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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [IL] Eilat Mountains - Tagestour durch Wüstenberge



Tomscout
10.06.2011, 11:09
Land:Israel
Reisezeit: 06. April 2011
Region: Naher Osten (Asien)

WIE IMMER mein Faulheits-Hinweis: Fotos zu dem Bericht habe ich hier nicht hoch geladen, sondern nur auf meiner HP... den link findet Ihr am Ende des Berichts (Bei den Fotos ist der Bericht auch noch mal)

Los geht's:

Während unseres Israelurlaubes verbringen wir u.a. 4 Tage in Eilat, der Tourismusmaschine Israels am Roten Meer.
15 km östlich liegt Ägypten, 2 km westlich Jordanien und direkt hinter Eilat beginnt die Wüste. DA wollen wir hin!

Da Strand und Pool outdoormäßig eher kaum Herausforderungen bieten, machen Kerstin und ich eine Tagestour in die Eilat Mountains, einem Mittelgebirge (höhenmäßig betrachtet) direkt vor der Haustür. Die Bergeketten, die wir besteigen wollen, können wir von unserem Hotelzimmer aus sehen.

Zur Hand haben wir das Buch "Hike the Land of Israel", ein Tourbuch für den Israel National Trail, von dem wir heute ein ganz kleines Stück begehen werden. Das Buch kann ich nur jedem empfehlen, der den Trail oder Teile davon gehen möchte. Es beinhaltet detaillierte Etappenbeschreibungen und Karten jeder Etappe.

Dabei hatten wir (2 Personen):
- Tourenrucksack Deuter Futura 42
- 4,5 Liter Trinkwasser (es hätte gerne noch eine 1,5-Literflasche mehr sein dürfen)
- Kompass
- Obst als Verpflegung
- Tourenbuch
- Sonnenschutz (wichtig!)

Per Mietwagen fahren wir aus Eilat in die Berge, dies dauert etwa 20 Minuten - Eilat ist klein und die Berge direkt vor der Tür. Auf der Straße 12 fahren wir Richtung Nordwesten und parken den Wagen (siehe Karte).
Kaum ausgestiegen, treffen wir ein israelisches Pärchen, welches auch eine Tagestour machen will - wir fragen sie, ob wir am richtigen Einstieg sind und stellen fest, daß sie den gleichen Weg gehen wollen wir wir. Wir werden sie im Laufe des Tages ein paar Mal wiedersehen.
Die Sonne scheint, nur ein paar Quellwolken sind am Himmel, es ist etwa 25 Grad warm.
Sogleich geht es eine kleine Steigung hoch, die uns auf den ersten vorgelagerten "Berg" führt. Wir können von dort auf den Mount Shlomo sehen und erkennen eine Gruppe von ca. 8 Leuten auf dem Gipfel. Natürlich packt mich sofort das Gipfelfieber und ich sage zu Kerstin: ach guck, das kann ja nicht so schwer sein, da hoch zu kommen. Kerstin erwidert (zu) schnell: also wenn DIE das schaffen, dann wir ja wohl auch!
Recht so, mein Mädchen, das ist sportlicher Ehrgeiz! Hinzugefügt sei, daß dies Kerstin erste "Bergtour" ist - also eine Anfütterungsmaßnahme meinerseits. Wir folgen dem Weg, erst ein paar Höhenmeter abwärts um uns dann recht schnell dem Mount Shlomo zu nähern. Links und rechts sieht man alte Militär-Stellungen und kann sich lebhaft vorstellen, wie hier um ein paar Meter Wüste gekämpft wurden. Der Aufstieg ist technisch nicht schwierig, aber eben steil, aber nach etwa 20 Minuten sind wir oben.
Die Gipfelstürmer, die wir von unten erblickt hatten, sind mittlerweile weg, so daß wir den Gipfel alleine haben.
Die Aussicht Richting Eilat, das Rote Meer und zur anderen Seite Richting Ägypten / Israel ist weltklasse, vor allem wenn man bedenkt, daß wir nicht auf 2000 Meter oder so sind.
Auf dem Gipfel wurde noch eine kleine (aber wichtige) Frage gestellt, die meine Freundin glücklicherweise mit "Ja" beantwortete, bevor wir uns an den Abstieg machten.
Dieser erweis sich als SEHR steil, aber da wir beide vernünftige Schuhe tragen und ich Abstiege so wie so eher mag als Aufstiege, ist das alles kein Problem.

Wir begegnen nun mehr und mehr Gruppen, es scheinen Schulklassen zu sein; wie unter allen Erdenbewohnern gibt es freundliche (die ein nettes Shalom auch erwidern) und unfreundliche, die weder einen Fingerbreit zu Seite gehen bei engen Stellen noch uns eines Blickes würdigen, obwohl wir fast reflexartig diese Bergwanderkollegen grüßen (wie man das so macht eben. Und "Shalom" ist ja vergleichbar mit dem sonst in den Alpen benutzten "Grüß Gott" ;-)

Der Abstieg führt durch kleine Klamme und ist alles im allem sehr gut zu laufen. Die Wegmarkierung ist vorbildlich, ich hatte mich auf "Schlimmeres" eingestellt.
Nach einer Weile wird das Gelände flacher und wir nähern uns dem Wadi - an dieser Stelle treffen wir auch das Pärchen vom Anfang unserer Tour wieder, die im Schatten sitzen und ein Picknick machen.
Es ist gegen 14 Uhr und so langsam wird es drückend warm - ich drängele etwas zu Eile, weil ich nicht ganz sicher einschätzen kann, wie sich der weitere Weg gestaltet und ich nicht auf den letzten Drücker Sonnenschein erst am Auto sein will.
Durch das Wadi (= ausgetrocknetes Flussbett) laufen ist wunderschön - aber auch elendig anstrengend. Der Weg besteht aus feinem Kieselsand, so daß man bei jeden Schritt einsinkt und nach wenigen hundert Metern jeden Schritt in den Oberschenkeln spürt.
Ist etwa so wie am Sandstrand laufen... Zum Glück liegt in großen Teilen des Wadis Schatten, trotzdem ist es natürlich knackig warm.
Der Weg wird doch recht anspruchsvoll - zumindest konditionell, denn es warten einige schicke Klettereien auf uns. Alles nicht schwirig, aber anstrengend. Die Landschaft aber ist atemberaubend. Ca. 2 Stunden vor dem Ende der Tour treffen wir auf ein Teilstück des Israel National Trails, kurz danach haben wir die Option "links" durch's Wadi zu laufen oder rechts hoch auf eine der Flanken (welche in der prallen Sonne liegt). Wir entscheiden und für links - und nun wird die Kletterei erst richtig anstrengend. Zwar sind wir im Schatten, aber alle 50 Meter wartet ein 2-Meter-Felsblock, über den der Weg hinweg führt.
Zwar trinken wir ständig, aber trozdem haben einen toten Punkt... An dieser Stelle ärgere ich mich, nicht noch 2 Liter mehr Wasser mitgenommen zu haben. Ich beschummele meine Freundin bei der Aussage "ich hätte ja eben schon getrunken" und animiere sie dazu, ständig Wasser zu sich zu nehmen - denn allzu viel haben wir nicht mehr.
Der Weg zieht sich, aber schliesslich landen wir in einer Art natürlichen Wendehammer, der etwa 150 Meter im Durchmesser hat. Wir sind verwirrt, aber die Wegmarkierung führt zweifelsfrei hier herein.
Am Ende des "Wendehammers" sitzen zwei Jungs samt Rucksäcken, mit denen wir uns sehr nett unterhalten (den Jungs, nicht den Rucksäcken :-) - sie haben gerade 6 Wochen auf dem Israel National Trail hinter und die letzte Nacht auf dem Trail vor sich - RESPEKT!
Sie weisen uns auf einen etwa 15 Meter hohen Kamin hin, durch den der Weg nach oben führt und so stiefeln wir nach ein paar Minuten weiter. Die Jungs wollen noch Pause machen und dann bis zum Biwakplatz weiter ziehen (ganz in der Nähe unseres Autos).
Der Kamin ist recht eng und ich mit meinen 1,93m und kleinem Tourenrucksack muss mich schon fast schlangenartig verbiegen - wir fragen uns, wie die Jungs mit ihren 65-Liter-Rucksäcken das machen wollen.
Oben angekommen winken wir den beiden zu und geben ihnen zu verstehen, daß es eng wird, sie nicken nur. Wer die letzen 10 Tage durch die Wüste Negev unterwegs war, den besorgt so einem Pipifax wohl nicht.

Alsbald erreichen wir eine Schotterpiste, die nach etwa 15 Minuten zurück auf die Straße Nr. 12 führt - dieser folgen wir noch etwa einen Kilometer Richtung Süden und erreichen dann unser Auto. Müde, durstig, verschwitzt und staubig, aber vor allem beeindruckt von der Tour machen wir uns auf den Weg zurück zum Hotel.

LINK zu den Fotos: TOMSCOUT'S TOUREN - EILAT MOUNTAINS (http://tomscout.jimdo.com/berg-und-h%C3%BCttentouren/eilat-mountains-2011/)

TillScout
15.06.2011, 20:59
Auf dem Gipfel wurde noch eine kleine (aber wichtige) Frage gestellt, die meine Freundin glücklicherweise mit "Ja" beantwortete, bevor wir uns an den Abstieg machten.
http://www.smilies.4-user.de/include/Optimismus/smilie_op_012.gif (http://www.smilies.4-user.de)

Christoph_
16.06.2011, 19:23
Schöner Bericht. Bin seit Dienstag aus Israel zurück und hatte eigentlich ebenfalls vor den INT zu laufen, bzw. ein Teilstück. Mich hat es dann aber nach Jordanien verschlagen und da für 3 Tage ins Wadi Rum. Bericht kommt in den nächsten Tagen.

Stehen in dem Buch im INT auch Möglichkeiten für die Wasserversorgung drin? Weil das war bei der Planung mein Hauptproblem, dass ich keine ausreichenden Informationen darüber bekommen konnte. Habe allerdings auch kein Buch über den Trail gekauft.

Gruß,
Christoph

Tomscout
16.06.2011, 20:00
Hi Christoph,

ja, in dem Buch sind detaillierte Angaben und vor allem Adressen von sog. "Trailangels", die entlang des Trails leben und den Wanderern mit Rat und Tat (u.a. Wasserversorgung zu sog. Supplypoints in der Negev) zur Seite stehen.
Also ohne das Buch würd ich den Trail nicht machen wollen. Gibt's in D aber nicht, hab es auch über die (deutsche) Amazone in GB bestellt.
Hier der link: NU KLICK. (http://www.amazon.de/Hike-Land-Israel-Archaeological-Jerusalem/dp/9659124902/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books-intl-de&qid=1308247427&sr=8-1)

Gruß