hier noch mal wandern wollten, empfielt er uns Sovietkarten der 50er Jahre, auf denen die Saumpfade auch eingezeichnet sind.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_588_von_1441_.jpg

Nachdem unsere Wasserbehältnisse aufgefüllt sind, steigen wir wieder zum See auf. Ich entschließe mich zum Lagerplatz zurück zu schwimmen und packe meine Kleidung in Barbaras Rucksack und verstaue meine Wasserlast bei Bärt.
Ich schwimme los, bald bemerke ich, das das Lager von Tarnfleckmännekes bevölkert ist. Kurz darauf ertönt eine unserer Alarm-Trillerpfeifen und Susanne brüllt herüber, das es ein Problem gäbe.
Ich denke dabei sofort an Besoffniks, Prollinskis und ähnliche Völker und gebe meinen kläglichen Schwimmstößen eine höhere Frequenz. (ich schwimme an sich nicht gut oder schnell, nur ausdauernd). Auch Barbara und Bärt nehmen die Füße in die Hand.
Wir kommen fast Zeitgleich am Lager an, Susanne nimmt mir sofart alle üblen Bedenken, welche ich bereits hegte und bis ich mich wieder bekleidet habe ihat sich alles geklärt. Die Camouflagemännchen sind die Brandaufsicht der Parkbehörde, welche auf dem Weg zum See zwei Brandstellen löschten, entzündet durch weggeworfene Kippen. Sie möchten nur wissen, wer am Vortag an See war und die Straße benutzte.
Darauf hin zeigen wir ihnen noch die Brandstelle, welche wir am Abend löschten. Die Tarnfleckmännekes machen von allem Fotos, inklusive der Damen in Badebekleidung, geben uns eine Telefonnummer fü weitere Brandfälle und verschwinden wieder.
Der Nachmittag vergeht mit baden, blödeln und aus der ferne beäugter Zweisamkeit Susannes und Svens :baetsch:
Barbara macht noch mal einen Gang zum Adlerhorst des Vortags und um Beeren zu sammeln.
Ich mache derweil noch einige Schwimmrunden und trockne derweil meine Unterhose, welche ich zuvor der Besucher wegen als Badehoose nutzen mußte. Danach setzte ich mich zu den Anderen, wir blödelen und labern.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_590_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69851&title=k10&cat=537)
Blick ins Land, vom Pavillion

Irgendwann stößt Barbara wieder zu uns, der Tag geht langsam zur Neige, die Kochfeuer werden angefacht, Bert und Barbara machen Pfannekuchen mit Blaubeeren, Eier und Speck.
Plaudernd, lachend und badend geht der Abend zu ende, bis uns die Mücken zu Zelt treiben.

codenascher
25.12.2012, 17:49
23.07.2012 Der Tag am See

Ruhetag, das bedeutet ausschlafen, gammeln, fressen, nichts tun. Nach den „Strapazen“ der letzten Woche war dies eine Willkommene Abwechslung. Zur Mittagszeit beschlossen Heiko, Kati und Kathrin nach Esso zu laufen. Zu groß war ihr Drang raus aus dem Staub und den Mücken zu kommen, zu groß die Sehnsucht nach einer warmen Dusche, zu groß das Verlangen nach frisch gewaschener Wäsche und zu groß der Appetit auf was richtiges (kurzgebratenes) zu essen. Arne wollte es ihnen gleich tun, Barbara wollte allerdings den Tag am See zum relaxen ausnutzen und setzte sich letztendlich durch. Wir blieben also zu sechst zurück am See.
Ich gesellte mich zu Susanne, die auf dem Steg saß und sich mit Ute unterhielt. Ute machte sich von dannen und nun blieben wir beide den Rest des Tages hier sitzen und taten etwas für unsere Urlaubsbräune :bg:
Während unser Camp leer gefegt war, da der Rest eine kleine Exkursion um den See herum Richtung Bystraja machte (welche nur 10 Minuten entfernt floss, hätte Suse und mir am Vorabend reichlich Zeit gespart...) stattete uns eine Gruppe grimmig drein blickender Russen Landestypisch in Militärklamotten gekleidet einen Besuch ab.
Susanne versuchte mit ihren drei vier fünf Wörtern russisch in Erfahrung zu bringen worum es denn eigentlich ginge. Keine Chance, irgendwas mit Feuer... Zum Glück erschien knapp fünf Minuten später der Rest unserer Truppe am anderen Ufer. Susanne machte sich mit ihrer Trillerpfeife bemerkbar und sie eilten herbei. Arne hatte sich schon Sorgen gemacht, ob es irgendwelche Probleme mit denen gab. Dies war ja zum Glück nicht der Fall. Ausser das Susanne im Bikini den Jungs nicht uninteressant erschien und im Randbereich der geschossenen Fotos vom See sicherlich zu sehen sein wird... !

Barbara konnte die Situation dann recht schnell aufklären. Es handelte sich bei den Jungs in Flecktarn um die Feuerwehr der Region... Sie löschten auf dem Weg von Esso zum See drei Schwelbrände. Sie erzählte von den jungen Russen, dem Schwelbrand den wir löschten und konnte sie auch davon überzeugen, dass wir mit den Bränden nichts zu tun hatten. Man war zufrieden und quetschte sich wieder zu neunt in den kleinen Transporter mit dem sie gekommen waren.

Anschließend waren Susanne und ich bis zum Sonnenuntergang wieder alleine auf dem Steg. Wir unterhielten uns über Gott und die Welt, nebenbei massierte sie mir ein wenig den Rücken. (Und qualifizierte sich dadurch zur „Gruppenmasseurin“ unserer Tour, Arne nahm diesen Service ebenso wie ich sehr gerne in Anspruch :cool:)
Das Abendbrot artete zu einer Pfannkucheorgie aus. Bert hatte genug Pfannkuchenpulver mit um uns sechs mit den von Barbara gepflückten Blaubeeren komplett zu versorgen! Zu Geil. Den restlichen Abend ließen wir am Lagerfeuer bei Zigarre und Zigarillo ausklingen.

Schmetterling
25.12.2012, 17:49
Ruhetag - 23.7.

Wir schlafen erstmal ausgiebig aus und machen uns anschließend an die restlichen Vorräte aus Berts Rucksack. Er hat noch unendliche Mengen an Eipulver, jemand anderes zaubert Speck hervor. Also erstmal Rührei mit Speck für alle. Herrlich, so lässt sich der Tag beginnen! Im wunderbaren Sonnenschein sieht der See auch sehr idyllisch aus. Nach dem Frühstück gehen wir erstmal eine Runde schwimmen. Sven und ich schwimmen einmal auf die andere Seite. Schöön, so muss sich Urlaub anfühlen!

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/Am_See_1.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=66404&title=kamtschatka-230112-1&cat=537)

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/Am_See_2.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=66405&title=kamtschatka-230112-2&cat=537)

Danach weiß ich gar nicht, was ich zuerst machen soll: lesen (bisher bin ich dank der Gruppenunterhaltung gar nicht dazu gekommen), Tagebuch schreiben, Nichtstun, Sonnen… Irgendwann taucht die Idee auf, doch erst morgen nach Esso zu laufen. In der Sonne lässt es sich auf dem Steg wunderbar aushalten und auch die Mücken lassen uns einigermaßen in Ruhe. Heiko, Kati und Kathrin machen sich auf nach Esso, wir restlichen richten uns gemütlich ein.
Ich mache es mir mit Sven auf dem Steg gemütlich, während der Rest die Gegend erkundet. Wir unterhalten uns und ich bemühe mich, ihm als Muse fürs Angeln zu dienen. Und tatsächlich zieht er einen Fisch aus dem Wasser. Leider nur einen vegetarischen für Ute ;-) Als Trost gibts noch ne Runde Massage für den geschundenen Wandererrücken und ich überlege, ob ich daraus nicht eine Geschäftsidee machen kann - Massage gegen Gepäcktransport.
Irgendwann am Nachmittag platzt plötzlich eine Truppe uniformierter Russen in unsere gemütliche Runde. Sie schauen grimmig und fotografieren erstmal alles (inklusive mich in schönster Bademontur). Ich kratze meine letzten Brocken russisch zusammen und versuche rauszufinden, was los sei. Irgendwas mit Waldbrand. Ich habe Sorge, dass es vielleicht auf dem Weg nach Esso einen Waldbrand gibt, der auch zu uns kommen könnte. Trocken genug ist es ja. Also aktiviere ich die Trillerpfeife und rufe den Rest der Truppe herbei. Arne denkt das schlimmste und schwimmt in Rekordgeschwindigkeit über den See. Barbara kann das Rätsel glücklicherweise schnell trödeln. Die Russen sind die hiesige Feuerwehr und haben auf dem Fahrweg eine recht große Schwelstelle gelöscht, vermutlich ausgelöst durch einen Zigarettenstummel. Sie fragen uns über die gestrige Truppe aus, wir können jedoch nicht viel weiterhelfen. Wir erzählen, dass wir bereits gestern eine Schwelstelle hier am Platz gelöscht haben. Die Jungs lassen eine Nummer da und verziehen sich wieder. Kurze Zeit später kreist ein Kontroll-Hubschrauber über unsere Köpfe.
Wir geben uns bis abends nochmal ausgiebig der Faulheit hin und runden den entspannten Tag mit Pfannkuchen (wieder aus den Untiefen von Berts Rucksack) und von Barbara gesammelten Blaubeeren. Als Nachtisch genießen wir Zigarren am Lagerfeuer.

Goettergatte
25.12.2012, 17:49
24.07.

Schaschlik!!!

Der Morgen bricht an, ich beginne ihn mit einem Bad, danach begeben wir uns zwecks Frühstück zum Pavillion.
Uns treibt niemand wir genißen un ser Frühstück mit massig Humor und Spaß in den Backen. Es gibt Rührei mit Speck und Blaubeeren.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_599_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69853&title=k11&cat=537)
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_595_von_1441_.jpg
Ausgelassen fideles Frühstück

Danach wird gepackt und wir ziehen Esso entgegen.
Es hat sich eingetrübt, es ist nicht mehr so heiß, wie am Vortag, aber schwül, die Mücken lieben es u nd sind im windgeschützen Wald sehr lebhaft.
Wir gehen am See entlang, danach biegen wir talwärts ein durch den Wald.
Als unser Weg auf den Fahrweg zum See stößt, bemerken wir eine schwelende Brandstelle, welche wir mit dem mit uns geführtem Trinkwasser zu löschen versuchen, das ist nicht viel, da wir keinen weiten weg vor uns haben.
In einer der am Vortag gelöschten Brandfläche hat sich ein Glutnest weiter ausgebreitet, das mycelfeine Wurzelgeflecht glimmt unter der Staubtrockenen Erde weiter.
Wir greifen zum Händi und versuchen die Nummer zu erreichen, welche man uns gestern für solche Fälle gab.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_600_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69854&title=k11&cat=537)

Kein Empfang :(
Wir entschließen uns weiter zu gehen, als wir aus dem Wald ins Weideland treten, kommt uns ein Fahrzeug entgegen, dessen Fahrer wir von dem Feuer berichten. Er verspricht uns sich der Sache anzunehmen und fährt weiter.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_602_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69855&title=k11&cat=537)
Doch, wir hatten die richtige Nummer

Als wir wieder an das Flußufer gelangen haben sich die Zeichen der Zivilisation bereits etwas verdichtet. Ein Unterstand für Pferde und Rastplatz mit Feuerstelle ist in Arbeit, später stoßen wir auf einen verrottenden Melkstand, dann wird der Fahrweg langsam zur Straße, wir treffen auf Arbeiter, welche eine Stromleitung über die Bystraja ziehen, dann erreichen wir die erste Brücke zum Dorf.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_604_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69856&title=k11&cat=537)http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_607_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69857&title=k11&cat=537)

Nun geht es durch eine Parkartige Landschaft, danach folgt eine weitere Brücke, wir müssen warten, sie zu überqueren, da eine Rinderherde uns entgegengetrieben wird.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_611_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69859&title=k11&cat=537)

An den verfallenden Stallungen einer der örtlichen Sowchose vorbei gelangen wir Dorfwärts, von Hunden begrüßt und verrottendem Vehikeln flankiert streben wir dem Dorfzentrum zu.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_616_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69860&title=k11&cat=537)
Bei trüben Wetter macht das Dorf einen etwas trostlosen eindruck, käme nicht ab und an ein Auto vorbei, könnte man meinen in der Vorkriegszeit zu sein.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_619_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69861&title=k11&cat=537)

Als wir das Dorfzentrum erreichen rückt die Feuerwehr aus und fährt tatsächlich den Weg, welchen wir kamen, dem Walde zu.
Dann treffen wir Kathrin, welche uns zu Natalja führt, wo wir für diese Nacht ebenfalls unterkommen können.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_644_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69890&title=k12&cat=537)
Nataljas "Hotel"
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_646_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69891&title=k12&cat=537)
Unser Häuschen

Mitlerweile hat es begonnen zu regnen, sogar einigermaßen heftig.
Derweil geben wir alles was zu waschen ist in Nataljas Hände, springen ins Thermalbad und dann unter die Dusche.
Daraufhin gehen wir zum Schaschlikgrill am oberen Dorfende.
Dem Flußufer entlang, der Thermalwasserleitung folgend, mit Blick auf das prächtig verkommeme Postgebäude, streben wir dem Volkskundemuseum und dem Festplatz zu, dort überqueren wir den Fluß mittels einer Blockbaubrücke mit Brückenkapelle, welche jedoch profanisiert und von Regenschutzsuchenden Anglern und Teanagern bevölkert wird. Danach steigen wir über ein Hölzernes Trottoir mit Rollstuhlrampe eine Straße hügelan und eine hölzerne Reihenhauszeile hinter uns lassend, an einigen Häuslerhöfen vorbei, streben wir dem protzigen Hotel mit Pool und Schaschlikgrill zu.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_635_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69888&title=k12&cat=537)http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_633_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69865&title=k11&cat=537)

Ich bestelle gleich eine Doppelportion und ein Bier, dann noch eins, wir sind in einem Plastikpavilion, der prasselnde Regen lärmt derart, das man nicht über zwei Tische hinweg reden kann.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_632_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69864&title=k11&cat=537)
Hochzeitkapelle des Hotels

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_642_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69889&title=k12&cat=537)
Warmer Sitzplatz auf Thermalwasserleitung

Nach dem Essen hat der Regen nachgelassen, wir gehen einkaufen. Mit dem nötigsten eingedeckt begebe ich mich ins Thermalbad.
Danach treffe ich mich auf ein Neues, um nochmals den Schaschlikgrill aufzusuchen.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_628_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69862&title=k11&cat=537)
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_629_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69863&title=k11&cat=537)
Wieder verdrücke ich eine Doppelportion :grins:

Anschließend spazieren wir durchs Dorf zurück, um uns mit ein Paar Flaschen Baltika und Wodka im Thermalbecken zu versenken.
Zu Mitternacht verdrücke ich mich ins Bett, um 2 Stunden später wieder geweckt zu werden, Technomüll aus Autoradio vorm Schwimmbecken :ill:
Ich verstöpsel meine Ohren, aber die Bässe wummern bis in meinem Bauch ... Saublagen!
Irgendwann schlafe ich wieder ein.

codenascher
25.12.2012, 17:49
24.07.2012 Auf nach Esso

Erste Amtshandlung des Tages, nackt in den See! Herrlich und erfrischend. Wir kamen beinahe pünktlich los. Das Wetter heute war zum wandern optimal. Bedeckter Himmel, hier und da ein paar Nieseltropfen die den staubigen Weg Richtung Esso halbwegs begehbar machten.
Wir kamen an einer Stelle vorbei, an der die „Waldfeuerwehr“ am Vortag den Boden weit ausgestochen hatte um einen Schwelbrand zu löschen. Dieser war allerdings noch immer aktiv, Feuerwehr Kamtschatka setzen, sechs. Barbara versuchte die Feuerwehr zu erreichen, sie hatte die Nummer gestern erhalten, sollten wir noch etwas sehen. Die Nummer funktionierte allerdings nicht. Sie lief nen ganzes Stück zurück um die richtige Telefonnummer von einer Waldbrand Hinweistafel weiter vorne zu holen. Als sie wieder kam schaffte es unser Mobiltelefon nicht eine Verbindung aufzubauen. Also umsonst zurück gelaufen...

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Arne vor einem Prachtexemplar von Baum

Die Mückenpopulation erreichte auf den letzten Kilometern ein neues Hoch, eh wir drei Stunden nach Aufbruch die Brücke über die Bystraja nach Esso erreichten. Unseren Einmarsch hätte ich gerne gefilmt und mit Balboas „gonna fly now“ untermalt. Zivilisation hat doch nach einer Woche entbehrlichen Lebens in der Wildnis was!

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ohne Worte...

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Die Brücke nach Esso

Ein paar Impressionen aus Esso:

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Die Feuerwehr hat also doch noch einen richtigen Löschwagen

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Überall Obst und Gemüse in den Gärten

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Für die Stromveteilung sorgt hier ein alter verrosteter Leistungsschalter

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Einer der vielen Streuner hier

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Überall am Wegesrand stehen alte nicht mehr benutzte Vehikel

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Die Häuser in Esso sind beinahe alle aus Holz gebaut

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Nun mussten wir nur noch unsere Vorhut finden. Da ich das einzige Mobiltelefon unserer gesamten Gruppe stellte, war ein einfacher Anruf natürlich nicht möglich. Wie der Zufall es will, kam uns Kathrin gerade entgegen als wir bei Nathalia vorbei liefen. Sie hatten sich wieder hier einquartiert!

Heiko war gerade dabei Arme Ritter zuzubereiten. Susanne und ich bekamen somit ein zweites Frühstück :bg: Anschließend gingen wir zum Schaschlikmann beim Hotel, nen Bierchen trinken und Arne beim Schaschlik verdrücken zugucken :bg: Wir bestellten uns aber jeweils eine doppelte Portion für den Abend! Doppelte Portion heißt in diesem Fall vierfache Portion entgegen des ersten Abends! Anscheinend war vor einer Woche nicht mehr genügend Fleisch da und man teilte die Spieße auf. Bezahlt hatten wir natürlich den regulären Preis...
Unsere Vorhut erzählte uns von den tollen Erlebnissen des Vortags. Sie trafen Andreas von Heßberg, den Autoren unseres Reiseführers. Wohl ein sehr sympathischer Herr.
Weiter feierten sie am Abend mit einigen gesetzten Damen das Omageworden sein bei viel Vodka und allerlei russischer Leckereien. Für beides beneide ich sie sehr, möchte den Tag am See aber selbstverständlich nicht missen.
Weiter hat Kathrin an der heißen Quelle den (selbsternannten) Bürgermeister Essos anscheinend ganz schön in Verzückung versetzt. Dieser hätte sie am liebsten vom Fleck weg geheiratet und lud unsere Vorhut auf einige Biere ausm Späti gegenüber unserer Pension ein.

Waren Heiko und ich mit unseren Angeln nicht erfolgreich, so schaffte es doch wenigstens Susanne einen Fisch zu fangen. Während sie aus ihrer Nalgene Flasche trank spuckte sie irgendwas aus. In ihrer Handfläche lag eine tote Forellenlarve... :wohoo:

Nach dem Abendbrot, doppelte Portion Schaschlik macht wirklich sehr satt ;-) ging es wieder zur Quelle. Meine zwei Flaschen Parliament wurden von unserer Gruppe recht aufgeschlossen empfangen. Susanne und ich nahmen uns zuvor vor, uns heute Abend richtig zu besaufen! Dies taten wir auch. Irgendwann gegen zwei Uhr Nachts beendeten wir den Abend. Ich in meinem Bett und Susanne die halbe Nacht auf dem Klo. Die arme hat den Vodka nicht so gut wegstecken können wie ich :cool:

Schmetterling
25.12.2012, 17:49
Einzug nach Esso - 24.7.

Wir stehen relativ zeitig auf und machen uns nach einem kurzen Frühstück auf den Weg nach Esso. Die Stimmung ist euphorisch, denn auf uns warten heiße Duschen und ein richtiges Bett. Der Himmel ist bedeckt und so schreiten wir auf dem Fahrweg zügig voran. Nach kurzer Zeit entdecken wir die Schwelstelle, von der die Männer gestern berichtet haben – sie schwelt immer noch und hat sich weiter in Richtung Wald gefressen. Wir kippen unsere kümmerlichen Wasservorräte aus und versuchen, die Nummer anzurufen. Leider ohne Erfolg. Unglaublich, was eine einzelne Zigarette anrichten kann! Ich sehe sowas zum ersten Mal und bin erschrocken, wie sich so ein Schwelbrand entwickeln kann. Wir mussten am ersten Abend sehr viel Wasser auf eine relativ kleine Stelle schütten, um der Glut Einhalt zu bieten.
Der restliche Weg vergeht zügig und nach ca. 2 Stunden erreichen wir Esso. In leichtem Nieselregen schreiten wir durch die Straßen und kommen uns zwischen all den Menschen fremd vor. In den letzten Tagen sind wir niemandem sonst begegnet, was für mich eine neue Erfahrung ist.
Als wir gerade an einer Kreuzung darüber diskutieren, wie wir die anderen wohl finden und bei welchem Hotel wir die Suche beginnen sollen, entdeckt uns Kathrin und winkt uns zu Natalias Unterkunft. Sie, Heiko und Kati haben eine komplette kleine Wohnung gemietet, in der es noch zwei Betten für Sven und mich gibt. Noch vor der lang ersehnten Dusche bekommen wir frische Arme Ritter serviert, auf die wir uns hungrig stürzen. Dann endlich die wohlverdiente Dusche mit heißem Wasser, die Kleidung können wir bei Natalia abliefern. Inzwischen regnet es in Strömen und ich mache mir es im Bett gemütlich. Den Nachmittag verbringe ich lesend und schlafend auf der weichen Matratze. Alle Besichtigungspläne verschiebe ich auf morgen.
Abends plündern wir den Supermarkt und gönnen uns jeder eine Doppelportion Schaschlik. Abends fülle ich meine Nalgene mit Orangensaft auf. In ihr befindet sich noch ein Rest Flusswasser von der Wanderung. Ich nehme eine großen Schluck und wundere mich über das große Fruchtfleischstück im Saft. Als ich es ausspucke, ist es eine Fischlarve :shock: :kotz: Damit bin ich die einzige auf der Tour, die einen Fisch gefangen hat. Und das ganz ohne Angel :hahaa:
Die Rückkehr und Wiedervereinigung der Truppe feiern wir ausgiebig bei Wodka in der heißen Quelle. Da Fisch schwimmen muss, lasse ich mir von Sven gerne etwas häufiger nachschenken...

willo
25.12.2012, 17:49
24.7. & 25.7.2012

Uns stehen nun zwei Ruhetage in Esso bevor und wir läuten der Ersteren mit einem schönen Frühstück mit Armen Rittern und frischem Brot in unserer Dreier-WG ein. Während wir in frisch gewaschenen Klamotten frisch geduscht diverse Köstlichkeiten in uns reinschieben, sehen wir draussen den Rest unserer Truppe ins Dorf einziehen. Schlagartig ist es mit der Ruhe vorbei und unsere kleine Bleibe verwandelt sich in eine Art Aufenthaltsraum. Unser Frühstück ist auch in kürzester Zeit vernichtet.
Nachdem die anderen sich nun doch entscheiden eine Nacht bei Natalia zu bleiben und am nächsten Tag in die Tourbasa umziehen wollen, klären wir Drei plus Sven und Susanne noch mit Natalia ab auch die letzte Nacht in Esso zu verbringen und nicht mit in die Tourbasa umzusiedeln.
Diese zwei Tage waren an sonsten recht langweilig und ereignisarm. Ich gucke mir etwas das Dorf an, kaufe etwas ein und versuche auf dem Postamt das Internet zu nutzen.
Bei einem Ausflug in das Nationalparkzentrum komme ich mit einem nach Outdoor aussehenden Herren ins Gespräch der der Reiseleiter einer Gruppe Rentner zu sein scheint. Wir unterhalten uns über unsere bisherige Tour mit den nicht machbaren Furten und über unsere geplante Tour zum Vulkan. Er hat eine Menge Tipps parat und ist äusserst Hilfsbereit. Gegen Ende stellt sich heraus, dass es sich bei meinem Gesprächspartner um Andreas Heßberg handelt, dem Autoren des einzigen brauchbaren Reiseführers für Kamtschatka; mit dem wir auch nahezu die gesamte Reise geplant haben.
Am Abend des ersten Ruhetages schießt sich Susanne derartig mit Vodka ab, dass sie den gesamten nächsten Tag im Bett verbringen muss und erst gegen Abend wieder anfängt Aktivitäten zu entwickeln.

Mit einem weiteren nächtlichen Bad im Pool schließen wir unseren Aufenthalt in Esso ab, um am nächsten Morgen Richtung Tourbasa aufzubrechen wo wir uns mit den anderen treffen wollen.

Goettergatte
25.12.2012, 17:49
25.07,

ESSO, es gibt viel zu tuen ...

Morgenstund hat blei im Rücken,
einer der Vodkas der Nacht muß schlecht gewesen sein,
aber die Lust auf ein gemütliches ausgedehntes Frühstück treibt mich schnellstens in das Wasser des Thermalbades und dann unter die Dusche.
In Natalias Gartenhäuschen bereiten wir uns Arme Ritter.
Ohne Susanne, die hat eine Krankheit, eine Vodka-Fisch-Vergiftung.
Während des Frühstücks hängen wir auch unsere Wäsche auf und beobachten einen Trupp Geometer, die quer durch den Garten nivelieren.
Sofort werden Vermutungen laut, das Dorfoligarchiat neide Natalia das Grundstück neben dem Bade und plane die Zwangsenteignung :bg:

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_669_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69959&title=k12&cat=537)
Nataljas Anwesen

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_670_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69960&title=k12&cat=537)
Nataljas Laterne
Nach dem Frühstück ist ein großer Dorfrundgang nebst Shopping angesagt.
Die Reihenfolge kriege ich nicht mehr ganz auf den Plan, aber zunächst waren wir in verschiedenen Lebensmittelläden, dann visitierten wir die Dorfhäfte westlich des Flusses, leider hatte das Museum noch geschlossen. Hinter dem Museum liegt ein schöner Hof, mit geschnitzten Torpfosten und schönem Remisengiebel.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_660_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69954&title=k12&cat=537)
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/kamtschatka_659_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69914&title=k12&cat=500)
Russisches Wappen, St. Georg

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_661_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69955&title=k12&cat=537)
Wappen Kamtschatkas, 3 Vulkane

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_662_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69956&title=k12&cat=537)
Remisengiebel

Danach kommen wir zum Denkmal für die Helden des "Großen Vaterländischen Krieges" (2ter Weltkrieg)
Wir suchen verschiedenste Geschäfte auf, den an Lebensmittelläden mangelt es nicht, unweit des Denkmals finden wir sogar etwas, was man als Feinkostladen bezeichnen könnte.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_667_von_1441_.jpg

Gen Mittag gibts ein Thermalbad
Danach streben wir der anderen Dorfhälfte zu, jener mit dem Zentrum.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/thumbs/kamtschatka_672_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69979&title=k12&cat=537)http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/thumbs/kamtschatka_665_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69957&title=k12&cat=537)http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/thumbs/kamtschatka_675_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69982&title=k12&cat=537)Dorfeindrücke

Hier findet man die Post, mit Kosmetikabteilung, hier werden die Briefmarken vom Personal selbst geleckt.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/thumbs/kamtschatka_673_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69980&title=k12&cat=537)Post http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/thumbs/kamtschatka_737_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=72221&title=kamtschatka-737-von-1441-&cat=537)Schalterhalle http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/thumbs/kamtschatka_674_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69981&title=k12&cat=537)Bald kommt im Obergeschoß die Decke runter

Eine Bank mit nicht funktionierendem Geldautomat und vorglasnostisch-leninmausuleumöser Schlange vorm Kassenschalter.
Kirchenbaustelle, an der sich seit unserer Ankunft nichts tat

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_676_von_1441_.jpg

Das Haus des Popen

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/thumbs/kamtschatka_694_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=72223&title=kamtschatka-694-von-1441-&cat=537)http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/thumbs/kamtschatka_698_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=72224&title=kamtschatka-698-von-1441-&cat=537)

Der Marktplatz mit seinen Buden und einem Baustellencontainer-Supermarkt. Der Marktplatz hat ansprechende Torpfosten und eine hübsch gestaltete Umzäunung.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_679_von_1441_.jpg

Dem Markte gegenüber ist der Supermarkt, ein Wellblechpalast mit halbgelehrten Regalen und 2 Arbeitern, die binnen einer Stunde 2 Latten an eine Wand nageln. Dieser Laden ist unser Bier, Proviant und Vodkalieferant, weil man sich selbst bedienen kann.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/thumbs/kamtschatka_678_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69984&title=k12&cat=537) http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/thumbs/kamtschatka_682_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69987&title=kamtschatka-682-von-1441-&cat=500) http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/thumbs/kamtschatka_681_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69986&title=kamtschatka-681-von-1441-&cat=500)

Danach kommt man zur Bürgermeisterei, der Bürgersteig ist fast fertig, man hat angefangen die Schalung mit Beton zu füllen, während an dem einen End des Straßenblocks gearbeitet wird, machen am fertugen Bauabschnitt Straßenköter und Kinder Spuren und Namenszüge in die frische Schüttung. :baetsch:

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/thumbs/kamtschatka_688_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69993&title=kamtschatka-688-von-1441-&cat=500) http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/thumbs/kamtschatka_683_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69988&title=kamtschatka-683-von-1441-&cat=500)http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/thumbs/kamtschatka_687_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69992&title=kamtschatka-687-von-1441-&cat=500) http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/thumbs/kamtschatka_685_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69990&title=kamtschatka-685-von-1441-&cat=500)

Es wird Zeit fürs Museum:
Es liegt wie gesagt direkt anm Ufer eines der Bystraja zufließenden Fluße. Der Eingangsbereich stellt eine Ortodoxe Kirche dar, dient heute jedoch als Empfang, Kasse und Volksgetümelboutique.




Daneben befindet sich ein Turm, dessen Eingang von einem vorkragendem Baldachin überragt wird und desen Obergeschoß Senkscharten bildend überkragt.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/thumbs/kamtschatka_732_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=72302&title=kamtschatka-732-von-1441-&cat=537)
daneben befindet sich ein Blockhaus, welches den Ausstellungssaal darstellt.http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/thumbs/kamtschatka_713_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=72297&title=kamtschatka-713-von-1441-&cat=537) http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/thumbs/kamtschatka_711_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=72295&title=kamtschatka-711-von-1441-&cat=537) http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/thumbs/kamtschatka_710_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=72294&title=kamtschatka-710-von-1441-&cat=537)

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_730_von_1441_.jpg

Teilweise wird dieses Ensemble von einem Staketenzaun, in Art eines "Spanischen Reiters" umgeben. http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/thumbs/kamtschatka_656_von_1441_1.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=72264&title=kamtschatka-656-von-1441-1&cat=537)

Ich lasse Barbara fragen, was es damit aufsich habe, sie erhält zur Antwort, es handele sich um Teile eines kosakischen Ostrogs, des späten 18.jhdt. leider ist der Turm nicht zu betreten, er ist ein magazin und Materialschuppen.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_658_von_1441_1.jpg

Neben dem russischen Teil befindet sich die ewenische Abteilung, bestehend aus einem Sommerhaus, Vorratsbühne und Winterhaus.
Während das Sommerhaus ein Zelt auf einem hochgelegenen Podest darstellt http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/thumbs/kamtschatka_729_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=72225&title=kamtschatka-729-von-1441-&cat=537), ist das Winterhaus eine beeindruckende gezimmerte Konstruktion, bestehend aus einem Gebindefach, an welches sich die steil aufragenden Wände anlehnen und somit ein Pyramidenstumpfartiges Haus bilden, welches an seiner Spitze von einem weit Hervorragendem Windschirm abgeschlossen wird, welcher das Rauchloch, bzw den Wintereinstieg ins Haus durch das selbe, vor Schneeverwehung schützt. Hier können im Winter leicht über 4 m Schnee fallen. Der normale Zutritt erfolgt ebenerdig durch eine stollenartige Kälteschleuse, ähnlich denen, welche man von Iglus kennt. Im Zentrum befindet sich die Feuerstelle, um sie herum Alkoven und Liegebänke, mit Rentirhäuten und Fellen gedeckt und abgeteilt. Neben der Feuerstelle führt eine Einbaumleiter zum Rauchloch hinaus.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/thumbs/kamtschatka_728_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=72300&title=kamtschatka-728-von-1441-&cat=537) http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/thumbs/kamtschatka_727_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=72299&title=kamtschatka-727-von-1441-&cat=537) http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/thumbs/kamtschatka_724_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=72298&title=kamtschatka-724-von-1441-&cat=537) http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/thumbs/kamtschatka_712_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=72296&title=kamtschatka-712-von-1441-&cat=537)

Bei den Russischen Bauten handelt es sich wohl um stark rekonstruirte Spolien eines Forts (russ. Ostrog), evtl. dem von Johann Joachim Schwabe als im Bau befindlich beschriebenen 5. Ostrog Kamtschatkas, im Landesinnern.

Nachdem wir all das taten, welches wir zu tuen hatten, packten Üte, Barbara, Bärt und ich unsere Sachen, um, wie vor über einer Woche abgemacht, unsere vorgebuchten Betten in dem Ferienlager "Tourbasa Skara" zu beziehen, wo bereits Teile unserer Ausrüstung lagern und von wo nächstentags der "Bus" zu unserm Nächsten Ziel starten soll.
Nach dem Packen wird nochmals im Thermalbecken gebadet, danach kaufen wir nochmals Sachen für das Abendessen, Bärt und ich machen uns noch mal auf die Suche nach einer Isomatte, wir finden dabei den örtlichen Möbel, Cämping, Haushaltsgeräte und Drogeriemarkt, aber keine Isomatte (wir wollten eine kaufen und zerteilen, für Sitzkissen) http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/thumbs/kamtschatka_742_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=72304&title=kamtschatka-742-von-1441-&cat=537) http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/thumbs/kamtschatka_744_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=72305&title=kamtschatka-744-von-1441-&cat=537)

Danach verabschieden wir uns vom Rest der Mannschaft, die noch bei der Wodka-Fisch-vergifteten Susanne, welche nachwievor im Bett vor sich her dämmert, bleiben möchten. Morgen um 7.30 Uhr sehen wir uns wieder.
Üte, Bärt, Barbara und ich werden von einem Taxi zum Lager droschkiert, einem Budendorf, längs eines Bohlenweges, parallel zum Fluß. http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/thumbs/kamtschatka_747_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=72306&title=kamtschatka-747-von-1441-&cat=537) http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/thumbs/kamtschatka_753_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=72307&title=kamtschatka-753-von-1441-&cat=537)
Wir beziehen eine Hütte mit 4 Pritschen http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/thumbs/kamtschatka_766_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=70626&title=k13&cat=537) und bereiten am Ufer ein Lagerfeuer und berieten uns Lachs-Tortelini mit frischen Tomaten. http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/thumbs/kamtschatka_755_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=72308&title=kamtschatka-755-von-1441-&cat=537)
Wir gehen Zeitig zu Bett, denn wir müssen wirklich früh raus, um 7.30 fährt der Bus.

codenascher
25.12.2012, 17:49
25.07.2012 Ruhetag in Esso

Susanne ging es heute den gesamten Tag unheimlich schlecht. Die Kotzerei der Nacht ging auch tagsüber weiter.
Während des Frühstücks (erneut Arme Ritter) bemerkte ich, dass meine Regenjacke mal wieder weg ist... Alles grübeln half nix. Beim Restaurant konnte ich sie eigentlich nicht vergessen haben, war ich mir Felsenfest sicher, dass ich sie am Abend Richtung Herberge noch an hatte.
Erst ein Fotobeweis, ich glaub von Utes Kamera, zeigte mir auf, dass ich auf dem Rückweg vom Schaschlikmann keine Jacke an hatte.
Als ich beim Restaurant angekommen war, sah ich auch schon meine Jacke. Diese lag noch immer am selben Platz, wo ich am Vortag gesessen hatte. Jacke samt Schmartfon inna Tasche da, boah ist mir ein Stein vom Herzen gefallen ;-) Erstaunlich zum einen das die Jacke noch da war, zum anderen aber, dass die Bedienung sie nicht weggeräumt hat...

Unsere Gruppe teilte sich heute auf. Einige besuchten die Quelle, andere das Museum, andere die „Einkaufsmeile“, und überhaupt genossen wir die Annehmlichkeiten der Zivilisation.
Ich wuselte hier und da im Garten rum. Baute meins und das Zelt von Susanne und Kathrin auf, es war Zeit für ein großes Reinemachen. Immer wieder schaute ich bei Susanne rein, bemitleidenswerter armer kleiner Wurm...
Heiko, Kati, Kathrin, Susanne und ich blieben noch eine weitere Nacht bei Nathalia, während die restlichen vier in die Tourbasa umzogen.
Susannes Zustand änderte sich erst zum Abend, nachdem wir unser zwischen lagerndes Gepäck von der Tourbasa abholen wollten. Der Schlüssel zu unseren Klamotten befand sich zu diesem Zeitpunkt nicht im Camp und somit waren wir umsonst dorthin gefahren. Unser Plan war nun, einfach am nächsten morgen einen kurzen Moment früher rüber zu fahren und unsere Taschen neu zu packen. Großer Schreck für Susanne, da ihre Akkus für die Kamera leer waren und sie auf jeden Fall auf das Ladegerät angewiesen ist. Wunderheilung!!! Mit einem Elan sprang sie aus dem Bett, rief sich ein Taxi und fuhr zur Tourbasa – und kam mitsamt unseres restlichen Gepäcks wieder ;-)

Den Abend ließen wir diesmal ohne Vodka im Pool ausklingen.

Schmetterling
25.12.2012, 17:49
25.7. – Öööhh
Ähm, also, dieser Tag wird aus meinem persönlichen Reisetagebuch gestrichen. Dat war wohl zuviel Wodka gestern…

Während die anderen Esso erkundeten, trieb sich Sven den ganzen Tag um unser Häuschen und kümmerte sich netterweise auch um meine Ausrüstung. Regelmäßig schaute er zu mir rein und versuchte, mich aufzumuntern und zu unterstützen, aber mir war heute wirklich nicht zu helfen. :(

Erst gegen Abend konnte ich wieder eine Kleinigkeit essen…

willo
25.12.2012, 17:49
26.07.2012

Unsere zwei am Abend vorbestellten Taxen kommen zwar nicht, dafür ruft uns Natalia zum Abschied zwei neue, die dann auch prompt erscheinen und uns zu den Anderen fahren. Wir deponieren noch etwas Gepäck und machen uns dann mittels eines geländegängigen LKWs in Richtung Tolbacik auf den Weg. Die Fahrt ist die ersten Stunden eher reizarm, da es auf einer endlosen Landstr. durch die immer gleichen Wälder und Wiesen geht. Irgendwann biegen wir endlich von der Straße auf einen schmalen Trail ab und der Fahrer kämpft sich mit dem Gefährt durch das Gelände. Nach dem Queren einiger größeren Flüsse stehen wir plötzlich auf einer großen Freifläche die nur aus schwarzen Basaltkies besteht und kaum Bewuchs zeigt. Wir kommen dem Vulkan endlich näher!

http://www.album.de/img1/big/235/23580782520119.jpg
kamtschatka (91 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358078/kamtschatka-91-von-199-.cfm)

http://www.album.de/img1/big/235/23580797367114.jpg
kamtschatka (92 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358079/kamtschatka-92-von-199-.cfm)

Als es weiter über Stock und stein geht wird das Wetter leider mit jedem Meter schlechter und als wir schliesslich das Basecamp am Tolbacik erreichen stehen wir komplett im Nebel und es regnet stark. Wir machen uns erstmal in einer recht geräumigen aber kalten Hütte breit die als Aufenthaltsraum des Camps zu dienen scheint. Hier ist es zwar nicht warm aber dank eines zusammengeschweissten Ofens wenigstens ein paar Grad wärmer als draussen und trocken.

Das Camp erweist sich als deutlich touristischer als Gedacht und es herrscht eine regsame Betriebsamkeit von Lastern und Autos die immer neue Leute in die Hütten und organisierten Zeltcamps bringen. Outdoorsportler befinden sich offensichtlich kaum unter den Touristen dafür jede Menge Küchenpersonal und Reiseleiter. Mir kommen schon hier erste Zweifel ob es wirklich eine gute Idee gewesen ist, sein Camp hier aufzuschlagen.

http://www.album.de/img1/big/235/23580804225572.jpg
kamtschatka (93 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358080/kamtschatka-93-von-199-.cfm)


http://www.album.de/img1/big/235/23580813906464.jpg
kamtschatka (94 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358081/kamtschatka-94-von-199-.cfm)

http://www.album.de/img1/big/235/23580821017369.jpg
kamtschatka (95 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358082/kamtschatka-95-von-199-.cfm)

http://www.album.de/img1/big/235/23580843796361.jpg
kamtschatka (97 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358084/kamtschatka-97-von-199-.cfm)

Unsere Zelte bauen wir schließlich auf einer halbwegs geraden Ebene auf die aber keinerlei Schutz vor Wind und Wetter bieten wird - den gibt es hier aber auch weit und breit nicht. Um die Heringe im losen Basalt überhaupt irgendwie fest zu bekommen, muss ich die dünnen MSR-Pegs mit großen Lavabrocken sichern.

Goettergatte
25.12.2012, 17:49
26.07.

Unimog nach Leningradskaja

Susanne ist wieder Gesund und alle sind pünktlich vor ort, am Tor der Tourbasa Skara.
Und dann kam der Bus, ein Art Unimog (GAZ 66 ?), mit Wohnkontainer, in dem ausgediente Reisebussitze angeschraubt sind. http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/thumbs/kamtschatka_769_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=70628&title=k13&cat=537)http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/thumbs/kamtschatka_767_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=70627&title=k13&cat=537)
Wir verstauen unsere Klamotten und steigen ein.
Wir schaukeln los, labernd lachend und schaukelnd fahren wir richtung Kamtchatkafluß, welchen wir auf einer neu errichteten Brücke überqueren. http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/thumbs/kamtschatka_774_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=70630&title=k13&cat=537) http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/thumbs/kamtschatka_776_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=70631&title=k13&cat=537)
Unten am Ufer verrottet die alte Fähre. Hier haben wir erstmals Aussicht auf die Klujevskoj-Vulkangruppe mit dem Vulkan Tolbatchyk.
Kurze Zeit später biegt der Fahrer unvermittelt in einen Waldweg ab. Die Abbiegestelle markiert ein ausgebranntes PKW-Wrack.
Das Schaukeln wird jetzt zu einem Schütteln und Stoßen, der Weg sind 2 schlammige Reifenspuren im Wald, die Zweige peitschen die Scheiben entlang. Nach einer geraumen Weile erreichen wir ein Aschefeld in der weiten Waldebene, in der wir den Faher anhalten gebieten, da wir durch das ewige geruckel alle bereit sind die Natur zu gießen. Wieder haben wir Aussicht auf die Vukangruppe. http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_773_von_1441_.jpg
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_782_von_1441_.jpg
Dann gehts weiter, wie gehabt, schließlich durchqueren wir einen Fluß, der zu Fuß eventuell nicht zu furten gewesen wär, dann geht es wieder durch dichtesten Wald, durch achstief aufgewühlte Schlammspuren schlingern wir immer steiler bergauf, es wird so Steil, das man meinte in einem Liegesitz zu weilen. Dann durchbrechen wir irgendwann die Baumgrenze, die Sicht hingegen ist weg, dann setzt Regen ein, wir fahren durch eine schwarze Wüste aus Eruptionsschlacken und erreiche schließlich in kühlem Regen eine Gruppe Bretterbuden mit einem Großzelt und einem Zeltlager daneben.
Leningradskaja Tolbatchyk.
Nach einigem hin und her finden wir eine Baracke, welche dem allgemeinen Aufenthalt zu dienen scheint, in reichlichen Hundert Metern Abstande zu dieser bauen wir unser Lager auf, um im weiterhin andauernden Regen wieder in die Hütte zu fliehen. Eine Gruppe Schweizer ist mit uns dort. Wir wettern den Nachmittag ab, heizen den Ofen, kochen Tee und Kaffee (nicht wahr, Bärt? ;-)) Das Wetter ändert sich kaum.

codenascher
25.12.2012, 17:49
26.07.2012 Auf zum Tolbacik

Heute begann endlich der lang ersehnte aufregende Teil der Tour. Auf zu den Vulkanen!!!
Unsere bestellten Taxen trafen erst auf erneutes anfragen mit einer halben Stunde Verspätung bei uns ein. Unser LKW der uns zur Leningradskaja Basa bringen sollte stand schon bereit – Geiles Teil!!!

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/Kamtschatka_26_07_2012-_01.jpg
Unser LKW

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/Kamtschatka_26_07_2012-_03.jpg

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/Kamtschatka_26_07_2012-_06.jpg

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/Kamtschatka_26_07_2012-_02.jpg



Mit dem LKW ging es über die Brücke, welche den Kamtschatkafluss überspannt Richtung Kljucevskoj Naturpark. Nachdem wir die Schotterpiste verlassen haben, merken wir recht schnell warum wir in solch einem großen Geländegängigem Fahrzeug sitzen. Größtenteils ging es über Stock und Stein. Fahrrinnen tief wie PKW Reifen, Pistenabschnitte welche auf 50 und mehr Metern komplett unter Wasser standen, weite Lavafelder. Während wir schmale Gletscherflüsse queren merken wir jedes mal, wie der LKW und wahrscheinlich auch unser Fahrer arbeiten, sich gegen die starke Strömung der Flüsse bäumen. Als wir die Baumgrenze erreichen ist es um uns geschehen. In der Ferne sehen wir den Kljucevskoj und den Kamen – welch faszinierender Anblick dieser zwei perfekt geformten mit Schnee und Eis bedeckten Pyramiden.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/Kamtschatka_26_07_2012-_05.jpg

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Der Kljucevskoj und der Kamen

Wenig Bäume, weniger Mücken, dafür verdammt viele Bremsen. Als wir weiter fahren verfolgen uns die verdammten Blutsauger noch einen Moment eh sie ablassen.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/Kamtschatka_26_07_2012-_07.jpg
Der Tolbacik

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/Kamtschatka_26_07_2012-_08.jpg

An der Leningradskaja Basa angekommen fühle ich mich auf den Mond versetzt. Unwirklich, gar Schemenhaft liegt die Leningradskaja Basa in den Wolken. Der Untergrund schwarz. Überall schwarze Asche, vereinzelte grüne Punkte – Die Natur holt sich ganz langsam das zurück, was vor beinahe 30 Jahren unter der Asche des Tolbatschiks begraben wurde. Zwischen unseren Beinen verwirbeln sich die feinen Wolkenfetzen im Wind.
Um die eigentlich Basa, bestehend aus der Hütte des Rangers, einem größeren Aufenthaltsraum und zwei kleineren Hütten zum einmieten standen bestimmt 50 2-Mann Zelte der russischen Marke „Red Fox“ windschief herum.
Es nieselte und die Temperaturen hatten so gar nix mehr gemein mit den sommerlichen Temperaturen, wie wir sie noch vor nicht einmal zwölf Stunden hatten. Ein Temperaturdelta von beinahe 30°C...
Der Tolbatschik versteckte sich hinter einer dicken Wolkendecke. Ich hoffte, dass die ersten Vergleiche mit dem uns bereits bekannt unbekannten „Nieschinski“ nur Blödelei blieben.

Wir machten uns mit dem Lager vertraut. Die Quelle, die übel riechenden Toilettenhäuschen, der Aufenthaltsraum, die Waschbecken – ohne diese angenehmen Unannehmlichkeiten wäre ein Leben hier oben nicht möglich.
Zum Abend wurde es ein wenig voller in der großen Hütte. Die kommerziellen Touren kamen von ihren Ausflügen wieder. Von den zwei großen Tischen nahmen wir bis zu diesem Zeitpunkt einen komplett für uns in Anspruch, nun teilten wir ihn mit einer Schweizer Exkursion.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/Kamtschatka_26_07_2012-_09.jpg
Das rechte Klo hat doch deutlich weniger gestunken als das linke ;-)

Schmetterling
25.12.2012, 17:49
26.7. – Aufbruch zum Vulkan

Wir treffen uns um zehn Uhr an der Tourbasa, von wo aus wir zum Fuße des Tolbacik gefahren werden sollen – zu unserer zweiten Tour. Aufgrund von Unsicherheiten bezüglich der Streckenlänge, zu befürchtende Wasserknapphiet und Utes Schwierigkeiten haben wir uns entschlossen, statt der 7-Tages-Rundtour um den Vulkan lieber ein stationäres Lager an der Leningradskaja Basis am Fuß des Tolbacik aufzubauen und Tagestouren zu machen. Primäres Ziel ist die Besteigung des Tolbacik und wenn Zeit und Lust es zulassen, wollten wir unser Lager noch mal verlegen.
Gestern haben wir noch unsere Lebensmittelvorräte aus den zwischengelagerten Säcken wieder aufgefüllt. Das war fast wie Weihnachten! Die überflüssigen Sachen können wir in der Tourbaasa hinterlegen. Meine und Kathrins Sachen befinden sich in einer blauen Mülltüte. Ich stelle sie mal nur eben 5 Minuten ab und schon hat sich einer der allgegenwärtigen Köter über sie hergemacht – Mistvieh! Mit sicherem Geschmack suchte er sich das Milchpulver und das kostbaren Chai-Latte-Pulver heraus…
Beim Anblick unseres Gefährts brechen wir alle in Jubelschreie aus – ein richtig cooooler Russenlaster!

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/Russenlaster.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=67754&title=kamtschatka-russenlaster&cat=537)
Unser Luxusgefährt

Wir verstauen unsere Rucksäcke, verteilen uns auf die vielen Sitze und schon schaukeln wir los. Ich hole noch etwas Schlaf nach, während der Laster über die langweilige Piste gen Norden schaukelt. Endlich blitzen in der Ferne hohe Vulkane auf und ich werde wieder wach. Wir überqueren den mächtigen Kamtschatka-Fluss und biegen dann nach rechts von der Piste auf eine Piste ab. Das heißt, auf eine richtige Piste durchs Gestrüpp. Wir schaukeln und schwanken stundenlang durch eine dichte grüne Hölle. Wir wühlen uns durch sumpfige Stellen und überqueren ein breites Flussdelta. In unserem hochbockigen Gefährt werden wir ordentlich durchgeschüttelt.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/Tolbacik_im_Delta.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=67755&title=kamtschatka-tolbacik-im-delta&cat=537)
Das Flussdelta

Insgesamt sind wir froh, dass wir die ca. 30 km nicht laufen müssen (was wir auch schon überlegt haben). Wir wären vor Langeweile eingegangen und von Mücken aufgefressen worden.
Endlich kommen wir an die Baumgrenze und machen auf einem großen Aschefeld einen Zwischenstopp. Darüber thront mächtig der Tolbacik und fasziniert schießen wir ein paar Fotos. Das sieht ja schon sehr vielversprechend aus! Wir Frauen müssen mal kurz in die Büsche und da waren sie wieder – die kleinen Plagegeister. Erst jetzt merken wir, wie entspannt die letzten Tage in Esso waren. Dummerweise jucken die Stiche auch noch und bei der Rückkehr in den Bus bringen wir den Jungs eine Ladung mit.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/Tolbacik_und_CO_.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=67756&title=kamtschatka-tolbacik-und-co&cat=537)
Erster Ausblick auf die Vulkane

Wir verlassen endgültig die Waldzone und fahren durch eine schwarze Lavalandschaft. Pünktlich mit unserer Ankunft fängt es an zu regnen. Etwas bedröppelt sitzen wir im Bus, aber es hilft nichts, wir müssen raus in den Nebel, der die schwarze Mondlandschaft noch unwirtlicher erscheinen lässt. Wir schnappen uns die Rucksäcke und flüchten uns erstmal in eins der großen Mannschaftszelte, aus dem wir jedoch sofort wieder vertrieben werden. Eine der zahlreichen Holzhütten ist eine Gemeinschaftshütte, in der wir erstmal Platz nehmen. Draußen dichter Nebel und Regen. Der Inspektor ist nicht da, aber wir finden heraus, dass man diesen Gemeinschaftsraum gegen einen kleinen Obulus nutzen kann. Drinnen zwei große Tische mit Bänken, eine Kochplatte und ein Holzofen, dazwischen Wäscheleinen mit nasser Kleidung. Es ist kalt und zugig. Den restlichen Nachmittag verbringen wir mit Teekochen, Quatschen, Essen.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/Depristimmung.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=67749&title=kamtschatka-depristimmung&cat=537)
Depristimmung

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/H_ttenchaos.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=67750&title=kamtschatka-huettenchaos&cat=537)
Hüttenchaos

Als zwischendurch der Regen etwas nachlässt bauen wir die Zelte auf. Die schwarze Vulkanasche und der Nebel drücken mir auf die Stimmung, es ist extrem unwirtlich hier. Vom Vulkan natürlich nichts zu sehen, selbst die Plumpsklos ein paar Meter weiter sind kaum zu entdecken. Ich möchte nicht hier bleiben und am liebsten wieder zurück nach Esso. Angesichts der groben Asche habe ich Angst um meinen Zeltboden. Die Quelle, die die gesamte Station versorgt, ist ein winzig kleines Rinnsal. Ich schminke mir das Waschen erstmal ab. Immerhin feuern unsere Mitbewohner in der Hütte am Nachmittag den Ofen an und es wird etwas wärmer.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/Leningradskaja2.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=67751&title=kamtschatka-leningradskaja2&cat=537)
Leningradskaja Basa

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/Plumpsklos.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=67753&title=kamtschatka-plumpsklo&cat=537)
Unsere sanitären Anlagen

willo
25.12.2012, 17:49
27.07.2012

Es ist kalt und regnet in Strömen. Ich verbringe fast den ganzen Tag in der Hütte und lese ein Buch nach dem anderen und ärger mich immer wieder darüber, dass wir uns auf ein Standlager geeinigt haben - ohne die Hütte hätte man sich nicht von dem Wetter abschrecken lassen und wäre einfach in Regensachen weiter seines Weges gegangen.
Aber so sitze ich in der Hütte und lese und beobachte die Touristen die keinen Meter laufen und sich mit den LKWS von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit kutschieren lassen. Gegen Abend unterhalte ich mich sehr nett mit einer Gruppe jüngerer Leute aus der Schweiz - alles Bänker und Unternehmensberater die eine organisierte Tour nach Kamtschatka gebucht haben.

Goettergatte
25.12.2012, 17:49
27.07.

Schatten im Nieselnebel

Wir wachen auf, mit Tröpfelmusik auf dem Zeltdach.
Ich quäl mich aus dem Sack und werfe einen Rundblick,
ich sehe 4 Zelte, umgeben von einer Wand grauen Gewabers.
Der Natur gehorchend krabbel ich ganz aus dem Zelt und begebe mich zu einem Büschel Grün, im schwarzen Geschlack, welches wir als „Deutschen Wald“ für derartige Naturruftätigkeiten als Verklappungsstättte ausersahen. http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_814_von_1441_.jpg

Danach schlurfe ich zurück zum Zelt, packe den Kram, welchen ich zum Frühstück benötige nebst meinen Sandalen bei der Hand und peile die Richtung an, in der ich die Aufenthaltsstube wähne.
In der Tat schält sie sich bald als Kernschatten aus dem Grau heraus. Hier oben, rund um die Station ist der Boden nahezu komplett sandig, meine Sandalen benutze ich die nächsten Tage nurnoch für den Weg zum Klo und für den steinigen Pfad zur Wasserstelle.
In der Hütte sitzen bereits Bärt und Üte, es ist auch schon Kaffee bereit.
Während wir Frühstücken füllt sich die Bude, nach und nach trifft unser Trupp zusammen.
Das Wetter bleibt wie es ist, grau und feucht.
Der Regen ist weniger tragisch, aber der Nebel läßt nur wenig Sicht. Die Klohäuskes sind nicht mehr zu sehen, das macht aber nichts, das östliche ist nach einigen Schritten olfaktorisch leicht zu orten, danach sind es 10 Schritte westwärts zum Nächsten, dessen Nutzung angeratener ist, da die Luft dort nicht so schneidend ist und der Grubensumpf nicht zu leben scheint.
Später hole ich Wasser, der Weg zur Quelle ist durch einen, in Geröll freigemachtem Pfad, markiert. Danach geht es eine steile sandige Böschung hinab, in eine Art freigebaggerten schluchtigen Einschnitt, in dessem hintersten Winkel, in einer durch Blechplatten, gegen versanden gesicherten, Grube eine Pfütze Wassers zu finden ist. Eine bereitgestellte aufgeschnittene Wasserflasche dient als Ösfaß.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/IMG_7440.JPG
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_795_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=70635&title=k13&cat=537)http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/IMG_7444.JPG
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_797_von_1441_.jpghttp://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_802_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=70637&title=k14&cat=537)

Labernd, erzählend und dies und das verrichtend verstreicht der Vormittag.
Wir werden des Wartens auf Besserung des Wetters überdrüssig und beschließen einen Gang durch die nähere Umgebung zu machen.
Wir brechen in südöstliche Richtung auf, die erste Atraction, auf welche wir stoßen ist der „Kackfels“, ein findlingartiges Lavagebilde, in dessen Wetterschatten sich eine, nicht unerhebliche, Reihe von Verklappungshaufen befindet, reich garniert mit weißen Gebetsfähnchen.
Danach geht es in ein muldiges Tal, vereinzelt erscheinen Pflanzenbüschel im schwarzgrau, als ob Gestecke von einem Zen-Gärtner drapiert wurden. Ab und an zeigt sich auch die eine oder andere Blüte.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_823_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=70640&title=k14&cat=537)

Danach steigen wir einen Schlackesattel hinauf und genießen eine kurzreichend grauwabernde Aussicht.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_813_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=70638&title=k14&cat=537)

Sven beschließt hier einen Nahegelegenen Hügel zu besteigen, der Rest begibt sich auf eine ostwärts liegende Ebene, welche durch bizarre Lavasäulen Gedanken an das Innere Mordors wachwerden lassen.


Die Lavagebilde erscheinen im Nebeldunst recht gespenstisch, mitunter vermeint man zunächst das einem Menschen (oder gar Orks?) begegnen möchten.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/551/medium/Lavaw_ste_Tolbatchyk.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69953&title=begegnung-im-nieselnebel&cat=551)

Plötzlich stehen wir unvermittelt am Rand eines Kraters, welchen wir umrunden, danach steigen wir einen Grat hinauf, welcher sich wiederum als ein Kraterrand erweist. Ihn entlang folgend, erreichen wir eine Spur, welche uns durch ein monotones Feld wieder zur Leningradskaja zurück führt, welche wir bald in wieder stärkerwerdender Feuchte erreichen.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/IMG_7337.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=67992&title=kamtchatka&cat=537)
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/IMG_73401.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=67993&title=kamtchatka&cat=537)http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/IMG_73451.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=67994&title=kamtchatka&cat=537)http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/552/medium/Der_Spur_nach.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=69961&title=der-spur-nach&cat=552)
Mittlerweile ist der Chef der Station eingetroffen, unsere Anwesenheit ist ihm nicht ganz genehm, denn er hat gut zahlende Kunden, oder Familie mitgebracht, denen er einen exklusiven Aufenthalt bieten möchte. Wir müssen mit den Schweizern an einem Tisch zusammen rücken, um Platz für eine Familie, mit dickem Patriarch in einem olivgrünem Palmemnmustertarn-Fleeceanzug zu machen. Die Frauen, auch in Tarnfleece gekleidet, bereiten ein Riesenbuffet, bestehend aus Auberginensalat, Räucher- und eingelegten Fischen, Schaschlik und Unmengen geistiger Getränke .
Den Patriarchen nennen wir intern nurnoch Cognac-Bob.
Geteilt wird nicht.
Wir Planen für den nächsten Tag derweil eine Tour zum toten Wald und gehen recht zeitig zu Bett.

codenascher
25.12.2012, 17:49
27.07.2012

Abwettern... Den ganzen Tag über haben wir nicht einen kleinen Sonnenstrahl gesehen. Tiefe Wolken hüllen wie schon am Vortag unser Camp ein und ein andauernder feiner Nieselregen machen einen jeden Gang vor die Hütte alles andere als Gemütlich.
Die Stimmung unserer Truppe scheint auf dem Tiefpunkt zu sein. Nass, kalt, langweilig. Mein Ebook Reader, welchen ich von meiner Mama geliehen hatte ist auf der Fahrt hier hoch kaputt gegangen...
Wir unternahmen eine kleine Exkursion im Nebel um die Basa. Mir Wie wir so im Nebel herum tapperten war mir dies einmal mehr zu langweilig – Jungspund halt ;-) Ich hab mich von der Gruppe getrennt und bin ein auf einige Aschekegel rauf und bin dort auf dem Ridge entlang gelaufen, dies war schon eher nach meinem Geschmack!

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/Kamtschatka_27_07_2012-_01.jpg
Mein Kamm

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/Kamtschatka_27_07_2012-_03.jpg

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/Kamtschatka_27_07_2012-_02.jpg
Da unten läuft der Rest unserer Truppe

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/Kamtschatka_27_07_2012-_05.jpg
Skulpuren

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Auf dem Nachmittag fragte ich Susanne, ob sie nicht ein wenig mit mir das umliegende Gelände erkunden wolle. Nicht ganz ohne Eigennutz natürlich ;-) Hab ich doch die letzten zehn Tage erhebliches Interesse an Ihr gefunden. Nun war es an der Zeit heraus zu finden, ob da was gehen könnte zwischen uns :bg:
Unser Ziel war ein kleiner Hügel unweit der Basa, der Pestschannaja, auf deutsch sandiger Hügel 1392m hoch. Aussicht Null, Boden wie es der Name schon vermuten lässt sandig... permanent rutschten unsere Füße beim Aufstieg zur Seite.
Lohn für unsere Mühen: Eine halbe Tafel Milka, Klarheit über uns, ein traumhaftes Lächeln und ein inniger Kuss. :bg: Das ganze hielten wir natürlich erst einmal vor der Gruppe geheim.
Hinab ging es beschwingt und flott den Hang hinab. In der Basa zurück ging der Rest des Tag den gleichen Gang wie schon am Vormittag.

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Gegen Abend kam der Ranger der Basa zur Kontrolle. Für das Nutzen des Gemeinschaftsraums wurde eine Gebühr von 500 Rubel pro Tag und Gruppe fällig, welche wir beim Ausblick auf weiterhin bescheidenes Wetter gerne bereit waren zu zahlen. Weiter kam noch eine weitere Gruppe von Russen an, vermutlich eher neureiches Pack, welches die Leningradskaja Basa als ihr Wochenendziel auswählten. Neben Riesenportionen Schaschlik brachten sie auch einige Liter Hochprozentiges in Form von japanischem Whiskey und Cognac mit hinauf.
Nachts um eins bin ich zum pinkeln ausm Zelt hinaus und dort brannte noch tatsächlich Licht in der Hütte.

Schmetterling
25.12.2012, 17:49
27.7.12 Wanderung ins Nichts

Der Blick aus dem Zelt bestätigt: keine Wetterbesserung. In der Hütte beugen sich die anderen bereits eifrig über die Karte und überlegen, was wir in den nächsten Tagen so alles anstellen können. Es gibt einige lohnende Ziele für Tageswanderungen. Wir beschließen, erst dann umzuziehen, wenn wir den Vulkan bestiegen haben (der sich natürlich weiterhin versteckt). Auch wenn das Wetter keineswegs einladend ist, sind wir doch einig, dass wir wenigsten ein wenig nach draußen müssen. Mangels Sicht laufen wir einfach in irgendeine Richtung. Ich bin echt froh um das GPS, das würde uns sicher wieder zurück führen.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/Auf_ins_Nichts.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=67876&title=kamtschatka-auf-ins-nichts&cat=537)
Auf ins Nichts

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/Bl_mchen.JPG
Armes kleines Blümchen

Die Stimmung ist gespenstisch. Orientierungslos tapsen wir durchs Nichts. Die Wolken gehen nahtlos ins Schwarz der Asche über. Alles verschwindet nach wenigen Metern. Wie steingewordene Gestalten tauchen große Lavabrocken aus dem Nichts auf. Nur vereinzelt trotzen kleine Pflänzchen dem harten Leben. Ich bin begeistert. Nicht dass ich was gegen Sonnenschein habe, aber diese Stimmung hier ist einfach genial. Nach zwei Stündchen sind wir durchgefroren und kehren zurück. Unterwegs treffen wir eine Truppe Russen mit großen Rucksäcken, die heute noch zu einem Pass wollen. Bei ihrem Anblick bin ich doch ein wenig wehmütig, dass wir unser Nomadenleben aufgegeben haben. Andrerseits macht das bei diesem Mistwetter auch nicht wirklich Spaß.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/Krater.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=67879&title=kamtschatka-krater&cat=537)
An einem Kraterrand

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/Kati.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=67878&title=kamtschatka-kati-im-nebel&cat=537)

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/Nebel1.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=67880&title=kamtschatka-vom-nebel-verschluckt&cat=537)
Gruuselig

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/Spinnennetz1.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=67881&title=kamtschatka-spinnennetz&cat=537)
Spinnennetz

Den Nachmittag verbringen wir wieder in der Hütte mit Tee trinken. Irgendwann fragt mich Sven, ob ich noch Lust hätte, auf einen der kleinen Vulkanhügel in der Nähe zu steigen. Da es nicht regnet, lasse ich die Regenhose in der Hütte und wir beginnen den Aufstieg. Auf der losen Lava ist das eine ziemlich mühselige Angelegenheit, aber es ist immerhin besser, als in der Hütte zu sitzen. Oben am Krater teilen wir eine Gipfelschokolade und Sven spricht unsere Situation an. In den letzten Tage waren wir ständig umeinander rumgeschwänzelt, ohne dass einer von uns den ersten Schritt gewagt hätte… Wir beschließen, dass so ein kleiner Urlaubsflirt doch was Nettes ist und wir uns etwas die Zeit verschönern können…

Beschwingt machen wir uns auf der anderen Seite wieder an den Abstieg. Inzwischen regnet es in Strömen und in großen Schritten springen wir im losen Geröll nach unten. Meine Hose ist jetzt so richtig nass und ich habe den Abend über leichte Mühe, sie in der Hütte wieder trocken zu sitzen. Dort kündigt sich eine weitere Truppe an und wir müssen zusammenrücken. Während am Nebentisch riesige Wodkaflaschen (die mir ein leicht flaues Gefühl im Magen verursachen), Schaschlik und allerlei Köstlichkeiten aufgetischt, während wir lustlos in Spaghetteria und Co. rühren. Es war natürlich niemand auf die Idee gekommen, frische Nahrungsmittel mit nach oben zu nehmen, wo wir doch schon gefahren wurden. Wir werfen gierige Blicke nach nebenan, wo eine russische Großfamilie die Köstlichkeiten verspeist (die mal so eben übers Wochenende hier hochgefahren sind).

laka23
25.12.2012, 17:49
27.07.2012 Begegnungen im Nebel

6.30 Uhr klingelt unbarmherzig der Wecker, doch die Geräusche auf dem Zeltdach lassen nichts Gutes erahnen und mich dann doch länger im Zelt verweilen. Irgendwann gegen 9 kommt Arne vorbei und meint, es regne doch gar nicht und sei schön warm draußen – eine glatte Lüge wie sich nach den ersten Schritten im Freien herausstellen sollte. Doch es nützt ja nix; man kann ja nicht den ganzen Tag im Schlafsack verschwenden. Nach einem leckeren Frühstück brechen Barbara, Arne, Sven, Susanne, Kati, Bert, Ute und ich zu einer kleinen „Wanderung um den Block“ auf. Wir laufen einfach los, ohne wirkliches Ziel, einfach um des Laufens willen und mitten hinein in den Nebel mit mal stärkerem und mal schwächerem Nieselregen.

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Sehr beeindruckend sind die schroffen Lavafelsen, die nach und nach in der Ferne konturlos werden, der Nebel, der nahtlos mit dem Boden verschmilzt, dazu das frische Grün, Gelb, Pink und Blau von einzelnen Gräsern, Mohn, Glockenblumen, Nelken und Steinbrech, die den extremen Bedingungen trotzen und schöne Farbtupfer auf dem schwarzen Lava-Untergrund hinterlassen. Eine wunderbar gespenstische Stimmung, die uns alle begeistert. Sven gilt bald als verschollen nachdem er sich einen hübschen Lavahügel als Aussichtspunkt ins Nichts ausgesucht hatte. Wir anderen ziehen weiter und merken erst später, dass uns eigentlich jemand fehlt.

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Nach ca. 2 Stunden kriecht uns die Nässe und Kälte dann doch in die Knochen und es zieht uns zurück zur Hütte und in die Wärme. Auch Sven findet sich wieder ein. So vergeht der Nachmittag mit Tee kochen, unterhalten und Kleidung trocknen.
Abends wird es dann richtig voll in der Hütte und wir dürfen mit tropfendem Zahn den anderen Reisegruppen zuschauen wie sie sich frisches Obst, lecker duftendes Abendessen und riesige Wodka-Flaschen einverleiben. Warum haben wir so was nicht auch dabei ??? Wir hätten es doch nicht einmal schleppen müssen ! Wobei auch ich heute sehr von unserem Abendessen angetan war – Susanne hat Kürbiscremesuppe mit Couscous ausgewählt. Sehr lecker; das gibt´s bestimmt auch mal Zuhause. Für Sven ist natürlich auch noch etwas übrig ;-).

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/P1100803.JPG

willo
25.12.2012, 18:00
Es sind mal wieder ein paar Tage dazugekommen. Göga war selbst für uns zu langsam und erhält daher einen Platzhalter für den 27. ;-)

Scrat79
25.12.2012, 19:49
Trotzdem coole Tour! Und jep. Super Idee diese Geschichte aus den einzelnen Blickwinkeln zu erzählen statt "nur" eine einzige gemeinsame Sichtweise zuzulassen. :D Bin gespannt, wie's weiter geht!

Haggis
26.12.2012, 21:58
Na, auf jeden Fall gehts mit Amore weiter... :bg:
Das erinnert mich doch glatt an einen Reisebericht aus Schottland, der hier auch irgendwo im Forum zu finden ist.
Nicht, dass von den Partnervermittlungsplattformen noch Klagen kommen.

Im Übrigen, vielen Dank für den Reisebericht. Die verschiedenen Schreibstile sind wunderbar zu lesen.
Aber die Mücken dort, machen mir Angst. :o

Goettergatte
27.12.2012, 09:30
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/Kamtschatka_26_07_2012-_09.jpg
Das rechte Klo hat doch deutlich weniger gestunken als das linke ;-)

:bg: Dafür war im linken Klo mehr Leben,
man hätt meinen können, der Kloakensumpf pulsiere :ignore:

Abt
27.12.2012, 13:08
Erst mal vielen Dank für euren gemeinschaftlichen TourenErlebnisbericht hier.
Sicher war's nicht immer einfach solch ausgeprägte Individualisten, wie ich sie im Forum heraus zu lesen glaube, unter einen Hut zu bringen. Das kenne ich als eine der Schwierigkeiten bei Touren von uns. Wie war das bei euch?
Was würdet ihr aus heutiger Sicht gaaaanz anders machen? Was wurdet ihr weglassen?, z.B.Guides mitnehmen?
Oder,- besser ausgedrückt,- anderen als Empfehlung anderen Leuten raten, die Kamtschatka bereisen wollen.
Gab es irgendwo Reise-Beschränkungen?

Atze1407
27.12.2012, 14:50
Nach meiner eigenen Auffassung ist es nicht immer unterhaltent, dass alle unbedingt hier jeden Tag kommentieren und schreiben müssen. Manche Tage sind eben keine Herrentage und es langt mir, wenn drei oder vier Eintragungen zu lesen sind. Andere werden das natürlich anders sehen.

Komisch, warum hälst Du dich nicht daran? :ignore:

codenascher
27.12.2012, 20:26
@Ali
Zu deinen Fragen, meine Antworten:

Es war sicherlich nicht immer einfach alle Wünsche und Meinungen unter einen Hut zu bekommen. Wie du folgerichtig angemerkt hast, war hier doch ein Haufen "ausgeprägter Individualisten" zusammen unterwegs. Aber, erstaunlicherweise fanden wir grundsätzlich und relativ schnell einen gemeinsamen Nenner. Nicht immer konnten alle Wünsche eines jeden einzelnen respektiert werden, aber eben doch erstaunlich gut - ich hätte selber nicht damit gerechnet.

Gerade in meinen Beiträgen schwingt doch ein wenig Ärger über einzelne Entscheidungen was die Tourenplanung anbelangt mit. Aber man beugt sich halt der Mehrheit. An anderer Stelle wurde dann halt auf meine Belange rücksicht genommen und gut ist.

Einen Guide oder ähnliches braucht man auf Kamtschatka wahrscheinlich nicht, wobei uns hier SarekManiac aufgrund ihrer Erfahrung und auch ihrer Russischkenntnisse doch sehr viel abgenommen hat. (Auch schon während der Vorbereitungen)

Was sich jetzt sicherlich weniger Nett anhören wird, ähnlich wird es auch später in meinem Fazit stehen, aber: ich werde im Vorfeld einer jeden Tour auf jeden Fall das Fitneß-und Erfahrungslevel meiner Mitwanderer in Erfahrung bringen. Dies ist beim besten Willen nicht bös gemeint, nur habe ich mich auf der Tour leider viel zu oft darüber aufgeregt.

@haggis
und das beste daran, sicherlich nachhaltiger als Elitepartner und co. Zumindest brauchten wir uns nicht zu verstellen. Rülpsen statt Blumen :bg:

Atze1407
31.12.2012, 09:40
26.07.2012 Auf zum Tolbacik

Heute begann endlich der lang ersehnte aufregende Teil der Tour. Auf zu den Vulkanen!!!
Unsere bestellten Taxen trafen erst auf erneutes anfragen mit einer halben Stunde Verspätung bei uns ein. Unser LKW der uns zur Leningradskaja Basa bringen sollte stand schon bereit – Geiles Teil!!!

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Unser LKW

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Mit dem LKW ging es über die Brücke, welche den Kamtschatkafluss überspannt Richtung Kljucevskoj Naturpark. Nachdem wir die Schotterpiste verlassen haben, merken wir recht schnell warum wir in solch einem großen Geländegängigem Fahrzeug sitzen. Größtenteils ging es über Stock und Stein. Fahrrinnen tief wie PKW Reifen, Pistenabschnitte welche auf 50 und mehr Metern komplett unter Wasser standen, weite Lavafelder. Während wir schmale Gletscherflüsse queren merken wir jedes mal, wie der LKW und wahrscheinlich auch unser Fahrer arbeiten, sich gegen die starke Strömung der Flüsse bäumen. Als wir die Baumgrenze erreichen ist es um uns geschehen. In der Ferne sehen wir den Kljucevskoj und den Kamen – welch faszinierender Anblick dieser zwei perfekt geformten mit Schnee und Eis bedeckten Pyramiden.

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Der Kljucevskoj und der Kamen

Wenig Bäume, weniger Mücken, dafür verdammt viele Bremsen. Als wir weiter fahren verfolgen uns die verdammten Blutsauger noch einen Moment eh sie ablassen.

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Der Tolbacik

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An der Leningradskaja Basa angekommen fühle ich mich auf den Mond versetzt. Unwirklich, gar Schemenhaft liegt die Leningradskaja Basa in den Wolken. Der Untergrund schwarz. Überall schwarze Asche, vereinzelte grüne Punkte – Die Natur holt sich ganz langsam das zurück, was vor beinahe 30 Jahren unter der Asche des Tolbatschiks begraben wurde. Zwischen unseren Beinen verwirbeln sich die feinen Wolkenfetzen im Wind.
Um die eigentlich Basa, bestehend aus der Hütte des Rangers, einem größeren Aufenthaltsraum und zwei kleineren Hütten zum einmieten standen bestimmt 50 2-Mann Zelte der russischen Marke „Red Fox“ windschief herum.
Es nieselte und die Temperaturen hatten so gar nix mehr gemein mit den sommerlichen Temperaturen, wie wir sie noch vor nicht einmal zwölf Stunden hatten. Ein Temperaturdelta von beinahe 30°C...
Der Tolbatschik versteckte sich hinter einer dicken Wolkendecke. Ich hoffte, dass die ersten Vergleiche mit dem uns bereits bekannt unbekannten „Nieschinski“ nur Blödelei blieben.

Wir machten uns mit dem Lager vertraut. Die Quelle, die übel riechenden Toilettenhäuschen, der Aufenthaltsraum, die Waschbecken – ohne diese angenehmen Unannehmlichkeiten wäre ein Leben hier oben nicht möglich.
Zum Abend wurde es ein wenig voller in der großen Hütte. Die kommerziellen Touren kamen von ihren Ausflügen wieder. Von den zwei großen Tischen nahmen wir bis zu diesem Zeitpunkt einen komplett für uns in Anspruch, nun teilten wir ihn mit einer Schweizer Exkursion.

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Das rechte Klo hat doch deutlich weniger gestunken als das linke ;-)

Herrlich, nicht genug das die Russen mit ihrer Natur schonungslos umgehen, nein mit solchen Transportmitteln werden auch jede menge Touris durch die empfindliche Landschaft gekarrt und zerstört, um dann zu Hause über Sinn und Unsinn von LNT zu debattieren...

Trotzdem schöner Bericht aus einer ebenso schönen Gegend.

LG
Atze

Enja
31.12.2012, 09:46
Du plädierst für ein Besucher-freies Kamtschatka? Die Gekarrten richten doch vermutlich relativ wenig Schaden an, da sie "öffentliche Verkehrsmittel" benutzen und in fertigen Camps hocken.

dfens
31.12.2012, 10:18
Herrlich, nicht genug das die Russen mit ihrer Natur schonungslos umgehen, nein mit solchen Transportmitteln werden auch jede menge Touris durch die empfindliche Landschaft gekarrt und zerstört, um dann zu Hause über Sinn und Unsinn von LNT zu debattieren...

Trotzdem schöner Bericht aus einer ebenso schönen Gegend.

LG
Atze
Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral. Brecht. Nur mal so als Denkanstoss, bevor wir hier
die Russen verurteilen.

Atze1407
31.12.2012, 13:12
@ defens
Es geht hier nicht nur um die Russen, Du kannst das auch bei den Amis sehen.

Und die dort mit diesen "Taxis" unterwegs sind, die brauchen ans "Fressen" garantiert nicht denken.

Enja
31.12.2012, 14:32
Ich verstehe nicht so ganz, was du sagen möchtest. Bist du grundsätzlich gegen Kamtschatka-Reisen?

ühürü
01.01.2013, 01:23
Was sich jetzt sicherlich weniger Nett anhören wird, ähnlich wird es auch später in meinem Fazit stehen, aber: ich werde im Vorfeld einer jeden Tour auf jeden Fall das Fitneß-und Erfahrungslevel meiner Mitwanderer in Erfahrung bringen. Dies ist beim besten Willen nicht bös gemeint, nur habe ich mich auf der Tour leider viel zu oft darüber aufgeregt.

Sven, ich kenn Dein Fazit ja schon.
Ich erinnere mich daran, dass Du auf der Tour erzählt hast, dass Du nie wirklich krank oder ernsthaft verletzt warst und Schmerzen nicht wirklich kennst. Falls mir das falsch in Erinnerung sein sollte, sorry, dann lass ich mich gern korrigieren.

Anscheinend kann jemand, der jung und fit und gesund ist und aus eigener Erfahrung nicht weiß, wie sich starke Schmerzen anfühlen, wohl nicht nachvollziehen, was für ein Tritt (ins Gemüt) so ein arrogant wirkendes Fazit wie Deines ist. Auch wenns "nicht böse gemeint" ist von Dir.

Mich hats bei der Tour genervt und belastet, dass - u.a. - meine körperliche Unzulänglichkeit die Gruppe aufhielt. Ich bin nicht gern Bremsklotz und selbst eher ungeduldig, wenns nicht vorangeht.

Im Übrigen gabs vor der Tour nicht nur von mir erst Bedenken und Zaudern, weil ich eben nicht rundum fit bin, ohne daran wirklich viel ändern zu können. Auch Training verschafft mir nicht die fehlende Schilddrüse oder ändert was an meinen Hüftgelenkschäden und ihren Begleiterscheinungen. Traning für Ausdauer und Muskulatur hatte ich durchaus im Programm. Mit körperlichen Einschränkungen hatte in unserer Gruppe nicht nur ich zu tun.

Unter anderem ein Beitrag, der lange vor der Tour geschrieben wurde, überzeugte mich, dass ich mitkommen kann. Die Wanderung auf den Kilimanjaro 2008 hatte ich ja auch ohne jegliche Probleme mit meinem Hüftgelenk bzw. mit den Spätfolgen meiner Hüftoperationen im Kindesalter absolviert. Damals gabs ein paar Probleme durch Höhenkrankheit, aber über 4.000 m würden wir ja nicht wandern. Also entschloss ich mich mitzufahren und die Flüge zu buchen.

Folgende Aussage gab es in der Planungsphase:

"Ich würde das ganz entspannt sehen und die Tour auf jeden Fall als Gruppe planen. Ich muss kein Leistungssport draus machen. Dann schon lieber mit einem Teil der Gruppe einen Gipfel nehmen während der andere teil einen Ruhetag macht und danach gemeinsam weiter. Ich will einfach nur die Landschaft geniessen und tolle Eindrücke mit nach Hause nehmen. Auch wenn ich spass daran habe an meine Grenzen zu gehen ist das nicht das Ziel einer solchen Tour. Spontane Änderungen kann man bei einer so großen Gruppe immer machen, ohne dass das gleich kritisch wird. Von daher: erstmal alles zusammen planen und vor Ort lieber improvisieren wenn es anders kommt."

Landschaft genießen und tolle Eindrücke sammeln: na gern. War dann auch so aus meiner Perspektive.

Ich bin in normalem Gelände meist ziemlich schnell und ausdauernd unterwegs und bin eher jene, die auf andere warten muss. Bei dieser Tour war es speziell bei der ersten Tour nach der nicht möglichen Furt KEIN normales Gelände - für mein Verständnis. Damit, dass wir uns tagelang durchs Dickicht wühlen, in dem man dank Gestrüpp nicht sieht, ob der nächste Schritt wieder in ein Schlammloch führt, hat keiner gerechnet. So hieß es von allen neun Mitwanderern vor Ort.
Jaja: "wir wussten, es wird kein "Spaziergang". Aber eine Wanderung auf Wanderwegen würde es sein - so wars geplant. Es kam anders und wir haben das Beste daraus gemacht. Wie es halt jedem und jeder von uns möglich war.

Dass ich mir bei der Tour zum toten Wald einen grippalen Infekt einfing und ein paar Tage übel hustete, war nervig. Nicht nur für mich. Plötzlich beim Aufstieg zum Tolbachik eine halbe Minute lang keine Luft mehr zu bekommen und quasi aus dem letzten Loch zu pfeifen, kam unerwartet. Gut, dass wir an dem Tag alle unabhängig voneinander liefen, so fühlte sich keiner genötigt, zu warten, umzukehren bzw. meinetwegen abzubrechen.

Ich fand die Landschaft beeindruckend und nie langweilig und habe es genossen, dort zu sein. Auch wenn es für mich ungewohnt war, bei Tour 1 täglich vor dem Schlafengehen eine Ibu 800 nehmen zu müssen, um schlafen zu können trotz fiesen Muskelzuckungen im Bein. Sonst nehme ich vielleicht zweimal jährlich überhaupt eine Schmerztablette, aber nicht beim Wandern.

Tut mir für Dich leid, wenns entgegen Deiner Erwartung nicht die spektakulärste Reise Deines Lebens überhaupt wurde und Du Dich so oft aufregen musstest.
Zumindest langfristig hat sich die Reise ja gelohnt, und meine Prognose von damals war richtig: "Von wegen 'nur ein Urlaubsflirt'..." :bg:

Vielleicht hatte ich meine Erwartungen vorher niedriger gesteckt, ich freute mich auf weitgehend menschenleere Gegenden, viele Vulkane, viel Grün. Mich hat Kamtschatka begeistert und ich würde wieder hinfahren, gäbe es nicht so viele andere lohnende Ziele, die ich noch ansteuern will.

Allerdings werde ich die nächsten Reisen wohl eher wieder zu zweit mit meinem Wanderkomplizen machen. Oder in einer kleineren Gruppe, die nix dagegen hat, zwischenzeitlich mal die Schnellen ziehen zu lassen und sich temporär zu trennen, damit alle zu ihrem Recht kommen.
Dabei fand ich unsere Truppe durchaus gelungen gemischt und hatte viel Spaß.

Im Übrigen: frohes neues Jahr!

Jens2001
01.01.2013, 10:34
Hm, da war aber ordentlich schlechte Stimmung und es krachte wohl mächtig in Gebälk der Reisegruppe...
Ich sag's euch mal so, da ihr bis jetzt noch nicht wirklich viel von Kamtschatka gesehen habt, solltet ihr dass nicht so tragisch nehmen.
Ihr müsst da sowieso noch mal hin :o, und einen ersten Eindruck und Einstieg habt ihr jetzt.

"Normales Gelände" findet man auf Kamtschatka eigentlich nur weit im Norden und im Süden gibt es ein bisschen Hochtundra, sowie die touristisch etwas erschlossene Gegend um Esso sind mit einem Wegnetz durchzogen gut zu gehen.
Kamtschatka ist geologisch betrachtet "junges Land" da laufen noch riesige Umgestaltungen ab und die Vegetation kann sehr heftig sein. Der Südliche Teil (südlich der Linie Gorely, Opala Fluss) mit der extrem hohen Bärendichte ist wirklich unzugänglich außer Bärenpfaden und kleinen Bächen als Weg bleiben dann nur noch die Flüsse als Wege oder der Hubschrauber aber es ist unbeschreiblich schön.

Lohnen tut es sich allemal wieder hin zu fliegen, mich wird die Halbinsel wohl nie wieder los lassen.

lg Jens

Abt
01.01.2013, 11:49
Zweifellos ist die kritische Selbseinschätzung der eigenen Kondition vor alle Euphorie zu stellen. Auch wenn Verzicht schwer fällt. Solange sich nicht die Auffassung einzelner, Ich habe gebucht...[/I]breitmacht :motz:
Ist ohnehin ein heikles Thema und ein Fettnäpfchen dazu, in das ich sehr erfolgreich mit der Frage getrampelt bin:ignore:. Unter Belastung mutiert der Friedlichste plötzlich zum Tier.

Wer hat denn aber die Touren herausgesucht?

Jens2001
01.01.2013, 12:39
Unter Belastung mutiert der Friedlichste plötzlich zum Tier.

das stimmt, auf der anderen Seite hatte ich auch schon den Fall, dass auf einer Expedition die Leute, die am sportlichsten und am meisten durch trainierten Leute (allerdings ohne Expeditionserfahrung) als erstes in die Knie gegangen sind.
Weil sie einfach nichts zum Zusetzen hatten, und die Körperliche Belastung ganz anders und ausdauernder war als beim Sport.

lg

Jens2001
01.01.2013, 13:14
Einen Guide oder ähnliches braucht man auf Kamtschatka wahrscheinlich nicht, wobei uns hier SarekManiac aufgrund ihrer Erfahrung und auch ihrer Russischkenntnisse doch sehr viel abgenommen hat. (Auch schon während der Vorbereitungen)

nein, wenn man nicht total "Blind" ist, braucht man auch keinen Guide. Wenn man sich außerhalb der "Schweiz von Kamtschatka" in der Gegend um Esso sowie der Hausberge von Petropavlowsk aufhält, ist eine gute Kartografie das A und O, denn Wege gibt es dann so gut wie keine mehr außerhalb des besiedeltem Gebietes.

In meinem ersten Sommer habe ich vollkommen autark geplant... das war ein Fehler!

Inzwischen plane ich die Unterstützung meiner russischen Freunde mit ein, insbesondere die der Fischer an der Küste, hast du bei denen einen Freund, hast du viele, dass macht die Sache viel einfacher, wenn man dort gut vernetzt ist!

lg Jens

Enja
01.01.2013, 13:33
Je größer die Gruppe ist, desto langsamer kommt man voran. Man erweitert dann eher seine Sozialkompetenz als etwas anderes. Mit "Kräfte vorher einschätzen" ist das auch so eine Sache. Die passende Virusinfektion haut den stärksten Mann aus den Schuhen.

Und ja, unter solchen Umständen mutiert fast jeder. Die einen werden immer entspannter und freundlicher. Übernehmen jede Arbeit. Stützen die Schwächeren. Entwickeln ungeahnte Kräfte. Die anderen mutieren halt zum Tier.

Körperliche Belastungen. Die mentalen sind auch nicht zu unterschätzen. Am besten dazu noch ein schwieriges Klima, viele Mücken, wenig zu essen......

ühürü
01.01.2013, 13:35
Nein, mächtig gekracht hat es vor Ort nicht. Eine Diskussion gabs über den weiteren Verlauf während der ersten Tour, durchaus heftig und emotional geführt. Anhand von Äußerungen im Reisebericht merke ich nun, wie u.a. die Auswirkungen meiner Einschränkungen von anderen wahrgenommen wurden. Und das ist auch okay, ich bin wie gesagt selbst ungeduldig und warte ungern. Nur waren offensichtlich die Voraussetzungen und Erwartungen an diese Reise verschieden.

Selbstkritisch bin ich durchaus; hätte es im Vorfeld bei Gesprächen nicht Aussagen über die Ziele der Reise gegeben wie eben "kein Leistungssport/Natur erleben/etwas Angeln" etc., hätte ich verzichtet, den Flug zu buchen. Dass es anstrengend werden kann und wird, war mir klar.

Ich hätte z.B. auch gern den Krater des Tolbachik erreicht, für mich war halt gut 600 Höhenmeter vorher Schluss - noch nie vorher hatte ich bei einer Erkältung unter Belastung einen asthmatischen Anfall und war ziemlich schockiert, dass mein Körper so streikt. Frustriert war ich trotzdem nicht, die Aussicht während des Aufstiegs auf die Lavalandschaft ringsum war grandios.
Die Wanderung am Kilimanjaro war definitiv auch "kein Spaziergang", es gibt Schätzungen, dass nur 40 % der Wanderer dort den Gipfel erreichen. Da gabs bei mir im Magen Radau, aber ich konnte ohne zu viel Quälerei bis nach oben steigen. Mein Bein hat da auch bei gelegentlich zehn-zwölf Stunden täglicher Wanderzeit und am letzten Tag mit 27 km keinen Mucks gemacht.

Wir haben die Kamtschatka-Touren gemeinsam geplant, es gab keinen ernannten Reiseleiter, aber natürlich Leute mit mehr Erfahrung. Normales Gelände heißt für mich nicht: planierte Wege/"Wanderautobahnen". Ich war aber nicht vorbereitet darauf, zwei Tage durchs Dickicht zu wandern, meist ohne sehen zu können, wohin ich meinen Fuß setze. Der Tourverlauf im Bystrinski-Park war ja ansonsten mit vorgesehenem und vorhandenem Weg. Die verhinderte Furt sorgte für diesen Umweg am zweiten Tag und später über die Felshänge zum See, und ich behaupte, darauf war keiner von uns vorbereitet. Für manche war der Umgang damit leichter. Ich fands gleichzeitig anstrengend und toll, dort unterwegs zu sein.

Dass der Süden Kamtschatkas beeindruckend ist, glaube ich, auch aufgrund von Filmen über diese Ecke. Finanziell wars nicht drin, dorthin zu reisen, da eben Zusatzflüge nötig gewesen wären. Und ich fand auch unsere Touren schon sehr beeindruckend.

Torres
01.01.2013, 13:44
@ühürü: Bist Du vielleicht ähnlich höhenempfindlich/höhenkrank bereits in tieferen Lagen wie ich? Klingt mir nämlich fast danach. Das geht bei mir mit Leistungseinbrüchen, Magenproblemen und Asthmaanfällen einher. Muss bei Dir nicht so extrem sein, aber vielleicht mal zum Nachdenken. Ich wusste ja auch jahrelang nicht, was mit mir los ist und habe es auf Anstrengung oder was gerade sonst plausibel war geschoben.

ühürü
01.01.2013, 14:04
@ühürü: Bist Du vielleicht ähnlich höhenempfindlich/höhenkrank bereits in tieferen Lagen wie ich? Klingt mir nämlich fast danach. Das geht bei mir mit Leistungseinbrüchen, Magenproblemen und Asthmaanfällen einher. Muss bei Dir nicht so extrem sein, aber vielleicht mal zum Nachdenken. Ich wusste ja auch jahrelang nicht, was mit mir los ist und habe es auf Anstrengung oder was gerade sonst plausibel war geschoben.

Glaube ich nicht. Womit ich Deinen Hinweis keineswegs beiseiteschieben will, ist ja nicht verkehrt, darüber nachzudenken.

So oft war ich zwar noch nicht in der Höhe, aber in Tansania war ich nach der Kilimanjarotour noch länger unterwegs, auch in der Höhe, am Mount Meru und anderswo, und kam bestens zurecht. Da war ich natürlich auch akklimatisiert. Meine später angereiste Schwester musste sich schon auf gut 2.500 m erbrechen und hatte üble Kopfschmerzen, Kopfweh hatte ich dagegen gar nicht und war dann ja auch leistungsfähig und guter Dinge. Die Magensache war erst bei deutlich mehr als 4.000 Metern.

Der Leistungseinbruch in Kamtschatka lag bei mir zunächst am unwegsamem Dickicht hügelauf und hügelab (= ständiges Ausbalancieren = Muskelbelastung im schwächeren rechten Bein). Kein Bremsklotz sein zu wollen und somit nicht lange pausieren zu wollen war natürlich auch ein Faktor. Bremsenstiche in die Lippe = arge Schwellungen nervten zusätzlich.
Bei Tour 2 dann der Infekt und die Husterei, die mich einmalig kurz in Luftnot brachten. (Dennoch gilt: Je ne regrette rien. ;-))

Jens2001
01.01.2013, 14:34
was ich mir auch vorstellen kann duch die ungeheueren Mengen an Mücken schmieren viele ständig Deet haltige Mittel und die verträgt auch nicht jeder so gut!
gestochen wird man trotzdem ständig, wenn auch nicht mehr so viel wie ohne.
Die Vegetation ist heftig, wir haben mal für eine Strecke für die 3 Tage geplant waren 10 Tage gebraucht, allerdings jeder mit 45kg auf dem Rücken (neben dem Outdoorkram Boot Gumotex Orinoco, viel Fotokram, Fliegenfischerausrüstung) und ganz wenig zu Essen, mein Kollege wollte zwischendurch sterben! Ein zurück gab es nicht, da wir an unserem Absetzpunkt auch allein gewesen wären.
Den ganzen Tag in den Hochstauden ist heftig, aber noch viel schlimmer ist Slanik (Gestrüpp aus Erlen oder Zirbelkiefern vom Schnee flach gedrückt).
Meiner Erfahrung nach, funktioniert Demokratie bei Reisen auf denen es heftiger wird nur bis zu einem gewissen Grad, in letzter Konsequenz sollte es einen geben, der dann noch vernünftig Entscheiden kann und in letzter Konsequenz sagt was gesagt und getan werden muss!
Ich mach sein einigen Jahren richtig heftige Reisen und das in Situationen mit extremer Anspannung immer mal wieder einer "durchdreht", scheint normal zu sein. Ich habe gerade ein Buch über Alaska aus den 60er Jahren gelesen, da kam das auch mehrfach vor.

lg

Enja
01.01.2013, 14:52
Soweit ist es ja bei dieser Tour nicht gekommen. Das liest sich doch eher harmlos.

ühürü
01.01.2013, 15:01
Also "durchgedreht" oder "zum Tier mutiert" ist bei unserer Reise keiner... Mir schienen soweit alle bei Verstand. Ausdauernde Lachanfälle ereilen mich auch hier in Berlin, Pülür kann das bestätigen. :bg:
Die Stimmung in der Gruppe war meistens gut - und dass sich einzelne besser verstehen und andere halt miteinander auskommen, aber nicht davon ausgehen, allerbeste Freunde zu werden, ist doch völlig normal.
Meine Beiträge jetzt schreibe ich auch nicht mit Schaum vor dem Mund. ;-)

Zur Mückensache: Wir haben ja nicht in DEET gebadet. Ständiges Schmieren ging eh nicht, so viel Antimückenmittel hatten wir nicht mit. Arme und Beine halt, für den Kopf das Mückennetz.

Jens2001
01.01.2013, 15:07
Wir haben ja nicht in DEET gebadet.

trotzdem, wenn ich Asthma Anfall in Verbindung mit Deet höre, gehen bei mir alle lichter an...

lg

Kati79
01.01.2013, 15:54
Es liest sich hier schlimmer als ich es vor Ort empfunden habe. Wir haben vor der Reise gedacht, dass man eine 9-köpfige Gruppe zur Not teilen kann, dass Leute sich auch zu zweit oder dritt abspalten können, wenn es ihnen zu schnell zu langsam oder aus anderen Gründen unangenehm ist mit der ganzen Gruppe zu reisen. Verletzungen kann es ja auch geben. Aber das Gelände bei der ersten Tour und die Einschätzung, dass es für zwei Leute allein schwierig wird sich durchzuarbeiten, haben dazu geführt, dass wir zusammengeblieben sind. Gründe für die Entscheidung, sich nicht aufzuspalten, waren Erfahrungen der ersten 2 Tage: Bären, die ganzen Löcher in denen man sich was brechen konnte, Furten, bröselige Steilhänge, Hilfe kann man nur schwer holen, wenn der andere Teil der Gruppe 2 Tage entfernt ist. Aber das sind Erfahrungen, die man eben vor Ort macht und nicht zuhause vorm Fernseher. Dafür muss man dann eben bis Kamtschatka und es ausprobieren oder warten bis mal jemand einen Reisebericht schreibt.

Unser Plan uns in der Park-Verwaltung oder Information, wo man auch die Permits kauft bessere Karten zu kaufen, die vielleicht nicht 30 Jahre alt sind oder welche, die mehr zur Wegbeschaffenheit sagen, ist auch nicht aufgegangen. Mit den russischen Militärkarten hatten wir schon das Detaillierteste, was man so bekommen kann.

Die zweite Tour war ebenfalls von Zuhause aus anvisiert worden. Wir wussten, dass wir vor Ort in Busse umsteigen müssen oder uns einen Transport organisieren müssen. So weit üblich. Da wir uns sinnvoller Weise für die Anreise zu den Vulkanen per Transport entschieden hatten, mussten wir auch bescheid geben wo wir wann wieder abgeholt werden wollen. Und das bedeutete vor Start der zweiten Tour entscheiden zu müssen, ob wir 1. eine Tour gehen und uns woanders abholen lassen, als dort wo wir ins Gelände entlassen wurden oder 2. uns an der gleichen Stelle abholen lassen, wo wir abgeladen wurden. Tja, nachdem wir auf der ersten Tour die Erfahrung der Unberechenbarkeit des Geländes gemacht haben war es uns dann zu heikel die 2. Tour an einem unbekannten Ort enden zu lassen. Nur weil man meint, dass 80 km in 8 Tagen gut zu machen sind, heißt das nicht, dass man es schafft. Wir haben dann aufgrund mehrerer unbekannter Größen die sichere Variante der Leningradskaja Basa gewählt. Aber die Gründe zähle ich noch mal auf: 1. Wassermangel (in dem Bereich direkt um den Tolbacik für 2 Tage, d.h. Jeder muss mindestens 4 Liter mehr schleppen), 2. unbekanntes Gelände zwischen Tolbacik und Kozyrewsk (verzweigte Flüsse, Asche und aller Voraussicht nach wieder viel Gestrüpp, durch das man ewig braucht), 3. Gesundheitszustände sind unberechenbar, Hilfe schlecht zu holen, 4. es gibt keinen Handyempfang (man kann sich nicht woanders abholen lassen).

In Anbetracht des Wetters das uns dann am Tolbacik erwartet hat und des Geländes, durch das wir mit dem LKW gefahren sind, bin ich froh über das feste Lager. Wir hatten mindestens 4 Tage lang durchgehend Nebel und Regen, nämlich die ersten. Und sobald man aus der Asche raus gefahren ist Richtung Straße (da gabs nur eine), ging es durch Wald und zwar dichten Wald mit ganz vielen Mücken und lange (mindestens 2 Tage Fußmarsch). Das hatten wir schon bei der ersten Tour. Und der Weg für den Transporter war extrem schlammig, den wäre man gegangen und da hätte man auch keine 5 km/h gemacht.

Die Zusammensetzung der Gruppe war eine Mischung aus Leuten, die Interesse angekündigt hatten, weil sie gern mal nach Kamtschatka wollten und Leute, die ich persönlich angefragt hab, weil ich der Meinung war, dass es sozial passt und eine größere Gruppe besser ist. Ich war froh drüber, dass wir mehr Frauen als Männer waren, das entschärft aus meiner Sicht den sportlichen Ehrgeiz ein bißchen und schützt davor sich Dinge vorzunehmen, die nicht schaffbar sind. Und noch eine Binsenweisheit: Irgendwer ist immer der oder die Langsamste. Und alle sind froh, wenn sie es nicht sind. Und es wäre gut, sich nicht zu lang Gedanken darüber zu machen, sondern mit der Situation umzugehen, es gelassen zu nehmen und sich auf die spannenden Momente zu konzentrieren. Das haben wir meistens während der Tour getan.

Mein Fazit: Im Gegensatz zu vielen anderen Reisezielen, hat auf Kamtschatka die Natur bestimmt wie weit wir vorankommen, wie angenehm oder unangnehm es war. Hitze und Kälte, Mücken, heiße Quellen, kaltes Gletscherwasser, zu viel Wasser an den Furten und zu wenig Wasser bei den Vulkanen und das unberechenbare ätzende Gelände. All das hat sich eingebrannt in mein Gedächtnis, aber genau das mag ich an solchen Touren. Je ätzender es wird, desto eher bleibt es für immer vorm inneren Auge und freu mich drüber. Ich bereue nichts.

Jens2001
01.01.2013, 16:24
Mein Fazit: Im Gegensatz zu vielen anderen Reisezielen, hat auf Kamtschatka die Natur bestimmt wie weit wir vorankommen...

genauso sieht es aus, dass ist der Unterschied zwischen richtiger Wildnis und solchen Wanderwegen wie dem Kungsleaden, man kann im Grunde im Voraus nix planen!


Mit den russischen Militärkarten hatten wir schon das Detaillierteste, was man so bekommen kann.

das stimmt so nicht :o, es gibt eine GPS-Karte für Garmin und zwar von mir, diese Karte basiert auf der russischen Militärkarte, allerdings im Maßstab 1:25000 (ja sowas gibt es auch für Kamtschatka), von mir aus GeoTiff Dateien errechneten Höhen Linien (alle 20m) Google Earth, meinen Tracks aus 3 ganzen Sommern in Kamtschatka und zahllosen Tracks meiner russischen Freunde, sowie dem Feedback einiger Reisenden die meine Karte benutzt haben.
Diese Karte entstand, da ich selbst das Problem der Navigation in der Natur Kamtschatkas hatte und wird von mir ständig weiter entwickelt, die Karte deckt ganz Kamtschatka ab. Die Karte stellen wir über Flyfishingteam.org gegen eine angemessene Schutzgebühr auch Reisenden zur Verfügung.
Bevor hier wieder Fragen kommen, nein ich verdiene nix mit der Karte, da stecken hunderte von Stunden Arbeit drin, die Software zur Erstellung (GIS und Compiler) ist nicht billig und der Bedarf ist gering! Neben Kamtschatka, habe ich diese Karten noch für Patagonien und Feuerland und für das Rio Negro Gebiet erstellt.

Die Gruppe nicht zu teilen, war eine sehr gute Idee.
Auch hilfreich ist es einen Spott Notfall Sender zu benutzen, der russische MCS in Kamtschatka kennt diese Geräte inzwischen durch uns und ist dankbar dafür, wenn sie wissen wo sie suchen müssen! Die Jungs vom MCS sind prima!!!!!

lg Jens

ühürü
01.01.2013, 17:00
trotzdem, wenn ich Asthma Anfall in Verbindung mit Deet höre, gehen bei mir alle lichter an...

Zur Info: Als ich bei der Besteigung Atemnot hatte, war die letzte Nutzung des DEET-haltigen Mittels schon eine gute Woche her. Am Vulkan gabs kaum und selten Mücken und ich hatte witterungsbedingt mehr Klamotten an. ;-) Im Übrigen war an dem Tolbachiktag die Idee, mal zu schauen, wie weit ich mit dem Infekt überhaupt komme, da hatte ich keinen Zeitdruck, sondern wanderte eben mit Pülür zusammen, immer mit Option umzukehren. Plötzlich kurze Zeit so gut wie keine Luft zu bekommen, war überraschend. Na, dann kehrten wir eben um und genossen den weiten Blick auf Lava und Gipfel, so weit das Auge reicht.

Du magst ja ohne diese Art Repellent auskommen, ich war froh, dass meine Beine und Arme nicht völlig zerstochen waren. Klar gabs trotzdem einige Stiche, vor allem dort, wo ich das Mittel nicht benutzt habe. Und da ich auf Stiche manchmal mit Schwellungen reagiere, die auch schon mal verhindern, dass ich einen Schuh anziehen kann, war das DEET-Mittel in Verbindung mit dem Blitzdings eine gute Wahl. So haben mir die Mücken nicht so wahnsinnig viel ausgemacht. Jedenfalls weniger als befürchtet, obwohl ich gelegentlich im Gesicht und an den Händen etwas verbeult aussah. Hauptsache Blitzdings in Griffweite. :bg:


Klar gibts immer einen oder eine, der oder die am langsamsten ist. Ich kannte diese Rolle vorher noch nicht und musste auch erst lernen, das hinzunehmen - und zu akzeptieren, dass am Felshang mir wer Teile des Gepäcks abnimmt, als wir Stunden für die Überwindung von gut 2 km Luftlinie benötigten - Hang rauf, Hang runter über Blockfelder, Baumstämme und durch Gestrüpp. Hab ja auch meinen Stolz, und der ist auch mal im Weg. Da war ich leider erst störrisch. :ignore:
Zwischendurch gabs von den weniger Zielstrebigen eher die Überlegung, die (drei?) ICHMUSSAUFDENICHINSKY-Mitwanderer vorgehen zu lassen, damit sie ihr Ziel erreichen - und die Gesamtgruppe speziell mit den Gehandicapten weniger unter Druck ist, schnell unterwegs zu sein, um die verlorene Zeit durch die Dickicht-Tage aufzuholen. Wir haben es anders entschieden, und ich denke, das war auch gut so.

Ich hab dazugelernt bei dieser Tour. Und: sie mit allen Widrigkeiten und Erlebnissen GENOSSEN. Ich bereue nicht, diese Reise mit diesen Mitwanderern unternommen zu haben, und habe mich nie nach Hause gewünscht, auch wenn mich Mücken und Dickicht gelegentlich fluchen ließen. Hab trotzdem in Kamtschatka mehr gelacht als geflucht. ;-)

Jens2001
01.01.2013, 17:12
Du magst ja ohne diese Art Repellent auskommen, ich war froh, dass meine Beine und Arme nicht völlig zerstochen waren.

Ich benutze Deet auch in Kamtschatka, meist nur an den Händen und wenn ein Bugshirt nicht geht (Fotografie) im Gesicht, den Rest decke ich durch stichdichte Kleidung ab! Also so sparsam wie nur möglich, habe da bei anderen Leuten schön ganz schlimme Reaktionen auf das Zeug gesehen.

An dieser Stelle möchte ich bemerken, Kamtschatka ist teilweise echt schlimm mit Mücken und anderen Stechinsekten!!!!
Aber, das alles ist nicht, noch nichts gegen die kleinen Weißwasser Nebenflüsse vom Rio Negro, wie dem Rio Demenie zum Beispiel!
Das ist die Hölle...
Und auf Grund des Klimas geht da auch nicht viel mit Kleidung zu machen...
lg

ühürü
01.01.2013, 17:20
Jens, dann hast Du das mit dem DEET ja ähnlich gehandhabt wie ich. Im Gesicht habe ich ein zahmeres Mittel benutzt und das DEET-haltige nur auf Beinen und Armen.
Einen Notfallsender hatten wir übrigens dabei.

Ich war froh, dass es ein laut Einheimischen mückenarmer Sommer war.
Kamtschatka war für mich ein besonderes Erlebnis, ich hab auch viel über mich selbst gelernt.

Jens2001
01.01.2013, 17:23
Ich war froh, dass es ein laut Einheimischen mückenarmer Sommer war.

ich war heuer nicht "hinten" aber das haben meine russischen Freunde auch erzählt.


Einen Notfallsender hatten wir übrigens dabei.


das ist gut und kann ich jedem nur empfehlen...

lg

codenascher
01.01.2013, 19:26
@Jens,

Wir hatten neben den russischen Militätkarten deine GPS Karte mit, die Willo im Vorfeld bei dir gekauft hat. Hier auch noch einmal ausdrücklich ein Dankeschön an Heiko und Kati, die neben der nicht unerheblichen Summe für die Karte in ihrem GPS auch die gesamte Reiseapotheke der Gruppe kostenlos zur Verfügung gestellt haben. (Und das inklusive nicht eingeplanter Packungen Blasenplaster, für die jeder selbst zuständig gewesen wäre... ;-)

@Ute
Ich betone noch einmal, dass ich weder dir, noch Pülür noch sonst wem aus unserer Gruppe etwas böses möchte. Meinen Unmut habe ich wärend der Tour freien Lauf gelassen, mein Fazit steht ebenfalls seit zwei Wochen in unserem internen Forum - Zeit zum internen Gespräch wäre sicherlich da gewesen. :sorry:


Weiter bereue ich es garantiert nicht, diese Tour mit all seinen Teilnehmern gemacht zu haben. Es war mir eine Ehre und es hat echt Spaß gemacht mit euch allen. Bert und Arne werden mir zusammen immer als Waldorf und Statler in Erinnerung bleiben. :bg:
Ich schreibe ja auch nicht, dass die Gesellschaft als solche Scheiße war. Nein, in Zukunft werde ich einfach mehr auf die Gruppenzusammensetzung achten.
Da meine Antworten und mein Fazit nun einmal für mich zu MEINEM Reisebericht dazu gehören, gehören für mich allerdings auch solche Worte hier mit hinein. Wer sich meine Reiseberichte durchliest, wird ebenfalls lesen, dass ich in Schlammlöcher trete, meinen Rucksack in irgendwelche Bäche werfe (England '11), mich unter starken Schmerzen (Schluchtensteig Oktober '12) in Ziel schleppe, Touren sogar abbreche (Cairngorms Oktober '11) und noch einiges mehr. Niemand ist perfekt, ich erst recht nicht. Ich zähle mich sicherlich auch nicht zu den absoluten Hochleistungsmaschinen mit Erfahrung hoch zehn im Quadrat. Mein sportlicher Antrieb auf Tour wurde aber nunmal leider auf Kamtschatka nicht befriedigt. Trotzdem war es geil, selbst wenn es sich oftmals nicht danach anhört - zu groß waren einfach die Erwartungen!

Jens2001
01.01.2013, 19:40
@ codenascher

es ist aber auch unheimlich schwierig, ein Gruppe zusammen zu bekommen, die gut harmoniert, erst recht bei so einer großen Gruppe! Das Problem habe ich bei jeder Reise und ich habe vor Antritt der Reise auch schon mal im Einvernehmen und mit Absprache der anderen beiden die 4. Person von der geplanten Expedition ausgeschlossen, so schlimm war es ja bei euch lange nicht.
Meine diesjährige Amazonas Reise habe ich zum ersten mal mit einer großen Gruppe von 8 Leuten gemacht, das war auch nicht immer ganz einfach, erst recht wenn die Belastungen höher werden und viele Tage 10 Stunden in dem engen Boot sitzen zu müssen, wo keiner aus dem Weg gehen kann einfach ist das nicht!
Letztendlich läßt sich das nur mit Rücksichtnahme meistern.
Bei mir war es bis jetzt so, dass sich die Leute vorher zum Teil auch gar nicht kannten.

lg

Torres
01.01.2013, 20:06
Fazite habe ich jetzt genug gelesen. Die spannende Frage, die sich mir stellt: Ging es weiter? Wie ging es weiter? Gibt es weitere Bilde *neugierig* *lechz* ;-)

Goettergatte
05.01.2013, 22:02
Hier (http://www.outdoorseiten.net/forum/showthread.php/65420-RU-Kamtschatka-2012?p=1109714&viewfull=1#post1109714) habe ich Lückenfüllung betrieben.

Kati79
06.01.2013, 23:31
27.7.2012

http://www.album.de/img1/big/245/24561688857337.jpg
_MG_0714 von Kati79 - Album.de (http://www.album.de/bild/2456168/-mg-0714-kamtschatka-leningradskaja.cfm)

Der Tag ist komplett neblig und verregnet. Wenn wir wenigstens die Berge sehen könnten, die uns theoretisch umgeben....

http://www.album.de/img1/big/245/24561697310892.jpg
_MG_0716 von Kati79 - Album.de (http://www.album.de/bild/2456169/-mg-0716-kamtschatka-leningradskaja.cfm)

http://www.album.de/img1/big/245/24561703149949.jpg
_MG_0719 von Kati79 - Album.de (http://www.album.de/bild/2456170/-mg-0719-kamtschatka-leningradskaja.cfm)

http://www.album.de/img1/big/245/24561722911929.jpg
_MG_0724 von Kati79 - Album.de (http://www.album.de/bild/2456172/-mg-0724-kamtschatka-leningradskaja.cfm)

Wir machen nur einen kleinen Spaziergang von ungefähr 6km durch den Nebel, der restliche Tag wird sitzend in der Hütte verbracht. Höhepunkt des Tages ist der auftauchende Inspektor bei dem wir uns den Aufenthalt in der Hütte erkaufen können. Eine gewisse Zeit besteht Unklarheit darüber, ob wir ohne vorbestellt zu haben, in der Hütte bleiben können, es wendet sich aber zum Guten und wir müssen lediglich an einen anderen Tisch wechseln. Die Aussicht, bei diesem Wetter im Zelt zu hocken, die Kälte und Feuchtigkeit permanent zu spüren und nur lesen und schlafen zu können, hätte sicher aufs Gemüt geschlagen. Stattdessen lerne ich ein neues Spiel kennen, das ich mit Barbara, Arne und Bert spiele - "Meiern". Auch wenn ich nicht zum bluffen und lügen geboren bin, siegte ich dank Barbara. Das "Meiern" hat bei mir im aktiven Spielgebrauch keinen Ehrenplatz erhalten. Dann lieber stupide Würfelkombinationen werfen bei Kniffel. Weiterer Höhepunkt des Tages ist ein Ziesel. Zunächst beobachte ich, wie zwei Russen ein Stück Brot auf einen Holzstapel vor der Hütte legen und abwarten. Kurze Zeit später kommt ein pelziger Nager und holt sich das Brot. Eine reale Attraktion mitten im Nichts. Mit dem Ziesel, wie es Männchen macht, wie es aus dem Stapel herauskommt und wieder reinflitzt und mit dem zweiten Ziesel können wir uns gut eine Stunde beschäftigen. Eine schöne Stunde an einem sonst etwas ereignisarmen Tag.

willo
06.01.2013, 23:31
28.07.2012

Das Wetter ist heute etwas besser als gestern und zwischen den Wolken schaut immer mal wieder etwas blau hervor. Auch der Regen ist fast komplett verschwunden und nur ein recht kühler Wind zwingt uns zum Tragen der Isolationsschicht.
Wir beschließen einen Ausflug zum Toten Wald und zu einem der ehemaligen Ausbruchskrater des Tolbacik zu unternhemen.

http://www.album.de/img1/big/235/23580936990166.jpg
kamtschatka (105 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358093/kamtschatka-105-von-199-.cfm)

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kamtschatka (108 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358096/kamtschatka-108-von-199-.cfm)


http://www.album.de/img1/big/235/23580994555872.jpg
kamtschatka (111 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358099/kamtschatka-111-von-199-.cfm)

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kamtschatka (114 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358103/kamtschatka-114-von-199-.cfm)


Die Landschaft hier ist wirklich spektakulär und erinnert entfernt an Island. Die dominierende Farbe ist schwarz und grüne Tupfer entstehen höchstens durch ein paar Flechten. Guter dinge folgen wir den ausgefahrenen LKW-Pisten und passieren sogar noch einige Restschneefelder bevor wir den Vulkankrater erreichen. Leider parken hier diverse LKWs und SUVs der überall zu sehenden Touristen. Auch wenn ich selber Tourist hier bin, stören mich die motorisiert anreisenden Menschen, da es mein persönliches Naturerlebnis schon erheblich stört wenn ich überall durchgestylte Menschen treffe die nur kurz aus dem Auto springen um eine Sehenswürdigkeit mitzunehmen und ich selber beschwerlich zu Fuß unterwegs bin. Trotzdem ist der Krater ein echtes Erlebnis: nach einem kurzen Aufstieg steht man oben direkt am Kraterrand und kann in die Tiefe des Schlundes blicken. Auch über die restliche Umgebung hat man einen herrlichen Überblick. Spektakulär finde ich auch, dass man an einigen Stellen einen Stock in den Boden stecken kann und dieser dann Feuer fängt. Der Vulkan ist also noch aktiv und an einigen Stellen ist der Boden wirklich heiß.

http://www.album.de/img1/big/235/23581092195546.jpg
kamtschatka (120 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358109/kamtschatka-120-von-199-.cfm)

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kamtschatka (121 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358110/kamtschatka-121-von-199-.cfm)

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kamtschatka (122 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358111/kamtschatka-122-von-199-.cfm)

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kamtschatka (125 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358114/kamtschatka-125-von-199-.cfm)

Nach einer kurzen Pause geht es weiter in Richtung Toter Wald. Der Tote Wald ist ein Wald der durch den Vulkanausbruch komplett entlaubt und meterhoch mit Basalt überschüttet wurde. Die Bäume sind dabei abgestorben, aber stehen geblieben. und hier stehen sie nun seit über dreißig Jahren ohne sichtbar zu altern. Nur rund um die Piste fehlen bis auf zwei Meter höhe alle Äste, da es für Touristen aller Art die einzige Möglichkeit ist an Feuerholz für Lagerfeuer und Hobos zu kommen...

Der Wald an sich ist trotzdem sehr spektakulär und wir halten uns einige Zeit hier auf. Leider fängt es zwischen durch immer wieder an zu regnen und zu schneien und ich denke mit schrecken an den über 10km langen Rückweg - aber immerhin habe ich Regensachen und eine Packung Kekse mit.

http://www.album.de/img1/big/235/23581209736360.jpg
kamtschatka (130 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358120/kamtschatka-130-von-199-.cfm)

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kamtschatka (132 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358122/kamtschatka-132-von-199-.cfm)

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kamtschatka (136 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358126/kamtschatka-136-von-199-.cfm)

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kamtschatka (137 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358127/kamtschatka-137-von-199-.cfm)

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kamtschatka (138 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358128/kamtschatka-138-von-199-.cfm)

Auf dem anschließenden Rückweg zerfällt unsere Gruppe völlig und wir laufen einsam im regen unseren Weg in Richtung Hütte. Kati uns ich nutzen die Zeit um erste Planungen zu unserer nächsten Tour anzustellen. An der Hütte angekommen bereiten wir erstmal Abendbrot zu und nutzen die Zeit um uns mit Katis Outdoordusche an einem Felsen nebst kleiner Quelle zu duschen. Sowohl Luft als auch Wasser sind extrem kalt.

Gegen Abend mache ich noch ein paar Fotos und ziehe mich dann wieder in die Hütte zurück um die letzten Zuckungen des Akkus meines Ebookreaders zu nutzen..

http://www.album.de/img1/big/235/23581291413567.jpg
kamtschatka (139 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358129/kamtschatka-139-von-199-.cfm)

http://www.album.de/img1/big/235/23581323771443.jpg
kamtschatka (141 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358132/kamtschatka-141-von-199-.cfm)

http://www.album.de/img1/big/235/23581352437737.jpg
kamtschatka (144 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358135/kamtschatka-144-von-199-.cfm)

Goettergatte
06.01.2013, 23:31
28.07.

Auf dem Wege zum Toten Wald

Der Morgen bricht an, ohne Getröpfel.
Beim Zeltentkrabbeln und gießen des „Deutschen Waldes“ beobachte ich das Wetter, es zeigt sich bedeckt, jedoch schaut es nicht aus, als wolle es regnen.
Wir frühstücken und brechen auf, Richtung „Totem Wald“
Das heißt, wir wenden uns nach Süden, heute zeigt sich die Landschaft in einem klaren, wenn auch diffusem Licht und wir können uns räumlich orientieren. Es geht zunächst etwas bergab, durch ein Aschefeld mit eingestreuten Lavablöcken und Säulen. Dazwischen zeigen sich sporadische Büschel und Nester von teils blühenden Pionierpflanzen.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_844_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=70657&title=k15&cat=537)

Wir kommen durch ein, von Aschehügeln gesäumtes Tal. Die Hänge und Talmulden werden teils von ringförmigen walligen Strukturen gezeichnet, deren Herkunft ich mir durch Wasserdampfverpuffungen zu erklären versuche. (Sickerwasser dringt durch die Ascheschicht, trifft auf heißes Gestein und verdampft schlagartig - ?)

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/537/medium/kamtschatka_843_von_1441_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=70656&title=k15&cat=537)

Gemasert wird das Relief von grün schimmernden Flechten und Moosen, in senken grüner, exponierter weniger werdend.
Leider wird dieses Landschaftsbild durch die Spuren abseits der Piste gezogener Offroaderspuren gestört.
Nach dem Tal durchschreiten wir eine Terrasse eines größeren Tales, dessen östlichen Hänge in einem kräftigen orangerot erscheinen, während sich westlich in einiger Entfernung einige Gebilde aus Lava befinden und eine allmählich nach Süden höher werdende Hügelkette aus Auswurfmaterial erstreckt.
Nach dem wir eine Geländestufe im Tal hinabgestiegen sind, geraten wir an einige, unter Asche verborgene Eishügel, deren mutmaßliche Entstehung Spekulationsstoff für die nächsten Kilometer bietet. Bald Kommen wir an die Böschung eines ganzen aschebedeckten Schneefeldes.
Der Aufenthalt hier, zwecks Ablichtung des Phänomens braucht seine Zeit.
Danach nähern wir uns den höchsten der westlichen Aschehügeln, sie erheben sich fast 400 Meter über uns, an ihrem Fuße ist der Weg von mächtigen Basaltbomben gesäumt.
Dann erreichen wir einen Rastplatz, eine der größten Basaltbomben ist hier den mittlerweile verstorbenen Vulkanologen gewidmet, welche Anno 75/76, die Eruption beobachteten, welche das heutige Landschaftsbild rund um den Tolbatschik formte.
Hier führt ein Pfad, durch eine Scharte, hoch auf den Sattel der zwei höchsten Aschekegel.
Der Aufstieg ist steil, das Gelände geröllig, auf dem Sattel wenden wir uns dem nördlichen Gipfel zu. Auf den Grat zum Gipfel dringt rötliches Erstarrungsgestein durch die Schlackenschicht, bald erkennt man zur Linken eine Sich bildende, tiefer werdende Spalte, aus deren Klüften schwefelig riechende dünne Schwaden hervorstreichen, zur Rechten geht es steil Talwärts.
An den Klüften setzen sich teils kleine Schwefelkristalle ab, teils hat sich eine feine dünne salzkristallartige Kruste, wie Reif niedergeschlagen (Diese erinnert geschmacklich an Alaun, nur bitterer). Oben angekommen sieht man, das die Spalte den Gipfelgrat teilt, es ist warm, man kann sich nicht allerortens niederlassen, brennbares Material, in die Klüfte geworfen fängt Feuer.
Nach Westen bricht der Hügel in einen Halbkrater, an ein Griechisches Theater erinnernd zum Kamtschatkatal hin ab. Nördlich blickt man auf die niederen Aschehügel und die Schlackenwüste Richtung Leningradskaja, bei klarerem Wetter sähe man den Tolbatschik und die Vulkangruppe hinter ihm. Nach Südost erblickt man, vor dem durch eine dunstige Wand gebildetem Sichthorizont das Baumskelettfeld des „Toten Waldes“.
Wir treffen hier oben die Schweizer, welche die Aufenthaltsbaracke der Leningradskaja mit uns teilen. Sie machen ein Gruppenfoto von uns, danach geht es abwärts, was eine gewisse Weile dauert, um nicht auf dem Geröll zu stürzen, denn zum „Abfahren“ ist es zu inhomogen und viele Lavanaden bilden scharfe Stolperfallen.
Unten angekommen wenden wir uns dem Toten Wald zu, gespenstigtraurig hebt er sich aus dunstig aufziehendem Nieselnebel ab. Wir machen an einer kleinen Schutzhütte Rast, in der nähe ragt der Heckschwanz eines Helikopters aus der Asche.
Danach begeben wir uns in den Toten Wald hinein, er wird aus Lärchenstämmen eines Waldes gebildet, welcher, beim Ausbruch 75/76, vom Auswurfmaterial zu gut einem Dritteil seiner Höhe verschüttet wurde. Dieses brachte den Oberen Teil der Bäume zum Absterben, so das nunmehr die kahlen Stämme, ihre kümmerlichnackten Äste streckend, thorsengleich in schwarzem Grunde da stehen, junges Grün hat dieweil begonnen zwischen ihnen zu sprießen. Die kahlen Äste welche Frost und Stürme hinabwarfen liegen, an Rippenknochen erinnernd bleich dazwischen.
Inzwischen hat uns der Nieselregen eingeholt, es ist auch spät geworden, so wenden wir uns zum Rückmarsch. Da der Weg jetzt bekannt ist, teilen wir uns auf und so kann jedes Grüppchen seinem eigenen Rhythmus folgend zum Lager zurück gehen.
Da wir zu Wegzehrung lediglich eine Tafel Schokolade mit hatten, plagt mich ein heftig knurrender Bauch, ein Gefühl der inneren Aushöhlung macht sich in mir breit. Dieses Gefühl wird für mich den ganzen Nachmittag beherrschen.
Als wir an dem Rastplatz am Fuß der Scharte zum Aschekegel erreichen, sehen wir die Geländefahrzeuge des Rangers und Cognac-Bobs Sippe. Dann erschallt ein jämmerlicher Schmerzerfüllter Schrei. Als wir an dem Rastplatz ankommen, sehen wir wie Cognac-Bob, in seinem Flanellcamouflagestrampelanzug, gestützt von Zweien seiner Begleiter, mit steifem Bein, Talwärts verfrachtet wird.
Wir gehen, der Staubwolke der abfahrenden Geländewagen hinterher, weiter talauf, biegen aber bald von der Piste ab und schreiten weglos durch die Aschewüste. Die Roten Hänge östlich von uns scheinen im jetzt trüberen Lichte geradezu zu glühen, nur Bärts Jacke leuchtet roter hervor.
Abseits jeglicher Spur ist das Laufen hier schwer, da jeder Tritt tiefer in den Boden eindringt, als auf Sand. Mit vorrückender Zeit wird das Hungergefühl immer stärker, ich versuche es mir zu erklären, da ich eigentlich ausreichend Nahrung zu mir nahm, ich komme allerdings zum Entschluß, daß die Anstrengungen der ersten Tour so groß waren, das mein Körper nunmehr irgendwelche Mängel reklamiert.
Ich suche Ablenkung im Gespräch mit Bärt und Üte, das ist nicht schwer
Im Lager angekommen ist mein ganzes Denken hingegen wieder auf Nahrungsbeschaffung gerichtet und ich habe das Gefühl wahnsinnig zu werden, zuschauen zu müssen, welche Köstlichkeiten Cognac-Bobs Frauen auftischen.
Ich reklamiere den nicht gegessenen Rest der Mahlzeit Susannes und Kathrins für mich.
Bärt füttert mich mit Cashewnüssen, dennoch kommt Sven nur knapp an seiner Ermordung vorbei, als er sich vor meiner Nase eine Doppelportion „Süßer Moment“ reinpfeift,
ein bitterer Moment für mich,
Sven hat Glück, daß ich, obwohl Einzelkind, leidlich sozialisiert bin.
Zwecks Ablenkung verziehe ich mich früh ins Zelt.

Kati79
06.01.2013, 23:31
28.7.2012

Nebel und leichter Niesel, aber auch ein Novum, zum Teil Sicht nach Süden. Heute wollen wir zum toten Wald gehen. Der tote Wald ist 1975/76 ebenfalls bei Ausbruch des Tolbacik "geboren" worden. Er war einst ein Kiefernwald und wurde unter der Asche des Vulkanausbruchs begraben. Es sehen nur noch die Spitzen der Bäume heraus, die tot sind. Er soll 5 km entfernt sein.

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_MG_0753 von Kati79 - Album.de (http://www.album.de/bild/2456270/-mg-0753.cfm)

Ohne viele Schnörkel laufen wir Luftlinie bis zu einem Rastplatz. Es sind ca. 6 bis 7 km. Dort gibt es ein Plumpsklo und Fahrzeuge, die wir am Morgen noch an der Leningradskaja Basa gesehen haben. Wir sehen eine Art Gedenkstein für die Wissenschaftler, die sich dem Vulkanausbruch gewidmet haben. Die Leute aus den Autos sind eine Rinne zwischen zwei Kratern nach oben gewandert. Hier muss was zu entdecken sein. Also machen wir es ihnen nach.

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_MG_0762 von Kati79 - Album.de (http://www.album.de/bild/2456271/-mg-0762.cfm)

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_MG_0773 von Kati79 - Album.de (http://www.album.de/bild/2456272/-mg-0773.cfm)

Nach einem recht einfachen Anstieg stehen wir oben auf einem Bergkamm und können in die Weite sehen und in einen Krater neben uns. Auf dem Fels finden sich Schwefelbrocken und an der ein oder anderen Stelle kommt warme Luft aus dem Berg. Oben angekommen beobachten wir zwei Leute, die Papier auf einen Stock stecken und es so tief in ein warmes Loch halten, dass es Feuer fängt. Manche Steine stellen sind wunderbare Sitzheizungen.

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_MG_0774 von Kati79 - Album.de (http://www.album.de/bild/2456273/-mg-0774.cfm)

Wir laufen ein Stück den Kamm entlang, neben uns ist ein riesiger Krater, in der man unten die Ausbruchsstelle sehen kann, weiter vorn schaut man von oben in einen anderen Krater rein.

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_MG_0776 von Kati79 - Album.de (http://www.album.de/bild/2456274/-mg-0776.cfm)

Was von unten wie Hügel aussieht, ist von oben also häufig ein Krater. Es ist beeindruckend. Wir sitzen noch eine Weile auf dem warmen Stein, bevor wir uns weiter zum Toten Wald aufmachen. Von hier aus kann man ihn gut sehen.

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_MG_0806 von Kati79 - Album.de (http://www.album.de/bild/2456279/-mg-0806.cfm)

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_MG_0813 von Kati79 - Album.de (http://www.album.de/bild/2456280/-mg-0813.cfm)

Nach weiteren 3 km sind wir an den ersten toten Bäumen angelangt, es sieht extrem kahl aus. An einer Stelle guckt ein Teil eines abgestürzten Helicopter aus dem Boden. Wir "untersuchen" den toten Wald fußläufig, einige bekommen langsam Hunger. Da der Weg ursprünglich kürzer sein sollte, habe ich auf die Mitnahme von Essen und Kocher verzichtet, aber so langsam will der Magen was. Nieselregen setzt ein und wir machen uns an den Rückweg. Wir laufen getrennt, alle so schnell sie können, weitestgehend Luftlinie zurück zur Leningraskaja. Es wird ungefähr 2 Stunden dauern. Insgesamt machen wir statt der geplanten 10 km, 26,2 km Fußmarsch (zumindest ich mit meinem GPS). An der Hütte angekommen gibt es Essen, die Outdoordusche kommt in angemessener Entfernung zum Wasserloch zum Einsatz und wir gehen früh schlafen. Für morgen ist der Aufstieg zum Tolbacik geplant, den wir bisher noch nicht sehen konnten.

codenascher
06.01.2013, 23:31
28.07.2012 Der Tote Wald

Das Wetter zeigte sich heute endlich wieder von seiner guten Seite. Sonnenschein und Wolken wechselten sich den Vormittag über ab. Wir starteten unsere Exkursion in Richtung „Toter Wald“, eines der Highlights des Kljucevskoj Naturparks.

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Auf zum Toten Wald

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Der Sven-und-Susi-Berg, der Pestschannaja, der eigentliche Gipfel versteckt sich aber hinter den Rundungen

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Wundersame Zeichnungen in der Asche

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Spaß am Wegesrand

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Restschnee

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Auf dem Weg dorthin passierten wir einige Aschekegel welche von der großen Spalteneruption 1975 bis 1976 herrührten.
Am „Tretij Konus“, dt. dritter Krater nördlicher Ausbruch 1080m hoch, standen zwei der uns bekannten Ural LKWs. Die dazugehörigen Tourenteilnehmer waren gerade auf dem Weg hinauf.
Wir schickten uns ebenfalls an dieses Kleinod zu entdecken. Größtenteils ging es über Geröll die vielleicht 150m hinauf. Schwarzes Gestein, rotes jüngeres Gestein, teilweise vom Schwefel gelbes Gestein säumten unseren Weg. Hier und da dampfte es und man konnte die Hitze die teilweise aus den Spalten hervortrat im stehen spüren! Der Geruch nach Schwefel lag in der Luft. Der Wahnsinn!!! Neben dem Blick hinab in den Krater war auch die Aussicht zu allen Seiten mehr als nur Außergewöhnlich. Von hier aus konnten wir ebenfalls einen ersten Blick auf den Toten Wald werfen, welcher sich in doch noch relativ weiter Ferne zeigte. Meine Gedanken kreisten sofort um den Tolbacik und die dazugehörige Aussicht!

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Sowas spucken hier Vulkane durch die Gegend :o

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Auf dem Aschekegel

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Blick in den Krater

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Weiter ging es Richtung Toter Wald. Mittlerweile erkämpft sich auch hier die Natur ihren alten Platz zurück. Ein Großteil der weiten Lavafelder sind mittlerweile mit Flechten, Gräsern und Blümchen bewachsen. Sehr schade nur, dass immer wieder Schneisen der Verwüstung durch das neue Leben hindurch gehen – vermutlich Rücksichtslose Russen in ihren Geländewagen die nix besseres zu tun haben als an solch fragilem Orten ihre Geländegängigkeit auszutesten....

Der Tote Wald:
Asche und giftige Gase erstickten den Wald während der großen Spalteneruption von 1975 bis '76. Heute schauen nur noch die gespenstisch anmutenden Kronen der Bäume aus der Asche hervor. Ein Anblick, welcher dem Herrn der Ringe in so mancher Szene gut zu Gesicht gestanden hätte!
Beinahe 40 Jahre später zeigt sich der Tote Wald zwar schon wieder um einiges Lebendiger, neben der Flechten, Gräsern und Gebüschen machen sich hier mittlerweile Birken von bis zu drei Metern Höhe breit!

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...

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Hier war ich mal wieder alleine unterwegs, Spalte

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Äffchen in seinem Element ;-)

Eine doofe Fehlplanung unterlief uns mit der Planung unseres Wasserhaushalts am heutigen Tage. Vor unserer heutigen Tour hieß es 7km Wegstrecke bis zum Toten Wald. Inklusive des Aschekegels hatten wir allerdings 26km Wegstrecke hin und zurück hinter uns gebracht. Das ganze mit meistens nur einem Liter Wasser pro Kopf.... Zurück ging es mehr oder weniger im Laufschritt, Susanne und ich voran, dicht gefolgt von Kathrin.
Im Camp zurück gönnten wir uns neben einigen Bechern Wasser erstmal eine kleine Dusche mit Katis genialer SeatoSummit Outdoordusche! Geniale Erfindung, die einem in solchen Momenten das Leben echt angenehmer machen kann :bg:

Cognac Bob, so nannte ich das Familienoberhaupt der trinkenden Russen, hat sich anscheinend am Aschekegel den Fuß verknackst, zumindest stapfte er auf Trekkingstöcke gelehnt durchs Lager. Außer zum gelegentlichen Schaschlikumrühren ließ sich die Truppe aber nicht in der Hütte blicken. Ich konnte nicht widerstehen und stibitzte mir in einem unachtsamen Augenblick einen schönen Brocken Fleisch... Oje :bg: Heute Abend ging es sehr zeitig zu Bett, wollten wir morgen in aller Herrgotts frühe zum Tolbacik aufbrechen.

Schmetterling
06.01.2013, 23:31
28.7.12 – Der tote Wald


http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Zum_toten_Wald8.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=68198&title=kamtschatka-toter-wald8&cat=30)
Aufbruch

Nach einem ausgiebigen Frühstück machen wir uns auf zum toten Wald, der angeblich nur 7 km entfernt sein soll. Es ist bewölkt, aber trocken und so schreiten wir mit leichtem Tagesgepäck munter aus. Eine breite Piste führt sanft absteigend durch die Asche. Es gibt zahlreiche Vulkankegel, an deren Fuß wir uns entlang schlängeln. Schließlich verlassen wir die Piste und laufen einfach querfeldein über die Asche. Wow, so muss das in der Sahara aussehen, wenn auch in sandgelb! Vor uns erstreckt sich eine weite Ebene, in der sich nur hin und wieder kleine Pflänzchen kauern. Sven und ich halten uns am ungestörten hinteren Ende der Truppe und quatschen. Seltsam, ihn mal nicht mit Siebenmeilenschritten voraus sprinten zu sehen…

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Zum_toten_Wald_8.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=68200&title=kamtschatka-toter-wald10&cat=30)#
Rotkäppchen hat sich verirrt

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Zum_toten_Wald_9.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=68201&title=kamtschatka-toter-wald11&cat=30)
Der Blick zurück aufs Lager

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Zum_toten_Wald5.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=68197&title=kamtschatka-toter-wald5&cat=30)

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Zum_toten_Wald_7.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=68199&title=kamtschatka-toter-wald9&cat=30)
Pflanzen sind ein seltenes und begehrtes Fotoobjekt

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Zm_toten_Wald_4.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=68193&title=kamtschatka-toter-wald4&cat=30)


http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Zum_toten_Wald_6.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=68195&title=kamtschatka-toter-wald6&cat=30)
Da drunter ist noch Restschnee


Wir kommen an aschebedeckten Altschneefeldern vorbei und ersteigen schließlich einen der hohen Vulkankegel. Das scheint ein beliebtes Ausflugsziel zu sein, denn mit uns schlängelt sich noch eine Truppe weiterer Russen nach oben. Selbstverständlich werden sie mit den großen Trucks bis an den Fuß des Berges gefahren. Von oben haben wir eine faszinierende Aussicht auf die weite Aschebene, auf umgebende Vulkanhügel und ganz in der Ferne auf unser Lager. Und auf den toten Wald, der aber noch ein ganzes Stück entfernt scheint. Ebenso faszinierend wie die Aussicht ist allerdings der Berg selbst. Er ist bedeckt mit Lavabrocken aller Schattierungen, mit Schwefelbrocken und an einigen Stellen ist der Boden warm, fast heiß. Aus einigen Löchern strömt sogar so große Hitze, dass hineingeworfenes Papier zu brennen anfängt.
Die gesamte Landschaft um uns, wie auch der Schlackenkegel, auf dem wir uns befinden, entstand in den 70er Jahren, als hier eine der größten Vulkanausbrüche der Erdgeschichte geschah. Zahlreiche neue Schlackekegel entstanden und das gesamte Umland ist seitdem unter einer dicken Ascheschicht begraben. Auch die Caldera, die wir in den nächsten Tagen besteigen wollten, entstand damals.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Vulkan3.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=68191&title=kamtschatka-vulkan&cat=30)
Auf dem Vulkan

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Vulkan4.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=68192&title=kamtschatka-vulkan&cat=30)

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Vulkan2.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=68202&title=kamtschatka-steinbrocken&cat=30)

Wir können der Versuchung nicht widerstehen und sammeln Steinbrocken in allen Farbschattierungen. Wir hoffen, dass wir das sehr poröse Gestein irgendwie nach Hause transportiert bekommen… Schließlich können wir uns von der warmen Fußbodenheizung trennen, die Rucksäcke sind gefüllt mit Steinen und wir treten den Weiterweg zum toten Wald an. Diesmal bleiben wir auf der breiten Piste, die weiter bergab geht. Der Wald ist ganz nett, für mich war aber der Vulkan das Highlight des Tages. Ich mache ein paar Bilder und unterhalte mich mit Bert in einer Rasthütte, während die anderen noch eine größere Runde drehen. Ich fühle mich nicht sehr wohl. Der Weg war einiges weiter gewesen als die 7 km und ich habe zu wenig Wasser dabei. Eine Auffüllmöglichkeit gibt es auch nicht.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Toter_Wald1.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=68188&title=kamtschatka-toter-wald1&cat=30)

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Toter_Wald2.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=68189&title=kamtschatka-toter-wald&cat=30)

Den Rückweg trete ich mit Sven als Spitzengruppe an. Wir brettern denselben Weg zurück. Der Weg zieht sich ziemlich und kurz vor dem Lager fängt es auch noch zu regnen an. Insgesamt sind es heute 27 km gewesen. Wir haben angesichts des besseren Wetters beschlossen, morgen früh einen Besteigung des Tolbacik zu wagen, falls dieser sich zeigen sollte. Angesichts der Besteigung habe ich doch einige Bedenken, ob die 27 km und der Endspurt heute so klug gewesen waren.
Am Lager weht ein eisiger Wind, aber wir sind so verschwitzt, dass wir die Zähne zusammen beißen und uns eine Waschaktion gönnen. Wir hängen Katis Outdoordusche an einen Stein und schrubben uns mit Waschlappen ab. Brrrr, aber es tut wirklich gut.

willo
06.01.2013, 23:31
29.07.2012

Mein Wecker klingelt um vier und ich krieche müde aus dem Zelt um nachzusehen ob das Wetter an eine Besteigung des Tolbaciks denken lässt. Da weder Hütte noch Tolbacik zu sehen sind, bleibt mein Weckruf aus und ich verkrieche mich wieder zu Kati ins Zelt.

Als ich einige Stunden später erneut aufstehe hat sich nichts wesentliches geändert, nur dass es immer wieder stark anfängt zu regnen und zu Stürmen. Wir verbringen den ganzen Tag in der Hütte, nur unterbrochen davon, dass ständig wer raus muss um sein Zelt nachzuspannen oder gar komplett umzubauen. Komischerweise kommt ausgerechnet das Zelt von Kati und mir ohne weitere Pflege aus und kann sich gegenüber den beiden Hillebergs excellent schlagen obwohl es quer zu Wind steht und nicht mal eine Abspannleine hat:grins:

Den Tag vertreibe ich mir mit der (fotografischen) Jagd auf einen kleinen Ziesel, der in einem Holzstapel neben der Hütte wohnt.

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kamtschatka (145 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358136/kamtschatka-145-von-199-.cfm)


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kamtschatka (146 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358137/kamtschatka-146-von-199-.cfm)

http://www.album.de/img1/big/235/23581384330205.jpg
kamtschatka (147 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358138/kamtschatka-147-von-199-.cfm)

Gegen Abend änder sich das Wetter noch einmal und sogar die Sonne kommt etwas raus. Durch den aufreißenden Himmel entstehen nun ein paar schöne Lichtstimmungen und zum ersten mal besteht die Hoffnung aus ein paar wirklich gute Fotos. Auch das mitgeschleppte Stativ kommt nun endlich mal wirklich zum Einsatz.

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kamtschatka (149 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358140/kamtschatka-149-von-199-.cfm)

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kamtschatka (155 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358146/kamtschatka-155-von-199-.cfm)

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kamtschatka (157 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358149/kamtschatka-157-von-199-.cfm)

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kamtschatka (158 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358150/kamtschatka-158-von-199-.cfm)

http://www.album.de/img1/big/235/23581526834084.jpg
kamtschatka (160 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358152/kamtschatka-160-von-199-.cfm)

http://www.album.de/img1/big/235/23581547341433.jpg
kamtschatka (162 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358154/kamtschatka-162-von-199-.cfm)

Goettergatte
06.01.2013, 23:31
29.07.

Abwettern mit Partnerfindung

Abwettern

Ich wache auf, es nieselt, kann der „Deutsche Wald“ so viel Wasser vertragen?
Es ist besser, ich gehe ihn düngen.
Jemand hätte heute um 3.30 Uhr morgens die Aufgabe gehabt uns zu wecken, wenn der Tolbatchyk zu sehen wäre, es zeigt sich nichts.
Danach suche ich den Weg in die Baracke Bärt hat Kaffee bereitet, ich hole Wasser.
Nach dem Frühstück beschäftige ich mich draußen, Spülen, zuvor die Wasserkästen der Spülstelle füllen. (Die Einheimischen kommen nicht auf die Idee, machen immer nur leer)
Am späten Vormittag gehen wir auf Zieselfotosafari rund um den Bauholzstapel vor unserer Hütte.
Irgendwann, das Wetter hat sich wieder gebessert, machen Kathrin Susanne und ich einen Spaziergang zum Aschekegel jenseits der unteren Leningradskaja Station (der alten, wissenschaftlichen) Bei zunehmend besserem Wetter machen Kati, Sven und ich noch eine Baldoverrunde, um den Einstieg zum Aufstieg auf den Tolbatchyk zu erkunden. Es klart weiter auf, Sven wartet jedoch vergeblich, daß die Wolken aufreißen mögen.
Als wir zurück sind, ist Cognacbob, er verbrachte den Vormittag noch mit einer improvisierten Krücke hinkend im Dunstkreis der Hütten, mit samt seiner Sippschaft abgereist, sie hinterließen einen Haufen Müll, welcher zwischenzeitlich von Barbara und Heiko getrennt und teils verbrannt wurde. Desweiteren haben sie die verdreckte Schicht Vulkanschlacke des Bodens ausgeräumt und neue eingestreut und den Boden geharkt.
Aus den dem Müll zugeordneten Lebensmitteln Cognacbobs hat Barbara ein Buffet bereitet,
aus eingelegtem Gemüse, eingelegtem Fisch, sowie geräucherten Fisch und Weißbrot.
Normalerweise wär ich etwas etepetete davor, aber ich kann ob meines ausgezehrten Bauchgefühls nicht widerstehen und verzehre wohl den Großteil all dessen.
Sven kann heute seinen süßen Moment ohne Gefahr verzehren.
Gegen Abend werden die Wolken rund um den Tolbatchyk dünner, es zeigt sich, das er in Bälde sein Antlitz enthüllen wird, so versammeln wir uns auf dem Gebetsfahnengipfel in Innenhof der Station.
Der Augenblick der Enthüllung wird größtenteils nur über Display und Sucher wahrgenommen.
Später, wir sitzen wieder blödelnd in der Hütte, sehen wir zweie unserer Truppe engumschlungen neben den Gebetsfahnen sitzend, vor zwei Wochen kannten sie sich noch nicht mal.
Nach dem Nachtmahl gehen wir zeitig zur ruh', wir sind sicher, morgen steigen wir auf, zur Caldera des Tolbatchyk.

Kati79
06.01.2013, 23:31
29.7.2012

Gegen 4 Uhr morgens gucken wir aus dem Zelt, ob der Himmel frei ist. Sieht schlecht aus, also schlafen wir bis 5 Uhr weiter. Sieht immer noch schlecht aus, 6 Uhr genauso kacke. Es ist diesig und bewölkt. Wird wohl nichts mit dem Aufstieg zum Tolbacik. Wir schlafen aus, gegen 9 Uhr treibt es mich dann aber doch aus dem Schlafsack. Ein Lagertag beginnt, wie er im Buche steht: Frühstück, Wäsche waschen, Hüttenputz (wir machen sogar den Boden glatt), Zieselbeobachtung, Feuerholz hacken und sägen, Hose nähen (die Tasche ist bei der 1. Tour am Arsch abgerissen), in der Hütte abhängen. Manchmal fällt es mir nicht schwer einfach nur dazusitzen und in die Gegend zu gucken, aber es müsste auch was zu gucken geben.

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_MG_0823 von Kati79 - Album.de (http://www.album.de/bild/2456432/-mg-0823.cfm)

Im Verlauf des Tages entwickelt sich in mir das starke Bedürfnis nach Bewegung. Ich frage in die Runde wer mich bei einer kleinen Erkundungstour begleitet - einige sind dabei. Wir erklimmen zunächst einen kleinen Hügel in der Nähe der Hütte, der sich wieder als Kraterrand entpuppt.

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_MG_0834 von Kati79 - Album.de (http://www.album.de/bild/2456433/-mg-0834.cfm)

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_MG_0835 von Kati79 - Album.de (http://www.album.de/bild/2456434/-mg-0835.cfm)

Die Aussicht ist bescheiden, aber Krater beeindrucken mich trotz der Erlebnisse des Vortags noch immer. Zu dritt versuchen wir den Aufstieg zum Tolbacik zu finden. Viele Wege oder Straßen gibt es nicht, man kann sich an der Himmelsrichtung orientieren. Den Berg gesehen haben wir noch immer nicht. Wir folgen ca. 2 km einem Fahrweg Richtung Tolbacik, das GPS und der Mangel anderer Wege versichern uns, dass wir auf der richtigen Spur sind. Sollte es morgen nicht regnen, werden wir diesen Weg für den Aufstieg nehmen.

Am Abend regt sich was vor der Hütte, die Wolken lichten sich allmählich und nach fast 4 Tagen bekommen wir den Tolbacik endlich zu sehen. Das Abendlicht ist ideal zum fotografieren.

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_MG_0839 von Kati79 - Album.de (http://www.album.de/bild/2456435/-mg-0839.cfm)

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_MG_0852 von Kati79 - Album.de (http://www.album.de/bild/2456436/-mg-0852.cfm)

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_MG_0880 von Kati79 - Album.de (http://www.album.de/bild/2456437/-mg-0880.cfm)

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_MG_0883 von Kati79 - Album.de (http://www.album.de/bild/2456438/-mg-0883.cfm)

codenascher
06.01.2013, 23:31
29.07.2012

Heiko übernahm freundlicherweise den undankbaren Job des Weckers im Falle guten Wetters. Im halb Stunden Takt guckte er ab halb drei Uhr in der früh aus dem Zelt um die Lage zu sondieren. Den frühen Gipfelsturm verschoben wir aber aufgrund von tiefhängenden Wolken auf den nächsten Tag.
Anstelle sich aus dem Schlafsack zu quälen kam Susanne zu Besuch zu mir ins Akto – Und ja, ein 1-Personen Zelt kann auch zu zweit genutzt werden :bg::wohoo:
Als ich anschließend die Hütte betrat wurde natürlich augenblicklich Freudestrahlend nach Susanne gefragt. Was ja eigentlich zu erwarten gewesen war. ;-)

Mittlerweile kam auch die Sonne richtig zwischen den Wolken hervor. Somit zeigte sich der Tolbacik endlich in seiner ganzen Pracht. Also doch kein „Nieschinski“ :cool: Dennoch nutzten wir den heutigen Tag nach den gestrigen Anstrengungen als Ruhetag. Hier und da starteten Gruppenteile zu kleineren Exkursionen um unser Lager.

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Komm schon Baby

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Schon besser

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Ah, da ist ja der Gipfel

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Barbara und Heiko kümmerten sich derweil um die Größtenteils Saumäßig aussehende Hütte! Die Hütte wurde von Grund auf entkeimt! Müll wurde getrennt, verbrannt, der Ofen zuvor gereinigt, Lebensmittelreste und Behältnisse entsprechend weggeräumt, die Arbeitsplatten und Tische abgewischt. Zu guter letzt wurde der Hüttenboden bestehend aus Asche umgegraben, neue Asche von draußen in die Hütte getragen. Ein großer Haufen Feuerholz wurde geschlagen und gesägt.

Ich klaute aus einer der Hütten vermeintlichen Abfall. Kartoffeln und Tomaten welche zwischen Müll unter einem der Vordächer lagerten. Zum Abend war die Hütte allerdings wieder bewohnt und Kati sah auch, wie sich aus dem vermeintlichen Abfall fürs Abendbrot bedient wurde. Hups :ignore:

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Qualität von Fjäll Raven und Klättermusen:bg::baetsch::ignore:

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Der Hauseigene Ziesel

Barbara zauberte derweil aus den sortierten Russenresten allerlei noch verwertbarer Köstlichkeiten hervor. Welch Abwechslung zu unserem Tütenfraß... Eigentlich waren wir bescheuert, nicht einfach ebenfalls frische Lebensmittel mit hier hinauf zu nehmen. Waren wir doch weder Platz – noch Gewichtsmäßig eingeschränkt...

Während einer Vorstellung Arnes, „Primus und das Päckodil“ wurden die Lachmuskeln aller bis aufs äußerste strapaziert. Primus ist hierbei ein Kockerpackbeutel bewaffnet mit einem Göffel und das Päckodil eine Kochtopf Griffzange!
Einzig Heiko konnte sich den Lachanfällen entziehen und stufte unseren Humor als Grenzdebil ein :bg:
Da wir morgen einen weiteren Gipfelsturm wagen wollten ging es wieder früh ins Bett.

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Susanne nach der „Primus und das Päckodil“ Vorstellung

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Welch ein Traum

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Schmetterling
06.01.2013, 23:31
29.7.12 – Mal wieder kein Vulkan

Da Heikos Weckruf nicht erfolgt, schlafen wir richtig aus. Draußen die gleiche Suppe wie gestern. Nach einem Klogang muss ich mich im Zelt geirrt haben und lande bei Sven, wo wir einen gemütlichen Vormittag im Akto verbringen. ;-) Schließlich wollte ich schon immer mal die Neoair testen, nachdem ich es schon seit 2 Wochen auf einer Ridgerest aushalte. Die Neoair hat mich überzeugt, kommt auf meine Wunschliste.

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Dauerteeproduktion

Den Rest des Tages vergammeln wir in der Hütte. Unter dem Holzbalkenhaufen wohnt ein kleines Ziesel, das sich sehr zutraulich von uns füttern lässt und uns für einige Zeit Beschäftigung gibt. Inzwischen sind alle Gäste, inklusive der Russen vom Nebentisch, wieder abgereist und wir haben die gesamte Hütte für uns allein. Typisch deutsch wird erstmal eine Aufräumaktion gestartet. Obwohl die anderen Gäste allesamt mit Fahrzeugen hier oben waren, hielten sie es nicht für nötig, ihren Müll wieder mit runter zu nehmen. Also verbrennen wir alles brennbare und sortieren den Rest. Dabei kommen noch einige brauchbare Lebensmittel zum Vorschein –geschlossene Konservendosen, Gläser mit Essiggurken, fetten Speck… Ausgehungert von der Spaghetteria-Diät stürzen wir uns auf die Köstlichkeiten. Als krönenden Abschluss tauschen wir sogar den Lavaboden gegen neuen von draußen aus. Da die Hütte keinen festen Boden hat, nutzen einige die Gelegenheit, eine Dusche im Warmen zu nehmen. Wasser wird auf dem dauernd brennenden Ofen erwärmt und in Katis tolle Dusche gefüllt. Auch Kleidung wurde mit dem warmem Wasser gewaschen.

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Aufgeräumt!

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Aufr_umtag4.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=68205&title=aufr-umtag4&cat=30)
Blick aufs Lager


Es ist dann doch erstaunlich, wie schnell auch dieser Tag wieder vorüber geht, ohne dass es langweilig wird. Es gab lediglich kleinere Anzeichen von Lagerkoller…
Am Nachmittag klart es auf und gegen Abend schickt sich auch endlich der Tolbacik an, seinen Gipfel zu enthüllen. Mit gezückten Kameras stehen wir bereit für diesen historischen Augenblick. Und tatsächlich, als wir bereits richtig durchgefroren sind, zieht der mächtige Gipfel frei. Juhuuu, morgen werden wir aufsteigen!

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Aufr_umtag5.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=68206&title=aufr-umtag5&cat=30)
So schön kanns mit Sonne sein

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Aufr_umtag2.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=68204&title=aufr-umtag2&cat=30)
Also wir wären dann soweit...

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Aufr_umtag1.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=68203&title=aufr-umtag1&cat=30)
Tataaa, es gibt also doch Vulkane hier

willo
06.01.2013, 23:31
30.07.2012

Heute war Sven für das Checken der Wetterlage zuständig und hatte mehr Glück als ich gestern. Bei klaren Himmel und einsetzenden Sonnenuntergang kriechen wir aus den Zelten und schieben uns ein schnelles Frühstück rein. Nach einer Stunde sind wir auf der Piste und laufen ein paar kleiner Hügel Richtung Tolbacik hoch. Nach etwas mehr als einer Stunde zerfällt die Gruppe zusehend und ich laufe mit Kati und Arne weiter Richtung Gipfel. Leider schlägt das Wetter irgendwann um und es wird höllisch kalt und fängt an zu schneien. Der schnell liegen bleibende Schnee und die überfrierende Nässe machen den ansonsten sehr leichten Weg etwas beschwerlicher und wir kommen nur langsam voran. Eine halbe Stunde nach Einsetzen des Schneegestöbers machen wir eine Pause im Schutze eines großen Steins und essen erstmal etwas. Ich trage mittlerweile alle Schichten die ich überhaupt mit nach Russland geschleppt habe - aber immerhin reichen sie und ich höre auf zu frieren. Als wir gerade weiter gehen wollen kommen Sven, Katrin und Susanne uns entgegen und berichten uns, dass sie Aufgrund des Wetters umkehren wollten - es lohnt sich einfach nicht bei dieser Sichtweite einen Krater wegen der erhofften Aussicht zu besteigen.

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kamtschatka (163 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358155/kamtschatka-163-von-199-.cfm)

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kamtschatka (164 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358156/kamtschatka-164-von-199-.cfm)

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kamtschatka (166 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358158/kamtschatka-166-von-199-.cfm)

Nach kurzen Plenum beschließen wir dann doch weiter zu gehen. Unsere Gruppe ist nun auf 7 angewachsen, da auch Barbara uns eingeholt hat und ebenfalls weitergehen will. Das Vorankommen ist nun aber absolut kein Spaß mehr: Schnee und Eis kommen waagerecht von Vorne und sehen kann man von der umgebenden Landschaft auch nur einen recht begrenzten Korridor. Wenigstens ist der Weg einfach zu gehen und auch die Steigung ist äußerst moderat. Am finalen grat Richtung Krater beschließen Kati und ich dennoch umzudrehen, Kati fängt an zu frieren und auch mein Vergnügen hält isch sehr stark in Grenzen. Also übergebe ich Arne das Banner und mache mich mit Kati auf den Rückweg.

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kamtschatka (170 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358162/kamtschatka-170-von-199-.cfm)

Wenigstens bleiben meine Klamotten dicht und der sich langsam in Regen verwandelnde Schnee schmerzt nur im Gesicht und an den völlig durchnässten Handschuhen. Einige Stunden später erreichen wir die Hütte und ich setze mir erstmal einen ordentlichen Topf heißes Wasser auf um mich der Körperpflege zu widmen während es draußen in Strömen regnet.

Goettergatte
06.01.2013, 23:31
30.07.

Aufi, aufi

Ein neuer Wetterwächter, Sven, meldet in der Frühe freie Sicht auf den Berg.
Ich treffe mich mit Bert und Sven am deutschen Wald, begießen ihn und gehen bestirnlampt in die Hütte und frühstücken schnellst, bald sind auch die Anderen da. Fast so zeitig wie geplant beginnen wir den Aufstieg. Kati, Sven und ich weisen den Einstieg, nach einigen Kilometern passieren wir die östliche Flanke eines schönen ebenmäßigen leuchtendroten Eruptionskegels, dahinter geht der Pfad über eine leicht ansteigende Ebene, um daraufhin, einen Bach zur Rechten habend über Lavaterrassen weiter, auf ein Hochtal im Tolbatchyk hinführend.
Mittlerweile hat man einen weiten Blick, auf die südwärts liegenden Vulkane, einer von ihnen trägt eine mächtige Fumarole, sowie auf dem hinter einem Nebengrat hervorlugenden Vulkan ,,, . Auch die Berge jenseits des Kamtchatkatals sind zu sehen.
Das Feld der Gruppe ist weit auseinandergezogen, voran sind Kathrin, Susanne und Sven, gefolgt von Kati und Heiko, welche ich gelegentlich oberhalb meiner zwischen den Felsen erkennen kann.
Hinter mir sind Bärt und Üte, manchmal zu erblicken, dahinter weiß ich Barbara.
Als der Weg einmal an den Bach stößt, treffen wir zu einer Trinkpause zusammen, danach geht’s weiter hinauf. Der Pfad windet sich zwischen Lavagebilden, felsigen Geländestufen, und kleinen Sand-/Aschefeldern hindurch, gelegentlich finden sich bizarr gerissene Basaltbomben, welche an Sauerteigbrote erinnern.
Schließlich ist der Bach verschwunden. Wir finden ihn wieder, in einer Schlucht, an der er unter, über eine hohe Felsstufe herabstürzend unter einer Schneebrücke in einem Lavatunnel verschwindet. Mit einigem Bangen quere ich die Brücke, Bärt und Üte folgen.
Wieder ist der weg mit Basaltbomben gesäumt, eine sieht einer Ente ähnlich, an anderen haben sich Humorige Wanderer vergnügt und durch steinsetzen eine Schildkrötenfamilie gestaltet.
Der Weg steigt etwas steiler Bergan, durch eine Talmulde, darauf folgt ein Schneefeld.
Mittlerweile hat sich der Himmel eingehüllt, der Gipfel ist Nebelumjagt, der Grat der Caldera noch frei. Doch dann beginnt es zu schneien und ein scharfer Wind kommt auf.
Nach einigen weiteren lavagesäumten Wegwindungen, mit bizarr geformten Aschefeldbuckeln, treffe ich auf Kati und Heiko, welche hinter einem Stein im Windschutz warten. Sie wollen den Schneeschauer abwarten, ich geselle mich zu ihnen und esse mit ihnen eine Schokolade.
Dann taucht aus dem dichter werdenden Schneetreiben und aufkommendem Nebel ein yetiartiger Schatten auf, welcher sich uns nähert, Barbara.
Sie erzählt, Bärt und Üte seien bei beginnendem Schneefall auf dem Schneefeld umgekehrt.
Bald darauf kommen Kathrin Susanne und Sven von oben herab und berichten es sei oberhalb unser „voll der Schneesturm“- Barbara muß lachen.
Wir beraten kurz, bis zur Caldera sind es noch ca. 600 Höhenmeter, ich gebe zu bedenken, das das Wetter auch wieder genau so schnell verschwinden könnte, wie es kam, Barbara sagt, sie steige ohnehin bis zur Caldera hinauf. So kommt es, das wir zu siebt weiter ansteigen. Wir kommen auf eine flache Ebene, auf der Susanne Kathrin und Sven pausierten, bevor sie wieder zu uns hinab stiegen, an der Stelle, wo sie vor dem Wind Schutz suchten ist ein großes ODS in den Sand geritzt.
Daher heist die Ebene von nun an ODS-Ebene.
Hinter der ODS-Ebene beginnt der finale Aufstieg zum Calderarand, zunächst über steiles Lavageröll, danach über einen Steilen Pfad zwischen Lavafelsen. Wind Schnee und Nebel nehmen wieder zu. Kati und Heiko beschließen wieder abzusteigen, die Anderen sind bereits wieder weiter voraus. Heiko übergibt mir das ODS-Banner, Kati gibt mir das Ersthilfepacket. Wir verabschieden uns und wünschen uns alles gute, sowie glücklichen Auf und wieder Abstieg.
Im Windschutz einer Lavasäule treffe ich Susanne und Sven wieder, Kathrin und Barbara sind weit über uns im nunmehr gerölligem Steilhang voraus, noch 300 hm zum Grat.
Irgendwann sehe ich Kathrin hinter dem Sichthorizont verschwinden, dann erscheint sie wieder und winkt mit beiden Armen. Sie hat bereits die Caldera erreicht. Darauf folgt Barbara, wenig später der Rest mit mir. Auf den letzten Metern sind mir die Beine recht schwer geworden, ich freue mich auf eine kleine Verschnaufpause. Trotz des Nebels ist der Blick in den fast 400 m tiefen Kessel beeindruckend, er war bis 1975 mit einem See gefüllt, welcher bei den Vulkanaktivitäten nach unten abfloß und in einer gewaltigen Verpuffung explodierte.
Bald kommt der Wunsch auf, noch den höchsten Punkt des Kratergrates zu erreichen.
Dafür gilt es eine Felsstufe kletternd zu überwinden, welches bei überfrirender Nässe nicht einfach ist, ich habe nur sehr dünne Handschuhe an, diese sind kürzenst durchnäßt und die Finger beginnen heftigst zu schmerzen. Nach einer viertel Stunde haben wir den höchsten Punkt erreicht.
Wir sind 1900 m über unserem Lager, 14,5 km entfernt.
Wir machen ein Gipfelfoto, mit Banner, danach steigen wir schnellstens zum Punkt hinab, an dem wir den Kratergrat erreichten. Meine Finger sind kalt, schmerzen zum Brüllen und sind abgesehen vom Weh, welches bis in die Ellbogen zieht, gefühllos und kaum steuerungsfähig, welches mir beim Abstieg über die Felsabbrüche sehr hinderlich ist. Am Kraterrand wir nochmals phtos, eine Schokopause und steigen bald danach hinab. Der weg bis zur ODS-Ebene geht zügig, dann wird es etwas schwer, da der Schnee den schwach zu erkennenden Pfad überdeckt.
Dafür gestaltet das Weiß die skurrilen Aschehügelchen aufs allerlustigste.
Wir überholen zügig eine Gruppe russischer Ausflügler, die staunend ob unserer hurtigen Gewandtheit , aufschauen und hinterher blicken. Hinter der Schneebrücke sind wir bald so tief, das der Schnee in Regen umschlägt, als wir schließlich in die Ebene kommen hat uns Nebel eingehüllt, welcher uns bis zur Hütte nicht mehr losläßt.
Ewig erscheint uns die Zeit, bis irgendwann ein Kernschatten anzeigt, das unser Ziel nah ist.
Sehr nah, bei unter 100 m Sicht.
Jetzt heißt es Klamotten trocknen, bei erreichen der Regengrenze hätte ich mein Soft- gegen ein Hardshell tauschen sollen, aber jetzt ists egal, jetzt bin ich, dank Üte Bärt und Kati mit Heiko im Warmen.
Später wasche ich mich schamlos in der Kochecke, ein russischer Gast bereitet ungerührt neben mir sein Abendmahl.
Er ist über 60, kommt aus Königsberg und möchte alle aktiven Vulkane Kamtschatkas besteigen, er hat auch schon die Strecke Königsberg-Eismeer-Kamtschatka und zurück zu Fuß hinter sich gebracht, er war als Rotarmist in Schwerin, wohnt jetzt in Ostpreußen, stammt aber gebürtig aus Petropawlowsk-Kamtschatsky.
Den Rest des Abends verbringen wir mit Heidenspaß und Würfelspiel.

codenascher
06.01.2013, 23:31
30.07.2012 Gipfelsturm

Ich übernahm heute früh den Weckdienst. Ab zwei Uhr linste ich aus dem Zelt. Um vier weckte ich unsere Gruppe und eilte in die Hütte um Teewasser für alle aufzusetzen. Es war doch noch ganz schön frisch so früh am morgen.
Um fünf kamen wir endlich los – keine einige Wolke am Himmel!!! Circa 10km Luftlinie und gute 1800hm trennten uns von unserem Primärziel hier oben.

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Ein anderer Vulkan gleich nebenan

Die ersten Kilometer vergingen wie im Flug. Vorbei an einem Camp junger russischer Bergsteiger, welche wir am Vorabend in diese Richtung laufen sahen, schlängelte sich der Weg sanft Richtung Berg hinauf. Am Fuße angekommen zogen leider die ersten Wolken auf.

Der Weg des Aufstiegs ist einfach zu gehen, jederzeit klar erkennbar. Wie von Andreas von Heßberg an Heiko weitergegeben, kann man beinahe den gesamten Aufstieg über Wasser fassen. Dies klappt bis zu einer Höhe von 2400m sehr gut, eh Quellen und Gletscherflüsse versiegen.

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Der vergletscherte Hauptgipfel des Tolbacik

Bert und Ute drehten leider auf knapp 2200m Höhe um. Ute erkältet rotzte schon die letzten Tage rum und war nicht wirklich fit. Das Wetter, was nunmehr umschlug tat sein übriges...

Auf knapp 2500m Höhe begann es zu schneien. Die Wolken kamen weiter runter, der Hauptgipfel des Tolbacik, der Ostryj Tolbacik (knappe 3800m hoch, vergletschert) war schon längst nicht mehr zu sehen, der Wind nahm weiter zu...

Kathrin, Susanne und ich wetterten auf einer Ebene auf 2500m im Windschatten einiger Felsen ab, entschieden uns nach 20 Minuten des Wartens auf die anderen für die Umkehr. Knapp 50 Meter unter uns warteten die Verbliebenen , wollten aber weiter. Gute Entscheidung, hatten die Mädels und ich den Gipfel schon begraben...

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Zeitvertreib beim abwettern, lächeln

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schmollen

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albern


Weiter ging es also wieder zu siebent. Wieder 200m Höher entschieden sich Kati und Heiko für die Umkehr in Richtung Basa. Das Schneetreiben was zwischenzeitlich aussetzte nahm wieder an Stärke zu. Selbst wenn wir bis auf den Gipfel kommen würden, würden wir theoretisch nichts davon haben. Die Sicht beschränkte sich auf vielleicht 50 Meter.

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Eine knappe Stunde später, eine kleine Kletterstelle überwindend standen wir auf dem für und vermeintlich höchsten Punkt der Caldera – 3062m hoch. Ob wir nun wirklich auf dem höchsten Punkt standen konnten wir aufgrund der schlechten Sicht nicht genau beurteilen. Mein Garmin sowie Barbaras Höhenmesser schwankten auf jeden Fall um den gewünschten Wert herum :-)

Zu fünft posierten wir mit unserem ODS Banner in den Händen am Kraterrand des Ploskij Tolbacik eh es wieder hinab Richtung Leningradskaja Basa ging. Mir war kalt, das Thermometer an Susannes Rucksack zeigte leichte Minustemperaturen an. Nach dem Gipfelfoto mit Banner gab es noch ein paar eigene Gipfelbilder samt Gipfelkuss und dann machten wir uns an den Abstieg.

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Der arme Rudi

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verdient

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Der Schnee schlug irgendwann in Schneeregen und ab einer Höhe von 2000 Metern in Regen um...

Ordentlich fertig und durchnässt erreichten wir zehn Stunden nach unserem Aufbruch heute morgen unser Lager und eine warme Hütte! Bert und Ute haben es uns in der Zwischenzeit ordentlich eingeheizt und es wartete auch schon dampfender Tee auf uns Heimkehrer!!! Vielen Dank dafür noch einmal an dieser Stelle an euch :-)

1980hm und 29km Laufleistung zeigte mein GPS an – Ordentlich

Wir drapierten unsere durchnässten Plünden und Stiefel um den Ofen und probierten wieder etwas Wärme in unsere kalten Glieder zu bekommen. Da es den Rest des Tages nicht aufhörte mit dem Regen verschob ich meinen Gipfelzigarillo und Barbara und Arne ihre fette Zigarre auf den nächsten Abend.
Den Vogel des Tages schoss Arne ab. Nachdem er stundenlang den absoluten first class Trockenplatz genau über der Ofentür mit seinem Tshirt blockierte wusch er es als es trocken war.... :motz::grrr:

Zum schlafen erwies sich das Akto dann doch als zu klein für zwei Personen, genauer eigentlich meine Neoair. Traurig ließ ich Susanne wieder in ihr Zelt zu Kathrin wandern. :-(

Was für ein Tag!

Schmetterling
06.01.2013, 23:31
30.7.12 – Auf den Tolbacik

Um fünf Uhr früh brechen wir auf zur großen Besteigung. Im ersten Tageslicht thront der Gipfel über uns. Anscheinend hat man am Vormittag die besten Chancen, bei schönem Wetter oben anzukommen. Ab mittags steigt die Gefahr, dass sich der Gipfel zuzieht. Wir würden nicht bis ganz nach oben können, da dazu Alpinausrüstung notwendig ist. Aber bis auf 3000 m an einen Kraterrand würden wir kommen. Das bedeutet immerhin schon einen Aufstieg von 2000 Höhenmeter. Ich bin gespannt, ob wir es alle schaffen werden. Wir haben beschlossen, dass wir die Gruppe nicht zusammen halten würden, zumal das Terrain keine Gefahren birgt. Wer nicht mehr kann, dreht um. Ich widerstehe der Versuchung, mit Kathrin und Sven nach vorne zu preschen, sondern lasse es gemächlich angehen.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Tolbacik14.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=68220&title=kamtschatka-tolbacik12&cat=30)

Es ist sehr kalt und trotz des Anstiegs trage ich alle Kleidung, die ich habe. Lediglich lange Unterhose und Regenhose bleiben noch als Reserve. Ideal ist das nicht, zumal es oben sicher kälter wird. Aber so lange ich in Bewegung bleibe, geht es. Sven hält sich netterweise neben mir und wir unterhalten uns prächtig über Gott und die Welt. Darüber vergeht die Zeit rasch und wir kommen sehr gut voran. Ich zwinge mich zum regelmäßigen Trinken (bei kaltem Wasser in der Kälte habe ich immer Schwierigkeiten).

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Tolbacik13.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=68219&title=kamtschatka-tolbacik11&cat=30)
Steinkunst am Wegesrand

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Tolbacik12.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=68213&title=kamtschatka-tolbacik5&cat=30)
Klein Äffchen auf großer Reise

Vor uns ragt die ganze Zeit der Gipfel auf, aber mit zunehmender Höhe haben wir auch einen immer besseren Ausblick auf die hohen Vulkane hinter uns. Wow. Der Weg ist gut erkennbar und zieht sich in sanftem Anstieg voran. Ich hatte es mir weit schwieriger vorgestellt. Um 9 Uhr erreichen wir den eigentlichen Fuß des Kraterrandes.
Zu unserem Ärger bilden sich kleine Wolkenfetzen um den Gipfel, die sich schon bald verdichten. Dann setzt auch noch Schneefall ein, das Thermometer zeigt knapp unter Null Grad an. Kathrin war voraus gesprintet, wartet aber auf einer kleinen Ebene auf uns. Vor uns liegen noch schlappe 500 Höhenmeter, aber es windet stark und die kleinen Eiskristalle schmerzen im Gesicht. Die anderen sind irgendwo hinter uns. Wir beschließen, 10 min zu warten und dann umzukehren. Länger würden wir bei der Kälte nicht aushalten. Wir essen eine Tafel Schokolade, vertreiben uns die Zeit mit Grimassen schneiden und beschließen schließlich den Abbruch. Wir würden gegen den Wind nach oben müssen und hätten nichts vom Gipfel. Erstaunlicherweise ist auch Sven fürs Umdrehen. Damit würde sein großer Traum einer Vulkanbesteigung schon wieder platzen. Es tut mir sehr leid für ihn, dass der Urlaub so verläuft.


http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Tolbacik11.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=68212&title=kamtschatka-tolbacik4&cat=30)
ODS grüßt Kamtschatka!

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Tolbacik4.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=68214&title=kamtschatka-tolbacik6&cat=30)
Auf dem Rückweg...

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Tolbacik10.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=68211&title=kamtschatka-tolbacik3&cat=30)

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Tolbacik8.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=68217&title=kamtschatka-tolbacik9&cat=30)

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Tolbacik9.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=68218&title=kamtschatka-tolbacik10&cat=30)

Um Laufschritt geht’s nach unten, um wieder warm zu werden. Um die Ecke hört es auf zu stürmen und zu schneien und es wird angenehmer. Das Gestein ist mit einer leichten Schneeschicht bedeckt, es sieht fantastisch aus! Um eine weitere Ecke warten Barbara, Arne, Heiko und Kati. Bert und Ute sind bereits vor einiger Zeit ins Lager zurück gekehrt. Die 4 stärken sich und wollen von einer Umkehr so kurz vor dem Ziel nichts wissen. Bei der Beschreibung unseres „Schneesturms“ lacht Barbara nur, schultert ihren Rucksack und eilt mir großen Schritten voraus. Wir hinterher. Wirklich gefährlich ist das Gelände hier ja nicht und mit Barbara als Schneeexpertin fühlen wir uns sicher.
Auf dem Schlussanstieg pustet es uns richtig heftig durch. Heiko und Kati drehen um, wir restlichen kämpfen uns weiter. Nun wollen wir auch nach oben. Hinter einem Stein ziehe ich meine Regenhose über und verfluche zum ersten Mal die Tatsache, dass ich die Beine nicht mit Reisverschluss aufmachen kann. Mit halb gefrorenen Fingern muss ich die Schuhe an- und wieder ausziehen. Wir dopen uns mit Riegeln und Schokolade und steigen stark schnaufend immer weiter hoch. Inzwischen macht sich auch die Höhe bemerkbar uns wir steigen seit über 4 Stunden ohne wirkliche Pause. Ich bin inzwischen ziemlich müde und denke kurz an den Rückweg. Aber runter würde es schon irgendwie gehen.
Endlich stehen wir am Kraterrand und sehen – nichts. Unter uns ein tiefes Loch, dessen Grund wir wegen des Schneegestöbers nicht sehen können.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Tolbacik5.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=68215&title=kamtschatka-tolbacik7&cat=30)
Oben :D

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Der Krater

Nach kurzer Diskussion laufen wir am Rand entlang weiter, um wenigstens auf 3000 m zu kommen. Wo genau der höchste Punkt sein würde, ist nicht ganz klar, aber allzu weit wollen wir nicht mehr. Schließlich müssen wir sogar einen kleinen Anstieg hochkraxeln. Meine Handschuhe sind komplett nass und ich kann meine Finger vor Kälte nicht mehr bewegen. Schließlich blasen wir zum Rückzug, machen schnell ein paar Fotos mit dem ODS-Banner und drehen um. Boah, inzwischen bin ich bis auf die Knochen durchgefroren. Angesichts des steilen Abstiegs wird mir kurz etwas mulmig, da ich meine Stöcke an Ute geliehen habe. Ich nehme bei leichtem Gepäck nie Stöcke und auch hier geht es trotz Schnee besser als es aussieht. Im Laufschritt stolpern wir nach unten. Ich zwinge mich trotz der Kälte, wenigstens ein paar Fotos zu machen.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Tolbaci2.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=68209&title=kamtschatka-tolbacik1&cat=30)

Den Rückweg bringen wir möglichst schnell hinter uns. Der Nebel reicht nun bis unten und der Schnee geht irgendwann in Regen über. Zwar ist meine Regenkleidung dicht, aber mir ist kalt und meine Hände sind Eiszapfen. Ich male mir aus, wie uns die anderen mit einem warmen Ofen und heißem Tee empfangen… Um 15 Uhr sind wir wieder an der Hütte – 10 Stunden, 2000 Höhenmeter, 30 km ohne wirkliche Pause – ich bin fertig. Wir schälen uns aus den nassen Klamotten, kauern uns um den Ofen und trinken literweise heißen Tee. Aber geil fühlt es sich an, wir waren oben! Es hat sich trotz der fehlenden Aussicht auf jeden Fall gelohnt!

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Der Ofenplatz ist beliebt

laka23
06.01.2013, 23:31
30.07.12

Gipfelsturm !

Tolbatschik, nächster Versuch ! Diesmal wirft uns der Wecker um 3.45 Uhr aus den wohlig warmen Federn. Nach einem schnellen Frühstück und Packen der Sachen stehen zumindest einige von uns marschbereit vor der Tür, während andere es mit der vereinbarten Aufbruchszeit mal wieder nicht so genau nehmen. Nach einer halben Stunde in der Kälte geht es dann endlich kurz vor 5 Uhr los. Alle sind motiviert :bg:. Das Wetter scheint auch ganz passabel zu sein: der Berg ist wolkenlos, nur weit oben hat sich eine durchgehende Wolkendecke gebildet. Die Schneefelder am Hang des Tolbatschik leuchten bläulich-weiß, während die restliche Landschaft in ein Schwarz-Rot der Nacht gehüllt ist.

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Während wir den Fahrweg entlanglaufen wird es heller und man erkennt mehr von der Landschaft. Gegen 6 Uhr ist der rote Vulkankegel erreicht, die erste große Landmarke unseres Aufstiegs zum Kraterrand. Ich laufe voraus – zunächst ein sehr angenehmes Tempo mit Sven, später allein um Sven ein bisschen Zeit mit Susanne zu lassen. Weiter hinten kommen Heiko und Kati und ganz in der Ferne kann ich das leuchtende Orange von Bert`s Jacke sehen. Arne und Barbara sind mit ihren Farben so gut getarnt, dass sie nicht zu erkennen sind.

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Die Aussicht auf die Ebene mit den „kleinen“ Vulkankegeln ist beeindruckend.

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Weiter geht es auf gut ausgetretenen Wegen ständig bergauf, über schwarze Aschefelder, an einem Wasserfall vorbei und teilweise über Schneefelder mit lustigen schwarzen „Hütchen“.

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Nach und nach sinken die Wolken herab und hüllen unbarmherzig den Gipfel des Tolbatschik ein. Der Kraterrand ist jedoch noch frei und die Hoffnung hält sich, dass wir ihn vielleicht doch noch mit ausreichend guter Sicht erreichen können. Je höher man kommt, umso kälter wird es. Als ich eine große Ebene erreiche und Schneefall einsetzt, der mir durch den starken Wind mit gefühlten -15°C ins Gesicht peitscht, entscheide ich mich entmutigt erstmal auf die anderen zu warten. Vom Tolbatschik ist kaum noch etwas zu erkennen. Als Sven und Susanne eintreffen, beschließen wir zunächst ebenfalls zu warten und vertreiben uns die Zeit mit Späßen wie Grimassen schneiden und ein großes „ODS“ in den Boden zu kratzen bei dem der Schnee binnen Sekunden die Konturen nachzeichnet. Von den anderen keine Spur. Die Hoffnung auf Wetterbesserung stirbt einen langsamen, kalten Tod.

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Trotz unserer windgeschützten Stellung hinter einem großen Felsen wird es durch die fehlende Bewegung bald ziemlich kalt, so dass wir doch wieder absteigen, wo wir – voilá – auf Heiko, Kati, Arne und Barbara treffen. Da der Schneefall und der Wind zwischenzeitlich nachgelassen haben, schöpfen wir wieder Hoffnung vielleicht doch noch den Krater zu erreichen. Gemeinsam beginnen wir erneut den Aufstieg.

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Beim Aufstieg über eine steile Rampe geht es dann wieder los: eiskalter Wind und Schnee, die uns voll von der Seite erwischen. Deckung findet sich nur sehr selten z.B. hinter einem großen Felsen, wo sich Sven, Susanne, Arne und Barbara verkriechen. Kati und Heiko sind nicht mehr zu sehen und sind wohl umgekehrt. Von Bert und Ute fehlt jede Spur. Während ich weiter oben warte, ob man sich generell zum Umkehren entscheidet, kassiere ich die volle Breitseite. Zu meiner großen Freude geht es dann doch weiter.

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Ein serpentinenartiger Weg führt weiter nach oben, dann ein kurzes steiles, aber technisch anspruchsloses Stück bis hinauf zum Sattel. Vom Kraterinneren sind nur schemenhaft die Konturen im Schneetreiben zu erahnen, aber die steilen Kraterwände sind trotzdem sehr beeindruckend. Keine Spur allerdings von den tollen Farben, die ich im Internet gesehen hatte; alles nur Schwarz und Weiß. Hier oben bläst der Wind noch heftiger und es ist a….kalt. Die hockende Position haben wir ja im Bistrinski bereits ausgiebig geübt - damals zur Flächenminimierung gegen die Mücken, diesmal gegen den Wind.

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Als die anderen kommen, steigen wir noch weiter rechts am Kraterrand hinauf, müssen sogar kein kleines Stück klettern.

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Eigentlich müsste doch hier bald unser „Gipfel“ kommen, doch wenn wir den Blick nach oben richten, tauchen immer nur weitere Schemen im Schnee auf. Mittlerweile sind wir alle ziemlich durchgefroren und so beschließen wir, das Gruppenfoto – natürlich mit ODS-Banner – schon hier zu machen. Ein paar schnelle Klicks in der Kälte und alles ist im Kasten von Sven`s Kamera. Sven und ich sind noch motiviert ein Stück weiter zu laufen, die anderen kehren kältebedingt um. Doch bei aller Begeisterung für die Landschaft und die Stimmung - auch wir werfen irgendwann die Flinte ins Korn. Sind wir schon oben oder noch nicht ? Der sichtbar höchste Punkt scheint greifbar nah, vielleicht noch 30 m, aber da wir aber nicht sehen können, was danach kommt und nicht den Anschluß an die anderen verlieren wollen, deklarieren wir unseren Endpunkt als unseren „persönlichen Gipfel“ und folgen den anderen auf dem Weg nach unten. Am Kletterstück holen wir sie dann ein. Arne reibt sich die Hände und macht ein schmerzverzerrtes Gesicht. Ich bin erstaunt, dass meine Finger trotz Handschuhen mit freien Fingerkuppen total warm sind.
Auf dem Sattel schießen wir zum Abschied noch ein paar Fotos.

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Was dann folgt, ist der unangenehmste Teil der Tour – der Rückweg im Schneetreiben die Rampe hinunter, über eine mittlerweile weiße Ebene und weiter bergab. Die schwarzen „Hütchen“ sind mittlerweile weiß und fast nicht mehr zu erkennen. Am Wegesrand begegnet uns ein gelbliches „ODS“ im Schnee und wir wissen sofort, wer hier vor uns hier entlanggekommen ist.

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Der Weg nimmt kein Ende und fühlt sich so viel länger an als der Weg hinauf. Wieder in der Ebene erwartet uns ab dem roten Vulkankegel ein nicht enden wollender Fahrweg; eine Wegbiegung folgt der nächsten, das Ziel ist nicht in Sicht. Ab ca. 2200 m geht der Schnee in Regen über. Durch die schlenkernde Fototasche ist ziemlich schnell auch mein Hintern nass und es wird unangenehm kalt. Barbara hat ganz andere Probleme, die sie mit noch größerem Nachdruck dem warmen Lager entgegenfiebern lassen.

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Endlich, gegen 15 Uhr erreichen wir die Hütte, wo Kati, Heiko, Bert und Ute bereits schön geheizt und uns warmen Tee gekocht haben. Darauf haben wir uns gefreut ! Vielen Dank noch mal an dieser Stelle ! Aber zunächst heißt es „Raus aus den nassen Klamotten !“ und diese zum Trocknen aufgehängt; über dem Ofen wird jeder freie Zentimeter Wäscheleine ausgenutzt. Die Luft in der Hütte hat gefühlte 90% relative Luftfeuchtigkeit; die Linse der Kamera beschlägt.

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Den Rest des Nachmittags und Abends verbringen wir mit Aufwärmen, Späßen und Kochen.

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Leider wird das Wetter nachts nicht besser und der Wind wächst sich zum Sturm aus. Auf meiner, dem Wind zugewandten Seite biegen sich die Zeltstangen sogar bis zum Schlafsack herunter. Gut, dass es dunkel ist als ich lediglich mit Poncho bekleidet aus dem Zelt krieche um die Seite des Zeltes neu abzuspannen und mit mehr Steinen zu belegen. Vermutlich hätte es das Zelt auch so überstanden, aber Susanne und ich wollen kein Risiko eingehen. Und auch wenn es eiskalt ist, die Stimmung ist grandios: der peitschende Wind, der Nebel, vielleicht 5 m Sicht, 90% Luftfeuchte und gefühlte 5 °C.

willo
06.01.2013, 23:31
31.07.2012

Unser vorletzte Tag steht wieder ganz im Zeichen des Abwetterns. Zu immer wieder einsetzenden Schauern gesellen sich Sturmböen und die Mehrheit der Gruppe pendelt wieder zwischen Hütte und Zelt nachspannen. Als der Sturm noch einmal zunimmt werden sogar einige Zelte mühsam umgedreht um besser im Wind zu stehen - vergebens, denn der Wind flaut kurze Zeit später komplett ab und gegen Abend kommt erneut die Sonne raus und eine sternenklare Nacht deutet sich an.

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kamtschatka (172 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358165/kamtschatka-172-von-199-.cfm)

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kamtschatka (173 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358166/kamtschatka-173-von-199-.cfm)

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kamtschatka (175 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358168/kamtschatka-175-von-199-.cfm)

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kamtschatka (176 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358169/kamtschatka-176-von-199-.cfm)

http://www.album.de/img1/big/235/23581733189145.jpg
kamtschatka (180 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358173/kamtschatka-180-von-199-.cfm)

Diese Nacht mache ich zum ersten mal meinen Schlafsack zu und setze sogar die Kapuze auf. Draußen scheint es kalt geworden zu sein.

Goettergatte
06.01.2013, 23:31
31.07.

Abermals Abwettern

Wiedermal regnet es, ich dünge den „Deutschen Wald“ und begebe mich mit Bärt und Üte zum Frühstücken. Die Anstrengungen des letzten Tages lassen mich Marionettenartig durch die Gegend eiern, ich habe Muskelkater in den Schienbeinen und Hinterbacken.
Bei dem vielen Abwittern und gemütlichem Beisammensein kommt man sich näher, man massiert sich gegenseitig und tauscht persönliche Geschichte und Geschichtchen aus.
So erfährt man zum Beispiel, wessen Böhmischer Bruder als Katholik Mitra trüge, oder wo Egon Krenz zu Omas Geburtstag kam. Man hört von Touren durch Nepal, Großwerden in Thüringen, Narrenzünften und hochdeutsch sprachlichen Dörfern im Schwarzwald. Besteigungen des Höchsten Berges des 2ten Reiches werden zum besten gegeben, sowie berichte aus Ferienlagern zu DDR Zeiten, konträr zu Jugendfreizeiten in der BRD.
Weiters kann man erfahren, wie es um die sanitären Anlagen beim Force-Attac-Festival bestellt ist, und warum das Festival in Wacken im Vergleich zu Force-Attac für Ordner Urlaub ist.
Man kann vom Bauschaumfüllen eines berühmten Glockenspiels mit Mozartmelodie hören und sich über die Potsdamer Kneipenscene, inklusive dem „Olga“ austauschen.
Zum krönenden Abschluß gebe ich eine Vorstellung von „Primus und das Päckodil“ Dreiviertel der Zuschauer brechen in Begeisterungsstürme aus.
(Primus ist eine „Fingerpuppe“ aus einem Primusbrennerbeutel, Päckodil ist eine Trangiagriffzange. Das Päckodil will Primus fressen, Primus wehrt sich mit dem roten Göffel*)
Am Späten Nachmittag klart es auf, ich mache mit Kati einen ausgedehnten Spaziergang zum westlichen Aschekrater, danach besteigen wir seinen höheren Nachbarn.
Am westlichen Horizont zeigt sich im Dunst der Itschinski-Vulkan, womit sich weist, das er doch kein Nieschinsky ist.
Danach dehnen wir unsere Runde bei fast strahlendem Sonnenschein auf das Gebiet aus, welches wir am ersten Tag, hier oben, im Nebel durchstriffen.
Als wir wieder zurück sind, ist eine Polnische Reisegruppe zu uns in die Baracke gekehrt, welche wieder ein unglaubliche Buffet auffährt.
Mein Körper bleibt gottlob gelassen.
Wir bleiben lange wach, bis sich unser russischer Hüttengenosse zur Ruhe begibt,er schiebt zwei Bretter auf eine Bank und legt sich drauf.
Gute Nacht.

*Göffel: deutsch für „Spork“

codenascher
06.01.2013, 23:31
31.07.2012

Die Nacht über hat es ganz schön doll gestürmt. Kathrin ist aus Angst um ihr Zelt nachts raus um die zwei Leinen am Hubba Hubba nachzuspannen...
Den Vormittag verbrachten wir in der Hütte, das Wetter zeigte sich weiterhin stürmisch, bis Heiko mit der Meldung „Das Akto hebt gerade ab“ in die Hütte Kam. Er hatte es erstmal schnell wieder provisorisch behoben. Der Wind muss wohl gedreht haben und zugleich auch an Stärke zugenommen haben.
Erstaunlich daran, dass die Heringe mit Steinen beschwert waren und es dennoch nicht gehalten hat. Bis auf Heiko und Kati sind nun alle zu ihren Zelten um Abhilfe zu schaffen.
Bert stapelte nur weiter Steine auf die Heringe, sein Shangri-La stand. Mein Akto und das Hubba Hubba waren relativ schnell gedreht, einzig bei Barbara und Arnes Nallo mussten wir mit anfassen. Bot es dem Wind mit seiner GT Apside zu viel Angriffsfläche.

Kaum zwei Stunden später war der Spuk vorbei, der Wind ließ deutlich nach und Heiko fand es anscheinend sehr lustig das wir nunmehr allesamt unsere Zelte umsonst gedreht hatten... :motz:

Auf dem Speiseplan stand bei mir heute „Räubertopf nach Diebesart“ mit meinen geklauten Zutaten und einigen Leckerlis aus meinem Rucksack. :bg:
Nach dem essen zog ich zu Susanne ins Hubba Hubba und Kathrin in mein Akto. Ganz schön klein so ein Hubba Hubba :ignore:

Von dem leichten Sturm merkte man nun überhaupt nix mehr. Windstille, der Himmel riss auf und der Tolbacik, nunmehr mit weißer Kuppe, zeigte sich uns in schönstem Abendlicht!!! Hinter uns zeigte sich erstmalig (!!!) auf unserer Tour der Mond, der selbstverständlich gleich ein weiteres tolles Motiv über unserem Lager abgab.
Nach der ersten Fotosession saß ich mit Susanne unter der Gebetsfahne die mitten im Lager stand und rauchten unsere verdiente „Fat Lady“.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/Kamtschatka_31_07_2012-_03.jpg
Der Tolbacik am Tag danach

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Schmetterling
06.01.2013, 23:31
31.7.12 – Sauwetter

Die ganze Nacht stürmte es ohne Ende. Kathrin spannte das Zelt auf der Sturmseite nach, trotzdem drückte es die Stangen ganz schön ein. Es sind nur wenige Grad über Null und ich fror die ganze Nacht trotz meines eigentlich ausreichenden Schlafsacks. Besonders von unten kriecht die Kälte durch die Ridgerest… Dazu die Sorge um mein Zelt.
Am morgen muss ich mich erstmal eine Runde bei Sven aufwärmen. Als wir in die Hütte kommen, ist die Stimmung sehr bedrückt. Draußen Sturm, Regen, dichter Nebel. Trotz Ofen wird es in der Hütte nicht richtig warm und ich friere den ganzen Tag leicht vor mich hin. Schließlich erbarmt sich Sven und leiht mir seine Daunenweste. Überhaupt habe ich die anderen die letzten Tage sehr um ihre dicken Westen beneidet. Wenn man so den ganzen Tag bei 10 Grad rumsitzen muss, leisten die doch gute Dienste. Ab auf die Wunschliste…

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Sauwetter2.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=68222&title=kamtschatka-sauwetter2&cat=30)
Der Ofen im Dauerfeuer

Wenn wir Handyempfang hätten, würden wir unsere Rückfahrt auf morgen vorverlegen, aber so müssen wir hier noch 2 weitere Tage durchhalten. Inzwischen bin ich doch ganz froh, dass wir nicht die Rundtour gemacht haben. Bei diesem Wetter wäre das nicht spaßig geworden.
Gegen später schaue ich wegen des Sturms noch mal nach den Zelten und sehe, dass meins völlig plattgedrückt ist. Es gilt zwar als äußerst windstabil, aber nur, wenn der Wind aus der richtigen Richtung kommt. Er hat aber heute Nacht gedreht und trifft nun voll von der Seite aufs Zelt.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Sauwetter3.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=68223&title=kamtschatka-sauwetter3&cat=30)
Ui

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Sauwetter4.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=68224&title=kamtschatka-sauwetter4&cat=30)
Vereinte Zeltdrehaktion

Unsere Zelte stehen auch komplette ohne Schutz da. Zusammen beschließen wir, die Zelte zu drehen. Ich bin erstaunt über die Kraft des Windes, wir brauchen alle Hände, damit es uns nicht wegweht. Bei dieser Gelegenheit tauschen auch Kathrin und Sven die Plätze, er wird mir heute Nacht Gesellschaft leisten… Auch Barbaras Zelt drehen wir mit vereinten Kräften.

Am späten Nachmittag klart es zwar auf, dafür wird es unglaublich kalt. Der Ofen in der Hütte läuft durch und wir verfeuern nach und nach das Holz eines Stapels vor der Hütte. Es sieht zwar irgendwie nach Bauholz aus, aber da niemand hier ist, können wir nicht fragen… In der Hütte macht sich zunehmend Lagerkoller breit, gekennzeichent durch fortwährende Lachanfälle von Ute und Arnes Geschichten vom Pekodil...

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Sauwetter6.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=68226&title=kamtschatka-sauwetter6&cat=30)
Eindeutig fortgeschrittener Lagerkoller...

Es kommt sogar wieder die Sonne raus und auch der Tolbacik zeigt sich wieder. Gegen Abend füllt sich das Camp. Es kommt Laster nach Laster an und spucken Touristen aus. Motorsägen dröhnen durch die Idylle. Einer der Guides fragt uns pampig, ob wir denn auch bezahlt hätten. Er wollte uns wohl aus der Hütte haben, um mehr Platz für seine Leute zu haben. Leider können wir ihm einen Beleg zeigen und er muss sich wieder trollen. Derweil wird am Nebentisch wieder ordentlich aufgetischt und die mitgebrachte Köchin zaubert ein Menü. Unsere Augen werden immer größer.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Sauwetter5.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=68225&title=kamtschatka-sauwetter5&cat=30)
Alter Langfinger

Um uns abzulenken, starten wir im schönsten Abendlicht eine Fotosession. Auf der einen Seite der Vulkan, auf der anderen geht der Vollmond auf. Dazwischen unsere bunten Zelte, es ist wunderschön! Auf einem kleinen Hügel teile ich mit Sven unsere Gipfel-Zigarillo, die er beim Aufstieg vergessen hatte.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Sauwetter8.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=68228&title=kamtschatka-sauwetter8&cat=30)
Sanitäre Anlagen mit Aussicht

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Sauwetter7.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=68227&title=kamtschatka-sauwetter7&cat=30)

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/Sauwetter1.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=68221&title=kamtschatka-sauwetter1&cat=30)
Ätsch, wir waren gar nicht wirklich in Kamtschatka

willo
06.01.2013, 23:31
01.08.2012

Unseren letzten tag am Tolbacik nutzen wir noch einmal für einen Ausflug in die Umgebung. Das Wetter ist heute wirklich schön und Regen nicht in Sicht. Wir laufen durch die immer noch atemberaubende Vulkanlandschaft über kleinere Hügel und durch sanfte Täler und über allem trohnt immer noch der majestätische Tolbacik der sich heute nochmal von seiner besten Seite zeigt. Da unsere Tour aber kein richtiges Ziel hat, zerfällt unsere Gruppe recht schnell in mehrere Kleingruppen.

Wieder am Lager nutzen wir die Zeit noch einmal für etwas Körperpflege und können uns sogar ein paar Stunden sonnen. Allerdings kommen heute immer mehr Touristen an und es wird ziemlich voll in lager und Hütte. Einige lassen sich sogar mit einem Hubschrauber einfliegen...

http://www.album.de/img1/big/235/23581753462580.jpg
kamtschatka (182 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358175/kamtschatka-182-von-199-.cfm)


http://www.album.de/img1/big/235/23581775980181.jpg
kamtschatka (184 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358177/kamtschatka-184-von-199-.cfm)

http://www.album.de/img1/big/235/23581789114636.jpg
kamtschatka (185 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358178/kamtschatka-185-von-199-.cfm)

http://www.album.de/img1/big/235/23581833037169.jpg
kamtschatka (189 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358183/kamtschatka-189-von-199-.cfm)

http://www.album.de/img1/big/235/23581857411634.jpg
kamtschatka (191 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358185/kamtschatka-191-von-199-.cfm)

http://www.album.de/img1/big/235/23581918252951.jpg
kamtschatka (197 von 199) von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/2358191/kamtschatka-197-von-199-.cfm)