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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [RO] Transsilvanien, Ostkarpaten und südliche Bukowina "cu bicicleta"



squirrel
04.01.2012, 14:34
Land: Rumänien
Reisezeit: August 2011

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P1030444.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=43835&title=p1030444&cat=500)

"Travel in Romania is as rewarding as it is challenging. [...] Rather than expecting an easy ride, try to accept whatever happens as an adventure - encounters with Gypsies, wild bears and tricky officials are likely to be far more interesting than anything purveyed by the tourist board." (aus der Einleitung zu The Rough Guide to Romania)

Auch diese Warnung konnte mich nicht abhalten.

Anscheinend wurde ich bei meiner Ungarn-Rumänien-Radtour 2010 (http://www.outdoorseiten.net/forum/showthread.php?46969) von dem unter Rumänienreisenden wohlbekannten Rumänien-Virus angesteckt.

Jedenfalls kam mir die Idee zu dieser Tour schon letzten November, also recht bald nach dem Ende der vorigen Tour. Zu viele Orte konnte ich letztes Jahr nicht erreichen, und zu sehr hat mich die kulturelle Andersartigkeit mitten in Europa, aber auch die Offenheit und Gastfreundschaft der Rumänen beeindruckt, um das Land als Reiseziel abzuhaken. An sehenswerten Zielen gab es noch die Bergstraße durch das Făgăraș-Gebirge, die historischen Städte Siebenbürgens, und die Moldauklöster auf der anderen Seite der Ostkarpaten. Der andere Grund für die Tour waren eine Reihe rumänischer Kontakte, die aus meiner vorigen Arbeit weiterbestanden.

Nach den eher kühlen Nächten letzten Oktober legte ich meinen Urlaub dieses Mal in den August, in der Hoffnung auf angenehme Temperaturen speziell in den Bergen.


Montag, 15.8.2011
Anreise, Teil I

Los geht's am frühen Nachmittag vom Münchner Hauptbahnhof. Lange habe ich die Vor- und Nachteile der verschiedenen Transportmittel - Bahn, Bus, Flugzeug - gegeneinander abgewägt, um schließlich doch wieder bei der Bahn zu landen. Für den Vorteil eines sehr geringen Risikos von Transportschäden am Fahrrad nehme ich das Umsteigen und eine Übernachtung in Ungarn in Kauf. So geht es über Salzburg, Wien, Bruck an der Leitha und Györ nach Komárom an der ungarisch-slowakischen Grenze, wo ich eine kurze Nacht bis zum ersten Zug am nächsten Morgen nach Budapest verbringen darf.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P10302141.jpg[/IMG-L] (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=43830&title=p10302141&cat=500)Über die Donaubrücke erkunde ich den slowakischen Teil der Doppelstadt, bis mich einsetzender Regen zum Unterstellen unter dem Dach des ehemaligen Grenzpostens und schließlich zur Rückkehr zum Bahnhof bringt. Die "spannendsten" Begegnungen unterwegs sind häufig nachts und an Bahnhöfen, so auch diesmal: Ein junger Obdachloser hält mich die Stunden bis zur Abfahrt wach. Er spricht recht gutes Englisch, und ist über das mp3 eines seiner Lieblingslieder, das ich ihm von meinem Handy auf seines übertragen kann, noch glücklicher als über die Proviantvorräte, die ich mit ihm teile. In seiner Freude vergisst er für einige Stunden die Bitte um etwas Geld...


Dienstag, 16.8.
Anreise, Teil II

Pünktlich um 3:40 verlasse ich Komárom per Regionalzug, um zum Sonnenaufgang in Budapest anzukommen. Die Stadtdurchquerung vom Bahnhof Deli pu im Westen zu Keleti pu im Osten kenne ich noch vom letzten Jahr, das bereitet also keine Probleme. Das Problem bereitet mir eher der Schaffner des Intercities in Richtung Arad, der mich wegen meines Fahrrads nicht einsteigen lässt. Formal hat er ja recht, aber die rumänischen Schaffner der ICs zwischen Rumänien und Ungarn sind normalerweise deutlich entspannter. Ich bin jedoch zu übermüdet, um zu verhandeln. Außerdem habe ich den Ersatzplan schon vorbereitet: Per Regionalzug geht es bis nach Szolnok, wo ich ein paar Stunden Zeit zum Frühstücken und Erkunden der Stadt bei angenehmem Sonnenschein habe. Ein weiterer Zug bringt mich am frühen Nachmittag bis zum Grenzort Lököshaza.

Dort muss ich auf's Fahrrad umsteigen. Anscheinend gibt es tatsächlich keine Möglichkeit, ein Fahrrad im Zug von Ungarn nach Rumänien zu transportieren. Ein Blick auf die Uhr rät mir zur Eile, will ich noch den Zug von Arad nach Timișoara und mein Tagesziel, den Campingplatz in Timișoara, erreichen. Da es in der Umgebung von Lököshaza weit und breit keinen (offiziellen) Straßen-Grenzübergang nach Rumänien gibt, schließe ich auf eine gemeinsame Verschwörung der Eisenbahnplaner mit den Straßenplanern gegen Radfahrer. Irgendwie komme ich trotzdem noch rechtzeitig in Arad an und bin eine gute Stunde später in Timișoara.

Es dämmert bereits, und die letzte Aufgabe des Tages ist es, den Campingplatz am östlichen Stadtrand zu finden. Dummerweise habe ich keinen Stadtplan mitgenommen, der den richtigen Ausschnitt Timișoaras zeigt (Planungsfehler Nr. 1, weitere folgen), und so muss ich nach Bauchgefühl fahren. Zwei Stunden später habe ich den Campingplatz immer noch nicht gefunden, obwohl ich die Straße, in der der Campingplatz sein sollte, mehrmals komplett abgefahren bin. Etwa zehn Leute habe ich unterwegs schon nach dem Weg gefragt, und genauso viele verschiedene Anweisungen bekommen. Es ist inzwischen dunkel, und mein Frust nach diesem langen Tag nimmt zu. Ich sehe meine Reiseorganisation als gescheitert an und freunde mich langsam mit der Notlösung an, mein Zelt mitten auf einer Wiese nahe des Zoos aufzustellen, in der Gesellschaft einiger herrenloser Hunde. Schließlich komme ich doch noch an ortskundige Helfer, die mir verraten, das die Einfahrt zum Campingplatz ein paar hundert Meter weiter in einer anderen Straße liegt. Noch selten zuvor habe ich mich so über einen Schlafplatz gefreut wie jetzt.

Bei hochsommerlichen Temperaturen schlafe ich auch ohne Schlafsack ganz ordentlich. Meinen neu gefertigten Schlafsack werde ich erst morgen abholen.

70 km, 3:55 h Fahrzeit

Mittwoch, 17.8.
Timișoara

Nach der langen Anreise lege ich heute erst mal einen Ruhetag ein. Entspannt verbringe ich den Vormittag an den bekannten Kirchen, Plätzen und Parks der Stadt.

[IMG]http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P1030219.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=43832&title=p1030219&cat=500)

Für den Nachmittag habe ich mich mit Valeriu von der Schlafsackschmiede Nahanny zur Schlafsackübergabe verabredet. Neben einem passgenauen Prakticus bekomme ich eine Menge Tipps zum Umgang damit und die Information, dass ich der zweite deutsche Kunde (und ODS-User) bin, der seinen Schlafsack persönlich abholt (an dieser Stelle vielen Dank an alle Verfasser von Testberichten zu Nahanny-Produkten!).

Abends treffe ich D. und M., zwei ehemalige Kolleginnen, in einer der zahlreichen terase rund um den Piața Unirii.

Donnerstag, 18.8.
Anreise, Teil III

Den ersten Test hat der neue Schlafsack mit Bravour bestanden, wenn auch am oberen Rand des Komfortbereichs.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P1030218.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=43831&title=p1030218&cat=500)
Zwar nicht der schönste Zeltplatz der Reise, aber dafür der teuerste

Heute geht es im Zug weiter nach Sibiu, wo ich am Nachmittag ankomme. Von dort radle ich durch Sibiu und bis in das Dorf Cisnadioara, wo ich das Zelt auf einem relativ naturnahen Campingplatz aufstelle. Die Obstgärten, "Zimmer frei"-Schilder und die deutschen Namen der Pensionen im Dorf vermitteln den Eindruck, irgendwo in Südtirol oder am Bodensee zu sein.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P1030225.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=43833&title=p1030225&cat=500)
Der mit Abstand schönste (offizielle) Zeltplatz der Reise

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/19082011.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=43829&title=19082011&cat=500)
Ordnungsliebe auf dem Zeltplatz (die Zeltnummer, nicht das Innenleben ;-))

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P10302271.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=43834&title=p10302271&cat=500)
Hier wird Gastfreundschaft eingefordert: "Ich warte hier so lange, bis du mir von deiner leckeren Salami etwas abgibst."

Für den Abend habe ich mich in Sibiu mit I., einer weiteren ehemaligen Kollegin, verabredet. Sie organisiert gerade die letzten Details für ein Mountainbike-Rennen nahe Sibiu, das am Sonntag mit mehreren hundert Teilnehmern stattfinden wird. Passend für meine morgige Fahrt über den Transfăgărășan steuern wir ein bei den lokalen Radfahrern beliebtes Pasta-Restaurant an, außerdem bekomme ich von I. einige nützliche Streckeninformationen.

Auf dem Rückweg zum Campingplatz bemerke ich noch Planungsfehler Nr. 2, der die 10 km Strecke etwas unangenehm werden lässt: "Nachts fahr' ich bestimmt nicht Fahrrad in Rumänien, also brauche ich auch kein funktionierendes Licht..."

48 km, 2:28 h

Vegareve
04.01.2012, 16:46
also brauche ich auch kein funktionierendes Licht..."



Oh, das ist ziemlich selbstmörderisch, aber dort nicht unüblich :bg:.

Fernwanderer
04.01.2012, 16:53
Ok! Ich bin angefüttert.
Wann gehts weiter?

squirrel
04.01.2012, 17:23
Oh, das ist ziemlich selbstmörderisch, aber dort nicht unüblich :bg:.
Wenn die Motorengeräusche von hinten lauter wurden, bin ich immer freiwillig von der Straße runter; das war zwar nervig, aber relativ sicher.


Wann gehts weiter?
Ich versuche, mit einer Geschwindigkeit von etwa 1 (d.h. einen Reisetag pro Tag) zu schreiben. Hoffentlich ist das Schreiben jetzt nicht mehr so zäh wie am Anfang...

volx-wolf
04.01.2012, 20:36
Ich freue mich auch sehr auf eine Fortsetzung - kenne es aber auch sehr gut, dass das Schreiben sich immer etwas hinzieht ;-)
Egal, ob früher oder später: Mach auf jeden Fall weiter!!!

squirrel
06.01.2012, 01:22
Freitag, 19.8.
Transfăgărășan

Heute geht es endlich los, der erste Tag auf dem Fahrrad ist gekommen. Passend dazu präsentiert sich die Landschaft in bestem Kaiserwetter. Über einige Dörfer südlich von Sibiu gelange ich auf die E68, leider kein Fernwanderweg, sondern eine Europastraße, aber die einzig praktikable Anfahrt zum Transfăgărășan. Mittags erreiche ich Cârtișoara am Fuße der Bergstraße.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P10302351.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=43933&title=p10302351&cat=500)

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/19082011_002_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=43932&title=19082011-002-&cat=500)
Kontraste

Die nun vor mir liegende Straße überwindet auf den nächsten gut 30 km etwa 1500 Höhenmeter und führt vom Flachland recht direkt ins Hochgebirge. Der abrupte Wechsel dieser beiden Landschaften sorgt auf der Auffahrt immer wieder für spektakuläre Aussichten in beide Richtungen, die etwas Abwechslung in das gleichmäßige Treten bringen. Der Autoverkehr ist recht mäßig, noch ist das Wochenende nicht gekommen. Schnell ist der Zustand erreicht, in dem ein paar Schluck Quellwasser und eine Banane besser schmecken als guter Wein oder ein aufwändig zubereitetes Dessert.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P10302471.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=43934&title=p10302471&cat=500)
Tankstelle

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P10302501.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=43935&title=p10302501&cat=500)

Nach gut vier Stunden erreiche ich die den höchsten Punkt der Strecke, die Tunneleinfahrt. Auf den letzten Metern davor reiht sich ein Verkaufsstand an den nächsten, und Volksmusik beschallt den gesamten Bereich. Das Stilfserjoch scheint mir dagegen ein beschaulicher Ort zu sein. Ich handle gegen den Rat, nicht mit Hungergefühl einzukaufen, und habe schnell meine Fahrradtaschen mit Wasser, Obst und Nusskuchen für das Abendessen und den morgigen Tag aufgefüllt.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P1030270.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=43936&title=p1030270&cat=500)
Der Blick zurück

Bei der Fahrt durch den unbeleuchteten Tunnel, der den Hauptkamm des Făgărăș unterquert, macht sich Planungsfehler Nr. 2 wieder bemerkbar. Die Notlösung, mit der Taschenlampe Blinkzeichen in beide Richtungen zu geben, funktioniert aber ausreichend.

Landschaft und Stimmung nach dem Tunnelausgang sind komplett anders als auf der Nordseite: Langsam abfallende, hintereinander geschachtelte und von der Spätnachmittagssonne halbseitig angestrahlte Hänge ersetzen die steilen Abbrüche der Nordseite, und außer einer Kleinbaustelle ist es still und fast menschenleer. Ich freue mich auf die morgen bevorstehende 90 km lange und 1600 Höhenmeter abbauende Abfahrt und weiß, dass heute einer der Höhepunkte dieser Tour ist. Während der Abfahrt entlang der ersten paar Kurven und Serpentinen steigt lange verloren geglaubtes Liedgut wieder in mir auf.

Recht schnell ist ein schöner Platz zum Übernachten, sogar mit fließendem Wasser, gefunden, aber davor lerne ich noch etwas über die Befindlichkeiten mancher Autofahrer, die hier unterwegs sind: Auf dem Rad fährt man auf einer Bergabfahrt fast automatisch schneller als die meisten Autos, und so habe ich auf freier Strecke einige davon überholt. Vermutlich hat sich ein Fahrer dadurch provoziert oder herausgefordert gefühlt, denn nachdem ich an einem möglichen Zeltplatz anhalte, höre ich hinter mir quietschende Reifen, und sehe, wie sich eines der überholten Autos nach einer zu schnell gefahrenen Serpentine wieder auf die eigene Spur zurück befördert. Dem Fahrer ist das Manöver gelungen, und vielleicht hat auch er etwas gelernt...

Beinahe an jeder flachen Stelle entlang der Serpentinen bilden sich bis zur Abenddämmerung kleine Streusiedlungen aus Zelten. Die meisten Camper sind mit dem Auto unterwegs, lediglich zwei weitere Reiseradler sehe ich, die auch hier oben übernachten.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P10302871.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=43939&title=p10302871&cat=500)

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P1030296.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=43937&title=p1030296&cat=500)
Der mit Abstand schönste (inoffizielle) Zeltplatz der Reise

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P10303021.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=43938&title=p10303021&cat=500)
Karpatenglühen

90 km, 5:54 h

Abt
06.01.2012, 13:43
Das war uns damals einfach zu kalt, dort oben zu zelten.Das Bild stammt von 1987.
(Ich nehme das Bild dann wieder heraus)

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/Bild-187.JPG

Ich fahre gerne virtuell hier weiter mit.

squirrel
06.01.2012, 14:48
Das war uns damals einfach zu kalt, dort oben zu zelten.Das Bild stammt von 1987.
(Ich nehme das Bild dann wieder heraus)


Cool, so sah "Outdoor" vor 25 Jahren aus, vermutlich ohne Gore-Tex, Silnylon und Ortlieb...
Welche Jahreszeit war das?

PS Lass das Foto gerne hier stehen.

Abt
06.01.2012, 15:43
Auf jeden Fall war es auch Anfang Oktober.
Ich habe mal einen Blick in deinen Ausrüstungsteil geworfen und herzlich gelacht über das, was wir damals so mitführten: 8 kleine Tüten Kaffee (zum Bestechen diverser Dienstlichkeiten)...verschiedene Zigarettensorten, Verhüterli, zwei große Salamis 18 Diafilme..1Ofenrohr ähnlisches 135iger Tele, 1 WW-Objektiv, Speichen und jeder zwei Schläuche,- Bremsgummis ! kurzum die halbe fliegende Wekstatt.

slarti
06.01.2012, 19:02
Hey Squirrel,

Rumänien ist ein fantastisches Radreiseland. Die Europastraßen sind zwar der Horror (es gibt eben fast keine Autobahnen), aber man kann sehr abwechslungsreiche Touren zusammenstellen. 2011 war ich auch dort (https://picasaweb.google.com/ptbilder/RUMANIENSiebenburgen32011#), allerdings im März mit zweistelligen Minustemperaturen nachts. Trotzdem eine schöne Tour. Angereist bin ich übrigens auch mit dem Zug, allerdings mit verpacktem Rad (https://picasaweb.google.com/bin.kurz.weg1/ROAnAbreise?authkey=Gv1sRgCLjip-D82Pq4Pw).

squirrel
07.01.2012, 07:36
Samstag, 20.8.
Transfăgărășan

Noch vor der Morgendämmerung stehe ich auf und wandere zu einem 300 Meter höher gelegenen Sattel, um den Sonnenaufgang und die umliegenden Gipfel zu beobachten.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P1030315.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=44113&title=p1030315&cat=500)

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P1030331.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=44115&title=p1030331&cat=500)
Auch diese Nacht war keine echte Herausforderung für meinen neuesten Reisebegleiter.

Bei stärker werdenden Böen und vom Grat herabziehenden Wolken baue ich zügig mein Zelt ab und verpacke alles für die Abfahrt.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P1030330.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=44114&title=p1030330&cat=500)
Bis heute konnte ich nicht herausfinden, welchen Zweck dieser Bolzen neben meinem Zeltplatz hat. Vermessung? Eventuell ein militärischer Hintergrund? Oder doch nur ein abgebrochener Hering eines größeren Zeltes?

Nach 8 km rauschender Abfahrt ein kurzer Blick auf den Tacho: 43 km/h Momentangeschwindigkeit, und die Anzeige sagt, dass ich gerade unter der bisherigen Durchschnittsgeschwindigkeit unterwegs bin... Etwa 20 km geniale Abfahrt werden mir so auf der gut ausgebauten, fast verkehrsfreien Straße geschenkt.

Die nächsten 29 km entlang der Uferlinie des Stausees Vidraru müssen dagegen hart erarbeitet werden: Die unzähligen Schlaglöcher und halbherzigen Ausbesserungen, zusammen mit vielen kleinen Gegenanstiegen kosten mich zwei Stunden Zeit und die gute Laune nach der bisherigen Abfahrt.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P1030333.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=44116&title=p1030333&cat=500)
Erst wenn der Boden am Grund des Schlaglochs nicht mehr sichtbar ist, ist es tief genug für Vorsichtsmaßnahmen...

Nach dem Ende des Stausees geht es auf einer besseren Straße weiter bergab, zunächst durch eine Schlucht und anschließend durch die Dörfer oberhalb von Curtea de Argeș. Deutlich spüre ich das wärmere Klima südlich der Karpaten.

In Curtea de Argeș entkomme ich der größten Mittagshitze in der Kathedrale und im Schatten der Bäume im Park um die Kathedrale. Nach einer kurzen Mittagspause breche ich auf in Richtung Râmnicu Vâlcea. Zwei Hügelketten in der herunterbrennenden Sonne geben mir den "Rest" und zwingen mich zu mehreren Pausen. Auch Müsliriegel, Kekse und Trinken wirken nicht mehr so wie erhofft. Die Auffahrt gestern war wohl doch etwas kräftezehrend. Erst ein heraufziehendes lokales Gewitter sorgt wieder für Motivation und Kraft auf den letzten Kilometern.

Im Accelerat von Râmnicu Vâlcea zurück nach Sibiu herrschen "typisch rumänische" Verhältnisse: Recht bald nach der Abfahrt ist das halbe Abteil miteinander im Gespräch, und ich kann mich mit den Überresten meiner Französischkenntnisse zumindest mit einigen Mitfahrern unterhalten. Genauso schnell macht auch eine Flasche Țuica die Runde, und mitgebrachtes Proviant wird einander angeboten.

Von Sibiu aus habe ich auf der inzwischen bekannten Route bald wieder Cisnadioara erreicht. Der Campingplatz ist nun fast komplett belegt, vor allem mit Teilnehmern der Geiger Mountainbike Challenge (http://ciclism.ro/maraton/), die sich auf das Rennen morgen vorbereiten. Aber auch eine vierköpfige Gruppe (ausgewanderter) Rumäniendeutscher treffe ich, die noch regelmäßig ihre ehemalige Heimat besuchen und gerade eine zweiwöchige Trekkingtour durch die Südkarpaten beendet haben. Ich bin so müde, dass ich kurz nach dem Abendessen schlafen gehe und nichts mehr vom Lärm des restlichen Abends mitbekomme.

135 km, 5:57 h

Die Route der letzten zwei Tage gibt es hier (http://www.bikemap.net/route/1232105) zum Nachverfolgen.

Yukonpaul
07.01.2012, 10:58
Hallo,

toller Bericht, schöne Fotos und wie es scheint, ein super Erlebnis gewesen zu ein. Danke für deinen Bericht.

Beste Grüße
Paul

squirrel
13.02.2012, 01:37
Sonntag, 21.8.
Sibiu - Mediaș

Teil 2 der Route ist hier (http://www.bikemap.net/route/1232139) abgelegt.

Heute möchte ich es ruhiger angehen als die letzten zwei Tage. Daher wähle ich nur Mediaș statt wie ursprünglich geplant Sighișoara als Tagesziel. Nach einem gemütlichen Frühstück zusammen mit der Wandergruppe von gestern abend besuche ich die Kirchenburg von Cisnădioara, eine der ältesten Kirchen Siebenbürgens.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P10303461.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=46648&title=p10303461&cat=500)

Über einen kurzen Abstecher zum Start und Ziel der Geiger Mountainbike Challenge erreiche ich das Zentrum von Sibiu. Dort gönne ich mir ein Mittagessen, bevor ich am frühen Nachmittag die Stadt Richtung Nordosten verlasse. Welliges Hügelland, immer wieder unterbrochen durch kleine Dörfer, prägen diesen Teil Siebenbürgens. Der Weg nach Mediaș ist auf einer verkehrsarmen Straße kaum zu verfehlen.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P1030353.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=46649&title=p1030353&cat=500)
Die schönen...

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P1030355.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=46650&title=p1030355&cat=500)
... und die weniger schönen Seiten Rumäniens, hier Copșa Mică

Bald ist Mediaș erreicht -- ein schönes, wenig touristisch geprägtes Städtchen mit unübersehbaren Spuren der siebenbürgischen Geschichte. Kurz nach der Stadt finde ich in der Umgebung einer Stichstraße in ein kleines Tal ein paar geeignet erscheinende Plätze zum Übernachten. Gerade noch rechtzeitig kommt mir beim Anblick einer stark ausgetretenen und erodierten Böschung der Gedanke, dass ich gerade dabei bin, eine Weide zum Zeltplatz zu machen... Bald ist aber ein Ersatzplatz gefunden. Die Ruhe der Nacht wird nur durch eine vorbeiziehende Schafherde und gelegentliches Bellen eines Hundes unterbrochen.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P10303641.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=46651&title=p10303641&cat=500)
Alte Verteidigungsanlage mit moderner Kommunikationstechnik

91 km, 5:02 h


Montag, 22.8.
Mediaș - Sighișoara

Noch in der Morgendämmerung breche ich mein Nachtlager ab. Trotz der hochsommerlichen Temperaturen tagsüber ist es in der Früh recht frisch und klamm.
Durch viele Dörfer, fast jedes hat eine Kirchenburg, geht es weiter Richtung Biertan.

Im ersten Dorf nach der Abzweigung hin zu diesem Highlight unter den Kirchenburgen bilden fünf bettelnde Kinder, als sie mich sehen, eine Menschenkette als Straßensperre. Diese Wegelagerei ist mir etwas zu aufdringlich... Mein erster Ansatz, einfach ohne zu bremsen weiter zu fahren, funktioniert nicht. Gerade als ich anhalten muss, klärt ein entgegenkommender Touristenbus die Situation: Die Kinder müssen die Menschenkette auflösen und geben mir so die Chance zur Flucht nach vorne - allerdings nicht ohne mich mit einem gezielten Steinwurf zu verabschieden. Ich frage mich, welche Erfahrungen diese Kinder schon mit den vielen anderen Touristen auf dem Weg nach Biertan gemacht haben, um auf diese Taktiken zu setzen, und frage mich auch, wie die Begegnung verlaufen wäre, wenn ich (freiwillig) angehalten hätte.

In Biertan kann ich mich einer österreichischen Busreisegruppe anschließen und bekomme so für ein Trinkgeld eine Führung durch die Kirche und die umgebenden Verteidigungsanlagen.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P1030377.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=46652&title=p1030377&cat=500)
Biertan -- Blick über den innersten der drei Verteidigungsringe

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P1030372.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=46658&title=p1030372&cat=500)

Mittags erreiche ich schließlich Sighișoara und entdecke nach einiger Suche die Auffahrt zum Campingplatz, der auf einem Hügel über der Stadt liegt. Nachdem die Transfăgărăș-Straße kein ernsthaftes Hindernis war, bringt mich nun die extrem steile Straße auf den Hügel zum Schieben...

Nachdem das Zelt steht, verbringe ich den restlichen Tag im historischen Stadtzentrum von Sighișoara.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P1030380.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=46653&title=p1030380&cat=500)
Blinder Passagier in der Zeltplane

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P1030389.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=46654&title=p1030389&cat=500)

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P1030391.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=46655&title=p1030391&cat=500)
Kreative Problemlösung

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P1030395.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=46656&title=p1030395&cat=500)

57 km, 2:55 h


Dienstag, 23.8.
Durch das Szeklerland

Auch bergab ist mir der Weg vom Campingplatz zurück in die Stadt zu steil, um ihn mit Gepäck zu fahren. Ich staune nicht schlecht über eine Gasleitung, die neben der Straße oberirdisch wie eine Art Leitplanke läuft. Gelegentlich fehlt eine der Stützen, und die Leitung hängt bis zum Boden durch. Weiter unten ist die Leitung ein beliebtes Turngerät der Kinder geworden...

Heute möchte ich die ersten Ausläufer der Ostkarpaten erreichen. Schon kurz nach Sighișoara bemerke ich deutliche Veränderungen: Kaum noch ein Ort präsentiert sich mit einer Kirchenburg, die Landschaft ist merklich dünner besiedelt, und die Hügelketten werden höher. Außerdem werden die Schilder und Beschriftungen immer unaussprechlicher, ein klares Zeichen, dass ich im ungarisch geprägten Szeklerland angekommen bin.

Unverändert ist aber der Sonnenschein und die hochsommerliche Hitze, die nun seit einer Woche ununterbrochen anhält. Inzwischen fahre ich im langärmeligen Trikot, um die Arme vor der Sonne zu schützen -- und es ist deutlich angenehmer als im kurzärmeligen. Kurz nach der Mittagspause erreiche ich einen ersten kleinen Pass, einen Sattel zwischen Lupeni und Corund. Weiter geht es nach Praid, wo die 25 km lange Auffahrt auf den Pasul Bucin (1287 m) startet. Die Straße führt mit nur leichter Steigung durch den Wald, so fährt es sich recht angenehm.

Unterwegs sehe ich immer wieder einzelne Personen und Familien, die den Vorbeifahrenden eimerweise frisch gepflückte wilde Waldbeeren anbieten. Bei einer dieser Familien halte ich an, um mein Proviant um leckere Himbeeren zu ergänzen. Ein paar einfachste Zelte aus Plastikplanen am Straßenrand dienen ihnen als Behausung. Über Menge und Preis der Himbeeren werden wir uns schnell einig, aber natürlich werde ich danach nach allem Möglichen befragt -- nur leider auf ungarisch, so dass ich rein gar nichts verstehe... Immer wieder versucht der Familienvater, mir eine Frage langsam und deutlich genug zu formulieren, und immer wieder kann ich nur meine Verständnisprobleme andeuten. Die Versuche enden schließlich im gemeinsamen Lachen über unser Unvermögen, miteinander ins Gespräch zu kommen. Immerhin ist Lachen eine für jeden verständliche Form der Kommunikation...

Der Campingplatz auf der Passhöhe existiert leider nur in meiner Karte, also nehme ich ein Zimmer in einer einfachen Pension. Das Zimmer ist keine 5 Quadratmeter groß und sehr einfach eingerichtet, aber das ganze Haus hat einen Stil, bei dem ich mich schnell wohlfühle. Bis auf die Außenmauern scheint alles aus Holz gebaut zu sein.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P1030414.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=46659&title=p1030414&cat=500)

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P1030410.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=46657&title=p1030410&cat=500)

96 km, 5:22 h

EbsEls
13.02.2012, 08:39
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P1030389.jpg

Dieses Haus wird in unserer Geschichte auch noch eine wesentliche Rolle spielen. Bleibt aufmerksam.
Ja, es ist eine großartige Ecke, um zu Erlebnissen zu radeln ... und ich befürchte, der Virus wird sich auch bei Dir dauerhaft einnisten. Leider werden die Bahntransportmöglichkeiten für ein Rad immer mehr eingeschränkt. Es wird wohl nur das "verpackte Rad" (https://picasaweb.google.com/bin.kurz.weg1/ROAnAbreise?authkey=Gv1sRgCLjip-D82Pq4Pw#slideshow) die Lösung sein.

volx-wolf
13.02.2012, 08:46
Schön, dass Du weiter schreibst.
Schöner Bericht über eine schöne Gegend, dass weckt Erinnerungen.
Wenn auch wir damals die Kirchenburgen abgewandert sind.



Ich staune nicht schlecht über eine Gasleitung, die neben der Straße oberirdisch wie eine Art Leitplanke läuft. Gelegentlich fehlt eine der Stützen, und die Leitung hängt bis zum Boden durch. Weiter unten ist die Leitung ein beliebtes Turngerät der Kinder geworden...


Das waren bestimmt keine Gasleitungen sondern Fernwärmerohre. ;-)

EbsEls
13.02.2012, 09:37
Das waren bestimmt keine Gasleitungen sondern Fernwärmerohre.
http://lebensreise.com/Zenit-196.jpg
Ne, ne, Volx-Wolf, wenn die Farbe der Rohre gelb ist, sind es die örtlichen Gasleitungen.

volx-wolf
13.02.2012, 09:54
Stimmt ja ... ich hatte nur letztens wieder das Erlebnis, dass jemand die typischen Fernwärmerohre nicht (mehr) kannte.
Das bezog ich auf diese Situation hier.

Abt
13.02.2012, 12:12
...man kann sie schon als Fernwärmerohre bezeichnen, wenn sie offen sind und brennen...

Danke Squirrel, schöner Bericht.


Der gezeigte (besagte) Turm war die Wohnstatt der Küsterfamilie Helch auf dem Burgberg neben der Bergkirche in Sighisoara (Schäßburg)

_____________________________________________________________

Einen Campingplatz -> Westl. gab es, aber direkt in Schäßburg gab es früher keinen. Wo liegt der jetzt genau?

volx-wolf
13.02.2012, 12:39
...man kann sie schon als Fernwärmerohre bezeichnen, wenn sie offen sind und brennen...


:bg::bg:

squirrel
16.02.2012, 23:35
http://lebensreise.com/Zenit-196.jpg
Ne, ne, Volx-Wolf, wenn die Farbe der Rohre gelb ist, sind es die örtlichen Gasleitungen.

Ja, genau so eine gelbe Leitung war es, nur eben auf Leitplankenhöhe.


Einen Campingplatz -> Westl. gab es, aber direkt in Schäßburg gab es früher keinen. Wo liegt der jetzt genau?

Auf dem Hügel direkt nördlich des Bahnhofs hat eine Gaststätte/Hotel einen angeschlossenen kleinen Campingplatz. Eigentlich besteht der CP nur aus eine Wiese und ein paar sanitären Anlagen, es scheint also eher der Nebenerwerb des Betriebs zu sein. Die Zufahrt dazu zu finden, hat etwas länger gebraucht, man muss von der Strada Viilor nördlich des Bahnhofs erst rechts abzweigen und dann unter der Brücke in Richtung des Hügels fahren. Wenn man die Auffahrt gemeistert hat, ist die Belohnung aber ein Ausblick über die gesamte Stadt.

volx-wolf
17.02.2012, 08:44
Unterhalb des Stundenturmes an der Piata Hermann Oberth (bzw. vlt. auch schon Str. des 1. Dezember) gab es, zumindest vor 6 Jahren, auch noch einen Campingplatz. War in einem Hinterhof, der Spielplatz eines ehemaligen Kindergartens, auffällig vor allem wegen des Computerclubs, der dort seinen Sitz hatte und von einem ehemaligen Mathemaiklehrer/-professor betreut wrude, der auch den Platz leitete. Recht angenehm und vor allem sehr, sehr zentral.

Peter83
17.02.2012, 09:29
Sehr spannender Bericht und tolle Bilder. Macht richtig Lust das Land selbst zu entdecken.

Grüsse,
Peter

Abt
17.02.2012, 18:10
Die gelben Stadttore habe ich direkt vergessen für meine rumänische Unikatsammlung.

Danke für eure Angabe der Campingplätze. Könnte bei nächtlicher Anreise wichtig werden. Freue mich auf Sqirrels Weiterfahrt.

squirrel
21.02.2012, 01:02
Mittwoch, 24.8.
Durch die Bicaz-Klamm

Gerade als ich mich zum Frühstück auf die Terrasse gesetzt habe, hält ein Polizeiauto am Straßenrand, kurz darauf ein zweites -- das Ganze immer noch auf der Passhöhe des Bucin-Passes mit vielleicht zwei Dutzend Häusern. Vier Männer steigen aus und betreten das Grundstück, ein Anzugträger, zwei Männer in Hemden und ein uniformierter Polizist. Ihr Ziel ist meine Wirtsfamilie. Recht schnell wird mir klar, dass dies ein unangekündigter Besuch der rumänischen Wirtschaftsprüfer ist... Ich gehe wieder auf's Zimmer und packe meine Sachen, weil meine Gastgeber mit dem überraschenden Besuch voll ausgelastet sind und mich und meinen Frühstückswunsch komplett ignorieren. Aus dem Zimmer höre ich, wie die Diskussion im Stockwerk unter mir lauter wird... Ich gebe die Hoffnung auf das Frühstück auf und entschließe mich zum Aufbruch. Etwas verunsichert bin ich schon, wie ich mich verhalten soll, da ich bei meinem "Checkin" nicht das übliche Registrierungsformular ausfüllen musste. Aber das ist nicht mein Problem. Als ich mit meinen Taschen beladen in die Gaststube komme, wird erst mal meine Registrierung nachgeholt, inklusive einer kritischen Begutachtung meines Passes durch die Offiziellen.

Nachdem die Bücher geprüft sind und der Stress für meine Gastgeber vorbei ist, bekomme ich doch noch ein Frühstück, Eier mit leckerem Speck. So mache ich mich gestärkt auf den Weg Richtung Gheorgheni. Die Abfahrt in den im leichten Nebel liegenden Talkessel ist ziemlich rasant, so dass sogar ein von mir aufgeschreckter Hund die Verfolgung schnell aufgibt.

Auf der anderen Seite von Gheorgheni beginnt gleich die Auffahrt zum ca. 1250 Meter hohen Bicaz-Pass. Auf der Passhöhe erstehe ich an einem kleinen Stand ein Glas Honig aus lokaler Produktion. Damit garantiert nichts ausläuft, sichere ich den Deckel mit Klebeband und verpacke das Plastikglas noch in einer Plastiktüte (Planungsfehler Nr. 3...).
Der touristisch gut erschlossene Lacu Roșu auf der Abfahrt des Passes ist ein willkommener Rastplatz für die Mittagspause. Es gibt Honigbrot mit den Himbeeren von gestern, köstlich, auch wenn die Himbeeren nicht ganz vegetarisch sind...

Die weitere Abfahrt durch die Bicaz-Klamm ist landschaftlich spektakulär, aber das starke Gefälle und der Autoverkehr auf der engen Straße erlauben es kaum, anzuhalten oder den Blick weg von der Straße auf die steil aufragenden Felsformationen zu richten.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P10304291.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=47183&title=p10304291&cat=500)

Der Tag endet auf einem Campingplatz direkt unter der Staumauer des Stausees Izvorul Muntelui (Lacul Bicaz). Zum ersten Mal seit einer guten Woche gibt es einen kurzen Regenschauer.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P1030434.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=47184&title=p1030434&cat=500)
Das Badezimmer

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P1030438.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=47185&title=p1030438&cat=500)
Nächtlicher Blick auf die Staumauer

98 km, 4:33 h

squirrel
06.04.2012, 01:16
Donnerstag, 25.8.
Das Tal der Bistrița

Der nächste Morgen präsentiert sich trocken, aber bewölkt -- ideales Wetter für die heute geplante Etappe: Zunächst möchte ich flussaufwärts der Bistrița folgen, um dann über einen kleinen Pass die ersten Moldauklöster rund um Gura Humorului zu erreichen. Etwa 140 km wären das, mal sehen, was realistisch ist.

Zunächst geht es über die Staumauer auf die andere Seite des Lacul Bicaz, danach folgen knapp 40 km entlang des Stausees. Inzwischen habe ich mich mit der Streckenführung entlang von Stauseen angefreundet, der ständige Wechsel zwischen bergauf und bergab fast ohne flache Abschnitte macht mir heute weniger aus als noch vor einer Woche am Lacul Vidraru.

Nach dem Ende des Stausees folge ich weiter der Bistrița, die sich in einem engen Tal quer durch die gesamten Ostkarpaten zieht. Stück für Stück werden die Ortschaften in diesem abgeschiedenen Tal kleiner.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P1030444.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=43835&title=p1030444&cat=500)

Auf einmal kommen mir zwei gar nicht so recht in die Landschaft passende Verkehrsteilnehmer entgegen, es sind schwerbepackte Reiseradler. Ein willkommener Anlass für eine kurze Pause und einen Austausch über die Routen und die bisherigen Erlebnisse. Die beiden Radler kommen aus Polen, er ist gerade auf der Reise von Norwegen nach Südafrika, sie begleitet ihn auf dem Teilstück von Polen bis Istanbul... :o
Ein paar gegenseitige Streckentipps -- unsere gefahrenen bzw. geplanten Routen überschneiden sich zumindest ein Stück weit -- und ein Crashkurs "Rumänisch für Reiseradler" (à la "Kann ich hier mein Zelt aufstellen?") runden die Begegnung ab.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P10304481.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=50182&title=p10304481&cat=500)

Nach einer Mittagspause am Straßenrand und knapp 80 km entlang der Bistrița zweige ich auf eine kleine Nebenstraße in Richtung des Tarnița-Passes (1161m) ab. Ich werde nicht enttäuscht, die Straße ist asphaltiert, obwohl meine Karte sie in die niedrigsten Kategorie einordnet. Die nächsten 10 km geht es durch ein fast menschenleeres, dicht bewaldetes Tal zur Passhöhe. Abgesehen davon, dass diese Passhöhe die letzte Hürde auf meinem Weg durch die Ostkarpaten ist, ist sie recht unspektakulär, daher rolle ich gleich weiter bergab. Das erste Anzeichen menschlicher Aktivität auf dem Weg bergab sind ein paar verlassene und verfallene Industrieanlagen und ein leuchtend rostfarbener Bach, der irgendwo in den Anlagen seinen Ursprung zu haben scheint und das Tal und die folgenden Dörfer durchfließt...

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P1030455.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=50183&title=p1030455&cat=500)
Bei dieser Geisterindustrie handelt es sich um einen aufgegebenen Tagebau (47.354771 N, 25.713696 E). Die spärlichen Internetquellen dazu nennen abwechselnd Kupfer und Uran als ehemals hier abgebaute Rohstoffe. Egal was es ist, die Bewohner der Dörfer unterhalb beneide ich nicht.

Ungefähr auf Höhe dieser Anlagen ändert sich auch der Straßenbelag der bisher recht glatten Straße hin zu Betonplatten, die ihre besten Jahre schon lange hinter sich haben. Nach gut 20 km auf diesem Untergrund und etwa 4000-fachem zwangsweisen durchgeschüttelt werden bin ich froh, bei Frasin endlich die Europastraße nach Suceava zu erreichen. Die heutige Etappe endet in Voroneț, gegen Ende spüre ich deutlich die Anstrengung der letzten paar Tage in den Beinen. Der örtliche "Campingplatz" überzeugt mich nicht -- er bietet keinen sichtbaren Mehrwert gegenüber wildem Zelten --, daher wähle ich die bequeme Alternative einer Pension unweit des Klosters Voroneț und nutze den Komfort zum Wäsche waschen und Akkus laden.

134 km, 7:03 h

jannemann
06.04.2012, 02:13
Super Bericht!!!
Wenn ich immer direkt mein Geld für einen Flug in das Land eines gelesenen Reiseberichts investieren würde, weil ich davon grade so angetan bin, dann könnte ich hier nicht schreiben, weil kein Geld mehr für Internet da wäre :D

=> Ich habe auch Bock (Du hast es mir schmackhaft gemacht^^) die Ecke mal zu bereisen!

Abt
06.04.2012, 02:27
Haben damals den Weg von Cimp.-Moldovenesc über den Rarau-Pass genommen. Das war die blanke Katastrophe. Bin gespannt wie dein Weg weiterführt.
Bei Brosteni wurde Mangan gefördert

squirrel
02.06.2012, 23:45
Freitag, 26.8.
Von Kloster zu Kloster - die südliche Bukowina

Mein ursprünglicher Plan, als nächste Etappe über den Ciumarna-Pass und die Klöster Moldovița und Sucevița nach Putna zu fahren, erscheint mir eine Nummer zu groß für heute. So wähle ich eine etwas entschärfte Variante, entlang der Ausläufer der Bergketten soll es über Solca nach Putna gehen. Die beiden heute verpassten Klöster kann ich ja von Putna aus immer noch auf dem Weg nach Câmpulung Moldovenesc erreichen...

Zuerst geht es aber zum Kloster Voroneț und dessen berühmten Wandmalereien an den Außenmauern. Nachdem ich jetzt eine relativ entspannte Tagesetappe vor mir habe, kann ich mir Zeit nehmen, einige der zahllosen Details auf den Fresken zu entdecken.

So bin ich zur Mittagspause erst in Solca. Gelegentlicher Gegenwind und viele kleine Anstiege halten auf. Auch die vermeintlich flache Strecke hat ihre Höhenmeter.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P1030467.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=54051&title=p1030467&cat=500)

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P10304641.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=54050&title=p10304641&cat=500)

Trotzdem entschließe ich mich hier zu einem kleinen Abstecher nach Arbore. Dort finde ich die ebenfalls für ihre Außenmalereien bekannte Kirche jedoch nicht. Die eingeschlagene Abkürzung auf dem Rückweg zur Hauptstraße Richtung Putna komplettiert das Erlebnis: Anstatt auf Asphalt -- wie in einer Karte am Straßenrand eingezeichnet -- geht es über einen Feldweg der Glattheit "very horrible" (http://wiki.openstreetmap.org/wiki/DE:Key:smoothness) (Fortsetzung von Fehler Nr. 3, aber das werde ich erst später merken...). Hoffentlich haben sich auf den paar Kilometern nicht zu viele Schrauben gelockert...

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P10304601.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=54048&title=p10304601&cat=500)
Apfelbaumallee

Heute fällt mir zum ersten Mal bewusst auf, um wie viel einfacher die meisten Menschen hier leben: Immer häufiger sehe ich auf den Feldern keine Traktoren, sondern ganze Familien, die ihr Land in Handarbeit bewirtschaften. Es kommt mir vor, als wäre die Zeit stehengeblieben.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P1030461.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=54049&title=p1030461&cat=500)
Kloster Solca

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P10304682.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=54052&title=p10304682&cat=500)
Kirche Izvorul Tămăduirii in Horodnic de Sus

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P10304691.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=54053&title=p10304691&cat=500)
Kloster Putna

Kurz vor der ukrainischen Grenze zweigt die Stichstraße nach Putna ab, das den Abschluss eines kleinen, abgelegenen Tals bildet. Ohne das berühmte Kloster würde sich wohl kaum ein Tourist hierher verirren.
Zuerst radle ich durch den ganzen Ort bis unmittelbar vor der Pforte in der Ummauerung des Klosters. Mein Reiseführer erwähnt eine vom Kloster betriebene Campingmöglichkeit ("a summer campsite with cabins"), die möchte ich finden. Anstatt den Zeltplatz zu finden, lerne ich die Vertriebsmethoden der örtlichen Tourismusindustrie, vertreten durch eine Gruppe Frauen vor dem Klostereingang, kennen: "Cazare?" -- "Loc de campare?" Daraufhin wird mir von Regen (es hat schon die letzten zehn Tagen so gut wie nicht geregnet), Kälte (es ist Hochsommer!) und Bären (dieses Argument zieht noch am ehesten, aber von den Bären hier erhoffe ich mir noch etwas Respekt vor menschlichen Siedlungen) erzählt, mitsamt der Wegbeschreibung zu der Pension, die ich doch stattdessen nehmen möge...
Trotz des Ablenkungsmanövers und noch eines weiteren Versuchs eines Mannes am Straßenrand, mich für seine Pension zu begeistern, finde ich die im Reiseführer erwähnte Unterkunft. Sie ist jedoch kein gewöhnlicher Campingplatz, sondern besteht aus etwa zwei Dutzend kleiner Holzhütten im Garten eines zum Kloster gehörenden Gästehauses. Nach einer Weile habe ich mich durchgefragt bis zum Priester, der für die Belegung der Hütten zuständig ist. Für 10 Lei bekomme ich die Übernachtung fast geschenkt.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P10304731.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=54056&title=p10304731&cat=500)
Das ist also der "summer campsite with cabins"

Natürlich gibt es auch hier einen Besuch im Kloster, dessen Fresken nicht weniger beeindruckend sind als die in Voroneț.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P1030471.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=54054&title=p1030471&cat=500)

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P1030472.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=54055&title=p1030472&cat=500)

Abends fühle ich mich zunehmend schlechter und appetitlos, also leg' ich mich ohne etwas zu essen bald in meiner kleinen Hütte schlafen. In der Nacht merk' ich, dass meine Verdauung verrückt spielt, anscheinend habe ich mir außer dem Rumänien-Virus noch etwas anderes eingefangen...

ca. 82 km

Samstag, 27.8.

Am Morgen fühle ich mich immer noch sehr schlecht. Den Vormittag verbringe ich abwechselnd schlafend und auf der Toilette. Dass heute Ruhetag ist, steht außer Frage. Länger brauche ich für die Entscheidung, morgen nicht über zwei Pässe nach Câmpulung Moldovenesc zu fahren -- ich kann mir nicht vorstellen, morgen schon wieder ganz fit zu sein --, sondern gleich per Zug in Richtung Cluj.
Mit einer Cola-Schwarztee-Keks-Therapie versuche ich die Verdauung wieder in den Griff zu bekommen.

Für Beschäftigung sorgen allerdings die Folgen von Fehler Nr. 3: Das Honigglas ist trotz aller Sicherungen ausgelaufen und hat den Inhalt einer Packtasche mit einer klebrigen Schicht überzogen. Außer zu einer Reinigungsaktion und einer kurzen Fahrt zum Bahnhof und zu einem Minimarkt bin ich auch am Nachmittag zu nichts zu gebrauchen.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/27082011.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=54047&title=27082011&cat=500)
Holzkirche von Volovăț, jetzt aber in Putna, eine der ältesten Kirchen Rumäniens aus dem 14. Jahrhundert

Sonntag, 28.8.

Als ich aufwache, geht's mir wieder gut, vielleicht hat die Therapie gestern tatsächlich gewirkt.
Das erste Teilstück der Zugfahrt von Putna nach Suceava verbringe ich in einem fast leeren Zug, so dass Fahrrad und Gepäck kaum Aufmerksamkeit benötigen.

Das zweite Teilstück von Suceava nach Cluj dauert sieben Stunden und ist recht anstrengend: Der Zug ist ein Accelerat älterer Bauart ohne Mehrzweckabteil, also müssen Fahrrad und Gepäck im schmalen Eingangsbereich ganz hinten im Zug Platz finden. Da ständig Leute ein- und aussteigen oder während der Fahrt die Türen zum Rauchen öffnen, verbringe ich die Fahrt stehend neben dem Fahrrad. Außerdem ist da noch der etwa 10-jährige Sohn einer Roma-Familie, der nicht die Finger von meinem Fahrrad lassen kann, mich immer wieder um Geld bittet und mich auch nach dem 20. Mal Schulterzucken und "I don't understand" weiter alles Mögliche fragt...
Gegen Ende der Fahrt gibt es immerhin noch eine nette Begegnung mit zwei jungen Rumänen; sie sind auf dem Weg nach Bayern, um dort für ein Jahr zu arbeiten. Es ist ihre erste Reise nach Deutschland, und so versuche ich mit ein paar Tipps den bevorstehenden Kulturschock abzumildern.
Noch eine angenehme Überraschung, vielleicht ein kleines Geschenk, weil Sonntag ist: Ausnahmsweise interessiert sich heute keiner der Schaffner auch nur im Geringsten für mein Fahrrad.

In Cluj werde ich morgen D. treffen. Sie hat mir schon letztes Jahr in Timișoara Gastfreundschaft angeboten und ist zwischenzeitlich nach Cluj gezogen, so dass sich nun diese Stadt für einen Zwischenstopp anbot. Vorerst nehme ich aber ein Zimmer nahe der Michaelskirche.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/28082011_014_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=54059&title=28082011-014-&cat=500)
:ignore:

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/28082011_006_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=54058&title=28082011-006-&cat=500)

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/28082011_002_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=54057&title=28082011-002-&cat=500)
Abschied von den Karpaten

Montag & Dienstag, 29.-30.8.
Cluj

Zum Ausklang der Radtour verbringe ich zwei Tage bei D. in Cluj.
Genauso wie vor einem Jahr in Timișoara bekomme ich zuerst eine kleine Stadtführung. Und ähnlich wie in Timișoara sind es auch hier zwei Kirchen und ihre Vorplätze, die den Stadtkern aufspannen.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P10304791.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=54062&title=p10304791&cat=500)
Noch ein aus Timișoara bekanntes Motiv

Den nächsten Tag verbringe ich im botanischen Garten -- offensichtlich ist entweder nicht genügend Geld oder Motivation zur Pflege vorhanden, trotzdem ist es ein schöner Ort für einen entspannten Vormittag -- und dem ethnografischen Museum, das im Gegensatz zum botanischen Garten sehr reichhaltig ausgestattet ist.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/29082011_007_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=54060&title=29082011-007-&cat=500)
Cluj am Abend...

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P1030478.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=54061&title=p1030478&cat=500)
... und am Morgen


Mittwoch, 31.8. und Donnerstag, 1.9.
Abschied

Leider ist mein Urlaubszeitfenster bald zu Ende, sonst wäre jetzt noch die Gelegenheit zu einer Tagestour in die Gilău-Berge.
Stattdessen mache ich mich auf den Heimweg. Mit dem Zug geht es zunächst nach Oradea und von dort aus weiter über die ungarische Grenze. In diese Richtung ist es auch ganz ohne Probleme möglich, das Fahrrad im Zug mitzunehmen...

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/P10304891.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=54063&title=p10304891&cat=500)
Im Bahnhof von Oradea

Diesmal darf ich in Budapest eine kurze Nacht verbringen. Um 23 Uhr komme ich in Keleti pu an. Meine erste Idee ist es, die Zeit bis zum ersten Zug am nächsten Morgen im Bahnhof zu verbringen -- die Reviews des Bahnhofs (http://www.sleepinginairports.net/list.asp?region=1&country=Hungary&city=Budapest&terminal=Railway+Station) lese ich erst viel später --, um Mitternacht sorgt die Polizei aber für einen leeren Bahnhof. Auf der Suche nach anderen Plätzen bleibe ich vor den Luxushotels und dem Casino nahe der Kettenbrücke hängen -- in Sichtweite von Überwachungskameras und Türstehern fühle ich mich sicher.
Bei Sonnenaufgang sitze ich schon im Zug nach Györ, und am frühen Nachmittag komme ich zwar etwas müde, aber mit vielen Erinnerungen an eine schöne Reise in München an. Und ich fürchte, der Rumänien-Virus hat sich in den letzten Wochen etwas tiefer festgesetzt...




An alle, die den Bericht von Anfang an verfolgt und bis hierher gelesen haben: Vielen Dank für eure Geduld mit meiner Schreibgeschwindigkeit... :)

Abt
03.06.2012, 09:37
Danke für deinen Bericht. Für mich ist der sehr interessant

Die besagte Eisnbahnstrecke Putna-> Suceava führte früher weiter hinten im Sucevitza-Tal bei Nisipitsu über die Grenze und müsste eine russ. Breitspur sein.Die Überflutungen 1996 und 2008 haben die letzten Kilometer aber unter Schlamm und Geröll begraben und halbe Dörfer dieser Idylle weggeschwemmt.

Vielleicht hier auch für andere als Anregung,-das Tal kann man nicht ganz durchfahren, aber über Lupsa und Izvoare Sucevei kann man weiter und kommt in Tibau-> Cirlibaba oder am Prislop heraus. Oder weiter über den Pass Taritza bis Baia Borsa über unasphaltierte Wege. Einsame Strecken durch malerische Landschaften.

Die Strecke über Solca sind wir 1986 mit in entgegengesetzter Richtung gefahren, nur nach Putna sind wir nicht hin.
http://www.outdoorseiten.net/forum/showthread.php?59720-RO-Eine-Geschichte-aus-l%E4ngst-vergangenen-Zeiten&highlight=bericht+l%E4ngst+vergangenen+Zeiten

Kannst du bitte noch mal etwas zu den Kirchen sagen. Putna erkenne ich ,ok. aber die anderen sind mir nicht mehr so im Gedächtnis. Die Übernachtungspreise sind sehr verträglich, zumal meist das Zimmer gerechnet wird.10 Lei sind kaum zu untertoppen

EbsEls
03.06.2012, 09:55
Hi Alibotusch,

Die besagte Eisenbahnstrecke Putna-> Suceava führte früher weiter hinten im Sucevitza-Tal bei Nisipitsu über die Grenze und müsste eine russ. Breitspur sein.

Was Du nur immer mit Deiner russischen Breitspur hast? Zum Zeitpunkt des Baus hatte der Zar keine Macht über die Gegend der Karpaten und der Bukowina. Ergo hat er auch nicht über die Breite der Eisenbahnspur bestimmen können.

Pardon @Squirrel: Schön, dass Du den Bericht fortsetzt. Vielen Dank! Ich lese eben gern die Berichte von Gegenden, die ich aus eigenem Erleben kenne.

Abt
03.06.2012, 10:12
Moin Ebs, na dann sag mal, warum man an der Ukrainischen Westgrenze immer noch umspurt?
Ich habe das speziell für diese Strecke im "Lok-Report" (oder "Drehscheibe") so gelesen. Die ging früher bei Umla über die Grenze.

EbsEls
03.06.2012, 10:16
Moin Ebs, na dann sag mal, warum man an der Ukrainischen Westgrenze immer noch umspurt?
Ich habe das im Lok-Report oder Drehscheibe so gelesen.

Guggst Du hier (http://de.wikipedia.org/wiki/Bahnstrecke_Uschhorod%E2%80%93Ko%C5%A1ice)! und weiter ...

Geschichte der Bahnen in der Gegend (http://de.wikipedia.org/wiki/Lemberg-Czernowitz-Jassy-Eisenbahn)

Umbau der der Strecke von Lwiw nach Tscherniwzi erst 1940, dann auch nur auf sowjetischem Gebiet. Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Bahnstrecke_Lwiw%E2%80%93Tscherniwzi

... und so ist wird es sicher auch bei den meisten anderen Strecken gewesen sein.

Ich revidiere mich also in Teilen von der globalen Aussage oben.

Abt
03.06.2012, 10:18
Дружба!:grins:

squirrel
03.06.2012, 22:30
Vielleicht hier auch für andere als Anregung,-das Tal kann man nicht ganz durchfahren, aber über Lupsa und Izvoare Sucevei kann man weiter und kommt in Tibau-> Cirlibaba oder am Prislop heraus. Oder weiter über den Pass Taritza bis Baia Borsa über unasphaltierte Wege. Einsame Strecken durch malerische Landschaften.


Etwa diese Route (Vicovu de Sus - Brodina - Izvoarele Sucevei - Câmpulung Moldovenesc) hatte ich mir überlegt zu fahren. Ich habe die Idee aber wieder gestrichen, weil ich unsicher war über den Straßenzustand dieser Strecke fast am "Ende der Welt". Für längere unasphaltierte Wege habe ich eindeutig das falsche Fahrrad.


Die Strecke über Solca sind wir 1986 mit in entgegengesetzter Richtung gefahren, nur nach Putna sind wir nicht hin.
http://www.outdoorseiten.net/forum/showthread.php?59720-RO-Eine-Geschichte-aus-l%E4ngst-vergangenen-Zeiten&highlight=bericht+l%E4ngst+vergangenen+Zeiten


Fand es gerade nochmal sehr interessant, euren Bericht zu lesen. Im direkten Vergleich ist es wirklich "eine Geschichte aus längst vergangenen Zeiten".
Ein Teil eurer Route durch die Maramureș steht vielleicht dieses Jahr auf meinem Programm.


Kannst du bitte noch mal etwas zu den Kirchen sagen. Putna erkenne ich ,ok. aber die anderen sind mir nicht mehr so im Gedächtnis.

Ich habe die Bilder um Beschreibungen ergänzt. Die Fotos außerhalb von Putna waren meist Schnappschüsse von eher wenig bekannten Kirchen am Wegesrand.

Abt
03.06.2012, 22:58
Danke, ich habe gerad mal die Beschriftung gelesen.
Den Bericht kennst du ? Da geht es im rumänischen Teil in dieser Gegend entlang.
http://www.outdoorseiten.net/forum/showthread.php?57440-UA-RO-Bordertrekking-II-Rum%E4nischer-Teil.
Die Schreibweise in der Gegend hat auch zumindest von erst latein dann auf kyrillisch und wieder zurück zum lateinischen gewechselt.

squirrel
03.06.2012, 23:12
Danke für den Link. Den Bericht kenne ich schon (wie auch alle anderen aus der Ecke, so viele sind es ja noch nicht). Momentane Idee ist ebenso wie bei deiner Tour ein Start in der Slowakei und ein Stück durch den äußersten Südwesten der Ukraine. Wie einfach das ohne grundlegende Ukrainisch-/Russischkenntnisse möglich ist, werd' ich wohl ausprobieren...
Ich werde deinen Bericht aber bestimmt nochmal lesen, bevor es in die Maramureș geht. Vielleicht ist ja diesmal neben dem Radeln auch etwas Wandern möglich.

Abt
03.06.2012, 23:22
Zumindest ist man dort sehr bemüht den Anschluss an Europa West zu halten. Ortsnamen und auch viele Hinweise und Ausschilderungen sind mit lateinischen Lettern. Bitte erkundige dich nach den möglichen Grenzpassagen mit dem Fahrrad. Über die Theißbrücke bei Sighet war es zumindest kein Problem. Beim Grenzübergang in Uzgorod ging es offenbar nicht, da lassen sie sturerweise nur Autos passieren.

squirrel
03.06.2012, 23:33
Über die ukrainischen Grenzübergänge als Radfahrer habe ich schon einiges gelesen und diese gute Übersicht (http://2011.expeditiongreenthorn.com/Border_crossings) gefunden.
Und die kyrillischen Schriftzeichen buchstabenweise entziffern zu können seh' ich mal als das Mindeste an sprachlicher Vorbereitung.

Abt
03.06.2012, 23:43
guter Link. (Mein Link ist leider nicht mehr aktuell).
Einige Grenzpassagen scheinen mit der Schengenerweiterung von H und RO wieder dicht gemacht zu haben.
Über Feiertage (zB.Ostern und Pfingsten) ist die Gegend in der Maramuresch und Oasch sehr mit Trachten übersäht.
Man sollte vorher aber mal Nachsehen, ob die Feiertage der Orthodoxen mit der wetlichen Kirche übereinstimmen, da die bis zu vier Wochen zeitversetzt sein können.

EbsEls
04.06.2012, 22:36
Hallo Squirrel,

ich gebe mal zum Thema Grenzübergang zur Ukraine auch meinen Senf dazu ...
Als neuen Bericht (http://www.outdoorseiten.net/forum/showthread.php?63409-UA-Borderstories&p=1036736#post1036736). Zur Unterhaltung und ein Bisschen Information.

Der Link mit der Google-Karte zu den Grenzübergängen ist wirklich super!

Skyalf
04.04.2014, 01:32
Danke für diesen Bericht. :p

Enja
10.04.2014, 14:27
Als Radfahrer muss man sich bei diesen Übergängen bei den Fußgängern anstellen. Und wenn keine Fußgänger (und somit auch Radfahrer) zugelassen sind, bittet man jemanden mit ausreichend geräumigem Fahrzeug, einen mitzunehmen. Samt Rädern.

Aber wer weiß schon, wie das jetzt ist oder wird......