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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [KG] Hochgebirgstrekking in Kirgistan Pt. 2



willo
08.07.2012, 15:27
Die ist der zweite Teil eines Reiseberichts über eine Trekkingreise nach Kirgistan. Der erste Teil ist momentan nicht online, da nicht zwischen allen Teilnehmern Einigkeit über den Bericht herrschte. Sollte sich diese Einigkeit noch herstellen, wird auch der erste Teil hier wieder veröffentlicht. Die vorliegende Tour haben Kati und ich alleine gemacht und auch den Bericht zu zweit geschrieben.

Prolog

Nach unserer ersten Tour in der großen Gruppe haben Kati und ich noch genug Zeit für eine zweite Trekking-Tour. Nach einiger Planung beschließen wir erneut in den Terskej Alatau zu wandern. Wir wollen den Teil der ursprünglichen Tour nachholen den wir in der größeren Gruppe ausgelassen haben und orientieren uns an den ersten Etappen aus dem Konrad Stein Trekkingführer.

Startpunkt ist wieder das Hotel Amir in Karakol, wo wir nach einem guten Frühstück - wieder mit Schweizer Käse - am Morgen des 13.8. in aller Frühe aufbrechen.
Mit dem Taxi geht es zum lokalen Busbahnhof um den Minibus nach Kyzyl-Suu zu nehmen. Der Busbahnhof sieht aus wie eine normale Bushaltestelle. Es steht bereits ein Kleinbus dort, in den wir einsteigen. Kurze Zeit später geht es in dem völlig überfüllten Fahrzeug in Richtung Kyzyl-Suu. Wie immer ist es super heiß und die ausgiebige Körperpflege im Hotel gerät schon auf der Anfahrt zum Trekkingtrip in Vergessenheit.
Kyzyl-Suu erweist sich, obwohl es die Provinzhauptstadt ist, als winziges aber belebtes Dorf entlang der Fernstraße. Wir kaufen an einem Kiosk noch zwei Flaschen Wasser und suchen uns dann ein weiteres Taxi, dass uns möglichst weit ins Kyzyl-Suu Tal bringen soll. Anders als in Karakol sind die Menschen hier Touristen anscheinend weniger gewöhnt und wir ziehen die Blicke der Einheimischen auf uns - vielleicht kann man aber auch nur schwer nachvollziehen, warum man bei einer solchen Hitze und mit großen Rucksäcken bepackt zu Fuß unterwegs ist.

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Die Taxifahrt geht ohne jegliche Kurven schnurgerade eine staubige Piste entlang immer aufs Gebirge zu. In der Mitte der Ortschaft Kyzyl-Suu (die untere und obere Ortschaft heißen gleich), lässt er uns aussteigen. Wir stehen auf einer staubigen Straße, rechts und links sind kleine Häuser, z.T. aus Holz - verschiedene Tiere, wie Esel, Pferde und Hühner tauchen hinter den Zäunen auf. Unter einem knorrigen Baum genießen wir den letzten Schatten für die nächsten Stunden und tragen Sonnenschutzcreme mit LSF 50 auf. Wir schätzen die Entfernung zum Vorgebirge auf ca. 10 km und machen uns auf den Weg.

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13.08.2011 - Tag 1

Die Landschaft hier ist recht grün und bietet einen starken Kontrast zur staubtrockenen Piste auf der wir laufen und den knallroten Bergen des Vorgebirges am Horizont. Wir laufen durch ein langgezogenes Dorf, dessen Hauptstraße mit einer Herde Pferde bevölkert ist, die sich in die Gegenrichtung fortbewegt. Kaum haben wir das Dorf verlassen treffen wir einen Jungen auf einem Esel. Nach einigen kurzen Gesprächsversuchen schliesst er sich uns an und erzählt uns permanent etwas auf kirgisisch. Immer wenn wir ihm erklären das wir das nicht verstehen, versucht er es kurze Zeit mit Händen und Gesten, wechselt dann aber ziemlich schnell wieder ins Kirgisische. Vor allem unser GPS scheint es ihm angetan zu haben. Er macht noch ein paar Fotos mit seinem Handy von uns und reitet weiter neben uns her. Die Landschaft kommt uns nach einigen Kilometern recht eintönig vor und das Gebirge nähert sich nur sehr langsam. Es ist heiß und staubig.

Nach einigen weiteren Kilometern verlässt uns dann auch der Junge auf dem Esel, da er ein paar ältere Jugendliche getroffen hat, die auf Pferden unterwegs sind. Wenigstens haben wir jetzt etwas Ruhe. Ein paar PKWs fahren an uns vorbei und bieten uns an, einzusteigen. Zugunsten der schönen Landschaft lassen wir die Gelegenheiten vorbeiziehen. Irgendwann später hält ein moderner Jeep neben uns und der Fahrer fragt uns zu erst auf Russisch, dann auf Deutsch wo wir denn hin wollen. Er kommt aus Kasachstan und hat mal in Deutschland gearbeitet und zeltet nun mit seiner Familie am Rande des Gebirges. Er fragt gar nicht, ob wir mitfahren wollen, sondern öffnet einfach die Ladeklappe, nimmt uns die Rucksäcke ab und verfrachtet uns in den klimatisierten Wagen. Leicht überrumpelt, aber dann doch glücklich nach zwei Stunden der Sonne und dem Staub entweichen zu können, gehen wir auf sein Angebot ein uns ein Stück mitzunehmen und verbringen so die restlichen Kilometer bis zum Gebirge im klimatisierten Jeep.

Nachdem die ersten schattenspendenden Bäume am Wegesrand auftauchen und der Fluss Kyzyl-Suu dicht an die Piste herankommt, lassen wir uns absetzen und machen eine Mittagspause. Da wir die untere Baumgrenze hinter uns gelassen haben gibt es sogar Schatten und wir können unsere Füße im kalten Wasser des Flusses kühlen. Nach einem letzten Blick in die Ebene, die wir gerade verlassen haben, schultern wir unsere Rucksäcke und gehen die nun felsige Piste weiter ins Gebirge hoch. Am Rande des Weges stehen überall Zelte in denen einheimische Familien das Wochenende verbringen. Es wird Ball gespielt und gegrillt, eine wirklich schöne Szenerie. Ab uns zu fahren PKWs an uns vorbei, auch ein Laster, vollbeladen mit Menschen zieht vorrüber. An einer deutlich in die Tage gekommenen Brücke, die über den Fluss führt, steigen alle vom Laster ab und hinter der Brücke wieder auf. Ich hebe ein Kind auf den Wagen und die Leute bieten uns an, mit auf den Laster zu steigen. Wir lehnen wieder ab, um die Landschaft genießen zu können.

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Gegen Nachmittag müssen wir laut unserem Buch eine heisse Heilquelle erreichen. Wir sind schon sehr gespannt und Kati spekuliert auf ein kleines Wellness-Erlebnis, es ist schließlich ihr Geburtstag. Nach ein paar Kurven finden wir die Quelle auch. Sie befindet sich in einem kleinem Gebäude, das zu einer Art Schwimmbad ausgebaut ist. Die befahrbare Piste endet hier uns es stehen einige Leute mit Handtüchern und Badekleidung ausgestattet vor dem Gebäude. Als wir den Badegästen erklären, dass wir auch in die Quelle möchten bricht ein heilloses Durcheinander aus. Wir sind schnell von Menschen umringt die wir aber leider kaum verstehen. Immer wieder macht man uns aber klar, dass diese Quelle etwas ganz besonderes ist und gegen jede vorstellbare Krankheit hilft. Einige der anwesenden sprechen sogar ein paar Brocken deutsch und sind total begeistert mit uns kommunizieren zu können. Wir sind ebenfalls begeistert von den netten Menschen und setzen uns auf eine Bank um abzuwarten was passiert. Nach einiger Zeit haben wir das System kapiert: Es gibt einen Pool für Männer und einen Pool für Frauen und es werden immer um die fünf Leute gleichzeitig ins Wasser gelassen. Wir verstehen allerdings nicht warum wir nicht reingebeten werden und warten weiter ab.

Nach einer Stunde, in der wir mit jeder Person auf dem Gelände gesprochen haben, die entweder ein paar Brocken Englisch oder Deutsch spricht und in der wir unsere Landkarte mit dem Streckenverlauf mehrfach gezeigt haben, tut sich etwas und wir scheinen an der Reihe zu sein. Schnell kapieren wir warum wir so lange warten mussten: Man hat abgewartet bis alle einheimischen Gäste fertig gebadet hatten und dann das Bad komplett geschlossen, damit Kati und ich gemeinsam in einen Pool können und nicht nach Geschlechtern getrennt in jeweils unterschiedliche Räume mussten. Damit alles seine Richtigkeit hat, wurden wir vorher gefragt, ob wir verheiratet seien, dann wird die Eingangstür direkt nach dem Betreten des Gebäudes von außen verriegelt. Wir fühlen uns etwas unbehaglich, ziehen uns dann aber Badesachen an und betreten das Wasser. Der Pool selber ist direkt in den Felsen gehauen und mit einigen Findlingen zum Sitzen ausgestattet. Das Wasser ist ziemlich heiss und stinkt extrem nach Schwefel. Nach ca. 10 Minuten wird es uns zu warm und wir verlassen das Becken wieder. Da die Aussentür aber immer noch abgeschlossen ist und niemand auf unser Klopfen reagiert nehmen wir noch ein zweites Bad. Nach einem erneuten Versuch und dem erfolglosen Versuch durch ein Fenster zu entkommen, auch noch ein drittes. Irgendwann öffnet sich die Tür wieder und wir können das Bad verlassen. Die Menschen draussen sind begeistert und wir versichern Gestenreich, dass das ein super Geburtstag für Kati war. Nachdem wir wieder angekleidet sind, serviert man uns noch ein super leckeres Essen. Da wir uns erfolgreich weigern können Milchprodukte zu essen und einer der Anwesenden der Köchin auch den Grund erklärt, frittiert diese uns ein paar frische Fladen und macht dazu einen leckeren Salat. Wir sind schwer begeistert und essen alles auf.

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Beim Abschied löst unsere Marschrichtung, Richtung Gebirge und nicht Richtung Tal, noch einmal ein letztes Unverständnis aus, aber nachdem alle Hände geschüttelt waren, geht es für uns weiter den nun recht unwegsamen Pfad entlang. Die meisten Menschen antworten uns, dass sie aus Karakol, Bishkek und der Umgebung kommen. Auch die große Gruppe vom Laster treffen wir wieder. Sie kochen über offenem Feuer in einem riesigen Topf. Wir lehnen aber ab und deuten Richtung Berge. Begeistert von der Freundlichkeit und Offenheit der Menschen hier im Gebirge, bedauern wir kein Kirgisisch oder Russisch zu sprechen, schreiten die letzten Reihen der Wochenendcamper ab und befinden uns bald in der einsamen Stille des Gebirges. Die letzten Sonnenstrahlen genießend, bauen wir unser Zelt auf einer kleinen Sandbank am Fluss auf und legen uns noch etwas ans Ufer um zu lesen und den ereignisreichen Tag Revue passieren zu lassen. Der Junge auf dem Esel, den wir am Anfang des Tages als Begleiter an der Seite hatten, reitet an uns vorbei, grüßt und zieht weiter in die Berge.

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14.08.2011

Der nächste Morgen wartet wieder mit schönem Wetter auf und verspricht erneut einen heissen, dafür aber trockenen, Tag. Nach einer kurzen Wäsche im eiskalten Fluss essen wir unser Müsli und packen zusammen. Die Landschaft ändert sich auf den nächsten Kilometern recht schnell und nach kurzer Zeit befinden wir uns wieder mitten im spärlich bewaldeten Hochgebirge. Der Weg ist gut zu erkennen und noch nicht besonders steil, sodass wir gut voran kommen. Wir haben heute geplant nicht auf direktem Wege zum Pass zu gehen, sondern erst in ein Seitental auf 2800m aufzusteigen, um eine bessere Höhenanpassung zu haben. Der direkte Weg zum Pass ist laut unserem Buch zu steil zum Zelten, außerdem ist der Fuß des Passes noch über 1200 Höhenmeter über unserem derzeitigen Punkt. Die Übernachtungsplätze sollten jeweils nur ca. 700 Höhenmeter höher liegen, alles darüber kann zu Höhenkrankheit führen. Das wollen wir uns ersparen, es soll schließlich Spaß machen. An der Kreuzung zwischen dem Seitental in das wir uns bewegen und dem Aufstieg zum Pass, den wir einen Tag später nehmen wollen, treffen wir eine große Gruppe Jugendliche die ebenfalls mit Trekkingrucksäcken ausgerüstet sind und offensichtlich über den Weg beratschlagen. Wir kommen schnell ins Gespräch und sie stellen sich als russische Jugendorganisation, die eine Jugendfreizeit im Gebirge machen vor. Die beiden Betreuer sprechen recht gut Englisch und eine Verständigung ist problemlos möglich. Anders als wir wollen sie heute noch bis zum Pass hoch und keine Akklimatisierungsstufe einlegen. Obwohl sie sehr gut ausgerüstet scheinen, haben sie nur eine sehr schlechte Karte auf einem DIN A4 Blatt dabei. Da es ihr erster Tag im Hochgebirge ist, raten wir ihnen von dem Plan über 1000 Höhenmeter mit den Jugendlichen aufzusteigen ab, aber sie haben ihren Plan und wollen den durchziehen. Nachdem wir mit unserer Karte kurz ausgeholfen haben, trennen sich unsere Wege an einer Behelfsbrücke aus einigen Baumstämmen.

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Beim Gang über die Brücke erlebt Kati eine Schrecksekunde: Ihr GPS löst sich vom Schultergurt und fällt zwischen dem Baumstämmen durch in Richtung Wasser. Glücklicherweise verfängt sich die Handschlaufe an einem Ast und das GPS baumelt 20cm unter der Brücke wo Kati es retten kann.

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Weiter geht es in das erste Hochtal in dem sich eine Wetterstation befindet. Der Betreiber erklärt uns das er jeden Tag zweimal die Werte abliest und mit einem Pferd in Richtung Tal reitet um die Werte durchzugeben sobald er Handyempfang hat - jeden Tag. Auf den Wiesen im Hochtal grasen sehr kleine Rinder und einige größere Herden Pferde. Das obere Ende des Tales besteht aus einer Art Flussdelta und ist ziemlich sumpfig. Wir müssen mehrfach unseren Weg korrigieren, bis wir schließlich das Ende erreichen und in das zweite Hochtal aufsteigen können. Der Weg dorthin ist recht beschwerlich da es irgendwie neben dem Fluss entlang zu kraxeln gilt und das Wasser oft so dicht an den steilen Fels kommt, dass wir ein Stück zurück müssen um die Stelle weiträumig zu umklettern. Da das Wetter aber stabil bleibt und die Landschaft herrlich ist, stören uns diese Hindernisse nicht weiter und wir erreichen gegen Nachmittag das zweite Hochtal an dessen Ende sich das mit Gletschern überzogene Yeti Öguz Massiv erhebt.

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Gegen 15 Uhr erreichen wir bereits eine Stelle, an der wir unser Zelt aufbauen, direkt am fließenden Wasser. Eine größere Herde Pferde, die nach einiger Gewöhnungszeit kaum noch Notiz von uns nimmt, steht in der Nähe. Ich lege mich vors Zelt und lese, Kati steigt noch 250 m höher, um einen Blick in ein angrenzendes Hochtal werfen zu können. Von dort aus soll man riesige Gletscher sehen können. Da die Sonne schon langsam untergeht, macht sie sich nach einem kurzen Blick ins Hochtal wieder an den Abstieg. Bevor wir schlafen gehen treffen wir noch einen Reiter mit einem leeren 100l Tatonkarucksack und einem Gewehr. Er erklärt uns das er auf Murmeltierjagd geht.

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15.08.2011

Die Nacht schien recht kalt gewesen zu sein denn am Morgen sind die Blüten und Gräser mit Raureif überzogen. Da wir erst den Weg bis zur Kreuzung hinter der Wetterstation zurück wollen, um dann die eigentliche Tagesetappe hoch zum Archa-Tor-Pass in Angriff zu nehmen, stehen wir sehr früh auf und das ganze Tal liegt noch im Schatten. Wegen der Kälte Frühstücken wir recht schnell und machen uns kurze Zeit später auf den Weg. Obwohl es hauptsächlich bergab geht, kommen wir durch die Kletterpassagen am Fluss nicht wirklich schnell voran. An einer Stelle steht uns eine Herde Pferde im Weg, die nicht ausweichen möchte. Normalerweise würde man einen Bogen gehen, aber bei dieser Herde müssen wir einige Minuten warten bis die Leittiere uns passieren lassen. Wir erreichen die Wetterstation nach ca. 2 Stunden zum Sonnenaufgang. Die Frau des Betreibers zeigt uns einen umgefallenen Baum der über dem Fluss liegt. Wenn wir hier den Fluss queren sparen wir den weiteren Abstieg bis zur Brücke und den Aufstieg bis zu dieser Stelle auf der anderen Seite des Flusses. Nach kurzer Beratung balanciere ich über den Baum und muss gestehen wirklich Angst gehabt zu haben. Der Baum sieht zwar vertrauenserweckend aus, ist aber wackelig und die Strecke bis ans andere Ufer recht lang, dazu haben wir die Rucksäcke auf. Nach ein paar Minuten Herzklopfen haben wir es geschafft und finden uns direkt am Anstieg zur oberen Baumgrenze wieder, auf dem Weg ins Karabatkaktal. Der Pfad ist hier einfach zu gehen und schlängelt sich in weiten Serpentinen nach oben. Da die Sonne mittlerweile recht hoch am Himmel steht, ist es heiß und trotzdem recht kräftezehrend. Leider verschwinden die Serpentinen mit der Zeit und der Pfad biegt irgendwann in ein weiteres Hochtal ab, weg vom Pass. Wir müssen also ohne Pfad auskommen und uns den Weg selber suchen. Der Punkt an dem wir ankommen wollen, ist recht schnell ausgemacht, der optimale Weg dahin allerdings nicht. Überall versperren nahezu unpassierbare Wacholderfelder den Weg und auch der Tipp aus dem Buch sie nach oben hin zu umgehen ist wenig hilfreich, da sie sich mittlerweile bis nach ganz oben ausgebreitet haben. Wir brauchen ein paar Stunden um dieses Hindernis zu überwinden und machen schliesslich eine erste Rast auf ca. 3200m Höhe. Unter uns das Tal mit dem Fluss und über uns der Rest eines steilen Buckels hinter dem der eigentliche Pass liegen sollte.

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Wir beobachten ein paar Murmeltiere aus der Ferne und machen uns wieder auf den Weg, der uns steil nach oben führt. Nachdem wir oben auf einem Buckel ankommen erwartet uns eine Überraschung: Wir treffen die russische Jugendgruppe wieder - zerstreut über mehrere Kilometer. Wegen einsetzender Höhenkrankheit und weil die Dunkelheit sie irgendwann einholte, mussten sie am Hang zelten und haben es nicht bis zum Pass geschafft. Den wollen sie heute aber noch in Angriff nehmen. Wir versuchen Ihnen das auszureden und schlagen vor am Pass zu zelten und ihn Morgen gemeinsam zu überwinden. Die Jugendlichen haben sowieso Kopfschmerzen, einige sind am Erbrechen und daher von dem Vorschlag recht angetan. Also sammeln wir gemeinsam den Rest der Truppe ein und schlagen unsere Zelte auf einer kleinen aber flachen Ebene am Fuß des nun sichtbaren Passes auf. Die Scharte ist immerhin noch ca. 500m über uns auf 4000m Höhe. Die Jugendlichen finden es toll Englisch und deutsch mit uns sprechen zu können und berichten uns von ihrem „Leidensweg“ des Vortages.

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Da es erst Nachmittag ist, haben wir noch einiges an Zeit um etwas auszuspannen. Wir unterhalten uns mit den Jugendlichen über ihre Tour und sie erklären uns das sie offiziell Astronomen sind und den Sternenhimmel erkunden wollen. Auf diesem Weg hat ihnen irgendeine russische Organisation die Reise bezahlt. Zwei der Jugendlichen sprechen sehr gut Deutsch und ich schenke ihnen unseren Tourguide, da sie im Gegensatz zu uns die Tour komplett bis zum Ende machen wollen - also auch den Teil den wir vorher schon gewandert sind. Am frühen Abend brechen die Jugendlichen zu einer Übungseinheit in Sachen Bergsteigen auf. Mit Helmen, Seilen und Eispickeln ausgerüstet nehmen sie im Gänsemarsch einen der angrenzenden Hänge in Angriff.

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Kati geht runter zum Fluss um zu lesen und ich gehe in Richtung Pass, um ein paar Fotos zu machen und zu erkunden ob ein Pfad erkennbar ist den wir Morgen nehmen können. Auf der Suche nach einer Position für ein gutes Foto komme ich immer dichter an den Pass ran und schliesslich immer weiter nach oben. Auf halber Passhöhe überlege ich zum ersten Mal, ob das ganze irgendwie gefährlich werden könnte, da ich nur Watschuhe anhabe und weder Wasser noch lange Klamotten dabei habe. Ich setze mir ein Limit von 30 Minuten und gehe weiter. Exakt 30 Minuten später stehe ich oben auf dem Pass und bin hin und weg vom Ausblick der sich mir bietet. In jede Richtung sehe ich nur Gletscher und Berggipfel im Abendlicht leuchten - herrlich. Leider habe ich starken Durst und mir wird auch langsam kalt, sodass ich mich zügig an den Abstieg mache. War mein leichtes Schuhwerk beim Aufstieg irgendwie kaum ein Problem, wird der Abstieg deutlich schwieriger. Ständig rutsche ich im losen Gestein weg und trete auf spitze Steine die sich durch die Sohle drücken. Nach insgesamt drei Stunden Exkursion erreiche ich kurz nach Sonnenuntergang, aber wieder heil das Lager, allerdings mit recht ramponierten Schuhen. Während wir unser Abendessen einnehmen, gibt es für die Jugendlichen nur Tee aus einem großen Kessel, aus dem sie uns etwas abgeben. Sie bereiten erst gegen 21.30 Uhr ihre warme Mahlzeit. Da es sehr schnell sehr kalt wird, kriechen wir bald in unser Zelt. Da die Ebene zwar relativ gerade ist, aber relativ gerade immer noch schräge ist, müssen wir vor die Eingangsseite des Zeltes noch ein paar dicke Steine rollen, damit wir nachts nicht anfangen das Zelt aufzurollen. So verbringen wir eine äusserst schräge Nacht, die aber ansonsten recht erholsam ist, trotz der großen Höhe.

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16.08.2011

Am nächsten Morgen stehen wir super früh auf und finden das Lager der Russen noch vollkommen verschlafen vor. Nur eine Betreuerin ist wach und erklärt uns, dass die Jugendlichen ausschlafen sollen, um ihre Kopfschmerzen auszukurieren. Wir machen uns also nach dem Frühstück und der Morgenwäsche im Fluss allein auf den Weg. Mit Gepäck ist der Pass bedeutend anstrengender und auch die Trittsicherheit leidet deutlich durch den Rucksack. Nach zwei wirklich sehr anstrengenden Stunden stehen wir gegen 8.30h oben auf dem Archa-Tor-Pass und geniessen die Aussicht aus 4000 Metern Höhe. Das Wetter ist immer noch gut, aber aufziehende Wolken lassen das Zeitfenster für den Aufstieg und den folgenden Abstieg zusammenschmelzen. Wir hoffen dass die Jugendlichen sich bald auf den Weg machen und werfen noch einen letzten Blick auf das als winzige Punkte erkennbare Lager. Für uns beginnen nun 1200 Höhenmeter Abstieg ins Djeti-Ögüz-Tal. Der Abstieg auf der anderen Seite wurde im Buch als eine der Schlüsselstellen der Tour beschrieben und ohne Stöcke als kaum machbar dargestellt. Da wir keine Stöcke dabei haben, hatten wir vor dieser Stelle schon im Vorfeld gehörigen Respekt. Zumindest bei diesen Wetterverhältnissen erweist sie sich jedoch als relativ harmlos: Die ersten 100 m sind zwar wirklich extrem Steil, aber die schlimmsten Stellen kann man einfach in der Hocke mit dem losen Geröll nach unten rutschen. Ein Murmeltier, dass sich von uns gestört fühlt, schimpft lautstark mit uns. Auf der anderen Seite des Passes sehen wir die Reste eines größeren Gletschers der sich die letzten Jahre kontinuierlich zurückgezogen hat. Die Gletscherzunge ist einige hundert Meter von der Endmoräne entfernt und der Klimawandel so direkt erfahrbar.

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Der Weg durch das anschliessende Hochtal ist super schön und die Landschaft durch den kontinuierlichen Abstieg sehr abwechslungsreich. Bald sind wir nicht mehr von Eis und kargem Fels, sondern von Wacholder, Wiesen und auch ersten Gestrüpp umgeben und auch die ersten Pferdeherden erscheinen am Horizont. Beim Passieren der oberen Baumgrenze zieht sich der Himmel binnen Minuten zu, wir verzichten an dieser Stelle auf eine Mittagspause, weil es anfängt recht stark zu regnen. Am Ende des Hochtals müssen wir einen ziemlich steilen, durch den Regen glitschigen Weg, der hauptsächlich durch Büsche führt, ca. 400 Höhenmeter ins Tal absteigen. Kurz bevor wir unten sind klart es jedoch noch einmal kurz auf und uns bietet sich ein atemberaubender Blick auf den mäandrierenden Oberlauf des Djeti-Öguz Flusses an dessen Unterlauf wir unsere erste Tour begonnen hatten. Auch die imposanten Gletscher des über 5000 m hohen Zentralmassives.

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Unten am Fluss angekommen machen wir eine letzte Rast im Sonnenschein und setzen dann bei erneut einsetzenden Regen unseren Weg fort. Das Wetter ist jetzt wirklich ungemütlich und wir hoffen, dass die Jugendgruppe in eine der beiden Richtungen abgestiegen ist. Zwischen den Regen mischt sich immer wieder etwas Schnee und Hagel. Ausser dass es nass und ungemütlich ist, stört uns das Wetter hier im Tal aber nicht weiter und wir laufen weiter den Fluss entlang.

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http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/kirgistan_33_von_36_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=56169&title=kirgistanterskej-alatau&cat=30)

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/kirgistan_34_von_36_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=56170&title=kirgistanterskej-alatau&cat=30)

Nach einer Weile werden wir von einer Hirtenfamilie in deren Sommerjurte eingeladen, um dem einsetzenden Hagel zu entfliehen, uns etwas zu trocknen und uns bei Brot und Tee zu stärken. Im Zelt heizt ein kleiner Ofen vor sich hin. Es sind gefühlte 30 Grad im Inneren. Dort erklärt man uns, dass die einzige Brücke über den Fluss im Frühjahr weggespült wurde und wir ein großes Problem haben. Man bietet uns an, uns mit einem Pferd über den Fluss zu setzen der direkt vor der Jurte verläuft. Als wir jedoch den Preis hören, den sie dafür haben wollen lehnen, wir dankend aber bestimmt ab und gehen zu Fuss weiter den Fluss entlang. An eine Querung des Flusses ist absolut nicht zu denken, er ist ca. 15m breit und über einen Meter tief und hat eine sehr starke Strömung. Auf eine harte Probe werden wir gestellt, als uns ein recht breiter Zufluss auch noch den weiteren Weg Richtung Tal abschneidet. Zumindest wissen wir nun warum die Hirtenfamilie keine Kompromisse beim Preis für den einminütigen Ritt auf dem Pferd eingehen wollten: Sie waren sich sicher das wir zurück kommen würden. Nach einiger Beratschlagung, entscheiden wir die Schuhe auszuziehen, in die Watschuhe zu schlüpfen und durch den Seitenarm zu gehen. Beim Ausziehen der Schuhe fängt es erneut an heftig zu regnen und zu hageln. Langsam wird es nervig, aber können den Seitenarm sicher durchwaten. Die nächsten zehn Kilometer lassen sich leicht beschreiben: Langweilig, aber unbeschwerlich. Im Nieselregen geht es über sumpfige Wiesen, Weiden und schmale Pfade, immer dicht am Flussufer entlang. Es kommt sogar wieder Wald, der wie Urwald beschaffen ist. Überall wo Erde und Felsen aufeinandertreffen, ist es glitschig. Es tropft von den Bäumen und ist schwül. Nach einigen Stunden hört wenigstens der Regen auf und das Wetter wird wieder besser. Nach einiger Zeit erblicken wir auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses uns bekannte Aussichten. Wir entdecken den Platz an dem wir zu Beginn unserer Reise in der größeren Gruppe die erste Nacht verbracht haben. Wir schlagen uns weiter durch den Urwald und die Büsche, bis der Weg irgendwann wieder ein Fahrweg, kein Pfad mehr ist. Am Ende dieses Weges erreichen wir ein Gehöft und eine Brücke, nach deren Querung wir uns uns auf dem Pfad befinden, auf dem wir vor fast zwei Wochen unsere Trekkingtour in Kirgistan begonnen hatten. An einer ruhigen Stelle bauen wir unser Zelt auf. Kurz nach dem Aufbau kommt eine kleine Gruppe russischer Alpinisten vorbei und wirft einen Blick auf unsere Landkarte, in der Hoffnung den Einstieg zu einem bestimmten Hochtal mit Gletscher zu finden. Sie zelten dann ein paar Meter neben uns im Wald und machen Feuer. Einer aus der Gruppe kommt nochmals zurück, weil er es spannend findet zu erfahren, woher wir kommen und in welchen Gebirgen der Welt wir bisher waren. Er schlägt uns vor den Pamir zu bereisen. Auch unsere Ausrüstung stößt auf Interesse. Der restliche Abend gestaltet sich mit Waschen und Essen. Dann verbringen wir unsere letzte Nacht im Terskej Alatau Gebirge.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/kirgistan_35_von_36_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=56171&title=kirgistanterskej-alatau&cat=30)

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/kirgistan_36_von_36_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=56172&title=kirgistanterskej-alatau&cat=30)

17.08.2011

Am nächsten Morgen frühstücken wir bei schönem Sonnenschein und lassen die nassen Sachen vom Vortag in der Sonne trocknen bevor wir aufbrechen. Wir können es langsam angehen lassen, denn es ist nicht viel geplant für denTag. Beim Abstieg kommen wir an verschiedenen Yurt-Camps vorbei, in denen Gäste übernachten können. Nach zwei Stunden Fussmarsch stossen wir auf eine Gruppe von Personen, die wie Tagestouristen aussehen. Es sind französische Touristen, die mit ihrem Kleinbus bis zu einem Yurt-Camp gefahren sind, um dort zu übernachten. Sie interessieren sich für unsere Wanderung, erfragen jedes Detail, lassen sich die Wanderkarte zeigen. Nachdem wir uns eine knappe Stunde mit ihnen unterhalten haben, werden wir von ihnen in ihrem Kleinbus mitgenommen. Am Ende des Tals machen sie Fotos von den 7 Bullen (den roten Felsen) und lassen sich mit einem gefangenen Adler am Straßenrand ablichten. Sie fahren uns direkt nach Karakol und wir checken schon gegen Mittag wieder im Hotel Amir ein. Hier planen wir zusammen mit der netten Dame an der Rezeption noch unseren Transport zum Song-Kul (See) den wir unbedingt noch sehen wollen. Den Rest des Tages verbringen wir mit Eis essen, lesen und faulenzen.


Im Anschluss sind wir noch für zwei Tage zum Song-Kul gereist. Ich bemühe mich den Bericht (und vor allem die Fotos) noch vor meiner diesjährigen Tour hier im Thread zu veröffentlichen.

codenascher
08.07.2012, 18:40
Ein sehr schön geschriebener Bericht mit echt schönen Fotos. Vor allem dieses hier:

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/30/thumbs/kirgistan_24_von_36_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=56160&title=kirgistanterskej-alatau&cat=30)

Genau die richtige Lektüre zum Einstimmen auf nächste Woche ;-) Dankeschön

peter-hoehle
09.07.2012, 11:01
Danke Kati und Heiko

Ein sehr schöner Reisebericht mit tollen Foto`s

Gruß Peter

November
09.07.2012, 15:38
Danke. Erinnert mich wieder sehr an die Reise, die ich vor vielen Jahren dort gemacht habe.

willo
09.07.2012, 18:47
Wo genau warst Du denn? - Auch eine Trekkingtour?

Abt
09.07.2012, 21:00
Danke Willo und Kati. Sehr schöne Bilder von Traumlandschaften.

Wer und wie?.... entwerft und plant ihr eure Touren von zu hause?
Wie d.h. in welcher Sprache verständigt ihr euch unterwegs?

Gibt es da oben in den Bergen besondere Minerale, Kristalle bzw Edelsteine?

winnetoux
09.07.2012, 21:32
Es gibt Gold, und wenn man nicht aufpasst, versaut man mit dem Abbau die schöne Traumlandschaft. Stichwort: Kumtor.

Bücher zu verschenken ist immer gut.

willo
09.07.2012, 21:52
Wer und wie?.... entwerft und plant ihr eure Touren von zu hause?
Wie d.h. in welcher Sprache verständigt ihr euch unterwegs?




Die Tour haben wir von zu Hause geplant, wobei einen Großteil der Planung ein Mitreisender der ersten Tour gemacht hat. Der konnte russisch sprechen was vieles einfacher machte.
Den Teil der Tour über den wir hier berichten haben wir spontan mit einer Tourenbeschreibung (Besagtes Buch) geplant. Auch ohne Sprachkenntnisse haben wir keinerlei Probleme gehabt, allerdings entgehen einem wohl viele interessante Eindrücke wenn man sich mit den Menschen vor Ort kaum verständigen kann. Dafür war es um so netter wenn es doch irgendwie ging...
Auf der Tour im Altai hat keiner der Mitreisenden Russisch gesprochen und wir hatten auch keine größeren Probleme, von der Einreisebehörde mal abgesehen...
Das schwierigste an der Planung für eine solche Tour ist meines Erachtens die Anreise und Abreise. Also vom Flughafen bis zur Trekkingdestination - wobei der Transport in Kirgistan (auch dank der super freundlichen Menschen dort) sehr einfach war.

Abt
11.07.2012, 13:07
Da es hier über Regionen wie Kirgisien nicht allzu häufig Beiträge gibt, würde ich es als Benutzer des Forums sehr begrüßen, wenn es auch von den anderen Teilnehmern dieser Fahrt einen Beitrag gibt oder zu einer Zusammenarbeit zwischen euch kommt.

Ein Frage an alle Beteiligten,- Habt ihr etwas von diesem sagenumwogenen Heilsalz der Höhlen gehört, mitgebracht oder so?

willo
11.07.2012, 13:24
Ich habe von einem Heilsalz leider nichts gehört.

Abt
11.07.2012, 13:53
Ich suche nach dem Begriff..... Mumijo ? .... oder so ähnlich. Das ist eine Ablagerung in Höhlen Mittelasiens.

simurgh
11.07.2012, 14:20
Mumijo (http://de.wikipedia.org/wiki/Mumijo) ist sicherlich gemeint.

karlblossfeld
13.07.2012, 11:45
Super, der Bericht kommt gerade zur rechten Zeit, die Tickets nach Bishkek sind gebucht und geplant ist noch nix...Danke fürs teilen, die Bilder machen richtig Lust!
Du schreibst von einem "Buch" das ihr dabei hattet? Um welches Buch handelt es sich den genau?

RockingKatja
18.07.2012, 19:10
Was für ein toller Bericht, der durch die Wahnsinnsbilder noch ergänzt wird. Kirgisien steht bei mir auch auf der Liste. Ihr scheint ja mit Deutsch und Englisch gut durchgekommen zu sein. Lohnt es sich das Russisch etwas aufzufrischen? Immerhin hatte ich es 7 Jahre in der Schule. Trotzdem eigentlich alles vergessen :D

leobuck
18.07.2012, 22:23
Der Bericht und die Bilder sind ja nahezu pervers. :ignore:

Super geil!

Danke dafür!!

Tie_Fish
28.07.2012, 10:48
Sehr schöner Bericht. Vielen Dank! Nach Skandinavien kommt das dran, da bin ich mir sicher! 5sterne

Kaminkatze
02.08.2012, 20:59
Was für ein toller Bericht, der durch die Wahnsinnsbilder noch ergänzt wird. Kirgisien steht bei mir auch auf der Liste. Ihr scheint ja mit Deutsch und Englisch gut durchgekommen zu sein. Lohnt es sich das Russisch etwas aufzufrischen? Immerhin hatte ich es 7 Jahre in der Schule. Trotzdem eigentlich alles vergessen :D
Hallo Katja,
auf unseren zwei Reisen durch Kirgistan machten wir sehr unterschiedliche Spracherfahrungen. Im östlichen Teil (Richtung Isykul und Karakol) ging es noch mit Russisch, wenn auch immer weniger - wir waren aber auch im Alai und in Zentral-Kirgistan (im Schwarzwassertal) - dort ging weder mit englisch (ausser einer Studentin aus Bishkek, die zu Gast bei ihrer Familie war bzw. bei dem Sohn eines Tourguides) und kaum mit Russisch weiter. Letzteres war in Grundzügen noch vorhanden, aber viel Reden ging nicht mehr wirklich. Auf den Almen kam man nur mit Kirgisisch, Usbekisch oder Turkmenisch weiter...und mit Händen und Füßen.
gruesse
simone
@willo: Eure Bilder verstärken meine Kirgistan-Sehnsucht wieder...

Kati79
05.08.2012, 11:39
Wir haben häufig Hände und Füße und vereinzelte Worte wie Palatki für "Zelt" benutzt, um uns verständlich zu machen. Mit Zettel und Stift geht auch viel, aber tiefere Gespräche sind natürlich nicht möglich. Auffallend ist aber durch die Reihe durch gewesen, dass die Menschen ein Interesse an Fremden hatten. Sie wollten uns verstehen, wollten wissen, wo wir herkommen, was wir genau machen in Kirgistan und wie es uns gefällt. Auch in Geschäften, Restaurants oder bei Taxis oder Unterkünften, wenn es mit sprechen nicht ging, hatten die Menschen dort trotzdem ein erhöhtes Bedürfnis danach, gastfreundlich zu sein und uns weiterzuhelfen. War für mich eine völlig neue Erfahrung. Die Freundlichkeit und Offenheit ist uns ab Flughafen überall begegnet. Und genau deswegen ist es extrem angenehm in Kirgistan zu reisen, auch ohne festen Zeitplan und vorgebuchte Unterkünfte.

Das Buch zu dem Weg den wir gegangen sind, heißt "Kirgistan: Terskej-Alatau-Traverse / Trekking im Tienschan: Von Kyzyl Suu nach Ak Suu. Trekking im Tierschau" und ist von Kay Tschersich.

Tie_Fish
19.08.2012, 12:05
Darf man fragen, wie ihr nach Biskek und zurück gekommen seid, wann ihr wo bei welcher Airline gebucht habt und was das gekostet hat? Wie ich sehe sind An- und Abreise die grössten Motten in der Reisekasse...

Ökologisch (und sicher auch in vielerlei anthropologischer Sicht) wäre eine Bahnfahrt (5.000km :o) sicher vorzuziehen.

Wieviel Wasser muss man mit sich führen bzw. kann man das Wasser in den Talschlüssen problemlos trinken? (die weiße Brühe auf den Bildern sieht stark nach Gletschermilch aus)

Könnt ihr kurz in drei Worten sagen, wo ihr vorher schon gewesen seid? Nur um auf der Karte man nachzuzirkeln? Achja, und welche Karte(n) habt ihr genutzt - die vom DAV?

1001 Dank!

willo
19.08.2012, 18:14
Darf man fragen, wie ihr nach Biskek und zurück gekommen seid, wann ihr wo bei welcher Airline gebucht habt und was das gekostet hat? Wie ich sehe sind An- und Abreise die grössten Motten in der Reisekasse...

Ökologisch (und sicher auch in vielerlei anthropologischer Sicht) wäre eine Bahnfahrt (5.000km :o) sicher vorzuziehen.


Kati und ich sind von Berlin aus mit Aeroflot. Das hat ca. 700€ gekostet. Wir haben den Flug über billigflieger.de gesucht.
Einige der anderen Teilnehmer sind tatsächlich mit der Bahn angereist. Teils von Österreich, teils von moskau. Genaueres weiss ich da aber nicht.



Wieviel Wasser muss man mit sich führen bzw. kann man das Wasser in den Talschlüssen problemlos trinken? (die weiße Brühe auf den Bildern sieht stark nach Gletschermilch aus)

Könnt ihr kurz in drei Worten sagen, wo ihr vorher schon gewesen seid? Nur um auf der Karte man nachzuzirkeln? Achja, und welche Karte(n) habt ihr genutzt - die vom DAV?



Wasser war nie ein Problem, durch jedes Tal lief ein Fluss. Manche haben entkeimt manche nicht. Mehr als eine Literflasche hatte ich nie dabei.

Über meine letzten größeren Touren kannst Du links unter "Meine Reisen" etwas nachlesen. Als Karte haben wir eine selbstgedruckte Militärkarte aus den 80ern dabeigehabt (gibts auf Mapstore), sowie den Reiseführer aus dem Stein verlag. Hat beides mehr als gereicht, Größtenteils gab es einen gut zu erkennenden Trail (unmarkiert) und nur bei einigen wenigen Abzweigern musste man die Karte hinzuziehen oder im Buch nachlesen.

Kati79
19.08.2012, 19:25
In Bishkek gibt es eine Buchhandlung in der man noch andere Karten kaufen kann. Die sind ganz schön zur Übersicht, hatten aber nicht viel neue Informationen beizutragen.

FARIF
27.11.2014, 12:07
ah jaa, das kyzyl-zu-tal.. hatte es gar nicht gelesen und dann doch an der baumstammbrücke erkannt. schön. lustigerweise war ich dort ein nur paar tage später im rahmen einer expedition zum karabatkak, der dort hinten im tal so majestätisch thront. immer wieder erstaunlich war für mich, wieviel touris dort langwandern. in der nähe des akshiirak-massivs richtung china sind wir wie selbstverständlich mit "grüß gott" begrüßt worden, als wir von unserer schneedichtemessung herabgestiegen kamen. und eine französische gruppe wollte sich weiter östlich von uns benzin für ihre kocher borgen..:o

marphin
31.01.2015, 16:08
mensch mensch mensch, was hast du da angestellt? nach lesen deines berichtes wurde sofort (und zwar sofort) der outdoor-reiseführer aus dem stein-verlag gekauft und seitdem wird die freundin quasi 24/7 bearbeitet, dieses jahr mal nordeuropa/skandinavien gegen kirgistan zu tauschen....

Tie_Fish
01.02.2015, 11:48
mensch mensch mensch, was hast du da angestellt? nach lesen deines berichtes wurde sofort (und zwar sofort) der outdoor-reiseführer aus dem stein-verlag gekauft und seitdem wird die freundin quasi 24/7 bearbeitet, dieses jahr mal nordeuropa/skandinavien gegen kirgistan zu tauschen....

Hihihi, bei mir dito! :lol: Ich habe noch den kleinen Vorteil eine deutsche Tante zu haben, die aus Bishkek stammt. Das mit der Einladung und dem Visum wird also recht einfach gehen. :p

Weiß jemand, ob man seinen Hund mitnehmen kann und sollte?

willo
01.02.2015, 15:10
Seit 2013 braucht man kein Visum mehr.

Tie_Fish
01.02.2015, 15:21
Seit 2013 braucht man kein Visum mehr.

Diese komische Einladung auch nicht? Cool. Ich lasse mich trotzdem einladen, soll gutes Essen dort geben :bg:

willo
01.02.2015, 18:10
Ne, Reisepass genügt.

Tie_Fish
01.02.2015, 18:15
OK, danke, dann werde ich meine Informationen mal mittels Auswärtigem Amtes wieder etwas auffrischen. Mal sehen, was es alles für lustige Impfungen gibt, mit denen man sich vorher vollpumpen lassen soll :-)

Hat jemand zu der Hundefrage eine Ahnung? Kann ich die Fußhupe mitnehmen? Sollte ich?

tob
26.02.2015, 22:01
Danke für diesen Bericht, die Fotos machen echt Lust!

Wir spielen mit dem Gedanken eine Fahrradtour in Kirgistan zu machen. Allerdings, nachdem wir einen Blick auf die Sicherheitshinweise vom Auswärtigen Amt (http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Laenderinformationen/00-SiHi/Nodes/KirgisistanSicherheit_node.html) und auch der Briten (https://www.gov.uk/foreign-travel-advice/kyrgyzstan/safety-and-security) geworfen haben, waren wir uns nicht mehr sicher.

Was ist denn eure Einschätzung?

willo
26.02.2015, 22:51
Die Warnungen gelten alle für den absoluten Süden, der Norden ist meiner Erfahrung nach frei von jeglichen politischen/sozialen Spannungen.

Allerdings würde ich mir eine Fahrradtour gut überlegen. Es gibt dort nur wenige Strassen und die sind sehr stark befahren und in schlechter Qualität und alles ist sehr staubig. Abseits der Strassen geht es meist direkt ins Hochgebirge und mit einem Reiserad und Gepäck kommt man da nicht weit.

Habe jetzt nochmal die britische Seite komplett gelesen: Steht da irgendwas was nicht für jedes nicht westliche Land gilt?

Tie_Fish
01.03.2015, 14:45
Danke für diesen Bericht, die Fotos machen echt Lust!

Wir spielen mit dem Gedanken eine Fahrradtour in Kirgistan zu machen. Allerdings, nachdem wir einen Blick auf die Sicherheitshinweise vom Auswärtigen Amt (http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Laenderinformationen/00-SiHi/Nodes/KirgisistanSicherheit_node.html) und auch der Briten (https://www.gov.uk/foreign-travel-advice/kyrgyzstan/safety-and-security) geworfen haben, waren wir uns nicht mehr sicher.

Was ist denn eure Einschätzung?

Das Video von Kyle Dempster kennst du, oder? Das sagt mir alles, das sagt mir alles...

DhFx17s4a2E

tob
01.03.2015, 20:20
Die Warnungen gelten alle für den absoluten Süden, der Norden ist meiner Erfahrung nach frei von jeglichen politischen/sozialen Spannungen.

Allerdings würde ich mir eine Fahrradtour gut überlegen. Es gibt dort nur wenige Strassen und die sind sehr stark befahren und in schlechter Qualität und alles ist sehr staubig. Abseits der Strassen geht es meist direkt ins Hochgebirge und mit einem Reiserad und Gepäck kommt man da nicht weit.

Habe jetzt nochmal die britische Seite komplett gelesen: Steht da irgendwas was nicht für jedes nicht westliche Land gilt?

Du hast Recht, die meisten Warnungen beziehen sich auf den Süden. Ich hatte überhaupt kein Bild von Kirgistan und habe mich deshalb etwas von diesen Sicherheitshinweisen abschrecken lassen.

Danke auch für die Info über den Straßenzustand. Vielleicht verlagern wir uns eher etwas weiter nach Norden Richtung Kasachstan wo es etwas flacher ist. Mal schauen.

@Tie_Fish Danke! Ich habe dieses Video vor ein paar Jahren auf der EOFT gesehen, hatte aber vergessen dass er in Kirgistan unterwegs ist.