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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [DE, AT, CH, IT, SL, HR, HU, SK] 3300km mit dem Rad durch Europa



Starkbier
02.09.2011, 00:57
Der Hintern ist kuriert, das Sitzen auf einem Stuhl wieder möglich, die Gedanken geordnet. Zeit, dass wir einen kleinen Bericht über unsere erste größere Reise auf die Beine stellen. :bg:

Wir, das sind Felix (19), Manu (20) und Niko (19), sponnen Anfang dieses Jahres bei dem ein oder anderen gemütlichen Bier die Idee, dass wir die freie Sommerzeit nach dem Abitur unbedingt für eine längere Unternehmung nutzen müssen. Was zunächst als biergeschwängerte Witzelei begann, verfestigte sich dann immer stärker in unseren Köpfen. So waren die Eckpunkte bald gesetzt.
Unsere Fahrräder sollten uns über die Alpen und durch Teile Osteuropas führen bis ans Mittelmeer auf die Insel Krk. 7 wochen wollten wir mit durchaus spartanischer Ausrüstung und möglichst geringem finanziellen Aufwand verbringen.

Falls also Interesse besteht würden wir nur zu gerne einen ausführlicheren Einblick in die Tour geben. Ansonsten sind wir uns aber auch nicht zu schade ein aufs minimum komprimiertes Stück Prosa zu dichten ;-). Jedenfalls sollten aber morgen schonmal die ersten Zeilen zur Reise hier ankommen.

Gute Nacht!

ApoC
02.09.2011, 08:08
Her damit ;)

homeless
02.09.2011, 10:02
Ja bitte!

Bin sehr gespannt, vor allem auch auf die Details...

LG
homeless

hosentreger
04.09.2011, 20:59
Da bin ich allerdings auch gespannt! Und bitte den Text mit ein paar Fotos würzen!
Bitte die Vorfreude auf den Reisebericht nicht zu sehr ausdehnen...
hosentreger

Starkbier
04.09.2011, 21:26
Tag 1 - 4. Juli 2011

Reutlingen - Ulm, ca. 80km

Der Beginn unserer Reise ist von jener jugendlichen Nachlässigkeit geprägt, die der Jugend wohl immer angekreidet wird. Morgens um 9 Uhr treffen wir uns, nichts ist verpackt, nichts auf die einzelnen Personen aufgeteilt, noch nicht einmal die Ausrüstung ist komplett. "Packliste steht ja..." beruhigen wir uns gegenseitig und rechnen mit einer guten Stunde bis zum Reisebeginn.
Da noch der Bau eines Dosenkochers ansteht, kommt es, wie es kommen musste - vor der Mittagszeit muss noch jeder von uns dabei helfen entsprechendes Bierdosenmaterial nutzbar zu machen :bg:

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Da morgentlicher Biergenuss nicht gerade zu blühender Aktivität führt, beansprucht das Aufteilen, Packen und Basteln letztlich deutlich mehr Zeit als gedacht. Langsam steigt die Anspannung und der Drang zum Aufbruch wird immer stärker.
Tatsächlich ist dann gegen 12 Uhr alles an Ort und stelle und wir sind bereit loszuziehen. Besser spät als gar nicht.

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Als wir endlich in den Sätteln sitzen, fällt mit einem Mal alle Anspannung ab und wir starten voller Vorfreude und Naivität in unseren Trip.
Vom ersten Tag haben wir allerdings nicht all zu viele Bilder geknipst, da uns ja das aller meiste recht bekannt war. Schließlich fahren wir nicht zum ersten Mal auf der Schwäbischen Alb. So gelangen wir über Bad Urach und das Schmiechtal nach Ulm. Kurz vor dem angepeilten Ziel entscheiden wir uns auf einem kleinen Hügel unser erstes Nachtlager zu errichten.

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Nicht ganz unbeteiligt an jener Entscheidung ist die Entdeckung eines kleinen Flusslaufs aus dem uns eine Horde fresswütiger Forellen entgegenblickt. Wir wissen zwar, dass es in Deutschland verboten ist, aber einen selbst geangelten Fisch zu verspeisen steht sehr weit oben auf der To-Do-Liste...seht es uns nach :roll:
Nachdem wir unser üppiges Mahl genossen haben, beenden wir den ersten Tag in unseren Schlafsäcken und realisieren, dass unser Vorhaben nun endlich Realität geworden ist.

Tag 2 - 5. Juli 2011

Ulm - Kempten, ca. 112km

Die erste Nacht haben wir gut überstanden, weder Regen noch sonstige Unannehmlichkeiten haben unseren Schlaf gestört. Ein vorbeikommender Mann weckt uns indem er dreimal in die Hände klatscht und laut "Aufstehen!" ruft. wir alle halten es für einen schlechten Scherz eines anderen von uns und bleiben nochmal liegen.
Nachdem wir Ulm passiert haben führt uns der Illerradweg Richtung Süden. Wir merken recht schnell, dass Flussfahrten sehr stark durch Monotonie glänzen. Trotz allem ist die Fahrt an der Iller sehr schön.

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Nachdem wir den Iller-Radweg hinter uns gelassen haben, bauen sich zum ersten Mal die Alpen auf - zwar in weiter Entfernung, aber endlich ändert sich das Terrain.
In Kempten angekommen decken wir uns an einem Supermarkt neu ein, essen eine Kleinigkeit in einer Dönerbude und machen uns auf die Suche nach einem Schlafplatz.
Am Ortsrand von Kempten finden wir einen kleinen Bauerndorf, dessen Besitzer uns bereitwillig sein Grundstück zum Übernachten anbietet.
Der zweite Tag geht nach einer weiteren kleinen Mahlzeit zu ende.

Tag 3 - 6. Juli 2011

Kempten - Reutte, ca. 80km

Der dritte Tag beginn sofort mit einer positiven Überraschung. Nachdem wir Sack und Pack verstaut haben, begrüßt uns die hiesige Bauerin mit 1,5 Liter frischester Milch und verbessert damit unser Brötchenfrühstück um ein vielfaches. :bg: .

Mit jedem Kilometer kommen wir den Alpen näher und die Vorfreude wächst im gleichen Maße.

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Gegen später erreichen wir einen wunderschönen, aber irrsinnig kalten Bachlauf, den wir für ein kleines Bad missbrauchen. Man muss dazu sagen, dass auch der Tag wahnsinnig warm war.

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Schnell wird noch ein Selbstauslöserbild geschossen, dass uns im warsten Sinne in die Seile werfen sollte, bevor wir weiterziehen.

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Gegen Nachmittag passieren wir die deutsch-österreichische Grenze. Sie ist lediglich durch ein kleines Schild markiert - nichts was den Fanfaren und Trompeten in unseren Köpfen gerecht werden würden. Tatsächlich freuen wir uns sehr, die erste Landesgrenze zu überschreiten - auch wenn es "nur" Österreich ist ;-)

Ab hier begleiten uns die ersten Wegmarkierungen der Via Claudia. Wir sind also auf dem rechten Weg. In Reutte angekommen beginnt die obligatorische Suche nach einem Supermarkt.
Gelockt durch ein scheinbares Stadtfest lassen wir uns in einem kleinen Park nieder und verspeisen unsere Einkäufe. Dort kommen wir auch mit einigen Jugendlichen ins Gespräch. Ein junger Mann, schätzungsweise Mitte 20, ergreift das Wort. Optisch fällt er v.a. durch reichlig Tattowierungen auf den Armen, Beinen sowie dem Gesicht auf. Wir erzählen was wir vorhaben, worauf hin er uns am liebsten begleiten möchte. Jedoch erzählt er uns, dass er eine lang vor sich hergeschobene Haftstrafe absitzen muss. Ein Jahr lang hat er auf Mallorca gewohnt um ihr zu entgehen.
Anschließend rät er uns augenzwinkernd in einer scheiweizer Apotheke ein "Kräutersäckli" zu ordern. :bg: . Trotz dieser und einigen weiteren schrägen Geschichten ist er uns sehr sympathisch.
Wir verabschieden uns von jenem "Haufen" und suchen am Ortsrand nach einer Schlafmöglichkeit. Ein etwas entferntes Sportheim scheint uns perfekt. So betreten wir zeilstrebig die Behausung, bis wir durch das Genörgel der ansässigen Feiergemeinschaft aufgehalten werden. Ein Matthias Sammer ähnelnder Mann fragt uns wütend nach unserem Vorhaben. Freundlich erwiedern wir, lediglich auf der Suche nach einem Schlafplatz zu sein. Nach einer kurzen misstrauischen Begutachtung dürfen wir hier bleiben. Wir bekommen sogar noch einen Kaffee spendiert. :D
Trotz allem wirft uns Matthias Sammer weiterhin böse Blicke zu. Schnell klärt sich auch warum - der Besitzer des Sportheims erzählt uns, dass in letzter Zeit sechs Mal eingebrochen wurde :o

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Nachdem die Meute verschwunden ist, rollen wir unsere Isomatten und Schlafsäcke aus und beenden den Tag.

Starkbier
05.09.2011, 06:15
Tag 4 – 7. Juli 2011

Reutte – Landeck, ca. 81km

In der Nacht werden wir zweimal von Regen geweckt, können jedoch auf Grund unseres Vordachs immer beruhigt weiterschlafen.
Schlechtes Wetter erwartend bietet sich uns ein strahlend blauer Himmel als wir die Augen öffnen.
Wohl erholt sammeln wir die wenigen ausgepackten Ausrüstungsstücke zusammen und verstauen sie in den Rucksäcken. Wir sind teilweise selbst überrascht wie einfach und unkompliziert bisweilen alles funktioniert und halten es kaum aus endlich weiter zu ziehen.
Weiterhin fasziniert uns das großartige Alpenpanorama – zwar waren wir alle schon in den Alpen, doch wirkt es irgendwie anders, wenn man aus eigener Kraft dort ankommt.

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Unser Weg führt uns heute in Richtung Fernpass. Natürlich nehmen wir dabei nicht die Autostraße, sondern folgen einem Forstweg durch den Wald. Nach einigen Kilometern bietet sich eine Abzweigung, wobei uns die Karte verspricht, dass der schmalere und verblocktere Weg von beiden schneller zum Ziel führen soll. Da er auch gut befahrbar scheint entscheiden wir uns für die kürzere Variante. Anfangs begeistert der Weg durch griffigen Erdboden der eine 40cm breite Fahrspur vorgibt. Letztlich stoßen wir jedoch auf einen umgestürzten Baum, der uns den Weg versperrt. Während wir uns anschauen ob und wie man über den Baum klettern kann, fängt es zu allem Überfluss an zu regnen. Wir schnappen uns schnell die Räder und wuchten sie über das Hindernis.

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Als hätten wir das Wetter mit unserer festen Überdachung in der Nacht herausgefordert, prasselt es nun ordentlich auf uns herunter. Rückbetrachtet allerdings weder der letzte Regen, noch der stärkste. Wir schrauben uns immer weiter den Weg hinauf, bis wir nach einer guten viertel Stunde aus dem Regen fahren – der Abfahrt sei Dank.
Aber keine fünf Minuten später wartet auch schon das nächste kleinere Problem. Einige hübsche Schildchen wollen uns klar machen, dass der Weg ab hier gesperrt ist.

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Laut Kartenmaterial gibt es keine Alternative, weshalb wir uns erneut eine kleine Gesetzesübertretung leisten. Wir schaffen es auch mittels einem kleineren Fußweg die tatsächliche Baustelle zu umfahren. Nach diesen kleineren Zwischenfällen erreichen wir dann die Inn (oder den Inn?)

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Wir folgen dem dortigen Radweg bis Landeck. Während dem Abendessen werden wir von einigen neugierigen Passanten angesprochen. „Bis nach Ungarn wollts ihr? Mit dem Rad? Sieben Wochen? Verrückte!“ In diesem Zusammenhang lassen wir uns gerne als Verrückte bezeichnen und keiner von uns kann sich ein kleines stolzes Schmunzeln verkneifen. Diese Art der Anerkennung gefällt uns, da es aufzeigt, dass man durch solche Vorhaben zu einer Minderheit gehört. Begeistert von den zwischenmenschlichen Erfahren der letzten Tage beschließen wir auch heute bei Anwohnern um Obdach zu bitten.
So schlendern wir durch die Stadt bis uns eine kleine Tiefgarage anlächelt.

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Die junge Frau im Garten spricht nur gebrochenes Deutsch. Warum wollen wir denn in der Tiefgarage schlafen, es gäbe auch Platz in der Wohnung. Felix lehnt jedoch dankend ab. Wir wollen die Gastfreundschaft nicht überstrapazieren. Trotzdem muss er sich den restlichen Abend etwas Spott gefallen lassen, da er ein solches Angebot einer jungen Frau ausgeschlagen hat :D
Vier Tage sind fast vorbei und es wird eindeutig Zeit für ein Bad. Zuvor war uns ein kleiner Bach einschließlich luxuriösem Dusch-Wasserfall aufgefallen. Kalt aber belebend, so ist das Wasser wohl zu beschreiben. Wir haben natürlich keine Seife im Flusslauf verwendet.

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Anschließend kehren wir in unsere vier Garagenwände zurück, kochen Tee und bereiten alles zum Schlafen vor.
Es erstaunt uns, wie heimisch wir uns dort fühlen. Jede Bleibe wird für wenige Stunden zu einem kleinen zu Hause. Das macht eindeutig Lust auf mehr.
Als später am Abend der Mann der jungen Frau ankommt ist er bereits über uns informiert und zeigt uns lediglich noch den Wasserhahn, den wir natürlich benutzen dürfen.
Ein interessanter Tag geht mit erneutem Regen zu Ende.

Tag 5 – 8. Juli 2011

Landeck – Ramosch, 90km

Der heutige Tag beginnt zum ersten Mal etwas ernüchternd. Das Garagentor gibt den Blick auf eine graue Suppe und leichten Nieselregen frei. Felix und Niko fahren schnell zum Supermarkt und besorgen das Frühstück. Ein kleiner Mortelkübel wird zum Tisch umfunktioniert, was zwar keineswegs eine große Leistung darstellt, uns aber trotzdem durch seine Unkonventionelle Art ein Lächeln abgewinnt.
Als wir das Frühstück beenden scheint auch der Nieselregen ein Ende zu finden. So fahren wir zwar nicht mit sommerlichem Wetter los, bleiben aber zumindest trocken. Dennoch lässt uns der Sommer auch heute nicht im Stich. Nach einigen Kilometern durch weitverzweigte Alpentäler bessert sich das Wetter enorm. Hinter der Schweizer Grenze gelangen wir an eine wunderschöne Stelle der Inn.

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Die mächtigen Felswände in Verbindung mit der gewaltig anmutenden Strömung
vermitteln uns ein Gefühl von Nichtigkeit. Es ist einer dieser Momente, der einem Respekt für die Kräfte der Natur einflößt. Daneben scheint man selbst auf zwergischer Größe zu schrumpfen.

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Eine gute halbe Stunde sehen wir uns an diesem Schauspiel satt bevor wir weiterfahren. Das obligatorische Bad lassen wir dieses Mal aus ;-)
Auf Grund der abnehmenden Infrastruktur müssen wir einige Kilometer mehr fahren, als wir eigentlich Lust haben. Ramosch scheint uns ein geeigneter Ort zu sein um einzukaufen und unter zu kommen. Auf dem Weg treffen wir ein polnisches Ehepaar, die uns bestätigen, auf dem rechten Weg zu sein.
Kurze Zeit später passiert Niko ein amüsantes Missgeschick. Während der Fahrt möchte er die Schutzkappe seiner Trinkblase abnehmen, wobei er mit Entsetzen aufschreit, er habe sein Ventil beim Öffnen in ein Grasfeld rechts des Weges geworfen. Die 15-minütige Suchaktion wird letztlich dadurch beendet, dass sich das Ventil in der Schutzkappe befindet.

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Heute darf er das Gespött der Runde spielen. Schließlich erreichen wir Ramosch, wo ein Bauernhof das Objekt unserer Begierde darstellt. Die Besitzer essen gerade auf der Terrasse als sie uns auf unsere Bitte eine kleine Scheune zum Schlafen anbieten. Ein kleiner Schlauch mit eiskaltem Wasser ersetzt erneut eine richtige Dusche. Obwohl unser Zittern auf etwas anderes schließen lässt, genießen wir die Einfachheit des Reiselebens.
Abends packen wir zum ersten Mal das Kochgeschirr aus und kochen eine gute Portion Nudeln mit Tomatensoße. Als das Essen fertig ist müssen wir es gegen die anwesenden Stubentiger verteidigen. Wir bleiben die Sieger und verputzen das wohlschmeckende Mahl. :D
Gestärkt beschließen wir, dass unser Budget einen Kneipenbesuch zulässt. In dem Geisterdorf etwas Kneipenartiges zu finden ist durchaus schwer, da sich die Leute auf den Straßen beinahe an einem Finger abzählen lassen. Tatsächlich werden wir fündig.

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Wir wissen zwar, dass die Schweiz teuer ist, doch sollte die Rechnung einen echten Schock bereit halten. Zwei Bier und ein Schnaps pro Nase kosten uns ganze 48 Franken. :D Für diese Rechnung hatten wir eindeutig zu wenig getrunken. Wir nehmen es mit Humor und kehren zu „unserer“ Scheune zurück.

Tag 6 – 9. Juli 2011

Ramosch – Prad, ca. 80km

Auch heute soll der Morgen wieder nass beginnen. Dieses Mal ist es jedoch einem tapsig hin und her trollendem Hund geschuldet, der es sich nicht nehmen lässt über unsere Gesichter zu schlabbern. Das Tier gehört einem echten Bauernoriginal, der mit grauem Bart, Hut und seiner Art alle Klischees eines Alteingesessenen erfüllt.

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Erneut müssen wir unser Essen gegen die Katzen verteidigen, aber wir bleiben standhaft

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Mehr schlecht als recht gestärkt beginnen wir die vorerst härteste Etappe die uns über die Uina-Schlucht nach Italien führen soll. Auf den ersten Kilometern des Aufstieges treffen wir schon wieder auf das polnische Ehepaars, die von einem Platten geplagt werden. Das Wiedersehen ist allen ein Foto wert.

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Einige Meter radeln wir noch gemeinsam, bis wir uns von den Polen absetzen. Wenig später tut sich uns erstmalig der Blick auf den in Fels gemeißelten Weg auf. Die Faszination über dieses Panorama mischt sich bald mit einem gesunden Respekt vor dem schmalen, oft ungesicherten Weg. Während wir unsere Räder den Pfad hinauf schieben sind wir immer wieder zwischen diesen Gefühlen hin- und hergerissen.

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Letzten Endes siegt die Faszination als wir die auf 2.256m gelegene Sesvanahütte erreichen. Erschöpft aber tief zufrieden und auch ein wenig stolz sitzen wir also dort und warten auf unser wohlverdientes Essen. Zu unserer Überraschung ist es erstaunlich günstig.

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Die wirkliche Belohnung folgt aber erst nun: Eine endlos scheinende Abfahrt auf feinsten Wegen entschädigt uns für jeden Tropfen Schweiß. Im Tal empfängt uns die Etsch, die mit einem perfekt ausgebauten Radweg aufwartet. Am Abend erreichen wir Prad am Stilfserjoch. Da sich die Geldreserven gen Ende neigen wollen wir in Prad Geld abheben. Der Geldautomat resigniert jedoch partout bei Nikos EC-Karte. Nachdem von zu Hause aus Geld auf Felix Konto überwiesen wurde, ist das Problem jedoch auch schon behoben.
Wir decken uns mit den üblichen Lebensmitteln ein und halten Ausschau nach Scheunen, Vordächern und Konsorten. Trotz aller Bemühung freundlich und ausgemerzt zu wirken, bekommen wir zwei Absagen. Ein älterer Herr winkt uns zu sich. „Jaja Buben, kommets zu mir!“ Bereitwillig folgen wir und sind völlig erschlagen als wir unsere Unterkunft entdecken.

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Vom Tellerwäscher zum Millionär. Wir wollen uns gerade schon in diesem Prachtbau breit machen, als die Ehefrau unseres edlen Retters auftaucht. Ihr Sohn, dem das Haus gehöre, wisse doch nichts davon und das sei ihr nicht recht. Sollten wir nun wieder zu Tellerwäschern degradiert werden? „Kommt ins Haus, ich verlang doch nicht viel.“ sagt sie. Fragend schauen wir uns an – eine bezahlte Unterkunft? Eigentlich nicht was wir wollen, zumal unsere Ansprüche äußerst gering sind. „Können wir nicht einfach in ihrer Werkstatt bleiben?“ Wir wollen etwas ganz einfaches, was jedoch nicht wirklich ankommt. So lässt sie es etwas widerspenstig zu, dass uns ihr Ehemann in ein kleines Hinterzimmer mit Holzdielen führt – die seien wärmer als Betonboden.

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Es soll sich auch in Zukunft immer wieder als Problem herausstellen, dass sich viele Leute nicht vorstellen können in einer Garage oder unter einem Vordach zu schlafen. Diesen Unterschied fangen wir jedoch an zu genießen.
Am Abend eine Überraschung: Der Sohn unseres Gastgebers ist der Referent von Neu-Ulm. Trotz dessen scheint er uns anfangs in die Mangel nehmen zu wollen – haben wir böse Absichten, sind wir Ganoven oder gar Schlimmeres? Sein perfider Plan geht gar soweit, dass er uns scheinbar mit einem Kasten Bier betrunken machen will. In vino veritas. Aber sein Vorhaben geht nicht ganz auf, da er zunehmend seinen festen Stand verliert, während wir und sein Kumpane lediglich angeheitert sind. Sein Kumpel zwinkert uns daher immer wieder entschuldigend zu, wenn unser Ankläger über die Stränge schlägt. Wir scheinen jedoch seine Tests zu bestehen und verbringen einen amüsanten Abend auf dem zufällig stattfindenden Stadtfest.

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Am Ende des Abends zeigt er uns noch seinen Neubau und präsentiert seine im eigenen Geschäft geschmiedeten Treppenstufen und sonstige Highlights seines Hauses. Der Kasten Bier ist leer als er uns endlich schlafen gehen lässt.

Tag 7 – 10. Juli 2011

Es ist Sonntag und wir beschließen einen Ruhetag einzulegen, da wir in unserer gemütlichen Schmiedewerkstatt noch einen weiteren Tag bleiben dürfen. Der Tag verläuft größtenteils unspektakulär. Wir suchen das örtliche Freibad auf und lassen uns auch sonst nur die Sonne auf den Bauch scheinen. Prad hat wahrlich nicht viel zu bieten. Eine fahrt auf das Stilfserjoch lässt uns kalt – zu viele Autos, zu viel Asphalt.
Abends gönnen wir uns ein Abendessen in einem Gasthof, da wir natürlich nicht daran gedacht haben am Vortag einzukaufen.
Wir gehen relativ zeitig schlafen um am nächsten Morgen hoffentlich früh aus den Federn zu kommen. Vergebens! :bg:

Starkbier
06.09.2011, 15:12
Tag 8 - 11. Juli 2011

Prad - Lana, ca. 83km, 2.056hm, 2685m bergab

Der Abschied von unseren Gastgebern erfolgt recht unspektakulär. Wir sehen lediglich unseren "alten Retter", wohingegen sein Sohn noch auf den Brettern liegt. :bg: Zugegeben müssen auch wir uns etwas aus den Betten quälen. Wer feiern kann, kann auch schaffen.
So besteigen wir unsere Drahtesel und folgen weiterhin der Etsch in Richtung Meran. Obwohl uns die Uina-Schlucht noch etwas in den Knochen steckt, wollen wir die Naturnser Alm befahren. Gute 2000hm bzw. 24km trennen uns von diesem Ziel als wir in Naturns ankommen.
Während der Auffahrt treffen wir auf eine Gruppe ältere Radler. Der jüngsten von ihnen ist 50, der älteste läuft auf die 70 zu. Sie erzählen uns, dass sie jedes Jahr mit dem Auto in die Alpen fahren und von Tour zu Tour ziehen. Eine Tag zuvor seien sie auf 3500m mit dem Rad gewesen - schiebend und tragend durch Schneefelder. Wir sind durchaus beeindruckt von dieser Leistung als wir davonziehen. :o
Mit der Zeit ziehen einige Wolken auf, was die brühende Hitze etwas erträglicher macht.

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Endlich oben angekommen gönnen wir uns das wohlverdiente Gipfelbier. In Kombination mit der Sonne sorgt es dafür, dass Manu und Felix einen kleinen Schlaf im Sitzen einlegen :bg:

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Nach einigen Momenten der Erholung treten wir die Abfahrt an. Wie schon in der Uina Schlucht sollen uns auch heute die Alpen nicht enttäuschen. Die schier endlos erscheinende Abfahrt nach Lana wartet mit wunderschönen Trails auf. Ebenso begeistert weiterhin das Panorama. Es war also eine gute Entscheidung, die entspanntere Talfahrt entlang der Etsch gegen diesen Aufsteig zu tauschen.
In Lana angekommen sitzen wir mal wieder an einem Supermarkt und vernichten ein paar Brötchen.
Plötzlich spricht uns ein Mann mittleren Alters an. Wo wir hinwollen interessiert ihn und wir erzählen erneut von unserem Vorhaben. Angeregt davon schwelgt er in Erinnerung. Als er in unserem Alter war ist er von Deutschland aus mit getuneten Mopeds nach Italien gefahren. :bg: Sowohl seine Art zu erzählen, wie auch sein ansteckendes Lachen machen diese Unterhaltung zu einer echten Comedy Show. Er lässt uns selbst kaum mehr zu Wort kommen, da sein geballtest Mofawissen an den Mann gebracht werden muss. Bevor seine kleine, ungeduldige Tochter ihn von uns wegzieht rät er uns noch dazu, in Italien nicht wild zu campen, da die Carabinieri dabei nicht mit sich scherzen lassen. Wir folgen dem Hinweis uns suchen auch heut wieder bei den Anwohnern eine Unterknunft.
Die erste gefragte Person sagt sogar schon zu, wir dürfen unsere Zelte im Garten aufschlagen. Wohl etwas verwöhnt von Vordächern wollen wir erst einmal noch weitersuchen. :bg: Nach ca. 15 Absagen kehren wir jedoch wie reumütige Hunde zur ersten Adresse zurück, wo uns der Sohn freundlich mit drei flaschen Bier empfängt. Anschließend bauen wir die Zelte auf.

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Die Frau unseres Gastgebers fragt uns, wann wir denn aufstehen würden. Irritiert setzen wir acht Uhr an, worauf hin sie erwiedert, uns Frühstück machen zu wollen. Fast schon beschämt nehmen wir dieses Angebot an. Jedoch sind wir absolut verwundert und zugleich erfreut darüber, wie viel Gastfreundschaft uns entgegen gebracht wird.

Tag 9, 12. Juli 2011

Lana - Riva del Garda, ca. 140km

Als wir am nächsten Morgen das Frühstück erblicken steigt die Freude nochmals. Kaffe, Brötchen, Honig, Marmelade und Eier. Und wir reden von einfachem, anspruchslosem Leben. :bg:

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Ein kleines Küken muss jedoch um sein Geschwisterlein trauern...

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Als wir uns verabschieden sichern wir uns noch die Adresse der Familie, um ihnen später aus Budapest eine Postkarte zu schicken - eine Art kleines "Dankeschön".

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Wir satteln die Räder und steuern Richtung Bozen. Während bislang überall noch Deutsch gesprochen wurde, steigt der italienisch-sprachige Teil nun immer mehr an. Auch die Hitze lässt auf den "Beginn" von Italien schließen. Über 40 Grad brutzeln auf uns hinunter, während wir auf dem denkbar schlechtesten Weg für derartige Temperaturen fahren. Es soll der heißeste Tag cer gesamten Tour werden.

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Verständlicher Weise sind wir beinahe die einzigen Menschen die sich in dieser Hitze auf die Straße trauen. Daher suchen wir uns ein schattiges Plätzchen und gönnen uns ein kleines Bad in der Etsch - Klamotten inklusive. :bg:

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Immerwieder tränken wir unsere Shirts ins kühle Nass um diesen Tag zu überleben. Nach ca. 110km ist es fast sechs Uhr. Bis zum Gardasee fehlen uns noch gute 30km. So kurz vor dem ersten größeren Etappenziel sind wir nicht sicher, ob wir weiterfahren sollen. Immerhin würden wir erst um acht Uhr am Gardasee ankommen und müssten uns dann noch nach einer Bleibe umschauen. Letztlich siegt der Drang, heute noch den ersten Abschnitt der Reise zu beenden.
Wir reissen also die letzten 30km bis wir endlich gegen acht Uhr am Lago ankommen.

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Etwas verwundert schauen die ansässigen Strandgänger, als wir samt Klamotten in den Gardasee rennen. Uns ist es egal, wir sind einfach froh angekommen zu sein. So dümpeln wir einige Zeit am Strand und erfreuen uns am See, den Bergen und der ganzen Situation, bis wir wieder etwas aus der Stadt fahren, um ein günstiges Zimmer zu beziehen. Auf einem Berg werden wir fündig. 17 Euro pro Person scheint uns in Ordnung zu sein. Wir essen noch in einer Pizzeria zu Abend, bevor wir den Tag bei einem Bier ausklingen lassen.

_Matthias_
06.09.2011, 23:19
Fängt ja toll an der Bericht, bitte weiter so ...

Übrigens: "der Inn"

Starkbier
07.09.2011, 14:26
Tag 10&11 - 13.-14. Juli 2011

Zum ersten Mal wachen wir wieder frisch geduscht in einem richtigen Bett auf. Der Schlaf war natürlich erstklassig, aber eigentlich auch nicht besser als auf unseren aufblasbaren Himmelbetten. Trotzdem verlassen wir unsere Quartier schon wieder, da das Zimmer wegen eines Kletterturniers (angeblich die Weltmeisterschaft?) nur eine Nacht zu haben sei.
Seis drum, erst ein Mal ziehen wir mit unserem Frühstück bewaffnet an den Strand. Besser als Frühstück am Bett ist wohl Frühstück am See.

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Eigentlich passierte dann nicht sehr viel, bis wir gegen Mittag bemerken, dass uns zwei Mädchen überall hin folgen und dabei kichern wie kleine Schulmädchen. Allmählich gehen uns die beiden auf die Nerven, daher versuchen wir sie mit unserem Fotoapparat zu verscheuchen.:bg:

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Bis wir endlich in der Jugendherberge ankommen lassen die zwei nicht von uns ab. Wir bringen unser Hab und Gut aufs Zimmer und schlendern wieder zur Promenade. Essen fassen!
Im Gegensatz zu unserem Essen schaut der Himmel nicht so verlockend aus. Über die Berge zieht eine Gewitterfront heran.

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Von Bäumen geschützt schauen wir einige Zeit dem Gewitter zu, bis uns der Regen in die Jugendherberge verscheucht. Wir teilen uns das Zimmer mit drei norwegischen Motorradfahrern und einem Mann samt Sohn. Wieder haben wir das Glück, dass das Zimmer nur für eine Nacht zu haben ist, so dass uns der Mann eine Adresse eines Privatzimmers gibt. Eigentlich wollten sein Sohn und er es beziehen, wobei sie nun doch schon morgen abreisen werden. Glück gehabt!
Nach dem Regen ziehen wir wieder in Richtung Promenande, wo wir mit ein paar Jugendlichen ins Gespräch kommen. Sie haben einen Alpencross als Klassenfahrt absolviert. Grandios! Viel besser als die obligatorischen Schulabschlussfahrten in die Partyhochburgen Spaniens. :bg: Trotzdem sind auch sie beeindruckt von dem was wir vorhaben. Um 12 Uhr werden sie von ihren Lehrern in die JuHe zurückgepfiffen - wir bleiben noch ein wenig an der Promenade und lauschen dem See, bis wir den Tag beenden.

Am nächsten Tag geniessen wir noch schnell das 4-Sterne Luxusfrühstük der JuHe, bevor wir uns zur nächsten Adresse begeben. Eine nette, ältere Seniora empfängt uns dort. Schnell schmeißen wir unsere Sachen ins Zimmer und laufen zum Strand, denn heute ist das Wetter wieder sagenhaft.
Wieder geraten wir mit einer Schulklasse aus Bühlen ins Gespräch, die ihre Abschlussfahrt hier verbringen. Nach ein paar Runden im See gehen wir ein wenig Beachvolleyball spielen. Felix schreibt dazu in unserem Tagebuch "ein gutes Gefühl zu Jugendlichen Kontakt zu haben, zumal in der Klasse viele hübsche Mädchen sind" :bg:

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Irgendwann verabschieden wir uns und wir verbringen den Tag mit unspektkulären, organisatorischen Dingen. Wir wollen uns nun nicht zu lang mit diesen Ruhetagen aufhalten und daher endet der Tag nun! :bg:

Tag 12 - 15. Juli 2011

Riva del Garda - Caldonazzo, 81km

Mittlerweile haben wir uns schon fast an ein richtiges Bett gewöhnt, es wird höchste Zeit weiterzuziehen. Nach einem einfachen Frühstück im Wohnzimmer der Seniora steigen wir wieder in die Sättel.
Kurz nach Wiederaufnahme der Reise passiert uns ein absolut unwahrscheinlicher Zufall. Wir überholen ein radelndes Ehepaar und denken uns erst nichts dabei. Erst als Niko einen zweiten Blick auf die Frau wirft ist klar, es sind Aga und Kris, das polnische Ehepaar. "What a meeting". Sie erzählen uns, dass sie vorgestern am Gardasee angekommen sind und ganz zufällig auch heute weiterziehen. Wir begleiten die beiden noch bis Rovereto, wo sie den Zug zurück zu ihrem Auto nehmen wollen. Wir machen ein Abschiedsfoto und tauschen unsere e-mail Adressen.

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Vielleicht können wir anhand dieses Bildes noch kurz etwas klären. Von links nach rechts: Manu, Felix und Niko (ich) ;-)
Wir ziehen anschließend weiter nach Trento - schon wieder. Es ist wirklich sehr ernüchternd nochmal die selbe Strecke zu fahren. Daher legen wir einen Zahn zu und gelangen am Abend nach Caldonazzo. Schon wieder scheint das Wetter gegen uns Spielen zu wollen. Als wir in dem kleinen Ort ankommen regnet und gewittert es schon rings um uns herum. Wir bleiben glücklicher Weise noch verschont. Wir fragen den erst besten Italiener nach einem Vordach. Mit Englisch kommen wir nicht weit, also muss das spärliche Italienisch von felix herhalten. Trotz aller Mühe, Absage! Der Zweite faucht uns sogar an, was wir in Italien suchen ohne italienisch zu sprechen. :o Wir fürchten schon, heute zum ersten Mal nicht unterzukommen. Noch wollen wir jedoch nicht aufgeben.
Wir fahren etwas an den Ortsrand und versuchen unser Glück beim aller letzten Haus. Felix legt wieder mit seinem Italienisch los, also die Frau plötzlich erwiedert "sprechen Sie Deutsch?" Vermutlich hat man den Aufschlag der Steine gehört, die uns von den Herzen gefallen sind. Die gute Dame führt uns in den Garten unter ein Vordach. Unter diesem stehen wir vielleicht 5 Minuten, bis:

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"Man haben wir ein Glück!" Als wär nicht alles schon gut genug gelaufen stößt noch ihr Mann zu uns hinzu und "verbietet" uns draußen zu schlafen. Wir sollen in den Keller gehen, da sei es wärmer. Ein klein wenig widerwillig nehmen wir das Angebot an. Manu und Niko fahren in einer Regenpause schnell zum Supermarkt und besorgen das Abendessen. Sie kehren mit eigenartigen Brotscheiben zurück. :bg:

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Da wir unsere Route im Vorfeld nur bis caldonazzo geplant hatten, steht jetzt die Planung der Route bis Slowenien an. So verbringen wir den restlichen Abend damit, die bisherige Route nachzuvollziehen, den Luftlinienabstand von X und Y nach Reutlingen zu messen und den geschicktesten Weg nach Slowenien auszufuchsen.

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Anschließend legen wir uns in die Schlafsäcke. Ob Manu wohl so sauer ist, weil er nur halb auf seiner Isomatte liegt? :bg: Der Tag geht mit Donner und Regen zu ende. Nie war ein Keller angenehmer.

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blauloke
07.09.2011, 14:58
Eine tolle Fahrt habt ihr da gemacht. Bin gespannt wie es weiter geht.

Starkbier
08.09.2011, 13:58
Tag 13 - 16. Juli 2011

Caldonazzo - Monte Belluno, 141km, 1160hm

Am Morgen werden wir von unserem freundlichen Gastgeber mit einer Kanne heißem Wasser begrüßt - super so ein warmer Tee am morgen. Wir sollen bald aufbrechen, da sie nun auch die Heimreise antreten. Tatsächlich handelt es sich bei unserem Haus lediglich um das Ferienhaus unser südtiroler Gastgeber. Es war die letzte Nacht die sie hier verbringen wollten - wieder ein Mal unglaubliches Glück gehabt.
Wir suchen nach dem nächsten Via Claudia Schild und folgen weiterhin dem Radweg. Anfangs verläuft der Weg ziemlich eben, eventuell leicht steigend entlang einiger kleinerer Bachläufe. Wir wissen, dass wir nochmal über einen kleinen Berg müssen, also halten wir am Fuß des Anstieges, wo Felix in einen kleinen Schlaf verfällt :bg:Man könnte langsam meinen, dass wir auf unserer Tour nur gegessen und geschlafen haben.
Jedenfalls ringen wir uns irgendwann durch den Aufstieg anzugehen, bis wir fast oben angekommen eine Verteidigungsanlage vorfinden.

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Neugierig betreten wir die Anlage und entecken am hinteren Ende ein kleines "Höhlensystem" . Die Stirnlampen ausgepackt begeben wir uns auf Erkundungstour.

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Etwas verwundert sichten wir in der Höhle lauter Klamotten und sonstige Dinge, die Menschen eigentlich nicht freiwillig zurück lassen. Wir wissen nicht was es damit auf sich hat, aber wir wollen nicht zu viele Gedanken daran verschwenden. Einige Zeit klettern wir noch in der Anlage herum, bis wir die Fahrt fortführen.
Leider verläuft die Via Claudia im Anschluss auf einer sehr stark befahrenen Bergstraße - ganz Italien scheint am heutigen Tag auf ihr unterwegs zu sein. Wenigstens kommen wir so schnell voran und bald treffen wir auch wieder auf einen Radweg. So lassen wir die Alpen immer weiter hinter uns, langsamer wird alles flacher - leider :(
Wie immer beschließen wir gegen sechs Uhr Abendessen und Unterkunft sicherzustellen. Monte Belluno scheint uns hierfür sehr geeignet. Ein riesiger Supermarkt, beinahe amerikanischen Ausmaßes, wartet mit allerlei Leckereien auf, die man sich vorstellen kann. Wir entscheiden uns stilgerecht für Pasta mit Tomatensoße, Ciabatta und Schninken. Yammi!
Aber noch sehr viel besser als unsere Einkäufe sollte unsere heutige Unterkunft sein. Nachdem wir eine erste Absage kassieren geraten wir an das haus eines Weinbauers. Ein kleinerer Musteritaliener steht im Innenhof und nimmt Notiz von uns. (Unten rechts im Bild)

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Freundlich lachend kommt er auf uns zu. Direkt wird uns ein kleiner, wenn auch zu erwartender Dämpfer verpasst - mit Englisch kommen wir hier nicht weiter. Felix muss erneut mit seiner kleinen Vokabelliste herhalten. Nachdem noch Nachbarn zu unserer kleinen Versammlung hinzugestoßen sind, scheint es so langsam allen zu dämmern was wir wollen. Zu unserer Überraschung scheint es den Weinbauer Giovanni noch viel mehr zu begeistern als unsere blose Anwesenheit. Er führt uns in die Scheune und zeigt uns seinen riesigen Bottig voller selbstgemachtem Wein. :bg: Er gönnt sich einen Becher und deutet uns an, dass wir uns gerne bedienen dürfen. Unser Schlafplatz befindet sich also direkt neben einem Weinfass? Hört sich gut an!
Giovanni zieht sich in sein Haus zurück und wir wollen gerade auspacken, als er wieder zurück kommt. Seine heftige Gestikulierung und das immer wiederkehrende Wort "mangiare" zeigt uns, dass wir zum Essen geladen sind. Jedoch betreten wir nur zögerlich seine Behausung - haben wir auch wirklich alles richtig verstanden?
Als wir das Esszimmer erblicken sind wir erleichtert. Der Tisch ist für fünf Personen gedeckt.

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Schwester Agnes steht gerade am Herd und bereitet das Essen. Sie lebt seit 27 Jahren in Nazareth und besucht ihren Bruder Giovanni alle vier Jahre.
Nach dem Essen führt uns Giovanni durch seine Obstgärten. Das Grundstück offenbahrt uns einen letzten wunderschönen Blick auf den Alpenrand.

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Wie schon die ganze Zeit folgt uns Giovannis tappsiger Hund "Sascha" auf Schritt und Tritt.

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Bei den Obstwiesen angekommen werden wir kiloweiße mit Pflaunen und Birnen beladen. Super dieses ungespritze Gemüse - da kann man auch mal über den ein oder anderen Wurm hinwegsehen.

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Zurück am Haus wartet die nächste Überraschung. Schwester Agnes bietet uns an im Haus zu schlafen. Wie immer sind wir etwas unsicher, ob wir das Angebot annehmen sollen. Natürlich wollen wir, aber wie viel Gastfreundschaft darf man annehmen? Ein Dilemma das uns bis zum Ende der reise begleiten soll. Letztlich beziehen wir das Haus. Schwester Agnes deutet auf einem Schild über dem Eingang: Ospitalità. Wir sind uns sicher, dass wir heute keine Belastung darstellen.

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Und als wär der Abend nicht schon interessant genug, bekommen wir auch noch Besuch von Verwandten. Michele, seine Tochter Marie und seine Frau, deren namen uns leider entfallen ist. :ignore: Michele spricht sogar ein sehr einfaches, solides Englisch. Eine Rarität unter Italienern seines Alters. Marie ist etwas schpchtern und geizt mit ihren Deutschkenntnissen. Ganz zur Unterhaltung der gesamten Runde.
Dank Michele können wir nun endlich ordentlich mitteilen, was wir denn vorhaben. Begeisterung macht sich breit, nur die Mutter von Marie scheint eher daran interessiert zu sein, dass wir endlich duschen, als noch mehr Geschichten von den verschwitzten Deutschen zu hören. :bg:
Irgendwann gehen wir dieser Bitte auch nach - zuvor schießen wir jedoch noch ein Abschiedsfoto.

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Frisch geduscht schaut Felix noch Sissi mit Giovanni. Wild gestikulieren sie mit Handys und anderen Gegenstände um ausreichend präzise über Sissi fachzusimpeln. Ein gottgleicher Anblick!
Ein wirklich toller Tag voller unglaublich erfreulicher Erfahrungen geht zu Ende mit einem grappagetränkten Espresso. Wir sind mal wieder genau an den Richtigen geraten.

Starkbier
08.09.2011, 14:56
Tag 14 - 17. Juli 2011

Montebelluna - kurz hinter Udine, ca. 160km

Der Morgen bei Giovanni steht ganz im Zeichen des Vortages. Als wir aufwachen wird uns sofort ein Frühstück bereitet samt dem besten Kaffee der Tour. Logisch, ist ja auch Italien. Aber als sei das noch nicht genug, bekommen wir eine vollgefüllte 1,5 Liter Flasche Wein geschenkt.

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Unsere Rucksäcke drohen bald zu platzen. Nicht nur die üppigen Einkäufe des Vortages sind auf Grund der Gastfreundschaft noch fast unangetastet, auch die 2kg Obst wollen noch untergebracht werden. Letztlich passt aber alles und wir sind startklar.
Wir wissen gar nicht, wie wir unseren Gastgebern danken sollen. Natürlich lassen wir uns auch hier die Adresse geben, aber wir wissen, dass wir niemals so viel zurückgeben können, wie wir in den letzten Stunden bekommen haben. Einfach unglaublich! Giovanni und Schwester Agnes haben sich eindeutig zu den Helden unserer Reise gemausert. Noch Tage und Wochen später erinnerin wir uns immer wieder gerne an diese Begegnung.

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Wir verabschieden uns herzlich und verlassen fast schon etwas wehmütig das Gelände. Es war eindeutig ein Ort, an dem wir auch gerne noch einen zweiten Tag geblieben wären - und zwar nicht nur wegen dem Wein :bg:
Michele hatte uns gestern schon gewarnt, daher geht es ähnlich weiter wie zuvor - Radwege werden immer mehr zur Mangelware. Wir fahren auf großen Straßen, was sehr anstrengend ist. Der italienische Fahrstil tut sein übriges dazu. Wir beschließen heute ordentlich voran zu kommen, um den unschönen Abschnitt bis Slowenien möglichst schnell zu überbrücken. Als irgendwann die Rucksäcke drücken, werden die Vorräte etwas dezimiert. Wir kochen uns eine Portion Nudeln und gönnen uns ein wenig Wein - stilecht aus einem Plastikbecher :ignore:

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Wein und Mittagssonne...wir haben immernoch nichts gelernt :D

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Irgendwann raffen wir uns jedoch auf und quälen uns die Straße runter. Auf ein Mal treffen wir auf eine große Gruppe radler. So eine Art Radrennen scheint es zu sein. Sie scheinen in unsere Richtung zu fahren, also folgen wir ihnen und tatsächlich geraten wir so doch noch auf einen Radweg. Dieser trägt uns auch recht weit, so dass wir am Abend an einen kleinen Ort hinter Udine gelangen. Den Namen haben wir leider nirgends aufgeschrieben. Verdammt.
Da wir noch genug zu Essen und zu Trinken haben fällt heute der abendliche Gang zum Supermarkt aus. Wir fragen eine Frau ob wir in ihrer Scheune schlafen können. Leider gibt es wohl keinen Platz, aber sie verschwindet kurz im Haus, telefoniert und kommt dann zurück. Es gäbe hier einen Sportplatz mit einer Überdachung, sie habe gerade nachgefragt und wir dürfen dort schlafen. Das hört sich doch gut an, vor allem da uns der Sportplatz wieder an unseren guten Freund Matthias Sammer erinnert.

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Nochmal werfen wir die Dosenkocher an und brauchen unser letztes Spiritus auf um uns ein paar Nudeln zuzubereiten.

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Leider passiert Felix beim Nudelwasser abgießen ein kleines Missgeschick. Die Panik steht ihm ins Gesicht geschrieben.

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Sein Plan, die heißen Nudeln in eine Plastikschale zu kippen erweist sich als weniger klug. Das Plastik schmilzt unter den Nudeln weg und bildet eine vorzügliche Schicht auf unserem Essen. Vielleicht nicht so gut wie Parmesan aber sicher ein würdiger Ersatz. Letztlich sieht das Menu aber akzeptabel aus. Inbesondere da noch Wein über ist.

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Als wir dann in unseren Schlafsäcken liegen fährt auf ein Mal ein Auto vor. Obwohl wir ja scheinbar die Erlaubnis haben hier zu schlafen, beobachten wir die Situation eine Weile. Schlussendlich ist die Aufregung jedoch umsonst - das Auto zieht davon und uns fallen die Augen zu.

Starkbier
08.09.2011, 16:06
Tag 15 - 18. Juli 2011

Udine - Tolmin, ca. 86km

Wir machen uns morgens früh auf die Socken, da wir möglichst schnell nach Slowenien wollen. Endlich etwas halbwegs fremd anmutendes.
Wir haben uns am vorabend dazu entschlossen, recht weit nördlich in Slowenien einzutrudeln um möglichst viel von der Soca zu sehen. Kobarid ist also das erste Etappenziel. Wir wählen einen recht direkten Weg, was leider wieder einige größere Straßen einschließt. Kurz vor der slowenischen Grenze knacken wir dann die ersten 1000km.

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Die 1000km werden feucht fröhlich verbracht. Aber keineswegs mit einem Sekt, sondern einem kleinen Regenschauer. Wir verziehen uns ein Weilchen unter das Tankstellendach und ziehen als bald weiter.
Kurze Zeit später die nächste Zwangspause. Manu fährt den ersten Platten der Tour. Damit hat er diese Wette verloren. Er schuldet dem Rest somit ein Bier. :bg:

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Halb so wild, flicken müssen wir erst später, ein neuer Schlauch ist schließlich im Gepäck. Unbeirrt halten wir auf Slowenien zu und erreichen bald eine einsame, leicht bergabführende Straße, die uns zur Grenze bringen soll.

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Schön ist es hier, endlich wieder Berge. Das steigert die Lust auf Slowenien. Nach wenigen Kilometern entspanntem bergab ist es dann soweit.

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Slowenien scheint sich jedoch nicht von seiner besten Seite präsentieren zu wollen. Kaum sind wir an der Grenzstation, beginnt es auch schon zu regnen. Und das nicht zu knapp.

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Wenigstens umfasst die Station einen Konzum-Supermarkt und wir können ein wenig Schokolade knabbern. Glücklicher Weise hält der Regen nur eine kurze Zeit an und wir dürfen endlich weiterziehen. Von der Grenze bis Kobarid ist es ein dauerhaftes auf und ab. Aber zumindest sind die Straßen einsam, kaum befahren und führen durch eine tolle Gegend.
Zu unserer Überraschung entdecken wir einige Schilder die auf einen Fahrradweg hinweisen. Da sagen wir nicht nein und folgen diesen blind. Die slowenische Auffassung von Fahrradweg scheint sich aber stark von unserer zu Unterscheiden.

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Wir kurven teils durch zugewachsene Wege und wissen auch oft nicht, wo genau der Weg denn nun verläuft.

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Spaß machts aber allemal. Letztlich finden wir den richtigen Weg und landen wieder auf der Straße. Als wir Kobarid erreichen sind wir erst einmal verblüfft. "Das Städtchen könnte auch in Deutschland stehen". Schöne Häuser, Restaurants, Hotels und aufgeräumte Straßen - so empfängt uns die erste slowenische Stadt. Keine Spur von Kinderschmugglern oder Ganoven. Tatsächlich sind wir in einer touristen Hochburg gelandet. Schnell wird auch klar warum. Die Soca ist einfach unglaublich schön und soll in Richtung Triglav Nationalpark noch schöner werden. Ein potentielles Ziel für die Zukunft.

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Bis und die Touristen auf die Nerven gehen schauen wir uns die kleine "Schlucht" an. Es ist noch ein Stück nach Tolmin also ziehen wir schnell weiter. Langsam scheint auch das Wetter besser zu werden und wir dürfen uns wieder an der Sonne erfreuen.

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In Tolmin angekommen kaufen wir erst ein Mal ein. Seltsam was die Slowenen in ihre Wurst tun.

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Letztlich schmeckt sie aber besser als es die Verpackung vermuten lässt. :bg:
In Tolmin wollen wir mal wieder unser Zelt aufstellen. Wir wissen nicht so recht wohin, also sprechen wir einen Mann an. Wie es der Zufall will, ist er aus Deutschland und hat mit dem Rad schon ein wenig die Gegend erkundet. Er empfiehlt uns, runter zur Soca zu fahren. Dort sei die letzten Tage ein Metal-festival gewesen und scheinbar gäbe es dort noch Dixi-Klos, Unterstände und es würde niemanden stören. Gesagt, getan gehen wir dem Tipp nach und finden den vermutlich schönsten Übernachtungsplatz der Tour vor.

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Die Soca ist erbärmlich kalt, aber wir trauen uns trotzdem rein. Einige Musiker sind noch hier, da am morgigen Tag ein Experimentalmusik-Festival stattfinen soll. Sie betrachten belustigt den Zirkus, den wir gerade im Wasser veranstalteten.

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Wie schon im Hintergrund zu sehen, zieht langsam Nebel auf, der dem Fluss eine wunderschön idyllische Stimmung verleiht.

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Wir braten uns ein wenig Rührei, steigen immer wieder in en Fluss und trinken ein paar Gläschen Wein. "Was wohl die Leute zu Hause treiben?" Wir sind uns einig, nichts zu verpassen und dass wir das eindeutig bessere Erlebnis vorweisen können.
Satt, gewaschen und bibbernd schlüpfen wir in unsere Schlafsäcke. Ein wohligeres Gefühl ist uns nicht bekannt.. Die Strandhütte unter der wir liegen sorgt noch für das nötige karibische Flair um sich wahrlich im Paradies zu fühlen.

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Joachim2011
08.09.2011, 16:33
Hallo,

klasse Bericht. Macht richtig Spaß zu lesen.

Mehr davon.

Gruß
Joachim

weserwolf
08.09.2011, 22:33
Dunnerkrach!

Mehr davon! Cooler Schreibstil!

ParaMHN
09.09.2011, 12:57
Ich schließe mich hier auch mal an: Die Tour ist Großartig und weckt Fernweh! Weiter, weiter! :)

Starkbier
09.09.2011, 13:18
Tag 16, 19. Juli 2011

Tolmin - Triest, 123km

Während dem Frühstück muss heute zunächst ein Mal über den weiteren Tourverlauf entschieden werden. Ursprünglich wollen wir nach Ljubljana, am Morgen reizt uns jedoch eher das Mittelmeer. Kurzerhand wird umdisponiert und wir folgen weiterhin der Soca in Richtung Triest.

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Die Fahrt nach Triest erfolgt recht ereignislos. Weiterhin begeistert Slowenien durch seine einsamen Straßen und das schöne Panorama. Lediglich Nova Gorica ist eventuell eine Erwähnung wert. Wer auch immer einmal dort hinmöchte, sollte sich lieber ein anderes Ziel suchen - es ist eine der abstoßensten Städte die wir je gesehen haben. :bg: Daher schlingen wir schnell unser Mittagessen hinunter und machen und schleunigst auf nach Triest.

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Gegen fünf Uhr kommen wir auch dort an und genießen den ersten Blick aufs Mittelmeer.

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Leider schaute das Wetter zu diesem Zeitpunkt schon nicht all zu gut aus, aber später mehr dazu.
Zunächst freuen wir uns einfach über die kilometerlange Abfahrt in die Innenstadt Triests. Schnell müssen wir jedoch feststellen, dass es keine besonders fahrradfreundliche Stadt ist. Wir sitzen zunächst in der Innenstadt fest, da der scheinbar einzige Weg aus Triest zur slowenischen Grenze über eine Autobahn führt. Nach langem hin und her finden wir einen außenherum führenden Weg über einen Hügel. Noch 20km bis zur Grenze. Als wir dort ankommen fällt uns eine kleine Landzunge ins Auge. Vor ihr steht ein großes Schild, das jegliches campieren mit dem Zelt oder Wohnmobil und offenes Feuer verbietet. Ein Blick um die Ecke bringt uns zum Lachen. Einige Wohnmobile und Zelte stehen uns gegenüber und wir erblicken auch das ein oder andere Feuer dazwischen. Slowenien ist uns einfach sympathisch. :bg:
So schlagen auch wir unser Zelt an dieser schönen Stelle auf.

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Manu baut sein Zelt akribisch nach allen Künsten des Campings auf, während Felix und Niko ihre Behausung schnell hinpfuschen um ein Bad im Mittelmeer samt feinem Rotwein zu geniessen. Manu muss sich viel Spott aus dem Meer anhören, letztlich wird er jedoch derjenige sein, der zuletzt lacht.
Nach ausgiebigem Bad kriechen alle in ihre Zelte. Zuvor hatten wir noch erfahren, dass es regnen soll. Soweit kein Problem. Als jedoch um zwei Uhr nachts ein Gewitter losbricht, das uns zum aller ersten Mal richtige Angst auf dieser Tour beschert, beginnen Felix und Niko um ihre Zelte zu bangen. Tatsächlich dauert es auch nicht sehr lange, bis der enorm starke Wind die ersten Heringe aus dem total aufgeweichten Boden reisst. Schnell wird versuch zu retten, was noch zu retten ist. Während Manu vor Nikos zelt rumturnt und versucht ihm zu helfen resigniert Niko verzweifelt. "Ach lass liegen, ich schlaf jetzt so!" :bg: Als die Isomatte und der Schlafsack zum Transport verpackt sind wird schnell barfuß über den felsigen Untergrund gespurtet. Autsch! Wir verfrachten das Gepäck in eine kleine Behausung.

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Zwar lässt es das Bild nicht gerade erahnen, aber wir sind bester Laune. Spätestens als Felix die Arme in die Luft schmeißt und im cast-away-Stil "ist das wirklich alles" ruft, bricht lauthalses Gelächter los. Unsere Campingnachbarn wagen sich aus ihrem VW Bus und wollen uns Decken und Regenjacken reichen. Ein total nette Geste, wir schlagen das Angebot jedoch aus - wir wollen unsere Dummheit selbst ausbügeln.
Außerdem ist doch alles im Butter, da wir noch Kekse haben. :bg:

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Wir stehen also in unserem kleinen Hüttchen und begutachten den Schaden. Die Isomatten sind gut durchnässt, aber das ist auch schon alles. Wir hoffen nur, dass die anwesenden Maden nicht unsere Ausrüstung verspeisen.

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Als der Regen nachlässt holen wir auch die Zelte ein und verpacken alles, um einen nahegelegenen Supermarkt zu missbrauchen. Unters Vordach wollen wir uns legen bis die Mitarbeiter auftauchen.

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Auch ohne Isomatte war es im Grunde recht bequem auf diesem Fußabtreter. So kommen wir also noch zu ein paar Stunden Schlaf. Was für ein Abend.

Starkbier
09.09.2011, 13:57
Ich möchte mich an dieser Stelle noch für den etwas verwirrenden Schreibstil entschuldigen. Ich rede aus diesem Grund auch von mir aus der dritten Person, da Felix und Manu auch noch Berichte schreiben werden und es dann einheitlicher ausfällt. ;-)

Und noch vielen Dank für das Interesse, macht das Schreiben deutlich einfacher.

Tag 17 - 20. Juli 2011

Triest - Rijeka, ca 120km

Nach dem durchaus amüsanten Desaster der letzten Nacht wachen wir nur halbwegs erholt auf. Da wir jedoch sowieso die Ausrüstung trocknen müssen und es immernoch regnet, haben wir noch etwas Zeit um zu relaxen. Wir legen uns also unter die slowenische Grenzstation und lassen die Isomatten ausdampfen. Bis um 12 Uhr dauert die ganze Prozedur und endlich scheint sich auch das Wetter zu beruhigen. Genauer gesagt wird es richtig warm. Während wir uns gestern noch über die tiefe Lage Triests gefreut haben, dürfen wir heute in süd-östlicher Richtung die selbe Höhe wieder überwinden. Zu unserem Entsetzen müssen wir feststellen, dass der Akku unserer Kamera schlapp macht. Rückbetrachtet besonders ärgerlich, da das Grenzgebiet von Slowenien und Kroatien unglaublich schön ist.
Eine einsame Bergstraße führt uns in Richtung Grenze. Kleinere, schön gelegene Dörfer begleiten uns, bis sie auf ein Mal vollkommen ausbleiben. Wir finden uns in einer menschenleeren Gegend wieder. Zwar sieht man einige Mauerreste, Ruinen und Kosorten, aber Menschen begegnen uns hier nicht. Eine angenehm zu fahrende Forststraße leitet uns zwischen zwei Bergen hindurch die durch ihre Vegetation eher an Peru erinnern als an Osteuropa. Wir überlegen zeitweise ob wir hier übernachten sollen, was allerdings bedeuten würde, dass wir ohne Essen dastehen würden. Der Hunger treibt uns letztlich durch weitere schöne Bergstraßen, an einem See vorbei und schlussendlich nach Rijeka. Die letzten 20km führen beinahe nur bergab. Die Schinderei hat sich allein dafür gelohnt.
Recht spät erreichen wir also Rijeka und suchen einen kleinen Imbiss auf. An deutsche Burgergrößen gewohnt bestellt jeder von uns zwei Cheesburger. Etwas verwundert nehmen wir die 20cm Burger an. Haben wir das bestelllt? Ein guter Einstand Kroatien.

Gesättigt aber sichtlich erschöpft stehen wir nun in dieser duruchaus großen Stadt und haben keine Ahnung, wo wir schlafen sollen. Ein Jugendlicher legt uns "den schönsten Platz Rijekas" ans Herz. Als wir am beschriebenen Platz ankommen finden wir jedoch den "ungeeignetesten Platz Rijekas" vor. Direkt neben einer recht hoch frequenzierten Straße, unter einer Brücke, abschüssig zum Abgrund hin und dann auch noch felsenübersäht. Wie zur Hölle sollen wir dort schlafen?
Ernüchtert fahren wir die Straße weiter hinauf in der Hoffnung, im oben gelegenen Dörfchen etwas zu finden. Wir fragen bei einer Familie nach, die gerade im Garten sitzt. Ein junger Kerl ergreift das Wort und hört sich unsere Bitte an. Hier gäbe es keinen Platz, aber 100m weiter sei ein leerstehendes Haus. Wir lassen uns dort hinführen und quetschen den letzten Saft aus unserer Kamera.

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Es sieht von außen schäbig aus und das war es auch von Innen. Aber uns gefällts. Wir geben dem Jungen unsere Kamera mit, da er uns angeboten hat, sie bei ihm zu laden.
Auf dem oberen Bild gibt es noch eine witzige Sache zu sehen. In der unteren Ecke sieht man Nikos Fahrradhandschuhe, die er am nächsten morgen verzweifelt suchen sollte. Dabei lagen sie die ganze Zeit dort draußen :D
Jedenfalls machen wir es uns bequem in unserer Bleibe. Ein umgekippter Schrank und alte Matratzen werden zum Bett.

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Von unserem Helfer erfahren wir noch die Geschichte zu diesem Haus. Direkt daneben sei eine alte Schule und das Haus gehörte einer Lehrerin. Diese sei vor fünf Jahren verstorben und anschließend habe die Dorfjugend (er nimmt sich selbst davon aus) das Haus verwüstet. Als er uns Geschichten von Gras und Unsinn über seine Clique und sich erzählt vermuten wir jedoch, dass er genauso an dieser Verwüstung beteiligt war. Wir können nur den Kopf schütteln. Aber wir sind zu erschöpft um uns den Kopf über die moralische Komponente unserer Übernachtungsmöglichkeit zu zerbrechen. Wir hoffen nur, dass wir vom Geist der alten Lehrerin verschohnt bleiben.

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sieb10er
09.09.2011, 18:12
Eine Tour genau nach meinem Geschmack 5sterne !

YoneX
09.09.2011, 19:12
Eine Tour genau nach meinem Geschmack 5sterne !

Dem schließe ich mich so an. Würde ich gerne nächstes Jahr auch machen, fehlt nur noch die passende Begleitung:roll:.

Sehr cool, weiter so :bg:

Starkbier
09.09.2011, 19:21
Tag 18 - 21. Juli 2011

Rijeka - Krk, ca. 60km

Am heutigen Morgen lohnt sich die Schinderei des letzten Tages. Ohne Eile können wir wohlerholt zu einer für uns humanen Uhrzeit aufstehen und die letzten Kilometer nach Krk strampeln. Wir checken also aus unserem Hotel aus, holen unsere Kamera zurück und bedanken uns.
Negativ wirkt sich jedoch der Blick auf die Karte aus. Wieder verwöhnt durch die Einsamkeit der Kroatischen Berge müsen wir heute erneut eine viel befahrene Straße befahren, die zu allem Überfluss so eng geraten ist, dass die Autofahrer nur wenige Zentimeter an unseren Lenkern vorbeischrammen. Nach gut zwei Stunden legen wir erstmal eine Pause davon ein und frühstücken an einem Supermarkt. Mal wieder werden wir von einem Mann angesprochen, der zu unserer Überraschung Deutsch spricht. Er hat lange in Deutschland gewohnt und versichert uns, dass wir in Kroatien mit Deutsch und Englisch sehr gut zurecht kommen werden. Meistens trifft das auch zu.
Zurück auf der viel befahrenen Straße sind wir kurze Zeit später an der Brücke in Richtung Krk. Endlich gibt es wieder einen abgetrennten Seitenstreifen, was wir mit einem Foto feiern.

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Allerdings kommen wir nicht reibungsloser voran als zuvor, da uns noch auf der Brücke der nächste Plattfuß erwischt. Dieses Mal ist es Niko. Und um es vorwegzunehmene - Felix wird die ganze Tour von Platten verschont bleiben, aber er wird noch ein anderes Erlebnis auf dieser Brücke "geniessen" :bg:

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Im übrigen kostet die Benutzung der Brücke Maut. Gute drei Euro sind für ein Auto fällig. Wir dürfen gratis durch.

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Weiter gehts auf der Hauptstraße der Insel. Der Seitenstreifen löst sich wieder in Luft auf und wir nehmen erneut den Kampf Autofahrer gegen Radfahrer auf. Irgendwann ist es uns zu blöd und wir fahren von der Hauptstraße ab. Irgendwie werden wir auch über Nebenstraßen ankommen. Tatsächlich ist es nach einigen Kilometern auch soweit und der letzte Anstieg gibt den Blick auf Krk, das Mittelmeer und die übrigen Inseln frei. Ab jetzt gehts nur noch bergab!
In Krk angekommen fahren wir direkt zur Promenade und schauen nach einer Touristeninfostelle.

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Wir wollen die restliche Woche auf Krk verbringen und suchen nach einem günstigen Zimmer. Uns wird ein Privatzimmer vermittelt, dass uns 51 Euro für vier Tage kostet. Damit können wir leben. So sehr wir auch den losgelösten Lebensstil schätzen und wir Freude an unseren unkonventionellen Unterkünften haben, freuen wir uns mal ein Paar Tage ohne diese Variable zu leben. Man merkt, dass dieser Lebensstil nur dadurch zum Vergnügen wird, da die Möglichkeit zur Rückkehr in ein geregeltes Leben immer möglich ist.

Freudig erblicken wir an der Promenade eine Imbissbude, die scheinbar die aus Rijeka bekannten Burger führt. Dieses Mal ordern wir nur einen und wir verbringen den restlichen Abend mit ein paar Bierchen an der Promenade.

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Ein abendliches Gewitter sorgt bei einem kleinen Jungen für Euphorie. Immer wieder fährt er mit seinem Fahrrad die selbe Route durch den Regen. Felix fragt ihn irgendwann, was er denn da treibt. "It's the first rain for weeks. Until now there have always been up to 40 degrees". Eigentlich wären uns die 40 Grad lieber, aber was sollls. Wir haben ja ein Dach über dem Kopf.
Solange es am Montag wieder richtig gut ist, sind wir zufrieden.

Tag 19 - 22. Juli 2011

Krk, ca. 0km :bg:

Bis 10 Uhr gibt es Frühstück. Wir bekommen es sogar noch um halb 11. Glück gehabt. Das Frühstück fällt unglaublich üppig aus. Verschiedene Wurstaufschnitte, Käse, Pasteten, Marmelade, Kaffe und Tee. Das haben wir nicht erwartet bei diesem Preisen. Beschweren wollen wir uns aber natürlich nicht.
Den heutigen Tag ernennen wir zum absoluten "Pflärz-Tag". Keinen Finger wollen wir rühren. Einfach an den Strand liegen und die Seele baumeln lassen. Tatsächlich spielt heute auch das Wetter mit und die Sonne scheint im Postkartenformat.
Was gibt es also zu erzählen von diesem Tag. Außer nichts-tun und Mädels hinterherglotzen :ignore: haben wir nichts getan, daher schnell weiter im Text.

Tag 20 - 23. Juli 2011

Nachdem wir gestern so faul waren wie jeder andere Tourist in Krk widmen wir uns heute der Ausrüstung. Solangsam vertragen unsere Klamotten eine Reinigung die jenseits von Bächen und Seen stattfindet. Es gibt wohl auch eine Wäscherei in Krk, die sich, welch Freude, am äußersten Ende Krks befindet. Naja, wir wollen mal nicht so zimperlich sein nach über 1000km. Wir bringen die Wäsche zu den glücklichen Auserwählten und warnen sie über den Geruchszustand unserer Garnitur.
Zu Hause angekommen dann der Schock. Ein paar von Nikos Sachen, darunter das durch den Regen in Triest extrem modrig geratenes Handtuch, wurde im Zimmer vergessen. Da hilft nichts, selber schrubben ist angesagt. Aber später! :D
Erst ein Mal gehts wieder an den Strand um noch ein wenig die Sonne zu geniessen. Gegen fünf Uhr holen wir unsere Klamotten ab und wir installieren eine Wäscheleine im Zimmer und hängen auch all die anderen Dinge zum Trocken auf. Generell räumen wir die Rucksäcke aus und verwandeln unser Zimmer in eine teure Müllhalde.

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Zum Glück ist die Hausbesitzerin nie in unser Zimmer gekommen. Auch den heutigen Tag beenden wir klassisch an der Imbissbude samt ein paar Bier.

Tag 21 - 24. Juli 2011

Im Grunde verläuft der Sonntag ganz ähnlich wie der Samstag. Wir müssen zwar nichts waschen, aber versorgen dafür heute die Fahrräder und packen die Rucksäcke wieder möglichst fertig.
Strand, Sonne, Bier, Burger...täglich grüßt das Murmeltier. Ich denke, diesen Tag können wir uns getrost sparen.

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So uninteressant er auch war, so erholsam und genial war er für uns. Trotz allem freuen wir uns morgen endlich wieder weiter zu kommen. Das Touristenleben sagt uns einfach nicht so sehr zu. Spätestens als uns Eltern in einer SMS als Weicheier bezeichnen wird es Zeit aufzubrechen. :bg:

Starkbier
09.09.2011, 19:33
Dem schließe ich mich so an. Würde ich gerne nächstes Jahr auch machen, fehlt nur noch die passende Begleitung:roll:.

Sehr cool, weiter so :bg:

Ich kann es dir nur wärmstens ans Herz legen. Ich bin jetzt schon traurig, dass es gar nicht so einfach ist in Zukunft nochmals so lange am Stück frei zu haben. Trotz allem wird es aber auch nächstes Jahr zu 100% wieder eine Reise geben. Und dieser Gefahr musst du dir bewusst sein. Nachdem du einmal so etwas gemacht hast, bist du mit hoher Wahrscheinlichkeit süchtig :bg:

mastersergeant
09.09.2011, 20:11
Einfach klasse :cool:

Starkbier
11.09.2011, 14:27
Tag 22 - 25. Juli 2011

Rijeka - Irgendwo im Nirgendwo, 100km, ca. 2200hm

Als wir um acht Uhr morgens die Tore des Frühstückraums stürmen ist unsere Gastgeberin sichtlich überrascht. Mit uns habe sie nicht gerechnet, so dauert es auch noch einige Zeit bis der Tisch gedeckt ist. Ein letztes Mal schlagen wir uns mit dem üppigen Frühstück die Bäuche voll und machen uns anschließend ans restlichen Packen. Schnell wir noch bezahlt und wir können endlich weiter.
Zunächst müssen wir erneut die Hauptstraße der Insel entlang. Allerdings entdecken wir dieses Mal einen Radweg. Waren wir blind bei der Hinfahrt? Jedenfalls kommen wir dadurch bedeutend angenehmer voran und dieses Mal bleiben wir auch von einem Platten auf der Brücke verschont. Wie bereits angekündigt passiert jedoch Felix ein Missgeschick. Dem schlechten Wetter geschuldet weht heute eine ordentliche Briese, die uns auf der Brücke mit voller Stärke von der Seite erwischt. Felix lenkt überrascht etwas zu stark dagegen und knallt mit dem Fuß gegen die Leitplanke, er kann sich jedoch gerade noch halten. Aufatmen! Bei dem Autoverkehr wäre ein Sturz nicht sehr vorteilhaft gewesen.
Wir erreichen das Festland und halten Ausschau nach einer fahrradtauglichen Straße. Die Hauptstraße wollen wir meiden. Nach wenigen Kilometern werden wir fündig, wobei wir für die knappen fünf Kilometer sicherlich eine halbe Stunde benötigen. Der Wind weht auch vom Festland her so stark, dass wir selbst im kleinsten Kettenblatt nur mühsam voran kommen. Wir ahnen, dass uns schlechtes Wetter entgegenkommt.
Aufgeben ist nicht, daher quälen wir uns weiter bis der Wind endlich nachlässt.
Wir schauen noch ein letztes Mal in Richtung Mittelmeer, bevor wir hinter den ersten Hügeln verschwinden.

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Die unbefahrene, ehemalige Autostraße sichert ein bequemes Vorankommen. Verflucht bergig dieses Kroatien.

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Wie schon oben erwähnt sollen wir heute über 2000hm absolvieren. Ständig geht es
auf und ab. Wenigstens finden wir wieder einsame Straßen. Nur wenige Autos
begegnen uns. Aber leider verläuft der Tag dennoch nicht so angenehm, da es nach guten zwei Fahrstunden anfängt zu Nieseln. Anfang des Tages freuten wir uns über die sub 20 Grad, in Kombination mit dem Regen frieren wir durchaus. Wir wollen keine Fleecepullover anziehen, da diese verschwitzt am Abend nicht mehr wärmen werden. So zittern wir uns durch die Hügel.

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Trotz allem ist es eine schöne Etappe. Lediglich als der Magen drückt, wird es etwas kompliziert. Die Infrastruktur ist nur halb so dicht wie wir es im Moment bräuchten und so müssen wir einige Kilometer fahren, bis wir endlich etwas zu Essen finden. In Kroatien steht am Orteingang fast jeden Dorfes ein Schild, dass über Einkaufsmöglichkeiten, Wäscherein und Unterhaltungsprogramm informiert. Das ist wirklich sehr praktisch. Endlich erreichen wir ein derartiges erlösendes Schild und wir können eine Kleinigkeit essen. Zum ersten Mal seit wir unterwegs sind haben wir alle so kalte Finger, dass das Tomatenschneiden schwer fällt. An warme Handschuhe hatte natürlich im Vorfeld niemand gedacht. Wozu auch, ist doch Sommer...eigentlich!
Normalerweise erfreulich entzieht uns die kommende Abfahrt noch mehr Wärme. Trotz Windblocker ist es kalt.
Wir beschließen in einem kleinen Ort, deren Namen uns leider entfallen ist, zu übernachten. Bewaffnet mit einer kroatischen Vokabellisten und der richtigen Gestikulation erklärt Felix einer älteren Dame wonach wir suchen. Wir haben bereits ein kleines Hüttchen entdeckt unter dem wir letztlich auch nächtigen dürfen.

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Gegenüber befindet sich ein Kino, allerdings ist es geschlossen und wir fragen uns auch, wer es überhaupt besuchen soll. Schnell bereiten wir unser standardmäßiges Essen zu, als ein weitere Prämiere ansteht.

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Ein Polizeiwagen fährt die Straße entlang. Wir fürchten schon Ärger zu bekommen, aber der Polizeiwagen fährt einfach vorbei. Drei sekunden später hören wir jedoch schon den Rückwärtsgang und sie fahren vor unsere Vesperstätte. Na prima! Kroatisch Polizisten, so wurden wir schon gewarnt, seien korrupt und sprechen seltenst Englisch. Leider sprechen sie tatsächlich kein Englisch. So können sie uns nach nicht viel mehr als Geld und unserem hiesigen Treiben fragen. Wir bestätigen Geld dabei zu haben und reichen ihnen unsere Personalausweise. "Passport!" wiederholt sich der Beamte. Wir deuten auf unsere Ausweise. "Das sind sie doch du Idiot" geht uns durch die Köpfe. Ein minutenlanger Anruf der Zentrale verschafft letztlich Klärung. Der andere Beamte steht derweilen vor uns und wir fürchten schon, dass wir unsere Rucksäcke leeren müssen. Wir hatten zwar nichts zu verbergen aber Lust hatten wir ganz und gar nicht. Nachdem jedoch klar ist, dass wir hier legal unterwegs sind ziehen sie einfach davon. Wir sind froh, dass alles reibungslos abgelaufen ist und verziehen uns so früh in die Schlafsäcke wie noch nie. Halb 9 zeigt die Uhr an und wir liegen bereits in unseren Betten. Vor allem weil uns kalt ist, aber wir sind auch fertig vom heutigen Tag. So liegt es sich einfach am besten im Schlafsack. ;-)

Starkbier
11.09.2011, 15:46
Tag 23 - 26. Juli 2011

Irgendwo im Nirgendwo - Zagreb, 123km

Nach den Strapazen des gestrigen Tages wachen wir heute von alleine früh auf. Neun Stunden auf den Isomatten ist auch unseren Rücken zu viel. Spätestens als wir das deutlich bessere Wetter erblicken hüpfen wir aus den Schlafsäcken. Im Dorf gibt es einen Spar, der uns ein günstiges Frühstück liefert. Es ist um halb neun schon richtig warm und wir saugen die ersten Sonnenstrahlen auf.
Nach der Stärkung geht es noch ca. einen Kilometer sanft bergauf, bevor wir einem riesigen Tal und kaum noch Bergen entgegenblicken. Satte 40km bergab stellen unser zweites Frühstück dar. Gerade einmal 80 Minuten benötigen wir für diese Strecke. So könnte es weiter gehen. Der restliche Tag wartet dann nur noch mit kleinen Hügelchen auf, lässt uns jedoch ansonsten gemütlich in der Ebene rollen.

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Zagreb heute noch zu erreichen stellt also kein Problem dar. Wir lassen es gemütlich angehen und sind eher unterwegs wie eine Horde geschwätziger Rentner als wie sportlich ambitionierte Reiseradler. :bg:
Trotz allem verlassen wir die Berge erneut etwas wehmütig, insbesondere da wir wissen, die nächsten Tage viel in der Ebene zu verbringen. In Richtung Zagreb begegnen uns immer wieder große Gruppen Reiseradler die uns jedes Mal mit tosendem Jubel begrüßen. Auch Wanderer und Trekker begegnen uns freundlicher als es jemals in den Alpen der Fall war.
Endlich im Außenbezirk Zagrebs angekommen beginnt wieder das übliche Großstadtfiasko. Viele Autobahnen führen in die Stadt hinein, die kleinen Straßen scheinen gut versteckt. Mit leicht strapazierten Nerven trudeln wir in Zagreb ein und fahren in Richtung Zentrum. Nur 750.000 Menschen bewohnen die Stadt, wobei die größe auf mehr Bewohner schließen lassen würde. Ewig fahren wir auf der Suche nach einem Internetcaffee durch die Gegend und werden letztlich auch fündig.

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Irgendwie sieht es ja viel mehr nach einem Stripclub aus und ebenso die lila Beleuchtung lässt darauf schließen, aber tatsächlich gibt es dort unten free w-lan. Blöd nur, dass wir es als iphone-Verweigerer nicht nutzen können. Dann bleiben die couchsurfing Anfragen eben unbeachtet. Irgendwie wirds auch so gehen.
Im Zentrum angekommen futtern wir eine Pizza und lauschen dem Großstadttrubel.

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Richtig begeistern kann Zagreb nicht. Zwar ist das Zentrum von schönen Altbauten gesäumt, die auch alle samt komplett renoviert sind, aber verschandeln Leuchtreklamen und Firmenlogos den gesamten Charme.
Viel hält uns hier also nicht und wir müssen ohnehin aus dem Zentrum hinaus um eine Unterkunft zu finden. Bezahlen wollen wir nämlich nicht. Zagreb ist von einem recht breiten Ring mtittelständischer Häuser umgeben, wo wir unser Glück versuchen. Eigentlich räumen wir uns keine guten Chancen ein und die Gedanken gehen bereits eher zum wildcampen. Tatsächlich grüßt uns eine Dreiergruppe sehr freundlich als wir vorbeifahren und wir beschließen nach deren Garage zu fragen. Da das Glück ein Rindvieh ist, können sie sogar Englisch und es ist ein Leichtes unser Vorhaben darzulegen. Die Garage sei eigentlich voll, aber sie werden die Autos umparken. Extra für uns? Eigentlich ist es uns äußerst unangenehm so viel Umstände zu bereiten aber unsere Gastgeber bestehen darauf. Nach kurzem Rangieren dürfen wir unser Quartier beziehen. Nur wenige Kilometer von Zagreb entfernt haben wir damit nicht gerechnet.

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Mal wieder fühlen wir uns vom Glück überwältigt, aber als sei es nicht schon genug gewesen, werden wir auf die Terasse gerufen. Dort wird auch klar, warum in diesem Haus so ein ausgezeichnetes Englisch gesprochen wird. Die Tante aus Toronto ist derzeit zu Besuch. Was für ein Glück. Aber trotz allem erreicht die Gastfreundschaft noch lange nicht ihren Höhepunkt. Der ebenso hier wohnende Sohn, ein studierter Anwalt, begrüßt uns sofort mit Bier. "Everything germans need, isn't it?" Wirklich widersprechen können wir nicht, gerade macht es uns wirklich glücklich.

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"Besser kann es nicht mehr werden Jungs!" Und es kam besser. Unsere Gastgeberin tischt uns ein Feuerwerk für die Sinne auf. "I hope it's okay, nothing special." Okay? Wir essen seit 25 Tage größtenteils nur Brot mit Wurstaufschnitt, da bringt uns so etwas fast zum Weinen. :bg:

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Interessiert wird unseren bisherigen Erlebnissen gelauscht und sie sind beeindruckt darüber, was wir noch vorhaben. Nach dem Essen dürfen wir noch duschen. Wir wissen nicht, ob aus Höflichkeit oder weil sie Angst hatten, den Geruch nicht mehr aus dem Haus zu bekommen. Jedenfalls müssen wir nicht Mal unsere Handtücher auspacken, dürfen ihr Schampo und Duschgel verwenden und sollen uns auch sonst wie zu Hause fühlen.
Die sehr nette Tante aus Toronto scheint besonders begeistert zu sein von uns. Besonders als Felix sein Shirt auszieht leuchten ihre Augen. :bg: "If you are in Toronto one time, you can sleep at my house." Schön, wie man sich auf Reisen ein kleines Netzwerk aufbauen kann.

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Satt, geduscht und wieder gesellschaftstauglich bietet uns der Sohn eine Stadtrundfahrt durch Zagreb an. Er kenne sich unglaublich gut mit den geschichtlichen Hintergründen aus. Da sagen wir nicht nein. So wird es ein unglaublich amüsanter Abend, vor allem, da wir am Ende das "zagreber Oktoberfest" aufsuchen. Wir werden auf Bier und Schnapps eingeladen, dürfen ihn jedoch im Gegenzug nicht einladen. "You are my guests today." Zwei Bier und zwei Schnäpse kühlen unsere Kehlen. Er trinkt das selbe und fährt uns anschließend wieder nach Hause. Man merkt es ihm nicht an. Auch seine Kompetenz lässt sich nach. Wir reden viel über die Spannungen zwischen Bosnien und Kroatien, reden über die soziale und ökonomische Situation Kroatiens und erfahren auch sonst viel über die Geschichte des Landes. Obwohl wir eigentlich auch Freunde des einsamen Campens an idyllischen Plätzen sind, wissen wir diese Form des Unterkommens immer mehr zu schätzen.
Zu Hause angekommen begeben wir uns alle ins Bett. Einer von uns vieren muss schließlich morgen arbeiten. :bg:
Der Abend wird mit der Hoffnung beschlossen, dass karmische Gerechtigkeit schlichtweg ein Mythos ist. Ansonsten müsste uns bald wirkliches Unglück widerfahren.

Starkbier
12.09.2011, 13:52
Tag 24 - 27. Juli 2011

Zagreb - Mala Subotica, 91km

Wohl erholt wachen wir in unserem Garagendomizil auf. Doch lange soll dieser Zustand nicht anhalten, da wir eine ärgerliche Entdeckung machen. Die gestern Abend eingestöpselte Kamera scheint auf Grund eines Kabelbruchs nicht geladen zu sein. "In Zagreb wird es schon nicht so schwer sein ein Kabel für eine Kodak aufzutreiben." Wir täuschen uns leider in diesem Moment.
Noch recht entspannt schlürfen wir zu unseren Gastgebern und erzählen ihnen von unserem Problem. "Breakfast now, problems later." Wir sind einverstanden und frühstücken eine Kleinigkeit.
Anschießend wollen sie uns den Weg zu einem Elektroladen beschreiben, wobei sie diese Idee schnell verwerfen. Der Hausherr beschließt mit Niko loszuziehen um ein neues Kabel zu besorgen. Satte 1,5 Stunden sollen sie weg sein. Drei Elektro- und Fotogeschäfte erbringen nicht das gewünschte Ergebnis. Allmählich vergeht die Hoffnung, als unserem Helfer doch noch die zündende Idee kommt. Es gäbe so ein Geschäft von dem er gehört habe, er wisse allerdings nicht genau wo es ist. Telefonische Rücksprache mit zu Hause grenzt den Bereich auf wenige Quadratkilometer ein. :bg: Tatsächlich findet er das Geschäft. Drei Meter Deckenhöhe, max. zehn Quadratmeter Fläche und alle Wände sind von Platinen, Tv-Geräten, Radios, PCs und sonstigem Elekktrokrempel gesäumt. Ein Eldorado für Bastler und Elektronikfreunde. Der nette Mann wirft ein, zwei kurze Blicke auf das Kabel und beginnt mit kleinen Zangen, Lupe und Lötkolben zu hantieren. Nachdem alles neu verlötet ist ummantelt er das Ergebnis noch mit geschmolzenem Plastik und reicht das Kabel rüber. Er wolle nicht mal bezahlt werden, trotzdem bekommt er einen Obolus. Zu unserer Verzweiflung allerdings nicht von Niko, sondern von unserem Gastgeber. Mittlerweile dürften sie gute 300 Kuna für uns ausgegeben haben. Wir fühlen uns schlecht.
Trotz dessen kehrt Niko völlig begeistert zurück und präsentiert das Ergebnis. "Funktioniert sicher besser als davor"

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Während die Kamera nun endlich Saft saugen kann, sitzen wir noch mit der ganzen Familie auf der Terasse und lassen uns die Sonne auf den Bauch scheinen. Es ist eindeutig ein Ort, an dem wir gerne noch einen Tag länger bleiben würden. Nicht weil wir dort Essen bekommen haben, nicht wegen der Dusche, sondern schlichtweg wegen der netten Leute. Sie interessieren sich für uns und scheinen Verständnis für unser Vorhaben und unsere Motivation zu haben. Ein gutes Gefühl.
Zum einen wollen wir aber die Gastfreundschaft nicht weiter austreten zum anderen wollen wir auch weiter voran kommen. Gegen 12 Uhr packen wir unser Zeug zusammen und werden herzlichst verabschiedet. Schnell essen wir noch etwas bei McDoof bevor wir Zagreb hinter uns lassen.
Einige Kilometer erreichen wir wieder den status quo und finden uns auf einer einsamen, jedoch gut ausgebauten Straße wieder. So kommt man gut voran.

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Ursprünglich wollten wir schon heute bis nach Ungarn fahren, aber unser verzögertes Loskommen verhindert das. Nach guten 90 Kilometern sind wir in Mala Subotica. Während wir am Supermarkt sitzen beraten wir uns zwecks Übernachtung. Gern würden wir mal wieder die Zelte aufschlagen, doch die Wettervorhersage verheist nichts gutes. Und eigentlich haben wir keine Lust den morgigen Tag bei Regen im Zelt zu beginnen. Wir beschließen also das "Standartverfahren" anzuwenden.
Wir fahren etwas in das Dorf hinein und finden ein paar Leute in ihrem Garten stehen. Der 16-jährige Sohn spricht sogar Englisch, was alles sehr erleichtert. Ohne große Skepsis werden wir in den Garten geführt. Die heutige Nacht soll jedoch von einer Todsünde geprägt sein - wir schlafen in einem fremden Zelt. :bg: Unsere Gastgeber stellen ihr eigenes Zelt in den Garten. Obwohl diese Leute (und im Gesamten das Dorf) bedeutend ärmer ausschaut als die Gegend in und um Zagreb, ist ihre Gastfreundschaft auf dem selben Niveau.

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Überraschend stürmt die Großmutter aus dem Haus und bringt uns ein Tablett voll Essen. Frittierter Fisch, Zwiebeln, Brot und Tomaten. Sie scheint sich irgendwie fast zu schämen uns "nur" so eine "Kleinigkeit" aufzutischen. Mehrfach versichern wir, dass das viel mehr ist als wir uns erhofft haben.

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Nachdem wir gegessen haben kommt der Hausherr an. Er ist bereits informiert und spricht ebenfalls Englisch, da er viel auf Bikertreffen unterwegs ist. Er nennt eine Harley Davidson (oder war es eine Yamaha? :ignore:) sein Eigen, die er jedoch schon so lange abbezahlen muss, wie man hier zu Lande Mittelklassewägen abzahlt. Wir zweifeln zum ersten Mal an unserer Art unterzukommen, als er uns nach den Preisen der Fahrräder fragt. Felix sagt ihm, dass seines etwa 700 Euro gekostet hat. Verblüfft gibt der Mann zu, dass er hierfür fast zwei Monate arbeiten muss. In Anbetracht des Gesamtwerts unserer Fahrräder und der Ausrüstung sind wir wirklich bestürzt. Wir haben so viel mehr an finanziellen Mitteln und nisten uns trotzdessen bei ihm zu Hause ein und werden versorgt. Wir befinden uns in einem echten Dilemma, das auch am Abend Gesprächsthema sein soll.
Gegen später trudeln wir mit dem 16-jährigen Sohn in einer neu eröffnete Bar ein. Er vermitteln dem Barkeeper, dass er mit uns Englisch reden solle. Er denkt sich nichts dabei und hält sich daran. Wir drei reden untereinander Deutsch, als plötzlich der Barkeeper zu uns kommt "warum sagt ihr eigentlich nicht gleich, dass ihr aus Deutschland kommt?" Man hört drei Kinnladen auf den Boden knallen. Im kroatischen "outback" begegnet uns hier ein gebürtiger Deutscher. Mitte 20 ist er und hat sich dazu entschlossen, mit seiner Schwester eine Bar in Kroatien zu errichten - hier habe er seine Wurzeln.
Ein weiteres Mal erzählen wir unsere Geschichte und vor allem seine kleine Schwester hält uns für total verrückt. Vielen Dank! Wir bekommen das ein oder andere Getränk spendiert, lassen ein gutes Trinkgeld da und schießen noch ein Abschiedsfoto.

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Felix scheint es nicht mehr hinbekommen zu haben, die Kamera ruhig zu halten. :bg:
Wir laufen nach Hause zu unserem Fremdzelt, wobei es zunächst nur Niko und Felix ins Zelt schaffen. Verwundert fragen sie sich wo Manu bleibt, als die Geräuschkulisse auserhalb des Zeltes auf ein Mal Aufschluss darüber gibt. :bg:
Ein toller Abend geht vorbei.

Starkbier
12.09.2011, 14:35
Tag 25 - 28. Juli 2011

Mala Subotica - Eszteregnye, ca. 50km

Wie schon gestern befürchtet regnet es am Morgen. Alle noch geschafft vom letzten Abend wachen wir blöderweiße erst auf, als der Zeltboden zum Swimmingpool geworden ist. Das Wasser steht so hoch auf der Wiese, dass es einfach in unsere Behausung gedrungen ist.

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Sobald es regnet scheint uns immer das Glück zu verlassen. Aber halb so wild, dieses Mal haben wir ja eine bequeme Überdachung und können unsere Ausrüstung trocknen. Unsere Gastgeber haben wohl ein schlechtes Gewissen, da sie uns in einem undichten Zelt haben schlafen lassen. Wir sind ihnen jedoch keineswegs böse. Jedenfalls bekommen wir ein kleines Frühstück.

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Nun sitzen wir also bei diesen fremden Leuten, es schüttet wie aus Kübeln und wir können bzw. wollen bei diesem Sauwetter nicht weiter. Zum ersten Mal ist die Stimmung richtig im Keller. Nicht weil die Ausrüstung nass ist, sondern weil wir heute schon wieder ungeplant so spät loskommen werden. Erst gegen ein Uhr lässt der Regen nach und wir beschließen loszufahren.
Uns wird angeboten, dass Zelt mitzunehmen und Manu wird noch eine dicke Lederjacke in die Hand gedrückt, da er ohne Jacke im Garten steht. Wir müssen uns richtig Mühe geben um die Freundlichkeiten abzulehnen.
Als wir endlich wieder auf dem Weg nach Ungarn sind scheint da Wetter einigermaßen stabil zu sein. Zwar nicht schön, aber wenigstens trocken.

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Lediglich die kilometerlangen kurvenlosen Straßenabschnitte machen uns zu schaffen. Nach gut 1,5 Stunden kommen wir endlich zur Kroatisch-Ungarischen Grenze. Wir amüsieren uns über die ungarische Sprache. "Als ich als kleines Kind auf einer Schreibmaschiene rumgetippt habe, kam auch Ungarisch dabei raus."

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An der ungarischen Grenze wird wieder ein Mal leicht verwundert auf unsere Personalausweise geglotzt und der Beamte verschwindet für einige Minuten. Wir erwarten schon, dass die Ausweise gestempelt und gelocht werden. Letztlich läuft alles problemlos ab.
Kurz vor Nagykanizsa öffnet der Himmel erneut seine Schleusen und ein Regen von apokalyptischen Ausmaßen prasselt auf uns herunter. Schutzlos ohne erreichbaren Unterstand sind wir in wenigen Sekunden komplett durchnässt. Wenigstens haben wir geduscht für heute. All zu weit wollen wir heute nicht mehr fahren. In einem 50 Seelen Dorf finden wir einen Tante Emma Laden (gibt es in jedem kleinen Dorf in Ungarn) und beziehen eines der abartigsten Nachtquartiere der Tour. Eine alte Fabrik lacht uns am Ortseingang entgegen. Schaut "gut" aus.

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Überall liegen diese roten und weißen Düsen herum. Wir finden noch lauter Bücher mit Arbeiternamen, Bestellungen, Adressen und sonstigen Information. Die Fabrik sieht aus, als wären über Nacht die Arbeiten eingestellt worden. Ein seltsamer Anblick. Wir bauen noch einen kleinen Sicht- und Windschutz vor die Fenster und die Tür, bevor wir uns breit machen. Anschließend gönnen wir uns ein Kontrastprogramm, da gegenüber ein recht edles Restaurant liegt. Es schmeckt auch fantastisch, v.a. da ein Schnitzel grandiose drei Euro kostet. Die Bedienungen reden alle samt Deutsch und die Karte ist ebenso verständlich für uns. Danach wieder in unsere Absteige zurückzukehren belustigt uns durch seine Absurdität.
Wir zünden noch ein kleines, möglichst rauchfreies Feuer an, um der Kälte und Feuchtigkeit des Raumes etwas Einhalt zu gebieten. Tatsächlich reicht die kleine Flamme dafür aus.

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Schnell noch die ganze nasse Wäsche auf einer Wäscheleine verstaut, legen wir uns zufrieden schlafen.

Starkbier
13.09.2011, 13:16
Tag 26 - 29. Juli 2011

Eszteregnye - Siófok, 105km

Etwas seltsam ist es ja schon, in einer solchen Fabrik zu schlafen. Aber nachdem man gestern so nass geworden ist, hält einen das nicht davon ab, auch dort volle Erholung zu erlangen. Voller Tatendrang beginnt der morgen direkt mit einem kleinen Wettkampf. Die zu tausenden herumliegenden Ventile werden kurzer Hand dafür benutzt, um in ein offenes Rohr zu werfen. :bg:

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Es dauert jedoch nicht lange, bis das Spiel eskaliert und jeder nur noch dutzende von diesen Teilen quer durch den Raum befördert. Irgendwann sind wir halb bedeckt und beschließen, dass wir weiter müssen.
Wir wollen heute auf jeden Fall zum Balaton und dort auch ein paar Tage verbringen. Da Ungarn bezüglich seines Terrains den Niederlanden sehr ähnlich ist, kommen wir schnell voran.
Das Wetter ist auch heute nicht überragend aber wenigstens bleiben wir den ganzen Tag über trocken.

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Felix scheint noch ein wenig müde zu sein, aber das ist bei ihm nichts neues - wir nennen ihn nicht umsonst Sleepy.
Angekommen am Balaton erblicken wir einen relativ schmutzig anmutenden See. Vielleicht lag es auch am Wetter aber wir haben es uns schöner vorgestellt.

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Da der Tag noch jung ist, wollen wir noch bis ans nördliche Ende des Sees fahren. Unterwegs bekommen wir erneut eine Kostprobe ungarischer Sparpreise.

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Wir hoffen, auch in Siofok etwas derartiges zu finden. Entlang des Balatons führt ein Radweg, was eine schöne Abwechslung zu den viel befahrenen Straßen Ungarns darstellt.
Auf halbem Weg belustigt uns Felix mit einem grandiosen Stunt. Bei der Durchfahrt einer größeren Pfütze nimmt er seine Füß hoch von den Pedalen, schafft es allerdings durch seine motorische Unfähigkeit, seinen eigenen Fuß in die Speichen des Vorderrades zu buxieren. Ein Abflug über den Lenker in Richtung Pfütze ist das Ergebnis. Der Darsteller verneigt sich vor seinem begeisterten Publikum.

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Entgegen all unserer Hoffnung verschlechtert sich das Wetter weiterhin und der Balaton verliert noch mehr seiner "Schönheit".

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In Siofok angekommen suchen wir nach einer Unterunft. Obwohl der Balaton nicht so überragend zu sein scheint, wollen wir doch ein paar Tage hier verbringen. Im Touristenbüro wird uns gesagt, dass wir unglaubliches Gluck haben, da eine Wohnung genau bis Montag frei sei. 15 Euro pro Person scheint uns in Ordnung und wir schlagen zu. Der Hausherr, der mit seinen gelb glänzenden Faulzähnen begeistert,, führt uns in unser Reich. Wir sind positiv überrascht.

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Wir hätten nie gedacht, dass es einmal soweit kommt, doch wir haben deutsches TV und wissen es zu schätzen - egal was für ein Müll kommt.
Am besten ist es jedoch, endlich mal wieder ordentlich kochen zu können.

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Sieht eigentlich ganz akzeptabel aus...nach dem Essen schauen wir noch ein paar Filme und gehen zum ersten Mal richtig spät ins Bett. Ein durchaus gutes Gefühl.

Feurio
13.09.2011, 16:20
Nice!

Starkbier
13.09.2011, 16:38
Tag 27-28, 30-31. Juli 2011

Die Tage in Siofok ähneln der Tage auf Krk. Eigentlich treiben wir nicht viel Forumrelevantes. Essen, Trinken, Schlafen sind die Eckpfeiler unseres Aufenthaltes. Ich denke, wir können es uns gut und gerne sparen und wir machen direkt am Montag weiter. Das einzig erwähnenswerte ist vermutlich, dass direkt vor unserer Wohnung das Fußballstadion steht, in dem am Samstag Siofok gegen Budapest spielt, was ein großes Polizeiaufgebot nach sich zieht.

Tag 29, 1. August 2011

Siofok - Cegled, 201km

Der Partyhochburg überdrüssig starten wir früh am Morgen und übergeben die Schlüssel dem Hausherrn. Das Wetter scheint unverändert - graue, warme Suppe.
Wir planen eigentlich, heute etwas mehr als die Hälfte der Strecke nach Szolnok zu absolvieren. Letztlich kommt es anders.
Aber für die jenigen, die sich zurecht fragen, was wir in Szolnok vorhaben. Unsere heimische Schule startet jedes Jahr einen Austausch mit Schülern aus Szolnok. Daher haben wir dort einen Kontakt, den wir besuchen wollen.
Wir starten also wieder in die riesigen, flachen Felder Ungarns und erfreuen uns am schnellen Vorankommen.

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Die Freude hält jedoch nicht lange an, da wir eine unbequeme Begegnung mit einem Hund haben. Als wir an einem Fabrikgelände vorbeifahren bellt uns ein Hund wie verrückt an. Zum Glück steht ein Zaun zwischen uns. Unbeirrt wird die Fahrt fortgesetzt, bis sich der Hund durch ein Loch im Zaun drückt. Wie gebannt verfolgen wir diesen Vorgang und hoffen darauf, dass er stecken bleibt. Leider schafft er es durch und wir legen alles in die Pedale was die Beine hergeben. In voller Fahrt sind wir glücklicher Weise eine ganze Ecke schneller als der olle Köter. Nach gut 100m lässt er auch wieder von uns ab.
Wenige Kilometer später dann der nächste Zwischenfall. Wir fahren wieder an einem Fabrikgelände entlang, als auf ein Mal zwei Hunde vor uns stehen und durchaus nicht erfreut sind. Kurz bevor sie an uns hochspringen stößt der Besitzer hinzu und pfeift seine Wachhunde zurück. Als Entschuldigung dürfen wir durch das ansonsten unzugängliche Fabrikgelände fahren. Glück im Unglück.

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Wir hoffen, dass aller guten Dinge nicht drei sind und ziehen weiter. Aber tatsächlich dauert es nicht lange, bis die nächste Panne ansteht. Manu fährt seinen nächsten Platten. Immerhin angenehmer als eine weitere Hundeattacke.

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In Richtung Donau wird das Wetter immer besser, wobei teils kleine Regenschauer runterkommen.

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An der Donau angekommen müssen wir eine Fähre nehmen. Die ersten Kilometer, die wir nicht selbst bewältigen. Schande! Und dann kostet es auch noch zwei Euro pro Rad und Person für vielleicht 300m. Eine Brücke, so wird es uns versichert, gäbe es erst in Budapest. :bg:

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Wenigstens siegt die Sonne auf der anderen Seite vollständig über das schlechte Wetter. Auf dem Weg nach Dabas wird es immer sonniger.

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Irgendwann geht jedoch auch in Ungarn die Sonne unter und es macht sich ein seltsamer Plan in unseren Köpfen breit. Da es hier schwer fällt, einen Schlafplatz zu finden, weil alles voller Felder ist und wir uns nicht in solche legen wollen, beschließen wir, ein paar Stunden in die Nacht zu fahren. Schnell werden die Lampen angelegt und wir essen noch einen Happen.

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Es ist noch angenehm warm als wir uns auf die Räder schwingen. Anfangs macht es richtig Laune im Dunkeln zu kurven, letztlich sorgt die Dunkelheit aber doch für Müdigkeit. Wir wollen noch die 200km voll machen und dann irgendwo ein wenig schlafen. In Cegled ist es schließlich soweit. Halb Drei Uhr nachts zeigt die Uhr an, als wir uns unter ein Lidl-Vordach legen. Wir lassen alles verpackt und wollen nur bis zum Sonnenaufgang warten um dann schnell nach Szolnok zu fahren. Wirklich schlafen tun wir als nicht, aber auch die Döserei sorgt für ein wenig Entspannung.

Starkbier
13.09.2011, 17:25
Tag 30. - 2. August 2011

Cegled - Szolnok, 30km

Kurz vor sechs Uhr "wachen" wir auf. "Man war das eine blöde Idee gestern." Was tut man nicht alles für seinen verrückt-Status.

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Für Felix und Niko sind die Strapazen jedoch schnell vergessen, da Manus Reifen schon wieder platt ist. Lautes Gelächter verbessert Manus angespannte Laune nicht gerade. :bg:
Halb so wild, wird schnell geflickt und die letzten Kilometer nach Szolnok runtergestrampelt.

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Während dessen erreichen wir noch die 2000km Marke, zumindest ungefähr. Unser Kilometerzähler wurde zwischendurch ausversehentlich gelöscht.

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Gegen neun Uhr trudeln wir in Szolnok ein und fragen uns zur gegebenen Adresse durch. Endlich angekommen begrüßt uns Ivett, unser Kontakt. 19 Jahre alt wird sie bald und studiert seit diesem Wintersemester in Budapest. Sofort werden wir bekocht und versorgt wie im Hotel. Den restlichen Tag nutzen wir zur Erholung.

Tag 31-35 - 3.-7. August 2011

Schon wieder legen wir eine Pause ein. Wir verbringen satte fünf Tage in Szolnok. Was soll man erzählen. Wir lernen aller hand witzige Ungarn kennen, lernen die Verwandten kennen, sind Abends in der Stadt unterwegs und lassen es uns gut gehen. Es ist eine tolle Zeit dort. Aber da die letzten Aufschriebe viel von Ruhetagen geprägt waren, fass ich es wieder kurz. Szolnok ist keine sonderlich interessante Stadt, aber unsere netten Gastgeber und Ivetts interessante Freunde machen es dennoch zu einem Erlebnis.

Tag 36 - 8. August 2011

Szolnok - Budapest, 112km

Am Montag kommen wir nach einem ausführlichen Frühstück erst gegen 12 Uhr los. Unser Gastgeber, den wir liebevoll Joe nennen dürfen, fühlt sich für uns verantwortlich und legt uns nahe, ihn immer anzurufen wenn es Probleme gäbe. Solange wir noch näher an Szolnok sind als an zu Hause sei er unsere Adresse. Wir hoffen, davon nicht Gebrauch machen zu müssen. Wir verabschieden uns und schwören, irgendwann wieder zu kommen.

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Auf dem Weg nach Budapest fahren wir einige Kilometer der Hinfahrt, die auf Grund des heftigen Gegenwindes unerträglich sind. Die Sonne brennt darüber hinaus so sehr, wie sie es noch nie für uns in Ungarn getan hatte. Jedoch tut sie das nicht all zu lange. 30km vor Budapest erwischt uns mal wieder ein heftiger Regen. Wir retten uns gerade noch rechtzeitig unter eine Brücke.

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All zu lange lässt die Sonne aber nicht auf sich warten. Vielleicht 30 Minuten verbringen wir unter der Brücke, bevor wir wieder aufgewärmt werden.

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Es ist schon relativ spät, aber wir hoffen in Budapest mittels couchsurfing unterzukommen. Von Szolnok aus hatten wir uns darum gekümmert, aber in Budapest angekommen können wir leider keine Meldung verzeichnen. Nun stehen wir also in dieser riesigen Stadt und wissen nicht wohin. Zum ersten Mal möchte uns niemand aufnehmen. Leicht deprimiert suchen wir nach etwas zu Essen und beraten uns über die Möglichkeiten, bis auch schon die Dunkelheit über uns hereinbricht. Niko schlägt letztlich vor, was sowieso schon allen im Kopf herumgeistert - Brücke! Wir sind in der Nähe einer größeren Autostraße und sehen dort gute Chancen, eine größere Brücke zu finden. In völliger Dunkelheit finden wir eine und richen uns oberhalb der Schräge ein. Zu Hause wird es keiner verstehen können, wir fühlen uns allerdings richtig wohl dort.

Starkbier
13.09.2011, 17:47
Tag 37 - 9. August 2011

Budapest - kurz vor Komárno, 110km

In der Nacht wachen wir auf ein Mal auf. Schritte! Sollten wir nun tatsächlich noch Probleme bekommen, weil wir hier schlafen? Bewegungslos und still beobachten wir die Person. Er leuchtet mit einer Taschenlampe unter der Brücke. Polizei? Er besteigt die gegenüberliegende Seite der Brücke und krempelt zu unserer Überraschung in irgendwelchen Pappresten herum. Das kann kein Polizist sein. Vorerst beruhigt schlafen wir schnell wieder ein.

Als wir am morgen aufwachen sehen wir die geheimnisvolle Person immernoch daliegen. Ein Obdachloser. Als er die Brücke wieder verlässt grüßt er uns freundlich. Alle Aufregung umsonst. Wir haben trotzdem gut geschlafen - selbst die durchaus lauten Lastwagen haben uns nicht gestört.

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Strahlender Sonnenschein versüßt uns den Morgen, weshalb auch der Ärger über die geplatze Unterkunft in Budapest schnell verflogen ist. Eigentlich sind wir sogar der Meinung, dass dieser Platz viel interessanter war.
Eigentlich untypisch für eine Großstadt leiten uns Feldwege in Richtung Zentrum.

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Im Stadtkern selber werden wir dennoch nicht vom regen Verkehr verschont. Mehrfach werden wir beinahe überfahren. Da sag noch einer, die Alpen seien kein Spielplatz.
Trotzdem kann Budapest begeistern. Es ist eine wirklich schöne und sehenswerte Stadt.

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Im Zentrum fertigen wir all die versprochenen Postkarten ab und lassen nochmal die bisherigen Bekanntschaften Revue passieren. Wir befinden uns nun auf dem Heimweg. Jeder Kilometer führt unweigerlich näher nach Hause. Es fühlt sich beinahe so an, als wären schon fast zu hause, obwohl wir noch gut 1200km zu bewältigen haben.
Ab Budapest befinden wir uns wenigstens endlich auf einem schönen Radweg und müssen uns nicht mehr mit irren Autofahrern rumquälen.

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Wir bahnen uns den Weg durch eine schön gelegene Pferdefarm. Es erscheint uns eher wie auf einer amerikanischen Range als wie das ungarische Donaugebiet.

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In Esztergom beschließen wir das "Ufer zu wechseln" und in die Slowakei einzulaufen. Wir haben genug von Forint und Ungarn. Es dürstet nach einem neuen Land.

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Wir wollen heute noch bis in die Nähe von Komarno kommen. 15km vorher machen wir Rast.

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Etwas abseits einer Siedlung schlagen wir unser Lager auf einem nicht bewirtschafteten Feld auf. Ein reibungsloser und sonnengeschwängerter Tag geht zu Ende.

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Starkbier
13.09.2011, 18:14
Tag 38 - 10. August 2011

Komarno - kurz vor Bratislava, 70km

Als wir am Morgen aufwachen sind wir natürlich von einer kleinen Tauschicht bedeckt.

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Wir lassen die Sachen ein Weilchen in der Sonne trocknen und frühstücken derweilen. Wir sind froh, dass der Himmel wieder genauso klar ist, wie er es gestern war. Allerdings weht heute ein Wind, der sich gewaschen hat. Er ist letztlich auch der Grund dafür, warum wir nur rund 70km weit kommen.
Der Donauradweg verläuft in der Slowakei auf einem Damm, der günstiger Weise keinerlei Schutz vor dem Wind bietet. Kein Wunder kommen uns nur Radfahrer entgegen und niemand ist so verrückt den Weg andersrum zu fahren.

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Sichtlich erschöpft sehen wir uns nach Mittagessen. Ein kleiner Laden soll uns versorgen. Wurst scheint es nur in Dosen zu geben und wir kaufen eine in der Erwartung, eine schöne Dosen-Lioner o.ä. vorzufinden. Haben wir Katzenfutter gekauft? :bg:

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Es schmeckt eigentlich ganz okay, vor allem ist es aber einfach günstig. Das freut den Reisegeldbeutel. Mehr oder minder gestärkt stellen wir uns wieder dem Wind entgegen. Zwischendurch schreibt Felix ein paar geschäftliche Emails von seiner top modernen Schlatzentrale aus.

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Kilometer um Kilometer quälen wir uns auf einem schnurgeraden Damm.

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Jeder Versuch etwas Abwechslung ins Geschehen zu bringen endet in der Wallachei.

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Aber schön ist es hier trotzdem - nur verdammt anstrengend.

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Gegen sechs Uhr reicht es uns jedoch für heute. Wir kaufen schnell noch etwas fürs Abendessen und suchen in der Nähe eines großen Stauwerks einen schlafplatz. An einem Nebenkanal werden wir fündig.

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Von außen nicht ersichtlich steigt Felix in einen morastigen Bach. Viel sauberer steigt er nicht aus ihm heraus, nur Arbeit macht es ihm. Trotzdem waschen wir ein wenig unsere Trikots aus.

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Die Wetterprognose enstpricht heut ganz unserem Geschmack und wir verbringen einen schönen einsamen Abend an der Donau

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-ph-
13.09.2011, 18:45
Danke für den tollen Bericht!

Da werden Erinnerungen wach... Wie wir vor 13 Jahren 3 Monate durch die USA fuhren... Übernachten vor'm Supermarkt, unwahrscheinliche Gastfreundschaft, lange Strecken, steile Berge.

Flachzange
13.09.2011, 19:02
Super Tour und RICHTIG guter Reisebericht.

DANKE!

Starkbier
13.09.2011, 21:07
Tag 39 - 11. August 2011

kurz vor Bratislava - Bisamberg, 130km

Als wir morgens aufwachen schimmert alles im Glanz der Tautropfen. Unsere Zelten haben in der Nacht etwas an Spannung verloren und wirken etwas geknickt.

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Gemütlich packen wir alles zusammen und schätzen uns glücklich, dass entgegen all unserer Prognosen noch kein schlechtes Wetter aus Deutschland oder Österreich hierher gezogen ist. Wir wissen, dass wir heute Österreich erreichen werden und schauen doch etwas wehmütig dem "Bekannten" entgegen. Trotzdem sind wir ja noch lange nicht daheim.
In einem nahegelegenen Dorf kaufen wir ein und sorgen noch ein wenig für eine kleine Katze.

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Heute gibt es keinen Gegendwind, weshalb wir nur zu gerne auf unseren Dammweg zurückkehren. Ab hier ist er wunderbar geteert und wir kommen schnell voran. Irgendwann bremst uns Felix ein, ihm gehe es nicht so gut und ihm sei kalt - bei gefühlten 30 Grad. Wir nehmen es ernst und verlangsamen das Tempo. Er soll die letzten Tage bis nach Hause leichte Magen-Darm-Probleme aufweisen, kämpft sich aber tapfer durch.
Wir dümpeln mit seichten 20km/h auf dem ebenen Weg und trudeln pünktlich zur Mittagszeit in Bratislava ein. Eine wirklich schöne und aufgeräumte Stadt. Ganz und gar nicht so, wie man es aus "Eurotrip" gewohnt ist. :bg:
Insgesamt kann man sagen, dass mit Ausnahme von Ungarn alle bereisten Ostländer auf einem absolut aufsteigenden Ast sind.

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Nachdem wir mal wieder einen McDonalds aufgesucht haben, entspannen wir noch etwas auf dem sonnigen Marktplatz. Viele Reiseradler sind hier unterwegs. Sicherlich 200l Stauraum schleppt der Standartradler mit sich rum. Wir haben zwischen 50l und 65l dabei und sind wohl länger unterwegs. Allerdings haben sie auch mehr Klamotten dabei, was uns auch ab und an gut getan hätte. :bg:
Des weiteren fällt uns ein Althippie auf, der uns durchaus mit seinem Äußeren belustigt.

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Weiter geht es und kurz nach Bratislava ist es auch soweit - Österreich. Wir freuen uns letztlich doch, endlich wieder Schilder lesen und jeden verstehen zu können. Zumindest in der Theorie ist es so, aber der österreicher Dialekt ist teilweise grausam.

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Wir werfen einen letzten Blick auf die Spitzen Bratislavas.

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Auch in Österreich ist es uns vergönnt, einen strickt geraden Weg zu befahren, der zwar stark durch Monotonie glänzt aber durch schöne Wälder und entlang der Donau führt. (Logisch, ist ja der Donauradweg)

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Als wir Abends irgendwo bei Bisamberg campieren werden wir beinahe von den Schnaken aufgefressen. Die gesamte Tour waren wir davon vollständig verschont geblieben und nun trifft es uns mit tausendfacher Härte. Bis ca. 12 Uhr ist nicht an schlafen zu denken, aber dann verziehen sich die Fliegen und wir kommen doch noch zu unserem Schlaf. Beruhigt durch die Prognose einer Ortsansässigen schlagen wir nicht die Zelte auf, sondern legen uns nur unter die Moskitonetze. Keine gute Idee, wie es sich im Nachinein herausstellt. Um ca. 1 Uhr fängt es an zu regnen. Also schnell Zelte im Dunkeln aufgestellt und zurück in die Kammer.

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Natürlich haben wir nicht so geschlafen, wie es Manu auf dem Bild zeigt. Wir haben das Moskitonetz ebenso wie ein Zelt aufgebaut. Hat eigentlich ganz gut funktioniert. Letztlich schlafen wir auf jeden Fall ganz in Ordnung.

Starkbier
14.09.2011, 11:03
Tag 40 - 12. August 2011

Bisamberg - Melk, 130km

Schnell wollen wir viel Abstand zwischen uns und den Schnaken bringen, weshalb wird schon um sechs Uhr auf den Beinen sind. Irgendwie zieht die Heimat nun doch.
Nur einen Kilometer sind wir vom Donauradweg entfernt, weshalb wir schnell wieder auf der richtigen Route sind. Das Wetter ist heute perfekt.
Da wir schon längers die Kamera nicht mehr laden konnten, schwächelt sie heute wieder und wir schießen nicht all zu viele Bilder, obwohl es eine tolle Gegend ist. Die Donau ist zeitweise gesäumt von wunderschönen Weinbergen.
Eigentlich passiert den Tag über nicht viel spektakuläres. Auf Grund Felix Krankheit fahren wir weiterhin ein recht verhaltenes Tempo und machen öfters Pausen. Er zieht trotz des Wetter ein Fleece an, weshalb wir uns etwas sorgen machen, ob wir zusammen zurückfahren können. Für Felix ist jedoch ständig klar, dass es kein Aufgeben gibt - schon allein der Gedanke, die überteuerten Bahnpreise zu löhnen widern ihn an. So fahren wir zwar nicht sehr schnell, aber konstant und so kommen wir doch meist ordentlich vorwärts.

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Irgendwo hinter Melk kommen wir heute Abend unter. Wir suchen uns ein großes Haus samt riesigem Vordach aus und fragen ein weiteres Mal nach Obdach. Der zünftige österreichische Hausherr zweifelt nicht mal eine Sekunde und bietet uns sofort sein Vordach an. Das ging aber einfach. Kurze Zeit später hört man das Öffnen eines Fensters und die Frau des Mannes lugt heraus. "Kannst die Buben doch ed da drause schlofen lasse." (oder so :bg:) Ihr Mann stimmt zu, sie haben einen ausgebaut Dachstuhl überhalb des Vordaches. Da sollen wir rein. Schon wieder sind wir der Meinung zu viel Arbeit zu verursachen und wir folgen nur widerwillig. Der Dachstuhl ist jedoch fabelhaft. Zum Glück haben wir uns breitschlagen lassen.

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Zur Freude von Felix und Niko finden sich im Dachstuhl Gitarren, Bass und Verstärker. Sie sind gleich Feuer und Flamme und klimpern darauf herum. Nach so vielen Wochen endlich mal wieder spielen - herrlich.

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Der absolute Knüller haut uns aber erst von den Socken, als wir nochmal von unserem Gastgeber aufgesucht werden. Heute Abend werden alle außer Haus sein, da in einem etwas entfernten Dorf ein Fest stattfindet. Sie geben UNS fremden Burschen jedoch den Hausschlüssel, damit wir Toilette und Dusche benutzen können. Seine einzige Rückversicherung besteht in einer Ermahnung, wir sollen nichts dummes tun. :o Wie viel vertrauen kann man fremden Menschen entgegen bringen. Wir sind beinahe schon perplex bei diesem Angebot. Wir hatten seit Szolnok keine Dusche gesehen, daher nehmen wir nur zu gerne an. Sogar Schampoo und Duschgel dürfen wir benutzen, Handtücher liegen bereit und wir sollen uns auch sonst heimisch fühlen. Seelenruhig verabschieden sich unsere Gastgeber, fahren mit dem Auto davon und lassen uns mit ihrem Haus alleine. Irgendwie freut es uns ja.
Frisch geduscht legen wir uns auch bald in die Federn, da wir morgen wieder ähnlich früh loskommen wollen.

Starkbier
14.09.2011, 11:16
Tag 41 - 13. August 2011

Melk - Linz, 95km

Wir schlafen wie die Götter, aber dennoch klingelt der Wecker unerbärmlich um sechs Uhr. Ein Blick aufs Dachfenster offenbart uns, dass es regnet. Zum einen nervt es uns, zum anderen sind wir aber auch ganz froh nochmal ein wenig liegen zu bleiben. Gegen neun stehen wir dennoch auf und frühstücken unter der Dachlaube. Von unseren Gastgebern fehlt immernoch jede Spur, weshalb wir uns beim Gehen nur bei einem seiner Söhne verabschieden können.
Der Regen hat aufgehört, jedoch lässt der Blick in die Ferne auf kein gutes Wetter schließen. Zum Glück täuschen wir uns dabei.
In Krems kaufen wir in einem Supermarkt ein und bekommen von einem ansässigen Fressbudenbesitzer Colas spendiert, als wir ihm unsere Geschichte erzählen. Natürlich kaufen wir dann auch etwas, schließlich haben wir die letzten Wochen schon genug geschnorrt.
Weiter geht es in Richtung Linz und das Wetter wird zunehmend besser. Der Donauradweg ist glücklicherweise deutlich abwechslungsreicher als er es schon war. Meist ist der Weg nicht mehr nur geradeaus sondern führt durch alle möglichen Dörfer.
Kurz vor Linz machen wir wieder Halt an einem Supermarkt. Manu hat heute Geburtstag, also gehen Felix und Niko einkaufen. Als sie wiederkommen macht Manu große Augen.

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Freudig nimmt er sein Geschenk in Empfang.

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Tatsächlich handelt es sich dabei zwar nur um die normalen Einkäufe und ein paar Feierbiere, aber er darf es wenigstens auspacken. 20 Jahre ALT zu werden bietet sowieso keinen Grund zu feiern. :oldman:
Wir suchen einen nahegelegenen Bauernhof auf und Fragen dort nach einem kleinen Platz zum schlafen. Uns wird ein kleines Hüttchen angeboten, wo wir uns auf die Terasse legen können. Das passt uns.

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Schön ist es hier, vor allem da nun richtig die Sonne herauskommt und wir noch ein wenig die Klamotten trocknen können.

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Zu unserer, aber vor allem zu Felix Freude, finden sich einige Katzen auf dem Hof ein. Er spielt mit ihnen und macht einigen Unsinn. Später wollen sie uns fast nicht mehr in Ruhe lassen, aber wir wollen nichts mehr von ihnen wissen, da eine der Katzen Würmer hat. Mahlzeit!

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Aber bis jetzt leben wir noch, mal schauen ob es sich in zehn Jahren rächt. :bg:

Starkbier
14.09.2011, 11:39
Tag 42 - 14. August 2011

Linz - Irring, 145km

Heute werden wir endlich einmal mit einer schönen Kulisse für unser frühes Aufstehen entschädigt. Wieder zeigt der Wecker sechs Uhr als wir aufstehen. Um sieben sind wir, ein einsamer Radler und dichter Nebel die einzigen auf dem Donauradweg.

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Eine ganze Weile fahren wir im dichten Nebel bis die Sonnenstrahlen ihn verdrängen und ein herrlicher blauer Himmel freigegeben wird.
In Linz angekommen bietet sich ein befremdlicher Anblick. Im Park steht eine Gruppe Frauen mit einem Mann, die einen ekstatischen Tanz aufführen. Ohne jegliches System scheinen sie sich einfach gehen zu lassen und wild durch die Gegend zu wirbeln. Über den Nutzen wollen wir nicht urteilen, aber wir haben uns köstliche amüsiert.

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Auf Grund es Biergartenwetters beschließen wir, heute einen Biergarten aufzusuchen. Wir wollen uns ja doch auch ein wenig den Donauradlern anpassen. Da wir ein Mal verpasst hatten, das Donauufer zu wechseln, müssen wir nochmal mit einer Fähre fahren. Zuvor gönnen wir uns das geplante Bier an einer recht anschaulichen Stelle.

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Schon wieder Fähre fahren. Bereits das dritte Mal, dass wir uns befördern lassen müssen. Insgesamt sind es nun fünf Kilometer, die wir nicht selbstständig gefahren sind. Das kränkt die Radlerehre, aber letztlich ist es wohl halb so wild.
Spätestens als wir Deutschland erreichen, ist alles vergessen. Noch nie haben wir uns so gefreut, Bayern zu erreichen.

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Es ist schon recht spät als wir das schöne Städtchen Passau erreichen.

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Also fahren wir nur noch 10 oder 15 Kilometer über Passau hinaus bevor wir uns nach einer Unterkunft umschauen. in Irring fragen wir einen Mann mittleren Alters, der zwar sagt, er habe nur eine Gartenlaube, aber ihm sei es egal wenn wir dort schlafen wollen. Wir wollen natürlich und er führt uns hinein. Kurze Zeit später kommt seine Mutter heraus - sie hat Altzheimer oder etwas ähnliches und erzählt uns viele Male, dass ihr Mann vor 20 Jahren gestorben sei, fragt uns ununterbrochen die selben Dinge und scheint auch sonst etwas desorientiert. Trotzdem ist sie liebenswert, auch wenn ihr Sohn sich scheinbar etwas dafür zu schämen scheint. Uns geht sie jeden Falls nicht auf die Nerven.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/101_8122.JPG

Stilecht bekommen wir von unserem Gastgeber ein paar Bier serviert. Hier lässt es sich aushalten und wir schlafen zufrieden ein.

Dogeared
14.09.2011, 12:16
Hej Ihrs!


Das ist ein unglaublich toller Reisebericht - eine tolle Route und eine gute Schreibweise und natürlich interessante Photos!

Ich bin stark gespannt wie es weiter / zu ende geht!

von mir (vorab) schon einmal 5sterne

Grüße
Charlotte

Starkbier
14.09.2011, 13:16
Tag 43 - 15. August 2011

Irring - Aholfing, 90km

Morgens herrscht Hektik in unserem Gasthaus. Während wir gemütlich um unsere Fahrräder schwirren wird sich im Haus umgezogen, da in einer guten Stunde die Messe ansteht. "Entschuldigung, aber heute ist doch Montag. Warum Kirche?" Heute sei ein Feiertag in Bayern, bzw. nur im katholischen Teil Bayerns. Na grandios, eingekauft haben wir natürlich nicht für den heutigen Tag. Irgendwo werden wir schon was herbekommen, vielleicht an einer Tankstelle.
Zunächst werden wir aber zum Frühstück geladen. Das trifft sich unter diesen Umständen gut. Mehrfach weist uns die gute Dame auf ihre selbstgemachte Marmelade hin. Sie kaufe nie welche, weil man dann nicht wisse, was dort reingepuntsch wird. Das leuchtet ein und vor allem schmeckt sie grandios. Üppig ist das Frühstück ja nicht, aber wir beschweren uns gewiss nicht. Wie immer haben wir nicht damit gerechnet.
Als sich unsere Gastgeber zur Messe begeben ziehen auch wir los. Nach Maria Himmelfahrt sieht der Himmel jedoch nicht aus, wir fürchten eher die Apokalypse.

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Der Tag ist auch von einem ständigen Stop and Go geprägt. In fast regelmäßigen Abständen fängt es an zu regnen, permanent hängen Nebelschwarden in der Luft und durchnässen uns bald vollständig. Irgendwann kehren wir mal wieder bei einem McDonalds ein, weniger wegen den Essen, viel mehr um mal im Trockenen zu stehen. Wir haben in diesem Moment gut gepokert, da nur wenige Minuten später ein heftiger Platzregen losbricht.
Als wir dort sitzen spricht uns auf ein Mal ein Mann an. (Sein Name ist mir leider entfallen) Er war Moderator (aber im Sinne eines Animateurs) und sei schon auf der ganzen Welt gewesen. Er erzählt uns Geschichten von arktischem Packeis, heißen Wüsten und Touren durch die USA. Er zählt die Städte dabei auf wie ein Maschinengewehr. Seine Schnapsfahne lässt uns an seiner Glaubwürdigkeit zweifeln, aber er scheint doch bei Sinnen zu sein. Gibt sogar zu, dass er ein Alkoholproblem habe, weshalb er sich auch selbst in eine Klinik eingeliefert hat. Zum Abschied gibt er uns noch einen Rat mit auf dem Weg - wir sollen uns nie von einer Frau knacken lassen, weil wenn sie einen knacken, dann wars das für dich. :bg:
Der Regen hat aufgehört und wie es der Wetterbericht vorausgesagt hat, kommt endlich wieder die Sonne durch. Kurze Zeit später regnet es jedoch schon wieder und wir stellen uns zusammen mit fünf anderen Radlern unter einer Brücke. Zwei von ihnen sind Studenten, die bis Wien fahren wollen, ein älteres Ehepaar setzt sich selbiges zum Ziel. Der fünfte im Bunde ist ein Mann um die 40, der sich für den großen Macker hält, weil er bis Budapest fahren möchte. Etwas hochnäsig fragt er, wo wir Buben hinwollen. Er verstummt als wir ihm erzählen, wo wir herkommen und fährt einfach im Regen weiter. :bg:
Auch abends will sich das Wetter nicht besser, also fragen wir bei einer Wahlfahrtskirche um Unterkunft, aber irgendwie verläuft sich unsere Anfrage in der organisatorischen Struktur der Kirche. Schade! Wir verkriechen uns unter einer Bushalde um dem Regen zu entgehen.

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Heute kommen wir wohl nicht mehr weiter, also nehmen wir einen der umliegenden Bauernhöfe ins Visir. Ein kurzer Spurt durch den Regen führt uns zu einem Wohnhaus, aus dem uns einer Frau begrüßt. Wir fragen sie nach ihrer Scheune. Etwas widerwillig räumt sie letztlich ein, dass sie uns bei dem Wetter nicht wegschicken möchte und außerdem habe sie auch so Burschen wie uns zu Hause und hegt daher Sympathien. Wir sollen aber bitte nicht Rauchen oder etwas verräumen. Kein Problem für uns. Als sie die Scheune öffnet sind wir verwundert. Sie ist beinahe leer, keine Kühe, keine Geräte nur ein paar Biertischgarnituren. Da finden wir wohl einen Platz.

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Es ist recht kalt und der feuchte Boden lässt uns vermuten, dass hier irgendetwas nicht ganz dicht ist. Letztlich werden wir jedoch nicht nass und wir schlummern tief in unseren Schlafsäcken.

Tag 44 - 16. August 2011

Aholfing - Ingolstadt, 140km

Das Erwachen is heute nicht sehr freudig. Die erwartenden Sonnenstrahlen am Fenster bleiben aus, stattdessen lacht uns hemisch die graue Suppe entgegen. Da hilft nichts, wie müssen weiter. Anfangs hoffen wir ja, dass es sich nur um morgentlichen Nebel handelt, aber da täuschen wir uns. Wir sind schon nach wenigen Kilometern richtig nass.

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Am Vortag wurde uns noch versichert, dass der heutige Tag besser werden sollte und gegen Mittag trifft das auch zu. Langsam lichten sich ein wenig die Wolken und der Regen gibt nach. Auf Höhe des Denkmales Wallhalla ist es endlich trocken. Auf ein Mal hören wir es überall "mähen" und eine ganze Schar Schafe kommt uns entgegen. Die umliegenden Schrebergärten werden schnell zur Fresswiese der Biester und sie hinterlassen ein kleines Chaos. Danach watscheln sie auf die Landstraße und halten den gesamten Verkehr auf.

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Ein amüsantes Bild. Wir beschließen derweilen Walhalla zu besichtigen um uns einen kleinen Überblick übers Land zu verschaffen.

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Bei gutem Wetter sieht man von dort ewig weit, heute ist das leider nicht der Fall und es vermittelt auch nicht gerade den Eindruck, dass das Wetter heute noch wirklich gut wird.
In Neustadt (?) angekommen wird es aber tatsächlich besser. Wir entschließen uns entgegen des klassischen Donauradler-Verfahren nicht mit der Fähre weiterzufahren und das Kloster zu begutachten, sondern wir fahren den anstrengenden Weg über einen Hügel. Uns macht es Spaß, endlich mal kein ebener Weg.

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Als wolle sich das Wetter für die letzten Tage entschuldigen wird es heute noch richtig gut. Und als wir die 3000km Marke erreichen wird es richtig sonnig.

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Kurz vor Ingolstadt machen wir halt und suchen mal wieder nach einem Bauerndorf. In Bayern wird man dabei sehr schnell fündig und die Leute sind auch sehr freundlich. Wir dürfen in einer kleinen Garage fahren, die mal wieder extra für uns ausgeräumt wird.

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Uns wird empfohlen, abends noch eine kleine Kneipe aufzusuchen, was wir dann auch tun. Wir bestellen zwei Bier und einen Kräutertee. Wer was bestellt ist wohl offensichtlich. :bg: Die Wirtin setzt sich zu uns und ist total von den Socken als wir erzählen wie lange wir unterwegs sind. Sie könne so etwas wohl nicht mehr in ihrem Alter. Wir unterhalten uns eine gute Stunde mit ihr, bevor sie ihren Laden schließt. zufrieden schlendern wir "nach Hause" und gehen schlafen.

Starkbier
14.09.2011, 13:37
Tag 45 - 17. August 2011

Ingolstadt - Ulm, 171km

Wir stehen heute auf mit dem Plan, noch ein Nacht auf Tour zu verbringen. Gute 160km sind es nach Ulm. Also stehen wir früh auf um diese Strecke zu bewältigen. Als wir zusammenpacken sind noch nicht ein Mal die Bauern auf dem Hof. Erst als wir fertig sind trudeln sie ein. Die zünftige Bauerin bittet uns zum Frühstück. Brötchen, Marmelade, Schwarzwaldschinken, Salami, Frühstücksei, Kaffee und Orangensaft sorgen für die richtige Grundlage für die heutige Etappe.

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Wir verabschieden uns und starten in einen sonnigen Tag. Endlich scheinen wir das schlechte Wetter überwunden zu haben.

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Ab Ingolstadt führt der Donauradweg nur noch "selten" an der Donau entlang. Wir fahren viel abseits, sehen endlich wieder Hügel und Wälder. Das macht deutlich mehr Laune als die tröge Ebene.

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Immer mehr kommen wir in Richtung Ulm. Heute passt einfach mal wieder alles. Selbst ein Atomkraftwerk "strahlt" heute eine gewisse Schönheit aus. Pure AKW-Romantik.

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Endlich das erlösende Schild (auch wenn man es hier nicht richtig erkennt), Ulm ist zum greifen nah.

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Wir beschließen aber noch über Ulm hinaus zu fahren, weil wir unseren ersten Schlafplatz auch zum letzten machen wollen. Also fahren wir wieder auf unseren Hügel der ersten Nacht. Wir finden unsere damalige Feuerstelle unverändert vor, erinnern uns an den Fisch und schwelgen in Erinnerungen. Wir stoßen auf die fantastische Zeit an.

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Den restlichen Abend reden wir nicht mehr all zu viel. Jeder ist irgendwo mit sich selbst beschäftigt, mit seinen Gedanken zu den letzten Wochen. Es ist keine traurige Stimmung, aber eine andächtige. Niemand hatte es uns wohl zugetraut, dass wir tatsächlich soweit kommen und nun sind wir wieder hier. Tiefe Zufriedenheit macht sich breit.

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Wir können heute alle nicht richtige Schlafen. Bis 12 Uhr macht niemand die Augen zu. Man merkt, dass allen viel durch die Köpfe geistert. Als wir endlich schlafen, freuen wir uns auf die morgige Heimkehr.

Tag 46 - 18. August 2011

Ulm - Reutlingen, 85km

Obwohl wir es heute nicht mehr weit haben, stehen wir wieder gegen sechs Uhr auf. Wir beobachten den Sonnenaufgang zwischen den aufziehenden Nebelfeldern. Es ist ein schöner Morgen.

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Etwas verdattelt machen wir noch ein Gruppenfoto bevor wir die letzte Etappe angehen.

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Wir fahren den selben Weg zurück, den wir schon hinzus gefahren sind. Über Münsingen und Seeburg gelangen wir nach Bad Urach.

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Ab Metzingen legen wir uns heroische Soundtracks ins Ohr und geniessen die wohl längsten Gänsehäute unseres Lebens. Als wir auf die Felder unseres Heimatdörfchen einbiegen wird jedem nochmal die ganze Dimension der letzten Wochen bewusst. Wir schweigen uns an, aber nicht weil es nichts zu sagen gäbe, wir sind einfach überwältigt. Wir trinken gemeinsam ein letztes Bier und stecken uns entgegen unserer Nichtraucher-Einstellung eine Siegerzigarillo an.

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Tief zufrieden verabschieden wir uns bevor wir uns trennen. Jeder fährt in eine andere Richtung. Die letzten Meter bewältigt jeder für sich alleine. Und keine zwei Minuten später sind dann die spannensten Wochen, die wir bisher erleben durften, vorbei.

peter-hoehle
14.09.2011, 14:18
Ein sehr schöner Bricht über eine Tour in der Zivilisation.
Es hat euch ja Spass gemacht,und ihr seid um einen ganzen
Sack voll Eindrücke und Erfahrungen reicher.
Danke fürs Einstellen der Berichtes. :cool:

Gruß Peter

Atze1407
14.09.2011, 14:31
So so ihr "Buben",

was soll man dazu noch sagen, ich werde mich dem bereits gesagten mal anschließen.
Mein vollen Respekt zolle ich Euch. Ihr werdet bestimmt noch sehr lange an diese Tour zurück denken und vielleicht schon eine neue im Kopf haben. Ich wünsche euch jedenfalls alles, was zum gelingen künftiger Unternehmen beiträgt. Habt Dank dafür, das Ihr uns an dieser Tour habt teilnehmen lassen, wenn auch in Form dieses Reiseberichtes mit seinen Fotos. 5sterne

LG
Atze 1407

chrischian
14.09.2011, 14:42
Tag 46

:o Wie heißt es hier öfter so schön: Neidisch, neidisch, ...! ;-)

Aber das nächste Mal nicht so viel Alkohol, dann schafft Ihr auch noch etwas mehr, als 3300km. :ignore:

Super Tour! 5sterne

IronFist
14.09.2011, 14:49
Tag 45 - 17. August 2011

Tief zufrieden verabschieden wir uns bevor wir uns trennen.

Das glaub ich gern.

Super geiler Bericht:wohoo: hatte mir viele Arbeitstage versüßt!!:-)

Haben sich die Befestigung des Materials bei den Fullys bewehrt? ALso die große Tasche am Sattel(selbstgebastelt oder ist das so gedacht?) sowie die Würste am Unterrohr?
Suche nach ner ordentlichen Lösung für den Gepäcktransport am Fully, ohne nen riesen Rucksack mit zuschleppen.

Gruß
Marcel

Starkbier
14.09.2011, 14:59
Das glaub ich gern.

Super geiler Bericht:wohoo: hatte mir viele Arbeitstage versüßt!!:-)

Haben sich die Befestigung des Materials bei den Fullys bewehrt? ALso die große Tasche am Sattel(selbstgebastelt oder ist das so gedacht?) sowie die Würste am Unterrohr?


Freut mich, dass es gefallen hat ;-)


Die Befestigungen haben sich soweit bewehrt. Bei der großen Tasche an meinem Rad handelt es sich um einen 13l Ortlieb Packsack. Der hat am Boden eine Schlaufe, durch die ich einen Spannriemen gefädelt habe und ums Sattelrohr gespannt habe. dann Noch 3 weitere Riemen durchs Sattelgestänge gezogen um dem ganzen Spannung nach oben zu verleihen. Um es auszutüffteln hat es ein paar Tage gedauert, dann hat es aber wunderbar funktioniert. Bei richtig ruppigen Abfahrten musste manchmal nachgespannt werden. Daher würde ich empfehlen, ein Gestänge einer Satteltasche (z.b. von Rixen Kraul) unter der Tasche anzubringen und diese zusätzlich darauf zu stützen. Sollte auch die Seitenbewegung verringern.

Zu den Würsten an Manus Rad kann ich nicht so viel sagen. Ich bin einmal damit Probe gefahren und es ist von der Stabilität die bessere Lösung. Allerdings ist für meinen Geschmack das Rad im Gelände sehr schlecht zu bewegen. Zu frontlastig in meinen Augen. Aber beim Pedalieren hat es keine Probleme bereitet, die Knie berühren die Taschen nicht. Er ist so 1,79 groß bei einem L Rahmen. Ich mit meinen 1,77 und einem M Rahmen hätte es auch noch anbringen können ohne daran zu streifen.

motion
14.09.2011, 15:06
Schließe mich hier mal meinen Vorrednern an. Habe von Anfang an mitgelesen und es war klasse. Vor Allem jeden Tag los zu fahren und nicht zu wissen wo man abends schläft. Ist eine kleine Inspiration, da ich Ende Oktober auch nochmal mit dem Rad los will. Eigentlich war hospitalityclub geplant, aber vielleicht werde ich auch das ein oder andere Mal auf Eure Methode ausweichen :grins:

Auf die nächste Tour oder? ;-)

Starkbier
14.09.2011, 15:13
...aber vielleicht werde ich auch das ein oder andere Mal auf Eure Methode ausweichen :grins:

Auf die nächste Tour oder? ;-)

Ist auf jeden Fall ne Erfahrung Wert und wirklich kein Hexenwerk ;)

Würde es auch mal wieder so machen, aber wenn es schon angesprochen ist. Die nächste Tour soll in Richtung Trekking gehen und dann auch jenseits der Zivilisation. Oder zumindest nich so dicht daran wie diese Tour.

Danke fürs Lesen ;-)

Dogeared
14.09.2011, 15:24
Wow!

Nun ist der Bericht (leider) zuende und ich kann nur noch einmal sagen: Feine Sache!

Ich wünsche Euch noch viel Spaß auf Euren weiteren Touren und stellt unbedingt bitte wieder Reiseberichte hier rein :)

Charlotte

stoeps
15.09.2011, 10:42
Sehr, sehr schön - die Tour und der Bericht!

Das besondere ist m.E. die Übernachtungsform. Sie hat Euch in Kontakt zu den Menschen gebracht und aus einer Tour eine Reise gemacht.

Dazu, dass Ihr sowas in so jungen Jahren schon gemacht habt, kann ich Euch nur neidisch beglückwünschen.

Danke für den schönen, langen Bericht.

Karsten


PS: Auch wenn Ihr sie kaum gebraucht habt: Was sind das für Zelte?

Starkbier
15.09.2011, 12:28
PS: Auch wenn Ihr sie kaum gebraucht habt: Was sind das für Zelte?

Die Zelte haben wir selbst genäht. Wir wollten ein sub 1kg Zelt, hatten aber nich die Mittel um uns bei Vaude oder Tarptent zu bedienen. Zwar würde ich für eine "nur Zelt-tour" nochmal in die Tasche greifen aber für gelegentliche Übernachtungen haben sie sich bewehrt denke ich. Klar, sturmsicher schaut anders aus, siehe Triest. Aber war okay.

Peet
15.09.2011, 23:48
Super Bericht, hat mir gerade den Abend versüßt und ich hab richtig Lust mich auf mein Rad zu setzen nun. Tolles Erlebnis, dass Ihr hattet und danke, dass Ihr in einem so tollen Bericht das Erlebte mit uns teilt. Hat mir wirklich viel Freude beim Lesen bereitet. Wirklich super! :D

LG, Peter.

JensBerlin
16.09.2011, 22:06
Ich kann mich da nur anschließen, einer der besten Reiseberichte, die ich hier gelesen hab. Bin gespannt, wo es euch als nächstes hin verschlägt:D

Starkbier
17.09.2011, 15:27
Ich kann mich da nur anschließen, einer der besten Reiseberichte, die ich hier gelesen hab. Bin gespannt, wo es euch als nächstes hin verschlägt:D

das schmeichelt uns aber in anbetracht der genialen Berichte die es hier gibt. Danke. :D

Wafer
17.09.2011, 17:29
Hallo Starkbier und Co.

Ein echtes Schmankerl! Ich habe euren Bericht mit Begeisterung gelesen - zumal ich auch aus Reutlingen bin. Scheint eine aktive Ecke hier zu sein.
Tja, wen das Fernreisefieber in solcher Art gepackt hat, den läst es im Regelfall so schnell nicht wieder los. Ich wünsche euch noch viele Unternehmungen dieser Art mit ähnlich viel Kontakt zu Land und Leuten. Und ich hoffe, dass wir dann wieder davon in dieser sehr anregend geschriebenen Weise partizipieren dürfen!

Gruß Wafer

dievoggis
17.09.2011, 18:05
Servus Ihr Drei :D,

einfach genial ,Euer Reisebericht:D:D:D:D:D:D:D:D:D:D:D:D:D:D:D:D:D:D.
Recht herzlichen Dank dafür :D:D:D:D:D:D:D:D

Gruß peter

Starkbier
17.09.2011, 18:35
Hallo Wafer,

ich habe auch schon recht häufig hier und in anderen Foren (z.b. IBC) öfters von Reutlingern gelesen.
Freut uns wirklich sehr, wenn es sich gut gelesen hat und bezüglich der Sucht hast du natürlich recht. Sofern es Studium/Ausbildung nächstes Jahr zulässt, wovon auszugehen ist, dann folgt auf jeden Fall etwas. Leider wohl nicht in dieser Konstellation :(

@ Dievoggis: du scheinst meinen fable für smileys erkannt zu haben :-p Danke

Stunt
19.09.2011, 16:36
Hallo ihr,

ich habe dieses Thema auch von Anfang an mitverfolgt und finde eure Leistung einfach spitze !

Der Bericht ist auch super geschrieben und toll mit Bildern bestückt.

Hat mir echt einige Tage Spaß bereitet das zu lesen.



Ihr seid ja echt um die Tour zu beneiden. Sehr tolle Strecke und auch genial, was für Leute Ihr alle kennengelernt habt !


Mir schwirrt auch schon seit Jahren so eine Radtour im Kopf umher. Habe nur leider nicht die passenden Leute dazu (keiner meiner Freunde fährt so viel Rad wie ich :P).
Früher habe ich schon kleine Touren, z.B. in die Niederlande, durch die Niederlande und zurück unternommen. Aber das ist nichts im Vergleich zu eurer Leistung.

Ich fahr extrem viel mit dem Rad (MTB) durch die Gegend. Aber mich hat immer abgeschreckt, die Route zu planen von wegen Schlafmöglichkeiten. Dann muss man ja wissen wieviel man am Tag fährt und wohin genau, ist nicht mehr flexibel.

Aber Ihr habt ja wunderbar gezeigt, dass diese Sorgen nicht sein müssen.
Ich denke ich nehme das dann mal für nächstes Jahr in Angriff ;)


Zwei Fragen hätte ich zu eurer Reise:

Wie habe ihr das mit der Strecke gemacht ? Was für Karten hattet Ihr dabei ?
Ihr schreibt öfters, ein Radweg gefunden den genommen usw. Hattet Ihr Auto Karten dabei und habt einfach grob die Richtung geplant ? Oder gibt es so Radfahrkarten ?


Und, was hattet Ihr alles dabei auf der Reise (Werkzeug, Ausrüstung etc.) ? Ich habe auf Bildern auch mal so ein 5 (oder 10 ?) Liter Wasserkanister gesehen usw. Brauchtet Ihr den ?


Und nochmal Hut ab ! Tolle Reise und toller Bericht !



Grüße

Benedikt

Starkbier
19.09.2011, 17:11
Wie habe ihr das mit der Strecke gemacht ? Was für Karten hattet Ihr dabei ?
Ihr schreibt öfters, ein Radweg gefunden den genommen usw. Hattet Ihr Auto Karten dabei und habt einfach grob die Richtung geplant ? Oder gibt es so Radfahrkarten ?



Hallo Benedikt,

zur Navigation hatten wir ein GPS dabei, das wir mit open-mtb-maps gefüttert haben. (die kommerziellen von Garmin sind einfach zu teuer). Für den Alpenbereich war das auch wirklich wirklich gut. Hatten im Vorfeld via Mapsource die Tour von Reutlingen bis an den Gardasee und darüber hinaus Caldonazzo geplant.
Ab da war es recht improvisiert. Wir hatten 2 große Autokarten dabei, die Slowenien, Kroatien, Ungarn und die Slowakei abgedeckt hatten. Mit denen haben wir grob die Richtung geplant. Verfeinert haben wir es mittels GPS wobei man sagen muss, dass die OS-maps für Slowenien, Kroatien, Ungarn und die Slowakei sehr dürftig sind. Schon besser als große Straßenkarten, aber keineswegs mit Wander- oder Radfahrkarten zu vergleichen. Da unser Zeitplan relativ locker war, haben wir dann einfach genommen was kam und haben auch einfach mal probiert und geschaut wo man rauskommt. Uns war es ja egal, wo wir letztlich ankommen, hauptsache unterwegs und wir erreichen die paar Fixpunkte der Tour.

Da du nach Radfahrkarten fragst. Ja, die gibt es. Teilweise von Kompass, teils von örtlichen Verlagen. Wie du schon sagtest, ist es recht viel Arbeit, das alles vorauszuplanen und spontane Routenänderungen sind, wenn gewünscht, schwerer umzusetzen. Man kann aber auch vor Ort einfach noch andere Karten besorgen und so etwa spontaner sein. Vergessen darf man aber nicht, dass es auch sehr teuer ist, mehrer tausend Kilometer mit Radfahrkarten in 1:50.000 abzudecken.


Und, was hattet Ihr alles dabei auf der Reise (Werkzeug, Ausrüstung etc.) ? Ich habe auf Bildern auch mal so ein 5 (oder 10 ?) Liter Wasserkanister gesehen usw. Brauchtet Ihr den ?


Ja unsere Ausrüstung. Ich versuch mal aus dem Gedächtnis alles zu listen, hab jetzt nur keine Gewichtsangaben aber kann ich nachliefern.

Am Körper

Radtrikot
Radhose
Schuhe
etc... :bg:

Sollte klar sein.

Rucksack

- Deuter Transalpine 30l (Manu hatte einen import Militärrucksack. Kp was für einer, aber hat sich nicht so sehr bewehrt, da der auseinanderfällt)
- Lezyne Swivel Drive HP Pumpe
- Topeak Multitool
- Flickzeug (5 Packen, aber nicht alle voll)
- Ersatzschlauch
- Schaltauge
- 2 Schaltzüge
- Puma Tec Multitool
- Kabelbinder
- Panzerband
- Taschenmesser
- 2 Sätze Bremsbeläge
- Dämpferpumpe
- Term-a-rest TT Trail Lite (wobei die 20 euro zur Prolite klug gewesen wären zwecks Packmaß)
- Schlafsack + Inlett
- Zelte/Unterlage für Isos + Zeltstangen und Heringe
- Mikrofaser Handtuch
- Erste Hilfe Set
- Dosenkocher + Primus Lite Treck Kettle oder so ähnlich :bg: und halben Liter Spiritus + Kunststoffbesteck + Raklett-Pfannenwender zum Braten :bg:
- Elektrozeug (Handy, MP3-Player, Kamera + Ladekabel)
- Outdoorseife
- 2 T-Shirts (schnelltrocknend, Nike)
- 1 dünne Trekkinghose (McKinley)
- 3 paar Puma Socken
- zu wenig Unterhosen ;-)
- Regenjacke
- 100er Fleece (McKinley)
- Ortlieb 13l Packsack + Befestigungsriemen
- Ausweiskopien, Kranken- und EC-Kartenkopien, Originale, Schreibzeug
- Reiseapotheke
- Trinkblase Deuter

Mehr fällt mir mal spontan nicht ein. Wir hatten an für sich nicht viel dabei. Generell waren wir für schlechtes Wetter nicht gut vorbereitet aber nicht aus Nachlässigkeit, sondern bewusst. Wir haben es in Kauf genommen, richtig durchnässt zu werden wenn es regnet und dannn vllt auch Abends zu frieren. Aber wenn es einem wirklich kalt ist dann ab in den Schlafsack. Da is es warm.
Ansonsten haben wir auch keine teure Ausrüstung gekauft, da wir eher Geld für die Reise übrig haben wollten. All zu viel musste auch gar nicht her. Denke so an die 10kg hatten wir dabei jeweils, eher weniger.

Den Kanister kann man mMn getrost zu Hause lassen. Hatten ihn erst dabei, da wir ihn hochhängen wollten um darunter zu duschen aber haben wir nach dem ersten Mal gelassen. Viel zu umständlich. Nehm dir zwei Waschlappen mit, seif dich damit ein, schrubb dich und danach einfach abspülen mit ner leeren PET oder z.b. nem wasserdichten Packsack. Ist platzsparender als diese "Faltkanister"

Beste Grüße

Niko

Stunt
19.09.2011, 18:41
Hi Niko,

danke für die Angaben.

Gewichte brauche ich wirklich nicht :)


Ich mach sowas zum Spaß und achte nicht wirklich auf Gewichte etc.
Beim Rad ist das auch nicht so wichtig, auf jedes Gramm zu gucken.

Bin 26 geworden und hab auch nicht wirklich Geld für teure Ausrüstung. Brauch man aber auch nicht denke ich (Ok, nen gutes Rad muss sein, aber das benutzt man ja auch jeden Tag) :D
Man kommt ja auch wunderbar mit simplen Sachen zurecht, wie ich finde :P
Der rest lässt sich improvisieren ^^


Grüße aus Dortmund

Benedikt

IronFist
19.09.2011, 20:57
Nabend,

seh das genauso.

Man muss halt schauen wo es sinnvoll ist Geld zusparen und wo nicht. Dinge die einem die Tour versauen können wenn da unterwegs was versagt oder nicht den Ansprüchen/Bedürfnissen gerecht wird, ruhig etwas teurer dafür woanders sparen.
mMn gute Laune Killer bei versagen oder Aufgabe nicht erfüllen sind:
Rad/Schuhe, Schlafsack, Isomatte, Überdachung und Gepäcktransport.

Ne groß gepackte, schwere Isomatte die auch noch undicht/unbequem ist, Schlafsack der ned ordentlich warm hält und dazu auch noch ne halbe Packtasche füllt, nen undichtes Zelt/Tarp, Packtaschen die sich auflösen, nen Rucksack der unbequem ist und dem dann auch noch ein Träger reist und nen Rad das ned ordentlich läuft, hatte ich alles schon, brauch ich echt nicht nochmal, das kann einem echt die Tour verhageln.
Es waren immer halbherzige Lösungen um Geld zusparen. Am Ende hab ich dann doch die teurere Ausführung gekauft.

Andere Sachen hingegen gibts vom Discounter,Decatholn oder Noname: Klamotten, Nahrung und allgemein Ver/Gebrauchsgegenstände mit begrenzter Lebenserwartung.

Gruß
Marcel

Starkbier
19.09.2011, 21:08
Hallo Marcel,

da hast du natürlich vollkommen recht. Ich hatte eigentlich bei den Big4 ganz gute Dinge dabei. Deuter Trans Alpine ist ja DER Radrucksack, Termarest Trail Lite ist zwar kein Topmodell abger gewohnte Qualität, Deuter Orbit Schlafsack war mir zwar permanent zu warm, aber packmaß ist okay.
Beim Zelt wollten wir sparen, was wir zwar auch haben, aber das hat sich irgendwo gerächt. Die Nacht in Triest war nicht unschuldig daran, dass wir den Rest der Tour über selten gezeltet haben. Aber so macht man eben seine Erfahrungen :bg:

Wichtiger Tipp hast du noch gegeben: beim Packsystem unbedingt 3mal nachdenken. Ich war die ersten 2 Tage etwas frustriert weil es nicht gescheit gehalten hat, aber durch Bastelei wars dann 1a ;-)

Gruß Niko

Stunt
19.09.2011, 22:12
Ich hab ein Hardtail (Rahmen kommt von einem Giant XTC 850, der ist recht stabil)
Da ist das kein Problem. Einfach nen Gepäckträger dran pfuschen und schon passt sowas wie eine oder zwei Packtaschen dran. Also nen echten Gepäckträger, nicht diese Sattelrohrdinger

Immer diese Fullys ^^ *duckundwegrenn*


Aber sonst stimme ich euch auch zu. Man sollte nicht am falschem ende sparen.
Ich war letztes Jahr auch 3 Wochen in Spanien mit dem Rucksack unterwegs.
Rucksack irgendwas noname, hauptsache größe passt.
Der hat sich auch von Tag zu Tag mehr zerlegt.


Transport und Schlaf und natürlich das Gefährt sollten schon vernünftig sein ;)



Gruß

Benedikt

Starkbier
19.09.2011, 22:35
Immer diese Fullys ^^ *duckundwegrenn*


Jaja, gut dass du das wegrennen noch hinzugefügt hast ;-) Fullys sind tatsächlich nicht die ideale Art von Fahrrad für sowas, aber derjenige, mit den mMn besten Radreisen hat auch eins. Alpenzorro/STunzi aus em IBC. Falls du den nicht kennen solltest, kannst du dir dort auch noch einiges an Inspiration holen. Er ist mit leichterem/besserem Gepäck unterwegs und das auch über längere Zeiträume als wir es waren.
Einfach im IBC unter "Liveberichte" mal durchstöbern. Er ist wirklich der König :bg:

IronFist
20.09.2011, 08:05
hab nen hardtail für lange Touren bzw. materialintensive Touren.
Fully Touren sind max 3tage. Länger klappt das mit dem großen Rucksack einfach ned. zumal nen 10-12kg Rucksack im Gelände zumindest mich ziemlich nervt, da muss ich mir nochwas überlegen.
Und wenns ned ins Gelände geht kann ich auch mit dem Hardtail fahren.....

gruß
marcel

Starkbier
20.09.2011, 22:45
...da muss ich mir nochwas überlegen.


Also ich finde, dass 10kg bei einer Abfahrt nicht stören. Fahrtechnisch schränkt es mich gefühlt nur minimal ein. Aber beim Strecke machen und v.a. bergauf ist es nervig. Da kommt für mich der "ZorrorCarry" ins Spiel.

http://www.mtb-news.de/forum/showpost.php?p=3708674&postcount=281

Hab mich aber noch nicht getraut an meinem Rucksack rumzuwerkkeln. Aber es ist auf jeden Fall eine funktionierende Lösung.

IronFist
21.09.2011, 12:27
Das wird mit runtergestellter Sattelstütze und viel Federweg haarig.....
besodners wenn man der Rahem relativ niedrig ist. Zumal das vermutlich auch beim hinter den Sattel gehen stark einschräncken könnte...

Gruß
marcel

Starkbier
21.09.2011, 13:19
bergab kommt der Rucksack natürlich auf den Buckel. Nur für bergauf oder ebene Strecken kommt der Rucksack nach hinten. Alles andere dürfte die click-fix Halterung gar nicht aushalten.

tjelrik
21.09.2011, 15:38
Hammer Bericht!!!
Ich finde es immer gut direkt vor der eigenen Türe per pedes oder mit dem bike zu starten. (Und aufs Flugzeug zu verzichten).

ElVagabundo
26.09.2011, 11:34
Klasse Bericht Niko, genau wie die Tour!

Hab mich richtig "live-dabei" gefühlt beim Lesen des Berichts ;-)

nicki1005
07.10.2011, 15:25
bin ganz begeistert von eurer tour :-) da macht das lesen richtig spaß :-)
schöne grüße aus wien!

Starkbier
09.10.2011, 13:11
vielen dank :)
hab gerade deine Bericht über die Highlands gelesen und hab jetzt glaube ich ein Ziel für 2012 :D Super Bericht!

nicki1005
20.11.2011, 13:04
hab wiedermal (wie schon soooo oft) euren bericht gelesen :bg: immer eine willkommene abwechslung, wenn ich nicht lernen mag... ;-) :bg: was ich jetzt aber endlich mal anmerken muss (hab ich das letzte mal vergessen zum schreiben): der österreichische dialekt ist doch bitte nicht grausam... :lol: hahaha!!! ur lustig :lol:

Starkbier
21.11.2011, 14:10
ohja, ourdoorseiten und lernen. verträgt sich einfach nicht. wenn mal wieder einer von uns in wien sein sollte, darfst uns gern diese Urkomik demonstrieren. Bei uns hat es eher Urämgste ausgelöst. Purer Kulturschock. Aber nett seids ja in Österreich :)