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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [US] Hayduke Trail 2009- Zu Fuß durch Wüsten und Canyons des Colorado Plateaus



Wildniswanderer
14.09.2011, 21:20
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Vorbereitungen

Meine Yukon- Tour im Jahr 2008 war ein schönes, aber nass- kaltes Vergnügen.
Daher suche ich für 2009 eine Gegend die deutlich wärmer und trockener ist.

Ohne bereits ein konkretes Ziel vor Augen zu haben, entdecke ich eines Tages im Internet eine Seite, die Fernwanderwege in den USA auflistet. Einer der Trails fesselt mich sofort: Dieser sogenannte „Hayduke Trail“ führt über mehr als 1000 Kilometer durch den Süden Utahs und die Grand Canyon Region Arizonas. Abenteuergeist und Fantasie entflammen, als ich lese, dass es sich dabei keineswegs um einen markierten Wanderweg handelt, sondern lediglich um eine imaginäre Route, die viele der größten Naturschönheiten der Region miteinander verbindet. Ein Großteil der Strecke muss weglos zurück gelegt werden, wobei häufig in Schluchten gewandert wird.

Die Idee ist geboren, aber vor der Umsetzung muss noch eine ganze Reihe von Problemen gelöst werden….

Gute Karten sind natürlich bei einer weglosen Route in der Wüste extrem wichtig. Möchte man allerdings topographische Karten für die gesamte lange Strecke kaufen, kostet das ein Vermögen, abgesehen davon würde das Volumen der Karten auch den Rucksack sprengen…
Würde ich immer genug Wasser finden? Wie kann ich die wertvolle Flüssigkeit für wasserlose Abschnitte von zwei Tagen im Rucksack verstauen?
Welches ist die beste Reisezeit? Werde ich andere Hayduke- Wanderer treffen?
Welche Schuhe sind in der Hitze noch halbwegs angenehm zu tragen und können dem rauen Gelände Stand halten?
Fragen über Fragen für deren Beantwortung mir noch einige Monate bleiben...

Nachdem ich mich etwas mit dem Thema beschäftigt habe,erfahre ich was die besten Zeiten für eine Wanderung auf dem Hayduke sind: Es kommen das zeitige Frühjahr oder der frühe Herbst in Frage. Im Frühling sind die Temperaturen noch nicht zu hoch und in einigen Canyons fließt Wasser aus der Schneeschmelze auf den umliegenden Bergen. Im Herbst sollen dagegen die Wasserstellen von den Gewitterregen des Hochsommers wieder aufgefüllt sein. Nun, für das Frühjahr würde die Vorbereitungszeit nicht reichen, also läuft alles auf einen Start im September hinaus.

In der Zwischenzeit habe ich auch eine Lösung für das Kartenproblem gefunden. Statt unzähligen Papierkarten kaufe ich mir eine CD des Bundesstaates Utah, die einen Großteil meiner geplanten Strecke abdeckt. Daraus die Route zu basteln und dann schließlich auszudrucken bedarf unzähliger Stunden am PC. Ich plane nach wie vor lieber auf Papier!

Schließlich habe ich die Planung abgeschlossen.
Am 29.8 2009 startet schließlich mein Flug in die USA.


Vor dem Start

Als ich an der Tankstelle von Green River aus dem klimatisierten Greyhound Bus steige, trifft mich die Hitze wie ein Hammer. Unvorstellbar hier mit schwerem Rucksack über 1000 Kilometer zu laufen! Na gut, der Mensch kann sich an vieles gewöhnen und ich bin ja nicht zum ersten Mal unter heißen Bedingungen unterwegs.

Schon der Flug in die USA war eher ungewöhnlich. Aus Kostengründen bin ich mit Indian Airlines geflogen, was an sich nichts Besonderes ist.
Aber außer mir sind eigentlich nur Inder an Bord! So verwundert es mich dann auch nicht weiter, dass es indisches Essen und Bollywood Filme gibt.

In Chikago muss ich umsteigen und durchlaufe mal wieder die kompletten amerikanischen Einreiseprozeduren inklusive Foto und Erstellung von Fingerabdrücken. Dabei sind die Grenzbeamten aber typisch amerikanisch freundlich und locker, so dass das Ganze nicht wirklich unangenehm ist.

Nachdem Chikago von oben noch Grün und „europäisch“ wirkt, fliegen wir über die flachen Weiten des Mittleren Westens mit den riesigen, schachbrettförmig angeordneten Farmen. Erst kurz vor Salt Lake City, der Hauptstadt Utahs lichten sich die Wolken dann wieder und geben Blicke frei auf das von hohen Bergen umgebene, dicht besiedelte große Becken in dem die Stadt liegt.

Als ich mit dem Taxi die vorgebuchte Unterkunft erreiche, erwarten mich zwei Überraschungen: Ein Zettel in deutscher Sprache in meinem Rucksack verrät, dass meine beiden Feuerzeuge aus Sicherheitsgründen konfisziert wurden! Nicht weiter schlimm, Feuerzeuge lassen sich überall auf der Welt kaufen.

Nerviger finde ich, dass mein Ladegerät für die Fotoakkus nicht an die amerikanischen Steckdosen passt, und ich auch keinen Adapter dabei habe. Da ich Salt Lake City früh am nächsten Morgen verlassen will, kann ich nur hoffen, in Moab, dem Startpunkt meiner Wanderung einen Adapter zu finden.

Noch im Dunkeln bringt mich ein Taxi am nächsten Morgen zur Greyhound Busstation. Alle Schalter sind geschlossen, aber etliche Menschen haben es sich auf den Holzbänken bequem gemacht und offenbar dort die Nacht verbracht.

Viele der Leute wirken auf den ersten Blick nicht gerade vertrauenerweckend, was nicht weiter verwunderlich ist. Im autoverliebten Amerika fahren nur die ärmsten Leute mit dem Bus. Die Greyhoundbusse verbinden die größten Städte und halten unterwegs auch an einigen Punkten, ansonsten ist es mit dem öffentlichen Nahverkehr nicht weit her.

Schließlich kann ich mein Ticket kaufen und bin froh, dass ich meinen Rucksack nicht abgeben muss. Bei einer anderen Tour in Texas vor einigen Jahren, bei der ich den Rio Grande im Schlauchkajak befahren wollte, kam mein Boot, dass ich an der Busstation abgeben musste erst zwei Tage später an…

Dass hier raue Sitten herrschen, merke ich auch beim Einsteigen in den Bus. Ein Schild verkündet, dass die Passagiere jederzeit durchsucht werden können….
Wir fahren zunächst durch die Ausläufer der Wasatch Range, und bei einer Pause auf einem Parkplatz weht ein erstaunlich kühler Wind.
Wie eingangs geschildert, sieht das in Green River aber ganz anders aus. Ab hier muss ich per Anhalter weiter fahren und bitte daher PKW Fahrer an der Tankstelle um eine Mitfahrgelegenheit. Die uniformierte Fahrerin des Greyhound Busses bemerkt meine erfolglosen Bemühungen und bietet mir an, mich noch ein Stück weit zum Highway mitzunehmen, wo meine Chancen per Anhalter weiterzukommen besser stünden.

Als ich wieder im Bus sitze erweist sich die Fahrerin dann sogar als noch großzügiger und nimmt mich bis Crescent Junction mit, von wo es nicht mehr weit bis Moab ist. Kaum vorstellbar, dass ein deutscher Busfahrer von der Autobahn abfährt um einem Passagier einen guten Standort zum Trampen zu verschaffen!

Mein Glück setzt sich fort, kaum stehe ich an der Straße als ein Pick-up anhält. Der Fahrer, ein Navajo- Indianer mit seiner Familie war in Idaho und ist jetzt auf dem Rückweg nach Arizona. Neben der Mitfahrgelegenheit schenken mir die freundlichen Leute sogar noch eine Apfelsine. Nachdem wir eine staubige Ebene durchfahren haben, überqueren wir den Colorado River und sind bald darauf in Moab angelangt.

An einer Tankstelle verlasse ich den Pick- up und sehe mich etwas um. Der Ort erstreckt sich über Kilometer entlang der Straße, aber ein Zentrum kann ich zunächst nicht ausmachen. Jetzt gegen Mittag Ende August ist es hier glühend heiß, daher will ich nicht lange nach einer Unterkunft suchen.

Ein kleines Motel namens Adventure Inn, das offenbar zu keiner Kette gehört sticht mir ins Auge. Da Jim, der freundliche Besitzer gerade keine anderen Gäste zu bedienen hat, unterhalten wir uns ein wenig. Zwar hat er noch nie etwas vom Hayduke Trail gehört, obwohl dieser doch offiziell ganz in der Nähe, im Arches Nationalpark beginnt, aber er ist auch gerne draußen und liebt das Reisen.

So nutzt er auch die vier Monate im Jahr, in denen sich nur wenige Touristen nach Moab verirren zu Touren in Länder wie Thailand und Neuseeland, wo er auch Klettern geht.
Ein Jahr lang hat er sogar mal Wanderungen mit kriminellen Jugendlichen in den Henry Mountains unternommen, die auch auf meiner Route liegen.
Meist ging es dabei recht friedlich zu, einmal gab es allerdings eine Revolte, bei der die Jugendlichen ihre Betreuer fesselten…

Jim hat ein Zimmer für mich, und gibt mir auch Tipps, wo ich meine Vorräte einkaufen und den fehlenden Adapter erwerben kann.
Als ich später in den Ort gehe, stelle ich fest, dass es doch ein deutlich erkennbares Zentrum voller Cafes, Bücherläden und kleiner Geschäfte gibt. Klar ist Moab sehr touristisch geprägt, aber hat auch eine wirklich nette Atmosphäre in der man durchaus eine Zeit lang „abhängen“ könnte.

Der Citymarkt des Ortes ist erstaunlich groß und gut sortiert. So etwas sollte ich auf meiner Tour so schnell nicht wieder finden…
Neben den Vorräten erwerbe ich im Visitor Center auch noch einige Karten die meine Ausdrucke ergänzen sollen.
Nachdem ich in kurzer Zeit meine Besorgungen erledigt und mir eine große Pizza gegönnt habe, breche ich zu einer Erkundung der Umgebung des Ortes auf, vor allem auch um morgen früh gleich ohne langes Suchen unmittelbar auf den Hayduke Trail zu laufen.

Es dauert nicht lange, bis ich die letzten Holzhäuser des zwar ausgedehnten aber recht kleinen Orts hinter mir gelassen habe. Ich gelange zu einem Hinweisschild über die „Mather Wetlands“. Hier in unmittelbarer Nähe von Moab liegt das größte Feuchtgebiet des Colorado Plateaus. Der Kontrast der hohen grünen Pappeln und üppigen Weidendickichte zu der staubtrockenen Umgebung ist frappierend. Schmale Pfade durchziehen das Gebiet, welches bis an den Colorado reicht. Stellenweise wachsen viele wilde Sonnenblumen.

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Sonnenblumen in den Mather Wetlands

Zweimal beobachte ich Maultierhirsche ganz in der Nähe. Sie ähneln den europäischen Rehen, sind aber viel größer. Ihren Namen verdanken sie ihren großen Ohren.
Schließlich gelange ich ans Ufer des Colorado, wo morgen meine Hayduke Trail Wanderung beginnen soll. In der Ferne ragen die hohen Gipfel der La Sal und Abajo Mountains auf.

Zwar ist die Hitze ziemlich intensiv, aber ich bin jetzt schon etwas optimistischer, dass ich mit ihr klar kommen werde.

Zurück in Moab genieße ich noch einmal die Annehmlichkeiten der Zivilisation mit Eiscreme und gutem Essen in einem Straßenrestaurant. Überall höre ich deutsche Stimmen. Die Gegend ist offenbar bei meinen Landsleuten ziemlich beliebt. Aber man sieht auch am Straßenrand geparkte Harleys, mit denen meist ältere Amerikaner ihr Land erkunden.

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Moab

1. Von Moab zur Needles Outpost

Nachdem ich auf dem Zimmer mein Müslifrühstück gegessen habe, verlasse ich das Motel noch vor Sonnenaufgang. Ein halber Mond strahlt von einem klaren Himmel. Noch wirkt Moab wie ausgestorben, aber schon bald treffe ich einige Walkerinnen die die Morgenkühle zu einem Spaziergang nutzen.
Nach weniger als einer Stunde bin ich wieder am Colorado, an der Stelle bis wohin ich gestern bei meiner Erkundung gekommen war.

Es macht zwar nicht besonders viel Spass, auf der das Ufer begleitenden, asphaltierten Kane Creek Road zu laufen, aber zumindest sind noch kaum Autos unterwegs.
Der Uferbewuchs wird von den ursprünglich aus Asien stammenden Tamarisken gebildet, die fast undurchdringliche Dickichte bilden können, wie ich heute noch erfahren sollte…
Da sie auch alle anderen Pflanzen verdrängen, versucht man sie zu bekämpfen. Zu diesem Zweck wurde hier das Coloradoufer stellenweise abgebrannt.
Vieles hat in der Umgebung Moabs mit dem Tourismus zu tun, ob markierte Mountainbiketrails, einfache Campingplätze des BLM (Bureau of Land Management, eine Behörde die dem Staat gehörende Offenlandflächen verwaltet), oder eine Farm auf deren Weiden Lamas grasen.

Es gibt hier aber auch sehr überraschende Nutzungen. Ein Mann mit dem ich mich kurz unterhalte, erzählt mir, dass er einen großen Felsüberhang zu einer Höhle ausgebaut hat, in der er 2500 Hühner hält!
Als die Sonne schließlich das Flusstal erreicht, erstrahlen die gegenüberliegenden, glatten Felswände in einem warmen Rot.

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Morgen am Colorado

Nachdem die Straße sich vom Colorado in einen Seitencanyon abwendet, ist sie nicht mehr asphaltiert. Leider scheint der Schotter an einigen Stellen ausgebessert zu werden, denn gelegentlich donnern Lastwagen mit Steinmaterial an mir vorbei.

Der Hayduke Trail wurde von den Amerikanern Mike Coronella und Joe Mitchell entwickelt. Nach zwei jeweils über drei Monate langen Erkundungstouren in den Jahren 1998 und 2000 stand ihr Konzept für eine 1300 Kilometer lange Wildnisroute vom Arches Nationalpark in der Nähe von Moab quer über das Coloradoplateau bis zum Zion Nationalpark. Wasser ist der Schlüsselfaktor in dieser wüstenhaften Region, daher legten die Beiden die Route so, dass sie halbwegs verlässliche Wasserstellen miteinander verbindet. Ein Großteil der Strecke verläuft dabei abseits von Wegen, häufig in Canyons, Teilstücke wurden aber auch über vorhandene Wege, meist einsame Schotterpisten geführt.

Teile der Etappe von Moab zum Canyonlands Nationalpark verlaufen über solche Schotterpisten, was ich zwar zum Laufen langweilig, aber zum Eingewöhnen an die Bedingungen des Hayduke Trails ganz gut finde.

Den Führer den Mitchelll und Coronella geschrieben haben, führe ich als Kopie mit mir, daher bin ich schon auf eine Sehenswürdigkeit am Wegrand gespannt, von der sie schreiben.

Schließlich habe ich den Felsen unmittelbar am Rand der Schotterstraße entdeckt, der von Anasazi Zeichnungen übersät ist. Die Anasazi waren Indianer die das Colorado Plateau besiedelt hatten, aber um das Jahr 1200 aus bislang nicht völlig erklärten Ursachen die Gegend verließen.
Offenbar wird hier eine Geburtszene dargestellt, daher auch der Name „Birthing Scene Pictograph“. Ich kann mir nicht helfen, auf mich wirken die Zeichnungen ziemlich merkwürdig und makaber. Aber man muss wohl ein Kenner der Anasazi Kunst sein, um sie richtig zu interpretieren….

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Geburtsszene- Anasazi Felskunst

Aus Moab hatte ich nur 2,5 l Wasser mitgenommen, daher bin ich froh, als ich an die
erste Wasserstelle meiner Tour gelange. Bei den Kane Springs rinnt herrlich kühles Wasser direkt aus der Sandsteinwand. Solche „Dripping Springs“ entstehen, wenn Wasser in der Wand auf eine Stauschicht trifft. Kaum zu glauben, welch herrliches Grün aus Moosen und Farnen ein bischen Wasser bewirken kann! Besonders schön finde ich auch den Namen „hängende Gärten“ für solche Wunder der Natur.

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Kane Spring

Nachdem ich meinen Wasservorrat wieder auf 2,5 Liter aufgefüllt habe, gehe ich weiter. Bis zurück zum Colorado hinter dem Hurrah Pass sind es nur einige Kilometer, daher gehe ich davon aus, dass mir das Wasser reicht. Darin sollte ich mich täuschen…

Bald lasse ich Kane Canyon hinter mir und gerate in die unbarmherzig brennende Sonne. Ausgerechnet jetzt ab 10.30 steht mir der lange Aufstieg zum Hurrah Pass bevor. In langen Serpentinen klettert die Piste empor. Ich war davon ausgegangen, dass hier in der Nähe von Moab viele Mountainbiker, Jeepfahrer etc. unterwegs sind, aber nur selten passiert mich ein motorisiertes Vehikel.

Was auf den ersten Blick als relativ gleichförmige Sandsteinebene wirkt, entpuppt sich von oben als Labyrinth ineinander verschlungener Canyons. Und in solchem Gelände soll ich häufig ohne Weg und Steg querfeldein laufen?
Gegen Mittag habe ich den Pass erreicht, einen Einschnitt zwischen den Sandsteinfelsen.

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Hurrah Pass

Die Gegend wirkt unter der grellen Mittagssonne ziemlich leblos. Umso erstaunlicher finde ich, dass in der Colorado Ebene ein großer, blauer See zu schimmern scheint. Erst später erfahre ich, dass es sich um ein ausgedehntes Gelände handelt, in dem Pottasche gewonnen wird, Kaliumcarbonat, das als Rohstoff beispielsweise für die Farbherstellung dient.

Bevor ich mich an den Abstieg mache, lasse ich es mir aber nicht nehmen, den in der Umgebung des Passes versteckten Geocache zu suchen. In Deutschland hatte ich meine Route auf solche „Schätze“ untersucht und festgestellt, dass es abseits der Orte nur sehr wenige gibt. Gut, der Hurrah Pass ist jetzt nicht soweit von Moab entfernt, daher wird er wohl auch ab und zu mal gefunden. Nachdem ich einige Zeit gesucht habe, gelingt es auch mir das Röhrchen in seinem Felsversteck zu finden.

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Hurrah Pass Geocache

Bis auf einen geringen Rest habe ich bereits mein Wasser ausgetrunken, was solls, der Colorado ist ja bereits in Sichtweite…
Die Piste führt auf der anderen Passseite bergab. Bald gelange ich an eine Kreuzung. Ist es die im Führer genannte? Jedenfalls verläuft der Weg weiter Richtung Colorado. Der Führer beschreibt, dass man hier an den Colorado gelangen kann, um Wasser zu schöpfen.

Bald finde ich auch tatsächlich eine Stelle die günstig erscheint. Es geht nur ein Stück weit runter, dann gelange ich in eine staubige Ebene unweit des Colorado. Das einzige Problem ist, dass zwischen mir und dem Fluss noch ein breiter Gürtel von Tamarisken erstreckt. Noch bin ich zuversichtlich, bald eine Lücke zu finden um zum Fluss zu gelangen. Aber egal in welche Richtung ich laufe, überall erweist sich das Buschwerk als ernste Barriere.

Schließlich stürze ich mich in das Gebüsch hinein. Nach wenigen Metern muss ich erkennen, dass ich hier nicht weiter komme. Zu dicht verwachsen sind die Tamarisken. Dazu kommen viele umgebrochene oder am Boden entlang kriechende Büsche, die das Ganze in einen absoluten Hindernisparcours verwandeln. Zwar erscheint der Fluss ziemlich nah, aber auch nur 100 Meter des Tamariskengebüsches zu durchqueren erscheint als fast unmögliche Kraftanstrengung.

Immer wieder unternehme ich Versuche den Buschgürtel zu durchqueren, gebe aber jedes Mal wieder rasch auf. Klar, wenn es gar nicht anders geht und ich kurz vorm Verdursten wäre, gäbe es irgendwie ein Vorwärts Kommen, trotz blutiger Beine. Doch zunächst entferne ich mich wieder vom Fluss und laufe auf den Sandsteinfelsen oberhalb des Colorado. Ich hoffe einen Einschnitt zu finden, der mich zum Fluss bringt. Inzwischen habe ich kein Wasser mehr und werde in der sengenden Hitze immer durstiger.

Ich finde auch einige Seitencanyons die zum Fluss führen, aber auch ihre Mündungen sind voll von den undurchdringlichen Gebüschen. Nach unzähligen Versuchen ans Wasser zu gelangen, fällt mir schließlich ein, dass ich beim Abstieg vom Hurrah Pass ein Gebäude in Flussnähe gesehen habe.

Also gehe ich ein weites Stück zurück bis zu dem ersten Abzweig von der Piste. Die Anstrengungen haben mich stark austrocknen lassen und der letzte Tropfen ist schon vor langer Zeit durch meine Kehle geflossen.
Schließlich gelange ich in die Nähe der Gebäude.Tom Higginson, der Besitzer der Base Camp Lodge, um die es sich hier handelt, bedeutet mir näher zu kommen und bietet mir erst einmal Wasser an. Meine Kehle ist so ausgetrocknet, dass ich zunächst nur noch Krächzen kann, bis ich einige Liter Wasser runtergespült habe.

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Base Camp Lodge

Tom hat zur Zeit keine Gäste, daher lädt er mich ein, bei ihm zu übernachten, was ich gerne annehme. Bei einem kleinen Rundgang durch sein Gelände erzählt er mir etwas über sein Leben. Tom ist siebenundfünfzig und hat 23 Jahre damit verbracht, als selbstständiger Unternehmer Hallenfußballplätze zu bauen. Während dieser Zeit hat er sich kaum einen Tag Urlaub gegönnt. Dann hat er vor drei Jahren die Lodge gekauft und sich hier in der Wüste nieder gelassen. Eigentlich will er keine Touristen mehr unterbringen und macht daher auch keine Werbung für sein Unternehmen, dennoch hat er häufig Gäste. Mit denen durchstreift er die Umgebung auf der Suche nach Bighornschafen, verleiht Kajaks und Geländemotorräder. Seiner Frau war die Gegend zu einsam, weshalb Tom jetzt geschieden ist. Immerhin teilen sich ein zutrauliches Kaninchen und eine große, aus Afrika importierte Schildkröte die Umgebung mit ihm.
Obwohl er ja eigentlich nur noch die Ruhe genießen will, bastelt er ständig etwas Neues. So hat er mittlerweile auch einige Lehmhäuser gebaut, die den Hogans der Navajoindianer nachempfunden sind.

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Tom vor seinem Hogan

Dass Tom sich in der Natur der Canyons auskennt, merke ich bald an seinen kundigen Erläuterungen über versteinertes Holz und Pflanzen die Wasser enthalten.
Häufig sieht er Bighornschafe in der Umgebung. Dann und wann heulen Coyoten und einmal konnte er sogar einen Puma beobachten.
Unmittelbar vor Sonnenuntergang nehme ich ein Bad im herrlich kühlen Colorado und wasche mir Schweiß und Staub des Tages ab.
Die Luft kühlt sich kaum ab, daher genießen wir die herrliche Umgebung umflattert von Fledermäusen mit einem Bier aus Toms Vorrat. Da Tom auch Telefon, Fernsehen und Internet hat, ist er doch nicht ganz so isoliert wie mir zunächst schien.
Einen kleinen Wermutstropfen gibt es aber doch: Tom hat mich zum Abendessen eingeladen und angekündigt, dass es Fischstäbchen gibt. Die sind zwar o.k, aber nur Fisch ohne jede Beilage ist denn doch etwas dürftig für einen hungrigen Wanderermagen.
Tom erzählt, dass er schon dann und wann Wanderer aufgenommen hat. Aber in diesem Herbst bin ich offenbar der erste Hayduke Wanderer der hier vorbei kommt.
Da es Tom zu Folge auf dem nächsten Abschnitt des Hayduke kein Wasser gibt, und auch der Führer nur eine sehr unsichere Wasserstelle beschreibt, mache ich mir große Sorgen, insbesondere nach der Erfahrung des heutigen Nachmittags, die mir gezeigt hat, wie schnell man hier vollkommen austrocknen kann. Als Tom mir anbietet mit seinem Geländemotorrad etwas Wasser für mich zu deponieren, nehme ich sein Angebot gerne an.

Feurio
15.09.2011, 10:30
Grandios! Schön, wieder einen deiner erstklassigen Reiseberichte zu lesen!

Wildniswanderer
15.09.2011, 21:41
Am nächsten Morgen möchte ich meine leichten Platyphus Wasserbehälter füllen. Dabei stelle ich fest, dass einer der Säcke bereits jetzt ein Loch hat und daher unbrauchbar ist. Wenn diese Behälter sich als so empfindlich erweisen, habe ich ein ernstes Problem, denn auf dem Hayduke Trail werde ich häufig darauf angewiesen sein, viel Trinkwasser für lange wasserlose Abschnitte zu transportieren.

Ich starte mit 5,5 Litern Wasser im Rucksack, Tom will weitere zwei Säcke mit 5 Litern auf dem Trail für mich deponieren. Nachdem ich mein Müslifrühstück gegessen habe, starte ich noch in der Dämmerung um die relative Kühle des Morgens voll auszunutzen.
Bald ist es hell und ich kann noch einmal Ausblicke auf den Colorado genießen.

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Die Piste verläuft zunächst auf einer Terrasse oberhalb des Flusses. Überall ragen die Sandsteintafelberge auf. Irgendwann entdecke ich auch das Autowrack in einem trockenen Bachbett, wo Tom zu Folge der Zugang zum Colorado möglich ist. Allerdings ist die Stelle erheblich weiter entfernt als im Führer beschrieben.

Nach einiger Zeit überholt mich Tom mit seinem Geländemotorrad. Ich kann nur hoffen, dass ich die Stelle finden werde, wo er meine Beutel deponiert. Denn als sich die Piste vom Fluss entfernt ist ihr Verlauf plötzlich nicht mehr zu erkennen! Obwohl mir Tom davon erzählt hatte, und ich eigentlich die Motorradspuren sehen müsste, benötige ich einige Zeit bis ich den richtigen Weg in einen Canyon hinein gefunden habe. Häufig verläuft die Piste hier über den nackten Fels ausgetrockneter Bachbetten, daher ist ihr Verlauf oft kaum zu erkennen. Wahrscheinlich fährt auch nur höchst selten hier jemand entlang, und schon gar nicht zu dieser heißen Jahreszeit.

Noch im Canyon begegne ich Tom, der bereits auf der Rückfahrt ist. Seine Fahrt verlief nicht ganz ereignislos: Als er los fahren wollte, riss ihm der Benzinschlauch ab, glücklicherweise konnte er ihn mit Duct Tape wieder befestigen, traute seiner Konstruktion aber wohl nicht ganz, da er mit meinem Wasser nicht sehr weit gefahren ist. Wäre er nicht losgekommen, wäre ich irgendwann wohl umgekehrt, denn meine 5,5 Liter hätten niemals für die zwei wasserlosen Tage mit denen ich rechne gereicht…

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Tom hat ein Wasserdepot für mich angelegt

Schon gegen Mittag erreiche ich das Depot. Tom hatte die beiden Säcke einfach unmittelbar neben der Piste deponiert. Bis jetzt habe ich erst einen Liter Wasser getrunken. Ich möchte so eine Situation wie gestern, bei der ich am Ende ohne einen Schluck Wasser dastand nicht noch einmal erleben, und teile mir die Flüssigkeit daher sehr sorgfältig ein. Am Ende jeder Stunde trinke ich einen Schluck.

Die Blicke auf „Island in the Sky“, einen Bezirk des Canyonland Nationalparks über dem Zusammenfluß von Green River und Colorado wären sicher atemberaubend, leider ist die Atmospäre ziemlich dunstig, was Tom zu Folge an großen Waldbränden in Kalifornien liegt.

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Blick zur „Island in the Sky“

Stunde um Stunde quäle ich mich über die langweilige Piste. Wie gesagt, dies ist einer der wenigen Abschnitte mit ausgedehnter Streckenführung über Pisten. Zum Einlaufen vielleicht nicht schlecht, und wenigstens gibt es hier keinen Verkehr, aber dennoch kann ich kaum erwarten weglos die Wildnis zu durchqueren.

Gegen 16.30 verlasse ich die Staubpiste und gelange bald in einen kleinen Canyon, der zunehmend an Tiefe gewinnt. Laut Führer soll es hier eine Quelle geben, aber ich entdecke nicht einmal die Spuren einiger Wassertropfen. Damit hatte ich gerechnet, also kein Grund zur Panik.

Ein Stück weiter schlage ich bei einer überhängenden Felswand mein Lager auf. Es sieht nicht nach Regen aus, daher beschließe ich einfach auf meiner Matte im Sand zu schlafen. Etwas Feuerholz für meinen Hobo- Kocher ist rasch gefunden, so dass ich mir bald eine gute Portion Spaghetti kochen kann.

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Einfache Wildnisküche

Auch als es dunkel wird, ist es noch so warm, dass mir das Inlett meines Schlafsacks als Decke reicht.
Mein GPS zeigt an, dass ich heute 28 Kilometer in Luftlinie von der Basecamp Lodge zurück gelegt habe. Da die tatsächlich gelaufene Strecke natürlich viel länger war, bin ich zufrieden mit dem Tag, obwohl ich jetzt totmüde bin.

Als ich nach meinem Müslifrühstück zusammen packe, habe ich noch drei Liter Wasser. Nicht viel, aber die nächste Quelle in Lockhart Canyon ist nach dem Führer nicht allzu weit entfernt...

Zunächst komme ich gut im Canyon voran, bis ich an einen steilen Absturz gelange. Ist das schon die Stelle von der es im Führer heißt, man soll nicht hinab klettern, sondern nach oben zum Canyonrand steigen? Ich bin nicht sicher, aber eigentlich dürfte der besagte Steilabfall noch ein Stück entfernt sein. Also suche ich mir eine Route, auf der ich den senkrechten Absturz umgehen kann und setze bald darauf meinen Weg im Canyon fort. Kurz danach stehe ich aber schon am Rand der nächsten Steilstufe.

Eigentlich hatte ich ja die Koordinaten des Punktes an dem ich den Canyon verlassen muss in meinem GPS gespeichert, aber jetzt mache ich den Fehler mein Navigationssystem nicht anzuschalten. Nun, ich kann keine gangbare Route ausmachen, also denke ich dies wird schon der Absturz sein, an dem ich den Canyon verlassen soll.

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Blick vom Rand eines Absturzes in das Seitental des Lockhart Canyon

Der Führer sagt, dass die Route auf einer Stufe oberhalb des Canyons weitergeht. Zunächst folge ich auch dem Verlauf der relativ ebenen Stufe oberhalb des Talgrunds. Aber bald komme ich auch hier nicht mehr weiter. Immer wieder versperren mir senkrechte Wände den Weg. Ich klettere mühevoll weiter nach oben bis zur nächsten Stufe. So geht es mir auch hier. Zunächst scheint es, ich käme weiter, aber dann endet auch dieses Band. Nach weiteren Klettereien bei denen ich einmal sogar meinen Rucksack abnehmen muss, erreiche ich schließlich tatsächlich das Plateau oberhalb der Schlucht, deren Verlauf bis zur Einmündung in den Lockhart Canyon ich von oben nachverfolgen kann.

Nirgendwo kann ich auch nur eine eventuell mögliche Route in den jetzt sehr tief unter mir liegenden Canyon ausmachen. Aber dort unten liegt die nächste Quelle, die ich jetzt dringend benötige, da ich nur noch zwei Liter Wasser habe. Ich unterdrücke Anflüge von Panik und wäge meine Optionen ab. Versuche ich doch noch einen Weg nach unten zu finden, ist das sicher mit großer Gefahr abzustürzen verbunden. Außerdem würde ich bei einem Scheitern soviel Wasser verbraucht haben, dass ich meine zweite Option nur unter großen Schwierigkeiten umsetzen könnte.

Diese zweite Möglichkeit besteht nämlich darin, über das Plateau zur Piste zurückzukehren, und diese dann mit einem riesigen Umweg bis zum Oberlauf des Lockhart Canyon zu laufen. Wenn ich Lockhart Canyon erreicht habe, würde ich dann versuchen, die in einem Seitencanyon versteckte Quelle zu finden. Da mir auch gestern kein Fahrzeug auf der Piste begegnet ist, halte ich es für sehr unwahrscheinlich heute einem Menschen zu begegnen.

Bei Temperaturen die sicher um 40 Grad liegen, ist man sehr schnell dehydriert, wie ich vorgestern am Colorado festgestellt habe. Und zwei Liter Wasser sind bei diesen Temperaturen schnell getrunken…

Der Entschluss zur Piste zurückzukehren ist schnell gefasst. Es bleibt auch keine Zeit zu verlieren, da die Hitze immer gnadenloser wird. Jetzt Anfang September sind die Temperaturen einfach noch zu hoch. Kein Wunder dass fast alle Hayduke Wanderer den Weg im kühleren Frühjahr begehen.

Glücklicherweise begegnen mir auf dem Plateau keine weiteren Hindernisse mehr, so dass ich nach einiger Zeit wieder die Piste erreiche.
Normalerweise habe ich nie Probleme mit Blasen an den Füßen, aber hier sieht das aufgrund der Hitze anders aus. An beiden Füßen musste ich schon aufgescheuerte Stellen mit Blasenpflaster bedecken.

Nach wie vor trinke ich nur einen kleinen Schluck nachdem eine Stunde vergangen ist, aber es fällt mir immer schwerer mich davor zurückzuhalten eine große Menge auf einmal zu trinken.

Die Monotonie der Piste wird durch einige Tierbegegnungen aufgelockert. Zunächst sehe ich zweimal große, gelbgefleckte Eidechsen mit schwarzen Halsringen. Dann erschreckt mich ein aggressives Rasseln. Eine Klapperschlange liegt nur 50 Zentimeter von mir entfernt auf der Straße, schlängelt sich aber rasch davon. Zwar sind mir Klapperschlangen schon häufiger zuvor begegnet, nichts desto trotz löste das Rasseln erst einmal einen kleinen Schock aus.

Um 12.45 erreiche ich endlich die Mündung des Lockhart Canyon. Ich habe nur noch einen halben Liter Wasser und weiß, dass jetzt nichts mehr schief gehen darf…
Ich habe auch weder Satellitenhandy noch Notsender dabei, über die ich mich im äußersten Fall retten lassen könnte…

Mittlerweile habe ich Kopfschmerzen und bin so müde, dass ich in kurzen Abständen pausieren muss. Ich habe einfach zu wenig getrunken, und leide jetzt an den ersten Symptomen der Hitzeerschöpfung. Obwohl ich bei Tom viel getrunken hatte, war mein Körper nach dem wasserlosen Nachmittag am Colorado wohl so ausgetrocknet, dass ich das Defizit nicht ausgleichen konnte.

Wenn ich jetzt die Möglichkeit hätte, würde ich die Tour beenden. Kurz gesagt, ich bin stark demoralisiert.

Ich bin erst zwanzig Minuten im sandigen Bett des Lockhart Canyons unterwegs, als ich meinen Augen kaum zu trauen wage: Auf der linken Seite der Schlucht scheint Wasser zu fließen! Ich haste dort hin, und augenblicklich durchströmen mich unglaubliche Glücksgefühle: Hier fließt tatsächlich ein dünnes Rinnsal durch den Sand! Weder die weiße Salzkruste, die giftig- grünen Algen noch die zahlreichen Kaulquappen stören mich, ich lasse mich auf den Bauch fallen und sauge gierig die warme Flüssigkeit in mich hinein!

Schließlich ist mein erster Durst gestillt und ich erkunde die Umgebung. Bereits nach wenigen Metern ist das Rinnsal wieder im Sand versickert und taucht auch nicht wieder auf. Aber etwa 100 Meter weiter oberhalb entdecke ich die Quelle. Hier steigt herrlich kühles, wohlschmeckendes Wasser auf!

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Das rettende Rinnsal in Lockhart Canyon

Die Verfasser des Führers schreiben, dass sie diese Quelle nicht lokalisieren konnten. Umso glücklicher schätze ich mich das Wasser gefunden zu haben.

Ich schlage mein Lager in der Nähe auf, koche und ruhe mich erst einmal aus. Vor allem aber trinke ich wie ein Kamel! Aufgrund des großen Umweges habe ich heute nur 5 Kilometer Luftlinie zurückgelegt.

Später breche ich zu einem kleinen Erkundungsgang auf. Dabei merke ich, wie schwach ich nach wie vor bin. Ganz in der Nähe stoße ich auf die Ruine einer Hütte. Wahrscheinlich ist die Quelle permanent und die Hütte wurde von Viehzüchtern benutzt, die ihr Vieh im Canyon weiden ließen.
Ich gelange auf eine ebene Stufe oberhalb der Schlucht, von der sich herrliche Blicke in die weitere Umgebung eröffnen.

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Manchmal hat die Erosion bizarre Sandsteinskulpturen hinterlassen. Wo Wasser ist, ist auch Leben. So kann ich ein kleines Hörnchen, einen Raben und einen Steinschmätzer in der Nähe beobachten.
Natürlich gibt es hier auch Eidechsen.

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Bereits jetzt, lange vor Einbruch der Dunkelheit fliegt eine kleine Fledermaus auf der Jagd nach Insekten umher.
Gegen 18 Uhr beginnt es unvermittelt zu regnen. Schnell packe ich meine Sachen unter einen schützenden Überhang. Zwar fallen nur wenige Tropfen, aber etwa zwei Stunden lang, scheint es so, als könne auch mehr Regen fallen.
Schließlich klart es jedoch wieder auf, und es ist beinahe ebenso trocken wie zuvor.
Schöne Farbspiele bieten sich mir dar, als die Sonne den verhangenen Himmel durchbricht.

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Am nächsten Morgen geht es mir wieder besser und ich bin voll neuer Energie. Noch in der Dämmerung breche ich auf, und habe bald wieder die Piste erreicht, die ich gestern verlassen hatte.

Etwa fünf Kilometer laufe ich weiter auf der Straße ins Lockhart Basin, dann wird es spannend. Hier beginnt eine weglose Partie, die mich zum Rustler Canyon führen soll. Ohne lange auf meinen Kompass und die Kartenausschnitte die ich mitführe zu schauen, beginne ich meinen Marsch querfeldein. Das flache, sandige Bachbett, beginnt bald sich einzutiefen und ich gelange in einen Canyon. Zweimal liegt eine kurze Kletterpartie vor mir, um steile Abstürze zu umgehen. Erst nach etwa einer Stunde schalte ich mein GPS ein, und bestimme meinen Standort auf der Karte. Sofort durchfährt mich ein Schreck. Ich habe tatsächlich das Kunststück vollbracht, in das falsche Canyonsystem abzubiegen! Hier geht es weiter zum Horsethief Canyon, nicht aber zu meinem Ziel dem Rustler Canyon. Zwar ärgere ich mich über meine Ignoranz, aber mir bleibt keine andere Wahl als den Rückweg anzutreten. Zwei Stunden umsonst!

Auf einem Felsen sehe ich eine etwa 60 cm lange Klapperschlange. Leider verkriecht sie sich, bevor ich bereit zum Fotografieren bin.
Zurück an der Straße gehe ich nur noch ein kleines Stückchen weiter und habe damit die Wasserscheide zum Rustler Canyon überschritten. Dass ich diesmal richtig bin, zeigen mir bald einige nur noch undeutlich erkennbare Fußspuren. Wer sollte hier langgehen, außer verrückten Hayduke Wanderern? Die Spuren stammen wahrscheinlich aus dem Frühjahr. Dennoch beruhigt es mich ein wenig, dass offensichtlich auch schon andere Menschen diesen Weg eingeschlagen haben.

Die Bestätigung richtig zu laufen, erhalte ich, als ich an einen hohen Absturz gelange, der im Führer beschrieben ist. Dass es nur auf der linken Seite möglich sein könnte, diesen zu umgehen, ergibt sich aus der Topographie. Dennoch suche ich eine Weile nach einer möglich erscheinenden Abstiegsroute. Als ich ein Steinmännchen finde, weiß ich dass ich die richtige Stelle gefunden habe. Und wie im Führer beschrieben, erweist sich der Abstieg als einfacher als es von oben zunächst schien.

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Der Absturz auf dem Weg zum Rustler Canyon
Über den Rustler Canyon gelange ich gegen Mittag zum Indian Creek. Der Hayduke Trail folgt von hier aus einer anderen Route, die bei den trockenen Verhältnissen zur Zeit aber wohl kaum machbar wäre. Ich möchte dagegen dem Indian Creek über eine weite Strecke folgen und schließlich die Etappe an der Needles Outpost beenden. Doch zunächst trifft mich mal wieder ein harter Schock: Laut Führer ist der Indian Creek ein fließendes Gewässer. Als ich jetzt an die Einmündung des Rustler Canyon in den Indian Creek gelange, kann von fließendem Wasser keine Rede sein, im Gegenteil, das Bachbett ist staubtrocken!

Nun, ich hoffe dass in geschützten Mulden irgendwo noch etwas Wasser zurückgeblieben ist, und beginne daher „bachaufwärts“ zu laufen. Dass der Grundwasserspiegel nicht allzu tief sein kann, zeigen Pappeln, die vereinzelt hier anzutreffen sind.

Jetzt gegen Mittag ist die Hitze wieder erbarmungslos. Nach jeder kleinen Biegung hoffe ich ein Wasserloch zu finden, aber lange Zeit werden meine Hoffnungen enttäuscht. Dann entdecke ich doch noch das erste Wasser. Leider ist es eine algenbedeckte, stinkende Brühe. Ganz so schlecht geht es mir noch nicht, dass ich dieses Wasser trinken würde!

Ein Stück weiter habe ich mehr Glück. Zwar würde man normalerweise auch dieses Wasser nicht trinken, aber nachdem ich vorsichtig die obere Algenschicht zur Seite geschoben habe ist die Flüssigkeit halbwegs genießbar.

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Mein erstes „Trinkwasserloch“ im Indian Creek

Als ich damit beginne, Wasser aus dem Loch zu schöpfen, erwecke ich die Bewohner der Pfütze zum Leben. Wohl im Glauben, dass es endlich wieder regnet und somit bessere Zeiten anbrechen, verlassen einige Kröten die die Trockenheit im Schlamm eingegraben verbracht hatten, ihre vorübergehende Heimat.

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Kröten verlassen das Wasserloch]

Mir ist zwar etwas komisch zu Mute, aber was solls, trinken muss ich, und besseres Wasser werde ich vielleicht nicht mehr finden. Außerdem bin ich sowieso der Meinung, dass man seinen Magen durchaus auch an nicht so einwandfreie hygienische Verhältnisse gewöhnen sollte, weshalb ich mir das Entkeimen des Wassers spare.

Gegen halb Vier beende ich satt, mit Wasserbauch und gut erholt meine Siesta und laufe weiter das Bett des Indian Creek hinauf. Meistens geht es zwischen vielen Steinen hindurch, es gibt aber auch sandige und tonige Stellen. Ab und zu gelange ich noch einmal an ein Wasserloch, einmal fließt der Bach sogar über eine kurze Strecke um danach wieder zu versickern. Kaum ist etwas Wasser da, sind auch schon einige schön gefärbte Libellen zur Stelle. Das satte Grün der Pappeln bildet schöne Kontraste zum rötlichen Gestein des Canyons.

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Indian Creek

Natürlich möchte ich mein Lager auch in Wassernähe aufschlagen und habe Glück, dass ich rechzeitig ein schönes, recht sauberes Wasserloch finde, in dessen Nähe die überhängende Felswand geradezu einlädt, hier zu übernachten.

Der melodische, leicht melancholische Gesang des Canyon Zaunkönigs erfüllt die Stille der Schlucht. Etliche Fährten verraten, dass es auch die Tiere hier zum Wasser zieht. Wahrscheinlich stammen die meisten Fährten von Maultierhirschen, aber leider bekomme ich keinen zu Gesicht.

Ich habe heute knapp 13 Kilometer in Luftlinie zurück gelegt und bin sehr zufrieden. So macht mir das Wandern Spass. „Querfeldein zu laufen“ ist zwar anstrengend und erfordert oft ziemlich viel Aufmerksamkeit, ist dafür für mich aber viel interessanter als stundenlang über monotone Pisten zu gehen.

Neben den Lederstiefeln die ich beim Wandern trage, hatte ich auch noch leichte Turnschuhe dabei. Diese habe ich aber heute bereits zurück gelassen. Je weniger Gewicht ich schleppen muss, desto leichter fällt mir das Gehen. Allerdings sollten noch genügend Gelegenheiten kommen, wo die Turnschuhe sehr praktisch wären…

Noch bevor es dunkel ist, jagen etliche Fledermäuse in meiner Nähe. Heute sieht es nicht nach Regen aus, daher kann ich eine weitere Nacht unter dem Sternenhimmel verbringen.

Im Schein meiner Stirnlampe laufe ich schon um kurz nach 6 Uhr in den beginnenden Tag hinein. Bald ist es hell und ich kann das klare Licht und den ungetrübten, blauen Himmel der frühen Stunden genießen. Die Wasserlöcher befinden sich weiterhin in weitem Abstand zu einander. Ich beobachte einen Hasen und einen großen Greifvogel. Es ist herrlich für mich, sich hier als Entdecker zu fühlen, der ins Unbekannte vorstößt ohne Zeichen von anderen Menschen vorzufinden.

Diese Freude wird allerdings getrübt, als ich auf einen markierten Offroad Trail stoße. Hier dürfen sich Geländewagenfahrer und andere motorisierte „Outdoorliebhaber“ austoben. Glücklicherweise ist heute alles ruhig.

Schließlich verrät mir mein GPS, das ich an der Stelle bin, wo ich Indian Creek verlassen muss, um über Land zur Needles Outpost zu laufen. Ich hatte den Wegpunkt dafür aus der TOPO Software genommen. Leider sieht es in der Realität hier etwas anders aus, als in der Karte. An der vorgesehenen Stelle verhindern Steilwände meinen Ausstieg. Was solls, suche ich mir halt meinen eigenen Weg.
Das funktioniert auch mit lediglich zwei kurzen, harmlosen Klettereinlagen ganz gut, und schließlich kann ich noch einmal zurück in die Schlucht des Indian Creek schauen.

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Hier verlasse ich den Indian Creek

Jetzt, außerhalb der Schlucht ergeben sich herrliche Blicke zu den markanten Felsnadeln im Canyonlands Nationalpark und über die weiten Sandsteinmassive der Umgebung. Es ist sehr heiß, aber ich habe vom Indian Creek genügend Wasser mitgenommen, so dass ich häufig trinken kann. Die kahle Hochfläche ist einfach zu durchqueren und ich laufe weiter auf ein Bergmassiv zu. Der Aufstieg erweist sich als unschwierig. Auf dem glatten Sandstein wachsen vereinzelt Pinyon Pines, eine anspruchslose Kiefernart, deren Samen essbar sind.
Meine Blicke werden besonders vom Six Shooter Peak angezogen, einem markanten Inselberg aus dem sechs Felsnasen ragen.

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Six Shooter Peak
Schließlich sehe ich direkt unter mir mein Ziel, die Needles Outpost. Allerdings sieht der Abstieg keineswegs so einfach aus, wie meine Aufstiegsroute auf das Plateau.
Der Sandstein fällt in mehreren Stufen, die jeweils von ziemlich steilen Wänden begrenzt werden ab.

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Wie komme ich hier runter?

Glücklicherweise hat der Sandstein eine griffige, raue Oberfläche, so dass auch sehr steile Stufen noch bewältigt werden können, wenn man sich eine günstige Route sucht. Zugegeben, an einigen Stellen, bekomme ich schon ziemlich feuchte Hände, woran nicht nur die Hitze schuld ist…
Doch schließlich habe ich es geschafft und stehe am Fuß der Steilwand.

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Am Fuß der Steilwand

Jetzt sind es nur noch wenige Schritte und ich habe mein erstes Etappenziel, die „Needles Outpost“ erreicht. Hier in der Nähe der Grenze zum Canyonlands Nationalpark haben Gary und Tracy eine Mischung aus Tankstelle, Campingplatz, Laden, Kneipe und Restaurant aufgebaut.

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Die Needles Outpost

Ich trete ein und berichte voller Stolz über meine erste Etappe auf dem Hayduke Trail. Außer mir ist nur noch ein anderer Gast anwesend. Ich erfahre, dass ich in diesem Herbst der erste Hayduke Wanderer bin, der hier eintrifft. Das ist auch kein Wunder, denn nach dem was Gary erzählt, war dies der trockenste Sommer seit 10 Jahren. Für gewöhnlich füllen hier die Sommergewitter, die als Ausläufer der Hurrikans vom Golf von Mexico heranziehen, die Wasserspeicher der Wüste wieder auf. In diesem Jahr hat es bisher noch kein Gewitter gegeben!

Ich benötige noch eine Erlaubnis, ein sogenanntes „Backcountry Permit“ vom Besucherzentrum des Canyonlands Nationalparks, daher muss ich mich beeilen dort anzukommen, bevor es schließt. Aber ich habe Glück, der andere Gast, der sich auch an der kurzen Unterhaltung beteiligt hat, bietet mir an, mich dorthin zu fahren.

Ich nehme mir kaum Zeit, dass wie immer in Amerika interessant gestaltete Visitor Center zu erkunden, sondern bringe gleich meinen Wunsch vor, ein Backcountry Permit zu erhalten. Der Ranger, der sich um mich kümmert ist sehr nett und gibt mir einige Tipps. Ich erfahre, dass er morgen auch den Salt Creek, meine geplante Route hochlaufen will.

Mit dem Permit in der Tasche laufe ich die etwas drei Kilometer zur Outpost rasch querfeldein zurück. In der Ebene die ich durchquere, gibt es viel trockenes Gras, mit unangenehm stachligen Samen.

Zurück an der Outpost genieße ich erst mal einen wohlschmeckenden Burger mit Pommes und Salat. Den Abschluss meines Festtagmenüs bildet dann eine große Portion Eiskreme. Während Gary offen und sympathisch wirkt, erscheint mir Tracy etwas „merkwürdig“, obwohl auch sie mich gut behandelt.

Dann kaufe ich in dem Laden der Outpost meine Vorräte für die nächste Etappe. Obwohl die Auswahl etwas beschränkt ist, finde ich doch alles was ich benötige. Als mir Tracy dann die Gesamtrechnung präsentiert, bin ich zunächst etwas schockiert über ihre Höhe. Als ich dies zu erkennen gebe, gibt mir Tracy dann aber noch einen deutlichen Preisnachlass.

Auf dem mit Tischen und Bänken ausgestatteten Campingplatz bin ich der einzige Gast. Nachdem ich mein Zelt aufgeschlagen habe, genieße ich die bitter nötige heiße Dusche und wasche meine Wäsche.

Die Outpost hat sogar einen Internetanschluss. Als ich darum gebeten hatte, einige mails schreiben zu dürfen, wurde mir dieser Wunsch von Tracy jedoch abgelehnt mit dem Hinweis, dass sei ein rein privater Anschluss. Dafür durfte ich ihr in Google Earth aber zeigen wo ich wohne!

Als ich später noch einmal zum Laden gehe, ist nur Gary zugegen, und er lässt mich prompt seinen Computer benutzen!
Später taucht dann ein satter Vollmond die Landschaft in sein silbriges Licht.

Mika Hautamaeki
18.09.2011, 17:02
Der Bericht liest sich super. Bitte schnell weiter schreiben!

fechter
19.09.2011, 10:30
Bin auch gespannt...

Wildniswanderer
19.09.2011, 20:58
2. Needles Outpost- Young Canyon- Needles District

Noch vor Sonnenaufgang bin ich wieder unterwegs, zunächst wieder querfeldein über die weite Ebene am Salt Creek. Der Bewuchs ist stellenweise erstaunlich dicht.
Die Felsmassive der Umgebung erstrahlen im sanften Morgenlicht.

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Als ich die Salt Creek Road, eine Sandpiste erreiche, kommt bald ein Jeep des Nationalparkservice vorbei. Drinnen sitzt Brad, der Ranger der mir gestern mein Permit ausgestellt hat. Er lässt sich am Ende der Piste absetzen und will dann ebenfalls den Salt Creek hoch wandern.
Häufig verrät mir ein tiefes Brummen, dass winzige Kolibris, die ich manchmal auch ausmachen kann, vor Blüten im Schwebflug in der Luft stehen. Eine dünne, schwarze Schlange mit Zick- Zack Zeichnung auf dem Rücken schlängelt sich vor mir über die Piste.
Am Peekaboo Zeltplatz endet die Piste, lediglich ein schmaler Pfad führt weiter. Obwohl auch der Salt Creek trocken ist, kann man die Vegetation hier fast üppig nennen. Eine Vielzahl bunter Blumen und blühender Sträucher erfreut meine Augen.

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Der Weg ist sehr abwechslungsreich. Eher trockene Abschnitte wechseln sich mit fast dschungelartigem Bewuchs aus Weiden, Schilf und hohem Schachtelhalm ab.
Immer wieder eröffnen sich schöne Aussichten auf die bizarren, braun- beigen Felsformationen.

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Im fast dschungelartigen Bewuchs ist der Pfad oft kaum zu erkennen

Obwohl dieser fantastische Weg im Canyonlands Nationalpark verläuft und gut zu erreichen ist, treffe ich heute nur dreimal andere Wanderer. Einer davon ist ein etwas aufgebrachter Engländer. Ranger Brad wollte sein Permit kontrollieren, da er keines hatte, erhielt er eine Strafe von 100 Dollar. Das Permit hätte ihn nur 5 oder 10 Dollar gekostet!
Gegen Mittag färbt sich der Himmel dunkel und es beginnt zu donnern. Kommt jetzt endlich die Regenzeit?

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Ein Gewitter zieht auf

Es regnet etwa eine Stunde lang, immerhin so stark, dass ich mir meine leichte Regenjacke überziehe, aber schon bald ist das Gewitter weitergezogen, und rasch ist es ebenso trocken wie zuvor.
Nach dem Regen erstrahlt die Landschaft in klaren Farben.

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Nach dem Regen

Immer wieder verblüffen mich die Kontraste zwischen üppiger Blütenpracht und stachligen Kakteen in unmittelbarer Nachbarschaft.

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Astern

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Kakteenfrüchte

Am späten Nachmittag erreiche ich den in meinem Permit für die heutige Übernachtung vorgesehenen Zeltplatz S 4. Hier wartet zu meiner Überraschung der Ranger Brad Masterson, den ich gestern im Besucherzentrum getroffen hatte. Dort hatte er mir erklärt, dass es an dem Zeltplatz Wasser gäbe. Als er heute hier eingetroffen war, musste er leider feststellen, dass das ein Irrtum war, trotz der vorhandenen üppigen Vegetation ist das Bachbett völlig ausgetrocknet. Tatsächlich hatte ich heute bisher nur eine gute Wasserstelle entdeckt.

Nun, es ist noch nicht sehr spät, daher schlage ich vor, dass ich zu einem anderen Zeltplatz mit sicherem Wasservorkommen weiter gehe. Das lehnt Brad allerdings ab, da der Platz schon an eine andere Gruppe vergeben worden ist.
Der Ranger besteht darauf, dass ich hier zelte, bietet mir aber an, meine Wasserbehälter irgendwo aufzufüllen und dann zurückzukehren. Das kommt für mich nicht in Frage, daher deponiere ich den größten Teil meines Gepäcks in dem vorhandenen bärensicheren Container aus Stahl und folge dann Brad den Salt Creek weiter aufwärts. Zu meinem Erstaunen erfahre ich, dass es hier tatsächlich Schwarzbären gibt, die besonders die Kakteenfrüchte als Delikatesse schätzen, wie uns ihre Hinterlassenschaften auf dem Pfad manchmal verraten.

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Schwarzbärenkot voller Kakteensamen

Brad hofft, dass wir an der Einmündung des West Fork Salt Creek Wasser finden. Leider ist es auch dort völlig trocken. In der Nähe kontrolliert der Ranger eine Fotofalle. In erster Linie sollen mit den Bildern Informationen über die Schwarzbären des Salt Creek gesammelt werden, aber auch jedes andere Tier, das die Infrarotschranke durchquert wird aufgenommen.

Der Hayduke Trail verläuft ab der Outpost auf einer anderen Route, aber das was ich über den Salt Creek im Internet gelesen hatte klang so interessant, dass ich es vorzog ihm zu folgen und dann später wieder auf den Hayduke zu stoßen. Ursprünglich hatte ich vorgehabt dem West Fork zu folgen, aber Brad rät mir davon ab. Es gibt kein Wasser und ihm sind zwei Gruppen bekannt, die den schwierigen Ausstieg aus dem Canyon nicht geschafft haben, und daher umkehren mussten.

Brad ist ebenso alt wie ich und wir verstehen uns gleich sehr gut. Nachdem er vier Jahre in Japan englisch unterrichtet hatte, arbeitet er jetzt bereits seit einigen Jahren für den Nationalpark Service, und hat als Ranger schon einige Parks kennen gelernt.
Im Herbst möchte er mit seiner Frau, die auch im Nationalpark arbeitet nach Europa. Ich gebe ihm meine e- mail Adresse, und tatsächlich, im November besuchen mich die Beiden in Hessen!

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Der Ranger Brad

Schließlich erreichen wir Lower Jump, dieser tiefe Pool trocknet Brad zufolge niemals aus! Ein riesiger, schwarzer Salamander schwimmt darin.

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Lower Jump, eine verlässliche Wasserstelle am Salt Creek

Nachdem wir unsere Wasservorräte aufgefüllt haben, treten wir den langen Rückweg an. Wir müssen uns etwas beeilen, um noch vor Einbruch der Dunkelheit zurück zu sein. Es ist ein herrlicher Abend, an dem die untergehende Sonne die Felswände erglühen lässt.

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Brad will sein Lager in der Nähe der Fotofalle aufschlagen, daher lege ich das letzte Stück des Weges alleine zurück. Zwar ist es bereits fast dunkel, als ich S 4 erreiche, aber bald geht der volle Mond auf. Das Zelt aufschlagen erspare ich mir, koche aber natürlich noch auf meinem Hobo.

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Ein schöner, abwechslungsreicher Tag geht zu Ende.

slarti
20.09.2011, 10:33
Sehr interessanter Bericht.

Kleine Korrektur im ersten Teil: Pottasche ist Kaliumcarbonat (vgl. engl.: potash -> potassium für Kalium). Calciumcarbonat ist typischerweise Kalk oder Kreide.

Wildniswanderer
20.09.2011, 19:28
Danke für die Anmerkung, Korrektur ist bereits durchgeführt!

Wildniswanderer
22.09.2011, 21:18
Noch vor Sonnenaufgang will ich wieder aufbrechen, doch leider leuchtet meine Stirnlampe nur noch schwach, die Batterien sind wohl erschöpft.
Nach einer Stunde bin ich wieder an der Wasserstelle Lower Jump, in dessen Nähe drei Amerikaner zelten, mit denen ich mich kurz unterhalte.
Heute ist die Landschaft zunächst viel offener und weniger dicht bewachsen als gestern. Ich kann mich kaum an der herrlichen Landschaft mit ihren kühnen Felsen satt sehen.

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Im oberen Salt Creek Tal

Die Camper hatten mir von Anasazi Ruinen und Felszeichnungen erzählt, die ich jetzt ansteuern möchte. Doch zunächst gelange ich zum Upper Jump, wo fließendes Wasser eine wunderschöne Oase hervorgezaubert hat. Bald danach treffe ich auf eine Anasazi Behausung.

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Anasazi Behausung

Kaum zu glauben, dass diese Behausung schon vor 800 Jahren aufgegeben wurde. Die Anasazi bauten Mais an, ergänzten aber ihre Nahrung auch durch Früchte und Wildfleisch. An andern Orten veranlasste wohl die zunehmende Trockenheit ihre Abwanderung. Aber was war in diesem üppigen Tal mit seinen permanenten Wasserstellen die Ursache? Man kann nur spekulieren. Die Hopi Indianer in Arizona und New Mexico sind offenbar die Nachfahren der Anasazi.

Der Pfad verlässt das Tal und führt bergaufwärts. Als ich bei einem natürlichen Felsbogen ankomme, frage ich mich zunächst wo der Weg weiter führt. Natürlich mitten durch den Bogen hindurch!

Wenig später gelange ich an eine Felswand vor der eine Munitionskiste im Sand steht. Solche Kisten werden häufig als Verstecke für Geocaches benutzt, also öffne ich sie. Zu meiner Überraschung enthält die Kiste die Beschreibung für die berühmte Felszeichnung „All American Man“ von der mir die Camper erzählt hatten. Ich folge der Beschreibung und sehe dann das Bild hoch oben in einer Felsnische.
Meine Verblüffung kennt keine Grenzen, diese Zeichnung ähnelt wirklich sehr stark der amerikanischen Nationalflagge. Und was soll die Antenne am runden Kopf der marsmännchenähnlichen Figur? Das Ganze ist sehr erstaunlich, aber es ist erwiesen, dass die Zeichnung von den Anasazi vor hunderten von Jahren gemalt wurde, und nicht etwas ein Alien Freak sich hier einen Scherz erlaubt hat!

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"All american Man"

Ich habe gelesen, dass es im Salt Creek Tal noch zahlreiche weitere Hinterlassenschaften der Anasazi gibt. Es wäre sicher faszinierend hier länge Zeit zu verbringen und nach den Spuren der rätselhaften Indianer zu suchen.

Der Weg führt zurück in das offene Tal und gegen Mittag gelange ich an „Kirks Cabin“. Ein früher Pionier hat an diesem wunderschönen mit fließendem Wasser gesegneten Platz seine Blockhütte errichtet. Zwar lebt auch Tom Higginson als Einsiedler in der Wüste, aber immerhin verfügt er über Motorfahrzeuge, Strom und Internet. Wie die Isolation wohl auf diesen frühen Siedler im 19. Jahrhundert gewirkt hat?

Ich nutze die Gelegenheit zu einem Bad im herrlich frischen Wasser und koche während meiner langen Mittagsrast. Während Wasser hier im Salt Creek Tal kein großes Problem war, wird es jetzt wieder längere Zeit dauern bis ich an die nächste Wasserstelle gelange. Daher fülle ich meine Behälter mit 10,5 Litern Wasser auf.
Doch zunächst gelange ich keineswegs in trockene Wüste, sondern in ein üppiges Sumpfgebiet voller Riedwiesen und hoher Schachtelhalme.

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Üppige Vegetation in trockener Wüste!

Offenbar fühlen sich die Schwarzbären hier besonders wohl, denn überall stoße ich auf Fährten und Kot von ihnen. Dagegen ist der Pfad über weite Strecken kaum mehr zu erkennen. Einmal schlage ich offenkundig einen falschen Weg ein, und lande in fast undurchdringlichem Gehölz. Doch schließlich habe ich den Bereich mit der dichten Vegetation durchquert und gelange an die Grenze des Canyonlands Nationalparks worauf ein Schild hinweist.

Laut meiner Karte soll von hier ein Wanderweg etwa fünf Kilometer weit zu einer Forststraße auf einem Plateau führen. Allerdings ist von einem Wanderweg nichts zu sehen. Was solls, in dem trockenen Bachbett eines Nebenarms des Salt Creek komme ich gut vorwärts, nur an 2 Abstürzen ist eine kleine Kletterpartie gefragt.

Dann endet das gemächlich ansteigende Tal aber vor einer ziemlich steilen Wand, so dass es zunächst scheint, als wäre hier ein Weiterkommen nicht möglich. Nun, so einfach gebe ich nicht auf, und lasse zunächst meinen Rucksack zurück um vielleicht doch eine mögliche Route zu finden. Was von unten kaum möglich erschien, entpuppt sich dann aber als doch gar nicht so schwer. Schon beim ersten Versuch finde ich eine Route auf das Plateau, die auch mit meinem schweren Rucksack gangbar ist. Von oben blicke ich zurück auf das Tal, dem ich zunächst gefolgt bin.

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Blick zurück

Obwohl ich nur einige Höhenmeter zurückgelegt habe, wächst hier oben bereits eine andere Vegetation, ein lichter Wald aus niedrigen Utah Wacholdern und Pinyon Pines.

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Niedriger Nadelwald wächst auf den Plateaus

Ich laufe noch ein Stück nach Kompass in „meine“ Richtung und schlage dann erstmals auf der Wanderung mein Zelt auf. Na ja, eigentlich ist es eher ein Tarp, da es weder Moskitonetz noch Boden hat, und auch die Seiten offen sind. Dafür ist es mit nur einem Bogen und vier Häringen rasch aufgestellt und wiegt nur wenig.

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Mein Zelt kommt zum ersten Mal zum Einsatz
Sonnenuntergang und Vollmondaufgang zaubern schöne Stimmungen hervor.

Am nächsten Morgen stoße ich einige Male auf Steinmännchen, die zeigen, dass hier offenbar doch eine Wanderroute verläuft. Diese scheint aber nicht mehr benutzt zu werden, denn obwohl ich sorgfältig danach Ausschau halte, verliere ich die Steinmarkierungen immer wieder.

Irgendwann gelange ich wieder in eine Schlucht, die sich immer mehr verengt. Nach den Erfahrungen von gestern bin ich mir keineswegs sicher, ob es gelingen wird, hier einen Ausstieg zu finden. An einer Seitenschlucht lasse ich meinen Rucksack zurück und beginne einen Weg nach oben zu suchen. Aber bald breche ich dieses Unterfangen ab, da es mir zu schwierig erscheint. Zurück im Schatten des Canyons wachsen hier in der geschützten Umgebung sogar einige größere Kiefern. Dann kommt was kommen musste, die Schlucht endet vor einer Steilwand!

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Die Schlucht endet vor einer Steilwand

Hier führt definitiv kein Weg empor, daher beschließe ich zurück zu der Stelle zu gehen, wo ich vor einiger Zeit meine Erkundung abgebrochen hatte. Zunächst komme ich auch ganz gut voran, und es ist nur noch ein kurzes Stück bevor der Hang abflacht, aber bevor ich in Sicherheit bin, liegt noch eine Herausforderung vor mir. Um zu den nächsten Felsen zu gelangen, an denen ich mich fest halten kann, muss ich über ein super steiles, bröckelndes Geröllfeld, das unversehens ins Nichts abstürzt. Komme ich mit dem Hang ins Rutschen gelange ich schneller als mir lieb ist zurück in den Canyon…

Allerdings habe ich auch keine Lust umzukehren und womöglich einen riesigen Umweg in Kauf zu nehmen...
Mit äußerster Vorsicht taste ich mich Schritt für Schritt voran. Zum Glück muss ich nur einige Meter auf diese Weise bewältigen, aber diese reichen mir auch…

Ich hatte die Koordinaten einer Forststraße aus der Karte abgelesen und in meinem GPS gespeichert. Und tatsächlich, ich gelange genau dort auf die Straße wo ich wollte.
Zu meinem Erschrecken endet die Piste nach wenigen Metern offenbar schon wieder! An einem trockenen Bachbett hört die Fahrspur einfach auf. Zunächst denke ich, dass es vielleicht ein Stück weit in der Ablaufrinne weiter geht, aber egal in welche Richtung ich erkunde, es gibt kein Zeichen, dass auf die Piste hinweist. Schließlich durchquere ich das Bachbett und laufe ein Stück bergauf. Zwar erscheint es kaum vorstellbar, dass ein Fahrzeug über die zahlreichen großen Felsbrocken hier fahren kann, aber schließlich entdecke ich doch alte Reifenspuren und einige Zeit später bin ich auf der breiteren, gut gepflegten Forststraße 100.

Wahnsinn, wie stark dieses Gelände von zahlreichen tiefen Schluchten durchfurcht wird. Aber ich habe Spass! Die Herausforderung in Verbindung mit dem strahlenden, klaren Wetter macht mich zufrieden. Eigentlich hatte ich vor die Straße lediglich zu überqueren und dann ca. 5 Kilometer Luftlinie weglos bis in Beef Basin zu laufen. Allerdings halte ich es nach den Erfahrungen von gestern und heute Morgen für besser, zunächst auf der Piste zu bleiben.

Ich komme gut voran und gelange aus dem dichten Kiefern- Wacholder Wald schließlich in offenere, offenbar beweidete Bereiche, obwohl ich kein Vieh sehe.

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Auf dem Weg ins Beef Basin

Irgendwann gelange ich an eine Kreuzung wo unter einem Schild ein Kasten mit einem Fragebogen hängt. Hier möchte das BLM, das die Gegend verwaltet mit einem Fragebogen etwas über die Besucher des Beef Basin erfahren. Außer mir sind offenbar alle anderen Besucher im Auto unterwegs. Da es hier etliche Anasazi Stätten gibt, verirrt sich der eine oder andere hierher, insgesamt ist die Zahl der Besucher sehr überschaubar. Daher wundert es mich auch nicht weiter, dass ich heute niemand begegne.

Mittlerweile habe ich bereits wieder einen Großteil des gestern Mittag an Kirks Cabin geschöpften Wassers verbraucht, und steuere daher die in meiner Karte eingezeichnete Beef Basin Spring an. Zunächst erschließt sich mir aus der Topographie nicht ganz, wo hier eine Quelle sein könnte, aber doch, nur wenige Meter abseits einer Fahrspur gelange ich dann an die Wasserstelle, die zu meiner Überraschung erst gerade in einen Viehtrog geleitet wurde.

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Beef Basin Spring- zur Viehtränke umgebaut- die perfekte Badewanne!

Zunächst ergänze ich meine Wasservorräte, aber dann lass ich es mir nicht nehmen, in dem noch völlig sauberen Bassin ein Vollbad zu nehmen!
Weiter gehe ich etwa fünf Kilometer weglos von hier über das offene Weideland des Beef Basin. Ich sehe nur einige wenige Kühe, aber die Gegend ist so, wie man sich den Wilden Westen vorstellen kann. Weites Land über das weiße Wolken ziehen.

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Die Weite des Beef Basin

Ich komme gut vorwärts und erreiche schließlich den Ausgangspunkt des Wanderweges zum Fable Valley, womit ich wieder auf der Originalroute des Hayduke Trails angelangt bin. Auch hier gibt es eine Box mit Bögen auf der sich Wanderer eintragen sollen. Allerdings bin ich offenbar der Erste, es gibt sonst noch keine Eintragungen!

Ein Stück weiter schlage ich oberhalb von einem trockenen Bachbett mein Lager auf. Ich habe heute 19 Kilometer Luftlinie zurückgelegt, fühle mich gut und bin zufrieden mit dem Tag.

berniehh
22.09.2011, 23:25
es bleibt spannend......

Ich lese jeden deiner Berichte mit großem Interesse!;-)

Mika Hautamaeki
23.09.2011, 09:28
Grandios!

Wildniswanderer
23.09.2011, 21:04
Am Morgen denke ich zunächst, auf dem Trail ins Fable Valley zu sein. Lediglich die Quad Spuren verwundern mich ein wenig, denn der Weg ist für motorisierten Verkehr gesperrt. Aber bei den wenigen potenziellen Besuchern hier achtet wahrscheinlich niemand darauf.

Tief unter mir liegt ein Canyon, in dem zu meiner Überraschung ein Wasserfall rauscht. Leider hört der vermeintliche Weg irgendwann an einer Felswand auf, und so sehr ich auch nach dem weiteren Wegeverlauf suche, an dieser Stelle geht es nicht weiter!

Natürlich hatte ich mir wieder mal nicht die Mühe gemacht, vor dem Aufbruch die Karte genau zu studieren, der Weg war ja offensichtlich eindeutig zu erkennen…

Nun gut, zu meiner Schande muss ich nach der Kartenkonsultation in Verbindung mit dem GPS erkennen, dass ich in die falsche Richtung gelaufen bin, was mich mal wieder eineinhalb Stunden gekostet hat! Es hilft aber nichts, mir bleibt nichts anderes übrig als denselben Weg zu meinem Lagerplatz zurück zu gehen.

Dort angekommen suche ich eine ganze Zeit lang nach dem richtigen Pfad, schließlich weist die Tafel doch ganz deutlich auf den Fable Valley Trail hin. Aber zunächst entdecke ich nicht den Hauch eines Weges. Schließlich gehe ich weglos in die richtige Richtung und entdecke nach einiger Zeit sowohl Spuren von Mulis als auch Steinmännchen. Endlich bin ich auf dem richtigen Pfad, dem ich dann etwa sechs Kilometer weit folge. Zeitweise ergeben sich imposante Ausblicke in Gypsum Canyon, tief unter mir. Eine sehr abweisende Umgebung!

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Gypsum Canyon

Lange Zeit kann ich dem Pfad ohne Probleme folgen, aber dann, an einem trockenen Bachbett kann ich keine Steinmännchen mehr finden, die bislang den Wegeverlauf zuverlässig angezeigt haben. Ich bin verwirrt, sollte das Bachbett schon das Fable Valley sein? Nein, dazu ist es noch zu früh. Schließlich gehe ich ohne Pfad weiter und stoße irgendwann auch wieder auf Steinmännchen.

Bald erreiche ich tatsächlich das Fable Valley. Im Gegensatz zu den tief eingeschnittenen Canyons der Umgebung ist dies ein breites, offenes Tal, das man geradezu lieblich nennen kann. Von dem fließenden Wasser, das es hier zu anderen Zeiten gibt, ist leider mal wieder kaum eine Spur zu sehen. Ein Loch mit stinkendem Brackwasser ist sicher selbst für einen abgehärteten Magen nicht genießbar.

Das Seitental in das ich bald abbiege, ist im Führer nur knapp beschrieben, so dass ich keine Vorstellung von der Tortur habe, die jetzt vor mir liegt. Zunächst ist der Bewuchs aus Dornsträuchern in dem schattigen, geschützten Canyon stellenweise so dicht, dass ich nur mit erheblichem Körpereinsatz mich hindurch zwängen kann und ich sowohl in der Kleidung als auch in der Haut einige Risse davon trage.

Schwieriger als die Vegetation sind aber die zahlreichen Abstürze in diesem Canyon. Etliche der Kletterpartien sind dabei alles andere als einfach. Spätestens jetzt denke ich, dass der Hayduke Trail nur für schwindelfreie Leute, die auch mit Gepäck gerne klettern geeignet ist. Wer größere Distanzen auf einem ausgetretenen Pfad zurück legen möchte, ist hier ganz sicher falsch.

Es sind so viele Abstürze zu überwinden, dass ich irgendwann aufhöre sie zu zählen. Natürlich gibt es auch besonders gemeine Kombinationen aus dorniger Vegetation in Verbindung mit schwieriger Kletterei.

Schon recht weit oben in der Schlucht verlasse ich das Tal und will mir durch den Wachholder- Kiefernwald des Dark Canyon Plateaus selber meinen Weg suchen. Auf diese Weise möchte ich mir weitere zeitraubende Kletterpartien sparen.

Plötzlich durchfährt mich ein großer Schreck. Meine Kartentasche mit drei Ausdrucken ist nicht mehr da! Normalerweise trage ich die Tasche an einer Kordel um den Hals, aber da das bei den Klettereien sehr störend war, hatte ich die durchsichtige Plastiktasche in meine Hose gesteckt. Eine kurze Zeit lang versuche ich meinen Weg zurück zu verfolgen, um die Tasche mit den kostbaren Karten wieder zu finden, muss aber schnell erkennen, dass es mir nicht gelingt auf dem selben Weg zurück zu gehen, und es daher sehr unwahrscheinlich ist, dass ich die Tasche wieder finde.

Glücklicherweise habe ich bereits einige Wegpunkte für den nächsten Abschnitt in mein GPS einprogrammiert, daher kann ich meinen Weg fortsetzen. Zwar habe ich ein komisches Gefühl so ohne Karte ins Blaue zu marschieren, aber zunächst komme ich auf dem Plateau recht gut voran. Offene Grasflächen erlauben mir erste Ausblicke zu den noch fernen Henry Mountains, über die der Hayduke Trail führt.

Ich kreuze eine Sandpiste und tauche dann in den Horse Pasture Canyon ein.
Auch hier gibt es einige Abstürze. Offenbar hat es vor nicht allzu langer Zeit geregnet, denn einige Felslöcher sind mit Wasser gefüllt. Endlich kann ich meine Wasservorräte wieder auffüllen, ein wahrer Glücksfall wie ich später noch feststellen sollte…

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Das Wasserloch im Horse Pasture Canyon- Ein wahrer Glücksfall für mich!

Irgendwann stehe ich am Rand eines Absturzes, der viel höher ist, als alle die ich zuvor gesehen habe. Mittlerweile bin ich im Johns Canyon, und diese Stufe ist auch im Führer beschrieben. Es heißt, man soll aus dem Canyon klettern und erst ein ganzes Stück weiter auf einer anderen Route zurück in Johns Canyon gelangen.

Zunächst versuche ich in der Nähe des Absturzes eine Route zu finden. Zunächst komme ich auch ganz gut voran, aber schließlich erscheint es mir doch zu gefährlich, weiter zu klettern. Wie im Führer empfohlen, gehe ich etwa einen Kilometer weit zurück und finde dort eine nicht allzu schwere Route auf der ich zum Canyon Rand gelange.
Mittlerweile ist es schon recht spät, so dass ich hier, oberhalb der Schlucht mein Lager aufschlage. Ein spannender, fordernder zum Teil frustrierender Tag geht zu Ende.

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Oberhalb von Johns Canyon geht der Tag zu Ende

Voller Spannung ob ich den Weg zurück in den Canyon finden werde, bin ich schon bei Sonnenaufgang unterwegs. Aufgrund der höheren Lage ist es noch recht frisch, so dass ich zum ersten Mal auf dieser Tour zunächst mit dünnem Fleece und langer Hose laufe.
Da ich ja keine Karte mehr habe, bin ich auf die Beschreibung im Führer angewiesen um die Stelle zu finden, bei der der Abstieg möglich ist. Etwas einen Kilometer weit laufe ich oberhalb des Canyonrands und prüfe immer wieder die Gegend im Hinblick auf eine Möglichkeit in die Schlucht hinein zu gelangen. Doch die fast senkrechten Wände lassen vorerst keinen Gedanken an einen Abstieg aufkommen.

Dann entdecke ich ein Steinmännchen! Das kann kein Zufall sein, sollte dies der Routenbeginn sein? Und tatsächlich entdecke ich weitere von Menschen aufgeschichtete kleine Steinhaufen, die mich zu einem Seitental führen, dass sehr steil und Ehrfurcht gebietend zur tiefen Schlucht des Johns Canyon abfällt.

Zunächst gelange ich ohne größere Probleme ein ganzes Stück tiefer. Doch dann enden die Steinmännchen an einer Schuttzone, die bald in hellen, senkrechten, glatten Felsen übergeht. Hier geht es nicht um eine Frage des Muts eine Kletterpartie zu wagen. Es ist schlichtweg unmöglich diese Wand hinab zu gelangen, obwohl der Canyongrund so nah ist, dass ich bereits das Fließen des Wassers hören kann.

Aber nach der Beschreibung des Führers bin ich hier richtig und die Steinmännchen sollten nach aller Logik auch nicht einfach ins Nirgendwo führen.

Zwei Stunden lang suche ich weiter nach einer Abstiegsroute. Dazu folge ich einem schmalen Felsband, auf dem ich mich oberhalb der Schlucht balanciere. Der trockene Fels ist zwar griffig, aber stellenweise ist das Band so schmal, dass ich mir unter keinen Umständen einen Fehltritt erlauben darf.

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In der Wand von Johns Canyon

Kein Spaß für Leute die nicht schwindelfrei sind. Immer noch hoffe ich, irgendwo auf eine Stelle zu stoßen, an der ein Stück der Wand abgebrochen ist.
Aber meine Hoffnung erfüllt sich nicht und ich sehe schließlich keine andere Möglichkeit als den Rückzug anzutreten.

Was sind meine Optionen? Ich könnte versuchen dem Canyonrand weiter zu folgen in der Hoffnung doch noch eine Stelle zu finden, an der ich in die Schlucht hinabsteigen kann. Nach dem gerade erlebten Misserfolg bin ich zu demoralisiert dazu, ausserdem fehlt mir ja dummerweise das nächste Kartenblatt…

Ich könnte der Sandpiste die ich überquert hatte folgen, in der Hoffnung, dass ich so irgendwie in die richtige Richtung gelange. Da ich nicht weiß, wohin der Weg führt und wie reichlich erfahren die Gegend ziemlich wasserarm ist, möchte ich auch kein solches Vabanquespiel eingehen.

Schließlich bleibt als letzte Möglichkeit nur noch ein Stück weit die selbe Route zurückzulaufen um schließlich den Canyonlandsnationalpark auf einer anderen Route zu durchqueren.

Gesagt getan. Am Wasserloch über das ich gar nicht dankbar genug sein kann, fülle ich all meine Wasserbehälter auf. Schließlich überquere ich wieder Kiefernwälder und Grasflächen des Dark Canyon Plateaus und muss mich dann erneut durch das schwierige Seitental des Fable Valley mit seinen Abstürzen und dornigen Gebüschen quälen.

Während mich auf dem Hinweg noch die Herausforderung des Unbekannten lockte, nerven mich die zahlreichen Hindernisse der Schlucht nur noch.

Zurück im Fable Valley finde ich einige Kühe, deren Ende wohl mit dem letzten Schluck Wasser gekommen war…

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Land ohne Wasser

Glücklicherweise hatte ich meine Wasservorräte wieder aufgefüllt, daher kann ich mir einen idyllischen Lagerplatz in dem schönen Tal suchen.

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Im Fable Valley

Am nächsten Morgen benötige ich zwei Stunden bis ich den Fable Valley Trail wieder gefunden habe. Auf dem Hinweg hatte ich den Weg irgendwann verloren und war das letzte Stück bis zum Fable Valley weglos gelaufen. Daher habe ich jetzt einige Mühen den Trail wieder zu finden.

Gegen 11 bin ich wieder am Trailhead und durchquere das Beef Basin erneut. Obwohl ich diesmal auf den Sandpisten laufe, begegnen mir lediglich einige Kühe, keine Menschen.

An der Beef Basin Quelle fülle ich erneut 10,5 Liter Wasser auf. Von gestern hatte ich lediglich noch 2 Liter über behalten. Natürlich lasse ich mir auch ein erneutes Bad nicht nehmen.

Schon seit einiger Zeit ist es ziemlich windig, Donnergrollen ertönt und der Himmel um mich herum wirkt bedrohlich, wenn auch schön.

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Gewitterstimmung im Beef Basin

Obwohl es so stark nach einem Unwetter aussieht, gehen bei mir lediglich einige wenige Tropfen nieder.

Als ich weiter laufe, kommt mir tatsächlich ein Mann mit einem weißen Pick- up entgegen. Er hat den weiten Weg hierher zurückgelegt, da er an den zahlreichen Anasaziwohnstätten der Gegend interessiert ist.

Ich komme auch immer wieder an einigen ehemaligen Behausungen vorbei. Nicht zuletzt heißt die Gegend „Ruin Park“.

Als ich schon aus einiger Entfernung einen ziemlich hoch wirkenden Turm erspähe, glaube ich meinen Augen kaum zu trauen.

Allerdings wirkt das Gebäude aus der Nähe betrachtet schon viel weniger gigantisch.

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Anasazi Ruine

Welche Mischung aus Überbevölkerung, Dürre, selbst verursachten Umweltschäden und Feinddruck war es, die die Anasazi schließlich zum Verlassen der Region brachten? Es gibt viele Theorien, aber genaues weiß man bis heute nicht.
Die Hopi und andere Stämme in Arizona und New Mexico sehen sich als Nachfahren der Anasazi.

Als die Gewitter endgültig abgezogen sind, ergeben sich herrliche Stimmungen im Spiel zwischen Wolken und zurückkehrender Sonne.

Gruppen von bizarren Felsen verraten, dass ich mich wieder dem Needles District nähere.

Ich hatte für diesen Abschnitt lediglich mit fünf Tagen kalkuliert, mittlerweile ist aber schon der sechste Tag, daher habe ich kaum noch etwas zu essen.

Das trübt aber keineswegs meine Stimmung, im Gegenteil die herrliche Landschaft versetzt mich in Hochstimmung.

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Bizarre Felsformationen kündigen den Needles District an

Gerade noch rechtzeitig bevor die letzten Sonnenstrahlen die Felsen zum Leuchten bringen schlage ich mein Lager auf.
Die Stimmung ändert sich von Minute zu Minute und ich komme aus dem Fotografieren gar nicht mehr raus…

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Die letzten Sonnenstrahlen lassen die Felsen leuchten
Wie so oft auf dem Coloradoplateau präsentiert sich nach dem Sonnenuntergang ein wunderschöner Sternenhimmel.

paddel
24.09.2011, 12:23
Mal wieder absolut faszinierend!

Wildniswanderer
25.09.2011, 07:52
Der Morgen beginnt lustig: Ein Schild weist darauf hin, dass man ohne Allrad die Straße nicht befahren kann. Die „Straße“ ist ein Haufen großer Felsbrocken, von dem ich mir eigentlich nicht vorstellen kann, dass irgendein Auto diese steile Rampe ins Tal hinab befahren kann!

Etwa zwei Stunden laufe ich durch Täler voll gelbem Gras zwischen Felswänden. Ganz nett, aber auf die Dauer etwas eintönig. Ich bin jetzt wieder im Canyonlands Nationalpark und bald erscheinen dann auch die Sandsteintürme die dem Needles District seinen Namen gegeben haben. Ich kann es kaum erwarten in das Labyrinth der bizarren, vielfarbigen Felsen vorzudringen.

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Die Türme der Needles sind jetzt zum Greifen nahe

Schließlich verlasse ich die Piste und folge schmalen Trails in Richtung Chesler Park. Es gibt keine Markierungen, besonders auf den weiten Felsbereichen muss ich stets nach dem nächsten Steinhaufen Ausschau halten, der den Weg kennzeichnet. Mal geht es über weite sonnige Plateaus, dann gilt es extrem schmale Durchgänge zwischen den Türmen zu entdecken.

Da ich noch weit vom nächsten Parkplatz entfernt bin, habe ich die grandiose Landschaft an diesem strahlenden Morgen für mich.
Ich bin kein Esoteriker, aber wenn es irgendwo so etwas wie einen Kraftort gibt, dann hier.
Noch ist das Licht klar und ideal zum Fotografieren. Daher komme ich kaum dazu meine Kamera einmal abzusetzen.

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Die Erosion hat die erstaunlichsten Gebilde im Needles District hervorgebracht

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Flechtenkruste

Wo sich nur ein wenig Erde auf den Felsen gebildet hat, ist dieser von einer dunklen mikrobiotischen Kruste aus Flechten überzogen. Da diese leicht geschädigt werden kann und unter den Bedingungen der Wüste nur sehr langam wächst, darf sie nicht betreten werden.
Dafür ist es eine Lust über die warmen, oft glatt poliert erscheinenden Felsen zu laufen. Der Sandstein ist so griffig, dass man auf ihm auch erstaunlich steile Passagen ohne Probleme bewältigen kann.
Die hellen Schichten die immer wieder in den dunkelrot bis schokoladenbraun gefärbten Sandstein eingestreut sind, bewirken die erstaunliche Farbigkeit dieser Gegend.

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Den Steinmarkierungen folgend über die Felsplateaus

Erst als ich nur noch 8 Kilometer vom Campingplatz Squaw Flat entfernt bin, treffe ich die ersten Touristen. Bald stelle ich fest, dass mindestens 50 % von ihnen Deutsche sind. Nach der Zeit in der Einsamkeit genieße ich es mich ausgiebig in meiner Muttersprache zu unterhalten. Ich denke ich habe bei manchen Leuten bestimmt blutende Ohren verursacht…

Gegen 15 Uhr erreiche ich den Parkplatz Elephant Hill. Erstaunlich wie viele Autos hier stehen! Aber gut, zwar ereilt mich hier ein kleiner Kulturschock nach der langen Zeit in der Einsamkeit, wenigstens sollte ich hier schnell eine Mitfahrgelegenheit finden.
Und tatsächlich, dass erste Paar das ich anspreche nimmt mich gleich mit. Natürlich entpuppen sich die Beiden rasch als Deutsche! Ganz im Gegenteil zu mir sind sie von den Needles etwas enttäuscht. Sie fanden die Wege zu anstrengend und schlecht markiert, daher haben sie sich nicht sehr weit vom Parkplatz entfernt. Jetzt wird mir auch die Diskrepanz zwischen den relativ wenigen Menschen die mir begegneten und den zahlreichen Benzinkutschen auf dem Parkplatz klar: Die meisten Leute halten nur relativ kurz und fahren dann weiter. Umso besser für die Fußgänger die mit wenig Mühe diese herrliche Gegend genießen können.

Nach eineinhalb Stunden Fahrt erreichen wir Monticello. Der Ort ist viel kleiner als Moab, dennoch gibt es hier etliche Unterkünfte und ich finde auch bald ein relativ günstiges Motelzimmer.
Jetzt gerate ich ganz schön in Stress, denn ich möchte nicht länger als nötig hier bleiben. Nach ausgiebiger Dusche und Wäsche waschen per Hand steuere ich den relativ gut sortierten Supermarkt des Ortes an um meine Vorräte für den nächsten Abschnitt einzukaufen.

Dann kommt der Höhepunkt des Abends in einem typisch amerikanischen Restaurant. Eigentlich ist die Portion Steak mit Salat und Pommes schon ziemlich üppig. Dennoch muss ich mir eine weitere Portion Pommes und ein großes Eis bestellen um die Leere in meinem Bauch zu füllen.
Die Bedienungen sehen allerdings so aus, als ob sie jeden Tag so ein Festmahl genießen würden ohne allerdings mehr als nötig zu laufen…

redfox
25.09.2011, 08:24
Geniale Schreibweise, gefällt mir sehr gut. Besonders gelungen fand ich

Dafür ist es eine Lust über die warmen, oft glatt poliert erscheinenden Felsen zu laufen.
Es ist eine Lust ... cool. Sehr ansprechender Reisebericht, ich fühle mich mitgenommen - und krönend ist auch der letzte Satz :D

Sonnige Grüße
Claudia

Feurio
25.09.2011, 11:00
ich hänge wirklich an deinen virtuellen Lippen!

Wildniswanderer
25.09.2011, 12:16
Vielen Dank für die netten Kommentare! Ihr glaubt gar nicht wie die Rückmeldungen mich erfreuen und beflügeln!

Leider wird es mit dem Hayduke Bericht hier erstmal für eine ganze Weile nicht weiter gehen. Nächste Woche starte ich in meine nächste Tour und dann muss ich auch erst mal weiter schreiben.

Aber ich glaube ich darf versprechen, dass sich das Warten lohnen wird, denn es kommen noch zahlreiche Höhepunkte dieser für mich grandiosen Wanderung...

boehm22
25.09.2011, 18:41
Ich reihe mich ein und danke Dir ebenfalls für den tollen Reisebericht.
Da ist es kein Problem, ein bisschen Geduld zu haben, bis es weiter geht.

Ich war ja schon mehrmals in der Gegend und besonders in diesem Jahr habe ich mehrere kürzere Wanderungen zwischen den roten Steinen in der Hitze des Südwestens gemacht. Auch wenn ich selbst nicht die Zeit und Ausdauer für so eine lange Tour habe, so beneide ich Dich doch dafür, so in die Natur dort eintauchen zu können.

Ehemaliger
01.10.2011, 22:30
Bin gespannt auf die Fortsetzung. Mehr Lob (so a la "Deine Reiseberichte sind die besten" ; ) gibt es aber erst, wenn der Bericht fertig ist ...

Wildniswanderer
26.10.2011, 21:35
3. Henry Mountains- Capitol Reef

Da ich bisher mehr Zeit benötigt habe als ich dachte, und der Termin für mein Paria Canyon/ Buckskin Gulch Permit bereits feststeht, beschließe ich den nächsten Abschnitt des Hayduke Trails von Hite zum Poison Spring Canyon auszulassen und statt dessen als nächstes die Überquerung der Henry Mountains anzugehen.

Da die Straße durch Monticello eine einzige Baustelle ist, muss ich zunächst einmal zum Ende der Stadt laufen, bis ich an eine geeignete Stelle zum Trampen komme.
Monticello liegt am Fuß der fast 3500 Meter hohen Abajo Mountains, daher ist es hier recht frisch und ich ziehe einen Fleecepullover über.

Nachdem ich etwas eine halbe Stunde gewartet habe, hält ein alter Mann und nimmt mich mit. Er will seinen Bruder abholen um mit ihm eine Quad Tour durch die Berge zu unternehmen. Die soll lediglich zur Vorbereitung einer Ausfahrt ihres Clubs dienen.
Mir sind zwar donnernde Motoren in der Wildnis ein Graus, aber natürlich gebe ich dazu keinen entsprechenden Kommentar ab…
Sein Bruder, den wir in Blanding abholen, ist ebenfalls schlank und fit. Ok , das liegt vielleicht daran, dass die Beiden noch nicht zur Fastfood- Zeit aufgewachsen sind.

An der Tankstelle außerhalb von Blanding wo sie mich absetzen, dauert es keine 5 Minuten bis ein großer Van mit Boot im Schlepptau hält. Es handelt sich um eine Mormonenfamilie mit ihren 4 Kindern, die eine Tour mit ihrem Boot auf dem Lake Powell unternehmen wollen. Zwar sollte man meinen, dass ein Immobilienmakler durch die zur Zeit herrschende Krise schwer gebeutelt ist, aber die ganze Familie strahlt den typisch amerikanischen Optimismus aus.
Voller Stolz erzählen sie davon, wie 1846 die ersten mormonischen Pioniere in mühsamen Planwagentrecks aus dem Osten hierher kamen.
Da sie wegen ihrer Religion von ihren Mitmenschen schwer unter Druck gesetzt wurden, entschlossen sie sich irgendwann im Wilden Westen ihr Glück zu suchen und fanden in Utah ihr „Gelobtes Land“

Bei Halls Junction habe ich wieder Glück, ein Bulli hält und schon sitze ich neben einem sympathischen professionellen Landschaftsfotografen, der in New Mexico sogar eine Galerie besitzt!
Häufig besucht er das Coloradoplateau um zu fotografieren, besonders der Capitol Reef Nationalpark hat es ihm angetan. Diesen werde ich auch demnächst kennen lernen, daher bin ich umso mehr gespannt.

Am Lake Powell vorbei geht es immer weiter durch die endlosen roten Einöden.
Ich kann es gar nicht richtig fassen, dass ich durch diese Landschaften wandere.
Schließlich erreichen wir den Startpunkt für meine nächste Etappe. Ich lasse meinen Rucksack am Straßenrand zurück um die Aufschrift auf einem Schild zu lesen, dass auf den Poison Springs Canyon hinweist.

Mich durchfährt ein wilder Schreck, als ich sehe, wie mein „Chauffeur“ über meinen Rucksack fährt! Dieser bleibt unter dem Bulli hängen und wird über den Asphalt der Straße geschleift. Ich renne hinter her und brülle aus Leibeskräften. Offenbar zeigt das Wirkung. Der Fahrer hält mitten auf der Straße und steigt aus. Mein Rucksack liegt einige Schritte entfernt ebenfalls auf dem Belag der Straße. Während er diesen in Sicherheit bringen will, beginnt ein unglaubliches Schauspiel: Im Zeitlupentempo setzt sich der Bus in Bewegung und rollt langsam zur Straßenböschung hinter der ein Abhang liegt. Doch glücklicherweise stoppt ein großer Stein das Gefährt bevor es an Fahrt aufnimmt und den Hang hinabstürzt.

Mit vereinten Kräften gelingt es uns den Bulli zurück auf die Straße zu schieben. Dann begutachten wir den Schaden. Am Bus ist lediglich die Stoßstange etwas eingedellt, dafür sieht mein Rucksack arg mitgenommen aus. Etliche Löcher gähnen im Stoff, und Riemen sind abgerissen. Das Zelt, das außen befestigt war, erscheint ebenfalls ziemlich in Mitleidenschaft gezogen, und einer meiner Wanderstöcke ist verbogen.

Aber vor allem mache ich mir um meine Kamera Sorgen, die ich im Rucksack verstaut hatte. Glücklicherweise stelle ich fest, dass der Inhalt des Sacks unversehrt geblieben ist. Auch das Zelt hat nur einige kleine Löcher, lediglich der Beutel in dem es sich befand ist ziemlich zerfetzt.

Der Rucksack hat bereits viele Jahre auf dem Buckel daher kommt es mir vor allem darauf an, dass er noch halbwegs funktionstüchtig ist. Das scheint der Fall zu sein.
Nichts desto trotz verlange ich von dem Mann der von dem Vorfall deutlich stärker mitgenommen ist als ich, dass er mir den Schaden ersetzt. Der nächste Outdoorladen wo ich meine schadhafte Ausrüstung erneuern könnte befindet sich in Moab wohin weder ich zurück will, noch er, da das seine Pläne völlig durcheinander bringen würde.
Es bleibt also nur ein Schadenersatz in Geld. Wahrscheinlich hätte der Mann die von mir verlangten 200 Dollar sogar bezahlt, allerdings hat er nur 60 Dollar in bar dabei, und der nächste Ort mit einem Geldautomaten ist weit entfernt.
Nun, wichtiger als Geld ist mir meine Tour ohne Verzögerung fortsetzen zu können, daher nehme ich die 60 Dollar und wir verabschieden uns freundlich.

Endlich kann ich jetzt die Überquerung der Henry Mountains beginnen, auf die ich besonders gespannt bin. Die Henrys sind eine etwa 50 Kilometer lange Bergkette vulkanischen Ursprungs die aus der Wüste bis über 3500 Meter Höhe aufragen. Aufgrund ihrer extremen Abgelegenheit, waren sie der Gebirgszug der als letztes in den USA kartiert wurde. Besonders fasziniert mich, dass hier über 200 Bisons leben, die nach dem sie wie fast überall ausgestorben waren, bereits 1941 wieder angesiedelt wurden.

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Vor mir ragen die Henry Mountains auf

Zunächst folge ich einer wenig befahrenen Fahrspur über eine mit Dornsträuchern locker bewachsene, heiße windgepeitschte Ebene.
Aus der Ferne kaum bemerkbar stoße ich auf einige Täler die sich schon bald canyonartig verengen. Es ist gar nicht so einfach, hier den richtigen Einschnitt zu finden, daher muss ich einmal auch ein Stück weit zurück laufen, nachdem ich festgestellt habe, dass der Canyon dem ich gefolgt bin in die falsche Richtung führt.
Auch hier sind die Sandsteinfelsen von den seltenen Fluten die aus den Bergen kommen regelrecht glatt poliert.

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Glatt polierter Sandstein in den Schluchten

Irgendwann stoße ich auf eine breite offenbar regelmäßig befahrene Piste. Auf der läuft es sich zwar langweilig, dafür gewinne ich rasch an Höhe.
Das erste Zeichen dafür, dass ich die trockenen Ebenen verlasse, ist das Auftauchen verstreuter Wacholder. Wieder einmal sieht es stark nach Gewitter aus, aber wie ich ja weiß, fallen meist, wenn überhaupt nur ein paar Tropfen.

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Wacholder zeigen mir, dass ich langsam die Ebenen verlasse

Schließlich beginnt der Bergwald voller Aspen mit weißer Rinde, hohen Kiefern und Douglasien.

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Aspen mit weißer Rinde am Beginn des Bergwaldes

Ich habe lediglich 8 Liter Wasser von der Straße mitgenommen, da ich relativ sicher war, dass die Bäche in den Henrys nicht vollständig austrocknen.
Doch als ich Crescent Creek erreiche, ist das dicht bewachsene Bachbett zunächst knochentrocken. Erst ein ganzes Stück weiter aufwärts finde ich schließlich etwas von dem ersehnten Nass und schlage in der Nähe in einem Sagebrush- Gebüsch mein Lager auf. Beim Auspacken muss ich feststellen, dass bei einem der Platyphus Behälter das Überfahren des Rucksacks ein Loch hinterlassen hat, weshalb er natürlich nicht mehr brauchbar ist. Zum Glück ist Wasser auf dieser Etappe wohl kein großes Problem!
In der Nacht kommt starker Wind auf und es regnet heftig für einige Minuten. Offenbar beginnt die Gewittersaison jetzt doch!
Schöne Lichtstimmungen ergeben sich als am nächsten Morgen die Sonne durch die abziehenden dunklen Wolken über den Ebenen bricht.

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Weiter folge ich der Piste aufwärts. Es gibt zwar nicht viel Verkehr, aber immer wieder mal rauscht ein Pick- up an mir vorbei. Wir haben Sonntag und die Jagdsaison hat begonnen, das erklärt wohl die relativ vielen Fahrzeuge. Zwar komme ich auf der Piste gut voran, bin aber ziemlich genervt, weit ich mir von den Henrys einen stärkeren Wildnischarakter erwartet hatte.
Manchmal ergeben sich Ausblicke zu den jetzt bereits recht nah erscheinenden Gipfeln. Diese sind zwar recht hoch, wirken aber überhaupt nicht alpin.

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Die abgerundeten Höhen der Henry Mountains

Nach der Sandsteinwüste freue ich mich über die mit Maultierhirschen und allerlei Kleinvögeln belebten Wälder hier umso mehr.

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Aspen und sattgrüne Nadelwälder auf den Hängen der Henrys

Es gibt aber auch große Waldbrandflächen. Unter den ausgebleichten Stämmen wächst aber häufig bereits ein dichter Unterwuchs aus Aspen der bereits herbstlich gelb leuchtet.

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Herbstlich gelb verfärbte Aspen erobern die Waldbrandflächen

Irgendwann habe ich keine Lust mehr der Piste zu folgen und laufe weglos hangaufwärts, abweichend vom im Führer beschriebenen Verlauf des Hayduke Trails. Zwar sind die Hänge steiler, als es von weitem scheint, aber ich komme gut voran und erreiche irgendwann den Hauptgrat der Henry Mountains.
Der einige Meter höhere Nordgipfel von Mount Ellen liegt in greifbarer Nähe.

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Der Nordgipfel von Mount Ellen

Dort oben ist ein Geocache versteckt, den ich eigentlich suchen wollte. Allerdings erscheint das Wetter ziemlich instabil daher möchte ich mich in diesen exponierten Lagen nicht länger als nötig aufhalten.
Schließlich erreiche ich den 3481 m hohen Südgipfel Mount Ellens.
Weit schweift mein Blick über die Wälder der Hänge hinab in die dunstige Wüste und bis zur bizarren Auffaltung des Waterpocket Fold, die ich in einigen Tagen erreichen möchte.

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Blick von Mount Ellen

Ein Sendemast stört mein Wildnisgefühl und wiederum muss ich feststellen, dass ich mir mehr von den Henry Mountains versprochen hatte.
Während ich lange weglos dem jetzt nicht mehr so übersichtlichen Grat folge braut sich über der Wüste ein Unwetter zusammen und kommt stetig näher.

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Ein Unwetter zieht auf

Als ich regelrechte Wasservorhänge nieder gehen sehe, wird mir klar, dass ich es wohl nicht mehr ganz schaffen werde. Im Eiltempo verlasse ich den Grat und schlage in einer halbwegs geschützten Mulde mein Zelt auf.

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Wann erreicht mich der Regen?

Aber nichts passiert, es scheint, als hätte sich das Unwetter in eine andere Richtung verzogen. Kurz entschlossen baue ich mein Zelt wieder ab und laufe weiter.
Nachdem ich den Grat verlassen habe und mit dem Abstieg ins Tal des Sweetwater Creek beschäftigt bin, erwischt mich dann aber doch heftiger Regen. Das ich meine kurze Hose anlasse entpuppt sich schon bald als Fehler, denn durch die Verdunstungskälte wird es mir ziemlich frisch. Es dauert auch recht lange, bis ich im Kiefernwald einen Platz entdecke, der für ein Lager halbwegs geeignet ist.
Als der Regen schließlich aufhört laufe ich trotzdem weiter. Durchnässt bin ich sowieso schon, daher kann mir die klatschnasse, dichte Buschvegetation im Tal nicht mehr viel anhaben. An einer traumhaften Stelle mit mächtigen Ponderosa Kiefern erblicke ich 9 Wildhühner, dabei auch kleine Küken die im Gänsemarsch hintereinander her marschieren und dabei leise Geräusche von sich geben. Es handelt sich um wilde Truthühner, die ich noch nie zuvor gesehen habe !

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Mächtige Ponderosa Kiefer

Sogar der blaue Himmel ist wieder da, auch wenn immer wieder mal einige Tropfen fallen, was das Trocknen meiner Sachen erschwert. Trotz des Regens muss ich einige Zeit im Bachbett suchen, bis ich etwas Wasser gefunden habe.
Nach wie vor ist alles schwer durchnässt, daher kratze ich etwas Harz von einer Kiefer um damit meinen Hobo Kocher zu entfachen.
In der Nacht heulen einige Coyoten in meiner Nähe.

Am Morgen ist alles klamm und kühl. In langer Hose und Fleecepullover unternehme ich einen kleinen Spaziergang damit meine Sachen trocknen können bevor ich mein Lager abbaue. Im felsigen Kiefern- Wacholder Wald komme ich gut vorwärts und es macht Spaß die Gegend mal unter ganz anderen Bedingungen als dem gewöhnlichen, strahlenden Sonnenschein zu sehen. Als sich Aussichten über die Berge hinaus eröffnen, stelle ich fest, dass bereits jetzt, so früh am Morgen die nächste Gewitterfront aufzieht!


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Schon früh am Morgen zieht das nächste Gewitter auf

Ich beeile mich und bin mit den ersten Blitzen aber noch vor Einsetzen des heftigen Regens wieder beim Zelt. Gewitter schon vor 9 Uhr morgens, offenbar hat die „Regenzeit“ jetzt richtig eingesetzt!
Bald ist die Sonne wieder da und gegen Mittag setze ich meinen Weg den Sweetwater Canyon abwärts fort.

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Sweetwater Canyon

Bald stoße ich auf eine kleine Steilstufe, die sich aber einfach umklettern lässt.

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Steilstufe im Bachbett

Der nächste Absatz nur ein Stückchen weiter ist dagegen viel schwieriger. Zwar gelingt es mir relativ einfach wieder aus dem Canyon zu klettern, aber danach erlauben die steilen Wände für längere Zeit keinen Wiedereinstieg. Ich mache dann den Fehler zu früh wieder in das Tal abzusteigen, was zunächst auch gut klappt. Es fehlen nur noch lächerliche drei Meter bis ich wieder am Grund der Schlucht bin. Ich erkunde verschiedene Varianten, muss dann jedoch erkennen, dass ich nur mit hohem Risiko weiterkäme. Seit dem ich gestern die Piste verlassen habe traf ich keinen anderen Menschen und werde wohl auch so schnell niemanden mehr sehen.
Es wäre dumm hier etwas zu wagen, was dann zu einem gebrochenem Bein und damit verbundener Bewegungslosigkeit führen würde. Die Vernunft siegt und ich steige mühevoll wieder nach oben. Als ich einige Zeit später eine wesentlich einfachere Abstiegsmöglichkeit entdecke, wird mir klar, dass meine Entscheidung goldrichtig war.

Irgendwann erreiche ich wie im Führer beschrieben ein von Norden einmündendes Nebental, in dem es eine Quelle geben soll. Obwohl der Bach völlig trocken zu sein scheint, entdecke ich ein Stück weit aufwärts tatsächlich die Quelle. Im Gegensatz zu dem bisher vorgefundenem Wasser schmeckt dieses ziemlich bitter, aber was solls, trinken muss ich.

Da mir bewusst ist, dass das Wetter noch immer sehr instabil ist, wähle ich meinen Lagerplatz in der Nähe der Einmündung auf einer erhöhten Stufe mit Bedacht aus, obwohl ich mir natürlich nicht vorstellen kann, was da noch auf mich zukommt….

Ich unternehme einen Spaziergang um den weiteren Verlauf des Canyons zu erkunden. Doch als ich eine weitere Gewitterwand aus Osten kommen sehe, eile ich rasch zum Zelt zurück und beginne zu Kochen. Wenigstens sprudelt das Wasser bereits als es zu regnen beginnt. Es dauert nicht lange und der Regen wird stärker. Daher lasse ich meine Nudeln vor sich hin köcheln und suche Schutz unter einem Felsüberhang der ins Bachbett ragt. Schon bald wird aus dem leichten Regen ein wütender Hagelschauer und dann regnet es nicht mehr, es scheint als ob jemand ununterbrochen ganze Badewannen über jedem Quadratmeter ausleeren würde. Als das bis dahin knochentrockene Bett des Sweetwater Creek sich in ein langsam fließendes Rinnsal verwandelt, halte ich es für besser meinen schützenden Unterstand zu verlassen. Und ja, es dauert keine fünf Minuten mehr bis eine donnernde, schmutzig braune Welle angetost kommt, die mich locker fortgerissen hätte. Allerdings ist das Bachbett hier nur drei Meter breit, daher hätte ich es auch, in dem Moment als ich die Sturzflut sah noch geschafft, aus dem Sweetwater Creek zu kommen.

Mittlerweile stürzen von den steilen Felswänden ringsum regelrechte Wasserfälle herunter, die natürlich auch früher oder später im Creek landen.
Dann geschieht etwas Unglaubliches: Ganz in der Nähe meines Zeltes bricht ein großer Felsbrocken aus der Wand und kracht in einer Staubwolke etwa 20 Meter entfernt auf den Boden. Ein geologisches Ereignis geschieht quasi im Zeitraffer!

Das Unwetter dauert nur wenige Minuten. Als ich zur Kamera greife, sieht der Bach bereits wieder relativ harmlos aus, kein Vergleich zur Gewalt der „Flashflood“ die durch den Canyon getobt ist.

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Sweetwater Creek nach der Sturzflut

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Schwere Hagelkörner

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Der Felsabbruch in der Nähe meines Zeltes

Meine Nudeln sind auf dem Hobo Kocher inzwischen gar, wenn auch schon wieder etwas abgekühlt….
Mein Zelt hat das Unwetter gut überstanden. Obwohl an vielen Stellen noch das Wasser steht, herrscht bei mir kein „Land unter“

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Mein Lager nach dem Unwetter

Ich bin froh, dass ich meine Wasservorräte bereits aufgefüllt habe, denn auch das Wasser im Nebencreek ist eine einzige graue Schlammsuppe, mit der man nicht einmal abwaschen kann…
Nach nur eineinhalb Stunden hat sich Sweetwater Creek zu einem nur noch schwach fließenden Rinnsal verwandelt.
In der Nacht regnet es immer mal wieder, sogar ein weiteres Gewitter zieht über mich hinweg. Aber nichts davon hat die Gewalt des Unwetters am späten Nachmittag.

berniehh
26.10.2011, 22:59
Endlich geht es hier weiter;-)

Ein sehr lesenswerter Bericht,.....und die Geschichte mit dem Rucksack ist ja unglaublich!

5sterne

lg Bernd

slarti
27.10.2011, 21:02
Aspen mit weißer Rinde Es handelt sich hierbei um Amerikanische Zitterpappeln (Populus tremuloides), die ein bisschen birkenartig aussehen. Aspen ist engl. für Espe, und Espe = Pappel.

Aber eigentlich wollte ich nur die grandiosen Gewitterbilder loben! ;-)

Wildniswanderer
28.10.2011, 05:28
Der zweite deutsche Name für die Zitterpappel ist Aspe, daher ist diese Bezeichnung bei mir im Text durchaus richtig und nicht nur eine misslungene Übersetzung aus dem Englischen;-)

heron
28.10.2011, 09:39
Hab mir wieder einmal ein paar Teile aufgespart um sie am Stück lesen zu können und warte jetzt natürlich ungeduldig auf mehr, mehr mehr! :bg:
Mit deinem Bericht ist man ziemlich nah dran am Geschehen - so schön ist das Miterleben von Durst, schwitzigen Fingern und die Überlegungen, ob man da runter soll oder lieber doch nicht, ich brauch Wasser, wo wird es eines geben ... ich will einen ordentlichen Weg ... warum gehts hier eigentlich nur auf Pisten ... :grins:
Sagenhaft schöne Bilder von dieser Landschaft - vor allem die Gewitterbilder!

Rattus
28.10.2011, 11:04
Ich komme gar nicht zum Arbeiten, so spannend ist dein Bericht, und die Bilder sind faszinierend :D

Wildniswanderer
08.11.2011, 22:04
Am nächsten Morgen quälen mich einige „flüssige“ Durchfallattacken, das bittere Wasser der gestrigen Quelle war wohl doch nicht wirklich genießbar…
Erst gegen 7.30 gehe ich los. Es ist ziemlich kühl, dunstig und feucht, als wenn ich plötzlich in einer anderen Welt und nicht mehr auf dem sonnigen Coloradoplateau wäre. Zwar ist Sweetwater Creek bis auf einige Pfützen wieder trocken, aber die Steine im Bachbett sind von einer zähen Schlammschicht überzogen. Ich rutsche nicht aus, aber es fühlt sich bald so an, als hätte ich zentnerschwere Gewichte an den Stiefeln.
Irgendwann erreiche ich eine Piste, die auf das Hochplateau der Tarantula Mesa führt. Es scheint als setze sich langsam die Sonne wieder durch und der gewohnte strahlend blaue Himmel erscheint wieder.

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Tarantula Mesa

Die Fahrspur erklimmt das ansonsten ziemlich schroffe Plateau an einer relativ flachen Stelle. Ich freue mich ungemein als ich auf einem Felsen ein tiefes Loch mit frischem Wasser entdecke!
Immer wieder verhüllen Dunstschwaden die Umgebung. Bestimmt ein seltenes Ereignis in dieser trockenen Gegend

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Immer wieder verhüllen Dunstschwaden die Umgebung

Die Piste ist langweilig dafür komme ich gut voran. Vor kurzem wurde hier der Wacholder- Kiefern Wald großflächig gerodet. Zwar wird diese Aktion als Biotopverbesserung für die Bisons verkauft, in Wirklichkeit geht es wohl aber darum, Grasflächen für die Rinderherden der Rancher zu schaffen, die hier öffentliches Land pachten. Dazu passen auch zwei frisch angelegte Wasserstellen auf die ich stoße.
Laut Führer gibt es nur eine Stelle an der man den Steilabfall des Plateaus hinabsteigen kann, daher bin ich in gespannter Erwartung ob es mir gelingen wird, diese Stelle zu finden.
Als ich die Piste verlasse navigiere ich anhand von Karte, Kompass, GPS und der Beschreibung aus dem Führer mit äußerster Konzentration um die Schlüsselstelle nicht zu verfehlen.

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Wie komme ich von der Mesa wieder herunter?

Eine Wiederholung der Schmach von Johns Canyon möchte ich unbedingt vermeiden, aber natürlich kann ich es mir auch nicht erlauben hier in der menschenleeren Wildnis zu viel Risiko einzugehen.
Als ich auf einige Steinmännchen stoße, bin ich ziemlich erleichtert. Aber die hatte ich in Johns Canyon ja auch gefunden…
Die Abstiegsroute ist zunächst ziemlich unübersichtlich und immer wieder muss ich erst einmal ein wenig suchen, wo es weiter geht, aber schließlich habe ich die Stelle erreicht, von der es im Führer heißt, dass man hier wohl besser den Rucksack an einem Seil herablässt…
Nun, ich habe kein Seil dabei, da es mir zu risikoreich erschien, dass mein Gepäck bei so einer Abseilaktion abstürzt, daher hatte ich mir vorgenommen keine Route einzuschlagen die ich nicht mit Gepäck bewältigen kann. Soweit die Theorie…
In der Realität ist es tatsächlich sehr viel schwerer Kletterabschnitte mit einem großen Rucksack auf dem Rücken zu bewältigen und auf dem Hayduke Trail gibt es manchmal kurze Stufen, bei denen ein Herablassen des Rucksacks sinnvoll wäre.
Was solls, ich habe kein Seil, also muss es so gehen.
Zwar ist mir etwas mulmig, aber das Kletterstück entpuppt sich als einfacher als ich befürchtet hatte, und ich gelange glücklich in die Blockfelder unterhalb.

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Abstieg von Tarantula Mesa

Unten angekommen folge ich zunächst eine Zeit lang dem breiten Tal des Muley Creek. Danach soll ich laut Führer alten Viehrouten folgen, die mit Steinmännchen markiert seien. Zwar stoße ich dann und wann auch auf so einen Cairn, aber im Großen und Ganzen ist von einem Weg nichts zu erkennen und ich suche mir selber die günstigste Passage durch die von zahlreichen kleinen Canyons zerklüftete Landschaft am Fuße eines weiteren Steilabfalls.
Mittlerweile ist das nächste Gewitter aufgezogen und es regnet auch eine Zeit lang.
Diesmal habe ich aber Glück, zwar lassen die dunklen Wolken ein Unwetter erwarten, aber ich befinde mich offenbar lediglich am Rand der Gewitterzone.
Wieder einmal kann ich die ganz besonderen Lichtstimmungen genießen, die die Felslandschaft in ein unwirkliches Licht tauchen.

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Ein Gewitter zieht auf


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Unwirklich anmutende Lichtstimmungen

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Die Sonne kehrt zurück

Einmal wähle ich einen falschen Canyon und muss ein Stück denselben Weg zurück gehen.

Eine extrem enge Schlucht, in der man durchaus klaustrophobische Gefühle entwickeln kann, ist nicht einfach zu passieren. Der Schlamm der gestrigen Flashfloods ist noch überall als zähflüssige Masse vorhanden.
Umso größer ist die Freude als ich ein breites Tal voller grüner mit alten Wacholdern bestandenen Grasflächen erreiche. Schilf verrät, dass hier permanent Wasser vorhanden ist und tatsächlich entdecke ich unweit eines perfekten Lagerplatzes auch eine gute Wasserstelle.
Zwar wird es nach Einbruch der Dunkelheit recht kühl, aber in meine leichte Daunenjacke gehüllt sitze ich noch lange draußen und sehe den jagenden Fledermäusen zu.

Am Morgen ist es frisch und ich laufe mit Windshirt und langer Hose los. Der Hayduke Trail soll weiter über alte Viehwege und Minenstraßen führen, aber wie gestern schon ist kaum noch etwas davon zu erkennen. Da ich auch heute keinem eindeutigen Canyon folge, ist wieder hohe Konzentration erforderlich um eine günstige Route durch das schwierige, aber wunderschöne Gelände zu finden.
Den Bergen des Waterpocket Fold, die ich von den Henrys zum ersten Mal sah, bin ich jetzt bereits recht nah gekommen. In der klaren Morgenluft eröffnen sich herrliche Ausblicke auf die Farbenpracht der unterschiedlichen Gesteinsschichten der Auffaltung.

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Die Farbenpracht der Berge des Waterpocket Fold

Schließlich muss ich einen Weg in den Swap Canyon finden. Zwar schlage ich nicht die Route des Führers ein, aber der Abstieg bereitet mir keine Schwierigkeiten.
Hinter einer Felsschwelle entdecke ich einen großen Pool. Es scheint, als ob meine Wasserprobleme fürs erste aufgrund der Gewitter gelöst sind…
Ein Schild verrät den Beginn des Capitol Reef Nationalparks. Da dieser wunderschöne Park indem das Waterpocket Fold liegt, nur relativ wenig von Touristen besucht wird, ist das Permit für Wanderungen mit Übernachtung hier im Gegensatz zu den anderen Nationalparks kostenfrei.
Gegen 13 Uhr erreiche ich den Burr Trail, eine Schotterstraße auf der es noch etwa 60 Kilometer bis Boulder sind, einem kleinen Ort in dem ich neue Verpflegung kaufen möchte. Es gibt hier nur wenig Verkehr, aber obwohl die ersten Autos die ich sehe in die falsche Richtung fahren, halten die Fahrer an, und fragen mich ob alles ok ist.
Typische, nette hilfsbereite Amerikaner!
Der Burr Trail war ursprünglich eine Route auf der Rinder von ihren hochgelegenen Sommerweiden in der Nähe von Boulder zu den tiefgelegenen Winterweidegründen am Colorado getrieben wurden.
Nach einer Stunde hält ein Paar aus Arizona in ihrem kleinen Jeep und nimmt mich mit. Da sie unterwegs häufig halten um Fotos zu machen, benötigen wir 2 Stunden bis wir den mit lediglich 180 Einwohnern sehr kleinen, verstreuten Ort Boulder erreichen.
Es gibt hier eine größere wahrscheinlich recht teure Unterkunft, die Boulder Mountain Lodge, die einen guten Eindruck auf mich macht, aber ausgebucht ist und einige private Unterkünfte. In der Circle Mountain Lodge nehme ich mir ein Zimmer und genieße zunächst die warme Dusche.
Der Supermarkt in Monticello war weniger gut bestückt als der in Moab, was wird mich nun hier in dem winzigen Boulder erwarten?
Meine Wirtin gibt mir einen Tipp, wo ich einkaufen soll. Ich brauche dann zwar eine halbe Stunde bis zum Laden Hill and Hollow an einer Tankstelle, dieser erweist sich aber als erstaunlich gut sortiert. Von ordentlichem Müsli bis zu Nussmischungen finde ich für die nächste Etappe alles was mein Herz begehrt.
Boulder liegt unterhalb des Aquarius Plateaus auf über 2000 Meter Höhe. Im Kontrast zur tiefer gelegenen Sandsteinwüste gibt es in der Umgebung bereits wieder grüne Wiesen und Wälder.
Abends genieße ich ein hervorragendes Beef Stew gekrönt von einer Portion Schokoladenkuchen im Burr Trail Grill.
Obwohl ich im Komfort eines weichen Bettes eigentlich gut schlafen sollte, gelingt mir das mal wieder nicht besonders. Irgendwie schlafe ich in meinem Zeltchen oder unter den Sternen viel besser.

4. Waterpocket Fold- Hole- in the Rock- Road

Ich lasse es mir nicht nehmen, ein üppiges Frühstück mit Rührei und Speck in der Boulder Mountain Lodge einzunehmen. Frisch gestärkt mache ich mich dann daran, eine Mitfahrgelegenheit zu finden. Und tatsächlich, das erste Auto, das vorbei kommt, nimmt mich mit. Die junge Frau hat ihr kleines Kind dabei und wirkt wie ein toughes Cowgirl. Und tatsächlich, sie veranstaltet Pferdetouren für Touristen.
Leider nimmt sie mich nur ein paar Meilen mit bis zum Abzweig zu ihrer Ranch. Danach kommt eine ganze Weile mehr kein Auto auf dem Burr Trail. Ich habe keine Lust nur rumzustehen, daher gehe ich etwa zwei Kilometer bis zu einem Zeltplatz. Die Umgebung von Boulder ist wunderschön, und ich kann gut verstehen warum man hier Urlaub macht. Der Zeltplatz liegt idyllisch unter hohen Pappeln an einem Bach. Zunächst scheint mir, dass niemand auf dem Platz ist, aber dann taucht ein junger Amerikaner auf, der soeben aufgestanden ist und mir erklärt, dass er hier lebt. Zwar muss er theoretisch Geld für seinen Aufenthalt in eine Box stecken, aber ich habe das Gefühl, dass hier nur selten kontrolliert wird. Der Amerikaner lädt mich ein mit ihm zu frühstücken, aber mein Bauch ist ziemlich voll, und ich möchte auch keine potentielle Mitfahrgelegenheit verpassen.

Ich stehe über eine Stunde, in der drei Autos vorbei fahren, mich jedoch nicht mitnehmen. Dann habe ich wieder Glück. Ein älteres Ehepaar aus Minnesota hatte mit mir in der Boulder Mountain Lodge gefrühstückt. Ich hatte mitbekommen, dass sie den Burr Trail fahren wollen, daher hatte ich sie nach einer Mitfahrgelegenheit gefragt. Die Beiden sind stark an meiner Wanderung interessiert, daher unterhalten wir uns während der Fahrt sehr gut miteinander. Gleichzeitig bewundern wir die fantastische farbenfrohe Landschaft des Waterpocket Fold.
Kurz nach 11 errreichen wir den Lower Muley Twist Canyon unweit von der Stelle wo ich gestern am Burr Trail angekommen war.

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Das nette Paar aus Minnesota nimmt mich zum Start meiner nächsten Etappe mit


Der Canyon ist eine offizielle Wanderroute. Zwar treffe ich keine anderen Leute unterwegs, sehe aber einige Fußspuren, die zeigen, dass tatsächlich mitunter Wanderer hier unterwegs sind.
Schon bald tauche ich in die fantastische Schlucht ein.

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Der Lower Muley Twist Canyon beginnt

Zwar windet sich der Canyon tatsächlich wie “ ein Maultier” aber das Besondere hier sind die tollen Kontraste zwischen rotem und weißem Sandstein. Eine Mischung die mich ein wenig an den Zion Nationalpark erinnert.
Schon bald wird die Schlucht mit ihren glatten Wänden tiefer und tiefer.

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Der Canyon wird langsam tiefer

Überall künden zurückgebliebene Wasserlachen von den Regenfällen der letzten Tage. Häufig kann ich über die glatten Felsen laufen und komme gut voran.
Manchmal verengt sich die Schlucht sehr stark, fast schon Slotcanyonartig. Dann wieder gibt es riesige, höhlenartige Überhänge. Nur einmal muss ich an einem Felssturz kurz klettern.
Nicht nur die unbelebte Natur hier ist faszinierend. Kleinvögel, Libellen, Eidechsen und Schmetterlinge sorgen immer wieder für Abwechslung. Außerdem kann ich eine Eule beobachten, die aus einer Wand fliegt und sich auf einem Wacholder niederlässt, einige Blauhäher mit schön leuchtendem Gefieder und ein kleines Hörnchen mit weißem Schwanz.
An den glatten Wänden, die eine Herausforderung für jeden Extremkletterer wären kann ich mich überhaupt nicht satt sehen.

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Glatte Steilwände im Lower Muley Twist Canyon

Am späten Nachmittag treten die Wände zunehmend auseinander und ich gelange in das Tal des Halls Creek.


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Der Canyon öffnet sich

Hier in der Weite des Tales eröffnen sich spektakuläre Ausblicke auf die farbigen Berge der Umgebung im sanften Abendlicht.

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Abend im Tal von Halls Creek

Schließlich entdecke ich ein Holzschild, das auf mein heutiges Ziel hinweist: Die Muley Tanks. Diese großen Auswaschungen in den Felsen am Fuß einer Steilwand trocknen fast nie aus, und sind daher eine ziemlich verlässliche Wasserstelle.
Ich muss ein wenig suchen bis ich die Pools gefunden habe.

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Muley Tanks

Mit so einer großen Wasserstelle, in die vor kurzem sogar ein Wasserfall aus der Wand geflossen ist, hatte ich nicht gerechnet.
Zahlreich Spuren erzählen, wie wichtig dieser Ort für die Tiere der Umgebung ist. Um das nächtliche Leben nicht zu stören schlage ich mein Lager in respektvoller Entfernung auf. In den Pools wimmelt es von kleinen Fröschen!
Da es an dem milden Abend nicht nach Regen aussieht, kann ich endlich mal wieder ohne Zelt übernachten.
Während des Abendessens beobachte ich eine Ohreule die ganz in meiner Nähe in einem Wacholder sitzt. Später dann kann ich mal wieder einen unheimlich klaren, leuchtenden Sternenhimmel genießen.
Ich bin glücklich diese herrliche Landschaft durchstreifen zu dürfen!

Feurio
08.11.2011, 23:56
Wie schön, dass es weitergeht - das hat mir jetzt direkt noch den Abend versüßt!

Mika Hautamaeki
09.11.2011, 00:09
Einfach grandios!
Zu dem bitteren Wasser und den Folgen: Ich glaube, daß das Wasser mit Natriumsulfat angereichert war. Das soll bitter schmecken und definitiv wirkt es abführend..

Julia
09.11.2011, 14:30
Ich liebe diesen Bericht! Es gibt viele tolle Reiseberichte hier drinnen, aber dieser fasziniert mich ganz besonders! Wie schön dass der Trail so lang ist, dass ich hier hoffentlich noch lange was tolles zu lesen habe ;-)! Hut ab zu dieser Tour!

Wildniswanderer
09.11.2011, 19:56
@Feurio, Julia und Mika

Danke für eure lieben Kommentare!

Mir ist schon klar, dass mein Bericht bereits jetzt viel zu lang fürs Internet ist, daher finde ich es umso schöner, wenn ich merke, dass jemand noch mit Interesse liest.

Ich schreibe den Bericht in erster Linie für mich selber, daher achte ich auch nicht auf die Länge u.s.w.

Vielleicht hole ich das Geschriebene irgendwann hervor wenn ich solche Touren nicht mehr machen kann und freue mich dann,wenn ich meine Erlebnisse noch einmal nachvollziehen kann...

Solasimon
09.11.2011, 23:22
Ich habe gerade den gesamten bisherigen Bericht gelesen und bin fasziniert!
DANKE für den schönen Abend.

Simon

boehm22
11.11.2011, 20:30
Ich lese auch immer noch begeistert mit und freue mich auf die nächste Etappe.

Da ich dieses Jahr im Capitol Reef war und auch in Boulder und auf dem Burr Trail habe ich die Gegend ein wenig wieder erkannt. Mir gefällt es dort so gut, daß ich sicher mal auf eine kurze mehrtägige Hiking-Tour im Süden des Capitol Reefs gehen werde.

Wildniswanderer
13.11.2011, 17:47
Früh am nächsten Morgen folge ich weiterhin dem breiten Tal von Halls Creek. Es ist zunächst bedeckt, aber als die Sonne heraus kommt, entfaltet sie ein sanftes Licht, in dem die spektakuläre Landschaft mit ihren vielen Farben noch einmal so schön erscheint.

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Morgenstimmung in Halls Creek

Bei einem großen Felsrutsch beginnt mein Aufstieg aus dem Tal. Immerhin 700 Höhenmeter liegen vor mir, daher bin ich gespannt was mich erwartet.
Laut Führer kann ich zunächst einer alten Minenstraße folgen. Na ja, weil ich weiß, dass es sie gibt, gelingt es mir manchmal ihren Verlauf zu erahnen. Aber von einem Weg dem ich folgen kann, kann man nicht sprechen.
Kaum jemand weiß, dass es auf dem Colorado Plateau nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Amerikaner mit ihrem Atomwaffenprogramm begannen, einen regelrechten „Goldrausch“ gab. Dabei ging es allerdings nicht um das gelbe Edelmetall sondern um Uran, den Grundstoff für die Produktion der vernichtenden Bomben und Raketen. Etliche Leute kauften sich Geigerzähler und Bulldozer und versuchten das wertvolle Uran zu entdecken. Wirklich viel wurde aber nirgendwo gefunden, daher gaben die Prospektoren ihre Minen meist schon nach kurzer Zeit wieder auf. Überreste ihrer Versuche lassen sich aber noch heute an einigen Stellen finden.
Relativ komfortabel gewinne ich an Höhe und kann schon bald schöne Aussichten genießen.

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Halls Creek

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Blick zurück zu den Henry Mountains

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Die schräg aufgefalteten Schichten des Waterpocket Fold

Der alte Minenweg endet oberhalb eines tief eingeschnittenen Canyons. Ab hier muss ich mir meinen Weg durch ein Labyrinth aus riesigen Steinbrocken und dichtem, niedrigen Buschwald bahnen. Dabei begegne ich einer freundlich aussehenden, langen, dünnen Schlange, die sich aus kurzer Entfernung einige Zeit lang von mir fotografieren lässt. Leider ist die Vegetation so dicht, dass ich sie nie ganz frei bekomme.

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Eine freundlich aussehende Schlange begegnet mir

Weiter kämpfe ich mich durch die dichten Gebüsche. Immer wieder sehe ich den Pass, aber er scheint leider nicht wirklich näher zu kommen.

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Durch dichten Wacholder- Kiefern Wald aufwärts zum Pass

Doch schließlich stehe ich erschöpft aber glücklich auf der Wasserscheide zwischen Halls Creek und Escalante River, die zugleich die Grenze des Capitol Reef Nationalparks darstellt.
Die Aussichten zurück kenne ich ja bereits vom Aufstieg, die Gegend in die ich absteige sieht dagegen von oben einförmig, öde und trocken aus. Immer wieder stelle ich fest, wie Eindrücke in dieser zerklüfteten Gegend doch täuschen können…
Weit entfernt ragt das Kaiparowits Plateau auf. Auch dort hin möchte ich…

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Auf dem Pass

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In diese Richtung wandere ich weiter- was wird mich erwarten?

Durch ausgedehnte knöchelbedrohende Blockhalden geht es steil nach unten, bis ich einen schmalen Canyon erreiche. Ich freue mich schon dass dieser mich relativ problemlos zum Middle Moody Canyon führen wird, aber dann stehe ich vor einem tiefen Absturz, den ich nicht umklettern kann. Also heißt es ein Stück zurückwandern und es im nächsten Seitencanyon probieren. Diesmal habe ich mehr Glück und erreiche tatsächlich den Middle Moody Canyon.
An etlichen Stellen steht noch rotes Wasser, was allerdings weniger einladend als das im Muley Twist Canyon aussieht…

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Middle Moody Canyon

Nach dem fantastischen Muley Twist Canyon wirkt dieser weniger spektakulär, dafür ist das Vorankommen schwieriger. Immer wieder müssen Abstürze umklettert werden und oft blockieren gigantische Felsen den weiteren Weg im Bachbett.

Am Spätnachmittag schlage ich mein Lager in der offenen Wüste oberhalb des Canyons auf. Trotz der schwierigen Wegstrecke habe ich heute ca. 25 Kilometer zurückgelegt. Es sieht nicht nach Regen aus, daher schlafe ich wieder einmal unter dem Sternenhimmel. Leider hat der Regen hier Scharen von Mücken hervor gezaubert, die mich ziemlich nerven…
Bevor ich die Augen schließe, lese ich wie immer noch ein wenig in dem Buch, das ich im Rucksack mitführe. „Desert Solitaire“ von Edward Abbey. Ich hatte mir dieses Taschenbuch schon vor vielen Jahren auf einer anderen Tour im Canyon Country gekauft, und lese es jetzt mit großer Freude wieder.

Abbey hat es wie kaum ein anderer geschafft, die spezielle Atmosphäre des Colorado Plateaus einzufangen. Dabei handelt es sich keineswegs um trockene Naturbeschreibung sondern spannend und interessant geschriebene Berichte, die verschiedene Facetten der Hochwüste beleuchten. Obwohl Desert Solitaire bereits 1968 geschrieben wurde, sind viele der Ansichten die „Kaktus Ed“ darin äußert noch heute brandaktuell. Abbey arbeitete Ende der Fünfziger mehrere Jahre lang als Hilfsranger im Arches Nationalpark in der Nähe von Moab. In dieser Zeit erlebte er, wie überall in den Nationalparks der USA die Wildnis durch den Bau von Straßen gestört wurde, die den lauffaulen Touristenmassen den Zugang zu den Naturwundern des Westens gewähren sollten. Gegen diese Entwicklung und andere Maßnahmen der industriellen Erschließung des Westens wie zum Beispiel auch den Bau des Glen Canyon Staudamms bezog er in seinen Büchern auf einmalige sarkastisch- ironische Weise Stellung.

Der Hayduke Trail wurde von seinen Schöpfern Joe Mitchell und Mike Coronella nach George Washington Hayduke, einer Figur aus Abbeys Roman „The Monkey Wrench Gang“ benannt. Die darin beschriebenen frühen „Ökoterroristen“ haben viele Umweltaktivisten unter anderem die Gruppe „Earth First“ beeinflusst.
Kurz gesagt, „Desert Solitaire“ ist für mich die perfekte Lektüre auf dieser Wanderung.

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Lager oberhalb der Middle Moody Schlucht


Am nächsten Morgen betont die aufgehende Sonne die Farbe der Sandsteinfelsen.


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Die aufgehende Sonne färbt die Felsen

Zunächst folge ich zwei Stunden weiterhin dem Middle Moody Canyon bis zur Einmündung in den Moody Creek. Nach eineinhalb weiteren Stunden Wanderung zwischen hohen Wänden erreiche ich schließlich den Escalante River.

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Escalante River


Der Fluss ebenso wie der Ort Escalante, das heutige Nationalmonument Grand Staircase- Escalante und eine Reihe weiterer Plätze wurde nach Silvestre Velez de Escalante benannt, einem Franziskanermönch, der 1776/ 1777 mit seinem Mitbruder Dominguez und einer kleinen Expedition versuchte eine Route zwischen den zu der Zeit noch spanischen Kolonien New Mexico und Kalifornien zu finden. Das gelang zwar nicht, dafür waren sie offenbar die ersten Weißen, die in einen Teil des heutigen Utah gelangten.

Im Führer zum Hayduke Trail wird die Strecke entlang des Escalante Rivers als extrem schwierig beschrieben. Daher bin ich gespannt was mich erwartet…
Einige Wanderer die ebenfalls bereits auf dem Hayduke unterwegs waren, haben diesen Abschnitt auf einer anderen Route umgangen…

Was macht das Vorwärts kommen hier so schwierig? Zur Zeit ist der Fluss meist nur etwa knietief und das Wasser klar und schnell fließend mit häufigen kleinen Stromschnellen. Man könnte auf die Idee kommen, einfach den Fluss als Wanderweg zu verwenden. Das probiere ich auch, allerdings gibt es auch immer wieder tiefere Stellen und der Schlamm des Flussbettes will mich häufig festhalten. Es gibt hier auch eine besonders unangenehme Sache namens „Quicksand“ oder Treibsand zu deutsch.
Viele kennen die Stelle im Film „Lawrence von Arabien“ wo jemand im Sand versinkt. Das ist eine reine Erfindung des Films, die es im trockenen Sand nicht geben kann.
Anders sieht es aus, wenn Sand in Verbindung mit Wasser die richtige Konsistenz erreicht. Diese Mischung kann so „anziehend“ sein, dass man sich unter Umständen kaum noch befreien kann…
Im Führer wird dieses Phänomen für den Escalante eindrücklich beschrieben. Zwar bleibe ich zunächst nirgendwo stecken aber immer wieder einmal fühle ich, wie der Sandschlamm mich saugend festhält und ich mich beeilen muss, schnell wieder raus zu kommen…

Kurz gesagt, so richtig gut kommt man im Flussbett nicht vorwärts, zumal meine Lederstiefel schon nach kurzer Zeit schwer wie Blei sind. Jetzt wäre es schön, meine Turnschuhe noch dabei zu haben, aber diese hatte ich ja schon zu Anfang der Wanderung aus Gewichtsgründen zurück gelassen…

Da mir das Wandern im Wasser aus den genannten Gründen nicht besonders gefällt, versuche ich also an Land vorwärts zu kommen. Leider sind die offenen, sandig- kiesigen Abschnitte nicht besonders häufig. Immer wieder geht es durch den schwer zu durchdringenden, fast schon dschungelartigen Bewuchs aus Weiden und Tamarisken.
Häufig sind die Wände der Schlucht auch so steil und bis an den Gehölzgürtel reichend, dass ich nicht nach oben ausweichen kann. Immer wieder wechsle ich die Flussseite wenn mir das Weiterkommen auf der anderen Seite einfacher erscheint, oder unüberwindbare Hindernisse mich dazu zwingen.

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Wo ist die günstigste Route?

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Mühsames Wandern in der Escalante Schlucht

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Die Weidendickichte sind häufig fast undurchdringlich

Trotz der warmen Temperatur ist es nicht gerade angenehm, ständig mit nassen Füssen zu laufen, daher lege ich etwa alle zwei Stunden eine Pause ein, um Füße, Socken und Stiefel ein wenig zu trocknen.
Natürlich gibt es eine Menge Tiere in diesem wasserreichen, grünen Wüstenkorridor, auf die mich aber in erster Linie die zahlreichen Spuren hinweisen. Einmal entdecke ich sogar eine Pumafährte.
Als ich abends mein Lager bei einer hohen Pappel aufschlage, fliegt ein schwerer Truthahn auf und segelt auf die andere Flussseite.
Natürlich lasse ich mir die Gelegenheit nicht entgehen und bade ausgiebig im Fluss.

berniehh
14.11.2011, 14:49
Ich freue mich jedesmal auf die Fortsetzung deines Berichtes;-)

Mal wieder super Fotos und interessant geschriebener Bericht!!
Der Escalante Canyon gefällt mir ganz besonders gut. Deine Beschreibung und die Fotos davon erwecken Erinnerungen an meine eigene Tour am Escalante River.

Sabine38
14.11.2011, 15:34
Oh Mann, ich konnte das zwar jetzt nur schnell überfliegen weil ich noch auf der Arbeit bin, aber das macht mich wirklich neidisch! Da freue ich mich auf meine eigene kleine Tour jetzt im Dezember. Auch wenn es nicht so weit weg geht wie bei dir... :bg:

Savannah
26.11.2011, 10:17
Auch ich bin begeistert von diesem Bericht, er gehört für mich zu den schönsten, die ich jemals gelesen habe! Großartige Bilder und eine überaus anschauliche, spannende Schilderung deiner Abenteuer, so daß man das Gefühl haben kann, dabeizusein - einfach wundervoll!

Besonders schön für mich ist es natürlich, daß du hier durch eine Landschaft wanderst, die mir sehr vertraut ist. Deine Wanderroute mag ich an der einen oder anderen Stelle sogar einmal berührt haben, aber insgesamt führt sie durch eine Wildnis, die zu betreten ich mir nicht zutrauen würde, die ich aber liebe. Es macht großen Spaß, dich auf deinen ja gar nicht ungefährlichen Pfaden durch diese unberührte Natur begleiten zu dürfen.

Ich kann kaum erwarten, daß es weitergeht! :D

Wildniswanderer
26.11.2011, 11:31
Nachdem am nächsten Morgen einige Regentropfen gefallen sind, ist es wieder heiß und schön. Ich komme heute im Flusstal etwas besser voran, die Gebüsche sind weniger dicht und ich begegne keinem Treibsand. Dennoch muss ich häufig die Uferseite wechseln. Das Wasser ist jetzt oft so tief, dass ich nach geeigneten Watstellen Ausschau halten muss, die sich in der Regel an kleinen Stromschnellen finden.

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In der Escalante Schlucht

Einmal gelingt es mir eine hübsche Libelle aus der Nähe zu fotografieren.

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Eine hübsche Libelle lässt sich aus der Nähe fotografieren

Zwar sind die Flussdurchquerungen ziemlich einfach, aber dennoch passiert mir einmal ein Missgeschick. Als ich nach einer Watstelle die Uferböschung erklimmen möchte, rutsche ich im glatten Schlamm aus, und lande in der schmierigen Masse. Glücklicherweise fällt meine Kamera nicht in den Dreck, lediglich meine kurze Hose ist jetzt im wahrsten Sinne „schlammfarben“.

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Nach einem Sturz im Uferschlamm

Gegen 14 Uhr höre ich es entfernt donnern. Als ich mich umblicke sehe ich im Norden eine dunkle Gewitterfront.

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Gewitter im Oberlauf des Escalante

Ich rechne damit, dass das Gewitter bald auch bei mir ist allerdings fallen nur wenige Tropfen Regen. Nichts desto trotz weiß ich, dass Niederschläge im Oberlauf des 145 Kilometer lange Escalante auch hier Folgen haben können. Daher achte ich darauf jetzt keine Engstelle zu passieren, an der ich einer möglichen Flut nicht ausweichen könnte.
Und tatsächlich, nach einer halben Stunde schwillt der Escalante innerhalb weniger Minuten zu einem reißenden Strom an. Das vorher klare Wasser hat sich in eine rote Schlammsuppe verwandelt in der Treibholz und abgerissenes Grün schwimmt.
Zwar ist das keine große „Flashflood“, aber immerhin ist der Wasserstand soweit angestiegen, dass eine Überquerung des Escalante nur noch mit großem Risiko möglich wäre.

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Der Escalante hat sich in eine reißende, rote Suppe verwandelt

Ich bleibe jetzt auf der rechten Flussseite. Zwar muss ich einige kleinere Klettereinlagen absolvieren und bin langsamer als wenn ich jeweils dem günstigeren Ufer folge, aber dennoch komme ich voran. Als einmal eine Sandsteinplatte unter meinem Gewicht nachgibt und mit mir abrutscht, kann ich mich sofort wieder fangen.

Immer wieder erfreuen die Farbtupfer einige Blumen meine Augen.

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Einige Blüten erfreuen meine Augen

In der Nähe meines Nachtlagers sehe ich dann ein grandioses Zeichen zu was eine wirklich große Flut hier im Canyon fähig ist: Eine riesige Pappel mit angeschwemmten Geäst liegt 20 Meter über dem Fluss auf einemFelsen. So eine Flashflood hier im Canyon ist sicher extrem eindrucksvoll, allerdings nur wenn man sich hoch genug über dem Fluss befindet…

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Zeugnis einer gewaltigen Sturzflut

Beim richtigen Wasserstand wäre es sicher ein Vergnügen mit dem Packraft den Escalante zu befahren. Die beste Chance hierzu hat man nach der Schneeschmelze im Frühjahr. Aber in diesem engen Canyon mit seinen zahlreichen Blöcken ist es sicher nicht so einfach zu manövrieren.

Am nächsten Morgen hat sich der Fluss etwas beruhigt, aber der Wasserstand ist nach wie vor viel höher als zuvor. Zumindest lässt sich der Escalante an geeigneten Stellen jetzt wieder überqueren. Allerdings ist im trüben Wasser die tatsächliche Tiefe schwer abzuschätzen. Daher geschieht mir bei einer Querung ein übles Missgeschick: Zwar verpacke ich meine Kamera wasserdicht für alle Fälle, vergesse aber mein kleines Fernglas, das ich wie üblich in der Seitentasche meiner Hose verstaut habe. Das ich meine Sachen nicht ausgezogen habe und daher jetzt auch meine Unterhose nass ist, ist bei den herrschenden Temperaturen nicht weiter schlimm. Allerdings hat auch das Fernglas einen Tauchgang eingelegt. Leider ist es nicht abgedichtet, daher ist Wasser eingedrungen. Zunächst hoffe ich ein wenig, dass die Flüssigkeit verdunstet und ich das Glas dann wieder benutzen kann. Zwar ist das Wasser nach einiger Zeit tatsächlich aus dem Fernglas verschwunden, aber natürlich bleibt soviel Sediment aus der roten Suppe des Escalante zurück, dass ich nur noch im wahrsten Sinne „trübe Aussichten“ damit genießen kann.

Zwar habe ich heute weniger mit dichter Vegetation zu kämpfen, aber die Mischung aus zähem Uferschlamm an meinen Stiefeln und kleinen Kletterpartien in den Canyonhängen ist meiner Gesundheit im Zweifelsfall auch nicht wirklich förderlich.

Als am Nachmittag ein natürlicher Steinbogen hoch oben in der Steilwand der Schlucht auftaucht, denke ich, dass die zwar schöne, aber doch ziemlich anstrengende etwas vierzig Kilometer lange Wanderung in der Escalante Schlucht ihrem Ende entgegen geht.

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Stevens Arch

Auf dessen Höhe soll laut dem Führer Coyote Gulch, ein Nebencanyon des Escalante abzweigen. Zwar kommt es mir ziemlich merkwürdig vor, dass der Zugang zum Canyon sehr steil ansteigt, aber da ich auf Steinmännchen stoße, denke ich mir nichts weiter dabei, bis ich nach einiger Zeit doch erkennen muss, dass ich in einer Sackgasse gelandet bin.

Zurück am Escalante erweist es sich als zunehmend schwierig dem Fluss weiter zu folgen. Ich quere nach links, bald darauf zwingt mich aber wieder eine unüberwindbare Steilwand zu einem Seitenwechsel. Aber wo ich es auch probiere, das Wasser ist überall zu tief zum Waten und am Ufer lauert tückischer Quicksand.
Schließlich habe ich eine mir halbwegs geeignet erscheinende Stelle gefunden. Kleidung und alles was nicht mit Wasser in Berührung kommen darf habe ich wasserdicht verpackt, leider haben meine dazu gedachten Beutel bereits einige Löcher, daher würde ein längerer Schwimmgang meiner Kamera bestimmt nicht bekommen…
Aber die Überquerung scheint zu klappen, fast habe ich das andere Ufer erreicht, als ich merke, wie mich die saugende Mischung aus Sand und Wasser mit eiserner Faust festhalten will. Mir ist klar, dass wenn ich stehen bleibe es schwer werden wird aus dem Matsch wieder heraus zu kommen. Daher kämpfe ich mich aus Leibeskräften vorwärts, immer kurz davor endgültig stecken zu bleiben. Doch schließlich habe ich es geschafft, zwar sehe ich so aus, als käme ich gerade vom Schlammcatchen, aber immerhin bin ich drüben. Nachdem ich mich etwas umgeschaut habe, entdecke ich schließlich sogar eine Stelle wo ich wieder ans Wasser gelangen kann, um mir die schnell trocknende Pampe abzuwaschen.

Bald darauf biege ich in den nächsten Seitencanyon ein, in der Hoffnung, dass dieser Coyote Gulch ist. Aber auch diesmal bin ich zu früh vom Fluss abgebogen. Wieder stoße ich auf Steinmännchen, denen ich folgen kann. Sie führen zu einer nicht ganz einfachen, aber machbaren Ausstiegsroute aus dem Canyon. Irgendwann stehe ich hoch oben über dem Canyon auf schmalen, ebenen Sandsteinsimsen.

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Hoch über der Escalante Schlucht

Im Canyon zu laufen ist eine anstrengende aber schöne Erfahrung, aber hier hoch oben über der tiefen Schlucht zu wandern ist einfach grandios, vor allem im sanften Licht des Spätnachmittags bevor der Canyon wieder vollkommen im Schatten liegt.
Zwar beruhigen mich die unregelmäßigen Steinmännchen ein wenig, aber mir ist natürlich klar, dass mein Sims jederzeit aufhören kann und der Übergang zur nächsten Stufe möglicherweise zu schwierig für mich ist. Und tatsächlich, muss ich auch einige Male den Komfort der ebenen Balkone verlassen, aber ich komme ohne Probleme auf das „nächste Level“
Irgendwann sehe ich Stevens Arch wieder auf der anderen Flussseite aber jetzt viel näher. Durch diesen fantastischen Bogen sollen sogar schon tollkühne Flieger geschossen sein.

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Stevens Arch

Meine Route hat einen Bogen gemacht und tief unter mir liegt jetzt mein Ziel Coyote Gulch.

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Coyote Gulch von oben
Zwar ist der Anblick dieses gewundenen grünen Korridors von oben fantastisch, aber gleichzeitig auch ziemlich beängstigend. Wie soll ich in diesen offenbar überall steil abbrechenden Schlund sicher hinabsteigen?
Aber ich habe Glück, die Steinmännchen führen mich problemlos nach unten, zu einem traumhaften Lagerplatz unter hohen Pappeln. Dieses ist der erste, offenbar regelmäßig genutzte Zeltplatz auf den ich stoße. Auch hier ist das Wasser noch braun, offenbar gab es in Coyote Gulch ebenfalls eine kleine Flashflood.

Bereits in der Dämmerung bin ich am nächsten Morgen wieder unterwegs. Es dauert nicht lange bis ich auf ein kleines Lager mit einigen Leuten stoße.
Nach einer kurzen Unterhaltung weiß ich, dass der Guide Aaron Johnson aus Escalante hier mit vier Kunden unterwegs ist. Alle schwärmen von der Schönheit Coyote Gulchs daher bin ich gespannt was mich weiter erwartet.

Die Schlucht ist wesentlich schmaler als Salt Creek im Canyonlands Nationalpark, dabei aber noch üppiger. Es gibt mit Ried und sattgrünem Schachtelhalm bedeckte Flächen und manchmal erinnern in einigem Abstand zu einander stehende hohe Pappeln an eine Parklandschaft. Überall ist Wasser. Neben dem braunen Hauptlauf gibt es einige klare Quellen und immer wieder hängende Gärten unter schützenden Überhängen in denen das ständig tröpfelnde Wasser kleine Paradiese in dieser sonst so trockenen Landschaft schafft.

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Coyote Gulch

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Hängende Gärten unter schattigen Überhängen

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Parkartige Pappelwälder grenzen an dichte Ufervegetation

Manchmal ist eine Art Pfad erkennbar, häufig aber auch nicht. Das erzeugt in mir den Eindruck, dass Coyote Gulch zwar gelegentlich einige Besucher erhält, aber keineswegs überlaufen ist.

Es gibt hier sogar richtige, kleine Wasserfälle die über Steilstufen fallen. Während einer Flut sehen die sicher richtig spektakulär aus.

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Steilstufe mit kleinem Wasserfall

An einer nur zwei Meter breiten Engstelle steht tiefes Wasser. Ich ziehe mich aus und erkunde erst einmal ohne Gepäck ob ich die Stelle ohne zu schwimmen überwinden kann. Zwar ist das Wasser hier tatsächlich erstaunlich tief und kalt, aber meinen Rucksack über dem Kopf tragend kann ich gerade noch hindurchbalancieren.

Einmal nehme ich eine Bewegung in der dichten Vegetation war und schaue genauer hin.

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Wer verbirgt sich hier?

Ich habe eine Gruppe von Maultierhirschen entdeckt, die nicht besonders scheu ist und sich einige Male von mir fotografieren lässt.

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Maultierhirsche

Erst gegen Mittag erreicht die Sonne den Canyon und lässt unter dem strahlend blauen Himmel die Landschaft noch einmal so schön erscheinen.

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Coyote Gulch ist eine üppig grüne Oase

Es gibt hier auch eine Reihe von Felsbögen. Einer davon gefällt mir besonders, weil der Bach mitten hindurch fließt!

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Der Bach fließt unter einem Steinbogen durch

Irgendwann erreiche ich das Seitental des Hurricane Wash. Anfangs gibt es auch hier noch Wasser und die Canyonwände stehen eng beieinander. Schließlich verwandelt sich die Schlucht aber in ein trockenes Kiesbett in der offenen Wüste.

Gegen 15.30 erreiche ich schließlich die Hole- in- the Rock- Road, eine Schotterpiste. Sie verdankt ihren seltsamen Namen einer Gruppe von Mormonen die 1879 diese Route erschlossen haben. In der Nähe des Glen Canyons fanden sie einen engen Felsdurchgang den sie in sechs- wöchiger mühevoller Arbeit so präparierten, dass auch ihre Planwagen die Engstelle passieren konnten.

Ich habe unheimliches Glück, denn genau in dem Moment als ich die Straße erreiche, tauchen zwei Geländewagen auf und halten bei mir. Es handelt sich um die Gruppe die ich am Morgen in Coyote Gulch getroffen hatte! Sie hatten ihren Plan den Canyon weiter zu erkunden aus einem Grund den ich später erfahren sollte nicht umgesetzt und waren auf direkter Route zu ihren Wagen an einer Piste oberhalb von Coyote Gulch zurückgekehrt.

Ich darf einsteigen und die etwa 60 Kilometer bis nach Escalante mitfahren.
Der erst 26- jährige Aaron Johnson hat im letzten Jahr sein Unternehmen „Grand Staircase Adventure Guides“ gegründet, und begleitet Kunden auf mehrtägigen Touren durch die umliegenden Canyons. Sein 47- jähriger Freund Mike hilft ihm dabei, wann immer es seine Zeit erlaubt.

Die Piste ist in ziemlich schlechtem Zustand, daher benötigen wir eineinhalb Stunden für die recht kurze Strecke!

Das erst 1876 gegründete Escalante hat zwar nur 800 Einwohner, ist aber das touristische Zentrum für einen weiten Einzugsbereich. So befindet sich hier auch ein Besucherzentrum für das Grand Staircase- Escalante Nationalmonument.
Dieses mit über 7500 km² ziemlich riesige Gebiet wurde erst 1996 durch die Clinton Regierung nach langen Kontroversen als Schutzgebiet ausgewiesen. Der Hayduke Trail wird mich ab hier für weite Strecken durch dieses Reservat führen.

Aaron empfiehlt mir Escalante Outfitters zum Übernachten. Dieser Laden ist eine Kombination aus Restaurant, Ausrüstungsladen und Campingplatz. Ich komme in einer kleinen Blockhütte unter und gehe anschließend im Lebensmittelladen des Ortes einkaufen für die nächsten acht Tage. Zwar veranschlagt der Führer sogar 12 Tage für die vor mir liegende Strecke, aber ich möchte ungern Verpflegung für so lange Zeit mitschleppen, da ich auch viel Wasser werde tragen müssen. Im Ausrüstungsladen kann ich Ersatz für meine durchlöcherten Wassersäcke beschaffen.

Später verabrede ich mich mit Aaron und Mike zum Pizza essen bei Escalante Outfitters. Als ich eine 16- inch Pizza nur für mich bestelle (40,6 cm Durchmesser) fragt die Bedienung mich ob sie gleich eine Schachtel für die Reste mitbringen soll.
Als ich strahlend verkünde, dass es keine Reste geben wird, guckt sie mich ungläubig an, dass scheint auch in der Heimat der Fettleibigkeit eine ganz ordentliche Portion zu sein und eigentlich sehe ich ja auch nicht so aus, als ob ich ständig solche Mengen essen würde…

Wir unterhalten uns sehr gut über die Tourenmöglichkeiten in den Canyons der Umgebung und Aaron erzählt von den Erfahrungen mit seiner Firma. Die Tour heute musste er abbrechen, da eine der vier Kunden sich so unwohl in der Wildnis gefühlt hat, dass sie regelrechte Angstzustände entwickelt hatte…

Natürlich gibt es wie angekündigt keine Reste bei meiner Pizza, aber da wir draußen sitzen und es sich ziemlich abgekühlt hat ist auch meine Pizza am Ende nicht mehr gerade warm.

Die nächste Etappe soll mich durch das größte straßenlose Stück Wildnis der USA außerhalb Alaskas führen. Gleichzeitig enthält dieser Abschnitt auch einen der laut Führer längsten wasserlosen Abschnitte des Hayduke Trails.

Kurz gesagt: Es wird spannend bleiben!

heron
26.11.2011, 18:17
Spannend, spannend! Bitte weiter :bg:
Das ist eine traumhaft schöne Landschaft, die du da in Bildern eingefangen hast!

boehm22
26.11.2011, 21:23
Toll geschrieben und fotografiert, diese Etappe war wieder ein echtes Highlight.

Ich war zwar auf der Hole-in-the-Rock-Road unterwegs, aber nicht bis zum Ende am Coyote Gulch, ich sehe schon - ich habe was verpasst.

Savannah
26.11.2011, 22:34
Ich hatte nicht erwartet, daß mein Wunsch nach Fortsetzung dieses tollen Berichts so schnell in Erfüllung ginge ;-)

Ich muß mich wiederholen: Fantastische Landschaften und Bilder, und ein echtes Abenteuer, das du da schilderst, in jedem Moment aufregend und superspannend zu lesen. Ganz großes Kompliment!

Wildniswanderer
02.12.2011, 08:55
5. Über das Kaiparowits Plateau zum Bryce Nationalpark
Schon um halb acht holt Mike mich ab, der mir freundlicherweise einen lift bis zum Anfang der Hole-in- the- Rock Road gewährt. Kurz danach nehmen mich zwei Damen, die ich bei den Outfitters getroffen hatte weiter mit. In Escalante findet zur Zeit ein Musikfestival statt und Teil des Programms ist auch die atemberaubende Landschaft um den Ort darzustellen. Um zu malen fahren die beiden Frauen bis Devils Garden wo ich mich dann wieder an die Straße stelle.

Als bald darauf ein Wagen mit einem Ranger des Grand- Staircase Escalante Nationalmonuments auftaucht, habe ich ein etwas unangenehmes Gefühl:
Um im Nationalmonument mehrtägige Wanderungen durchzuführen, benötigt man eigentlich ein Permit. Dieses ist zwar kostenlos, aber da gestern Abend das Besucherzentrum bereits geschlossen war und heute Morgen noch nicht geöffnet, bin ich ohne das benötigte Papier losgezogen…
Der Ranger hält und bietet mir an einzusteigen obwohl das Mitnehmen von Anhaltern ihm eigentlich nicht gestattet ist. Sofort merke ich, dass er locker drauf ist und selber gerne alle möglichen Arten von Outdoorsport betreibt. Er ist erst seit einigen Monaten hier in Escalante und hat vorher in Alaska gearbeitet. Als ich ihm von meinem Packraft erzähle ist er gleich Feuer und Flamme.
Während er am Dry Forks Trailhead Müll aufliest gibt er mir das Formular für das Permit…Das ich versäumt habe mir das Papier in Escalante zu besorgen stellt für ihn kein Problem dar!

Schon wieder habe ich einen äußerst netten, großzügigen Amerikaner getroffen. Die Meinung von vielen Deutschen über die Angehörigen dieses Staates ist ja ziemlich schlecht und stimmt überhaupt nicht mit meinen Erfahrungen überein.
Kurz nachdem wir die Stelle passiert haben, an der ich gestern die Straße erreichte, biegen wir in eine Piste ein, die in Richtung des Plateaus führt. Der nette Ranger macht diesen Umweg um mir die ersten 5 langweiligen Pistenkilometer zu ersparen!

Als wir Fiftymile Bench erreichen, habe ich so immerhin schon ein gutes Stück des Anstiegs auf das Kaiparowits Plateau hinter mir.
Zunächst verläuft der Weg noch ein Stück weit als auch von Fahrzeugen befahrbare Piste um dann in den Middle Pack Trail, eine wohl ursprünglich hauptsächlich von Cowboys benutze Route zu den Weidegründen des Plateaus überzugehen.

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Aufstieg zum Kaiparowits Plateau

Da es inzwischen schon spät am Morgen ist, komme ich bei dem recht steilen Anstieg ziemlich ins Schwitzen. Mit zunehmender Höhe wird die Vegetation dichter und einige rot verfärbte Sträucher und Eichen mit gelben Blättern zeigen mir, dass hier der Herbst langsam seinen Einzug erhält.
Oben auf ca. 2300 Metern angekommen schweift noch einmal mein Blick zurück bis zu den Henry Mountains.

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Ich weiß nicht warum, aber Kolkraben scheinen diese Stelle zu lieben. Etwa 20 der schwarzen Gesellen kreisen über mir. Sehe ich wirklich schon so tot aus?

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20 Kolkraben kreisen über mir

Laut dem Führer soll ich weiterhin den Wegen der Packpferde folgen. Allerdings erweist sich das bald als aussichtslos. Vage Andeutungen von Pfaden kommen und gehen, das Plateau hier dient als Viehweide und dementsprechend kann man die Spuren der Rinder leicht für den im Führer beschriebenen Weg halten.
Was solls, zwar laufe ich wann immer es sich anbietet auf einem von Rindern gebahnten Pfad, wenn der aber nicht meiner Richtung entspricht marschiere ich halt nach Karte und Kompass querfeldein.
Es gibt jetzt in diesem „zweiten Frühling“ nach den Gewitterregen etliche blühende Blumen. Der grau- grüne Sagebrush erreicht hier manchmal erstaunliche Höhen und ist nicht ganz einfach zu durchqueren.

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Blumen, Wacholder und hoher Sagebrush auf dem Kaiparowits Plateau

Die im Führer beschriebene Quelle am Oberlauf des Llewelyn Canyon ist trocken, aber von grünem, vom Vieh rasenkurz gehaltenem Gras bestanden. Obwohl ich zahlreiche Hinweise auf das Vorhandensein von Rindern bemerke, sehe ich nicht eine einzige Kuh.

Bis zur Mudhole Spring ist ein Pfad recht gut zu erkennen. Diese liegt in einem malerischen Aspenhain und ist durch einen Zaun vorm Vieh geschützt. Nebenan liegt eine Hütte die offenbar als Stützpunkt zur Überwachung dieses Teils des Grand- Staircase Escalante Nationalmonuments dient.

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Aspenhain an der Mudhole Spring

Da ich damit rechnen muss, für lange Zeit kein Wasser mehr zu finden, „tanke“ ich hier 10 Liter auf.
Bald nach der Quelle gibt es wieder keinen eindeutig verfolgbaren Pfad, daher laufe ich weglos weiter.
Manchmal stoße ich auf regelrechte Meere gelber Blüten. Eine unerwartete Pracht!
Es ist schön durch die aussichtsreichen Weiten des Plateaus zu streifen, wenn auch die Spuren des Viehs mein „Wildnisgefühl“ etwas trüben.

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Ausgedehnte Flächen gelber Blumen auf dem Plateau

Schließlich gelange ich an einen extrem dicht mit dornigen Sträuchern bewachsenen Seitencanyon der mich zum Oberlauf des Monday Canyons bringt. Dieser ist eng und von steilen grauen Sandsteinwänden eingefasst. Durch die dichte Vegetation hat diese Schlucht wieder einmal einen ganz anderen Charakter als viele andere Canons die ich bisher kennen lernen durfte.
Bevor ich nach 18 Uhr mein Lager aufschlage muss ich noch einen recht hohen Absturz überwinden. Da die Schlucht ziemlich eng ist, dauert es längere Zeit bis ich einen halbwegs ebenen, vor Überschwemmungen geschützten Platz gefunden habe.

Am Morgen ist es so frisch, dass ich mit langer Hose und Windshirt im Schein der Stirnlampe loslaufe. Obwohl es hier laut Führer keine Wasserstelle gibt, entdecke ich einige tiefe Wasserlöcher in den Felsen. Diese sehen wirklich nicht mehr vertrauenerweckend aus, daher entkeime ich das Wasser bevor ich wieder meinen 10 Liter Vorrat auffülle.

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Wenig Vertrauen erweckende Wasserstelle im Monday Canyon

Nach der Beschreibung soll nur der mittlere Teil des Canyons ziemlich schwierig sein, aber ich würde ihn eher durchgehend als übel bezeichnen. Ständig muss ich mich durch Labyrinthe aus chaotischen Felsbrocken schlagen.

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Monday Canyon- mit Hindernissen gespickt

Meist sind die Abstürze nicht besonders hoch, aber dennoch verlangt ihre Überwindung immer wieder Vorstellungskraft beim Finden einer möglichen Route.
Manchmal stehe ich aber auch vor tieferen Abgründen…

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Wie komme ich nach unten?

Ich komme nur sehr schwer vorwärts und langsam befürchte ich, dass die im Führer veranschlagten 12 Tage für diesen Abschnitt doch nicht so unrealistisch sind…
Da die Schlucht ziemlich steil ist, verliere ich rasch an Höhe und gelange wieder in nur spärlich bewachsene Bereiche.

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Der Monday Canyon ist ziemlich steil, so dass ich rasch an Höhe verliere

Erst gegen Mittag erreiche ich die Einmündung in Rogers Canyon. Ich hoffe inständig, dass das Vorankommen hier einfacher wird. Leider erfüllt sich mein Wunsch nicht…

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Interessante Felsskulptur in Rogers Canyon

Besonders unangenehm sind die hier vorkommenden stachligen Pflanzen. Erstaunlicherweise sind in dieser trockenen Gegend auch ganze Abschnitte von Tamarisken bewachsen.

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Unangenehm stachlige Vegetation

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Mühevolles Vorankommen in Rogers Canyon

Es ist heiß, die Stachelpflanzen nerven und ich kann sagen, dass diese Schlucht in meiner Beliebtheitsskala ganz unten steht!

Erst als ich Croton Canyon erreiche wird das Vorankommen wieder einfacher. Die Landschaft wird offener und ich erkenne warum die Unterschutzstellung des Kaiparowits Plateaus so umstritten war: Auf weiter Strecke scheint hier Kohle bis an die Erdoberfläche zu treten und ergibt fantastische Kontraste zu den üblichen ockerfarbenen Bergen.

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Tolle Kontraste in der Umgebung von Croton- und Navajo Canyon

Da die Landschaft recht einfach pfadlos zu durchwandern ist, nehme ich eine Abkürzung und erreiche bald den Navajo Canyon. Das von breiten Rissen zerfurchte ausgetrocknete Schlammbett verrät, dass auch in dieser trockenen Landschaft mitunter Wasser fließt.
Die anstrengende Wanderung in Kombination mit der Hitze und zu wenig Wasseraufnahme hinterlässt bei mir ihre Spuren. Ich fühle mich ziemlich fertig und sehne mich danach bald mein Lager aufzuschlagen.
Aber plötzlich verfliegt die Müdigkeit durch einen Adrenalinstoß: Ein aggressives Rasseln verrät eine Klapperschlange, die vor mir zusammengerollt im Bachbett liegt.

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Eine Klapperschlange liegt zusammengerollt vor mir im Bachbett

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Mit dem Schwanz erzeugt sie das Rasseln

Da ich gerne etwa mehr von ihr sehen möchte, werfe ich kleine Steinchen in ihre Nähe und werde belohnt…

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Die Schlange setzt sich langsam in Bewegung

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In voller Schönheit

Es sieht nicht nach Regen aus, daher möchte ich ohne Zelt übernachten. Allerdings laufe ich noch ein Stückchen weiter, so schön die Schlange auch war, ich möchte vermeiden, dass sie mich im Schlafsack besucht…
Trotz der schwierigen Bedingungen habe ich heute etwa 22 Kilometer zurückgelegt und bin damit hochzufrieden.

Wildniswanderer
04.12.2011, 09:37
Es sieht nicht nach Regen aus, daher möchte ich ohne Zelt übernachten. Allerdings laufe ich noch ein Stückchen weiter, so schön die Schlange auch war, ich möchte vermeiden, dass sie mich im Schlafsack besucht…
Trotz der schwierigen Bedingungen habe ich heute etwa 22 Kilometer zurückgelegt und bin damit hochzufrieden.

Noch in der Dämmerung um kurz vor sieben starte ich im Schein meiner Stirnlampe. Während der Canyon bisher offen war, gelange ich bald an eine steile Passage voller Felsblöcke und kleiner Abstürze. Ich hoffe sehr, dass meine Wanderung schluchtaufwärts sich nicht in dieser Art fortsetzt.
Diesmal habe ich Glück, bald öffnet sich der Canyon und wird zu einem für die hiesigen Verhältnisse recht breiten Tal. Ich muss darauf achten, mit dem Surprise Valley die richtige Ausstiegsroute unter zahlreichen Seitencanyons zu nehmen. Aber mit den abgespeicherten GPS- Koordinaten ist das kein Problem.

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Surprise Valley


Nach kurzer Wanderung in diesem Tal gelange ich auf eine Fahrspur, die mich bald zu einer stärker genutzen Piste auf einer Wasserscheide führt.
Wie war das noch, größte straßenlose Wildnis der USA außerhalb von Alaska?

Glücklicherweise kann ich die Straße bald verlassen und steige auf einer nicht im Führer erwähnten Fahrspur bis in die Nähe des Reese Canyon ab.
Zwar hatte ich im Navajo Canyon wieder etwas an Höhe gewonnen, aber hier im Reese Canyon bin ich wieder in einer extrem kargen, trocken- heißen Wüstenlandschaft gelandet. Zwar mündet die Schlucht in den Last Chance Creek, mein nächstes Ziel, aber nach der Karte sollte eine Abkürzung „querfeldein“ möglich sein.
Von den zehn Litern Wasser die ich gestern Morgen im Monday Canyon aufgefüllt hatte, sind nur noch drei übrig. Daher ist es extrem wichtig für mich, im Last Chance Creek tatsächlich Wasser zu finden. Ist dieser ausgetrocknet, so hoffe ich zwar, dass das dann nicht meine letzte Chance gewesen ist, aber der Weg zurück zum Monday Canyon mit so wenig Wasser würde vor allem angesichts der schwierigen Wegstrecke extrem mühsam werden.
Der vor mir liegende Anstieg ist im steilen, feinen Geröll schwerer als ich dachte, aber schließlich stehe ich auf der Bergkette zwischen den beiden Tälern.
Der Blick von oben bestätigt mir noch einmal eindrucksvoll wie trocken und lebensfeindlich diese Landschaft wirkt.

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Extrem trockene, lebensfeindliche Landschaft

Unter mir liegt das Tal des Last Chance Creeks. Auf den ersten Blick erscheint es ebenfalls völlig ausgetrocknet und mein Herz beginnt schon in die Hose zu rutschen.
Doch dann schaue ich genau hin, was ist das Braune dort im trocken erscheinenden Bachbett? Kein Zweifel, es ist
[B]Wasser, Hurra!!!

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Last Chance Creek, gibt es dort Wasser?

Ich bin schon fast unten, als ich oberhalb einer steilen Felsstufe stehe. Jetzt nur keinen Fehler machen, in der Freude zum Wasser zu kommen!
Ich bin geduldig und nehme einen Umweg in Kauf um die Stufe zu umgehen, aber schließlich habe ich es geschafft und stehe am Last Chance Creek.
Welch Wunder, dieser fließt hier sogar plätschernd vor sich hin und es gibt relativ tiefe, klare Gumpen!

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Hier kann man sogar baden!

Nachdem ich mich satt getrunken habe, nehme ich erst einmal ein erfrischendes Bad in dem erstaunlich kühlen Bach und wasche anschließend Socken und T- Shirt, natürlich ohne Seife…

Auf meinem weiteren Weg ist der Bach schon nach wenigen Metern wieder versiegt taucht aber immer wieder einmal an die Oberfläche.
Auch hier sind angespülte Stämme Zeugen vergangener Fluten.

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Nicht immer ist das Bachbett so trocken…

Auf dem ausgetrockneten Schlamm des Bachbetts komme ich gut voran.
Manchmal scheint es, als ob die Uferbank regelrecht aus Kohle besteht.

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Ein Ufer aus Kohle

Wo Wasser ist, ist auch Leben. So kann ich einen großen Adler und einige Wachteln beobachten. Im Schlamm finde ich häufig Spuren von Koyoten und die Abdrücke von schafähnlichen Hufen.

Irgendwann sehe ich auch deren Urheber: Ein halbwüchsiges Wüsten- Dickhornschaf sieht auf mich herab.

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Eines der seltenen Wüsten- Dickhornschafe

Die Dickhornschafe auf Englisch Bighorn Sheep genannt, kommen hauptsächlich in den Bergen der Rocky Mountains bis rauf nach Kanada vor. Hier im Südwesten der USA gibt es eine Unterart die sich ganz auf das Leben in den wasserarmen Einöden spezialisiert hat.
Diese Tiere sind recht selten, daher bleibt dieses auch das Einzige, das ich auf meiner ganzen Hayduke Wanderung zu Gesicht bekomme.

Weiter im Oberlauf fließt der Bach wieder und bildet eine richtige grüne Oase in der auch hohe Pappeln wachsen.

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Gegensatz- weißer Sand und grüne Pappeln

An einer besonders schönen Stelle mit hängenden Quellen im wieder enger gewordenem Canyon, einem murmelndem Bach mit tiefen Gumpen und einladenden ebenen Flächen schlage ich mein Lager auf. Wieder einmal spare ich mir den Aufbau des Zeltes.

Als ich mit dem Rücken an die Felswand gelehnt auf meiner Matte sitze, glaube ich meinen Augen kaum zu trauen: Eine große, haarige Vogelspinne oder Tarantel hält mit großen Schritten auf meine Sitzunterlage zu, offenbar in der Absicht sich darunter zu verstecken!

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Die große Spinnne will sich unter meiner Matte verstecken

Das ist mir denn doch ein wenig zu nah und ich bugsiere sie wieder aus ihrem neu gefundenen Unterschlupf.

Nach dem ich sie noch einmal fotografiert habe, erschlage ich sie schließlich mit einem Stein.

Zwar habe ich nichts gegen Spinnen, aber eine ungestörte Nachtruhe ist mir jetzt wichtiger…

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Tarantula

Als der halbe Mond etwas Licht spendet lasse ich den Tag mit der Zubereitung meiner üblichen Nudelmahlzeit auf dem Hobo-Kocher ausklingen.

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Hobo Kocher

Am Morgen stehen einige Schleierwolken am Himmel und es hat sich etwas eingetrübt. Ich folge weiterhin dem jetzt recht breiten, sandigen Tal des Last Chance Creeks. Da ich nicht weiß, ob und wann der Bach wieder an der Oberfläche auftaucht, bin ich wieder mit meinen gewöhnlichen zehn Litern Wasser beladen.
Aber jedesmal wenn ich damit rechne das letzte Wasser gesehen zu haben gelange ich wieder an einen Abschnitt mit manchmal sogar fließendem Bach. Im Prinzip hätte ich mir also heute das Schleppen des Wassers sparen können, aber ich konnte ja nicht sicher sein…

Sowohl Last Chance Creek als auch das Tal des Paradise Canyon dem ich anschließend folge sind sehr schön. Neben ersten Blättern in Herbstfärbung gibt es noch blühende Blumen und Tamarisken.
An einem Wasserloch mache ich eine interessante Beobachtung: Eine große Fledermaus schießt dicht über der Wasseroberfläche immer wieder minutenlang hin und her auf der Jagd nach Insekten Sie stößt kieksende Geräusche aus und beachtet mich überhaupt nicht. Natürlich möchte ich sie fotografieren, was bei ihrer rasanten Geschwindigkeit aber gar nicht so einfach ist. Immerhin gelingt mir ein halbwegs scharfes Bild, allerdings nur von hinten.

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Die große Fledermaus jagt am hellichten Tag über einem Wasserloch

Plötzlich erscheint ein Sperber und versucht die Fledermaus zu fangen, allerdings ist sie viel zu gewandt für ihn und er streicht erfolglos ab um sich in der Nähe auf einem Felsen nieder zu lassen.
Die Fledermaus setzt dagegen völlig unbeirrt ihre Flüge über dem Wasserloch fort.

Bisher habe ich über Tag immer nur kurz gerastet und erst abends im Lager gekocht.
Heute dagegen entdecke ich einen schönen Platz unter einer schattigen Pappel mit Wasser und Holz in der Nähe der mich zum längeren Verweilen einlädt, was ich zum Kochen einer Mahlzeit nütze.

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Ein schöner Platz für eine ausgedehnte Mittagsrast

Über einen Seitencanyon in dem frisch entwurzelte Pappeln von kürzlichen Überschwemmungen künden erreiche ich eine Piste.

Ich bin auf dem westlichen Kaiparowits Plateau angelangt und zurück in der Zone des Pinyon Kiefer- Wacholder Buschlands mit ausgedehnten Sagebrushbeständen.

Eigentlich hasse ich ja das Laufen auf Pisten. Aber da zunächst kein Auto vorbeifährt, fühlt es sich nicht viel anders an als ob ich auf einem deutschen Wanderweg unterwegs wäre. Es ist angenehm mal nicht bei jedem Schritt auf das Gelände achten zu müssen und mit sagenhafter Geschwindigkeit voranzukommen.
Nichts desto trotz als sich die Gelegenheit zu einer Abkürzung durch den Busch ergibt, freue ich mich wieder selbstständig für die nächsten zwei Kilometer meinen Kurs bestimmen zu können.

Wieder einmal täuscht die scheinbar einförmige Landschaft des Plateaus. Zahlreiche Trockenbetten und Felsgruppen sorgen für Abwechslung.
Einmal ergibt sich sogar eine schöne Aussicht bis zum fernen Block des Navajo Mountain und den Bergen des Cockscomb, meinem nächsten Ziel.
Schließlich erreiche ich wieder eine Piste und setze meine Wanderung in den Sonnenuntergang hinein fort.

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Ich wandere in die Dämmerung hinein

Als es schon fast dunkel ist, überholen mich in einigem Abstand mehrere Geländewagen. Einer von ihnen hält und wir führen eine kurze Unterhaltung. Es handelt sich um Jäger die auf Maultierhirsche aus waren allerdings keinen Erfolg hatten.
Zwar ist es nett, sich nach etlichen einsamen Tagen mal wieder mit Menschen unterhalten zu können, aber lieber wäre es mir gewesen heute noch einmal die Gegend für mich zu haben.

Ein schöner Sonnenuntergang entfaltet sich und im Schein der Stirnlampe laufe ich weiter in die Nacht.

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Die letzten Farben des Sonnenuntergangs bevor die Nacht anbricht

Da ich ja heute schon gekocht habe und es nicht nach Regen aussieht, muss ich nicht wählerisch sein, was mein Lager angeht. Daher lege ich mich als ich müde werde einfach ein Stück von der Dirt Road entfernt in den Busch und genieße den Sternenhimmel bevor ich einschlafe.

In der Nacht kühlt es sich stark ab und ich friere erstmals auf dieser Tour ein wenig in meinem Schlafsack. Auch als ich am nächsten Morgen vor Sonnenaufgang wieder unterwegs bin, werde ich nicht wirklich warm und trage sogar meine dünnen Handschuhe!

Nachdem die Sonne aber empor gestiegen ist dauert es keine Stunde und ich wandere wieder unter einem wolkenlosen Himmel in kurzer Hose und T- Shirt.
Da die Piste mich zunehmend langweilt versuche ich so schnell wie möglich voranzukommen. Immer wieder geht es über kleine Hügel die schöne Ausblicke in die umliegende Landschaft gewähren.
Ein kleiner Baum am Wegrand ist bereits komplett goldgefärbt.

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Die ersten kalten Nächte haben ihre Spuren hinterlassen

Bald steige ich hinab ins Butler Valley und vor mir erscheint ein bizarres Felsmassiv.

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Bizarre Felsen erheben sich aus Butler Valley

Als ich näher trete sehe ich die unverkennbaren Zeichen der Zivilisation: Asphalt, einen Parkplatz, ein Toilettenhäuschen und eine Tafel die über die hier zu besichtigende Sehenswürdigkeit aufklärt.

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Grosvenor Arch

Es handelt sich um den Doppelbogen Grosvenor Arch der von der Erosion hoch über meinem Kopf aus dem Fels gemeißelt wurde.
Ein älteres Ehepaar aus Kalifornien ist ebenfalls hier und lädt mich nach kurzer Zeit ein mit ihnen ein Stück weit mitzufahren.
Bald haben wir die Cottonwood Canyon Road, eine unbefestigte Piste erreicht und ich steige nach etwa fünf Kilometern am Trailhead der Wanderung zum Round Valley Draw wieder aus.
Auf diesen Slotcanyon bin ich besonders gespannt, aber zunächst laufe ich durch ein offenes Tal. Hier stehen die Sagebrushsträucher in voller Blüte.

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Blühender Sagebrush

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Round Valley Draw beginnt unspektakulär

Dann gelange ich zu einem tiefen, sehr engem Spalt in der Talsohle. Zunächst kann ich mir nicht vorstellen, dass das tatsächlich der Zugang zu dem Canyon ist, aber dann entdecke ich ein befestigtes Seil und mir wird klar, dass ich hier runter muss…

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Der Zugang zu Round Valley Draw

Ich prüfe kurz ob das Seil noch stabil ist und befestige dann zunächst meinen Rucksack dran und lasse ihn etwa sieben Meter hinab. Dann bin ich an der Reihe und stoße auch auf kein Problem. Ohne Seil sähe das aber anders aus…

Weiter geht es in der ultraengen Spalte zwischen grauem Gestein. Man darf hier nicht unter Platzangst leiden…
Es kommt mir so vor als ob ich immer tiefer steil abwärts in den Bauch der Erde steige.

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Hinab in den Bauch der Erde

Nur an wenigen Stellen reichen Sonnenstrahlen bis auf den Grund, meist tapse ich im kühlen, dämmrigen Schatten vorwärts. Einige Felsstürze und kleine Kletterstellen sind zu überwinden. Einmal ist dabei der Canyon so eng, dass ich meinen Rucksack abnehmen muss um weiter zu kommen. Um etwas leichter unterwegs zu sein, gieße ich einen großen Teil meines Wassers fort, laut Führer soll es im Hackberry Canyon welches geben…
Ein zwischen den Wänden eingeklemmter Baum zeigt mir unübersehbar, was hier drinnen passiert, wenn es draußen regnet…

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Von einer Flut angespülter, festgeklemmter Baum

Ich gelange an ein weiteres festgemachtes Seil. Diesmal ist mir die Prozedur mit dem Rucksack herunter lassen zu umständlich und ich klettere gleich mit meiner „Schrankwand“ auf dem Rücken hinab. Einmal begegne ich zwei Amerikanern die ebenfalls den Canyon genießen.

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Eine weitere Kletterstelle mit Seil

Nach nur etwa zwei Kilometern verlasse ich leider bereits diesen eindrucksvollen Slotcanyon und gelange zurück in die sonnendurchflutete Landschaft mit ihren orange- weißen Sandsteinwänden.

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Farbige Felsen im oberen Hackberry Canyon

Die schroffe Landschaft hier im oberen Hackberry Canyon gefällt mir sehr gut, leider ist die im Führer erwähnte Quelle ausgetrocknet. Ich musste ja mein Wasser wegschütten…
Ein Stück weiter ändert sich der Charakter des Canyons aber dramatisch. Es gibt Flächen grünen Rieds und überall ist Wasser vorhanden.

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Der üppige Hackberry Canyon

Um es ein wenig wärmer zu haben schlage ich mein Zelt auf, aber inzwischen bin ich ja wieder in tieferen Lagen.

heron
04.12.2011, 10:31
Super super super!
Danke für das Teilen dieses schönen Abenteuers :bg: :bg:

Und der Spinne hast du einfach nur eine schnelle Möglichkeit für die nächste Inkarnation geboten ;-)

berniehh
04.12.2011, 11:29
Wie war das noch, größte straßenlose Wildnis der USA außerhalb von Alaska?

Woher hast du denn diese Info? Das Grand Staircase-Escalante NM wird von so einigen Pisten durchquert. Meines Wissens ist die Sierra Nevada die größte straßenlose Wildnis der Lower 48.

Aber ein sehr spannender Bericht ist es mal wieder geworden mit schöne Fotos5sterne

Wildniswanderer
04.12.2011, 17:12
Ich hatte das an verschiedenen Stellen gelesen. Aber du hast schon recht, diese Aussage stimmt defintiv nicht.

Feurio
04.12.2011, 20:20
Wirklich, nochmal, dein Bericht liest sich absolut spitzenmäßig! Ich finde du hast einen sehr schönen schlichten und ansprechenden Stil, da weht einem direkt ein Hauch Abenteuer entgegen und man will sofort raus und auch losziehen. Packend!
Und von den Fotos ganz zu schweigen...
5sterne

Mika Hautamaeki
05.12.2011, 17:31
Das Fledermausphoto ist genial!!!

Wildniswanderer
05.12.2011, 21:12
Vielen Dank Feurio, dein Lob tut gut!

Die Begegnung mit der Fledermaus am hellichten Tag war wirklich interessant. Aber ich weiß nicht wieviele unscharfe Versuche ich unternommen habe, das Tier im Flug abzulichten. Das es dann auf dem einen Foto geklappt hatte war bestimmt ziemliches Glück, denn Fledermäuse sind wirklich schnell.

Julia
06.12.2011, 08:29
Ich bin verliebt :p! In Deinen Bericht und diese Landschaft! Das ist echt ein Abenteuer, um das ich Dich sehr beneide und das ich mir selber nie im Leben selber zugetraut hätte :D!

Wildniswanderer
07.12.2011, 16:11
Am Morgen ist der Canyon für lange Zeit ziemlich eng, mit glatten, steilen Wänden. Erst ab etwa 11 Uhr dringen die Strahlen der Sonne in die Schlucht. In der dichten Vegetation ist das Vorankommen manchmal gar nicht so einfach.
Als sich der Canyon weitet, laufe ich oft auf der Terrasse oberhalb des grünen Korridors.

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Der Canyon weitet sich

Schon einige Male waren mir sehr große, prächtige Schmetterlinge aufgefallen, die aber schnell und scheu sind, so dass ich sie nie genau betrachten, geschweige denn fotografieren konnte.
Hier im Hackberry Canyon habe ich mehr Glück. An einigen Stellen entdecke ich mehrere der Falter an gelben Blüten und kann sie endlich auch mit meiner Kamera aufnehmen.

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Monarch Falter- der wohl schönste Schmetterling Nordamerikas

Es handelt sich um Monarch Falter, große Schmetterlinge die einige biologische Besonderheiten aufweisen. So wandert ein Teil ihrer Population aus dem Osten Amerikas über 3600 Kilometer weit in die mexikanische Sierra Nevada um dort zu überwintern. Dies geschieht an einer einzigen Stelle auf nur wenigen Hektar Fläche.
Es muss ein fantastisches Schauspiel sein, dort Millionen dieser herrlichen, großen Schmetterlinge zu sehen.

Aber auch Menschen haben einst im Hackberry Canyon gelebt. So entdecke ich eine verfallene Siedlerhütte. Wie das Leben wohl für diese Pioniere im 19. Jahrhundert war?

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Verfallene Siedlerhütte

Bevor der Hackberry Canyon in den Cottonwood Creek einmündet verengt er sich noch einmal stark. Unweit von hier führt die Cottonwood Canyon Road entlang, die ich ja vor Round Valley Draw schon einmal überquert hatte. Mir begegnet ein Paar aus Österreich, das schon einige Male in den Canyons des Südwestens unterwegs war. Wir unterhalten uns ein wenig und ich erfahre den Ausgang der kürzlich statt gefundenen Wahl in Deutschland.

Der Cottonwood Creek bildet hier eine weite, staubige Ebene die mit ihren licht stehenden Pappeln ein wenig an eine Parklandschaft erinnert. Es ist gut möglich die zahleichen Mäander abzukürzen, in dem ich mich an den Bergen des Cockscomb orientiere, die das Tal begrenzen. Der Cockscomb ist Teil einer 240 Kilometer langen Auffaltung ähnlich dem Waterpocket Fold.

Dann erreiche ich den Paria River, der hier in einem kurzen Canyon den Cockscomb durchbricht. Als ich diesen passiert habe stehe ich vor der weiten Flutebene des Paria durch die der Fluss in weiten Bögen mäandert. Die periodischen Überschwemmungen haben ein Mosaik aus stärker vor allem mit Tamarisken bewachsenen Flächen und weitgehend kahlen Sand- und Schotterebenen die von zahlreichen trockenen Nebenläufen durchzogen sind geschaffen.

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Die weite Ebene des Paria

Manchmal wechsle ich die Seite um Biegungen abzuschneiden. Da der Wasserstand zur Zeit relativ niedrig ist, gelingt mir das immer problemlos von Stein zu Stein balancierend. Insgesamt gesehen komme ich zügig voran.
An den vielfältigen Farbkombinationen der Landschaft kann ich mich gar nicht satt sehen.

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Eine farbenreiche Landschaft


Als mir drei Reiter begegnen könnte ich mich komplett in die alten Tage des Wilden Westens versetzt fühlen. Diese Landschaft symbolisiert tatsächlich perfekt wofür der „Wilde Westen“ steht: Weite, Freiheit und Abenteuer, nicht nur in der Zigarettenwerbung…
Tatsächlich stellt sich heraus, dass die drei richtige Cowboys sind, da sie eine Ranch in Arizona betreiben. Hier sind sie aber auch nur zum Spaß unterwegs.

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Ein Hauch von „Wildwest“

Mein Nachtlager schlage ich oberhalb des hier klaren, friedlich vor sich hin plätschernden Baches auf.

Am nächsten Morgen folge ich weiterhin dem Lauf des Paria. Die Flutebene ist jetzt nicht mehr so weitläufig und ich habe eher den Eindruck in einem schönen, roten Canyon zu laufen.
Häufig muss ich den Fluss überqueren. Bei einer dieser Gelegenheiten rutsche ich auf einem glatten Stein aus und lande mal wieder teilweise im Matsch. Das kenne ich ja schon vom Escalante…
Obwohl manche Abschnitte von Pferde- und Rinderhufen in Schlamm verwandelt worden sind, sehe ich weder Tier noch Mensch. Abseits des Flusses ist die Gegend sehr sandig. Etliche Seitencanyons laden zum Erkunden ein, aber da meine Vorräte erschöpft sind, gehe ich auf direktem Weg weiter. Aber die wunderschöne Gegend mit ihrer sicheren Wasserquelle wäre wirklich ideal dafür ein Standlager aufzuschlagen von dem aus man Streifzüge unternehmen kann.
Natürlich nütze ich die Gelegenheit auch für ausgiebiges Baden!

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Am Paria

Besonders eindrucksvoll finde ich, als am Nachmittag die roten Sandsteinschichten in ockerfarben- weißes Gestein übergehen.
Schließlich zweige ich vom Paria in Sheepcreek Canyon ab. Zu Anfang befindet sich auch in dieser Schlucht noch Wasser und ich sehe sogar einen kleinen Fisch. Daher mache ich mir auch keine Gedanken darüber meinen Wasservorrat zu ergänzen…
Inzwischen habe ich bereits wieder höhere Lagen erreicht, daher wachsen an geschützten Stellen in den Canyonwänden einzelne starke Gelbkiefern.
Später ist die Schlucht jedoch knochentrocken was sich auch nicht ändert als ich in den engen Willis Creek Canyon abbiege. Aber ich habe Glück, nach einiger Zeit finde ich eine flache Pfütze auf einem Felsen und schlage in der Nähe mein Lager auf.
Fußspuren und Pferdehufe zeigen mir, dass diese Schlucht häufiger besucht wird.
In der Nacht taucht ein silberner Dreiviertelmond Willis Creek in ein fast mystisches Licht.

Als ich mir am nächsten Morgen Wasser für mein Frühstück holen möchte, erlebe ich eine unangenehme Überraschung: Über Nacht ist die kleine Wasserstelle komplett ausgetrocknet! Erst denke ich dass das doch nicht sein kann und ob ich nicht vielleicht an der falschen Stelle bin. Aber es nützt nichts, wo es gestern noch Wasser gab, gibt es jetzt keines mehr. Also beginne ich die Umgebung intensiv abzusuchen. Es dauert zwar ziemlich lange aber irgendwann habe ich Glück und entdecke oberhalb von meinem Lager eine weitere Miniwasserstelle.

Willis Creek hat auch einige Slotcanyonpassagen reicht aber bei weitem nicht an den Eindruck von Round Valley Draw heran.
Schließlich erreiche ich die unbefestigte Piste Skutumpah Road, der ich folge.
Die eigentliche Route des Hayduke Trails streift Bryce Nationalpark nur kurz. Da ich aber mehr von diesem Nationalpark sehen möchte und auch neue Vorräte benötige, habe ich beschlossen per Anhalter nach Tropic, einem Ort in Parknähe zu fahren.

Auf der Skutumpah Road kommen mir zwar drei Fahrzeuge entgegen, aber keines fährt in meine Richtung! Das Laufen auf der Piste ist monoton, aber dafür entschädigen mich die Ausblicke auf die farbigen Klippen von Bryce, die jetzt schon nicht mehr weit entfernt scheinen.

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Ausblick von der Skutumpah Road auf die bunten Felsen von Bryce

Nach zwei Stunden erreiche ich die Cottonwood Canyon Road, die hier sogar asphaltiert ist.
Es dauert nicht lange und ein Wohnmobil mit zwei älteren Engländerinnen nimmt mich an Bord.
In Cannonville lassen mich die Beiden raus, kommen aber schon bald wieder, weil sie sich ihre Route anders überlegt haben und nehmen mich mit nach Tropic.

Eigentlich hatte ich ja vor hier zu bleiben, aber es ist noch früh, daher möchte ich die Gelegenheit nutzen und noch heute Bryce erreichen.

Auf dem Highway 12 ist der Verkehr zwar nicht gerade dicht, aber es gibt genug Autos die mir einen lift geben könnten. Da es mir zu langweilig ist, an einer Stelle zu stehen, laufe ich etwa eine Stunde die Straße entlang und strecke wenn mich ein Fahrzeug passiert immer wieder den Daumen raus. Zunächst tut sich nichts, aber dann hält ein freundlicher alter Mann in einem Oldtimer.
Wir tuckern gemütlich durch die Gegend und er empfiehlt mir das Bryce Resort als Unterkunft. Da es außerhalb des Parks unmittelbar am Highway liegt, wäre es ziemlich günstig.

Nach dem einchecken dusche ich, wasche meine Wäsche und creme mal wieder meine Stiefel ein, die ein wenig Pflege noch nötiger haben als ich …
Später gehe ich dann zu Rubys Inn. Um dorthin zu gelangen muss ich 20 Minuten lang neben der Straße laufen. Obwohl die Saison schon mehr oder weniger vorbei ist, wimmelt es noch von Touristenautos. Es weht ein eiskalter Wind unter einem strahlend blauen Himmel. Ein ziemlicher Wechsel zu den angenehmen Temperaturen der tieferen Lagen…
Rubys Inn ist eine echte Touristenfalle voller Nippes und Kitsch. Immerhin kann ich dort neue Vorräte erwerben.

Als ich mir ein fürstliches Steak zum Abendessen im Bryce Resort gönne, spreche ich ein junges Paar am Nachbartisch an, da ich bereits mitbekommen habe, dass es sich ebenfalls um Deutsche handelt. Tom und Sylvia sind mit ihrem Mietwagen unterwegs. Es ist schön, sich mit dem sympatischen Pärchen in meiner Muttersprache zu unterhalten.
Wir beschließen am nächsten Morgen gemeinsam in den Nationalpark zu fahren, was mir sehr entgegen kommt, da die Wege in den Park nicht direkt an der Nationalparkgrenze beginnen.

Wildniswanderer
10.12.2011, 18:58
6. Bryce Canyon Nationalpark- Highway 89/ Kanab

Nachdem es ja schon gestern Nachmittag ziemlich frisch war, ist es kein großes Wunder, das es in der Nacht gefroren hat. Leider habe ich kein Thermometer dabei, aber es sind sicher einige Grade unter 0.
Nachdem wir im Bryce Resort gut gefrühstückt haben setzen meine neuen Bekannten und ich uns in Gang.
Am Eingang zum Nationalpark muss ich keinen Eintritt bezahlen, da die Beiden einen Nationalparkpass haben, mit dem sie nach Belieben Parks ansteuern können.

Wir fahren zum Besucherzentrum, da ich mir dort noch ein für Übernachtungen im Park obligatorisches Backcountry Permit besorgen muss. Es kostet 5 Dollar für die eine Übernachtung die ich innerhalb der Parkgrenzen geplant habe.
Die junge Rangerin gibt mir bereitwillig Auskunft zu meinen Fragen, aber als sie mir erklärt, dass alle Bäche die als blaue Linien in der Karte eingezeichnet sind auch tatsächlich Wasser führen, kann ich das kaum glauben. Mal schauen!
Nachdem wir uns im Visitor Center ein wenig umgeschaut haben, fahren wir weiter zum Sunset Point, wo ich meine Wanderung beginnen möchte.

Hier bricht das auf etwa 3000 Metern Höhe gelegene Paunsagunt Plateau steil ab. Dieses ist die oberste Stufe des Grand Staircase, das ich ja nun schon ausgiebig erkundet habe.
Unter uns erstreckt sich eine Wunderwelt aus von der Erosion geformten, bizarren farbigen Felsen.

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Bizarre Erosionsformen in Bryce Canyon

Obwohl der Name Canyon suggeriert, dass dieses Naturwunder durch die Kraft des fließenden Wassers geschaffen wurde, ist diese Erklärung nicht richtig. Es friert hier an 200 Nächten im Jahr, während über Tag die intensive Sonne meist Plusgrade hervorbringt. Durch diese häufigen Wechsel aus Gefrieren und Auftauen wird das hier vorkommende weiche Kalkgestein von der Natur zu den erstaunlichsten Skulpturen geformt.
Ich verabschiede mich von meinen neuen Freunden und wandere zunächst auf dem Rim Trail von einem Aussichtspunkt zum Nächsten. Diese sind alle bequem mit dem Auto zu erreichen, dennoch hält sich die Zahl der Besucher noch in Grenzen.
Die kalte, glasklare Luft gewährt wunderbare Aussichten über das vielfarbene Kalksteinlabyrinth bis zu den umgebenden Bergen.

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In der kalten, klaren Morgenluft ergeben sich wunderbare Ausblicke

Nach einer Stunde biege ich auf den Under the Rim Trail ab, und sehe ab dann keinen weiteren Menschen mehr. Obwohl das ein absolut fantastischer, gut zu erreichender Weg unterhalb der Abbruchkante ist, wandert hier bei diesem tollen Wetter niemand außer mir. Kaum zu glauben!
Nachdem es eine ganze Zeit lang heute am Morgen des ersten Oktobers ziemlich kalt war, gewinnt die Sonne zunehmend an Kraft und bald kann ich bei angenehmen Temperaturen wieder in T- Shirt und kurzer Hose laufen.
Nach den kargen, vegetationsarmen Landschaften durch die ich bisher überwiegend gelaufen war, tut es gut mal wieder durch einen satt- grünen Nadelwald zu gehen. Meist ist die majestätische Ponderosa Kiefer die bestimmende Baumart aber an schattigeren Stellen gibt es auch silbrig glänzende Tannen und Douglasien. Immer wieder ergeben sich kontrastreiche Blicke auf die lachsfarbenen Klippen der Abbruchkante.

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Sattgrüner Nadelwald vor lachsfarbenen Klippen

An trockeneren Standorten gibt es aber auch sandige Stellen, wo sich Kräuter und Gräser behaupten.
Zahlreiche Bachtäler führen in die Waldzone unterhalb des Steilhangs, allerdings sind sie bis auf den Yellow Creek alle trocken. Ich hatte mich ja gleich über die Auskunft der Rangerin gewundert …

Nachmittags komme ich in einen Bereich in dem offenbar vor kurzem ein Waldbrand gewütet hat. Je nach Intensität des Feuers wechseln völlig leblos erscheinende Zonen in denen selbst die Humusschicht verbrannt ist, mit Flächen ab, auf denen lediglich die Stämme der Kiefern verkohlt sind, die Kronen aber noch grün erscheinen.
Wie überall im amerikanischen Westen sind Waldbrände ein natürlicher Bestandteil im Lebenszyklus der Wälder. Schon im nächsten Jahr wird es sicher auf den Waldbrandflächen eine große Blütenpracht geben und unzählige Sämlinge die neue Generation des Waldes begründen.

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Hier hat ein Waldbrand scheinbar alles Leben vernichtet

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Auch wenn die Stämme der Ponderosa- Kiefern verkohlt sind, überleben die Bäume häufig

Auch auf einigen Zeltplätzen des Nationalparks ergibt sich dasselbe Bild, das ich von dem Trail gewonnen habe: Kein Mensch ist hier unterwegs.

Gegen Abend schlage ich mein Zelt an einem schönen Platz unter mächtigen Kiefern auf. Der Boden ist von ihren Nadeln bedeckt, die eine wunderbar weiche Unterlage ergeben.

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Lager im Kiefernwald

Da Amerika ja die Heimat des Fetts ist, möchte ich auch einmal eine Alternative zu meiner Nudelernährung ausprobieren. Daher habe ich für diesen Abschnitt nur Lebensmittel wie Käsecracker, Erdnussbutter und Energieriegel gekauft. Nach den Nährwertangaben auf den Verpackungen sollte ich damit genügend Kalorien aufnehmen können. Aber ich merke bereits heute Abend, dass mich die kalte Küche nicht zufriedenstellt und ich sicher wieder zu meinen Nudeln zurückkehren werde.

Nach einer nicht zu kalten Nacht färbt am nächsten Morgen die aufgehende Sonne die hinter mir steil aufragenden Klippen des Paunsagunt Plateaus.

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„Alpenglühen“ am Morgen

Bereits nach einer Stunde wandern kann ich wieder zu kurzer Hose und T- Shirt wechseln. Vor mir liegt ein fantastischer, klarer Morgen an dem die Farben des Herbstes so richtig erstrahlen.

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Rot gefärbter Ahorn

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Aspen und Ahorne in Herbstfarben

Zwar dominiert das satte Grün des Nadelwaldes aber im Unterwuchs setzen rote Ahorne und gelbe Eichen sowie Aspen immer wieder prächtige Farbtupfer.

Einige Male kann ich kleine Streifenhörnchen beobachten von denen eines mit einer Nuss in den Pfoten mich bis auf sehr kurze Entfernung herankommen lässt.

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Streifenhörnchen

Einige Male gelange ich zu baumlosen Aussichtspunkten die herrliche Blicke in die Wunderwelt von Bryce gewähren.

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Bryce Canyon Nationalpark- Felsen und Wald

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In Bryce

Um mich in der Landschaft abzulichten, suche ich mir Felsen auf denen ich die Kamera absetzen kann und muss dann zusehen, dass ich innerhalb von zehn Sekunden auf dem gedachten Platz stehe. Bis ich mich dann endlich halbwegs zufrieden stellend getroffen habe, sind schon einige Versuche notwendig.

Auch heute habe ich den Park weitgehend für mich alleine. Nur in der Nähe von Rainbow Point begegne ich einem spazierengehenden Paar.

Die Bachbetten sind alle völlig trocken, aber an Iron und Riggs Spring kann ich mich neu mit Wasser versorgen.

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Die Bachbetten sind alle ausgetrocknet

Bevor ich am Spätnachmittag den Nationalpark verlasse kann ich noch einmal Wald und Felsen genießen.

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Abschied von Bryce

Und tatsächlich, kaum habe ich die Nationalparkgrenze überquert weicht auch schon der geschlossene Wald dem offenen Wacholder Buschland. Noch im Nationalpark hatte ich bereits Rinderspuren gesehen, als ich die Schlucht von Bullrush Hollow erreiche, zeigt sich, dass die Kühe die wenigen Wasserlöcher in Schlammbäder verwandelt haben, deren giftiggrüne Farbe nicht gerade zum Trinken einlädt …

Obwohl es friert überstehe ich die Nacht recht gut. Das Wasser in Bullrush Hollow ist tief gefroren und zum ersten Mal auf dieser Tour ziehe ich alles an Kleidung an, was ich dabei habe: Über die Wanderhose kommt die einfache Nylonregenhose. Am Oberkörper trage ich außer dem üblichen T- Shirt, ein ultraleichtes Windshirt, meinen Fleece Gecko, und als Geheimwaffe die Daunenjacke die ich für solche Fälle im Rucksack trage. Trotz aller Kleidung wird mir nicht richtig warm…

Ich überquere zum letzten Mal die Skutumpah Road und tauche dann in die Bullrush Gorge ein. Deren geschützte Wände sind von hohen Nadelbäumen bewachsen.

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Bullrush Gorge

Erst nach 10 Uhr wird es langsam wärmer und ich kann mich nach und nach meiner Kleidungsschichten entledigen. Weiterhin folge ich Park Wash, wo ich zeitweise in einer Fahrspur laufen kann. Zu beiden Seiten ragen Tafelberge, hier Mesa genannt auf.

Der Name „No Mans Mesa“ gefällt mir besonders. Ich kann zwar keinen Zugangsweg ausmachen, aber ich habe gelesen, dass es eine Möglichkeit gibt auf dieses weitläufige Hochplateau zu gelangen. Da dort oben offenbar nie Vieh gegrast hat, können Ökologen besonders gut die Unterschiede zu den übrigen mehr oder weniger stark von Rindern geprägten Lebensräumen des Colorado Plateaus erforschen.

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No Mans Mesa

In der Nähe gibt es einen interessanten Geocache, die Lefevre Cabin. Dabei gilt es nicht eine Dose zu suchen, sondern die ganze Hütte ist der Cache ! Als Logbuch dient die Innenwand der Cabin auf der man sehr schön nachlesen kann, wieviele Leute seit 2001 schon dort waren. Nicht viele…

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Le Fevre Cabin- ein Geocache

Gegen 15 Uhr stoße ich auf eine regelrechte Piste, die Park Wash Road. Es gibt hier sogar Verkehrsschilder die auf Orte mit so interessanten Namen wie „Mollies Nipple und Nipple Ranch“ hinweisen…
Die Viehzüchter hier haben entweder Humor oder leiden an einem echten Notstand, was die holde Weiblichkeit angeht…

Im Tal gibt es bald sogar eingezäunte Weiden mit Viehtränken. Da mein Wasservorrat fast erschöpft ist, bediene ich mich großzügig.
Einmal treffe ich auf eine große Klapperschlange die mitten auf der Straße liegt und ihre Anwesenheit durch das charakteristische Klappern mitteilt.

Das schöne Wetter scheint sich zu ändern. Ein kalter Wind bläst und die Wolken über einer Mesa lassen nichts Gutes erwarten.

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Das Wetter ändert sich

Einige Zeit nachdem ich an einer kleinen Ranch vorbei gekommen bin, schlage ich mein Lager abseits der Piste im Wacholderwald auf.

Der Aufgang des vollen Mondes erzeugt eine schöne Stimmung.

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Vollmondaufgang

Auch als ich am Morgen wieder aufbreche steht der Mond noch am Himmel. Es ist sehr windig und kühl, geradezu ungemütlich, eine Seltenheit auf meiner bisherigen Wanderung unter dem meist strahlend blauen Himmel.

Schon nach etwas über einer Stunde erreiche ich den Highway 89. Im Prinzip könnte ich direkt weiter wandern. Aber als nächstes möchte ich Buckskin Gulch und den Paria Canyon erkunden. Das Permit hierfür habe ich zwar schon in Deutschland beantragt, muss es mir aber noch persönlich abholen, weshalb ich nach Kanab trampen will.

Heute an einem Sonntagmorgen herrscht nicht gerade viel Betrieb auf der Straße, aber auch wenn nur selten Autos vorbeifahren, eines könnte mich doch wenigstens mitnehmen!

Ich habe keine Lust an einer Stelle zu stehen und wandere daher auf der Straße weiter durch die trockene Weite.

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Trockene Weiten

Nach zwei Stunden erbarmt sich ein LKW- Fahrer meiner und nimmt mich die 60 Kilometer bis nach Kanab mit. Wir halten beim Visitor Center des Grand Staircase- Escalante Nationalmonuments in dem auch mein nächster Wanderabschnitt wieder liegt. Ich hoffe hier mein Permit zu erhalten, erfahre aber, dass ich mir dieses bei der BLM Kanab Field Station am anderen Ende des Ortes abholen muss. Da heute Sonntag ist hat sie natürlich geschlossen!

Also beiße ich in den sauren Apfel und suche mir ein günstiges Motel. Anschließend erkunde ich den Ort. Kanab ist viel größer als die letzten Orte durch die ich gekommen bin und am ehesten noch mit Moab zu vergleichen, wenn auch nicht ganz so touristisch. Immerhin gibt es hier einen gut ausgestatteten Supermarkt, etliche Restaurants und sogar einen Outdoorladen.
Ich lasse es mir nicht nehmen in ein Restaurant einzukehren. Die Hauptmahlzeit ist schon großzügig, aber das darauf folgende Eis ist einfach gigantisch!
Es kommt wie es kommen musste, hinterher ist mir schlecht und mein Bauch grummelt noch den ganzen restlichen Tag.
Ich nutze die Gelegenheit mich neu zu verproviantieren um endlich die Käsecracker Diät abbrechen zu können …

Ehemaliger
11.12.2011, 17:49
Bryce Canyon sieht schon super aus. Vielen Dank.

Käsecracker ... nein danke ; )

Savannah
14.12.2011, 12:34
Wieder ein spannend zu lesender Bericht mit tollen Fotos von einer fantastischen Landschaft! Du warst ja ganz schön mutig, dich auf solch lange Strecken in doch immerhin einigermaßen wegloser Gegend einzulassen. Aufregend z.B. immer wieder die Frage, ob du Wasser finden wirst :-)

Die Landschaftsfotos begeistern mich, diesmal vor allem die fremdartigen schwarzen Schutthalden und der Round Valley Draw. In dem wäre ich bestimmt in Panik geraten - aber er sieht sensationell aus. Wunderschön auch das "Alpenglühen" am Morgen, die Mondbilder und überhaupt ganz vieles.

Bei den Tierbilden hast du ebenfalls reiche Beute eingefahren: sehr schön das Dickhornschaf, die Fledermaus, der herrliche Monarch Falter - nur auf die Tarantel hätte ich gut verzichten können ;-), habe nämlich eine Spinnen-Phobie.

Du schreibst ungemein anschaulich, es macht großen Spaß, dir auf deinen Wanderungen auf Wegen, wo man selber -leider!- niemals hinkäme, folgen zu dürfen. Vielen Dank, daß du dir die Mühe machst, diesen Bericht zu schreiben!

LG
Savannah

Wildniswanderer
14.12.2011, 13:22
Danke für den netten Kommentar!

Natürlich danke ich auch noch mal allen anderen, die meinen Bericht bislang gelesen und mit netten Worten bedacht haben!

Bald geht es wie ich hoffe spannend weiter. Es dauert ja auch nicht mehr lange bis ich im Grand Canyon angekommen bin, ein weiteres Highlight meiner Wanderung.

fjellstorm
14.12.2011, 13:39
Obwohl ich die Bilder schon länger von deiner magix-Seite kenne, Danke für diesen schönen und interessanten Bericht! (obwohl mir die Gegend vermutlich etwas zu heiß wäre:ignore:)
Hattest du eigentlich einen Polfilter für die Kamera dabei? Müsste ja ein Traum damit gewesen sein...

Rattus
14.12.2011, 13:50
Ich bin (ich sagte es schon :bg:) auch total begeistert von deinem Bericht und den Fotos. Hast du eine Ahnung, wie heiß es tagsüber war?

Wildniswanderer
14.12.2011, 15:25
Nein, einen Polfilter hatte ich nicht dabei. Ich habe mir aber in diesem Jahr einen zugelegt, bis jetzt aber kaum damit fotografiert. Meinst du viele meiner Fotos von der Hayduke Tour wären mit Polfilter besser geworden?

Ich hatte kein Thermometer dabei. An Anfang war es ziemlich extrem, wahrscheinlich mittags schon um die vierzig Grad, nach den Gewittern ging es dann aber und ich fand die Temperaturen eigentlich meist ganz angenehm, wobei ich eher Wärme als Kälte liebe.

fjellstorm
14.12.2011, 15:50
Meinst du viele meiner Fotos von der Hayduke Tour wären mit Polfilter besser geworden?

Das kann man natürlich nicht pauschal sagen;-)..Und deine Bilder sind ja gut.
Aber speziell bei den vielen " tief blauer Himmel-gelb/goldne Gesteinsformationen/Landschaft"- Bildern wären mit einem Polfilter (am besten bei richtigen Winkel zur Sonne) die Farben sicher noch kräftiger, die (Licht)stimmung noch grandioser und der Himmel noch blauer;-)

Wildniswanderer
15.12.2011, 18:14
7. Buckskin Gulch/ Paria Canyon


Nachdem ich einige Riegel aus meinem Fundus gefrühstückt habe, bin ich bereits um 7.45 zur Öffnung der BLM Station vor Ort. Nach meinem Permit hätte ich schon gestern loslaufen müssen, aber diese Verspätung um einen Tag stellt kein Problem dar.
Der Ranger rüstet mich mit Müllsäcken aus, in denen auch die menschlichen Ausscheidungen aus den Schluchten transportiert werden sollen und eröffnet mir die Wettervorhersage.
Diese ist extrem wichtig, da es vor allem in den 19 Kilometern Länge von Buckskin Gulch fast keine Ausstiegsmöglichkeit gibt und dort von einer Flashflood überrascht zu werden fatal wäre…
Nun, die Aussichten sind gut, offenbar ist in den nächsten Tagen kein Regen in Sicht. Dass diese Vorhersage nicht stimmte sollte ich noch früh genug bemerken …
Die letzte Wasserwelle rollte nach Angaben des Rangers vor zwei Wochen durch Buckskin Gulch. Zwar trocknet der Canyon nur sehr langsam ab, da das Sonnenlicht nur wenige Stellen erreicht, aber größere Probleme bei der Begehung der engen Schlucht sollten sich seiner Meinung nach nicht ergeben.

Mit dem Permit in der Tasche laufe ich zur Tankstelle am Ortsausgang. Ich rechne mir aus, dass ich rasch eine Mitfahrgelegenheit finde, wenn ich die netten Amerikaner persönlich ansprechen und nicht nur mit erhobenem Daumen am Straßenrand stehe.
Darin sollte ich mich allerdings täuschen, obwohl ich all meine Freundlichkeit einsetze, dauert es eineinhalb Stunden, bis mich ein älteres Paar mitnimmt. Leider fahren die Beiden nur 25 Kilometer weit, aber ich denke mir, dass es besser ist nur eine kurze Strecke mitgenommen zu werden, als gar nicht. Ein Fehler, den ich später noch bereuen sollte.
Es stellt sich heraus, dass die Beiden Trapper sind, die versuchen ein wenig Geld mit dem Fang von Coyoten zu verdienen. Da diese Verwandten der Wölfe wohl häufig Schafe und Kälber fressen, hat der Staat Utah eine Kopfprämie von 25 Dollar auf sie ausgesetzt. Da sie quasi als Schädlinge gelten, darf jedermann sie jagen …

So stehe ich dann also bald wieder im Nirgendwo am Highway. Zwar gibt es mehr Verkehr als Gestern, aber zunächst hält niemand. Erstaunlich wie groß der Unterschied im Trampen zwischen den abgelegenen Dirtroads und den befahrenen Highways ist. Während ich dort bisher nie länger warten muss, sieht das hier ganz anders aus …
Aber ich habe Glück, schon nach einer Stunde werde ich doch mitgenommen, von einem jungen bayerischen Paar, das in Utah seinen Urlaub verbringt!
Sie wollen weiter zum Antelope Canyon der für sein magisches Licht berühmt ist, und lassen mich daher am Abzweig der Houserock Valley Road raus.

Auf dieser muss ich noch 7 Kilometer weit laufen, bis ich endlich an den durch ein Schild markierten Trailhead für Buckskin Gulch gelange.
Zunächst ist das Tal noch breit und verläuft zwischen den markanten Bergen des Cockscomb. Kugelförmige, trockene stachlige Büsche wurden von vergangen Fluten ausgerissen und am Rande des von Trocknungsrissen durchzogenem Bachbett angespült. Die Masten der Hochspannungsleitung die vom Glen Canyon Staudamm hierher führt, stört den optischen Eindruck für meinen Geschmack schon recht stark.

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Buckskin Gulch ist anfangs noch ein breites Tal

Die Natur präsentiert den Sandstein der Berge in kühnen Formen, mal domartig, mal eher tafelbergförmig. Die ausgeprägte Musterung des Gesteins lässt erahnen, dass es in der Vergangenheit tatsächlich Sanddünen waren.

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Buckskin Gulch durchbricht die markanten Berge des Cockscomb

Hier in bequemer Nähe zum Trailhead gibt es auch noch Tagestouristen. So begegnet mir ein deutsches Paar mit ihrem Kind in einer Trage und eine ältere Amerikanerin. Aber da dennoch nicht viele Leute hier unterwegs sind, wechselt man stets einige Worte.

Nach zwei Stunden verengt sich die Schlucht und der eigentliche Slotcanyon beginnt. Jetzt am Nachmittag kann die Sonne an manchen Stellen an den Boden des Canyons gelangen und zaubert oft warme Orangetöne hervor. Je nach Licht und Schatten können die dann aber auch schnell in fast schwarze Farben übergehen.
Es ist schwer zu beschreiben, aber dieser Canyon erzeugt in mir eine fast andächtige, staunende Stimmung.

Bis auf wenige Pfützen ist der Boden der Schlucht trocken und ich komme gut voran.

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Die Nachmittagssonne sorgt für vielfältige Farben in Buckskin Gulch

Nach einiger Zeit weitet sich der Canyon. Hier an der Einmündung der Nebenschlucht Wire Pass gibt es den letzten vor Überschwemmungen halbwegs sicheren Lagerplatz für lange Zeit, daher schlage ich mein Zelt auf, obwohl es noch recht früh ist. Ich entdecke eine Terrasse oberhalb der Schlucht, die wie die Spuren zeigen offenbar häufig zum Lagern genutzt wird.

Anschließend erkunde ich noch ein Stück weit den weiteren Verlauf der Schlucht. Da ich aber schon bald an Stellen mit tieferem Wasser gelange und heute noch trocken bleiben möchte, kehre ich bald wieder um.

In der Nähe von meinem Lagerplatz gibt es etwas Grün, daher ist es auch kein Wunder, dass ich einen Hasen treffe, der mich ohne Scheu bis auf kürzeste Distanz an sich herankommen lässt. Wie der sich wohl auf seiner Wanderung durch den engen, dunklen Slotcanyon hierher gefühlt hat?

Ganz in meiner Nähe haben zwei junge Amerikaner ihr Lager aufgeschlagen. Einer von ihnen hat einen Spot Satellitennotrufsender dabei. Da ich bisher nur von dem Gerät gehört, aber noch niemanden getroffen habe, der ihn in Gebrauch hat, nutze ich die Gelegenheit um etwas über praktische Erfahrungen mit dem Spot zu hören.
Für meine häufigen Solowildnistouren wäre es bestimmt nicht schlecht, so ein leichtes, relativ günstiges Gerät dabei zu haben.

Hier wo sich Buckskin Gulch und Wire Pass treffen, gibt es Ritzzeichnungen (Petroglyphen) der Anasazi an einer Felswand. Die ziegenähnlichen Tiere die hier dargestellt werden, sind Dickhornschafe.

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Ritzzeichnung der Anasazi

Am nächsten Morgen ist es ziemlich frisch und ich bin froh, dass ich meine Daunenjacke anziehen kann. Nach der kurzen Aufweitung an meinem Lagerplatz verengt sich die Schlucht wieder auf Breiten zwischen einem und sieben Metern.
Die häufig wiederkehrenden Fluten haben die Wände geformt, mal zu durchläuchertem Käse mal blank poliert.
Es dauert zwar ziemlich lange, aber irgendwann verrät an manchen Stellen die Felsen auf geheimnisvolle Art färbendes Licht, dass „draußen“ die Sonne scheint.

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Manchmal werden die Schluchtwände in mystische Farben gehüllt

Obwohl Buckskin Gulch an keiner Stelle so eng ist wie Round Valley Draw, kann man auch hier durchaus Platzangst entwickeln, vor allem auch weil man hier den ganzen Tag im „Tunnel“ steckt.

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Kein Ort für Platzangst!

Regelrecht unangenehm finde ich aber die Passagen die man im Wasser zurücklegen muss. Häufig sieht man nicht wie weit der wasserbedeckte Abschnitt reicht und natürlich weiß man auch nie vorher, welche Tiefe die schlammbraune Flüssigkeit hat. Das Wasser ist erstaunlich kalt und besonders unangenehm ist der stinkende, klebrige Schlamm am Boden der mit Wasser gefüllten Bereiche.
Ich ziehe in der Regel Stiefel und Socken aus, lege meinen Rucksack ab und erkunde erst mal den vor mir liegenden Bereich. In der Regel reicht das aus, aber es gibt auch Bereich in denen das Wasser fast bis zur Hüfte steht. Einmal muss ich mich sogar vollständig ausziehen und den Rucksack über meinem Kopf tragend bugsieren. Glücklicherweise komme ich aber nie in die Verlegenheit schwimmen zu müssen, was bei höheren Wasserständen durchaus vorkommen kann.
Erstaunlicherweise folgen auf die „nassen“ Passagen immer auch wieder trockene Abschnitte. Doch manchmal folgt eine wassergefüllte Senke der anderen, so dass es sich nicht wirklich lohn die Stiefel wieder anzuziehen.
Durch den häufigen Kontakt mit dem kalten Wasser bin ich irgendwann ziemlich durchgefroren und freue mich daher als ich einen Platz finde, an dem die Sonne die Schlucht aufheizt.

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Immer wieder geht es durch kaltes Wasser voll mit stinkendem Schlamm

Da mein kleines Handtuch schon ziemlich bald kein Schlammwasser mehr aufnehmen kann, sind meine Socken obwohl ich sie immer ausziehe, auch schon bald nass und schlammverkrustet.

Oft zeigt eine graue Kruste, dass der mittlere Wasserstand bei Überschwemmungen wohl bei etwa zwei Metern liegt, aber es gibt auch festgeklemmte Baumstämme in zehn Metern Höhe! Zwar gibt es ungefähr zwei Stellen an denen man mit Mühe aus der maximal 50 Meter hohen Schlucht klettern kann, aber im Zweifelsfall hätte man bei einem Unwetter draußen hier drinnen wohl keine Chance.

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Festgeklemmter Baumstamm

Natürlich gibt es auch Leben hier im Untergrund des Colorado Plateaus. Einmal ist die Luft vom Zwitschern zahlloser Fledermäuse erfüllt. Dann entdecke ich zwei tote Vogelspinnen und die bunten Federn eines Spechtes der hier vielleicht von einem Sperber gerupft wurde, den ich einmal auch beobachten kann.

Ich möchte bis zum Abend unbedingt das Ende der 19 Kilometer langen Schlucht erreicht haben. Daher werde ich ein wenig nervös als ich merke wie langsam ich vorankomme und nehme mir daher irgendwann auch dummerweise nicht mehr die Zeit immer Stiefel und Hose auszuziehen. Crocs oder ähnliche Schuhe wären hier sicher eine gute Idee, aber wie geschrieben habe ich aus Gewichtsgründen nur meine Stiefel dabei.

Ganz selten gibt es auch Stellen die etwas mehr Licht in die Schlucht lassen, was dann auch etwas Grün hervorbringt.

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Einer der raren grünen Flecken in Buckskin Gulch

Statt das das Vorankommen am späten Nachmittag einfacher wird, stellt es sich immer schwieriger dar. Felder aus großen Felsblöcken versperren meinen Weg und einmal gibt es sogar eine kleine Kletterstelle mit Seil.

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Riesige Felsblöcke versperren mir den Weg

Es wird später und später und ich befürchte schon im Schein meiner Stirnlampe weiter laufen zu müssen, was ich bei dem zum Teil schwierigen Gelände nicht unbedingt möchte, aber in dieser dunklen, unterirdischen Gruft zu schlafen mit der Unsicherheit ob das Wetter auch wirklich hält möchte ich vermeiden.

Aber ich habe Glück, in der Abenddämmerung gegen 19 Uhr öffnet sich Buckskin Gulch endlich und ich kann auf einer Terrasse oberhalb des jetzt sogar fließenden, klaren Rinnsals mein Lager aufschlagen.

Den ganzen Tag bin ich keinem Menschen begegnet, daher wundere ich mich als zwei Jugendliche aus Colorado mich besuchen, die mit ihrer Schulklasse in der Nähe zelten.

Einerseits war Buckskin Gulch sicher ein beeindruckendes Erlebnis, andererseits war das Wandern in der Schlucht zum Teil auch etwas monoton und bedrückend.
Den Schlamm in den wassergefüllten Passagen, von dem jetzt meine ganze Ausrüstung bedeckt ist, finde ich regelrecht widerlich.

Kurzum, mein Urteil lautet, schön diese Schlucht einmal gelaufen zu sein, ein zweites Mal brauche ich das nicht…

Zum ersten Mal auf dieser Tour schafft es mein GPS im Nachtlager nicht ausreichenden Satellitenempfang herzustellen.

Savannah
17.12.2011, 12:38
Was für ein Abenteuer! Deine Fotos vom Buckskin Gulch sind grandios, sie geben einen wirklich tollen Eindruck von diesem Naturwunder. Nur um das häufige Waten durch das tiefe, kalte und schlammige Wasser beneide ich dich nicht :-)

Mal eine Frage: Woher kommt eigentlich das klare Rinnsal am Ende, bzw. wo hat sich das fließende Wasser zuvor verborgen?

Und zu deiner Einschätzung der Amerikaner in einem deiner früheren Beiträge wollte ich noch anmerken, daß ich dir hier 100%ig zustimme: Bei all meinen Reisen in die USA bin ich eigentlich immer nur extrem freundlichen und hilfsbereiten Menschen begegnet.

Wildniswanderer
17.12.2011, 16:49
Mal eine Frage: Woher kommt eigentlich das klare Rinnsal am Ende, bzw. wo hat sich das fließende Wasser zuvor verborgen?


Ich nehme an, dass es unterirdisch geflossen ist, da ich keinen Zulauf bemerkt habe. So ein Auftauchen und wieder verschwinden von fließendem Wasser habe ich ja auch im Hackberry Canyon oder im Last Chance Creek erlebt.

Wildniswanderer
22.12.2011, 16:34
Als ich am nächsten Morgen damit beginne mein Lager abzubauen, beginnt es zu hageln! Der Himmel ist bedeckt und wirkt ziemlich bedrohlich. Wie war das noch mit der Wettervorhersage? Zunächst ziehe ich mich ins Zelt zurück und warte erst mal ab. Der Hagel geht in Regen über, der zwar nicht allzu stark, dafür aber stetig fällt.

Es dauert nicht lange, bis ich Besuch erhalte. Todd, der Lehrer der in der Nähe zeltenden Gruppe und ein Schüler laden mich ein, zu ihrem etwas höher gelegenen Lager zu kommen. Offenbar sieht auch der Canyon erfahrene Lehrer das Risiko einer Flashflood.

Ich finde das Angebot sehr nett und lasse mich daher nicht lange bitten.
Die Gruppe aus 6 Jungen und zwei Mädchen im Alter von 16 Jahren stammt aus Durango in Colorado. Sie wird von Todd, der schon häufig solche Schulexkursionen organisiert hat und einer weiteren Lehrerin begleitet. Gestern haben sie ihre Wanderung ein Stück weiter oberhalb am Paria River begonnen, sie haben daher Buckskin Gulch nicht durchquert. Aber auch der gestrige Tag am Paria war wohl abenteuerlich genug. Sie erzählen, dass an drei Stellen das Wasser so tief war, dass sie nur mit Mühe die Rucksäcke über dem Kopf haltend den Fluss überqueren konnten. Die Gruppe hat fünf weitere Tage zur Verfügung und will ebenso wie ich den Paria abwärts bis Lees Ferry am Colorado wandern.

Als es dann auch noch kurz in der Nähe donnert, ist uns klar, dass es wohl ziemlich unvernünftig wäre, jetzt diesen hochgelegenen, sicheren Lagerplatz zu verlassen.

Todd und die Lehrerin wirken ziemlich angespannt, was ja auch kein Wunder ist, schließlich tragen sie die Verantwortung für die Schüler.
Diese sehen die Situation dagegen eher entspannt und brennen sogar darauf Buckskin Gulch ein Stück weit zu erkunden, woran aber natürlich nicht zu denken ist.
Schade, dass deutsche Schüler nie die Gelegenheit zu solch abenteuerlichen Ausflügen erhalten. Ich finde es jedenfalls ganz hervorragend, dass „Outdoor Education“ hier Teil des Lehrplans ist.

Gegen 10 Uhr ist es zwar immer noch kühl und düster aber es sieht meiner Meinung nach nicht mehr nach einem Unwetter aus. Daher nehme ich meinen Rucksack und verabschiede mich von der Gruppe, die wahrscheinlich den ganzen Tag an ihrem Lagerplatz bleiben wird.

Buckskin Gulch verläuft jetzt noch ein Stück weit offen mäandernd mit schlammigen Ufern bis ich schon nach kurzer Zeit die Mündung in den Paria River erreiche.
Hier überquere ich die Grenze zwischen den beiden Bundesstaaten Utah und Arizona. Da ich damit auch in eine andere Zeitzone gelange muss ich die Uhr eine Stunde zurückstellen.

Das Paria Tal ist hier sehr schmal und wird von hohen roten Sandsteinwänden eingefasst. An den meisten Stellen ist der Bach ziemlich flach, aber da ich häufig die Seite wechseln muss, habe ich schon bald wieder einmal nasse Füße. Da die Sonne heute nie den Durchbruch schafft, bleibt es weiterhin kühl und ich finde es unangenehm den ganzen Tag in nassen Strümpfen zu laufen.
Über weite Strecken kann ich den vegetationslosen Kiesbänken folgen und komme daher wesentlich einfacher als im Escalante Canyon voran.
Natürlich fühle ich mich auch nicht völlig sicher, denn ich weiß ja nicht, welche Wetterbedingungen am oberen Paria herrschen und ob nicht doch eine Welle auf mich zurollt …
Daher versuche ich schnell vorwärts zu kommen und halte stets Ausschau nach einer Ausweichmöglichkeit zu höher gelegenem Terrain.
Obwohl die Canyonwände häufig steil aufragen, lässt sich an vielen Stellen so ein „Sicherheitstörchen“ finden.

An manchen Stellen finde ich frisch abgeschnittene Tamarisken. Hier ist offenbar der Kampf gegen die ausbreitungsfreudige Einwanderin noch nicht aufgegeben worden.

Am Nachmittag gelange ich zu Judds Hollow, wo ich wieder einmal durch eine Steilwand zum Wechseln des Ufers gezwungen werde. Todd hatte mir heute Morgen schon von dieser Stelle erzählt. Er hatte gestern zwei Wanderer getroffen, die hier nur schwimmend den Paria überqueren konnten.
Wie bereits geschrieben, meine drei dünnen, „wasserdichten“ Säcke haben schon lange einige Löcher. Daher habe ich keine Lust weder meinen Schlafsack noch meine Kameraausrüstung einer Tauchpartie auszusetzen.

Als ich an den Pool gelange suche ich daher erst mal nach einer Möglichkeit die Stelle zu umgehen. Zwar habe ich nach einigen Versuchen eine Stelle entdeckt die mir den problemlosen Aufstieg auf eine Terrasse oberhalb des Flusses gewährt, aber ich muss ja auch wieder runter …

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Oberhalb des Paria Rivers

Das entpuppt sich aber leider als unmöglich, überall fällt die Terrasse schließlich unpassierbar zum Paria ab.

Mir bleibt wohl oder übel nichts anderes über, als irgendwie durch den Pool zu gelangen, der hier offenbar von einem Felssturz gebildet wurde.

Ich lege Ausrüstung und Kleidung ab und erkunde zunächst die Tiefe des Gewässers. Nach einigen Tastversuchen gelingt es mir schließlich eine Watroute zu entdecken, auf der mir das Wasser lediglich bis zur Brust reicht. Dennoch verstaue ich alles was nicht nass werden darf in meine Trockensäcke und trete so beladen den ersten Ausflug durch den Teich an. Allerdings ist es gar nicht so einfach meine Route genau wiederzufinden. Plötzlich verliere ich den Boden unter den Füßen und befürchte schon mit meinen Säcken schwimmen zu müssen. Aber ein großer Schritt lässt mich wieder auf festem Grund landen, so dass die Trockensäcke nur ein wenig benetzt werden. Anschließend hole ich den Rucksack mit meiner restlichen Ausrüstung und habe schließlich alles auf dem richtigen Ufer.

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Der tiefe Pool

Abends schlage ich mein Zelt an einer sandigen Stelle auf, die wie die Spuren zeigen, wohl häufiger zum Lagern genutzt wird. Obwohl es nach meinem Aufbruch heute Morgen nur noch einige Tropfen geregnet hat, ist es den ganzen Tag kühl und grau geblieben, so dass ich stets in Windshirt und langer Hose gelaufen war.
Obwohl der Paria Canyon sicher grandios ist, habe ich mittlerweile genug von wasserreichen Schluchten in der Wüste. Daher verwerfe ich auch meinen ursprünglichen Plan, den Little Colorado als Zugang in den Grand Canyon zu nehmen und beschließe als Alternative direkt zum Nordrand dieser weltbekannten Schlucht zu trampen, um von dort meine lange Wanderung durch diese „Mutter der Schluchten“ zu beginnen.

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Lagerplatz im Paria Canyon

Morgens hat sich das Wetter geändert und ein strahlend schöner Tag bricht an. Bald kann ich wieder mit kurzer Hose und T- Shirt laufen und auch die nassen Füße machen mir nichts mehr aus. Ich laufe viel lockerer und befreiter weil jetzt endlich das unbestimmte Gefühl gewichen ist ob nicht doch noch eine Flutwelle unterwegs zu mir ist.
Heute kann ich auch richtig die Schönheit der Schlucht mit ihren hoch aufragenden Sandsteinwänden genießen.

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Ein schöner Tag im Paria Canyon

Die Sonne lockt vielfältiges Leben hervor. So kann ich verschiedene Spechtarten und vor allem die wie immer häufigen Eidechsen beobachten. Neben den üblichen braunen gibt es hier auch regelrecht poppig wirkende, gelb- grün gemusterte Reptilien. Eine kleine Kröte gefällt mir besonders.

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Kleine Kröte

Leider hinterlässt der häufige Wechsel aus nass werden und trocknen bereits deutliche Spuren an meinen Stiefeln. Einige Nähte beginnen sich aufzulösen und ich entdecke ein kleines Loch. Zunächst noch nichts Dramatisches aber ich muss die Stiefel auf jeden Fall im Auge behalten und mich auf einen Ersatz einstellen, sollten sie irgendwann tatsächlich nicht mehr der Anstrengung gewachsen sein.

Die Umgebung des Flusses wird immer schöner. Das klare Wasser hat eine schöne, grüne Farbe und hüpft oft munter über glatt polierte Steinplatten.

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Hier ist der Paria ein munterer, grünfarbener Fluss

Gegen Mittag nutze ich das schöne Wetter um mich und meine Wäsche im Fluss zu waschen, natürlich wie immer ohne Seife!

Der Fluss mäandert sehr stark hin und her, so dass ich, obwohl die zurückgelegte Entfernung in Luftlinie nicht besonders groß ist, trotzdem eine ganz ordentliche Distanz hinter mich bringe.

Später am Nachmittag treten die Schluchtwände zurück und ich kann für lange Zeit einer Art Pfad auf der rechten Schulter oberhalb des Parias folgen.
Die Gegend hier in Coloradonähe wirkt noch trockener, dennoch wachsen noch Pappeln in Bachnähe.

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Ich folge einer Art Pfad oberhalb des Flusses

Gegen 17.30 entdecke ich einen günstigen Lagerplatz. Dass ich nicht der erste hier bin, zeigt ein kunstvoll erbauter Steintisch!

Die Tage sind jetzt schon sehr kurz. Bereits gegen 18.45 ist es fast dunkel.

Am nächsten Morgen färbt die aufgehende Sonne die umliegenden Canyonwände in ein schönes Rot. Sehr ungewohnt wirken auf mich einige mächtige Dünen mit rötlichem Sand und kleinen Kakteen auf die ich bald nach meinem Aufbruch stoße.

Meistens laufe ich heute wieder dichter am Fluss den ich auch einige Male queren muss.

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Paria River oberhalb von Lees Ferry

Nach knapp vier Stunden erreiche ich einen Trailhead mit Holzbox. In dem darin enthaltenen Register sollen sich die Wanderer eintragen, die die Wanderung durch den Canyon machen wollen. Zu meinem Erstaunen haben sich nur relativ wenig Leute eingetragen. Ich hatte ja eigentlich auch auf dieser, nach dem Permitsystem zu urteilen, sehr beliebten Route, mit mehr Wanderern gerechnet. Aber auf der ganzen Strecke entlang des Paria habe ich niemanden getroffen, obwohl der Herbst eigentlich eine gute Zeit zum Wandern in der Schlucht ist.

Ich gelange jetzt in den historischen Distrikt von Lonely Dells Ranch und Lees Ferry. Der polygame Mormone John D. Lee ließ sich hier 1871 mit seinen Frauen nieder. Er betrieb eine Fähre über den Colorado die hauptsächlich von den anderen einwandernden Mormonen genutzt wurde und versorgte sich praktisch selber in dem er Bewässerungskanäle anlegte und dadurch Ackerbau auf dem fruchtbaren Schwemmland an der Pariamündung betreiben konnte.

Die historischen Gebäude wurden liebevoll restauriert und werden heute vom Nationalparkservice verwaltet. Da Lees Ferry mit dem PKW bequem erreichbar ist, finden zahlreiche Besucher hierher.

Nun, nach der Zahl der Autos auf dem Parkplatz zu urteilen, sind heute nicht gerade viele Leute hier. So gehe ich ein Stück weiter bis zum Colorado, wo eine Straße zum Lake Powell führt, einem Stausee, der als Wassersportdorado gilt.

Mein Glück ist unfassbar. Bereits das erste vorbeifahrende Auto hält! Caren arbeitet in dem Hotel am Nordrand des Grand Canyon und kommt gerade zurück von einem verlängerten Kajakwochenende am Lake Powell. Nachdem ich meinen Little Colorado Plan aufgegeben habe, möchte ich sowieso meine Wanderung am Grand Canyon North Rim fortsetzen, daher ergibt sich aus der Begegnung mit Caren die perfekte Mitfahrgelegenheit!

Zunächst fahren wir lange Zeit durch öde, trockene Wüste doch dann steigt die Straße rasch an. Nachdem wir die Wacholder-Zone durchquert haben, gelangen wir auf das kühle, von Nadelwald bedeckte Kaibab Plateau. Golden leuchtende Aspen und Reste des ersten Schneesturms der Saison verraten, dass hier der Herbst bereits im vollen Gang ist.

berniehh
23.12.2011, 21:52
Mal wieder super! Buckskin Gulch & Paria Canyon zählen für mich ja mit zu den lohnensten Canyontreks in ganz Nordamerika.
Erstaunlich wie unterschiedlich die Bedingungen dort sein können. Ich bin zweimal da durchgewandert. Beim ersten Mal war der Buckskin Gulch genauso verschlammt und voll Wasser wie bei dir, aber beim zweiten Mal war der Buckskin Gulch komplett trocken.

Wildniswanderer
04.01.2012, 21:54
Grand Canyon 1

Schließlich erreichen wir den Eingang des Grand Canyon Nationalparks, wo ich keinen Eintritt zahlen muss, da ich ja bei Caren, die hier arbeitet, im Wagen sitze.
Zwar war ich vor einigen Jahren schon mal hier am Grand Canyon, aber das was ich jetzt vorhabe, eine wochenlange Wanderung in den Tiefen der Schlucht, ist natürlich etwas anderes, als wenn man dieses grandiose Naturwunder lediglich an einigen Aussichtspunkten bewundert.

Ich möchte e- mails checken und schreiben, allerdings hat Caren mir gesagt, dass es dazu eigentlich keine Möglichkeit auf dem Nordrand des Canyons gibt. Na ja, sie kommt nicht gleich damit raus, aber schließlich erzählt sie mir doch, dass es in der Unterkunft der Hotelangestellten drei Computer gibt, die die Bediensteten benutzen dürfen um ins Internet zu gehen.

Offenbar herrschen dort recht strenge Sitten, denn Caren sträubt sich ziemlich dagegen, mir den Raum zu zeigen wo die PC’s stehen. Kein Problem, obwohl ich mit meiner leicht abgerissenen Erscheinung und dem vom ständigen Draußen sein sichtlich gezeichnetem Gesicht nicht gerade wie ein Hotelangestellter aussehe, steuere ich nach ihrer Beschreibung zielstrebig den Computerraum an und setze mich als ob ich dazu gehören würde an einen freien Platz. Zwar fallen leicht verwunderte Blicke auf mich, aber es herrscht wohl eine große Fluktuation unter den Bediensteten des einzigen Hotels auf dem North Rim, daher kann ich problemlos einige e- mails absetzen und empfangen.

Wahrscheinlich steuern mehr als 90 % der Besucher des Grand Canyon den Südrand an, daher herrscht hier auf dem North Rim eine eher ruhige und entspannte Atmosphäre.

In der Nähe des Besucherzentrums gönne ich mir eine große Pizza und suche mir dann einen Zeltplatz auf dem Campingplatz des Nationalparks. Für Wanderer und Radfahrer stehen hier spezielle Plätze zur Verfügung, die mit nur 6 $ auch recht günstig sind. Ich darf mein Zelt an einer traumhaften Stelle direkt an der Abbruchkante der Schlucht aufschlagen.

Da ich schon morgen weiterwandern möchte, ist es wichtig mir ein Backcountry Permit zu besorgen. Das habe ich zwar auch schon von Deutschland aus erledigt, aber da ich ursprünglich erst an der Mündung des Little Colorado in den Nationalpark eintreten wollte, benötige ich ein weiteres Permit für die Strecke dorthin.

Im Besucherzentrum erfahre ich, dass die Erlaubnisse im Backcountry Office ausgestellt werden, dass in einiger Entfernung relativ versteckt im Wald liegt.
Da Wanderungen in den Grand Canyon nicht ungefährlich sind und es in jedem Jahr zahlreiche Unglücksfälle gibt, die meist auf die Kombination aus körperlicher Anstrengung, großer Hitze und unzureichender Wasseraufnahme zurückzuführen sind, muss jedermann der in den Canyon will, zunächst einen bürokratischen Wust ausfüllen.
Man mag manche Angaben für übertrieben halten, aber der nette Ranger, in dessen Büro ich die Formulare ausfülle, erzählt mir, dass häufig aufgefundene Tote nur nach den gemachten Angaben identifiziert werden können…
Man muss auch über die bisherigen Wüstenerfahrungen detailliert Auskunft geben, diese Prozedur erfolgt bei mir aber nur sehr verkürzt, als ich dem Ranger erzähle, dass ich auf dem Hayduke unterwegs bin…

Der Nankoweap Trail den ich als Zugang in die Schlucht verwenden möchte, ist laut dem National Park Service der schwierigste und daher nur sehr selten belaufene Weg im Grand Canyon. Die Ranger sind auch nur selten dort unterwegs, aus diesem Grund werde ich gebeten, nach meiner Ankunft auf dem Südrand im dortigen Backcountry Office meine Beobachtungen zum Wegezustand kund zu tun…

Mit dem Permit in der Tasche gehe ich meine nächste Aufgabe an, dass Einkaufen von Vorräten für 10 Wandertage.

Der Laden beim Campingplatz ist natürlich im Wesentlichen auf die Bedürfnisse der Tagestouristen eingestellt. Dennoch gelingt es mir halbwegs nahrhafte Produkte zu erwerben. Leider entdecke ich kein vernünftiges Müsli und muss daher mit Corn-Flakes Vorlieb nehmen.

Nach der Hitze am Colorado ist das Klima hier auf 2500 Meter Höhe schon ein ganz schöner Wechsel für meinen Körper. Zwar ist es klar und sonnig, aber es weht eine ziemlich frische Brise.

Nach meinen Besorgungen kann ich so gerade noch den Sonnenuntergang in der Nähe meines Zeltplatzes erleben und komme dabei mit einigen Amerikanern ins Gespräch, die mein Vorhaben bewundern.

Als es schon dunkel ist, kann ich dann noch die Münzdusche des Platzes benutzen um mich und meine Wäsche zu waschen.

Die üppige Bewaldung des Kaibab Plateaus täuscht, es gibt auf dem Kalkstein kein Oberflächenwasser! Daher belade ich mich mal wieder mit acht Litern Wasser, die für zwei Tage reichen müssen.

Da so allein für Nahrung und Wasser 15 kg zusammenkommen, bin ich daher mit etwa 28 Kilogramm mal wieder ziemlich schwer beladen.

Es hat in der Nacht zwar nicht gefroren, aber trotzdem ist es morgens zunächst ziemlich frisch, so dass ich zunächst in langer Kleidung los laufe.

Nachdem ich das ausgedehnte Waldgelände der Einrichtungen am North Rim verlassen habe, gelange ich schon bald an einen Trailhead mit großem Parkplatz. Zunächst erschrecke ich, da offenbar Massen von Leuten hier unterwegs sind, aber schon bald wird mir klar, dass alle diese Menschen den North Kaibab Trail einschlagen, der von hier direkt in das Canyoninnere führt. Ich dagegen folge dem Ken Patrick Trail durch die Wälder des Plateaus. Schon bald wird mir anhand des Zustands dieses Weges klar, dass er wohl nur äußerst selten bewandert wird. Teile des Trails sind mit fiesen Dornsträuchern zugewachsen und häufig muss ich den Wegeverlauf mehr erahnen, als dass ich einfach einer ausgetretenen Linie folgen könnte.

Ich begegne einem kleinen Rudel Maultierhirsche, was zwar weniger vertraut ist als die Tiere in der Nähe des Besucherzentrums, aber auch nicht gerade als scheu zu bezeichnen ist.

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Maultierhirsch im dichten Wald des Kaibab Plateaus

Man liest immer wieder, dass das Höhenprofil des Grand Canyon klimatisch einen Querschnitt von Kanada nach Mexico darstellt. Hier auf dem Nordrand, der im Schnitt 300 Meter höher als der Südrand ist, wäre ich demnach in Kanada. Zwar finde ich, dass es im Norden schon noch etwas anders aussieht, aber die dichten Nadelwälder aus verschiedenen Fichten- und Tannenarten sind tatsächlich für diese trockene Gegend ziemlich üppig. Die weißen Stämme der Aspen sorgen für schöne Kontraste.

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Nadelwald auf dem Plateau

Es ist wieder einmal kaum zu glauben: Kaum entferne ich mich ein wenig von Straße und Einrichtungen des Nordrands, habe ich den Wald für mich allein.
Erst später, als der Pfad sich wieder einer Straße die zum Point Imperial führt nähert, treffe ich einige Tageswanderer, die zu verschiedenen Aussichtspunkten unterwegs sind.
Point Imperial ist mit 2683 Metern der höchste Punkt des Nordrims. Man schaut von hier über die Painted Desert bis zu Lee’s Ferry. Hier ist der Canyon noch relativ schmal, bevor er dann zum „Grand Canyon“ wird. Unter mir erstreckt sich das Tal des Nankoweap Creek, den ich morgen erreichen möchte.
Leider ist es nicht wirklich klar, so dass keine guten Bedingungen zum Fotografieren herrschen.
Nachdem ich den Aussichtspunkt verlassen habe, geht es weiter durch Kiefernwälder mit großen Waldbrandflächen.

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Häufig laufe ich über von Waldbränden geschaffene offene Flächen

Nach circa 20 Kilometern erreiche ich gegen 16 Uhr mein Tagesziel, den Beginn des Nankoweap Trails. Hier stoße ich auch wieder auf die Route des Hayduke.

Ein Feuerring aus Steinen zeigt, dass an dieser idyllischen Stelle unmittelbar an der Abbruchkante schon vor mir Leute gelagert haben.

Der Platz liegt unmittelbar außerhalb der Grenze des Nationalparks, daher darf man mit dem Geländewagen hierher fahren. Kein Wunder, am Spätnachmittag tauchen zwei Fahrzeuge auf, bevor die Stille des Abends einkehrt.

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Ausblick vom Beginn des Nankoweap Trails

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Welch toller Lagerplatz!

Nachdem ich mein Abendessen, wie immer mit einer guten Portion Olivenöl verfeinert, gegessen habe, beginnt das Schauspiel des Sonnenuntergangs.

Während in die Tiefen des Canyons bereits die Schatten der Nacht eingezogen sind, werden die gegenüberliegenden Wände noch von den letzten Sonnenstrahlen in ein warmes Licht getaucht.

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Die letzten Sonnenstrahlen lassen die gegenüberliegenden Wände leuchten

Später, als das Abendrot den Himmel färbt, treten die vom Dunst des Tages zuvor verhüllten Konturen des Grand Canyon mit der Vielzahl ihrer Gesteinsschichten klar hervor.

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Abendrot über dem Grand Canyon

Bevor die Nacht endgültig die Oberhand gewinnt, findet noch einmal eine Farbsymphonie statt.

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Der Nankoweap Trail wurde bereits 1880 auf Anregung des berühmten Grand Canyon Erstbefahrers John Wesley Powell angelegt. Dabei folgt die Trasse einer alten Indianerroute. Später diente der Nankoweap Trail dann Viehdieben, die über den Weg Rinder von Utah nach Arizona trieben. Wenn man dem Trail allerdings heute folgt, wird man bald feststellen, dass es mittlerweile für Pferde oder Mulis völlig unmöglich ist auf dieser Route in den Canyon zu gelangen…

Der Morgen beginnt klar und wunderschön. Durch herrlich verfärbte Eichen- und Aspenhaine gelange ich auf das Plateau des Saddle Mountain.

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Ein toller Morgen beim Abstieg zum Saddle Mountain

Während es bis hier noch hohe Nadelbäume gibt, gelange ich bald darauf in die Zone der Wacholder und Pinyon Pines.

Der sporadisch mit Steinmännchen markierte Pfad folgt jetzt der Flanke des Saddle Mountains. Zum Teil ist der Weg in der Steilwand lediglich fußbreit. Man sollte hier trittsicher und schwindelfrei sein, denn an manchen Stellen droht bei einem Fehltritt ein fünfzig Meter tiefer Absturz…

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Der Trail folgt der Flanke des Saddle Mountain

Natürlich treffe ich keinen anderen Wanderer, dennoch wird die Stille der Landschaft immer wieder gestört. Hubschrauber, die reichen Touristen den Canyon aus der Vogelperspektive präsentieren, tauchen in manchmal lediglich fünfminütigem Abstand immer wieder auf.
Zwar unterliegen die Bereiche in der Nähe der Aussichtspunkte einem Flugverbot, ein großer Teil des Grand Canyon darf aber von den knatternden Maschinen überflogen werden. Während bei der Erteilung der Permits für harmlose Wanderer sehr stark darauf geachtet wird, dass die Bestimmungen zum Schutz der Natur eingehalten werden, sind im Fall der Helikopterflüge offenbar die finanziellen Interessen viel stärker als der Schutz der Nationalparks, die ansonsten ja schon eine große Bedeutung für die Amerikaner haben.
Was würde Edward Abbey denken?

Eine kleine hängende Quelle die im Führer beschrieben wird, ist völlig ausgetrocknet. Lange Zeit folgt der Trail den schmalen Erosionsbändern. Ich frage mich immer wieder wo der Weg die nächste Steilstufe überwindet, aber irgendwie verliere ich doch langsam an Höhe. Schließlich fällt der Nankoweap Trail über 1735 Höhenmeter bis zum Colorado ab!

Einmal treffe ich auf eine fette braune Schlange auf dem Pfad. Wahrscheinlich handelt es sich wieder einmal um eine Klapperschlange, aber sie schlängelt sich ohne das charakteristische Klappern davon.

Die Landschaft wird immer trockener je weiter ich mich dem Tal des Nankoweap Creek nähere. Einige Kakteenarten die ich bis jetzt auf meiner Wanderung noch nicht kennen gelernt hatte tauchen auf.

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Bisher noch nicht kennen gelernte Kakteenarten erscheinen

Nachdem der Pfad bislang relativ gemäßigt Höhe abgebaut hat, beginnt nun ein extrem steiler Abschnitt, durch loses, feines Geröll. Vor kurzem hat ein Bergrutsch hier einen Teil des Pfades verschüttet. Der Ranger im Backcountry Office war daran interessiert zu erfahren, ob sich der Hang stabilisiert hat, oder noch weitere Geröllmassen nachrutschen.

Wie auf rohen Eiern balanciere ich über die heiklen Flächen. Direkt bergab zu laufen wäre unter Umständen mit einem neuen Erdrutsch verbunden, daher schlage ich einen Zick- Zack Kurs ein, bei dem ich nur langsam an Höhe verliere.

Trotz aller Vorsicht gleite ich einmal trotzdem aus, und rutsche auf dem Hosenboden einige Meter nach unten, bevor ich zum Halten komme.

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Noch trennen mich viele Höhenmeter vom Nankoweap Creek

Schließlich erreiche ich ein trockenes Bachbett, dem ich ohne weitere Probleme folgen kann, bis ich gegen 16 Uhr den Nankoweap Creek erreiche.
Dieses muntere, klare Bächlein in der trockenen Landschaft kommt mir wie ein wahres Wunder vor. Gut, irgendwo muss das Wasser ja bleiben, das auf das Kaibab Plateau fällt. Es versickert im durchlässigen Kalkstein und kommt in der Tiefe des Canyons wieder an die Oberfläche,wo es diesen dauerhaft Wasser führenden Bach nährt.

Aber natürlich täuscht der harmlose Eindruck, wie üblich sehe ich auch in diesem Tal die Spuren vergangener Überschwemmungen.

Nachdem ich mein Lager aufgeschlagen habe, erkunde ich die Umgebung noch ein wenig.

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Nankoweap Creek

Ich könnte dem Bach bis zum Colorado folgen und müsste dann ein Stück weit der Schlucht des mächtigen Flusses folgen, was laut Führer stellenweise ziemlich schwierig ist. Aber nach der Karte sollte es möglich sein, weglos bis zum Kwagunt Creek vorzustoßen, was die Wanderstrecke am Colorado verkürzen würde.

Von einem kleinen Aussichtspunkt aus erscheint mir diese Variante machbar und ich beschließe morgen diese weglose Abkürzung zu verfolgen.

Zurück im Lager genieße ich noch lange die Wärme des Abends hier fast am Grund der mächtigen Schlucht. Was für ein Gegensatz zu den Temperaturen der letzten beiden Abende!

Während ich bis jetzt auf meiner Wanderung nie Probleme mit Mäusen hatte, bekomme ich jetzt das Gefühl regelrecht belagert zu werden. Immer wieder nehme ich herumhuschende Nager war, die von meinen Vorratsbeuteln offenbar magisch angezogen werden. Die Mäuse sind so dreist, dass sie mir beim Essen bis zu meiner Matte folgen.
Dieses Verhalten würde ich besser verstehen, wenn dies ein Platz wäre, der häufig von Touristen genutzt wird und die Nager daher wissen, dass immer etwas für sie abfällt und keine Gefahr von den Menschen droht. Aber hier in der Wildnis?

Aber es gibt noch weitere Tiere,die die Wüstennacht beleben: Ein kleiner Frosch lässt sich auf meinem Fuß nieder und etliche Fledermäuse sind hier in der Nähe des Gewässers auf Insektenjagd.

Bergtroll
04.01.2012, 22:13
Ich bin Ende April in NY und überlege mir entweder vorher oder nachher einen ca. 1-2 wöchigen Urlaub dranzuhängen. Würde zu diesem Zweck von NY nach Denver fliegen und dann einen Mietwagen zur Verfügung haben. Gibt es einen Trek (Bryce, Canyonlands, Zion etc. etc.), der ca. 7-10 reine Wandertage benötigt und besonders zu empfehlen ist? Möglichst ohne viel Kontakt zu Tageswanderern, Autos, Hubschraubern usw.? Danke!

Savannah
13.01.2012, 22:27
Ich genieße deinen Bericht weiterhin sehr, zumal du von mir heiß geliebte Landschaften durchwanderst. Herrliche Fotos vom Paria Canyon oder von der Abendstimmung am Nankoweap.

Bin gespannt, was die Mäuschen über Nacht mit deinen Vorräten anstellen werden :D - hoffentlich futtern sie dir nicht alles weg? ;-)

Jedenfalls eine superschöne Wanderung - wann geht es weiter?

Wildniswanderer
14.01.2012, 18:22
Die Wolken, die am Morgen aufgezogen sind, sorgen für einen wunderschönen Sonnenaufgang, der die Felswände auf der North Rim Seite in rosiges Licht taucht.

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Der Sonnenaufgang färbt die Klippen des North Rim

Ich folge zunächst einem Seitental des Nankoweap Creek, das mich zunehmend an Höhe gewinnen lässt.
Schon bald sieht die Umgebung im Licht des Tages wieder ganz anders aus.

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Der North Rim im Morgenlicht

Es gibt hier zwar eigentlich keinen Weg, aber vereinzelte Fußspuren verraten mir, dass auch schon andere Leute diese Route gegangen sind.
Niedriger Blackbrush, einzelne Kakteen und Agaven mit trockenen, hohen Fruchtständen bringen etwas Leben in die trockene, steinige Einöde.

Nachdem ich aus dem Tal gestiegen bin, kann ich meine weitere Route zu einem Pass ausmachen, der die Wasserscheide zwischen Nankoweap- und Kwagunt Creek bildet.

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Weglos zum Kwagunt Creek

Zwar setzt mir der Anstieg keine größeren Hindernisse entgegen, dennoch ist eine sorgfältige Beurteilung des Geländes erforderlich, wenn man die einfachste, kraftschonendste Route einschlagen möchte.

Bereits nach zwei Stunden stehe ich auf dem Pass und stelle fest, dass der Abstieg auf der anderen Seite ziemlich ähnlich ist. Eine Zeit lang rutsche ich noch die Schotterhänge herab und folge dann einem Seitental. Bevor ich den Kwagunt Creek erreiche, muss ich einmal einen hohen Absturz bewältigen, aber schließlich habe ich gegen Mittag den Bach erreicht.

Auch Kwagunt Creek führt ständig Wasser und stellt daher eine Oase in der trockenen Umgebung dar.

Neben der Absicht nicht länger als nötig dem Colorado Ufer folgen zu müssen, hat mich ein Buch hierher geführt: Zur Vorbereitung auf meine Wanderung habe ich zu Hause den Grand Canyon Klassiker „The man who walked through time“ von Colin Fletcher gelesen.

Fletcher war 1963 der Erste, der die große Schlucht zu Fuß durchmessen hat. Das Buch ist noch heute durchaus lesenswert!
Im Kwagunt Becken hatte Fletcher damals nach Resten einer Anasazi Stadt gesucht, über die er Gerüchte gehört hatte.

Zwar gibt es hier überall Scherben und andere Hinterlassenschaften die von den Anasazi zeugen, aber schon Colin Fletcher hatte erkannt, dass es hier ganz sicher keine größere Ansiedlung gegeben hat.
Nichts desto trotz lasse ich es mir nicht nehmen, ein Stück weit den Bach hinauf zu wandern, nachdem ich mein Lager aufgeschlagen habe. Ich genieße es ohne Gepäck unterwegs zu sein und mache immer wieder Pausen, während denen ich das Leben um mich herum beobachte. Ob kleine Frösche, Monarch- Schmetterlinge oder Libellen, immer gibt es etwas zu sehen.

Nach dem die Sonne unter gegangen ist, wird der zweite Teil des Mäusetheaters aufgeführt: Während ich auf meiner Matte sitzend Nudeln esse, nehme ich immer wieder zwei recht große, mit ihren langen Schwänzen durchaus niedlich aussehende Mäuse war. Sie sehen mir beim Essen sozusagen über die Schulter. Als ich dann raspelnde Geräusche aus meinem Zelt höre, muss ich feststellen, dass die Nager einen Zip-Loc Beutel aufgeknabbert haben um sich an den darin befindlichen Energieriegeln gütlich zu tun! Ich verstaue alles im Rucksack und lehne mich weiterhin auf der Matte sitzend mit dem Rücken dagegen. Das stört die Mäuse aber nicht, völlig unbeeindruckt von meiner Anwesenheit versuchen sie weiterhin an den Inhalt zu gelangen. Weder mit der Stirnlampe anstrahlen, noch mit Steinen nach ihnen werfen hat einen nachhaltigen Effekt. Natürlich treffe ich die flinken Nager nicht, aber ein bischen Angst einjagen wird ja wohl erlaubt sein! Nein, nur wenige Sekunden nachdem der letzte Stein geflogen ist, schauen sie mich aus nur 30 Zentimeter Entfernung mit unschuldigen Augen so an, als ob sie kein Wässerchen trüben könnten.

Leider ist mein Zelt ja unten an den Seiten offen, daher geht die Mäusebelagerung weiter, als ich schlafen will. Ständig huschen sie außen vorbei und lassen sich auch durch grobes an die Zeltwand schlagen nicht verjagen.
Na ja, mein Rucksack hat ja schon Löcher genug, ich flüchte mich in die Hoffnung, dass der Stoff so schnell nicht durchgenagt ist, und ich wohl keine ernsthaften Nahrungsverluste befürchten muss. Dennoch finde ich das anfangs lustige Geschehen irgendwann gar nicht mehr komisch…

Am nächsten Morgen möchte ich wie meistens noch vor Anbruch des Tages mit der Stirnlampe im Zelt frühstücken. Den Extra Energie- Kick zu meinen Cornflakes hole ich mir, in dem ich genüsslich einige Löffel Erdnussbutter dazu esse. Leider gibt es hier aber auch andere, die ebenso wie ich auf dass fetthaltige Zeug stehen.
Kaum stelle ich das Glas ab, kommt auch schon eine Maus durch den Bodenspalt ins Zelt gehuscht, sieht mich aus nur wenigen Zentimetern Entfernung an, und wartet auf ihre Chance, mir etwas Erdnussbutter abzujagen. Alle Versuche sie zu vertreiben wirken nur ganz kurzfristig.

Na ja, irgendwann denke ich mir, dass das doch witzige Fotos geben könnte, wenn ich die Maus bei dem Versuch an ihre Erdnussbuttermahlzeit zu kommen fotografiere.
Gesagt getan, ich bringe mich in Position und schwuppdiwupp ist der kleine Nager auch schon da. Allerdings ist die Maus ziemlich flink, weshalb leider keines der Bilder richtig scharf wird.

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Meine Erdnussbutter zieht die Maus magisch an

Irgendwann habe ich es aber doch geschafft mein Frühstück zu beenden, baue mein Lager ab und folge weiter dem Kwagunt Creek abwärts.
Dieser tritt schon bald in eine enge Schlucht ein. Ich entdecke einen kleinen Frosch, dessen Farbe ihn im Sandsteingeröll hervorragend tarnt.

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Gut getarnter Frosch

Es gibt zwar eine ganze Reihe kleinerer Abstürze in dem Canyon, aber diese stellen kein Problem für mich dar. Miniaturwasserfälle haben tiefe Gumpen voll mit herrlich klarem Wasser ausgewaschen.

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In der Kwagunt Schlucht

Im luftfeuchten Schatten der Schlucht wächst eine ganz besondere Pflanze, Stechapfel oder auf Englisch Sacred Datura genannt. Sie ist sowohl für ihre Wirkung als Halluzinogen aber auch als übles Gift bekannt.
Na ja, mir gefällt die Gegend auch ohne berauschende Substanzen sehr gut, daher belasse ich es bei einem Foto.

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Die magische Sacred Datura

Bereits nach zwei Stunden habe ich den Colorado erreicht. Der Fluss ist hier erstaunlich schmal und fließt mit schöner grüner Farbe rasant dahin.
Ich weiß, dass ich eine Zeit lang noch auf diesem Ufer weiter wandern kann, dann aber die Seite wechseln muss.
Der Colorado ist erstaunlich kalt, daher wäre es auch wenn meine Sachen noch wasserdicht verpackt wären, bei der rasanten Strömung extrem gefährlich zu versuchen über den Fluss zu schwimmen. Daher ist mein Plan, eines der Rafts die den Colorado hinab fahren anzuhalten und mir so einen lift auf die andere Seite zu verschaffen.

Leider kommt zunächst kein Gummifloß vorbei, dennoch bleibe ich hoffnungsvoll, dass mein Plan gelingt. Das Ufer des Colorado ist hier relativ breit. Sandstrände wechseln sich mit steinigen Flächen und Tamariskengebüschen ab.

Aber ich habe Glück, nach nur einer Stunde erscheint eine Gruppe aus vier jeweils mit zwei Personen besetzten Rafts. Ich rufe und tatsächlich nimmt eines der Boote Kurs auf mich. Die Rafter sind hervorragend gelaunt und ich erfahre, dass es sich bei ihnen um eine private Gruppe aus Salt Lake City handelt, die tatsächlich 16 Jahre auf ihr Permit zur Befahrung des Flusses gewartet hat!

Rafting auf dem Colorado ist Big Business, der Fluss wird von zahlreichen kommerziellen Unternehmen dominiert. Zwar sind auch private Befahrungen zugelassen, aber man muss halt lange auf eine Genehmigung warten.

Da das Boot der Beiden viel Platz bietet, ist es mit allem möglichen Luxus ausgestattet, so sind gutes Essen und kühle Getränke kein Problem auf so einer Tour.

Die Rafter bringen mich problemlos zum gegenüberliegenden Ufer und beschenken mich zu allem Überfluss noch mit einer kühlen Dose Bier und einem Energieriegel!

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Die freundlichen Rafter

Das Vorankommen auf dieser Seite ist ziemlich langsam und mühsam. Häufig reicht eine steile Abbruchkante bis zum Ufer, daher muss ich jedes Mal einen Weg finden, wie ich die Steilstücke umgehen kann.

Ausgedehnte Felder voll massiver Felsbrocken erfordern stetige Konzentration um ein Umknicken zu vermeiden.

Aber es gibt auch einige traumhafte Strandabschnitte mit feinem weißen Sand.

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Sandstrand am Colorado

Drei weitere Gruppen treiben im Laufe des Nachmittags an mir vorbei. Bei einer der Gruppen ist ein Kajaker, der allerhand Kunststücke in einer Stromschnelle vorführt.
Andrew ist aus Vail in Colorado und arbeitet im Sommer als Kajaklehrer. Im Winter sucht er sich dann meist einen Hoteljob in einem Wintersportort.

Der Colorado ist für seine wuchtigen Stromschnellen berühmt, aber was ich bisher vom Ufer aus sehe, ist alles auch ohne großes Können problemlos befahrbar.

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Das grüne Wasser des Colorado

Mein Tagesziel ist der Little Colorado. Aber als ich sein türkises Wasser aus der Ferne einmünden sehe, stellt es sich als gar nicht so einfach heraus, einen geeigneten Lagerplatz zu finden. Im Bereich der Mündung des Little Colorado ist es aus Naturschutzgründen verboten ein Lager aufzuschlagen.

Schließlich gelingt es mir aber doch einen halbwegs ebenen, schmalen Streifen oberhalb des Flusses zu finden, an dem ich mein Zelt aufschlage.

Da es hier weit und breit weder Siedlungen noch Industrie gibt, trinke ich das Flusswasser ohne es irgendwie zu entkeimen.

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Lager am Colorado

Ich bin schon gespannt wie hier die „Mäusesituation“ ist, aber außer einem Nager der in der Dunkelheit in Campnähe erscheint, behalte ich heute meine Ruhe.

Am nächsten Morgen erreiche ich schon nach kurzer Zeit die Einmündung des Little Colorado. Mit über 500 Kilometern Länge ist dieser ein ziemlich bedeutender Nebenfluss des Colorado, der oberhalb der Mündung durch einen tiefen Canyon fließt. Bernd, der ebenfalls in den Outdoorseiten aktiv ist, hat die Schlucht des Little Colorado letztes Jahr in ganzer Länge durchwandert und war schwer beeindruckt von der landschaftlichen Schönheit dieses Canyons. Nun, ich hatte mich ja entschieden, diese Route nicht zu laufen, aber zumindest möchte ich ein kleines Stück des Little Colorado erkunden, daher laufe ich einige Zeit lang flussaufwärts.

Der Little Colorado ist hier ziemlich breit, schnell fließend und erstaunlich tief, kein Rinnsal sondern ein richtiger Fluss. Immer wieder unterbrechen kleine Stromschnellen seinen Lauf.

Als die Sonne langsam in die Schlucht fällt, ergibt sich eine schöne Stimmung.

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Morgen am Little Colorado

Wie schon einige Male zuvor finde ich auch hier mal wieder etwas versteinertes Holz.

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Versteinertes Holz

Nach einiger Zeit gelange ich an ein mit Tischen und Stühlen, sowie einem großen Gaskocher ziemlich luxuriös eingerichtetes Lager. Bald darauf treffe ich zwei Männer, die mich über das Camp aufklären. Es handelt sich um Leute der Wild- und Fischereibehörde Arizonas, die sich mehrere Male im Jahr per Hubschrauber hier her einfliegen lassen, um Untersuchungen an den Fischbeständen vorzunehmen. Zum Fang der Fische setzen sie Radiowellen ein.
Der Little Colorado ist ein wichtiges Rückzugsgebiet für einige Fischarten, die ihren Lebensraum am Hauptfluss nach den Dammbauten verloren haben. Einige Arten sind als Folge der Dämme sogar komplett ausgestorben. Da früher der Wasserstand im Colorado stark schwankend war, und die Temperatur durchschnittlich viel höher als heute, konnten sich die Fische nur schwer an die veränderten Bedingungen anpassen.

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Forschungscamp

Ich dringe noch ein Stück weiter durch unangenehmen Tamariskenbusch vor, bis ich schließlich den Rückweg antrete.

Inzwischen hat die Sonne den Talboden erreicht, und bringt die auf Mineralien zurückzuführende, wunderbar türkise Färbung des Little Colorado schön zur Geltung.

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Das Wasser des Little Colorado hat eine schöne Farbe

Auf dem Rückweg begegne ich einer großen Gruppe, die sich als Kunden eines kommerziellen Rafttrips herausstellen.
Den Fluss zu durchwaten ist zwar nicht schwierig, aber um nicht in zu tiefes Wasser zu geraten, suche ich einige Zeit lang nach einer geeigneten Stelle.

Am anderen Ufer entdecke ich eine kleine Hütte, die ein wenig an die Anasazibehausungen erinnert. Tatsächlich wurde sie aber von Ben Beamer erbaut, einem der Pioniere des Canyons, der hier um 1890 versuchte als Selbstversorger zu leben.

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Die Hütte von Ben Beamer

Ein Stück weiter soll der Beamer Trail beginnen. Allerdings sind die Wildnistrails im Grand Canyon im Gegensatz zu den hervorragend ausgeschilderten Wegen in der Nähe der Aussichtspunkte nicht markiert. Dennoch gelingt es mir nach kurzer Suche den Anfang des Pfades zu finden. Der Weg führt nach oben hoch auf die Klippen die steil zum Colorado abfallen. Hier ergibt sich ein wunderschöner Ausblick auf den Mündungsbereich des Little Colorado. Die unterschiedlichen Farben der beiden Flüsse verschmelzen auf kurzer Länge miteinander.

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Der türkise Little Colorado mündet in seinen großen Bruder

Wenn man die steil aufragenden Felswände sieht, könnte man glauben in einem bizarren Gebirge zu sein.

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Vom Ufer des Colorado steil aufsteigende Sandsteinfelsen

Der Name „Palisades oft the Desert“ für die Klippen des nächsten Abschnittes trifft diese großartige Naturerscheinung sehr gut.
Der Beamer Trail verläuft zum Teil etwas ausgesetzt hoch über dem Colorado. Jeder der halbwegs höhenverträglich ist, wird aber kein Problem mit dem Weg haben.

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Der Beamer Trail verläuft teilweise ausgesetzt über dem Colorado

Allerdings zwingen häufige Taleinschnitte immer wieder zu steilen Ab- und Wiederaufstiegen. Der Bewuchs in den von der Sonne verbrannten Felsen ist extrem karg.

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Taleinschnitte sorgen für etliche Höhenmeter

Manchmal sehe ich tief unter mir einige Rafts vorbeischwimmen, einmal sogar ein Motorboot, ein weiteres Zugeständnis des Nationalparks an den Kommerz, denn eigentlich sollten nur mit Muskelkraft betriebene Boote im Canyon zugelassen sein.

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Rafts tief unter mir

Bei den Lava Canyon Rapids steige ich wieder ab zum Fluss und suche mir einen geeigneten Lagerplatz in der ausgedehnten Schotterebene. Es ist jetzt ziemlich windig, so dass es gar nicht so einfach ist, mein Zelt aufzubauen.

heron
15.01.2012, 09:28
Superschöne Bilder! 5sterne

Das ist eine der Traumgegenden, wo ich unbedingt noch hin muss :grins:

danke
16.01.2012, 10:36
Ich finde deine Unternehmung bewundernswert, und der Bericht gehört zu meinen persönlichen Highlights hier im Forum!
Freue mich schon auf die Fortsetzung...
Das versteinerte Holz sieht eher nach einer Bioturbation aus, aber der Paläontologiekurs ist schon ne Weile her, könnte mich auch irren :D

Julia
16.01.2012, 12:30
Das ist einfach nur GENIAL!!!

Mika Hautamaeki
19.01.2012, 15:28
Und mal wieder eine 5sterne Episode

Wildniswanderer
26.01.2012, 21:24
Ein heißer, wolkenloser Tag beginnt. Zunächst folge ich dem Beamer Trail weiter in der Flussebene.

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Morgen am Colorado

Bald erreiche ich die Einmündung des Tanner Trail, der hierher von der Südseite des Canyons führt. Ich treffe drei Wanderer, die noch am frühstücken sind. Sie haben eine Runde von 6 Tagen geplant und sind schwer beeindruckt, als ich ihnen von meiner Wanderung erzähle. Ab jetzt laufe ich auf der Escalante Route, einem weiteren nicht markiertem Wildnistrail im Grand Canyon. Nun ja, offizielle Markierungen gibt es zwar nicht, aber mit ziemlicher Regelmäßigkeit haben Wanderer Steinmännchen errichtet, anhand derer der Weg meist ohne großes Kartenstudium gut zu verfolgen ist.

Die Escalante Route verlässt schon bald den Fluss und steigt auf die Klippen oberhalb des Colorado. Dabei verläuft der Weg wesentlich höher über dem Fluss als der Beamer Trail und bietet atemberaubende Ausblicke.

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Die Escalante Route verläuft hoch über dem Fluss und bietet atemberaubende Ausblicke

Schließlich erreiche ich den Escalante Creek. Laut Karte führt die Route unmittelbar über dem Colorado weiter und anfangs finde ich auch einige Steinmännchen, die das bestätigen.
Dann geht es jedoch nicht weiter. So sehr ich auch suche, wobei ich auch bis zu dem letzten Steinmännchen zurückkehre, ich kann den weiteren Wegeverlauf nicht finden.
Statt dessen entdecke ich einen offensichtlichen Trail, der sich aber offenbar weit vom Fluss entfernt, was laut der Trails Illustrated Karte nicht stimmen kann.
Na gut, es ist schon spät, daher halte ich es für sinnvoll heute nicht weiter zu suchen und lagere in der Nähe der Einmündung des Escalante Creeks.
Eine Gruppe von Raftern ist ebenfalls dabei, hier ihr Camp zu errichten.

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Eine Gruppe von Raftern schlägt ihr Lager auf

Es ist bereits dunkel, als eine Abordnung der Rafter erscheint und mich in ihr Lager einlädt. Ich habe nichts dagegen mich mal wieder mit Menschen zu unterhalten, daher folge ich gerne der Einladung.

Im Camp der Gruppe angekommen, erfahre ich, dass sie Mormonen aus Kanab sind, die mit ihren selbstgebauten Rafts den Colorado befahren.
Da mich ihre Religion interessiert und ich nur das Klischee der Polygamie von den Mormonen kenne, stelle ich zahlreiche Fragen, auf die mir auf ruhige, unaufdringliche Art geantwortet wird.
Ich merke, dass die Religion das wichtigste im Leben dieser Menschen ist, und bin beeindruckt von ihrer herzlichen Art. Stan bietet mir sogar an, mich nach meiner Wanderung zurück nach Salt Lake City zu fahren und gibt mir seine Telefonnummer dazu!

Polygamie ist auch für Mormonen schon seit langem in den USA verboten. Die Männer und Frauen der Gruppe würden wohl nicht auf die Idee kommen, dass das Verheiratet sein mit mehreren Frauen ein wichtiger Bestandteil ihrer Religion ist, im Gegenteil, sie machen sich über die Bewohner einiger abgelegener Nester lustig, wo dieser Brauch wohl immer noch praktiziert wird…

Am nächsten Morgen stelle ich mit Entsetzen fest, dass mittlerweile auch der dritte Platyphus Behälter Löcher hat und leckt! Ein Glück, dass ich mir in Escalante Ersatz beschafft hatte. Dennoch ist es mehr als ärgerlich, dass die Container deren Haltbarkeit extrem wichtig ist, offenbar extrem fragil sind.

Ich schlage wieder denselben Weg wie gestern Nachmittag ein, der mich hoch oberhalb des Seventyfivemilecanyons entlang führt. Bald treffe ich drei Wanderer, die eine andere Karte mitführen. Auf der ist der Wegeverlauf der Escalante Route richtig eingezeichnet.

Die extrem enge Schlucht so tief unter mir ist sehr eindrucksvoll. Erst wenn man unmittelbar an ihrem Rand steht, wird einem klar, wie tief der Canyon ist.

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Seventyfivemilecanyon

Am Oberlauf der Schlucht sind die Wände weniger steil, und der Trail führt in den beeindruckenden, düsteren Schlund hinab. Nun folge ich dem Canyon abwärts bis ich wieder am Colorado angelangt bin. Der direkte Weg hätte nur ein kurzes Stück ausgemacht!

Ab jetzt folge ich weiter dem Colorado, was sich aber aufgrund der vielen Felsen als keineswegs einfach darstellt.

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Die Morgensonne färbt den Colorado rot

An eine Stelle ist eine kurze Kletterpartie über etwa zehn Meter erforderlich. Sie ist technisch auch mit schwerem Rucksack nicht besonders schwierig, aber natürlich sollte man auch hier schwindelfrei sein. Ein Vater mit seinem 16- jährigen Sohn kommen mir oben entgegen. Die Beiden zögern kurz, bewältigen den Abstieg dann aber ohne Probleme.

Im Red Canyon an den Hance Rapids gelange ich wieder an den Colorado und fülle meine Wasserbeutel auf, da der Tonto Trail dem ich ab hier folge an keiner Stelle mehr an den Fluss führt und auch keine sichere Wasserstelle aufweist.

Während ich noch am Colorado bin, erscheint der Ranger Steve Rice. Zwar ist er sehr freundlich, lässt es sich aber nicht nehmen, mein Permit zu kontrollieren. Nach dem Papier müsste ich die kommende Nacht hier verbringen, möchte aber natürlich noch gerne weiter wandern. Kein Problem, Steve ruft mit seinem Satellitentelefon das für die Permits zuständige Backcountry Office an, und erfährt, dass er meine Erlaubnis entsprechend ändern kann, da die Quote an Zeltern für den nächsten Sektor noch nicht voll ist.

Da mich die Arbeit des Parkaufsehers interessiert löchere ich ihn noch etwas mit meinen Fragen. Er ist mit einer Pistole bewaffnet, und hat im Nationalpark polizeiliche Befugnisse. Als Backcountry Ranger macht er im Prinzip nichts anderes als durch den Park zu wandern und Erlaubnisse zu kontrollieren. Interessanterweise trägt er Trailrunningschuhe, die in diesem Gelände immerhin sechs Monate halten.
An acht Arbeitstage schliessen sich bei ihm stets sechs freie Tage an, kein schlechter Rhythmus!
Die Hubschrauber hält er ebenso wie ich für ein großes Problem, da sie auch oft nicht die Flugverbotszonen respektieren würden. Allerdings ist wie ich schon angenommen habe, der Preis für eine Helikopterstunde nicht gerade billig, 300 Dollar seien hierfür zu zahlen, berichtet der Ranger.
Zwar gibt es in jedem Jahr noch Tote und Rettungsaktionen hier im Canyon, die Zahl dieser Einsätze sei aber deutlich zurückgegangen, seitdem eine prägnante Aufklärungskampagne begonnen wurde.

Während wir uns unterhalten erscheint eine Gruppe von Raftern, die zunächst an Land gehen und die Stromschnelle erkunden, bevor sie sich in die Hance Rapids, einen der wilderen Abschnitte des Canyons stürzen.

Natürlich lassen wir es uns nicht nehmen, die folgende Befahrung zu beobachten und zu fotografieren. Die Wellenberge sind zwar ziemlich beeindruckend, aber in den großen „Gummibussen“ scheint das Raften der Stromschnelle nicht besonders schwierig zu sein.

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Rafting im Grand Canyon

Ab jetzt folge ich dem Tonto Trail, dem mit etwa 100 Kilometern längstem Wanderweg des Grand Canyons. Im Wesentlichen verläuft er auf dem Tonto Plateau, einer ausgedehnten, ebenen Stufe zwischen Canyonrand und Fluss.
Der Internetseite des Nationalparks zufolge ist Wasser ein großes Problem auf diesem Weg, daher bin ich gespannt was mich erwartet.

Der Anstieg auf das Plateau wird zwar als ziemlich anstrengend beschrieben, aber ich komme gut vorwärts. Noch einmal ergeben sich Ausblicke auf den Colorado, der jetzt in den düsteren Granit des inneren Canyons eintaucht.

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Die düstere, innere Schlucht beginnt

Das Plateau ist nur spärlich mit einigen niedrigen Dornsträuchern, Agaven und Kakteen bewachsen. Dennoch ist die Aussicht auf die erodierten Massive des Grand Canyon immer wieder spektakulär. Man hat tatsächlich den Eindruck im Gebirge und nicht in einer Schlucht zu laufen.

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Auf dem Tonto Plateau

Immer wieder umgeht der Weg dunkel- lila gefärbte, tiefe Seitenschluchten wie den Miners Canyon.

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Viele Millionen Jahre Erdgeschichte

Bereits gegen 16 Uhr schlage ich mein Lager am Oberlauf des Hance Canyons auf. Das Wetter ist ruhig, warm und stabil, daher verzichte ich mal wieder auf den Aufbau meines Zeltes. In der Nähe campiert ein älteres Paar. Als wir uns unterhalten erfahre ich, dass Ken Paläobotaniker ist. Bereits in den Siebziger Jahren wurde er mit dem Hubschrauber auf abgelegene, ansonsten unerreichbare Zinnen im Inneren des Canyons geflogen. Aus den Hinterlassenschaften von Packratten, die sich gerne unter Felsüberhängen aufhalten, hat er die Vegetation vergangener Epochen studiert. In diesem trockenen Klima ist der Kot der Nager unter günstigen Bedingungen auch nach tausenden von Jahren noch nicht verwittert. Ehedem war es viel feuchter im Canyon und Baumarten die heute nur noch auf den hochgelegenen Rändern der großen Schlucht wachsen, kamen damals auch im Inneren des Grand Canyon vor.

Später gesellt sich ein anderer interessanter Wanderer zu mir und schlägt sein Lager in meiner Nähe auf. Gary Tyler ist ein 60- jähriger, pensionierter Arzt der vor drei Jahren mit seiner Frau den Pacific Crest Trail gelaufen ist. Außerdem hat er sich gerade ein Packraft zugelegt und macht auch gerne kürzere Touren wie diese hier im Canyon. Seine Ausrüstung ist nach Thruhiker- Art typisch ultraleicht und wir haben viel miteinander zu erzählen.

Am nächsten Morgen laufe ich zunächst lange oberhalb der tiefen Schlucht des Hance Creek. Früh morgens und spät abends sind die Zeiten zu denen es mir am Besten im Grand Canyon gefällt. Atmosphäre und Licht sind noch klar, so dass sich tolle Bilder in der grandiosen Umgebung ergeben. Später am Tag ist das Licht in der Regel zu hart, als dass gute Fotos entstehen könnten.

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Im klaren Morgenlicht

Etwas später ragt hoch über mir die Horseshoe Mesa auf, eine Vorsprung des South Rim zu dem ein Weg herauf führt. Die eigentliche Route des Hayduke Trail führt auf den Tafelberg, ich setze aber meine Wanderung auf dem Tonto Trail fort.

Später umrundet der Trail die Schlucht des Cottonwood Canyon. Ich begegne drei jungen Wanderern, die mir berichten, dass sie dort unten Wasser gefunden haben. Nun, einstweilen habe ich noch genug von der Flüssigkeit bei mir, so dass ich keinen weiten Umweg zur Wasserbeschaffung in den Canyon unternehme.

Kaum denke ich, auf dem Plateau Strecke machen zu können, zwingt mich schon die nächste Schlucht, Grapevine Canyon zu einem riesigen Umweg entlang der Abbruchkanten. Die Schlucht ist so tief, dass ich nur selten einen Blick bis auf den Grund erhaschen kann. Sehr beeindruckend !

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Immer wieder erfordern tiefe Seitencanyons große Umwege auf den Schultern der Schluchten

Meist ist das Vorankommen unproblematisch, aber es gibt immer wieder auch kurze, heikle Stücke, wo man sich besser keinen Fehltritt erlaubt…

Üppiges Grün im Oberlauf eines Seitencanyons veranlasst mich zu einer genaueren Prüfung und tatsächlich, ich entdecke erstaunlich kühles, klares Wasser!
Erst einmal trinke ich mich voll wie ein Kamel, dann belade ich meine verbliebenen Wassersäcke wieder einmal.

Seit Hance Canyon ist auch wieder Ruhe eingekehrt, offenbar beachten die meisten Hubschrauber die Flugverbotszone die hier eingerichtet ist.



Bevor die Dämmerung einsetzt, schlage ich mein Nachtlager wieder ohne Zelt am Beginn eines Seitentales im Schutz eines kleinen Überhangs auf. Über mir erstrahlt ein herrlicher Sternenhimmel, eine Eule ruft in meiner Nähe und ich genieße die Ruhe einer fantastischen Nacht inmitten dieses gigantischen Canyons.

Schon seit einiger Zeit hatte ich kein Mäuseproblem mehr, aber heute schafft es einer der Nager in den Beutel mit meinen Cornflakes zu gelangen, während ich am Essen bin. Hätte ich Hunger, wäre das die perfekte Fleischbeilage… Aber die Maus hat Glück, ich habe genug zu essen im Rucksack, daher entlasse ich sie ungeschoren wieder in die Freiheit.

Am nächsten Tag beobachte ich eine Maultierhirschkuh aus der Nähe. Erstaunlich, dass die Tiere sowohl in den üppigen Wäldern als auch hier in der trockenen Wüste vorkommen.

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Maultierhirsche leben sowohl in den Wäldern als auch in der Wüste

Da weit und breit kein Wasser zu sehen ist, finde ich es noch erstaunlicher, als ich einer Libelle die auf einem Ast sitzt begegne.

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Was macht die Libelle in der trockenen Wüste?

Obwohl der Colorado in Luftlinie nicht besonders weit entfernt ist, kann ich nur ganz selten mal erahnen, dass sich sein Lauf tief unten durch die dunkle Schlucht schlängelt.

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Wo ist der Colorado?

Laut Permit soll ich am Cremation Creek übernachten, da ich dort aber schon um die Mittagszeit ankomme, beschließe ich weiter zu laufen. Auch heute führt der sporadisch mit Steinmännchen markierte Trail immer wieder um die Nebencanyons herum.

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Oberlauf des Lonetree Canyon

Der Ranger hat mir erzählt, dass sich im Oberlauf des Lonetree Canyon eventuell Wasser finden lässt, daher untersuche ich diese Schlucht einige Zeit lang, finde aber nichts.

Der leichtsinnige Wanderer sagt sich vielleicht, dass wenn er kein Wasser findet ja jederzeit zum Colorado absteigen kann. Da all diese Nebenschluchten aber mit etlichen Stufen steil abfallen, ist das ohne Kletterausrüstung in der Regel nicht möglich.

Gegen 14 Uhr erreiche ich den South Kaibab Trail. Dass dieser stark belaufen ist, beweist ein Toilettenhäuschen. was hier an der Hauptroute vom South Rim zum Fluss errichtet wurde. Einige Wanderer die mit leichtem Gepäck unterwegs zur Phantom Ranch am Colorado sind, staunen ungläubig, als ich ihnen erzähle, dass ich noch heute zum South Rim aufsteigen möchte. Ich glaube zwar nicht, dass ich bei diesem Vorhaben auf Schwierigkeiten stoße, aber ich habe noch genug Wasser, so dass ich zur Not biwakieren könnte.

Der Trail weiter aufwärts entpuppt sich als kunstvoll angelegte „Wanderautobahn“.
Da der Weg auch von Maultieren zurückgelegt wird, ist die Steigung stets recht gut zu bewältigen. Jetzt am Nachmittag haben die meisten Leute ihr Ziel schon erreicht, daher hält sich der Betrieb noch in Grenzen.

Je höher ich steige, desto schöner wird das Panorama.

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Wanderautobahn zum South Rim

An der Cedar Ridge sehe ich einen großen Vogel, der sich im Aufwind emporschraubt. Ich glaube meinen Augen kaum zu trauen, denn es handelt sich ganz eindeutig um einen Kalifornischen Kondor!

Diese majestätischen Vögel erreichen bis drei Meter Flügelspannweite und waren Ende der Achtziger Jahre in freier Wildbahn bereits ausgestorben. Bald danach wurde eine intensives Aufzucht- und Auswilderungsprogramm gestartet, mit dem Erfolg, dass es heute bereits wieder um die dreihundert Individuen der großen Neuweltgeierart in der Wildnis gibt. Neben einigen Orten in Kalifornien wurden sie auch hier im Grand Canyon ausgewildert und scheinen sich gut zu vermehren.

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Ein seltener, Kalifornischer Kondor

Gegen 16.30 habe ich bereits den Trailhead erreicht. Zur Verkehrslenkung gibt es hier auf dem South Rim ein effektives Netz von kostenlosen Shuttlebussen mit denen alle Aussichtspunkte etc. erreicht werden können.

Da ich einen Ruhetag einlegen möchte, um mich hier oben etwas umzusehen, nehme ich einen Bus zu einem der zahlreichen Hotels. Mich gelüstet nach einem Bett, allerdings habe ich auch keine Lust Phantasiepreise zu bezahlen.

Alle Hotels hier gehören zu einer Kette. Daher kann der nette Angestellte der teuren Yavapai Lodge im PC sehen, dass es noch ein sehr günstiges Zimmer in der Bright Angel Lodge gibt. Gut, Duschen und Toiletten sind auf dem Flur, aber das stört mich nicht weiter. Ich hatte ohnehin nicht geglaubt, dass ich hier überhaupt eine günstige Unterkunft finden würde, aber jetzt in der zweiten Oktoberhälfte sind wohl eher noch Schnäppchenpreise möglich, als in der Ferienzeit.

Nachdem ich mich gesäubert habe, genieße ich ein Steak im Restaurant der Lodge und ein Bier in der Bar.

Mein erster Weg am nächsten Morgen führt zum Backcountry Office. Ich merke gleich, dass hier deutlich mehr los ist, als auf dem North Rim. Aber als ich schließlich dran komme, werde ich wie immer in Amerika freundlich behandelt. Ich hatte den Antrag für das Permit schon in Deutschland gestellt. Die Erteilung stellt auch kein Problem dar, lediglich meine erste geplante Etappe muss ich etwas ändern, da der Sektor in dem ich ursprünglich die erste Zeltnacht verbringen wollte schon voll ist. Na ja, der Ranger meint, dass die Alternative die er mir bietet sowieso schöner ist.

Es gibt hier ein regelrechtes Einkaufszentrum, in dem ich ohne Probleme meinen Proviant zusammen stellen kann. Selbst ein Outdoorladen existiert hier, in dem ich mal wieder neue Wassersäcke erwerbe.
Meine Stiefel haben mittlerweile ein fortgeschrittenes Stadium des Zerfalls erreicht, daher kaufe ich mir eine Rolle Duct Tape, um sie damit behelfsmäßig zu flicken.

Anschließend suche ich die Bücherei auf, in der man für wenig Geld ins Internet gehen kann.

Es weht den ganzen Tag ein starker, kalter Wind, dabei ist es sonnig und klar, was eine schöne Atmosphäre in dem Kiefernwald hervor bringt, in den das South Rim Village eingebettet liegt.

Nachdem ich meine notwendigen Erledigungen besorgt habe, kann ich mich endlich der Erkundung des South Rim widmen. Ich besuche das interessante Visitor Centre und nehme anschließend an einer von einem Ranger geleiteten Führung teil.

Diese ist wie immer in den amerikanischen Nationalparks sehr informativ, lebendig und humorvoll.

Rechtzeitig zum Sonnenuntergang sind wir am Yavapai Point, nach Meinung des Rangers ein Geheimtipp um einen besonders schönen, ruhigen Sonnenuntergang zu erleben. Dennoch finden sich eine ganze Menge Leute hier ein.

Obwohl es den ganzen Tag schön klar war, ist es jetzt etwas dunstig und der Sonnenuntergang ist nicht besonders spektakulär.

Auf dem Rückweg in der Dämmerung habe ich noch ein besonderes Erlebnis. Ein junger Wapitihirsch äst auf dem Rasen einer Lodge!
Mir war vorher gar nicht klar, dass es diese fast elchgroßen Hirsche hier gibt. Gut, eine Begegnung in der Wildnis wäre mir lieber, aber man kann nicht alles haben!

heron
27.01.2012, 09:50
Einfach nur grandios! 5sterne

Libertist
27.01.2012, 13:41
Wirklich großartig, Wildniswanderer.

Sinister
27.01.2012, 17:39
Ich danke für diesen Kurzurlaub durch das Lesen deines Berichts am Ende einer anstrengenden Woche. Sehr schön geschrieben, jederzeit spannend, nicht zuviele aber dafür schöne Bilder - einfach klasse. Vor deiner Reise habe ich gehörig Respekt, sie ist nicht ungefährlich. Ich konnte nicht finden, wie lange du unterwegs warst!?

Wildniswanderer
27.01.2012, 18:35
Wieder einmal vielen Dank für die netten, motivierenden Kommentare!

Ich war ziemlich genau zwei Monate unterwegs. Aber beim Schreiben kommt mir die Zeit viel länger vor;-)

Wildniswanderer
29.01.2012, 14:44
Grand Canyon 2

Bereits um kurz nach 7 bin ich wieder unterwegs. Ich folge dem Rim Trail der unmittelbar oberhalb der Abbruchkante des Canyons verläuft. Zwar ist der Weg größtenteils sogar asphaltiert, aber es lohnt sich dennoch ihn zu laufen, denn die Aussichten sind fantastisch!

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Morgen am South Rim

Obwohl eine Straße parallel zu dem Weg verläuft, ist es ziemlich ruhig. Das liegt daran, dass hier nur Shuttlebusse fahren dürfen. Die meisten Leute lassen sich so von einem Aussichtspunkt zum Nächsten kutschieren, laufen tuen nur wenige.

So wundert es mich auch nicht, dass Leute mir anbieten mich zu fotografieren, was ich natürlich gerne annehme.

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Welch Hintergrund!

Es ist zwar sonnig, aber ziemlich windig und frisch, so dass ich zunächst in langen Sachen laufe, und anfangs sogar meine dünnen Fingerhandschuhe überziehe.

Zwar wird die Nordseite des Canyons viel weniger frequentiert und ist daher ruhiger, aber die spektakuläreren Aussichten bietet ganz klar der South Rim!

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Meine mit Duct Tape notdüftig reparierten Stiefel erregen einiges Aussehen, aber es ist schon interessant, wenn mich wildfremde Leute mit den Worten ansprechen „Oh, der Deutsche der vom North Rim hier her gewandert ist und seine Schuhe nur noch mit Klebestreifen zusammenhält“. So werden Legenden geboren!

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Man beachte den linken Schuh…

Sehr interessant finde ich eine Tafel auf der die geologischen Schichten erläutert werden, die man dann in Natura in der gegenüberliegenden Wand identifizieren kann.

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Eine Tafel erklärt die Geologie

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Der Inhalt der Tafel in Natura

Nach 13 Kilometern erreiche ich den Beginn des Hermit Trails, den ich zurück in den Canyon einschlagen möchte.
Kaum habe ich mich ein paar Meter von der Straße entfernt, treffe ich kaum noch andere Wanderer.
Der Ranger im Backcountry Office hatte recht, der Hermit Trail ist tatsächlich atemberaubend!

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Der Hermit Trail bietet atemberaubende Ausblicke

Lange Zeit verläuft er auf der Kante des „Redwall Limestone“
Dieser Kalkstein ist von den darüber liegenden Sandsteinen rot gefärbt worden.
Leider ziehen Wolken auf, und es scheint sich ein Unwetter zu nähern.

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Ein Unwetter zieht auf

Kurz nachdem der Regen eingesetzt hat, erreiche ich eine kleine Hütte an der Santa Maria Spring in der ich mich erst einmal unterstelle. Louis Boucher, einer der Pioniere des Grand Canyon, hat in der Umgebung einige Jahre gelebt. Nach diesem „Einsiedler = Hermit“ wurde der Trail auch benannt. Bald gesellt sich ein Paar aus Arizona zu mir, mit dem ich mich während der Regen niederprasselt, gut unterhalte.
Ein junges Mädchen, lediglich in Shorts und T- Shirt erscheint. Da sie weder eine lange Hose noch eine Regenjacke dabei hat, ist es zu ihrem Glück ja nicht mehr besonders weit bis zum Canyonrand. Ja, man kann bei einem Wettersturz im Grand Canyon auch an Unterkühlung sterben, wenn man überhaupt keinen Schutz gegen Kälte und Regen mitführt…

Nach einiger Zeit lässt der Regen nach und bald darauf erscheint ein Regenbogen über dem Canyon, wahrscheinlich kein häufiges Ereignis in dieser trockenen Gegend.

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Regenbogen über dem Grand Canyon

Die abziehenden Wolken bewirken tolle Lichtstimmungen, und ich komme aus dem Fotografieren kaum heraus.

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Schöne Lichtstimmungen nachdem das Unwetter abgezogen ist

In der Anfangszeit des Canyon Tourismus war der Hermit Trail ein mit Stufen versehener, gut unterhaltener Weg. Mittlerweile gilt er aber als Wildnisroute, die nicht mehr unterhalten wird. Daher machen Felsstürze und die allgemeine Erosion den Trail zunehmend schwieriger.
Irgendwann stößt der Hermit Trail dann auf den Tonto Trail, den ich ja für den Aufstieg zum South Rim verlassen hatte.

Erst gegen 17 Uhr, kurz vor dem Dunkel werden, erreiche ich den ausgewiesenen Zeltplatz am Hermit Creek, wo ich rasch mein Zelt aufschlage und koche.

Es wimmelt hier von Mäusen die an die Vorräte der Camper gelangen möchten. Während ich mein Essen zubereite, verschwindet einer der Nager in meiner Abfalltüte. Nun, mir steht mal wieder nicht der Sinn nach einer Fleischeinlage, aber ich möchte doch dem kleinen Plünderer eine Lehre erteilen. So nehme ich die Tüte, halte sie zu und schwenke sie wild um mich. Das müsste den Nager eigentlich schwindlig machen, aber merkwürdigerweise fällt die Maus nicht schwankend um, nachdem ich sie in die Freiheit entlasse, sondern springt munter davon…

Später unterhalte ich mich noch lange mit meinen Nachbarn, Michael und Janessa, die nebenan zelten. Er macht eine Ausbildung zum Kampfpiloten beim Marinecorps und schildert, dass die Grundausbildung tatsächlich so sei, wie in dem Film „Full Metal Jacket“ geschildert.

Michael wirkt keineswegs wie ein durchgeknallter Redneck, ist aber durchaus bereit dazu in einen der zahlreichen von Amerika geführten Kriege zu ziehen.

Als ich am nächsten Morgen aufbrechen möchte, höre ich ein gewaltiges Getöse und stelle fest, dass sich in einer naheliegenden Wand ein Felsrutsch ereignet. Bevor das Schauspiel vorüber ist, kann ich noch die mächtige Staubwolke fotografieren.

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Der Felsrutsch hinterlässt eine Staubwolke

Erst jetzt, im Licht des Morgens nehme ich wahr, was für eine herrliche Oase, mit klarem, plätscherndem Wasser der Hermit Creek ist.

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Hermit Creek

Der weitere Verlauf des Tonto West Trail von hier ist nicht ganz offensichtlich. Zu viele von Tageswanderern die die Umgebung erkunden, ausgetretene Pfade führen in alle Richtungen. Aber bald habe ich den richtigen Weg gefunden und befinde mich wieder in der mir bereits bekannten, trocken- grandiosen Landschaft des Tonto Plateaus.

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Strahlendes Morgenlicht auf dem Tontoplateau

Einige Zeit lang verläuft der Weg hoch über den grünen Wassern des Colorado. Seit dem Beamer Trail war ich dem Fluss nie mehr so nahe gekommen.

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Eine Zeit lang verläuft der Tonto Trail unmittelbar über dem Colorado

Eigentlich wäre heute ein perfekter Wandertag. Aber leider erinnert der Lärm der Helikopter mehr an einen Flughafen als an einen vermeintlich unberührten Nationalpark. Absoluter Wahnsinn!

Eine große Eidechse, die ich schon häufiger kurz gesehen hatte, ist zwar blitzschnell, dennoch gelingt es mir heute einmal sie zu fotografieren.

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Schöne, große Eidechse

Manchmal führt der Trail durch Kakteengärten, die Konzentration erfordern. Es ist bestimmt kein Vergnügen, sich die scharfen Stacheln aus dem Fleisch zu ziehen!

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Ausgedehnte Kakteengärten erfordern Konzentration

Bereits gegen Mittag erreiche ich Boucher Creek, eine weitere Oase mit klarem, fließendem Wasser. An der Einmündung des Topaz Canyon schlage ich mein Lager auf.
Während ich einige Zeit lang im Schatten döse, mache ich mir die Mühe Gewicht und Energiegehalt meiner Vorräte für diesen Abschnitt zu errechnen.
Dabei komme ich auf 1kg Nahrung pro Tag, was mir 4000 Kalorien liefert. Das hört sich zwar nach ziemlich viel an, dabei muss man aber bedenken, dass ich mittlerweile ja schon einige Wochen wandere und mein Körper seine Fettreserven schon weitgehend verbraucht hat.

Gegen 14 Uhr breche ich wieder auf, um den Boucher Creek abwärts bis zum Colorado zu erkunden.

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Oberlauf des Boucher Creek

Der Bach fließt nicht ständig an der Oberfläche, taucht aber immer wieder auf. Es ist erstaunlich, wie viel Leben so ein bisschen Wasser hervorzaubern kann.
Es gibt hier sogar Kaulquappen und kleine Fische.
Ich genieße es nur mit leichtem Gepäck unterwegs zu sein und nehme mir die Zeit in Ruhe Libellen, Schmetterlinge und Heuschrecken zu fotografieren.

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Boucher Creek- ein Libellenparadies

Zwar ist die Schlucht mit ihrem dunklen Gestein eigentlich ziemlich düster, aber im hellen Licht der Nachmittagssonne wirkt das überhaupt nicht so.

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Boucher Creek

Nach zwei Stunden einfacher Talwanderung erreiche ich den Colorado, der hier durch eine mächtige Stromschnelle fließt. Das ist kein Zufall, denn die Seitenbäche schwemmen bei Überschwemmungen mächtige Blöcke in den Fluss, daher finden sich die schwierigsten Abschnitte des Colorado häufig an der Einmündung von Nebentälern.

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Beeindruckende Stromschnelle an der Mündung des Boucher Creek

Hier gelingt es mir einen der Canyon- Zaunkönige zu fotografieren, deren melodischer Gesang typisch für die Schluchten ist.

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Canyon- Zaunkönig

Für den Rückweg zum Lager benötige ich nur die halbe Zeit und bin rechtzeitig zum Sonnenuntergang wieder am Zelt.

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Sonnenuntergang am Boucher Creek

Gegen 18 Uhr ist es dunkel, und es beginnt mal wieder die übliche Mäusebelagerung. Auch in meinem offenen Zelt ist der Rucksack vor den Nagern nicht sicher. Obwohl es hier keine größeren Bäume gibt, mache ich mir schließlich im Licht der Stirnlampe die Mühe, meine Vorräte mäusesicher in einer mickrigen Akazie aufzuhängen.

Ab Morgen stehen mir 50 wasserlose Kilometer auf dem Tontoplateau bevor. Allerdings habe ich die Hoffnung noch etwas Wasser als Hinterlassenschaft des gestrigen Regens zu finden.

Wildniswanderer
08.02.2012, 21:08
Der Anstieg vom Boucher Creek zurück auf das Plateau ist ziemlich steil, aber schließlich bin ich wieder zurück in Licht und Weite.

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Weiter führt meine Wanderung über das Tonto Plateau

Leider hält das schöne Wetter nicht, schon ab 8 Uhr ziehen Wolken auf, die sich immer mehr verdichten.

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Wolken ziehen auf

Für kurze Zeit kann ich noch etwas blauen Himmel genießen, dann ist es fast den ganzen restlichen Tag bewölkt.

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Wie immer komme ich auf dem steinigen Plateau rasch vorwärts. Da ich ab Agate Canyon wieder durch eine Flugverbotszone laufe, lässt der Lärm der Hubschrauber auch bald nach.

Dieser Teil des Tonto Trails wird nur relativ selten begangen, was sich auch deutlich am Wegezustand zeigt. Während man vorher oft einer Art Pfad folgen konnte, zeigen jetzt nur noch vereinzelte Steinhaufen, dass man in die richtige Richtung läuft.
So ist es auch kein Wunder, dass ich in den nächsten zwei Tagen keinem anderen Menschen begegne.


Was solls, ich genieße die Einsamkeit und bin ein wenig erleichtert, als ich im Sapphire Canyon auf kleine Pfützen in den Einsenkungen der Felsen stoße.
Wer weiß, ob noch so eine Gelegenheit kommt, daher lasse ich mich auf den Bauch nieder und trinke mich erst mal satt.

Aber meine Bedenkungen sollten sich nicht verwirklichen: In einem Nebenarm des Turqoise Canyon stoße ich auf regelrechte Pools aus denen ich meinen Wasservorrat ergänzen kann.

Zwar ist ein bewölkter Tag nach so viel Sonnenschein nichts außergewöhnliches, aber die Landschaft gefällt mir mit blauem Himmel doch viel besser…

Mein Nachtlager ohne Zelt schlage ich oberhalb des Turqoise Canyon auf und sehe der Mondsichel beim Aufgehen zu.

Da ich jetzt weit genug in der Flugverbotszone bin, stört am nächsten Tag kein lärmender Hubschrauber mehr die Ruhe des inneren Grand Canyon.
Von einem Weg kann nicht mehr die Rede sein. Würde ich nicht ab und zu auf ein Steinmännchen stoßen, könnte ich fast glauben, der erste Mensch hier zu sein, was ich aber natürlich keineswegs bin. Dementsprechend muss ich auch ab und zu etwas suchen, um auf der richtigen Route zu bleiben. Zwar ist es auf dem Plateau relativ egal wo man läuft, aber für die Umgehung der noch immer zahlreichen Seitenschluchten gibt es immer eine Ideallinie, die zu finden es gilt.

Mir wird langsam klar, dass es jetzt nur noch wenige Tage sind, an denen ich Weite, Sonne, blauen Himmel und die Schönheit der Canyonlandschaft genießen kann.
Noch in einiger Entfernung erscheint bereits der Teil des North Rim über den ich den Canyon verlassen will.
Ein gewisses Gefühl der Wehmut ergreift mich, ich könnte durchaus noch so weiter wandern!

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Langsam heißt es Abschied vom Grand Canyon zu nehmen

In Ruby- und Serpentine Canyon finde ich kleine Wasserlöcher auf den Felsen.
Gut, dass es noch vor meinem Aufbruch zu dieser Etappe geregnet hatte, sonst wäre dieser wasserlose Abschnitt relativ schwierig zu bewältigen. Kein Wunder, dass ich hier niemanden treffe! Dafür entdecke ich die Spuren einiger Wildpferde, bekomme jedoch keines zu Gesicht.

Bei der Umgehung eines namenlosen Canyons gibt es dann noch einmal einige etwas ausgesetzte Stellen.

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Manchmal ist der Sims viel schmaler!

Da heute ruhiges Wetter herrscht, schlage ich mein Nachtlager ungeschützt auf dem Plateau auf. Leider erweist sich der Sonnenuntergang nicht als besonders spektakulär. Dafür kann ich mal wieder den grandiosen Nachthimmel voll funkelnder Sterne aus dem Schlafsack bewundern.

In dieser Nacht konnte ich meinen Rucksack nicht aufhängen, daher ist es auch nicht erstaunlich, dass ich am nächsten Morgen eine Maus entdecke, die es irgendwie geschafft hat in meinen Rucksack zu gelangen und eine halbe Tüte Trailmix leer zu fressen!

Heute Morgen laufe ich zunächst noch eine Zeit lang auf dem Plateau hoch über dem Colorado, dann steige ich in den South Bass Canyon ab. Der hier verlaufende Trail ist wesentlich deutlicher zu erkennen, als der Tonto Trail an den vorangegangenen Tagen. Die Erklärung hierfür ist, dass der Weg eine weitere Direktverbindung vom Südrand zum Colorado darstellt.
Häufig laufe ich über glatt polierte Felsen und komme gut voran. Einmal entdecke ich den Schädel eines Wüstendickhornschafs mit Hörnern.

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South Bass Canyon

Vor Erreichen des Flusses führt der Trail wieder aus dem Canyon heraus und verläuft dann ein Stück weit unmittelbar oberhalb des Colorado.
Schließlich bewältige ich noch einen sehr steilen Abstieg und habe damit bereits gegen 10 Uhr eine Minisandbucht am Ufer des Flusses erreicht.
Um meinen Weg auf der anderen Seite fortzusetzen möchte ich wieder ein Raft anhalten und die Besatzung bitten mich zum anderen Ufer zu bringen.

Ein Stück weit flussaufwärts mache ich ein Raftcamp aus, und hege die Hoffnung, dass mich die Leute übersetzen wenn sie losfahren.
Nach einiger Zeit sehe ich auch eine größere Gruppe, leider zu Fuß!
Dennoch winke ich, da ich glaube, dass sie nur einen kurzen Spaziergang machen und später mit den Rafts losfahren.

Nun, zunächst bin ich nicht ungeduldig, da normalerweise heute auch noch andere Boote vorbei kommen sollten.
Allerdings tut sich stundenlang überhaupt nichts. Ich klettere auf einen hohen Granitfelsen am Ufer, der mir eine gute Übersicht gewährt und auf dem ich die Sonne genießen kann. Unter mir sehe ich im klaren Wasser zwei große Welse dicht am Ufer den Boden des Flusses absuchend.

Als die Wandergruppe zurückkehrt, rufen Sie mir zu, dass sie heute nicht mehr weiter fahren. Eine Hoffnung zerplatzt!

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Hier warte ich stundenlang auf eine „Mitfahrgelegenheit“

Mittlerweile warte ich bereits seit vier Stunden und beschließe daher ein Stück weit den Colorado zurückzuwandern und dann auf Höhe des Raftcamps zum Ufer hinab zu klettern. Da die Wände hier ziemlich steil abfallen, bin ich keineswegs überzeugt, ob diese Kletterpartie machbar ist, aber zumindest möchte ich es versuchen.
Tatsächlich gelingt es mir auch eine halbwegs machbare Route zu finden.
Ich bin jetzt genau gegenüber dem Lager der Rafter und mache durch Winken auf mich aufmerksam.
Natürlich werde ich auch gesehen, aber zunächst scheint es als würde ich lediglich ignoriert!
Offenbar wird ihnen mein intensives Rufen und Winken nach einiger Zeit doch ein wenig unangenehm. Daher setzt eines der Flöße über. Leider gibt mir der Raftguide aber nur zu verstehen, dass er mich nicht an Bord nehmen darf! Immerhin erkundigt er sich ob alles bei mir in Ordnung ist!
In diesem Moment erscheint eine andere Gruppe von vier Rafts. Ich ärgere mich, dass ich meinen Platz am Ufer verlassen habe, wo man wesentlich besser hätte landen können, aber ich habe Glück, eines der Boote bewerkstelligt das Landemanöver trotz der schnellen Strömung und nach kurzer Fahrt haben wir das Lower Bass Camp erreicht, an dem die Gruppe heute ihr Nachtlager aufschlagen möchte.
Alle sind sehr freundlich zu mir und ich werde gleich dazu eingeladen, die Nacht bei ihnen zu verbringen. Über das Verhalten des kommerziellen Guides sind sie ziemlich entsetzt, zumal wie ich erfahre, einige von ihnen selbst im Rafting Geschäft arbeiten.

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Die freundlichen Rafter haben mich über den Colorado gesetzt

Bald erfahre ich, dass die 12- köpfige Gruppe aus der Gegend von Seattle in Washington stammt. Zwar betreiben drei von ihnen dort ein Raftunternehmen, dieses ist aber eine private Tour.
Die Boote und sonstige Ausrüstung haben sie allerdings von einem ortsansässigen Unternehmen gemietet. Für ihren dreiwöchigen Trip mussten sie lediglich 1200 Dollar pro Person dafür bezahlen. Sie sind bereits seit 9 Tagen unterwegs, daher hat sich bereits eine gewisse Lagerroutine eingestellt.

Der Lagerplatz liegt an einem ausgedehnten idyllischen Sandstrand. Während einige der Rafter sich ans Kochen machen, genießen andere erst einmal ein Bier oder einen Joint. Insgesamt herrscht eine freundliche, entspannte Atmosphäre und ich kann mich mit einigen der Rafter später am Lagerfeuer gut unterhalten.

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Relaxtes Lagerleben

Nachdem ich ein letztes Mal im Sand unter den Sternen am Colorado geschlafen habe, breche ich noch in der Morgendämmerung wieder auf.
Während unter mir der Colorado langsam verschwindet, taucht die aufgehende Sonne die Umgebung in sanfte Violetttöne.

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Morgenrot am Colorado

Bald habe ich den Einstieg zum North Bass Trail gefunden, der mich zum Nordrand des Canyons zurückführen soll. Ebenso wie der Nankoweap Trail gehört er zu den schwierigsten Routen im Grand Canyon.
Über die breite Schulter des Colorado Ufers gelange ich in das Tal des Shinumo Creek. Stellenweise zeugen in den Stein gehauene Stufen davon, dass auch dieser Trail in der Pionierzeit des Grand Canyon wesentlich stärker frequentiert wurde.

Bald stoße ich auf das alte Lager von William Bass, nach dem der Weg benannt wurde. Bass gefiel der Canyon so, dass er sich hier dauerhaft nieder ließ. Um seinen Lebensunterhalt zu verdienen probierte er alles Mögliche, von der Suche nach Erzen bis zu geführten Maultiertouren in den Canyon. Dazu hatte er sogar eine Seilbahn über den Fluss konstruiert!
Sein Lager voll Töpfe und Pfannen sieht ein wenig so aus, als sei er nur kurz abwesend und würde bald wieder kommen…

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Das Camp von William Bass

Offenbar ist der Spaziergang hierher bei den Raftern beliebt, was zahlreiche Fußspuren zeigen. Ansonsten ist bald von einem Trail praktisch nichts mehr zu erkennen, und ich muss mir die günstigste Route entlang des Baches selber suchen.

Als ein weiterer Bach einmündet, begehe ich den Fehler nicht auf die Karte zu schauen, sondern folge automatisch dem viel wasserreicheren Gewässer.
Das Vorankommen weiter talaufwärts ist ziemlich schwierig, oft muss ich über Steine hüpfend die Seite wechseln.
Aber was solls, dieser Bach mit seinen kleinen Stromschnellen und Wasserfällen stellt ein weiteres Paradies dar. Der Unterschied zwischen der kargen Wüstenvegetation aus Kakteen und Agaven zu dem üppig- grünem Ufersaum voller Ried, Pappeln und Weiden ist frappierend.

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Flint Creek- ein wasserreiches Paradies

Die Schlucht wird zunehmend enger und dann stehe ich vor einem hohen Wasserfall.
Erst jetzt schaue ich auf die Karte und stelle fest, dass ich statt dem Shinumo, Flint Creek gefolgt bin! Zweieinhalb Stunden Umweg! Aber gut, wer es nicht im Kopf hat, muss es halt in den Beinen haben!
Einmal beobachte ich zwei amerikanische Wasseramseln, die sich sogar fotografieren lassen.

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Amerikanische Wasseramsel

Gegen Mittag bin ich zurück am Shinumo Creek. Dieser führt zwar deutlich weniger Wasser, dennoch entdecke ich kleine Fische und natürlich bezaubern mich wieder zahlreiche, bunte Libellen.
Offenere Abschnitte und enge Schluchten wechseln einander ab.

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Shinumo Creek

Nachmittags treffe ich zu meiner Überraschung auf zwei weitere Wanderer: Scott ist ehemaliger Philosophie Professor und Peter hat seine Brötchen als Nervenarzt verdient. Beide haben die 64 überschritten, sind aber noch beweglich und fit. Jedes Jahr treffen sie sich zu einer möglichst speziellen Wanderung. In diesem Jahr haben sie eine 11- tägige weitgehend weglose Tour im Grand Canyon absolviert, die auch für viel jüngere Leute mit Sicherheit sehr anspruchsvoll wäre.

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Scott und Peter

Zunächst unterhalten wir uns nur kurz, da wir in die gleiche Richtung laufen, treffen wir uns bei Pausen aber stets wieder.
Die beiden müssen übermorgen am Flughafen von Las Vegas sein und haben ihren Mietwagen im Wald des Kaibab Plateaus geparkt.
Ursprünglich hatte ich geplant auf dem Plateau zurück zum North Rim Village zu laufen und dort meine Wanderung zu beenden. Allerdings erscheint die Gelegenheit verführerisch die Beiden nach einer Mitfahrgelegenheit zu fragen. Denn mir ist klar, dass auf dem Nordrand Ende Oktober das Wetter schnell umschlagen kann. Und sobald die ersten stärkeren Schneefälle niedergehen, wird die Straße zum Nordrand des Canyon nicht mehr geräumt, das heißt es gibt dann auch keinen Verkehr mehr…

Nach kurzer Überlegung frage ich die Beiden bei einer weiteren Pause, ob sie mich mitnehmen können, was sie gerne zusagen.
So kommt es, dass ich das letzte Stück meiner langen Wanderung in Gesellschaft laufe.

Mittlerweile haben wir den Sandstein verlassen und bewegen uns jetzt durch Kalkstein. Daher gibt es auch fast höhlenartige Durchgänge und vom Wasser ausgewaschene Terrassen.
Einige Zeit lang laufen wir im trockenen Bett des White Creek, bis nach einer Weile wieder etwas fließendes Wasser auftaucht.

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Faszinierende, glatt geschliffene Becken

Erst gegen 17.30 schlagen wir unser Lager auf. Da ich mich nicht aufdrängen möchte, laufe ich noch ein Stück weiter. Aber nachdem ich meine Matte im Sand ausgerollt und gekocht habe, besuche ich die Beiden und wir plaudern unter dem hellen Licht des halben Mondes noch lange miteinander.

Der Pfad entfernt sich am nächsten Morgen bald vom White Creek und steigt in Serpentinen recht steil an. Wir merken, dass wir schon einiges an Höhe gewonnen haben an den Veränderungen der Vegetation. Dichte Gebüsche aus Wacholdern und rotstämmigen Manzanitas säumen den Trail.
Da ich auf meine aufgrund ihres Alters etwas langsameren Mitwanderer Rücksicht nehme, habe ich recht viel Zeit die Ausblicke ins Tal zu genießen.

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Ausblicke zurück in das Tal des White Creek

Wir sind froh, dass der Trail jetzt recht gut zu erkennen ist, denn weglos wäre es ziemlich mühsam sich durch den dichten Busch zu kämpfen.

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Je höher wir steigen, desto dichter wird die Vegetation

Der Nordrand des Canyon erscheint zwar schon zum Greifen nahe, aber noch liegen einige Stufen vor uns.

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Bevor wir den Nordrand erreichen, sind noch etliche Stufen zu erklimmen

Unterhalb des Muav Saddle stoßen wir auf eine liebliche Quelle, die von Farnen, Moosen und sogar einigen Orchideen üppig eingefasst ist.
Bald darauf haben wir den Sattel erreicht. Hier liegt im Kiefernwald versteckt eine offene Hütte, Teddys Cabin. Sie verfügt über Bettgestelle und sogar ein Gästebuch.

Hier am Muav Saddle stoße ich auch wieder auf den Hayduke Trail, dessen Originalroute vom North Rim Village über Forstwege hierher führt.
Das Zwischenstück zwischen Grand Canyon und Zion Nationalpark, wo die Route endet, führt im Wesentlichen über Nebenstraßen durch trockenes Farmland, daher hatte ich von vornherein diesen Abschnitt nicht vorgehabt zu laufen.

Bevor wir den Nordrand erreichen, liegen noch einmal eineinhalb Kilometer Aufstieg vor uns, doch schließlich gelangen wir gegen 13.00 an den Trailhead des North Bass Trails am Ende einer Forststraße.
Das Auto meiner neuen Freunde ist allerdings noch ziemlich weit entfernt an einem anderen Forstweg auf dem Kaibab Plateau geparkt.

Da die weglose Navigation mit Karte und Kompass auf dem dicht bewaldeten Plateau nicht einfach ist, schlage ich vor, Wegpunkte aus der Karte auf mein GPS zu übertragen. Das Wandern mit GPS ist neu für Scott und Peter, aber sie sind sehr interessiert daran.
Allerdings haben die Beiden gute Karten im Maßstab 1:24.000. Diese haben sie sich bei MyTopo.com individuell zusammengestellt und ausdrucken lassen. Das hat den Vorteil, dass man Ausschnitte für die man unter Umständen mehrere Karten kaufen müsste, auf einem Ausdruck unterbringen kann.

Zunächst folgen wir für einige Kilometer einer Forststraße. Lediglich ein Auto begegnet uns. Der Fahrer verrät uns, dass für Morgen ein Wettereinbruch mit Schnee und Sieben Grad Kälte angesagt ist! Als ich das höre, bin ich ziemlich zufrieden mit meiner Entscheidung bei Peter und Scott mitzufahren.

Schließlich verlassen wir die Piste und laufen weglos durch den Kiefernwald des Plateaus. Wir haben Glück und treffen auf keine große, ehemalige Waldbrandfläche die jetzt mit dichtem Bewuchs bewachsen wäre.
Statt dessen geht es meist durch gut zu durchwandernden Hochwald.

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Einfach zu durchwandernder Kiefernwald auf dem Kaibab Plateau

Scott beherrscht die Navigation mit Karte und Kompass ziemlich gut, daher bin ich überzeugt, dass die Beiden auch ohne GPS vermutlich fast ebenso schnell ihr Auto wiedergefunden hätten.

Obwohl wir gut vorankommen, sitzt uns die Zeit im Nacken. Wenn meine neuen Freunde morgen Las Vegas erreichen wollen, müssen sie noch heute mit dem Auto das Plateau verlassen.

Erst gegen 17 Uhr, etwa eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang erreichen wir die Straße an der der Mietwagen steht. Allerdings sind es noch drei Kilometer bis dorthin.
Ich biete den Beiden an, dass Sie warten, während ich ohne Gepäck rasch zum Auto jogge. Sie überlassen mir ohne zu zögern den Schlüssel und schon sprinte ich los.

Ein wundervolles Abendrot begleitet uns, während wir durch den Kaibab National Forest fahren. Schließlich erreichen wir die Zufahrtsstraße zum North Rim und fahren dann weiter zu dem mir ja schon bekanntem Kanab, wo wir im selben Motel absteigen, in dem ich bei meinem ersten Aufenthalt geschlafen hatte.
Während die Beiden morgen nach Las Vegas fahren, möchte ich zum Zion Nationalpark trampen, wo ich dann noch einen Tag Zeit habe, bevor ich mich auf den Rückweg nach Salt Lake City machen muss.

berniehh
09.02.2012, 12:28
Danke für den interessanten Bericht;-)5sterne

Vento
09.02.2012, 19:09
Hallo Wildniswanderer,

ich habe Deinen Bericht verschlungen wie sonst schon lange nichts mehr. Auch ich fliege im Juni mit meiner Freundin für 3 Wochen in die Region.

Ich habe mal ne Frage.

Mit welcher Kamera hast Du die Aufnahmen gemacht??

Spiegelreflex
System-Kamera
Kompakt

Danke nochmals für den Super-Reisebericht. Der war/ist echt jede Zeile werd.

Gruß

Wildniswanderer
09.02.2012, 21:12
Hi Vento,

ich hatte eine Spiegelreflex mit zwei Objektiven dabei. 17-85 und 70-300 mm.

Das ist zwar einiges an Gewicht, aber ich würde es wieder so machen.

Julia
10.02.2012, 15:28
Nochmals vielen, vielen Dank für diesen faszinierenden, großartigen Reisebericht einer ganz außergewöhnlichen Tour mit vielen phantastischen Fotos 5sterne!!! Schade, dass nun Schluss ist, aber alles Schöne geht eben auch einmal vorbei...

Es war toll, Dich auf diese Weise auf diesem Trip begleiten zu dürfen!

Wildniswanderer
10.02.2012, 18:29
Nein, ganz fertig bin ich mit dem Bericht noch nicht. Den Kurzbesuch im Zion Nationalpark möchte ich auch noch einstellen.

Danach ist aber wirklich Schluss;-)

Degger
11.02.2012, 19:06
Wow, toller Bericht, ich bin regelrecht geflasht! Danke für diesen tollen Bericht!

Wildniswanderer
17.02.2012, 19:40
Ausklang in Zion

Dass meine Stiefel nicht mehr ganz so „neu“ aussahen, bzw. kurz vor dem Zerfall standen hat mich während der Wanderung wenig gestört, bis auf die Angst, dass sie mir endgültig ihren Dienst aufkündigen würden. Aber jetzt zurück in der Zivilisation ist es mir doch unangenehm mit den zerlumpten Schuhen herumzulaufen.
Daher steuere ich am nächsten Morgen zunächst den Outdoorladen Kanabs an, und erwerbe ein Paar neue Stiefel.

An der Tankstelle am Ende des Ortes spreche ich eine ganze Menge Leute an, doch zunächst ohne Erfolg. Ich fürchte schon eine Wiederholung des Desasters unterwegs zu Buckskin Gulch. Aber nach einer Dreiviertelstunde habe ich Glück und werde von einem jungen Mann mitgenommen.

Nick hat bis zur letzten Woche für das BLM im Grand- Staircase- Escalante Nationalmonument gearbeitet und wurde dann entlassen. Die Wirtschaftskrise lässt grüßen…

Aber wie die Amerikaner so sind, sprüht er vor Optimismus und hat vor in Escalante ein Guiding Unternehmen zu eröffnen. Aaron Johnson kennt er natürlich auch.

Eigentlich ist Nick auf dem Weg nach Cedar City, wo er einen Kletterkurs geben möchte. Aber da wir uns so gut unterhalten und er nicht unter Zeitdruck steht, fährt er mich freundlicherweise bis nach Springdale, unmittelbar am Zion Nationalpark.
Dabei fahren wir bereits ein Stück weit durch den Park mit seinen beeindruckenden glatten, aufgefalteten Wänden aus Navajo Sandstein. Da er einen Jahrespass hat und ich bei ihm im Wagen sitze muss ich mal wieder keinen Eintritt errichten.

Es ist kalt und ungemütlich, Schnee liegt in der Luft. Daher verwerfe ich mit meiner eher für wärmere Temperaturen ausgelegten Ausrüstung schnell den Gedanken zu zelten und nehme mir ein Zimmer in einem Motel am Ortsrand von Springdale.

Anschließend suche ich das Informationszentrum des Nationalparks auf, und erfahre, dass der kostenlose Shuttleservice, der Besucher in den Park bringt, leider vor zwei Tagen eingestellt wurde. Um Morgen den Park zu erkunden, empfehlen mir die Ranger ein Rad zu leihen.

Heute ist es zu spät für eine längere Tour, daher beschließe ich den Watchman Trail zu laufen, der hier am Infozentrum beginnt. Der Weg führt hoch aus dem Tal zu verschiedenen Aussichtspunkten. Während am Anfang noch Dunst in der Luft liegt, es einige Tropfen regnet und in höheren Lagen schneit, setzt sich schließlich wieder der blaue Himmel durch.

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Noch sind die Berge Zions Dunst verhangen

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Später hebt sich der Schleier

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Der blaue Himmel ist wieder da

Später sehe ich mir Springdale ein wenig an. Ein nettes Örtchen, das ein wenig an Moab erinnert. Zwar ziemlich touristisch, aber nicht ohne Charme mit seinen zahlreichen Restaurants und Outdoorläden. Ein Platz an dem man durchaus einen Tag abhängen kann!
Nein, morgen will ich ja Zion erkunden!

Als der Fahrradverleih morgens um 9 öffnet bin ich zur Stelle.

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Mein Leihrad

Zwar hat es hier im Tal nicht gefroren, aber es ist ziemlich frisch. Entlang des Virgin River fahre ich zum Teil auf einem Radweg zum Teil auf der jetzt in der Nebensaison wenig befahrenen Straße etwa eine Stunde lang zum Ausgangspunkt meines Weges. Die Pappeln im Tal sind noch ziemlich grün. Ich möchte dem West Rim Trail folgen, der zunächst zu dem berühmten Aussichtspunkt Angels Landing führt.
Zunächst verläuft der Weg noch ein Stück weit durch den offenen Galeriewald des Virgin Rivers. Zu meinem Erstaunen gibt es hier sogar Biber, was frische Nagespuren und ein vor kurzem von den großen Pelztieren gefällter Baum beweisen.
Dann schraubt sich ein zu meinem Entsetzen betonierter Weg in steilen Serpentinen den Talhang hinauf. Die mächtigen, glatten Sandsteinwände, in denen einzelne große Nadelbäume wie Spielzeug aussehen, sind ziemlich eindrucksvoll.

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Zum Tal des Virgin Rivers steil abfallende Sandsteinwände

Nach einer Stunde beginnt der Aufstieg nach Angels Landing, einem zum Tal hin vorgeschobenem Berg, mit extrem steilen Wänden und einem treppenartig ansteigendem Grat. Die Besteigung sieht schwieriger aus, als sie ist. Etliche Stellen sind mit Drahtseilen gesichert und die leichte Kletterpartie ist für jeden der halbwegs schwindelfrei ist gut zu bewältigen.

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Angels Landing im Vordergrund ist ohne Schwierigkeiten zu besteigen

Oben weht ein eiskalter Wind, aber die Aussicht über die bizarren Massive Zions ist beeindruckend.

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Zion Nationalpark- steile, bleiche Berge und unzugängliche Mesas

Nach dem Abstieg folge ich weiterhin dem West Rim Trail. Jetzt begegnen mir nur noch wenige Wanderer. Oft laufe ich über glatte, helle Felsen, die nur lückig von Ponderosa Kiefern bewachsen sind. Obwohl in der größeren Höhe hier schon Nadelbäume gedeihen, wachsen aber auch noch Agaven und Kakteen.
Je höher ich steige desto kälter wird es, daher bin ich froh, meine leichte Daunenjacke dabei zu haben.
An manchen Stellen befindet sich sogar blankes Eis, dass jetzt in der Sonne erst langsam anfängt zu schmelzen.

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Auch über Tag in der Sonne taut es heute kaum

Je später es wird, desto mehr setzen sich Sonne und blauer Himmel durch, ein toller Tag!
Ich kann mich kaum satt sehen an der Landschaft Zions, aber irgendwann muss ich doch den Rückweg antreten. Allerdings gibt es auch einige Wanderer die heute noch zelten wollen. Ich hoffe, ihre Schlafsäcke sind für die zu erwartenden Minustemperaturen geeignet…
Interessant sind auch die Farbenspiele des Herbstlaubs, vor allem in geschützteren Talbereichen.
Ich bedauere sehr, dass dies heute mein letzter Wandertag auf der Reise ist, aber der Abstecher nach Zion hat sich für mich sehr gelohnt. Die Landschaft hier ist doch wieder ganz anders als die Gegenden die ich zuvor auf dem Hayduke Trail durchwandert habe.

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Mesas mit ausgedehnten Hochebenen

Gegen 17.30, rechtzeitig vor Sonnenuntergang bin ich wieder bei meinem Leihrad.
Um diese Zeit, vor Einbruch der Nacht sind recht viele Leute auf der Straße unterwegs, um schöne Impressionen des Sonnenuntergangs einzufangen oder Tiere zu beobachten. Auch ich sehe noch einmal einige Maultierhirsche und sogar acht Truthühner.

Am nächsten Morgen laufe ich in der Dämmerung durch Springdale bis zur Tankstelle am Dorfausgang. Wie so oft in den USA gibt es hier keine öffentliche Transportmöglichkeit, daher bin ich darauf angewiesen per Anhalter zu fahren.
Eine Rangerin betont, dass sie mich in ihrem Regierungsfahrzeug nicht mitnehmen darf. Nach etwa einer Stunde habe ich mehr Glück. Der 57- jährige George willigt ein mich nach St. George mitzunehmen. Er arbeitet als selbstständiger Möbelbauer, war als Soldat im Koreakrieg und hat letzte Woche zum vierten Mal geheiratet! In seinem Heimatort Virgin trinken wir einen Kaffee, dann geht es weiter nach St. George, wo er mich nach einer Stunde an der Greyhoundstation absetzt. Die Berge in der Umgebung sind bereits vom Schnee gezuckert.

Ich muss noch eineinhalb Stunden warten, dann trifft der Bus ein. Manche der Passagiere sitzen bereits seit Texas in dem Gefährt! Wie immer sind es eher die ärmeren Leute die mit dem Greyhound fahren. Na ja, wenn es Probleme mit Passagieren geben sollte, weiß sich die „toughe“ Fahrerin sicher durchzusetzen.

Nach sechsstündiger Fahrt erreichen wir Salt Lake City, wo ich bereits übers Internet ein Zimmer in einem Motel gebucht hatte.

Als ich in einem nahe gelegenen McDonalds esse, bin ich positiv überrascht, als die Angestellten einem schwarzen Bettler etwas zu Essen geben.

Am nächsten Tag schaue ich mich noch ein wenig in Salt Lake City um. Absolut dominierend liegt in der Stadtmitte der große Tempelbezirk der Mormonen. Eintritt und Führungen sind kostenlos und es ist schon beeindruckend zu sehen, mit welcher Vehemenz diese Leute für ihre Religion werben.

Am nächsten Morgen kann ich beim Abheben noch einige Blicke auf den großen Salzsee und die umliegenden verschneiten Berge der Wasatch Range werfen.

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Abschied von Utah

Mein Abenteuer in den Wüsten und Canyons des Colorado Plateaus hat nun sein Ende erreicht. Zurückschauend muss ich sagen, dass sich die Tour für mich wirklich gelohnt hat.
Zwar ist der Hayduke Trail nicht ganz einfach, aber wer Wärme, Einsamkeit und wegloses Wandern in oft grandioser Landschaft mag, wird hier sicher glücklich sein.

boehm22
17.02.2012, 20:10
Vielen Dank für diesen wunderbaren Bericht.
Ein paar kleine Stücke des Weges kenne ich auch - und dein Bericht weckt die Sehnsucht nach dem Südwesten.
Vielleicht im nächsten Jahr.

Feurio
17.02.2012, 20:16
Lieber Gerald,

da hast du wirklich einen fantastischen Reisebericht abgeliefert!
5sterne
Vielen Dank für diesen ausführlich und immer spannend und stilvoll geschriebenen, schön bebilderten Bericht!

Bergtroll
17.02.2012, 21:19
Zum Ende darf ich mich auch noch einmal wiederholen: Wirklich ein Superbericht. Vielen Dank!

ckanadier
17.02.2012, 22:02
Danke für den spannenden Bericht mit den grandiosen Bildern.
Gruß Jürgen

paddel
18.02.2012, 09:51
Schade, schon zu Ende! :(

Ich setz mal drauf, dass du noch ein paar andere schnöne Touren in deinem Repertoire hast und uns daran auch noch teilnehmen läßt ;-)

5sterne5sterne

blauloke
19.02.2012, 10:50
Ich habe immer gerne mitgelesen. Du machst interessante Touren und schreibst gut darüber.
Warte gespannt auf den nächsten Bericht von dir.

berniehh
19.02.2012, 13:16
Eine phantastische Tour war das,.....und deine Berichte finde ich auch immer sehr lesenswert!
Ich freue mich schon auf weitere Berichte von dir;-)

Mika Hautamaeki
19.02.2012, 17:50
einfach grandios deine Tour. Vielen Dank für den spannenden Bericht!!!5sterne5sterne5sterne5sterne5sterne5sterne

Wildniswanderer
19.02.2012, 19:23
Vielen Dank an alle, die meinen Bericht gelesen und hier so nette Kommentare hinterlassen haben!

Das wird bestimmt nicht der letzte Bericht von mir gewesen sein, jetzt will ich mich aber erst einmal der Vorbereitung meiner nächsten Reise widmen.

Gerald

Sinister
20.02.2012, 13:40
Gerald, auch von mir nochmal ein Dankeschön für den tollen Bericht der an sich schon Erholung ausstrahlt. Ich wünsche dir viele weitere, tolle Touren und hoffe natürlich, dass uns dann wieder daran wirst teilhaben lassen :)

fjellstorm
20.02.2012, 14:05
Zum Abschluss auch noch von mir ein Danke für den grandiosen Bericht!



jetzt will ich mich aber erst einmal der Vorbereitung meiner nächsten Reise widmen.

..welche wohin führen wird?

Savannah
05.04.2012, 14:51
Lieber Wildniswanderer,

habe in einem Rutsch alles nachgelesen und bin nun traurig, daß es vorbei ist. Dein Bericht war für mich ein absolutes hightlight, vielen vielen Dank, daß du uns hast teilnehmen lassen! Es hat Riesenspaß gemacht, dir auf deinen Wegen in eine grandiose Natur zu folgen, zumal sich das Ganze sehr anschaulich, spannend und unterhaltsam gelesen hat. Und die Fotos waren einfach fantastisch!
5sterne5sterne5sterne5sterne

Ich warte schon gespannt auf deine nächste Wildniswanderung :-)

Lg
Savannah

DarkDive
12.11.2012, 21:57
Hallo Wildniswanderer,
vielen Dank für den überragenden Bericht, wirklich super!
Dein Schreibstil ist sehr gut und deine Bilder sowieso! =)
Vielen Dank für die Impressionen, du hast die Gegend und die Tour super in Worte und Bilder gefasst!
(Ich musste während des Lesens immer mal wieder an Everett Ruess denken. =) )

Liebe Grüße,
DarkDive

Wildniswanderer
14.11.2012, 17:32
Hallo Dark Dive,

vielen Dank für den netten Kommentar! Glücklicherweise bin ich nicht wie Everett in den Canyons verschollen.

Liebe Grüße

Gerald

Wildniswanderer
14.11.2012, 17:35
Zum Abschluss auch noch von mir ein Danke für den grandiosen Bericht!


..welche wohin führen wird?

Meine diesjährige Reise führte mich nach Australien. Die Hauptunternehmung dort war ein 20- tägiger, kombinierter Wander- und Packraftingtrip auf dem Kimberley Plateau. Eine faszinierende Wildnis in der ich 18 Tage lang keinen Menschen gesehen habe. Vielleicht verfasse ich dazu auch noch einmal einen Bericht für das Forum. Das wird aber sicher noch ziemlich lange dauern.

Gerald

Bergtroll
14.11.2012, 22:03
"Vielleicht verfasse ich ..."

Ich bin sicherlich nicht in der Position, diesen Bericht zu verlangen oder auch nur zu erbitten. (Bekomme ja selbst schon immer Aufforderungen betr einen Bericht ;) Aber wenn Du Dich entschliesst, den Bericht zu verfassen, wäre das Interesse sicher extrem hoch. Auch bei mir. Hat Dir das Packrafting diesmal besser gefallen? In AK warst Du mit dem Boot ja noch nicht so richtig warm geworden.

Wildniswanderer
14.11.2012, 22:26
Das packraften dort hat mir sehr gut gefallen. Vor allem weil ich eigentlich nie den ganzen Tag im Boot gesessen habe, sondern jeden Tag auch gelaufen bin. Ständige Sonne, blauer Himmel und warme Temperaturen sind natürlich auch nicht zu verachten...

gearfreak
02.01.2013, 11:23
Wow, was für eine Reise :o

Danke, dass Du uns auf diesem Wege "mitgenommen" hast! 5sterne
Mich hatte schon Dein Patagonienbericht begeistert und nun freue ich mich, dass ich noch drei ungelesene Berichte von Dir gefunden habe. Die spare ich mir für einen deprimierenden Regentag in der Zukunft auf :bg:

German Tourist
06.03.2013, 22:56
Bin heute zufällig auf ein sehr nettes Video über den Hayduke Trail gestossen. Vielleicht kennst Du es ja noch nicht:

http://vimeo.com/37407524

Viel Spass,
Christine

Wildniswanderer
08.03.2013, 07:33
Danke für den link! Allerdings finde ich das Video sehr schlecht, viel zu unruhig. Es hat mich so genervt, dass ich es nicht zu Ende geschaut habe...

Sturmkobold
21.03.2013, 08:48
Hallo!

Ein toller Bericht, habe jede Zeile genossen. Gut, dass sich die ganzen virtuellen Mitreisenden nicht im Gepäck bemerkbar gemacht haben. Sonst wärst du wohl nicht so weit gekommen :bg:. Ich hatte jedenfalls beim Lesen das Gefühl, ständig irgendwo mit am Rucksack zu hängen. Vielen Dank für diese tollen Eindrücke.

LG
Insa

Sebastianos
17.12.2013, 01:04
Vielen Dank, Gerald!

Ist ja schon eine Weile her, aber die Sehnsucht hast du mit deinem Bericht wieder geweckt bzw. weiter angeheizt. Und Australien lese ich als nächstes. :D

Sag mal, hast du vielleicht einen Tipp, wie man es anstellt, zwei Monate nicht arbeiten zu müssen? Ich meine das gar nicht finanziell, sondern eben zeitlich. Welcher Chef macht das mit? Darf ich das fragen? Oder bist du dein eigener Chef? Interessiert mich sehr, wie man das am besten angeht. Als noch Student war ich dieses Jahr schon auch mal einen Monat am Stück draußen unterwegs, aber nächstes Jahr ...

Wildniswanderer
17.12.2013, 19:33
Schön, dass dir mein Bericht gefällt, Sebastian! Auf meinem Blog werde ich übrigens nach und nach weitere Reiseberichte einstellen, die hier nicht zu finden sind, reinschauen lohnt sich also;-)

Ich möchte hier nicht öffentlich auf meine persönlichen Verhältnisse eingehen, aber ich denke bzw. weiss von Bekannten, dass es eine ganze Reihe von Wegen gibt, mehr persönliche Freiheit zu erreichen, die einem die Möglichkeit gibt, auch längere Reisen anzutreten.
Wenn man das wirklich konsequent macht, und von dieser Konsequenz bin ich ein Stück weit entfernt, heisst das in den meisten Fällen vor allem, dass man sich überlegen muss, was einem wirklich wichtig ist. Haus, großes Auto, generell materielle Dinge oder aber der Luxus Zeit. Eine andere wichtige Frage ist auch wie man seine Reiseleidenschaft mit Beziehung, Familie etc. in Einklang bringt.
Über dieses interessante Thema könnte man stundenlang schreiben…
Ich schicke dir eine PM. Wenn du Interesse hast, können wir uns eingehender darüber unterhalten...

theslayer
21.12.2013, 21:30
Absolut Irrer Bericht. Was habe ich mit dir Mitgefiebert, wenn es um die Wasserversorgung ging.

Eins meiner vielen Highlight Bilder (wenn auch vermutlich nicht deins) ist eindeutig die Maus in der Erdnussbutter :hahaa:

Vielen dank dass du mich dran teilhaben hast lassen!

Daniel