PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [CY] Quer durch Zypern auf dem E4



heron
10.04.2011, 21:04
Im Februar/März habe ich den Frühling schon einmal vorverlegt und bin zum Wandern nach Zypern geflogen.
Die Informationen zum E4 waren bis auf die farbenfrohe Broschüre des CTO (Cyprus Tourist Office) - die im übrigen jeden Immobilienmakler in den Schatten stellen kann - sehr mager. Keine Reiseberichte, keine Wegbeschreibungen, kein Kartenmaterial von 1:200.000 Strassenkarten einmal abgesehen. Ich bin beinahe begeistert richtiges Wander-Neuland zu betreten. Aber eigentlich hätte es mir zu denken sollen, dass es über einen Weg, der seit 2005 besteht nichts gibt ...

Nach einem ausgedehnten Telefonat mit dem wanderkompetentesten Zyprioten Aleko in Limassol bin ich doch frohen Mutes: es ist ein ganz toller Weg, markiert, schöne Landschaften - nein er ist ihn auch noch nicht ganz gegangen ...

Gelernt habe ich, dass den Zyprioten das Konzept des Wanderns gänzlich unbekannt ist, ja sogar die Idee des zu Fussgehens ist ihnen ziemlich fremd. Sie würden aufs Klo mit dem Auto fahren, wenn sie einen Parkplatz fänden.

Und so ist auch der E4: Rund 90% - gefühlte 100% - gehen auf Strassen. Asphalt, Beton, Sand, Kies, Steine, Erde - immer Strassen. Der längste durchgehende Abschnitt auf einem Pfad, den man als Wanderweg bezeichnen würde ist 7,5km!
Die Markierungen sind abschnittsweise katastrophal - nicht existent, zerstört, verbogen, im Strassengraben oder in die falsche Richtung gedreht. Der ausgeprägte Hang der Zyprioten zum Vandalismus trägt auch dazu bei : E4 Markierungen sind offensichtlich die besten Zielscheiben auf der Insel!


Aber: das Wetter ist im Februar, März (vielleicht auch noch April) super, die Menschen unglaublich freundlich und hilfsbereit. Ich habe noch nie so entspannt und schnell Zeltplätze gefunden wie hier - obwohl das Wildzelten verboten ist! Ist ja auch ganz logisch: wo kein Auto hinkommt, kommt auch kein Zypriote vorbei. 30 - 50m abseits der Strasse und man ist garantiert alleine.
Die Landschaften sind wirklich schön und im Frühling blüht alles und ist leuchtend grün.

Ich bin den E4 von Paphos Richtung Larnaka gegangen und habe nach 2 Wochen und rund 360km beim Kloster Stavrovouni in Sichtweite von Larnaka abgebrochen.
Von P > L ist man schneller in schöner Landschaft und in den Bergen; in der umgekehrten Richtung geht es lange durch dicht besiedeltes bewirtschaftetes Gelände - eher nicht so schön.

Die ersten 4 Etappen sind auf meinem Blog (http://www.schroll.at/blog) schon online - und hier einmal ein paar Bilder

http://www.schroll.at/blog/wp-content/uploads/2011/04/Zypern2011_03010984small.jpg

http://www.schroll.at/blog/wp-content/uploads/2011/04/Zypern2011_03010219small.jpg

http://www.schroll.at/blog/wp-content/uploads/2011/04/Zypern2011_03010032small.jpg

http://www.schroll.at/blog/wp-content/uploads/2011/04/Zypern2011_03010109small.jpg

http://www.schroll.at/blog/wp-content/uploads/2011/04/Zypern2011_03010126small.jpg

http://www.schroll.at/blog/wp-content/uploads/2011/04/Zypern2011_03010147small.jpg

http://www.schroll.at/blog/wp-content/uploads/2011/04/Zypern2011_03010174small.jpg

http://www.schroll.at/blog/wp-content/uploads/2011/04/Zypern2011_03010150small.jpg

http://www.schroll.at/blog/wp-content/uploads/2011/04/Zypern2011_03010271small.jpg

http://www.schroll.at/blog/wp-content/uploads/2011/04/Zypern2011_03010324small.jpg

http://www.schroll.at/blog/wp-content/uploads/2011/04/Zypern2011_03010336small.jpg

http://www.schroll.at/blog/wp-content/uploads/2011/04/Zypern2011_03010372small.jpg

http://www.schroll.at/blog/wp-content/uploads/2011/04/Zypern2011_03010244small.jpg

http://www.schroll.at/blog/wp-content/uploads/2011/04/Zypern2011_03010286small.jpg

Gismo834
10.04.2011, 22:39
Bin schon gespannt wie Dein Bericht weiter geht!

Gwenny
11.04.2011, 09:56
Ja, und vor allem sehr schöne Fotos :D
Bin auch gespannt, wie es weitergeht...


.Und so ist auch der E4: Rund 90% - gefühlte 100% - gehen auf Strassen. Asphalt, Beton, Sand, Kies, Steine, Erde - immer Strassen. Der längste durchgehende Abschnitt auf einem Pfad, den man als Wanderweg bezeichnen würde ist 7,5km!

Das liest nicht nicht so toll...

Werner Hohn
11.04.2011, 19:15
Hallo heron,

irgendwie hatte ich auf bessere Nachrichten gehofft. Also dann doch nur nach Zypern zum Baden. Blauer Himmel und blaues Meer, im März auch nicht schlecht.

Du hast nicht zufällig etwas über den KYRENIA MOUNTAIN TRAIL (http://www.kyreniamountaintrail.org/) in Erfahrung bringen können?

Werner

heron
12.04.2011, 08:01
Hallo heron,

irgendwie hatte ich auf bessere Nachrichten gehofft. Also dann doch weiterhin nach Zypern zum Baden. Blauer Himmel und blaues Meer, im März auch nicht schlecht.

Du hast nicht zufällig etwas über den KYRENIA MOUNTAIN TRAIL (http://www.kyreniamountaintrail.org/) in Erfahrung bringen können?

Werner

Hallo Werner

Zum türkischen Teil habe ich keine Infos - ausser
im türkischen Teil von Zypern darf man legal wild campieren, was aber im praktischen Leben keinen Unterschied macht
die Infrastruktur ist noch magerer
die Gegend soll noch schöner sein, ich nehme auch an, dass es mehr Pfade gibt
Wasser ist vermutlich das wichtigste Thema

Ich habe von einem Franzosen gehört, der die ganze Insel letztes Jahr mit dem Mountainbike gemacht hat und grosse Schwierigkeiten mit der Wegfindung hatte, trotz GPS. Es soll auch einen Bericht dazu geben, könnte ich eventuell rausfinden.

Aber der türkische Teil interessiert mich .... und hab ich für den Herbst eigentlich schon was geplant? :bg: :bg: :bg:
Vor allem würde ich richtig gerne an dieses letzte NO-Ende von Zypern gehen.

@Gwenny: Ja, die wichtigste Info in der CTO-Broschüre fehlt: Wenn sie den E4 machen wollen, mieten sie sich ein Auto.

Juno234
12.04.2011, 11:23
Trotzdem spannend - danke!

Julia
12.04.2011, 19:02
Nordzypern interessiert mich auch sehr - das war eigentlich unsere Alternative zu Teneriffa im März (wo dann letztendlich der Teide das Rennen entschieden hat). Es steht immer noch bei mir auf der Liste. Wie waren denn so die Temperaturen um die Zeit?

heron
12.04.2011, 19:38
Und hier ein bisschen Fortsetzung:

Temperaturen hängen ein bisschen von der Höhe ab - geht ja vom Meer bis auf +1700m. Nachts das tiefste waren 5°, tagsüber +7° bei heftig Wind und Regen sind auch ziemlich frisch, aber sonst um die 16-21° Luft, in der Sonne auch schon Richtung 30°. Fast immer ein kühlendes Lüftchen.

1. Etappe: Paphos Airport - Stavros tis Minthis
Mit dem Autobus direkt auf den Flughafen von Paphos, wo alle Leute in die Abflughalle gehen und ich das erste Schild vom E4 suche. Auf Strassen und Schotterwegen, unter der Autobahn durch, abe rmit mindestens 3x furten (!) durch den Potamos tis Ezousas. Ich schreibe noch ganz genau mit, weil ich ja die Idee habe, einen Wanderführer über die TransZypern zu schreiben ... In Episkopi weiss niemand was von einer Unterkunftsmöglichkeit und als sich die Möglichkeit anbietet, akzeptiere ich eine Mitfahrgelegenheit bis Stavros tis Minthis.

2. Etappe: Stavros tis Minthis - Pegeia - Paphos
Am Ende der Grossbaustelle rundum den Golfplatz tauchen auch wieder E4-Markierungen auf und es geht weiter auf Strasse, Schotterstrasse und Strasse. Der einzige kurze Abschnitt auf einem nicht mehr befahrbaren Weg endet in der ... Mülldeponie. Es raucht und stinkt und die Markierung ist weg. Meine Wegentscheidung führt mich wieder auf die Strasse nach Coral Bay zurück. Bis nach Pegeia sind es von dort noch 4 km auf der Strasse - aber als mir so langsam dämmert, dass es in dieser Stadt auch keine Unterkunftsmöglichkeit gibt (obwohl sie als Etappenziel in der E4 Broschüre geführt wird) nehme ich mir ein Taxi zurück nach Paphos.

Nach 2 Tagen auf dem E4 gönne ich mir zwei Nächte im Hotel um meinen Frust abzubauen und die Idee mit dem Wanderführer ist schon in der Rundablage, weil ich diesen Weg nicht wirklich empfehlen möchte.

Nach ein bisschen Recherche starte ich zur
3. Etappe: Agios Georgios - Nordende Akamas Halbinsel

Im Autobus zur Kapelle bin ichmit Abstand die Jüngste und auch die Einzige, die kein Retourticket nimmt ;)
Auf der berühmten "menschenleeren" Akamas-Halbinsel geht es einen ganzen Tag lang auf der staubigen Dirt Road, die um diese Jahreszeit glücklicherweise keine Touristen befahren. Aber ein paar Wochen später, richtig heiss und jede Menge SUV unterwegs, muss das die Hölle sein.
Obwohl die Akamas Naturschutzgebiet ist und Campieren allüberall in Zypern verboten, gibt es eh keine andere Option als biwakieren. Wasser ist leider Mangelware und muss mitgetragen werden für rund 30km.

4. Etappe: Akamas Halbinsel - Smigies Picknickplatz
Der E4 führt über den Hügel auf die andere Seite der Halbinseln und geht dort auf der entsprechenden Dirt Road bis zum Bad der Aphrodite - einem Touristen Hot spot. Ich biege vorher auf den Aphrodite Trail ab - und das ist der erste "Wanderweg" :bg: Ein kleiner Pfad führt in Serpentinen bergauf und man hat wunderschöne Ausblicke ... für ca. 1 Stunde.
An meinem Rastplatz, einer kleinen Ruine, finde ich nach mittag das erste Wasser.
Nach dem Abstieg zum Aphrodite Bad, einem kleinen Quellteich mit Feigenbaum, geht es wieder bergauf auf dem Adonis Trail (Namen sind alles!). Nach einem kurzen Abstecher nach Neo Chorio, wo es natürlich auch keine Unterkunft gibt, gehe ich wieder zum Picknickplatz, wo ich im Vollmondlicht mein Tarp aufbaue.

5. Etappe: Smigies Picknickplatz - Choli
Vom Picknickplatz geht es auf dem Rücken der Akamas Halbinsel auf Schotterstrassen bis nach Drouseia, wo wieder mehr Asphalt ist. Jedes traditionelle zypriotische Dorf kündigt sich schon frühzeitig durch seine wilden Sperrmülldeponien an - ah, es ist nicht mehr weit!
Drouseia hat eine Hotelruine, die laut Aussage einer einheimischen Frau das nächste Jahrzehnt noch renoviert wird.
Nach Kritou Tera, einem weiteren traditionell-zypriotischen Dorf (= wilde Sperrmülldeponie) finde ich mir im Ziegenland zwischen den Dornenbüschen einen schönen Biwakplatz.

6. Etappe: Choli - Stavros tis Psokas
In der Früh hat es 19°, ist aber extrem windig und damit eher frisch. Die Strassenwanderung geht weiter - nahezu alles Asphalt heute. Dazu trägt auch wieder einmal die ausserordentliche Markierung bei - ich stehe dauernd vor Kreuzungen und habe keine Ahnung wohin. Gegen mittag werde ich zu einer Autofahrt eingeladen und steige aus, als ich endlich wieder ein E4 Schild sehe. Der Nachmittag bietet immer wieder Regengüsse, aber es ist nicht kalt.
Und wieder stehe ich mitten an einer Strassenbaustelle, keine Ahnung wo ich bin...
In der nächsten Ortschaft weist mir eine Frau zuerst den Weg und wenige Minuten nachher kommt sie mir mit ihrem kleinen Klapper-Toyota hinterher und führt mich fast bis nach Melandria. Auch ein traditionelles - türkisch-zypriotisches Dorf - Sperrmülldeponie in dem Fall durch Ruinen ergänzt. Diese Ortschaften wurden 1974 verlassen und verfallen seither.
An der Bergstrasse nach Stavros tis Psokas finde ich Markierungen wieder und einen Lift, der mich bis zu meiner Übernachtungsstelle bringt.

Fortsetzung folgt ...

http://www.schroll.at/blog/wp-content/uploads/2011/04/Zypern2011_03010228small.jpg

http://www.schroll.at/blog/wp-content/uploads/2011/04/Zypern2011_03010469small.jpg

http://www.schroll.at/blog/wp-content/uploads/2011/04/Zypern2011_03010480small.jpg

http://www.schroll.at/blog/wp-content/uploads/2011/04/Zypern2011_03010524small.jpg

http://www.schroll.at/blog/wp-content/uploads/2011/04/Zypern2011_03010560small.jpg

http://www.schroll.at/blog/wp-content/uploads/2011/04/Zypern2011_03010564small.jpg

http://www.schroll.at/blog/wp-content/uploads/2011/04/Zypern2011_03010580small.jpg

http://www.schroll.at/blog/wp-content/uploads/2011/04/Zypern2011_03010534small.jpg

heron
05.11.2011, 20:21
Und hier die nächsten Etappen:

http://www.schroll.at/blog/wp-content/uploads/2011/11/Zypern2011_03010613small.jpg

http://www.schroll.at/blog/wp-content/uploads/2011/11/Zypern2011_03010586small.jpg

http://www.schroll.at/blog/wp-content/uploads/2011/11/Zypern2011_03010607small.jpg


7. Etappe: Stavros tis Psokas - Forststrasse vor Kykkos
Die ganze Nacht stürmischer Wind und Regen. Kurz überlege ich, ob ich aus dem Regen- einen Ruhetag machen soll, wandere aber doch unter meinem Regenschirm los. Zuerst auf den Triptylos, 1400m und dann wieder runter ins Cedar Valley. Den ganzen Tag Regen on/off mit viel Wind, bei 8°. Es wird meine längste Etappe an die 35km, bis ich direkt neben der Forststrasse am einzigen ebenen Fleck mein Tarp aufbaue.

http://www.schroll.at/blog/wp-content/uploads/2011/11/Zypern2011_03010639small.jpg

8. Etappe Kykkos - Kaminaria
In der Früh wird der Regen weniger. Nach zwei Stunden bin ich am Kloster Kykkos, anstatt der Ikonenausstellung kaufe ich mir zypriotische Leckereien bei den Standeln vorm Kloster.
Die Wegfindung wie immer schwierig - es geht auf der Strasse in Serpentinen bergab durch das laut CTO-Broschüre "rosenduftende" Mylikouri.

http://www.schroll.at/blog/wp-content/uploads/2011/11/Zypern2011_03010684small.jpg

Am Fluss Diarizos mache ich am Picknickplatz Pause. In den sonnigen Hängen treffe ich jede Menge Mufflons - die meisten Zyprioten kennen ihr Nationaltier nur aus Gehegen. In Kaminaria sehe ich zu, dass ich möglichst schnell aus dem Ort rauskomme und einen Biwakplatz finde, weil es schon dämmert. Unter zwei uralten Olivenbäumen ist mein Platz!
http://www.schroll.at/blog/wp-content/uploads/2011/11/Zypern2011_03010750small.jpg

http://www.schroll.at/blog/wp-content/uploads/2011/11/Zypern2011_03010693small.jpg

http://www.schroll.at/blog/wp-content/uploads/2011/11/Zypern2011_03010725small.jpg

9. Etappe Kaminaria - Troodos
Zurück ins Dorf Kaminaria um die E4 Markierungen zu suchen, treffe ich eine Omi mit Esel, die mir am Berghang die Kapelle, wo ich hinwill zeigt und deutet ich wäre schon richtig hier. Natürlich ist das wieder ein Strassenmarsch und nicht der E4 :(
Nach einem riesigen Picknickplatz, wo ich mir bei Regen unter löchrigem Dach einen wärmende Suppe koche geht es mit dem üblichen Rätselraten über den Weg weiter auf tiefmatschigen Forststrassen. Neben einem Baum steht eine zerfledderte Autositzbank ...

http://www.schroll.at/blog/wp-content/uploads/2011/11/Zypern2011_03010782small.jpg
Der E4 geht wieder bergab zu den Kalidonia Wasserfällen. An einer Kreuzung stehen zwei Wegweiser: E4 nach Troodos 12km; grüner Strassenpfeil nach Troodos 5km. Es ist schon Nachmittag und mir schwebt eine warme Unterkunft in Troodos vor. Das Schild ist natürlich gelogen und beschert mir letztlich 11km Strassenmarsch. Nach 4km bergauf weist ein E4 Wegweiser auf einen Waldweg bergauf - ah, es geht ja doch mit richtigen Wanderpfaden! Aus dem Traum wache ich erst wieder auf, als ich vor der zerfledderten Autositzbank stehe ... :motz: :motz: :grrr: :grrr:
In Troodos treffe ich schliesslich erst bei Dunkelheit und so fertig ein, dass ich sofort zu einer Übernachtung ins noch nicht eröffnete Troodos Hotel eingeladen werde :grins: :grins:
http://www.schroll.at/blog/wp-content/uploads/2011/11/Zypern2011_03010741small.jpg

http://www.schroll.at/blog/wp-content/uploads/2011/11/Zypern2011_03010756small.jpg

Die ganze ausführliche Version und mehr Bilder sind wie immer hier (http://www.schroll.at/blog/?p=2458#more-2458) zu finden.

paddel
06.11.2011, 09:56
Schön das es weiter geht.
ich bewundere dein Durchhaltevermögen :grins:

heron
04.12.2011, 17:23
@paddel: Danke - und ich habe eh nicht durchgehalten und viele Lifts bereitwillig angenommen :bg:

Hier gehts weiter:

http://www.schroll.at/blog/wp-content/uploads/2011/12/Zypern2011_03010801small.jpg
Olympos - der höchste Berg Zyperns und britisches Hoheitsgebiet ;)

10. Etappe: Troodos - Lagoudera

Die kuschelig warme Nacht im Hotel hat meine Motivation wieder repariert. Keiner will ein Geld für die Übernachtung und verpflegung - ich bin zum Pre-Opening eingeladen :grins:.
Mit Aussicht auf den Olymp geht es bei eisigen Temperaturen wieder bergab, meine Knie schmerzen vor allem auf hartem Untergrund und bergab.
An einem grossen Wassertank mache ich ausgiebig Rast in der Sonne und dann finde ich wieder einmal den E4 nicht und gehe auf der Strasse nach Spilia. Eine Frau schenkt mir 4 frisch geerntete Orangen und ohne diese Begegnungen mit unglaublich netten Menschen wäre der E4 unerträglich.

http://www.schroll.at/blog/wp-content/uploads/2011/12/Zypern2011_03010818small.jpg
Am Nachmittag treffe ich wieder Markierungen und es gibt tatsächlich einen kurzen Abschnitt, der ein richtiger Wanderweg ist :bg:
An der Scheunendachkirche Agia tou Arakas mache ich eine Pause und erwäge auf dem Hügel zu übernachten - aber das ist mir dann doch zu exponiert. In Lagoudera, der nächsten Ortschaft finde ich die Abzweigung zum Nature Trail nicht und baue bei Einbruch der Dunkelheit mein Tarp unterhalb der Strasse auf einer früher landwirtschaftlich genutzten Terrasse auf.

http://www.schroll.at/blog/wp-content/uploads/2011/12/Zypern2011_03010838small.jpg

http://www.schroll.at/blog/wp-content/uploads/2011/12/Zypern2011_03010849small.jpg
Agios tou Arakas

http://www.schroll.at/blog/wp-content/uploads/2011/12/Zypern2011_03010858small.jpg

11. Etappe Lagoudera - Wald vor Agios Epifanios

Nachdem ich den Weg gestern nicht gefunden habe, beginnt der Tag mit Suchen und Spekulieren. Ein Schild, das ich auf der anderen Seite des Tales für eine E4-Markierung halte ist mit Game Reserve beschriftet, aber die Richtung hätte doch gepasst.





http://www.schroll.at/blog/wp-content/uploads/2011/12/Zypern2011_03010864small.jpg
Hier ist eine der typischen unbrauchbaren Markierungen: Der Weg kommt von der Strasse bergab und verläuft dann nach rechts.

Schliesslich erklärt mir ein Mann, der mir im PickUp entgegenkommt, wo ich abbiegen muss und ich kommen auf den mit Abstand schönsten Teil des E4 - ganz 7 Kilometer durch herrliche mediterrane Landschaft, duftend, blühende Mandelbäume - es ist herrlich.



http://www.schroll.at/blog/wp-content/uploads/2011/12/Zypern2011_03010874small.jpg



http://www.schroll.at/blog/wp-content/uploads/2011/12/Zypern2011_03010871small.jpg
An der nächsten Scheunendachkirche Stavros tou Agiasmati ist der Zauber vorbei. Der nächste Abschnitt des E4 geht eine Stunde entlang einer Hauptstrasse mit rasendem Schwerverkehr - in der CTO-Broschüre ist das als "befestigter Weg" beschrieben :roll:
In Panagia Bridge lädt mich der Forstbeamte zum Tee ein und ich habe endlich jemanden, der mir bestätigt, was ich schon lange vermute: EU-Geld und Papierplanung von ahnungslosen Nichtwanderern ist verantwortlich für diese Missgeburt eines Weitwanderweges.
Der Ranger erklärt mir noch den weiteren Weg, den er in seiner Jurisdiktion ordentlich markiert hat und meint, es gäbe genug gute Biwakplätze bevor der nächste Ort kommt.

12. Etappe: Wald vor Agios Epifanios - Picknickplatz Kionia

Bis spät in die Nacht gibt es ein Lichtschauspiel in den Bergen, weil es wetterleuchtet. Der Tag beginnt sonnig, wird aber sehr schnell trüb und zwischendurch regnet es etwas. Sandstrasse, Hauptstrasse, Sandstrasse, Hauptstrasse mit Schwerverkehr - dazwischen ein schöner Abschnitt mit einem Fluss, der in einem tief eingeschnittenen Canyon fliesst.
Die Abzweigung von der nächsten Haupstrasse muss ich auf gut Glück wählen - der ganze Berghang über den der E4 irgendwie verlaufen sollte, ist abgebrannt und eine aufgerissene Wunde mit Forstwegen, Rückegassen und Feuerschneisen. Ich nehme eine der steilen Feuerschneisen und folge gefühlmässig meiner Richtung bis es auf dem Rücken nicht mehr weitergeht. Der Abstieg zur Forststrasse auf der anderen Seite ist mit meinen schmerzenden und schnackelnden Knien beinahe schon gefährlich.



http://www.schroll.at/blog/wp-content/uploads/2011/12/Zypern2011_03010888small.jpg



http://www.schroll.at/blog/wp-content/uploads/2011/12/Zypern2011_03010913small.jpg
Ich habe keine Ahnung wo ich bin, aber am ersten Haus, das ich treffe erklärt mir ein Mann, dass ich eh ganz woanders bin.
Das Glück ist aber mit mir und ein Soldat der zypriotischen Luftwaffe auf Urlaub nimmt mich nach Fikardou mit, wo ich eigentlich sein wollte. Nach einem mickrigen Lunch im Coffeeshop von Fikardou - ein noch gut erhaltenes originales zypriotisches Dorf und typisches Touri-Ausflugsziel - versuche ich dem E4 wieder einmal zu folgen. Das gelingt mir sogar weitgehend. Kurzer Stop am Kloster Machairas und dann weiter auf den Strassenserpentinen bis zum Picknickplatz von Kionia. Es ist auf 1200m kalt und windig und ich bin froh, mein Tarp auf der tiefsten Terrasse des Picknickplatzes aufzubauen. Es steht schnell und ich muss sofort in den Schlafsack, die Erbswurst köchelt schon und bald erwärme ich mich wieder.

http://www.schroll.at/blog/wp-content/uploads/2011/12/Zypern2011_03010955small.jpg

http://www.schroll.at/blog/wp-content/uploads/2011/12/Zypern2011_03010980small.jpg

http://www.schroll.at/blog/wp-content/uploads/2011/12/Zypern2011_03010993small.jpg

http://www.schroll.at/blog/wp-content/uploads/2011/12/Zypern2011_03010997small.jpg

lina
04.12.2011, 17:33
Unerträglich hin oder her -- die Bilder sind toll!! :cool: