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berniehh
26.09.2011, 19:23
Estland Küsten- und Waldtrek

Länge: 200 km

Dauer: 11 Tage

August 2011

Estland gehört bekanntlicherweise ja nicht gerade zu den klassischen Trekkingländern. Ins Baltikum fährt man normalerweise um sich die Städte anzuschauen, wegen der Kultur oder um das Land mit dem Fahrrad zu bereisen oder mit dem Auto rumzufahren, aber zum Trekking wohl eher nicht. Jedenfalls nicht das ich wüsste. Auch in den Büchern steht nichts über Trekking drin. Estland ist ein plattes Land ohne Berge. Lohnt sich das Land überhaupt als Trekkingziel und wird man da passende Routen finden? Das waren die Fragen die ich mir stellte.

Im nun folgenen ersten Teil geht´s darum wie ich überhaupt auf diese Route gekommen bin:

1. Die Planung
Entstanden ist die Idee schon im Frühjahr 2010, und zwar nicht aus besonderem Interesse an den baltischen Staaten, sondern eigentlich nur deshalb weil ich kurz vor meiner Abreise nach Südamerika noch einen Küstentrek machen wollte und dafür eine passende Route gesucht habe durch eine möglichst ursprüngliche Landschaft. Das Baltische Klint hatte ich ein Jahr zuvor zufällig mal auf Google Earth entdeckt. Das habe ich dann mal genauer unter die Lupe genommen und dabei einen etwa 60 Kilometer langen Küstenabschnitt im Nordosten von Estland gefunden der als Trekkingroute vielversprechend aussah. Die Fotos, die ich dazu fand, sahen sehr schön aus!

Im Anschluss dieses besagten Abschnittes wird die Küste für Trekking jedoch uninteressanter und immer wieder von Zivilisation unterbrochen, mit Dörfer, sowie Straßen und Fahrwege entlang der Küste und sowas mag ich ja nicht so.

Kurz gesagt: Dieser 60 Kilometer lange interessante Küstenabschnitt war mir als Trekkingroute zu kurz und auf den Rest hatte ich keinen Bock! Deshalb habe ich den Estland Plan erstmal wieder verworfen und mir nach einiger Recherche eine neue Route ausgedacht, die ich dann im Juni 2010 auch gemacht habe. Das war mein "Trek am Wasser" in Mecklenburg-Vorpommern und teils Schleswig-Holstein. Es ist ein sehr lohnender Trek geworden, ich würde sogar sagen mit einer der schönsten die ich bis jetzt in Deutschland gemacht habe.

Als ich dann Ende März 2011 aus Südamerika zurückkam, bekam ich Lust auf noch einen Küstentrek, und zwar in diesem Sommer noch. Estland ist also wieder in den Fokos gerückt. Gleichzeitig habe ich aber auch noch in anderen Gegenden nach Routen gesucht. Meine Suche beschränkte sich dabei nicht nur auf die baltischen Staaten, sondern durch viele Länder Europas, mit dem Hintergedanken vielleicht noch was Besseres zu finden als Estland.

Den South West Coast Path in England hatte ich auch ernsthaft mit in Erwägung gezogen. Über den hatte ich in den letzten Jahren immer mal wieder was gehört. Es ist bestimmt ein schöner Trek, aber als ich mir die Route auf Google mal genauer anschaute stellte ich fest daß dieser Trek für meinen Geschmack durch zu viele Orte führt. Man hat da zwar auch viele spektakuläre Küstenblicke aber auf der anderen Seite auch ständig Blicke über das Farmland hinter der Küste und das bietet nicht gerade ein Wildnisambiente wie ich es suchte. Also kam diese Tour erstmal nicht in Frage, auch wenn ich sie in einer abgeänderten Form vielleicht irgendwann mal machen werde.

Schottland, Irland und Island sind auch mit rausgeflogen. Es lassen sich dort zwar lohnende Treks an der Küste finden, wobei Hornstrandir auf Island nur eine von zahlreichen Möglichkeiten wäre aber diese Gegenden sind mir zu waldlos. Nix gegen waldlose Gegenden, ich mache sehr gerne Treks durch karge baumlose Landschaften aber für meinen jetzigen Trek wollte ich gerne eine dicht bewaldete Küstenlandschaft haben.

In Skandinavien bin ich gar nicht erst angefangen nach Routen zu suchen. Die Küstelinie ist dort ja viel zu zerklüftet, so daß man da wohl kaum Abschnitte finden wird, die sich für längere Küstentreks eignen würden.

Dann habe ich auch noch die ganze Ostseeküste von Deutschland über Polen bis ins Baltikum abgecheckt und schließlich auch noch in Ländern wie Griechenland, Türkei, Bulgarien, Portugal und paar weiteren Ländern nach möglichen Routen gesucht. In einigen Gegenden bin ich zwar fündig geworden aber nach genauerer Betrachtung gefiel mir Estland doch besser, so daß es zum Schluß nur noch als einzigstes Land übrig blieb.

Estland stand nun also fest. Meine Trekkingroute sollte etwa 200 km lang werden und durch möglichst wenig Zivilisation führen, dafür aber viel Wildnis. Da die Küste aber für mich nicht überall interessant genug zum trekken ist, sah ich es als notwendig an auf längere Abschnitte ins Inland durch die Wälder auszuweichen. So ist aus dem geplanten Küstentrek eben ein Küsten- und Waldtrek geworden, wovon die Hälfte an der Küste und die andere Hälfte durchs Inland verlief.

Während meiner Routenplanung habe ich auch versucht rauszufinden ob es durch die Wälder im Inland überhaupt Pfade gibt. Hinweise auf längere durchgehende Pfade habe ich jedoch nirgends gefunden, nur hier und da ein paar verstreut liegende kurze Pfadabschnitte. Es führen zwar reichlich Fahr- und Forstwege durch die Wälder, aber die kommen für mich ja zum Trekking nicht in Frage. Daher habe ich mir eine weglose Route ausgedacht, wobei ich die paar kurzen Pfadabschnitte, die ich zuvor auf Google Earth fand, mit in meine Route eingeplant habe. Dazu habe ich mir ein paar GPS-Koordinaten gezogen und fertig war meine Routenplanung.

Meine Trekkingroute führte durch keine nennenswerten Orte und das war auch so geplant. Demzufolge kam ich auch an keine Einkaufsmöglichkeiten vorbei. Da ich auch nicht vorhatte Einkaufsabstecher zu machen, musste der gesamte Proviant mitgeschleppt werden.

Daß es in Estland auch eine 80 Kilometer lange und 4 Tage dauernde markierte Trekkingroute gibt, habe ich erst vor Ort erfahren. Das ist der Kõrve Trail auf den ich während meiner Wanderung zufällig stieß und den ich dann auch teilweise gefolgt bin. Später im Verlaufe meines Berichtes werde ich auch noch näher darauf eingehen.

Zu Hause in Hamburg fand ich keine geeigneten Karten für meine geplante Route. Da ich direkt zu meinem Trekkingstartpunkt anreisen wollte und demzufolge überhaupt kein Interesse daran hatte erst in Tallinn zwischenstoppen zu müssen um dort nach Kartenläden zu suchen, entschied ich mich meinen Trek komplett ohne Karten zu machen. Ich wollte nur mit Google Earth Ausdrucken gehen und die habe ich mir schon vor der Reise im Internet-Café angefertigt.

Etwa 44 Prozent der Fläche Estlands ist bewaldet. Das Land weist mit einer durchschnittlichen Bevölkerungsdichte von 30 Einwohnern pro Quadratkilometer zwar nur ein siebtel der deutschen Bevölkerungsdichte auf, ist aber etwas dichter besiedelt wie Schweden. Wenn es also nur um Wildnistrekking geht ist Skandinavien zweifellos ein viel lohnenderes Ziel. Meine Route war jedoch eine gute Mischung zwischen lange wilde Küstenlandschaften, urwüchsige Wälder und Moorgebiete. Also eine sehr verlockene Kombination, von der ich denke daß man sie so wohl auf keiner Trekkingroute in Skandinavien finden wird.

Fortsetzung folgt....

Wildniswanderer
26.09.2011, 20:37
Dein "Warum Estland" liest sich schon mal interessant. Jetzt bin ich auf die Tour gespannt! Cool finde ich auch nur mit Google Earth Ausdrucken loszufahren, wie immer bei dir spürt man den Hauch des Abenteuers.

berniehh
28.09.2011, 19:33
2. Die Anreise

Meine Anreise erfolgte mit dem Bus.

Klar, Fliegen wäre sicher bequemer und schneller und bei rechtzeitiger Buchung sogar auch billiger, aber mit dem Bus bekommt man schonmal Landschaftseindrücke während der gesamten Anreise durch die baltischen Staaten. Außerdem kann man mit dem Bus seinen Rückfahrttermin flexibel gestalten und gerät am Ende der Reise wegen eines fest gebuchtem Rückflugtermins nicht unter Zeitdruck.

Großer Nachteil mit Bus: die Fahrt dauert 33 Stunden pro Strecke, von Hamburg aus!!!!!

Ich habe mir ein Ticket bei Eurolines gekauft nach Narva an der russischen Grenze, mit Umsteigen in Berlin und Riga. Es hat 205 Euro gekostet für Hin- und Rückfahrt, die Rückfahrt dann aus Tallinn.

In Hamburg habe ich mir schon fast meinen gesamten Trekkingproviant für 12 Tage eingekauft, so daß ich am Trekkingstartpunkt nur noch Butter einkaufen muss, dann aber gleich loswandern kann.

Abfahrt vom Hamburger Zob am 4.August 2011 um 15:00 Uhr. Die geplante Ankunftszeit in Narva sollte am 6.August gegen 1:30 nachts sein.

Bis nach Berlin ging´s schnell und bequem. Ab Berlin wurde es anders. Die ganze Nacht und den ganzen drauffolgenen Tag und danach nochmal die ganze Nacht kurvten wir auf Bundesstraßen durch die Dörfer und Städte. In Polen war recht viel Verkehr und es waren nur wenige Autobahnabschnitte mit dabei.

Auf der Fahrt von Berlin nach Riga schien unser Busfahrer seine eigenen Pausenzeiten zu machen und nicht die die laut Fahrplan vorgesehen waren. Bestimmt alle halbe Stunde hielt er für eine Rauchpause an. Nicht daß mich das gestört hat, bei den engen Sitzen im Bus tat es ganz gut sich öfters mal draußen die Füße vertreten zu können. Auf der anderen Seite hat es aber auch dazu geführt daß wir mit 5-stündiger Verspätung in Riga ankamen und daß mein gebuchter Anschlussbus nach Narva dann schon längst über alle Berge war!

Die Dame am Schalter der Busgesellschaft hat mich aber auf andere Busse umgebucht. Nach nur kurzer Wartezeit ging´s auch schon weiter nach Tallinn, der Hauptstadt Estlands.

Ich bereute es zwar nicht mit dem Bus gefahren zu sein, aber beim nächsten Mal würde ich doch lieber fliegen. Auch Landschaftlich hätte ich beim fliegen nicht groß was verpasst, denn aus dem Busfenster sah Polen, Litauen und Lettland nicht viel anders aus als Mecklenburg-Vorpommern: nur Felder und Dörfer mit manchmal paar kleine Waldabschnitte dazwischen. Erst ab Riga aufwärts führte ein Großteil der Fahrt durch Wälder und die Landschaft wurde deutlich interessanter. Diesen Abschnitt habe ich aber erst auf der Rückfahrt gesehen, da es auf der Hinfahrt ja schon wieder dunkel war.

In Tallinn kam der Bus um 2 Uhr morgens an. Am Busbahnhof hieß es dann nochmal anderthalb Stunden warten bis gegen halb vier endlich der Anschlussbus losfuhr, als es noch dunkel war. Es war der Bus nach St. Petersburg in Russland. Ich wollte nur bis nach Sillamäe mitfahren, das liegt etwa 15 bis 20 Kilometer vor Narva und der russischen Grenze.

Während der Fahrt kam ich mit meinem Sitznachbarn ins Gespräch. Der Mann kommt aus Narva und sprach nur wenig Englisch. Als ich ihm erzählte dass ich in Sillamäe aussteigen wollte um meinen Küstentrek zu starten, riet er mir davon ab. Er meinte Sillamäe sei ein häßlicher Ort und ich solle doch lieber bis nach Narva durchfahren, wo es viel schöner sei.

Ankunft in Sillamäe gegen halb sieben morgens, nach zusammengerechnet fünf Stunden Gesamtverspätungszeit und zwei Nächten ohne Schlaf. An Schlafen war im Bus nämlich kaum zu denken. Wenn ich pünktlich um halb zwei morgens angekommen wäre, könnte ich mir hier noch für ein paar Stunden irgendwo in die Büsche hauen zum pennen, denn das hatte ich ursprünglich eigentlich auch geplant. Das fiel nun aber weg und ich ging direkt rüber zum Supermarkt. Der hatte aber noch geschlossen und ich musste anderthalb Stunden draußen vor der Tür warten bis geöffnet wurde. Als es endlich soweit war kaufte ich schnell ein Kilo Butter und paar Flaschen Wasser ein, das war dann auch schnell erledigt. Nun begann also mein erster Trekkingtag......

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Sillamäe, mein Trekkingstartpunkt

3. Die Trekkingroute

1.Tag:
Sillamäe ist in der Tat eine recht unattraktive Küstenstadt mit 16000 Einwohnern aus Plattenbauten und Industrie, also typischer Ostbaustil. Das sollte mir aber egal sein, denn ich wollte ja schließlich nicht hierbleiben, sondern möglichst schnell wieder weg. Auf direktem Weg zum Ortsrand an den Strand waren es vom Supermarkt aus zwei Kilometer Luftlinie, wie ich schon zu hause auf Google Earth nachgemessen hatte. Das sah einfach aus, war aber kompliziert, um nicht zu sagen die ersten 7 bis 8 Kilometer meines Treks sind scheisse verlaufen! Da lag nämlich eine eingezäunte Industriefläche im Weg, mit einem mehrere Meter hohen Stahlzaun, der auch noch wie im Knast oben mit Stacheldraht abgesichert war und den man deshalb auch schlecht überklettern konnte.

Als ich auf einer mit Schranke abgesperrten Straße in dieses Gelände eindringen wollte, stellte sich mir so ein Security-Typ in den Weg. Ich habe zwar kein Wort verstanden von dem was er gesagt hat, aber seinen Handbewegungen entnahm ich daß ich hier nicht reinkomme und aussen rum wandern müsse.

Es half nix, ich musste das Gebiet also umwandern, noch nicht ahnend daß dies ein riesen Umweg von 5 bis 6 Kilometern werden würde. Ich folgte die Straße parallel des Zaunes und kam irgendwann wieder auf die Hauptstraße Richtung Tallinn. Auf ihr wanderte ich aus Sillamäe raus aber die Straße führte immer weiter von der Küste weg. Da ich ja keine Karte hatte, wusste ich auch nicht ob irgendwann nach rechts ein Weg abzweigen würde, der wieder zur Küste führt. Daher verließ ich nach zwei Kilometern die Hauptstraße und wanderte weglos in ein dichtes Waldstück rein. Promt wurde ich dabei vom Mückenwolken umschwirrt, damit hatte ich nicht gerechnet daß es hier so von Mücken wimmelt! Ich dachte die Mückenplage wäre hier nicht viel schlimmer wie in Deutschland oder auf dem Bohusleden in Schweden, den ich auch relativ mückenfrei erlebt hatte.

Nach etwa 200 Metern Unterholzgeplackere stieß ich wieder auf den hohen Stahlzaun. Das verflixte Industriegebiet war also immer noch nicht zuende!
Beim Versuch den Zaun zu überklettern brach unglücklicherweise mein Wanderstock durch. Das war zwar nicht so ein gekaufter Plastikstock, sondern nur ein irgendwo im bolivianischen Regenwald gefundener Stock, trotzdem hat mich das geärgert, denn mit dem bin ich ein halbes Jahr lang durch Südamerika gewandert. Ich fand hier dann aber auch schnell einen neuen Stock.

Ich verzichtete auf das Überklettern und wanderte am Zaun entlang bis ich am Ende des Industriegeländes auf einen Fahrweg stieß der ans Meer führte, und zwar oberhalb einer Steilküste. Ein Abstieg an den Strand war zunächst nicht möglich, da es überall steil abfällt.

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Blick zurück nach Sillamäe

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Blick von der Steilküste

Nach paarhundert Metern verließ ich den Fahrweg und wanderte weglos durch hohes Gras oberhalb der Abbruchkante entlang und wenig später in ein kleines Waldstück rein wo ich auf einen freigeschlagenen Weg stieß, der nach nur hundert Metern an der Abbruckkante endete. Von hier führte eine Eisenleiter den Steilhang runter. Da man auf dem Weg nach unten durch ein enges Gitter steigen musste, in das ich zusammen mit dem großem Rucksack plus Daypack nicht durchpasste, musste ich in drei Durchgängen gehen. Danach folgten noch zwei Holzleitern bis ich unten den Strand erreichte.

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auf Holzleitern geht´s runter an den Strand

Mehrere Stunden hatte mich dieser Spaß von Industriegebietsumwanderung gekostet, aber nun war ich endlich dort wo ich hinwollte, nämlich in der Natur! Hier am Strand fängt mein Trek nun richtig an.........

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steiniger Naturstrand mit Blick zurück Richtung Sillamäe

Ehemaliger
01.10.2011, 22:33
Ich bin schon gespannt. Jetzt, wo es endlich loszugehen scheint ; )

P.S.: Dein Magix Rocky Mountain Report hat als Inspiration für einen ziemlich genialen Trip im Glacier NP gedient. Aufgrund guten Wetters und nur wenig Schnee hatte ich es viel leichter als Ihr. Bin von Kintla bis Logan Pass und dann noch den Dawson-Pitamakin Loop gelaufen.

berniehh
02.10.2011, 23:09
P.S.: Dein Magix Rocky Mountain Report hat als Inspiration für einen ziemlich genialen Trip im Glacier NP gedient. Aufgrund guten Wetters und nur wenig Schnee hatte ich es viel leichter als Ihr. Bin von Kintla bis Logan Pass und dann noch den Dawson-Pitamakin Loop gelaufen.

Das klingt nach einen phantastischen Trek. Da schreibst du sicher noch einen Bericht hier, oder?

berniehh
03.10.2011, 00:34
1.Tag:
Nachdem ich über die Leitern zum Strand runtergestiegen bin, wanderte ich für die nächsten etwa 52 Kilometer weglos Richtung Westen die Küste entlang. Es ging immer am Strand unterhalb einer bewaldeten Steilküste. Dies ist das Baltische Klint, eine unverbaute Naturküste.

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Für 52 Kilometer geht´s weglos am Strand entlang

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Schlange am Strand

Das Baltische Klint ist eine Abbruchkante aus Kalkstein, etwa 1200 Kilometer lang. Es ist in vier verschiedene Abschnitte unterteilt und beginnt auf der schwedischen Insel Öland, führt dann auf dem Grund des Ostseebodens entlang und kommt in Estland wieder an die Oberfläche, vonwoaus es dann weiter bis nach Russland führt und südlich vom Ladoga See endet.

Das Baltische Klint als Ganzes ist jedoch in den meisten Abschnitten schon erodiert und kaum mehr als Abbruckkante erkennbar. Der noch am besten erhaltenste Abschnitt ist der zentrale Teil, also ein etwa 300 Kilometer langer Abschnitt entlang der Nordküste Estlands, genannt das Nordestnische Klint. Es verläuft aber nicht durchgängig an der Küste entlang, sondern über weite Abschnitte auch durchs Inland und ist teilweise ebenfalls schon erodiert. Der spektakulärste Teil des Nordestnischen Klints, also der mit den ausgeprägtesten Klintformationen, ist ein etwa 50 bis 60 Kilometer langer Küstenabschnitt im Nordosten von Estland. Dies ist auch meine Trekkingroute. Hier verläuft eine bis zu 50 Meter hohe Steilküste.

Die Klinthänge sind mit dichte Laubwälder bestanden die bis zum Strand runterreichen, mit verschiedene Baumarten wie Ulme, Esche, Erle, Ahorn, Birke, Eiche und Linde. Dies sind die sogenannten Klintwälder, die auch als nordische Regenwälder gelten und in der Regel einen dichten Unterbewuchs aufweisen mit viele Farne. Die Klintwälder sind die ältesten Wälder Estlands. Das charakteristische an ihnen ist das fast völlige Fehlen von Nadelbäumen, auch wenn Nadelwälder sonst eigentlich fast ganz Estland bedecken.

Oberhalb der Steilküste liegt zwar ein ebenes Land aus Felder, Weideland und Waldabschnitte, aber unten vom Strand aus sieht man davon allerdings nichts, so daß diese Strandroute ein recht abgelegenes Wildnisambiente bietet.
Das Klint hat hier eine Küstenwildnis entstehen lassen, die sich hervorragend als Trekkingoute eignet!

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Auf den ersten 50 Kilometer langen Küstenabschnitt gab es nur zwei Stellen wo ich kurz mal den Strand verlassen musste um für hundert Meter oder so Inland auf einer Brücke über eine Flußmündung zu queren. Das war in Toila und Purtse, hier lagen auch paar im Wald versteckte Häuser.

Ansonsten führten auch häufiger mal Pfade von oben runter zum Strand, an diesen Stellen traf ich in der Regel auch Leute. Das waren aber keine Trekker, sondern Einheimische die dort einen gemütlichen Strandnachmittag verbrachten. Dazwischen lagen auch immer wieder menschenleere Strandabschnitte von vielen Kilometern Länge wo ich niemanden traf.

Wenn sich ein Gespräch ergab, waren es meistens die Einheimischen die mich zuerst ansprachen. Dabei fiel mir auf daß ich immer gleich auf Englisch angesprochen wurde und nicht auf Estnisch, obwohl man mit meinen hellblonden Haaren vom Aussehen her eigentlich nicht erkennen kann daß ich Ausländer bin.
Vermutlich haben die Leute nur meinen großen Rucksack gesehen und dann gedacht das kann nur ein Ausländer sein.

Jedesmal wurde ich gefragt wo ich hin will. Da es mir zu kompliziert war meine geplante Route im Detail zu erklären, habe ich der Einfachheithalber immer erzählt daß ich an der Küste entlang bis nach Tallinn wandern wolle. "Das sind aber 200 Kilometer", wurde dann ungläubig erwiedert.

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kurzer Pfadabschnitt

Gegen Abend, als ich schonmal Ausschau nach möglichen Campstellen hielt, kam mir nochmal ein Einheimischer entgegen. In seinen gebrochenen und schwer verständlichem Englisch versuchte er mir klar zu machen, daß ich bei der nächsten Möglichkeit hochsteigen muss um oberhalb der Steilküste weiterzuwandern. Die Strandroute sei ein Stückchen weiter längst nicht mehr passierbar, erzählte er.

Ich fand eine schöne Campstelle im Wald, direkt hinterm Strand oberhalb einer kleinen Böschung, nach über 20 Kilometer von Sillamäe.

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Blick vom ersten Camp

2.Tag:
Ich wanderte weiter den Strand entlang. Den Ratschlag von dem Einheimischen gestern abend habe ich natürlich ignoriert. Ich konnte mir nicht vorstellen daß die Strandroute unpassierbar sein soll. Vor der Reise habe ich die Küste ja lang und breit in Google Earth abgecheckt und dort sah alles machbar aus. Außerdem hatte ich auch überhaupt keine Lust oben zu wandern. Dort wird das Wildnisfeeling weg sein und man wandert womöglich noch auf Fahrwege oder Straßen. Nee, da bleibe ich doch lieber hier unten.

Für viele Kilometer ging´s den steinigen Strand entlang, der teilweise recht schmal war. An einigen Stellen ragten die Bäume und Büsche bis ans Wasser ran und so manche umgestürzte Bäume blockierten den Weg über die man rüberklettern musste. Das war zwar nervig, aber die Route war ansonsten ohne Probleme gangbar. Einige Küstentrekabschnitte in Patagonien waren da wesentlich schwieriger.

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Bootswrack am Strand

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Nach etwa achteinhalb Kilometern sah ich links oben an den Klippen eine Aussichtsplattform. Dies sind die Ontika Klippen, die ich vor der Reise auch schon auf Fotos gefunden hatte. Die Ontika Klippen sind mit 56 m Höhe die höchsten Abbrüche entlang der Küste.

Ich ließ meinen Rucksack am Strand liegen um dort hochzusteigen.
Es gab keinen Pfad, im weglosen Unterholzgeplackere mit einigen Kletteraktionen gings den steilen Hang hoch zum Fuße einer abgesperrten Wendeltreppe. Der Zugang auf die Aussichtsplattform war zerstört. Ich stieg trotzdem die Treppe hoch zum Rand des Steilhangs und kletterte über die Absperrung. Dort waren zahlreiche Touristen und es führte sogar eine Asphaltstraße bis an die Abbruchkante entlang.

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die gesperrte Wendeltreppe mit der zerstörten Aussichtsplattform

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der Blick von oben aufs Meer

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Valaste Wasserfall

Von hier oben hatte man zwar einen schönen Blick auf den Valaste Wasserfall, dem höchsten Wasserfall der Baltischen Staaten, der jetzt im August nur wenig Wasser führt, ansonsten gefiel es mir hier oben jedoch nicht so, und ich war froh die Strandroute genommen zu haben.

Ich kletterte wieder runter zum Rucksack und wanderte weiter den Strand entlang.

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weiter geht´s am Strand entlang

Die Landschaft ist sehr schön. Es ist eine abgelegene und menschenleere Strandwildnis die komplett mit dichte Klintwälder bestanden ist. Die steinigen Strandabschnitte wurden weniger und die sandigen Abschnitte häuften sich. Schöne Plätze zum verweilen und baden fand ich an zahlreichen Stellen. Das gute dabei war daß es am Strand keine Mücken gab. Erst wenn man hinter dem Strand in den Wald eintritt tauchen die Viecher auf.

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Nach zehn Kilometern vom letzten Camp traf ich die ersten Menschen unten am Strand. Ich passierte einige traumhafte Sandstrände. Dort führten dann auch wieder häufiger Pfade zum Strand runter und ich traf mehr Leute.

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Da ich vorher ja nicht wusste ob und wie häufig man auf dieser Route Trinkwasser finden wird, hatte ich mir beim Start des Treks in Sillamäe ungefähr 4 Liter Wasser mitgenommen. Das stellte sich allerdings als unnötig heraus, denn ich kam ständig an kleinen Bächen oder Rinnsalen vorbei wo ich meine Wasserflaschen wieder auffüllen konnte.

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Pfad im dichten Klintwald

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noch ein Wasserfall

Als es gegen abend Zeit wurde mein Camp aufzuschlagen fand ich wieder eine schöne Stelle für mein Zelt direkt hinter dem Strand im Wald. Die Steilküste verschwand hier auch erstmal. Heute am zweiten Tag hatte ich etwa 21 Kilometer geschafft, es war ein sehr schöner Tag.

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Strand bei meinem Camp

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Camp 2

Ehemaliger
03.10.2011, 16:29
Da sind ja einige nette Strände dabei. War das Trinkwasser ok (keine Industrieabwässer bzw. Kanalisation)?

Die Kiesstrandabschnitte erinnern mich ein wenig an Rügen.

P.S.: Richtige Reiseberichte schreibe ich ja nicht. Hab für sowas kein Talent. Aber irgendein Foto+Info Glacier Thread wird wohl noch kommen, wobei die meisten Infos ja schon auf Deiner Webseite sind.

berniehh
03.10.2011, 17:00
die Wasserfarbe aus den Bächen und Tümpel im Inland sah manchmal zwar aus wie Eistee, aber so sieht das Wasser eben oft in Wald- und Moorgebieten aus. Die Trinkqualität war in Ordnung. Ich habe alles unentkeimt getrunken.

Ja, die Strände erinnern nicht nur an Rügen, sondern auch an andere Gegenden in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holsten (siehe meine Fotos vom Trek am Wasser). Es sind halt typische Ostseestrände. Wobei das Meerwasser in Estland nur noch etwa ein Fünftel des Salzgehaltes aufweist wie im deutschen Ostseeteil, es ist dort also fast schon Süsswasser.

Bin schon gespannt auf deine Fotos vom Glacier NP;-)

berniehh
03.10.2011, 17:29
3.Tag:
Es regnete. Ich blieb erstmal im Zelt liegen und machte mir einen gemütlichen Vormittag im Camp.
Gegen halb zwei wanderte ich heute erst los, als der Himmel langsam aufklarte und die ersten Sonnenstrahlen rauskamen.

Ich wanderte weiter den Strand entlang.

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Nach sieben Kilometern erreichte ich die Flußmündung bei Purtse. Hier musste ich den Strand mal kurz verlassen um für paarhundert Meter Richtung Inland auf einer Brücke den Fluß zu queren, hier ging es mal für ein kurzes Stück auf einen Fahrweg und schmalen Straße. Einige verstreut liegende Häuser lagen versteckt im Busch, dann kam ich wieder an den Strand.

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Purtse

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auf einer Brücke geht´s über den Fluss

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Blick von der Brücke den Fluss entlang

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wieder an den Strand

Von Purtse ging´s wie gehabt weiter für viele Kilometer weglos den Strand entlang. Irgendwann passierte ich den kleinen Ort Aseri, wo sich eine Industrieanlage befindet. Die war schon von Weitem zu sehen, aber als ich direkt daran vorbeiwanderte sah ich kaum was davon, denn meine Route führte unterhalb der Böschung auf den steinigen Strand daran vorbei.

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Strand bei Purtse

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weiter ging´s für viele Kilometer den Strand entlang

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dort hinten die Industrieanlage von Aseri

Ein bis zwei Kilometer hinter Aseri schlug ich mein Camp neben einer Bacheinmündung im dichten Klintwald auf. Heute habe ich zwar nur 17 Kilometer geschafft, aber dafür daß ich erst halb zwei gestartet bin war es schon OK.

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der schmale Strand beim Camp

berniehh
05.10.2011, 22:10
4.Tag:
Ich hatte Probleme mit meine Trekkingstiefel. Sie sind wohl eine Nummer zu klein, denn ich stieß mit dem rechten Zeh manchmal vorne leicht gegen. Die letzten Tage hatte ich es schon bemerkt aber jetzt wurde es langsam immer unangenehmer. Ich löste das Problem indem ich für heute und morgen die Stiefel in den Rucksack packte und mit Turnschuhen weiter wanderte. Turnschuhe habe ich eigentlich immer dabei, die benutze ich normalerweise abends im Camp.
Zwei Tage später ging es zwar erstmal wieder mit den Trekkingstiefeln, aber bis zum Ende des Treks musste ich noch paarmal mehr zu den Turnschuhen greifen.

Vom Camp wanderte ich zunächst noch weiter den Strand entlang Richtung Westen. Es ging erst auf schmalen Stein- und Geröllstrand, der sich zu meiner Freude dann nach anderthalb Kilometern zu einen traumhaften Sandstrand änderte.

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weiter geht´s den Strand entlang

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Ab dem Ende des Sandstrandes, also nach zweieinhalb Kilometern vom Camp, änderte sich die komplette Landschaft plötzlich. Das Baltische Klint verlässt hier die Küste und führt nun Richtung Inland weiter. Das bedeutet daß die Klintwälder nun auch verschwanden. Stattdessen ist die Küste ab hier mit Nadelwäldern aus Fichten und Kiefern bestanden, wie man es von Estland eigentlich gewohnt ist.
Ab hier also kein Steilufer mehr, das Land hinter der Küste ist flaches Waldland und das Ufer für die nächsten paar Kilometer stark verschilft und nur schwer begehbar, also auch keine Strände mehr.

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am Ende des Strandes. Hier verlasse ich die Küste erstmal

Seit meinem Trekkingstart in Sillamäe habe ich jetzt 60 Kilometer geschafft, davon fast alles an der Küste. Hier wollte ich die Küste dann für´s erste verlassen. Mein Plan war durch die Wälder zu wandern um nach über 20 Kilometern, in der Bucht von Kunda, wieder ans Meer zu stossen.

Hinter den Strand fand ich einen guten Pfad, den ich für einen Kilometer durch dichten Nadelwald folgte, bis er bei einem bewohnten Haus auf einen Feldweg zweigte. Diesen folgte ich dann für eine Weile.

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erst geht´s für einen Kilometer auf Pfad

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....dann für ´ne Weile auf einen Feldweg

Nach und nach lief ich nun meine GPS-Punkte ab, die ich mir vor der Reise eingespeichert hatte. Daher verließ ich den Feldweg nach einer Weile wieder und wanderte durch eine weglose Waldwildnis. Für einige Kilometer blieb ich in der Nähe eines kleinen Flusses. In Ufernähe waren die Wälder recht dicht mit viele Laubbäume und viel Unterholz.

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dichter Flusswald

Ansonsten ging es in der Regel durch Nadelwälder, die meistens nicht schwer begehbar waren, nur paar Abschitte waren sumpfig und mühsam.

Hin und wieder stieß ich auf Forstfahrspuren, die ich manchmal für kurze Abschnitte folgte, aber das meiste wanderte ich weglos.

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kurze Abschnitte wanderte ich auf solche Forstfahrspuren, aber meistens weglos

Beim queren eines Grabens schreckte ich größere Herde Wildschweine auf, die aber sofort die Flucht ergriffen und im Unterholz verschwanden. Leider schaffte ich es nicht so schnell meine Kamera rauszukramen.

Die letzten paar Kilometer wanderte ich weglos durch einen lichten Kiefernwald der leicht bewanderbar war. Der Boden war voll mit Blaubeeren.

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lichter Kiefernwald

Später wurde der Waldboden langsam immer mooriger. Neben einen kleinen Wassergraben, aus dem ich Trinkwasser schöpfen konnte, schlug ich mein Camp auf. Heute war wieder ein relativ kurzer Wandertag mit nur 12,5 Kilometer vom letzten Camp.

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Camp 4

lina
06.10.2011, 09:30
Spannend! Danke! :cool:
Bitte schnell weiterschreiben!

Lotta
06.10.2011, 09:32
Ein wunderbarer Bericht bislang!

Die See scheint ja während deiner Strandtage recht ruhig gewesen zu sein. Wäre der Strand denn auch bei stürmischen Verhältnissen gangbar gewesen oder wäre er komplett überspült gewesen? Hattest du dir für den Fall eine Alternativroute auf Google Earth ausgeguckt?

Liebe Grüße
Lotta

Atze1407
06.10.2011, 10:12
Mach bloß weiter, bitte.

LG
Atze1407

berniehh
06.10.2011, 21:28
Vielen Dank für die netten Kommentare........;-)

@Lotta:
Ja die See war sehr ruhig. Da die Ostsee ja ein Binnenmeer ist, wird die See wahrscheinlich nie so rauh werden wie am offenen Meer. Bei stürmischem Wetter wäre die Strandroute sicher schwieriger geworden, aber ob der Strand dann ganz überspült sein würde oder nicht, kann ich leider nicht sagen. Ich kann es mir aber ehrlich gesagt nicht vorstellen.

Auf meinen ersten 50 Kilometer langen Küstenabschnitt am Baltischen Klint würde als Alternativroute nur in Frage kommen oben entlangzuwandern. Da ich aber eine Trekkingroute oben entlang, wie im Text schon geschrieben, als unattraktiv finden würde, würde ich in den sehr unwahrscheinlichen Fall daß die Strandroute unpassierbar wäre, lieber diesen Routenabschnitt ganz ausfallen lassen als oben entlangzuwandern.

Bei den anderen Küstenabschnitten, die später noch kommen werden, sieht es anders aus. Dort wäre es bei Unpassierbarkeit der Strandroute jederzeit möglich hinter den Strand durch den Wald zu laufen, meistens auf einen Pfad oder Weg.

berniehh
09.10.2011, 11:29
5.Tag:
Etwa 24 Kilometer bin ich heute gewandert und von der Wegbeschaffenheit war dieser Tag ziemlich gemischt. Es war alles mit dabei, vom weglosen Waldwandern, schmale Trampelpfade die teilweise nur vage erkennbar waren, Strandwandern, Fahrspuren, Feldwege, Forstwege und Schotterstraßen bis hin zu Asphaltstraßen.

Für die ersten anderthalb bis zwei Kilometer querte ich weglos über ein sehr sumpfiges Moorgebiet. An dessen Ende wurde der Waldboden wieder trockener, wo ich dann erstmal Frühstückspause machte und mir meinen Porridge kochte. Als Schutz vor den aggressiven Mücken zog ich meinen langärmeligen Kapuzenpullover an, mit der Kapuze über den Kopf gezogen. Trotzdem stachen sie manchmal immer noch da durch!

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weglos geht es durch die Wälder

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Frühstückspause

Hier stieß ich dann auf die erste Forstfahrspur. Sie führte in genau die Richtung meines nächsten GPS-Punktes, also folgte ich sie für die nächsten 3 Kilometer bis zur Querung einer Straße bei einen kleinen Gehöft.

Der Straßen- und Fahrweganteil war heute mit über 46 Prozent unnormal hoch verglichen mit den anderen Trekkingtagen. Der größte Teil davon waren aber solche verwachsenen Fahrspuren wie auf dem folgenden Foto, also nicht ganz so schlimm wie häufiger befahrene Fahrwege.

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für die nächsten 3 Kilometer folgte ich diese Forstfahrspur

Meine Route führte durch eine schöne einsame Landschaft aus Nadelwäldern, oft mit moorigen Boden wo auch Birken und andere Laubbäume vorkamen.

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Nach der Straßenquerung stieß ich wieder kurzzeitig auf das Baltische Klint, das hier aber durch´s Inland verläuft. Für die nächsten 2 Kilometer wanderte ich auf vage erkennbaren Pfad durch dichten Wald oberhalb Abbruchkante entlang bis nach Kunda, das ich nach 9 Kilometern vom Camp erreichte.

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auf vage erkennbaren Pfad oberhalb der Abbruchkante

Kunda ist ein kleiner, fast an der Küste gelegener Ort mit etwa 4000 Einwohnern. An diesen Ort wollte ich eigentlich nur vorbeiwandern, denn mein Plan war an den Strand zu gehen um von hier aus wieder die Küste zu folgen.

Ein kilometerlanger dichter Schilfgürtel, der bis ans Wasser ranreichte, und das Nichtvorhandensein von Stränden blockierten jedoch den Zugang ans Meer.

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dichter Schilfgürtel an der Küste

Ich stieg also den Klinthang wieder hoch und wanderte für über einen Kilometer durch die Wohnstraßen am Ortsrand von Kunda.

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Kunda

Im Anschluß daran ging´s weiter auf einer Mischung zwischen Pfad und Fahrspur durch dichten Wald für weitere anderthalb Kilometer oberhalb der Abbruchkante entlang.

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Blick von der Abbruckkante auf die Schilfsenke an der Küste

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auf Mischung zwischen Pfad und Fahrspur oberhalb der Abbruckkante

Irgendwann stieg ich wieder runter, plackerte mich für einen Kilometer durchs Dickicht zu einer Straße. Es machte hier noch keinen Sinn wieder direkt an der Küste zu wandern. Für die nächsten 2 Kilometer blieb mir daher nichts anderes übrig als auf eine Asphalt- und später Schotterstraße zu wandern, die zur Burgruine von Toolse führte. Diese Ruine liegt auf einer kleinen Halbinsel direkt am Meer, etwa 6 Kilometer von Kunda.

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Straße zur Burgruine von Toolse

Einige Besucher waren hier, überwiegend Einheimische mit dem Auto. Ein Auto hatte aber ein deutsches Nummernschild, darin ein Pärchen um die fünfzig. Ich sprach sie an. Sie waren auf einer Autotour durch Osteuropa, er stammt aus Kroatien und sie aus Deutschland. In ein paar Tagen hatten sie vor wieder zurück nach Deutschland zu fahren und sie boten sogar an mich dorthin mitzunehmen. Da ich aber meine Trekkingtour hier nicht abbrechen wollte, habe ich abgelehnt.

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Burgruine von Toolse

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Burgruine

Von hier an wanderte ich nun wieder an der Küste entlang, das meiste am Strand und den Rest eben auf schmale Pfade oder weglos im Wald. Auch paar kurze Abschnitte auf Fahrspuren und Feldwege waren mit dabei. Von der Burgruine sind es noch etwa 15 Kilometer bis zum Beginn des Lahemaa Nationalparks.

Paar schöne Sandstrände passierte ich auf meinem Weg, ansonsten waren die Strände jedoch meist steinig und grasbewachsen, voll mit Findlinge und viele Buchten.

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Weg an der Küste

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Mischung zwischen weglos und kaum erkennbaren Trampelpfad im Küstenwald

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mit Findlingen übersääte Küstenlandschaft

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Strandroute

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Die komplett mit Nadelwäldern bestandene Küstenlinie erweckt den Eindruck von unberührter Natur. Ganz so ist es in Wirklichkeit jedoch nicht, denn diese Küste ist bewohnt. An zahlreiche im Wald versteckte Häuser wanderte ich vorbei. An jeden Strand traf ich Leute, denn fast überall führen auch irgendwie Fahrwege hier an die Küste ran. An einer Stelle sah ich hinter dem Strand sogar eine Straße entlangführen. Die leichte Zugänglichkeit dieser Küste führt leider auch dazu daß die flachen Strandabschnitte oft mit Quads befahren werden, wie man an den unansehlichen Reifenspuren am Strand erkennen konnte und das gefiel mir hier nicht so.
Wie auch immer,....die Landschaft war jedenfalls sehr schön, aber trotzdem gefiel mir dieser Abschnitt weniger gut wie meine erste 50 Kilometer lange Strandroute am Baltischen Klint.

Etwa 8 Kilometer von der Burgruine schlug ich mein Camp auf. Eine schöne Abendstimmung in der untergehenden Sonne am Meer. Es sind noch 7 Kilometer bis zum Nationalparkbegin.

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Bei meiner Campstelle

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Sonnenuntergang vom Camp

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die letzten Sonnenstrahlen beim Camp

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die letzten Sonnenstrahlen des Tages

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paddel
10.10.2011, 16:43
Sehr schön!

Ditschi
10.10.2011, 17:54
Hallo,

was für eine tolle Küste!! Einsame Strände in erreichbarer Entfernung--mein Traum.

Schöner Bilder, stimmungsvoller Bericht.

Gruß Ditschi

Nordi88
11.10.2011, 10:28
Du hast echt nen super Schreibstil. Lässt sich gut lesen. ;-)

Ich wollte nächstes Jahr nach St. Petersburg.

Da eignet sich ja deine Route, um vorher noch ein bisschen zu wandern. :bg:

Ich freue mich auf die Fortsetzung!

berniehh
12.10.2011, 18:03
Vorweg nochmal vielen Dank an Euch für die netten Kommentare;-)


6.Tag:
Erstmal wanderte ich weiter Richtung Westen die Küste entlang, meistens weglos am Strand oder auf schmale Pfade im Wald dahinter. Die Landschaft war wie gestern, also eine mit Kieferwäldern bestandene Küste, der Strand eine Mischung zwischen grasbewachse Küstenline mit vielen Findlingen und dazwischen lagen immer mal wieder Sandstrandabschnitte.

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weiter geht´s die Küste entlang

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schmaler Pfad hinter den Strand

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Nach zweieinhalb Kilometern vom Camp musste ich dann erstmal vom Strand weg um auf einer Straße am Dorf Eisma vorbeizuwandern. Eisma ist ein Dorf das ich als Trekker lieber meiden würde, denn die Strandroute ist hier etwas plackerig und unattraktiv und es gibt ausser dieser öden Asphaltstraße keine Alternativrouten.

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auf einer Asphaltstraße geht es durch Eisma

Zwei Kilometer weiter, am anderen Ende des Dorfes, konnte ich die Straße endlich wieder verlassen und kam bei einen schönen Strand wieder an die Küste ran.

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Strand bei Eisma

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Strand bei Eisma

Es war nun nicht mehr weit bis zur Paarhäusersiedlung Vainupea, wo ich die Grenze des Lahemaa Nationalparks erreichte, nach insgesamt 7 Kilometern vom letzten Camp und 102 Kilometer vom Trekkingstartpunkt. Die Hälfte meines Treks ist nun also geschafft.

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Strandroute nach Vainupea

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Vainupea

Schon seit 1971 gibt es den Lahemaa Nationalpark, er wurde damals als erster Nationalpark der Sowjetunion gegründet. Mit einer Fläche von 725 Quadratkilometern ist er zwar nicht übermäßig groß, aber meine ab hier folgende Wanderroute durch den Park betrug immerhin fast 70 Kilometer.

Das Nationalparkgelände besteht nicht nur aus Wälder und Mooren. Innerhalb des Parks liegen auch zahlreiche Dörfer, ein Teil der Landfläche besteht aus Weideland und Felder, es gibt auch ein Straßen- und Fahrwegnetz. Wegen des prozentual recht hohen Waldanteiles ist es aber möglich eine Trekkingroute so zu drehen daß man durchgängig durch Wälder marschiert,.....und das habe ich natürlich auch so gemacht.

Die Nordhälfte des Nationalparks besteht aus vier große Halbinseln, die weit ins Meer reinreichen, zwischen denen große Buchten liegen. Daher kommt auch der Name Lahemaa, was soviel heisst wie "Land der Buchten".

Die meisten Dörfer im Park liegen an den Küsten dieser Halbinseln. Da ich aber eine möglichst wildnisnahe Trekkingroute haben wollte, verlegte ich meine Route deshalb überwiegend durch das Inland. Nur zu einer dieser vier Halbinseln, der Käsmu Halbinsel, wollte ich später noch einen Küstenschlenker machen. Auf der Käsmu Halbinsel liegt nämlich ein lohnender Trekkingabschnitt direkt am Meer.

Insgesamt war meine gesamte Route durch den Nationalpark sehr wildnisnah, mein gewanderter Fahrweganteil lag nur im niedrigen einstelligen Prozentbereich und der große Rest führte abwechselnd an den Stränden entlang, weglos durch die größtenteils recht urwüchsigen Wälder oder auf schmale Pfade.

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Lahemaa Nationalpark

Von der Parkgrenze wanderte ich zunächst noch weiter die Küste entlang, meistens am Strand, den Rest auf schmalen Pfad dahinter. Obwohl die Landschaft in etwa die gleiche ist wie ausserhalb des Nationalparks, gefällt mir die Küste ab der Parkgrenze doch etwas besser. Zwar führen auch hier manchmal Fahrwege bis an die Küste ran, aber die Strandroute wirkt irgendwie noch abgelegener, einsamer, weniger besiedelt und wildnisnaher wie der 15 Kilometer lange Küstenabschnitt davor. Reifenspuren von Quads sah ich nun glücklicherweise kaum noch, offensichtlich ist es verboten mit diesen vierrädrigen Motorrädern die Wege zu verlassen und damit am Strand zu fahren, auch wenn einige Leute sich nicht überall daran halten.

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Strandroute durch den Lahemaa Nationalpark

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schmaler Pfad durch Wald hinter den Strand

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ist dies der Fußabdruck eines Bären? Oder von einem anderen Tier??

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auf einen Pfad durch den Kiefernwald

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Blick vom Pfad auf den Strand

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Hängebrücke über eine Flußmündung

Etwa 8 Kilometer von der Nationalparkgrenze, kurz vor der Minisiedlung Altja und dem Beginn der ersten größeren Halbinsel, verlies ich die Küste und wanderte Richtung Inland durch dichten Fichten- und Kiefernwald. Zunächst folgte ich für ein kurzes Stück einen markierten Pfad und danach ging´s weglos weiter an einen kleinen Fluß entlang. Etwa einen Kilometer von der Küste entfernt fand ich eine gute und abgeschiede Campmöglichkeit im Wald, direkt oberhalb der Flussböschung.

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auf kurzen markierten Pfad geht´s von der Küste weg

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weglos am Fluß entlang

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Camp 6

Abt
13.10.2011, 16:18
In Estland gibt es Bären.Und das sieht ganz danach aus.
Lese deinen Bericht mit großem Intresse. Danke

Lotta
15.10.2011, 22:43
Bin immer noch total begeisterte Leserin. Schnell weiterschreiben :D!!!

ckanadier
15.10.2011, 23:30
Danke für den schönen, spannender Bericht.
Bin kurz nach der Selbstständigkeit Estlands in einem Konvoi geliehener BW-Fahrzeuge von Schleswig-Holstein im Winter nach Estland gefahren um Spenden zu den dort neu entstandenen Waldorfschulen zu bringen. Damals war ich von dem Land schon total begeistert, hatte zuvor noch nie gesehen wie Wildschweine direkt vor gestappelten Eisschollen den Strand umgebrochen haben.
Dein Bericht macht mir richtig Lust darauf, die Küste nächsten Sommer mit dem Kanu abzupaddeln. Freue mich auf die Fortsetzung.
Gruß Jürgen

berniehh
16.10.2011, 18:58
Nochmal danke für die Kommentare. Es freut mich natürlich daß Euch der Bericht gefällt;-)

7.Tag:
Vom Camp steuerte ich direkt auf meinen nächsten GPS-Punkt zu. Fahrwege, auf die ich während meiner weglosen Waldwanderung hin und wieder stieß, wurden ignoriert und nur überquert. Nach zwei Kilometern stieß ich dann unerwartet auf einen schmalen Pfad. Der sah ganz attraktiv aus, und da der Pfad auch in meine geplante Richtung zu führen scheint, ließ ich meine GPS-Punkte erstmal links liegen und folgte ihn.

Paar Kilometer weiter erfuhr ich auf einer Infotafel daß dies der Kõrve Trail ist, ein knapp 80 Kilometer langer markierter Weitwanderweg, der vier Tage dauert. Ich war überrascht, da ich ja gar nicht wusste daß es sowas überhaupt in Estland gibt! Eine gute Karte hing hier, auf der der nördliche Teil des Treks abgebildet war und die habe ich dann natürlich abfotografiert.

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am Kõrve Trail

"Kõrve" ist ein altes estnisches Wort, es bedeutet großer Wald. Der größte Teil des Kõrve Trails führt schließlich auch durch Wälder und Moorgebiete. Der Trek startet in Oandu und endet in Aegviidu. Die erste Hälfte führt durch den Lahemaa Nationalpark und die zweite Hälfte durch das Põhja-Kõrvemaa Naturreservat, das direkt an den Lahemaa Nationalpark angrenzt.

Zum Übernachten gibt es entlang der Route genügend gratis Campstellen. Diese sind in der Regel mit Plumsklos ausgestattet und auch mit Feuerstellen sowie kleine Unterstände in denen trockenes Feuerholz lagert. Ob das Feuerholz dort von Parkrangern reingelegt wurde, oder ob es von Campern, die das Feuerholz benutzen, ständig nachgelegt wird, weiss ich nicht. Das war mir im Endeffekt aber auch egal, da ich ja sowieso kein Feuer gemacht hätte.

Diese Campstellen werden aber hauptsächlich von Autofahrern benutzt, die mal in der Natur campen wollen. Demzufolge sind alle Campstellen leider auch per schmalen Fahrweg erreichbar, daher gefallen sie mir persönlich auch nicht so gut. Ich campe viel lieber an abgelegenen Stellen, die nicht per Auto erreichbar sind.

Während meiner gesamten Route auf dem Kõrve Trail habe ich keine einzigen Trekker getroffen. Aber andere Leute trifft man natürlich doch auf einigen Abschnitten entlang des Trails. Das sind dann Spaziergänger und Tageswanderer, manchmal auch Pilz- oder Beerensammler.

Abseits des Trails, auf meinen langen weglosen Waldabschnitten, ist die Wahrscheinlichkeit recht klein daß man überhaupt Leute treffen wird, nur bei den Straßen- oder Fahrwegquerungen sah ich manchmal welche. Auf den gesamten Trek bezogen bin ich nur zwei oder dreimal im weglosen Waldgelände auf Beeren- oder Pilzsammler getroffen, das scheint nämlich eine beliebte Aktivität hier in Estland zu sein.

Klar, hin und wieder wird der Kõrve Trail auch mal von Trekkern begangen, sonst würde er ja wohl nicht existieren. Das werden aber momentan wohl noch recht wenige sein so daß die Wahrscheinlichkeit sehr groß ist das man keine treffen wird.

Ich war jetzt also noch ziemlich am Anfang des Kõrve Trails, nur zwei Kilometer vom Startpunkt in Oandu entfernt.
Von der Stelle wo ich auf den Trail stieß waren es noch 7 Kilometer bis zur Querung der Hauptstraße bei Võsu. Der größte Teil davon verlief auf den breiten Pfad eines ehemaligen Forstweges. Der Weg ist aber glücklicherweise für motorisierte Fahrzeuge verboten und auch abgesperrt, also nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad erlaubt.

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kilometerweit geht´s auf breiten Pfad eines ehemaligen Forstweges

Ein Abschnitt von etwa zweieinhalb bis drei Kilometern Länge führte dagegen auf einen traumhaften schmalen Waldpfad. Auf diesen schmalen Pfaden machte das Wandern besonders viel Spaß, wenn also die gesamten 80 Kilometer so wären, wäre es ein absoluter Traumtrek! Rote Punkte an den Bäumen sind die typischen Markierungen des Kõrve Trails.

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schmaler Pfad. Der Kõrve Trail ist mit roten Punkten markiert.

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am Kõrve Trail

Nach der Querung der Hauptstraße bei Võsu ging es auf einer Forstfahrspur weiter, die sich später zu einen häufiger befahrenen Waldweg weitete. Die folgenden 20 bis 25 Kilometer des Kõrve Trails werden wahrscheinlich ziemlich langweilig werden, denn der Blick auf die abfotografierte Karte lässt darauf schliesen daß der größte Teil davon auf Fahrwege verlaufen wird.

Ich hatte aber sowieso geplant den Kõrve Trail hier erstmal zu verlassen um meinen letzten Schlenker zur Küste zu machen. Mein Ziel war die Käsmu Halbinsel, erst in zwei Tagen oder so wollte ich wieder zurück auf den Kõrve Trail.

Für die nächsten über 9 Kilometer wanderte ich weglos weiter durch die Wälder bis ich an der Spitze der Halbinsel die Küste erreichte. Meine Route habe ich auf der nachfolgenden Karte eingezeichnet.

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von einer Infotafel abfotografierte Karte

Als erstes steuerte ich das südliche Ende des Käsmu Sees an, dessen GPS-Punkt ich mir schon zu Hause ins Gerät eingespeichert hatte.

Vor der Reise hatte ich in einem Buch gelesen daß der Lahemaa Nationalpark nur mit lichte Kiefernwälder bedeckt ist. Das stimmt aber nur zum Teil, denn der Wald ist nämlich bei weitem nicht überall licht. Beim weglosen Wandern ändert sich die Walddichte sowie der Anstrengungsgrad des Vorwärtskommens ständig: Es wechselt immer hin und her zwischen lichte Kiefernwälder mit grün-gestüppig-moosigen Untergrund in denen es von Blaubeeren nur so wimmelt, dichtere Mischwälder aus Kiefern und Fichten, teils auch noch mit Laubbäume wie Birken oder andere dazwischen, dann immer mal wieder moorige Abschnitte, oft auch mit moodrigen bis sumpfigen Boden, manchmal wenig und manchmal viel Unterholz, zwischendurch werden manchmal auch kleine Weidelichtungen überquert und schließlich dann auch noch die größeren offenen Sumpf- und Moorgebiete durch die ich später auch noch wandern werde und die so typisch für Estland sind. An Flußufern wuchert meistens noch dichteres Gestrüpp mit mehr Laubbäumen. Insgesamt sind die Wälder sehr urwüchsig und schön.

Die Estländischen Wälder sind, was das weglose Wandern betrifft, zwar etwas anstrengender wie die deutschen Wälder, aber insgesamt gesehen noch relativ einfach verglichen mit zahlreiche andere Waldgebiete außerhalb Europas, in denen ich schon gewandert bin.

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weglos durch den Wald

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Als ich den Käsmujärv erreichte, machte ich am Seeufer erstmal Mittagspause.

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Käsmujärv

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das schilfbestandene Seeufer

Mein nächster GPS-Punkt lag direkt an der Nordküste der Halbinsel, also noch 5 Kilometer vom See entfernt. Ich wanderte direkt durch die Wälder dorthin, am Ort Käsmu vorbei, der an der Ostküste der Halbinsel liegt.

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weglos durch die Wälder

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An der Küste stieß ich dann auf einen markierten Pfad, dem Käsmu Küstentrek, der die Halbinsel umrundet.

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Käsmu Küstentrek

Für die nächsten knapp 10 Kilometer wanderte ich also wieder an der Küste entlang. Ich folgte zunächst den Pfad entlang der Nordküste der Halbinsel. Er führte durch den Wald und an einige Sandstrände vorbei.

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Käsmu Küstentrek

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Strand an der Nordküste der Käsmu Halbinsel

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Strand am Käsmu Küstentrek

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Nach 3 Kilometern erreichte ich die Spitze der Halbinsel. Hier stand eine Gebäuderuine, die wohl noch aus Sowjetzeiten stammt.

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aus der Sowjetzeit stammende Gebäuderuine an der Spitze der Halbinsel

Danach führte der schmale Pfad weiter die Westküste der Halbinsel runter, immer durch den Wald mit zahlreiche schöne Küstenblicke. Es wurde langsam Zeit eine Campstelle zu finden. Campmöglichkeiten würde man hier zwar finden, aber leider ohne Bach und ich hatte kaum noch Trinkwasser, also wanderte ich erstmal weiter.

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die Westküste der Halbinsel

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Käsmu Küstentrek

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Blick vom Pfad auf den Strand

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Blick vom Pfad

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Strand an der Westküste der Käsmu Halbinsel

Etwa 3 bis 4 Kilometer weiter wurde der Pfad langsam breiter und Fahrspurähnlicher. Hier hatte ich den Weg aber schon verlassen und wanderte stattdessen am Strand entlang.

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Strandwandern

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Wenig später fand ich endlich eine winzige Quelle, die aus den Sand gesrprudelt kam und ein Minirinnsal bildete. Hier schlug ich mein Camp direkt unter einen Busch am Strand auf.
Heute hatte ich mit 28 Kilometern gut was geschafft.

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Strand beim Camp

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Camp 7, mein Zelt unter einen Busch am Strand

Wildniswanderer
17.10.2011, 17:06
Tja, andere tuefteln eine Route inklusiver Detailplanung aller Abschnitte natuerlich inklusive Kartenmaterial minutioes aus, was natuerlich auch seine Berechtigung hat.
Aber mir gefaellt dein Stil immer wieder. Da wird Google Earth auf Besiedlung und potenziellen "Wildnischarakter" geprueft, ein paar GPS Punkte aus dem Netz eingespeichert und schon geht es los, natuerlich mit moeglichst guenstiger wenn auch muehsamer Anreise...
Alles weitere ergibt sich dann irgendwie unterwegs und am Ende steht meist eine ganz wunderbare Route.
Ich kann mir vorstellen, dass einige Leute hier ueber Estland als Ziel nach deinem Bericht ganz schoen ins Gruebeln kommen...

Gerald, gerade auf der Rueckkehr von einer tollen Tour in Polen

Feurio
17.10.2011, 21:28
Da möchte ich mich auch meinem Vorredner anschließen: ich lese gespannt mit und finde deine improvisierende, unkomplizierte und vor allem abenteuerliche Herangehensweise sehr sympathisch!

ottone
20.10.2011, 11:45
Auch ich lese Deinen Bericht mit großem Interesse.
Die Art und Weise Deiner Tourplanung und -durchführung sind mir sehr sympathisch.
Ich selbst hab´s ja nicht so mit völlig weglosem Gelände. Ich bin eher der Pfadgeher, auch wenn der teilweise ausgesetzt sein darf.

Mein einziger Kontakt mit Estland war meine Durchreise nach Finnland 2005. Da hatte ich einige Tage auf einem schrecklichen Campingplatz in Tallinn Station gemacht.

Dein Bericht macht mächtig Appetit, nicht zuletzt wegen der schönen Bilder.

Bitte nicht aufhören!

LG Peter.

berniehh
23.10.2011, 11:51
danke für die netten Kommentare;-)

8.Tag:
Von meinem Camp wanderte ich weiter den Sandstrand entlang. Nach etwa zwei bis zweieinhalb Kilometern erreichte ich das südwestliche Ende der Käsmu Halbinsel, wo auch der Strand endete. Hier wollte ich die Küste nun endgültig verlassen und für die restlichen 55 bis 60 Kilometer meines Treks durch das Inland wandern. Erstmal machte ich hier aber eine lange Pause und kochte mir in Ruhe mein Frühstück.

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Strandroute

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Am Ende des Strandes

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Frühstükspause

Direkt hinter dem Strand wanderte ich dann weglos in den Wald hinein, auf teils etwas sumpfigen Boden. Einen Kilometer weiter überquerte ich eine Straße und auf der anderen Seite ging´s wie gehabt weglos weiter durch den Wald.

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Straßenüberquerung

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weglos durch den Wald

Mein Plan war nicht auf schnellstem Weg zurück zum Kõrve Trail zu wandern, sondern ich wollte erst noch einen größeren Schlenker Richtung Westen zum Lohja See machen um dann irgendwann morgen zurück zum Kõrve Trail zu schwenken, an einer Stelle wo der Trail vermutlich sehr schön wird.

Zunächst steuerte ich also den Lohja See an. Wie überall im Nationalpark kreuzte ich auch in diesem Abschnitt oft Fahrspuren und Fahrwege. Manchmal folgte ich auch für kurze Abschnitte einer Fahrspur und einmal wanderte ich für zwei Kilometer auf einer Asphaltstraße, aber etwa dreiviertel meiner Route heute führte durch wegloses Gelände.

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für kurze Abschnitte folgte ich Fahrspuren

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weglos durch lichten Kiefernwald

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danach folgen immer wieder dichtere Waldabschnitte

Am Nachmittag erreichte ich den Lohjajärv, einen kleinen See von knapp anderthalb Kilometern Durchmesser. Da mein Fuß weh tat machte ich nach nur 15,5 Kilometern Schluss für heute. Am bewaldeten Ufer schlug ich mein Zelt auf und machte mir einen gemütlichen Restnachmittag.

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Lohjajärv

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verschilftes Seeufer

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Camp 8 im Wald am Seeufer

berniehh
27.10.2011, 22:50
9.Tag:
Auf einen teils nur vage erkennbaren Pfad umwanderte ich die nördliche Seehälfte. Direkt an der Nordspitze des Sees führt ein Fahrweg bis ans Ufer ran, dort waren einige Einheimische am campen.

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vage erkennbarer Pfad am Seeufer

Nach anderthalb Kilometern verließ ich den See und wanderte weglos durch die Wälder Richtung Südwesten.

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weglose Waldroute

Irgendwann stieß ich dann auf einen unmarkierten schmalen Trampelpfad. Der sah ganz schön aus, daher folgte ich ihn für etwa einen halben Kilometer. Als der Pfad dann zu weit von meiner geplanten Richtung abschwenkte, verließ ich ihn wieder.

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unmarkierter Trampelpfad

Aufgrund des sumpfigen und moorastigen Waldbodens mit reichlich Gestrüpp und Unterholz, wurde das weglose Waldwandern ab hier mühsamer. Daher kam mir eine Stromleitungsschneise ganz gelegen, auf die ich kurz darauf stieß. Die Schneise sah einfacher zu bewandern aus, daher folgte ich sie für die nächsten über zwei Kilometer. Ich änderte nun meine Richtung und marschierte auf direktem Weg zurück Richtung Kõrve Trail.
Das Wandern entlang der Schneise war aber nicht ganz so einfach wie es anfangs aussah. Schwierig war es zwar nicht, dafür aber nervig wegen teilweise ziemlich sumpfigen Boden, voll mit Gestrüpp und hohes Gras.

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Stromleitungsschneise

Als ich die Schneise irgendwann verließ, wurde der Wald auch wieder einfacher, so wie er halt meistens hier ist.

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weiterhin weglose Waldroute

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Blaubeeren

Nach etwa 10 Kilometer weglosem Wandern, vom letzten Camp aus, stieß ich wieder auf den markierten Kõrve Trail. Den folgte ich ab nun. Der Kõrve Trail ist hier zum Glück keine ausgetretene Wanderautobahn, sondern ein traumhafter schmaler Trampelpfad, der sich kilometerweit durch die Wälder kurvt und nur wenig begangen aussah.

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Kõrve Trail

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Kõrve Trail

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Vier Kilometer weiter erreichte ich das Viru-Moor. Dies ist eines dieser typischen sumpfigen Moore, die es so zahlreich in den estländischen Wäldern gibt, voll mit kleine Seen und Tümpel. Ein über 2 Kilometer langer Holzbohlensteg führt hier durch. Zahlreiche Wanderer und Spaziergänger waren hier unterwegs, dennoch ist die Route sehr schön.

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Holzbohlensteg durch das Viru Moor

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der Kõrve Trail durch das Viru Moor

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Am anderen Ende des Moores überquerte ich die Hauptstraße Tallinn - Narva. Diese Straße bildet auch die Grenze des Lahemaa Nationalparks. Ich verließ hier also den Nationalpark und kam auf der anderen Straßenseite in das Põhja-Kõrvemaa Naturreservat, das ich nun für den Rest meines Treks durchwanderte.

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Überquerung der Hauptstraße - links der Lahemaa Nationalpark, rechts das Põhja-Kõrvemaa Naturreservat

Das Põhja-Kõrvemaa Naturreservat besteht aus Wälder, Moore, Hügel, Sümpfe und offene Heideflächen.

Die Anwesendheit des sowjetischen Militärs, die ab 1947 über vier Jahrzehnte in der Gegend stationiert war, hat dazu geführt daß die Region ziemlich frei von Besiedlung geblieben ist.

Auf den gelegentlichen Infotafeln entlang des Kõrve Trails hatte ich bis jetzt noch keine detaillierte Karte vom nun folgenden südlichen Abschnitt des Trails gefunden, nur eine grobe Übersichtsskizze auf der dieser Abschnitt in ein paar Sätzen auf englisch beschrieben stand. Diese klangen aber ganz vielversprechend, so daß ich mich entschied von meiner ursprünglich geplanten Route abzuweichen um den Kõrve Trail nun bis zu seinem Ende in Aegviidu durchzumarschieren.

Ich folgte also weiter die roten Markierungen, zunächst auf einen schmalen Fahrweg, aber in der Hoffnung das die Markierungen jeden Moment vom Fahrweg runter auf einen schmalen Pfad weiterführen. Diese Hoffnung wurde für die folgenden 5 Kilometer jedoch nicht erfüllt.

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paar Kilometer Fahrwegwandern

Nach anderthalb Kilometern ging es aber vom Fahrweg in eine verwachsene kaum befahrene Fahrspur rein, die für die nächsten 2 Kilometer gefolgt wurde. Relativ frische Reifenspuren, die anscheinend noch keine paar Tage alt waren, zeigten daß auch dieser Weg hin und wieder mal befahren wird.

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verwachsene Fahrspur

Auch wenn auf deutschen markierten Trekkingrouten Fahrwegwandern ja fast überall der Standart ist, kann ich persönlich nicht verstehen daß man ausgewiesene Trekkingrouten auf Fahrwege verlegen kann. Gerade auf dieser verwachsenen Fahrspur wäre es ein leichtes gewesen den Weg für motorisierte Fahrzeuge komplett abzusperren, dann würde man in ein bis zwei Jahren nicht mehr erkennen können daß es mal eine Fahrspur war. Es ging zwar durch eine traumhaft schöne Urwaldwildnis, aber der Fahrweg hat mich gestört und ich hab nur gedacht wenn es jetzt nicht bald auf einen Pfad weitergeht werde ich morgen nicht mehr auf dem Kõrve Trail sein.

Fünf Kilometer nach Querung der Hauptstraße erreichte ich den kleinen von Kieferwäldern umgebenen Järvi See, wo sich eine Campstelle befindet.

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Järvi See

Normalerweise würde ich auf solche Campstellen mit Fahrweganschluss ja nicht bleiben, aber da es gleich dunkel wird und hier eine detaillierte Karte vom südlichen Abschnitt des Kõrve Trails hing, blieb ich trotzdem. Die Karte wollte ich mir nämlich morgen früh mal genauer anschauen und abfotografieren. Ich schlug mein Zelt direkt am Seeufer auf, nach ungefähr 22,5 Kilometer vom letzten Camp.

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Camp 9

Die letzten 5 Kilometer fand ich zwar nicht so toll, aber ansonsten war meine heutige Route insgeamt sehr schön. Mal schauen was der morgige Tag so bringen wird......

Peter83
30.10.2011, 20:06
Sehr schöner Reisebericht und interessante Tour.

Grüsse,
Peter

Spartaner
03.11.2011, 16:30
Dank für den interessanten Estland-Bericht.

Ich war 2006 auch mal in Estland. Im Gegensatz zu dir fand ich den Ort Sillamäe ganz interessant. Das war zu Sowjetzeiten eine 'Verbotene Stadt' mit dem Tarnnamen 'Narva 10'. Deine eingezäunte Industriefläche war ein metallurgisches Zentrum ('Silmet'). Hier wurde Gerüchten zufolge das Uran für die erste kommunistische Atombombe hergestellt. Zunächst wurde aus Erzen aus der näheren Umgebung Uran gewonnen, später dann aus Erzen aus der Tschechoslowakei und aus Rumänien.
Im Gegensatz zu vielen anderen estnischen Städten lebt hier überwiegend russische Bevölkerung, angesiedelt für die Industrie hier durch die Sowjets. Während sonst in ganz Estland russische Beschriftungen weitgehend eliminiert wurden, finden sich in Sillamäe überall die Zeichen der vergangenen Sowjetmacht. Heute arbeitet auf dem Gelände mindstens noch ein Wärmekraftwerk, dazu neue Industriebetriebe, Hafen und eine Freihandelszone. Schon klar, dass du da nicht so einfach durchspazieren kannst.

Süß fand ich auch die Architektur. Hier hat man sich Anfang der 50er Jahre viel Mühe gegeben. Der Turm des Rathauses (http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/f/f5/Sillam%C3%A4e_2008_2.jpg) wurde z.B. von sowjetischen Architekten explizit nach deutschen Vorbildern gestaltet. Deutsch, weil hier in Estland die Architektur schon seit vielen hundert Jahren deutsch geprägt ist, nicht etwa weil man ein paar Jahre zuvor das Deutsche Reich besiegt hatte.
Der Weg runter zum Wasser (http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/a/aa/Sillam%C3%A4e.jpg) ging auf einem abschüssigen Fußweg, mehrere hundert Meter lang, umgeben von Park und ehemals repräsentativen 50er-Jahren-Stalin-Ära-Häusern. Man sah es dem Ort an, dass sich die Sowjetkommunisten viel Mühe gegeben haben, dieses 'Gefängnis' halbwegs wohnlich zu gestalten. Man wollte den Spezialisten, die hier her ziehen mussten, etwas bieten, wo sie schon nicht rausdurften.
Auf opulent verzierten Parkbänken aus Schwerbeton saßen an diesem schönen Sommertag russische Veteranen in hellgrauen Anzügen und weißen Hüten oder weißen Schiebermützen. Man hat sich unschwer 20 Jahre zurückversetzt gefühlt. Großartig dieser Blick runter zum Meer!

Gruß Michael




1.Tag:
Sillamäe ist in der Tat eine recht unattraktive Küstenstadt mit 16000 Einwohnern aus Plattenbauten und Industrie, also typischer Ostbaustil. Das sollte mir aber egal sein, denn ich wollte ja schließlich nicht hierbleiben, sondern möglichst schnell wieder weg. Auf direktem Weg zum Ortsrand an den Strand waren es vom Supermarkt aus zwei Kilometer Luftlinie, wie ich schon zu hause auf Google Earth nachgemessen hatte. Das sah einfach aus, war aber kompliziert, um nicht zu sagen die ersten 7 bis 8 Kilometer meines Treks sind scheisse verlaufen! Da lag nämlich eine eingezäunte Industriefläche im Weg, mit einem mehrere Meter hohen Stahlzaun, der auch noch wie im Knast oben mit Stacheldraht abgesichert war und den man deshalb auch schlecht überklettern konnte.

Als ich auf einer mit Schranke abgesperrten Straße in dieses Gelände eindringen wollte, stellte sich mir so ein Security-Typ in den Weg. Ich habe zwar kein Wort verstanden von dem was er gesagt hat, aber seinen Handbewegungen entnahm ich daß ich hier nicht reinkomme und aussen rum wandern müsse.

Es half nix, ich musste das Gebiet also umwandern, noch nicht ahnend daß dies ein riesen Umweg von 5 bis 6 Kilometern werden würde.

berniehh
03.11.2011, 21:02
Hallo Michael,

danke für die interessante Geschichte über die Stadt Sillamäe. Da ich mir ja normalerweise nicht so viel aus Kultur mache bin ich halt nur schnell aus dem Ort rausmarschiert. Am Weg runter zum Wasser (http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/a/aa/Sillam%C3%A4e.jpg) bin ich auch nur schnell vorbeimarschiert ohne genauer hinzusehen. Ich wollte eben möglichst schnell raus in die Natur;-)
Wenn ich die Stadtgeschichte vorher gekannt hätte, hätte ich mir in Sillamäe sicher mehr Zeit genommen und auch ein paar Fotos gemacht.

gruss Bernd

berniehh
07.11.2011, 22:51
10.Tag:
Laut der Karte hier auf der Infotafel verlaufen die folgenden über 10 Kilometer des Kõrve Trails überwiegend auf schmale Pfade. Daher wollte ich zunächst noch auf diesen Trail bleiben.
Der Routenverlauf des Kõrve Trails ist hier übrigens auch identisch mit meiner von zu Hause aus auf Google Earth geplanten Route, obwohl ich bei der Planung noch gar nicht gewusst hatte daß es diesen Trail überhaupt gibt.

Als ich morgens aus dem Zelt schaute machte das graue Nieselwetter nicht gerade Lust auf einen frühen Aufbruch. Ich blieb den ganzen Morgen im Camp, denn zum fotografieren war mir das Wetter zu schlecht und im nun folgenden Moorgebiet wollte ich aber gerne Fotos machen.

Erst nach 13 Uhr wanderte ich los. Der Regen hatte zwar aufgehört aber es war noch bewölkt. Ich folgte den Pfad am Seeufer und nach anderthalb Kilometer erreichte ich den Beginn des Suru raba Moorgebietes.

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Pfad am Seeufer

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Am Beginn des Moores

Das Suru raba ist eine mit kleine Seen und Tümpel durchzogene sumpfige Moorsenke von etwa 5 Kilometern Durchmesser, die ringsum von bewaldete Hügel umgeben ist.

Ein etwa zweieinhalb Kilometer langer Holzbohlensteg führt hier durch. Das Holz war noch ganz frisch, der Steg scheint also vor kurzem erst erneuert worden sein.

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Suru raba Moorgebiet

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Vom anderen Ende des Moores wanderte ich kilometerweit eine bewaldete Hügelkette entlang. Um dabei ziemlich durchgehend auf schmale Pfade zu wandern wich ich manchmal etwas vom Kõrve Trail ab und folgte für kürzere Abschnitte andere markierte oder unmarkierte Pfade.

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Pfad entlang der Hügelkette

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auch hier paar kleine Seen

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Bunkerruine aus Sowjetzeiten

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unmarkierter Pfadabschnitt

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Fast 4 Kilometer vom Ende des Moores erreichte ich am Väinjärv den ersten von mehreren kleinen waldumgebenen Seen, die dicht nebeneinander liegen.

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Väinjärv

Für die folgenden paar Kilometer führte der schmale Pfad nach und nach an drei weiteren Seen vorbei, weiterhin durch eine sehr schöne Natur.

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Köverjärv

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Pfad am Ufer des Köverjärv

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Dahinter kam ich auf eine offene Heidefläche.
Auf der beim letzten Camp abfotografierten Karte konnte ich ablesen, daß wahrscheinlich ab hier der größte Teil des restlichen Kõrve Trails bis nach Aegviidu auf Fahrwege verlaufen wird. Es sind noch 15 bis 20 Kilometer bis nach Aegviidu, mein Trek nähert sich also dem Ende, aber das Fahrwegwandern wollte ich mir nicht antun. Daher entschloss ich den Kõrve Trail hier endgültig zu verlassen und wieder auf meine ursprünglich geplante Route zu schwenken, nämlich weglos durch den westlichen Teil des Põhja-Kõrvemaa Naturreservats. Auf dieser Route sind es nur noch unter 10 Kilometer bis ich auf die Hauptstraße stoße, wo ich den Trek beenden will.

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offenes Heideland

Ich wanderte also Richtung Westen und querte ein kurzes Stück später auf einer Holzbrücke den Soodlaj Fluss. Eigentlich wollte ich hier irgendwo campen, aber das Flußufer war zu verschilft und der Wald dahinter zu dicht und sumpfig.

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Soodlaj Fluss

Am Fluß füllte ich daher nur schnell meine Wasserflaschen auf und wanderte noch paar Minuten weiter auf schmalen Waldpfad bis zum Beginn eines Fahrweges. Von hier stieg ich auf einen kleinen Hügel, wo ich auf trockenen Untergrund ein schönes Plätzchen für mein Zelt fand.

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Camp 10

berniehh
20.11.2011, 13:27
11.Tag:
Heute ist also mein letzter Trekkingtag. Vom Camp waren es nur noch 8 Kilometer bis zum Trekende.

Ich wanderte durch weglose Wildnis Richtung Westen.

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Wanderung durch Wald

Zunächst ging es durch Wald, aber nach zwei bis drei Kilometern kam ich auf eine große offene Moorfläche mit ziemlich sumpfige Abschnitte sowie zahlreiche Tümpel und kleine Seen. Dies ist das Koitjärve Moorgebiet, das etwa 6 Kilometer Durchmesser hat.

Hier gibt es keine Holzbohlenstege, ich überquerte das Moor weglos.

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Koitjärve Moor

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In der Mitte des Moores liegt ein kleiner See, der Kivijärv, dessen Ufer von einen etwa 100 Meter breiten Kieferwaldstreifen umgeben ist. Eine alte Feuerstelle verriet daß hier mal Leute gecampt haben. Es ist eine idyllische Stelle und ich blieb ne Weile.

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Kivijärv

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die letzten Kilometer durchs Moor

Vom See waren es nur noch zwei bis drei Kilometer bis ich auf die Hauptstraße stieß. Nach insgesamt 200 Kilometern war mein Trek hier also beendet.

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Trekende

Ich streckte den Daumen raus um per Anhalter nach Tallinn zu trampen. Nach 20 Minuten hielt ein Auto an. Am Steuer saß ein Mann, der mich bis nach Tallinn mitnahm. Er sprach zwar kein Wort Englisch, war aber sehr freundlich und fuhr mich noch bis in die Stadt rein zum Busbahnhof, obwohl er eigentlich gar nicht soweit wollte.

Meine Rückfahrt nach Deutschland war eigentlich für übermorgen reserviert, aber ich hatte überhaupt keine Lust einen ganzen Tag in Tallinn rumzuhängen.
Deshalb wollte ich die Rückfahrt auf morgen umbuchen. Die Dame am Schalter konnte allerdings nur die Fahrt von Tallinn nach Riga umbuchen. Die Weiterfahrt von Riga nach Berlin müsse ich in Riga umbuchen und sie konnte mir auch nicht sagen ob da für morgen noch was frei wäre. Naja, dann habe ich eben erstmal nur bis nach Riga auf gut Glück umbuchen lassen, in der Hoffnung daß in Riga für den Anschlussbus noch ein Platz frei ist. Morgen früh um 7 Uhr fährt der Bus von hier ab.

Anschließend bin ich die zwei Kilometer bis in die Altstadt marschiert. Die Altstadt von Tallinn ist Unesco Weltkulturerbe und die wollte ich mir bei dieser Gelegenheit noch mal kurz anschauen.

Auf dem Weg dorthin habe ich nochmal kurz bei der Touristen-Info vorbeigeschaut, um mich über günstige Unterkünfte zu informieren.
Die Mitarbeiterin dort hat verschiedene Hostels für mich angerufen und beim dritten Versuch eins gefunden das noch nicht ausgebucht war, aber nur noch einen freien Platz hatte. Den hat die dann für mich reserviert. Die Übernachtung kostete 13 Euro.

Danach bin ich erstmal zu McDonalds was essen gegangen und hinterher für ´ne halbe Stunde durch die Altstadt spaziert.
Die Altstadt von Tallinn sieht aus wie das Zentrum einer deutschen Ostseeküstenstadt. Es ist ohne Zweifel eine schöne Stadt, aber dafür daß es Unesco Weltkulturerbe ist, hatte ich eigentlich mehr erwartet und war demzufolge etwas enttäuscht.

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Tallinn

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Vom Preisniveau ist Estland ein etwas günstigeres Land wie Deutschland. Die anderen beiden baltischen Staaten Lettland und Littauen, die den Euro noch nicht eingeführt haben, sind dagegen deutlich billiger wie Deutschland. In Tallinn kommt man ganz gut mit Englisch durch, aber auf dem Lande sieht es etwas anders aus. Von den Leuten die ich auf meinen Trek traf konnten nur einige etwas Englisch.

Ich bin dann wieder zurück Richtung Busbahnhof marschiert, wo sich mein Hostel befand. Mein Zimmer habe ich zusammen mit einem Iren aus Dublin geteilt, der auf einer Städtetour war.

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mein Hostel

Am nächsten Tag stand dann die lange über 30 Stündige Busfahrt zurück nach Hause an. Mit dem Anschluß von Riga nach Berlin hat es geklappt. Bin ohne Reservierung mitgekommen, musste aber erst warten bis alle anderen Leute im Bus waren und konnte mich dann auf einer der wenigen freien Plätze setzen.
Am drauffolgenden Vormittag planmäßige Ankunft in Berlin und Nachmittags war ich dann wieder zurück in Hamburg.

Insgesamt war ich zufrieden mit dieser Reise. Ich fand es war ein lohnender Trek. Etwa 85 Prozent meiner Gesamtroute führten abseits von Straßen und Fahrwege durch eine wildnisnahe Naturlandschaft, entweder auf schmale Trampelpfade, weglos durch die Wälder oder am Strand entlang. So hatte ich mir das auch vorgestellt.

Feurio
21.11.2011, 18:30
Vielen Dank nochmal für diesen schönen Bericht!
Deine Begeisterung für "unberührte" Natur kann ich sehr gut nachempfinden, ebenso wie die Grummeligkeit, die du beim Anblick von zu viel Erschlossenheit beschrieben hast.
Nice!

Wildniswanderer
21.11.2011, 19:47
Eine schöne Kombination aus Küste, Moor und Wald hast du da mal wieder auf deine bewährte Art zusammengestellt.
Wie schon geschrieben, ich glaube fest daran, dass dieser Bericht den einen oder anderen hier im Forum zum Nachdenken über eine Tour in Estland bringen wird.
Es gibt sicher Leute, die nicht verstehen, warum du mit solcher Vehemenz vermeidest auf Wegen die auch von Fahrzeugen befahren werden können zu laufen.
Ich verstehe das voll und ganz und kann nur bewundern, wie du es mit deiner Google Earth Planung auch in Deutschland oder Estland schaffst, Touren mit "Wildnisflair" zusammenzubasteln.

Vielen Dank für den schönen Bericht!

Gerald

TLow
22.11.2011, 12:03
Moin,
ein ganz toller Bericht. Hat meine Mittagpause echt bereichert. Vielen Dank!

Grüße
TLow

doast
05.08.2015, 13:54
Auch wenn schon einige Zeit verstrichen ist: toller Bericht berniehh

Bin darauf aufmerksam geworden, weil ich am 23.8 für 7 Trekkingtage in die selbe Gegend aufbreche. Werde mich zwar an die Wege halten, trotzdem wird ein Teil meines Weges auf deinen beschriebenen Pfaden verlaufen.

Schön schon vorab ein paar Impressionen zu erhalten. Danke!


Mittlerweile gibt es neue Weitwanderwege durch Estland, wovon einer eben auch hier verläuft: http://www.loodusegakoos.ee/hiking-route/oandu-ikla-375-km

Plane von Oandu über Aegviidu nach Eidapere zu wandern und dort per Bahn retour nach Tallinn. Werde dann nach meiner Reise berichten.