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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [FR] GR20 von Nord nach Süd , Ende August 2011



codenascher
20.09.2011, 21:08
Guten Abend

An dieser Stelle entsteht im Laufe der nächsten Tage der Reisebericht unserer Korsikadurchquerung auf dem GR20.
Eckdaten:
Teilnehmer: 2, Codenascher & Chinaimbiss

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Ich ©Chinaimbiss

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Chinaimbiss

Reisetermin: 26.08.2011 - 10.09.2011
Reisedauer: 12 Tage on Trail
Erlebnisse: unbeschreiblich geil :P

Schon früh dieses Jahres entschieden wir uns dazu, den GR20 zu gehen. Chinaimbiss Liebe für die Insel und die vielen tollen Reiseberichte hier im Forum waren Anlass genug, uns an den "anspruchsvollsten Wanderweg" Europas zu wagen. Erste Fragen, besonders der Reisedauer und einiges Equipment betreffend waren schnell beantwortet und ehe wir uns versahen war es auch schon Ende August.

26. - 27.08.2011 Anreise
28.08.2011 Calenzana - Refuge d'Orto diu Piobbu
29.08.2011 Refuge d'Orto diu Piobbu - Refuge de Coruzzo
30.08.2011 Refuge de Coruzzo - Haut-Asco
31.08.2011 Haut-Asco - Bergeries de Ballone
01.09.2011 Bergeries de Ballone - Refuge Ciotullu di i Mori
02.09.2011 Refuge Ciotullu di i Mori - Refuge de Manganu
03.09.2011 Refuge de Manganu - Refuge de l'Onda
04.09.2011 Refuge de l'Onda - Vizzavona
05.09.2011 Vizzavona - Col de Verde
06.09.2011 Col de Verde - Refuge d'Usciolu
07.09.2011 Refuge d'Usciolu - Refuge d'Asinau
08.09.2011 Refuge d'Asinau - Conca
09. - 10.09.2011 gammeln am Strand bei Bastia

Dann mal los:

26. - 27.08.2011 Anreise

Da wir bereits am Donnerstag die allerletzten Erledigungen getätigt und gepackt haben, ging es entspannt zum Berliner Hauptbahnhof. Meine kleine Schwester fuhr uns und blickte nocheinmal skeptischen Blickes an uns herunter und schüttelte beim Anblick unserer Rucksäcke nur mit dem Kopf.
Die schwülen 30°C der letzten Tage fanden während unserer Zugfahrt nach Köln schlagartig ein Ende. Starke Gewitter in Westdeutschland ließen uns mit halbstündiger Verspätung am Kölner Hauptbahnhof ankommen, unsere Anschlußbahn zum Flughafen erwischten wir dennoch. Auf dem Flughafen war noch die Hölle los (Nachts um 3:00h!) was wir von Berlin nicht gewohnt sind. Während ich die Zeit im Zug und auch am Flughafen mit gelassenheit verpennt habe, konnte Chinaimbiss kaum ein Auge zutun.

Auf dem Flughafen Calvi lernten wir direkt Simon und Therese kennen, mit denen wir uns erstmal ein Taxi teilten und später noch einige Abende verbrachten.
Unser Zelt stand schnell auf dem steinigem und staubigen Boden des Zeltplatzes von Calenzana.
Unsere erste Exkursion zum nächsten Supermarkt wurde durch die übliche Siesta hier im Süden vereitelt. Also nochmal um 16:00h hin, diverse Erledigungen in Form von Brot, Salami, bissl Obst und vor allem die obligatorische Gaskartusche fanden ihren Weg in unser Körbchen.
Der restliche Tag verlief ereignislos, allerdings stieg beim Anblick der ersten Berge unsere Laune und gleichzeitig erahnten wir, wie anstrengend es doch werden wird ;)


28.08.2011 Calenzana - Refuge d'Orto diu Piobbu

Früh am morgen, 6:00h - so früh wie nie zuvor auf einer unserer Touren klingelte der Wecker. Zusammenpacken, frühstücken und bei schönstem Sonnenschein auf Richtung
GR20!
Bereits kurz nach verlassen Calenzanas merkte ich meine Muskeln doch erheblich. Wer hätte das gedacht. Unsere erste Rast an dem (?) Bocca a U Saltu sollte sich als hochverdient herausstellen ;) Dooferweise verlegte CI bereits hier seine Kameratasche... Der weitere Aufstieg ging dann Gott sei Dank wieder besser von der Sohle. Einmal haben wir einen Abzweig nicht bemerkt und sind ein paar Minuten weglos marschiert. Dort entdeckten wir eine schöne Biwakstelle, an der wir zu Mittag gegessen haben. Ne gute Stunde später erspäten wir erstmalig die Refuge um dann festzustellen, das eine erspäte Refuge noch lange nicht nah am Ziel bedeutet... (Wie leider zu oft auf dieser Reise ;)

Bei der Ankunft machten wir gleich Bekanntschaft mit einem der Reit/Lasttiere der Refuge. Der Hofgaul lief Zielgerichtet zu meinem abgelegten Rucksack, warf diesen um, um dann beherzt hinein zu beißen!

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verfressenes Vieh

Nix passiert, Rucksack weggeräumt, da fing der Gaul an, an meiner Uhr zu kauen. Der restliche Nachmittag schenkte uns viel Sonnenschein und die erste leichte Röte.
Die veranschlagten 6 1/2h konnten wir trotz der anstrengenden vielen (uns ungewohnten) Höhenmeter unterbieten. Landschaftlich gefiehl es uns schon ausgesprochen gut!

29.08.2011 Refuge d'Orto diu Piobbu - Refuge de Coruzzo

In der Hoffnung früher aufbrechen zu können klingelte der Wecker heute nochmals um 20 Minuten früher. Natürlich haben wir es nicht geschafft ;)
An der Bergeries de Mandriaccia vorbei ging der Tag mit der Plackerei vom Vortag weiter. Aufstieg auf über 2000m, wow, so hoch war bis jetzt noch keiner von uns beiden (Berliner halt ;))

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stolz wie Bolle auf gut 2000m

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Da hat CI beim aufstieg Auge bewiesen ©Chinaimbiss

Der anschließende Abstieg, laut Höhenprofil ja stetig, erwieß sich durch seine Abstiege und natürlich Gegenanstiege als sehr anstrengend. Und auch hier passierte es wieder, einen Moment nicht aufgepasst und den falschen Weg gewählt, dies wurde durch eine kleine Klettereinlage auf der Suche nach dem richtigen Weg aber wieder begradigt. Als es dann irgendwann richtig runterging wollten vor allem CIs Knie nicht so richtig mitmachen.
Die Refuge hatten wir bereits von ober erspäht, sie kam allerdings irgendwie nicht näher :P Kurz vorm Ende rasten noch ein paar "Speedhiker" an uns vorbei, verrückte Typen mit minimalstem Gepäck und ner ordentlichen Laufgeschwindigkeit... Kann sowas Spaß machen?
Therese und Simon, welche die ersten zwei regulären GR20 Etappen gegen die Mare è Monti Variante getauscht haben trafen wir hier auch wieder. Sie erzählten uns von einer nahe gelegenen Gumpe. Diese wollten wir natürlich aufsuchen, dummerweise erwähnten die beiden nicht, in welche Richtung wir müssten (bzw. fragten wir auch nicht danach...) Großer Fehler. Wir folgten natürlich nicht der rot weißen GR20 Markierung, sondern der orangenen Richtung Tal. Die maximal veranschlagten 15 Minuten ignorierten wir einfach mal komplett um nach gut 30 Minuten völlig frustriert festzustellen, dass wir falsch waren - sehr sehr ärgerlich. Der daraus resultierende Aufstieg, gute 200hm, gaben CIs Knien den Rest.
Doch dies alles konnte uns den Abend dennoch nicht vermiesen. Zu viert genossen wir erneut die Abendröte um dabei die Bergeries um 3 Flaschen Wein ärmer zu machen. Drei Flaschen, ob das gut geht... ?

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was für eine herrliche Stimmung

codenascher
21.09.2011, 20:23
30.08.2011 Refuge de Coruzzo - Haut-Asco

Woohoo, wir haben es doch tatsächlich geschafft vor 7:00h den Platz zu verlassen. Zur längeren alpinen Variante konnte ich CI leider nicht überreden, da er sich nicht so recht mit dem Gedanken, den Cirque de Solitude zum Ende einer langen Etappe zu laufen, anfreunden konnte...

Dem Weg folgend erreichten wir relativ schnell die Brücke über den Spasimata Bach. Da wir früh unterwegs waren, mussten wir uns nicht hinter irgendwelchen fotogeilen Rentnern anstellen. Der Aufstieg bis zum Lac de la Muvrella war natürlich mal wieder anstrengend, hat mir aber zugleich sehr viel Freude bereitet. Direkt am Lac de Muvrella boten sich wieder eine Reihe schöner Biwakplätze an. Vom See, bzw. zum Zeitpunkt unserer Reise der Pfütze, ging es nochmals sehr anstrengend bis zur Bocca Muvrella hinauf. Oben angekommen ließ ich mich nicht lumpen und gab einen Freudenschrei von mir. Boah, danach war erstmal nen Päuschen angesagt.
Anschließend am Bocca di Stagnu wär ich weierhin zu gerne die alpine Variante gelaufen, aber nee, ab nach Haut-Asco. Den Blick auf den Monte Cinto fand ich persönlich eher ernüchternd, da ich wohl nen höheren freistehenden Gipfel erwartet hätte. Aber im Vorfeld war ja schon zu lesen, dass der höchste Berg Korsikas ausser seiner Höhe nicht viel zu bieten haben soll.

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Blick auf das Monte Cinto Massiv von Haut-Asco aus

Haut Asco im Blick meinte ich nur ganz frech: "zehne, machen wir die nächste Etappe gleich mit" ;) Doch was hat uns der letzte Tag bereits gelehrt? Nur weil ne Refuge zu sehen ist, heißt es noch lange nicht geschafft. Der Abstieg war nicht ohne, aber vorallem zog er sich unheimlich. Anderthalb Stunden später konnten wir dann unsere Stöcke in die Ecke stellen. Hier gabs erstmals nen klitzekleinen Kulturschock. Straßen, Tageswanderer, Autos, all das wollte nicht so recht hier rein passen :bg:
Der relativ gut sortierte "Refuge Supermarkt" erfreute uns mit frischem Obst, Gemüse und anderen Leckerein, die wir die letzten zwei Tage vermisst hatten. Den Abend verbrachten wir erneut mit Therese und Simon, denen wir ein nettes Plätzchen neben unserem Zelt reserviert hatten.

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Ich, CI, Simon, Therese ©Chinaimbiss

31.08.2011 Haut-Asco - Bergeries de Ballone
Und wieder haben wir es vor sieben Uhr geschafft! Nach den ersten beiden Etappen war unser Respekt vor dem Cirque de la Solitude unheimlich hoch, gilt er doch als Schlüsselstelle und anspruchsvollste Passage des gesamten GR20s.
Der Beginn des Weges schlängelte sich regelrecht gemütlich bis zu den Ruinen der alten Altore Hütte. Ausser einer Gedenktafel konnten wir allerdings weder Ruinen noch sonstige Überreste vor finden. Mit der nahegelegenen Gumpe lud auch dieses Plätzchen zum Wildcampen ein. Schade, schade.
Der darauffolgende Aufstieg hatte es dann mal wieder in sich. Oben angekommen konnte man in den meisten Gesichtern der vor allem weiblichen Mitwanderer sowas wie Entsetzen sehen. Sieht schon ziemlich steil aus :ignore:
Da wir aber immer noch recht früh hier wahren, hielt sich die Schlangenbildung zum Glück noch stark in Grenzen, wie uns vor allem später auch erzählt wurde...
Mir bereitete der Cirque keine Schwierigkeiten. Schnell runter, teilweise andere Wanderer abseits der "Hauptroute" überholend bereitete mir der Abstieg keinerlei Probleme. Der anschließende Aufstieg war dann wieder Kategorie Anstrengend und ich hatte doch tatsächlich bereits vor Erreichen des Bocca Minuta meine Trinkblase vollständig leer gesaugt.

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Blick Richtung Eingang des Cirque de la Solitude

Für CI jedoch stellte sich der Cirque als ernste Herausforderung und gleichzeitig als die Grenze des persönlich machbaren heraus. Keinerlei Klettererfahrung und auch noch Höhenangst erschwerten ihm den Abstieg. Egoistisch wie ich war, ließ ich ihn im gesamten Talkessel alleine, was er mir auch echt übel nahm... Nochmals Sorry Großer ;)
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eine Truppe geführter Engländer, bei der der Reiseleiter sogar hochgeschoben hat... ©Chinaimbiss

Kurz hinter dem Bocca Minuta sah ich die einzige Schlange während dieses Urlaubs. Aufgescheucht durch meinen Stock ist ein gut einen Meter langes Vieh vor mir geflüchtet! Der Abstieg Richtung Tighiettu bzw. Ballone Hütte war wie jeder Abstieg auf dieser Insel anstrengend. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich behaupten, die gesamte Insel bestehe nur aus Geröll und Blockfeldern... ätzend
Die Tighiettu Hütte am Weg liegen lassend sind wir direkt weiter bis zu Bergeries de Ballone. Die Gumpen, die den Weg säumten luden zum verweilen ein. Wir wollten jedoch nur noch runter und ne kalte Orangina bzw. Corsica Cola in unseren Händen halten.
Die Bergeries verfügt sogar über eine warme Dusche (Gasbestrieben)

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arme Viecher :( ©Chinaimbiss

Simon und Therese kamen gute drei (!) Stunden nach uns an. Fix und alle, gestresst von den unzähligen warterein im Cirque ließen sie sich fluchend neben uns nieder. Da der Reiseführer aus dem Stein Verlag etwas von Schwindelfreiheit und Trittsicherheit schrieb, aber nichts über teilweise ordentliche Kletterstellen waren die beiden sehr erboßt.
Zur Belohnung gabs für uns erstmalig was richtiges zu Essen. Suppe, bzw. ne kleine Schinkenplatte als Vorspeise, Wildschweinragout als Hauptspeise, und als Dessert Käse, bzw. nen Apfel. Lecker! Hier lernten wir noch Bernhard kennen, welcher die nächsten Abende und Etappen teilweise unser Begleiter sein wird.

BubiBohnensack
22.09.2011, 18:22
Hey schick!

Auch wenn ich nicht wirklich in der Position bin dazu aufzufordern: Mach doch mal pronto weiter bitte! :)

codenascher
23.09.2011, 22:30
Auch wenn ich nicht wirklich in der Position bin dazu aufzufordern: Mach doch mal pronto weiter bitte! :)

Lieber Jan Vincent, auch wenn du wirklich nicht in der Position für Forderungen bist, hier gehts weiter :baetsch:

01.09.2011 Bergeries de Ballone - Refuge Ciotullu di i Mori

Da uns, bzw. CI nur ein kurzer Marsch von 3 1/2 Stunden bevorstand, ließen wir es heute ruhiger angehen. Ausschlafen, hieß 6:30h, was für ein Urlaub ;)
Warum nur CI? Ich habe mir fest vorgenommen die Paglia Orba von der Mori Hütte aus zu besteigen! Nen bissl Bammel hatte ich ja schon, zumindest erklärte ich mir meine Nacht voll unruhigen schlafes damit...

Der Weg zu Beginn der Etappe erinnerte an zuhause. Hier sah es aus wie im Harz rund um den Brocken. Sanft ansteigende Wege, hier und da nen Stein oder ne Wurzel zum drübersteigen, das ganze gesäumt von Nadelwald.
Dies änderte sich natürlich wieder einmal als es zur Bocca di Foggiale hochging. Rund 500hm die uns ganz schnell wieder aus dem heimischen Harz zurück auf diese Mittelmeerinsel brachten.
Oben saßen bereits bekannte Gesichter, welche allerdings gleich weiter Richtung Refuge de Manganu liefen. Ein Blick zur Paglia Orba, ein bisschen Capu Tafunatu und dann die "finalen" 20 Minuten bis zur Refuge de Ciottulu di i Mori - und schon waren drei Stunden vorbei.

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CI hält Korsika in seinen Händen

An der Refuge überlegten wir noch kurz, ob wir nicht doch weiter wollen, entschieden uns dann aber wie geplant für die Paglia Orba. Eine halbe Stunde später vervollständigten Therese und nochmals knapp 20 Minuten später der Simon unsere "Lagergemeinschaft".
Wir bauten unser Zelt auf, packten ein Daypack und zu meiner hocherfreuten Überaschung kam CI erstmal Richtung Berg mit.

Der Gipfelsturm begann mit einem einfachen Kiesweg Richtung Col des Maures, von diesem Tal geht es links zum Capu Tafunatu und rechts auf die Paglia Orba.
Nach der ersten kurzen Kletterpassage von vielleicht 5hm entschied sich CI leider gegen den Aufstieg. Da war sie wieder die Höhenangst, schade.
Nun ging es für mich alleine weiter. Matterhorn Korsikas, schönster anspruchsvollster Gipfel Korsikas, was für Superlativen. Klettererfahrung des zweiten Grades erforderlich, ich wusste nichtmal was dies für mich bedeutete... alpine Erfahrungen, welche in der realen Welt gegen null tendieren. Egal, runter kommen sie alle :ignore: umdrehen konnte ich zur Not immer noch.
Nach 15 Minuten kraxeln traf ich auf Klaus aus Stuttgart, welcher sich langsam Richtung Gipfel wagte. Nun war ich doch nicht alleine. Klaus Erfahrungen mit dem Klettern beschränkten sich quasi auf das Treppensteigen inner Ubahn, Höhenangst habe er auch. Aber wenn er schonmal auf Korsika sei, wolle er wenigstens einen Gipfel besteigen - verrückter Typ!
Ich habe die Führung übernommen und uns sicher und ohne verlaufen bis auf den Gipfel und wieder zurück gebracht (Eigenlob stinkt, ich weiß)
Klaus wurde es zwischendurch eigentlich auch zu heikel und er wollte wieder absteigen, nach dieser vermeintlich schweren Stelle sah es aber wieder gut aus, und somit folgte er mir weiter. Ein paar Gipfelfotos, ein kurzer Moment den Ausblick genossen (leider war es relativ diesig) und dann gings auch schon wieder Richtung Basislager. 3:40h hat diese gesamte Prozedur gedauert.

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der Aufstieg, sieht teilweise ganz schön anspruchsvoll aus

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Der Gipfel

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so eins darf natürlich nicht fehlen ;)

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das Capu Tafunatu vom Gipfel aus fotografiert


Ich finde, das "Matterhorn Korsikas" macht sich echt gut in meiner bescheidenen Sammlung von Gipfeln:
Brocken, Ben Lommond, Snezka und nun Paglia Orba. Ich glaub an diesem Tage bin ich vor Stolz nen Zentimeter größer gewesen :bg:

Übrigens ein feines Plätzchen hier oben, unsere erste Nacht auf knapp 2000m höhe. Wenn man die Dusch - oder Toilettentür offenlassen würde, bietet sich hier ein wunderschönes Panorama ins Golo Tal. Nur leider hatte ich meine Kamera nicht mit aufm Klo... :cool:

codenascher
25.09.2011, 21:35
02.09.2011 Refuge Ciotullu di i Mori - Refuge de Manganu

Da heute die längste Etappe der Tour anstand gings wieder zeitiger raus. Tagesziel 22km entfernt, wenn es nach CI gegangen wäre, gerne auch mehr...
Der Abstieg durchs Golotal war einfach und landschaftlich sehr schön.

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die Paglia Orba vom Golotal aus

Im Skigebiet Col de Vergio plünderten wir erstmal den kleinen Zeltplatzshop, da wir auf der Mori Hütte leider kein Brot erhalten hatten. Und sehr sehr wichtig, nen Fettstift für die Lippen. Sowas hatten wir nähmlich nicht mit auf dem Radar, als wir unsere Rucksäcke gepackt haben... :motz:
Hätte mir jemand zuvor was von Skifahren auf Korsika erzählt, ich hätt ihn wahrscheinlich ausgelacht, kaum zu glauben.
Ein Großteil unserer Mitwanderer ließ sich die letzte Nacht auf dem Zeltplatz von Col de Vergio nieder. Wirklich ein abgrundtief hässliches Fleckchen Erde.
Von dort ging es gleich weiter mit dem "Kilometerrammeln", schattiger sanft ansteigender Sandweg, bestens zu begehen. Ab dem Hinweisschild für den Lac de Nino ging es bis zum Col de Saint-Pierre ein wenig bergauf. Die schönen Bilder aus den Reiseführern von der kleinen Kapelle hier oben konnten wir leider nicht nachstellen, da der Himmel irgendwie nicht so schön aussah. Schade.
Der anschließende Aufstieg Richtung Bocca â Reta ließ mich fluchen wie ein Rohrspatz, da mir die extratour des Vortages noch ordentlich in den Beinen lag. Ab dem Lac de Nino war für mich die Welt aber schnell wieder in Ordnung, zumindest erstmal. Der liebe CI wollte leider nicht schwimmen, womit es mit meiner Laune schon wieder hin war... Ansonsten: Etwas voll hier, aber echt malerisch schön gelegen.

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Der Lac de Nino

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Der freundliche Herr aus der Schweiz hat sich einen Esel gemietet :bg:

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CI und ein Muli

Als wir im Anschluß das folgende Tal durchliefen, verstand ich nunmehr, wieso diese Etappe mit zu den schönsten der Tour zählen soll. Grüne Bäume, grüne Sträucher, grüne wiesen, Gumpen, zwischendrin ein paar Kühe. Herrlich, mal was anderes als immer nur vertrocknet. Diesmal ließen wir uns nicht lumpen, Badehosen an und rein ins kühlende Nass! Ein Traum!

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jaja, staubig isses auf Korsika

Als wir an der Bergeries de Vaccaghia ankamen freute ich mich wie ein kleines Kind, dachte ich, es handele sich um die Refuge de Manganu. Leider nicht, die lag noch gute zwei Kilometer entfernt. Hierbleiben war keine Option, da uns der Platz nicht wirklich zusagte. Also weiter quälen, mir tat alles weh, arg.

An der Refuge angekommen trafen wir wieder viele uns mittlerweile bekannte Gesichter, welche am Vortag alle weitergelaufen waren. Die Quelle der Refuge war gerade mehr oder weniger versiegt. Ich glaube CI saß 20 Minuten an der Quelle um Wasser für unsere Trinkblasen und das Abendbrot zu erhalten.

Der Zeltplatz war ebenfalls nicht sonderbar schön, Plätze größtenteils schief, überall Kagge von den Kühen die hier grasten, und die sanitären stanken fürchterlich - pfui deibel. Einziger Trost: zwei (!) kalte duschen, was die Anstehzeit ein klein wenig verkürzte.
Bernhard trafen wir hier auch wieder, seinen gequälten Blick erklärte er mit seinen schmerzenden Füßen. Der gute ist leider mit Steigeisenfesten Schuhen angereist und hat sich unheimliche Blasen gelaufen. Autsch, und ich jammer wegen nen bissl Muskelziehen....
Abends fielen die ersten Tröpfchen Regen dieses Urlaubs.

03.09.2011 Refuge de Manganu - Refuge de l'Onda

Der Beginn der heutigen Etappe wartete gleich mit 600hm aufstieg auf uns, püh. Zwei Stunden später standen wir an der Breche Capitello und genossen den Ausblick auf den Lac de Capitello und den Lac de Melo. Sehr sehr schön.
Die angekündigte kleine Stelle, welche mit Ketten gesichert ist, war für uns natürlich ein Klacks ;) Ich erwähne dies extra, da ein uns entgegenkommender Wanderer am Vortag was von sehr anspruchsvoll erzählte und CI sowie Therese und Simon schon wieder an den Cirque de la Solitude dachten. Diese Meinung konnten wir nicht teilen.

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hinter der Breche de Capitello

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Lac de Capitello und der Lac de Melo

Der Lac de Renosso ein wenig später war nicht weniger beeindruckend als die beiden Seen zuvor. Die Bergeries unweit des Sees hielten wir erstmal für die Petra Piana, umso erstaunter waren wir, als es weiter hoch statt runter ging. Hier fanden wir einmal mehr ein malerisches Fleckchen vor, welches uns zu einer Brotzeit einlud! Übereinstimmend stellten wir beide fest, das dies der schönste Biwakplatz des Weges sein müsse!
Kurz hinter dem Bocca Muzzella ging mir mal wieder das Wasser aus, welches ich diesmal an einer Quelle auffüllen konnte. Ich glaub ich habe noch nie in meinem Leben soviel gesoffen, wie während dieser Tour.
Kurz darauf passierte es mir wieder, haltet euch fest:
Ich habe einer Dame Platz gemacht und als ich wieder loslief, rutschte ich leicht von einem kleinen Stein, landete auf meinem Fizan und brach diesen entzwei. Meine zweite Tour mit Stöcken, und mein zweiter durchgebrochener Fizan Compact... Werden wohl Verschleißteile bei mir, so ein Scheibenkleister! Das ganze nichtmal 500m von der Petra Piana entfernt. Einstöckig ging es für mich weiter...

Da wir unser Etappenziel heute nach nichteinmal 5 1/2 Stunden erreicht hatten und die Betreiber der Petra Piana etwas von Gewitter erzählten,beschlossen wir noch eine Etappe zu laufen. Bernhard, der schon hier war tat es uns gleich und wir liefen gemeinsam die alpine Variante bis zur Refuge de l'Onda. Nochmals vier Stunden hintendran. Wir fühlten uns gut und waren sehr motiviert, galt es ja schließlich langsam mal unsere Strandtage herauszuarbeiten!

Simon und Therese erreichten gerade die Petra Piana, als wir weiter wollten. Kurzes enttäuschen ihrerseits, da sie nicht mehr die Lust hatten mit zu kommen. Da die beiden erst morgen die l'Onda Hütte erreichen, war dies der Moment des Abschieds. Hat trotzdem Spaß mit euch gemacht ;)

Der Einstieg zur alpinen Variante war schnell ausgemacht und die folgenden leichten kletterein bereiteten selbst CI keinerlei Probleme. Der Ausblick vom Kamm aus, war der absolute wahnsinn! mit dem Pinzi Corbini sammelt man an dieser Stelle gleich noch ein Gipfel ein, da hier der GR20 genau drüber verläuft.

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auf dem Kammweg

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Der abschließende Abstieg bis zur Refuge de l'Onda war wieder einmal der absolute Kniekiller. An der Refuge bezahlten wir tatsächlich 5€ für einen Laib Brot, krass.

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Ich liebe dieses Bild

Hier lernten wir zwei Kiddies kennen, welche der Meinung wahren den GR20 mit Sneakern zu absolvieren... sonstiges Reisegepäck: viele Gesellschaftsspiele...
Idioten, dazu morgen aber ein wenig mehr!

Am Abend konnten wir noch ein faszinierendes Wolkenspiel beobachten. Innerhalb weniger Minuten zog sich der Himmel komplett zu, es sah aus, als wenn die Wolken den Berg herunter krauchen und uns einschließen.

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Währen wir bergerfahrender, wüssten wir was im Anschluß folgte: Das von mir herbeigesehnte Gewitter in den Bergen, welches die ganze Nacht anhalten sollte! Wow

Ahnender
27.09.2011, 18:53
Knapper Exkurs:

Welche Refuges gelten denn aktuell als Wanzen-verseucht??

winnetoux
27.09.2011, 19:26
Knapper Exkurs:

Welche Refuges gelten denn aktuell als Wanzen-verseucht??
:hahaa: kann nicht die Hand ins Feuer legen und willl keinen verunglimpfen, aber beim Refuge mit dem frechen Mustang, da lüfteten die Schlafsäcke über'm Geländer und eine not amused Französin ließ sich irgendein Spray überreichen.


Sehr schöner Bericht! (ich lass das mal)

codenascher
27.09.2011, 20:14
04.09.2011 Refuge de l'Onda - Vizzavona

Das Gewitter hielt die ganze Nacht an, wodurch der Wecker zuerst eiskalt von uns ignoriert wurde, da wir echt keine Lust auf den Regen hatten. Als es heller wurde hörte es auch freundlicherweise auf. Wir packten zusammen, aßen dennoch im Zelt. Sicher ist sicher ;) Aufbruch Regenfest! Nach dem ersten kurzen Aufstieg Richtung Pass stand bereits der erste Kleidungswechsel an, die Sonne kam raus. Während des weiteren Aufstiegs zum Crête de Muratello war schon wieder Jackenzeit, da es hier ordentlich windig war.

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schön

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30 Minuten später, nicht mehr ganz so schön

Wir merkten beide unsere Knie und Muskeln, jaja, so ne Doppeletappe geht natürlich nicht spurlos an uns vorbei. Der gesamte Aufstieg zog sich unheimlich und auch unser gesamtes Umfeld ( neue sowie erstaunlich viele bekannte Gesichter ) kroch den Berg hinauf - ich nannte uns "Die Karawane der Tapferen" - man merkte, dass für viele hier die letzte Etappe begann.
Oben angekommen hatte es sich mittlerweile wieder komplett zugezogen und wir sahen zu, hier schnellstmöglich runterzukommen. Wir hatten echt keine Lust auf ein weiteres Gewitter :bg: Dies blieb zum Glück aus, der Regen allerdings nicht. hmpf

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CI, noch mal 30 Minuten später ;)

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ich

Nach dem ersten ordentlichen Abstieg machten wir zusammen mit Bernhard erstmal ne Brotzeit unter nem Baum, da es mittlerweile ordentlich regnete... Hier verpackten wir uns für den Rest der heutigen Etappe komplett Regenfest und marschierten weiter Richtung süden.

Kurz vor den Cascades des Anglais trafen wir wieder auf unsere Sneaker Fraktion vom Vorabend, welche mich nach meinem Gemütszustand fragte: "alles fit?" - logo
Auf meine Frage wie es sich denn in durchnässten Schuhen und Jeans liefe und ob sie sich bewusst währen, was sie hier überhaupt trieben wussten die beiden erstmal keine richtige Antwort - schweigen. Ich präzisierte, klärte kurz über eventuelle Gefahren, welche auf mangelndes Schuhwerk zurückzuführen wären auf. "passt schon" "anspruchsvollster Wanderweg Europas? echt? wussten sie nicht, aber sie seien immerhin erst in Corte zugestiegen. Schade, das diese Diskussion erst hier an den Wasserfällen aufkam. Auf jeden Fall ließ ich nicht locker und gab ihnen zu verstehen, das sie auf dem GR20 meiner Meinung nach nichts zu suchen hätten. Die kleine flippte komplett aus, schrie mich an "ich solle doch die Schnauze halten..." und fing an zu heulen. Ich hätte gerne mal erlebt, wie sie da oben zwischen den Wolken in einem Gewitter reagieren würde. Solch eine Reaktion nach ein paar ehrlich gemeinter Ratschläge ( keine Beleidigungen oder ähnliches) CI und Bernhard gaben mir nur recht.

Kurze Zeit später und wie auf Bestellung lief der Regen zu Hochtouren auf! Wir hatten es gerade noch pünktlich bis zu dieser Tourifalle kurz unter den Wasserfällen geschafft. Ließen den Regen Regen sein, tranken nen Bier und es vergingen tatsächlich zwei Stunden, bis es endlich weniger mit dem Regen wurde. Die beiden kamen ne halbe Stunde nach unserer Ankunft klitschnass vorbei, zogen aber direkt bis nach Vizzavona weiter.
Während wir die letzten Tage tausende von Eidechsen gesehen haben, kam nun ein stattliche Anzahl von Feuersalamandern aus ihren Höhlen heraus! Geil, meinen ersten und einzigen Feuersalamander in freier Wildbahn habe ich vor elf Jahren auf dieser Insel gesehen, heute gleich zehn, alle um 20cm groß!!!!!

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tolle Viecher

In Vizzavona dann der totale Kulturschock! Häuser, Autos, der Bahnhof und eine laute Hochzeitsgesellschafft. Man was haben wir die letzte Woche nicht verpasst :bg:

Auf dem Zeltplatz kam uns sofort der "Major" entgegen, kassieren und das Heringproblem erklären. Major deshalb, da der kleine Korse ein wenig deutsch sprach und nen Reichsadler auf Hakenkreuz auf der Gürtelschnalle hatte... Hätte nicht gedacht, solch einen Spinner hier anzutreffen :ignore:
Toiletten und die warme Dusche für 2,50€ gabs am Bahnhof. Der Zeltplatz selbst verfügt noch nicht über entsprechende Einrichtungen, aber es steht immerhin schon der passende Bau samt Türen!
Eh wir den Abend, unser Bergfest, gemütlich bei einem tollen vier-Gänge-Menu und etwas Wein im "Bahnhofsrestaurant" (Name leider entfallen) ausklingen ließen, gabs noch ein paar Leckerein ausm Shop

codenascher
28.09.2011, 21:06
05.09.2011 Vizzavona - Col de Verde

Unspektakulär begann der neue Tag. Der Major drehte bereits seine Runden (nicht das sich nachts noch jemand ohne zu zahlen auf den Platz stellt ;))
Der Beginn der Tour verlief heute sehr sanft. Über Forstwege, später breite Trampelpfade ging es Richtung Col de Vizzavona.
Bernhard, der mit uns gestartet war, ließen wir leider nach kurzer Zeit zurück, da seine Füße im nach wie vor fiese Probleme bereiteten...

Vor erreichen der Bocca Palmente nahm der Wind gehörig Fahrt auf, um uns bei erreichen des Scheitelpunktes eindeutig die höchste Windgeschwindigkeit unserer Tour um die Ohren zu haun! Die Aussicht richtung Meer wunderschön, hach was freuten wir uns bereits auf das kühlende nass in wenigen tagen.
An der malerisch gelegenen Bergeries d´Alzeta vorbei rissen wir die Kilometer nur so herunter.

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Bergeries d´Alzeta

Die Refuge de Capannelle erreichten wir bereits nach 3 1/2 Stunden. Keine Frage, auch hier mussten wir einfach wieder doppeln. Aber erstmal haben wir den Schabernack der süßen Welpen des Hofes genossen und ne kleine Stärkung zu uns genommen. Also ne Stunde Pause und dann weiter Richtung Col de Verde. Wenige Minuten nach verlassen des Hofes hörten wir unsere Namen den Berg herunterschallen - Bernhard. Wir hatten schon ein schlechtes Gewissen, ohne uns von ihm zu verabschieden einfach weiter zu laufen. Schwein gehabt ;)
Für ihn war hier zumindest für heute definitiv Schluß, aus seinen Füßen lief bereits der Eiter... grausige Vorstellung :(

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ich, Bernhard und CI

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wie gerne hätte ich den kleinen Racker mitgenommen

Zur alpinen Variante über den Monte Retondo konnte ich CI leider nicht bewegen, wie gerne wär ich noch auf diesen Gipfel gestiegen. Anders rum, wie sich später zeigen sollte, wäre das vor allem für mich zu viel gewesen...
Wir spulten also die Kilometer herab. Leichte Anstiege, viel Wald und der Regen der letzten zwei Tage, welcher für sehr angenehme Temperaturen sorgte machten es uns erstmal leichter. Zum Ende hin war ich dennoch sowas von fix und alle und einfach nur heilfroh das Ziel erreicht zu haben. Unser dritter Tag mit insgesamt knapp 30km, und alleine heute rund 1500hm.

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wunderschön

Unterwegs zeigte sich die Tierwelt noch einmal von ihrer photogehnsten Weise. Dieser Esel wollte uns erst nach ca 100 Bildern vorbei lassen, und auch diese Eideche ließ meinen Auslöser glühen ;)

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Eine Kuh welche uns ebenfalls den Weg versperrte wollte ich einfach über einen am Weg liegenden Baumstamm unlaufen. der bewegte sich und ich trat auf meinen verbliebenen Stock... diesmal ist er gottseidank heile geblieben, aber die Spitze war verbogen. Ob ich noch einmal mit den Teilen auf Tour gehe?

Die ersten Schweine dieses Urlaubs trafen wir ebenfalls auf dieser Etappe, einen halben Kilometer vor erreichen der Refuge.
An der Refuge trafen wir erneut uns bekannte Gesichter wieder, welche uns bereits im Nordteil davonzogen waren. Ein schöner Zeltplatz, warme duschen, faire Preise, fein.

Hier gab es noch mehr Schweine, genauer vier Viecher haben sich über den Zeltplatz her gemacht und ließen sich vom Menschen kaum aus der Ruhe bringen.


06.09.2011 Col de Verde - Refuge d'Usciolu

Heute kamen wir mal wiede pünktlich vom Platz. Der Gedanke an mindestens 1200hm ließ uns schon wieder schlimmes erahnen :bg:
Die erste halbe Stunde verlief sanft durch lichte Wälder eh es mal wieder schlagartig hinauf ging. Am Bocca d'Oro eröffnete sich uns ein wunderschönes Panorama und wenig später an der Prati Hütte konnten wir uns Ohrfeigen gestern nicht noch anderthalb Stunden weitergelaufen (gequält) zu sein. Was hätten wir von hier oben für einen atemberaubenden Sonnenaufgang erlebt.

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Traumhaft

Weiter hinauf Richtung Punta della Capella im Hauptstrom der Pratistarter kam uns eine große Schafherde samt Hütehund entgegen. Der hat einen Terz gemacht und wirklich jeden, der den Berg hochwollte gehörig Respekt eingeflößt.
Die Punta della Capella lag direkt neben dem GR20, wollte somit natürlich von uns bestiegen werden, immerhin 2041m hoch ;)
Von dort schlängelte sich der Weg mal hoch mal runter über den Bergrücken der Punta di Campitellu. Einfach nur herrliche Aussichten Richtung westen.
Ab dem Col de Laparo traf uns (oder vor allem mich) fast der Schlag, als es schon wieder nur noch eine Richtung gab, aufwärts. Unser Blick nach süden wurde für den Rest der heutigen Etappe von einer Wolkenwand versperrt, welche wirklich keinen cm Himmel hindurchließ. Hier hätte man eigentlich jeden Moment mit einem Troll oder lieber einer Fee gerechnet, welcher oder welche hinter einem Stein aus dem Nebel emporstiegen. Irgendwie ein wenig beklemmend, zugleich faszinierend und mystisch!!! Wow.
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Weniger wow schleppten wir uns zur Refuge d'Usciolu.


Diese war ebenfalls komplett in Wolken gehüllt, woduch man die Hütte von oben und später sogar von den untersten Zeltplätzen nicht sehen konnte. Wir hofften auf einen tollen Blick aufs Meer, sollten sich die Wolken heute noch einmal verziehen. Taten sie auch ein wenig, da war aber kein Meer, sondern ein uns unbekanntes Bergmassiv.

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Der Zeltplatz drohte bereits zum Nachmittag aus allen Nähten zu platzen, auf jedem noch so schiefe Zeltplatz stand zum Abend ein Zelt. Der Zeltplatz bietet übrigens mit das breiteste Angebot an Leckerein, was wir auf dem Weg sahen. HIer gönnte ich mir mein erstes (und zweites) Bier während unserer Tour :o

Antracis
28.09.2011, 21:17
Schöner Bericht, besonders gut gefällt mir die Bilder-Text-Zusammenstellung, kommt stimmungsvoll und unterhaltsam rüber. :grins:

Der Trail selbst lässt mich immer zwiegespalten zurück: Die Landschaften extrem anziehend, die überfüllten Zeltplätze extrem abschreckend. Schon komisch, habe keine Probleme, mich in wenigen Tagen in eine überfüllte 150-Personen Alpenhütte zu zwängen, aber beim Zelten ziehts mich eher in die (zumindest etwas) einsameren Gefilde.

chinaimbiss
30.09.2011, 12:15
Schöner Bericht, besonders gut gefällt mir die Bilder-Text-Zusammenstellung, kommt stimmungsvoll und unterhaltsam rüber. :grins:

Der Trail selbst lässt mich immer zwiegespalten zurück: Die Landschaften extrem anziehend, die überfüllten Zeltplätze extrem abschreckend. Schon komisch, habe keine Probleme, mich in wenigen Tagen in eine überfüllte 150-Personen Alpenhütte zu zwängen, aber beim Zelten ziehts mich eher in die (zumindest etwas) einsameren Gefilde.
Ich hatte anfangs auch so meine Bedenken bezüglich des Massentourismus am GR20. Codenascher und ich einigten uns allerdings sehr schnell darauf recht früh aufzubrechen. Und da wir auch nicht gerade langsam sind (haben jede vorgegebene Zeit teilweise deutlich unterboten) waren wir mit die ersten am Ziel und hatten quasi die freie Platzwahl.
Erstaunlich, auf welchen unmöglichen Plätzen teilweise Zelte aufgestellt wurden. Der "WAHNSINN" (Gruss an Codenascher)

codenascher
30.09.2011, 17:19
07.09.2011 Refuge d' Usciolu - Refuge d'Asinau

Lange Gehzeiten, viele Höhenmeter, also wieder sehr freüh raus aus den Schlafsäcken. Die ersten 50 Höhenmeter waren gerade bestritten, als die Sonne hinter dem Berg hervor kam. Phantastisch, die der Himmel und die Berge in der Morgenglut aussehen!!!!

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http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/Corse_11_12_-_05.jpgUnsere auf jeder Tour wiederkehrenden Schattenspiele ;)


Den Kamm des Arête a Monda einige male kreuzend, bzw. die Sonnen mit der Schattenseite wechselnd, genossen wir die erste Teilstrecke.
Hinab durch einen malerischen Buchenwald, vorbei an einer Quelle und noch schöneren Biwakmöglichkeiten ging es weiter gen süden.
Dank eines französischen Pärchens ersparten wir uns den "neuen" GR20 an dieser Stelle. Der Stein Reiseführer schweigte sich zu diesem Thema aus, der Rother zählt die alte Version gar als Variante die endlich wieder eine Bergeries an dieser Stelle an den GR20 anschließt. Liegt diese Planänderung etwa nur an der Bergeries Croce?

Auf jeden Fall sind die GR20 Markierungen hier grau übermalt und man würde, sofern man dem neuen Weg folgt das traumhafte Plateau de Coscionu verpassen und den Monte Incudine von einer anderen Seite angreifen (und theoretisch nicht den Gipfel besteigen)

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Plateau de Coscionu

Dieses Tal stellt für mich optisch das Highlite der gesamten Tour dar! Den Monte Incudine vor Augen machten wir uns an den Aufstieg, welcher zu den harmloseren des Weges zählt. Immer wieder den Blick zurück werfend erspähten wir den Monte Retondo, die Paglia Orba, und einige uns unbekannte Gipfel, Wahnsinn!

Oben angekommen war die Enttäuschung groß, da anscheinend das hier liegende Betonkreuz nicht mehr vorhanden zu sein scheint. Verbindet man dieses doch fest mit dem Monte Incudine. Oder haben wir es gar übersehen? Zumindest steht hier wieder ein großes Holzkreuz...

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CI am Gipfelkreuz des Monte Incudine

Die Sicht war auch nach süden Richtung Meer super, die Bavella Türme sowie Sardinien konnte man von hier oben sehen.

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Blick Richtung Bavella Gebiet und Meer

Kurz hinter dem Gipfel setzen die gewohnten rot-weißen Markierungen wieder ein und ein Wegweiser zeigte Richtung Refuge d'Asinau. Der Abstieg erwies sich mit seinen 600hm wie erwartet als ätzend und anstrengend heraus. Früher waren mir die Aufstiege auf Berge immer zu anstrengend, hier ist es tatsächlich umgedreht...

Der Hüttenwirt der Refuge war unglaublich unfreundlich und sein halbes Lager geräumt. Keine Cola, Schokolade, Brot - alles alle.
Dafür war der Blick auf die Bavellas von hier einmal mehr sehr sehr schön

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Blick richtung Bavella von der Asinau Hütte

Der Wind frischte unheimlich auf, sodas wir in der Sonne sitzend trotzdem Jacken überzogen. Das Zelt spannten wir vorsichtshalber mal richtig ab, und ich hoffte das erste "2 Sekunden Zelt" des Urlaubs fliegen zu sehen. Tat leider keins :ignore:


08.09.2011 Refuge d'Asinau - Conca

Nach langem hin und her entschieden wir uns heute dazu noch einmal zu doppeln. Die erste Etappe über die Bavella Alpin und dann über die Palire Hütte weiter nach Conca. CI wollte schnell ans Meer und dort mehr Zeit haben. Ich konnte ihn mittlerweile verstehen.
Dies bedeutete aber für uns rund 9 - 10 Stunden Marsch und rund 2000hm hinab. Die armen armen Knie...
Eine Stunde nach aufbruch standen wir an dem mit zwei gelben Strichen versehenen Abzweig zur alpinen Variante über die Bavella Türme. 300 - 400hm hoch, kurz an den Türmen vorbei, eine Kletterstelle, welche mit Ketten gesichert ist hinauf und dann midestens 500hm wieder herunter. Alles sehr schön, aber viel zu kurz, wodurch sich die "Strapazen" meiner Meinung nach nicht gelohnt haben...Ci gefiehls.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/Corse_11_12_-_10.jpg

Dort kamen uns eine ungeheuerlich hohe Anzahl von Tagestouris entgegen. Am Col de Bavella wussten wir auch, wo die alle herkamen. Unzählige Autos und Reisebusse (!) ließen hier ihre Gäste in die Freiheit hinaus. Und das nachdem wir uns vom Vizzavona Schock so langsam erholt hatten :P

Während einer Eispause (ja, wenn Zivilisation, dann richtig ;)) überlegten wir tatsächlich hier unsere Reise zu beenden! Taten es aber nicht, wenn GR20, dann auch komplett!!!! Um zwölf waren wir an der Paliri Hütte angekommen. Eine weitere Verschnaufpause haltend ging es strammen Schrittes weiter Richtung Conca. Hier galt es in erster Linie wieder einmal Kilometer zu schruppen. Ein kürzerer Aufstieg unterbrach unseren Lauftrott und warf uns ganz schön aus der Bahn. Die Hitze welche sich hier ohne Wind in den tieferen Lagen sammelte war absolut ekelhaft...

Ich zeterte schon wieder wie ein kleines Kind, als wir an einer traumhaften Gumpe vorbei kamen. Klamotten aus und nackig rein ins kühle Nass. Ein paar deutsche, welche uns entgegen kamen sowie das vorhin beschriebene französische Pärchen taten es uns gleich. Das war auch bitter nötig denn ohne diese erfrischende Pause währe ich wahrscheinlich nicht nach Conca gekommen.

Ein letztes mal bergauf richtung Bocca d'Usciolu, dort durch eine Breche und dann der lang ersehnte Blick auf Conca. Hier ging es wieder steil bergab!

Als wir endlich gegen 18:00h an der Gite ankamen freuten wir uns wie 2 kleine Kinder auf den Weihnachtsmann. Unsere längste und wahrscheinlich auch anstrengendste Etappe, was wir natürlich am Abend bei einigen Pietrasund leckeren Eisbechern feierten!
Die letzten kamen gegen 22:00h mit Stirnlampen auf dem Kopf am Ziel an.

Abenteuer Korsika GR20 erfolgreich und ohne Blessuren bestanden! WOOHOO :bg:

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/Corse_11_12_-_01.jpg
Am Ziel

Atze1407
30.09.2011, 17:58
Tolle Tour und schöner Bericht.

LG
Atze1407

busch-i
30.09.2011, 19:46
Danke für den tollen Bericht!

Dein Lightwave Rucksack sieht so leer aus, eine Packliste wäre spannend :-)

VG
Christopher

codenascher
01.10.2011, 10:10
Hier die Packliste:

Rucksack:
Lightwave Ultrahike 60 M
Kameratasche:
Ortlieb Aqua Zoom plus, 2 Materialkarabiner
Daypack:
SeatoSummit UltraSil Daypack

Zeltgestänge vom Hilleberg Jannu und 12 Heringe (die Planen trug CI)

Schlafsack:
Western Mountaineering Summerlite in STS Ultrasil Beutel 8l
Isomatte:
TAR Neo Air
Kochen:
Edelrid Steckkartuschenadapter (nicht benötigt)
Topf Primus Express Eta 1l
Noname Topf 1l
Kocher Primus Express, MiniBic
Esbit Titanspork
Trinkblase Source Widepac 3l
Schweizer Taschenmesser
Trinkbecher 5 Minuten Terrine (2x)
Gaskartuschen (2x)

Wetterschutz:
Regenhülle Meru
Mountain Equipment Tupilak Hardshell
Berghaus Paclite Pant
Outdoor Research Helios Sunhat
Icebreaker Beany
Odlo Liner gloves

Wechselwäsche:
Icebreaker Boxershorts
Smartwool medium hiker Socken
Icebreaker 200er Shirt
Directalpin Powerstretch Oberteil
Badeshorts Speedo
Crocs

Stöcke:
Fizan Compact

Technik:
Nikon D300s mit Tamron 17-50 2.8, Hoya Polfilter, ENel3 Ersatzakku
Petzl Tikka² XP Stirnlampe
Garmin Vista HCx mit insgesamt 6 Eneloops

Kleinkram:
Papiere, Geld, Korsika Karten, Rother Wanderführer (ab der 6. Etappe
ausgeliehen bekommen)
Hygiene, erste Hilfe Set, Karrimor Microfaserhandtuch


wog incl Tütenfutter für 12 Tage 12,5kg am Flughafen, dazu noch nen Kg fürs Gas und 3l Wasser. Die Zeltplanen nehmen etwas mehr Volumen ein, wiegen rund 2kg. Was ich durch die Küche wieder ausglich.
Zum Ende war mein Rucksack nichteinmal halb voll, deshalb sieht der am Ende auch so platt aus ;)

am Mann:
Lowa Trekkingstiefel
Smartwool medium hiker Socken
Icebreaker Boxershorts
Icebreaker 200er Shirt
Schöffel Boris Ziphose

chinaimbiss
02.10.2011, 08:29
Danke für den tollen Bericht!

Dein Lightwave Rucksack sieht so leer aus, eine Packliste wäre spannend :-)

VG
Christopher

Solche Äußerungen sind Balsam für Codenaschers Ohren! ;-)

Ich hatte nicht wirklich mehr mit, aber trotz mehr Volumen war mein Rucksack die ganze Zeit über voller als der von Codenascher. Gut, ich hatte eine viel größere Isomatte, ansonsten gleichen Schlafsack und eine vergleichbare Packliste....
Die Zeltplane nahm da natürlich sehr viel Platz weg. Das war am Anfang relativ nervig, aber irgendeiner muss sie ja tragen!

ansonsten bin ich mit meinen Abisko 75 extremst zufrieden. Hab mir den Rucksack vor der Tour neu gekauft, nachdem mein alter Deuter nach 5 Jahren (beim letzten Korsikabesuch fiel der während der Fahrt aus dem Gepäckraum des Linienbuses auf die Straße) quasi ausgedient hatte! Und wie es halt so ist, macht man sich trotz ausgiebigen Testens so seine gedanken.

Gewichtmäßig kam ich aber auf gut 2 Kg mehr. Schätze mal der wesentlichen Unterschied lag im Basisgewicht des Rucksacks und der Isomatte.

Lotta
03.10.2011, 20:49
Ein klasse Reisebericht mit wunderschönen Fotos. Ich finde es schön, dass ihr so "mutig" ward euch auf den Fotos zu zeigen, das macht die Berichte immer noch persönlicher!!
Nach Korsika muss ich wohl auch mal. Auch wenn mir der GR 20 eine Nummer zu groß erscheint ;-)!! Aber es gibt ja noch mare & monti usw.

@ codenascher
Hattest du keine Angst, dass die NeoAir ohne zusätzlichen Schutz den steinigen Boden nicht überlebt?


Liebe Grüße
Lotta

chrischian
03.10.2011, 21:59
Danke für den unterhaltsamen Bericht. :) Wir waren vor 17 Jahren im September auf dem GR20 unterwegs. Ich bilde mir ein, volle Zeltplätze am GR20 waren kein Thema. Es war nicht nötig, besonders früh da zu sein.



Woohoo, wir haben es doch tatsächlich geschafft vor 7:00h den Platz zu verlassen.


Respekt. Ich war mit 3 Frauen unterwegs. In Haute-Asco sind wir erst gegen 11:00 Uhr aufgebrochen. :( Keine Ahnung warum das so lange gedauert hat. Wahrscheinlich mussten die Rucksäcke umgepackt werden. :bg:



Der Abstieg Richtung Tighiettu bzw. Ballone Hütte war wie jeder Abstieg auf dieser Insel anstrengend. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich behaupten, die gesamte Insel bestehe nur aus Geröll und Blockfeldern... ätzend

Erst gegen 17:00 Uhr waren wir auf dem Monte-Cinto. Die Aussicht war schon nicht zu verachten. ;-) Ich musste da leider unbedingt hoch. Beim Abstieg zur Ballone Hütte wurde es dann stockdunkel, so das wir am Hang biwakiert haben.



Die Tighiettu Hütte am Weg liegen lassend sind wir direkt weiter bis zu Bergeries de Ballone. Die Gumpen, die den Weg säumten luden zum verweilen ein.

An die Gumpen kann ich mich noch sehr gut erinnern. Sie wurden ausgiebig von uns genutzt. :)

sejoko
04.10.2011, 10:33
An die Gumpen kann ich mich noch sehr gut erinnern. Sie wurden ausgiebig von uns genutzt. :)

Hallo

Ja, auch ich kann mich an die Gumpen noch sehr gut erinnern. Meine DSLR ist bei einer Badepause an einer dieser Gumpen bei einem Windstoß mitsamt Stativ mitten hineingefallen und abgetaucht. Zum Glück waren wir von Süd nach Nord unterwegs und ein Großteil der Tour lag somit bereits hinter uns.

Hatte damals schon das schlimmste Befürchtet, aber nach 2 Tagen trocknen hat die Kamera dann wieder funktioniert. Nur das Objektiv war hinüber.

Danke für den Bericht. Man fühlt sich direkt zurückversetzt auf diese wunderbare Insel.
Ich hoffe ich schaffe es auch noch mal einen Bericht unserer Tour auf dem GR20 hier zu veröffentlichen. Spätestens in den dunklen Tagen des Winters sollte sich etwas Zeit finden.

Gruß
Sebastian

busch-i
04.10.2011, 16:25
Kameratasche:
Ortlieb Aqua Zoom plus, 2 Materialkarabiner


Hat sich die Kamertaschen Kontruktion bewährt? Wie hasst du die genau am Rucksack befestigt? Ich hatte auf der letzten Tour die Kameratasche (EOS 550, gleiches Objektiv) immer an dem Brustgrut befestigt.
Fand ich doch zwischendurch ziemlich nervig...

VG
Christopher

codenascher
05.10.2011, 20:44
Danke an alle für die Blumen!



Gewichtmäßig kam ich aber auf gut 2 Kg mehr. Schätze mal der wesentlichen Unterschied lag im Basisgewicht des Rucksacks und der Isomatte.

Dafür war deine Digicam gute 1,5kg leichter :baetsch: also wären wir schon wieder bei 3 - 3,5kg.
Denk mal eher an dein Reserve Shirt, Reserve Socken fürn Heimflug, großes Duschzeug usw... ;) Da lassen sich noch immer ein paar Gramm sparen, denk mal nen Kilo wär auf jeden fall noch drin gewesen.


das macht die Berichte immer noch persönlicher!!

Nach Korsika muss ich wohl auch mal. Auch wenn mir der GR 20 eine Nummer zu groß erscheint ;-)!! Aber es gibt ja noch mare & monti usw.

Hattest du keine Angst, dass die NeoAir ohne zusätzlichen Schutz den steinigen Boden nicht überlebt?

Ohne uns auf den Bildern wärs ja irgendwie nur nen halber Reisebericht...
Du glaubst gar nicht, wer alles den GR20 gelaufen ist, wenn man es nur will, schafft ihn jeder! Andersrum ist es gut, wenn man mit dem gehörigen Respekt an die Sache herangeht, selbst wenn dies bedeutet ihn nie zu gehen. Sicher ist sicher...

Um die Neoair hatte ich keine Angst, habe sie aber nur im Zelt benutzt. Chinaimbiss hingegen hat sich einfach auf seiner Traillite in den Staub gesetzt.

Liegt aber auch daran, dass mir Globetrotter vor Reiseantritt noch ne neue Matte "spendiert" hat. Die alte hat Luft gelassen und man hat sie mir anstandslos ohne Kassenzettel (gekauft in Schottland) zurückgenommen bzw. gegen eine neue getauscht. Toll so eine lebenslange ;) Im Endeffekt ist die Neoair auch nur ein Gebrauchsgegenstand....



aber nach 2 Tagen trocknen hat die Kamera dann wieder funktioniert.
Danke für den Bericht. Man fühlt sich direkt zurückversetzt auf diese wunderbare Insel.
Ich hoffe ich schaffe es auch noch mal einen Bericht unserer Tour auf dem GR20 hier zu veröffentlichen. Spätestens in den dunklen Tagen des Winters sollte sich etwas Zeit finden.

Bitte bitte ;)

Gut das deine Kamera wieder funktioniert hatte, wär echt schade um die Bilder welche uns dann entgangen wären...
Wir werden dich an den Reisebericht erninnern :baetsch:


Hat sich die Kamertaschen Kontruktion bewährt? Wie hasst du die genau am Rucksack befestigt? Ich hatte auf der letzten Tour die Kameratasche (EOS 550, gleiches Objektiv) immer an dem Brustgrut befestigt.
Fand ich doch zwischendurch ziemlich nervig...

VG
Christopher

Hat sich bewährt. Ich habe die Tasche einfach mit zwei Materialkarabinern an den Beckengurt gemacht. Ich stell morgen mal ein Bild ein. Gerade bergauf war es schon ein wenig nervig, da die Tasche ständig am Oberschenkel anlag, bzw. dagegen gehauen ist. Vor der Brust ist für mich aber keine Option... Auf der nächsten Tour (Samstag gehts ja schon wieder los, freu freu freu ) werde ich die Tasche wieder so tragen.

Sven

codenascher
05.10.2011, 21:13
Übrigens wirds ja mal langsam Zeit für ein abschließendes Fazit!

Irgendwie habe ich die Insel mit geteilter Meinung verlassen. Einerseits: Die Berge super, die Aussichten grandios, das Wetter phantastisch, die Mentalität der Korsen naja ;) ein paar echt nette Bekanntschaften kennengelernt (nein, nett ist nicht die kleine Schwester von Sch.... liebe Grüße an Therese, Simon und Bernhard)
Der Nervenkitzel an einigen Hängen, Graten, Schluchten genial. Ich weiß auf jeden Fall durch diesen Urlaub, dass es mich ungemein doll Richtung Berge zieht! Mal sehen obs nächstes Jahr schon mit den ersten 3 - 4000ern klappen wird :bg:

Was mir persönlich nicht so gefiel war irgendwie die Insel.... hört sich komisch an, logo. Im speziellen störte mich eigentlich nur das trockene und der viele Staub. Kakteen, Macchia, bissl Pinien, Mittelmeer halt... schöner finde ich es eben in Skandinavien, Schottland und solchen Ländern. Die letzten zwei Tage verbrachten wir bei Bastia am Meer. Der erste war ganz nett, am zweiten langweilten wir uns bereits... ich frag mich immer wieder, was den Menschen zu einem Strandurlaub hinreißt... :bg:
Ich habs mal erlebt, bereue es in keinster Weise und bin dennoch einfach nur stolz auf uns!!!

Kommen wir zu dem "uns". Chinaimbiss und ich sind im richtigen Leben seit nunmehr 15 Jahren beste Freunde, da wird sich bestimmt auch nie was dran ändern!!! Aber zwei Wochen auf nicht einmal 4qm mit einem schnarchendem etwas sind schon ne harte Probe für mich gewesen. Aber eben gut gemeistert, gerne verbringe ich auch die nächste Tour zwei Wochen mit dir in einem Zelt ;) hehe

Dies war meine zweite Tour über zwei Wochen. Letztes Jahr in Schottland war ich solo unterwegs, genoss alle Vorteile des Solowanderns. Kein warten nach dem Aufstehen, kein warten auf dem Weg, kein geschnarche, kein "Wahnsinn" - ein Wort, welches von mir zum Unwort des Jahres Gekürt wird, da zum Ende unserer Tour eigentlich alles "Wahnsinn" war... der Himmel, der Ausblick, der Grashalm, der Regenwurm... so in etwa... grrr
Trotzdem hat es mit dir super viel Spaß gemacht ;)

Dieses Jahr wars halt was neues, zum runterkommen sozusagen gehts am Samstag wieder Solo nach Schottland! Woohoo

Bis auf meinen einen zerbrochenen Fizan, mal wieder, hat uns beide kein Ausrüstungsgegenstand enttäuscht oder gar im Stich gelassen. Sehen wir von stinkenden Kunstfaser Shirts mal ab... Der Lightwave Rucksack trug sich mit 15 - 16kg einwandfrei, der Summerlight Schlafsack ist ein Traum, das Zelt stand wie eine eins. Was will man mehr?






Salut la Corse - Je t'aime

Lotta
05.10.2011, 21:39
Im Endeffekt ist die Neoair auch nur ein Gebrauchsgegenstand....
Das stimmt schon, aber irgendwie traue ich meiner alten ProLite 4 mehr zu. Die Neoair finde ich sowieso nicht so bequem. Ich habe jedenfalls die Liebe zu meiner alten Matte neuentdeckt, auch wenn die NeoAir durch ihr Packmaß besticht :grins:

Als Nordlicht habe ich es mit steilen Abhängen und ausgesetzten Stellen nicht so. Scheine da eher wie Chinaimbiss zu sein :-). Aber vielleicht traue ich mich es irgendwann doch noch...

Ganz viel Spaß in Schottland!!!

Nikon
06.11.2011, 10:28
5sterne der Bericht gefällt mir!

Wir planen für Sommer 2012 auch eine GR 20 Tour.
Ein paar Fragen an dich:
- du schreibst, dass ihr ein französischen Paar getroffen habt, die euch die alten Variante der Etappe zw. Usciolo und Asinao gezeigt haben.
Wir möchten uns die neue Variante auch gerne sparen.
Weißt du die Schlüsselstelle noch, wo genau die alte Variante abzweigt?
- wir werden eine Hüttentour machen. Kannst du mir berichten, wie es am Col de Verde, in Vizzavona u. am Col de Verghio mit Hüttenplätzen aussieht - mein Wanderführer schweigt sich darüber ziemlich aus.
Stimmt es dass Col de Verde u. Col de Verghio sehr hässliche Orte für Nächtigungen sind?
Die Bergerien bieten ja keine Schlafplätze an, oder?

Merci beaucoup!:bg:

codenascher
06.11.2011, 11:18
Zur Qualität der Hütten kann ich dir leider keinen Tip geben, da wir gezeltet haben. dennoch:

Vizzavona - Hier gibt es neben der Refuge eins zwei kleinere Hotels, als wir dort ankamen bekam der liebe Bernhard allerdings kein Zimmer (alles ausgebucht, ob dies mit der Hochzeit zusammenhing weiß ich natürlich nicht, im Zweifel vorreservieren)

Col de Verde - Hier stehen einige kleine Blockhäuser, sah nett aus. Sollte passen

Col de Verghio - hier gibts ein Hotel, einen verstaubten Zeltplatz, Hüttenplätze Hab ich nicht wargenommen. ABER: eindeutig der unschönste Fleck auf der gesamten Tour! Bitte schnell dran vorbeigehen ;)


Zur Schlüsselstelle:
Aus dem malderischen Buchenwald kommend lauft Ihr an einigen breiten begrasten Stellen vorbei, hier gibt es auch eine Quelle. Der Weg geradeaus wird quasi unterbrochen und ihr steht an einem Holzhinweisschild, welches euch nach rechts führen will. Hier solltet ihr euch links halten und gute 50 - 100m weiter findet ihr die erste grau übermalte Wegmarkierung. Alle Wegmarkierungen durch das Tal sind übermalt, nicht wundern. Ich empfehle euch folgende korsische Karte:

http://www.amazon.fr/travers-montagne-corse-FFRandonn%C3%A9e/dp/2751404650/ref=sr_1_23?ie=UTF8&qid=1320574275&sr=8-23

Die benutzten quasi alle Franzosen dort, super Teil! Dort sind beide Varianten perfekt eingezeichnet.

Welchen Wanderführer nutzt ihr denn?

Sven

Nikon
06.11.2011, 12:26
Hi Sven!

Wir nutzen vorerst den Rother Wanderführer, aber den im Stein Verlag werde ich mir auch noch besorgen.
Danke für deine sehr hilfreichen Tipps hinsichtlich Unterkünfte u. Variante Usciolo nach Asinao.
Der Kartentipp ist natürlich auch prima!

Eine Tour planen ist immer eine spannende Sache.:bg:

hugsforhikers
23.12.2011, 10:12
Sehr schöner Bericht! Ich hab' gesehen dass wir den gleichen Rucksack (Ultrahike) und wahrscheinlich auch die gleiche Kameratasche (Ortlieb Aqua Zoom) haben. Mich würde mal interessieren wie du die Aqua Zoom am Ultrahike befestigst? Ich habe die Tasche bei mir gerade mit zwei Karabinern am Hüftgurt (Bilder (http://hugsforhikers.com/blog/2011/12/18/mit-dslr-auf-trekking-tour/)), war aber noch nicht auf längeren Touren so unterwegs. Traust du dem Ultrahike zu, dass die Schnalle am Hüftgurt das hält? Oder bin ich zu optimistisch? ;)