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Sabine38
10.01.2012, 22:00
Klippen und Hügel, ein Bisschen von dem was die Algarve so bietet


Nachdem es im Frühjar bereits alleine nach Irland ging, konnte ich dem Lockruf der Sonne in diesem Winter auch nicht wiederstehen, als sich abzeichnete dass wohl keiner meiner wanderbegeisterten Freunde Urlaub bekommen würde. Was solls, dachte ich mir und buchte kurzehand den Flug für mich alleine.

Mein Ziel war es eine Gegend zu finden in der es auch im Dezember noch Chancen auf Sonne gibt, die mich aber nicht arm macht. Am Ende fiel die Wahl auf Portugal, genauer gesagt die Algarve. Wer es ganz genau wissen will dem sei gesagt, dass mir als erstes die Via Algarviana ins Auge sprang und mich dann einige User hier im Forum (insbesondere Werner Hohn, aber auch PWD) darauf brachten, dass es doch auch ganz nett sei ein Stück an der Küste entlang zu laufen.

Die Idee fand ich super und plante demensprechend... Dies ist nun der Erste Teil meiner Reise, der Rest folgt in den nächsten Tagen häppchenweise, je nach dem wie ich gerade dazu komme zu schreiben.


Montag, 26.12.2011

Ich fliege bei Regen und Kälte los. Brrr, ziemlich ekelig dieser Winter. Mit etwas Glück wird es in Portugal schöner sein...

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...über den Wolken sieht es gleich ganz anders aus.

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...Und es wird noch schöner. Zwar ist es in Faro um 18:30 lokale Zeit schon stockfinster, aber ich kann aus dem Flugzeug sehen dass es nicht regnet. Statt dessen bekomme ich beim Anflug auf Faro schon einen ersten Blick auf den Strand zu sehen.

Mein Hostel in dem ich die erste Nacht verbringe ist sehr nett. Gerade erst im August geöffnet, ein typisch portugiesisches Haus. Die Betreiber sind dabei es zu renovieren und öffnen einen Raum nach dem anderen für die Gäste. Die Betten sind vergleichsweise groß -- selbst gebaut, damit man auf dem Unteren auch vernünftig sitzen kann.

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Ich besorge mir in der Apotheke noch Spiritus -- der alcool étilico heißt, nicht alcool desnaturado wie das online Wörterbuch behauptet hat -- und gehe dann schlafen. Schließlich möchte ich morgen früh los nach Lagos um von dort aus loszuwandern.


Dienstag, 27.12.2011

Ich wache recht früh auf. Lange bevor mein Handy klingelt. Die Zeitverschiebung macht sich bemerkbar. Ich lasse mir also alle Zeit der Welt, dusche, packe meinen Kram, frühstücke und gehe gemütlich zum Bahnhof.

Und dann: Überraschung... Ich bin eine Stunde zu spät. Sch*** Handy, hat vermutlich die Sommerzeit angewendet, jedenfalls stimmt es nicht mit den portugiesischen Uhren überein obwohl ich es umgestellt habe. Naja, auch kein Drama, nehme ich halt den Zug um 10:20 statt um 09:15. Ärgerlich nur, dass ich dadurch entsprechend später in Lagos bin, heute hatte ich eigentlich vor bereits ein ganzes Stück zu laufen.

Auch in Lagos ist das Wetter wunderbar. Ich arbeite mich zu Fuß aus der Stadt raus, vorbei am Yachthafen...

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...und auch ein erster Abstecher an den Strand! Der erste des Urlaubs. :D

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Natürlich verlaufe ich mich auch gleich in Lagos und muss ein ganzes Stück zurück um wie geplant auf die Küste zu treffen. Dadurch und durch meinen verspäteten Aufbruch am Morgen ist es recht spät geworden, inzwischen schon 15 Uhr, 15:30. Da ich Hunger habe beschließe ich an einer kleinen, sehr touristischen Strandbar ein spätes Mittagessen einzunehmen und dann meine eigentliche Tour über die Klippen zu beginnen.

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Der Weg über die Klippen ist sehr schön. So eine Steilküste ist schon beeindruckend. Auch das Wetter spielt weiter mit. Sonnenschein, Sonnenschein, Sonnenschein. Ich habe inzwischen mein langärmliges Oberteil ausgezogen und bin in T-Shirt und kurzer Hose unterwegs. Durch den Wind ist es trotz der Sonne sehr angenehm unterwegs zu sein.

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Meist führt der Pfad dicht am Klippenrand vorbei, es geht rauf und runter, manchmal muss man echt kraxeln. Die Vegetation beschränkt sich meist auf Büsche und Stechginster, immer wieder finden sich dazwischen jedoch auch hohe Gräser, Blumen und Bäumchen...

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Um diese Jahreszeit sind auch in dieser doch relativ touristischen Gegend nur wenige Leute unterwegs. Zwar begegnen mir hin und wieder Spaziergänger, es hält sich jedoch sehr in Grenzen. Meist habe ich den Ausblick ganz für mich alleine. Irgendwann packe ich die Sonnenbrille aus damit ich nicht die ganze Zeit die Augen zusammen kneifen muss. :cool:

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Jedoch bezweifle ich, dass ich heute so weit kommen werde wie ich ursprünglich geplant hatte. Ich bin einfach zu spät los. Aber auch egal, ich habe schließlich Urlaub und es nicht eilig. Tatsächlich beginnt es als ich in Burgau ankomme an zu dämmern. Ich bin kein großer Fan von Nachtwanderungen, erst recht nicht, wenn der Weg wie hier häufig direkt an den Steilklippen entlang führt. Also kaufe ich im Minimercado in Burgau noch Wasser und etwas Proviant (Brot, Käse, Oliven) für den nächsten Tag und machen mich dann auf die Suche nach der Fortsetzung des Trampelpfades. Irgendwo in der Nähe werde ich mir eine Stelle zum Zelten suchen.

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Laut Karte beginnt der Pfad irgendwo am Strand. Pustekuchen. Ich finde zwar eine Stelle die so aussieht als könne sie gemeint sein, aber bereits der Weg dahin ist dermaßen unweglich, dass ich mir fast den Knöchel verrenke. In der Dämmerung ist mir das alles andere als geheuer. Ich entschließe mich also umzukehren und statt dessen kurz hinterm Dorf wieder auf den Weg zu treffen.

Gesagt getan. Zwar stimmt die Karte nicht mehr ganz -- seit 2008, dem Zeitpunkt der Auflage -- hat sich das Dorf vergrößert und der Weg den ich nehmen will ist mit einer Kette abgesperrt, aber trotzdem klappt alles wie geplant. Inzwischen ist es so dunkel, dass ich meine Stirnlampe hervorholen muss. Nicht die idealen Bedingungen um auf Klippen rumzuspazieren. Der nächste auch nur halbwegs geeignete Zeltplatz ist meiner!

Leider stellt sich eben das als schwierig heraus. Es ist sehr steinig, und der Stechginster der mir schon den ganzen Tag die Beine zerkratzt hat ist auch hier zu finden. Nichts wo ich eigentlich mein Zelt rein stellen möchte. Jedoch habe ich keine Wahl, denn der Weg den ich jetzt wieder runter soll ist in der Dunkelheit so steil und unübersichtlich, dass ich das nicht wagen will.

Ich suche mir also eine Stelle die zumindest weitgehend frei ist von Stechginster und Disteln und baue mein Zelt ohne Innenzelt auf (das darf meine Mama nicht erfahren hat sie doch mit so viel Liebe nach meinen professionellen Anweisungen das Innenzelt genäht...). Der Aufbau gestaltet sich als schwierig, Hering sind hier nicht leicht reinzubekommen, wie unschwer an meinem absolut professionell aufgestellten SL3 zu erkennen (Bild vom nächsten Morgen)...

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Die Nacht ist sehr windig und kühl. Trotzdem schlafe ich erstaunlich gut. Nur das Gebimmel von Schafsglocken weckt mich hin und wieder auf. Wo sind die Viecher nur, ich habe sie gar nicht auf meiner Wanderung gesehen...


Mittwoch, 28.12.2011

Der Ausblick am nächsten Morgen entschädigt mich für die Schwierigkeiten beim Aufstellen des Zeltes. Es ist erst kurz nach sieben, die Sonne steht noch sehr tief und taucht die Klippen und die See in ein malerisches Licht. Ja, so wacht man gerne auf.

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Ich frühstücke in aller Ruhe mit Blick über die See und packe danach meine Sachen. Hmm... Soll ich direkt die Hose abzippen? Es sieht so aus als würde es wieder sehr warm werden. Lieber noch etwas damit warten, wer weiß.

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Der Weg der mir gestern Abend im Dunkeln noch sehr steil und unbegehbar erschien entpuppt sich als durchaus bewältigbar. Trotzdem, es war schon die richtige Entscheidung dies bei Tageslicht zu machen. Ein gebrochenes Bein o.ä. war ja nun wirklich nicht das Ziel!

Der Tag verläuft sehr ähnlich wie der vorherige. Sonne, Meer, kleine Sandstrände die man überquert (nachdem man zu ihnen runter gekraxelt ist), Touristen-/Fischerdörfer durch die man läuft, eine Ruine am Wegesrand... Sehr sehr schön.

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Wieder ernte ich für meinen Rucksack den einen oder anderen ungläubigen Blick, bzw. werde gefragt wie schwer er denn sei. Meine Standardantwort ist "Not as heavy as it looks."

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Gegen Mittag komme ich in Salema an, wo ich mich noch einmal mit Wasser eindecke und Mittag esse. Ach ja, Trekking in der Zivilisation hat schon auch was für sich.

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Tierische Gesellschaft beim Mittagessen:

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Recht bald hinter Salema habe ich keine vernünftigen Karten mehr. Das was ich mir aus dem Internet ausgedruckt habe ist -- nennen wir es "bescheiden" -- in der Qualität. Aber was solls, es geht ja an der Küste entlang. So schwer kann es ja nicht sein sich daran zu orientieren. Schließlich habe ich bisher die Karten auch nur verwendet um nachzuvollziehen wo ich gerade bin.

Kurz hinter Salema:

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Lange Rede, kurzer Sinn, ganz so wie ich mir das vorstelle klappt es nicht. Das erste Stück nach Salema ist noch vollkommen unproblematisch (dafür habe ich auch noch eine vernünftige Karte), danach jedoch wird es tricky. Immer wieder sind die Einschnitte der Buchten in die Klippen so steil, dass man sie relativ weiträumig umgehen muss. Da es sich um landwirtschaftlich genutztes Gebiet handelt kann man danach dann auch nicht einfach querfeldein wieder zurück zur Küste... Nach mehreren frustrierenden Stunden entschließe ich mich daher meine Reise nach Sagres per Bus fortzuführen.

Mit ein paar Brocken Portugisisch, Händen und Füßen gelingt es mir einer Dame in Figueira zu erklären, dass ich die Bushaltestelle suche. Sie ist so nett und zeigt mir ein Stück des Weges, weil sie merkt, dass ich von dem was sie erklärt nur Bruchteile verstehe. An der Bushaltestelle gibt es ähhhh... Nix. Kein Schild, keine Bank und erst recht kein Wartehäusschen... Die Dame erzählte irgendwas von Salema, ich hatte es so verstanden dass ich an dem Schild warten soll. :-?

Hmm. Vielleicht muss ich bis Salema zurück laufen weil hier kein Bus hält??? Na gut, also los... Die Straße entlang sind es auch gerade mal drei Kilometer. Was solls. In Salema gibt es ein Wartehäusschen mit Bank und ein Schild. Aber keinen Fahrplan. Hoffentlich kommt heute noch ein Bus, es ist ja schon später Nachmittag. Doch ich habe Glück, kaum habe ich mich hingesetzt kommt der Bus nach Sagres.

In Sagres erkundige ich mich in der Touriinfo nach dem Weg zum Zeltplatz. Ich weiß, dass es hier einen gibt, der letzte auf meiner Route. Noch einmal Duschen ist sicherlich nicht schlecht. Ganz ehrlich, das einzige Mal dass ich in Portugal das Gefühl hatte jemandem mit meinen Fragen lästig zu sein war dort. Der Kerl war so unmotiviert, es ist kaum zu glauben. Die Karte auf dem er mir den Weg zum Zeltplatz zeigte war vollkommen unbrauchbar und seine Erklärungen auch. Was dazu führte, dass ich irgendwann mitten in einem Wohngebiet stand und keinen Schimmer hatte wo ich hin musste. Gott sei Dank konnte mir ein netter Restaurantbesitzer dann doch noch den Weg vernünftig erklären.

Auf dem Zeltplatz habe ich mich dann ordnungsgemäß bei der Deutschen an der Rezeption angemeldet, Brötchen für den nächsten Tag bestellt und mir einen Platz für mein Zelt gesucht. Für alle die es interessiert, der Zeltplatz ist nett. Mit vielen Pinienbäumen bewachsen, so dass es auch im Sommer viel Schatten gibt und einfachen aber sauberen Sanitäranlagen. Es ist auch nicht so ein riesiges Ding, sondern von der Größe her überschaubar.

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(Auch dieses Bild stammt vom nächsten Morgen.)

Fortsetzung weiter unten...

smeagolvomloh
10.01.2012, 23:01
Das klingt sehr interessant und ich freue mich auf die Fortsetzung!

PWD
11.01.2012, 08:10
Hi Sabine,

wunderschöne Bilder, ich bin gespannt was du weiter erlebt hast, vor allem auch auf Costa Vicentina gen Norden.

Gruß, Joachim

Ditschi
11.01.2012, 08:29
Hallo Sabine,

schöne Bilder, gut geschriebener Bericht. So lasse ich mich gerne von den Akten vor mir ablenken.

Gruß Ditschi

sejoko
11.01.2012, 10:21
Hallo

Schöner Bericht. Warte gespannt auf die Fortsetzung.

Gruß
Sebastian

Sabine38
11.01.2012, 19:59
Da ich eh daheim auf der Couch liege hier nun der zweite Teil für euch! :bg:


Donnerstag, 29.12.2011

Vom Zeltplatz in Sagres aus geht es entlang der Küste bis zum Cabo de Sao Vicente, der südwestlichste Teil Portugals und Europas. Es gibt hier nur an einigen Stellen einen Trampelpfad, häufig geht es auch einfach durch das Gestrüpp.

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Und Löcher im Boden gibt es auch. Sogar nach Meer richen sie...

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Schnell kommt sowohl das Kap mit seinem Leuchtturm, als auch die zwischen dem Kap und Sagres liegende Kapelle Santa Catharina in Sicht. Wie schon in den letzten Tagen ist das Wetter super, ich genieße die letzten Kilometer an der Küste.

http://i1102.photobucket.com/albums/g445/Sabine83/Portugal/P1010436-1.jpg

Die Kapelle sind die Überreste der Fortaleza de Beliche, die ansonsten zerstört ist.

http://i1102.photobucket.com/albums/g445/Sabine83/Portugal/P1010441.jpg

Einen Teil des Weges muss ich an der Straße entlang zurück legen, weil die Klippen nicht zugängig sind, das ist jedoch kein Problem. Am Kap selber verkaufen eine Reihe fliegender Händler Nüsse, Strickwaren und ähnliche Dinge. Ich kaufe von einem alten Mann Mandeln und Paranüsse, mache eine kleine Pause in der ich etwas esse und den Klippenfischern zuschaue.

Der berühmte Leuchtturm:

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Das offizielle Anfangsschild (bzw. offiziell den Endpunkt, laufe ich den Weg doch "von hinten nach vorne") finde ich nach einigem Suchen auch, allerdings ist es so verbleicht dass man darauf nichts mehr erkennen kann. Ich habe auf dem Weg hierher bereits die ersten rot-weißen Markierungen der Via Algarviana gesehen, was gut ist, denn hier kann ich keine entdecken.

Wer darauf noch was erkennen kann verdient ein dickes Lob!

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Über den Rest des Tages werde ich nicht viele Worte verlieren. Es reicht zu sagen, dass die erste Etappe der Via von Cabo de Sao Vincente nach Vila do Bispo zu 80% über geteerte oder geschotterte Straßen führt. Da kann man ohne Probleme Oma im Rollstuhl mitnehmen und es ist ohne Ende frustrierend. Auch hier hatte ich mir dummerweise keine vernünftige Karte mitgenommen, so dass ich mir keine alternative Route aussuchen konnte.

Straßen, nichts als Straßen. Mal geteert...

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...mal nicht.

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Am Ende des Abends war ich mehr als genervt und drauf und dran die ganze Sache abzublasen. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Vielleicht ein, zwei Kilometer vor Vila do Bispo habe ich mir recht nah beim Weg ein Plätzchen für mein Zelt gesucht (eine Suche bei der ich unabsichtlich einen schlafenden Schäfer aufschorchte) und bin früh ins Bett. Wie es weiter gehen soll wollte ich mir am nächsten Tag überlegen.


Freitag, 30.12.2011

Ich beginne den Tag langsam. Zwar werde ich recht früh wach, doch habe ich keine Muße schnell aufzustehen. Irgendwann krabbele ich dann doch aus dem Zelt um mir in aller Ruhe einen Kaffee oder zwei zu gönnen. Ich höre schon wieder die Schafglocken ein bisschen überall. Nein, mit meinem Schlafplatz bin ich im Gegensatz zum Rest des ersten Teils der Via Algarviana sehr zufrieden.

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Ich habe gerade das Wasser aufgesetzt da kommt der Schäfer den ich gestern aufgeschreckt habe vorbei. Ich biete ihm einen "café" an, eine Einladung die er gerne annimmt. Obwohl ich kein Portugiesisch spreche (mal abgesehen von den paar Brocken die ich mir vorher im Wörterbuch angeschaut habe) und er keine andere Sprache außer Portugiesisch entsteht eine Art Unterhaltung. Er fragt was ich hier mache, ob es nicht zu kalt sei nachts ("No..." ich zeige auf den Schlafsack den ich zum Lüften rausgelegt habe -- "Ahhh, saco."), ich erfahre im Gegenzug dass er seine eigenen Schafe hütet und dadurch zwar nicht viel, aber doch ein bisschen mehr verdient als ein angestellter Schäfer... Es ist faszinierend wie gut man mit Leuten kommunizieren kann ohne die Sprache zu sprechen.

Zugegeben sind meine Französisch- und Spanischkenntisse hilfreich, denn häufig sind die spanischen Wörter zwar nicht identisch mit den portugiesischen, aber ähnlich genug um verstanden zu werden.

Nachdem der Schäfer weiter gezogen ist und ich meine Sachen gepackt habe bin ich schon wieder besser gelaunt als am Vortag. Ich beschließe die nächste Etappe mit dem Bus zu überspringen (auch diese gehört noch zu dem Teil der Karte den ich nicht dabei habe) und in Bensafrim weiter zu machen.

Ich verliere dadurch einen Großteil des Tages, da ich von Vila do Bispo erst nach Lagos fahren muss um da den Bus nach Bensafrim zu nehmen, aber mir ist das lieber so. Noch so einen Wandertag wie gestern möchte ich nicht erleben. Wenn ich in Bensafrim starte kann ich mir, falls die Via wieder nur über Straßen führt eine Alternativroute suchen.

Gegen 15 Uhr bin ich in Bensafrim. An der Bushaltestelle werde ich erneut in ein Gespräch mit einer alten Dame verwickelt, auch sie spricht nur Portugiesisch. Sie ist erstaunt dass ich einfach irgendwo in der Pampa schlafen will und rät mir mehrmals "Cuidado."

Ich finde schnell die Stelle an der die Via durch Bensafrim führt. Ärgerlicher Weise habe ich meine Stöcke an der Bushaltestelle stehen lassen. Über das Geplauder mit der alten Dame habe ich sie ganz vergessen. Verflixt. Egal, weit bin ich noch nicht gegangen, das wäre richtig ärgerlich gewesen habe ich doch keine andere Möglichkeit mein Shangri-La aufzustellen als mit den Stöcken.

Schnell wird klar, dass die Landschaft hier deutlich anders ist als noch in der Küstenregion. Zitrusbäume stehen hier in jedem Garten und am Wegesrand. Als ich an einem Garten eine Kiste voll Orangen zum mitnehmen entdecke zögere ich nicht und stecke mir zwei Stück ein. Gut dass ich im Laden heute Vormittag keine gekauft habe. Kurz war ich versucht es zu tun.

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Doch nicht nur schnöde eine-Frucht-tragende Bäume gibt es hier. Nein! Es gibt auch Zwitter die sowohl Zitronen als auch Mandarinen tragen!

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Die Strecke über die die Via heute führt ist sehr schön. Meist handelt es sich um landwirtschaftliche Wege, auch wenn es hin und wieder ein Stückchen über die Straße geht. Aber ganz lässt sich das in einem Land wie Portugal wohl nicht vermeiden. Ich laufe durch Korkeichen, durch die Täler (heute sind keine Höhenmeter zu bewältigen), an Weinbergen vorbei. An einem der Weinberge mache ich eine kleine Pause, trinke etwas und schäle mir eine der Orangen.

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Während ich noch da sitze kommt ein Portugiese in seinem Auto vorbei und erneut verständigen wir uns mit Händen und Füßen. Auch er warnt mich eindringlich, es gebe viele Ziegeuner und Osteuropäer, insbesondere Albander, in der Gegend. Ich solle doch wirklich aufpassen, am Besten nur in der Nähe von Häusern zelten. Sonst würden die mich noch ausrauben. Ich lächele und antworte "Si, cuidado!", aber er ist nicht zufrieden mit meiner Antwort. Er sei Gendarm in der Gegend gewesen, und ich solle nicht nur cuidado sagen sondern bitte auch tatsächlich aufpassen! Ich verspreche es ihm und er fährt weiter.

Gegen 17 Uhr fange ich an Ausschau nach einem Übernachtungsplatz zu halten. Ich habe nur ca. 9 oder 10 Kilometer geschafft heute, aber das ist total okay in Anbetracht der Tatsache wann ich losgelaufen bin. Leider erweist es sich als sehr schwierig eine geeingnete Stelle zu finden, und als es dunkel wird beschließe ich einfach mein Zelt als Shelter zu nutzen und verkrieche mit an einer uneinsichtigen Stelle in einem Korkeichenhain. Der Boden ist uneben, aber ich habe keine Lust bei Dunkelheit weiter zu laufen.

Das improvisierte Nachtlager:

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samt Ausblick am nächsten Morgen

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Erstaunlicher Weise schlafe ich sehr gut, dabei bin ich wirklich kein Fan von einfachen, offenen Sheltern. Ich würde niemals auf eine längere Tour nur mit Tarp oder Tarptent gehen. Da fühle ich mich immer etwas unwohl bei. Der Mond ist erstaunlich hell, dabei ist bei weitem kein Vollmond. In der Ferne höre ich Hunde heulen, bis in den Morgen sind sie laut.


Fortsetzung weiter unten...

Sabine38
11.01.2012, 20:05
Das klingt sehr interessant und ich freue mich auf die Fortsetzung!


Hallo

Schöner Bericht. Warte gespannt auf die Fortsetzung.

Gruß
Sebastian

Danke ihr beiden, ist nun da!



Hi Sabine,

wunderschöne Bilder, ich bin gespannt was du weiter erlebt hast, vor allem auch auf Costa Vicentina gen Norden.

Gruß, Joachim

Ich bin mir nicht ganz sicher welcher Teil die Costa Vicentia war? Ich hatte mich dann ja doch entschieden direkt ab dem Kap auf die Via Algarviana zu gehen, ich glaube die erste Etappe ist identisch mit der Costa, korrekt? Nun, wie du siehst war das leider kein großer Erfolg. :( Während ich die Via Algarviana im allgemeinen mit ein paar Einschränkungen empfehlen kann, würde ich jedem Raten die Etappe Cabo de Sao Vincente -- Vila do Bispo zu überpringen. Zumal da auch ein Bus fährt falls man sich das Kap nicht entgehen lassen möchte.



Hallo Sabine,

schöne Bilder, gut geschriebener Bericht. So lasse ich mich gerne von den Akten vor mir ablenken.

Gruß Ditschi

Na, von der Arbeit lenke ich doch Leute immer wieder gerne ab! :grins:

Klappstuhl
11.01.2012, 20:13
Schhhhhhööööön, weiter weiter. Ich brauche noch viele Sonnenbilder :D

Sabine38
11.01.2012, 20:15
Schhhhhhööööön, weiter weiter. Ich brauche noch viele Sonnenbilder :D

Bekommst du noch in den nächsten Tagen. :grins: Ich fürchte aber dass man vom Bilder gucken nicht braun wird... :hahaa:

Werner Hohn
11.01.2012, 20:18
Upps, den schönsten Teil der Küste zwischen Salema und Sagres hast du verpasst. 2008 sind wir ebenfalls von Salema hoch nach Figueira, von dort über Hortas do Tabual wieder hinunter an die Küste. Tabual wollten wir unbedingt mitnehmen, weil das angeblich der schönste Ort an der Küste ist. Pustekuchen!

Nach meiner Info ist im südlichen Bereich der Rota Vicentina noch nichts markiert. Erst jetzt beginnt dort die Feinplanung mit der Vorstellung in den Gemeinden. Ende 2012 soll der Weg endgültig fertig sein.

Ja, nehmt den Portugiesen die Teermaschinen weg. In diesem Frühjahr ist uns aufgefallen, dass viele Wege und Pisten vom Herbst 2008 nun Straßen sind. Leider scheint man nun sein Heil im Straßenbau zu suchen. Der Hausbau ist ja so gut wie zum Erliegen gekommen.

Sabine38
11.01.2012, 20:24
Upps, den schönsten Teil der Küste zwischen Salema und Sagres hast du verpasst. 2008 sind wir ebenfalls von Salema hoch nach Figueira, von dort über Hortas do Tabual wieder hinunter an die Küste. Tabual wollten wir unbedingt mitnehmen, weil das angeblich der schönste Ort an der Küste ist. Pustekuchen!

Nach meiner Info ist im südlichen Bereich der Rota Vicentina noch nichts markiert. Erst jetzt beginnt dort die Feinplanung mit der Vorstellung in den Gemeinden. Ende 2012 soll der Weg endgültig fertig sein.

Ja, nehmt den Portugiesen die Teermaschinen weg. In diesem Frühjahr ist uns aufgefallen, dass viele Wege und Pisten vom Herbst 2008 nun Straßen sind. Leider scheint man nun sein Heil im Straßenbau zu suchen. Der Hausbau ist ja so gut wie zum Erliegen gekommen.

Das war meine eigene Blödheit. :ignore: Das sah in dem Wanderführer so einfach aus, dass ich ihn zuhause gelassen habe (der Rucksack ist ja auch so schon schwer genug...). Aber beim Praia de Figueira habe ich dann den Zugang zum Küstenpfad nicht gefunden -- das ist ja auf beiden Seiten sehr steil. Und dann bin ich in Richtung Figueira, wo es eine ganze Reihe Wege und Straßen gibt die auf den Karten nicht eingezeichnet sind... Ich habe mich sehr über mich selbst geärgert, das kann ich dir sagen.

ryo
11.01.2012, 21:07
Danke für den Bericht, kommen schöne Erinnerungen an meinen Kurz-Urlaub im September hoch.

PWD
12.01.2012, 08:15
Ich bin mir nicht ganz sicher welcher Teil die Costa Vicentia war? Ich hatte mich dann ja doch entschieden direkt ab dem Kap auf die Via Algarviana zu gehen, ich glaube die erste Etappe ist identisch mit der Costa, korrekt? Nun, wie du siehst war das leider kein großer Erfolg. :( Während ich die Via Algarviana im allgemeinen mit ein paar Einschränkungen empfehlen kann, würde ich jedem Raten die Etappe Cabo de Sao Vincente -- Vila do Bispo zu überpringen. Zumal da auch ein Bus fährt falls man sich das Kap nicht entgehen lassen möchte.

Die Costa Vicentina beginnt schon - wenn man von Osten aus Richtung Lagos kommt - ab Burgau. Also warst du im südl. Zipfel.
Vom Kap - der deutsche Wurstverkäufer machte wohl Winterpause!? - an der Küste entlang nach Norden laufend und dann erst quer rüber in die 'Bischofsstadt' und dann weiter die Via. Dieser Teil der Costa Vicentina nach Norden wird dann noch deutlich schöner.
Ich bin gespannt wo du weiter vorbei kamst, einige wenige Teile des Algarve-Hinterlandes kenne ich auch noch nicht.

PWD
12.01.2012, 08:30
http://i1102.photobucket.com/albums/g445/Sabine83/Portugal/P1010464-1.jpg


So was in D ...?
wenn man - vielleicht wie hier - durch ein Spargelgebiet läuft und einem da anstatt Orangen frischen deutschen Spargel für seinen Weg ausgelegt bekäme oder im Juni frische Erdbeeren ...

Die am wenigsten haben, geben am meisten. Das gefällt mir an den Portugiesen so.

lina
12.01.2012, 10:34
So was in D ...?
wenn man - vielleicht wie hier - durch ein Spargelgebiet läuft und einem da anstatt Orangen frischen deutschen Spargel für seinen Weg ausgelegt bekäme oder im Juni frische Erdbeeren ...

Doch, das gibt's schon hierzulande: An Kisten mit Äpfeln, mit Aufforderung zur Selbstbedienung, bin ich schon sehr häufig vorbeigekommen. Erdbeeren oder Spargel sind auch nicht sehr lange haltbar.


Freu mich ebenfalls sehr auf die Fortsetzung :cool:

Lotta
12.01.2012, 19:46
Das sieht echt traumhaft schön dort aus!!!

Schnell weiterschreiben bitte :grins:

Sabine38
12.01.2012, 20:33
Nur eine Etappe heute... Die Erkältung hat mich fest in ihren Händen und der zugehörige Kopfschmerz macht das Schreiben die meiste Zeit unmöglich. :roll:


Samstag, 31.12.2011

Der letzte Tag des Jahres beginnt -- genau, mit Hundegeheul. Trotz des unebenen Bodens und meiner persönlichen Abneigung gegen einfache Shelter habe ich erstaunlich gut geschlafen. Ich mache mir einen Tee, fülle das Wasser aus der Flasche um in meine Wasserblase und packe in aller Ruhe meine Sachen. Bald sind keine Spuren von meinem Lager mehr zu sehen.

Zwischen den Hügeln ist es noch schattig, doch der Himmel ist klar und verspricht einen sonnigen Tag. Daher zippe ich bevor ich aufbreche die Beine von meiner Hose und marschiere dann los.

Links und rechts des Weges blüht es wie bei uns im Frühling, unter anderem stehen überall Bäume die diese Blüten tragen:

http://i1102.photobucket.com/albums/g445/Sabine83/Portugal/P1010490.jpg

Sie richen honigartig, aber ich habe keinen Schimmer um was es sich handelt...

Die Etappe führt erneut an vielen Zitrusbäumen entlang, und obwohl ich vom Vortag noch eine Orange habe kann ich nicht wiederstehen mir noch eine einzustecken, die mir direkt vor die Füße kullert. Sie ist schon ein wenig angeschlagen, ich glaube daher nicht, dass die offiziellen Besitzer etwas dagegen haben. Zumal ihre Kumpanen unter dem Baum verfaulen... :p

http://i1102.photobucket.com/albums/g445/Sabine83/Portugal/P1010501.jpg

Ein riesen -- Kürbis? -- ganz in der Nähe von "meiner" Orange:

http://i1102.photobucket.com/albums/g445/Sabine83/Portugal/P1010489.jpg

Der Weg führt mich ein Stück die Straße entlang, dann jedoch davon ab und entlang einem schönen Stausee. An einem Bach mache ich Pause und vertilge meine Orange. Bisher gab es nur wenig Höhenmeter zu bewältigen, aber ich weiß, dass dies auf die letzten paar Kilometer der heutigen Etappe noch anders wird. Da sind es dann auf ca. 3 Kilometer gleich 300 Höhenmeter. Ich hoffe, dass es dann nicht mehr ganz so warm ist wie im Moment.

http://i1102.photobucket.com/albums/g445/Sabine83/Portugal/P1010500.jpg

Unter anderem begegnet mir auch dieser possierliche Schubkarrenmann im weiteren Laufe des Tages:

http://i1102.photobucket.com/albums/g445/Sabine83/Portugal/P1010502.jpg

In der Tat ist es bereits etwas kühler als ich die Höhenmeter in Angriff nehme. Es hilft, dass große Teile durch ein Wäldchen führen. Vom "Gipfel" der Berge habe ich einen ersten, sehr schönen Ausblick über die Landschaft durch die ich heute gegangen bin. Leider lässt sich das mit der Kamera nicht ganz so gut einfangen.

http://i1102.photobucket.com/albums/g445/Sabine83/Portugal/P1010505.jpg

http://i1102.photobucket.com/albums/g445/Sabine83/Portugal/P1010506.jpg

Inzwischen ist es so kühl, dass ich die Softshell aus dem Rucksack krame und sie überziehe. Die Hose wieder zu verlängern habe ich noch keine Lust, aber meine Beine sind ja auch permanent in Bewegung. In der Ferne kann ich schon Marmelete ausmachen, dort will ich eine kurze Pause einlegen zwecks Wasservorratsergänzung. Hinter dem Dorf will ich mir dann irgendwo einen Lagerplatz suchen.

Im Dorf frage ich mehrere Leute nach einem Supermercado, leider sprechen sie alle nur Portugiesisch, und für eine längere Wegbeschreibung sind meine Sprachkenntnisse dann doch zu mangelhaft. Glücklicher Weise zeigt mir ein kleiner Junge mit seiner Schwester den Weg. Sehr zum Unwillen seiner Großmutter, die ihn gerade ins Haus gerufen hatte...

Ich bin jedenfalls dankbar, auch wenn ich entdecke, dass ich die Hilfe gar nicht wirklich gebraucht hätte. Einfach der Via durch das Dorf folgen, dann kommt man automatisch an allen drei Minimercados des Dorfes vorbei. Zwei davon befinden sich genau auf dem was ich als den Dorfplatz identifiziere, dort wo offiziell auch die Etappe endet und die nächste beginnt. Der eine Laden links, der andere rechts.

Links direkt auf der Ecke und rechts mit der gelben Markise finden sich die zwei Dorfläden.

http://i1102.photobucket.com/albums/g445/Sabine83/Portugal/P1010507.jpg

Der Beginn der nächsten, bzw. das Ende meiner Etappe:

http://i1102.photobucket.com/albums/g445/Sabine83/Portugal/P1010508.jpg

Nur kurz hinter dem Dorf, auf einer Anhöhe, schlage ich mein Lager auf. Es ist nicht ideal, bei weitem nicht. Auf der anderen Seite des Weges befindet sich ein alter Stall (?), der ziemlich zugemüllt ist. Aber es ist schon recht dunkel und hier ist der Boden einigermaßen eben. In der Nacht frage ich mich dann aber schon ob das die richtige Entscheidung war. Es windet, aber wie. Ich schlafe kaum weil ich Angst habe, dass es mir das Zelt überm Kopf wegweht. Irrational bei einem ordentlich aufgestellten Shangri-La 3, ich weiß. Um den Schlaf bringt es mich trotzdem in dieser Nacht...

Zumindest die Aussicht über die Hügel bei Sonnenuntergang hatte was!

http://i1102.photobucket.com/albums/g445/Sabine83/Portugal/P1010510.jpg

http://i1102.photobucket.com/albums/g445/Sabine83/Portugal/P1010509.jpg



Fortsetzung weiter unten...

Sabine38
12.01.2012, 20:42
Danke für den Bericht, kommen schöne Erinnerungen an meinen Kurz-Urlaub im September hoch.

Danke, das freut mich! In Erinnerungen schwelgen ist immer gut.


Die Costa Vicentina beginnt schon - wenn man von Osten aus Richtung Lagos kommt - ab Burgau. Also warst du im südl. Zipfel.
Vom Kap - der deutsche Wurstverkäufer machte wohl Winterpause!? - an der Küste entlang nach Norden laufend und dann erst quer rüber in die 'Bischofsstadt' und dann weiter die Via. Dieser Teil der Costa Vicentina nach Norden wird dann noch deutlich schöner.
Ich bin gespannt wo du weiter vorbei kamst, einige wenige Teile des Algarve-Hinterlandes kenne ich auch noch nicht.

Okay, dann bin ich da ein Stück von gelaufen. Wirklich wunderschön, markiert ist aber noch nichts. Das hätte mir zwischen Salema und Sagres sehr geholfen... :grins:

Ich habe mir Zeit gelassen beim Wandern. Wenn ich solo unterwegs bin laufe ich immer weniger Kilometer als in Gesellschaft. Zum einen weil ich morgens mehr trödele, zum anderen weil sich meine Pausen immer etwas mehr ausdehnen. :ignore: Aber es war entspannend und ich habe mich gut erhohlt, das war ja das Ziel des Urlaubs.


So was in D ...?
wenn man - vielleicht wie hier - durch ein Spargelgebiet läuft und einem da anstatt Orangen frischen deutschen Spargel für seinen Weg ausgelegt bekäme oder im Juni frische Erdbeeren ...

Die am wenigsten haben, geben am meisten. Das gefällt mir an den Portugiesen so.

Ich fand die Portugiesen auch sehr sympathisch. Allerdings gehörte das Haus glaube ich Deutschen. Jedenfalls stand auf dem Grundstück ein Schild dass die Treppen im Herbst/Winter nicht geräumt werden. :o


Doch, das gibt's schon hierzulande: An Kisten mit Äpfeln, mit Aufforderung zur Selbstbedienung, bin ich schon sehr häufig vorbeigekommen. Erdbeeren oder Spargel sind auch nicht sehr lange haltbar.


Freu mich ebenfalls sehr auf die Fortsetzung :cool:

Stimmt, das habe ich auch schon gesehen. Fortsetzung... Siehe oben.:p


Das sieht echt traumhaft schön dort aus!!!

Schnell weiterschreiben bitte :grins:

Es ist traumhaft schön. War echt lohnenswert!

PWD
12.01.2012, 20:44
Schon mal vorab, ich bin noch beim Lesen - auf dem ersten Bild hast du einen Erdbeerbaum (http://de.wikipedia.org/wiki/Westlicher_Erdbeerbaum) abgelichtet; von den Früchten wird der in der Region bekannte Erdbeerbaumschnaps (http://de.wikipedia.org/wiki/Medronho) hergestellt - nicht probiert?

Sabine38
12.01.2012, 20:50
Schon mal vorab, ich bin noch beim Lesen - auf dem ersten Bild hast du einen Erdbeerbaum (http://de.wikipedia.org/wiki/Westlicher_Erdbeerbaum) abgelichtet; von den Früchten wird der in der Region bekannte Erdbeerbaumschnaps (http://de.wikipedia.org/wiki/Medronho) hergestellt - nicht probiert?

Dooooooch! Davon habe ich sogar nen Likör mitgebracht! Wusste nicht dass das das ist! Danke für die Info!

PWD
12.01.2012, 20:57
Gut gemacht in jeder Hinsicht - und gute Besserung!

Peter83
12.01.2012, 21:09
Hallo Sabine

Danke für den schönen Bericht und die tollen Bilder. Die Küste ist wunderschön!

Liebe Grüsse,
Peter

Rainer Duesmann
13.01.2012, 05:23
Mhm.
Sieht wirklich gut aus.
Langsam glaube ich man sollte wirklich auf Dich und Werner, sowie einige andere liebe Foris, hören und mal Karten von da unten bestellen... ;-)

Besten Dank und gute Besserung,
Rainer

PWD
13.01.2012, 09:39
Es heißt nicht ohne Grund schon seit Jahrzehnten 'Algarve, wo Europa am schönsten ist...' damit meine ich jetzt aber nicht viele Küsten nahe moderne Siedlungen wie z.B. Albufeira u. Co. mit ihren 'Betonbunkern', sondern das dahinter und daneben Liegende wie auch das Gebiet, durch das die Via Algarviana führt. Insgesamt sehr viel Abwechslung auf realtiv kleinem Gebiet.

Natürlich gibt es noch andere Gebiete '...wo Europa am schönsten ist' in anderen Ländern...

lina
13.01.2012, 10:01
Wie waren denn so die Temperaturwerte und die Luftfeuchtigkeit?
Ich war mal Ende September in der Gegend, da war beides hoch und zehrte heftig, weil man's von hierzulande ja so gar nicht gewöhnt ist. Aber sehr schön war's trotzdem :bg:

Chiloe
14.01.2012, 21:15
Argh...ich hätte den Job sausen lassen und stattdessen mitfahren sollen ;-). Sonnenschein en masse, während hier totales Schietwetter war :grrr:. Toller Bericht!

Wafer
14.01.2012, 23:14
Hallo Sabine.

Ein ganz toller Bericht und sehr schöne Bilder! Was hast du für eine Kamera? Ich glaube ich sollte meine mal upgraden. Ich musste mir damals auf die Schnelle in Pamplona eine neue kaufen und die ist nicht so ...

Ich freue mich auf die nächste Fortsetzung! Bitte mach schnell!

Und übrigens:

Ein riesen -- Kürbis? -- ganz in der Nähe von "meiner" Orange ...
Ich würde hier auf Zucchini tippen! Die werden bei uns auf dem Komposthaufen aber auch so groß.

Gruß Wafer

Sabine38
15.01.2012, 22:03
Sonntag, 01.01.2012

Ein neues Jahr, das erste seit ich vor Jahren eine fiese Grippe habe in das ich reingeschnarcht habe. Dafür bin ich wesentlich früher wach als an einem gewöhnlichen ersten Januar. Es ist immer noch ein wenig windig, aber bei weitem nicht mehr so sehr wie am Abend zuvor.

Ich mache mich langsam fertig, die heutige Etappe ist kurz, bis Monchique sind es nur 15 Kilometer, kurz davor möchte ich irgendwo übernachten. Daher habe ich Zeit. Außerdem ist die Feuchtigkeit sehr ins Zelt gekrochen heute Nacht, alles ist klamm. Mit etwas Glück trocknet mein Kram noch etwas bevor ich losziehe.

Der Ausblick von meiner Übernachtungsstelle:

http://i1102.photobucket.com/albums/g445/Sabine83/Portugal/P1010511.jpg

Das Wetter sieht heute nicht so überragend wie die letzen Tage aus. Die Wolken über den Bergen hinter mir sehen so aus als wollten sie irgendwann im Laufe des Tages Regen abgeben. Hmm. Vielleicht sollte ich meine Regensachen direkt anziehen? Auf eine Wiederholung meiner Irlanderfahrung (http://www.outdoorseiten.net/forum/showthread.php?56682-IE-S%FCdwest-Irland-Dingle-Way-und-Killarney-National-Park&p=922312&viewfull=1#post922312) habe ich eigentlich keine Lust. Also: Ja. Regenjacke und -hose wird angezogen.

Der Weg ist sehr schön, wenn auch an einigen Stellen echt schlecht ausgeschildert direkt zu Anfang biege ich einmal falsch ab. Zwar habe ich einen Blick auf die Karte geworfen um mich zu vergewissern, aber die Richtung gen Monchique stimmt in etwa, also los. Ich laufe an eine Art Hundezwinger mitten im Nirgendwo vorbei -- und nachdem ich feststelle dass ich hier falsch bin auch wieder zurück.

An einigen Stellen geht es ganz schön bergan, meist jedoch ist alles ganz harmlos. Für jemanden wie mich, der mehr an mitteleuropäische Laub- und Nadelwälder gewöhnt ist sind die riesigen Eukalyptuswälder die auch heute auf meinem Weg liegen faszinierend. Auch geht es wieder an vielen Stellen durch Korkeichen, auf deren Stämme Zahlen gemalt sind. Ich vermute, dass es sich dabei um das Jahr handelt in denen sie das letzte Mal geschält wurden.

http://i1102.photobucket.com/albums/g445/Sabine83/Portugal/P1010520-1.jpg

http://i1102.photobucket.com/albums/g445/Sabine83/Portugal/P1010515.jpg

Eine erste Snackpause, in der ich meine letzte lecker-schlecker-Bio-Schoki die ich noch aus Deutschland habe verdrücke!

http://i1102.photobucket.com/albums/g445/Sabine83/Portugal/P1010531.jpg

Auch Windräder gibt es hier, und nach der letzten Nacht kann ich mir kaum einen besseren Platz für selbige vorstellen! :grins:

http://i1102.photobucket.com/albums/g445/Sabine83/Portugal/P1010538.jpg

Die Wolken hängen hier recht tief, aber bisher hat es nicht einen Tropfen geregnet. Nicht dass ich mich beschweren würde! Der Ausblick über die Berge ist wieder mal gigantisch, in der Ferne kann man sogar noch das Meer sehen, obwohl die Sichtverhältnisse nicht ideal sind!

Die Via führt mich heute auch häufig durch die typischen terrassenartig angelegten Felder, häufig mit verfallenen Wohnhäusern und Stallungen anbei. Sie sehen nicht aus als würden sie noch ernsthaft bewirtschaftet, doch das Vieh wird hier offensichtlich noch zum grasen hingebracht. Kühe, Schafe und auch Ziegen sind häufig zu sehen, nur selten entdecke ich menschliche oder hündische Begleitung in der Nähe.

http://i1102.photobucket.com/albums/g445/Sabine83/Portugal/P1010543.jpg

http://i1102.photobucket.com/albums/g445/Sabine83/Portugal/P1010547.jpg

http://i1102.photobucket.com/albums/g445/Sabine83/Portugal/P1010548.jpg

Schön ist die Algarve!

http://i1102.photobucket.com/albums/g445/Sabine83/Portugal/P1010549.jpg

Erstmalig führt mich die Via Algarviana auch tatsächlich über etwas was ich allerhöchstens als Trampelpfad bezeichnen würde. Ich bin begeistert von der heutigen Etappe! Da hoch solls gehen. Wo lang genau? Ach so, mitten durch. Na dann! :p

http://i1102.photobucket.com/albums/g445/Sabine83/Portugal/P1010550.jpg

Die Terrassen durch die ich den ganzen Tag gelaufen bin haben mein Begehren geweckt. Ich will auf so einer mein Zelt aufstellen heute Nacht, unbedingt! Das gäbe bestimmt auch ein tolles Fotomotiv! Und ich bekomme was ich will, zumindest zum Teil. Ein, zwei Kilometer vor Monchique bietet sich ein idealer Lagerplatz auf einer der unbewirtschafteten Terrassen. Es ist sehr nebelig inzwischen, und ein Hirte treibt gerade die letzten Kühe von den Weiden als ich mein Zelt aufschlage.

Ich koche in Ruhe mein Süppchen, und danach noch einen Tee, lese ein Weilchen und lege mich dann früh schlafen. Das worauf ich den ganzen Tag gewartet habe kommt nun: es regnet. Auch ist es erneut sehr windig, wenn auch nicht ganz so wie die Nacht zuvor.

Okay, erwischt. Nicht nur Suppe und Tee gibt es sondern auch Weihnachts-Weingummi vom ODS Wichteln...

http://i1102.photobucket.com/albums/g445/Sabine83/Portugal/P1010555.jpg


Fortsetzung weiter unten...

Sabine38
15.01.2012, 22:16
Gut gemacht in jeder Hinsicht - und gute Besserung!

Danke, danke. Bin wieder fit genug um morgen arbeiten zu gehen. So hat mir die Erkältung ja wenigstens nur die freien Tage verdroben. ;-) (Naja, fast. Letzten Mittwoch hätte ich arbeiten müssen.)


Hallo Sabine

Danke für den schönen Bericht und die tollen Bilder. Die Küste ist wunderschön!

Liebe Grüsse,
Peter

Ohja, das ist sie definitiv!


Mhm.
Sieht wirklich gut aus.
Langsam glaube ich man sollte wirklich auf Dich und Werner, sowie einige andere liebe Foris, hören und mal Karten von da unten bestellen... ;-)

Besten Dank und gute Besserung,
Rainer

Nee, nee, Rainer, da hast du was falsch verstanden! Nicht nur die Karten bestellen, auch hinfahren! :ignore: Kann ich wirklich nur empfehlen! :D


Es heißt nicht ohne Grund schon seit Jahrzehnten 'Algarve, wo Europa am schönsten ist...' damit meine ich jetzt aber nicht viele Küsten nahe moderne Siedlungen wie z.B. Albufeira u. Co. mit ihren 'Betonbunkern', sondern das dahinter und daneben Liegende wie auch das Gebiet, durch das die Via Algarviana führt. Insgesamt sehr viel Abwechslung auf realtiv kleinem Gebiet.

Natürlich gibt es noch andere Gebiete '...wo Europa am schönsten ist' in anderen Ländern...

Das mit der Abwechslung ist definitiv wahr! Deswegen bin ich auch -- obwohl ich von der Küste ehrlich gesagt beeindruckter war -- auch echt begeistert vom Hinterland. Und das mit den vielen schönsten Gegenden Europas stimmt natürlich auch!


Wie waren denn so die Temperaturwerte und die Luftfeuchtigkeit?
Ich war mal Ende September in der Gegend, da war beides hoch und zehrte heftig, weil man's von hierzulande ja so gar nicht gewöhnt ist. Aber sehr schön war's trotzdem :bg:

Ich bin total schlecht was das Einschätzen von Temperaturen angeht. Reicht dir frühlingshaft? Ich würde sagen Mittags auch mal so bis an die 20? Sobald die Sonne weg ist kühlt es aber merklich ab. Was die Luftfeuchtigkeit angeht... Das war auch angenehm. War wirklich ideales Wetter zum Wandern. Kann mich nicht beklagen.


Argh...ich hätte den Job sausen lassen und stattdessen mitfahren sollen ;-). Sonnenschein en masse, während hier totales Schietwetter war :grrr:. Toller Bericht!

:baetsch: Ich hätte dich ja mitgenommen... Aber so ein Job ist doch auch was feines. ;-). Und ich sage nur: Lykischer Weg. :grins:


Hallo Sabine.

Ein ganz toller Bericht und sehr schöne Bilder! Was hast du für eine Kamera? Ich glaube ich sollte meine mal upgraden. Ich musste mir damals auf die Schnelle in Pamplona eine neue kaufen und die ist nicht so ...

Ich freue mich auf die nächste Fortsetzung! Bitte mach schnell!

Und übrigens:

Ich würde hier auf Zucchini tippen! Die werden bei uns auf dem Komposthaufen aber auch so groß.

Gruß Wafer

Ich habe eine Lumix DMC-FT1, also was Anständiges für Knipser wie mich, aber nix Profi-Mäßiges. Vor allem hält sie halt was aus, das muss eine Kamera die mit mir auf Reisen geht auch. :bg:

Ja, ich dachte auch zuerst Zucchini. Aber das war so ein Mega-Oschi! Das konnte ich mir einfach nicht vorstellen.

Werner Hohn
31.01.2012, 14:23
Draußen ist es schw...kalt. Ein paar Zeilen mit Fotos aus dem warmen Süden können nicht schaden.

Sabine38
31.01.2012, 14:54
Schon verstanden... Du hast ja Recht. :sorry: :kapituliere: Ich schau mal ob ich es heute fertig bekomme... :D

PWD
31.01.2012, 14:55
Ich schließe mich Werner an und muss mich einstweilen mit diesem aktuellen Bild (http://www.portugal-webcams.com/webcams/webcam-sagres.htm) von der Gegend begnügen. Vielleicht findest du bald etwas Zeit.
Edit: da warst du einen Tick schneller...

Lotta
31.01.2012, 20:00
Oh ja, schreib noch ein bisschen weiter! :D

Markus Mohr
05.02.2012, 15:14
Vielen Dank für den Reisebericht. Wir werden Ende April nach Lagos in die Flitterwochen fahren bzw fliegen und freuen uns auch schon auf einige Wanderungen entlang der Küste. Im Gegensatz zu unseren üblichen Urlauben übernachten wir dieses mal nicht im Zelt sondern in einem Hotel.
Hatte über Googleearth mal die Küste abgeflogen, und so richtige Küstenwanderwege wie in der Bretagne scheint es dort ja nicht zu geben. Dein Bericht zeigt aber das man dennoch an bestimmten Küstenabschnitten Pfade vorfindet.

Gruß Markus

Martn
05.02.2012, 20:17
um nochmal kurz auf ein Bild auf Seite 1 zurück zu kommen
Ich glaube, das ist kein Kürbis - sondern vielmehr eine Zuccini! :grins:

Sehr schöner Bericht, danke für die Mühen :)

ckanadier
05.02.2012, 21:29
Hallo Sabine,
erst mal Danke für den wunderschönen Bericht, der auch bei mir Erinnerungen weckt.
Wir haben unsere Hochzeitsreise, bisher auch einzige Reise ohne Kinder, dort unten verbracht und sind teils auf den selben Wegen unterwegs gewesen.
Uns ist aufgefallen, dass sich in den Bergen relativ häufig Deutsche Aussteiger niedergelassen haben. Die Eukalyptuswälder sehen zwar ganz nett aus, sind aber an ihrem Standort fast ein ökologischer Todesstoß der Papiermafia.
LG Jürgen

Sabine38
24.02.2012, 21:22
Montag, 02.01.2012

Der nächste Tag beginnt mit... Regen?! Willst du mich ver***? :o Ich beschließe noch ein halbes Stündchen liegen zu bleiben in der Hoffnung, dass der Regen sich verzieht. Ich habe schließlich Urlaub und keine Eile. Aus der halben Stunde wird eine ganze, aber dann ist es draußen auch tatsächlich trocken. Nebelig wie Sau, aber es regnet nicht mehr.

http://i1102.photobucket.com/albums/g445/Sabine83/Portugal/P1010560.jpg

Mein Plan ein wunderschönes Foto von meinem Shangri-La auf den Terassen zu machen, bei schönstem Sonnenschein, so dass alle ODSler neidisch werden kann leider nicht umgesetzt werden. Verdammt. Was will man machen, also: einpacken und nicht rumheulen.

http://i1102.photobucket.com/albums/g445/Sabine83/Portugal/P1010559.jpg
Ja, ich hör euch lachen...

Während ich anfange meinen Kram zu packen wird mein Wasser heiß, Frühstück muss schließlich auch sein. Ich setze mich mit meinem Tee, dem halb gepackten Rucksack und noch ein zwei Sachen auf einen der Felsen am Rande der Terasse und genieße mein Frühstück. Bis... ja bis... mir das bereits in den Packsack gepackte Inlett für den Schlafsack vom Stein kullert. Natürlich muss sich dort ein riesiger Dornenbusch befinden. Dass er nicht brennt ist auch schon alles.

Und jetzt? Inlett opfern oder sich todesmutig in die Dornen stürzen? Heldenhaft wie ich bin entscheide ich mich für zweiteres. Im wahrsten Sinne des Wortes – wobei „entscheiden“ vielleicht eine irreführende Wortwahl ist. Während ich noch versuche mit dem Fuß irgendwie das Säckchen aus den Dornen zu fischen gerate ich – genau! – ins Rutschen. Naja, wenigstens habe ich jetzt mein Inlett wieder. Doch wie zur Hölle komme ich jetzt hier raus ohne meine Regenbekleidung zu ruinieren? Verdammt. Irgendwie klappt es dann doch ohne größere Schäden und ich kann mein Frühstück beenden und weiter packen.

Inzwischen ist das Wetter auch aufgeklart – hey, sowas wollte ich fotografieren! – und los geht es.

http://i1102.photobucket.com/albums/g445/Sabine83/Portugal/P1010561.jpg
Der gleiche Blick wie auf dem Ersten Bild!

Nach nur ein oder zwei Kilometern treffe ich zum aller ersten Mal auf der Route auch eine andere Wandersfrau. Wir unterhalten uns kurz und gehen dann jeder unseren eigenen Weg, sie ist in der anderen Richtung unterwegs und auch nur auf Tagesausflug.

http://i1102.photobucket.com/albums/g445/Sabine83/Portugal/P1010564.jpg

Der Weg nach Monchique führt durch Eukalyptus- und Korkwälder, die echt hübsch anzusehen sind. Leider ist hier auch die Kennzeichnung wirklich schleckt, und ich verlaufe mich trotz Karte an einer Stelle ganz schön. Nur durch Zufall finde ich die Via Algarviana wieder.

http://i1102.photobucket.com/albums/g445/Sabine83/Portugal/P1010565.jpg

In Monchique selbst bevorrate ich mich erneut mit Wasser und ein paar Lebensmitteln (ganz wichtig zwei Kuchenteilchen, die noch vor Ort verdrückt werden!).

http://i1102.photobucket.com/albums/g445/Sabine83/Portugal/P1010569.jpg

http://i1102.photobucket.com/albums/g445/Sabine83/Portugal/P1010570.jpg

Das Stück hinter Monchique ist ziemlich steil und zieht sich. Es ist der Anstieg auf den zweithöchsten Gipfel der Algarve den Picota. Stolze 774 Meter sind zu erklimmen! ;-) Mit insgesamt fünf Liter Wasser im Rucksack (für heute und morgen) ist das schon recht anstrengend, aber es lohnt sich. Oben auf dem Gipfel gibt es eine Wetterstation oder ähnliches. Aus der Ferne sieht sie so aus, als könne man sie betreten, daher beschließe ich da oben meine Mittagspause zu machen. Der Blick muss super sein.

http://i1102.photobucket.com/albums/g445/Sabine83/Portugal/P1010574.jpg

Und er ist es, nur leider ist die Kabine auf dem Turm geschlossen. Um sich ein bisschen umzuschauen ist der Turm trotzdem super, auch wenn es windig ist wie Sau und ich mich recht schnell wieder von dort oben verdrücke. Wobei schnell relativ ist... Das Ding ist so wackelig, ich bin wirklich vorsichtig beim runter klettern.

http://i1102.photobucket.com/albums/g445/Sabine83/Portugal/P1010580.jpg
Der Turm.

http://i1102.photobucket.com/albums/g445/Sabine83/Portugal/P1010575.jpg
Der Blick zurück auf Monchique...

http://i1102.photobucket.com/albums/g445/Sabine83/Portugal/P1010578.jpg
...und in die andere Richtung.

Der Rest des Tages ist relativ eintönig. Es geht ein bisschen rauf, ein bisschen runter, die Via schlängelt vor sich hin. Und ist unglaublich schlecht markiert. Immer wieder zögere ich. Habe ich ein Zeichen übersehen? Hätte ich abbiegen müssen? Eine Überprüfung auf der Karte ergibt immer dass ich zumindest in der richtigen Richtung unterwegs bin. Aber diese schlechte Kennzeichnung macht mich wahnsinnig. Ich habe kein Problem damit nach Karte zu laufen, aber dann konzentriere ich mich auch nur darauf. Nicht auf die Kennzeichnung.

http://i1102.photobucket.com/albums/g445/Sabine83/Portugal/P1010581.jpg

http://i1102.photobucket.com/albums/g445/Sabine83/Portugal/P1010582.jpg

Als es anfängt zu dämmern bin ich in der Nähe von Cortes, und ich beginne nach einem geeigneten Schlafplatz Aussicht zu halten. Keiner spricht mich wirklich an. Aber irgendwo muss ich ja mein Zelt aufbauen. Also wähle ich den nächsten der einigermaßen geschützt liegt. Fehlanzeige. An dieser Stelle habe ich keine Chance die Häringe in den Boden zu bekommen. Ein Stück weiter biegt ein Waldweg von der Via ab, ein paar Meter weiter ist er durch einen umgekippten Baum versperrt. Ich entschließe es erneut zu versuchen, und siehe da, es klappt. Mitten auf dem versperrten Weg schlage ich also mein Lager auf. Noch eine Suppe gekocht, etwas gelesen und ab in die Falle. Ich bin müde.



Dienstag 03.01.2012

Ich wache relativ spät auf, bin aber trotzdem nicht später dran als ich mich endlich auf den letzten Teil meines Via Abenteuers mache. Ich habe am Abend ausgiebig die Karten studiert und entschieden, dass für mich in Silves, das ich heute Abend erreiche Schluss ist. Ich wollte noch einen ganzen Tag in Faro haben um mir die Stadt anzugucken bevor ich wieder nach hause fliege. Das würde zwar bedeuten dass ich den morgigen Tag noch mit wandern verbringen könnte, aber bis zum nächsten bekannten Bahnhof wären es von Silves aus 30 km. Auf eine so lange Etappe habe ich keine Lust. Nicht, wenn ich alleine unterwegs bin.

Bis Cortes bin ich schnell gelaufen, es sind vielleicht drei, vier Kilometer. Kurz danach... Hmm. Schnelltraße? Naja, vielleicht sind es ja nur ein paar Meter. Hmm. Zwei gerade Balken bedeuten gerade aus. Ich habe so meine Zweifel und krame nach der Karte. Doch könnte sein. Hier und dann da und dann dort... Außerdem sind das eindeutig zwei gerade Balken. Und der Weg der rechts abgeht ist mit einem Draht abgesperrt. Also Schnellstraße.

http://i1102.photobucket.com/albums/g445/Sabine83/Portugal/P1010588.jpg

Nach ca. einem oder zwei Kilometer komme ich an die Stelle an der ich davon ausgehe dass die Via mich rechts führen wird. Aber hier? Keinerlei Kennzeichnung. Lange Rede, kurzer Sinn, ich hätte natürlich schon vorher rechts gemusst.

Egal. Ich habe die Wahl: Entweder die Straße zurück laufen oder mir einen Weg ab hier selber suchen. Ganz klar. Ich habe keine Lust gerade dieses Stück zurück zu laufen. Ein (etwas längerer) Blick auf die Karte ergibt aber dass ich das auch nicht muss. Von hier aus gibt es auch eine andere Möglichkeit nach Silves zu gelangen.

Tja. Oder gab es zumindest mal. Nach weiteren zwei Kilometern endet mein Weg in einem Staudamm. Einem, der auf der Karte von 2008 noch nicht drauf ist. Sch****. Der Tag fängt ja super an. Also zurück zum letzten Wegzeichen. Nur statt zwei Kilometern sind es jetzt vier. So ein Mist.

http://i1102.photobucket.com/albums/g445/Sabine83/Portugal/P1010585.jpg
Der wunderschöne Blick auf den Staudamm.

Die Wegführung war aber auch wirklich eindeutig! Wie konnte ich hier nur gerade aus laufen? Wer zum Teufel dachte bitte es sei eine gute Idee das Schild gerade auf dieser Höhe aufzuhängen?! :motz:

http://i1102.photobucket.com/albums/g445/Sabine83/Portugal/P1010587.jpg
Grummel. Ich ärgere mich immer noch über dieses Schild...

Nach diesem kleinen Seitenausflug schlängelt sich der Weg auch wieder wesentlich pittoresker durch die Berge. Okay, nennt es Hügel, wenn ihr wollt. Die Karte packe ich weg, es ist wohl besser sich auf Wegzeichen zu konzentrieren. Ich laufe wieder an Höfen vorbei, bellende Hunde werden von einem Steine schmeißenden alten Mann verjagt, die Kennzeichnung des Weges ist grauenvoll. An einigen Abzweigungen muss ich mehrere Minuten suchen ehe ich herausfinde welcher Weg der richtige ist. Manchmal sind nur noch kleine Pünktchen der ursprünglichen Wegzeichen zu finden.

http://i1102.photobucket.com/albums/g445/Sabine83/Portugal/P1010592.jpg

http://i1102.photobucket.com/albums/g445/Sabine83/Portugal/P1010589.jpg

Irgendwann, wie zu erwarten, ist es soweit. Keine Wegzeichen und keinen Schimmer wo ich bin. Es müssten noch so 5 oder 6 Kilometer bis Silves sein wenn ich nicht total daneben liege. Rucksack absetzen. Karte und Kompass raus. Hm. Ratlos in die Gegend starr. Die Hügel sind alle gleich hoch. Hmm. Kein Fluss oder Bach in der Nähe. Hmmm. Die Kreuzung hat nix was nicht alle anderen Kreuzungen hier auch haben. Hmmmm. Den ratlosen Blick von der Landschaft auf die Karte senk. Hmmmmm. Da war ich heute Mittag und dann bin ich ungefähr hier... Hmmmmmm. Nee, ungefähr hier oder doch... :o

Und dann: Meine Rettung. Sie quietscht und knattert und ist himmelblau. Gefahren wird sie von einem schon etwas älteren Portugiesen, der mich und die Karte und dann mein Gepäck anguckt. Er hält an.

Wo ich denn hin müsse.

Nach Silves. Ob er mir die Richtung sagen könne?

Klar, da geht’s lang. Aber das ist noch ein Stück. Er muss eh nach Silves, ob er mich mitnehmen soll?

Meine Wanderehre ist tief empört. „Neeeeein!“ Schreit sie lauthals.

Hmmmmmmmm. Überlege ich. Naja, vielleicht...

Okay, der Rucksack kommt auf die Rückbank, ich auf den Beifahrersitz und ab geht es nach Silves. Nach wenigen Minuten entdecke ich eine Wegmarkierung und überlege kurz ob ich meinen Fahrer bitten soll mich doch raus zu lassen. Aber nein, wir unterhalten uns nett, mit Händen und Füßen fünf englischen Worten auf seiner und fünf portugiesischen Worten auf meiner Seite und sooooo motiviert bin ich gerade auch nicht. :ignore:

Silves, so erfahre ich war in grauer Vorzeit auch mal die Hauptstadt der Algarve. Und eine Burg gibt es auch – die wollte ich mir eigentlich auch noch angucken. Aber naja, man kann nicht alles haben. Ich habe wirklich Glück, und ich werde sogar noch bis zum Bahnhof kutschiert, der ein ganzes Stück außerhalb von Silves liegt.

Auf den Zug muss ich eine ganze Weile warten, aber das macht nix. Direkt auf dem Bahnhofsgelände steht ein kleiner Mandarinenbaum und ich bediene mich ausgiebig. Wieder ganz ohne schlechtes Gewissen in Anbetracht der vielen Früchte die unter dem Baum verrotten.

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Wegzehrung. :grins:

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Die hübschen Kacheln am Bahnhofsgebäude (das geschlossen war)...

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...weitere verspielte Details.

Wieder in Faro angelangt quartiere ich mich wieder im gleichen Hostel ein wie in meiner ersten Nacht in Portugal. Sie erwarten mich zwar eigentlich erst am nächsten Tag zurück, aber es ist noch ein Bett frei.


Fortsetzung weiter unten...

Sabine38
24.02.2012, 21:50
Mittwoch, 04.01.2012

Ich schlafe erstmal aus – halbwegs, jedenfalls. Ich will ja auch Frühstück haben. Außer mir sind noch nicht wirklich viele Leute wach, also mache ich mich alleine auf den Weg die Stadt zu erkunden. Aber als allererstes brauche ich eine saubere Hose und ein sauberes Oberteil! Im Touristenbüro hole ich mir einen Plan und auf gehts...

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Bunt angemalte, kurz vor dem Zusammenbruch stehende Häuser...

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...Dattelpalmen...

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...man merkt an jeder Ecke...

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...dass man nicht in Deutschland ist.

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Die Kirche Nossa Senhora do Carmo...

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...der Innenhof der Kirche...

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...und die Attraktion: die Capela dos Ossos. Brrrr.

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Auf dem Dach der Kirche...

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...wieder draußen.

Abends gibt es eine kleine Party im Hostel. Mit von einem Brasilianer gemixten Caipirinhas die ganz hervorragend schmecken, und „flambierter“ Chorrizo. Als uns dafür der Spiritus ausgeht, kommt der Rest den ich von meiner Wanderung übrig habe zu einer sinnvollen Verwendung...

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Donnerstag, 05.01.2012

Vormittags besorge ich noch ein paar kleine Mitbringsel, Spezialitäten aus der Region. Und ein Picknick. Und ein bisschen über den Markt schlendern....

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Picknick!

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Alles fangfrisch.

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Und Storche gibt es hier auch!

Heute Mittag geht es auf die Ilha Deserta, gemeinsam mit dem Brasilianer und einem Finnen (der sehr gut Deutsch spricht) aus dem Hostel.

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Ein gestrandeter Wal! :o

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Fotos machen...

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...Muscheln sammeln...

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...am endlosen Strand entlanglaufen.

Herrlich. So muss Urlaub auch mal sein.

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Aber irgendwann wird es dann halt doch Abend und es heißt zurück nach Faro, zurück ins Hostel.

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Der Tag geht zu Ende, und somit auch mein Aufenthalt in Portugal. Noch meine Sachen packen, soweit möglich und dann ins Bett. Mein Flug geht recht früh, verschlafen wäre nicht gut. Es war schön, hier in Portugal. Ich habe nette Menschen getroffen, tolle Wanderungen unternommen, die Sonne genossen. Ach ja, ich komme bestimmt irgendwann wieder.


Fazit:

Ich hatte eine wirklich tolle Zeit. Portugal ist ideal um dort außerhalb der Sommermonate zu wandern. Auch im Winter kann man mit ein wenig Glück ideale Wanderbedingungen antreffen, so wie ich.

Die Via Algarviana ist nix für Wildness Trekker. Sie führt durch Kulturlandschaft und man kommt jeden Tag durch einen Ort, es gibt relativ viel Straße. Die letzte Etappe (meine erste) ist wirklich gar nicht zu empfehlen, spart sie euch, es ist wirklich frustrierend. Ansonsten ist zumindest der Teil der Via den ich gelaufen bin auch für Anfänger wunderbar zu wandern. Man bekommt einiges von der Landschaft zu sehen, die sich auch über die Etappen hinweg deutlich verändert.

Am Besten gefallen haben mir jedoch die ersten Tage am Meer. Das waren traumhaft schöne Wege, wenn auch an einigen Stellen wirklich Trittsicherheit gefragt war. Für Leute die in der Hinsicht unsicher sind kann ich die Küste nur mit Einschränkungen (also zum Beispiel ohne Gepäck) empfehlen.

Was ich hätte zuhause lassen können: Das Regenzeug, die Mütze und die Daunenjacke. Ja, lacht ruhig, ich hatte eine dünne Daunenjacke dabei. :roll: Sie ersetzt bei mir ein Fleece, aber ich habe keinen dieser Gegenstände gebraucht. Als Kissen war sie allerdings Top!

Was mir fehlte: Nix. Habe wirklich keinen Gegenstand vermisst.

Was war der nützlichste Gegenstand: Mein Pole-Extender. Super Erfindung, da kann man die schwere Mittelstange vom Shangri-La 3 zuhause lassen.

Ganz lieben Dank an PWD und Werner Hohn, die mir im Vorfeld einige Fragen beantwortet haben! Und ganz besonders noch einmal vielen, vielen Dank, Werner, für die Karten die du mir geliehen hast!

PWD
25.02.2012, 10:49
Vielen Dank Sabine! Toller u. ehrlicher Bericht mit sehr schönen Bildern. Ja, das Wetter in Portugal, es ist nicht immer berechenbar.

Ist es z. T. wirklich so schlecht mit der Ausschilderung? Das sollte man denen ruhig mitteilen, machen so viel Werbung.

Wenn´s deine Zeit irgend wie zuläßt, könntest du mir die wichtigsten Wegstrecken sagen mit mangelnder Kennzeichnung. Ich werde dann mal mit denen plauschen.

Gruß, Joachim

Sabine38
25.02.2012, 11:08
Vielen Dank Sabine! Toller u. ehrlicher Bericht mit sehr schönen Bildern. Ja, das Wetter in Portugal, es ist nicht immer berechenbar.

Ist es z. T. wirklich so schlecht mit der Ausschilderung? Das sollte man denen ruhig mitteilen, machen so viel Werbung.

Wenn´s deine Zeit irgend wie zuläßt, könntest du mir die wichtigsten Wegstrecken sagen mit mangelnder Kennzeichnung. Ich werde dann mal mit denen plauschen.

Gruß, Joachim

Bitte, gern geschehen! Ich lese selber so gerne die Reiseberichte hier im Forum, da teile ich dann auch selber gerne und hoffe dass sie andere so inspirieren wie es umgekehrt auch der Fall ist.

Die Ausschilderung: Die Etappe von Monchique nach Silves ist grauenhaft. An einigen Stellen hast du über mehrere Kilometer kein Zeichen, was ja okay ist wenn es keine Abzweigung gibt und das immer so ist. Aber es gibt halt auch Teilstücke da ist an jedem zweiten Stein was gemalt, da fragt man sich dann halt unweigerlich ob man ne Abzweigung übersehen hat.

Schlimmer sind aber die Stellen an denen es eine Abzweigung gibt aber keine Kennzeichnung erkennbar ist. Die schlimmste Stelle war an meinem letzten Wandertag vielleicht fünf Kilometer hinter Cortes. Ich stehe nachdem ich schon lange keine Kennzeichnung mehr gesehen habe an einer Kreuzung die mir vier Möglichkeiten gibt weiter zu gehen. Nirgendwo ein Wegzeichen. Also suche ich in den Abzweigungen nach Kreuzen (die symbolisieren hier bin ich falsch) oder nach den parallelen Balken. Nix gefunden. Also ein Stück zurück und nochmal auf die Kreuzung zu. Und siehe da ich entdecke auf einem Betonmast in ca. 2,5 Meter Höhe ein paar rote Pünktchen. Das hat dann meinen Neugier geweckt und ich bin da hoch geklettert und konnte dann anhand der Färbung des Betons erkennen, dass da in der Tat mal Farbe drauf angebracht war. Die Form gab mir dann auch dass ich gerade aus musste. Nur welchen von den beiden Wegen die da lang führten? Den halb links oder den halb rechts? Ich habe mich dann für den halb rechts entschieden weil das von der Richtung her auf der Karte besser hin kam. Und es stellte sich nen Kilometer oder so weiter auch als der richtige hinaus. Aber das war schon abenteuerlich von der Kennzeichnung her. Leider habe ich die Stelle nicht fotografiert, war in dem Moment zu sehr damit beschäftigt meinen Weg zu finden... ;-)

Die anderen Etappen waren besser gekennzeichnet, wenn ich auch in anderen Ländern schon bessere Kennzeichnungen gesehen habe.

Ditschi
25.02.2012, 11:43
Hallo Sabine,

schöner Bericht, tolles Erlebnis. Ich weiß noch nicht, ob ich es schaffe, am Wochenende zu kommen.Wenn ja, wie wäre es mit einem Rotwein aus Portugal?

Gruß Ditschi

Sabine38
25.02.2012, 12:08
Hey Ditschi,

Wein habe ich zwar keinen aus Portugal mitgebracht, aber da lässt sich im Supermarkt bestimmt was finden. Und ansonsten tut es einer von den üblichen Verdächtigen ja auch... Daher: Ja, Wein auf alle Fälle! Hoffe also dass du kommst (mit Herzensdame?)!

Sabine

Ditschi
25.02.2012, 12:36
OT Hallo Sabine,

die Herzensdame hat mir beruflich definitv abgesagt. Und ich weiß halt auch noch nicht so genau. Hängt von dem Arbeitsanfall kommende Woche ab. War ja grade im verlängerten Wochenende.
Wenn, dann Wein aus Portugal, nee, portugiesischen aus dem Supermarkt.

Gruß Ditschi

tob
25.02.2012, 18:29
http://i1102.photobucket.com/albums/g445/Sabine83/Portugal/P1010612.jpg
...man merkt an jeder Ecke...

Ich musste gerade lachen: Genau diese Straßenlaterne habe ich vor 3 Jahren auch fotografiert!

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/IMG_1638.JPG

Ansonsten toller Bericht mit schönen Fotos! :)

Sabine38
28.02.2012, 20:55
Ich musste gerade lachen: Genau diese Straßenlaterne habe ich vor 3 Jahren auch fotografiert!


Ansonsten toller Bericht mit schönen Fotos! :)

War halt auch ein tolles Motiv! :bg:

Und danke!

Werner Hohn
17.11.2012, 13:05
Mit der Zustimmung von Sabine38 kapere ich ihren Reisebericht für eine kleine Ergänzung.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/sagres-raposeira.JPG
Karte von OpenStreetMap (http://www.openstreetmap.org) Veröffentlicht unter ODbL (http://opendatacommons.org/licenses/odbl/)

Blau: Teilstrecke der Via Algarviana, hier etwa 30 km, markiert
Rot dick: Alternativroute auf meist staubigen Wirtschaftswegen
Rot dünn: Alternativeroute, überwiegend auf Trampelpfaden
Markierung der Alternativroute: keine
Grüne Kreise: Campingplätze
Roter Kreis: Bauernhof (2008 brauner Anstrich, 2012 weißer Anstrich, ...)
Karte: keine offizielle, Ausdrucke von OpenStreetMap, noch besser Satfotos in Hybriddarstellung helfen bei der Orientierung
Literatur: da bietet sich so alles an worin Wanderungen in der Algarve beschrieben werden. Diesen Küstenabschnitt lässt kein Autor aus.
Siedlungsdichte: ab Martinhal (nordöstl. von Sagres) unbebaut
Verpflegung, Wasser unterwegs: nirgends, die letzte Bar steht am Strand der Ferienanlage Martinhal, im Winter meist dicht. In Sagres und Raposeira gibt es Lebensmittelläden.
Bus: Sagres wird mehrmals von den Bussen der EVA Transportes (http://www.eva-bus.com/novo/) angefahren. Linie Lagos-Sagres. Je nach Saison fahren die Busse weiter zum Cabo de São Vicente. Der Bus hält auch in Raposeira. Die Bushaltestelle ist an der Ampelkreuzung auf der Hauptstraße. Frühzeitig Handzeichen geben schadet nicht.

Warnung: Für die Alternativroute ist Trittsicherheit erforderlich. Oft führen die Trampelpfade über Geröll dicht an die Abbruchkante heran oder an der entlang. Zwischendurch sind einige sehr einfache Kletterstellen. Mit Rucksack sind dann schon mal die Hände gefordert. Jedes Jahr fallen in Portugal einige Menschen von den Klippen, was diese in der Regel nicht überleben. Die meisten sind zwar Klippenangler, doch auch Wanderer sollten das ernst nehmen.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/sagres-raposeira-ebene-marthinal.JPG[/img-l] Blick zurück nach Sagres. Rechts die Ferienanlage Martinhal.

Sabine38 beklagt in ihrem Reisebericht die Wegführung über Teerstraßen oder breite Wirtschaftswege. Besonders nach dem Start am Kap. Wenn man bereit ist auf eine Markierung zu verzichten, dazu nicht vor etwas Anstregung und ganz leichten Kletterpassagen zurückschreckt, etwas Orientierungsvermögen besitzt, kann man direkt an der Küste entlang gehen und so die erste Etappe abkürzen. Einer der großen Nachteile der Via Algarviana ist in meinen Augen, dass sie die Küste praktisch nicht berührt. Wer fährt schon nach Portugal und verzichtet auf die Küste? Wenn diese Strecke entlang der Küste auch nicht lang ist, doch zum Einlaufen mit Vollbad im Atlantik zwischendurch, ist die in meinen Augen besser geeignet als der Weg durch das Hinterland. Man muss halt aufpassen.

Sagres-Raposeira

In der Regel wird man in Sagres übernachten, aus diesem Grund verzichte ich auf eine Beschreibung ab dem Leuchtturm auf dem Kap. Bei der Übernachtung auf dem Campinplatz lohnt eine nachmittägliche Kurzwanderung zum Kap und wieder zurück. Wer möchte, kann sich am nächsten Morgen das Städtchen erspraren, indem Martinhal angesteuert wird. Martinal ist eine geschlossene Ferienanlage mit Luxushotel und Luxus-Ferienhäusern. Nicht von dem Wachmann am Eingang abschrecken lassen. Der Zugang zum Strand ist frei, schon alleine wegen der Strandbars, die auch leben wollen. Rein in die Ferienanlage und direkt am Eingang die Straße nach rechts runter nehmen. In der Nebensaison ist das Wärterhaus meist unbesetzt.

Start im Städtchen: Vom Hafen in Sagres rüber zur Bucht unterhalb der Feriensiedlung Marthinal. Ganz am Ende des Sandstrands führt links ein Trampelpfad hoch zu den Hotels. Ein Schild warnt vor Steinschlag und dem Betreten der Küstenzone. Hoch, erster Abzweig (nach 30 m) nach rechts, dann 400 m dem Pfad folgen. Aufpassen, dass keine Steine losgetreten werden. Unten könnten Menschen am Strand liegen! Sehr kurzer steiler Abstieg hinunter in die nächste Bucht. Die kleine Bucht ist nicht zum Zelten geeignet. Kindskopfgroße Steine. Kleine Kletterpassage hoch auf die Steilküste (40-50 m). Ab hier wahlweise den Pfaden nach Osten folgen. Unendlich viele Pfade laufen hier kreuz und quer über das kleine Plateau, so dass eine Wegbeschreibung nicht möglich ist. Weglos nach Osten geht auch. Man braucht auch keine, solange man sich zwischen der Küste und dem links immer wieder auftauchen weißen Bauernhof hält. Das ist das einzige Gebäude hier. Ob das dauerhaft bewohnt wird, ist nicht ganz klar. Im Herbst 2008 war der Hof verlassen, im Herbst 2012 standen Autos davor und im Hof sprangen Hütehunde herum. Der Bauernhof liegt so weit von der Küste weg, dass man einen Umweg machen muss, um hinzukommen. Ein halbe Stunde nach dem Bauernhof stößt man auf die nächste zugängliche Bucht, mit dem Strand Praia do Barranco. Das ist zwar keine ganz einsame Bucht mehr, doch immerhin so einsam, dass die Hippies unbehelligt bleiben.

[img]http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/sagres-raposeira-horta.jpg
Der Bauernhof auf der Hochfläche

Aus der Bucht führt ein langer Fahrweg, der nur ein kurzes Stück mit Rasensteinen befestigt ist, über 5 bis 6 Kilometer hinauf nach Raposeira. Ganz zum Schluss, bei den ersten Häusern, kommt von links die Via Algarviana. Der erste Wegweiser stand 2012 noch an der T-Kreuzung der ersten Querstraße am Ortsrand (führt nach Hortas de Tabual und zur Praia do Zavial), der man dann nach rechts folgen muss.

Wer plant eine Nacht in der Bucht zu verbringen, muss Wasser und Essen mitschleppen. Dort gibt es nichts. Es ist möglich, der Küste über Pfade weiter nach Osten zu folgen, bis man die Praia do Zavial (Strand mit Bar/Restaurant) kommt. Gehzeit etwas über eine Stunde. Das Restaurant hat außerhalb der Saison meist zu. Etwas zurück, doch gut sichtba,r befindet sich der einfache Camping da Ingrina. Angeblich hat der das ganz Jahr auf. Einen Laden gibt es dort nicht. Wer dort übernachten möchte, kann über die einsame Zufahrtstraße hoch zur Via Algarviana wandern.

Wie immer: alle Angaben ohne Gewähr und aufpassen muss jede/r schon selber.

*örgs*, diese Farben!

PWD
18.11.2012, 12:24
Zwei Live Webcams von genau der Gegend (zur Wettertestung für Schnellentschlossene:bg:):


- Blick üb. Martinhal-Strand u. Hafen auf Sagres (http://www.portugal-webcams.com/webcams/webcam-sagres.htm),

- und Salema (http://www.portugal-webcams.com/Salema/webcam-salema-algarve.htm).

HaegarHH
15.12.2015, 17:25
Seit über 2 Jahren geht mir dieser Artikel nicht mehr aus dem Kopf, jeden Herbst auf's Neue mehrfach gelesen … erstmal DANKE dafür :D

Ich habe da noch ein paar Fragen [PT] Algarve - Küste und Hinterland, Via Algarvina …ein paar Fragen (https://www.outdoorseiten.net/forum/showthread.php/90266-PT-Algarve-Küste-und-Hinterland-Via-Algarvina-%C2%85ein-paar-Fragen?p=1458631#post1458631) … vielleicht hat ja jemand, der das Posting hier mitbekommt, ein paar Ideen - DANKE ;-)

AndreasE
19.02.2016, 20:01
http://i1102.photobucket.com/albums/g445/Sabine83/Portugal/P1010490.jpg

Das ist ein Erdbeerbaum und die Früchte sind echt lecker!
Die Bäume kommen im gesamten Mittelmeerraum vor. Die Einheimischen kochen aus den reifen Früchten Marmeladen LEEECCKKERR!

Andreas