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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Schnur und Seil



McArl
21.02.2012, 16:29
Hey ho!

Wie haltet ihr das mit Schnüren und Seilen, wenn ihr auf Wanderung geht...
Schnur für etwaiges Festbinden diverser Dinge, als Ersatz-Schuhbänder, etc..
Seil (?) zum Furten...

Habt ihr da spezielle Schnüre? Welche Dicke? Wie lang?
Ist es sinnvoll in Island ein Seil zum Furten mitzunehmen (keine Bäume... Nur eventuell erhoffte größere Felsen)?

Grüße

McArl

Vindalf
21.02.2012, 17:24
Ich/Wir haben immer verschiedene kürzere Enden 2mm und 3mm Reepschnur dabei,
im Gebirge grundsätzlich auch ein Ende 9mm Reepschnur (15m).
Keine Abstriche machen, Reepschnur kauft man als certifizierte Ware im Speleo/Kletterbedarf....

Ob nun beim Biwakbau, Festbändseln oder der Rucksacknotreperatur eingesetzt - alles schon dagewesen.

Serienchiller
21.02.2012, 18:18
Ich benutze Schnur aus dem Yachtsport. Vier mal vier Meter 2mm Dyneema zum Abspannen, als Schnürsenkel oder als kurze Wäscheleine und einmal 20m 5mm Polyester für alles andere.

Plautze
21.02.2012, 20:51
Schnur als Reserve ist immer sinnvoll, ich hab auch immer 2mm Dyneema dabei. Für die meisten Zwecke Overkill, aber leichter als viel dickere weniger reissfeste Schnüre. Alle meine Schnürsenkel sind von vornherein aus dieser Schnur, da erübrigt sich schonmal dieser Ausrüstungsschwachpunkt.
wieviel Du mitnimmst hängt von Details Deiner Ausrüstung ab, am besten mal selbst n fantasievolles brainstorming machen was alles mit der Schnur gegebenenfalls repariert werden soll.

Für Flussüberquerungen auf keinen Fall - ausser mindestens einer von Euch kennt sich super gut aus mit der Materie.
Lieber gute Stöcke mitnehmen auf die Ihr Euch verlassen könnt, und als aller wichtigstes möglichst leichte Ausrüstung, wasserdicht verpackt.

Gruss, Plautze

McArl
22.02.2012, 20:52
Hey!

Danke, gleich mal!

Für den nichtswissenden Unkenner: Sind Reepschnur und Dyneema das selbe? Oder nicht?

Ad Flussüberquerungen: Wie meinst du auf keinen Fall?
Auf keinen Fall eines der Angegebenen verwenden?
Generell auf keinen Fall mit Seil den Fluss überqueren?


Ad Stöcke: Bringt es hier etwas "Marken" oder Qualitäts-Ware zu kaufen? ...Im Gewicht wahrscheinlich schon oder?

Schöne Momente wünsche ich!

McArl

Vindalf
22.02.2012, 21:00
N'Abend!

Dyneema ist ein geschützer Handelsname,
dahinter verbirgt sich eine modifizierte Polyethylenfaser. Die aktuelle und technisch höherwertige Konkurenz zu der klassischen Fasergruppe für die Seilproduktion wie Polyamiden ("Nylon") oder Polyestern ("Diolen")...

Reepschnur meint hingegen eine Webart bzw. einen Standart für statische (Berg-)seile.
Hat also mit dem Material an sich wenig zu tun. Erste Reepschnüre der 50iger Jahre bestanden noch aus Baumwolle...

Wenn du eine Reepschnur aktueller Produktion kaufst, so kannst du mit großer Sicherheit davon ausgehen, dass der Kern aus Dyneema besteht.
Im Zweifel nachfragen.
Entsprechende Seile für den Yachtbereich mit Dyneema-Kern "Schotenmaterial" sind übrigens vom Aufbau etc. weitgehend identisch, nur m.W. meist nicht für den Bereich der persönlichen Schutzausrüstung zertifiziert (andere Mantelkonstruktionen).


Eine Fluß/Bachquerung gelingt am sichersten auf dem klassischen Wege:
Flache Stelle suchen und durchwaten...
Im Zweifel noch vorher Schuhe und Hose ausziehen, hat gelegentlich Vorteile ;-).

Ich denke, darauf bezog sich die Kritik - bevor man irgendwelche Seilkonstruktionen/Brücken aufgezogen hat, hätte man meist längt schon watend das andere Ufer erreicht. Mit einem wesentlich geringeren Verletzungsrisiko.
Die Stöcke sind dabei im Übrigen nützlich, um "Löcher", d.h. tiefe Stömungsrinnen/Kolge vor sich im Wasser zu erkennen, auch bekommt man durch "bestochern" eine Ahnung von der Grundbeschaffenheit.
Im Zweifel lieber einen kleinen Umweg laufen und eine breitere (= weniger Strömungsgeschwindigkeit) Stelle des Flusses suchen, auch sollte der Verlauf im besten Falle weitgehend grade sein. Beides verspricht mit hoher Wahrscheinlichkeit geringe Wassertiefen, in bezug auf Strömung ist allerdings höchste Wachsamkeit angesagt.

Ganz allgemein: Gutes Material kostet Geld, hält aber auch länger.

Glück Auf,
wolfo

DTL
22.02.2012, 21:11
Reepschnur
... ist eine Art von Seil, die bezgl. Konstruktion und mind. Bruchlast per EN Norm definiert wird.
Unterhalb von 4 mm oder ohne einen von einem Mantel umgebenen Kern handelt es sich nicht mehr um Reepschnur.

Dyneema
... ist ein Produktname einer von DSM entwickelten PE-Faser. Reepschnüre können aus Dyneema, Aramid, Polyamid oder Kombinationen derer (in Mantel und Kern) sein. Hochverstrecke PE-Fasern haben gegenüber PA-Fasern wesentlich höhere statische Bruchlasten.


Edit:
Während ich noch nach der Norm geschaut habe, war schon einer schneller...
Die ganze Norm bleibt wie immer verborgen. Aber als Reepschnur genormt sind Kern-Mantel-Seile von 4 mm (mind. 3,2 kN Bruchlast) bis 8 mm (mind. 12,8 kN Bruchlast). Ab 9 mm gehen die Normen über zu halbstatischen Seilen der Typen A und B. Unter 4 mm findet man selten noch Kern-Mantel-Schnüre. Auch wenn sie umgangssprachlich als Reepschnur verkauft werden, fallen diese Schnüre dann bzgl. der Bruchlast und der Konstruktion aus der Norm.

McArl
22.02.2012, 21:16
*grins*

Wow! Schnell und umfangreich! Danke!

Ach, ich liebe dieses Forum!

Ixylon
22.02.2012, 21:17
Dyneema bezeichnet das Material, aus dem das Seil ist. Seile aus Dyneema haben aufs Gewicht bezogen eine sehr hohe Festigkeit und eine sehr geringe Dehnung. Reine Dyneemaseile gibt es nicht (bis auf ganz dünne Drachenschnüre), sondern ein Dyneemakern ist von einem Mantel aus anderem Material (z.B. Polyester) umgeben um das empfindliche Dyneema vor Licht und Abrieb zu schützen.

Der Begriff "Reep" ist einfach nur eine alte Bezichnung für "Seil", daher auch der Begriff "Reeperbahn" (dort wurden nämlich früher die Seile für die Schiffe hergestellt) oder die Ähnlichkeit zum englischen "rope".
Heute hat sich im Kletterbereich der Begriff "Reepschnur" eingebürgert für ein eher dünnes Seil, das im Vergleich zum richtigen Kletterseil eine geringere Festigkeit hat und nicht zur Sicherung von Personen genutzt werden kann.

Plautze
22.02.2012, 22:21
Eine Fluß/Bachquerung gelingt am sichersten auf dem klassischen Wege:
Flache Stelle suchen und durchwaten...
Im Zweifel noch vorher Schuhe und Hose ausziehen, hat gelegentlich Vorteile ;-).

Ich denke, darauf bezog sich die Kritik - bevor man irgendwelche Seilkonstruktionen/Brücken aufgezogen hat, hätte man meist längt schon watend das andere Ufer erreicht. Mit einem wesentlich geringeren Verletzungsrisiko.
Die Stöcke sind dabei im Übrigen nützlich, um "Löcher", d.h. tiefe Stömungsrinnen/Kolge vor sich im Wasser zu erkennen, auch bekommt man durch "bestochern" eine Ahnung von der Grundbeschaffenheit.

...genauso hab ich das gemeint. Wenn man auf die Idee kommt ein Seil zu benutzen, heisst das schon fast zwangsläufig, dass die Stelle eigentlich zu heikel ist. Ich will auch gar nicht in die Details gehen, für Laien ist die "Auseinandersetzung" mit schnellfliessendem Wasser schon tricky genug, auch ohne ein Seil dass einem dann doch nur im Weg ist.

Das einzige was ich da noch für halbwegs sinnvoll halte, wäre an grenzwertigen Flussstellen wasserdicht verpacktes Gepäck
mit Hilfe eines Seiles über den Fluss zu transportieren, dann kann man unbeladen rüber und ist natürlich beweglicher in der Strömung und im Schwimmfall weniger gefährdet; aber auch das ist schon recht aufwändig zu bewerkstelligen.

McArl
22.02.2012, 22:46
Gut! Dann bin ich beruhigt!
...Macht es dann überhaupt Sinn, eine dickere Schnur/ dünnes Seil (9mm?) mit zu nehmen?
Vindalf verwendet sie im Gebirge... Und Serienchiller für "alles andere"..

Bedeutet das, wenn ich nicht im Gebirge kraxle und nicht an heiklen Stellen durch Flüsse wate, macht ein ca. 9mm Seil keinen Sinn oder?

Ad Stöcke: Gibt es hier irgendwelche.. vorteilhafteren Materialien oder Hersteller? In welcher Preiskategorie befinden sich die "guten"?

Ixylon
22.02.2012, 23:06
Bedeutet das, wenn ich nicht im Gebirge kraxle und nicht an heiklen Stellen durch Flüsse wate, macht ein ca. 9mm Seil keinen Sinn oder?

Die Frage ist was das Seil aushalten muss.

9mm sind (je nach Material natürlich) schon ein richtges Kletterseil mit mehreren Tonnen Bruchlast. Das bedeutet zwar einen hohen Sicherheitsfaktor (der das Seil schwerer, teuerer und voluminöser macht), ist aber in Fällen wo das eigene Leben am Seil hängt unverzichtbar.

Ein 2mm Dyneemaseil hält mehr als 200kg aus. Das sind schon Kräfte, die Du ohne Hilfsmittel eh nicht mehr handlen kannst. Insofern reichen 2mm von der Bruchlast her locker. Stärke Seile helfen dann "nur" noch bei der Handhabung (Das Seil schneidet nicht mehr so in die Handfläce beim Ziehen, Knoten lassen sich besser lösen, usw.).

DTL
22.02.2012, 23:07
Stöcke gehen so ab 50-60 € (Schnäppchen außen vor).

Vernünftige Namen für Stöcke wären z.B. Leki, Komperdell, Black Diamond und Exped.
Vorteilhaft sind Schnellverschlüsse. Die Dreh-Klemm-Verschlüsse der namhaften Hersteller taugen auch was, die der No-Names vom Discounter m.E. jedoch wenig bis nichts.
Für Gebirge oder anspruchsvolles Gelände mit starker Neigung sind verlängerte Griffzonen ziemlich praktisch.

DTL
22.02.2012, 23:16
Stärke Seile helfen dann "nur" noch bei der Handhabung (Das Seil schneidet nicht mehr so in die Handfläce beim Ziehen, Knoten lassen sich besser lösen, usw.).

Das sollte nicht vernachlässigt werden ... Bruchlast hin oder her.
Bsp. Fluss:
Angenommen man würde (abseits der berechtigten Einwände hier weiter oben) in den Fluss mit ordentlicher Strömung einsteigen, und dann mit eigenem Körpergewicht+Strömung volle Elle an dem Seil ziehen wollen ... was dann?
2-3 mm Kördelchen kriegt man ja so schon kaum vernünftig in der Hand gehalten, da muss man schon einen Schlag um die Hand wickeln. Das schneidet ein wie sonstwas (gerade Dyneema ist da ziemlich garstig, weil extrem glatt), dann müsste man den Schlag um die Hand lösen und erneut wickeln. Ein vernünftiges "daran-entlang-ziehen" ist bei so kleinen Durchmessern wohl schwer möglich. Da möchte man schon etwas mehr in der Hand haben.

Aber dafür gleich 20-30 m einer >6mm Schnur mitschleppen ... na ich weiß nicht. Ich würds mir sparen.

Ich selber habe ein paar Meter (kA so 6 oder 8) einer dünnen Schur (2? 3? mm) - müsste Dyneema könnte aber auch PA sein - mit um evtl. mal eine Zeltleine zu reparieren oder eine ausgefallene Schnalle bzw. einen ausgefallenen Riemen am Rucksack zu ersetzen oder etwas notdürftig zu verschnüren, zu befestigen oder was auch immer zu tüddeln. Daran dass ich gar nicht so genau weiß, wie lang, wie dick und woraus die Schnur ist, sieht man, wie häufig ich die brauche. ;)

Ixylon
22.02.2012, 23:37
Daran dass ich gar nicht so genau weiß, wie lang, wie dick und woraus die Schnur ist, sieht man, wie häufig ich die brauche. ;)

Geht mir ähnlich. Ich habe meine Notfallschnur bisher allerhöchstens als Wäscheleine genutzt.

Es gibt auch Mittel und Wege auf eine sehr dünne Schnur viel Kraft zu bringen indem man aus dem Seil selbst oder mittels eines Stocks oder Herings einen Griff knüpft. Dafür muss man dann auch keine dickere Schnur mitnehmen.

Am-Seil-entlang-hangeln geht so naürlich nicht aber wann braucht man das schon? Und wenn doch ist man auch sehr schnell im sicherheitskritischen Bereich angekommen, ergo Kletterseil nehmen.

khyal
24.02.2012, 07:46
Ich benutze Schnur aus dem Yachtsport. Vier mal vier Meter 2mm Dyneema zum Abspannen, als Schnürsenkel oder als kurze Wäscheleine und einmal 20m 5mm Polyester für alles andere.

Genau, viele Flaggenschnuere sind vorgereckt oder haben einen Kevlarkern (deutlich teurer, aber div Vorteile), bei Fallen (das sind die geeigneten dickeren Sachen) gibt es auch schoene Sachen mit Kevlarkern.

McArl
28.02.2012, 16:55
Gut, ich denke, dann werde ich mir (doch...) auch Stöcke zulegen, um die 15-20 m einer 2 oder 3 mm Dyneema Schnur mitnehmen, und riskante Querungen anderen überlassen (nochdazu wo ich ohnehin genug Zeit habe..)!

Ich danke euch, für eure Beiträge und euer Wissen!

McArl