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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [Cl][Ar] Patagonien 2011- Zu Fuß durch Berge und Urwälder abseits der Hauptrouten



Wildniswanderer
18.04.2011, 21:38
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1. Der Plan

Bernd war mir im Trekkingforum durch seine Beiträge aus der ganzen Welt aufgefallen. Offenbar handelt es sich bei ihm um einen extrem erfahrenen Trekker. Da seine Schilderungen mich extrem neugierig gemacht hatten, nehmen wir schließlich Kontakt auf, und tauschen uns über lange Zeit lediglich per e- mail aus.
Dann im Mai letzten Jahres unternehmen wir endlich die erste Tour gemeinsam. Dabei handelt es sich um eine Harzüberquerung von West nach Ost. Da uns der Hexenstieg aber viel zu viel über Fahrwege führt, suchen wir uns eine eigene Route.
Diese entpuppt sich als sehr schön, mit schmalen, oft kaum noch erkennbaren Pfaden und auch kürzeren weglosen Teilstücken.

Bernd erzählt mir von seinem Plan schon bald für einige Monate nach Südamerika aufzubrechen. Leider kommt eine mehrmonatige Reise zur Zeit für mich nicht in Frage, aber vielleicht können wir uns ja für eine Zeit lang zusammen schließen?
Ab Dezember will Bernd in Patagonien unterwegs sein, dass könnte für eine gemeinsame Tour passen.

Einer seiner dort geplanten Treks scheint mir besonders interessant zu sein. Bernd möchte den Hornopiren Nationalpark und auch einen Teil des angrenzenden, privaten Pumalin Parks durchqueren.

Allerdings gibt es auf der geplanten Route keine Wege, sondern extrem dichte, gemäßigte Regenwälder, steile Berge und große Gletschergebiete. Die Route hat er lediglich mit den Bildern aus Google Earth geplant.
Von Anfang an ist uns klar, dass der geplante Trek, auf dem wir Nahrung für 20 Tage mitnehmen wollen, extrem schwer ist. Wahrscheinlich werden wir die Route je nach den Verhältnissen häufig modifizieren müssen, und vielleicht ist der Plan auch komplett undurchführbar. Kurz gesagt, ein klassisches Abenteuer mit ungewissem Ausgang möchten wir erleben.
Inzwischen ist Bernd auch hier im Forum als BernieHH aktiv.

2. Die Hornopiren Traverse

Als ich am Frankfurter Flughafen in der Schlange vor dem Abfertigungsschalter stehe, komme ich mit einem anderen Reisenden ins Gespräch. Dabei stellt sich heraus, dass Claas schon einige Male in Patagonien war. Inzwischen hat er dort etliche Bekannte und eigene Pferde mit denen er ausgedehnte Treks unternimmt. Für ihn ist Patagonien ein perfektes Abenteuerland. Meine Vorfreude steigt…

Nachdem wir die eindrucksvollen 6000 er der Anden überflogen haben erreichen wir Santiago de Chile. Am Zoll wird es spannend. Claas hatte mir bereits erzählt, dass die Chilenen bei der Einreise Lebensmittel sehr penibel kontrollieren, um keine Pflanzen- oder Tierkrankheiten einzuschleppen. Ich habe mein gesamtes Essen für die geplante Tour im Rucksack, darunter auch Macadamianüsse und Müsli…
Und klar, ich muss mein Gepäck vollständig offen legen. Allerdings kann ich der netten Beamtin wohl überzeugend versichern, dass mein Nussmüsli völlig harmlos ist, daher entgehe ich einer Beschlagnahme meines Essens, was ansonsten hier wohl recht häufig vorkommt…

Vom Flughafen nehme ich einen Bus ins Stadtzentrum. Im dortigen Busterminal wimmelt es von Menschen. Daher dauert es auch eine ganze Weile bis ich endlich vor einem Schalter stehe und mich nach einer Verbindung nach Puerto Monttt erkundige. Eigentlich hatte ich vor, gleich am nächsten Morgen weiter zu fahren. Dummerweise ist heute aber Silvester, daher scheint ganz Chile unterwegs zu irgendwelchen Verwandtenbesuchen zu sein.

Zu meinem Leidwesen muss ich erfahren, dass alle Buslinien in den Süden auf Tage hinaus ausgebucht scheinen. Natürlich probiere ich es noch an weiteren Schaltern aber immer ohne Erfolg.

Die meisten Busse in den Süden fahren ohnehin über Nacht.
Am Flughafen hatte ich mitbekommen, dass der Reiter, den ich in Frankfurt kennen gelernt hatte, ein Flugticket nach Puerto Montt in der Halle erworben hatte. Daher hoffe ich, dass das auch mir gelingt.

Kurz entschlossen nehme ich einen Bus zurück zum Airport und habe Glück. Tatsächlich gelingt es mir noch einen Flug für den heutigen Tag zu finden.

Das 1100 Kilometer von der Hauptstadt Santiago entfernte Puerto Montt ist mit etwa 200.000 Einwohnern die größte Stadt im chilenischen Patagonien.

Normalerweise regnet es in der Hafenstadt am Pazifik, aber heute begrüßt mich schönes, sonniges Wetter. Die Gegend ist sattgrün und erinnert mit Wäldern und Weiden ein wenig an Bayern.

Nachdem ein Bus mich vom Flughafen ins Stadtzentrum gebracht hat, erreiche ich bald die Unterkunft Hostal Casa Perla, in der ich mich mit Bernd treffen will.
In der Küche treffe ich meinen Reisepartner, der bereits gestern von einem 6- tägigen Trek im Tal des Rio Cochamo zurückgekehrt ist.

Später breiten wir die recht guten Karten im Maßstab 1: 50.000 aus, die Bernd bei IGM, dem geographischen Institut der Hauptstadt gekauft hatte. Ich finde es immer wieder bemerkenswert, dass Bernd ansonsten auf seinen Treks meist nur Schwarz- Weiss Kopien von Karten mitführt, die er für Chile beispielsweise in der Nationalbibliothek angefertigt hat.

Auf seinem letzten Trek hatte er bereits die Hänge der Berge in Augenschein nehmen können, die wir zu Anfang unserer geplanten Route in der Nähe des Dorfes Puelo bewältigen müssten.

Bernd ist extrem erfahren, was weglose Treks angeht. Daher glaube ich sofort, dass diese Hänge seiner Einschätzung nach so dicht bewachsen sind, dass ein Durchkommen dort kaum möglich ist.

Bambus kannte ich bisher nur aus den Tropen. Aber auch in den gemäßigten Regenwäldern Patagoniens kommt die Pflanze häufig vor und bildet stellenweise undurchdringliche Dickichte.

Wir beschließen den Startpunkt unseres Treks in das Dorf Hornopiren zu verlegen. Von dort führt ein Weg in den gleichnamigen Nationalpark, der uns zumindest für den Anfang ein gutes Vorankommen gewähren sollte.

Casa Perla, das Hostal der Familie Uribe hat familiären Charakter. Es gibt nur eine Handvoll Zimmer mit maximal 4 Betten, die von einem internationalen Publikum genutzt werden. Sowohl der Computer der Familie als auch die Küche stehen den Gästen zur Verfügung.

Wir lernen die 21- jährige Schweizerin Julia kennen. Sie absolviert derzeit ein dreimonatiges Praktikum im Parque Pumalin von dem sie vollkommen begeistert ist.
Der Amerikaner Douglas Tomkins erwarb dort über 3000 km² Land, die er zum größten privaten Schutzgebiet Chiles machte. Es werden dort nicht nur die Urwälder vor der Abholzung geschützt, sondern auch versucht, vormals gerodete Flächen wieder aufzuforsten.

Nach dem im Preis für die Übernachtung enthaltenem Frühstück aus Brötchen, Honig und selbstgemachter Marmelade erstellt Bernd seine Verpflegungsliste und gehen zu Lider, dem größten Supermarkt der Stadt. Da Frau Uribe, die hervorragend Englisch spricht, mir 2 Gaskartuschen geschenkt hat, die andere Reisende vor ihrem Abflug zurückgelassen hatten, brauche ich nur noch Butter einkaufen. Bernds Liste ist dagegen sehr umfangreich. Da der gelernte Koch auch beim Trekking gerne frische Sachen ist, dürfen Zwiebeln, Salami und Knoblauch bei ihm nicht fehlen.
Die Preise für fast alle Lebensmittel sind allerdings ebenso hoch oder höher als in Deutschland.

Heute am Neujahrstag wirkt die Stadt ziemlich ausgestorben. Immerhin, die Läden in einer Mall haben geöffnet und Bernd gelingt es in einem Geschäft die Bilder von seinen letzten Treks auf CD brennen zu lassen.

Am Morgen können wir es gemütlich angehen, da der Bus erst um 13.30 fährt und wir die Tickets am Terminal schon gekauft haben. Bernd und ich haben das gleiche Rucksackmodell, aber als die beiden Säcke schließlich gepackt nebeneinander stehen, könnte man glauben, meiner ist nur halb voll, so winzig wirkt er neben dem von meinem Partner. So wiegt meiner ca. 30 kg, dagegen ist der von Bernd sicher 10 kg schwerer! Frisches Essen, ein großes Zelt, ein zweites Paar Stiefel und ein gewichtiger Kunstfaserschlafsack treiben das Gewicht halt leicht in die Höhe, was Bernd jedoch nichts ausmacht, wie ich bald lernen sollte…

Der Bus ist brechend voll, so dass unsere Rucksäcke nur gerade so noch reinpassen. Julia, deren Weihnachtsurlaub beendet ist, fährt ebenfalls mit dem Bus.
Da alle Sitzplätze voll sind, sitzen wir vorne auf der Treppe beim Fahrer. Bald haben wir die Stadt hinter uns gelassen und es geht auf einer asphaltierten Straße die Küste entlang. Nach einiger Zeit haben wir La Arena erreicht, wo eine Fähre uns über den Reloncavi Sund setzen soll. Landeinwärts erstrecken sich die steilen Regenwaldberge des Nationalparks Alerce Andino. Das sieht nach einem sehr schweren Gelände für Querfeldeinwanderer aus…

Als sich die Fähre auf ihrer halbstündigen Überfahrt befindet, beginnt es aus einem bleischweren Himmel zu regnen.
Auf der weiteren Fahrt kommen wir nur noch selten an einzelnen Holzhäusern vorbei. Dennoch wurde der Wald entlang der Straße schon mal gerodet. Nur einzelne verbliebene große Bäume ragen aus dem Gestrüpp des dichten Sekundärwaldes.

Gegen 17.30 erreichen wir unser Ziel, den erstaunlich großen Küstenort Hornopiren, auch Rio Negro genannt. Wir verabschieden uns von Julia, die hier bei einer Freundin übernachtet, und verlassen in der Ortsmitte den Bus.

Wieder einmal geht ein heftiger Regenschauer nieder. Ausgerechnet jetzt entdeckt Bernd, dass der Reißverschluss von seiner Gore-Tex Jacke nicht mehr schließt…

Nun, zunächst suchen wir uns ein Zimmer in dem Hospedaje auf der anderen Straßenseite. Dann versuchen wir mit unseren dürftigen Spanischkenntnissen herauszufinden, ob es hier eine Schneiderin gibt, die die Jacke vielleicht irgendwie reparieren kann. Doch heute hat schon alles geschlossen und wir werden morgen früh unser Glück weiter versuchen…
Einstweilen essen wir in einer Kneipe Hähnchen mit Pommes und wälzen später noch einmal die Karten auf unserem Zimmer.

Unser erster Weg führt uns zum Büro der Nationalparkverwaltung. Hier sind nur zwei Angestellte der staatlichen Forstbehörde CONAF anwesend. Zunächst sind sie etwas zurückhaltend, aber keineswegs unfreundlich. Wir möchten versuchen etwas über etwaige Pfade im Park herauszufinden. Leider sprechen die beiden nur spanisch. Aber der eine bemüht immerhin ein Übersetzungsprogramm seines Computers, wenn er merkt, dass die Kommunikation etwas hakt.

Offiziell darf nur der Pfad zum Lago General Pincho Concha von Besuchern genutzt werden. Obwohl die Nationalparkleute natürlich merken, dass wir ein bischen mehr vorhaben, weisen sie uns zwar darauf hin, dass das illegal ist, aber sie sagen uns auch nicht deutlich, dass wir nicht gehen dürfen…

In einer Art Besucherzentrum gibt es einige Läden und ein Restaurant. Hier soll auch eine Schneiderin anzutreffen sein. Na ja, Öffnungszeiten sind flexibel, aber um 11 Uhr erscheint Maria schließlich, und bietet an, ein Klettband das wir in einem Laden gekauft haben, an die Jacke zu nähen.

Gegen 13 Uhr können wir dann endlich starten. Glücklicherweise hat der Regen jetzt auch nachgelassen. Nicht umsonst laufen hier viele Leute in Gummistiefeln und Outdoorjacken herum.

Eigentlich müssten wir etwa fünf Kilometer weit der Straße bis zu einer Abzweigung folgen, aber wir haben Glück, obwohl wir nur halbherzig versuchen per Anhalter weiterzukommen, hält bald ein Wagen und nimmt uns mit.

Für die nächsten fünf Kilometer führt ein Fahrweg stetig bergauf. Weiden und Buschwerk werden immer wieder von einzelnen recht solide gebauten Holzhäusern unterbrochen. Die Berghänge sind noch vom Dunst verhüllt, aber über dem Meer zeigen sich bereits einige blaue Flecken.

Streckenweise begleitet uns ein Mann in Gummistiefeln, der unaufhörlich auf uns einredet. Leider verstehen wir fast nichts!

An einem Infopavillon des Nationalparks endet der Fahrweg und das Abenteuer beginnt!

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Infopavillon des Hornopiren Nationalparks

Zunächst folgt der Pfad der hier beginnt dem Tal des Rio Negro. Obwohl es sich hier noch nicht um eine Urlandschaft handelt, ist die Mischung aus offenen Weideflächen und dichten Gebüschen landschaftlich schön. An guten Zeltplätzen gibt es keinen Mangel.


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Brücke über den Rio Negro


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Bald wendet sich der Pfad ab vom Bach und es geht entlang von Granitfelsen steil nach oben. Die Vegetation ist so dicht, dass ich es mir kaum vorstellen kann, hier ohne Pfad durch die Landschaft zu spazieren.

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Aufwärts durch das grüne Labyrinth

Offene Flächen gibt es jetzt kaum noch. Aber das Fehlen der großen Bäume deutet darauf hin, dass wir auch jetzt noch nicht im Urwald sind.
Bei einer Rast können wir ein Pärchen Schopfkarakaras schön beobachten. Diese recht großen Greifvögel wirken mit gelben Schnäbeln und orangen Beinen ziemlich auffällig.

Gegen 18.30 verrät ein Schild, dass wir die Grenze des Nationalparks erreicht haben. Es ist feucht und kühl, dennoch wandern wir im T-Shirt.
Der Wald wird immer schöner, ein echter Märchenwald mit dichten Moospolstern und den gigantischen Stämmen der Alerces. Einer Nadelbaumart, die mich an die Mammutbäume Kaliforniens erinnert. Einzelne Sträucher setzen leuchtende Farbtupfer in das satte Grün.

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Märchenwald


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Die Säulen der Alerces ragen aus dem Unterholz

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Blühende Sträucher setzen farbige Akzente

Es wird zwar erst gegen 22 Uhr dunkel, aber eigentlich wollen wir unser Lager nicht so spät aufschlagen. Daher halten wir immer mal wieder nach einem guten Lagerplatz Ausschau. Diese sind hier aber dünn gesät. Daher laufen wir schließlich doch weiter bis zum Lago General Pincho Concha. Hier gibt es abseits des Pfads eine Holzhütte die von einem hier Guardaparque genanntem Ranger bewohnt wird, und einen Zeltplatz im Wald. Es gibt hier sogar Tische und Bänke, wir sind aber die einzigen Nutzer des Platzes.
Müde und erfüllt von den Eindrucken des ersten Wandertages kochen wir noch und gehen dann bald schlafen.

Dustin
19.04.2011, 15:43
Sehr schön bis jetzt;-)
Ich liebe Patagonien und freue mich schon auf die Fortsetzung:bg:

lg
Dustin

heron
19.04.2011, 19:01
Superschöne Bilder ! Und sieht nach anstrengend aus ... :o
Warte schon gespannt wies weitergeht!

Atze1407
19.04.2011, 19:48
Weiter weiter,1stern ein Sternchen gibt es schon mal vorweg, bin gespannt wie es endet.

Gruß
Jürgen

efbomber
20.04.2011, 13:12
Eine wahrhaft traumhafte Gegend. Ich beneide dich, dass du das Glück hattest ein paar Tage dort verbringen zu dürfen.

Sehr schöne Bilder. Bitte weiterschreiben, ich muss mein Fernweh füttern ;-)

smeagolvomloh
08.05.2011, 16:29
Mit großem Fernweh und großer Begeisterung habe diesen Bericht gelesen und freue mich auf weitere Zeilen und Bilder!

fjellstorm
08.05.2011, 21:40
Genau, wann gehts hier weiter!!
Bernd hält uns ja mit seiner Andenserie auf trab, dein Teil muss auch definifiv fortgeführt werden..:popcorn::grins:

Wildniswanderer
09.05.2011, 07:25
Leider war mein PC da Viren befallen für einige Zeit ausser Gefecht. Jetzt ist aber alles wieder o.k

Das schöne Wetter hält mich aber auch davon ab, vor dem Computer zu sitzen und weiter zu schreiben. ;-)

Aber bald geht es trotzdem weiter...

Gerald

mariodejaneiro
10.05.2011, 10:58
wenn wieder eine aehnliche tour geplant werden sollte...ich waere dabei ... genau das, was ich suche :p

Wildniswanderer
18.05.2011, 09:43
Gegen 8 Uhr morgens erwachen wir. Die Temperatur beträgt hier auf 900 Metern Höhe lediglich 6 Grad und im Wald herrscht eine feuchte, dunstige Atmosphäre. Manch exotisch klingende Vogelstimme erinnert mich an den tropischen Regenwald, Ich frühstücke mein bewährtes Nussmüsli. Statt dem üblichen Milchpulver verwende ich heute zum ersten Mal Eiweißkonzentrat mit Vanillegeschmack. Was gut für Bodybuilder ist, sollte auch dem schwer schleppenden Trekker nützen…
Um ehrlich zu sein, reizt mich aber mehr der leckere Vanillegeschmack des Pulvers als die Muskeln aufbauende Wirkung…
Während mein kaltes Frühstück schnell zubereitet und verspeist ist, wirft Bernd seinen Benzinkocher an um sich eine üppige Nudelmahlzeit zu kochen. Diese verfeinert er mit reichlich Zucker und Rosinen.

Wir beschließen heute die Umgebung des Lago General Pincho Concha zu erkunden um danach unsere weitere Marschroute festzulegen. Die kürzeste Route würde am Seeufer entlang und dann aufwärts der Hänge auf der anderen Seite des Gewässers verlaufen.


Auf der Broschüre des Nationalparks sind einige Pfade eingezeichnet, die hier am See beginnen sollen.


Als wir losgehen, entdecken wir schon bald eine Überraschung: Das Bett des unweit unseres Lagerplatzes in den See einmündende Baches, das gestern Abend noch tief und wasserreich war, ist heute Morgen völlig trocken! Offenbar hat das poröse Vulkangestein diese rasche Wandlung bewirkt.

Ein schmaler Pfad beginnt am Seeufer und führt durch den üppigen Bergwald aus Alerces und Südbuchen aufwärts. Glücklicherweise erscheint der Bambusunterwuchs hier häufig bereits weniger hoch und dicht als bei unserem gestrigen Aufstieg. Vielleicht ist es ja doch relativ gut möglich, diese Wälder weglos zu durchqueren.

Nach etwa einer Stunde gelangen wir an eine offene Stelle im Wald, die einen schönen Ausblick in Richtung des Vulkans Yates bietet. Große Teile der Hänge sind noch schneebedeckt. Während man im dichten Wald kaum eine zum Lagern geeignete Stelle findet, wäre dies ein schöner Zeltplatz.

Inzwischen hat sich die Sonne längst durchgesetzt und der von dichtem Wald umgebene See, über dem schneebedeckte Gipfel aufragen wirkt unter dem strahlend blauen Himmel wunderschön.

Auch in Patagonien gibt es manchmal schönes Wetter…

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Lago General Pincho Concha

Wir folgen einem weiteren Pfad, der am Seeufer entlang führen soll. Allerdings ist schon nach kurzer Zeit von einem Weg kaum noch etwas zu erkennen. Statt uns durch die dichte Vegetation zu kämpfen versuchen wir meist am Seeufer zu bleiben, wo wir häufig über große Lavabrocken balancieren müssen. Das Vorankommen ist langsam und ziemlich schwierig. An manchen Stellen ist es nicht möglich der Uferlinie zu folgen, so dass wir gezwungen sind in den Wald auszuweichen. Jeder Schritt stellt einen Kampf mit dem verschlungenen Geäst dar, eine sehr anstrengende Angelegenheit.

Schließlich treten wir den Rückweg an.

Unsere Schlussfolgerung aus diesen Erkundungen ist, dass wir nicht die kurze Route am Seeufer entlang wählen werden. Stattdessen wollen wir Morgen in Richtung des Vulkans marschieren um dann in einem großen Bogen zu dem Grat auf der gegenüberliegenden Seeseite zu gelangen.

Wir hoffen dass der Wald in den höheren Lagen weiterhin einfacher zu durchwandern bleibt.

Zurück in der Nähe unseres Zeltplatzes treffen wir den Guardaparque. Er berichtet, dass nur wenige Besucher hierher kommen. Es scheint tatsächlich einen von den Einheimischen genutzten Weg von Puelo zur Nordspitze des Sees zu geben, aber mit unseren mangelhaften Spanischkenntnissen können wir wenig Genaues herausfinden. Später sucht uns der Ranger noch einmal auf, und lässt uns eine Erklärung unterschreiben, nach der wir auf eigenes Risiko in den Park marschieren….

Später spaziere ich noch ein wenig am Seeufer entlang und genieße den ruhigen Abend. Der Wald an sich ist faszinierend, aber besonders begeistern mich die Säulen der Alerces die oft mehr als 2 Meter im Durchmesser aufweisen. Diese Nadelbaumart hat ein sehr begehrtes Holz, aus denen unter anderem Schindeln für die Dächer der Häuser der Siedler hergestellt wurden. Daher blieben nur Restbestände dieses majestätischen Baumes erhalten, der mittlerweile aber nicht mehr eingeschlagen werden darf.

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Alerce

Am nächsten Morgen laufen wir zunächst zwei Stunden lang auf dem Pfad der in die Richtung des Vulkans Yates führt. Mal laufen wir in sumpfigen alten Lavarinnen, mal auf den trockenen Rücken zwischen zwei Tälern. Zu unserer Freude hört der Bambusunterwuchs bald auf, und irgendwann wird der Wald auch niedriger und lichter um dann kurz vor der Baumgrenze nur noch aus verschlungenem Südbuchengestrüpp zu bestehen.

Wir lassen unsere schweren Rucksäcke an einem Bach zurück um in Richtung des Vulkans zu wandern. Leider ist es nicht so schön und klar wie gestern. Aber trotz der dunstigen Schleierwolken brennt die Sonne auf uns herab.

Bald lernen wir eine echte Plage dieser Gegend kennen: Tabanos, Bremsen die uns in verschiedenen Größen und Farben belästigen. Zwar sind die Biester relativ schwerfällig aber dennoch schafft es immer mal wieder eine sich schmerzhaft festzusaugen. Besonders eindrucksvoll ist die riesige rote Variante, wahre Kampfflieger. Wir hoffen dass die Plage mit zunehmender Höhe und entsprechender Windbewegung nachlässt. Aber leider wird diese Hoffnung enttäuscht.

In dem heideartigen Bewuchs oberhalb der Baumgrenze macht das Laufen richtig Spaß, doch bald erreichen wir schon eine ausgedehnte Zone aus roten und schwarzen Lavablöcken wo wir wieder stärker darauf achten müssen, wohin wir unsere Füße setzen. Je höher wir kommen, desto weiter können unsere Blicke schweifen.

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Aufstieg zum Vulkan Yates

Immer wieder müssen wir Schneefelder queren, in denen wir aber kaum einsinken.
Schließlich erreichen wir eine Kette von drei Gipfeln. Der eigentliche 2187 m hohe Vulkan ist noch weit entfernt. Nichts als Schnee ist bis dorthin zu erkennen.
Wir genießen den Blick zum Kegel des Vulkan Hornopiren und zum Reloncavi Sund wo wir gestern unsere Wanderung begannen.

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Blick über den Vulkan Hornopiren zum Reloncavi Sund

Vor allem aber können wir unsere weitere Route von hier oben überblicken. Einige Zeit werden wir noch auf den weiten Lavahängen des Vulkans gut vorankommen.
Danach geht es durch hügeliges, bewaldetes Terrain. Glücklicherweise scheint der Wald weniger dicht als in tieferen Lagen zu sein, und wird immer wieder von offenen Lichtungen unterbrochen.

Nach drei Stunden sind wir zurück an unseren Rucksäcken und laufen weiter. Ab jetzt gibt es keine Pfade mehr und wir sind darauf angewiesen selbst den besten Weg durch die Wälder und Berge Hornopirens zu finden.

Zunächst kommen wir in dem Heidegelände durchsetzt mit einzelnen Lavafeldern gut voran. Immer wieder halten wir um die tollen Ausblicke zu fotografieren. Kurze Waldabschnitte stellen kein Problem dar.

Dann geht es längere Zeit steil abwärts über Lavageröll. Vor allem mit unseren voll beladenen Rucksäcken ist hier höchste Konzentration bei jedem Schritt erforderlich. Zudem rinnt der Schweiß und die Tabanos fliegen einen Angriff nach dem Anderen. Obwohl Bernd schwerer trägt, macht ihm die Blockhüpferei offenbar nichts aus. Mein Partner kommt hier wesentlich schneller voran als ich.

Einzelne Eidechsen genießen die Wärme des Vulkangesteins.

Schließlich gelangen wir an einen kleinen Bach in einem knorrigen Waldstück. Normalerweise ist der Boden in diesen Wäldern ein einziger grüner Teppich, in dem sich kaum ein Zeltplatz finden lässt, aber hier gibt es Stellen an denen lediglich braunes Laub den Boden bedeckt. Der perfekte Lagerplatz!

Um 20 Uhr beträgt die Temperatur noch 15 Grad, daher sitzen wir noch einige Zeit draußen und unterhalten uns über unsere vergangenen Reisen.

Nachts ertönt ein lautes metallisches Froschkonzert, das mich wieder einmal an den tropischen Regenwald erinnert.

Morgens beträgt die Temperatur lediglich 5 Grad, aber ein strahlend blauer Himmel erwartet uns. Zwar sind wir jetzt zurück in der Bambuszone, aber glücklicherweise wächst er hier nicht höher als einen halben Meter.

In dem hügeligen, bewaldeten Gelände welches wir durchqueren, halten sich die Auf- und Abstiege in Grenzen. Bernd navigiert weitgehend ohne Karte allein aufgrund seiner Erinnerung der Topographie wie wir sie gestern von den Aussichtspunkten des Vulkans gesehen haben.

Nur selten überprüfe ich die Position mit meinem GPS, vor allem auch um festzustellen, wie weit wir schon vorangekommen sind.

Gestern hatten wir einige Freiflächen im Wald ausgemacht, und gerätselt warum diese vorhanden sind. Einzelne Kuhfladen verraten uns jetzt die Urheber dieser Lichtungen: Offenbar gelangen gelegentlich Rinder hierher und sorgen dafür, dass die Lichtungen nicht zuwachsen.

Uns bieten diese Unterbrechungen im Waldmeer immer wieder schöne Ausblicke.

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Vereinzelte Lichtungen sind in den Wald eingestreut

Natürlich müssen die Kühe auch irgendwie hierhin gelangt sein. Leider können wir immer wieder nur für kurze Zeit einem Rinderpfad folgen, dann verlieren sich die Spuren wieder im Dickicht.

Im Großen und Ganzen kommen wir zwar langsam aber zufrieden stellend voran.

Gegen Mittag müssen wir in ein tiefes Bachtal absteigen. An einem Steilhang ist das hindurchwinden durch die Vegetation deutlich schwieriger. Häufig erkennen wir gar nicht wohin wir unsere Füße setzen. Hinzu kommt, dass wir immer wieder über umgefallene Baumstämme balancieren müssen.

Nachdem wir glücklich das Steilufer des Baches erklommen haben, halten wir erst einmal eine Mittagsrast. Während Bernds Imbisse mit Würsten und Schokolade immer recht üppig ausfallen, verleibe ich mir eine kleine Tüte Macadamia Nüsse ein.
Diese habe ich vor der Reise günstig in einem bekannten Supermarkt erworben.
Neben dem Geschmack der fetten Nüsse begeistert mich vor allem ihr Energiewert. 125 g der Nüsse entsprechen satten 931 Kalorien!

In dem Bachtal stoßen wir immer wieder auf sumpfige Freiflächen. Wir haben keine Lust mit nassen Füßen weiterzulaufen, daher vermeiden wir sorgfältig die Stellen wo wir tief einsacken könnten.

Dann erwartet uns eine Überraschung: Wir hören Pfiffe und begegnen bald darauf zwei Männern. Es handelt sich um Hirten die aus Puelo hier hoch gekommen sind.
Offenbar stimmt die Auskunft des Rangers, dass ein Pfad von Puelo hierher in die Gegend an der Nordspitze des Lago General Pincho Concha führt.

Mit unserem holprigen Spanisch versuchen wir den Männern unseren Plan zu erklären. Obwohl wahrscheinlich wenig davon ankommt, begleiten sie uns ein Stück weit durch das Tal und zeigen uns, wo wir den Anstieg zu einem Höhenzug beginnen sollen.

Der steile Aufstieg wird das bisher härteste Stück Arbeit. Mit unseren schweren Rucksäcken müssen wir bereits nach wenigen Metern immer wieder eine Pause einlegen. Kurz bevor wir den Kamm erreichen, stoßen wir auf einen Pfad, der uns zu einer großen Freifläche führt. Weiter aufwärts wechseln sich Heideflächen mit Krummholzgebüschen ab, die aber relativ einfach zu durchqueren sind. Schließlich lassen wir unsere Rucksäcke zurück um zum Cerro El Tigre aufzusteigen.

Wir sind jetzt über der Baumgrenze und können endlich unsere Blicke wieder frei schweifen lassen. Allerdings ist es nicht möglich ganz bis zum Gipfel aufsteigen, da das letzte Stück ohne Kletterausrüstung nicht zu bewältigen ist.

Dennoch können wir von hier unsere weitere geplante Route überblicken. Ungefähr 1000 Höhenmeter unter uns liegt das Tal des Rio Traitor in das wir absteigen müssen.


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Das Tal des Rio Traitor

Auf der anderen Seite geht es ebenso steil wieder bergauf. Über der Baumgrenze suchen wir mit meinem Fernglas dann lange nach einer machbaren Route weiter aufwärts zu einem Pass. Zwar erscheint eine Rinne begehbar, aber es gibt einige Steilstücke, bei denen wir uns nicht sicher sind, ob wir sie bewältigen können.

Da alleine der Ab- und Wiederaufstieg durch den steilen Regenwald extrem schwierig und anstrengend wäre und es danach wahrscheinlich ist, dass wir auf unserer geplanten Route nicht weiter kommen, halten wir nach einer Alternative Ausschau. Der Kamm der Sierra El Muelle auf dem wir uns befinden, sieht über eine weite Strecke recht gut begehbar aus, und verspricht grandiose Ausblicke.

Zunächst fällen wir keine Entscheidung sondern kehren zu den Rucksäcken zurück. Da mittlerweile Wolken aufgezogen sind und es nach Regen aussieht, beschließen wir unser Lager an der Freifläche aufzuschlagen.

Doch zunächst erkunden wir deren Umgebung und haben Glück. In nicht allzu großer Entfernung stoßen wir auf einen Bach, daher bauen wir bald darauf die Zelte auf.

Wir glauben unseren Augen kaum zu trauen, als zwei riesige Kondore dicht über unseren Köpfen den Kamm entlang fliegen.

Kaum bin ich mit dem Kochen fertig beginnt es dann auch tatsächlich zu regnen.
Bernd stört das nicht, da er fast immer im Inneren seines geräumigen Zeltes kocht.

Zwar sträuben sich mir dabei die Haare, da so ein Benzinkocher ja auch gerne mal eine größere Stichflamme entlässt, aber da mein Partner schon seit unzähligen Jahren so arbeitet und bisher nichts passiert ist, scheint es ja zu funktionieren…

Im Zelt wälzen wir die Karten und grübeln über unsere weitere Route. Schließlich beschließen wir morgen tatsächlich weiter dem Kamm zu folgen.

Als der Regen nachlässt und sich die Wolken kurzzeitig heben, ergeben sich tolle Lichtstimmungen.

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Regenpause

Später kommt der Regen aber zurück und gewinnt zunehmend an Stärke.

Dustin
18.05.2011, 14:06
Klasse, endlich geht es weiter:D

berniehh
18.05.2011, 19:03
Hallo Gerald,

gut geschrieben und super Foto´s , Kompliment;-)

Wildniswanderer
19.05.2011, 15:38
Über Nacht ist es kalt geworden, daher sind die Zelte am nächsten Morgen von einer dünnen Eisschicht überzogen. Sonne und Wolken kämpfen noch um die Vorherrschaft, daher bleiben wir länger im Lager als sonst.

Aber gegen 9.30 hat sich die Sonne endgültig durchgesetzt und wir starten in den neuen Morgen. Da ich fürchte bald in der dichten Vegetation völlig durchnässt zu sein, ziehe ich mir Regenhose und wasserdichte Socken an. Bernd hat zwar auch eine Regenhose im Rucksack, zieht es aber vor mit seiner in Bolivien gebraucht gekauften Armeehose loszugehen. Tatsächlich ist der Wald auf dem Kamm schon wieder relativ gut getrocknet, so dass auch ich schon bald mein Regenzeug ausziehe.

Hochwald wechselt sich immer wieder mit Gebüschen und kleineren Offenflächen ab. Große Granitblöcke und steile Felswände machen das Terrain ziemlich unübersichtlich. Der Kamm ist keineswegs eben sondern fordert häufige kurze An- und Aufstiege. Obwohl wir nur selten auf die Andeutung eines Pfades treffen kommen wir recht gut voran.

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Schließlich bleiben die Gebüsche zurück und wir erreichen eine offene Blockzone.
Vor uns liegt ein nach Karte 1620 Meter hoher, namenloser Berg. Das hört sich verglichen mit den Verhältnissen in Europa zwar lächerlich an, aber hier im rauhen Patagonien herrschen in dieser Höhe bereits hochalpine Verhältnisse.

Der direkte Weg über den Kamm führt über ein steiles Schneefeld weiter zum Gipfel des Berges. Wir haben Steigeisen und Eispickel dabei, aber ich fühle mich unsicher bei dem Gedanken das Schneefeld zu begehen.

Im letzten Sommer in den Pyrenäen bin ich zweimal auf einem Schneefeld ausgeglitten und einmal erst nach einer längeren Rutschpartie wieder zum Halten gekommen. Daher habe ich kein rechtes Vertrauen zu meinen leichten Steigeisen mehr. Als ich später die Länge meiner Zacken mit denen von Bernds Steigeisen vergleiche, wird mir klar, dass meine eher weniger für steilen Schnee geeignet sind…

Glücklicherweise eignet sich der Granit hier recht gut zum Klettern, daher beschließen wir das Schneefeld in der Flanke des Berges zu umgehen.

Dabei lassen wir einmal unsere Rucksäcke zurück um die weitere Route zunächst ohne Gepäck zu erkunden. Schließlich sind wir wieder oben und können herrliche Ausblicke in die Bergwelt der Anden genießen.

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Blick über das Traidor Tal

Manchmal stapfen wir durch den Schnee, sinken jedoch kaum ein. Glücklicherweise müssen wir jetzt auch keine ganz steilen Passagen mehr überwinden.

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Auf dem Kamm der Sierra El Muelle

Immer wieder legen wir eine Rast ein, um Fotos von der herrlichen Bergwelt zu machen.

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Fantastische Aussichten

Das Wetter ist weiterhin ruhig und stabil, daher beschließen wir unser Nachtlager auf dem Kamm aufzuschlagen. Gegen 18.30 haben wir einen traumhaften Platz gefunden, der uns genügend Platz für das Aufschlagen der Zelte zwischen den Felsblöcken bietet.

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Traumhafter Lagerplatz auf dem Kamm

Wir erkunden noch etwas den weiteren Weg für Morgen und genießen später den traumhaften Sonnenuntergang.

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Im warmen Licht der Abendsonne

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Der Vulkan Osorno bei Sonnenuntergang

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Nach Sonnenuntergang

Wohl selten gibt es hier warme, windstille Abende an denen man die Stimmung des Sonnenuntergangs so wie heute genießen kann.

Ein herrlicher Abend an einem tollen Lagerplatz!

Noch bevor die Sonne am nächsten Morgen hinter dem Horizont auftaucht, werden die umliegenden Schneefelder in ihr Licht getaucht.

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Die ersten Strahlen der aufgehenden Sonne färben die Schneehänge

Zunächst können wir mit einigen kleineren Klettereien dem Kamm weiter folgen und erreichen am späten Morgen einen Pass, den wir schon gestern ausmachen konnten.
Der direkte Aufstieg zu einem Gipfel ist für uns nicht machbar, da zu steil. Daher müssen wir versuchen auf dem Nordhang die Steilstelle zu umgehen.

Da keineswegs sicher ist, ob wir einen gangbaren Weg finden können, beschließen wir unsere Rucksäcke zurückzulassen um unsere weitere Route erst einmal zu erkunden.

Die Kletterei über die Granitblöcke am Hang ist zwar nicht schwer, dennoch ist viel Vorausschau erforderlich, um den besten Weg durch das Labyrinth zu finden.

Tief unter uns schimmert der blaue See der Laguna El Cabro.

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Laguna El Cabro

Schließlich können wir die weitere Route ausmachen, lassen es uns aber nicht nehmen noch bis zu dem 1561 Meter hohen namenlosen Gipfel aufzusteigen, den wir so mühevoll umgangen haben.

Der weitere Kammverlauf sieht so schwierig aus, dass wir beschließen zunächst in ein Tal abzusteigen. Diesem wollen wir dann bis zur Laguna del Este folgen um danach wieder zum Kamm aufzusteigen.

Nach zwei Stunden Erkundung sind wir wieder bei den Rucksäcken und kommen jetzt sehr viel schneller auf der bereits erkundeten Route voran.

Bevor wir einen kleinen Pass erreichen, müssen wir nochmals eine Steilstufe umgehen und gelangen schließlich durch vegetationslose, steile Blockfelder zu dem Kammeinschnitt.

Vor dem endgültigen Abstieg erklimmen wir noch einen Granitgipfel der in der Nähe aufragt. Wieder einmal bewahrheitet sich, dass Aufstiege oft leichter als Abstiege sind, aber ohne Probleme gelangen wir glücklich wieder nach unten.

Auf dieser Reise führe ich erstmals einen Spot Messenger mit, der es uns erlaubt SOS Nachrichten abzusenden, sowie voreingestellte Nachrichten an bis zu
12 e- mail Adressen zu übermitteln.

Obwohl die Distanz zur nächsten Siedlung nicht sehr groß ist, haben wir bereits zur Genüge kennen gelernt wie schwierig das Terrain ist, und wie schwer daher auch eine Rettung im Notfall wäre…

Schon bald tauchen im Tal die ersten Krüppelbuchen wieder auf, es ist heiß und es wimmelt von uns attackierenden Tabanos. Daher bedecken wir Kopf und Körper so gut es geht.

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Abstieg ins Tal

Von oben sah das Tal mit einigen Freiflächen gar nicht schwierig aus. Das sieht jetzt aber anders aus. Schon bald müssen wir uns durch dichte Vegetation kämpfen. Zahlreiche tief eingeschnittene Nebentäler erfordern unsere Kletterkünste, häufig ohne zu sehen wohin wir treten. Die Freiflächen entpuppen sich meist als Sümpfe, es sind aber auch steinige Bereiche dabei.

Immer wieder überprüfe ich mit dem GPS unser Vorankommen um jedesmal wieder festzustellen, dass auch große Anstrengungen uns nur wenig vorwärts bringen.

Der Wald wird zunehmend üppiger und irgendwann stoßen wir auf die ersten Alerces.

Ich bin ziemlich kaputt und freue mich daher um so mehr als wir gegen 18.30 endlich die auf lediglich 750 Metern Höhe gelegene Laguna del Este erreichen. Zu unserer großen Freude gibt es hier sogar einen Kiesstrand am Einlauf eines Baches.

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Laguna del Este

Das Wetter könnte nicht schöner sein und später am Abend verschwinden sogar die lästigen Tabanos.

Bei einem kleinen Spaziergang am Seeufer entdecken wir zwei Magellanspechte in einem trockenen Baum. Die Vögel sind etwa so groß wie europäische Schwarzspechte und tragen wunderschöne feuerrote Kopfhauben.

Wildniswanderer
21.05.2011, 11:28
Bereits um 5.30 wird es wieder hell. Die Temperatur beträgt 8 Grad, und die Feuchtigkeit des Gewässers hat unsere Zelte durchnässt.

Als die Sonne den See erreicht starten wir in den neuen Tag. Ein Stück weit folgen wir dem felsigen Strand, dann geht es steil aufwärts in den Wald hinein.

Mit der Sonne sind auch unsere Lieblinge, die Tabanos wieder da. Bernd hat noch etwas Muskol aus Kanada dabei, das zumindest eine Zeit lang die Biester davon abhält uns anzugreifen.

Kurzzeitig können wir in das Geröllbett eines Baches ausweichen, wo wir etwas besser vorankommen, aber meist stellt jeder kleine Schritt eine große Anstrengung dar.

Wir erreichen eine steile Felsstufe. Vielleicht könnten wir sie erklettern, aber mit unseren schweren Rucksäcken ist es sicher sinnvoller sie zu umgehen.

Da sich bald weitere Steilwände vor uns erheben, beschließen wir, die Rucksäcke in einer Geröllrinne zurückzulassen um die weitere Route erst einmal zu erkunden.

Immer wieder müssen wir kurze Kletterstrecken in dem steilen Gelände bewältigen. Schließlich gelangen wir zu einem tollen Aussichtspunkt der uns freie Blicke über die Laguna del Este und das Tal durch das wir gestern gelaufen sind gewährt.

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Dieses Tal sind wir gestern hinabgewandert

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Laguna del Este

Bernd erkundet den Weiterweg noch ein Stück weiter, aber mir scheint, dass das Gelände immer schwieriger wird, und wir wahrscheinlich irgendwann umdrehen müssen. Von der Laguna del Este führt ein Tal lediglich über etwa 6 Kilometer bis zu einer Piste, wie wir auf unserer Karte gesehen haben.

Meiner Meinung nach ist das der ideale Ausstiegspunkt für unsere Hornopiren Tour. Wir haben zwar noch viel Proviant im Rucksack, aber wenn wir weiter laufen würden, wäre der Ausstieg meiner Meinung nach in jedem Fall schwieriger und länger.

Wir haben bis jetzt bereits zur Genüge festgestellt wie langsam und schwierig in diesem Gelände das Vorankommen ist, daher plädiere ich nach Bernds Rückkehr dafür an der Laguna del Este den Rückweg in die Zivilisation anzutreten.

Zwar ist es faszinierend diese weglose Wildnis zu erkunden, aber es reizt mich auch auf der argentinischen Seite der Grenze den großen Nahuel Huapi Nationalpark kennen zu lernen. Bernd war dort vor ein paar Jahren schon einmal und hat mir bereits viel von der interessanten Bergwelt dieses Parks erzählt.

Wir diskutieren in Ruhe unsere Optionen und einigen uns schließlich mit gemischten Gefühlen darauf zur Laguna del Este zurückzukehren um dann Morgen den Rückweg in die Zivilisation anzutreten.

Zurück am See laufen wir das Ufer entlang bis zu unserem letzten Lagerplatz.

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Nachdem wir unseren Mittagsimbiss gegessen haben, wandern wir der anderen Seeseite folgend bis zum Beginn des Tales an der Nordspitze der Laguna.
Leider ist das Ufer hier nicht so einfach zu begehen. Wir müssen gigantische Felsblöcke und trockene Bäume überklettern. Häufig ist nur wenig Raum zwischen den überhängenden Ästen der Uferbäume und dem Wasser des Sees.

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Das Seeufer ist nicht immer einfach zu begehen

Nachdem wir an der Nordspitze des Sees unsere Zelte aufgeschlagen haben, suchen wir den Ausfluss des Rio del Este. Zu unserer großen Freude ist das Bachbett trocken, und daher einfach zu begehen. Wir folgen dem Bett ein Stück talabwärts und hören nach einigen hundert Metern lautes Rauschen. Hier strömt der Bach, der bis dahin unterirdisch geflossen ist an die Oberfläche. Ein kurzer Blick in die dichte Ufervegetation in der auch dichte Bambusbestände vorkommen, lässt uns erahnen, dass es morgen kein Zuckerschlecken wird, in dem Tal voran zu kommen…

Aber heute genießen wir erst mal das schöne Wetter mit einem makellosen blauen Himmel am See.

Ich lasse es mir nicht nehmen, ein Bad in dem Gewässer zu nehmen, allerdings ist das Wasser kälter als die angenehmen Außentemperaturen ahnen lassen.

Später gehe ich noch ein Stück im trockenen Bachbett spazieren, und setze mich immer mal wieder hin, um die großartige Umgebung in mich aufzunehmen und vielleicht auch Tiere zu beobachten. Tatsächlich kommt ein drosselartiger Vogel immer mal wieder in meine Nähe.

Auf den warmen Felsen beobachte ich eine Eidechse.

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Eidechse

Die ausladenden Kronen der Regenwaldbäume heben sich vor dem strahlend blauen Himmel ab.

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Wie immer verschwinden die lästigen Tabanos gegen 18 Uhr und wir können dann noch bis es gegen 22 Uhr dunkel wird, einen schönen Abend am See genießen.
Nachdem die Schwalben die über dem See Insekten jagen verschwunden sind, erscheinen die ersten Fledermäuse zur Ablösung.

Morgens liegt der See zunächst klar und still dar. Doch wie aus heiterem Himmel zieht Dunst auf, und verschleiert die Oberfläche des Gewässers.

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Morgendunst zieht auf

Das erste Stück Weg im trockenen Bett des Rio del Este kennen wir ja schon. Aber was wird uns danach erwarten? Wir hoffen schon bald auf Kuhpfade zu treffen, da die Laguna ja nur wenige Kilometer von der nächsten Piste entfernt ist.
Auf der Karte schneidet der Fluss nur einige Höhenlinien und es sieht nicht so aus, dass das Tal sich zu einer unbegehbaren Klamm verengen könnte, aber dessen sicher können wir uns natürlich auch nicht sein.

Nun, das Tal ist sicherlich der einfachste Weg zurück in die Zivilisation. Wir haben uns für diese Route entschieden, also bleibt uns nichts weiter als den zähen Kampf mit der fast undurchdringlichen Vegetation aufzunehmen.

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Noch kommen wir im trockenen Bachbett einfach voranl...

Der Wald ist häufig nicht sehr dicht, daher fällt viel Licht auf den Erdboden und bringt einen extrem dichten Unterwuchs aus Bambus und Sträuchern hervor. Das ist kein gemächliches, entspanntes Wandern sondern ein Zerren und Zwängen bei jedem Schritt. Es scheint als wolle der Wald uns und unsere Rucksäcke festhalten, damit wir hierbleiben…
Extrem schwierig sind große Lichtungen die durch das Umstürzen einiger Bäume entstanden sind. Durch den reichlichen Lichtgenus ist an solchen Stellen der Unterwuchs besonders dicht, daher können wir oft die liegenden Baumstämme gar nicht richtig ausmachen. Viel mehr tasten wir uns schrittweise vorwärts.
Ich bin heilfroh über meine beiden Trekkingstöcke, die mir etwas Halt geben und bewundere wie Bernd mit seinem einen selbst gefundenen Wanderstock klar kommt.
Aber es gibt auch die schönen Momente in den alten über und über mit Moos bewachsenen Waldbeständen. Wir können uns kaum an dem an dem üppigen Grün aus dem immer wieder majestätische Baumgiganten ragen, satt sehen.

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Zwischen den Giganten

Wenn wir Pause machen überprüfe ich mit dem GPS und der Karte unser Vorankommen. Doch vorher macht Bernd jeweils ein Kreuz auf der Karte wo er glaubt, dass wir uns gerade befinden. Obwohl das dichte Grün kaum Blicke auf die umgebenden Berge frei gibt, anhand derer Position er unseren Standort einschätzen könnte, liegen seine Schätzungen mit den GPS Koordinaten oft erstaunlich dicht beisammen…
Uns wird rasch klar, dass wir die etwa sechs Kilometer im Tal heute nicht bewältigen werden können, falls wir nicht noch auf einen Pfad stoßen.


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Pause im grünen Labyrinth

Dann verengt sich das Tal und die Hänge werden steiler. Das beste Vorankommen gewähren häufig noch die vermoosten Baumstämme über die wir Schritt für Schritt balancieren. Unter uns gähnen häufig halb verdeckte Löcher über deren Tiefe wir lieber nicht nachdenken…
Häufig stolpern und stürzen wir…

Immer wieder sind tief eingeschnittene Nebenbäche zu überqueren. Einer von diesen kommt tosend aus einem gigantischen, höhlenartigen Überhang herausgeschossen.

Mühsam umgehen wir eine Steilstufe über die der Rio del Este in einer Kaskade von Wasserfällen herabstürzt.

Ein von der Laguna El Cabro kommender Bach fällt über mehrere hundert Meter in das Haupttal herab.

Glücklicherweise ist es heute meist bedeckt. Daher ist es nicht so heiß und die Tabanos sind weniger aktiv.

Nach einigen Stunden entdecken wir die ersten alten Machetenspuren. Leider entwickeln sie sich nicht zu einem verfolgbaren Pfad….

Einige Male müssen wir die Talseite wechseln oder einen breiten Nebenbach überqueren. Meist gelingt das über Baumstammbrücken balancierend oder von Felsbrocken zu Felsbrocken springend.

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Baumstammbrücke

Dann gelangen wir an einen breiteren Bach, den wir nicht auf diese Weise überqueren können. Ich würde jetzt meine Hose aus- und meine Crocs anziehen um am anderen Ufer trockenen Fußes weiter laufen zu können.

Doch der stoische Bernd zieht weder Hose noch Stiefel aus, sondern läuft einfach durch! Da ich nicht als Weichei dastehen möchte, tue ich es ihm nach, obwohl ich weiß, wie schnell man sich mit nassen Socken Scheuerstellen an den Füßen zufügt.

Dann gelangen wir an einen Felsrutsch. Am Hang kommen wir nicht weiter und nach oben auszuweichen erscheint extrem mühsam und ungewiss.

Also weichen wir zum Fluss aus. Während Bernd seinen Rucksack zurück lässt um eine gangbare Route zu erkunden, stelle ich mit Entsetzen fest, dass ich mein Zelt verloren habe!

Es war seitlich am Rucksack verstaut und ist von mir unbemerkt aus den Schlaufen gerutscht.

Mir ist klar, dass es der Suche nach einer Stecknadel im Heuhaufen gleicht, hier das Zelt wieder zu finden. Schon nach wenigen Metern ist es fast unmöglich den zurückgelegten Weg zu rekonstruieren.

Erschwerend kommt hinzu, dass mein Zelt grün ist. Das Rotfarbene von Bernd wäre einfacher zu finden…

Als mein Partner zurückkommt wollen wir es natürlich dennoch versuchen. Wir teilen uns und versuchen uns daran zu erinnern wo wir entlang gelaufen sind. Ich denke, dass ich das Zelt bis zu dem Felsrutsch noch bei mir hatte, aber sicher bin ich mir nicht.

Ich habe ungeheures Glück- nach einiger Zeit finde ich die grüne Rolle tatsächlich wieder und verstaue sie nun im Rucksack statt an der Außenseite…

Trotz aller Schwierigkeiten freuen wir uns hier zu sein und die Schönheit des Waldes genießen zu können.

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Dann gelangen wir an die große, in unserer Karte verzeichnete Freifläche. Wir hatten gehofft, dass dies eine von Rindern offen gehaltene Lichtung ist.

Leider entpuppt sich der weiße Fleck auf der Karte als Sumpfgebiet! Zunächst werden die Bäume kleiner, aber der Boden ist noch halbwegs fest. Dann merken wir aber, dass wir mitten in einem offenen, tiefen Moor stecken.

Was solls, unsere Füße sind ohnehin schon nass, daher kümmert es uns auch nicht sehr, wenn wir bis über die Knie versacken.

Es gibt hier aber auch tiefere Löcher wie wir bald feststellen…

Diesen Stellen versuchen wir so gut wie möglich auszuweichen.

Schließlich gelangen wir an den Rio del Este. Dieser verzweigt sich hier in der Ebene in viele mäandernde Arme und bildet dadurch den Sumpf.

Ich erkunde ob wir in den Wasserläufen vielleicht einfacher vorwärts kommen. Aber schon nach wenigen Metern wird das Wasser so tief, dass wir nicht mehr im Bachbett laufen können.

Unterdessen hat Bernd die andere Seite des Baches in Augenschein genommen. In dem niedrigen Buschwald dort scheint es einen Pfad zu geben, und es sind sogar geeignete Zeltplätze vorhanden.

Nach etwas Suchen finden wir eine Stelle die offenbar auch schon von anderen Leuten zum Lagern benutzt wurde, wie eine Feuerstelle und alte Machetenspuren zeigen.

Ich nutze die Uferbäume um meine nassen Sachen noch etwas in der Abendsonne trocknen zu lassen.

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Der Rio del Este bei unserem Lager

fjellstorm
21.05.2011, 12:05
Erschwerend kommt hinzu, dass mein Zelt grün ist
..:p Da hattet ihr ja wirklich glück, das Teil zu finden.
Die Vegetation muss ja echt dicht gewesen sein, sieht schwierig aus zum Durchqueren. Wie war die Wasserversorgung in diesen Urwald/Dschungel-Abschnitten- habt ihr problemlos trinken können oder filtern/entkeimen müssen?
Und: Wie waren die durchnittlichen Temp. nachts/untertags?

Wildniswanderer
21.05.2011, 12:24
Die Temperaturen nachts lagen so zwischen 5 und 8 Grad, über Tag auch bei Bewölkung so um die 20 Grad.

Wir haben kein Wasser behandelt und hatten in diesem Abschnitt abgesehn von etwas Durchfall auch keine gesundheitlichen Probleme.

Wasser zu finden war wegen der vielen Nebenbäche nicht schwierig.

fjellstorm
21.05.2011, 12:28
Danke!


Wir haben kein Wasser behandelt und hatten in diesem Abschnitt abgesehn von etwas Durchfall auch keine gesundheitlichen Probleme.

schön formuliert;-)

berniehh
21.05.2011, 12:45
toll geschrieben;-)
aber du hast vergessen zu erwähnen dass wir an diesem Tag in 9 Stunden nur 4 km geschafft haben:grins:

peter-hoehle
21.05.2011, 13:15
Diesen Reisebericht zu klassifizieren fällt sehr schwer,
da Vergleichbares kaum zu finden ist.Leute,welche solche
abenteuerlichen Touren machen verdienen meinen absoluten
Respekt.
Eine sehr schöne und spannende Lektüre.
Bin schon auf die Fortsetzung gespannt.
5sterne5sterne5sterne

Gruß Peter

Klappstuhl
21.05.2011, 21:48
Und auch hier wieder, wie bei berniehh...
Fernweh, Erinnerung, toll geschrieben, bitte weiter :D

Wildniswanderer
23.05.2011, 21:54
Gestern haben wir schlappe vier Kilometer in neun Stunden bewältigt und hoffen heute besser voran zu kommen.
Allerdings verschwinden die Machetenspuren meist so schnell wieder, wie sie aufgetaucht sind. Relativ gut zu durchquerender Hochwald wechselt sich immer wieder mit extrem mühsam zu durchquerenden Dickichten ab. Insgesamt kommen wir aber doch etwas besser als gestern voran.

Schließlich zeigen sich die ersten Zeichen der Zivilisation: Kuhhaufen- und Pfade.
Bald darauf gelangen wir in eine von den Rindern gestaltete Landschaft aus Buschwerk und offenen Grasflächen.

Kurz danach stoßen wir auf einen deutlichen Pfad, der zu einer offenbar unbewohnten Hütte führt. Von dieser geht es weiter zum Fluss, der hier bereits ca. 50 Meter Breite erreicht hat.

Zwar sind meine Schuhe noch immer etwas feucht, doch diesmal wechsle ich in meine Crocs und gelange ohne Probleme über den Fluss.

Bernd, der ja ein zweites Paar Stiefel in seinem Rucksack trägt, lässt seine Schuhe an.

Wir landen auf einer umzäunten Weide die zunächst eine Sackgasse zu sein scheint.

Doch nach kurzer Suche haben wir einen Pfad entdeckt der oberhalb des Baches weiter führt. Nach der Mündung in den Rio Puelo Chico folgen wir diesem Fluss weiter, meist jedoch ein Stück weit vom Ufer entfernt im Wald.

Zwar ist der Pfad häufig schlammig, aber wir fühlen uns nach der anstrengenden Querfeldeinmarschiererei wie im Wanderparadies.

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Auf deutlichem Pfad weiter durch den Regenwald

Nach zwei Stunden gelangen wir an die ersten Bretterhütten und stoßen schließlich auf einen unbefestigten Fahrweg.

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Rückkehr in die Zivilisation

Der unberührte Wald liegt jetzt hinter uns. Wir laufen meist durch eine Mischung aus Weiden und Buschland. Ein Waldabschnitt ist mit Wegen durchzogen und wird offenbar zur Holzgewinnung genutzt.

Mehrmals sehen wir zahlreiche Bienenkästen an den verstreuten Holzhütten. Hier treffen wir dann auch wieder auf die ersten Menschen seit Tagen.

Nach ca. 10 Kilometern Fahrwegwanderung erreichen wir eine Asphaltstraße beim Örtchen Puelo Chico. Leider fährt heute kein Bus mehr, erfahren wir von einem jungen Mann.

Während wir auf der Straße nach Puelo weiter laufen, versuchen wir eines der sporadisch vorbei fahrenden Autos anzuhalten, jedoch ohne Erfolg.

Der malerisch verschlafen wirkende Ort liegt am Rio Puelo, der jenseits der Grenze in Argeninien entspringt und hier vor seiner Mündung in den Reloncavi Sund fjordartig verbreitert ist.

Einige Restaurants, Pensionen und Hotels zeigen, dass der Tourismus hier eine gewisse Rolle spielt.

Hinter der Brücke über den Rio Puelo stellen wir uns an den Straßenrand und warten auf eine Mitfahrgelegenheit. Da es schon recht spät ist, rechnen wir uns keine große Chance aus. Was solls, in Sichtweite liegt der Campingplatz des Ortes wo wir zur Not unsere Zelte aufschlagen können.

Aber wir haben Glück, nach zwanzig Minuten hält ein mit Ölfässern beladener Pick- up, und wir können es uns auf der Ladefläche bequem machen.

Dummerweise trage ich nur ein T- Shirt, daher wird es jetzt im Fahrtwind ziemlich frisch…

Glücklicherweise fährt der Wagen auf der unbefestigten Piste nicht sehr schnell. Eine sehr schöne Landschaft aus Fjorden, unberührtem Wald an den Hängen, die von schneebedeckten Bergspitzen überragt werden zieht an uns vorbei.

Dort waren wir zu Fuß unterwegs!

Die verstreuten kleinen Siedlungen mit ihren schönen Holzhäusern sind von grünen Weiden umgeben.

Schließlich beginnt der Asphalt und nach weiteren 30 Kilometern und insgesamt etwa zweieinhalb Stunden Fahrt erreichen wir das Örtchen Ensenada. Obwohl die Sonne scheint, bin ich mittlerweile ziemlich durchgefroren.

Am Ende des Ortes entdecken wir einen Campingplatz wo wir fast direkt am Ufer des großen Sees Lago Llanquihue unsere Zelte aufschlagen.

Wenn wir nicht wüssten, dass wir an einem See sind, könnte man das Gewässer mit seinen hohen Wellen auch für das Meer halten…

Wir freuen uns auf eine warme Dusche, leider tröpfelt das Wasser nur gemächlich vor sich hin…

Als krönenden Abschluss unserer Hornopiren Wanderung wollen wir heute Abend essen gehen. Allerdings sehen die beiden Restaurants des Ortes eher teuer aus. Was solls, wir lassen uns in einem der Etablissements mit Seeblick nieder.
Es gibt hier Kunstmann Bier, „ nach deutscher Tradition gebraut“
Ansonsten erinnern die Preise auch eher an Deutschland…

Während wir essen, beginnt es heftig zu regnen. Uns wird bewusst, wie viel Glück wir auf unserer Wanderung mit dem Wetter hatten…

Auch am nächsten Morgen regnet es noch, daher müssen wir unsere Zelte im Regen abbauen und gehen dann zur Bushaltestelle.

Die Straße nach Puerto Varas führt durch eine Kulturlandschaft, die auch in Deutschland liegen könnte. Hier steigen wir in einen anderen Bus um, und gelangen bald darauf zurück nach Puerto Montt.

Am Busbahnhof kaufen wir gleich Tickets nach Bariloche, wohin wir morgen fahren wollen.

Anschließend gehen wir zurück zur Pension Uribe, wo wir einen Teil unserer Sachen zurück gelassen hatten.

Heute ist in der Stadt deutlich mehr los, als am Neujahrstag. Bernd gelingt es einen Schneiderladen zu finden, in dem er einen neuen Reißverschluss in seine Jacke einnähen lässt.


3. Die Nahuel Huapi Durchquerung

Nachdem wir noch einmal bei Uribe das Frühstück genossen haben, laufen wir zum Busbahnhof, und nehmen bald darauf in dem komfortablen Doppeldecker der Linie Andesmar Platz.
Es sind nicht nur die Sitze bequem, nein, ein Steward serviert sogar Sandwiches und Kaffee!
Bis Osorno fahren wir auf einer Autobahn durch intensiv genutztes Agrarland. Danach wird die Landschaft immer schöner. Rechts ragen der perfekt geformte Kegel des Vulkans Osorno und sein Nachbar Calbuco auf. Im Puyehue Nationalpark auf der chilenischen Seite der Grenze sehen wir den gleichnamigen, schneebedeckten Vulkan, der aber nicht so „klassisch“ vulkanisch geformt ist.
Der Grenzübertritt nach Argentinien dauert eine Stunde, dann geht es bei herrlichem Wetter weiter zum Andenhauptkamm, den wir am Paso Cardenal Antonio Samore überqueren.

Kurz danach wird der Bus langsamer und bleibt dann einfach stehen.

Mich wundert wie gelassen sowohl die Passagiere als auch Fahrer und Stewart bleiben. Natürlich unternimmt der Fahrer einige fruchtlose Neustartversuche.
Aber es dauert dann doch ziemlich lange, bis die Motorhaube geöffnet und Reparaturversuche gestartet werden.

Nach einiger Zeit verlassen die meisten Reisenden den Bus, und lassen sich in der Sonne am Fahrbahnrand nieder. Glücklicherweise gibt es hier fast keine Tabanos…

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Buspanne im Niemandsland

Schließlich erscheint ein per Handy herbeigerufener Polizeiwagen, offenbar vom argentinischen Grenzposten. Die Grenzer probieren das Naheliegendste: Benzin aus einem Kanister in den Tank schütten und hoffen, dass der Bus nur aus Krafststoffmangel liegen geblieben ist. Leider erfüllt sich auch diese Hoffnung nicht.
Ein Fahrgast scheint etwas von Motoren zu verstehen und schraubt gemeinsam mit Busfahrer und Polizisten an dem Gefährt herum.

Es herrscht kaum Verkehr auf der Passstraße, aber etwas später hält ein PKW mit einer jungen Familie. Offenbar ist der Mann Mechaniker und hat sein Werkzeug dabei. Tatkräftig unterstützt er die Reparaturversuche, ebenfalls ohne Erfolg…

Mittlerweile ist mir klar, dass der Bus wahrscheinlich nicht so einfach wieder flott zu kriegen ist, und das Ganze wohl eine längere Geschichte wird.

Ich schlage vor, unsere Rucksäcke zu nehmen und per Anhalter weiter zu fahren.
Da aber nur wenige Fahrzeuge vorbei fahren, beschließen wir vorerst doch beim Bus zu bleiben.

Nach dreieinhalb Stunden hält der fast leere Bus einer anderen Gesellschaft und bietet an die Passagiere bis zum Grenzposten mitzunehmen.

Bernd und ich sowie einige andere Passagiere sind entsetzt darüber, dass wir unser Gepäck nicht erhalten.

Englisch sprechende Mitreisende erklären uns, dass offenbar die Hydraulik nicht funktioniert, weshalb die Ladeklappen nicht geöffnet werden können…

Wir halten das für wenig glaubhaft, aber es bleibt uns nichts anderes übrig als in den Bus einzusteigen und bis zum argentinischen Grenzkontrollpunkt mitzufahren, ebenso wie der Stewart unseres Busses.

Die Passkontrolle stellt kein Problem dar, dann bleibt uns wieder nur das Warten…

Dabei kommen wir mit einigen Mitreisenden wie zwei Brasilianern aus Sao Paulo und zwei Argentinierinnen ins Gespräch. Eine der argentinischen Frauen zaubert schon bald eine Thermoskanne hervor, und wir dürfen das bitter schmeckende argentinische Nationalgetränk Mate kennen lernen.

Zwar unterhalten wir uns nett, aber es wird später und später…

Ab und zu geht einer von uns zum Busfahrer, aber wir empfangen nichts als vertröstende Worte…

Wir erfahren, dass um 20.00 der Grenzposten geschlossen wird und überlegen bereits wie wir die Nacht hier verbringen können, als ein Minibus erscheint, der die Passagiere in den nächsten Ort Villa la Angostura bringen soll.

Offenbar sollen noch weitere Bullis kommen, aber wir sind glücklich, dass es uns gelingt bereits einen Platz in dem Ersten zu erhalten.

Weiter geht es durch die herrliche Landschaft bis zur Busstation des genannten Ortes. Hier gibt es einen Schalter unserer Busgesellschaft mit einer ziemlich organisationsfreudigen Mitarbeiterin. Das würde uns mit unserem kläglichen Spanisch aber wenig nützen. Glücklicherweise haben wir im Minibus ein englisches Paar kennen gelernt, dessen Spanisch recht gut ist.

Während die meisten Passagiere bereits resigniert abgezogen sind, verhandeln wir mit der Vertreterin der Busgesellschaft. Nach einigem Hin- und her hat sie schließlich eine Unterkunft für die Nacht sowie ein Ticket für die Weiterfahrt am nächsten Morgen mit einer anderen Buslinie organisiert, alles auf Kosten von Andesmar!

Der Mann der netten Angestellten bringt uns zu unserer Unterkunft, wo wir ein großes Apartment mit Küche und Doppelzimmer beziehen.

Schon lange sind wir nicht mehr so luxuriös abgestiegen!

Später gehen wir noch aus. Villa la Angostura ist ein moderner Ferienort voller Läden, Kneipen und Restaurants mit einem überwiegend jungen Publikum.

Da wir hungrig sind, werden wir von einem Schild magisch angezogen: Der „Tenedor libre“ verheißt essen vom Büfett bis man platzt!

Das Angebot ist wirklich toll, aber ich fürchte der chinesische Besitzer ist nicht gerade scharf auf so verfressene Gäste!

paddel
27.05.2011, 09:39
Sehr beeindruckend!!! :o

Wildniswanderer
12.06.2011, 20:16
Eigentlich ist das Frühstück in der Pension im Übernachtungspreis enthalten, da unser Bus jedoch schon um 8 Uhr abfährt, verzichten wir auf die Mahlzeit.

Mondäne Touristenhotels zeigen, dass die Gegend hier tatsächlich eine der wichtigsten Ferienregionen Argentiniens darstellt.

Für die 80 Kilometer nach Bariloche braucht der Bus immerhin eineinhalb Stunden.
Dafür ist aber auch jeder Meter der Fahrt absolut beeindruckend.

Obwohl die Berge hier höher als auf der chilenischen Seite sind, liegt viel weniger Schnee auf den meist sanfter erscheinenden Hängen. Je weiter wir uns vom Hauptkamm entfernen, desto trockener wird die Landschaft.

Zunächst verschwindet der Bambusunterwuchs und macht lichten Südbuchenwäldern Platz.

Diese werden zunehmenden von Beständen der Andenzypresse, einem Nadelbaum abgelöst.

Schließlich gehen dann niedrige Gebüsche in gelbes Steppengras über.

Die Busstation von Bariloche liegt etwa zwei Kilometer außerhalb des Zentrums.

So ganz sicher sind wir ja nicht, ob wir unsere Rucksäcke zurück erhalten werden. Aber hinter dem Schalter von Andesmar sehen wir bereits, wie unsere grünen Monster auf uns warten.

Während Bernd die vielen Busgesellschaften auf der Suche nach einer günstigen Verbindung in den tiefen Süden abklappert, erstehe ich bereits mein Rückreiseticket nach Santiago.

Es wimmelt von jungen Rucksackreisenden, und uns wird schnell klar, dass die Suche nach einer günstigen Unterkunft nicht einfach werden wird…

Kaum haben wir den Busbahnhof verlassen, begegnen wir unseren Bekannten von gestern, den beiden Brasilianern, und einer der Argentinierinnen.

Sie sind erst um 1 Uhr nachts in Bariloche angekommen, und fanden nur mit großer Mühe eine Unterkunft, die sie dann natürlich selber bezahlen mussten.

Bernd und ich finden, dass wir es dagegen ganz gut getroffen haben.

Im Hostal Tango Inn Soho, erfahren wir, dass alle günstigen Schlafplätze schon vergeben sind, und es wahrscheinlich in den anderen Unterkünften des Ortes ähnlich aussieht.

Da wir keine Lust haben, lange zu suchen, beißen wir in den sauren Apfel und buchen kurz entschlossen ein Doppelzimmer. Allerdings können wir für die Nacht vor unserer Abreise einen Platz im Schlafsaal reservieren.

Einerseits gefällt uns zwar nicht, dass wir durch die Buspanne einen Tag verloren haben, andererseits regnet es draußen mittlerweile fast ununterbrochen in Strömen.

Dennoch gehen wir irgendwann in Regenzeug gepackt, doch noch in die Stadt. Bariloche wirkt auf uns nicht ganz so touristisch wie Villa la Angostura, aber in den zwei Straßen, die im Wesentlichen das Zentrum der Stadt bilden, gibt es natürlich auch das übliche Arrangement von Geschäften.

In einer Buchhandlung gelingt es uns eine Wanderkarte im Maßstab 1:100.000 zu erwerben, die unsere geplante Route im Nahuel Huapi Nationalpark umfasst.

Besonders gespannt sind wir auf das Büro des Club Andino. Wir hatten überlegt das Boot von Puerto Blest zurück nach Bariloche zu nehmen. Ein Mitarbeiter sagt, dass es immer zuverlässig fährt, dagegen meint seine Kollegin, dass es sich bei schlechtem Wetter nicht auf den See traut…

Wie auch immer, für uns kommt das Boot wegen dem hohen Fahrpreis sowieso nicht in Frage.

Der Mitarbeiter empfiehlt uns Eispickel und Steigeisen in Bariloche zu lassen, da auch in den höheren Lagen nicht mehr viel Schnee läge.

Über diese Auskunft sollten wir uns noch ärgern…

In einem gut sortierten Carrefour Supermarkt kauft Bernd neue Vorräte für die Tour, da unser Hornopiren Trek ja kürzer als geplant war, habe ich noch genug Essen im Rucksack und kaufe daher wenig dazu.

Abends soll es im Hostal noch kostenloses Risotto für die Gäste geben. Diesen Schmaus wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Aber schon bald sind wir froh, dass wir vor dem Supermarkt etwas Schokolade gegessen hatten, denn es ist bereits 23 Uhr, als das Essen endlich serviert wird…

Was solls, wir kommen mit einigen der meist argentinischen Gäste gut ins Gespräch und fallen erst nach Mitternacht ins Bett.

Am Morgen liegt etwas Neuschnee auf den Bergen und das Wetter wirkt noch ziemlich wechselhaft. Immerhin lässt sich die Sonne schon ab und zu einmal blicken.


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Regenbogen über dem Lago Nahuel Huapi bei Bariloche

Das Frühstück ist im Preis des Hostal enthalten. Als wir die winzigen Brotscheiben sehen, denken wir, dass wir damit nie satt werden können. Aber geschätzte 20 Marmeladenbrötchen ergeben schließlich auch eine Mahlzeit.

Wir lassen einige Ausrüstungsgegenstände zurück und gehen dann zum Busbahnhof. Schon bald finden wir einen Platz im Bus nach El Bolson.

Jetzt sehen wir, dass Bariloche doch erheblich größer ist als wir zunächst dachten. Die Vororte sehen zwar etwas herunter gekommen aus, wirken aber keineswegs slumartig.

Am Südende des Lago Gutierrez bitten wir den Busfahrer anzuhalten und können nun endlich unsere nächste Wanderung beginnen!

Unser Ziel ist, einen Teil des Nahuel Huapi Nationalparks zu durchqueren. Dieser mit ca. 7500 km² größter Nationalpark im nördlichen Patagonien, ist gleichzeitig auch Argentiniens erster gewesen. Bereits 1934 wurde er eröffnet.

Obwohl nur ein sehr kleiner Teil des Nationalparks durch Wege erschlossen ist, gibt es doch erheblich mehr Trails als in allen anderen Parks Patagoniens.

Die Nahuel Huapi Traverse ist eine weltweit bekannte Wanderung. Wir wollen deren Route aber nur zum kleineren Teil folgen und auch erheblich länger als die normalerweise für die Traverse vorgesehenen 5 Tage unterwegs sein.

Während eben noch ein Schauer niederging, scheint jetzt die Sonne.
Wir müssen einen großen Campingplatz überqueren um zum Seeufer zu gelangen. Ein Mann, vielleicht der Besitzer des Zeltplatzes taucht auf und spricht uns mit erbostem Gesicht an.

Mit unseren geringen Spanischkenntnissen verstehen wir nicht was er will, sind aber froh, dass wir ohne Probleme weiter laufen können.

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Start der Wanderung am Strand des Lago Gutierrez

Am Seeufer wimmelt es von kleinen, hübschen Enten mit rostfarbener Brust, die keine Angst vor uns zu haben scheinen.

Wir stoßen auf einen Pfad, der im Wald parallel zum Südwestufer des Sees verläuft.
Zwar ist der Wald hier meist weniger dicht als auf der chilenischen Seite, dennoch sind wir froh über den schmalen Pfad.

Unsere Mittagspause halten wir am Ufer des Sees, wo der Pfad noch einmal auf das Gewässer stößt. Obwohl das Wetter mittlerweile strahlend schön ist, setzt ein starker, eiskalter Wind den Wellen Schaumkronen auf.

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Lago Gutierrez

Der Pfad verläuft dann noch ein Stück in der Nähe des Sees um schließlich oberhalb eines Bachtales kontinuierlich anzusteigen. Verkohlte Stämme zeigen, dass hier vor einiger Zeit ein Waldbrand gewütet hat. Mittlerweile sind diese Flächen von undurchdringlichen Bambusdickichten bewachsen.

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Im Bambusdickicht

Nachdem wir auf den aus der Nähe von Bariloche kommenden Hauptpfad gestoßen sind, begegnen wir immer wieder anderen Wanderern, wohl meist aus Argentinien stammend.

Sobald wir das Waldbrandgebiet verlassen haben, gelangen wir in schöne, offene Südbuchenwälder. Dabei ähneln die rauhen Stämme der Lenga genannten häufigsten Baumart hier viel mehr den europäischen Eichen, als glattrindigen Buchen.

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Südbuchenwald

Bereits gegen 16 Uhr gelangen wir zur Hütte Refugio Piedritas. Das urige, schindelgedeckte Blockhaus wurde an einen mächtigen Felsen angelehnt erbaut.
Wir treffen ein Geschwisterpaar aus Buenos Aires. Vom Aussehen her, könnten die Beiden auch für Deutsche gehalten werden. Kein Wunder, nach einiger Zeit erfahren wir, dass die Geschwister über deutsche Vorfahren verfügen und von ihren Großmüttern die deutsche Sprache erlernt haben.
Die Beiden sind sich noch nicht sicher ob sie hier übernachten oder weiter laufen wollen.
Uns dagegen gefällt die Umgebung der Hütte so gut, dass wir in der Nähe unser Lager aufschlagen.

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Refugio Piedritas

Während Bernd Tagebuch schreibt, erkunde ich noch ein wenig die Umgebung.
Zwar erreichen die Bäume hier nicht die Dimensionen wie im Regenwald, dennoch sind viele der dicht mit Bartflechten bewachsenen Stämme ziemlich imposant.
Der Wald ist so licht, dass man auch abseits des Pfades ohne Probleme vorwärts kommt.

Zurück am Zelt stellen wir fest, dass das Thermometer nur noch 4 Grad anzeigt, dabei haben wir noch keine größere Höhe erreicht!

Da Bernd morgens immer kocht und daher länger braucht bis er bereit zum Aufbruch ist, gehe ich heute schon gegen 7.30 alleine los. Der Weg ist eindeutig, daher werden wir uns irgendwann wieder treffen.

Schon bald lasse ich den Hochwald hinter mir und laufe durch eine niedrige Gebüschzone, ähnlich den Latschen in den Alpen, aber hier aus Laubbäumen bestehend.

Oberhalb der Baumgrenze hat sich mittlerweile die Sonne durchgesetzt und erlaubt herrliche Ausblicke auf das schroffe Massiv des Cerro Castillo.

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Cerro Castillo

Bereits nach einer Stunde erreiche ich das schön am Ufer der Laguna Tonchek gelegene Refugio Frey. Etliche Zelte sind in der Umgebung der Hütte aufgebaut, und einige Leute genießen die Sonne vor dem Eingang des Refugio, das auf 1700 Metern Höhe liegt.

Ich folge dem Südufer der Laguna. Eigentlich verläuft der Pfad auf der gegenüberliegenden Seite, aber das merke ich zu spät, außerdem komme ich auch hier gut voran.

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Laguna Tonchek

Auf der anderen Seite des Sees beginnt ein steiler Aufstieg durch gelbes Geröll zu einem Pass hinter dem die Laguna Schmoll liegt. Dieser See ist viel kleiner als die Laguna Tonchek, welche nach einem slowenischen Alpinisten benannt wurde.
Hier gibt es bereits fast kein pflanzliches Leben mehr.

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Laguna Schmoll

Es folgt ein weiterer steiler Anstieg durch Geröll. Ich umgehe einige Schneefelder und muss in den steilsten Abschnitten die Route sorgfältig wählen um unnötige Kletterpartien mit meinem steilen Rucksack zu vermeiden.

Auf dem Pass treffe ich eine Gruppe von 6 jungen Argentiniern, die unmittelbar vor mir eingetroffen waren.

Mittlerweile hat sich das Wetter verschlechtert. Es ist kalt und windig, tief hängende Wolken bringen einige Schneeflocken und Nebelschwaden.

Für kurze Zeit bleibt der mit unregelmäßigen Steinmännchen markierte Pfad in dieser Höhe. Die Argentinier sind unsicher ob sie wegen dem Nebel weiter laufen sollen, folgen mir jedoch als ich ihnen erkläre, wo die Abstiegsroute verläuft.

Unendlich lange laufen und rutschen wir einen losen Geröll- und Schotterhang hinab. Serpentinen wie man sie etwa aus den Alpen kennt, gibt es hier nicht. Jeder sucht sich den Weg, den er für den Besten hält, so dass sich hinterher etliche dunkle Spuren beinahe in Falllinie den Hang hinab ziehen.

Schließlich gelange ich irgendwann wieder in einen schönen, lichten Lenga- Wald.
Bisher war es zu kalt um längere Zeit auf das Auftauchen von Bernd zu warten, aber hier im Wald ist es geschützt und ich lasse mich zu einer Pause nieder.

Allerdings dauert es gar nicht lange bis mein Freund erscheint. Der Wald grenzt an weites, braunes Sumpfgrasland auf dem Talboden. Immer wieder stoßen wir auf schöne Lagerplätze die offenbar auch regelmäßig genutzt werden.

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Unterwegs im Lenga- Wald

Bald verlassen wir den Talboden wieder und steigen durch Gebüsche auf zu einem weiten Plateau. Die Steinwüste hier hat wieder einen ganz anderen Charakter.

Nach einem weiteren Anstieg erreichen wir schließlich den Paso Brecha Negra, von wo wir noch einmal grandiose Ausblicke zu den gezackten Spitzen des Cerro Catedral genießen. Leider ist es bewölkt und ziemlich kalt, so dass ich zeitweise Mütze und Handschuhe trage.

Noch einmal bewältigen wir einen steilen Schotterabstieg und erreichen dann den Ausfluss der Laguna Jakob, an dem das gleichnamige Refugio liegt, welches auch Italia genannt wird.

Der Pfad ist hier ziemlich schlammig und wir müssen den Bach von Stein zu Stein springend überqueren.

Da die nächste Etappe ziemlich schwierig ist, wollen wir heute nicht mehr weitergehen und beschließen in der Nähe der kleinen Holzhütte zu zelten.

Während wir ankommen, erreicht auch ein Pferd, dass frische Vorräte bringt das Refugio.

Vor der Hütte genießen eine alleine wandernde Finnin, ein holländisches sowie ein englisches Paar einige wärmende Sonnenstrahlen.

Die sympathische, junge Hüttenwirtin serviert uns Tee und zeigt uns wo wir unsere Zelte aufschlagen können.

Dafür brauchen wir nicht einmal etwas zu bezahlen!
Da wir dem Wetter nicht trauen, wählen wir unseren Zeltplatz im Lengagestrüpp sorgfältig aus, was sich noch als klug heraus stellen sollte….

Nachdem wir gekocht haben, statten wir der gemütlichen Hütte einen Besuch ab. Es herrscht eine entspannte, fast familiäre Atmosphäre. Es stehen Gesellschaftsspiele zur Verfügung, und das Hütten Bier ist Warsteiner, was ich zunächst kaum glauben kann!

Es sind weitere Gäste eingetroffen, so dass das Verhältnis von Ausländern und Argentiniern etwa 50 zu 50 beträgt.

In der Nacht setzt heftiger Regen ein, der sich auch am nächsten Morgen fortsetzt. Als wir in Regenzeug gehüllt zur Hütte gehen, stellen wir fest, dass die anderen Zelte dem Unwetter keineswegs so gut stand halten wie unsere: Die argentinischen Pfadfinder die ich gestern getroffen hatte, haben Gräben um ihre Zelte geschaufelt, deren Inneres aber dennoch durchnässt wurde.
Noch schlimmer hat es den Argentinier Jorge und seinen kolumbianischen Partner Diego erwischt. Sie hatten in der Nacht keine andere Wahl als ihre Zelte zu verlassen und sich in die Hütte zurückzuziehen.

Es schüttet den ganzen Tag fast ununterbrochen, daher sind wir froh, dass wir immer mal wieder der Hütte einen Besuch abstatten. Mal spielen wir Mau- Mau, mal unterhalten wir uns mit den interessanten Gästen der Hütte. Eine junge Russin, die nach England ausgewandert ist, ist bereits zum zweiten Mal hier und gilt fast schon als Teil der „Hüttenfamilie“.

Maurice, ein Bergführer aus Bariloche begleitet das englische Paar, obwohl diese nur auf unschwierigen Pfaden unterwegs sind. Lange Zeit hat Maurice Gletscherbegehungen am Tronador geleitet und hat schon etliche „haarige“ Situationen erlebt.

Die ganze Zeit herrschen nur leichte Plusgrade, daher wundert es uns auch nicht, als am nächste Morgen die Zelte von einer dünnen Schneeschicht bedeckt sind.

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Später regnet es weiter. In der Hütte bekommen wir Kontakt zu den 5 argentinischen Pfadfindern, die von einem Priester begleitet werden. Sie alle wohnen in der Umgebung der 10 Millionen Stadt Buenos Aires und genießen es in den Bergen zu sein. Es stellt sich heraus, dass auch einige von ihnen deutsche Vorfahren haben.

Später spielen wir dann stundenlang das Gesellschaftsspiel „Risiko“. Obwohl der Regen jetzt aufgehört zu haben scheint, können wir uns von dem spannenden Spiel nicht lösen bis schließlich einer der Argentinier gewonnen hat.

Um aufzubrechen ist es jetzt um 15.30 zu spät, daher unternehmen wir nur noch eine kleiner Wanderung zum etwas eine Stunde entfernten Paso Schweizer. An der Laguna Los Tempanos ragen steile, dunkle Felswände auf. Dort oben verläuft unsere weitere Route. Es ist kalt und ungemütlich, daher bin ich ganz froh, dass wir heute nicht mehr aufgebrochen sind…
Auf der anderen Passseite eröffnen sich schöne Blicke in das Waldtal des Arroyo Casalata.

Zurück in der Hütte unterhalten wir uns längere Zeit mit den beiden Holländern Arno und Magrit. An Margrits Schuhen lösen sich die Nähte.

Jetzt zeigt sich wieder einmal was Bernd alles in seinem riesigen Rucksack dabei hat. Er zaubert eine Schusterahle nebst Faden hervor und flickt damit Margrits Schuhe fachmännisch.

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Von Bernd reparierter Schuh

Die nächste Etappe ist ziemlich schwer, und kann nur bei gutem Wetter begangen werden Daher sind wir froh, dass heute Morgen ein blauer Himmel gute Bedingungen verspricht. Allerdings ist es mit nur drei Grad und einem lebhaften Wind noch ziemlich frisch.

Beim Club Andino in Bariloche wird manchmal erzählt, dass man den Übergang zum Refugio Italia nicht ohne Bergführer machen darf, was aber nicht stimmt.
In der Hütte sprach sich natürlich herum, dass Bernd diese Tour schon einmal vor Jahren gemacht hatte. Daher wollen einige Leute sich uns anschließen.
Ich halte nicht viel davon, mit Unbekannten deren Erfahrung, Ausrüstung etc. wir nicht kennen loszuziehen, aber der gutmütige Bernd hat nichts dagegen, in einer Gruppe zu gehen.
So laufen wir dann mit den beiden Holländern Margrit und Arno, dem Argentinier Jorge und Diego aus Kolumbien los. Nicht zu vergessen ein Hund, der den beiden Niederländern zugelaufen ist, und ihnen seit dem folgt.

Wir steigen über große Granitblöcke oberhalb der Laguna Jakob. Heute sieht der Paso Schweizer viel freundlicher als Gestern aus.

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Blick zum Paso Schweizer

Bald folgen wir einem zunächst nicht zu steilen Felsrücken aufwärts.
Unter uns liegt die Laguna Los Tempanos, die wir schon gestern gesehen hatten.

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Laguna Los Tempanos

Bald wird das Gelände schroffer und die weitere Route ist nicht mehr ohne weiteres zu erkennen.

Wir setzen unsere Rucksäcke ab und Bernd steigt voraus, um den einfachsten Weg durch das Steilstück, das aus zwei Abschnitten besteht zu erkunden.
In einem holländischen Führer der in der Hütte lag, wird diese leichte Kletterei mit II-III bewertet.
Mit unseren schweren Rucksäcken kostet das zwar etwas Kraft, aber überall sind ausreichend Griffe vorhanden, so dass wir zwar zeitweise ziemlich ausgesetzt sind, aber ohne Probleme vorwärts kommen.
Margrit erzählt erst später, dass sie eigentlich Höhenangst hat, aber hier schlägt sie sich tapfer!
Ebenso überrascht uns der Hund, der es irgendwie schafft uns zu folgen.

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Bernd erkundet die Route durch das Steilstück

Bald stehen wir auf einem Pass. Dahinter liegen ausgedehnte Schneefelder, die zu einem weiteren Pass führen. Hatte der Mann im Büro des Club Andino nicht gesagt, Steigeisen seien hier nicht mehr nötig?

Natürlich ist von den Steinmännchen die die Route kennzeichnen auch kaum noch etwas zu sehen. Nun, wir steigen zunächst langsam weiter aufwärts, und überqueren dabei die Schneelder langsam und mit voller Konzentration. Während die Turnschuhe von Jorge wenigstens noch etwas Profil aufweisen, sind die von Diego glatt wie Schmierseife.

Uns ist bald klar, dass wir die direkte Route zum nächsten Pass nur unter großer Gefahr begehen können. Daher schlägt Bernd vor, dass er zunächst in Ruhe ohne Gepäck einen sichereren Weg erkundet.

Jorge scheint nichts davon zu halten, sondern steigt unbeirrt weiter. Sein Freund Diego scheint sich allerdings bei uns sicherer zu fühlen…

Während Bernd losgeht, beobachten wir das weitere Vorankommen Jorges. Zunächst kann er zwar weitgehend über Geröll vorankommen, dann muss er aber sehr steile Schneefelder queren. Wenn er dort ins Rutschen kommt wird er sich mindestens schwer verletzen…

Ich stelle mir vor, wie wir dann versuchen müssten seine Rettung einzuleiten…

Nach einiger Zeit kommt Bernd zurück. Tatsächlich ist es ihm gelungen, eine sichere Route zu finden. Dennoch ist Diego dankbar, als ihm Bernd seinen Wanderstock für die Begehungen der Schneefelder leiht.

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Mit profillosen Turnschuhen über steilen Schnee...

Schließlich erreichen wir den Pass, wo Jorge bereits auf uns wartet. Mittlerweile scheint ihm bewusst zu sein, welch hohes Risiko er eingegangen ist.
Später erfahren wir von Diego, dass er 4- facher argentinischer Meister im 50- Kilometer gehen ist !

Sonne und Nebelschwaden wechseln sich ab. Unsere Blicke schweifen vom Lago Nahuel Huapi bis zum Cerro Catedral.

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Die unter uns liegende Laguna Navidad verführt zum Abstieg, aber die Route führt weiter durch hangparalleles Geröll.

Ein verschneiter Grat leitet uns zum höchsten Punkt des Cerro Navidad.

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Balancieren auf dem Grat

Bevor wir uns an den Abstieg machen, genießen wir noch die schöne Aussicht.

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Am Cerro Navidad

Zunächst geht es wieder einmal weite Schuttfelder hinab. Dann gelangen wir an ausgedehnte Schneefelder, die aber nicht zu steil sind. Daher können wir hier streckenweise sogar „abfahren“

Weiter folgt die Route einem steilen Bachtal. Dabei gibt es eigentlich kaum einen erkennbaren Pfad, nein, das Bachbett ist der Weg.

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Das Bachbett ist der Weg

Ständig balancieren wir über Steine und oft ist auch hohe Konzentration notwendig, wenn wir die Seiten wechseln müssen. Manchmal stürzt der Bach in Wasserfällen abwärts. Schön, dass wir so viele Höhenmeter verlieren, aber natürlich ist das auch mit viel Akrobatik verbunden…

Schließlich wollen wir aufatmen, denn wir haben eine Ebene aus Krüppelwald und Grasflächen erreicht. Natürlich entpuppen sich die offenen Flächen als Sumpfgebiete und ich bin froh, dass meine Lederstiefel dicht halten.
Diego und Jorge müssen schon seit Ewigkeiten mit nassen Füßen laufen, zu allem Überfluss stolpert Diego auch mehrmals und landet im Sumpf.
Margrits Schuhe, die Bernd gestern repariert hatte, bleiben erstaunlich dicht.

Schließlich treffen wir auf den von der Colonia Suiza kommenden, ausgetretenen Hauptweg. Wenn wir zurück schauen, können wir unsere Abstiegsroute überblicken. Kaum zu glauben, dass wir dort herunter gekommen sind!
Nach einem weiteren Anstieg erreichen wir die Umgebung des Refugio Italia.

Hier stehen bereits zahlreiche Zelte, aber auch uns gelingt es noch geeignete Plätze zu finden.

Diego und Jorge sind total geschafft, aber die Wanderung hat ihnen großen Spass gemacht.
Das gilt auch für Margrit und Arno. Aber die beiden haben noch genügend Energie um später noch mit uns zum Refugio zu gehen und dort etwas zu trinken. Das nur von Kerzen erleuchtete Innere der Hütte ist voll mit jungen Argentiniern. Auch das Personal hat genug damit zu tun, die Gäste zu bewirten. Kein Vergleich zu der familiären Atmosphäre im Refugio Jakob.

berniehh
13.06.2011, 10:59
Super,.....da kann man diesen phantastischen Trek direkt nochmal nacherleben:popcorn:

Wildniswanderer
16.06.2011, 20:20
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Refugio Italia

Sowohl die Niederländer als auch Jorge und Diego wollen auf kurzem Weg in die Zivilisation zurückkehren, daher verabschieden wir uns am nächsten Morgen von unseren gestrigen Wanderfreunden. Der Hund bleibt den Holländern treu…

Zunächst folgen wir dem Ostufer der Laguna Negra.

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Laguna Negra

Wir sind froh, dass wir eine Gruppe von Tageswanderern rasch überholen können, denn in dem verblockten Gelände kommen sie nur im Schneckentempo vorwärts.
An einer Stelle müssen wir sogar an einem eigens dort befestigten Seil ein Stück weit klettern.

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Kletterpartie am Seeufer

Weiter führt der Weg durch eine öde Geröllwüste zu einem Kamm, wo unsere Route nach Pampa Linda den Hauptweg verlässt.

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Geröllwüste über der Laguna Negra

Von hier oben können wir bereits den weiteren Weg bis zur Laguna Lluvu übersehen.
Lange Zeit geht es zunächst durch Krüppelbuchen und dann immer prächtiger werdenden Hochwald weit hinab, bis wir ein Bachtal erreichen, welchem wir zur Mündung in ein größeres Flüsschen folgen.
Ein idyllischer Platz, der zum Zelten einlädt, aber zum Lagern ist es uns noch zu früh.
Ausgedehnte Bambusdickichte weisen wieder auf eine ehemalige Waldbrandzone hin. Etliche der verkohlten Stämme liegen mittlerweile über dem Pfad und zwingen uns häufiger zu kleinen Kletteraktionen.

Als wir wieder in größerer Höhe mit offener Heidevegetation sind, sehen wir, dass auch die gegenüberliegenden Hänge großflächig abgebrannt waren.
Was war die Ursache dieser sicher schon lange zurückliegenden Waldbrände?

Entlang eines stufenartig mit kleinen Wasserfällen fließenden Baches gelangen wir zur Laguna Lluvu.

Zu unserer Überraschung treffen wir hier im Wald auf ein zeltendes Pärchen.
Weniger angenehm ist, dass der Pfad, den wir bislang relativ gut folgen konnten offenbar hier am See endet. Wir schwärmen in alle Richtungen aus um den Anschluss zu finden, jedoch ohne Erfolg.

Der Wald sieht nicht zu schwierig für ein pfadloses Wandern aus, daher stellen wir die Suche nach dem Pfad ein und stürzen uns in den Wald.

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Pfadlos durch den Buschwald zur Baumgrenze

Bald weichen wir nach oben aus. Wir benötigen nicht allzu lange um den Gürtel des dichten Buschwaldes zu durchqueren, dann liegt ein Hang aus lockerem Schotter vor uns. Es kostet zwar einiges an Energie aber schließlich erreichen wir einen offenen Kamm.

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Laguna Lluvo

Leider ist es ziemlich bewölkt, dennoch sind die Ausblicke von hier oben fantastisch und wir sind total begeistert. Es gibt sogar Wasser und schöne Lagerplätze, aber wir wollen trotzdem noch etwas weiter laufen.
Verglichen mit den Alpen oder den Pyrenäen sehen wir deutlich weniger Blüten, aber hier verschönert der eine oder andere Tupfer das Grasland.

Irgendwann stoßen wir auch wieder auf einige Steinmännchen die uns zu einem Pass führen. Nach der Karte zu urteilen dürfen wir hier nicht absteigen, aber die Steinmännchen scheinen von hier ab auch zwei unterschiedliche Routen zu markieren. Nun, wir schlagen den Kurs ein, der uns am wahrscheinlichsten scheint, und erreichen eine offene Fläche mit mehreren ebenen Lagerplätzen.
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Hier treffen wir auf 2 junge, in ihren Militärklamotten etwas martialisch wirkende Argentinier die drei Mal so lange wie wir dafür gebraucht haben, von der Laguna Lluvu hierher zu gelangen. Sie wirken ziemlich ratlos was unseren Standort und die weitere Route angeht.

Wir zeigen ihnen auf unserer Karte wo wir uns befinden. Daraufhin ziehen die Beiden weiter, kehren nach einiger Zeit jedoch wieder zurück und bauen ihr Zelt unmittelbar neben unserem auf. Später kommt noch ein argentinisches Paar dazu.

Kontinuierlicher, aber nicht sehr starker Regen setzt ein und lässt die Umgebung feucht und düster wirken.

Morgens weckt uns laute Rockmusik aus den Zelten nebenan. So kann man auch die Stille der Berge genießen…

Mit 8 Grad ist es relativ warm. Noch ist es ziemlich dunstig, aber am Himmel erscheinen bereits erste blaue Flecken. Vielleicht wird heute ja ein richtig schöner Tag?

Bernd geht es ziemlich schlecht. Er hat Magen- Darm Probleme und fühlt sich fiebrig.
Dennoch brechen wir um 9.30 noch vor den Argentiniern auf. Zunächst können wir den Steinmännchen weiter folgen, aber bald ist keines mehr zu sehen.

Der direkte Weg führt bergab in den Buschwald hinein. Wir erkunden den Wald ein Stück weit, aber uns ist ziemlich schnell klar, dass wir hier nur schwer vorwärts kommen können.

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Der direkte Weg führt ein Stück weit hinab und dann das Seitental hoch

Wir suchen den hinter uns liegenden Hang nach einer gangbaren Route mit dem Fernglas ab und werden fündig: Eine steile Rinne soll uns nach oben bringen.
Die Rinne entpuppt sich tatsächlich als machbar, nur auf dem steilsten Stück müssen wir darauf achten, nicht ins Rutschen zu kommen…

Der weitere Weg über ein Geröllband zwischen zwei Steilabfällen erweist sich als leichter als von mir gedacht, und wir können die herrliche Gegend in Ruhe genießen. Die Dunstschleier verziehen sich zusehends.
Schließlich erreichen wir einen Grat und machen in weiter Entfernung die Argentinier aus, die offenbar auch eine gangbare Route gefunden haben.

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Weglos auf dem Grat

Bernd geht es zunehmend schlechter, trotz Einnahme von Tabletten. Hoffentlich wird es nicht noch schlimmer…

Bald stoßen wir wieder auf vereinzelte Steinmännchen die uns über einen Geröllhang in das geradezu liebliche Becken des Valle Mate Dulce führen.

Ein Traumtal voller herrlicher Zeltplätze!

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Valle Mate Dulce

Mittlerweile wärmt die Sonne angenehm und lädt zu einer ausgedehnten Rast ein.
Während Bernd sich hinlegt, erkunde ich die Umgebung. Ein Kondor fliegt fast auf Augenhöhe über das Sumpfland an uns vorbei. Wir können sogar die Geräusche seiner Schwingen hören.
Die Wärme zaubert einige Eidechsen hervor.

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Bernd versucht seine Krankheit loszuwerden

Ich schlage vor hier zu lagern, damit Bernd sich auskurieren kann. Aber nachdem sich Bernd einen Kakao gekocht hat gehen wir weiter.

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Tolle Kontraste

Mittlerweile sind auch die Spitzen der Berge nicht mehr in Wolken gehüllt. Endlich haben wir tolles Wetter !

Inzwischen ist die Route wieder besser markiert. Neben den Steinmännchen stoßen wir auch manchmal auf rote Farbtupfer.

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Der Weg ist meistens mit Steinmännchen gekennzeichnet

Der weitere Aufstieg ist nicht zu steil. Einige Schneefelder stellen kein Problem dar.
Wir können uns gar nicht satt sehen an diesen schönen, in den unterschiedlichsten Farbschattierungen leuchtenden Bergen.

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Faszinierende, farbige Bergwelt

Gegen 17.15 haben wir den höchsten Punkt des Tages erreicht und verbringen lange Zeit mit dem Betrachten und Fotografieren der Umgebung.

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Der höchste Punkt des Tages ist erreicht
Tief unter uns schimmert die Laguna Creton, bei der wir unser Nachtlager aufschlagen wollen. Die gletscherbedeckte Spitze des 3478 m hohen Monte Tronador schält sich aus den Wolken.

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Die Spitze des Monte Tronador erscheint
Um uns sind zackige, schokoladenbraune Gipfel aber auch kegelförmige Vulkane. In den tiefen Tälern leuchtet das Grün des Südbuchenwaldes.
Einfach toll!

Der Abstieg durch steiles Geröll ist stellenweise nicht ganz einfach und erfordert auch jetzt, am Ende des Tages noch Trittsicherheit und volle Konzentration. Da wieder einmal keine Steinmännchen zu sehen sind suchen wir uns unsere eigene Route.

Wir gelangen auf eine weite Sumpfebene an deren Rand sogar eine recht üppige Blütenpracht herrscht.
Durch den Südbuchenwald kommen wir an einen kleinen Wasserfall, an dem 4 Argentinier zelten. Sie erzählen, dass es an der Laguna Creton keine guten Lagerplätze gibt, aber wir steigen dennoch weiter aufwärts und erreichen gegen 19 Uhr die Umgebung des Sees.
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In der Nähe der Laguna Creton

Es ist hier in der Tat sehr steinig und windausgesetzt. Allerdings entdecken wir einige benutzte Zeltplätze die zum Teil sogar durch Steinwälle geschützt sind.
Nachdem die Sonne verschwunden ist, wird es ziemlich frisch und wir ziehen uns in die Zelte zurück.

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Ich sichere mein Zelt mit Felsbrocken

Bald nimmt der Wind an Stärke zu und rüttelt mit Macht und erheblicher Lautstärke an meinem Zelt. Obwohl ich die Häringe mit schweren Felsbrocken gesichert habe, hat sich irgendwann einer der Erdnägel gelöst und muss neu befestigt werden.

Ehemaliger
16.06.2011, 21:54
Vielen Dank für die Fortführung des sehr interessanten Berichts.

Der arme Bernd hat ja offenbar auf der gesamten Andentour öfters Magenprobleme gehabt. Dann noch der Zelteinbruch. Da muss man eine gewisse Härte haben, um dennoch weiterzumachen.

fjellstorm
17.06.2011, 17:44
:popcorn: :D

Wildniswanderer
24.06.2011, 21:49
Am nächsten Morgen ist es windstill und mit 9 Grad recht warm. Keine Wolke ist am Himmel zu entdecken!
Während Bernd sich noch weiter ausruht, gehe ich zur Laguna Creton in deren Wasser sich die umliegenden Berge perfekt spiegeln.

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Ein herrlicher Morgen an der Laguna Creton

Zurück beim Zelt brechen drei Männer gerade auf. Einer von ihnen ist ein Engländer der in Bariloche wohnt und offenbar als Bergführer für die beiden anderen arbeitet. Sie wollen zum Refugio Italia und wählen den direkten Weg zum Grad ohne den Umweg über die Sumpfebene.
Einige Zeit lang beobachte ich einige Kleinvögel am Bach.
Gegen 10.30 sind wir schließlich abmarschbereit. Bernd ist noch nicht wirklich fit, aber natürlich gehen wir weiter…
Über große Granitplatten gelangen wir relativ gemächlich auf einen Rücken.
Weit unter uns schimmert die Laguna Callvu in herrlichem Blau.

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Laguna Callvu

Ein kleines Stück eines Fjordes des Lago Nahuel Huapi ist ebenfalls zu sehen.
Ab hier kennt Bernd die weitere Route von einem früheren Besuch.
Wir steigen weiter aufwärts auf dem breiten Geröllrücken.

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Kein Wölkchen zeigt sich am Himmel

In der Nähe der Laguna Jujuy liegt noch einiges an Schnee, aber auf unserer Route entsteht dadurch kein Problem. Wir treffen die Argentinier die wir gestern am Wasserfall getroffen hatten. Sie unterhalten sich über Funk miteinander!

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Laguna Jujuy

Schließlich haben wir den höchsten Punkt erreicht und können einen sagenhaften Ausblick auf das Tronador Massiv, scheinbar zum Greifen nahe uns gegenüber genießen.

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Tronador

Der Abstieg ist recht einfach. Schotterflächen wechseln sich mit heideartiger Vegetation voller Blumen ab.

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Nachdem wir eine Buschwaldzone durchquert haben, gelangen wir in ein weites versumpftes Tal, voller brauner Teiche und grüner Wiesen.
Leider sind bei den warmen Temperaturen auch hier die Tabanos aktiv, die wir in Chile ja zur Genüge kennen gelernt hatten.

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Im weiten Hochtal

Oft bleibe ich zurück um zu fotografieren. Irgendwann treffen wir uns dann immer wieder. Doch diesmal führt der Pfad in den Wald und dann bergab. Ich bin zwar etwas verwundert, dass mein Freund nicht mehr auftaucht, aber der Weg scheint mir zunächst eindeutig. Als ich dann aber unser Ziel die Laguna Ilon erreiche und Bernd immer noch nicht zu sehen ist, mache ich mir Sorgen. Gab es doch einen Pfad den ich übersehen habe? An einer Stelle hatte es nach einem Abzweig ausgesehen, fällt mir ein. Also steige ich wieder hoch. Der abzweigende Pfad endet aber schnell im Wald. Gerade habe ich beschlossen wieder zurück zur Laguna zu gehen, als Bernd auftaucht. Für ihn war klar, dass wir bei der kleinen, unbewirtschafteten Hütte Refugio Papa Manuel lagern würden. Darüber hatten wir allerdings noch nicht gesprochen. Da Bernd sich immer noch schlecht fühlt, wollte er die Hütte so schnell wie möglich erreichen um sich auszuruhen, daher hat er nicht mehr gewartet, sich dann aber doch gewundert warum ich nicht mehr auftauche !
Was solls, wir sind zwar beide eine ganz schöne Strecke umsonst gelaufen, aber weiter schlimm ist das nicht!

Da ich keine Lust habe, noch mal von Radios und lauten Gesprächen unterhalten zu werden hätte ich eher woanders gezeltet, aber in der Nähe der vermüllten Hütte gibt es auch genügend Zeltplätze.

Bernd der eigentlich total erschöpft ist, will noch eine Wanderung zum über eine Stunde entfernten Aussichtspunkt Mirador del Doctor unternehmen, den er von seinem letzten Besuch kennt. Dort ist das Fotolicht nachmittags am besten, was er trotz seines Zustandes nicht verpassen will!

Ich habe keine Lust mehr auf eine größere Tour und unternehme lediglich noch einen kleinen Spaziergang durch den Wald am Seeufer. Natürlich lasse ich mir auch ein Bad im recht kühlen Wasser nicht nehmen. Allerdings beeile ich mich mit dem Anziehen, da die Tabanos wieder ziemlich aktiv sind. Am Strand zelten einige Argentinier, auch die Gruppe die wir schon vorgestern getroffen hatten, taucht irgendwann auf.
Später treffe ich Bernd im Wald wieder, der tatsächlich bis zu dem Mirador gelaufen ist, und von der tollen Aussicht schwärmt.

Da Bernd sich ohnehin am nächsten Morgen etwas länger ausruhen möchte, frühstücke ich bereits im Schein der Stirnlampe um kurz nach 6, und stehe um halb sieben am Ufer der Laguna Ilon. Ich bin gerade rechtzeitig um den tollen Sonnenaufgang zu erleben.

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Sonnenaufgang an der Laguna Ilon

Der Tronador und die rosa gefärbten Wolken spiegeln sich im klaren Wasser des Sees.

Es macht mir viel Freude durch den morgendlich stillen Südbuchenwald der von einigen sumpfigen Lichtungen durchsetzt ist aufzusteigen. Der Pfad ist gut zu erkennen und führt zuletzt durch niedrigen Buschwald bevor ich eine natürliche Aussichtskanzel aus Granitfelsen erreiche. Steile, glatte ein wenig an Yosemite erinnernde graue Wände fallen zum Lago Frey und zum Fjord Brazo de la Tristeza des riesigen Nahuel Huapi Sees ab. Das helle Grün der Wälder bietet schöne Kontraste zu den Gletschern des Monte Tronador. Leider ist die Sonne schon zu hoch gestiegen, so dass die Fotobedingungen nicht mehr gut sind. Bernd hatte ganz recht, abends kann man hier viel schönere Bilder machen!
Bei der Rückkehr zeigt sich die Laguna Ilon jetzt im klaren Morgenlicht.

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Laguna Ilon mit Monte Tronador

Erst gegen 11 gehen wir los. Der gut sichtbare Pfad führt zum Teil durch offenen Südbuchenwald aber auch über größere Grasflächen. Wir sehen keine Kühe, aber ihre Hinterlassenschaften sprechen eine deutliche Sprache. Zwar fragen wir uns wie die Wiederkäuer hierher in den Nationalpark gelangen, aber offenbar gelingt es ihnen zu verhindern, dass die Offenflächen vom Wald zurück erobert werden.

Gegen Mittag erreichen wir einen felsigen Aussichtspunkt der gegenüber der Gletscherabbruchkante des Tronador liegt. Von dort stürzen etliche Wasserfälle in die Tiefe.

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Wasserfälle entspringen dem Tronador Gletscher

Tief unter uns sehen wir die weite Ebene von Pampa Linda.

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Pampa Linda

Der weitere Abstieg durch zunehmend üppiger werdenden, fast an den chilenischen Regenwald erinnernden Wald ist ziemlich steil. Aber schließlich erreichen wir den Rio Alerce. Ein Seil ist über das Gewässer gespannt. Aber zur Zeit steht das Wasser nur kniehoch, daher wäre die Überquerung auch so unproblematisch.

Zunächst kommt uns ein Reiter entgegen, dann haben wir auch schon Pampa Linda erreicht. Es gibt hier ein ziemlich teuer aussehendes Hotel und einen großen Campingplatz. So menschenleer die Berge auch sind, hier am Ende der Straße genießen eine Menge Urlauber diesen schönen Erdenfleck.
Die Rangerstation sollte eigentlich noch geöffnet sein, aber der Eingang ist bereits verschlossen. Die enge Zufahrtsstraße ist jeweils in einer Richtung gesperrt. Erst um 16 Uhr soll sie wieder geöffnet werden. Daher wundern wir uns, dass schon um kurz nach drei die ersten Autos sich in Bewegung setzen. Als wir ebenfalls in die Richtung gehen, stellen wir fest, dass die Fahrzeuge nur bis zur Polizeistation fahren, wo sich bald eine lange Schlange gebildet hat.
Wir kommen mit zwei älteren Argentiniern ins Gespräch, die uns schließlich einladen, auf der Ladefläche ihres Pick- up mitzufahren.
Die Schotterpiste bietet uns ein staubiges Vergnügen, aber die Landschaft ist grandios. Zunächst geht es durch das breite, offene Tal des Rio Manso, dann am Lago Mascardi entlang. Das Wasser des Sees schimmert in überirdischen, türkisen Farben. Kein Wunder, dass sich hier einige Zeltplätze befinden. Nach 45 Kilometern erreichen wir die Hauptstraße nach El Bolson, und fahren noch ein Stück Richtung Bariloche.
Wir wollen als nächstes eine Tour durch die Cordillera Nirihuau machen. Der Ausgangspunkt des Weges den wir nehmen möchten, befindet sich in der Nähe einer Tankstelle, soviel wissen wir. Allerdings sehen wir nirgendwo einen Weg von der Straße abzweigen, während wir über den Asphalt traben. Auch ein Paar das uns entgegenkommt und die Angestellten der Tankstelle haben keine Ahnung, wo der Weg sein könnte.
Glücklicherweise kommt Bernd auf die Idee, bei einem ehemaligen Hotel zu fragen. Und tatsächlich, sie kennen den Weg der im Prinzip unmittelbar bei dem Haus, allerdings gut getarnt beginnt. Erst als wir ein Stück in den Wald gelaufen sind, stoßen wir auf rote Markierungen.
Da es schon spät ist, beschließen wir hier unser Lager aufzuschlagen. In dem Wald aus Südbuchen und mächtigen Andenzypressen wurden einige Bäume gefällt, trotzdem wirkt er noch ziemlich urwüchsig.
Leider finden wir in der Nähe kein Wasser, daher geht jeder von uns einmal zur Tankstelle um unsere Wasservorräte aufzufüllen.

Trolli
25.06.2011, 20:33
Wow, was für eine beeindruckende Tour.... und super Fotos.... Da bekommt man Fernweh.......... Lieben Gruß, Trolli

Aurum
25.06.2011, 23:19
Geile Tour!

Danke für's Berichten.

Wildniswanderer
03.07.2011, 19:24
4. Durch die Cordillera Nirihuau

Mit 12 Grad ist es bereits morgens recht warm. Wir füllen noch einmal unsere Wasservorräte bei der Tankstelle auf, und beginnen dann den Anstieg. Das erweist sich allerdings als überflüssig, den bereits nach einer halben Stunde gelangen wir an einen Bach.
Beim Club Andino in Bariloche hatten wir erfahren, dass die Cordillera Nirihuau nur selten begangen wird, daher sind wir gespannt was wir vorfinden werden.
Zunächst ist der Weg mit roten Punkten und einigen Plaketten recht gut markiert. Nur an größeren Lichtungen, die auch hier von den Kühen offen gehalten werden, müssen wir immer wieder ein wenig nach dem Weg suchen.
Viele alte, umgestürzte Bäume nötigen uns zu einigen Kletteraktionen.
Die starken Nadelbäume verschwinden schon bald und wir laufen wieder durch wunderschönen, offenen Lenga- Wald.

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Durch den Wald zu den Kämmen der Cordillera Nirihuau

Gegen Mittag erreichen wir eine Granitkanzel die fantastische Aussichten über die Seenwelt Nahuel Huapis bietet.
Es gibt hier sogar ein Gipfelbuch von 1997 das bislang aber nur sehr wenige Einträge aufweist.

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Felsenkanzel mit Gipfelbuch

Von jetzt an ist von den in der Karte eingezeichneten Wegen kaum etwas zu sehen, auch die üblichen Steinmännchen fehlen.
Die Kämme in diesem Teil des Nationalparks sind weniger schroff und oft recht breit und über weite Strecken gut zu begehen. Das bietet natürlich ständige spektakuläre Ausblicke!
Offenbar regnet es hier bereits deutlich weniger als am Hauptkamm, da die Vegetation ziemlich ausgetrocknet wirkt.
Als wir eine Fotopause auf einem kleinen Felshügel einlegen, streicht ein Kondor zum Greifen nahe bei uns vorbei. Geistesgegenwärtig gelingt es mir einen Schnappschuss zu machen, der sogar scharf ist!

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Kondor

Während um die Mittagszeit an der Felsenkanzel kein gutes Licht zum Fotografieren herrschte, werden jetzt die Ausblicke über das Seengebiet zunehmend schöner.


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Herrliche Aussichten über das Seengebiet

Leider hat die schöne Kammwanderung irgendwann ein vorläufiges Ende. Wir steigen durch loses Schottergeröll zu einer sumpfigen Senke hinab. Hier entdecken wir große Fährten von Wildtieren und rätseln zunächst, von wem die Abdrücke stammen. Bald entdecken wir die Urheber allerdings. 4 Pferde laben sich am satten Grün!

Nachdem wir zu einer weiteren Senke gelangt sind, beratschlagen wir über den weiteren Weg. Die direkte Route über einen steilen Bergrücken erscheint relativ schwierig und gefährlich. Daher beschließen wir einen Umweg am Hang entlang zu wählen.
Auch diese Route entpuppt sich in dem losen, steilen Geröll als nicht ganz einfach, und ich bin froh als wir am Ende der Hangquerung angelangt sind ohne in eine Schuttlawine geraten zu sein…
Der weitere Aufstieg in einem Bachtal zu einem Pass ist dann nicht mehr schwierig.
Vom Cerro de las Hormigas versuchen wir unsere weitere Route zu übersehen.
Eine unbewirtschaftete Hütte des Andenclubs, das Refugio Alto Nirihuau muss ganz in der Nähe sein, verbirgt sich aber wohl im Gestrüpp des oberen Nirihuau Tales.

Ein Stück weit unterhalb des Passes finden wir einen schönen Lagerplatz in der Heidevegetation oberhalb eines Baches.

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Während Bernd, der immer noch nicht richtig fit ist sich ausruht, erkunde ich schon mal den weiteren Weg. Der dichte Südbuchenbusch im Tal sträubt sich meinem Durchquerungsversuch, daher entdecke ich die Hütte auch nicht.
Nach dem ich einen steilen Anstieg bewältigt habe, gelange ich auf ein karges, weites Hochplateau. Bald stoße ich auf einige Steinmännchen die mich zur Laguna Hosseus führen.
Der ruhige Abend reizt mich zum Weiterlaufen, aber irgendwann kehre ich zurück zum Lager.
Ein weiterer toller Trekkingtag neigt sich seinem Ende zu und ich bedauere dass die Freiheit des Wanderns für mich bald vorläufig ein Ende hat.

Am nächsten Morgen sind wir bei schönem Wetter wieder unterwegs. Hochflächen, breite Kämme und Geröllfeldtraversen wechseln einander ab, aber da wir auf keine ernsthaften Hindernisse stoßen kommen wir gut voran.
Von den Steinmännchen ist bald nichts mehr zu sehen, was solls, das Gelände der Cordillera Nirihuau eignet sich gut für wegloses Wandern.

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Aufstieg zur Hochebene

Immer wieder faszinieren uns die Kontraste zwischen den ockerfarbenen Hängen und den grünen Waldtälern. Besonders vom 2140 Meter hohen Cerro Confluencia ergeben sich faszinierende Weitsichten.

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Grüne Waldtäler und ockerfarbene Hänge

Während wir über breite Schotterkämme weiter wandern, sehen wir sogar noch einmal einen Kondor.

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Unterwegs auf breiten, steinigen Kämmen

Doch irgendwann müssen wir die luftigen Höhen wieder verlassen und steigen hinab in das Tal des Arroyo Nirihuau. Bald haben wir die Zone des fast undurchdringlichen Buschwaldes erreicht. Das beste Vorankommen gewährt hier noch das felsige Bett des Baches. Zwar sind etliche Turnübungen erforderlich und immer wieder müssen wir die ins Bachbett hängenden zähen Zweige der Südbuchen zurückbiegen, aber Schritt für Schritt gelangen wir langsam tiefer.
Nachdem wir eine große, offene Sumpffläche überquert haben, stoßen wir schließlich im Wald auf einen Pfad, der bald sehr gut erkennbar und einfach zu bewandern ist.

Wir müssen ganz in der Nähe der in der Karte eingezeichneten Hütte Villa Horrible sein, stoßen aber nicht auf sie. Obwohl wir längst an einem guten Lagerplatz vorbei gekommen sind, laufen wir weiter talabwärts.

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Im Tal des Arroyo Nirihuau

Schließlich kehren wir um und entdecken ganz in der Nähe des uns vorher schon aufgefallenen guten Lagerplatzes Steinmännchenmarkierungen, die zur anderen Seite des Baches weisen. Wir folgen den Steinen ein Stück weiter und stehen schließlich vor der kleinen Blockhütte. Sie ist zwar etwas vermüllt, ansonsten können wir nicht nachvollziehen was an ihr „horrible“ ist.

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Refugio Villa Horrible

Offenbar wird die Hütte ziemlich regelmäßig von Einheimischen genutzt, daher auch der gut sichtbare Pfad hierher.
Unser Lager schlagen wir dann aber doch lieber an dem Platz direkt am Fluss auf.

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Unser letztes Lager

Während Bernd Tagebuch schreibt unternehme ich noch einen Abendspaziergang.
Wie immer gefällt mir der Wald mit seinen zum Teil meterdicken Stämmen außerordentlich gut. Während ich unter einem Baum stehe, fällt ein Schwarm grüner Papageien mit etwas karminrot im Gefieder in der Krone ein. Ziemlich unerwartet, dass in diesen kühlen Wäldern sonst eher exotische Vögel leben.
Davon abgesehen, kommt es mir aber so vor, dass der Wald hier eher arm an größeren Tieren und auch Vögeln im Vergleich zu Deutschland ist. Das kann mich aber auch täuschen.

Am nächsten Morgen laufen wir weiter talabwärts. In den Wald sind jetzt auch zunehmend trockene, offene Flächen eingestreut, die manchmal von unzähligen blühenden Feuerlilien bewachsen sind. Ein Fest für die Augen!

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Die Wanderung nähert sich dem Ende

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Wunderschöne Lilien


Dennoch wundern wir uns, als wir auf eine etwa 50 Zentimeter lange, erdbraune Schlange vor uns auf dem Weg stoßen. Wir hatten angenommen, dass es für Reptilien hier immer noch zu kalt ist.
Die Schlange zeigt keine Scheu und lässt sich ausgiebig von uns fotografieren.

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Kleine Schlange

Irgendwann stoßen wir auf einen Fahrweg und begegnen einem Jungen, der zu Pferd Schafe hütet. Statt mit Wald sind die Hügel jetzt hauptsächlich mit Buschland bewachsen.
Nachdem wir die ersten Häuser erreicht haben, sind wir noch etwa eine Stunde unterwegs bis wir schließlich an der Hauptstraße stehen. Hier so kurz vor Bariloche mitgenommen zu werden, stellen wir uns bei unserem leicht abgerissenen Äußeren recht schwierig vor.
Aber wir haben Glück, bald hält ein Bus, der uns komfortabel zurück in die Stadt bringt.
Natürlich lassen wir uns es nicht nehmen, auch hier abends noch einen „Tenedor libre“ aufzusuchen. Unser Essvermögen ist gigantisch!

Am nächsten Morgen trennen sich unsere Wege, während Bernd zu weiteren Abenteuern an die Südspitze des Kontinents fährt, nehme ich einen Bus zurück nach Santiago von wo ich nach Hause fliege.

paddel
05.07.2011, 09:28
Oh schade, schon vorbei :(

Freue mich darauf bald wieder einen so tollen Reisebericht von dir zu lesen!

fjellstorm
05.07.2011, 09:30
Danke nochmals für den interessanten Bericht mit tollen Bildern!

Dominik
05.07.2011, 10:48
Mich hauen die Bäume ja immer wieder aus den Socken. Solche NadelbaumUrwälder sind schon echt beeindruckend.
Man kann sich damit gut vorstellen, wie ein Teil der Erde vor dem Antrophozän ausgesehen haben mag.

Danke für diese tollen Fotos!! (Bericht lese ich gerade erst :grins:)

peter-hoehle
19.08.2011, 10:53
Habe nun auch die letzten Berichte gelesen und kann nur sagen:
Das ist der Hammer.Die Bilder sind sensationell schön.
Das schönste daran: Ich werde mir diese Landschaft im Dezember/Januar
anschauen :bg:

Gruß Peter

Wanderelch
19.08.2011, 12:36
Mit solch tollen Berichten kann man sich die Wartezeit bis zum nächsten eigenen Trekkingurlaub wunderbar verkürzen.

Vielen Dank für die Arbeit, die du dir hier gemacht hast.

Mika Hautamaeki
20.10.2014, 12:37
Hab nun diesen Bericht auch endlich durchgelesen. Vielen Dank dafür!