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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [Testbericht] Mammut Heron light 55+



buntekuh
25.05.2011, 12:09
Hey! Hier gibt es einen leicht gekürzten Bericht zum Mammut Heron light 55+. Dieser deckt sich weitestgehend mit meinem Blogartikel, allerdings fehlt einiges Umhergeplänkel und fast alle Bilder. Diese könnt ihr euch hier: http://othra.wordpress.com/2011/05/25/mammut-heron-light-55/
anschauen.

http://othra.files.wordpress.com/2011/05/img_17061.jpg

Diesen Sommer gehts für uns in die Türkei und da mein Palisade dafür zwei Spuren zu groß und schwer ist, mein Kestrel 38 aber über ein zu schwaches Tragesystem verfügt, steht gerade ein Rucksackneukauf an. Zwar kommt mein gesamtes Gepäck für die vier Wochen nur auf 11Kg inkl. Rucksack, aber je nach Etappe kommen nochmal einige Liter Wasser hinzu. Vom Volumen her passt der Kestrel, aber es wird damit schon ganz schön unbequem auf dem Rücken.
Den Mammut Heron light 55+ hatte ich mal zufällig probegetragen und er gefiel. Allerdings gab es ihn in Frankfurt und überall dort, wo ich ihn nach langem Suchen fand, nur in "large". Obwohl ich mit immerhin 182 und 84Kg kein Zwerg bin, konnte ich den Hüftgurt nicht richtig schließen, er war einfach zu lang. Kurzum: ich bestellte ihn und schwupps war er da.

Der Aufbau des Heron
Der Heron, den es auch als Damenvariante "Hera" gibt, ist eigentlich ein recht klassisch aufgebauter Trekkingrucksack. Es gibt ihn als 55+ und 65+ Variante in je zwei Farben, ich habe mir das schönere grau herausgesucht. Im Inneren gibt es erst einmal zwei Fächer, ganz klassisch, das Haupt und das Schlafsackfach. Die Abtrennung erfolgt nicht komplett, denn links und rechts gibt es ein jeweils etwa faustgroßes Loch, durch das man beispielsweise ein langes Zeltgestänge oder Trekkingstöcke schieben könnte, ohne die Abdeckung dafür zu öffnen. Kann ganz praktisch sein. Positiv finde ich, dass man bei geöffneter Abtrennung nicht erst wieder den Reißverschluss einfädeln muss, um diese zu schließen. Der bleibt an seinen Enden geschlossen und wird nicht gänzlich getrennt. Natürlich besitzt der Rucksack auch einen Vorbereitung für ein Trinksystem, allerdings hätte man dieses ruhig breiter ausführen können, denn große Trinksysteme könnten dann leichter reinflutschen.
Öffnet man eine Reißverschlussabdeckung, so erhascht man einen Blick auf die Heizspirale... ääh, (Alu)Verstrebung des Rucksacks. ...aber sie sieht halt echt irgendwie aus wie eine Heizsp... lassen wir das. Im verstell-, abnehmbaren und sehr geräumigen Deckelfach gibts unten eine Netztasche mit Schlüsselhaken und auf der Oberseite einfach eine schön große Tasche. Befestigungsmöglichckeiten sucht man auf dem Deckelfach vergeblich.
Frontal erblickt man eine offene, aber bei beladenem Rucksack nicht allzu geräumige Front-Flap, also eine aufgesetzte Tasche für Dinge, an die man mal schnell ran muss, die im Regen aber alles andere als geschützt ist. Leider existiert keine sinnvolle Trekkingstockhalterung. Zwar gibt es eine Materialbefestigungsschlaufe (Klettverschluss), diese ist aber, wie ihr Gegenstück unterhalb, nur für dünne Sachen und möglichst nur ein Teil ausgelegt. Die untere Schlaufe ist, ebenso wie die Trinkflaschenhalterung im Rucksack versenkbar (siehe Fotos). Echt ganz nett gelöst.
Zu beide Seiten befinden sich nun noch je eine elastische Netztasche und zwei Kompressionsriemen, von denen der untere sogar nochmals umgelenkt wird, um einen größeren Bereich erfassen zu können. Einen Kompressionsriemen gibt es auch noch auf dem Packsack, direkt über der guten Volumenerweiterung.

Das Tragesystem
So, kommen wir zum Tragesystem und dem Rucksackrücken. Auffällig sind hier erstmal die relativ kleinen Polsterflächen an den Schultern und dem unteren Rücken. An einem großen Bereich im Rücken liegt der Rucksack überhaupt nicht auf. Das sorgt für einen gute Ventilation und hätte mich im Sommer echt gefreut. Sehr schön ist hier auch, dass die Rückenpolsterung insgesamt recht harmonisch wirkt, also keine Druckstellen durch die kleinen Polster entstehen. Zumindest empfand ich es als ganz angenehm.
Etwas gewöhnungsbedürftig sind die Befestigungen der Schulterträger. Zwar vertraue ich da auf Mammut, dass sie schon halten, aber soo solide schauts auf den ersten Blick nicht aus. Löst man den unteren Teil eines Schulterträgers per Klett vom Rucksackrücken, kann man ihn nun um 90° verdrehen und dann herausziehen - was beim Hüftgurt übrigens auch klappt. Die Schulterträger lassen sich auf diese Weise in vier Stufen in der Höhe verstellen und somit an den Träger anpassen. Einen Brustgurt gibts natürlich auch.
Gut gefallen hat mir der bewegliche Hüftgurt, denn dieser lässt einem wirklich viel Bewegungsfreiraum und... hach, es macht einfach Spaß mit ihm. Links an ihm befindet sich eine Netztasche, z.B. für einen kleinen Fotoapperat (meine Canon Powershot 640 passt leider nicht hinein) und rechts gibt es einen Karabiner für... keine Ahnung, wenn ich ehrlich bin. Irgendwas kleines. Einen Schlüssel würde ich da ungern dranhängen. Sehr wichtig sind die jeweils zwei sich überkreuzenden Riemen im hinteren Teils des Hüftgurts. löst man sie vollends, schaukelt und wackelt der Rucksack ordentlich in der Gegend herum - zumindest wenn er gut beladen ist. Hier sollte man übrigens auch unbedingt aufpassen: sind diese Riemen gelöst und der Rucksack schwer beladen, so kann er einen bei einigen Bewegungen schon etwas aus dem Gleichgewicht bringen, da er ja nun sehr flexibel am Rücken sitzt! Sinnvollerweise spielt man also etwas mit diesen Riemen und findet das optimale Maß an Beweglichkeit, welche man bis fast zur gänzlichen Starre variieren kann. Gut gemacht! Wenngleich es viele Rucksäcke gibt, die bei Bedarf noch wesentlich "brettiger" sitzen.

"Praxis"
Bislang klingt das alles nach "echt toll mit klitzekleinen Verbesserungsvorschlägen". Aber in der Praxis stimmt das so nicht ganz. Zuerst einmal kam ich mir von Mammut etwas veralbert vor, als ich die beiden Rucksäcke, also den "s" und den "l" miteinander verglich. Die Hüftgurte unterscheiden sich, klar. Der "l"er ist zu lang geschnitten und passt mir nicht, der kleine sitzt perfekt. Ooohm, ich darf auch mal small tragen.. ;) Tja, und jetzt? Was unterscheidet die beiden Größen sonst noch? Ich habe einige Augenblicke gebraucht, um es festzustellen. Nichts! Nun, das ist nicht ganz richtig. Bei dem Großen lassen sich die Schulterträger noch weiter oben anbringen. Das bringt sicher mehr Bequemlichkeit, da die Träger hierdurch eben besser sitzen oder überhaupt passen. Aber Rucksackgrößen unterscheiden sich nun mal in erster Linie durch die Rückenläge. Will man den Rucksack sinnvoll nutzen, so beschreiben die Lastkontrollriemen einen nicht zu flachen Winkel (optimal > 25° zur Horizontalen), um ihre Wirkung gut zu entfalten. Hierzu müssen sie Rucksackseitig weit oben ansetzen und dann zum Schulterträger, wenn man den Rucksack beladen aufsetzt, abfallen. Je flacher der Winkel, desto schlechter die Wirkung - und das merkt man massiv. Sie sind zu einem guten Teil mitverantwortlich dafür, dass das Rucksackgewicht und der ganze Rucksack einfach nach hinten wegkippt. Der Hüftgurt bringt das Gewicht auf die Hüfte und versucht den Rucksack nah am Rücken zu halten. Aber ohne die Schulterträger und Lastkontrollriemen gelingt das nun einmal nicht. Hier hat Mammut einfach geschludert oder versucht mit identischen Packsäcken (nur die Aufnahme für die Schulterträger und diesbezügliche Bezeichnung variieren) Geld für unterschiedliche Ausführungen oder Entwicklungskosten einzusparen. Das ist wirklich schade und lässt diesen Rucksack für größere Menschen über ~180cm weniger sinnvoll erscheinen. Bei mir liegen die Lastkontrollriemen schon sehr genau horizontal!
Hier hätte man doch gleich so ehrlich sein können die Befestigungsplatte der Träger zu verlängern und sich den Käufer einen Hüftgurt aussuchen zu lassen. Auf Nachfrage , quasi eine Sonderbestellung bei Mammut, wäre es ohnehin möglich gewesen einen "l" Rucksack mit einem "s" Hüftgurt zu erhalten.
Dieser Punkt ist echt, echt schade, denn Mammut verspielt sicher hier Rucksackerfahrene, große Kunden - und mich. Und das, obwohl mir der Rucksack ansonsten gepasst hat wie bislang kein zweiter in dieser oder einer größeren Größe. Für mich war aber dies einer von zwei ausschlaggebenden Punkten gegen eine Kaufentscheidung. Der zweite punkt ist eher eine Hochrechnung einer Ahnung eines Gefühls. Ist der Rucksack mit rund 16Kg beladen, spüre ich den kunststoffrahmen des Hüftgurts an seiner Unterseite ganz leicht und befürchte, dass dies mit zunehmendem Tragen intensiver wird und schließlich unangenehm.
Würden diese beiden Punkte überarbeitet werden, so wäre es für mich ein exzellenter Rucksack für viele Gelegenheiten. Ein urgemütliches Dingen mit einem Tragesystem, dasss zumindest mit den getesteten 16Kg überhaupt kein Problem hat, noch dazu sehr flexibel ist und dem Träger schön viel Bewegungsspielraum lässt. Ob die gewählten Kunststoffbefestigungen auch bei extremer Kälte gut funktionieren und bruchfest sind, vermag ich nicht zu sagen. Aber ich könnte mir schon vorstellen, dass dieses Detail den Käuferkreis etwas eingrenzen mag.
Sollte Mammut die genannten Punkte überarbeiten, erhielte man für 180-190€ einen wirklich feinen Rucksack. Bis dahin kann ich ihn nur einer eingeschränkten Käuferschicht empfehlen: kleineren, nicht allzu schmal gebauten Trekkern.