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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [IN] Indien Delhi-Agra-Varanasi-Jaipur-Pushkar-Bundi-Ranthambore



Mambo
09.05.2011, 23:48
Land: Indien - der Norden
Reisezeit: 27.11 – 16.12.2010
Region/Kontinent: Südasien

Nachdem ich eigentlich nach Laos wollte und mich über dieses Land im Internet informieren wollte, bin ich auf einige tolle Reiseberichte über Indien gestolpert. Und was soll ich sagen innerhalb von 2 Stunden stand mein neues Reiseziel fest. Nachdem ich keinen Reisebuddy auftreiben konnte, wurde kurzerhand beschlossen alleine zu fahren. Also Flug bei Turkish Airlines für etwas mehr als 400€ gebucht, nen Loose gekauft und ne grobe Reiseroute festgelegt. Delhi – Agra – Varanasi und dann mal schauen. Vielleicht nach Pushkar? Okay sounds like a plan.

Impfungen waren alle vorhanden, auf Tollwut verzichte ich mal, ich kann mich ja von den Tieren fernhalten. (Hab ich zumindest gedacht). Also Arzneitäschchen gefüllt, Spritzen und Zugänge in der Apotheke besorgt. Sicher ist sicher. Ich hatte noch nie, niemals nie soviel Medikamente in meiner Reiseapotheke. Neben den Medis haben's dann noch ein paar T-Shirts, ein paar lange Hosen, ne Jacke und 2 Longsleeves von Icebreaker, Unterwäsche, Socken, ein Schlafsack, ein Netbook und die neue Digicam ins Gepäck geschafft. Summa summarum 13 Kilo.

Wahnsinn die Vorfreude hat ein Ende, es geht heute los. Zum Abschied noch ein schönes Frühstück und einen Kaffee beim Bäcker genossen, dann ab ins Taxi und ab zum Flughafen Nürnberg. Am Zoll die ganze Elektronik angemeldet, damit's bei der Einreise keinen Stress gibt, aber nach Aussage des Zolls reicht's wohl aus, die Rechnungen mitzuführen. Nun gut wieder was gelernt. Dank Schneesturm startet die Maschine 1,5 Stunden zu spät, und der freundliche Flughafen Mitarbeiter bereitet mich schon auf einen Sprint im Flughafen Istanbul vor, damit ich meinen Anschlussflug noch bekomme. Nach der Landung wurde ich gleich abgefangen und mit ein paar Indern direkt zum neuen Gate gebracht. Noch 15 Minuten bis zum Abheben und ich muss noch durch den Sicherheitscheck. Das wird eng, aber es geht alles gut, ich bin an Bord der Maschine und mit 10 Minuten Verspätung heben wir ab.

Ratz Fatz 6 Stunden später lande ich morgens um 3 Uhr in Delhi. Wie sich nach einer Stunde warten herausstellt ist mein Gepäck aber leider nicht im Flieger. Na super, dann mach ich gleich mal Bekanntschaft mit der indischen Bürokratie. Formblätter ausfüllen, Anschiss kassieren, weil ich mir meine Gepäcknummer nicht gemerkt habe, Mit Turkish Airways telefoniert, eine Zollerklärung ausgefüllt. Ich musste bestätigen, dass alle meine Sachen im Rücksack nicht mehr als 150€ wert sind, sonst kann mir der Rucksack nicht nachgesendet werden, da er persönlich von mir verzollt werden müsste. Unglaubliche 2 Stunden später kann ich gehen. Gott sein Dank habe ich bereits ein Hotel von Deutschland für die erste Übernachtung gebucht. Somit freu ich mich schon auf den Abholservice von meinem Hotel. Der hatte aber wohl keine Lust so lange auf mich zu warten und ist schon mal gegangen. Also doch ein Prepaid Taxi. Ne halbe Stunde später, kauf ich mir ne Zahnbürste, Zahnpasta und Klopapier und geh erst mal schlafen mit den schelmischen Worten eines Indischen Leidensgenossen an der Gepäckausgabe in den Ohren : „Welcome to India, everthing is possible in India.“

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Nach dem Aufstehen und Frischmachen realisiere ich das Indien anders ist. Es ist laut, es stinkt und es gibt viele, viele Menschen. Ich besorg mir mein erstes Essen und beschließe den Tag ruhig angehen zu lassen. Nachdem ich schnell aus Delhi raus will, habe ich die ersten beiden Zugtickets, nach Agra und Varanasi schon aus Deutschland gebucht und bin zumindest diesen Stress erst mal los. In zwei Tagen geht’s also weiter nach Agra und was mach ich bis dahin? Ich beschließe erst mal Richtung Bahnhof zu laufen um mich zu orientieren. Die Händler hier im Touri Viertel nerven und jeder spricht mich auf meine Schuhe, meine Kappe, mein T-Shirt etc. an, um so mit mir ins Gespräch zu kommen. Dank Reizüberflutung kann ich mich nicht wehren und lass mich einfach darauf ein. Aber wenn die mich so viel fragen, kann ich natürlich auch zurückfragen. Wo geht’s zum Bahnhof und wo ist der Conhaught Place? Raj, ein indischer Student, der gerade Semesterferien hat und meinen Hut toll findet erklärt mir den Weg. Ich laufe also ein wenig durch Delhi und treffe schon den nächsten netten Inder, den ich natürlich auch nach dem Weg frage. Er begleitet mich, da er eh in die Richtung muss und gibt mir den Tip, dass ich mir dich eine Karte in der Tourist Office holen kann, da wir dort eh vorbei kommen. Er zeigt mir das Office und verabschiedet sich. Total lieb und hilfsbereit diese Inder. Naja das hoch offizielle Tourist Office ist eine Touristen fallen und der Geschäftsführer möchte mir nen kompletten Trip nach Kashmir inkl. Aller Züge, oder eines privaten Taxifahrers verkaufen. Zu viel zu hohen Preise, aber seine Verkaufsstrategie ist nicht schlecht. Ich lehne dankend ab und gehe. Siehe da, wer wartet vor dem Office. Mein Freund, der mich hierher gebracht hatte. Er hat wohl auf eine fette Provision gehofft. Ich frag nochmal nach dem Weg und folge der Beschreibung. Hm sieht irgendwie nach Sackgasse aus. Wo bin ich bloß gelandet. Da spricht mich schon der nächste Inder an. Hello nice cap, Sir. Ich überlege kurz, und antworte, hey Raj dir muss meine Mütze wohl wirklich gefallen. Er kann sich nun auch erinnern und fragt mich, wie ich in dieses Viertel komme, der Connaught Platz ist doch in der anderen Richtung. Ich erzähl im meine Geschichte und er muss lachen und läd mich erst mal auf nen Chai Tee ein. Mein erster Chai in Indien. Sau geil, wir quatschen ne Stunden über Gott und die Welt und anschließen bringt er mich noch zu nem Handy Laden und organisiert mir ne indische SIM Karte. Dann fragt er ob er mir noch was zeigen kann und ich sag zeig mir was, wo keine Touris sind. Er ruft nen Kumpel an, der eine Autorikscha besitzt und der fährt uns zu zwei Tempel in denen wohl echt schon lange kein Weißer mehr war. Ich führe ein kleines Ritual zu ehren von Kali durch, geb' ne kleine Spende und erhalte dafür göttlichen Segen. Jetzt kann ja nichts mehr schief gehen. Ich merke meinen Jetlag und frag, ob er mich ins Hotel bringen kann, was er gerne zusammen mit seinem Kumpel in der Rikscha tut. Ich bekomme noch ne Einladung zu einer Hochzeit und wir tauschen Handynummern aus. Ich verspreche mich am Abend zu melden, wenn ich ausgeschlafen habe. Ich geh ins Hotel, werde wegen dem roten Punkt auf der Stirn gelobt und falle ins Bett. 3 Stunden später geht der Wecker und ich rufe erst mal Turkish Airlines an. Mein Rucksack ist in Mumbai und wird voraussichtlich morgen ins Hotel gebracht. Ich bin total überwältigt von allen Erlebnissen und bin hin und her gerissen, ob ich zur Hochzeit soll. Ehrlich gesagt hab ich ein wenig Schiss, dass ich schon wieder verarscht werde. Ich bin ein Feigling und schreibe gerade ne SMS an Raj, um ihm mitzuteilen, dass ich nicht mitkomme. Beim letzten Wort klingelt mein Handy, Raj ist dran und sagt, er ist in 15 Minuten da und holt mich ab. Ich beschließe, dass es mein Schicksal ist auf die Hochzeit zu gehen und stimme zu. Raj gibt noch den Hinweis, nicht zu viele Wertsachen mitzunehmen, da viele Gäste auf der Hochzeit sind und man nie wissen kann, ob böse Menschen dabei sind, fühle ich mich seltsamer Weise beruhigt. Raj wird auf mich aufpassen :-).

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Bevor es zur Hochzeit geht, gabeln wir noch ein paar Freunde von Raj mit der Autorikscha auf und fahren erst mal zu nem Straßenimbiss zum Bier, Whiskey und Essen kaufen. Das Essen ist eines der besten die ich in ganz Indien essen werde und dazu Biertrinken mit 4 Indern in der Autorikscha zu sehr sehr lautem Hindipop. Sehr skurril aber ich fühl mich gerade wirklich frei. Nach ca. EINER Stunde sind wir am Ziel, ein echt echt armes Viertel genannt District 41. Überall Müll, ganze Familien schlafen in einem garagenähnlichen Raum, wovon jeweils ca, 4 Stück übereinander gebaut wurden.

Ich werde im ganzen Viertel herumgeführt oder besser herumgezeigt. Ich bin der erste Weiße der jemals in diesem Viertel war wird mir mehrfach versichert. Die Hochzeit fängt erst in ca. 2 Stunden an, also lerne ich die Familien meiner neuen Freunde kennen und werde zu etlichen Chais in die Privatwohnungen eingeladen. Wahnsinn so einen Einblick ins „echte“ Indien zu bekommen. Nach den Wohnungsbesichtigungen geht’s zu nem illegalen Alkohol Shop und wir kaufen noch mehr Kingfisher Bier. Setzen uns an eine offene Feuerstelle und Raj kauft etwas zu Essen bei der exl-eprakranken Köchin. Ich schlucke etwas, erinnere mich, dass Lepra aber einem gesunden Menschen eigentlich nichts anhaben kann und Esse vom Lammeintopf. Lecker und gut scharf das ganze. Jeder will mich umarmen und um den Platz neben mir entbricht ein kleiner Streit. Ich komme mir wirklich etwas wie ein Statussymbol vor. Raj scheint meine Verunsicherung zu spüren und verspricht, dass meine Freunde aus der Rikscha auf mich aufpassen werden. Und so soll es auch sein. Mindestens einer ist immer an meiner Seite und gibt mir ein Gefühl von Sicherheit.

So nun geht die Hochzeit los. Eine indische Hochzeit dauert mehrere Tage und heute ist sowas wie der Junggesellenabschied. Es gibt wieder lecker Essen und ich kaufe ein paar Bier für meine Freunde. Das erste mal, dass Sie überhaupt etwas von mir annehmen. Bis jetzt war ich immer Gast. So nun kennt mich das ganze Viertel und die Musik geht los. Ich muss natürlich zusammen mit dem Brautvater den Tanz eröffnen und scheine mich nicht total doof anzustellen. In den kommenden Stunden wird viel getrunken, noch mehr getanzt und Spaß gehabt. Ein Schwuler macht sich die ganze Zeit an mich ran, bis er etwas unsanft von meinen Freunden vertrieben wird und die Feier geht weiter. Um 4 Uhr nachts möchte ich nach Hause, doch leider kann keiner meiner Freunde mehr fahren. Ich bekomme also einen Schlafplatz bei Rajender, dessen Frau und Kinder gerade nicht zu Hause sind. Ich bekomme natürlich das Bett und Rajender schläft auf dem Boden. Wahnsinn. Das also war mein erster Tag in Indien. Wenns so weiter geht, wird’s ein verdammt erlebnisreicher Urlaub :-)

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india
10.05.2011, 06:34
Ein guter Einstand in Indien.
Jetzt bin ich gespannt, wie es weitergeht!

Gruß,
Stef

DeLiebe
10.05.2011, 10:15
Sehr schön, ein guter Start in einen erlebnisreichen Indienurlaub...

sejoko
10.05.2011, 12:29
Hallo

Lass' uns nicht zu lange warten mit der Fortsetzung. Fängt schon mal sehr gut an...

Gruß
Sebastian

Hitman
10.05.2011, 15:54
super erzählt! und mutig sich sich auf die Hochzeit einzulassen (gut, dass du offensichtlich mit einem tollen Erlebnis belohnt wurdest)

Mambo
11.05.2011, 00:07
Dank dem Jetlag und der späten Stunden schlafe ich recht schnell ein und werde ca. um 7:30 wach, da die Welt um mich herum lautstark erwacht. Rajender ist auch wach und wir machen uns kurz frisch und dann klappern wir noch mal alle Freunde ab. Zum Frühstück gibt es Toast mit Butter auf offener Flamme am Gasherd getoastet, dazu Masala Chai. Ich spiele noch ein wenig mit den Kids und nehme erst jetzt bei vollem Tageslicht das Viertel so richtig war. Sehr dreckig, überall Müll aber alle haben ordentliche Berufe wie z.B. Rikschafahrer, Buchladenbesitzer, Obstverkäufer, Taxifahrer etc. Ich schätze es handelt sich also um die untere Mittelschicht. In der Zwischenzeit hat sich dann die Nachricht, dass ein Weißer im Viertel ist in der ganzen Umgebung herumgesprochen und ich darf gefühlten hundert bis zweihundert Leuten die Hand schütteln. Ich genieße die Sonne und freu mich noch wie Bolle, dass ich den gestrigen Abend miterleben durfte. Gegen Mittag möchte ich langsam mal wieder ins Hotel und Raj und Rajender bringen mich zusammen mit der restlichen Gang in der Autorikscha zurück.

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Auf dem Rückweg sehe ich überall große Zelte stehen, welche mir gestern Abend schon aufgefallen sind. Es sind alles Hochzeits Party Zelte, denn es ist gerade das Ende der Regenzeit und somit Hochzeitssaisson. Sprich alle Hochzeiten in ganz Indien finden in den kommenden 4 Monaten statt. Und an der Größe des Zeltes sieht man den Wohlstand bzw. den Stand in der Gesellschaft.
Schnell noch an die Tankstelle gefahren und die Rikscha vollgetankt (mit Erdgas). Ich übernehme die Rechnung da ich eh schon ein schlechtes Gewissen habe. Rajender friert sich vorne auf der Rikscha den Arsch ab, da es vielleicht gerade mal 12°C hat und ich biete ihm meine Bergans Jacke für die Fahrt an. Von nun an trägt er die Jacke, als ob es ein königliches Gewand wäre und stolziert damit herum. Zum Dank fährt er uns nun im Kamikaze Stil zurück in mein Hotel. Er fragt, ob er die Jacke noch für heute behalten kann und ich erlaube es Ihm.

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Da wir in Rajs Viertel niemanden mit einem Ericsson Ladegerät für mein Handy gefunden haben, geht’s noch zum Handy Shop und jetzt bin ich stolzer Besitzer eines etwas windigen Ladegerätes für mein Handy. Naja was will man für 100 Rubien erwarten, es läd immerhin. Der Typ am Empfang guckt mich etwas irritiert an und wundert sich wohl, wie ich heute Morgen ungesehen an ihm vorbeigekommen bin. Ich grinse nur. Nachdem mein Handy nun wieder Saft hat, gibt es gute Nachrichten von der Airline. Mein Gepäck wird noch heute ins Hotel gebracht. Ole Ole Ole.

Ich verbringe den Tag damit auf der Dachterrasse des Hotels das Treiben der Stadt zu beobachten, auf meine Jacke, mein Essen und meinen Rucksack zu warten. Mein Zug nach Agra fährt um 17:30 Uhr, mein Gepäck soll um 16 Uhr gebracht werden und um 14 Uhr will Rajender meine Jacke vorbeibringen. Wenn Shiva und Kali es wollen, wird das alles schon. Ansonsten muss ich mir wohl ein neues Bahnticket für den kommenden Tag besorgen. Auf dem Weg zum Treffpunkt für die Jackenübergabe lasse ich mich noch von nem echt geilen Hellseher Baba (heiliger Mann) verarschen, komme aber mit 100 Rubien und ner Coke aus der Sache raus, ohne mein Gesicht zu verlieren. Rajender will die Jacke gar nicht mehr ausziehen, obwohl es mittlerweile 27°C hat und ich die Jacke auch im deutschen Winter trage. Noch mehr, er will sie sogar übermorgen auf der richtigen Hochzeitsfeier tragen. Ich muss ihn da aber leider enttäuschen und lasse, nach eine großen Abschiedszeremonie, einen todtraurigen Rajender zurück. Wir werden uns definitiv vor meinem Abflug wiedersehen und ich nehme mir vor die Jungs zum Essen einzuladen.

Zurück im Hotel ist meine Freude unvorstellbar. Mein Rucksack ist da. ICH LIEBE INDIEN. Jetzt also auf zum Bahnhof. Dort angekommen werd ich mal wieder verarscht, ein Typ in Uniform will mir noch vor dem Bahnhof ein Ticket verkaufen. Ich zeige ihm stolz mein Internet Ticket und er sagt sehr überzeugend, dass diese in Indien nicht gültig sind. Ich müssen ein neues kaufen. Ich bin kurz verwirrt und erinnere mich, mal was von Bauernfängern am Bahnhof mit so ner Masche gelesen zu haben. Und gehe einfach weiter. Der Polizist, der alles mitbekommen hat guckt nur teilnahmslos. Naja es wollen halt alle von irgendwas leben.
Das richtig Gleis ist schnell gefunden und ich lass mir von einem Mitreisenden am Bahnsteig erklären wo den mein Abteil ist. An jedem Abteil hängt ein 9 Ausdruck (9 Nadel Drucker?) mit den Namen der Mitreisenden für dieses Abteil. Schon sitze ich auf meinem Platz. War ja gar nicht so schwer und chaotisch wie erwartet. Ich kann die 3AC Sleeper nur empfehlen. Viel Platz und nette Mittelstandsinder mit guten Englisch Kenntnissen. Als Einstieg ins indische Bahnsystem perfekt. Hab mich die ganze Zeit gut unterhalten und um 23 Uhr bin ich auch schon in Agra. Schnell noch ins auf der Fahrt organisierte Hotel fahren lassen. Dort noch was zu Essen geordert und ab ins Bett. Morgen geht’s früh los, damit ich das Taj Mahal nicht mit einer Millionen anderer Touris gemeinsam ansehen muss. Das Hotelzimmer ist echt mies, es stinkt nach Schimmel und das Klo ist unglaublich eklig. Aber ich habe mitten in der Nacht keinen Bock mehr mir was Neues zu suchen.

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5:30 Uhr morgens klingelt der Wecker. Zwei Corny und ein Chai auf dem Weg zum Frühstück und ab zum Taj Mahal. Vorher nochmal gecheckt, dass sich in meinem Rucksack kein Essen, kein Getränk, kein Buch (auch kein Reiseführer), keine Messer, keine Elektronik (Handy, mp3 Player) , keine Zigarette und kein Stativ befindet. Diese Sachen darf man nämlich nicht mit ins Taj Mahal Gelände rein nehmen. Und wenn man bei der sehr gründlichen Kontrolle erwischt wird, stellt man sich neu in der Schlange an. Zusammen mit der Karte bekommt man nen halben Liter Wasser in ner Plastikflasche ausgegeben. Um 7:45 werden endlich die heiligen Pforten mit 45 Minuten Verspätung geöffnet. (This is India) Und ich komme so ca. als fünfzigster Gast durch den Westeingang ins Taj Gelände.

Wahnsinn. Zum ersten mal ist alles sauber in Indien. Es gibt keine hupenden Autos eher absolute Ruhe und das Taj Mahal sowie die zugehörige Gartenanlage ist einfach ein Traum. Ich sehe zu, dass ich den Haupt Touri Pfad und alle Guides hinter mir lasse und schlendere durch den Garten. Dabei mache ich unzählige Fotos und genieße einfach die Stimmung. Insgesamt nehme ich mir fast 4 Stunden für das Taj Mahal und den Garten Zeit.
FAZIT: Frühes Aufstehen lohnt, ab 8:30 wird’s echt voll. Dann am Besten in die Nebengänge des Gartens zurückziehen und das Taj aus der Entfernung bewundern. Dort kann man dann immer noch ganz alleine auf einer Bank sitzen und alles genießen. Das Innere des Taj Mahal ist recht schlicht und bei Weitem nicht so beeindruckend, wie es das Gebäude von außen ist. Ich hab schon einige schöne Gebäude gesehen, aber das Taj Mahal ist definitiv auf Platz 1.

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Ein indischer Rasenmäher. Ein Mann zieht ein Mann steuert.

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Gegen Mittag verlasse ich das Taj Mahal Gelände und hol mir im Hotelzimmer noch ne Mütze Schlaf bevor ich mich auf zum roten Ford mache.

Mambo
12.05.2011, 23:07
Mit der Fahrradriksha geht’s nach dem kleinen Nickerchen zum roten Ford. Nachdem ich mir im Sommer bereits den Topkapi Palast in Istanbul angesehen habe, kann mich diese Anlage nicht wirklich begeistern. Faszinierend finde ich es allerdings, dass es in der arabischen Welt bereits einen Kulturaustausch im frühen Mittelalter gab welcher von Südspanien bis nach Indien reichte. Die gleiche Kultur, ähnliche Gebäude.

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Weiter geht es mit der Fahrad Rikscha in die Altstadt von Agra. Enge Gasse, Verkehrschaos und Indien wie ich es mit vorgestellt habe. Bunt, laut, dreckig und man entdeckt in jedem Augenblick etwas Neues und unbekanntes. Ich bitte den Fahrer auf mich zu warten und schau mich um. In einer kleinen Nebenstraße entdecke ich eine Moschee. Ruhe, dass ist genau das was ich jetzt brauche. Ich komme mit dem Moscheevorsteher ins Gespräch und er gibt mir eine Privatführung und gibt mir grundlegende Infos zu Sinn und Zweck der Moschee und der dort üblichen Verhaltensregeln. Dafür möchte er natürlich eine kleine Spende für die Renovierung der Moschee. Alles ist eben möglich in Indien, aber nichts scheint wirklich umsonst zu sein :-). Ich verbringe noch gut eine Stunde im Innenhof der Moschee und beobachte die Menschen und verteile Süßigkeiten an die Kids.

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Der Moschee Vorsteher

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Curcuma

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Auf dem Rückweg zu meinem Hotel möchte ich noch etwas Essen und ich lasse mich von meinem Rikschafahrer zu einem Restaurant seiner Wahl bringen. Keine Touris, sauberes Restaurant, gutes und sau scharfes Essen. Auf dem Heimweg fährt mich Jimmy dann noch zu drei Touri Abzock Souvenir Läden. Ich bin sauer und sag ihm das auch deutlich. Aber er ist wohl auf eine Provision aus. Selbst als ich ihm anbiete, dass er ein gutes Trinkgeld bekommt, wenn er mich gleich heimbringt, fährt er mich nochmals zu einem solchen Laden, der nun wirklich total überteuert ist.
Am Hotel angekommen, bekommt er 100 Rupien und ich gebe ihm zu verstehen, dass er 250 bekommen hätte wenn er mich nicht mit den Souvenir Shops verarscht hätte. Ich hab anschließend ein schlechtes Gewissen, aber ich mag es einfach nicht, wenn man mich für blöd verkauft.

Im Hotel angekommen, bekomme ich Magenkrämpfe. Na dann viel Spaß auf der heuten 14 stündigen Nachtzugfahrt. Ich hau mir Kohletabletten rein, aber es wirkt nicht wirklich. Naja wenigstens hab ich keinen Durchfall. Ich fühl mich ausreichend fit und lasse mich zum Bahnhof bringen. Es ist bereits 23 Uhr und alle im Zug schlafen schon. Diesmal fahre ich Sleeper AC 2. Hier bekommt man sogar die Bettdecke gestellt und es gibt kostenfreies Frühstück. Ich Lege mich auf meine Pritsche und bin heilfroh, dass ich die Untere habe. Die Magenkrämpfe und das ständige Aufstoßen halten mich wach bis mir um 2 Uhr todschlecht ist und ich mich auf der Toilette übergeben kann. Wow, das Essen war wohl wirklich scharf. Naja zumindest ist meine Nase jetzt frei und die Magenkrämpfe sind auch deutlich besser. Ich überlege ein Chili Nasenspray zu erfinden und kann endlich einschlafen.

Gegen Mittag kommen wir in Varanasi an und ich lass mich etwas willenlos von einem Rikschafahrer zu irgend einem Guesthouse in der Nähe der Ghats und in meiner Preislage (ca. 300 Rupien) bringen. Es gibt einen schönen Garten im Innenhof und das Zimmer ist echt um Welten besser, als das Zimmer in Agra. Hier zieh für die nächsten Tage ein.

Mambo
24.05.2011, 23:31
Meinem Magen scheint es auch besser zu gehen. Zumindest habe ich keine Schmerzen mehr und ich verspüre ein leichtes Hunger Gefühl. Für indisches Essen bin ich noch nicht bereit, also gibt’s erst mal nen Teller Reis mit Yogurt. Ich verbringe den Tag im Hotelgarten und um 20 Uhr schlafe ich ziemlich fertig in meinem Bett ein.


Am kommenden Morgen gibt’s erst mal lecker Frühstück (Pratha) mit Gemüse und Ginger-Honey-lemon water. Mir geht es wieder gut und ich plane heute mal nach Sarnath zu fahren. Hierzu organisiert mit der überaus geschäftstüchtige Hotelchef einen Rikschafahrer. Um 12 Uhr geht’s los. Sarnath ist eine buddhistische Pilgerstätte, da Buddha dort nach seiner Erleuchtung seine erste Predigt gehalten hat. Noch während dieser Predigt sollen einige der Zuhörer ebenfalls Erleuchtung gefunden haben.
Die Fahrt dort hin führt erst einmal durch das riesige Varanasi, vorbei an sehr vielen armen Menschen und ärmlichen Häusern. Der verkehr lässt sich wohl am Besten als ein großer lebender Organismus beschreiben. Es sieht zwar aus wie Chaos, aber dennoch funktioniert es. Alles in allem ein verrücktes Menschenkino für jeden Westler. Nach ca. einer Stunde bin ich da. Keine Ahnung wo der Park ist, laufe ich erst einmal zielstrebig in die falsche Richtung. ;-). Im Tempelgarten angekommen, bin ich wieder mal erstaunt, dass es auch ruhige und saubere Orte in Indien gibt. Gerade noch das Hupkonzert von einer Millionen Fahrzeuge gehört und jetzt absolute Stille. Solche Oasen der Ruhe sind für mich in den ersten Tagen in Indien wirklich wichtig, da ich sonst die ganzen Eindrücke gar nicht verarbeiten könnte.
Ich verbringe ca. 2 Stunden im Park auch wenn dieser für mich als nicht Buddhist nicht sonderlich eindrucksvoll ist und der Rikschafahrer ist bei meiner Rückkehr etwas stinkig, da ich solange weg war.

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Naja als Dank bringt er mich noch zu nem Seidenhändler, also er will mir die Herstellung der Seide zeigen. Ich Depp lass mich überrumpeln und kaufe auch noch nen Schal und eine Bettdecke. Ist wirklich schön und der Preis ist nach einigem Verhandeln zumindest aus meiner Sicht okay.

Nun will ich aber wirklich die Ghats sehen. Ich kann es kaum noch erwarten mein Hauptziel dieser Reise zu erleben. Und ich werde vom ersten Eindruck nicht enttäuscht. Es sieht genau so aus, wie ich es mir vorgestellt habe. Naja es liegt mehr Scheiße rum ;-).
Die Stimmung kann ich aber nicht lange genießen, da ich sofort als ich am Ganges ankomme, von ca. 10 Kindern um Geld oder Süßigkeiten angebettelt werde. Ich kaufe einem Mädchen ein Gebet in Form einer kleinen Blume mit Kerze ab, welche ich im Ganges platziere, mit der Hoffnung von nun an gesund zu bleiben. Haha der Europäer kauft unsere Sachen, dann belagern wir Ihn doch einfach mal weiter, denken sich die kleinen Blumenkinder. Ich bekomme nun die gleichen Blumen für ein Fünftel des Preises angeboten den ich gezahlt habe. Ich werde die Kids erst wieder los, als neue Touris vorbei kommen. Hier muss ich wohl noch üben.
Ich laufe ca. 2 Stunden an den Ghats entlang und verschaffe mir einen ersten Überblick bis es schließlich anfängt zu dämmern und ich mich auf den Heimweg mache.

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Noch schnell bei mit einem der Bootsfahrer / Ruderer einen Kahn für den kommenden Morgen gemietet. 150 Rupien für 2,5 Stunden kling fair :-). Im Hotel traue ich meinem Magen immer noch kein scharfes indisches Essen zu und esse eine Pizza bevor ich mich in mein Zimmer zurückziehe und glücklich und zufrieden einschlafe.

Mein Wecker klingelt im 5 Uhr morgens. Ich Zieh mich an (Hose, Pullover und Jacke) es ist echt frisch und breche Richtung Ghats auf. Leider wird meine Reise schon an der Hotelpforte gestoppt. Die ist nämlich abgeschlossen. Aber der Chef bekommt wohl mit, dass da jemand in seinem dunklen Hof rumspaziert und sperrt mir dann erstaunlich gut gelaunt die Türe auf. Meine Jacht steht schon für mich bereit und ich kann den Sonnenaufgang bereits auf dem Ganges genießen. Einmal den Ganges runter und wieder zurück. Sehr eindrucksvoll, die ganze Stadt hat eine spirituelle Atmosphäre wie ich sie noch nie erlebt habe. Ich habe noch nie so viel gelebten Glauben auf einmal erlebt. Mein Ruderer ist ein junger Angestellter eines Ruderboot Magnaten, der insgesamt 7 Boote besitzt. Und ich erfahre, dass auch Inder krank werden können wenn Sie im Ganges baden. Dies kommt wohl pro Inder nur 1 bis 2 mal pro Jahr vor, aber meinen Rudermeister hat es wohl heute erwischt. Somit legen wir auf halben Strecke einen Boxenstopp ein und ich bekomme einen Austauschwalla der die Tour mit mir beendet. - Bootstour am frühen, frühen Morgen müsst ihr unbedingt machen, wenn ihr mal in der Nähe seid.

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Anschließend beschließe ich nach einem kleinen Frühstück schnell mal zu der Tonnenbrücke zu laufen. Und schwuppdiwupp nach 2 Stunden durch indische Wohnviertel der ärmeren Bauart bin ich auch schon, da. Der Spaziergang war definitiv ein tolles Erlebnis, da ich so auch nen Eindruck des nicht touristischen Bereichs der Stadt bekomme. Auf den Rückweg hab ich keine Lust also mit einigen Fahradrikschas verhandelt und die mit dem besten Prei 60 Rupien oder so genommen. Und sowas der Rikschafahrer hat kein Wechselgeld und haut mit meinen 100 Rupien ab. Ab jetzt werde ich immer Kleingeld am Mann haben ;-). Was aber gar nicht so einfach ist, wenn man am Geldautomaten immer nur 500 Rupien Scheine bekommt und eigentlich nur 10, 20 und 50 Rupienscheine an den Inder bringen kann :-(.

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Ich nachdem ich dann nochmals ca. 2 Stunden durch die Stadt geirrt bin, habe ich endlich den Affentempel gefunden. Ich bekomme mal wieder nen roten Punkt auf die Stirn und sehe mir das Treiben im Tempel für die kommende Stunde in Ruhe an. Ich habe keine Ahnung was dort praktiziert wird, aber alle Leute sind freundlich, und ich bekomme sogar einen Stock, damit ich die Affen verjagen kann. Die Stadt strahlt einfach eine unglaublich tolle und beruhigende Atmosphäre aus. Ich bin endlich in Indien angekommen und habe meine Alltagssorgen komplett hinter mir gelassen. Ein tolles Gefühl.

Den Abend lasse ich damit ausklingen, mir am Main Ghat die Ganga Zeremonie vom Boot aus anzusehen. Interessant, mehr nicht. Würde ich mir auch nicht unbedingt vom Boot aus ansehen. Man bekommt es bestimmt auch gut mit, wenn man direkt am Ghat bei den Gläubigen steht.

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Klappstuhl
24.05.2011, 23:57
Superschöne Bilder und der Bericht 5sterne

(Da erinnere ich mich gleich wieder an Agrar, ich glaube dort hatte es 5687% Luftfeuchtigkeit :ill:)

Schön weiterschreiben, ja? :D

smeagolvomloh
25.05.2011, 05:10
Vielen Dank für den interessanten und Bericht und die wirklich genialen Bilder!
5sterne

Mambo
25.05.2011, 20:40
Naja das mit dem ruhig ausklingenden Abend hat dann irgendwie nicht geklappt. Ich treffe Abends im Hotel auf drei sympathische Schweden. Emil, Johann und Totte sind Arbeitskollegen und haben für 2 Monaten alle ihren Job gleichzeitig gekündigt, um sich ein Jahr in der Welt herumzutreiben. Einfach nur beneidenswert die drei. Wir haben also gemeinsam zu Abend gegessen und dann auch noch Bier beim Hotelchef bestellt. Da Varanasi eine der heiligen Städte Indiens ist, darf hier eigentlich kein Tier und auch kein Alkohol verzehrt und verkauft werden. Aber unser Gastherr schickt einen seiner Wallas weg und wenig später kommt er mit einer Papiertüte wieder. Der Inhalt besteht aus 4 Flaschen Bier die wir aber nur unter den Tisch stellen dürfen, falls eine Kontrolle kommt. ;-). Den Abend verbringen wir also mit Biertrinken, Kartenspielen und wir haben jede Menge Spaß dabei. Der Snus der Jungs rundet die Sache natürlich noch ab. Leider werden die Drei schon morgen Mittag nach Kathmandu abreisen, sonst hätten wir sicherlich noch einige gute Tage gemeinsam gehabt. Ich schlafe mal wieder glücklich ein. So muss Urlaub sein.

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Den kommenden Tag beschließe ich sehr ruhig angehen zu lassen. Ich schnappe mir meine Kamera mit dem 50mm Objektiv und laufe zum Asi Ghat und von dort aus wieder zum Main Ghat. Von Dort aus verlasse ich den Ganges und irre ein paar Stunden durch die Altstadt Varanasis direkt hinter den Ghats. Toll, die Gassen sind so eng, dass keine Autos und keine Autorikschas hier fahren dürfen / können. Es gibt also nur Motorräder und jede Menge Fußgänger. Ich lass mir viel Zeit und lege oft Pausen ein, um mir mal nen Lassi oder nen Masala Chai zu genehmigen. Auch diesen Ausflug kann ich jedem Varanasireisenden nur empfehlen. Ach ja ich hab mich insgesamt 3 mal in dem Gassengewirr verirrt, aber keine Angst, einfach nach dem Ganges fragen und sobald man wieder an den Ghats ist, findet man sich schon wieder zurecht.

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Zurück am Main Ghat lasse ich mich erst einmal massieren. Und wieder stellt sich raus, dass man in Indien aufpassen muss, wenn man nicht ständig verarscht werden will. Zum Glück habe ich aus einiger Entfernung beobachtet was die Einheimischen für die Massagen zahlen. Also handle ich 60 Rupien für die Schulter und Halsmassage aus. Aber ruck zuck wird aus der Schultermassage eine Ganzkörpermassage mit der Aussage „don't worry, it's okay“. Ich denke mir nichts böses und schon kneten zwei Typen an mir rum. Ich beschließe die tolle Massage zu genießen, wohl wissend, dass ich am Ende mehr zahlen soll als 60 Rupien. Und so kommt es dann auch, nach ner halben Stunde Massage fordern die Jungs 2000 Rupien, da es ja eine Ganzkörpermassage von zwei Masseuren war :-). Naja die beiden Massage Wallas bekommen nach ein paar Minuten Diskussion 200 Rupien und zumindest ich bin damit mehr als zufrieden. Mein Rücken dankt mir die Pause.
Den Satz „Everything is possible in India“ kann ich nur zustimmen, aber es ist nichts umsonst ;-). Und jeder Inder versucht einfach mit den reichen Weißen sein Geschäft zu machen. Es rentiert sich aber einfach nicht, sich über so etwas in Indien aufzuregen. Ruhig bleiben und einfach nur soviel zahlen, dass man sich nicht verarscht fühlt.

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Trotz all der Gaunereien ist mir Varanasi ans Herz gewachsen und ich will eigentlich noch gar nicht weiterziehen. Ich lasse den Nachmittag an den Ghats ausklingen. Es gibt immer eine ruhige Stelle wo man sich hinsetzen und dem Treiben zusehen kann. Ich beobachte Jugendliche beim Kricketspiel – dem indischen Nationalsport, Inder beim Gebet, lustigen Pauschaltouristen beim abgezockt werden und und und.

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Zurück im Hotel wartet ein Zugticket nach Jaipur auf mich. Morgen um 17 Uhr werde ich Varanasi also wirklich verlassen :-(.

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Der letzte Tag muss aber noch unbedingt genutzt werden. Also miete ich mir eine Fahrradrikscha und schaue mir die Universität von Varanasi an. Varanasi hat viele Gesichter. Das riesige Unigelände ist etwa so groß, wie eine deutsche Kleinstadt. Nach dem echten Indien ist es etwas seltsam, durch ein Tor zu fahren, und dann eine komplett saubere Stadt vorzufinden, in der sich alle an Verkehrsregeln halten. Die spinnen die Inder. Der Tempel mitten im Unigelände ist ganz nett, aber kein Muss. Ich beschließe mich also zurückbringen zu lassen und was in der Stadt zu essen. Anschließend packe ich meine sieben Sachen und sage dem Ganges noch mal auf wiedersehen und lasse mich mit der Autorikscha zum Bahnhof bringen.

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Obwohl ich 30 Minuten zu früh dort war, hab' ich fast den Zug verpasst, da er einfach mal von nem anderen Gleis abgefahren ist. Durch nen kleinen Spurt mit all meinem Gepäck, kann ich aber dann doch noch im letzten Moment auf den Zug aufspringen. So jetzt liegen 20 Stunden Zugfahrt in der dritten Klasse vor mir. Mal schauen wen ich heute so treffe.

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Aha mein Platz ist belegt. Und der von meinen Mitreisenden aus Amerika auch. Dort sitzt ne Familie mit einem Fußkranken Sohn. Leider sprechen die kein Wort Englisch und wir akzeptieren einfach, dass die indische Bahn den ersten Teil der Strecke doppelt verkauft hat. Hauptsache wir haben dann unser „Bett“ für uns alleine. Wie sich bei der Kartenkontrolle herausstellt ist die Familie in den falschen Zug eingestiegen und wird nach 3 Stunden Fahrt in die falsche Richtung relativ unsanft im nächsten Bahnhof abgesetzt. Hm, was die nun wohl machen. Reich sahen die nicht aus :-(.

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Ich schaue mir die Landschaft an, lese, unterhalte mich mit den Mitreisenden, schlafe wie ein Baby und die Zeit vergeht doch relativ schnell. Ach ja das warme Essen, welches man beim Schaffner ordern kann schmeckt scheiße. Lieber etwas von den Snack-Wallas kaufen, die in jedem Bahnhof zusteigen. Ach ja und nicht auf die Idee kommen nach Mülleimern im Zug zu suchen. Müll wird auf den Boden oder direkt aus dem Fenster geschmissen. Auf die Frage nach einem Mülleimer erntet man nur verständnislose Blicke. Ich kann euch sagen, der Zug sah nach dem Besuch des Erdnussverkäufers vielleicht aus. Ich hab mich beim Gang auf die Toilette gefühlt wie Indianer Jones beim Gang durch den insektengefüllten Tunnel ;-)

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Das Hotel in Jaipur habe ich noch aus dem Zug per Handy gebucht und auch gleich nen kostenfreien Pick-up organisiert. Ich habe beschlossen nur 2 Tage in Jaipur zu bleiben um dann gleich weiter nach Pushkar zu ziehen.

Also wird der Abend genutzt und ich sehe mir nach nem tollen Essen im Hotel Sunder Palace noch den Water Palace, die Royal Gaitor und den Monkey Tempel im Sonnenuntergang an (Full Service Autorikscha Tours by Johnny). Alles sehr hübsch, aber diese schnelle Art des Sightseeings gefällt mir nicht. Aussteigen aus der Rikscha, Foto schießen, weiterfahren, aussteigen, Foto … . Somit ist der Entschluss klar, ich werde mir morgen das Amber Fort auf eigne Faust ansehen und mir den Transport auch selbstständig organisieren.

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Es gibt noch ein Superleckers Abendessen und ich schlafe in meiner Suite für 500 Rupien die Nacht ein.

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Mambo
25.05.2011, 22:19
Um 7:30 Uhr in der Früh halte ich auf der Straße die erste Autorikscha an und die ich sehe und Frage nach einem Transport zum Amber Fort. 100 Rupien soll der Spaß kosten, ca. die Hälfte die mir vom Portier empfohlen wurde. Yeehaa ich werde besser. Und die Regel „je weniger Englisch ein Dienstleister spricht, desto günstiger“ hat sich mal wieder für korrekt erwiesen.

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Der Amber Palast ist schön, aber irgendwie auch nichts besonderes. Toll ist nur, dass man ihn eigentlich komplett auf eigene Faust erkunden kann. Das Elefantenreiten kann man sich sparen, ist aus meiner Sicht der absolute Tourinepp. Naja muss jeder selbst wissen. Das Amber Fort war dann schon deutlich leerer, da man hier einen 30 Minuten Aufstieg vor sich hat. Außer dem schönen Rundumblick gibt es hier aber eigentlich nichts besonderes. Als ich direkt neben dem Haupteingang des Amber Palastes bei einem Straßenverkäufer Essen kaufe, freut der sich wie Bolle. Scheint hier wohl nicht oft vorzukommen, dass Touris hier Essen kaufen. Naja Jaipur ist verseucht von Eintages-All Inclusiv Touristen die Morgens mit dem Bus ankommen und Abends wieder fahren. Und das macht die Stadt sehr touristisch.

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Ich schau mir noch die riesige Sternwarte das Jantar Mantar an und im Palast der Winde treffe ich Shane und seine Freundin, die beiden Amis aus dem Zug wieder. Wir gehen gemeinsam Mittagessen und trennen uns dann wieder, da mir Shane einfach zu stressig unterwegs ist.

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Ich schlendere also durch die Stadt und komme irgendwie mit nem saucoolen Autorikschafahrer ins Gespräch. Wir unterhalten uns über Musik und er will mir was auf seiner Quetsche vorspielen. Gerne nehme ich die Einladung zu ihm nach hause an und schon brausen wir in seiner Rikscha los. Zuhause angekommen treffe ich noch seinen Kumpel Raja (wieder mal ein Raja). Ein toller Typ, Künstler, Lebenskünstler, Philosoph und Sozialarbeiter. Die Stimmung ist sau gut und wir haben eine sehr tiefe und tolle Unterhaltung bei nem Bierchen. Mein Rikschafahrer bringt mich heim ins Hotel und ich werde mir morgen das private Schulprojekt von Raja ansehen.

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Zurück im Hotel gibt’s erst mal wieder lecker Essen und der Portier teilt mir mit, dass er ein Busticket nach Pushkar für den kommenden Mittag bekommen hat. Hm, schade eigentlich. Mit Raja hätte ich gerne noch ein wenig mehr Zeit verbracht.

Ich werde pünktlich um 8:30 Uhr vom Hotel abgeholt, zum Frühstück gibt’s Obstsalat von nem Straßenhändler. Anschließend fahren wir in ein armen Viertel direkt im Zentrum von Jaipur und Raja zeigt mir sein Schulprojekt. Er bringt Kindern des Viertels bei, Musikinstrumente zu spielen und zu bauen, so dass diese dann mit den Touristen ein wenig Geld verdienen könne. Aber es gibt auch noch weitere Lehrer, so treffe ich noch einen Informatiker und Seidenhändler, der den Kids Rechnen und Englisch beibringt. Die Jungs machen das freiwillig und ohne Bezahlung nach ihrer normalen Arbeit. Und die Kinder können hier wirklich unbeschwert lernen. Ich bekomme dann auch noch ne kleine Führung durch das Viertel und als Freund von Raja bin ich hier gerne gesehen. Alle freuen sich, wenn Raja vorbeikommt und ich habe jede Menge Spaß mit den Kids. Das war eine der schönsten Erfahrung, die ich je in einem Urlaub machen durfte. Ich lasse noch ne kleine Spende (ca. 100 Euronen) für den Bau eines Klassenzimmers da und werde unter tränen verabschiedet und zum Bus nach Pushkar gebracht. Dieser Abschied fällt mir mal echt wieder nicht leicht. Mit Raja werde ich auf jeden Fall in Kontakt bleiben.

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Am späten Nachmittag komme ich in Pushkar mit dem Bus an und der Besitzer vom Praful Palace (ein Freund von Raja) wartet schon auf mich am Busbahnhof. Das Zimmer und der Preis ist okay und ich will Raja auch einen Gefallen tun, also bleib ich gleich in diesem Guesthouse.

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Der erste Eindruck von Pushkar ist gut. Die Ghats zum heiligen See sind schön, wenn auch nicht so spirituell wie in Varanasi. Dafür muss man hier aber die Schuhe ausziehen, so dass man barfuß durch die Taubenscheiße laufen darf. Was mir aber an Pushkar besonders gefällt, es hat nur 20.000 Einwohner. Ist also ein indisches Kuhkaff in dem man sich nicht verlaufen kann. Hier werde ich einige Tage verbringen.

sejoko
26.05.2011, 13:19
Hi,

toller Bericht und tolle Bilder.

Du scheinst ja wirklich eine sehr schöne Zeit in Indien gehabt zu haben.

Bin schwer gespannt was du noch erlebt hast.

Gruß
Sebastian (der auch mal nach Indien will :) )

ckanadier
26.05.2011, 14:01
Hallo,
wunderschöne Bilder, interessanter Bericht über den man leicht die Zeit vergißt.
Jürgen

solopaddler
26.05.2011, 14:42
"auf Tollwut verzichte ich mal, ich kann mich ja von den Tieren fernhalten"

Tollwut lauert im Strassendreck!

Solopaddler

solopaddler
26.05.2011, 15:08
Oops, war natürlich Starrkrampf gemeint, es ist ein Kreuz mit diesen Viren!
Finde den Korrekturknopf nicht, warum muss auch alles so versteckt sein?

Solopaddler

thefly
26.05.2011, 15:19
direkt unter dem Beitrag in der grauen Leiste: "Beitrag bearbeiten"

hotdog
28.05.2011, 07:05
Danke, Mambo, für den tollen Bericht und die tollen Fotos!

Deine Offenheit/Unbefangenheit wirkt manchmal etwas naiv, bringt dir aber auch tolle Begegnungen ein. Beneidenswert.

Wie haben die Leute reagiert, die du fotografiert hast? Hast du sie gefragt, dich mit ihnen unterhalten oder manchmal auch einfach nur draufgehalten?

Mambo
28.05.2011, 09:10
Deine Offenheit/Unbefangenheit wirkt manchmal etwas naiv, bringt dir aber auch tolle Begegnungen ein. Beneidenswert.

Vielleicht fällt der Bericht etwas positiver aus, als es Indien objetiv verdient hat. Es gibt dort auch einige Schattenseiten. Ich scheine mich aber ein halbes Jahr nach der Reise besser an die guten Dinge erinnern zu können :-). Viele Inder sind einfach arm und für viele Inder die ich getroffen habe (nicht für die Mehrheit) war ich nur ein Geldautomat.
Bei meinen Begegnungen mit den beiden Rajas habe ich mich auf meinen Bauch verlassen und wenn dieser mir nach 10-20 Minuten Unterhaltung ein gutes Gefühl vermittelt hat, dann habe ich beschlossen mich auf die Situation einzulassen.
In Indien würde dich kein gläubiger Hindu umbringen. Was kann einem also passieren. Man verliert ein wenig Geld oder schlimmer deine Sachen werden geklaut. Dieses Risiko bin ich gerne dafür eingegangen, um etwas mehr vom echten Indien zu erleben.
(P.S. in Thailand wäre ich da z.B. deutlich vorsichtiger gewesen).




Wie haben die Leute reagiert, die du fotografiert hast? Hast du sie gefragt, dich mit ihnen unterhalten oder manchmal auch einfach nur draufgehalten?

Ich habe eigentlich mit fast allen Leuten erst Blickkontakt aufgenommen und z.B. durch leichtes Anheben der Kamera ihr stillschweigendes Einverständnis eingeholt. Viele Inder freuen sich total fotografiert zu werden, gerade die Kinder bitten dich manchmal sogar um ein Foto. Ab Mitte der Reise habe ich fast nur noch meine 50mm Festbrennweite verwendet, da kann man gar nicht aus dem Hinterhalt schießen ;-). Die Babas, Sadus und heilgen Männer verdienen in Varanasi mit Fotos ihren Lebensunterhalt. Die kannst du nicht ohne eine kleine Spende fotografieren, wenn du keinen Ärger möchtest.

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Dieser Junge Mann hat sehr böse auf mich reagiert, als ich ein Foto machen wollte. Als ich dann meine Kamera sofort weggepackt habe und mich entschuldigt habe, hat er mich eingeladen ihm einen Kaffee auszugeben. Ich hab ihm also einen Kaffee und mir einen Chai spendiert und mich ein paar Minuten mit ihm unterhalten. Beim Verabschieden hat er mich dann gefragt, ob ich gerne noch ein Foto von ihm machen will :-).

Zugegeben einige Fotos sind auch mit dem Zoom entstanden, wenn ich z.B. einen Gläubigen nicht bei den Gebetsvorbereitungen stören wollte.

Fotos machen in Indien ist einfach!

Liliensteiner
17.10.2011, 14:01
Hallo Mambo,

zwar schon paar Tage her.....

.....riesen Bericht von Dir.
Viele "stille" Fotos,bei denen die Atmosphäre zum Greifen nahe ist.

Wie war eigentlich Dein grundsätzliches inneres Gefühl über die jeweilige Stadt/Bevölkerung/Umgebung? Reizüberflutung,klar,wie Du ja auch anklingen liesest.

Das Bauchgefühl bei Begegungen oder Verhandlungen über jedwege Preise;-)? Auf der einen Seite hat man das Gefühl,"Achtung Achtung Achtung Nepp",andererseits sieht man der Armut da auch täglich in´s Gesicht.

Meine erste große Überseereise führte mich nach Kuba,Armut ja,aber ich hatte irgendwie immer ein Gefühl von Sicherheit,auch wenn man nächtens durch Havannas Gassen schlurfte,auf dem Lande sowieso.

...der Chronologie Deines Berichtes zufolge müßte ja noch was kommen,wie ging es weiter,greif in die Tasten ;-)....

Gruß Liliensteiner

Sir_Hawk
26.10.2011, 15:51
Hallo,
schöner Reisebericht und tolle Bilder.

Darf ich fragen, wann bzw. obs noch weiter geht?

Sir_Hawk

Mambo
26.10.2011, 23:40
Versprochen es geht bald weiter. Hab gestern schon mal angefangen weitere Fotos vorzubereiten :-)

Mambo
13.11.2011, 17:11
Abendessen gibt’s in einem schönen Cafe, welches von einer Französin geführt wird. Seit langer Zeit mal wieder ein schick eingerichtetes Zimmer mit sehr internationalem und buntem Publikum. Überhaupt findet man hier sehr viele Touristen und Althippies, welche für ihre Indienläden Kunsthandwerk einkaufen. Aber trotz der vielen, auf Touristen spezialisierten Händler, ist Pushkar eine echte Pilgerstätte für Inder und man sieht viele Rajputen in ihrer Tracht.

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Am kommenden Morgen geht’s wieder zu Fuß (5 Minuten) ins Zentrum und ich schlage mir den Bauch mit lecker Pancakes und Banane voll. Dazu gibt’s wie immer leckeren Masala Chai. So gestärkt sehe ich mir die komplette Stadt und auch einige Tempel an. Wie üblich darf man keine Kameras, Ledergürtel etc. mit in die Tempel nehmen. Hierfür gibt’s aber zumindest am Haupttempel Schließfächer. Im Tempel angekommen, kann man nicht anders, als vom dem tief verwurzelten Glauben der Hindus beeindruckt zu sein. Anschließend geht’s wieder zu den Ghats um dort einige Zeit auf den Stufen zu sitzen. Aber denkste ich werde abgefangen und mir wird erklärt, dass ich heute an dieser Stelle nicht sitzen dürfe, da irgend ein Feiertag ist. Der Priester drückt mir dann noch ein paar Blumen in die Hand und trollt sich wieder. Ich hab schon ne Vorahnung, dass ich gleich verarscht werden soll, da ich über die aufdringlichen Priester in Pushkar schon gehört habe. Die Priester führen eine Zeremonie mit einem durch und wollen dann sehr viel Geld für das Seelenheil deiner Familie (ca. 50€). Eigentlich habe ich gedacht, dass Gebetsband aus Jaipur würde mich davor beschützen, dieses bekommt man nämlich, wenn man die Zeremonie schon durchgeführt hat als Eintrittbändchen, damit man die Zeremonie nicht nochmal verkauft bekommt. Da kommt auch schon der nächste Priester und bittet mich die Blumen ins Wasser zu werfen. Die machen das überaus geschickt und ruckzuck sitze ich mit ihm da und er führt die Zeremonie durch. Danach will er 50€ nach ca. 5 Minuten Diskussion bekommt er 100 Rupien und ich meine Eintrittskarte.

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Kurz bevor ich meine Runde um den See abgeschlossen habe, kommt ein ziemlich fertig aussehender Inder auf mich zu und will mir Chillum verkaufen. Hm, ob er wohl mit dem Polizisten in 50m Entfernung unter einer Decke steckt. Ich lehne dankend ab, grüße den Polizisten beim Vorbeigehen. Da ich gerade in Stimmung bin, lasse ich mir noch das Om Zeichen mit Hena auf meine Hand malen und höre dabei eine Gesangsdarbietung von einige Zigeunern zu, mit denen ich mich dann auch noch ein wenig unterhalte. Da mir die Stimmung gerade gefällt, kaufe ich für 150 Rupien noch ne CD von den beiden wofür ich von den beiden zum Chai eingeladen werde, wo wir unser Gespräch fortsetzen. Die beiden wohnen 10 km außerhalb von Pushkar und laufen die Strecke jeden Tag um hier mit den Touristen Geld zu verdienen.

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Frisch gestärkt geht es weiter und ich sehe mir noch den Sikh Tempel an. Anschließend organisiere ich mir noch was zum Essen und beschließe mir den Sonnenuntergang vom Sunset Tempel aus anzusehen. Nach dem kurzen Aufstieg bin ich kurz verwundert, weil schon ca. 20 Mann dort oben rumhängen und auf den Sonnenuntergang warten. Ich setze mich zu einer Spanierin, einem Schweizer Aussteiger und einem polnischen Pärchen und wir unterhalten uns über Gott und die Welt, während wir auf den Sonnenuntergang warten. Der Schweizer kauft dem Baba im Tempel etwas Chillum ab, worauf sich dieser zu uns gesellt und sich der Unterhaltung anschließt. Die anderen genießen das Chillum und die Stimmung ist wirklich sehr angenehm und entspannt. Da der Schweizer bereits ca. 5 Jahre seines Lebens in Indien verbracht hat, gibt es auch noch einige wirklich hörenswerte Geschichten von ihm. Zufrieden verlasse ich den Tempel nach Sonnenuntergang und mache mich auf den Weg ins Hotel.

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Den kommenden Tag verbringe ich mit Shopping (1 Wolljacke, 2 Ledertaschen, viel Kleinscheiß). Keine Ahnung wie ich das alles mitnehmen soll. Aber jetzt hab ich wenigstens Weihnachtsgeschenke für die ganze Familie. Im Laufe des tages organisiere ich mir noch ne Kamelsafari mit Wüstenübernachtung. Das steht schon die ganze Zeit auf meiner Wunschliste.

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Ich werde am Nachmittag vom Kamelführer am Hotel abgeholt, da sich keine weiteren Teilnehmer angemeldet haben, geht’s also alleine in die Wüste. Die Wüste Rund um Pushkar ist keine reine Sandwüste, immer wieder gibt es Büsche und Gräser und an den wenigen Stellen mit Wasser, kann sogar Landwirtschaft betrieben werden. Mir wird bewusst, dass wir nicht in absolute Einsamkeit übernachten werden, da trotz Wüste ca. alle 500 Meter eine Hütte steht. Indien ist echt dicht besiedelt. Am Camp angekommen, stellt mein Guide fest, dass er Butter, Milch und Zwiebeln und Reis vergessen hat. Er schickt nen kleinen Jungen mit etwas Geld los und 20 Minuten später haben wir alles was er zum kochen braucht. Wasser hat der Guide in nem Brunnen von neben an geholt. Hm, was da mein Magen wohl zu sagt? Jetzt gibt’s erst mal Chai auf offenem Feuer gekocht. Die Sonne ist mittlerweile schon untergegangen und der Guide und der Junge kochen Dahl und machen Brot, welches in getrockneter Kamelscheiße ausgebacken wird. Okay ich wollte es ja nicht anders und hab beim billigsten Anbieter gebucht, da geht’s dann halt etwas rustikaler zu. Alles schmeckt sehr, sehr lecker und zum Abschluss gibt’s noch mal Tee. Nachdem das Kamel versorgt, die Küche aufgeräumt und das Nachtlager fertig ist, geht’s schnell unter die warme Decke. Die Hose, T-shirt, Pullover und Wolljacke lasse ich an, es hat ca. 4°C. Am nächsten morgen mit Sonnenaufgang werden wir wach und es gibt wieder Chai, dann geht’s auch schon wieder zurück Richtung Pushkar. Als Fazit kann ich sagen, nicht ganz was ich erwartet habe aber trotzdem ein schönes Erlebnis. Und dank Brahma dem großen Schöpfer hab ich auch keinen Durchfall bekommen.

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Ich verbringen den restlichen Tag in Pushkar und beschließe am kommenden Morgen mit dem Bus nach Bundi abzureisen.

Mambo
03.03.2013, 17:14
Am kommenden Tag also meinen Rucksack geschultert und auf geht’s zum Busbahnhof. Ich löse ein Ticket nach Bundi mit dem Linienbus. Nach ca. 30 Minuten kommt dann auch endlich der Bus und mir wird klar, warum mir der Verkäufer den Hinweis gegeben hat, mich zu beeilen sobald der Bus ankommt. Eine rießige Menschentraube bildet sich sogleich an der Tür des Buses. Wo kommen die Leute denn auf einmal alle her? Naja egal ich bekomme einen Platz direkt neben dem Fahrer und habe so vermutlich den Ort mit dem meisten Platz im ganzen Bus bekommen. Da ist es mir auch egal, dass es keinen Sitz gibt und ich zusammen mit einem jungen Inder auf meinem Rucksack sitzen muss. Der Straßenverkehr auf den Landstraßen ist nicht weniger abenteuerlich als der Verkehr in den Städten. Mir bereitet die Fahrt mit einem Bus voller Inder aber einfach nur Freude. Erst recht, als ich auch noch zwei super nette Menschen aus Thüringen entdecke. Es ist schön mal nach ca. 2 Wochen wieder Deutsch zu sprechen. Die beiden sind Geschwister und bereits seit 2 Monaten in Indien unterwegs. Ich finde es einfach toll, wie einfach man auf Reisen immer wieder tolle Menschen kennen lernen kann. Die vier Stunden Busfahrt vergehen schnell, auch dank der permanenten Aktioneinlagen und Beinaheunfälle unseres Busfahrers. Wie es der dickliche Fahrkartenkontrolleur durch den total überfüllten Bus schafft, wird mir ein Rätsel bleiben, ich habe beim Aussteigen auf jeden Fall so meine Probleme. Ich habe oft gehört, dass die Reiseführer Bundi zu sehr loben. Das kann ich bestätigen. Bundi ist vor allem eines, eine dreckige Industriestadt mit einer kleinen, schönen und dreckigen Altstadt. Der Busbahnhof befindet sich mitten im Niergendwo der Stadt und so teile ich mir mit Daniela und Sebastian eine Autorikscha in die Altstadt. Nach kurzer Suche finden wir ein schönes Hotel in einem alten, etwas heruntergekommenen aber dennoch schönen Händlerpalast. Der Hausherr ist ein trolliger junger Inder names Lucky, bei dem die Frau aber mal so richtig die Hosen an hat. Den Tag lasse ich auf der Dachterrasse des Hotels bei guten Gesprächen ausklingen. Dabei muss man immer aufpassen, dass einem die frechen Affen nichts vom Tisch klauen.

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Am kommenden Tag schaue ich mir gemeinsam mit Daniela die Altstadt, ein paar Palastanlagen und einen Park an. Ihrem Bruder Sebastian geht es leider schon die ganze Zeit nicht gut, da hat wohl mal wieder das indische Essen zugeschlagen. Nachmittags gehen wir gemeinsam in einem super schönen Hotel essen und 2 Stunden später sind Daniela und ich auch nur noch in der Nähe der Toilette unseres Hotels zu finden. Man sollte wirklich nur dort essen, wo man die Küche auch sehen kann. Eine schlimme Nacht und zig Toilettengängen später beschließen wir drei, den Tag nicht komplett aufzugeben und einen nahegelegenen Wasserfall zu besuchen. Also Imodium akut eingeworfen, Klopapier eingepackt und auf geht’s mit der Autorikscha 1 Stunde über holprige Straßen zum Wasserfall. Ich kann euch sagen, es gibt Angenehmeres. Ich hatte bei jedem Schlagloch Angst um meine saubere Unterhose. Der Wasserfall war okay, wenn auch nicht überwältigend. Ich verbuche den Tag mal unter „Man muss alles mal mitmachen“.


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<h5>Ranthambore - Sawai Madpohur</h5>
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Am kommenden Tag geht es mir nicht wirklich besser, trotzdem muss ich meine beiden Thüringer leider verlassen. Ich möchte vor meiner Abreise unbedingt noch einen Tiger sehen und fahre deshalb nach Ranthambore (Sawai Madpohur), um den Nationpark zu besuchen. Mir geht es immer noch unglaublich schlecht und die vier stündige Busfahrt überstehe ich nur dank einer Überdosis Imodium und kompletten Getränkeentzug für die Dauer der Fahrt. Plötzlich weckt mich der Fahrkartenkontrolleur aus meinem Halbschlaf und sagt ich müsse sofort aussteigen, da wir da sind. Leicht orientierungslos schnappe ich meinen Rucksack und steige als einziger aus dem Bus aus. Ich stehe nun mitten auf einer Brücke und habe keine Ahnung in welcher Stadt ich bin. Ich hoffe mal, dass ich an der richtigen Haltestelle rausgeschmissen wurde. Da ich keine Kraft mehr habe, halte ich die erste Rikscha an und zeige dem Fahrer die Adresse des Hotels, welches ich noch aus dem Bus gebucht hatte. Ranthambore ist für indische Verhältnisse teuer und ich habe einige Zeit gebraucht, bis ich eine preisliche akzeptable und freie Unterkunft gefunden hatte. Dem Hotelmenschen lasse ich wissen, dass ich krank bin und verschwinde anschließend erst mal auf der Toilette. Trotz einer furchtbaren Nacht fühle ich mich etwas besser und beschließen eine Safari zu buchen. Ich habe Glück und bekomme noch einen last minute Platz für die Morgenrundfahrt in einem Viersitzer. Es ist eiskalt auf dem offenen Geländewagen. Die Landschaft und die Tiere (leider kein Tiger) sind fazinierend und ich genieße trotz Magenkrämpfe den Trip. Nach ca. 2 Stunden gibt es eine Pause und danke danke danke!!! Es gibt eine Toilette. Okay, sobald ich die Tür aufmache, muss ich fast kotzen so schlimm sieht die aus. Aber was soll ich machen, soll ich in den Dschungel zu den Tigern? Ich kann euch sagen selbst eine Dixi in Wacken abends um 22 Uhr sieht nicht so schlimm aus und riecht nicht so schlimm, wie diese Toilette. Sobald ich zu hause bin, beschließe ich die Nachmittagstour nicht mehr mitzumachen. Ich liege mit Schüttelfrost und einer aus einer Plastikflasche improvisierten Wärmflasche in meinem Bett und verschlafe die kommenden 20 Stunden.

Am kommenden morgen geht es mir mal wieder besser, aber stark genug für eine Safari fühle ich mich nicht. Ich suche mir einen Sonnenplatz auf der Dachterrasse und beschließe den Vormittag zu lesen und zu dösen. Gegen Mittag bekomme ich so etwas wie Hunger. Juhuuu, dass hatte ich ja schon seit 2.5 Tagen nicht mehr. Ich suche ein Restaurant auf, trinke ne Cola und esse 5 Löffel Reis mit Yogurt. Nach kurzer Zwiesprache mit meinem Körper beschließe ich, es gibt heute Nachmittag eine weitere Safari und weil ich ein Glückspilz bin, ist wieder ein last minute Platz in einem Viersitzer frei. Mir geht es von Stunde zu Stunden besser und ich kann die Fahrt richtig genießen. Hirsche, Rehe, Mungos, Honigdachse, Schlangen, Pfaue, Krokodile, Leguane und jede Menge Vögel. Leider kein Tiger, dafür aber einen Tatzenabdruck. Zählt doch auch oder? Fazit: Auch wenn ich keinen Tiger gesehen habe, hat sich der Besuch definitiv gelohnt. Am kommenden Morgen geht es mit dem Zug zurück nach Delhi, wo ich die letzten 1 ½ Tage meiner Reise verbringen werde.

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<h5>Mambo is back in Dehli Town</h5>
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Man kommt sich schon fast wie ein Einheimischer vor, wenn man nach 3 Wochen Reise wieder zurück an den Ausgangspunkt zurückkehrt. Man kennt den Weg vom Bahnhof zum Hotel, ohne dass man fragen muss. Man kommt sich so viel wissender vor, als bei der ersten Ankunft. Man kennt die Tricks der Scharlatane und kann sie mit einem vielsagenden Lächeln abwimmeln. Hier in der Khao San Road Indiens gibt’s genug weißes Frischfleisch und die Bettler und Bauernfänger nehmen lieber diese aus. Nach dem Einchecken geht’s per Fuß zum roten Fort, damit ich noch was von der Stadt sehen kann. Auf dem Weg bekomme ich Hunger, aber ich beschließe, dass ich und mein Bauch noch nicht wieder reif für scharfes Curry sind. Also ist das Leuchten in meinen Augen groß, als ich einen McDonalds entdecke. Okay, es gibt dort KEINEN einzigen Burger, den es auch in D-Land gibt. Kuh ist halt heilig. Also gibt es einen Aloo-Burger = Burger mit Kartoffelpufferbelag. Verfickte Scheiße, das ist ja wohl mal der schärfste Burger den ich je gegessen habe. Lecker is er trotzdem und mein Magen verkraftet ihn auch. Das rote Fort ist nett, mehr auch nicht. In der großen Monschee treffe ich mich mit Raja dem Autorikschafahrer, der mir anschließend auch noch den größten Tempel Indiens zeigen möchte. Er kann es wohl als Hindu nicht auf sich sitzen lassen, dass ich die Moschee so begeistert bewundert habe. Anschließend beginnt für mich allerdings ein Kapitel dieser Reise, welches einen faden Beigeschmach hinterlassen wird. Raja beginnt immer wieder davon zu erzählen, dass er wegen meiner Touriführung heute und vor drei Woche nicht genug Geld mit seiner Autorikscha verdient hat und deshalb seinen Job verlieren wird. Er bittet mich wieder und wieder, dass ich ihm doch Geld für eine Rikscha leihen soll. Diese würde auch nur ACHTUNG! 8000 Euro kosten. Ich sage ihm, dass ich nicht eben mal 8000 Euro verleihen kann, aber er will das eigentlich gar nicht hören und wird immer aggressiver. Nach ca. einer Stunden sehe ich keinen anderen Ausweg mehr und muss ihm sage, dass dieses Verhalten unmöglich ist und ich tief von ihm enttäuscht bin. Dies umso mehr, da ich mich in Jaipur mit dem anderen Raja über die Kosten einer Autorikscha unterhalten habe und diese tatsächlich deutlich geringer als 8000 Euronen sind. Als er immer noch nicht ablässt, drücke ich Ihm meine letzten Rubies (ca. 65 Euro) für seine Chauffeuredienste in die Hand und schicke ihn wirklich erbost weg. Somit kann er bestimmt nicht sagen, dass ich für den Verlust seines Jobs verantwortlich sein soll. Verärgert laufe ich Richtung Hotel und streune noch bis es Dunkel wird in den Straßen von Delhi umher. Am kommenden Morgen holt mich mein Taxi am Hotel ab und schon sitze ich im Flieger nach Hause und versuche schon mal ein erstes Fazit dieses Urlaubs zu ziehen.

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<h5>FAZIT:</h5>
Indien wird dich umhauen. So wie du Indien begegnest, so wird es vermutlich auch dir begegnen. Lächelst du Indien an, wird es zurücklächeln. Bist du entsetzt von Indien und dem Dreck, so wird es vermutlich eine harte Zeit für dich in Indien werden. Ich möchte diese Reise nicht missen, ob ich noch ein weiteres Mal nach Indien kommen werde? Da war ich mir lange sehr unsicher. Nach ca. einem Jahr muss ich aber sagen, dass mich Indien definitiv schon wieder reizt. Die Wahrscheinlichkeit ist also nicht gering, dass ich mir nochmal den hohen Norden oder den Süden dieses spannenden Landes ansehen werden.

rolfklein
12.04.2013, 15:22
Hallo Mambo,

Superbericht über Indien mit vielen eindrucksvollen Fotos. Wir waren letztes Jahr in Nordindien auf einer sehr großen Tour von Varanasi bis Jaisalmer.

DerJo
12.04.2013, 17:10
Wow, meeegaklasse Reisebericht - macht wirklich Lust auf Indien, obwohl einige Sachen dort wohl schon ziemlich krass sind ... Wollte da eigentlich auch immer schon mal hin, vor allem seit ein befreundetes Pärchen auf ihrer Rucksacktour durch Asien dort war bin ich noch mehr motviert, die waren hin und weg und haben auch nen schönen Reiseblog geschrieben ... Deiner hat mich da ein bisschen dran erinnert und deine Fotos sind echt mega. Wie für Postkarten gemacht. Jetzt steht mein nächstes Reiseziel hoffentlich fest, danke für die schönen Eindrücke!!

Grüße
DerJo

Mambo
02.06.2013, 02:27
@DerJo: Meine Erlebnisse in Indien beschäfftigt mich auch heute immer wieder und diese Reise hat mir wirklich viel gegeben. Ich wünsche dir viele schöne Erlebnisse und Erfahrungen auf deiner Reise. Hey und vielen Dank für dein Lob.