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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [ES] GR 92/Camins de ronda - Die ganze Costa Brava zu Fuß



Werner Hohn
23.11.2011, 17:27
Land: Spanien
Reisezeit: Mitte bis Ende Oktober 2011


Auf dem GR 92 und den Camins de ronda zu Fuß von
Blanes bis Llançà

[img-l]http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb-einleitung.jpg[/img-l] Es gibt zwei Dinge, die ich sehe, die zusammen mein Herz aufgehen lassen: das Grün der Pinien, das Blau des Meeres.

(Francisco Pi i Margall)

Costa Brava. Ausgerechnet. Stundenlanges Warten auf den Bus der von Flughafen hinunter an die Küste fährt. Zwei Engländer fahren noch mit. Where is the bar? Noch nicht ganz da, schon werden Klischees wahr.

Unterwegs nicht enden wollende Siedlungen. Weiße Häuser wälzen sich die Hügel hinauf, die Hügel hinunter, verdichten sich in den Tälern zu Dörfern ohne erkennbare Grenzen. Kein Hügel, kein Tal, ist den weißen Häusern entkommen. Grüne Pinien fehlen nur unten in den Dörfern – oben an den Hängen hat jedes Haus mindestens eine. Ferienhäuser ohne Pinie sind keine. Dicht an dicht stehen nun die Häuser. Die Straßen werden breiter, je näher die Küste kommt. Ein Kreisverkehr nach dem anderen, mit mehr Spuren, je näher an Lloret de Mar. Busfahrer, Taxifahrer, Einheimische donnern gekonnt hindurch. Ängstliche Urlauber im ungewohnten Kleinwagen sind Verkehrshindernisse. Aus niedrigen Ferienhäusern sind vielstöckige Appartementhäuser geworden. Hotels überall. Freies, unbebautes Land fehlt. Riesige Werbetafeln an den Ausfallstraßen für Lidl, Kartbahnen, Wasserwelten, Burger King und McDonald's. Lloret de Mar am Stadtrand und doch so laut und betriebsam.

Noch ein Stück die Küste runter: Blanes, noch größer als der Nachbarort und doch ruhiger, normaler. Kilometerlang die Strandpromenade. Das südliche Ende der Costa Brava endet standesgemäß: Unter vier Etagen macht es auch hier kein Haus.

Bis hoch nach Frankreich ist das so. Die Küste ist bebaut, mal mehr, mal weniger. Ferienort an Ferienort. Die einen zusammengepresst und in die Höhe geschossen, die anderen in die Länge gezogen und in die Höhe geschossen. Geheimtipps? Keine mehr. Nicht an der Küste.

Irgendwo in all dem Durcheinander ist ein Wanderweg. Zwei Wochen immer die Küste entlang, die einst die schönste Küste Spaniens war. Immer noch?

Werner Hohn
23.11.2011, 17:27
Die Etappenübersicht

[img-l]http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/medium/cb-karte2.jpg[/img-l] Blanes - Lloret de Mar
GR 92 (Costa Brava)

Lloret de Mar - Tossa de Mar
GR 92/Cami de ronda

Tossa de Mar - Sant Feliu de Guixols
GI-682 (Landstraße), PR-C 101 (regionaler Wanderweg)

Sant Feliu de Guixols - Palamós
GR 92/Cami de ronda

Palamós - Begur
GR 92/Cami de ronda, lokaler Wanderweg, GR 92/Cami de ronda, GR 92

Begur - els Griells (bei l'Estartit)
Lokaler Wanderweg, Cami de ronda, Strand, Wirtschaftswege, PR-C 108 (Sender de Pals), C-31 (Kreisstraße), PR-C 109 (regionaler Wanderweg)

els Griells - Bon Relax (Sant Pere Pescador)
Alte Straße l'Estartit-l'Escala (Schotterpiste), GR 92, Strand

Bon Relax - Roses
GIV-6216 (Landstraße), lokaler Wanderweg, GR 92, Radweg

Roses - Cadaqués
GR 92/Cami de ronda

Cadaqués - Llançà
Lokaler Wanderweg/Cami de Ronda, GR 11, GR 92

Insgesamt so um die 210 km in 10 Wandertagen.


Quelle: © OpenStreetMap und Mitwirkende, CC-BY-SA (http://www.openstreetmap.org/)

Werner Hohn
23.11.2011, 17:29
1. Etappe: Von Blanes nach Lloret de Mar

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb1-blanes.jpg[/img-l]
Blanes - Das südliche Ende der Costa Brava

Eine Treppe. Noch eine. Wieder eine. Eine versteckte. Eine übers Eck. Oben! Triumph 170 Meter über dem Meer. Immerhin gibt es einen strammen Hintern. Worte aus Frauenmund, Selbstbetrug, Motivation. Nicht wegen des Hinterns. Um der Frage nach dem Tun aus dem Weg zu gehen, denn unten liegen die Unentwegten schon am Strand. Das Leben da unten könnte bestimmt erträglich sein. Hotel, Mietwagen, Strandtücher, Sonnenmilch sind auf den Treppen ganz nah und erst oben am [i]Castell de Sant Joan endlich wieder weg.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb1-kapelle.jpg[/img-l]
Im Innern der Kapelle im Castell de Sant Joan (Blanes)

[img-l]http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb1-st-barbara.jpg[/img-l]
Santa Bàrbara

Der steinige Pfad hinab von der Burgruine mit der Kapelle hält keinen Kilometer durch. Danach Landstraße. Vorbei an der verlassen wirkenden [i]Urbanización Sant Francesc. Landstraße durch die Urbanización Santa Christina. Linker Straßenrand, Häuser, rechter Straßenrand, Hundescheiße. Ebenfalls verlassen. Nicht nur die Hundescheiße. Eine große geführte Wandergruppe in Gegenrichtung. Niemand grüßt zurück. Deutsche. Ernüchterung. Der Mietwagen, das Hotel, der Strand sind wieder da.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb1-cala-banys-neu.jpg[/img-l]
Cala Banys

Für Minuten auf Wegen durch dichten Kiefernwald. Hoffnung, dass es bleibt. Umsonst. Umgeleitet nach [i]Can Caravana. Wieder Ernüchterung. Nein, der GR 92 führt nicht durch die Jardins de Santa Clotilde. Den anderen Urlauber scheint's egal zu sein, die gehen zum Strand. Die letzte halbe Stunde vom Castell de Sant Joan bis rüber nach Lloret de Mar ist Costa Brava aus dem Bilderbuch. So weit schaffen das auch die Urlauber aus dem nahen Lloret. Badeschlappen sind kein Hindernisgrund auf dem wirklich steilen Pfad hinab zur Cala Banys.

[img-l]http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb1-lloret-de-mar.jpg[/img-l]
Lauretum, Lauredo, Loreto, Lloret ... Lloret de Mar

[img-l]http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb1-lloret-jungsbeine.jpg[/img-l] Davon gibt es jede Menge ...

Lloret hat keine Geheimnisse mehr. Steht alles in den Reiseführern. Was dort nicht steht, hat in den bunten Blättern mit den dicken Schlagzeilen gestanden. Saufurlaub bis zur Besinnungslosigkeit. Das ist immer noch so. Bumsurlaub bis zum totalen Versagen. Das sind Wunschträume, heute wie gestern. Und im Winter kommen die Busse mit den Rentnern. Das ist immer noch so. Das soll so bleiben. Das wird so bleiben. Rentner, die noch nie in Lloret de Mar waren gibt es massig und täglich wachsen neue nach. Die Russen kommen auch. Weniger die Rentner, die Jungs und Mädels, denen Malaga zu teuer ist, ist Lloret immer noch gut, wenn auch nicht teuer. Mittags sitzen Männer in goldenen Turnschuhen zu dem ausschließlich der schwarze Jogginganzug mit goldenen Streifen passt in der Sonne. Geschmacklose Goldketten, fette Uhren aus Gold funkeln in der Sonne. Beim Mittagessen steht der Wodka neben dem Suppenteller. Selbstverständlich „All Inclusive“. Klischees? Wahr gewordene.

[img-l]http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb1-figuren.jpg[/img-l] ... davon auch

Die Frauen? Um Klassen besser, schöner allemal. Und jung, besonders die aus dem Osten. Überhaupt: Ganz Lloret wimmelt von Kindern. Mittags bei Burger King, abends bei McDonald's, nachts vor den Eingängen der Discotheken. Gegenüber stellt eine dänische Jugendfußballmannschaft das Hotel auf den Kopf. Französische Schüler legen die Döner-Bude lahm. Nach dem Abendessen tauchen dann die Grüppchen aus älteren Frauen auf. Meist aus Deutschland. Drei, vier, fünf, sechs Frauen ohne ihre Männer. Auch das war schon immer so. Vermutlich soll auch das so bleiben.

[img-l]http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb1-lloret-kirche.jpg[/img-l]
Lloret de Mar - Capella del Santíssim

[img-l]http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb1-castell-gross.jpg[/img-l] Lloret de Mar - Castell d'en Playa

Nicki
23.11.2011, 17:41
Da freue ich mich drauf.
Lang ist es her- in den 70er des letzten Jahrhunderts waren wir als Kinder/ Jugendliche mehrfach dort auf auf Campingurlaub mit Muttern (Nähe Calonge)
Eine herrliche Bucht nach der nächsten...selbst in der Session gab es recht einsame Flecken.
Ich habe es als sehr schön in Erinnerung. Die Küsten waren noch nicht so zubaut.
Aus dem Boden gestampfte Touri Orte wie Playa de Aro gab es aber auch schon...

Gruß

Folko

Atze1407
23.11.2011, 17:44
Ach Werner, schön wie immer sind deine Reiseberichte zu lesen und dazu die wunderbaren Fotos die einen gerade jetzt die Sehnsucht nach dem Süden aufflackern läßt.

LG
Atze1407

Mika Hautamaeki
23.11.2011, 18:11
Der Anfang liest sich super. Ich liebe diese sarkastisch, spitzfedrige Art und Weise deines Berichts.

Werner Hohn
25.11.2011, 15:53
Da freue ich mich drauf.
Lang ist es her- in den 70er des letzten Jahrhunderts waren wir als Kinder/ Jugendliche mehrfach dort auf auf Campingurlaub mit Muttern (Nähe Calonge)
Eine herrliche Bucht nach der nächsten...selbst in der Session gab es recht einsame Flecken.
Ich habe es als sehr schön in Erinnerung. Die Küsten waren noch nicht so zubaut.
Aus dem Boden gestampfte Touri Orte wie Playa de Aro gab es aber auch schon...

Gruß

Folko

Aha, du bist älter als gedacht. Ja, die 70er, damals haben uns die Eltern auch da runter geschleppt. Im Oktober gibt es auch heute noch jede Menge einsame Flecken.


Ach Werner, schön wie immer sind deine Reiseberichte zu lesen und dazu die wunderbaren Fotos die einen gerade jetzt die Sehnsucht nach dem Süden aufflackern läßt.

LG
Atze1407

Atze, genau das brauchen deine alten Knochen. Mach mal runter in den Süden.


Der Anfang liest sich super. Ich liebe diese sarkastisch, spitzfedrige Art und Weise deines Berichts.

So lässt sich Lloret de Mar und anderes viel besser ertragen. Als Wanderer steht man eh überm gemeinen Fußvolk. ;-)

Lloret kann man im Frühjahr und Herbst durchaus empfehlen. Nicht so langweilig wie zum Beispiel Roses. Genau aus diesem Grund haben wir die letzten 3 Tage in Lloret abgebummelt. Bei 100 Diskos, 1000 Kneipen, 5000 Klamottenläden und gefühlten 10.000 Tattoo-Läden ist Langeweile ein Fremdwort.

So, mal sehen, ob ich es heute noch bis Calonge schaffe.

peter-hoehle
25.11.2011, 16:41
Oh,fein,
Ein Reisebericht vom Werner mit seinem unverwechselbaren Stil.
Da kann man sich ja schon auf die Fortsetzung freuen.

Gruß Peter

Wafer
25.11.2011, 17:14
Hallo Werner.

Der Anfang liest sich ja sehr vielversprechend! Da bin ich mal auf die Fortsetzungen gespannt! Ich freue mich schon drauf.

Gruß Wafer

Werner Hohn
25.11.2011, 20:16
Hi, Peter. Du bist noch im Lande? Dich wähnte ich schon ganz woanders.

Wafer, und ich freue mich auf einen Bericht von der Vía de la Plata.

Werner Hohn
25.11.2011, 20:17
2. Etappe: Von Lloret de Mar nach Tossa de Mar

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb2-treppe.jpg
Treppen. Ohne geht es an dieser Küste nicht.

Der Traumpfad hoch über dem Meer ist nur kurz. Wegsperrung. Vom Meer die Treppen hoch und nun das. Kaum der Disney-Burg entkommen, versperrt ein Tor den Pfad. Weitergehen an der Küste ist nicht möglich. Dann eben eine Urbanización mehr. Es kommt nicht drauf an. In dieser Gegend ist die Welt verbaut. Überall wo es schön ist, ist der Süden verbaut. Keine Hochhäuser hier? Doch, ganz oben steht eins im Siebziger-Jahre-Look. Da hat wohl wer nicht widerstehen können. Der Rest hat anderes gebaut und doch gleich. Gemütliche, schnuckelige, mittelmeerige Ferienhäuser. Nicht wenige überzieht nun eine dicke Patina. Der Anfang vor 50 Jahren, findet immer noch kein Ende. Neu gebaut wird nicht mehr viel. Mutige reißen die Kitschvilla ab und bauen modern. Das Angebot an fähigen Architekten scheint für diese Art Häuser begrenzt zu sein. Das Geld muss halt da sein, nicht nur fürs Haus. Die anderen renovieren, ohne das Veränderungen gewollt sind oder hoffen, dass sich ein Käufer findet. Wer es sich leisten kann, vererbt. Nordeuropa will immer noch Sonne, nur nicht mehr zu jedem Preis. Freie Bauplätze gibt es auch noch. Offensichtlich nur dort wo in Jahrzehnten niemand ein Haus hat hinstellen wollen. Ohne Blick aufs Meer, ohne Sonne? Nein, das kann man auch zu Hause haben.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb2-kuestenpfad.jpg
Blanes, noch immer am Horizont

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb2-muellschild.jpg[/img-l] Spanier nicht willkommen?

Die aneinandergereihten Platzverschwender: Urbanización La Montgoda, Urbanización Soleia, Urbanización Canyelles. Ausgesprochen hässlich ist keine. Das Hässliche ist die Abwesenheit von Leben. Das irritiert, das fällt auf. Ganze Hänge mit leeren Häusern. Gespenstisch. Urbanizaciónes sind im Oktober tote Welten. Nicht nur hier, an der Küste alle. Alles hier ist ordentlich, alles ist sauber, perfekt. Langweilig. Autos mit französischen Kennzeichen, mit holländischen, mit deutschen. Nur Mietwagen haben ein spanisches Nummerschild. Ein steinaltes britisches Ehepaar arbeitet sich an Einkaufstaschen müde. Vorm Hotel müht sich ein Gärtner mit einem unendlich langen Schlauch ab. Von einer Terrasse schwäbelt es runter bis auf die Straße. Reklame für deutsches Bier. Ein deutscher Handwerker macht Werbung. Ein Presslufthammer überflutet das Tal.

Keine Treppen mehr. Nur noch leichtes Gehen durch die Straßen mit wirren Kurven und Kehren: Ronda de Europa, Carrer de Suïssa, Carrer d'Anglaterra, Carrer d'Alemanya, .... d'Austria, ... d'Holanda, ... de França. Eine Carrer d'Espanya gibt es nicht. Lissabon, Dublin, Neapel, Genua. Auch keine Straße mit den Namen einer spanischen Stadt. In der privaten Urbanización Llorell will man sogar keine Fremden. Nirgends steht das, muss auch nicht. Drei Meter hohe Zäune sind vielsprachiger als jedes Schild. Angsthasenurlaub. An den Zäunen verkommt der GR 92 zum Wanderweg – na endlich.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb2-xalet.jpg[/img-r] El Xalet Vermell

Wie hat Tossa de Mar das bloß geschafft? Eine Gehstunde vorher findet die letzte Feriensiedlung ihr Ende. Grüne Kiefern, noch grünere Pinien, Steineichen, Korkeichen deren welke Blätter unter den Schuhen knistern. Breite und staubige Waldwege. Unter den Schuhen quellen dünne Staubwolken hervor. Vogelstimmen sind in der Luft. Sogar im Herbst riecht Katalonien nach Sommer. Trockene Erde, Kiefernadeln, vertrocknetes Gras. Lichtungen flimmern im mittäglichen Sonnenlicht. Plötzlich Stimmen. Wieder eine Wandergruppe. Wieder aus der Gegenrichtung. Schon wieder Deutsche. Man grüßt sogar auf Spanisch. Noch vor dem Abstieg nach Tossa, jucken die Oberarme. Die ersten Anzeichen von Sonnenbrand. Aus dem Weg ist ein Pfad geworden. Dann ist die Stadt da. Hierhin also, hier fahren die hin, die sich für Lloret zu schade sind.

Ach, Tossa de Mar! Die Tante war hier auf Hochzeitreise. Mitte der Fünfziger war das. Die Vila Vella! Die Tante hat die Augen verdreht! Damals also auch schon. Die Preise! Davon hat die Tante nie was gesagt. Na, Hochzeitreise halt. Die Nachbarn sind vor Neid geplatzt. Ach, könnten wir doch nach Tossa de Mar. Sogar 'ne Künstlerkolonie hatten'se da. Nicht fragen, wer alles. Tossa der Mar hat sich bestimmt schon damals nicht unter Wert verkauft. Heute auch nicht. Die Hotelpreise! Der Kaffee oben am Leuchtturm! Perdone, am [i]El Far! Die Vila Vella! Die Festungsmauern! Das will bezahlt werden.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb2-tossa-schiff.jpg
Tossa de Mar

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb2-vila-vella1.jpg[/img-l] Tossa de Mar - In der Vila Vella

Heerscharen werden mit Bussen und Ausflugsbooten angekarrt. Die Wagemutigen klemmen sich die Kamera vors Auge und schwupps, schon sind sie in den fünf Straßen der Vila Vella verschwunden. Das Gros sucht unterm Fähnlein der Reiseleiterin Schutz auf dem Weg hinter die Mauern. Den Gehfaulen reicht der Blick von außen auf die Festungsmauern, am liebsten von den Terrassen der Bars am[i] Passeig del Mar. Die Gehfaulen sind schlau, denn wenn alle wieder zu Hause sind, werden alle nur dieses eine Bild von Tossa de Mar zeigen: die Vila Vella - sag bloß nicht Altstadt! - mit der sie umgebenden Festungsmauer - und das von außen.

Ach Tossa, du bist tatsächlich schön, nur umdrehen darf man sich nicht. Wie das Schmuckkästchen der Tante, das war auch schön, der Rest war Gelsenkirchener Barock.

[img]http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb2-tossa-de-mar.jpg
Tossa de Mar

3. Etappe: Von Tossa da Mar nach Sant Feliu de Guíxols

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb3-rueckblick-tossa.jpg
Tossa de Mar

Bis auf einige kleine Siedlungen ist die Küste zwischen Tossa und Sant Feliu unbebaut. Platz für den GR 92 gibt es trotzdem keinen. Der verlässt in Tossa de Mar die Küste und macht einen Bogen über Sant Grau d'Ardenya durchs hügelige Hinterland der Costa Brava. Zwanzig sehr einsame Kilometer durch grüne Macchia und Kiefern. Kein Verkehr, kein Auto, kein Meer. Wo der Wanderweg hinpassen würde, ist eine Straße. Es soll die schönste an Spaniens Mittelmeerküste sein.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb3-giv.jpg[/img-l]GIV-682

Die Hände reiben. Vorfreude macht sich breit. Am Stadtrand einem nervenden Hund zwei Steine vor die Pfoten werfen. Endlich unterwegs. Dann ist sie da, die GIV-682, die Landstraße nach Sant Feliu. Gesicherte 22 Kilometer. Angeblich 365 Kurven. Für jeden Tag des Jahres eine. Angeblich des Rennradfahrers Lieblingsstraße an dieser Küste. Wer kann da widerstehen? Ach, Straßenwandern. Es läuft. Meist hoch über dem Meer. Runter bis ans Wasser führt die GIV-682 nie. Geraden? Fehlanzeige. In die Spitzkehre rein, wieder raus. Im engen, steil ansteigend Bogen hoch zu einem Kap. Mit einer langgezogenen Bogen runter in die Bucht. Links, rechts, links, ganz scharf nach rechts mit einer Spitzkehre ins nächste Tal hinein. Eine halbe Stunde bis zum anderen Ende, dann hoch beinahe hinaus aufs blaue, glitzernde Meer. Eine Reiseradler quält sich schweißgebadet über die Kuppe. Den nächsten Anstieg vor Augen, kann er sein Rad nur für Minuten laufen lassen. Wie leicht haben es doch die Rennradfahrer. Mittags saufen die blauen Buchten in der Hitze ab. Seit dem Aufbruch gibt die Straße keinen Schatten her, der diesen Namen verdient hätte.

[img]http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb3-Bucht.jpg
Platja de Canyerets - Platja de Canyet - Esculls de Canyet

Vier schattenlose Stunden sowie siebenundzwanzig Autos und sechs oder acht Radfahrer später ist es vorbei. Ein Schild am Straßenrand: PR-C 101, St. Elm (26 min), St. Feliu de Guíxols (1 h 1 min). Ein Wanderwegwegweiser. Die Katalanen haben es gerne genau. Sie sind stolz darauf. Folglich wird die eine Minute nicht unterschlagen. Das Programm hat das so errechnet und dann kommt das gefälligst aufs grüne Blech.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb3-sant-elm.jpg
Ermita Sant Elm

An der Ermita Sant Elm hat im Jahr 1908 der Schriftsteller Ferran Agulló die Costa Brava erfunden. Das war ziemlich genau im Jahre 50 vor des Massentourismus Geburt. Das steht so im Reiseführer. Ebenso auf der Infotafel an der Kapelle. Zweifel sind also nicht angebracht. Agulló konnte von der Kapelle die halbe Küste entlang blicken. Vor der Zeitenwende hatte er noch freie Sicht über die Küste. Kahlschlag so weit er blicken konnte und die Bebauung hielt sich ziemlich in Grenzen. Ziemlich wild, wird der sich gedacht haben.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb3-erdbeerbaum.jpg[/img-r]
Erdbeerbaum

Sant Feliu de Guíxols ist wie Lloret de Mar und Tossa de Mar um keinen Preis sein wollen: normal. Urlauber spielen nicht die Hauptrolle. In den Bars am [i]Passeig wird kastilisch gesprochen. Zwei Mädchen machen ihre Hausaufgaben im hellen Schatten der Platanen. Die Familie des Kioskbetreibers lebt ihr Familienleben an diesem Tag auf der Außenbestuhlung des Kiosk aus. Fremde sind keine da. Spanien rückt näher.

Der Mietwagen? Das Badetuch? Ach, alles wieder vergessen. Die Sonne scheint schon den vierten Tag. Die Costa Brava ist schön.

Rainer Duesmann
25.11.2011, 22:41
Es gibt sie halt noch die Dinge auf die man sich verlassen kann.
Dazu gehören Deine persönlichen Reiseberichte, Werner. :D

Danke sagt,
Rainer

Flachzange
26.11.2011, 17:13
Dieser Weg steht auch auf meiner "To-Do"-Liste. Nach Deinem Bericht auch noch? Mal sehen.
Bin sehr gespannt auf Deine Fortsetzung. Bis jetzt (wie immer) ein klasse Bericht.

Werner Hohn
26.11.2011, 20:46
Flachi, dat is watt für alte Leute. Du musst noch ein paar Jahre warten. Der Rainer, der darf, aber den zieht's ja immer in den nassen Norden.

Werner Hohn
26.11.2011, 20:48
4. Etappe: Von Sant Feliu de Guíxols nach Palamós

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb4-_sant-pol.jpg[/img-l] Platja de Sant Pol

Eine verwüstete Nacht im Zelt. Das Nachdenken über Hähnchenrezepte hilft über die Nacht. Ein regionales Rezept würde passen. Pollo con Gambas etwa. Dafür braucht's totes Federvieh. Der unter seniler Bettflucht leidende Hahn von gegenüber bietet sich alle Viertelstunde an. Er weiß, dass er unerreichbar ist. Von Stunde zu Stunde steigert sich sein Krähen zum Triumphgeschrei. Zum Schluss wird man bescheiden. Hähnchen auf Bierdose würde reichen. Zaghaft einsetzender Berufsverkehr bringt die Erlösung. Mehr Autos, bitte. Ihr fleißigen Katalanen, müsst ihr nicht zur Arbeit?

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb4-arkaden.jpg
s'Agaro - Arkaden von Rafael Masó

Am Morgen ist das Zelt knochentrocken. Die feuchte Luft der vergangenen Tage ist verschwunden. Etwas kälter geworden ist es auch. Die Luft ist klar. Die Costa Brava zeigt sich in kräftigen Farben. Zwei Farben reichen an diesem frühen Morgen: Blau und Grün. Jedes Haus, jede Bucht, sogar jede Pinie drängt aufs Foto. Blau soll eine kalte Farbe sein. Mag sein. Hier nicht, hier wärmt die Sonne die Farben.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb4-s-agaro.jpg
s'Agaro - Unbezalbar I

Viele Nullen hinter einer Eins oder „Auf Nachfrage“. Für die Immobilienmakler sind die wenigen Kilometer Küste zwischen Sant Feliu und Platja d'Aro Provisionsschlaraffenland. Große Zahlen dominieren die Schaufenster und Preislisten der exklusivsten Vertreter dieser Zunft. Feilgeboten werden nun keine schnöden Häuser mehr, Geschichten gehören dazu. In Sant Pol und s'Agaró hat das wohlhabende spanischer Bürgertum vor hundert Jahren gezeigt, wie viel Geld man hat. Alte Familien und viele, die in Übersee zu Geld und Ansehen gekommen sind. Neureiche.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb4-villa.jpg
s'Agaro - Unbezalbar II

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb4-sa-conca.jpg[/img-l] Platja sa Conca

Im Geld geschwommen hat Josep Ensesa Gubert. Sein Vater war ein Industrieller aus dem nahen Girona. Josep Ensesa hat das Geld seines Vaters nicht verschwendet. Er hat, heute würde man sagen, eine Ferienanlage bauen lassen, die Maßstäbe setzen sollte. Nach bald 100 Jahren gehört das [i]Hostal de la Gavina noch immer zu den besten Hotels Spaniens und von außen betrachtet, sicherlich zu den schönsten. Die Gästeliste ist prominent: Chaplin, Sinatra, Gardner, Bacall, Porter, Connery und andere. Danach klafft eine Lücke. Lady Gaga und Tokio Hotel hat es noch nicht dorthin verschlagen. Die Costa Brava ist nicht mehr in Mode. Gut so.

Die hoffnungsvollen Schritte in Richtung Schranke stoppt der Pförtner schon im Ansatz. Macht nichts. Der GR 92 umkurvt la Gavina und die großbürgerlichen Villen auf der Meerseite. Das Ufer gehört allen. Auch das ist gut so.

[img-r]http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb4-d-aro.jpg[/img-r] Platja d'Aro

Ein paar Stufen in den Wald am Strand, ein, zwei Blicke um die Ecke. Was kommt nun? Wie sieht die Küste nun aus? Sie sieht nicht gut aus. In Platja d'Aro wird man wissen, dass mithalten mit den nahen Nachbarn im Süden zwecklos ist. An allen Ecken wird geputzt. Das langt nicht. Der Strand, die breite Promenade sind verlassen. Die Straßen der zweiten Reihe strahlen in der Trostlosigkeit nächtlicher Parkhäuser. Tossa und Lloret droht keine Konkurrenz.

[img]http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb4-belladona.jpg
Platja de Ses Torretes (Calonge)

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb4-glatte-felsen.jpg
Cala de Roques Planes (Calonge)

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb4-felspfad.jpg[/img-l] Am Cap de les Penyes Blanques

Wieder ein Kap. Was wird dort sein? Nichtwissen führt zu sprachlosem Staunen.Eine Welt tut sich auf, die anderes ist als die deutsche im Herbst. Leicht und licht. Hinter jedem Felsen, hinter jedem Kap versteckt sich eine winzige Bucht. Jede hat ihr eigenes Blau, jede ihr eigenes Grün. Niedrige Tunnel, gemauerte Wege, schmale Felstreppen führen über verschlungene Pfade hinunter ans Wasser, hinab zu glatt geschliffenen Felsen, zu kleinen verlassenen Stränden, hoch hinauf bis zu den Mauern, hinter denen die Häuser unsichtbar sind. Nur einen Steinwurf weit weg und doch nicht zu sehen, die Campingplätze dieser Küste. Über Stunden scheint sich der Weg hinzuziehen und doch sind es nur vier Kilometer. All die Feriensiedlungen und Campingplätze im Rücken? Sant Antoni de Calonge, dessen Hochhäuser aus der Ferne durch die Bäume scheinen? In diesem Herbst belanglos. Nur noch Schauen und Staunen. Die Steine sind warm vom Sonenlicht. Sitzenbleiben und genießen bis es dunkel wird?

[img]http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb4-blaue-bucht1_.jpg
Am Torre Valentina

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb4-torre-palamos.jpg
Torre Valentina, Sant Antonie de Calonge und Palamós

[img-l]http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/cb4-ausruestung.jpg[/img-l] Das obligatorische Ausrüstungsfoto

Dann das nahe Sant Antoni de Calonge. Eine monotone Hochhauskulisse. Darüber kann sogar Platja d'Aro die Nase rümpfen. In Sant Antoni ist offensichtlich kein Hotelier so wahnsinnig, sein Hotel bis in den Herbst hinein offen zu lassen. Nachmittags in Palamós großes Wettertheater. Es ist windstill. Seit der Ankunft zieht sich der Himmel unheilvoll zu, bis mitten am Nachmittag die Nacht hereinbricht. Klappt der Sommer zusammen? Nein, die Welt geht unter. Eine halbe Stunde lang. Abends stehen die Tische und Stühle wieder draußen vor den Bars und Restaurants der kleinen Hafenstadt. Die Mauern der Häuser sind immer noch warm. Es hat sich nichts geändert.

Der Tag? Warm und tausend Augenblicke in Blau.

Wafer
28.11.2011, 09:46
...Wafer, und ich freue mich auf einen Bericht von der Vía de la Plata.

Hallo Werner.

Genau deswegen bin ich ja gerade im ODS. Der Bericht ist in Erstellung und wird kommen. Vorab: Es war supertoll! von 37° bis - 7° war alles dabei, geniale Route mit klimatisch und kulturell sehr unterschiedlichen Regionen. Wesentlich einsamer als der Camino Frances - ich habe im Schnitt jeden Tag einen Pilger getroffen. Das waren wirklich interessante 1.300 Km.

Gruß Wafer

Ihr habt am ODS gebastelt. Der neue Texteditor fällt sofort auf. Was gibt es sonst neues?

Werner Hohn
28.11.2011, 10:13
Moin Wafer,

dann lass die Finger fliegen. ;-) Ich bin gespannt, was sich in fast 5 Jahren verändert hat.

Als nun sterbliches Vereinsmitglied und Nutzer des Forums bastel ich seit September nicht mehr mit. Was sich an der Software alles geändert hat, kannst du unter Update-Fehler-und Merkwürdigkeiten (http://www.outdoorseiten.net/forum/showthread.php?57021-Update-1.-November-Fehler-und-Merkw%FCrdigkeiten) nachlesen. So viel ist es wohl nicht.

Werner

Juno234
28.11.2011, 16:47
Liest sich sehr schön, Werner!
Ich hoffe, dass ich bald meinen Bericht über den GR92 am Cabo de Gata zustande bringe. Total andere Eindrücke....

Werner Hohn
29.11.2011, 16:34
Das ist eine sehr gute Idee, Juno. Dann hätten wir aktuell 4 Berichte aus Spanien. Das hat es hier noch nie gegeben. Die nordische Fraktion würde vor Neid erblassen.

Es muss ja kein ausführlicher Bericht werden. Einige informative Zeilen, nach Möglichkeit 2 bis 3 Fotos dazu (unbedingt mit blauem Himmel), und fertig ist der Bericht.

Werner Hohn
29.11.2011, 16:35
5. Etappe: Von Palamós nach Begur

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb5-alguer2.jpg[/img-r]
s'Alguer

Ein Weiler auf einem fernen Planeten. Es gibt nur diesen schmalen Trampelpfad. Zu den Häusern führt keine Straße. Warum auch? Schließlich gibt es keine Straßen zwischen den Häusern, auch keine befestigten Plätze. Eingeklemmt zwischen niedrigen grauen Felsen, gibt es nur diese eine Reihe Häuser, die dem kurzen gebogenen Kiesstrand folgen. Eine Zeile, bestehend aus einem Dutzend schlichten kubischen Hütten. Es sind weiße Hütten. Bunt sind die Fensterläden und Türen. Die Morgenbrise ist nur schwach. Es reicht grade eben, dass die Streifen einer bleichen und zerzausten Flagge Kataloniens hoch in die Waagerechte flattern. Nebenan hängt ein schmutziges, fadenscheiniges Handtuch auf der Wäscheleine. Das hängt schon lange dort. Vergessen.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb5-alguer3.jpg
s'Alguer

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb5-bucht-aguer-hinten.jpg
Bucht von s'Alguer

Auf dem steinigen Strand liegen Boote. Die meisten sehen nach Fischerboot aus, oder sollen so aussehen. Das ein oder andere schon kieloben, den nahen Winter überdauernd. In einem Hauswinkel liegt ein uraltes zerbrochenes Surfbrett. Fast schon prähistorisch. Zähes, immergrünes niedriges Gestrüpp macht sich hie und da breit. Dazwischen nur wenig Unrat. Das, was an Stränden angeschwemmt wird, die niemand sauber macht: Zerrupfte Netzreste. Eine Kunststoffflasche, die ehedem britischen Weichspüler enthielt. Die offensichtlich angeschwemmte Hälfte von einem Klapptisch, der auf seiner Drift durchs Mittelmeer Seepocken eine Heimstadt bot. Ein Fetzen rote Plastikplane, glitschig, schmierig.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb5-bucht-palamos.jpg
Bucht an der Platja de Castell

Von einer Terrasse klingt der helle Ton eines asiatisches Windspiels über die Bucht. Leise gluckert das Wasser gegen den Strand, auf dessen flachen Steinen das blaue Wasser farblos ausläuft. Eine Eidechse lauert fluchtbereit auf dem von der frühen Sonne warmen Beton einer winzigen Terrasse. Eine weiße Katze sucht Deckung hinter der kurzen Mauer aus braunen Feldsteinen. Jede Tür, jedes Fenster ist verschlossen. Es gibt keine Bar, keine Pension, kein Laden. Es gibt nur diese wenigen Häuser, die Pinien und das Meer. Menschen sind keine da. Ein Restposten, vergessen von der Welt: s'Alguer, eine ehemalige Fischersiedlung der Küstenbauern. Im Reiseführer steht, man soll auf dem abseits gelegenen Parkplatz keine Wertsachen im Auto lassen. Sieh an, s'Alguer ist doch nicht von der Welt vergessen worden.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb5-la-foradada.jpg[/img-l] La Foradada im Espai d'Interès Natural Castell-Cap Roig

Die Küste ist nun unverbaut. Das wird so bleiben. Am Strand verlässt der GR 92 kurz die Küstenlinie. Unübersehbare Wegweiser, ein kleiner Schilderwald, lassen eine bessere Route vermuten. Der Küstenpfad steigt hoch hinauf in die Kiefernwälder am [i]Cap Roig. Weit verstreute Villen verstecken sich im Wald am Küstensaum. Hoch oben an den Stämmen der Kiefern sind Jagdverbotsschilder zu sehen. Eine Seltenheit im Rest dieses jagdverrückten Landes.

Ein kurzer Schlenker ins Land, wieder auf den GR 92. Ein Bauernhof, Felder. Von weitem grüßen zwei alte Männer. Hinter einer Windschutzhecke versteckt sich ein Garten. Lauch, Buschbohnen, Mangold, Staudensellerie und junge Salatpflanzen wachsen unter freiem Himmel. Zu Hause verrottet nasses, muffiges Laub in farblosen Gärten.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb5-platja-del-golfe-gesamtansicht.jpg
Platja de Golfet

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb5-platja-del-golfet-2.jpg
Bucht an der Platja del Golfet

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb5-ses-ses-negres.jpg[/img-r] An den 'ses Negres

Zu Abwechslung wieder eine Siedlung, überflüssig zu erwähnen, dass kein Mensch zu sehen ist. Ein versteckter Pfad zwischen den Häusern, runter an die Küste, zur [i]Platja de Golfet. Staunen und schauen, mit dem Wissen, dass das Fotoapparätchen scheitern wird. Blaues und grünes Wasser, und alle Farbtöne dazwischen. Wie viele Farben kann das Auge unterscheiden? Riffelblechwasser. Ganz leise, kaum vernehmbar umspült das Mittelmeer die Felsen. Immer mehr winzige Buchten, von deren Felsen die Kiefern in die Tiefe zu stürzen scheinen. Aus den Felsen führen die Schienen der unterirdischen Bootshäuser zum Wasser. Oben, hinter dem Pfad, meist nicht zu sehen, stehen die Häuser, die dazu gehören. Eine lautlose Stunde über der Küste.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb5-bucht-palafrugell1.jpg
Die Bucht von Calella de Palafrugell

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb5-palafrugell-nah.jpg
Calella de Palafrugell

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb5-llafranc.jpg
Llafranc

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb5-am-puig-dels-frares.jpg[/img-l] Am Puig dels Frares

Stunden später dann ins Land hinein, hoch nach Begur. Im Gegenlicht silbrige glänzende Olivenbäume, dann hohe Kiefern, deren Schatten hochwillkommen ist. Ein Mann sammelt Müll, eine Frau ist auf dem Weg hinunter ans Meer. Seit langem wieder eine geschlossene Ferienanlage. Komfort, Sonne und Sicherheit verspricht die riesige Werbetafel. Jemand hat vergessen, das hohe Tor ganz zu schließen. Einigen hastigen Schritten durch den schmalen Spalt ins Getto folgt die Enttäuschung. Erschlossene Einöde. Fast die ganze Anlage ist noch frei. Einstiegspreis: 1,7 Millionen. Die Anlage baut eine Investmentfirma aus Russland. Die Zeiten haben sich geändert.

[img-r]http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb5-tamariu.jpg[/img-r] Tamariu

Begur ist der nachmittäglichen Siesta verfallen. Bis auf ein paar Touristen, lässt sich in den Gassen keine Seele sehen. Die Stühle auf den Terrassen vor den Bars sind angekettet. Drinnen an den Theken hocken nur wenige Männer. Der Fernseher zeigt tonloses Barça TV. Ferner, kindlicher Lärm schallt durch die engen Straßen. Jungs haben die [i]Plaça Eglésia zum Bolzplatz umgewidmet. Die helle Bruchsteinmauer der Kirche ist das Tor. Gegen Abend steht der Platz voll mit Tischen und Stühlen. Angekettete Stühle sind keine mehr zu sehen Für die Jungs ist kein Platz mehr. Kalter Nordwind zieht durch die Straßen. Fröstelnd schlagen die Einheimischen den Kragen hoch. Nur die Touristen aus dem kalten Mitteleuropa sitzen noch an den Tischen. Nachts tauchen Scheinwerfer die Häuser der Indianos in warmes Licht.

[img]http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb5-begur1.jpg
Begur

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb5-begur-casa-americano.jpg
Begur - Casa Bonaventura Caner Bataller, heute Hotel Aiguaclara*

Americano oder Indiano galt lange Zeit als Synonym für jemanden, der in den spanischen Kolonien ein Vermögen gemacht hatte und wiedergekommen ist. Die meisten Auswanderer dieser Region gingen um 1830/50 nach Kuba. Versehen mit einem Empfehlungsschreiben machte man sich als Jugendlicher (13 oder 14 Jahre) auf den Weg in die Fremde. Wer kein Empfehlungsschreiben vorweisen konnte, brauchte jemanden, der ihn aus dem Militärdienst freikaufte. Wer es geschafft hatte, kam oft zurück in die bitterarme Heimat, und sei es nur um zu zeigen, dass man es zu etwas gebracht hatte und nun von seinem Kapital leben konnte. Wer arm zurück kam, war kein Americano, der war nichts, der baute auch keine Häuser.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb5-begur-vera.jpg[/img-r] Begur - Carrer de Vera

In der alten [i]Carrer de Vera war schon damals kein Platz für die Paläste der Neureichen., im Gegenteil. Dort wohnten die Armen der Stadt. Jahrhundertelang reisten die Bewohner dieser Straße bis in die Provinz Almeria in Südspanien. Dort, in dem Ort Vera, kauften sie Korallen, die in der Heimat einen kleinen Erlös erbringen mussten. Weiter weg konnte man von den Palästen der Americanos damals nicht sein. Damals wie heute, steht die Carrer de Vera im Schatten der großbürgerlichen Häuser. Nicht genug Glanz auf den alten Hütten.

Nein, nicht unser Hotel.

Juno234
29.11.2011, 17:42
Das ist eine sehr gute Idee, Juno. Dann hätten wir aktuell 4 Berichte aus Spanien. Das hat es hier noch nie gegeben. Die nordische Fraktion würde vor Neid erblassen.

Es muss ja kein ausführlicher Bericht werden. Einige informative Zeilen, nach Möglichkeit 2 bis 3 Fotos dazu (unbedingt mit blauem Himmel), und fertig ist der Bericht.

Jau, das ist mir auch schon aufgefallen, dass Spanien derzeit der große Renner hier im Forum ist :D

Ein klein wenig wird es bei mir noch dauern. Es soll schon ein "richtiger" Bericht werden. Aber ich muss noch etwas üben. So etwas (mit Fotos einbinden etc.) mache ich das erste Mal. Sollte ich scheitern, gibt es einen Kurzbericht. Blauen Himmel gab es genug...

Flachzange
01.12.2011, 18:30
5. Etappe: Von Palamós nach Begur

[img-r]http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb5-alguer2.jpg[/img-r]
s'Aluger

Ein Weiler auf einem fernen Planeten. Es gibt nur diesen schmalen Trampelpfad. Zu den Häusern führt keine Straße. Warum auch? Schließlich gibt es keine Straßen zwischen den Häusern, auch keine befestigten Plätze. Eingeklemmt zwischen niedrigen grauen Felsen, gibt es nur eine Reihe Häuser, die dem kurzen gebogenen Kiesstrand folgen. Eine Zeile, bestehend aus einem Dutzend schlichten kubischen Hütten. Es sind weiße Hütten. Bunt sind die Fensterläden und Türen. Die schwache Morgenbrise ist nur schwach. Es reicht grade eben, dass die Streifen einer bleichen und zerzausten Flagge Kataloniens hoch in die Waagerechte flattern. Nebenan hängt ein schmutziges, fadenscheiniges Handtuch auf der Wäscheleine. Das hängt schon lange dort. Vergessen.



Ist nicht zufällig zu kaufen? :ignore:


5sterne weiter so

Werner Hohn
05.12.2011, 18:28
Ist nicht zufällig zu kaufen? :ignore:

Leider - oder zum Glück - nicht. Sogar Zu-vermieten-Schilder haben wir keine gesehen.

Werner Hohn
05.12.2011, 18:29
6. Etappe: Von Begur nach els Griells (l'Estartit)

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb6-cami-riera.jpg[/img-r] Cami de Ronda an der Platja de sa Riera

Von Begur durch ein dunkles Tal hinab zur Platja de sa Riera. Nasskalt, fast wie in heimatlichen Wäldern. Die ersten Häuser der Strandsiedlung, noch das enge Tal hoch, sind abstoßend grau und verlassen. In ihrer Ödnis Brutstätten für Winterdepressionen. Ganz anders unten an der Küste, am Strand, gleißendes Licht, blauer Himmel, Sonne, warm. Der kleine Strand ist leer. Die Frage nach einsamen Stränden stellt sich im Oktober nicht mehr. Nur für Augenblicke hoch hinauf über die Küste. Nicht halsbrecherisch, nicht schwindelerregend. Einfach die Klippen hoch und hinten wieder hinunter. Noch nicht einmal über einen abenteuerlich gefährlichen Pfad. Die Katalanen sind gründlich. Befestigt, gemauert, sogar mit Geländer. Einfach und sicher.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb6-illa-roja.jpg
Illa Roja

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb6-blick-auf-die-platja-de-pals.jpg[/img-l] Platja del Illa Roja, Punta Espinuda, Plata de Racó, Platja de Pals, Platja del Grau, l'Estartit

Bis auf die Angler ist der Strand an der [i]Platja de Pals verlassen. Verlassen sind die öden Feriensiedlungen am langen Strand. Der Campingplatz ist winterfest eingemottet. Die Parkplätze sind leer. Weitergehen? Zwecklos! Das Gehampel der beiden Angler am anderen Ufer ist nicht falsch zu verstehen. Der Basses d'en Coll, sonst ein Bächlein, das es nicht bis ins Meer schafft, meist schon vorher im Sand versickert, ist zum Bach geworden. Die heftigen Regenfälle, die vor Tagen in Palamós den Weltuntergang geprobt haben, wirken noch nach. Selbst wer das Furten hier schafft, am Ter, ein Stück den Strand hoch, sei endgültig Schluss. Unzweifelhafte Gesten. Braunes, lehmiges, zum Meer schießendes Wasser, das beim Zusammentreffen mit den auflaufenden Meereswellen eine zweifelhafte Hürde bildet. So nah bei den Illes Medes, am Tagesziel, umkehren? Nein, Umweg.

Keine hundert Schritte später ist das Meer verschwunden. Einfach weg, das Rauschen der Wellen, die am Strand mit weißen Gichtfahnen auslaufenden Wellenkämme. Aufgeworfen, angetrieben vom ersten kräftigen Herbstwind. Verschwunden. Als wäre da nie etwas gewesen. Der Horizont, dessen Zusammentreffen mit der Erde für Tage nur aus einer geraden Linie und dem Wechsel des Blautons zu bestehen schien, endet nun im Grün. Eine unverhoffte Landschaft tut sich nun auf, die im katalanischen Wanderbuch mit der Sichtweite vom Strand her endet.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb6-illes-medes.jpg
Platja del Grau, Illes Medes

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb6-reisfelder-neu.jpg
Basses de Mas Pinell

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb6-montgri.jpg[/img-r] Muntanya del Montgri: Puig Rodó (308 m), Castell del Montgri (315 m), Montpla (311 m)

Flachland, Grünland, Bauernland. Das hier ist Reisland. Reisfelder so weit man sehen kann. Trockengelegte, abgeerntete Felder, mit Stoppeln wie die Getreidefelder am Rhein. Andere Felder sind grün. Mehr Gemeinsamkeiten finden sich nicht. Das hier ist fremd. Schwer biegen sich die Getreidehalme unter der Last der Reiskörner fast bis hinter aufs Wasser. Weit verstreute Schuppen. Am Rand, kaum als solche zu erkennen, die Bauernhöfe. Mittendrin ein Golfplatz. Ein Fremdkörper in der bäuerlichen Landschaft. Ohne scheint es nicht zu gehen, hier, wo jeder vom Tourismus profitieren möchte. Ein lange Reihe hoher Pappeln trennt den Golfplatz vom Bauernland, als wollten sich diese so unterschiedlichen Welten sichtbar abgrenzen.

Rundherum Reisfelder wie in grüner asiatischer Landschaft. Lächelnde kleine Frauen mit stumpfkegeligen Hüten aus Schilf bei der Arbeit unter blauem Himmel. Nein, keine Frauen, Maschinen. Nicht Asien, Spanien. Nicht unentdeckt, nicht unbekannt, doch meist nur durchfahren auf dem Weg an den Strand. Gerade, auch im Herbst staubige Feldwege, die den Bewässerungskanälen folgen. Am Horizont die drei gleichmäßigen Hügel der [i]Muntanya del Montgri. Eine Grenze im Norden, wo das flache Land endet. Halt fürs Auge an diesem Mittag. Ständige Begleiter in den Abend hinein. Und mitten durch ein richtiger Wanderweg, der Sender de Pals.

[img]http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb6-traktor1.jpg
Schlammschlacht oder Was es nicht alles gibt I

Ein unregelmäßiges und abgeerntetes Feld. Ein großes und doch eingepferchtes Vieleck begrenzt von Kanal und Weg. Schwere Erntemaschinen haben Spuren hinterlassen, in denen Wasser steht. Das Feld ist geflutet worden. Warum, erschließt sich nicht. Auf und abschwellender Maschinenlärm, leise, wenn ganz hinten am Feldrain, lauter beim Näherkommen. Ein hellblauer Fleck, der aus der Ferne mit dem Himmel zu verschmelzen scheint und sich beim Näherkommen zu einer fahrenden Elendsbaracke mausert. Hellblaue Plastikplanen schützen das so seltsame Gefährt. Ganz nah erst, wird ein Traktor daraus. Nie gesehen, und daher so lange irritierend, sind die Räder. Die vom Sonnenlicht verschossenen Plastikplanen schützen Traktor und Fahrer vor Schlamm und Sonne. Ein Bauer bei der Arbeit, das überschwemmte Feld wird gepflügt.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb6-traktor2.jpg[/img-l] Was es nicht alles gibt II

Der nächste Traktor lässt noch mehr Staunen. Ein Ungetüm auf dünnen Metallrädern. Auf Zahnrädern daherrollend, bringt jedes Aufsetzen auf der Teerstraße Fahrzeug und Fahrer an den Rand des Aushaltbaren. In Zeitlupe bewegt der junge Mann die Maschine und trotzdem scheppert und dröhnt es wie in einer Metallfabrik, trotzdem wird er hin und her geworfen als wolle der Traktor seinen Fahrer los werden. Was für ein seltsamer Landstrich und was für seltsame Maschinen. Ganz anderes als der Schluss der Etappe. Wieder ein lokaler Wanderweg, der PR-C 109. Anfangs ausgeschildert, als hätte jemand nicht gewusst, wohin mit den Schildern. Später nur noch Farbkleckse. Ackerland nun, richtiges Ackerland, so wie es sich gehört. Lange Geraden vorbei an Bewässerungskanälen, deren Knicke und Kurven so sachte sind, dass diese im unendlichen Spalier der Obstplantagen und Maisfelder untergehen. Wartende LKWs, genormte Obstkisten, die am nächsten Tag auf einen mitteleuropäischen Großmarkt auftauchen werden. Nichts, was fremd ist.

[img]http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb6-bauernhof-neu.jpg
Mas Ral, Castell del Mongri

Die C-31, die Kreisstraße zwischen den beiden so unterschiedlichen Welten? Stark befahren und trotz Sonne, Seitenstreifen und Rastplatz unbeschreiblich öde. So öde, dass ein Ahnen aufkommt, warum Menschen grauen, farblosen und verregneten Landschaften den Vorzug geben. Hauptsache weit weg von den Straßen. Keine Straße für Fußreisen, auf nicht einem der drei elenden Kilometer.

Wafer
05.12.2011, 19:57
Hallo Werner.

Sieht ja wirklich sehr gut! Ich hatte von der Ecke da einen etwas anderen Eindruck.

Wie machst du das mit den Bildunterschriften? Viel fummeln oder kann man das im IMG-Tag irgendwie mit einbauen?

Gruß Wafer

Werner Hohn
05.12.2011, 22:55
Wafer, das hatte ich auch. Zu Fuß sieht manches anders aus, als vielleicht aus einem Autofenster. Im Frühjahr waren wir mit dem Auto da unten. Die Reisfelder hatten wir aber nicht gesehen. Das kannten wir nur vom Ebrodelta. Beinahe hätten wir die Idee, an der Costa Brava wandern zu gehen, beerdigt. Die Costa Brava von hinten ist Murks, besonders dort, wo die Dörfer im Hinterland nahtlos zusammengewachsen sind. Auf dieser Wanderung 6 Monate später haben wir uns oft gewundert, was wir aus dem Auto alles nicht gesehen haben; und wie eine Landschaft interessant, ja sogar schön sein kann, nur weil man das Tempo ändert und andere Wege nimmt.

Es kommt auch darauf an, was man erzählen und zeigen will. Wer sich über jede Feriensiedlung aufregt, könnte einen anderen Reisebericht schreiben. Anstatt der leeren Strände, könnte ich auch Fotos leerstehender Siedlungen zeigen, obwohl sie zum Beispiel auf dieser Etappe nur dünn gesät sind. Das ist wie in den Alpen: Die Bergstation der Seilbahn ist nicht so schön, wie die vermeidlich unberührte Natur 100 Meter daneben. Das ist wie beim WHW in Schottland, wo die gut ausgebaute Straße neben dem Wanderweg selten eine Rolle spielt in den Wanderberichten. Oder wie beim Kungsleden. Die Zehntausende, die dort jährlich unterwegs sind, werden meist auch nicht ausdrücklich erwähnt.

Deinen anderen Eindruck kann ich trotzdem bestätigen. Die paar Kilometer auf der Landstraße waren geeignet, die Costa Brava nicht wieder zu besuchen, obwohl es Kilometer durch unverbaute Landschaft waren.

Das mit den Bildunterschriften ist etwas Fummeln und Erfahrung.

So sieht der Code fürs erste Foto im Beitrag oben aus:


http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb6-cami-riera.jpg[/img-r] Cami de Ronda an der Platja de sa Riera

[ img-r] rückt das Foto an den rechten Rand. Weil zwischen dem schließenden [ /img-r] und der folgenden Bildunterschrift keine neue Zeile ist, erscheint der Text neben dem Foto. Hier links, weil "-r" links halt Platz für Text lässt. Danach kommt eine Leerzeile, damit der Text Abstand zur Bilder"neben"schrift hat.


[img]http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb6-illa-roja.jpg
Illa Roja

Das ist das zweite Foto. Ganz normal, nur das nach dem Zeilenumbruch die Bildunterschrift drunter steht. Eine neue Zeile eben.

Wenn der Text neben ein Foto soll, dieser ab zu kurz ist, um das ganze Foto zu umfließen, hilft [ nl] [ /nl] weiter. Natürlich ohne die Leerzeichen in den eckigen Klammern. Das Leerzeichen zwischen den Klammern muss sein. nl führt eine Zeilenumbruch aus, und das unter dem Foto.

Ansonsten dürfen keine Leerzeichen auftauchen. Die in meinem Text verhindern nur, dass die Software das als Tags sieht, die nicht als Text angezeigt würden.

paddel
06.12.2011, 11:14
Wie immer - toll geschrieben und tolle Bilder!

Werner Hohn
07.12.2011, 21:16
Dann mal wieder ein Tag weiter nach Nordosten, und das ganz im Sinne deiner Signatur. Obwohl für diesen Tag die Mittel überschaubar geblieben sind.

Werner Hohn
07.12.2011, 21:16
7. Etappe: Von els Griells nach Bon Relax (Sant Pere Pescador)

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb7-strrandbude.jpg[/img-l] Am Strand von l'Estartit

Das Wetter soll sich ändern. Zum schlechten hin. Gelegentliche Regenschauer nur. Schon beim Aufbruch drückt grauer Himmel auf den Strand von l'Estartit. Von Hoffnung geschwängerte Erwartungen, der Regen möge Geduld haben, begleiten die Blicke Richtung Himmel. Übermorgen soll es erst regnen, und das sogar erst am Nachmittag. Trotzdem, die eine Hälfte des Himmels bleibt wolkenverhangen. Grau und Schmutzigweiß beherrscht den Himmel über dem Land. Die andere Hälfte ist locker bewölkt und hell, Blau und Weiß, das ist der Himmel über dem Meer. So wird das bleiben, sagen alle. Doch diese eine dunkle Hälfte, diese bedrohliche Hälfte des einen halben Himmels bestimmt den Morgen, den Mittag, um erst am Nachmittag Ruhe zu geben.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb7-hochebene.jpg[/img-r] Hochebene zwischen l'Estartit und l'Escala

Die alte Verbindungsstraße über die Hochebene zwischen l'Estartit und l'Escala, zwischen den einst verschlafenen Nestern, tut es auch. Über die Schotterpiste quält heute niemand mehr freiwillig sein Auto. Heute ist die Straße, die schon lange keine mehr ist, ein Paradies für geländegängige Motorräder und Mountainbikes. Eine Landschaft ohne Erinnerungswert. Kiefern, grünes niedriges Macchiagestrüpp, einmal kurz die Andeutung einer offenen Hochebene. Zwei Ruinen. Der Himmel drückt aufs Gemüt, den ganzen langen Morgen. Verschwunden sind die kräftigen Farben. Alles Ton in Ton. Farbreduziertes Grünmischmatschiges ohne Glanz.

[img]http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb7-escala-grau.jpg
l'Escala für Touristen

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb7-escala-blau.jpg
l'Escala für Einheimische und Touristen

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb7-musikgruppe_.jpg[/img-l] Cobla (Sardana-Orchester) in l'Escala

Mittags in l'Escala, eine aus sonnenverwöhnten Urlaubstagen vertraute Welt und doch unter grauem Himmel so fremd. In [i]Sant Marti d'Empuries, jenem winzigen Museumsdörfchen am Strand, das sich im Sommer vor Urlaubern nicht retten kann, ist der dunkle, bedrückende halbe Himmel zum schmalen Streifen geschrumpft. Weit hinten im Land über den runden Bergkuppen ist nun alles schwarz. An der Küste ist noch einmal der Sommer zurückgekehrt. Mehr die Andeutung eines Sommertages, wenn auch eines windigen.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb7-sant-marti.jpg
Sant Marti d'Empuries

Trotz Sonne ist der endlose Strand am Golf de Roses verlassen. Nur wo ein Campingplatz noch geöffnet ist, sind ein paar Leute zu sehen. Meist Männer in Neoprenanzügen mit ihren Sportgeräten. Im Sommer tummeln sich hier Zehntausende. Männer, Frauen und jede Menge Kinder. Im Herbst und Frühjahr, wenn der Strand nicht überlaufen ist, beständiger Wind von den Pyrenäen herab weht, ist dieser Strand einer der Traumziele für Kite- und Windsurfer – wenn man es denn kann.

Der Tag endet auf einem Campingplatz am Strand. Einer von der wenigen, der noch offen ist. Im November wird auch dieser schließen. An der Rezeption auffallen? So schwer ist das nicht. Man müsste nur Spanisch sprechen. Hinter dem Tresen schwäbelt es. Vor und hinter dem Tresen reden alle Deutsch. Deutsche Campingplatzbetreiber. Ein Zettel an der Wand: „Stellplatzreservierungen für 2013 werden erst ab November angenommen.“ 2013 ..? Und wenn's 2013 mal was anderes sein soll, so ganz spontan? Ist schließlich Urlaub. Wundern.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb7-bucht-roses.jpg[/img-r] Platja de les Dunes am Golf de Roses

Urlauber sind anhänglich. Camper, wenn es denn noch welche geben sollte, sind keine Ausnahme. Die Liege an den Strand stellen und drei Wochen die Arme links und rechts runter hängen lassen, fertig ist der Urlaub. Wo es im Urlaub schön war, fahren viele immer wieder hin. Immer und immer wieder. Hartgesottene kennen nichts anderes als jenes eine Urlaubsziel. Schon beim zweiten Wiederkommen hat das Fremde aufgehört fremd zu sein. Ehedem Bedrohliches ist normal geworden. Zum Schluss bleiben nur noch eng gezogene Areale, nicht selten verkleinert auf einen winzigen Ort, auf die ewig gleiche An- und Abreise. Alles mehr ,ist Fremde. Wer die nicht will, verbannt diese auf die Außenseite der vertraute Hotelanlage, auf die Welt draußen vor dem Schlagbaum des Campingplatzes, auf die halbe Stunde, die der halben Stunde folgt, die man schon seit Jahren den Strand rauf und runter geht. Ein Stück Heimat und wenn sie noch so klein ist. Die Grenzen weiter ziehen? Nein. Viel zu oft, manchmal schon seit Jahrzehnten, sind sogar vererbte Urlaubsziele das Ziel. Wo die Ferien mit den Eltern schön waren, worauf man sich als Kind jedes Jahr immer wieder neu gefreut hat, da fahren nicht wenige später immer wieder hin. Die Fremde soll außen vor bleiben. Die Fragen, die Neugier aufs Land? Ach, wer möchte schon reisen, wenn Sonnenschein und saubere Klos reichen. Hier ist Platz für die Glücklichen, für Menschen, deren Sehnsucht nicht in der Ferne, im Neuen liegt. Der Campingplatz ist voll von solchen Menschen. Und der Betreiber hat gefragt, ob wirklich alles gewandert oder doch mit dem Daumen. Meine Güte, ist das so unvorstellbar an dieser Küste? Mann!

Wohlige heimische Wärme versüßt den Abend. Reinfallen lassen und für Stunden vergessen, dass hier Spanien ist. Dem lautlosen abendlichen Aufziehen der schwarzen Wolken, soll ein dunkler Morgen folgen. Wieder einmal. Schon der zweite. Das Grün der Pinien, das Blau des Meeres?

8. Etappe: Von Bon Relax (Sant Pere Pescador) nach Roses

[img-r]http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb8-olivenbaum.jpg[/img-r] Jahrhunderte zum Mitnehmen

Früher Sonntagmorgen in Sant Pere de Pescador. Ein viel zu früher. Leere, doch schon geöffnete Bars. Auch die Stühle auf dem Bürgersteig sind noch verwaist. Auf dem Flachbildschirm ist ein tonloses Interview mit Sebastian Vettel zu sehen. Als der Kaffee fertig ist, macht Vettel Platz für Alonso. Jetzt aber, wo bleibt der Ton? Die Bedienung hat für ihren Landsmann keinen Blick übrig. Sie wird ihn und all die anderen heute noch oft sehen. Eine der vielen monotonen Endlosschleifen spanischer Sportsender.

[img]http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb8-schnecken.jpg
Im Parc Natural dels Aiguamolls de l'Emporda

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb8-empuriabrava.jpg[/img-l] Empuriabrava am Rande des Parc Natural dels Aiguamolls de l'Emporda

Ein trüber und windstiller Morgen. Sonntägliche Bewegungslosigkeit überall. Beim Aufbruch aus der Bar leuchtet kurz die Kirche unter blauem Himmel im hellen Sonnenlicht auf. Schon am Ortsausgang ist alles wieder grau. Dichter Nebel liegt auf dem flachen Land. Oben, unsichtbar von der Straße, faucht der Brenner eines Heißluftballons. Die haben bestimmt Sonne dort oben. Das Fauchen des Brenners ist jetzt ganz nah. Ein Geländewagen mit Anhänger rauscht auf der leeren Straße vorbei. Die Begleitmannschaft. War wohl doch nichts mit Sonne über dem Nebel. Für Sekunden sinkt schemenhaft ein amputierter, im Grau in Grau farbloser Ballon bis zur Hälfte aus dem Nebel herab. Vom Feld ist der scheppernde Anhänger zu hören. Laute, aufgeregte Stimmen von oben aus dem Nebel. Blindlandung an einem nun endgültig grauen Morgen. Ganz nah. Nur wo? Der Bodennebel deckt alles zu.

[img]http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb8-pferde-neu.jpg
[i]Observatori Fages de Climent im Parc Natural dels Aiguamolls de l'Emporda

Ansonsten? Nur ein Pflichttag, weil keine Lücke im Weg entlang der Küste sein soll. Der so hochgelobte Parc Natural dels Aiguamolls de l'Emporda ist langweilig. An den Beobachtungspunkten für die Vogelbeobachtung ist bis auf ein paar Störche nichts zu sehen. Von „seichtem Wasser“ keine Spur. Knochentrockene Wiesen für Kühe und Pferde. Gut ausgebaute Wege, Wegweiser an jeder Ecke. Mountainbiker, zwei Jäger die geflissentlich das Jagdverbotsschild übersehen. Man jagt Enten. Die Flinten zeigen Richtung Boden. Trotzdem, beim Queren ihrer Schussbahn niestet ein mulmiges Gefühl zwischen den Schulterblättern. Blattschuss, was ist das überhaupt? Hört man zuerst den Schuss oder spürt man vorher den Schrot? Haben die Spanier noch eine Rechnung mit uns offen? Vielleicht sollte der Vettel den Alonso mal gewinnen lassen.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb8-wolken.jpg[/img-r] Kurz vor Santa Margarida (Roses)

Der Horizont gehört der Retortensiedlung Empuriabrava. Schrecklich, scheußlich, verunglückt, sogar im trüben sonntäglichen Mittagsdunst. Empuriabrava stammt aus einer Zeit, als das Reisen in ein fremdes Land alles andere als selbstverständlich gewesen ist. Schon in des Pauschalurlaubers 1960er-Neckermann-Land fanden sich welche die hier nicht mehr weg wollten. Die standen dann vor den Schaufenstern der Immobilienverkäufer. Das Häuschen im Süden, sogar mit eigenem Bootsanleger. Wünsche, die sich einfach erfüllen ließen. Mehr als Geld war nicht nötig; und im Alter, so war man sich sicher, werden wir es uns hier unten gut gehen lassen. Der beste Verkäufer waren die Sonne, und die Vorstellung, mit der eigenen Yacht am eigenen Haus anzulegen. Die besten Plätze sind immer noch die ganz vorne an den Kanälen. Schön ist es nirgends. Hinten wird’s ungemütlich. Auf einer Geraden ohne Umweg schnell hindurch, ganz hinten, dort wo die Häuser billiger sind, dort wo keine Yachten vor den leeren Pools dümpeln. Die große Kreuzung teilen sich Immobilienmakler, Apotheke und die Deutsche Bank.

[img]http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb8-roses.jpg
Roses glüht

Langweiliges Roses. Viel zu viele Fresstempel für diese Jahreszeit. Die Preise fürs mehrgängige Menú del día, die Plato del día enden bei 10 Euro. Nach unten scheint es keine Grenze zu geben. Besser doch zum Italiener? Die freundliche junge Frau im spanischen Fernsehen hat gesagt, dass es morgen regnen wird – auch hier oben, wo der Regen in den vergangenen Tagen so oft vorbei gezogen ist. Abends glüht Roses noch einmal im Licht der untergehenden Sonne auf. Mehr als einen schmalen Streifen haben die Wolken nicht hergegeben. In der Nacht prasselt das Regenwasser gegen die Schreiben der Balkontüren, so dass das Rauschen der Brandung unterm Balkon nicht mehr zu hören ist. Die Dame an der Rezeption des Hotels freut sich. Nun zwei Tage? Überhaupt kein Problem.

walkingalone
12.12.2011, 18:00
Welch schöner Bericht! Da geht das Herz auf und die Augen freuen sich an den tollen Bildern. Auch wenn diese Touri-Hochburgen nun wirklich nicht mein Geschmack sind: Es macht Freude zu schauen und zu lesen. Danke, Werner!

5sterne

Werner Hohn
12.12.2011, 18:23
Das mit den Touristenhochburgen wird sich hier in wenigen Stunden ändern.

Werner Hohn
12.12.2011, 20:50
9. Etappe: Von Roses nach Cadaqués

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb9-leuchturm-roses.jpg[/img-r] Far de Roses und Castell de la Trinitat

Die Regenfront ist durch. Noch liegt die Bucht von Roses irgendwo im Nebel. Das wenige, was vom Meer zu sehen ist, ist hoffnungsloses Grau. Schon am Leuchtturm ändert sich alles. Gleißende Helligkeit, die an weißen Hauswänden bricht. Das Meer ist wieder blau. Glitzernde Lichter auf vom Tau nassen Gräsern. Unten am Fels gluckern die niedrigen Wellen nur noch. Kein Vergleich mehr mit gestern. Gestern ging es mit Getöse zu. Mit Schwung hoch über den ganzen Strand, mit viel Schwung hie und da bis auf die Promenade. Wie gesagt: Heute plätschert es nur noch unten am Fels.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb9-cami.jpg[/img-l] GR 92/Cami de ronda in l'Almandrava (Roses)

Über Betonwege, über Bohlenwege zwischen Meer und betagten Hochhäusern hinaus aus Roses. Geländer überall. Nicht, dass man schwindelerregend hoch über dem Wasser ist, aber man könnte trotzdem runterfallen. Das wäre nicht gut fürs Image. „Touristin bei einer Wanderung auf dem Cami de ronda bei Roses ins Meer gestürzt. Der Weg entlang der Steilküste war nicht gesichert!“ Ein Fressen für den Boulevard. Baut nur weiter Geländer.

Eine Frau mit Hund. Ein Auto mit französischen Kennzeichen kurvt durch die Hangsiedlung. Ein kurzer Strand, ein geschlossenes Hotel, eine Treppe, eine Bäckerei, offen. Eine Bushaltestelle mit dem leeren Kleinbus der lokalen Verkehrsgesellschaft. Niemand sitzt drinnen. Der Fahrer lässt den Motor laufen. Wegen der Heizung. Der Winter ist da. Hinter einem Haus ein steiler Weg an die Küste. Ein Jogger trabt vorbei. Sein Hund kommt nicht nach.

[img]http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb9-cala-del-lledo.jpg
Cala del Lledò

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb9-bunker.jpg[/img-l] Bunker im Zwielicht

Im diffusen Licht des Nebels ist ein Bunker aufgetaucht. Davon gibt es Tausende entlang der Küsten und Grenzen Spaniens. Alleine in Katalonien soll es 5.000 geben, die meisten in den unwegsamen Bergen der Pyrenäen. Die so gerne übersehene Hinterlassenschaft des faschistischen Franco-Regimes ans Heute. Diktatoren haben immer die Hosen voll. Permanente Angst vor den Feinden von innen, permanente Angst vor den Feinden von außen. Ein beschissenes Leben in Angst, das Leben eines Diktators.

Noch einmal kriecht der Nebel vom Meer die Küste hoch, staut sich, verdichtet sich, nimmt erneut die Farben und die Sicht mit. Vom Meer wehen französische Sprachfetzen hinüber. Minuten später ist der Spuk vorbei. Unten, fast auf dem Land, ankert das Schiff einer Tauchschule. Der lichtende Nebel hat eine ganz andere Landschaft freigegeben. Nicht mehr grün, braun, Nicht mehr bebaut, leer. Das hier scheint eine andere Küste zu sein, eine die nicht mehr zur Costa Brava gehört. So fern der kartierten, von ungezählten Urlaubern geschundenen Küste, dass sie unwirklich erscheint. Nichts hier ist erschlossen.

[img-r]http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb9-el-bulli.jpg[/img-r] ...

Das Land da hinten ist trocken. Voraus braune unbewaldete Hügel. Auf dem höchsten, die Antennen und Radarkuppeln des Militärs. Den ganzen Tag in der Sonne blinkende, weit sichtbare, Unmut erzeugende Machwerke. Nur vereinzelt ragen Kronen grüner Pinien aus Senken, aus flachen Täler hervor. Tiefe Schnitte in die Landschaft geben eng umgrenzte Blicke aufs Meer frei. Eine Bucht, die sich tief ins Land schneidet, fesselt den Blick. Unbekanntes Land. Von wegen. Alles Illusion. Das da unten ist die [i]Cala Montjoì, eine Pilgerstätte, ein moderner Wallfahrtsort, das Jerusalem der Feinschmecker.

Ratlose Blicke übers Land, über die so abgelegene, verlassene Bucht. Hier? Warum hier? Hier ist nichts, nur dieses Restaurant und eine abstoßende Ferienanlage, die wie ein Zwitter zwischen Campingplatz und Hüttensiedlung aussieht. Einer der edelsten Fresstempel dieser Welt drückt sich in eine Ecke der kurzen Bucht. Von oben ein unscheinbares Haus. Auch von unten. An der Zufahrt oben, hat sich ein Gartenarchitekt ausgetobt. El Bulli, drei Michelin Sterne, fünfmal „Bestes Restaurant der Welt“, 50 Sitzplätze, Hunderttausende Anfragen nach einer Tischreservierung. Angeblich sollen zwei Millionen Reservierungswünsche aufgelaufen sein. Das ist – das war - Ferran Adriàs Restaurant. „Koch des Jahrzehnts.“

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb9cala-montjoi.jpg[/img-l] Cala Montjoì

Ferran Adrià? Nie gehört! Grünes, gelbes, rotes, violettes, neongrelles, sprudelndes, zischendes, qualmendes Essen. Winzige Portionen. Unmengen Gänge. Essen, das nicht nach Essen aussieht. Essen wie es zuvor keiner gekocht hat, oder sich nicht getraut hat, solches Essen anzubieten. Essen als Show. Ah, Molekularküche! Ja! Essen für Leute, die die große Show lieben. Hauptsache dabei gewesen. Hauptsache mitreden können: „Bei Ferran Adrià gegessen!“

Am Ende jeder Saison stand ganz hinten im Kassenbuch ein Minuszeichen. Überarbeitet soll er auch gewesen sein. Ferran Adrià hat den Laden geschlossen. Dem Volk fehlt jetzt eine Pilgerstätte. Schamlos die Preise erhöhen. Warum eigentlich nicht? Offensichtlich kann unsere Gesellschaft doch aus einen großen Vorrat Dekadenz schöpfen. Und Köche, die freiwillig ohne Bezahlung arbeiten, gibt es offenbar auch genug. Ein „bei Ferran Adrià gekocht“ im Lebenslauf reicht als Bezahlung. Den medialen Weihen als Fernsehkoch wird das bestimmt nicht im Wege stehen.

[img-l]http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb9-kuestenbaum.jpg[/img-l] An der Cala del Calitjar

Am Hang voraus winkt herrisch ein Wanderführer. Der Pfad sei zu schmal für Gegenverkehr. Quatsch! Ein spanischer Wichtigtuer mit einer deutschen Wandergruppe im Schlepp. Woher? Cadaqués. Wohin? Roses. Ah, die Standardwanderung hier. Im Hotel lagen Prospekte aus. Natur und so. Trittsicherheit und Kondition erforderlich. Für Gelegenheitswanderer eine kleine Herausforderung. Das stand nicht im Prospekt. Und selbst? Woher? Aha. Ein paar freundliche Worte, und jeder geht seines Weges. Eine gemäßigte Form des Wanderns: risikoloses Hinterherlaufen. Später fällt einem die eine Frage, die wirklich interessiert hat, wieder ein: Warum ist ausgerechnet hier, wo alle Wanderungen unternehmen wollen, die Markierung so schlecht? Etwa des Wanderführers täglich Brot? Zu spät.

[img]http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb9-cala-joncols.jpg
Cala Jóncols

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb9-alter-weg.jpg
Ehemaliger Weg zwischen Roses und Cadaqués

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb9-puig-alt.jpg
Puig Alt (490 m)

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb9-hochebene1.jpg[/img-r] Am Coll de sa Cruilla (240 m)

Ein alter und sehr steiniger Weg führt durch längst aufgegebene Felder steil von der [i]Cala Joncóls hinauf zum Coll de sa Cruilla. Steineichen haben sich gehalten. Olivenbäume sind wieder zu sehen, wenn auch nur vereinzelt. Drumherum Ödland. Der erste Wegweiser, der zum Anfang des GR 11 am Cap Creus zeigt. Das Gegenstück steht am Golfo de Vizcaya, wochenweit weg. Am Nachmittag tauchen die Häuser von Cadaqués unten in der Bucht auf. Malerisch. Weiße Häuser in brauner baumloser Landschaft. Ein Bild aus nur vier Farben. Von weitem schon ist die markante Kirche zu sehen. Ein letztes Steinmännchen, dann über einen steilen und felsigen Pfad abwärts.

[img]http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb9-cadaques-aus-der-ferne.jpg
Cadaqués

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb9-cadaques.jpg
Cadaqués - Església Santa Maria

Cadaqués haben alle auf der Zunge, wenn sie von einer unverfälschten Costa Brava schwärmen wollen. Und dann noch Picasso, Lorca, Magritte, Buñuel und noch der Dalí, wenn das kein Qualitätssiegel ist. Man ist anders, man möchte sich absetzen in Cadaqués - und nicht nur die Gemeindeverwaltung. Ein Dorf wie gemalt, als sei alles genau so gewollt, drapiert. Cadaqués ist unten in der Bucht wie ein Museum. Was, wenn man sein Haus nicht weiß anstreichen möchte? Cadaqués weiß, dass es schön ist. Ein Narr, wer anderer Ansicht ist. Jugendliche, die hier zum Feiern hinfahren, sind nicht zu sehen. Irgendwie schade.

Werner Hohn
21.12.2011, 14:30
10. Etappe: Von Cadaqués nach Llançà

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb10-dali-boot.jpg[/img-l] Vor dem Casa-Museu Salvador Dalí

Der Morgen ist klar, warm nur direkt in der Sonne. Schattige Gassen hinterlassen eine Vorahnung des bevorstehenden Winters. Ein Frösteln läuft über den Rücken. Es soll der letzte Sommertag werden, für Tage. Der Tag beginnt langweilig: Der Himmel ist blau. Alles, ohne Ausnahme, ohne Grenze nach oben. Keine Wolke.

Malerisch liegen traditionelle Fischerbötchen vor dem Haus, das einst Salvador Dalí seiner Frau schenkte. Eine kundige Hand weiß was Touristen sehen wollen. Der zerbrochene Kahn vor dem Haus zwischen dessen Spanten ein Baum wächst ist Kitsch. Auf dem älteren Foto im katalanischen Wanderbuch ist der Platz noch leer. Die beiden malerischen Fischerboote ganz oben auf dem Kiesstrand, beinahe schon auf den Steinplatten, haben auch schon in diesem Foto für immer festgemacht. Sogar die Leinen und Festmacher, das weiße, ausgehängte Ruder und die blaue Plane liegen heute noch immer am selben Platz wie auf dem Foto. Nur die schmutzigen Fender fehlen und die Plane hat etwas Farbe lassen müssen. Bewegt wurden die beiden vordersten Fischerboote seither nicht mehr. Alles Kulisse. Port Lligat, trotz des Dali-Museums immer noch erstaunlich klein, baut sich zum Museum aus. Weshalb? Das eine Hotel ist größer als der ganze Ort.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb10-hochebene.jpg
Auf der Hochebene am Cap de Creus

Am Strand stapeln sich die Fangkörbe, liegen die handlichen Boote der Fischer. Ein paar alte machen sich an diesem frühen Morgen schon an ihren Netzen zu schaffen. Das ist keine Kulisse. Die neue Villensiedlung ums Eck verharrt in ihren Anfängen. Bruchsteinhäuser mag dem Anschein nach nicht jeder. Doch anders darf außerhalb der weißen Häuser von Port Lligat nicht gebaut werden. Vielleicht ist auch der Sommer hier einfach nur zu kurz oder das Hinkommen zu umständlich. Eine vierspurige Zufahrtsstraße fehlt, wird hoffentlich immer fehlen.

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Auf dem GR 11

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb-10-kuhkopf.jpg[/img-r] Nach Santiago de Compostela und dem Rest der Welt

Wie einsam, wie verlassen die Costa Brava hier im Nordosten sein kann. Die erstaunliche, nicht erwartete Steigerung des gestrigen Tages. Schon auf den Weg aus Cadaqués hinaus waren die Straßen wie ausgestorben. Wo gestern noch Menschen in der Sonne saßen, streunten Katzen unbehelligt umher. Junge Olivenbäume glitzern hier silbern im Licht der morgendlichen Sonne. Das hat was von Winter. Keine anderen Wanderer sind hier unterwegs. Die Markierung ist wieder mehr als gut, dort wo breite Wege kreuzen, beinahe schon zu gut. Bunte Schilderwälder an verzinkten Pfosten. Die Landschaft bleibt endgültig den wenigen halbwilden Hunden überlassen. Mittendrin ein handgemalter Wegweiser in alle Welt. Heutzutage natürlich auch nach Santiago de Compostela. Es geht nicht mehr ohne. Wann eigentlich wieder? Der erste wirkliche Wegweiser des GR 11 steht neben dem Gehöft [i]Mas dels Rabassers de Baix. Noch 14 Kilometer bis Port de la Selva. Nicht weit, kein halber Tag. Weit ist es bis zur Biskaya. Zu weit? Vielleicht während eines trockenen Sommers? Nach langer, langer Zeit mal wieder in die Berge? Von hier, ab dem Mittelmeer wie es sich gehört? Am Ende wäre die Wanderung durch die Randgebiete der Iberischen Halbinsel sowie entlang der Grenzen Spaniens ein gutes Stück weiter wahr geworden. Spinnereien? Ja, jedoch konkrete. Pyrenäen? Berge! Ohne mich! Das musst du alleine machen! Zu viele Ausrufezeichen – hörbare!

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Auf der Hochebene

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb10-cabane.jpg[/img-l] Cabana

Der halbe Tag hier oben besteht aus nichtigen Zufälligkeiten am Weg. Hartlaubgewächse. Dorniges, trockenes Gestrüpp. Vereinzelte Baumgruppen. Viele haben sich nicht halten können. Kahlschlag, Wind und Wassermangel. Brandstiftung auch, klar doch. Wo der Wind nicht hinreicht, halten sich niedrige Kiefern, meist Neuanpflanzungen, wenige Jahre erst alt. Ein weißes Haus an einen fernen Hang. Abseits gelegene, schon seit Jahrzehnten aufgegebene Bauernhöfe, oft nur noch Ruinen. Trockene, beim Drauftreten zerbröselnde Kuhfladen. Abzweigende Pfade, staubige Fahrpisten, deren Anfang und Ende sich in der Weite des Buschlandes verlieren. Weiß-rote Markierungen auf Steinen, selten an Bäumen. Verbuschte, eng umzirkelte Hochebenen. Rostige Tore, die einst den Besitz vor Fremden schützen sollten, stehen heute offen. Dem Verfall überlassene Steinmäuerchen grenzen Land ein, dass niemand mehr bearbeiten wird. Steiniges, unfruchtbares Land, verlassen und leer. Kaum Wasser, wenn doch, nur Rinnsale auf dem Grund schwer zugänglicher Senken, Einschnitte, Furchen. Die ein oder andere [i]Cabana, die niedrige Hütten aus Stein der Hirten. Nun unnütz, doch die am Wanderweg immer noch - oder wieder? -in Schuss. Es ist die Landschaft der Kuh- und Ziegenhirten, einst, heute nur noch ein Land für Wanderer. Geld lassen die keins da. Die ganz großen Kassen stehen am Küstensaum, nicht selten in Barcelona, sogar Madrid.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb10-mas-plate.jpg[/img-r]
Bestien! Angstmacher am Mas Baltre

Warnung: Bestien! Betretet mein Land, das Land um das Gehöft des [i]Mas Baltre nicht! Jahrzehnte ist es nur her, dass die Warnung mit schiefen Buchstaben auf das Blech gemalt wurde, heute grade eben noch lesbar, und doch reicht es für Unwohlsein. Umschauen, immer wieder. Nachwirkungen einer alten, verrosteten Warnung. Die Bestien gibt es hier schon lange nicht mehr. Oder? Zweifel machen sich breit, begleiten den kurzen Weg, der mit jedem Gedanken länger und länger zu werden scheint. Ob der, der sich über Jahre gegen einen Weg über sein Land gesträubt hat, wirklich müde geworden ist, nachgegeben hat? Oder ist es einfach nur Zufall, dass an diesen Tag keine Hunde zu sehen sind? Das Haus ist bewohnt. Die Schlagläden vor den Fenstern sind zwar geschlossen, doch im Schuppen steht ein Auto. Sollten noch immer Höllenhunde hier frei umher laufen, solche, die sich nicht mit einem Steinwurf vertreiben lassen? Fragen, die nicht alle mit einem Ja beantwortet werden wollen. Nichts wie weg hier! Sägt das alte Schild ab.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb10-sant-baldiri.jpg[/img-l]
Sant Baldiri de Tavallera

Beim Abstieg hinunter ans Meer kreuzt eine verstreute Ziegenherde den Weg. Ununterbrochenes lautes Rufen, zwei kleine Hunde hetzten um die Herde. Der Ziegenhirte hat Mühe, seine nervösen Tiere beisammen zu halten. Nur Augenblicke sind vergangen, seit ein Quad mit kreischendem Auspuff die Lehmpiste zur Kirchenruine von [i]Sant Baldiri de Tavallera hinaufgedonnert ist. Die Staubfahne steht Minuten später noch zwischen den lichten Kiefern. Jagt sie aus den Wäldern und von den Pisten, die mit den Quads.

[img]http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb10-port-selva.jpg
el Port de la Selva

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Far de s'Aranella

Ab el Port de la Selva wieder auf den GR 92. Jetzt erneut an der Küste entlang. Llançà soll es werden. Nicht nur wegen des Bahnhofs. Zum Abschluss ein Stück Küste, ein paar Stunden am Meer entlang, so soll die Wanderung enden. Nein, die Tage dauernde Wanderung auf dem Sender del Mediterrani muss so enden. Jetzt, in der Badia del Port de la Selva, jener großen und zerklüfteten und zersiedelten Bucht, ist die Costa Brava kein Neuland mehr. Ein bekannter, vor einem halben Jahr schon einmal begangener Teil des GR 92. Am Sommeranfang war das, als der Tramuntana nicht endende Tage die Küsten entlang gestürmt ist, die Gischt der heranrollenden Wellenkämme bis hinauf auf den Küstenweg wehte. Trotz Sonne ist das ein kalter, gegen den Abend ein nasser Tag gewesen.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/cb10-cala-colomera.jpg
Cala Colomera

Zu dieser herbstlichen Jahreszeit irren nur wenige Urlauber durch Llançà. Überall leere Straßen. Auf dem großen Platz am neuen Sportboothafen können sich Kinder ungehindert austoben. Die Kajaks und Surfbretter sind an den Regalen am Strand angekettet. Der Winter kann kommen. Nur ein Hotel ist noch nicht eingemottet. Nach der Besitzerin muss gesucht werden. Ohne Voranmeldung ist niemand auf Gäste eingestellt. Kein Problem. Die zusätzliche Einnahme nimmt sie gerne mit. Ob eine Rechnung benötigt wird? In der Dämmerung fällt kaltes weißes Licht auf die Promenade am Strand. Edles Ambiente wird bis in den letzten Winkel ausgeleuchtet, sichtbar sogar von außen. Das ist gewollt. Zwei Gäste sitzen am Tisch direkt am Fenster, umsorgt von einem Vielfachen von Kellnern und Köchen. Ein Michelin-Stern verpflichtet. Im Restaurant Miramar weiß man, was Gäste neben guten Essen und Trinken noch erwarten. Nachmittags, bei der ersten Runde durch den Ort, hatte der von Michelin geadelte Koch alleine im Foyer seines Restaurants gesessen. Vor ihm auf dem niedrigen Tischchen lag eine leeres Blatt Papier. Nun, am Abend, steht auf dem weißen Blatt das mehrgängige Menü, ein angesichts des Gebotenen bezahlbares Menü. Zu spät, zu spät. Beim indischen Pizzabäcker eine Straße weiter hinten hatte niemand gesessen. Sterneverdächtig war dort nur die Endsumme auf dem Kassenbon.

Von den Pyrenäen weht ein kalter Wind durch die Straßen. Die Seiten einer achtlos weggeworfen Zeitung wehen hinunter zum Hafen. Morgen endet der Sommer. Der nächtliche Himmel ist tiefschwarz wie in den beiden vergangenen Wochen nicht. Keine Chance für Sterne. In Llançà endet die Wanderung. Bis zur französischen Grenze sind es noch 15 Kilometer. Man muss nicht alles haben.

Doreeni
07.07.2012, 23:54
Hallo...... als Forum-Neuling aufgrund lesens dieses Costa-Brava-Berichtes wollte ich erstmal hören, ob ich in diesem Bericht richtig bin und mir speziell Werner ein paar Fragen beantworten könnte. Habe nämlich heute einen Flug an die Costa Brava gebucht.
Ich dachte, eh ich los leg mit formulieren, frag ich erstmal, ob hier auch noch jemand zum antworten ist ;-)

Juno234
08.07.2012, 08:14
Ich vermute mal ganz stark. Werner wird dein Posting bald entdecken und sicherlich für Fragen zur Verfügung stehen.

Allgemeinere Fragen zum Wandern in Spanien könnte auch ich versuchen zu beantworten, zur Costa Brava aber eher nicht.

Werner Hohn
08.07.2012, 12:07
...
Ich dachte, eh ich los leg mit formulieren, frag ich erstmal, ob hier auch noch jemand zum antworten ist ;-)

Ja, es ist noch jemand da; und wie Juno richtig bemerkt hat, könnten zur Not auch noch andere, jedenfalls wenn es um Spanien allgemein geht. Dann formuliere mal.

Werner

Doreeni
10.07.2012, 21:45
Das ging aber fix, lieben Dank.

Ein wenig zum Hintergrund: Spanien an sich ist mir nicht ganz neu, war vor wenigen Jahren 3 Wochen in Andalusien unterwegs, der Cabo de Gata: ein Traum.

Es geht mir eher um ganz konkrete Fragen, vermutlich an Werner, und es tut mir leid, dass es gleich mehrere sind:

Da ich leider nur noch eine Woche an Urlaub zusammenkratzen konnte dieses Jahr, ist bei meiner Reise nach Barcelona bzw die Costa Brava leider natürlich nicht soo viel drin. Es soll eine Mischung aus 2 Tagen Barca und ca. 5 Tagen Costa Brava werden. Ich habe mich deshalb mal schon durch google earth gewühlt und deinen schönen Reisebericht gelesen, um wenn dann auch die lohnenswertesten Abschnitte zu finden.
Hab aktuell geplant, nach Tossa de Mar zu fahren mitm Bus und dann von dort nach Sant Feliu de Guixols zu laufen, da es nach relativ unverbauter Küste mit Klippen und tollen Ausblicken ausschaut.

Dazu die Fragen:
- Ist dem so und ist es auch ok bzw. gut machbar, auf/an der Straße entlangzulaufen? Irgendwo scheint ja dann doch ein Weg abzuzweigen.
- Erinnerst du dich, ob dort unterwegs einfachere Unterkünfte waren (teure Hotels sind sicher zu teuer für mich, möchte ungern mehr als 30 € für eine Nacht bezahlen, nach Möglichkeit um die 20 wie in Andalusien) oder könnte man dort auch irgendwo ganz einfach eine Möglichkeit finden, ggf unter freiem Himmel nur auf der Isomatte zu nächtigen, ohne dass man sich ängstigen muss? Da ich überlege, gleich nach der Ankunft mit dem Bus loszulaufen und wenn ich es nicht bis Sant Feliu schaffe bzw schaffen will aufgrund der grandiosen Ausblicke, dann wäre es interessant, OB es überhaupt Alternativen zum nächtigen in Sant Feliu gäbe.

Weiter möchte ich dann von Palamós über Calella de Palafrugell bis Begur laufen. Mehr werd ich nicht schaffen, da ich gern auch 1 oder 2 Tage dort verweilen möchte und dann über Girona zurück nach Barca will bzw muss.

Wie sieht es überhaupt mit biwackieren aus an besagten Routen? Das Problem ist, dass ich es einerseits unheimlich gern machen würde bzw liebe unterm Sternenhimmel und auch schon 3 Nächte allein (in Dtl) und 3 mit Partner getan habe, andrerseits unheimlich Angst auch dabei hab als alleinreisende Frau und deshalb nur sichere Plätze wählen würde. Nur ob es die dort gibt oder wie du das da unten einschätzt würde mich interessieren. Ich befürchte halt, dass es im November (totale Nebensaison) mit (bezahlbaren) Übernachtungsmöglichkeiten ggf ziemlich mau aussieht und ich dann ratlos da steh.

Dann noch eine wichtige Frage: findet man den oben beschriebenen Weg der beiden Routen auch OHNE Reiseführer und/oder Karte? Ich las auf deiner Seite zur Costa Brava zwar, dass es diese rot-weissen Markierungen gibt, aber reichen die wirklich aus oder ist doch ein Buch empfehlenswert? Sicher ist das auch das (Haupt-)Problem, wie man sich durch die jeweiligen Orte zur richtigen Route am anderen Ende durchfindet, da man ja wegen Übernachtungs-Suche von dieser abschwenken muss. Bei google maps bzw earth sah ich nicht wirklich einen echten sichtbaren Pfad, nur phasenweise und teils viel kreuz der quer und möchte mich da ganz ungern verlaufen.

Ich habe auch schon das von dir beschriebene Buch "Wanderweg Costa Brava" über Amazon gefunden, nur finde ich es mit 25 € ziemlich teuer, da ich ja letztlich nur ein kleines Stück davon in ca 4 Tagen begeh und es mir nur zu einem kleinen Teil Nutzen bringt, da ich wohl auch nicht noch einmal an die Costa Brava fahren werde und das Buch eh nicht im kompletten mit rumschleppen würde dort. Hast du ggf. das Wissen oder eine Idee, wo es diese Strecke auch anderweitig gibt? Bisher habe ich nichts brauchbares im Netz gefunden......

Liebe Grüsse,
Doreen

Doreeni
10.07.2012, 21:48
Vielleicht noch ein Nachtrag: wie gesagt, es ist erst Anfang November soweit, also eilt es nicht wirklich mit antworten...... ;-)

Werner Hohn
12.07.2012, 09:50
Moin Doreen,

viele Fragen, von denen ich nicht alle beantworten kann, aber ich versuche es mal.


Ein wenig zum Hintergrund: Spanien an sich ist mir nicht ganz neu, war vor wenigen Jahren 3 Wochen in Andalusien unterwegs, der Cabo de Gata: ein Traum.
Ob die Costa Brava da mithalten kann? Den Bericht von Juno234 (http://www.outdoorseiten.net/forum/showthread.php?57871-ES-Auf-dem-GR-92-von-Almer%EDa-%FCber-das-Cabo-de-Gata-nach-Carboneras) hast du gesehen?

Du bist dir im klaren, dass eine Wanderung entlang der Costa Brava - bis auf die Ecke ums Cap de Creus - alles andere als ein Naturerlebnis ist? Vermutlich ja.

Bis auf drei wurden alle Fotos im Reisebericht auf dem GR 92/Camins de ronda aufgenommen und auf fast allen sind Häuser zu sehen. Unterwegs mussten wir oft an Wanderungen durch große Parkanlagen denken, manchmal ist es uns wie in einem Vergnügungspark vorgekommen. Es sind richtig schöne Abschnitte darunter, wo man nur staunt, besonders dort, wo sich die Schönen und Reichen niedergelassen haben. Die spanischen Wegemacher hatten keine Hemmung den GR 92/die Küstenpfade oft noch vor deren Grundstücke zu setzen, und diese damit vom Meer abzuschneiden. Trotzdem, der Weg ist extrem zivilisationsnah. Wir waren schon oft auf Wegen unterwegs, die andere wegen ihrer Ferne zur Natur meiden, aber so extrem noch nie. Wandern und Shoppen und das im stündlichen Wechsel, hat meine Frau einmal bemerkt. Trotz dieser Einschränkungen wird der GR 92 viel begangen und das nicht nur auf kurzen Abschnitten. Für katalanische Wanderer ist der Weg Pflicht, hat mir eine Wandergruppe erzählt.

Noch etwas: November an der Costa Brava könnte nass und kalt werden. Ein Plan B kann nicht schaden.


Hab aktuell geplant, nach Tossa de Mar zu fahren mitm Bus und dann von dort nach Sant Feliu de Guixols zu laufen, da es nach relativ unverbauter Küste mit Klippen und tollen Ausblicken ausschaut.

Dazu die Fragen:
- Ist dem so und ist es auch ok bzw. gut machbar, auf/an der Straße entlangzulaufen? Irgendwo scheint ja dann doch ein Weg abzuzweigen.

Das ist machbar und einfach. Immer der Straße nach. Es bleibt aber Wandern auf einer Autostraße. Sollte der Himmel grau sein, gar regnen, wirst du die Idee bescheuert finden. Mitdenken kann nicht schaden und frühzeitig einen Schritt zu Seite machen ist ebenfalls nicht verkehrt, denn die Autofahrer rechnen auf dieser Straße eher nicht mit Fußgängern. Vermutlich wird im November noch weniger Verkehr sein als bei uns im Oktober.

Natürlich gibt es eine Wanderroute von Tossa nach Sant Feliu, sogar mehrere. Über den GR 92 nach Sant Grau und weiter nach Sant Feliu, oder von Tossa mit dem GR 92 bis Mare de Déu de Gràcia und ab da über den PR-C 101 nach Sant Feliu. Wir waren ein halbes Jahr vor unserer Wanderung dort oben und haben eine kleine Rundwanderung unternommen, bei der der Entschluss gefallen ist, die Straße zu nehmen. Dort oben ist es zwar schön und einsam, nur sieht man das Meer nie. Außerdem geht fast die komplette Strecke durch Kiefernwald. Langweilig auf Dauer!

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/prc101-gr92.jpg
Links: Neue Schilder des PR-C 101. Rechts: Uralte des GR 92

Kaum ein Wanderer nimmt für diese Etappe den GR 92, denn der ist wirklich langweilig. Ab Mare de Déu ist der PR-C 101 viel besser markiert. Mittlerweile kenne ich mehr als 300 km des GR 92, aber so schlecht markiert wie auf dieser Etappe ist der nirgendwo. Die Schilder sind uralt, ganz im Gegensatz zum PR-C 101.

Wenn du diese Route wählst, genug Wasser mitnehmen. Es kann sein, dass du keine Menschenseele triffst.

Alle Etappen des GR 92 auf Google Maps (http://www.feec.cat/etapes/gr-92-palam%C3%B3s-sant-feliu-de-gu%C3%ADxols). Etappe vor/zurück, ganz unten auf der Seite. Tossa-Sant Feliu eine Etappe weiter.

Der PR-C 101 (http://senderisme.planasantich.org/Sant%20Feliu%20a%20Tossa.htm) Tossa-Sant Feliu.


- Erinnerst du dich, ob dort unterwegs einfachere Unterkünfte waren (teure Hotels sind sicher zu teuer für mich, möchte ungern mehr als 30 € für eine Nacht bezahlen, nach Möglichkeit um die 20 wie in Andalusien)...

Auf dieser Etappe? Nee, eher nicht. Es gibt die eine große Hotelanlage bei Giverola und einen Campingplatz kurz vorher. Im November werden beide geschlossen sein. In den Buchten findet man oft ganz kleine Ferensiedlungen, eigentlich nur ein paar Häuser. Ob es dort Zimmer gibt, kann ich nicht sagen. 20 Euro, *puh* eher nicht, egal wo. Wir gehen ebenfalls von 30 Euro/Person aus, doch weil das bei 2 Personen 60 macht, hatten wir im Oktober nie Schwierigkeiten bezahlbare Zimmer zu bekommen, sogar Hotels mir 4 Sternen direkt am Meer.


... oder könnte man dort auch irgendwo ganz einfach eine Möglichkeit finden, ggf unter freiem Himmel nur auf der Isomatte zu nächtigen, ohne dass man sich ängstigen muss? Da ich überlege, gleich nach der Ankunft mit dem Bus loszulaufen und wenn ich es nicht bis Sant Feliu schaffe bzw schaffen will aufgrund der grandiosen Ausblicke, dann wäre es interessant, OB es überhaupt Alternativen zum nächtigen in Sant Feliu gäbe.

Das ist eine der Fragen bei der ich passen muss. Als Mann hätte ich keine Probleme runter in eine Bucht zu gehen und mich an den Strand zu hauen. Freier Himmel wäre mir im November zu wenig. ein Tarp müsste mit.


Wie sieht es überhaupt mit biwackieren aus an besagten Routen? Das Problem ist, dass ich es einerseits unheimlich gern machen würde bzw liebe unterm Sternenhimmel und auch schon 3 Nächte allein (in Dtl) und 3 mit Partner getan habe, andrerseits unheimlich Angst auch dabei hab als alleinreisende Frau und deshalb nur sichere Plätze wählen würde. Nur ob es die dort gibt oder wie du das da unten einschätzt würde mich interessieren. Ich befürchte halt, dass es im November (totale Nebensaison) mit (bezahlbaren) Übernachtungsmöglichkeiten ggf ziemlich mau aussieht und ich dann ratlos da steh.
Siehe oben. Du darfst nicht vergessen, dass es sehr schwer werden wird, einsame Plätze zu finden. Die Costa Brava ist extrem dicht besiedelt und die freien Areale sind extrem klein, oft nicht größer als ein großer städtischer Park. Jeder der dich am späten Nachmittag mit Rucksack auf dem Rücken in ein Wäldchen oder zu einem einsamen Strand gehen sieht, kann sich an einem Finger ausrechnen, wo er dich findet. Als Mann sage ich, lass es sein.


Dann noch eine wichtige Frage: findet man den oben beschriebenen Weg der beiden Routen auch OHNE Reiseführer und/oder Karte? Ich las auf deiner Seite zur Costa Brava zwar, dass es diese rot-weissen Markierungen gibt, aber reichen die wirklich aus oder ist doch ein Buch empfehlenswert? Sicher ist das auch das (Haupt-)Problem, wie man sich durch die jeweiligen Orte zur richtigen Route am anderen Ende durchfindet, da man ja wegen Übernachtungs-Suche von dieser abschwenken muss. Bei google maps bzw earth sah ich nicht wirklich einen echten sichtbaren Pfad, nur phasenweise und teils viel kreuz der quer und möchte mich da ganz ungern verlaufen.


http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/wegweiser-gr92.jpg

Schilder und Wegweiser an (fast) allen Ecken. Wie du siehst, ist der GR 92 gut bis sehr gut markiert oder ausgeschildert. Mehr oder weniger sieht das überall so aus. Es gibt Etappen da geht es ohne Karte. Blanes-Lloret etwa. Schwierigkeiten gibt es immer wenn eine Markierung oder ein Schild fehlt. In der Regel bringen die Spanier keine Bestätigungsmarkierung an (ein paar Meter nach dem Abzweig eine neue Markierung). Ohne Karte hast du keine Ahnung wie es weitergeht. Zusätzlich bist du dann an den Verlauf des GR 92 gebunden, denn du kannst nicht überrpüfen, wohin dich die vielen Küstenpfade führen, und gerade die sind sehr schön.

Ausdruckbare Karten 1:50.000 findest du im Netz.

Institut Cartogràfic de Catalunya (http://www.icc.cat/vissir3/). An der Küste reinzoomen, z.B auf der Höhe von Palamos. Auf Stufe 5 und 6 erscheint der GR 92. Leider fehlen alle lokalen Wanderwege, somit auch die Küstenpfade wenn der GR 92 nicht drüber geführt wird. Wenn du dem Weg in der Karte folgst, wirst du festestellen, dass innerhalb größerer Orte die Route in der Karte nicht markiert ist. Das ist auch in den Papierkarten oder spanischen Wanderbüchern so. Die Spanier sind der Meinung, dass man sich seinen Weg durch Orte selber suchen kann. In der Regel sind die dann dort auch nicht markiert.

Es gibt auch deutschsprachige Bücher fürs Wandern an der Costa Brava. Die sind preiswerter als das spanische Buch.
Das war's dann mal für den Anfang. Sollten noch Fragen auftauchen, keine Hemmungen, das ist der Zweck eines Forums.

Grüße
Werner

Nachtrag:

In der Radfahrerkarte von openstreetmap ist der Verlauf des GR 92 eingtragen, sogar die meisten Küstenpfade. Bei osm fehlen zwar die Bezeichnungen und die Art der Markierung, das lässt sich jedoch verschmerzen.

Doreeni
29.07.2012, 20:04
Hallo Werner, vielen lieben Dank für deine echt schnelle und ausführliche Antwort!!
Kam irgendwie paar Tage nicht ins Forum und deshalb leider etwas verspätet erst meine Zeilen.....

Junos Bericht hab ich schon gesehen, ja, und bin da eine kleine Teilstrecke davon auch selber damals schon gelaufen. Ja, mir ist bewusst, dass die Costa Brava wohl nicht mithalten kann und es mich in eine äußerst touristische Ecke verschlagen hat. Aber deshalb habe ich auch extra für November gebucht ;-) und das Wetter wird mich vermutlich nicht übermäßig stören, falls es nicht gerade tagelangen Dauerregen gibt. Die Reise soll jetzt keine riesige Naturreise werden, sondern für ja nur eine Woche Urlaub war die Kombi Barcelona&Costa Brava eben gut geeignet + günstiger Flug und schnell erreichbar. Hoffentlich laufen mir auf meinen ausgesuchten Strecken nicht allzuviele gruselige Hochhäuser über den Weg. Norwegen hatte ich halt wegen dem Wetter um diese Zeit oder aber der schnellen Erreichbarkeit, wo ich hinwollte, dann leider doch abgehakt.

Bei der Strecke von Tossa nach Sant Feliu habe ich in der Tat auch nicht vor, die GR92-Strecke zu laufen. Zu weit ab von der Küste, die ja gerade an diesem Küstenabschnitt schön sein soll. Werde wohl an der Straße lang, über Salionc und Canyet de Mar, bis Sant Feliu laufen.

Bezüglich Übernachtungen schonmal Danke für den Tip, dass es mit 20€ knapp bis unmöglich werden wird. Na dann lass ich mich mal überraschen. Es ist zwar totale Nebensaison Anfang November, aber da bereits auch vieles geschlossen hat, wird es sicher nicht die riesen Auswahl geben, also muss ich wohl oder übel dann schauen, was in laufbarer Nähe so zu haben ist. Meine Überlegung mit draussen schlafen hab ich nun wohl auch erstmal abhehakt, denn Angst haben will ich in der Tat nicht. Spanien/Costa Brava ist ja leider auch im Bereich Kriminalität nicht gleich Skandinavien. Das übliche Thema, eine alleinreisende Frau zu sein. Sei es draussen schlafen, oder durch irgendwann vll mal Kirgisien oder Mongolei reisen: das Risiko reist immer mit. Während man(n) am Wegesrand auf ein paar lustige Wodka eingeladen wird, müsste Frau sehr gut aufpassen. *nerv*

Vielen Dank für den Link Institut Cartogràfic de Catalunya !! Der ist super und werde mir einfach die Strecken ausdrucken. Der eingezeichnete Weg dient zumindest dann auch als Anhaltspunkt, wo ich dann aus dem Ort wieder auf den GR 92 zurück finde.
Lokale Wanderwege interessieren mich eigentlich speziell um Begur, aber da gibt es eine Beschreibung in einem Reiseführer, den ich mir ggf mal ausleihe. Ein richtiger Wanderführer direkt wird sich vermutlich nicht lohnen, weil z.B. der Rother nur 1 oder 2 Teilstrecken beinhaltet, aber nicht z.B. den Weg von Palamos bis Tamariu/Begur. Aber ich hoffe, daß ich diesen Weg allein finde, auch wenn er auf euren Bildern ziemlich einsam (Hoffnung) und landschaftliche reizvoll aussieht.

Mit deinem Tip zu open street map muss ich nochmal beschäftigen, kenn mich auch mit GPS rein gar nicht aus. Ich nehme an, dass das diese braun getrichelten Pfade sind, die immer bei Wegführung auf einer Straße aufhören.
Naja, mit paar ausgedruckten Seiten und einer hoffentlich guten Markierung wirds schon irgendwie gehn :-)

Danke für die Mühe,
Doreen