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berniehh
02.04.2011, 23:18
Hallo Trekkingbegeisterte,

erst kürzlich bin ich von meiner über 8 monatigen Reise durch
Südamerika zurückgekehrt. Es war ausschliesslich eine Trekkingreise. Alle Treks habe ich individuell gemacht und selber geplant, also ohne Führer und Agentur. Ein großer Teil meiner Touren führte durch Gegenden völlig abseits der bekannten Treks. Hauptsächlich kam es mir auf spektakuläre Landschaften an mit viel Natur und unberührte Wildnis sowie darum möglichst wenig durch besiedeltes Gebiet zu laufen. Allgemeines wie Land, Leute und Kultur haben mich nicht so interessiert. Es ging durch 4 Länder: Südperu, Bolivien, Argentinien und Chile.

Heute schreibe ich hier nur einen kleinen Vorspann. In den nachfolgenden Wochen werde ich für Interessierte über jeden Trek einzelnd hier berichten. Gleichzeitig werde ich die Touren auch auf meiner Seite stellen:
www.trekking.magix.net , natürlich viel detaillierter und auch mit viel mehr Fotos wie hier, auch mit genaue Routenangaben auf Google Earth Bilder.

DIE PLANUNG:
Schon bei der Planung meiner Reise habe ich beim lesen der einschlägigen Reiseführer und Trekkingbücher schnell gemerkt dass ich nur wenig Lust darauf hatte die Treks aus Büchern nachzulaufen. Da wäre mir zu viel Fahrwegwandern mit dabei und sowas mag ich nicht. Meine Routen sollten durch möglichst ursprüngliche Gegenden führen,....ohne Straßen und Fahrwege, also nur auf Pfade oder durch wegloses Gelände.
Das soll nun nicht heissen dass ich alle Treks aus Büchern schlecht finde. Einige sehr gute Routen und Anregungen habe ich dort auch gefunden, die ich teilweise dann auch gemacht habe,....ich war also nicht nur auf unbekannten Routen unterwegs:-)
Mein Haupt-Planungsmedium vor der Reise von zu Hause aus war Google Earth. Um neue Routen zu finden, die meinen Kriterien entsprechen, reicht eine Planung nur anhand von Google Earth jedoch nicht aus, das habe ich auf vorigen Reisen auch schon gemerkt. Topographische Karten, die für Südamerika meist völlig veraltet und teilweise in einer sehr schlechten Qualität sind, gehörten zu meiner Planung ebenfalls mit dazu und zu guter letzt habe ich dann oft auch noch einiges an Zeit für die Auskundschaftung vor Ort benötigt.

Rausgekommen sind dabei absolut super Treks. In den ganzen 8 Monaten war kein einziger dabei der schlecht war,....im Gegenteil, einige Touren fand ich sogar absolute Weltklasse, die ich mit zu den besten zählen würde die ich jemals gemacht habe.
Oftmals waren es die unbekannten Routen, die niemand kennt und die in keinen Büchern drinstehen, die sich wie auf vorigen Reisen auch schon, so auch diesmal, im Nachhinein immer wieder als Top-Highlights der gesamten Reise herauskristallisiert haben. Manchmal war ich echt überrascht wieviele spektakuläre Gegenden man immer wieder neu findet, aber das könnt ihr ja später selber sehen wenn ich meine Bilder online stelle:-)

Vom Schwierigkeitsgrad waren meine Touren ziemlich gemischt: von leichte Treks bis hin zu sehr schwere weglose Wildnisdurchquerungen war alles mit dabei.
Die unbekannten Routen waren dabei meistens eine ganze Ecke anspruchsvoller als die bekannten Treks.

Über acht Monate war ich also unterwegs. Zwei Monate davon hat mich Jewgenij begleitet. Ihn kenne ich vom Fahrradkurierfahren in Hamburg aber nun studiert er Sport in Mainz. Jewgenij hat die peruanischen Treks mitgemacht und den El Choro Trek in Bolivien.
Über zwei Monate später kam Gerald nach, er ist hier im Forum als Wildniswanderer registriert. Letzten Sommer haben wir unseren ersten gemeinsamen Trek gemacht, eine viertägige Harzdurchquerung:
www.europatreks2.magix.net
Für Südamerika hatte er leider nur einen Monat freibekommen. Das reichte gerade für die Hornopirén Traverse, die Nahuel Huapi Traverse und die Cordón del Ñirihuau.
Die restlichen 5 Monate bin ich dann also alleine alleine gereist.


In den nächsten Tagen werde ich hier schonmal mit dem
Bericht über den ersten Trek beginnen,......aber bis ich alle drin habe kann es noch ewig dauern.
Im nachfolgenden schreibe ich hier schonmal alle Treks als Gesamtübersicht auf:


1. Zongo // Bolivien / 8 Tage
2. Condoriri // Bolivien / 7 Tage
3. Cordillera Real // Bolivien / 13 Tage
4. Vilcanota // Peru / 9 Tage
5. Cerro Putukusi // Peru / Tageswanderung
6. Cordillera Vilcabamba // Peru / 18 Tage
7. El Choro Trek // Bolivien / 3 Tage
8. Valle de Ánimas // Bolivien / Tageswanderung
9. Mapiri Trek // Bolivien / 6 Tage
10. Serranias Volcanes // Bolivien / Tageswanderung
11. Amboró // Bolivien / 9 Tage
12. Cordón del Plata // Argentinien / 11 Tage
13. Sendero Transversal/Tantauco // Chile / 9 Tage
14. Rio Cochamó // Chile / 6 Tage
15. Hornopirén Traverse // Chile / 9 Tage
16. Nahuel Huapi Traverse // Argentinien / 9 Tage
17. Cordón del Ñirihuau // Argentinien / 3 Tage
18. Isla Riesco/Alacalufes // Chile / 20 Tage
19. Circuito de los Dientes // Chile / 4 Tage
20. Peninsula Brunswick // Chile / 16 Tage
21. Rio de las Minas // Chile / Tageswanderung

Die Treks 13 bis 21 liegen in Patagonien.

Gruss Bernd

sol
03.04.2011, 01:19
klingt sehr spannend.
freue mich schon auf mehr.

Atze1407
03.04.2011, 09:14
...laß uns nicht so lange warten.;-)

Gruß
Atze

peter-hoehle
03.04.2011, 09:16
Da wird man wieder auf die Folter gespannt.:motz:
Hoffentlich dauert es nicht zu lange mit dem Schreiben ;-)
Aber wie sagt man so schön:
"Vorfreude ist die beste Freude"

Gruß Peter

paddel
03.04.2011, 11:55
Super! Berniehh hat den Weg hier her gefunden. Das wird in Sachen Reiseberichte eine tolle Bereicherung.

Warte gespannt!

berniehh
10.04.2011, 14:19
Trek 1 Zongo // Bolivien

8 Tage

So, den ersten Trek habe ich nun auf meiner Seite:
www.trekking.magix.net

Prinzipiell könnte man diesen Trek auch zusammen mit dem zweiten und dritten (Condoriri & Cordillera Real) zu einer großen 25 tägigen Durchquerung der Cordillera Real zusammenfassen, die über insgesamt 26 Pässe führte. Ich stelle sie aber auf meiner Seite, so wie auch hier als unabhängige Touren vor.

Die ersten beiden Treks (Zongo & Condoriri) habe ich sogar direkt nacheinander durch mit nur einer Proviantladung gemacht, also beim Start hatte ich Essen für über 15 Tage im Rucksack. Nach dem zweiten Trek bin ich wieder nach La Paz zurückgekehrt zum einzukaufen für den dritten Trek.

CORDILLERA REAL / Allgemeines und Routenplanung
Die Cordillera Real ist die "Königskordillere" Boliviens, also die Gebirgskette mit der größten Konzentration von vergletscherten Bergen,.....es gibt hier sechs Sechstausender und jede Menge Fünftausender. Die Cordillera Real ist mit die beste Hochgebirgstrekkinggegend des Landes.

Die Täler sind sehr hochgelegen, meistens zwischen 4000 und 4500 m, entsprechend karg und waldlos ist das Gebirge. Im Westen läuft es aus ins trockene bolivianische Hochland und im Osten, ein ganzes Stück vom Hauptkamm weg, fällt es ab in die engen tiefen Regenwaldtäler der Yungas.

Vor meiner Reise habe ich mich schon informiert: Aus der Bücherei habe ich mir alles an Büchern und Trekkingführern ausgeliehen was ich über die Cordillera Real finden konnte. Also man findet da schon einige tolle Touren, auch Beschreibungen von einer 20 tägigen Durchquerungen der gesamten Gebirgskette. Meine Routenplanung verlief jedoch völlig unabhängig von den Beschreibungen aus Büchern. Hin und wieder habe ich zwar mal Routenabschnitte mit eingebaut die ich in Büchern fand, aber 83 Prozent meiner gesamten Treklänge von Trek 1 bis 3 war meine selber geplante Route, die ich in keinen Buch gefunden habe.

Die Cordillera Real ist einsam und relativ unerschlossen,.....aber keine unbewohnte Wildnis. Auf meiner langen Wanderung durch die kanadischen Rockies 2008 ging es durchgehend durch unbewohnte und unberührte Wildnis
www.kanadische-rockies.magix.net
aber in den Hochanden wohnen Menschen, die meisten Täler werden von Hirten als Weidegrund für ihre Lamas, Rinder und Pferde benutzt. In vielen Tälern findet man kleine bewohnte oder leerstehende Hütten, manchmal auch Hüttenansammlungen. Im Schnitt habe ich alle zwei Tage mal Leute getroffen, meist Hirten, aber durch richtige Dörfer bin ich auf meiner gesamten Route nur relativ wenig gekommen,......eigentlich kann man schon sagen bis auf paar Ausnahmen fast garnicht. Der Himalaya ist z.B. viel dichter besiedelt wie die Anden.

Auch was die Frequentierung von Trekkern betrifft ist die Cordillera Real ziemlich leer. Obwohl ich es mit zu den besten Trekkinggegenden Boliviens zählen würde, trifft man hier fast keine anderen Trekker. In den gesamten 25 Tagen die ich dort unterwegs war habe ich nur an einer einzigen Stelle andere Wanderer getroffen, das war am Condoriri Basislager, aber dort dann gleich mehrere organisierte Trekkinggruppen.

Soviel also zum Thema allgemeines,.....jetzt gehts weiter mit meinen ersten Trek:

Trek 1 Zongo
Mein Trekkingstartpunkt bei der Laguna Zongo liegt nur etwa 30 km von La Paz entfernt. Ein Bus fährt pro Tag von El Alto (Stadteil von La Paz) nach Zongo, und das gleich am frühen Morgen um 6 Uhr. Da ich so früh nicht aus dem Bett kam habe ich den natürlich verpasst. Habe daher mein Glück per Anhalter versucht, was auch ganz gut geklappt hat, nachmittags gegen halb zwei kam ich an.

Von Deutschland gings direkt nach La Paz, dann auf den ersten Trek und die erste Campnacht gleich auf 4830 m Höhe. Ergebnis: Mir gings mega schlecht, schwere Kopfschmerzen sowie massive Höhenprobleme. In La Paz hatte ich mir zwar einige Tage akklimatisiert, aber das war anscheinend nicht genug. Habe die folgenden Tage reichlich Paracetamol geschluckt. Die Kopfschmerzen sind davon zwar weggegangen aber die Höhe habe ich immer noch gespürt. Dazu kam noch das schwere Gepäck, Essen für gleich zwei Treks mitgeschleppt, mehr wie 6 bis 10 km pro Tag waren da nicht drin.

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Für eine Großansicht bitte auf das Foto klicken.....

Dieser erste Teil meiner Cordillera Real Durchquerung hat 8 Tage gedauert, führte über 5 Pässe und durch die Täler auf der Ostseite des Hauptkammes, die zu den Yungas abfallen. Meistens gings auf schmale Pfade die auf den topographischen Karten nicht mit eingezeichnet sind, manchmal durch wegloses Gelände. Landschaftlich war´s eine phantastische Route. Was aber spektakuläre vergletscherte Gebirgspanoramen betrifft, da war zwar der nächste Trek durchs Condoriri-Gebiet zwar noch besser, die Hauptattraktionen auf diesen ersten Trek waren die beeindruckenden Wolkenpanoramen die aus den Urwaldtälern der Yungas hochkamen.

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Wenn ich vorher gut akklimatisiert wäre und unterwegs keine Zeit durch Routenauskundschaftung verloren hätte, wäre dieser Abschnitt auch in 5 Tagen zu machen gewesen.

Der erste Pass war sehr hart, wegloses hochalpines Gelände mit nur wenige sporadische Steinmänchenmarkierungen, an paar Stellen leichtes Kraxeln.
Normalerweise wäre dieser Pass nicht so schwer, aber wegen meiner Höhenprobleme zusammen mit dem schweren Gepäck bin ich nur sehr langsam vorwärtsgekommen. Dieser erste Pass war mit 4970 m der höchste und zugleich auch der anstrengenste Pass des gesamten ersten Treks.

Am vierten Tag bin ich an zwei kleinen Siedlungen vorbeigewandert aus einfachen Stein- und Strohdachhütten. Menschen habe ich hier zwar keine gesehen, aber die Hütten waren definitiv bewohnt.

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Die ersten Menschen auf dieser Tour habe ich am fünften Tag getroffen, hinter dem Pass Nr.3 am oberen Rio Chirini. Das waren Goldsucher aus La Paz. Sie sind zu Fuß auf schmale Pfade vom Rio Zongo hierhergekommen und campten in einfache Bambus- und Plastikplanenhütten im Regenwald.

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Ursprünglich hatte ich geplant den Rio Chirini noch ein ganzes Stück abwärtszuwandern bis runter zum Rio Zongo. Der schmale Regenwaldpfad endet aber zwei Stunden unterhalb des Goldgräbercamps und ohne Pfad sowie ohne Machete sind diese dichten Bergregenwälder fast undurchquerbar. Einer von den Goldsuchern schien, wie ich es verstanden habe, die Gegend ganz gut zu kennen. Leider ist aber mein Spanisch sehr schlecht so dass ich nur weniger wie die Hälfte verstanden habe, er hat jedenfalls gesagt daß es unmöglich ist den Rio Chirini weiter abwärts zu wandern wegen unpassierbarer Schluchten.
Nach mehrmaligen Nachbohren hat er zwar eingräumt daß die Route zwar machbar wäre wenn man eine Machete dabeihätte, aber extrem hart und daß man für die nur 25 km talabwärts über eine Woche brauchen würde.
Normalerweise lasse ich mir ja nicht so schnell von einem Einheimischen eine geplante Route ausreden, aber ihm habe ich es geglaubt. Ausserdem habe ja auch selber gesehen wie dicht der Wald hier ist und wie schluchtig das Tal weiter unten auf der Karte aussieht.
Er schien ziemlich kompetent zu sein was Wildnis- und Regenwaldwandern hier in dieser Gegend betrifft und hat mir auf der Karte gezeigt wo er schon überall gewandert ist. Dann erzählte er von einen alten vergessenen Inkapfad der südlich vom Rio Chirini oben die offenen Bergkämme entlangführen soll und von dort irgendwo ein schmaler Urwaldpfad existiert der runter zum unteren Rio Chirini führt. Dies wäre definitiv eine super Tour, für die man aber laut seiner Aussage auch eine Woche unterwegs wäre und leider fehlte mir das Kartenblatt mit diesen Bergkämmen.
Ich war aber trotzdem am überlegen diese Route zu versuchen, habe mich dann aber wieder umentschieden. Wenn ich ne Woche brauche würde, hätte ich meinen zweiten Trek nicht mehr wie geplant machen können ohne vorher einen Abstecher zurück nach La Paz machen zu müssen für neue Provianteinkäufe.

Ich habe dann also die Normalroute zum Rio Zongo genommen auf der auch die Goldsucher hierhergekommen sind. Das war landschaftlich auch eine sehr lohnende und abgelegene Route auf schmalen unmarkierten Pfad über zwei kleine Pässe und dann einen ganzen Tag oberhalb der Urwaldgrenze im auf und ab die Hänge entlang, weit oberhalb des Rio Zongo.

http://www.gmxattachments.net/de/cgi/g.fcgi/mail/print/attachment?mid=babgegb.1302712980.25293.frvj0wrjgz.75&uid=Nzg1NF9YM0hEUkGRN2VtqSlkc0Fk4ZOp&frame=content
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Am oberen Rio Zongo führte der Pfad runter ins Tal, wo ich auf eine Fahrpiste stieß und dieser Trek sormit beendet war.
Paar bewohnte Hütten standen hier, ich habe versteckt im Busch gecampt um am nächsten Morgen gleich mit dem Trek Nr.2 zu starten.

Für viel mehr Fotos und auch mit genauere Routenangaben auf Google Earth Bilder klickt bitte auf den oben genannten Link:popcorn:

Ehemaliger
10.04.2011, 16:25
Vielen Dank. Auch für Deine Webseite, die mit zum Besten gehört, was ich bislang zum Thema Trekking gesehen habe.

Fruehpatrouille
10.04.2011, 19:07
Fein, fein. :)

Was mich wirklich mal interessieren würde, wären Packlisten für diese Touren. :popcorn:

Thomasy
10.04.2011, 19:15
Auf seiner Homepage gibt es eine Packliste, ich denke das Material für die Tour war ähnlich.

http://www.kanadische-rockies.magix.net/

fjellstorm
10.04.2011, 19:58
Hi Bernd!

Vielen Dank, wieder mal sehr beeindruckend!
Bin schon sehr gespannt auf mehr.:popcorn::D

berniehh
12.04.2011, 00:24
Fein, fein. :)

Was mich wirklich mal interessieren würde, wären Packlisten für diese Touren. :popcorn:

Wie Thomasy schon vermutet hat war die Packliste ähnlich wie auf meinen Treks durch die Rockies www.kanadische-rockies.magix.net , nur leicht abgeändert und für Südamerika angepasst.
Der Schlafsack muss bis minus 10 Grad gehen.
Steigeisen und Eispickel hatte ich in der Cordillera Real zwar mitgeschleppt weil ich vorher nicht wusste was da auf mich zukommt. Gebraucht habe ich die aber nur für ein kurzes Stück auf dem Trek Nr. 3 ......aber ohne wäre es auch noch gegangen.

berniehh
17.04.2011, 16:59
Trek 2 Condoriri // Bolivien

7 Tage

Hier kommt also nun ein relativ kurzgefasster Bericht über meinen zweiten Trek.

Mehr Fotos gibt´s auf meiner Seite
www.trekking.magix.net

Dieser Trek startete beim Dorf Coscapa , nur etwa 8 bis 10 km vom Ende meines ersten Treks. Coscapa liegt in einem Seitental des Rio Zongo, ein schmaler Fahrweg führt dort hin. Ich wurde zum Glück von einem Lastwagen mitgenommen, so dass ich diesen Abschnitt nicht laufen musste, ein Busverkehr gibt es hier nicht. In Coscapa endet der Fahrweg, von dort gehts also nur noch zu Fuß weiter.....

Dieser zweite Teil meiner Cordillera Real Durchquerung führte also von Coscapa aus in 7 Tagen über 9 Pässe rüber, einmal halb um die vergletscherte Condoririgruppe herum. Der höchste Berg dieses vergletscherten Gebirgsmassifs ist der 5638 m hohe Condoriri, oder auch Cabeza de Condor genannt.

Wenige Stunden hinter Coscapa wanderte ich an der letzten bewohnten Hütte vorbei, das war auch zugleich die einzigste bewohnte Hütte überhaupt auf den gesamten Trek, durch Dörfer führte meine Route gar nicht. Die Hochtäler werden aber dennoch als Weidegrund für Lamas, Rinder und Pferde genutzt, daher habe ich auch oft schmale Pfade gefunden sowie hier und da mal eine leerstehende Hütte oder Hüttenruine.

Bis zum Pass Nr. 5 führte meine Route durch die abgelegenen grasigen Hochtäler auf der Ostseite des Hauptkammes. Diese Täler sind bei Trekkern noch völlig unbekannt und stehen in keinen Büchern drin.
Einen blauen Himmel habe ich hier relativ selten erlebt, meistens zogen Wolken aus den Yungas hoch, die die Täler eine ziemlich mystische Stimmmung gegeben haben.


http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/DSC_0486_1999x1499_499KB.jpg

Hinter dem fünften Pass kam ich in die Hochtäler auf der Westseite des Hauptkammes. Dort war das Wetter insgesamt etwas stabiler wie in den Osttälern, es war meistens blauer Himmel mit viel weniger Wolken wie die Tage davor. Die vergletscherte Gebirgslandschaft auf der Westseite des Condoriri zählt mit zu den spektakulärsten der gesamten Cordillera Real. Auf der Westseite kam ich auch in ein Haupttrekkinggebiet. Der Condoriritrek wird von jeder Agentur in La Paz angeboten und steht eigentlich auch in fast jeden Trekkingführer drin.


http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/DSC_0511_1999x1499_499KB.jpg

Am Abend des fünften Tages kam ich ins Condoriri Basislager wo ich die ersten Menschen seit über 4 Tagen traf. Mehrere organisierte Trekkinggruppen waren hier am campen, hier habe ich auch die einzigsten Trekker überhaupt getroffen, von allen Treks in der Cordillera Real zusammengezählt.
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In den folgenden zwei Tagen bis zum Trekende waren keine anderen Wanderer mehr auf meiner Route unterwegs und die Landschaft war wirklich grandios!

Am Nachmittag des siebten Tages erreichte ich den schmalen Fahrweg bei der Laguna Sora Khota wo ich den Trek beendet habe.
Ich wollte zurück nach La Paz trampen, aber es kam bis zum Abend absolut kein Fahrzeug vorbei. Bin also in 4 Stunden die 17 km bis zum nächsten Dorf gewandert, wo ich auf die Hauptstrasse nach La Paz stieß und dann auch sofort einen Transport dorthin gefunden habe.

Ehemaliger
18.04.2011, 22:59
Der 2. Trek scheint ja landschaftlich extrem spannend gewesen zu sein. Hattest Du da noch Probleme mit der Höhe?

berniehh
18.04.2011, 23:19
Gespürt habe ich die Höhe auf jeden Fall noch, man kommt halt langsamer vorwärts wie in tiefer gelegenen Gebieten.
Meine Höhenprobleme waren aber längst nicht mehr so stark wie beim ersten Trek.

berniehh
27.04.2011, 23:24
Trek 3 Cordillera Real // Bolivien

13 Tage


Nun kommt der dritte und letzte Teil meiner Cordillera Real Durchquerung:
www.trekking.magix.net

Nachdem ich wieder genügend Proviant eingekauft hatte bin ich von La Paz mit einem lokalen Bus nach Peñas gefahren. Von dort waren es noch 15 km auf einen schmalen Fahrweg zu meinen Trekkingstartpunkt am Lago Kara Khota am Fuße der Gebirgskette.
Ein Einheimischer hat mich hinten auf seinem Motorrad mitgenommen. Das war eine ziemlich unbequeme Fahrt mit meinen schweren Rucksack auf dem Rücken hinten auf dem Motorrad zu sitzen auf dieser steinigen Holperpiste,.....aber dann musste ich das Stück wenigstens nicht laufen und ich war heilfroh als ich gegen 16 Uhr am Lago Kara Khota ankam.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/DSC_0008_1999x1499_499KB.jpg
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Bin dann auch gleich losgewandert und habe bis zum Errichten des Camps noch 6 km geschafft.

Abgesehen von paar unangenehmen Zwischenfaellen war dies eine super Trekkingtour durch den zentralen Teil der Cordillera Real. Meine Route fuehrte über 12 Pässe durch eine sehr urspruengliche und kaum besiedelte Gebirgslandschaft, ohne Strassen und Fahrwege.
Genau wie auf den ersten beiden Treks war auch hier die Landschaft karg und hoch, selten bin ich mal unter die 4000er Marke gekommen. Der gesamte Trek führte auf schmale Bergpfade von denen die meisten auf den topographischen Karten nicht mit eingezeichnet sind, und manchmal auch durch wegloses Gelände.

Der Trek startete im weitläufigen bolivianischen Hochland am Fuße der Cordillera Real. Von dort bin ich dann über drei kleine sanfte Pässe und Bergrücken langsam ins Gebirge reingewandert. Mein Ziel war es den vergletscherten Hauptkamm zu überqueren um zur Laguna de Leche zu kommen, ein blauer Bergsee der auf der anderen Seite liegt.

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Am Abend des zweiten Tages bin ich plötzlich richtig krank geworden mit heftige Magen-Darm Probleme, Fieber, Durchfall und Kotzen. Die ganze Nacht über fühlte ich mich ziemlich übel und musste ständig aus dem Zelt wegen Durchfall. Auch die Kälte empfand ich schon fast als grenzwertig, dabei waren es nur minus 7 Grad. An anderen Nächten habe ich bei minus 7 Grad so gut wie garnicht gefroren, ich denke mal das lag am Fieber.

Ich vermute dass ich in La Paz was schlechtes gegessen hatte. Schon bei meiner Abreise aus der Hauptstadt hatte ich erste Anzeichen von Magenproblemen gespuehrt. Ausser Imodium gegen Durchfall hatte ich keine anderen Medikamente dabei.

Eigentlich war es schon beschlossene Sache dass ich den Trek abbrechen wollte um zurueck nach La Paz zu kehren.
Am nächsten Tag fühlte ich mich immer noch schlecht und lag ich den ganzen Vormittag in der prallen Sonne im Zelt und ueberlegte hin und her ob ich nun abbrechen sollte oder nicht. Dazu kam auch noch ein Hirte vorbei der mir gesagt hatte dass es aus diesem Tal keine möglichen Passüberquerungen gibt und dass die einzigste mögliche Route der Rückmarsch wäre,....na toll!! Aber was dies betrifft habe ich meiner topographischen Karte eher getraut als die Aussage des Hirten.

Am Nachmittag habe ich mich dann doch noch aufgerafft und mich die zweieinhalb Kilometer bis ins Talende geschleppt wofuer ich Stunden gebraucht habe. Ich wollte erstmal abwarten. Wenn ich den Trek abgebrochen haette und in La Paz würde es mir wieder gutgehen dann hätte ich mich auch geärgert.

Am drauffolgenden Tag gings mir schon wieder einigermassen gut. Ich entschied mich für den Aufbruch. Aber welche Route sollte ich nehmen?? Zwei Möglichkeiten sah ich auf der Karte: Entweder direkt von hier einen hohen Gletscherpass über den Hauptkamm und auf der anderen Seite runter zur Laguna de Leche. Oder eine Doppelpass-Überquerung zur Laguna de Leche,....d.h. direkt von hier über einen unvergletscherten 5000er Pass ins Paralleltal um dann von dort über einen vergletscherten Hauptkammpass zur Laguna de Leche zu steigen. Die zweite Möglichkeit sah auf der Karte länger und anstrengender aus. Aber für einen vergletscherten Pass fühlte ich mich heute noch nicht fit genug und entschied mich deshalb heute erstmal den nicht ganz so hohen unvergletscherten Pass zu überqueren,....aus diesem Grund entschied ich mich für die zweite Möglichkeit.

Es ging pfadlos und sehr steil den Felsbrocken- und Geröllhang hoch zum Pass. Es war sehr anstrengend, aber nicht technisch anspruchsvoll, um einige Senkrechtabstürze rumsteigen. Auf der anderen Seite gings dann runter ins Paralleltal wo ich am Fuße des Gletschers gecampt habe, den ich dann am drauffolgenden Tag aufsteigen wollte um über den Hauptkamm der Cordillera Real zu steigen.

Meine Route führte zwar nur für 2,5 km über Gletscher, aber dieser Gletscher war sehr anstrengend, wesentlich anstrengender wie die Gletscher die ich aus Nordamerika, Europa oder Neuseeland kannte. Die Oberfläche war von einer sehr rauhen und unebenen Schnee- Eisschicht bedeckt auf der man nur schwer wandern konnte und immer wieder sackte man ein oder brach in kleine Wasserlöcher ein. Es wurde ein sehr harter Tag über den 5190 m hohen Paso Chachakumani und erst kurz vor dem Dunkelwerden erreichte ich auf der anderen Seite die Laguna de Leche wo ich am Ufer mein Camp aufschlug, dies war schon der fünfte Trekkingtag. Eine traumhafte Landschaft hier beim See.

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Am nächsten Morgen fuehlte ich mich wieder grippig mit Anzeichen von Magenproblemen. Dennoch habe ich das Camp abgebaut und bin losgewandert. Habe aber nur paar Kilometer geschafft, danach war ich fix und fertig und mir gings so dreckig dass ich mich erstmal für die nächsten paar Stunden in die pralle Sonne in den Schlafsack gelegt habe. Gegen Spätnachmittag gings wieder einigermassen so dass ich noch die restlichen Stunden bis Abends wandern konnte. Kurz vor Pass Nr. 6 habe ich mein Camp aufgeschlagen.

Fuer den Rest des Treks gings mir dann gut und ich habe nichts mehr von Unwohlsein gespürt.

Im weiteren Verlauf ist der Trek super verlaufen und es ging weiterhin durch beeindruckene unberührte Gebirgslandschaften.

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Durch richtige Doerfer bin kaum gekommen, dafür aber öfter an bewohnte Hütten vorbeigewandert, einfache Lehmziegelhütten, die Dächer mit Gras oder Stroh bedeckt. Fast jeden Tag habe ich einen oder zwei Hirten getroffen, also insgesamt gesehen wesentlich mehr Leute wie auf den ersten beiden Treks.

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Wenn man die Menschen anspricht, klar dann sind sie freundlich und hilfsbereit,.....aber ansonsten eher distanziert und zurueckhaltend. Eine ueberschwengliche Gastfreundschaft wie man sie z.B. in den Bergdoerfern im Indischen Himalaya erlebt, gibt es hier nicht.
Andere Trekker habe ich auf der gesamten Tour keine einzigen getroffen.

Die Gegend um den vergletscherten Nevado Illampu, um den der in vielen Büchern beschriebene Illampu Circuit verläuft, habe ich auf meiner Route bewusst gemieden. Nach meiner Recherche würde man auf große Teile des Illampu Circuits durch Täler kommen die schon mit Fahrwege bzw. Minenfahrwege erschlossen sind, einige davon relativ neu und noch in keinem Buch oder Karte erwähnt und das erschien wenig attraktiv für mich.
Daher habe ich mich hinter Camp 7 Richtung Norden immer weiter vom Hauptkamm entfernt Richtung Yungas bewegt.

Mein Plan war in die Bergurwälder am Rio Tipuani abzusteigen wo ich an das untere Ende des Camino del Oro stoßen würde, wo ich diesen Trek beenden wollte. Aber dieser Abstieg in die Yungas ist gründlich schief gelaufen.

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Zwei Pässe und zwei Tage später erreichte ich das Dorf Lipichi. Kurz davor war meine gute topographische 50.000er Karte zuende. Ab dann hatte ich nur noch eine sehr schlechte 100.000er Karte auf der der folgende Abschnitt bis zum Rio Tipuani nur als großer weisser Fleck dargestellt war,.....das heisst also ich hatte praktisch keine Karte.

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Von den Einwohnern die ich in Lipichi über eine Hochroute zum Rio Tipuani befragt hatte erzählte mir einer es existiert KEINE Route. Ein anderer meinte es gebe eine Route, ich müsse mich nur hinter dem Pass links halten.

Am Anfang war noch ein gut erkennbarer Pfad da, der sich aber im Verlaufe des Tages immer wieder verlor. Die Routenführung erwies sich als komplizierter wie erwartet durch zwei verschiedene Hochtäler und ohne Karte. Ohne Ortskenntnisse oder sehr guten Orientierungssinn hätte man normalerweise kaum Chancen den Weg zu finden. Ich war aber der Meinung am Abend den besagten Pass gefunden zu haben, an dessen Fuss schlug ich mein Camp auf.

Einen Pfad gab es nicht mehr, weglos ging es über den Pass rüber. Auf der anderen Seite ein Stückchen tiefer sah ich auf der linken Seite einen Bergrücken zum Rio Tipuani abfallen, das kann eigentlich nur die richtige Route sein, dachte ich. Auf diesen Bergrücken entdeckte ich sogar wieder einen schmalen Pfad. Als der aber weiter unten in den Bergregenwald eintrat war Schluss mit Lustig: Der Pfad sah aus als ob er seit Jahren nicht mehr benutzt wurde.
Aber egal, es ging ja vorwärts. Ich folgte Pfad abwärts, zwängte mich durch den Busch und merkte dabei nicht wie schwer die Route weiter unten wurde. Als ich es bemerkte war es zu spät: ich hatte mich hoffnungslos im Dickicht festgelaufen. Selbst ohne Gepäck hätte ich kriechen müssen um weiterzukommen.

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Ich bin schon viel pfadlos durch Regenwälder gewandert, aber dieser Dschungel hier ist ohne Machete wirklich unpassierbar. Selbst mit Machete hätte es vielleicht Tage gedauert bis man sich eine Route runter zum Fluss gehackt hätte und der Rio Tipuani liegt nur noch gut 2000 Höhenmeter tiefer und paar Kilometer Luftlinie entfernt.

Seit dem Dschungelbeginn bin ich höchstens 150 bis 200 Höhenmeter tiefer gekommen.
Es hatte keinen Sinn weiterzugehen, ich entschied mich zur Umkehr. Beim Aufstieg musste ich gegen den Busch kämpfen. Es war mörderisch hart, dazu war es heiss, ich hatte nur noch wenig Wasser und es gab auch keins zu finden. Habe über 8 Stunden gebraucht für nur etwa 200 Höhenmeter runter und wieder rauf. Im Dunkeln erreichte ich endlich den offenen Bergrücken oberhalb der Dschungelgrenze. Eine Zeltmöglichkeit gab´s hier nicht, also legte ich mich unter freien Himmel schlafen, verzichtete auf das Abendessen da ich kaum noch Wasser hatte. Dies war ein Alptraumtag und am nächsten Morgen war mein Schlafsack sowie Gepäck klitschenass vom Tau!

Am Morgen war ich immer noch entkräftet und geschlaucht vom Tag zuvor. Ich stieg in ein grasiges Hochtal wo ich bei einen Bach eine lange Kochpause in der Sonne machte und um meinen Schlafsack zu trocknen.
Rinder weideten hier, also musste es doch irgendwo einen Pfad geben der runterführt. Ich wollte noch den nächsten Bergrücken weiter östlich auskundschaften, aber beim Aufstieg wurde es neblig und ich konnte nichts mehr sehen.

Ich hatte keine Lust und keine Motivation mehr. Dies war der elfte Trekkingtag und in drei Tagen wollte ich in La Paz sein weil Jewgenij kommt. Anstatt zu warten bis sich der Nebel auflöst um dann noch weiter hier rumzusuchen entschied ich mich den ganzen Weg durch die Cordillera zurückzumarschieren. Ich wollte zurück nach Lipichi und von dort dann nicht auf der gleichen Route zurückwandern sondern den schnellsten und direktesten Weg zum nächstgelegensten Fahrweg nehmen,......und der lag beim Dorf Amawaya. Heute quälte ich mich noch zurück über den letzten Pass wo ich die vorletzte Nacht gecampt hatte. Ich hatte keine Lust mein Zelt aufzuschlagen, habe daher einen Kilometer weiter talabwärts wie ein Penner in einer kleinen Felshöhle übernachtet.

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Am darauffolgenden Morgen war ich dann wieder bei Kräften. Habe an diesen Tag einen Gewaltmarsch hingelegt von 7 Uhr morgens bis Mitternacht durch, über zwei Pässe bis kurz vor Amawaya meinem Endziel. Erstens wollte ich möglichst schnell zurück nach La Paz und zweitens wollte ich auf keinen Fall den Pick-up verpassen der am darauffolgenden Tag vom Amawaya nach La Paz fahren sollte. Der fährt angeblich nur ein bis zweimal die Woche und wenn ich den verpasst hätte müsste ich den Weg zu Fuss laufen und wäre bestimmt erst anderthalb Tage später in La Paz.

Am Vormittag war ich wieder in Lipichi. Hier erfuhr ich dann daß der Bergrücken auf dem ich gestern im Nebel umgekehrt bin der richtige gewesen wäre. Dort oben würde ich am Dschungelbeginn auf einen freigehackten Pfad stossen der runter ins Tal führt,....aber egal.
Als es dunkel wurde hatte ich einen 4000er Pass hinter mir und passierte das Dorf Chocapa. Ich wanderte noch die halbe Nacht durch auf steinige Gebirgspfade die steilen Bergflanken entlang und über den letzten 4000er Pass. Zum Glück war Vollmond so dass ich auch ohne Stirnlampe den Pfadverlauf noch gut sehen konnte. Ein bis zwei Kilometer vor Amawaya konnte ich dann nicht mehr und hab mich neben den Pfad unter freien Himmel zum pennen gelegt um den Rest am nächsten Morgen zu wandern.

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In Amawaya beginnt der Fahrweg,.....hm, eigentlich ist es nur ein schmaler steiniger Holperweg. Nach etwa 4 Stunden geholpere hinten auf der Ladeflaeche des Camionetas (=Pick-up) zusammen mit paar Einheimischen kam ich voellig dreckig und verstaubt in La Paz an.
Bin wieder ins gleiche Hostel gegangen und selbst nach zweimal duschen ging der ganze Dreck nicht ganz runter.

In der Nacht kam Jewgenij an. Die folgenden Treks durch Peru wollen wir also gemeinsam machen.

Wildniswanderer
28.04.2011, 07:22
Wow, das nenne ich Abenteuer!

Besonders beeindruckt mich dein Durchhaltewille, egal ob Krankheit, schwieriger Gletscher, fehlende Karte oder dichtester Regenwald- irgendwie kommst du meist weiter!

Ich bin schon auf die nächsten Berichte gespannt.

Gerald

Ehemaliger
28.04.2011, 22:03
+1

berniehh
08.05.2011, 11:07
Trek 4Vilcanota// Peru

9 Tage

Jewgenij ist am 25.August in La Paz angekommen. Genau zwei Monate hatte er Zeit.
Unser erster gemeinsamer Trek sollte uns durch die Cordillera Vilcanota in Südperu führen.

Den kompletten Trek habe ich nun auf meiner Seite:
www.trekking.magix.net

Der Beginn ist alles andere als gut verlaufen, um nicht zu sagen fast in einem Supergau geendet!!
Es fing schon an als wir noch in La Paz waren: Seit Jahren hatte ich keine Zahnprobleme mehr, aber ausgerechnet jetzt ist innerhalb von paar Tagen meine Backe angeschwollen und ich konnte vor Zahnschmerzen nachts nicht mehr schlafen.
Auch Jewgenij hatte Probleme, sein linkes Ohr war von innen angeschwollen und entzündet. Das lag daran daß er einen Tag vor seinen Abflug nach Bolivien den Tauchschein gemacht hatte.

Ich bin zum Zahnarzt gegangen. Ergebnis: eine fette Wurzelbehandlung! Eine ganze Wurzelbehandlung dauerte mir aber zu lange. Daher war ich nur am drauffolgenden Tag nochmal beim Zahnarzt. Danach bin ich nicht mehr weiter hingegangen und hoffte daß es für die nächsten 6 Monate bis ich wieder in Deutschland gehen würde.

Jewgenij war im Krankenhaus. Der Arzt meinte das Ohr muss operiert werden. Er wollte es aber erst nur mit Schmerztabletten, Tropfen und Antibiotika behandeln und dann mal schauen wie es ist wenn er wieder zurück in Deutschland ist.


Nach unseren ganzen Arzt- und Zahnarztbesuchen konnten wir dann endlich zwei Tage später wie geplant den Bus nach Cusco nehmen.
In Cusco kauften wir unseren Trekkingproviant für 10 Tage ein. Weil ich dann auch noch einen Tag Fieber hatte mit etwas Durchfall ging uns hier auch nochmal ein Tag flöten.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/DSC_0452_1999x1499_499KB.jpg

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/DSC_0454_1999x1499_499KB.jpg

Irgendwann waren wir dann bereit für den Aufbruch. Wir nahmen ein Micro nach Tinqui, unseren Trekkingstartpunkt. Fast drei Stunden Fahrzeit, Ankunft gegen Mittag. Wir sind dann gleich losgewandert. Nun waren wir endlich auf dem Trek! Am ersten Tag sind wir noch 5 Stunden gewandert.

Auf 4400 m Höhe schlugen wir unser erstes Camp auf. Es schneite die ganze Nacht. Als ich gegen 3 Uhr morgens wach wurde und mal raus zum pinkel musste, kam mir das Zelt so leer vor. Ich fragte Jewgenij, "sag mal, wo ist eigentlich dein Rucksack?" Es dauerte nichtmal eine Minute bis wir gecheckt hatten was passiert war: Der Rucksack war geklaut!!! Jewgenij´s kompletter Rucksack mit alles drin, incl. Geld, Reisepass, Bank- und Keditkarten Flugtiet usw...! Mitten in der Nacht aus dem Zelt geklaut, während wir darin geschlafen haben! Wir waren praktisch fast mit dem Kopf daran gelehnt und wir haben weder was gehört noch bemerkt.

Es musste erst vor ein oder zwei Stunden passiert sein, denn als ich um Mitternacht zum pinkeln raus musste war der Rucksack noch da. Durch das ständige Schneegeprassel am Zelt war auch die ganze Nacht permanent ein leichtes Geräusch da.

Ich ging dann im dunkeln mit der Taschenlampe raus und habe die Gegend abgesucht. Etwa 100 m vom Zelt entfernt habe ich den Rucksack gefunden, aber natürlich leergeräumt!! Der oder die Täter haben alles mitgenommen was sie gebrauchen konnten: Bargeld von umgerechnet etwa 250 Euro, Bankkarte, Kreditkarte, den kompletten 10-tägigen Trekkingproviant sowie alle Klamotten die sich im Rucksack befanden incl. Unterwäsche.

Im Umkreis von paar Kilometern standen mehrere bewohnte Hütten. Abends kurz vor dem Dunkelwerden hatte uns ein Hirte von Weitem beim Campaufbau beobachtet. Wir vermuten sehr stark dass der es gewesen ist, niemand anderes hat uns sonst gesehen. Aber wo sollte man suchen? Ausserdem würden wir den auch niemals wiedererkennen, da wir ihn nur von weitem im Nebel gesehen hatten, dazu war sein Gesicht noch teils mit Tüchern bedeckt.

Auf jeden Fall haben wir am nächsten Morgen den Trek abgebrochen, sind zurückmarschiert und in der nächstgelegensten Stadt Ocongate bei der Polizei gewesen. Danach sind wir zurück nach Cusco gekehrt, abends kamen wir dort an. Per Telefonanruf nach Deutschland musste das Konto gesperrt werden.

Der Neustart
Auf jeden Fall wollten wir so schnell wie möglich neu starten. Am nächsten Morgen haben wir neuen Proviant eingekauft und nachmittags nahmen wir einen Bus zurück nach Tinqui. Wir übernachteten dort in einer billigen Hospedaje. Am drauffolgenden Morgen starteten wir den Trek also zum zweiten Mal.

Diesmal ist der Trek super verlaufen:-)

Alles in allem hatten wir ja nochmal Glueck im Unglueck gehabt daß die Täter wenigstens den Rucksack dagelassen hatten mit den Reisepass und andere wichtige Dinge die sie nicht gebrauchen konnten. Wenn der Rucksack mit Reisepass weg wären dann wäre für Jewgenij die Reise zuende gewesen! Glück war auch dass Jewgenij seine Trekkingschuhe nicht im Rucksack hatte sondern die irgendwo im Zelt lagen und daß das ganze gleich in der ersten Nacht passiert ist und nicht irgendwo in der Trekmitte.

Dieser Trek war landschaftlich absolut atemberaubend!!

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Unsere Route führte in 9 Tagen ueber 5 hohe Paesse, drei davon ueber 5000 m. Auf jeden Pass hatten wir fast hautnahen Kontakt mit den weiss vergletscherten Bergen, die so steil und imposant sind daß sie ebensogut auch im Himalaya liegen koennten.

Es ist sicher nicht übertrieben zu behaupten dass diese Route mit zu den spektakulärsten Treks zaehlt die man in ganz Peru machen kann. Auf jeden Fall ist es mit eines der Top-Treks meiner Südamerikareise!!

Die Cordillera Vilcanota ist ein stark vergletschertes Gebirge etwa 100 km südöstlich von Cusco. Es ist ein sehr kaltes und hochgelegenes Gebirge mit mehrere Sechstausender. Der höchste Berg der Vilcanota ist der 6336 m hohe Nevado Ausangate, der vierthöchste Berg Perus. Die Täler sind weit, offen und hochgelegen, zwischen 4400 und 4900 m Höhe. Daraus resultiert sich eine sehr karge und baumlose Landschaft. Nächtliche Temperaturen von minus 15 Grad sind keine Seltenheit. Bei uns war die kälteste Nacht jedoch nur bis minus 10 Grad.
Trotz der Höhe leben in fast jeden Tal noch Menschen in einfachen Steinhütten.

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In den ersten dreieinhalb Tage drehten wir eine Halbrunde um den vergletscherten Nevado Ausangate, dem höchsten Berg der Vilcanota im Westteil des Gebirges.
Wir folgen dabei den Ausangate Circuit, der einzigsten bekannten Trekkingroute dieses Gebirges.
Der Ausangate Circuit führt über 4 Pässe einmal um den Nevado Ausangate herum und wird in der Regel in 5 bis 6 Tagen gemacht.

Auf dem Ausangate Circuit haben wir im Schnitt nur eine Trekkinggruppe pro Tag getroffen. Verglichen mit der Cordillera Blanca und Huayhuash in Nordperu ist die Vilcanota noch relativ unbekannt und nur wenig von Trekkern frequentiert. Die meisten Leute machen hier organisierte Treks mit Fuehrer, Packesel, Koch und das volle Programm. Individuelles und selbstorganisiertes Trekking ist in Peru und Bolivien eher unüblich. Man trifft zwar einige Leute die das machen, aber relativ wenige. Die meisten Leute die hier trekken wollen wenden sich in Cusco an eine der zahlreichen Trekkingagenturen.

Dass es sich bei den Ausangate Circuit um einen bekannten Gringo-Trek handelt merkt man sofort: Wenn wir an bewohnten Huetten vorbeiwanderten, kamen die Kinder angerannt und bettelten nach Bonbons. In Bolivien war das nicht so. Wenn ich in der Cordillera Real denn mal Kinder gesehen habe waren die in der Regel eher schüchtern und ängstlich, haben sich meistens hinter den Hütten versteckt und mich nur von weitem beobachtet.
Auch die Erwachsenen kamen manchmal auf uns zu, um etwas verkaufen zu wollen oder sich als Fuehrer, Packeseltreiber usw. anzubieten. Sowas habe ich in Bolivien auch nie erlebt.

Während den ersten drei Tage haben wir drei Pässe überquert, darunter den ersten 5000er Pass. Da dort gut erkennbare Pfade rüberführten waren die Pässe eigentlich nicht schwierig. Das einzige Problem war die Höhe und Jewgenij war noch nicht ausreichend akklimatisiert.

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Am Nachmittag des vierten Tages verließen wir den Ausangate Circuit und wanderten auf einer anderen Route weiter.
Jetzt kamen wir in eine Gegend die noch abgelegener ist, die normalerweise nur unregelmäßig bis fast garnicht von Trekkern frequentiert wird,.....also völlig abseits der Standartrouten.

Für die nächsten 5 Tage, bis kurz vor dem Trekende, haben wir keine anderen Wanderer mehr getroffen.

Am drauffolgenden Tag stand eine anspruchsvolle und weglose Querung eines 5320 m hohen Passes an. Jewgenij hatte hier massive Höhen- und Konditionsprobleme. Ich dachte schon er schafft den Pass nicht und wir müssten wieder umkehren. Ich habe daraufhin seinen Rucksack zum Pass hochgetragen und ohne Gepaeck ging es dann für ihn so gerade eben noch.

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Hinter dem Pass kamen wir in ein karges weites Hochland auf etwa 5000 m Höhe mit der großen Laguna Sibinacocha. Dies ist die abgelegene Südseite der Cordillera Vilcanota.

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Für die nächsten über 3 Tage befanden wir uns die meiste Zeit oberhalb von 5000 m. Nur einmal, am Ufer der Laguna Sibinacocha, kamen wir knapp unterhalb der 5000er Marke. Hier sollte man nicht Höhenkrank werden, denn es dauert einige Tagesmärsche bis man von hieraus in tiefere Gegenden gelangt.

Diese Route ist landschaftlich sensationell und zählt mit zu den Höhepunkten des gesamten Treks!!

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Die Laguna Sibinacocha ist ein ziemlich abgelegener Hochlandsee von über 15 km Durchmesser auf 4885 m Höhe. In Tibet, Nepal, Indien sowie in anderen Gegenden hier in den Anden gibt es zwar noch einige Seen die noch höher liegen, aber die sind alle ganz deutlich kleiner. Die Laguna Sibinacocha ist somit der höchstgelegenste See der Erde von dieser Größe, noch über 1000 m höher wie der Titicacasee. Dennoch leben einige Menschen in dieser kargen Gegend. Am Ufer haben wir seltene Andenflamingos gesehen. Die Landschaft ist der Hammer, der See von weitem Hochland umgeben mit krasse Geröllberge und große flache Gletscherplateaus!!

Von der Laguna Sibinacocha führte unsere Route über einen weiteren fast 5400 m hohen Pass zurück auf die Nordseite des Gebirges, durch den sogenannten "Korridor".

Dies ist ein langgezogener Pass der zwischen zwei vergletscherte Gebirgsketten hindurchführt. Früher war der Korridor komplett vergletschert, aber heute gibt es dort einen eisfreien Durchgang zwischen den Gletschern hindurch mit einer kargen Felsbrocken- und Geröllmoränenlandschaft.

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Den Lago Hauurumiccha haben wir orographisch rechts umwandert, was aber anstrengend und langsam war wegen loser Geröll- und Felsbockenhänge die teilweise
steil zum Ufer abfallen. Von hier haben wir dann gesehen daß das orographisch linke Ufer wesentlich einfacher gewesen wäre!

Vom Seeausfluss waren es noch einige Kilometer durch graue Geröllmoränenhügel auf etwa 5000 m Höhe, bis das Tal anfing deutlich abzufallen und wir die ersten grünen Grasflächen erreichten mit einer Kette weiterer Seen.

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Auf einen Pfad wanderten wir das Westufer der 5 km langen Laguna Sigrenacocha entlang. Hier sahen wir die erste bewohnte Hütte seit der Laguna Sibinacocha vor zweieinhalb Tagen.
Vom Seeausfluss sind es nur noch 5 km bis zum Dorf Pallcapampa wo wir auf die Hauptstraße Cusco - Puerto Maldonado stießen. Hier endete unser Trek.

fjellstorm
08.05.2011, 11:49
Wow, mir fehlen langsam die Superlativen.
Und irgendwie beeindruckend (aber auch irgendwie riskant!!), wie ihr trotz gesundheitlicher Probleme unmittelbar vor Start trotzdem losgezogen seit..
Wie kam dann der arme Jewgenij wieder zur Geld und Tickets, wenn ihm alles gestohlen wurde? Pass/Bankkarte etc war ja auch weg oder?..

So lang in dieser Höhe mit schwerem Gepäck unterwegs zu sein, Respekt...

Chiloe
08.05.2011, 12:09
Der Routenverlauf und die Bilder: Beeindruckend!
Das Missachten gesundheitlicher Risiken: Unverantwortlich!

Normalerweise sind 24h Abstand zwischen einem Tauchgang und einer Flugreise ausreichend aber wenn sich im Anschluss tatsächlich Symptome wie Ohrenschmerzen oder eine Entzündung mit Rötung und Schwellung zeigen, dann ist es einfach nur dumm, wenn man sich dennoch abseits der Zivilisation auf Höhen von bis zu 5000 Metern bewegt.
Bei Dir noch Zahnschmerzen, Durchfall und Fieber... da fällt mir nix mehr zu ein :motz:!

Ehemaliger
08.05.2011, 13:20
1.
Vielen Dank nochmals für die tollen Berichte. Bitte weitermachen.

2.
Der Diebstahl aus dem Zelt ist der Hammer. Ich glaub, ich wäre wahnsinnig geworden...

3.
Risiken: Es ist immer einfach so etwas aus dem Sofasessel zu analysieren. Wenn man real in der Situation ist und die Wahl zwischen teurem Rückflug, Operation o.ä. in einem Entwicklungsland usw. hat, ist es nicht mehr so einfach.

berniehh
08.05.2011, 13:34
Hallo Fjellstorm, Chiloe & Nat Bergtroll



Wie kam dann der arme Jewgenij wieder zur Geld und Tickets, wenn ihm alles gestohlen wurde? Pass/Bankkarte etc war ja auch weg oder?..



Jewgenij hatte noch irgendwo eine weitere Bankkarte versteckt. Bis das Konto wieder freigeschaltet war habe ich ihm Geld geliehen.

Pass und Flugticket wurden ja glücklicherweise nicht mit geklaut. Wenn das auch noch weg wäre sähe es allerdings wirklich übel aus.....




Normalerweise sind 24h Abstand zwischen einem Tauchgang und einer Flugreise ausreichend aber wenn sich im Anschluss tatsächlich Symptome wie Ohrenschmerzen oder eine Entzündung mit Rötung und Schwellung zeigen, dann ist es einfach nur dumm, wenn man sich dennoch abseits der Zivilisation auf Höhen von bis zu 5000 Metern bewegt.


da wirst du wohl recht haben. Aber zwischen seinen Arztbesuch und dem Trekkingstartpunkt lag etwa eine Woche Zeit. Die Antibiotika die er in La Paz bekommen hat haben sehr gut angeschlagen und beim Trekkingstart waren die Schmerzen sowie Schwellung schon weg.




Bei Dir noch Zahnschmerzen, Durchfall und Fieber... da fällt mir nix mehr zu ein :motz:!

Bei mir war das so: ich habe dem Zahnarzt gesagt daß ich möglichst morgen oder übermorgen noch La Paz verlassen wollte um auf Trekkingtour zu gehen. Er hat mir daher Antibiotika verschrieben, die Entzündung war somit nach paar Tagen weg. Ich fragte ihn ob es verantwortlich sei 6 Monate lang mit einer provisorischen Füllung rumzulaufen um die Behandlung erst in Deutschland fortzuführen. Er meinte es ist zwar nicht gut aber verantwortlich schon, falls ich jedoch wieder Probleme bekommen sollte muss ich sofort wiederkommen.

Naja,.......und der Durchfall und Fieber war auch nach einen Tag schon wieder weg;-)





2.
Der Diebstahl aus dem Zelt ist der Hammer. Ich glaub, ich wäre wahnsinnig geworden...


wir sind auch wahnsinnig geworden:bg::bg::bg:

gruss Bernd

smeagolvomloh
08.05.2011, 14:01
Sehr beeindruckend! 5sterne

Toller Bericht, tolle Bilder!

Und von meiner Seite aus zolle ich dir den höchsten Respekt!

Deine Website ist natürlich super!

paddel
08.05.2011, 14:28
Wie immer: Super!!!

Freu mich schon wenn's weitergeht.

jacky09
08.05.2011, 14:46
Einfach Spitze. Ne tolle Website hast du da :)

lass uns nicht zulange warten!!

Chiloe
08.05.2011, 16:32
Risiken: Es ist immer einfach so etwas aus dem Sofasessel zu analysieren. Wenn man real in der Situation ist und die Wahl zwischen teurem Rückflug, Operation o.ä. in einem Entwicklungsland usw. hat, ist es nicht mehr so einfach.

Natürlich kann ich mich nur auf das beziehen, was Bernie im Bericht geschrieben hat aber für mich ist es einfach mal Fakt, dass man mit einem ernsthaften Ohrproblem nicht mehrere Tage abseits jeglicher ärztlicher Versorgung und dazu noch in großer Höhe unterwegs sein sollte. Alles erst mal mit Antibiotika anzutherapieren und dann zu hoffen, dass nichts Schlimmeres passieren wird, ist einfach hochriskant.
Man muss die Reise ja nicht gleich komplett abbrechen. Genügend Zeit, um das Ganze richtig auszukurieren, war ja ganz offensichtlich vorhanden...


Die Antibiotika die er in La Paz bekommen hat haben sehr gut angeschlagen und beim Trekkingstart waren die Schmerzen sowie Schwellung schon weg.

Naja,.......und der Durchfall und Fieber war auch nach einen Tag schon wieder weg

Diese Infos haben mir eindeutig gefehlt. Wollte auch nicht die große Moralkeule auspacken, sondern nur meine Meinung deutlich machen, dass man nicht alle anderen Krankheiten dem Reisefieber unterordnen darf...auch wenn's aus eigener Erfahrung verdammt schwer fällt!

peter-hoehle
14.05.2011, 12:11
Habe nun auch die Zeit gefunden die ersten vier
Trekk`s durchzulesen.Die Bilder dieser kargen Landschaft
sind super.In solchen abgelegenen Gegenden Touren
machen...Da muss ich euch richtig Respekt zollen.
Schade nur das Ihr durch Krankheit und Diebstahl :motz:
herbe Rückschläge hinnehmen musstet.
Bin schon gespannt, wie es weiter geht.
Der Reisebericht bekommt vo mir schon jetzt 5sterne.

Gruß Peter

Mr.Sunrise
19.05.2011, 12:03
Hammer!

Ein paar wirklich tolle Treks zu denen du bisher was geschrieben und Bilder eingestellt hast!5sterne

Ich freu mich wenn es hier weitergeht!

Gruß,
Daniel

BubiBohnensack
19.05.2011, 17:50
Sehr, sehr geil!

berniehh
21.05.2011, 21:16
Trek 5 Cerro Putucusi // Peru

Tageswanderung 19. September 2010


Erstmal danke an Euch für die ganzen positiven Kommentare auf meine letzten Berichte :-)

Nachdem wir also von unserer Tour durch die der Cordillera Vilcanota zurück nach Cusco gekehrt waren, haben wir einige Tage in der Stadt verbracht.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/DSC_0437_1999x1499_499KB.jpg

Wir haben die Vorbereitungen für unseren nächsten Trek getroffen und Proviant für über 18 Tage dafür eingekauft.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/DSC_0364_1999x1499_499KB.jpg

Geplant war eine große Durchquerung der Cordillera Vilcabamba. Starten wollten wir die Tour in Hidroelectrica, das nur einige Kilometer von Machu Picchu entfernt liegt.

Nach Machu Picchu fährt ja echt jeder Perureisende hin, das ist der Haupttouristenanziehungspunkt des Landes schlechthin! Leider hat sich in den letzten Jahren alles was mit Macchu Picchu zu tun hat extrem verteuert. Das betrifft nicht nur die Eintrittsgebühr nach Machu Picchu, sondern auch die Anreise von Cusco aus zu dieser Inka-Ruinenstadt:-(

Nach Aguas Calientes, der Stadt am Fuße von Machu Picchu, kommt man nur mit dem Zug. Um den Touristen das meistmöglichste Geld aus der Tasche zu ziehen wurde einfach ein Gesetz erlassen das Ausländern verbietet den preisgünstigen Indiozug zu nehmen. Touristen dürfen hier nur mit dem Touristenzug fahren, Punkt! Natürlich werden für die Touristenzüge dann auch noch horrende Preise verlangt im Verhältnis zu dem was Reisen sonst in Peru kostet!
Um nur mal ein Beispiel zu nennen: Die nur 30 km lange Strecke von Ollantaytambo nach Aguas Calientes kostet in der billigsten Klasse über 40 US Dollar, das ist um ein mehrfaches teurer als eine vergleichbar lange Bahnfahrt in Deutschland.

Um dieses Dilemma der teuren Anfahrt zu umgehen sind wir nicht mit dem Zug gefahren sondern mit anderen öffentlichen Verkehrsmitteln auf einer viel weiteren Strecke von hinten rum angereist.
Von Cusco sind wir mit dem Minibus in 4 bis 5 Stunden nach Santa Maria gefahren. Dort mussten wir dann umsteigen in einen anderen Minibus der weiter auf einer holperigen Piste über Santa Teresa nach Hidroelectrica fuhr. Diese Art der Anreise scheint sich bei Billigbackpackern immer mehr rumzusprechen denn viele Rucksackreisende wählen mittlerweile auf ihrem Weg nach Machu Picchu diesen alternativen Anreiseweg. Hier ist man zwar über 4 Stunden länger unterwegs aber man zahlt dafür auch nur einen winzigen Bruchteil im Verhältnis zu dem was die Bahnfahrt kosten würde, man spart also viel Geld.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/DSC_0365_1999x1499_499KB.jpg

In Hidroelectrica wollten wir unseren Trek starten. Die Fahrpiste endet auch in Hidro und hier beginnt die Eisenbahnlinie nach Machu Pichu und Aguas Calientes. Es sind von Hidro noch etwa 10 km nach Aguas Calientes bzw. Machu Picchu. Man kann entweder für geschlagene 8 Dollar für dieses kurze Stück den Zug nehmen oder zu Fuß neben den Schienen dorthinlaufen was viele auch machen.

Da wir also quasi in Sichtweite von Machu Picchu unseren Trek starten wollten gehört es eigentlich ins Pflichtprogramm diese Inkaruinenstadt vorher noch einen Besuch abzustatten, das würde wohl jeder machen. Auch für Jewgenij stand von vornherein fest daß er vor dem Trekbeginn nach Machu Picchu wollte, das hätte ich an seiner Stelle wohl auch gemacht.
Ich dagegen war ja schon auf meiner ersten Perureise in Machu Picchu. Das wollte ich mir das kein zweites Mal antun und bin daher nicht mitgekommen. Erstens war ich ja schon dort und zweitens halte ich sowieso nicht viel von solchen Touri-Rummelplätzen. Von Aguas Calientes führt eine Straße dort hoch auf der von morgens 5 Uhr bis zum Sonnenuntergang im Minutentakt die Touristenbusse hin- und herpendeln. Jewgenij hatte mir am nächsten Tag erzählt dass sie schon morgens um fünf zusammen mit hunderte anderer Touristen vor den ersten Bussen Schlange standen.

Ich war damals auf dem Inkatrail nach Machu Picchu gewandert. Die Ruinenanlage mit der umgebenen Landschaft ist schon grandios,........aber zusammen mit den ganzen Touristenmassen und die damit zusammenhängende Überkommerzialisierung ist es meiner Ansicht nach kein Top-Highlight mehr. Die extrem hohe Eintrittsgebühr von 125 Soles (= 35 Euro) hat sicher auch mit dazu beigetragen dass ich mich gegen Machu Picchu entschied. Das ist natürlich der Touristenpreis, Peruaner zahlen nämlich nur einen Bruchteil dieses Preises an Eintritt, ich glaube nur 20 oder 25 Soles aber so genau weiss ich das nicht mehr.

Fast alle Rucksackreisende mit denen wir ins Gespräch kamen haben sich über die hohe Eintrittsgebühr sowie die hohen Bahnpreise aufgeregt, aber trotzdem kommt hier jeder her. Alles hier im näheren Umkreis dreht sich nur um Machu Picchu. Wer den alternativen Anreiseweg gewählt hat übernachtet entweder 8 km weiter talabwärts in Santa Teresa oder er wandert noch am gleichen Tag von Hidroelectrica weiter nach Aguas Calientes. Kaum jemand den wir trafen schien zu wissen dass es hier in Hidro auch eine billige und einfache Hospedaje gibt. Ich checkte also als einzigster Gast hier ein. Jewgenij wanderte zusammen mit den beiden Engländerinnen, die wir auf der Anreise im Minibus kennengelernt hatten, weiter nach Aguas Calientes. Seinen Rucksack ließ er hier, morgen abend wollte er zurück sein.

Ich entschied mich von hier aus am nächsten Morgen eine Tageswanderung auf den Cerro Putucusi zu unternehmen.
www.trekking.magix.net
Der Cerro Putucusi ist der steile markante Berg auf der gegenüberliegenden Talseite von Machu Picchu.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/img072.jpg

Dies ist keine Standartroute,.....der Cerro Putucusi ist nur für Geübte, der Aufstieg erfordert absolute Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und etwas Kletterfähigkeiten. Von Hidro aus ist es eine Tagestour, von Aguas Calientes dagegen dauert der Auf- und Abstieg nur 3 bis 4 Stunden.


Am nächsten Morgen wanderte ich gegen 7 Uhr los. Für die ersten 10 km ging´s neben den Schienen nach Aguas Calientes. 100 Meter vor den ersten Häusern von Aguas fand ich einen schmalen Pfad der links durch den Dschungel den steilen Hang nach oben führte. Der Einstieg ist unmarkiert, ich war daher erst nicht sicher ob dies überhaupt der richtige Pfad war. Aber nach meinen Recherchen die ich schon von zu Hause aus im Internet gemacht habe kann es eigentlich nur dieser Pfad sein. Und es kam jetzt auch noch ein anderer Wanderer vorbei, der auch dort hoch wollte, also gingen wir zusammen.

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Kurz darauf erreichten wir die Schlüsselstelle: ein fast vertikaler Felshang wo Holzleitern hochführten. Die Leitern waren aber kaputt, die meisten Sprossen waren schon weggebrochen und die die noch dran waren, waren teils wackelig und morsch. Neben den Leitern führte ein Drahtseil die Felswand hoch an dem man hochklettern muss. Wenn man die Leitern betritt muss erstmal jede einzelne Sprosse geprüft werden ob sie überhaupt noch fest ist. Der andere Wanderer ist hier wieder umgekehrt und zurück nach Aguas Calientes gewandert während ich alleine weiter hochstieg.

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Als ich den ersten steilen Felshang geschafft hatte, lag das schwierigste hinter mir. Die Landschaft war super, man blickte durch die Bäume runter in dieses enge felsige Regenwaldschluchttal und nach Aguas Calientes.

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Weiter oben kamen zwar noch paar weitere Holzleitern, die waren aber noch weitgehend unbeschädigt und daher kein Problem.

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Ich erreichte oben einen Bergkamm und von dort windete sich der schmale Pfad für die letzten 100 bis 200 Höhenmeter den steilen Gras- und Buschhang hoch zum Gipfel. Hier kam mir eine dreier Gruppe entgegen die wieder am Abstieg waren.

Vom Gipfel hatte man eine gute Aussicht auf Machu Picchu das auf der gegenüberliegenden Talseite lag, mit der häßlichen Schotterstraße die sich in Serpentinen dort hochwindete direkt im Blick. Winzig klein wimmelte es dort von sich bewegenden Punkten wie auf einen Ameisenhaufen,......Horden von Touristen die durch die Ruinenanlage schlenderten. Hier auf den Cerro Putukusi war ich jedoch ganz alleine, ausser die Dreiergruppe von eben und der Wanderer der weiter unten wieder umgekehrt ist habe ich keine weiteren Leute getroffen.

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Zurück in Aguas habe ich erstmal Mittag gegessen. Wenn man den häßlichsten und aus allen Nähten platzenden Touristenort von ganz Peru sehen will ist man in Aguas Calientes goldrichtig! Hier sieht man mehr Touristen wie Einheimische und fast alles ist hier mindestens doppelt so teuer wie in anderen Orten Perus. Ich war froh dass ich nicht hier in Aguas übernachte, Hidroelectrica ist da wesentlich attraktiver, da gibt´s nur paar Hütten und sonst nichts.

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Zurück ging´s den gleichen Weg entlang den Schienen. Gegen 17 Uhr war ich wieder in Hidro. Jewgenij kam wenig später auch von Machu Picchu zurück. Er meinte es war zwar nicht der Knaller, aber naja, das muss man mal gemacht haben.

Heute war also unser letzter Abend hier. Wir freuten uns schon auf unseren Trekkingstart morgen früh. Dann werden wir für die nächsten über zweieinhalb Wochen wieder spektakuläre unberührte Gebirgslandschaften durchstreifen und froh sein daß der ganze Hype um Machu Picchu endlich hinter uns liegt.....

Klappstuhl
21.05.2011, 21:42
*schmacht*

Ich bin ganz eifersüchtig und mein Fernweh tut wieder weh.
Bitte weiter machen ;-)

lutz-berlin
21.05.2011, 23:09
wieder einmal ein schöner Bericht.
Aquas Calientes kenne ich nur als Dorf ,in dem man auf der Schweinewiese Zelten konnte:bg:

Wildniswanderer
22.05.2011, 07:42
Schön wie du über das berichtest, was Massentourismus aus ansonsten sicher fantastischen Stätten machen kann.

berniehh
22.05.2011, 12:23
Aquas Calientes kenne ich nur als Dorf ,in dem man auf der Schweinewiese Zelten konnte:bg:

.......das müssen noch schöne Zeiten gewesen sein:roll:

peter-hoehle
22.05.2011, 12:42
Hallo Berniehh.

Mit Erstaunen habe ich gelesen,das die Busse schon
ab 5 Uhr fahren.Ich war im November 2009 auf dem
Inka-Trail.Da gab es schon die Beschränkung auf
500 Personen am Tag.200 Wanderer und 300 Träger.
Als wir 7 Uhr am Sonnentor waren,war die Ruinenstätte
noch leer.Die Busse fuhren erst ab 10 Uhr.
Aquas Calientes ist aber ein richtiges Touristenabzockeldorado.
Selbst die Briefmarken wollten sie uns für den doppelten
Preis verkaufen mit der Begründung"die müssen wir in Cusco
holen":o
Ich hoffe auf eine spannende Fortsetzung des Berichtes.:bg:

Gruß Peter

berniehh
22.05.2011, 14:04
Mit Erstaunen habe ich gelesen,das die Busse schon
ab 5 Uhr fahren.

Hallo Peter,

ob die ersten Busse jetzt genau um 5 Uhr abfahren oder etwas später kann ich natürlich nicht sagen, da ich ja auf dieser Reise nicht in Machu Picchu war und um die Uhrzeit auch nicht in Aguas Calientes. Aber anscheinend sollen um 5 Uhr dort zumindest schon ein haufen Leute in der Schlange stehen. Ich kann mich da auch nur auf das berufen was Jewgenij erzählt hat und was ich auch schon vorher im Internet gelesen haben. Im Trekkingforum gab´s mal einen interessanten Thread über die Frage "Peru mit oder ohne Machu Picchu?"
http://www.trekkingforum.com/forum/showthread.php?t=17146&highlight=machu+picchu
daraus ein Zitat von Tilmann:



Zu Machu Picchu: Wir haben uns erst auf der fünften Südamerika-Reise da hin getraut. Den alten Tipp, als erster in der Schlange zu stehen, und dann die Ruinen ohne Gringos zu haben, muss man relativieren: Bei uns waren es um 5.15 morgens schon über 500 Lonely-Planet -Leser, wir kamen dann mit Bus Nr. 12 hinauf. Aber wir sind mit großer Begeisterung (nach dem Salcantay-Trail) einen ganzen Tag zwischen den Touristen-Massen herumgeturnt.
Extra dafür würde ich - wie einige Vorredner auch - nicht dorthin fahren.

gruss Bernd

berniehh
02.06.2011, 22:39
Trek 6 Cordillera Vilcabamba // Peru

18 Tage
September/Oktober 2010

Diese Tour, also die große Durchquerung der Cordillera Vilcabamba, zählt mit zu den längsten Treks dieser Südamerikareise und weil ich da so viele Fotos gemacht habe teile ich die Tour hier wie auch auf meiner Seite in zwei Teile auf.
www.trekking.magix.net

Erstmal Generelles:
Unsere Route führte von Hidroelectrica (also Machu Picchu) einmal quer durch die
Cordillera Vilcabamba zur Inkaruinenstadt Choquequirao.

Ein Trek von Machu Picchu nach Choquequirao, bzw. eher umgekehrt von Choquequirao nach Machu Picchu wird öfter mal gemacht, das ist eigentlich nichts ungewöhnliches und auch keine unbekannte Route. Der Trek dauert etwa 7 bis 8 Tage und führt über 4 Pässe. Ungewöhnlich ist dabei nur dass unser Trek mit dieser einwöchigen Normalroute kaum etwas zu tun hat. Ich habe mir unsere Routenführung selber ausgedacht. Herausgekommen ist dabei eine erschwerte Version die über 11 Pässe führte und 18 Tage gedauert hat auf einer Trekkingroute die ich als absolut weltklasse bezeichnen würde durch recht abgelegene Regionen dieses relativ unbekannten Gebirges.

Die Cordillera Vilcabamba ist ein vergletschertes Gebirge in Südperu, dessen höchster Berg der 6264 m hohe Nevado Salcantay ist. Topographisch und landschaftlich unterscheidet es sich von der kalten und baumlosen Cordillera Vilcanota insofern, daß die Täler in der Cordillera Vilcabamba wesentlich enger und tiefer sind, also oft bis weit in die tropischen Bergregenwälder der Montaña herunterreichen.

Von den Anforderungen her war dieser Trek ein sehr harter Brocken und recht anspruchsvoll. Anspruchsvoll jetzt nicht im Sinne von technischen Schwierigkeiten. Es gab zwar hier und da mal Abschnitte die routenfindungstechnisch kompliziert und schwierig waren, an paar Stellen mal etwas kraxeln, zugewachsene Regenwaldpfade, abgelegenes unbekanntes und manchmal wegloses Terrain. Die Hauptschwierigkeiten dieses Treks waren aber was ganz anderes, nämlich die enormen Höhenmeter, die wegen den sehr tief eingeschnittenen Tälern auf dieser Tour überwunden werden mussten.
Zum Vergleich: Beim Vilcanota Trek mussten wir auf 5 Pässe verteilt insgesamt nur etwa 3200 Höhenmeter bergauf wandern, aber auf diesen Trek waren es auf 11 Pässe verteilt fast 13000 Höhenmeter bergauf und dann das gleiche ungefähr nochmal bergab. Dazu der schwere Rucksack mit Proviant für 18 Tage, also doppelt so viel wie auf dem Vilcanota Trek.
Jewgenij ist nach dem siebten Pass, also am 12.Tag ausgestiegen und nach Cusco zurueckgekehrt, ihm wurde das ganze dann doch zu viel. Die restlichen 6 Tage bis zum Trekende bin ich dann alleine weitergewandert.

Landschaftlich war dieser Trek eine ganze Ecke vielseitiger wie die Cordillera Vilcanota: Regenwälder in grüne tropische Tieftäler, grasige alpine Hochtäler und vergletscherte Gebirgsketten wechselten sich ab. Zum Ende der Tour kam ich dann runter ins relativ trockene Apurimac-Canyonland, mit dem Rio Apurimac, Rio Yanama und Rio Blanco die ich mit zu den tiefsten und grandiosesten Schluchttälern des Kontinents zählen würde, also wieder eine völlig andere Gegend. Zwischendrin mal alte Inkaruinen und auch mal Abschnitte auf noch original Inkapfade die man verstreut in der gesamten Cordillera Vilcabamba hier und da noch finden kann.

Nun aber zur Route:
Die ersten 7 Tage führten uns in einer Halbrunde über 3 Pässe um den vergletscherten Nevado Salcantay herum.
In Hidroelectrica starteten wir. Als erstes wollten wir das in Trekkingkreisen noch nahezu unbekannte Tal des Rio Ahobamba aufwärts wandern.
Der Trek ging auch gleich mit einem Knaller los: Vom Trekkingstartpunkt bis zum ersten Pass lagen knapp 3000 Höhenmeter,.....und das ganz am Anfang wenn der Rucksack am schwersten war. Erschwerend kam hinzu daß dieses Tal abenteuerlich und anstrengend ist und wir uns überhaupt nicht sicher waren ob diese Route überhaupt passierbar ist.

Dieses Tal war auch der Ursprung meiner Südamerika Reiseplanung. Ich habe den Rio Ahobamba auf Google Earth gefunden und es sah dort so spektakulär aus daß ich mich für Südamerika als nächstes Reiseziel entschied.

Ich habe mich also als erstes eine Trekkingroute durch die Cordillera Vilcabamba überlegt. Die Planung aller anderer Treks kam erst danach.

Schon von zu Hause aus habe ich alles durchforstet auf der Suche nach Informationen über den Rio Ahobamba, sämtliche Bücher, Trekkingführer und Internet, habe aber so gut wie nichts gefunden. Die einzigste Information die ich überhaupt fand kam von Tilmann. Über ein Jahr vor meiner Südamerikareise hat er folgendes im Trekkingforum gepostet:




Salcantay-Ostseite: Auf manchen Skizzen (Kiendler "Die Anden", Panico) ist an der Ostseite des Salcantay ein Pfad vom Basecamp den Rio Ahobamba hinab zur Station Hydroelectrico eingezeichnet. Diese Route hätten wir 2008 gerne gemacht. In Pampa Soray habe ich mit einem peruanischen Bergführer gesprochen, der im Vorjahr dort Erkundigen für einen Veranstalter eingeholt hat. Wegen Bergrutschen war der Weg nicht gangbar. Von unten hatte ich dann Einsicht in das Talsystem des Ahobamba: Natürlich gibt es im unteren Bereich Pfade, aber Fussaufwärts ist das Gelände sehr steil mit dichter Vegetation. Erdrutsche im Flusseinschnitt sind sichtbar. Ohne Pfad hat man da keine Chance, eine Flussquerung dürfte auch kaum möglich sein.


Darauf habe ich dann geantwortet (im März 2009):



Das ist genau die Route die ich plane,.....den Rio Ahobamba aufwärts. Das Tal soll wohl sehr phantastisch, wild und abgelegen sein. Ich nehm nen Eispickel mit damit ich mir gegebenfalls einen Pfad entlang der Bergrutsche hacken kann, falls diese nicht passierbar sein sollten. Am Oberlauf verzweigt sich das Tal, ich will den orographisch rechten (östl. Talzweig) aufwärts, um dann über nen Pass zum Oberlauf des Rio Cusichaca. Oberhalb der Gabelung sollte der Rio Ahobamba vermutlich querbar sein, aber das ist momentan noch reine Spekulation, ebenfalls weiß ich noch nichts über die Passüberquerung. Von dort will ich dann über zwei weitere Pässe Richtung Colpapampa,.....also quasi einmal ne Halbrunde um den Salcantay drehen.
Von Colpapampa will ich dann versuchen ne Route über die Berge und über diverse Pässe zu finden (teils evtl. vergletschert) entlang der Nordseite der Pumasillo Gruppe, ....aber die genaue Route muss ich auch noch ausarbeiten.


Zu lesen ist das ganze in diesen Thread hier http://www.trekkingforum.com/forum/showthread.php?p=91444#post91444

Vor unserer Abreise aus Cusco habe ich noch bei einigen Trekkingagenturen vorbeigeschaut in der Hoffnung dort paar aktuelle Infos über die Passierbarkeit des Rio Ahobamba zu bekommen,.....leider ohne Erfolg. Entweder wussten die nichts darüber oder wollten mir nichts sagen weil ich keine Tour buchen wollte. Die Agenturen sind ja nur daran interessiert Touren zu verkaufen und ich hatte ich den Eindruck daß sie in der Regel sehr verhalten sind Informationen rauszurücken wenn man keine Tour bei denen buchen will.
Den einzigsten Hinweis den ich in einer Agentur bekam war daß ein Trek den Rio Ahobamba aufwärts wesentlich teurer werden würde als beispielsweise der Salcantay Trek wenn ich den Trek buchen würde.

Wir sind dann also ohne weitere Infos von Hidroelectrica, das auf 1800 m Höhe liegt, einfach losmarschiert.

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Am ersten Tag wanderten wir auf einen schmalen unmarkierten Pfad das untere Drittel des Tales aufwärts. Zwei oder drei bewohnte Hütten lagen in diesem Talabschnitt, versteckt in paradiesischer Lage zwischen tropischer Dschungelvegetation. Der richtige Routenverlauf war hier kompliziert und für ortsunkundige schwer zu finden, da wir immer wieder an Pfadabzweigungen stießen die zu irgendwelchen Buschgärten führten die von den Einheimischen angelegt wurden. Schließlich endeten irgendwann die bewohnten Hütten. Ab dann führte der schmale Pfad nur noch durch dichten Bergregenwald die steilen Hänge weit oberhalb des Flusses entlang, nun gab´s auch keine Abzweigungen mehr.

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Das Tal wurde immer enger, wilder und abenteuerlicher. Auf einer spektakulären Hängebrücke ging es zurück auf die andere Talseite über eine abgrundtiefe Schlucht.

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Als es am Abend dunkel wurde hatten wir immer noch keine geeignete Campstelle gefunden. Im dunkeln wanderten wir mit der Stirnlampe noch ein Stückchen weiter bis der Pfad wieder fast bis runter zum Fluss stieß wo wir auf einer offenen Geröll- und Buschhangfläche mitten auf dem Pfad unser Zelt aufschlugen. Aber hier wird schon keiner vorbeikommen und einen besseren Platz konnten wir jetzt im dunkeln auch nicht mehr finden.

Der nächste Tag wurde noch abenteuerlicher. Es ging den ganzen Tag durch eine unbewohnte Wildnis. Der Pfad führte wieder nach oben und den ganzen Tag hunderte von Metern oberhalb des Flusses die steilen Hänge entlang und um diverse Bergrücken herum permanent duch dichten Bergregenwald. Neben dem Pfad fiel es oft tief und steil ab zum Fluss. Der Pfad sah aus als ob er kaum mehr von den Einheimischen benutzt wird und er wurde auch seit Ewigkeiten nicht mehr freigeschlagen. An vielen Stellen war der Pfad also mit dichten Bambusgestrüpp zugewuchert. Heute mussten wir uns viel durch den dichten Busch zwängen und ständig dabei aufpassen daß wir den richtigen Pfad nicht verlieren. Das Vorwärtskommen war zwar nicht allzu gut aber noch OK,.....ich habe schon schlimmere Regenwaldtreks gemacht. Die Landschaft war aber der Hammer, dieses Tal zählt definitiv mit zu den Top-Highlights des gesamten Treks!

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Am Spätnachmttag lichtete sich der Regenwald langsam zu offenes alpines Gelände. Der Pfad war ab hier freigeschlagen. Die wenigen Einheimischen die am oberen Talende wohnen hatten hier die Weidegründe für ihr Vieh. Ab nun gutes Vorwärtskommen und wenig später erreichten wir eine Talgabelung am Fusse des Nevado Salcantay wo wir neben einer verschlossenen Hütte unser Zelt aufschlugen, wir waren jetzt schon auf 3500 m Höhe. Vom vergletscherten Gipfel des Salcantay sahen wir wegen Wolken jedoch nichts.

Am nächsten Vormittag durchstreiften wir noch ein wenig alte Inkaruinen die sich hier bei der Talgabelung befanden und die teils schon mit Busch wieder zugewachsen waren.

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Wir folgten dann den östlichen Talzweig aufwärts Richtung ersten Pass. Wir wollten eine Ostumrundung des vergletscherten Nevado Salcantay in Angriff nehmen, dies ist mit 6264 m der höchste Berg der Cordillera Vilcabamba. Zwei bewohnte Hütten lagen hier im oberen Drittel des Rio Ahobamba. Der Pfad war hier zwar schmal und manchmal in den offenen alpinen Grasland nicht mehr zu erkennen, aber dennoch regelmäßig begangen. Wenn die Bewohner von hier aus zurück in die Zivilisation wollen nehmen sie anscheinend den Pfad über den Pass ins Paralleltal und nicht den zugewachsenen Regenwaldpfad auf den wir gestern hochgekommen waren.

Kurz vor der Passhöhe errichten wir unser drittes Camp auf 4400 m Höhe.

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Am drauffolgenden Tag queren wir unseren ersten Pass (4700 m). Der vergletscherte Nevado Salcantay zeigte sich nur ganz kurz mal zwischen den Wolken.

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Auf der anderen Seite kamen wir in ein grasiges Hochtal mit weidende Rinder und Pferde.

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Der Pfad ist hier etwas ausgetretener und sieht wesentlich häufiger benutzt aus wie der Pfad am Rio Ahobamba. Wir folgten ihn bis ins Talende wo wir auf einer freien Fläche kurz unterhalb des zweiten Passes auf 4700 unser Camp aufschlugen in grandioser Lage am Fusse des vergletscherten Salcantay.

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In der Nacht bekam Jewgenij Fieber und auch den gesamten nächsten Tag über ging es ihm noch sehr schlecht. Wir blieben also im Camp. Am Nachmittag machte ich schonmal einen Spaziergang auf den nächsten Pass.

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Am nächsten Morgen schien es Jewgenij wieder besser zu gehen und wir entschieden uns für den Aufbruch. Das gute Befinden hielt allerdings nicht lange, schon nach kurzer Zeit ging es ihm wieder schlechter und er kam nur mit Mühe über den 4870 m hohen Pass. Auf der anderen Seite schlugen wir daher schon auf der Pampa Salcantay in 4200 m Höhe unser Camp auf.

Jewgenij ging´s heute zum Glück wieder gut:-)
Nach Verlassen des Camps stießen wir dann auf eines der bekanntesten Trekkingrouten der Cordillera Vilcabamba, dem Salcantay Trek, den wir ab hier über den Salcantay Pass bis nach Collpapampa folgen wollten.

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Diese Route ist ebenfalls sehr schön, aber es ist eine wahre Wanderautobahn. Zwar haben wir hier mit nur paar organisierten Gruppen täglich nicht übermäßig viele Trekker getroffen, auf dem Inkatrail wird wohl deutlich mehr los sein. Dennoch ist der Pfad sehr ausgetreten und breit, schon fast wie ein Fahrweg,....also ein krasser Unterschied zu den schmalen abenteuerlichen Pfaden am Rio Ahobamba.

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Heute wurde also ein leichter Wandertag auf dem wir Kilometer abreissen konnten. Wir wanderten über den 4600 m hohen Abra Salcantay (Pass Nr. 3) bis runter nach Collpapampa.

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Am Salcantay Trek liegen deutlich mehr bewohnte Hütten wie am Rio Ahobamba. Viele Einheimische haben ihre Hütten zu einem Kiosk umfunktioniert in dem sie Zivilisationsgetränke wie Getränke wie Coca Cola, Fanta usw an verbeikommende Wanderer verkaufen.

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In Collpapampa haben wir auf dem Grundstück eines Einheimischen gecampt. Hier konnten wir uns auch eine einfache Mahlzeit aus Reis mit Spiegelei bestellen, was mal eine angenehme Abwechlung zu unserer eintönigen Trekkingkost war.

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So, das war´s dann erstmal für heute. Den Rest schreibe ich beim nächsten Mal.
Auf meiner Webseite habe ich jetzt aber schon die Fotos bis zum zehnten Tag drin.....

Wildniswanderer
03.06.2011, 10:30
Wieder ein sehr schöner Bericht mit tollen Bildern!

Was ich bei Bernd so liebe ist immer wieder der Aufbruch in unbekannte Regionen.

Ein Flußtal auf Google Earth sieht interessant aus, und schon wird es als Ziel angesteuert. Und, fast immer kommt dann auch ein interessanter Trek dabei heraus, obwohl Bernd ja nie genau vorher weiß, ob die gedachten Routen wirklich machbar sind.

Weiter so!

Gerald

slarti
03.06.2011, 16:09
Grandios. Diese Mischung aus Regenwald, vergletschtertem Hochgebirge und Inka-Kultur in einer bizarren Landschaft ist großartig.

berniehh
06.06.2011, 20:46
hier ein kurzes Update zum Cerro Putucusi (Trek 5):

Auf Wikipedia steht daß man auf den Cerro Putucusi jetzt nicht mehr ohne professionelle Kletterausrüstung hochkommen soll:(
Darin heißt es wörtlich:

As of April 17th 2011, floods have wiped out the 100 ft vertical ladder section of the climb, making an ascent impossible without professional climbing gear.


Ob es stimmt oder nicht weiß ich natürlich nicht:roll:

berniehh
18.06.2011, 13:47
Trek 6
Cordillera Vilcabamba Fortsetzung
Peru

18 Tage

Bis zum sechsten Trekkingtag, also Collpapampa am Salcantaytrek, bin ich ja beim letzten Mal schon gekommen. Nun geht´s also ab dem 7.Tag weiter:
www.trekking.magix.net

Das kleine Dorf Collpapampa liegt an einer Talgabelung des Rio Santa Teresa. Zu unserer unangenehmen Überraschung stiessen wir hier auf einen Fahrweg, der von Santa Teresa hier hochführt. Damit hatten wir nun überhaupt nicht gerechnet, denn nach meiner bisherigen Recherche sollte der Fahrweg kurz oberhalb von La Playa enden, also über 10 km weiter talabwärts.
Wir erfuhren dass der Fahrweg von hier aus sogar noch 8 bis 10 km weiter den westlichen Talzweig aufwärtsführt bis nach Totora, und das war genau unsere geplante Route:sad: Das störte mich nun gewaltig! Auf einen Fahrweg sinkt bei mir die Trekkinglust normalerweise auf nahe Null ab, denn ich will auf meinen Trekkingrouten ja nur durch ursprüngliche Gegenden wandern ohne Strassen und Fahrwege. Was das Trekkingerlebnis betrifft, macht es meiner Ansicht nach beim Durchwandern einer schönen Landschaft nämlich einen riesen Unterschied aus ob man nur auf schmale Pfade wandert oder durch eine mit Fahrwegen verschandelte Gegend.

Unsere geplante Route war nun also kaputt. Unerwartet auf einen Fahrweg zu stossen war für mich deshalb Grund genug unsere bereits geplante Route über Nacht nochmal komplett abzuändern.
Woher sollte man aber auf die Schnelle eine neue Route hervorzaubern? Außer die zerfledderten Schwarz-Weiss-Kopien einer schlechten 100.000er Karte, auf der fast keine Pfade eingezeichnet sind, hatten wir praktisch null Infos über die Gegend.

Nach etwas hin und her überlegen bin ich schliesslich auf die Idee kommen, anstatt wie ursprünglich geplant im Uhrzeigersinn eine Halbrunde um die vergletscherte Pumasillogruppe zu drehen nun entgegen den Urzeigersinn diese Gebirgskette einmal halb zu umrunden. Das würde bedeuten dass wir unseren Trek bei der Inkaruinenstadt Choquequirao beenden würden. Auf der ursprünglich geplanten Route würden wir unseren Trek dagegen bei Santa Teresa beenden und nach Choquequirao, das auf halbem Weg liegt, nur einen Abstecher machen.

Und so wurde es dann auch gemacht und im Nachhinein betrachtet würde ich sagen daß dies sogar die bessere Routenwahl war wie unsere ursprünglich geplante Strecke.

Von der Routenwahl wäre eigentlich das Beste gewesen wenn wir gleich hier von der anderen Flußseite in Collpapampa direkt über die Berge steigen würden. Einheimische berichteten uns aber daß es dort keine vernünftigen Pfade geben soll und wenn man die exakte Route nicht kennt man sich wahrscheinlich schnell in den dichten andinen Bergregenwäldern festlaufen wird.
Von La Playa sollte es laut Angaben eines Einheimischen aber einen Pfad geben der Richtung Westen über die Berge führt. Also entschieden wir uns noch einen Tag länger auf den Salcantay Trek zu bleiben und wanderten dieses dschungelige Tal des Rio Santa Teresa weiter abwärts bis nach La Playa. Der Fahrweg führt zwar auch dieses Tal abwärts, aber als Wanderer kommt man damit glücklicherweise kaum in Berührung. Wir nahmen den vielbegangenen Hauptpfad auf der orographisch linken Hangseite, während der Fahrweg am rechten Hang verläuft.

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Dennoch störte mir der Fahrweg, da man ihn mitsamt seinen Hangschäden fast ständig im Blick hatte. Das Tal und die Route ist zwar immer noch schön, aber nicht mehr wie früher. Durch den vorhandenen Fahrweg hat das Tal meiner Meinung nach viel von seinen ursprünglichen Reiz verloren.

In La Playa campten wir im Garten einer Familie. Um unsere eigenen Vorräte zu sparen, bestellten wir hier zum Abendessen und Frühstück Reis mit Spiegelei. Die Familie betreibt hier einen kleinen Laden aus dem wir unsere Vorräte noch etwas aufstockten, denn ab hier kommen wir für viele Tage durch keine Dörfer mehr.
Die Lebensmittelauswahl in den Läden von La Playa ist zwar nicht groß, ausser Reis, Nudeln, Konservendosen und paar Kekse ist hier nicht viel zu finden, zum etwas aufstocken reichte es aber. Wir waren aber froh dass wir schon von vornherein unseren kompletten 18-tägigen Proviant aus Cusco mitgebracht haben und nicht darauf gebaut haben hier in den Läden am Salcantaytrek eine komplette Trekkingproviantladung für zwei Wochen oder so zu finden.

In La Playa (auf 2200 m Höhe) verließen wir am nächsten Morgen endgültig den Salcantay Trek. Auf einen schmalen Pfad verliessen wir das Tal und wanderten Richtung Westen den Hang nach oben Richtung vierten Pass. Die Route war paradiesisch schön und das Trekking machte jetzt auf dem schmalen Pfad wieder wesentlich mehr Spass wie auf dem breiten Hauptpfad am Rio Santa Teresa.
Anfangs ging es durch Buschgärten aus Passionsfruchtbäume und weiter oben dann in den dichten andinen Bergregenwald.

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Die richtige Route war stellenweise nicht leicht zu finden. Besonders weiter oben auf den ersten Lichtungen im Bergregenwald verlor der Pfad sich immer wieder, hier war ein guter Spürsinn und Routenfindungsgeschick nötig. Nach einen langen Wandertag campen wir in einen Hochtal auf 3500 m Höhe.

Die nächsten Tage durchquerten wir einsame Landstriche der Cordillera Vilcabamba, überquerten dabei mehrere Pässe und wanderten durch verschiedene Hochtäler auf einer Mischung zwischen weglosem Gelände und schmale unmarkierte Pfade. In einigen Tälern fanden wir bewohnte oder leerstehende Hütten vor.

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Menschen trafen wir kaum, einmal haben wir für 3 Tage am Stück sogar niemanden gesehen. Nur im Tal des Rio Sacsara passierten wir mehrere bewohnte Hütten wo wir drei oder vier Einheimische trafen. Dies war auch das einzigste Tal auf der Nordseite der Pumasillogruppe wo wir bis unterhalb der Dschungelgrenze abstiegen.

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Mittagspause am Rio Sacsara.

Die restlichen Täler waren meist offene Tussokgras-Hochtäler die von vergletscherten Gebirgsketten umgeben waren, wenn man die denn zwischen den ganzen Wolken mal sehen konnten.

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Jewgenij hatte einen so langen und abgelegenen Trek wie diesen noch nie gemacht, für ihn war diese Erfahrung neu. Wahrscheinlich hat er die Tour deshalb auch unterschätzt. In den letzten Tagen war seine Motivation ziemlich gesunken und als wir auf der Karte sahen wieviele Pässe und Höhenmeter noch vor uns liegen ist sie noch weiter geschrumpft. Immer mehr kam er zu dem Entschluss daß er aussteigen will.
Ich empfahl ihm das Tal der Quebrada Tacuyoc zum Ausstieg, also hinter dem siebten Pass. Dieses Tal bräuchte er dann nur einen halben Tag abwärtswandern bis zum Dorf Huancacalle, wo er einen Fahrweg und motorisierten Transport zurück nach Cusco vorfinden würde. Das Tal hinter dem achten Pass würde auch noch gehen, aber das wäre dann auch schon die ultimative Ausstiegsmöglichkeit. Wenn er die nicht nutzen würde gäbe es kein zurück mehr, dann müsste er bis zum Ende durchhalten.

Er entschied sich schließlich für das Tal hinter dem Pass Nr.7. Am 12 Trekkingtag trennten sich also unsere Wege. Er wanderte das Tal abwärts und abends als es schon dunkel war erreichte er Huancacalle, kurz bevor ein heftiger Regen begann der die ganze Nacht andauerte.

Die restlichen 6 Tage bin ich also alleine weitergewandert. Nach dem langen nächtlichen Regen präsentierte sich der Morgen bewölkt. Später am Vormittag klarte es auf und es wurde sonnig mit Traumpanoramen auf die vergletscherte Gebirgslandschaft mit dem 5512 m hohen Nevado Choquetacarpo.

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Heute querte ich die Pässe 8 und 9, die ziemlich dicht beieinander lagen und beide um die 4600 m hoch waren. Auch wenn der achte Pass durch wegloses alpines Gelände führte, waren sie doch mit nur 950 Höhenmeter bergauf für beide Pässe zusammen nicht allzu anstrengend. Dafür war aber die Routenfindung zum achten Pass nicht ganz eindeutig. Jemand der keine Erfahrung im weglosen alpinen Gelände hätte, könnte vielleicht Schwierigkeiten bekommen den Pass zu finden. Der Übergang liegt zwischen den Bergen 4710 und 5049, laut der topographischen 100.000er Karte.

Auf dem neunten Pass, dem Chocetacarpo Pass (4600 m), stieß ich auf einen häufiger begangenen Handelspfad der zum Dorf Yanama führte und der teils den Verlauf eines original Inkapfades folgte.

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Es ging runter ins gewaltige Canyon-Trogtal der Quebrada Otiyoc, das von hunderte Metern hohe Felstürme und Wände beflankt ist, vertikal bis teils überhängend, eine wirklich atemberaubende Landschaft, die neben dem Rio Ahobamba als zweites Top-Highlight dieses Treks durchgehen könnte.

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Leider war das Licht zum fotografieren nicht besonders gut da man bei den spektakulärsten Motiven gegen die Vormittagssonne fotografierte.

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Am Abend erreichte ich Yanama, ein kleines Indiodorf auf 3500 m Höhe. Es ist das erste Dorf seit La Playa vor 7 Tagen.

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Yanama hat, anders als die Dörfer auf dem Salcantay Trek, noch keinen Fahrweganschluss. Hier kommt man nur über tagelange Fussmärsche hin, was dem Dorf einen besonderen Charme verleiht, auch wenn es hier neben den zahlreichen Strohdachhütten auch schon einige modernere Hütten aus Wellblechdächern gibt.

Von Yanama sind es noch zwei Tagesmärsche bis zur Inkaruinenstadt Choquequirao. In einer spektakulären Routenführung windet sich der Pfad den steilen Felshang enlang über den Victoria Pass, mit atemberaubende Panoramen auf die vergletscherten 6000er der Pumasillo Gruppe sowie in die abgrundtiefen Täler des Rio Yanama, Rio Blanco und Rio Apurimac, die ich mit zu den tiefsten und grandiosesten Canyontälern des Kontinents zählen würde.

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Der darauffolgende 2200 Höhenmeter Abstieg zum Rio Blanco sowie die gesamte weitere Route bis nach Choquequirao und Apurimac Canyon war ebenfalls ein landschaftliches Top-Highlight!!

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Unten am Flussbett des Rio Blanco auf 1900 m Höhe schlug ich mein Camp auf. Es war sehr heiss in diesem tiefen engen Canyontal und es wimmelte hier nur so von Stechfliegen und Mücken.

Am nächsten Tag gings gleich wieder für 1350 Höhenmeter bergauf zum letzten Pass. Die Vegetation änderte sich, der Regenwald wurde weniger, das Land trockener und die ersten Kakteen tauchten auf.

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Auf dem Weg nach oben passierte ich die Inkaruinen von Pinchaunuyoq, die direkt in den steilen Hang gebaut wurden mit 900 m Tiefblick in den Yanama Canyon.

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Weiter oben traf ich die ersten Trekker seit 9 Tagen.

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Nun war es nicht mehr weit bis auf den letzten Pass dieses Treks. Dies war eigentlich kein Pass im eigentlichen Sinne, sondern nur ein Bergrücken zwischen den Yanama- und Apurimac Canyons die 1800 Höhenmeter unter mir lagen.

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Kurz darauf erreichte ich Choquequirao, nach 16 Trekkingtagen von Hidroelectrica. Diese Inkaruinenstadt liegt auf einem Bergrücken hoch oberhalb des Apurimac Canyons am südwestlichen Ende der Cordillera Vilcabamba. Im Aufbau und Architektur hat es sehr viel Ähnlichkeit mit Machu Picchu, ist aber deutlich kleiner.

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Dass ich das wesentlich bekanntere Machu Picchu nicht mehr als Top-Highlight bezeichnen würde, habe ich ja in meinen Bericht zum Trek Nr.5 (Cerro Putucusi) schon geschrieben,.....aber Choquequirao ist definitiv eins!! Andere Leute scheinen dies genauso zu sehen: Wir haben während unserer Perureise einige Rucksacktouristen getroffen die in Machu Picchu UND Choquequirao waren und davon haben alle erzählt daß Choquequirao wesentlich lohnender war!
Choquequirao ist aber auch kein Geheimtip mehr, es steht ja schon in jeden Reiseführer drin und gehört mittlerweile auch mit ins Standartprogramm jeder Trekkingagentur von Cusco. Rein von der Ruinenanlage bewertet ist Machu Picchu natürlich imposanter, aber das Besondere an Choquequirao ist eben dass dort noch keine Straße hinführt und dass es dort noch nahezu ursprünglich und unkommerziell ist, ohne die Menschenmassen und den ganzen Touristenschnickschnack wie in Machu Picchu. Choquequirao ist zum Glück nur zu Fuß erreichbar. Wer den direktesten und schnellsten Weg auf der Hauptroute von Cachora aus wählt braucht dafür 3 bis 4 Tage für den Hin- und Rückmarsch.

Was die umgebene Landschaft betrifft, da ist Machu Picchu UND Choquequirao grandios: In Machu Picchu blickt man von der Ruinenanlage 400 m tief ins kurvige dschungelige Urubambatal, und in Choquequirao schaut man direkt 1500 m tief runter in den Apurimac Canyon!

Den gesamten restlichen Nachmittag bin ich hiergeblieben und durch die Ruinen geschlendert. Nur 5 bis 10 andere Leute waren hier. In einem Buch hatte ich zwar gelesen dass man hier 10 Soles Eintritt zahlen muss (im Gegensatz zu 125 Soles für Machu Picchu!!), aber ich habe niemanden gesehen der Geld einkassiert hat. Auch auf den nebenan liegenden Campingplatz konnte man anscheinend umsonst campen, denn auch dort kam niemand zum abkassieren vorbei.

Von Choquequirao sind es nur noch 32 km nach Cachora, meinem Trekende, auf einen breiten ausgebauten Hauptpfad. Normalerweise müsste so eine Strecke auf einen so guten Pfad locker in einem Tag zu schaffen sein. Das Problem ist aber dass zwischen Choquequirao und Cachora der Apurimac Canyon liegt, d.h. man muss erstmal 1600 Höhenmeter absteigen in den Canyongrund und dann auf der anderen Seite fast das gleiche nochmal wieder bergauf. Deshalb wird diese Strecke normalerweise in zwei Tagen gemacht. Nur wer sich ein Pferd zum reiten gemietet hat macht es in einem Tag.

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Auf dieser Route kommen mir mehrere Trekkinggruppen entgegen, das meiste organisierte Touren mit Packesel, Führer usw....

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Unten am Rio Apurimac ist es sehr heiss und trocken, eine felsige Landschaft mit Büschen und Kakteen, dazu der türkisblaue Fluss.

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Mit nur 1500 m Höhe ist dies die tiefste Stelle des gesamten Treks seit meinem Start vor 18 Tagen in Hidroelectrica, das 1800 m hoch liegt und die zweittiefste Stelle des Treks war.

Auf der anderen Flussseite steigt der Pfad wieder nach oben.

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Auf halbem Weg oben campe ich bei der bewohnten Hütte von Samana Wasi. Am nächsten Morgen wanderte ich dann die restlichen 16 km nach Cachora, wo mein Trek endete.

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Morgenstimmung beim Aufstieg.

Die letzten 11 km führten auf einen schmalen Fahrweg. Im kleinen Ort Cachora fand ich relativ schnell ein Fahrzeug, das auf einer Schotterpiste den Berg hochfuhr bis zur Hauptstraße zwischen Ajacucho und Cusco. Hier brauchte ich dann nicht mehr lange warten bis ein Bus vorbeikam der nach Cusco fuhr, das ich nach 3 Stunden Fahrt erreichte. Hier traf ich Jewgenij dann wieder.

FAZIT: dieser Trek steht zusammen mit dem Vilcanota Trek, den kanadischen Rockies, sowie einigen langen Neuseelandtreks mit auf meiner Liste der besten Treks die ich je gemacht habe;-)

Ehemaliger
18.06.2011, 17:13
5sterne

Ich sehe, dass Ihr oft mit einem zusätzlichen kl. Frontrucksack gelaufen seid. Ist das bequem (oder war das eher eine Notlösung, da in den grossen Rucksack nicht alles reinging)?

berniehh
18.06.2011, 18:59
Für mich ist das eher Gewohnheit, da ich immer so laufe. Natürlich ist es ganz am Anfang eines längeren Treks auch Notwendigkeit, da zusammen mit den ganzen Proviant sonst nicht alles in den grossen Rucksack reinpasst. Aber auch wenn der dann leerer wird trage ich immer noch meinen Frontrucksack. Da habe ich dann die Kamera und paar andere wichtige Dinge drin, damit ich nicht für jedes Foto erst in den grossen Rucksack rumkramen muss.

berniehh
04.07.2011, 21:58
Trek 7 El Choro Trek// Bolivien

3 Tage

Oktober 2010

Von Cusco sind wir mit dem Bus wieder zurück nach La Paz/Bolivien gefahren und haben uns dort in einem billigen Hostel einquartiert.

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Jewgenij´s Reisezeit neigt sich langsam dem Ende zu, es sind nur noch 7 Tage bis zu seinem Heimflug. In dieser Zeit wollte er noch gerne einen Regenwaldtrek machen und genau das hatten wir eigentlich auch geplant. Den Madidi Nationalpark im bolivianischen Amazonastiefland hatten wir dafür vorgesehen, mit Rurrenabaque als Ausgangspunkt.
Jewgenij´s knappe Zeit stellte uns aber vor einem grossen Problem: die komplette Tour musste ja noch geplant werden, topographische Karten müssen besorgt werden, Proviant einkauft werden und ich hatte mir ja noch nicht einmal eine genaue Route für die Tour ausgedacht. Für die Hin- und Rückreise von La Paz nach Rurrenabaque würden auch nochmal mindestens zwei Tage bei draufgehen. Es blieben uns also nur noch wenige Tage für den Trek. Ausserdem wollte Jewgenij auch nicht gerade auf dem letzten Drücker zurück in La Paz sein, da er vor seinem Abflug noch einige Tage in der Stadt verbringen wollte. Ich habe schon gleich geahnt dass dies in einen Riesenstress ausarten würde.

Mit einer so knappen Zeit einen Regenwaldtrek im Madidi Nationalpark zu starten würde eigentlich nur dann Sinn machen wenn wir zu einer Agentur gehen und eine Tour buchen würden, aber genau das wollten wir nicht. Auf eine Pauschaltour hatten wir nämlich erstens keinen Bock, sowas entspricht auch nicht meinem Reisestil und zweitens würde uns so eine geführte Tour um ein mehrfaches teurer werden als eine selber geplante Tour. Ein Regenwaldtrek durch den Madidi Nationalpark fiel unter diesen Umständen also flach.

Stattdessen entschieden wir uns für den El Choro Trek.
www.trekking.magix.net
Der El Choro Trek wird auch als Inkatrail Boliviens bezeichnet. Es ist eines der bekanntesten Treks des Landes, der in jedem Buch drinsteht und auch noch ganz in der Nähe von La Paz startet. Das schien uns der ideale Trek zu sein wenn man nur noch wenige Tage Zeit hat. Auf einen alten Inkapfad wandert man von einen 4880 m hohen Andenpass runter bis auf 1390 m in einen engen Bergregenwaldtal der Yungas.

Dies ist ein leichter Trek der fast nur bergab führt. Den El Choro Trek braucht man nicht planen, man wandert einfach nur los und gut ist. Topographische Karten sind auch nicht notwendig, die Routenskizze im Lonely Planet reicht vollkommen aus.
Also nur schnell Proviant für 3 Tage einkaufen, das ging razzfazz innerhalb von einer Stunde und dann könnten wir schon gleich am nächsten Morgen starten. So haben wir es dann auch gemacht. Wir wollten den Bus nach Coroico nehmen und nach etwa 30 km am La Cumbre Pass aussteigen, wo der Trek beginnt.

Als wir am nächsten Morgen im Stadteil Fatima ankamen, vonwoaus die Busse nach Coroico abfahren, erwartete uns jedoch eine böse Überraschung: Cocabauern hatten auf halbem Weg zwischen La Paz und Coroico die Strasse blockiert. Die Strecke war also nun für Fahrzeuge unpassierbar, es fuhren auch keine Busse mehr in die Richtung. Wenn wir es richtig verstanden hatten gab es wohl eine Gesetzesverschärfung gegen den Coca-Anbau, und dagegen haben sie demonstriert. Strassenblockaden sind ja nichts ungewöhnliches für Bolivien und die Polizei scheint machtlos dagegen zu sein. Als wir bei der Polizei und bei Angestellten der Busgesellschaften nachgefragt hatten wann die Strasse denn wieder frei wäre, lautete die Standartantwort "mañana" (=morgen), was soviel heisst wie: vielleicht ist die Strasse morgen ja wieder frei, vielleicht aber auch nicht, im Prinzip weiss das keiner so genau, momentan gibt es jedenfalls keine Möglichkeit nach Coroico oder in die Richtung zu kommen. Na toll!!

Uns blieb also nichts anderes übrig als wieder zurück Richtung Hostel zu marschieren. Wenn wir heute nicht loskommen verlieren wir einen ganzen Tag und falls die Strasse morgen immer noch blockiert sein sollte können wir den Trek womöglich ganz knicken. Ich wollte mich jedenfall nicht darauf verlassen dass die Strasse morgen wieder frei ist. Daher kehrten wir kurzentschlossen wieder um, schlenderten durch die lebhafte Marktstrasse und fragten bei jedem Fahrzeug, das wir am Strassenrand sahen, nach, ob es in Richtung Coroico fahren würde. Zwei Strassenblocks weiter hatten wir endlich Glück. Ein Taxi wollte bis kurz vor die Straßenblockade fahren und war bereit uns bis zum La Cumbre Pass mitzunehmen.

Wir quetschten uns und unser Gepäck zusammen mit paar anderen Einheimischen ins enge Auto rein und dann gings auch schon los. Als wir die Stadtgrenze erreicht hatten bog das Auto plötzlich von der Hauptstrasse runter auf einen schmalen und sehr holperigen Fahrweg, um dann paar Kilometer weiter wieder zurück auf die Hauptstrasse zu kommen. Wir fragten was das sollte und der Fahrer antwortete es gäbe dort vorne eine Polizeikontrolle in die er nicht reingeraten wolle.

Gegen Mittag kamen wir schliesslich auf den 4670 m hohen La Cumbre Pass an, wo der Trek startet. Wir stiegen aus und wanderten dann auch gleich los. Der El Choro Trek ist 52 km lang.

Für die ersten 3 km folgten wir einen schmalen Fahrweg hoch zum 4882 m hohen Abra Chukura, dem höchsten Pass des Treks, den wir auch ziemlich schnell erreichten.

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Es war neblig so dass uns die schöne Aussicht verwehrt blieb. Hier oben endete glücklicherweise der Fahrweg und es ging auf einen breiten vielbegangenen Inkapfad runter in ein karges wolkenverhangenes Hochtal. Dann fing es an zu regnen und erst nach paar Stunden hörte es wieder auf. Wir wanderten an zahlreichen bewohnten Hütten vorbei und durch paar kleine Dörfer auf etwa 4000 m Höhe. Verglichen mit den ganzen anderen Gegenden, die ich vier Wochen zuvor in der Cordillera Real durchwandert hatte, war dieses Tal relativ dicht besiedelt.

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Der Inkaweg war an vielen Stellen gepflastert und an einigen Stellen sah er schon fast so aus wie eine deutsche Kopfsteinpflasterstrasse. Wir fragten uns wofür die Inkas, die weder Zugtiere noch Räder kannten, solche breiten Wege brauchten.

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Das Tal fällt permanent leicht ab und hinter dem Dorf Chukura unterschritten wir die 3600er Marke. Ab nun wurde das Tal deutlich grüner und dschungeliger, weiter unten auch enger.

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Die Siedlungsdichte nahm ab und am Abend erreichten wir die Paarhüttensiedlung Cha´llapampa auf 3050 m Höhe, wo wir direkt am Fluss unser Zelt aufschlugen.

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Da dieser Trek ja so bekannt ist und ihn auch jede Trekkingagentur von La Paz im Angebot hat, hatten wir eigentlich erwartet hier jede Menge Wanderer zu treffen. Deshalb haben wir uns auch sehr gewundert daß wir auf dem gesamten Trek keinen einzigen Trekker gesehen haben! Bei unserer ersten Campstelle in Cha´llapampa erzählten uns die Einheimischen dass vor zwei Tagen der letzte vorbeigekommen sei. Naja, die Haupttrekkingsaison war zwar schon seit anderthalb Monaten vorbei, vielleicht lag es ja auch mit an der Strassenblockade.

Am nächsten Vormittag wanderten wir erst spät los und für die ersten 8 km bis zur Paarhüttensiedlung Choro regnete es. Danach klarte es auf und in einer Hüttenruine am Fluss machten wir Mittagspause.

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Der gesamte untere Abschnitt des El Choro Treks, also ab Cha´llapampa abwärts, ist der landschaftlich schönste Teil des Treks. Das Tal ist eng, teils schluchtig, und mit dichte Bergregenwäldern bestanden.

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Der Pfad ist wesentlich schmaler wie gestern, er windet sich meistens weit oberhalb des Flusses die steilen Hänge entlang. Einige Anstiege mussten zwar überwunden werden, aber im grossen und ganzen ging es bergab.

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Einige bewohnte Hütten passierten wir während des Tages, aber insgesamt war der untere Teil des Tales wesentlich dünner besiedelt wie der obere Teil von gestern. Nach 16 km von Cha´llapampa erreichten wir gegen abend auf 2000 m Höhe die Hütte von San Francisco. Ein freundlicher älterer Mann wohnte hier, wir durften neben seiner Hütte unser Zelt aufschlagen.

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Der Mann erzählte uns dass die Strassenblockade noch immer nicht aufgehoben ist, und daß es deshalb momentan noch schwierig sei zurück nach La Paz zu gelangen.

Über Nacht hat Jewgenij sich dann ganz plötzlich in den Kopf gesetzt, daß er vor seinem Heimflug nochmal schnell nach Copacabana an den Titicacasee will. Deshalb hat er schon um 7 Uhr in der Frühe fast fluchtartig das Camp verlassen. Er wollte ohne Pause durchmarschieren und auf jeden Fall noch heute in La Paz ankommen und möglichst noch am selben Tag weiter nach Copacabana.

Ich dagegen hatte es nicht so eilig, auch am letzten Trekkingtag wollte ich mir noch genügend Zeit zum fotografieren nehmen. Mir reichte es wenn ich heute in Coroico übernachte und dann morgen zurück nach La Paz fahre, daher habe ich Jewgenij auch alleine losziehen lassen.

Nach 16 km Wanderung erreichte ich auf 1390 m Höhe das kleine Dorf Chairo. Hier beginnt ein schmaler Fahrweg und der Trek endet. Alles im Allem war dies ein super Trek!

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Chairo soll ein Touristen-Abzocke-Dorf sein. Normalerweise stehen hier wohl Fahrzeuge bereit die die El Choro Trek Wanderer für einen Wucherpreis ins 25 km entfernt liegende Coroico fahren. Jedenfalls steht es so in den Reiseführern drin.

Ich habe aber kein einziges Auto hier gesehen, überhaupt schien das ganze Dorf fast ausgestorben. Nur eine einheimische Frau sah ich, und die fragte ich dann auch gleich mal nach einer Transportmöglichkeit. Kurze und knappe Antwort: Wegen der Strassenblockade gibt es hier momentan keine Fahrzeuge.

Es blieb mir also nichts anderes übrig als zu Fuss zu gehen, obwohl ich eigentlich keine Lust hatte auf dem Fahrweg zu wandern. Nach 7 bis 8 km erreichte ich das nächste Dorf Pa Kollu. Hier stand ein Auto am Wegrand, es gehörte dem Ladenbesitzer. Er bot an mich für 30 Bolivianos (=3 Euro) ins 8 bis 9 km entfernte Yolosita zu fahren, von dort gäbe es dann Micros nach Coroico. Das nahm ich gerne an. Nach paar Kilometern bogen wir auf die asphaltierte Hauptstrasse von La Paz nach Coroico. Ab hier lag schon alles mögliche auf der Strasse rum, von herumliegenden Ästen bis hin zu Steinen und Felsbrocken, obwohl die eigentliche Blockade noch 50 km von hier entfernt liegt. Der Fahrer fuhr noch ein Stückchen weiter, hielt dann an und bat mich auszusteigen. Die letzten ein bis zwei Kilometer müsse ich zu Fuss gehen da er Angst hatte weiterzufahren.

Naja, ich kam aber gut in Yolosita und Coroico an.
Abends im Hostel fragte ich mich natürlich wie es Jewgenij wohl ergangen ist. Ob er es durch die Straßenblockade geschafft hat und schon in La Paz oder Copacabana ist??

Von Coroico gibt es Strassenverbindungen in zwei Richtungen, die eine führt nach La Paz und die zweite runter ins Amazonastiefland. Beide Richtungen waren blockiert, Coroico war also quasi fast von der Aussenwelt abgeschnitten.
Am nächsten Morgen wollte ich mich dann auf dem Weg ins 100 km entfernte La Paz machen. Zurück nach Yolosita bin ich schnell und problemlos gekommen, aber dann wurde es schwieriger.

Trotz Blockade konnte man aber dennoch durchkommen. Mutige Bus- LKW- und Taxifahrer oder Privatleute mit Auto wittern hier ihr Geschäft. Sie fahren bis kurz vor der Blockade ran, dann muss man zu Fuß da durchmarschieren und ein bis zwei Kilometer hinter der Blockade warten dann andere Fahrzeuge die nach La Paz weiterfahren. Natürlich muss man dafür ein mehrfaches von dem zahlen was Busfahren sonst in Bolivien kostet. In Yolosita versammelten sich die ganzen Einheimischen die nach La Paz wollten. Sobald ein Fahrzeug bereitstand stürzten sich haufenweise Leute darauf, es gab ein Geschiebe und Gedränge, man musste dann schnell zusehen daß man einen Platz abbekommt wenn man nicht ewig lange hier rumhängen will.
Ich bin schließlich in einen alten klapprigen Indiobus mitgekommen. Der Fahrer hielt es wohl für sicherer nicht die Hauptstrasse zu nehmen. Er entschied sich für die Nebenstrecke, der sogenannten "Todesstrasse", die in allen Büchern als gefährlichste Strasse der Welt bezeichnet wird, was die vielen Kreuze an fast jeder Kurve auch beweisen. Vor Jahren war dies noch die Hauptstrassenverbindung, aber seit Eröffnung der neuen Straße wird diese Strecke heute normalerweise fast nur noch von Mountainbikern benutzt. Diverse Agenturen in La Paz bieten dies als "60-km-downhill-thrill" an von 4500 m Höhe bis runter auf 1200 m. Die Piste schlengelt sich für bestimmt 20 Kilometer die vertikalen Regenwaldhänge entlang und ist gerade mal breit genug für ein Fahrzeug. Wenn man aus dem Busfenster schaut blickt man hunderte von Metern vertikal den Abgrund runter, diese Strecke ist nichts für Leute mit schwachen Nerven!

Vor der Hauptblockade stiess die Piste dann wieder auf die Hauptstrasse. Ein bis zwei Kilometer vor der Blockade hielt der Bus an und alle Passagiere musssten austeigen und zu Fuss weiter. Schon hier war die Strasse mit Steinwaelle und Felsbrocken blockiert.

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Danach standen haufenweise LKWs kreuz und quer ueber der Strasse und alles war voll mit Zelten in denen die Cocabauern seit Tagen campten. Ich bin da gut durchgekommen,....ausser ein paar blöde Kommentare habe ich nichts abbekommen.

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Abends war ich dann endlich in La Paz und bin wieder ins gleiche Hostel zurückgegangen. In der Abstellkammer des Hostels fand ich einen Teil von Jewgenij´s Gepäck. Das heisst also dass er gestern schon hier gewesen sein muss und demzufolge anscheinend auch gut durch die Blockade kam.

Am nächsten Tag kam er dann aus Copacabana zurück. Dann hat er mir erstmal seine abenteuerliche Geschichte erzählt wie er durch die Blockade kam.

Im nachfolgenden ein Auszug aus Jewgenij´s Tagebuch hier reinkopiert:



An der Strassenblockade angekommen, wurden wir von den Cocarillos mit Riemen und selbstgebündelten Peitschen empfangen begrüß. Sie schlugen auf das Auto und meinten: „Blockade, fahr zurück!“ Dank des Verhandlungsgeschicks unseres Fahrers durften wir die Türen öffnen und auf die andere Seite der Blockade laufen. Etwas mulmig war mir schon.

Wir gingen die Straße längs, sie war ca. 2km lang. Da lag alles Mögliche auf der Straße, war kaum zu übersehen, dass es eine Straßenblockade sein sollte.

Wir kamen an eine Stelle, wo kurz vor unserer Gruppe die Coca - Demonstranten durchmarschiert sind. Nun plötzlich setzte sich ein auf die Stelle, hebt die Hand und meinte „kein Durchgang“. Dieser hat gesehen, dass da ein Weißer angekrochen kommt und meinte hier irgendjemanden irgendwas beweisen zu müssen. Es lag wirklich keine friedliche Stimmung in der Luft. Die blieben mir zwar vom Leib, doch immer wieder hörte ich „Gringo!“. Gut, den Rest habe ich nicht verstanden – besser so.

Ich schaffe es ohne entführt zu werden in das Taxi nach La Paz zu kommen.

Doch so ganz war die Sache nicht überstanden. Ich stieg in das Taxi.....

Der Fahrer fuhr los und gleich hinter der ersten Kurve stießen wir auf die ersten teilsverbarrickadierten Stellen auf der Straße. Etwas weiter, sah ich einen Coca-Typen oben auf dem Berg stehen. Da unsere Straße in Serpentinen längs führte hatte man keine großen Ausweichmöglichkeiten. Und was macht der Coca – Arsch. Er stößt ein paar kleine Felsbrocken von oben. Die waren zwar nicht Meter hoch. Doch möchte ich mir nicht verstellen, wenn die Dinger mit der Wucht sich durch die Fensterscheibe bohren. Der Fahrer hielt an, machte das Radio leiser, brüllte aus dem Fenster, und fuhr wieder los. Kurz hinter uns fielen dann wieder die Brocken. Wir kamen in eine Kurven rein und da war wieder so ein Coca-Typ dabei mit dem Bagger die Strasse mit Schutt zu verbarrickadieren. Als wir direkt an ihm vorbei gefahren waren, da hat er ein Grinsen hinterhergezogen.

Ich kam in La Paz – Fatima an.

Ehemaliger
04.07.2011, 22:32
Es bleibt spannend ; )

berniehh
23.07.2011, 19:52
Trek 8
Valle de las Ánimas// Bolivien

Tageswanderung
18.Oktober 2010

Bevor ich zum nächsten Trek aufbreche wollte ich noch eine Tageswanderung hier bei La Paz machen. Das Valle de las Ánimas hatte ich mir dafür ausgesucht.
www.trekking.magix.net
Durch Google Earth bin ich auf das Gebiet aufmerksam geworden.

Das Valle de las Ánimas ist das Canyonland von La Paz, direkt am östlichen Stadtrand gelegen. Es ist eine landschaftlich überaus grandiose Gegend und ein super Abenteuerrevier für eine Tagestour. Tausende erodierte Felsspitzen und Nadeln erheben sich hier auf einer Fläche von dutzenden Quadratkilometern, dazwischen zieht sich ein Labyrinth aus engen Canyons durch.

An einem Nachmittag im Internetcafe hatte ich mir auf Google Earth meine Wanderroute ausgearbeitet. Jetzt brauchte ich also nur noch eine Karte und dann konnte es losgehen. Brauchbare Karten scheint es aber nicht zu geben, jedenfalls habe ich keine gefunden. Auf dem Stadtplan von La Paz war auf einer Nebenkarte zwar das Valle de las Ánimas abgebildet und diese Karte würde auch ausreichen falls man vorhätte nur die beiden Hauptcanyontäler des Rio Ovejuyo und der Quebrada Negra zu bewandern. Für meine geplante Route war diese Karte jedoch völlig unbrauchbar!
Dann bin ich zum Instituto Geografico Militar gegangen und habe mir die topographische 50.000er Karte angeschaut. Auch diese Karte schien mir für meine Route nicht geeignet zu sein, da die schroffe Topographie und das enge Canyonlabyrinth auf ihr nicht abgebildet war.

Die besten Karten von diesem Gebiet schienen mir Satellitenbildausdrucke von Googel Maps zu sein und die habe ich mir im Internetcafe dann auch angefertigt.

Die Anreisezeit mit dem Micro vom Stadtzentrum La Paz´s (Plaza San Francisco) zu meinem Wanderstartpunkt im Stadteil Achumani betrug eine Stunde, mit zweimal umsteigen.
Jewgenij wollte nicht mitkommen, da er die letzten beiden Tage seine Reise mit Einkäufe hier in La Paz verbringen wollte. Ich hatte am Morgen auch noch einige Vorbereitungen für meinen nächsten Trek zu erledigen, so daß ich erst gegen Mittag an meinen Wanderstartpunkt ankam. Bei den letzten Häusern von Achumani begann meine Route.

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Bin dann gleich in den ersten Canyon reingewandert und diesen bis zum Ende aufwärts gefolgt.

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Im Zickzack habe ich das Gebiet durchquert, meine Route führte durch 5 verschiedene Canyons. Um von einen Canyon in den nächsten zu kommen mussten kleine Bergrücken, Pässe oder gezackte Kämme überquert werden. Von diesen Kämmen oder Bergrücken war die Aussicht besonders überwältigend über ein Meer aus gezackten Felsnadeln.

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Das Valle de las Ánimas hat eine große Ähnlichkeit mit dem in La Paz sehr bekanntem Valle de la Luna, ist aber mehr als zwanzig Mal so groß.
Während man das Valle de la Luna auf einen ausgebauten vielbegangenen Touristenpfad in einer halben Stunde durchwandern kann, könnte man im Valle de las Ánimas einen ganzen Tag oder länger unterwegs sein.

Touristen habe ich im Valle de las Ánimas keine gesehen. Das Gebiet wird aber regelmäßig von Bauern durchstreift, die auf dem Weg zu ihren winzigen Feldern sind, die hier überall verstreut zwischen den Felsnadeln an den kargen steilen Hügelhängen geklebt sind. Daher findet man hier auch viele unmarkierte schmale Pfade, die oft nur wenig und in den Canyons meistens garnicht mehr erkennbar sind.

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Mit meinen Google-Maps Satellitenbildausdrucken wußte ich zwar immer wo ich gerade bin, aber trotzdem kam es immer wieder vor daß ich mich in dem steilen unübersichtlichen Gelände festgelaufen habe. Aus einigen Canyons gab es keine Ausstiegsrouten und von einigen Pässen/Bergrücken fiel der Abstieg vertikal ab. Das heißt also ich endete öfters mal in Sackgassen, musste wieder umkehren um mir eine andere Route zu suchen und das kostete natürlich Zeit.

Aufgrund meines späten Starts hatte ich bis zum Abend natürlich nicht alles von meiner geplanten Route geschafft. Da es bald anfing dunkel zu werden bin ich am Rio Ovejuyo erstmal ausgestiegen und zurück in die Stadt gefahren. Am nächsten Tag wollte ich dann den Rest wandern.

Der Wiedereinstieg am nächsten Tag hat sich jedoch mal wieder verzögert. Am Vormittag musste ich noch die bestellten IGM-Karten von meinen nächsten Treks abholen und das hat etwas länger gedauert. Naja, gegen 14 Uhr war ich dann wieder am Rio Ovejuyo.

An diesem Tag habe ich nur eine relativ kleine Runde gedreht. Bin auf den Bergrücken zwischen Rio Ovejuyo und Quebrada Negra gestiegen und über einen anderen Canyon wieder zurückgewandert. Ursprünglich wollte ich zwar in die Quebrada Negra absteigen, aber aufgrund vertikaler Felsabstürze habe ich da keine Abstiegsroute gefunden. Naja, die Aussicht hier oben vom Bergrücken war dennoch absolut atemberaubend und zählt mit zu den Höhepunkten der gesamten Wanderung. Überhaupt finde ich dass diese Wanderung mit zu den besten Tageswanderungen zählt die ich jemals gemacht habe.

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Vom Bergkamm blickte man runter in das bizarre kurvige Canyonlabyrinth

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Meine gesamte Wanderroute (von heute und gestern zusammen) war etwa 16 bis 17 km lang und hat zehneinhalb Stunden gedauert.
In den zehneinhalb Stunden waren enthalten:
1) die Wanderzeit
2) genügend Zeit zum Gegend anschauen und fotografieren. Hammer Fotomotive findet man hier nämlich fast jeden Meter.
3) wie schon oben erwähnt die benötigte Zeit für Routenauskundschaftung.

Die Rückfahrt vom Stadtteil Ovejuyo ins Zentrum von La Paz dauert, wie die Hinfahrt auch, etwa eine Stunde. Micros fahren permanent, man braucht sich nur an den Straßenrand zu stellen und das nächste vorbeikommende Fahrzeug anhalten. Der Preis beträgt umgerechnet zwischen 15 bis 20 Cent pro Fahrt.

peter-hoehle
19.08.2011, 10:21
Jetzt habe ich auch die Zeit gefunden,weitere Teile dieses Reiseberichtes
zu lesen.Ein Highligt nach dem anderen.....ganz großes Kino.
5sterne

Gruß Peter

berniehh
25.08.2011, 21:29
Da ich ja Ende letzter Woche erst von einem Trek zurückgekehrt bin und deshalb zwei Wochen nicht am Rechner war, hat es mit der Fortsetzung so lange gedauert. Aber nun geht es ja weiter....

Trek 9

Mapiri Trek // Bolivien

6 Tage

Oktober 2010

Der Mapiri Trek ist Abenteuer pur. Von allen Treks die im Bolivienbuch von Lonely Planet stehen ist dieser Trek wohl der härteste aber meiner Meinung nach auch der lohnenste. Es ist ein phantastischer Trek, der von den Anden runter in den Regenwald führt.
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Aber der Reihe nach:
Einen Tag nach meiner Wanderung durch das Valle de las Ánimas ist Jewgenij zum Flughafen gefahren um seinen Heimflug anzutreten. Ich habe am Morgen noch die letzten Besorgungen für den Mapiri Trek erledigt und dann bin ich auch abgehauen nach Sorata, das liegt 3 Stunden Busfahrt von La Paz entfernt. Am Nachmittag kam ich dort an.

Sorata ist eine kleine und bei Rucksacktouristen beliebte Stadt am Fuße des vergletscherten Nevado Illampu in der Cordillera Real. Da es bewölkt war sah man vom Berg aber leider nichts. Bis zum kleinen Dorf Ingenio, wo der Mapiri Trek startet, sind es noch über 3 Stunden Geländewagenfahrt von Sorata entfernt. Das nächste Fahrzeug fährt aber erst am nächsten Morgen dorthin, so habe ich mich hier in Sorata in einer billigen Unterkunft einquartiert.

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Gegen 9 Uhr am Morgen fuhr der Geländewagen ab. Die Fahrt kostete umgerechnet etwa 4 Euro pro Person. Die schmale holperige Piste windete sich durch die karge Gebirgslanschaft und über 2 Pässe. Die Landschaft ist vermutlich beeindruckend, aber wegen Wolken und Nebel sah man leider nichts. Die Fahrt führte durch einige triste Bergdörfer mit einem Hauch von Minenatmosphäre.

Mittags kam ich in Ingenio an, einem Minendorf im Tal des Rio Yani auf 3500 m Höhe. Hier habe ich dann noch einige Einheimische von meinem Vorhaben erzählt, in der Hoffnung vielleicht noch einige nützliche Informationen über den Mapiri Trek zu erhalten. Ich hatte nämlich kein GPS-Gerät dabei und nur eine sehr schlechte 250.000er Karte auf der die Route noch nicht einmal eingezeichnet war. Bessere Karten waren in La Paz von dieser Gegend nämlich nicht zu bekommen.
Von den Leuten die ich befragt hatte ist ganz sicher noch nie jemand persönlich diese Route gegangen, aber trotzdem schien sie jeder zu kennen, denn es hagelte nur so vor Warnungen: Ich würde den Pfad alleine ohne Führer niemals finden, der Regenwald ist viel zu dicht, der Weg ist zugewachsen, man braucht eine Machete, es gibt gefährliche Tiere, und und und......

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Ingenio ist nicht gerade ein Dorf in dem ich mich unnötig lange aufhalten möchte und eigentlich wollte ich auch gleich loswandern. Weil es aber schon recht spät war und das Wetter schlecht, entschied ich mich hier für die Nacht zu bleiben und erst morgen früh zu starten. Am Ortsrand wild campen wollte ich aus Sicherheitsgründen jedoch nicht, also habe ich mich auf die Suche nach einer Unterkunft gemacht.

In den Fotokopien, die ich mir vor der Reise aus dem Lonely Planet gemacht hatte, den ich aus der Bücherei in Hamburg geliehen hatte, stand daß es hier ein paar einfache Unterkünfte geben sollte. Davon habe ich aber keine gefunden.

Einheimische, die ich auf der Straße befragt hatte, wiesen mir zu einer ominösen Unterkunft, angeblich der einzigsten hier im Ort. Ein Schild stand da schonmal nicht, von aussen war also nicht erkennbar dass dies eine Unterkunft sein sollte. Nachdem ich die Betreiberin ausfindig gemacht hatte, checkte ich hier ein. Das war die schlechteste Unterkunft auf meiner gesamten Reise und absolut nicht zu empfehlen!
Es gab hier keine Toilette und eine Dusche schon mal garnicht, sogar noch nicht mal ein Wasserhahn zum waschen. Zum kacken musste man 20 m den Hang runter zum Fluss, dort lag alles voller Müll und man musste aufpassen daß man nicht in die Scheiße von anderen Leuten tritt die hier auch überall zwischen den Müll herumlag.

Schlimmer fand ich jedoch daß die Zimmertür nicht abschließbar war. Es gab keinen Schlüssel dafür und es befanden sich auch keine Haken an der Tür wo ich mein eigenes Schloss hätte anbringen können. Eine nicht abschliessbare Zimmertür wäre ja noch akzeptabel solange das Zimmer zu einem Hausflur führt. Aber die Zimmertür führte direkt nach draußen zur Straße und sowas geht gar nicht, da hätte jeder Dorfbewohner von der Straße aus direkt ins Zimmer kommen können.
Die Betreiberin meinte zwar da wird schon keiner reinkommen, aber getraut habe ich der Sache nicht und ich fühlte mich jedesmal unwohl dabei wenn ich draußen rumspazierte und im Zimmer mein vollbepackter Rucksack stand.

Für diese Bruchbude wollte die Betreiberin 20 Bolivianos pro Übernachtung haben.
Das sind zwar nur umgerechnet zwei Euro, aber in Mapiri habe ich für den gleichen Preis ein ordentliches Zimmer mit Badbenutzung und Dusche bekommen und in Sorata für nur 5 Bolivianos mehr ein richtiges Luxuszimmer.

Am späten Abend als ich schon kurz vor dem Einschlafen war kamen plötzlich zwei einheimische Männer ins Zimmer rein und legten sich in die beiden freien Betten, die sich noch in dem Zimmer befanden, zum schlafen. Ich habe sie nur kurz gegrüßt und sonst nicht viel mehr gesagt weil ich müde war, vermutlich waren es Minenarbeiter. Als ich am nächsten morgen aufstand waren sie schon längst wieder weg.

Nach dem Frühstück wanderte ich dann endlich los. Am Dorfrand verließ ich den Fahrweg, querte auf einer primitiven Brücke rüber zur anderen Flußseite wo ich auf einen wenig begangenen Pfad stieß, dem Beginn des Mapiri Treks. Der Pfad folgt für ein Stück den Fluß abwärts und biegt dann nach links in ein sehr enges Gebirgstal rein.

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Der MAPIRI TREK ist ein über 1000 Jahre alter Pfad aus der Vor-Inkazeit, der heute von den Einheimischen so gut wie nicht mehr benutzt wird. Die Route führt von den Anden runter in den Regenwald.
Im Unterschied zum El Choro Trek, der durch Dörfer und an bewohnte Hütten vorbeiführt, führt der Mapiri Trek weitgehend durch unbewohnte Wildnis. In den gesamten 6 Tagen dieses Treks habe ich keine einzigen Menschen gesehen und bin auch an keiner bewohnten Hütte vorbeigekommen.

Der Pfad führt hoch zum ersten Pass auf etwa 4000 m Höhe und bleibt dann für die nächsten zwei Tage in der alpinen Tussokgraszone oberhalb der Waldgrenze, dabei ständig leicht rauf und runter über mehrere kleine Pässe und oben die Bergkämme entlang.

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Im Gegensatz zum El Choro Trek, der ganz am Anfang über einen Pass führt aber sonst bis zum Ende nur unten im Tal verläuft, bleibt der Mapiri Trek auf seiner gesamten Länge oben auf den Bergkämmen, wobei sich natürlich super Blicke runter in die Täler bieten, falls mal keine Wolken die Sicht versperren, was in dieser Gegend aber ziemlich häufig der Fall ist.
Die meiste Zeit während der ersten zweieinhalb Trekkingtage befand ich mich im wahrsten Sinne des Wortes über den Wolken mit permanent atemberaubende Panoramen und Fotomotive vom unter mir liegenden Wolkenmeer, das die tiefen Regenwaldtäler darunter verdeckte.

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Paar Rinder weideten hier, also scheinen hin und wieder mal Hirten hier hochzukommen. Die Route wirkte zwar kaum begangen, aber die Konturen und die Steinarbeiten dieses über 1000 Jahre alten Pfades waren noch gut zu erkennen. Die Orientierung war daher nicht allzu schwierig, jedenfalls hier am Anfang noch.

An paar Stellen gab es zwar Pfadabzweigungen oder der Weg war zeitweise gar nicht mehr erkennbar, dann habe ich halt mit Hilfe der Karte überlegt wo ungefähr der Weg weiterverlaufen könnte, und so habe ich die richtige Route immer wieder gefunden.

Als ich am Abend des ersten Tages meinen Rucksack ablegte um die Gegend nach einer Campmöglichkeit abzusuchen kam da ein Fuchs an, der mich und meinen Rucksack ständig mit etwas Abstand umkreist hat und dabei langsam immer näher rankam. Ob er hungrig war und an mir oder meinen Gepäck Essen witterte??Am Anfang fand ich das noch interessant wegen Fotos schiessen, dann wurde er aber immer aufdringlicher und ließ sich schwer verscheuchen. Aber irgendwann hatte er wohl das Interesse verloren und verschwand.

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Am zweiten Tag erreichte ich eine Orientierungs-Schlüsselstelle, nämlich die Stelle wo der Mapiri Trek auf einer kleinen flachen Senke diesen Hauptbergkamm verlässt und nach Nordosten auf einen Nebenbergkamm zweigt um diesen dann für die nächsten paar Tage bis runter nach Mapiri abwärts zu folgen. Das Ding war aber daß der Weg hier auf dieser Senke nicht mehr erkennbar war, und bei Nebel ist sogar noch nichtmal erkennbar daß hier überhaupt eine Kammverzweigung ist. Wenn man das nicht weiss wird man wahrscheinlich hier die Route verlieren und auch nicht mehr wiederfinden.

Nachdem ich ein Stückchen auf diesen Nebenbergkamm gewandert bin fand ich die Route zwar wieder, aber ab hier sah der Pfad aus als ob seit Monaten niemand mehr hier durchgekommen ist. Am Abend errichtete ich mein Camp auf einer etwas feuchten Grassenke beim Paso Tolapampa auf etwa 3500 m Höhe.

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Blick ins Tal des Rio Corijahuira

Ich fing an mir ernsthaft Sorgen zu machen, denn morgen wird es in den Regenwald gehen. Wenn der Weg so wenig begangen wird, fürchtete ich daß er im Regenwald womöglich ganz zugewachsen sein könnte und daß es da kein Durchkommen mehr geben wird. Erinnerungen werden wach von meinem Trek durch die Cordillera Real vor über zwei Monaten, da war es genauso. (siehe Bericht vom Trek Nr. 3). Dann könnte ich in einer Sackgasse enden und es wird nur einen Weg geben: nämlich wieder ganz zurück zu wandern, genau wie vor zwei Monaten auch!

Am nächsten Vormittag, also dem dritten Trekkingtag, gings noch für die ersten zwei Stunden bei strahlend blauen Himmel oben die grasigen Kämme entlang, während unter mir wie aus weiss-grauer Watte das Wolkenmeer lag. Dann tauchte ich irgendwann in die Wolkendecke ein und befand mich plötzlich im spektakulärsten Nebelwald den man sich vorstellen kann!

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Der Pfad war zwar ziemlich zugewachsen und bestimmt ist hier in den letzten Monaten niemand vorbeigekommen, aber dennoch war der Pfad begehbar und nicht so schlimm wie auf meiner Route vor zwei Monaten. Meine Befürchtungen haben sich also glücklicherweise nicht bestätigt.

Die nächsten zweieinhalb Tage gings dann durch diesen phantastischen Bergregenwald im ständigen rauf und runter oben auf den Kämmen der Cuesta de Amargura entlang, dabei ständig an Höhe verlierend, die meiste Zeit im Nebel, nur paarmal gaben die Wolken den Blick in die Täler frei. Das waren zwei Tage hartes Gezwänge und Geplackere durch klitschenassen Busch!!

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Im Lonely Planet steht dass für diesen Trek eine Machete notwendig ist, daß man mit ziemlicher Sicherheit einen Führer benötigen wird und insgesamt wird die Tour als sehr abenteuerlich beschrieben und so wie es dort drinsteht war es dann auch.

Das besondere am Mapiri Trek, was ihn von anderen Regenwaldtreks unterscheidet, sind diese zahlreichen engen "Moostunnel" die sich teils hunderte von Metern lang in Serpentinen die bewaldeten Bergkämme entlangschrauben. Das sind bis zu mehrere Meter tiefe und über die Jahrhunderte vom Regen ausgewaschene Rinnen durch die man hier auf weite Strecken wandert, dessen Seitenwände heute dick bemoost sind. Oben sind diese Rinnen oft komplett mit undurchdringlichsten Dschungel und zahlreiche bemooste Baumstaemme zugedeckt, man wandert hier quasi unter den Regenwald hindurch!!!

Manchmal konnte man aufrecht durch diese Tunnel gehen, oft aber nur in gebückter Haltung. Sehr oft musste ich auch auf Knien kriechen, in einigen Tunneln bis zu 20 m am Stück auf den Knien kriechend natürlich alles mit schweren Rucksack auf dem Rücken! An paar Stellen gings auch nur auf dem Bauch zwängend da durch, selbstverständlich alles im Wasser und Matsch, aber ich war ja eh schon bis auf die Haut durchnässt und dreckig bis zum gehtnichtmehr. Diese Route ist nichts für Leute mit Platzangst!

Das Wandern oder Kriechen durch diese Rinnen hier ist nicht wie auf diesen ausgewaschenen und erodierten vielbegangenen Pfaden die ich schon öfters auf anderen Routen gesehen habe und die ich eher als unattraktive Wege empfinde.
Die Rinnen und Tunnel hier am Mapiri Trek sind hart aber absolut genial, die würde ich sogar als Markenzeichen dieses Treks bezeichnen!

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Wenn es nicht durch die Rinnen geht, tunnelte sich der mit Kleingestrüpp zugewachsene Pfad durch dichtesten Moosregenwald, der so undurchdringlich ist daß man wenn der Pfad nicht wäre, ohne Machete keinen einzigen Meter vorwärts kommen würde.

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Bäche findet man hier so gut wie keine. Als Trinkwasserquelle muss man sich mit stehende Tümpel und kleine Wasserlöcher begnügen, die man in einer regenreichen Periode zahlreich entlang der Route finden wird. Und geregnet hat es hier viel!!

Ich habe hier Tage erlebt wo es wirklich für viele Stunden am Stück Wasserfälle geregnet hat, der Pfad wurde dann zum Bach, da habe ich natürlich im Zelt gewartet. Zwar hörte der Regen meistens nach paar Stunden wieder auf aber auch danach war noch die komplette Vegetation triefnass und in den Tunneln tropfte es nur so. Obwohl ich also erst nach dem Regen loswanderte war ich schon nach kürzester Zeit bis auf die Haut durchnässt, genauso als ob ich im strömenden Regen wandern würde. An einigen Tagen bin ich daher nur 4 bis 5 Stunden gewandert.

Es waren sehr anstrengende Tage, permanent kriechen, unter Baumstämme hindurch oder darüberhinweg, durch Vegetation zwängen, ich war ständig am fluchen und hoffen dass es bald aufhöre und das Gelände leichter wird. Es ging aber zwei Tage so weiter und im Nachhinein war es natürlich doch ein sehr lohnendes Abenteuer auf einer absolut grandiosen Trekkingroute!! Falls hier aber in der nächsten Zeit nicht in einigermaßen regelmäßigen Abständen einige Trekker mit Führer und Machete vorbeikommen sollten, oder nicht sonst irgend jemand mit Machete um etwas Hackarbeit zu leisen, dann gebe ich den Mapiri Trek noch maximal paar Jahre bis er zur unpassierbarkeit zugewachsen sein wird!!!!

Bei meinem fünften Camp befand ich mich nur noch auf 1600 m Höhe. Das Klima wurde zunehmend tropischer und die Vegetation änderte sich ganz langsam vom Bergregenwald zu mehr Tieflanddschungel hin.

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Am Morgen des 6. Tages öffnete sich der Regenwald zu viele offene grasige Flächen die den Kamm bedeckten und die durch menschliche Brandrohdungsaktivität entstanden sind. Relativ frische Feuerstellen und sonstige menschliche Anzeichen verraten, daß ab hier nun öfters wieder Bauern hochkommen, wahrscheinlich aus den Dörfern um Mapiri.

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Mein letzter Wandertag auf dem Mapiri Trek führte mich für über 20 km in der prallen Sonne bei unerträglicher Hitze und ohne einen Tropfen Wasser am Wegrand zu finden weiter den Bergkamm entlang bis ich auf die Fahrpiste von Mapiri nach Guanay stieß. Es sind noch 10 bis 15 km bis Mapiri, ich versuchte zu trampen. Nach kurzer Zeit kam ein Lastwagen vorbei der mich hinten auf der Ladefläche zwischen stinkenden Benzinfässern mitnahm. Dies waren die ersten Menschen, die ich seit dem Trekkingstart vor 6 Tagen getroffen habe.

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Mapiri ist ein einfacher kleiner Ort auf nur noch 760 m Höhe an einen Fluss gelegen, mit rauhe Schotterpisten, tropisch heissem Klima und laute Urwaldgeräusche.
Ich quartierte mich in einer billigen Unterkunft ein.

Am nächsten Tag wollte ich zurück nach La Paz. Die Fahrzeit von Mapiri nach La Paz beträgt 12 Stunden, aber es gibt keinen durchgängigen Transport.
Die erste Etappe führte in einem Geländewagen nach Guanay. Ich fand am Morgen auch schnell ein Fahrzeug das dorthinfährt. Es ging auf einer abenteuerlichen Piste durch eine wilde Urwaldlandschaft aus steile Hügel und mit Dörfer aus traditionelle strohdachgedeckte Hütten. Einige unüberbrückte Flüsse mussten durchfahren werden.
Normalerweise wären es 3 Stunden Fahrt nach Guanay gewesen. Wir haben aber fast 5 gebraucht, denn unser Fahrzeug bekam unterwegs einen Platten. Eigentlich wäre das nicht so schlimm, das Problem war jedoch daß der Reservereifen nur halb aufgepumpt war. Das heisst also daß es nach der Weiterfahrt nicht lange dauerte bis auch der Reservereifen einen Platten bekam. Wegen fehlendem Flick-Werkzeug sowie nicht vorhandenen zweiten Reservereifen holperte der Fahrer danach trotz Platten weiter. Paar Kilometer später hatte sich der Reifen komplett von der Felge gelöst und das Fahrzeug holperte dann nur noch auf der Felge weiter, die sich dabei immer mehr verbog und verformte und zum Schluss komplett schrottreif und absolut nicht mehr brauchbar war.

Wir erreichten ein kleines Dorf und stoppten bei einer Hütte, anscheinend wohnte hier der Fahrer. Seine Frau bot Getränke an, während er hinter der Hütte verschwand und kurz darauf mit einem neuen und gut aufgepumpten Reservereifen zurückkam. Es dauerte dann nicht mehr lange bis die Fahrt weitergehen konnte.

Guanay ist eine kleine Goldgräberstadt mit reichlich Wildwestatmosphäre. Ich dachte noch daß dies kein unattraktiver Ort wäre um für eine Übernachtung zu bleiben, dann fand sich jedoch unerwartet schnell ein weiteres Geländefahrzeug das in die zwei Stunden entfernte Stadt Caranavi fahren wollte. Der Fahrer wollte auch gleich los, so daß ich nichtmal Zeit hatte mein Mittag zuende zu essen.

Von Caranavi fuhr ein Bus weiter nach La Paz, das noch 5 bis 6 Stunden entfernt liegt. Die schmale Piste windete sich oben die steilen Berghänge entlang in ein dramatisches Regenwald-Schluchttal hinein. In Coroico begann die Asphaltstraße und ab hier wurde es auch dunkel. Hier war ja vor einer Woche noch die Straßenblockade aber nun war die Strecke wieder frei. Gegen 22 Uhr erreichte ich La Paz

Wildniswanderer
26.08.2011, 05:55
Super! Der Trek hört sich sehr spannend an. Allerdings so wünschenswert es wäre, dass jetzt Scharen von ODS- lern den Pfad offenhalten fürchte ich, dass das nicht passieren wird.

Wenn Bernd schreibt, dass der Weg "hart" ist, heißt das soviel wie "Eine wahre Tortur, die dich um den Verstand bringen kann".

Nach Bolivien möchte ich auch mal...

berniehh
05.09.2011, 20:45
Trek 10

Serranias Volcanes// Bolivien

Tageswanderung

4.November 2010

Mit den bolivianischen und peruanischen Anden bin ich nun durch. Bevor ich Bolivien verlasse, wollte ich aber noch einen Regenwaldtrek machen. Ursprünglich hatte ich ja zwei Regenwaldtreks geplant, einen im Madidi- und den zweiten im Ambóro Nationalpark. Aus Zeitgründen und weil ich fürchtete daß sonst meine Zeit in Patagonien zu knapp werden könnte, musste einer leider wegfallen.

Ich entschied mich schließlich für den Ambóro Nationalpark in der Nähe von Santa Cruz. Um nach dem Trek nicht wieder ganz zurück nach La Paz zu müssen, wollte ich meinen ganzen Krempel nach Santa Cruz mitnehmen und am Ende des Treks von dort aus direkt weiter nach Argentinien reisen.

Von La Paz nahm ich den Nachtbus nach Santa Cruz, wo ich nach 15-stündiger Fahrt am darauffolgenden Morgen ankam. Ich checkte mich erstmal in einer billigen Unterkunft ein.

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Santa Cruz

Santa Cruz liegt im bolivianischen Tiefland. Es ist die zweitgrößte Stadt des Landes, vielleicht auch schon die größte und es ist kein Geheimnis daß diese Wirtschaftsmetropole und Boomtown Boliviens, deren Einwohnerzahl sich in den letzten 30 bis 40 Jahren verzehnfacht hat, wohl auch als Hauptdrogenumschlagsplatz gilt. Santa Cruz ist zwar nicht unbedingt häßlich, aber bei weitem auch nicht so sehenswert wie La Paz. Es ist eine Stadt mit tropisch heißem Klima umgeben von Zuckerrohrfeldern und Rinderweideland. Um ursprünglichen Regenwald zu sehen muß man schon 50 Kilometer weiterfahren. Santa Cruz an sich ist meiner Meinung nach keinen Besuch wert. Ich finde die Stadt ist nur gut für die Durchreise oder als Ausgangsbasis für Regenwaldtreks.

Mein Trek sollte maximal 12 Tage dauern und durch die weglose Regenwaldwildnis des Ambóro Nationalparks führen. Der Startpunkt sollte beim Dorf Bermejo liegen, etwa 85 Kilometer von Santa Cruz.
Vor meinem Trekkingstart wollte ich aber noch eine Tageswanderung machen durch die Serranias Volcanes bei Bermejo. Dort liegt eine spektakuläre Landschaft aus rötliche Fels- und Tafelberge, die von Dschungel überzogen sind, direkt am Südrand des Ambóro Nationalparks.

Für die Tageswanderung hätte ich aber gerne noch paar nützliche Informationen bzw. Anregungen oder Routenideen gehabt. Meine 10-tägige Trekkingtour war ja dagegen schon fertig geplant, dafür brauchte ich keine Info´s mehr, bzw. habe auch nicht erwartet für eine derartige Tour Info´s in einem Rangerbüro zu bekommen.

Aus Jewgenij´s Reise-Know-How Ausgabe hatte ich mir eine Adresse in Santa Cruz rauskopiert, bei der man angeblich nützliche Informationen über den Ambóro Nationalpark erhalten kann. Diese Adresse lag am Stadtrand und dort bin ich dann auch hingefahren, ich dachte vielleicht haben die ja auch eine Karte mit eingezeichnete Pfade durch die Serranias Volcanes.
Dort angekommen erfuhr ich dann daß sie hier nur für den Noel Kempff Mercado National Park zuständig sind und nicht für den Ambóro. Die freundliche Dame am Empfang gab mir aber eine andere Adresse, wo ich meine gewünschten Informationen erhalten könne. Ich mußte also wieder mit öffentlichen Bussen durch die halbe Stadt düsen, denn die neue Adresse lag natürlich ganz woanders. Zwar war ich dort wohl richtig, aber anstatt Info´s zu geben wurde nur versucht mir ein Komplettpaket zu verkaufen mit Unterkunft in einer Lodge, Vollpension und geführter Wanderung. Irgendwann bin ich dann gegangen, natürlich ohne was gebucht zu haben, aber auch ohne Info´s bekommen zu haben. Geärgert hatte ich mir schon daß ich 3 Stunden Zeit deswegen verloren hatte, dafür bin ich aber um die Erfahrung reicher geworden, daß man zu bolivianischen Nationalpark-Infostellen nicht mehr hinzugehen braucht.

Während der restlichen Zeit des Tages habe ich im Supermarkt meinen Trekkingproviant für 12 Tage eingekauft. Am nächsten Morgen habe ich das erste Taxi nach Bermejo genommen, Busse fuhren an diesem Tag keine. Die andertalb stündige Taxifahrt hat umgerechnet etwa 3 Euro pro Person gekostet.

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In Bermejo checkte ich mich als einzigster Gast in Ginger´s Paradise ein. Das ist eine einfache Backpackersunterkunft abseits der Straße, die in einen 5 bis 10 minütigen Fußmarsch erreichbar ist, traumhaft schön in der Natur gelegen. Der Betreiber Cristobal stammt ursprünglich aus den USA und spricht demzufolge gut englisch. Er lebt hier zusammen mit seiner bolivianischen Frau und den drei Kindern. Als Gast hat man hier die Möglichkeit im Gästehaus zu übernachten oder zu campen, ich entschied mich für´s campen.

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Als ich Cristobal von meinem Plan erzählte über zehn Tage alleine weglos durch die Regenwälder wandern zu wollen, äußerte er sich sehr skeptisch über mein Vorhaben. Solche Treks macht normalerweise keiner hier. Er erzählte daß vor über zehn Jahren mal eine Expedition eine 20 tägige Durchquerung durch den Ambóro Nationalpark vorgenommen hat, die hatten aber ein Hackteam mit Macheten dabei.
Cristobal meinte ich werde nicht weit kommen da der Wald zu dicht ist und voll mit unpassierbaren Schluchten. Ich werde unbedingt eine Machete brauchen und er war sogar bereit mir seine zu verkaufen. Aber ich wollte die nicht haben, denn ich glaube nicht an die Theorie daß man für weglose Durchquerungen tropischer Wälder unbedingt eine braucht. Auf meinen zahlreichen langen Solo-Durchquerungen tropischer Regenwälder, vor allem in Südost Asien, hatte ich nie eine Machete dabei, auch wenn mir manchmal Einheimische vor der Tour unbedingt dazu rieten.
Die Energie, die man benötigen wird um mit der Machete den Weg freizuhacken, nutze ich lieber anderweitig, nämlich hauptsächlich damit mir so durch den Wald zu zwängen bzw. mir unter Einbeziehung der örtlichen Geländegegebenheiten eine Route des geringstmöglichen Widerstandes zu suchen.
Wenn ein Wald wirklich fast undurchdringlich sein sollte, was durchaus vorkommen kann wie ich selber auch schon gesehen habe, dann ist er es, egal ob mit oder ohne Machete.

Der Ambóro Nationalpark ist eine über 6000 Quadratkilometer große Regenwaldwildnis am Rande des Bolivianischen Tieflandes in den ersten Andenausläufern gelegen. Der Park ist bei Touristen sehr beliebt. Der Reise-Know-How schreibt sogar daß dies einer der schönsten Nationalparks der Erde sein soll. Die touristischen Aktivitäten beschränken sich jedoch nur auf die Randgebiete, mit Samaipata und Buena Vista als Haupausgangspunkte. Auch hier bei Bermejo, im winzigen Reservat Refugio Los Volcanes, gibt es eine touristische Infrastruktur, die allerdings hauptsächlich auf organisierten Regenwald-Pauschaltourismus ausgerichtet ist.

Der gesamte Rest des Parks wird kaum jemals von Menschen besucht, ist also noch völlig unerschlossen und unbewohnt und das ist es was mich reizte.

Cristobal nannte mir den Namen einer Stelle die tief versteckt im Dschungel liegt und die irgendeine mystische Bedeutung haben sollte. Er selbst war zwar noch nie dort, er meinte aber daß es nur noch ein Mensch geben soll der den Weg dorthin kennt und das ist ein älterer Mann hier aus der Nähe. Ein Gespräch mit dem Mann könne mir vielleicht nützlich sein, glaubte Cristobal, er bot an mich mit ihm bekannt zu machen. Da ich aber der Meinung war daß mich das auch nicht wirklich weiterbringen wird, sondern ich nur noch einen extra Tag Zeit dadurch verliere, verzichtete ich. An meinen ursprünglichen Plan morgen früh mit meinen Trek zu starten wollte ich auf jeden Fall festhalten.

Nach dem Mittagessen bin ich dann mit meiner Tageswanderung gestartet, nur mit einer sehr schlechten 1:250.000er Karte und ohne ausreichend Info´s. Cristobal empfiel mir das Tal des Rio Colorado aufwärtszuwandern um dann einen bestimmten Bergrücken hochzusteigen wo er vor Jahren mal einen Pfad mit der Machete hochgehackt hat. Er wisse aber nicht ob der Pfad jetzt noch begehbar ist oder inzwischen schon wieder zugewachsen. Auf einem Blatt Papier zeichnete er eine grobe Skizze wie ich den Einstieg finden kann.

Direkt von Bermejo führt das Tal des Rio Colorado in die Serranias Volcanes rein. Es war leichtes wegloses Flussbettwandern und teilweise immer mal wieder auf gut erkennbare Pfade die seitlich des Flussbettes durch den Busch führten. Da die Regenzeit noch nicht eingesetzt hat und in diesem Jahr die Trockenzeit besonders lang und trocken war, führt der Fluss nur wenig Wasser.

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Auf meiner heutigen Wanderung komme ich noch nicht in die unbewohnte Wildnis. Das Gebiet hier in der Randzone des Nationalparks wird von Bauern aus Bermejo genutzt, sie lassen hier ihr Vieh weiden und bewirtschaften ihre kleinen Buschgärten im Dschungel. Unmarkierte schmale Pfade findet man daher reichlich.

Nach 4 bis 5 Kilometer gabelt sich der Fluss, links führt der Rio Colorado weiter aufwärts und von rechts kommt der Rio Elvira. Den Einstieg von Cristobal´s angeblichen Pfad habe ich natürlich nicht gefunden. Morgen werde ich auf meinen Trek nach links den Rio Colorado weiter aufwärtswandern, aber heute biege ich nach rechts in den Rio Elvira. Ich wander weglos im Flussbett und später dann für den Rest der Wanderung auf Pfade die ich zufällig fand.

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Mein Ziel war es irgendwo hochzusteigen für ein super Foto-Panorama auf die spektakulären Felsberge der Serranias Volcanes. Daß dafür im Prinzip nur der Cerro Cantera in Frage kommen würde, war mir eigentlich klar. Ich bin aber zunächst mal auf einen anderen Pfad, der auf der gegenüberliegenden Talseite erst einen Bergrücken hochführte und sich dann in ein enges Dschungelschluchttal reinwindete wo er dann im Nichts plötzlich endete.

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Wieder unten am Flussbett fand ich 500 Meter weiter dann einen anderen Pfad der Richtung Cerro Cantera hochzuführen scheint. Am Anfang war der Pfad noch deutlich, weiter oben jedoch immer verwachsener, aber er führte auf den Cerro Cantera.

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Oben stieß ich dann auf den schmalen Fahrweg der von Bermejo ins Refugio Los Volcanes führt. Ich folgte den Fahrweg auf der anderen Bergseite wieder runter nach Bermejo wo ich gegen Abend ankam.

Dies war eine schöne Rundtour von etwa 16 bis 18 Kilometern Länge, davon 12 bis 13 Kilometer auf schmale Pfade bzw. wegloses Flußbettwandern und die restlichen 4 bis 5 Kilometer auf einen Fahrweg.
www.trekking.magix.net

Wildniswanderer
06.09.2011, 05:33
Endlich geht es bei deinen Andentrekberichten weiter!

Die Sache mit der Machete sehe ich genau so, obwohl jeder Einheimische eine dabei hat, würde ich auch für wegloses Regenwaldwandern keine mitnehmen.

Ehemaliger
06.09.2011, 21:40
Wäre es verkehrt zu sagen, dass der 2. Trek (Condoriri) vielleicht der landschaftlich spektakulärste Trek war?

berniehh
06.09.2011, 22:25
Wäre es verkehrt zu sagen, dass der 2. Trek (Condoriri) vielleicht der landschaftlich spektakulärste Trek war?

Wenn du nur die bolivianischen Treks meinst würde ich dir recht geben, da wäre der Condoriri auch mein Favorit,......jedenfalls was spektakuläre Gebirgslandschaften betrifft.

Wenn du die peruanischen Treks mit einbeziehst würde ich sagen das der Vilcanota Trek eher noch besser war. Den 18-tägigen Cordillera Vilcabamba Trek würde ich ebenfalls mit zu den Top-Favoriten zählen. Aber das ist echt schwer zu sagen, eigentlich waren alle Treks absolut super!!

In Chile und Argentinien kommen ja auch noch paar Hammerdinger.....

gehirn
15.09.2011, 10:37
ja sauber.... noch nich alles gelesen, hört sich aber bis jetzt sehr schön und spannend an...werd ich mal schön weiterschmöckern..
kurz deine HP angeschaut...da iss aber jemand schon ein bisschen in der weltgeschichte unterwegs gewesen...respekt.

berniehh
18.09.2011, 20:50
Trek 11

Amboró//Bolivien

9 Tage

November 2010

Wenn ich vorher gewusst hätte was für Schwierigkeiten mich auf diesen Trek erwarten, wäre ich möglicherweise nicht gegangen. Deshalb ist es ganz gut so daß ich nichts gewusst habe, denn sonst hätte nämlich ich einen wirklich hammermäßigen Trek verpasst;-)

Für diesen Trek hatte ich nur eine sehr schlechte 250.000er Karte, die ich mir in La Paz beim Instituto Geografico Militar gekauft hatte. Man kann es absolut vergessen in Santa Cruz Karten für diese Route zu finden.

1. und 2.Tag:
Am Vormittag wanderte ich von Ginger´s Paradise in Bermejo los.

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Die ersten 4 bis 5 Kilometer, bis zur Talgabelung mit dem Rio Elvira, waren identisch mit meiner Tageswanderung von gestern. Danach wanderte ich weiter den Rio Colorado aufwärts, flaches leichtes Flussbettwandern.

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Nach 8 bis 9 Kilometern passierte ich die letzten versteckten Hütten, danach wurde das Tal eng und schluchtig mit spektakuläre rötliche Felsberge. Ich kam nun langsam in die unbewohnte Wildnis. Die Gegend gefiel mir überaus gut!! Nur noch paar Weidelichtungen lagen im Dschungel versteckt und seitlich des Flussbettes verlief manchmal ein gut erkennbarer Pfad.

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Als von links ein kleiner unscheinbarer Nebenbach einmündete schlug ich im dichten Regenwald mein erstes Camp auf. Zahlreiche exotische Vögel schwirrten hier rum, sie bauen hängende Nester in den steilen Felswänden. Auch viele große blaue Schmetterlinge waren während des Tages überall zu sehen.

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Am zweiten Tag verließ ich den Rio Colorado und wanderte den Nebenbach aufwärts. Für die ersten 4 Kilometer ging´s noch auf vage erkennbaren Regenwaldpfad der immer undeutlicher wurde und irgendwann ganz aufhörte. Etwa eine dreiviertel Stunde vom Camp passierte ich die letzte kleine Brandrohdungslichtung. Ab nun kam ich wirklich in die unerschlossene Wildnis und es ist sehr unwahrscheinlich daß ich jetzt noch Leute treffen werde.

Für die nächsten 7 Tage wanderte ich weglos durch eine Mischung aus Tiefland- und Bergregenwäldern zwischen 900 und 1450 m Höhe durch ein steiles Gelände aus vertikale Felsen und Tafelberge zwischen denen Labyrinthe aus kurvige Schluchten eingebettet liegen. In dieser Gegend ist ein sehr langsames Vorwärtskommen vorprogrammiert, aber die Landschaft ist natürlich sensationel!

Drei kleine Pässe habe ich im Verlauf des Treks überquert. Die zu überwindenen Höhenmeter betrugen zwar nur etwa 300 m pro Pass, aber dennoch waren diese Passquerungen keine schnellen Angelegenheiten, sondern verdammt hart und zeitaufwendig. In der Regel haben sie einen ganzen Tag in Anspruch genommen, manchmal sogar noch länger! Es waren Tage dabei wo ich in 9 Stunden
gerade mal 5 km geschafft habe.

Vom Oberlauf des Baches musste ich über die Regenwaldhügel ins nächste Tal gelangen. Dieser erste Pass sah zwar einfach aus, gestaltete sich jedoch wesentlich schwieriger als gedacht durch den dichten Regenwald, der voll war mit Dickicht und Dornengestrüpp. Paarmal lief ich mir fest und mußte wieder umkehren um eine andere Route zu suchen. Dieser Regenwald ist deutlich anstrengender wie auf meinen Touren durch die südostasiatischen Regenwälder.

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Auf der anderen Seite des Passes kam ich in eine mit Dschungel verwachsene Bachrinne, die laut Karte ins Tal des Rio Barrientos hinabführt. Dort wollte ich hin und hoffte noch heute den Rio Barrientos zu erreichen.

Als ich mal kurz Pause machte sah ich daß sich auf meinem daypack ein Grashalm zu bewegen begann. Beim näheren Hinschauen bemerkte ich daß es gar kein Grashalm war, sondern ein Tier, das perfekt getarnt wie ein Grashalm aussah. Unglaublich was es alles im Regenwald gibt;-)

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Sehr weit kam ich heute aber nicht mehr. Die Bachrinne wurde schluchtiger und fiel dann urplötzlich in einer vertikalen Felsstufe etwa 50 Meter tief ab. Ein Abstieg war unmöglich und hier endete ich dann erstmal in einer Sackgasse. Nach einer Weile Auskundschaftung blieb mir nichts anderes übrig als mir hier, eingepfercht im dichten Regenwald, mein Camp für die Nacht zurecht zu machen.

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3. und 4.Tag:
Heute galt es eine Route nach unten zu finden, ich musste unbedingt die Steilstufe runterkommen um meinen Trek fortsetzen zu können!
Es ist aber kaum zu glauben, ich habe sage und schreibe über 13 Stunden gebraucht, also fast zwei volle Wandertage, um eine Route zum Rio Barrientos zu finden, der höchstens 2 Kilometer Luftlinie von meinem Camp entfernt war!
Verschiedene Auskundschaftungsversuche sind fehlgeschlagen.

Am Morgen versuchte ich erst die rechte Talseite. Irgendwann kam ich nicht mehr weiter und kehrte wieder um. Nach 1h20 war ich wieder beim Camp. Danach plackerte ich mich auf der anderen Talseite die Hügelhänge entlang durchs Dickicht, endete aber bei Abstiegsversuchen immer wieder an der vertikalen Abbruckkante, die sich ziemlich lang hinzuziehen scheint. Dann gab ich auch hier auf und war nach weiteren viereinhalb Stunden wieder zurück beim Camp. Meine Motivation war so ziemlich den Bach runter und ich dachte daß mein Trek hier schon vorzeitig beendet ist. Obwohl erst früher Nachmittag war schlug ich an der gleichen Stelle mein Camp wieder auf. Ich machte mir einen gemütlichen Rest des Tages und verschob das Problem erstmal auf morgen.

Der nächste Tag war dann im Endeffekt erfolgreicher. Ich stieg orographisch rechts über einen Urwaldbergkamm (Pass Nr. 2) ins Paralleltal um von dort aus zum Rio Barrientos zu gelangen. Aber auch diese Route war alles andere als einfach!! Oben auf dem Kamm erschwerte undurchdringliches Dickicht und eine 10 m hohe Steilstufe das Vorwärtskommen. Auf der anderen Pass-Seite gings den Regenwaldhang runter und ein Stückchen weiter unten stellte ich dann mit Erschrecken fest daß auch dieses Tal in eine steile Schlucht abfällt in die ein Abstieg unmöglich ist. Ich plackerte mich durch den Dschungel oberhalb der vertikalen Abbruchkante entlang bis diese Schlucht ins Tal des Rio Barrientos einmündet.

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Der Rio Barrientos fließt ebenfalls durch ein etwa 200 Meter tiefes Schluchttal. Ich habe das Gebiet total unterschätzt. Das ganze Gelände hier ist in Wirklichkeit wesentlich steiler und verschluchteter wie es bei meiner Routenplanung von zu Hause aus auf Google Earth ausgesehen hat!! Auch auf den Google-Bildern meiner Webseite ist nicht erkennbar daß das Gelände derart verschluchtet ist!
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Auf einen sehr steilen Waldrücken zwischen zwei Vertikalabstürze fand ich eine Abstiegsroute runter zum Fluss. An den Ästen festhaltend hangelte und kletterte ich da runter. Ich habe aber erstmal ohne Gepäck eine Route ausgekundschaftet und zusammen mit der Auskundschaftung habe ich 2 bis 3 Stunden für diesen nur 200 Höhenmeter Abstieg gebraucht. Unten habe ich mir dann erstmal ein erfrischendes Bad im Fluß gegönnt.

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Ab hier wanderte ich weglos im Flussbett schluchtabwärts. Große Felsbrocken und tiefe Flusspools erschwerten das Vorwärtskommen enorm. Der Fluß musste ständig hin- und hergequert werden. Dieses Tal ist wesentlich anstrengender wie der Rio Colorado. Nach nur anderthalb Kilometern war dann Schluss. Das Fluss führte durch eine sehr enge Felsschlucht, die nur schwimmend durchquerbar wäre.

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Da ich mein Gepäck hier niemals trocken durchbekommen würde und ein Überklettern ziemlich unmöglich aussah, kehrte ich wieder um und stieg ein Stückchen weiter auf einen sehr steilen Hügel um einen Überblick auf die Umgebung zu bekommen.

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Das sah aber alles nicht gut aus! Für die nächsten paar Kilometer flußabwärts sieht das Gelände extrem verschluchtet aus und danach vermutete ich eine vertikale Abbruchkante mit Wasserfall, die nicht oder nur sehr schwer passierbar ist (siehe Google-Bild auf meiner Webseite). Mein ursprünglicher Plan war es ja talabwärts zu wandern, dann lägen noch etwa 100 Kilometer unbewohnte Wildnis vor mir bis zu meinem Trekende am Rio Yapacani. Ich glaubte zwar daß das Flußbett unterhalb der Wasserfallsabbruchkante deutlich leichter und schneller bewanderbar ist, aber das war eben nur ´ne Vermutung. Aufgrund der Tatsache daß ich jetzt sowieso schon mit über 2 Tagen im Rückstand bin und meiner Vermutung daß ich für die nächsten paar Kilometer bis unterhalb des Abbruches auch nochmal zwei Tage brauchen könnte, kam ich zu dem Schluß daß mein Proviant nicht bis zum Rio Yapacani reichen könnte. Und falls danach noch weitere unerwartete Schwierigkeiten auftauchen sollten schaffe ich es auf gar keinen Fall!

Ich sah keine andere Möglichkeit mehr als mir eine neue Route zu überlegen. Das war aber relativ schnell erledigt, denn anstatt flußabwärts wollte ich nun flußaufwärts wandern, auch wenn ich überhaupt nicht wusste was mich dort erwarten würde. Dann hätte ich aber auf jeden Fall einen wesentlich kürzeren Weg zurück in die Zivilisation.
Ein Stückchen weiter schlug ich mein Zelt am Flussbett auf.

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5. und 6.Tag:
Die nächsten zwei Tage wanderte ich also die spektakuläre kurvige Schlucht des Rio Barrientos aufwärts, dabei meist im Wasser watend, oft knie- bis hüfttief. Es war eigentlich mehr Canyoning als Trekking, oder eine Mischung aus beidem.

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Zahlreiche tiefe Pools blockierten an enge Schluchtabschnitte das Weiterkommen. Einige davon, bestimmt sechs oder sieben, waren nur schwimmend durchquerbar. Glücklicherweise war es hier aber möglich im sehr harten Steilhang-Dickicht- Geplackere daran vorbeizuklettern. Das hat aber jedesmal viel Zeit gekostet. Natürlich wäre ich da viel lieber durchgeschwommen, das wäre einfacher und schneller. Mir hat aber eine aufblasbare Luftmatratze gefehlt um mein Gepäck trocken dort rüberzubekommen.

Bei einem Pool reichte mir das Wasser nur bis zum Hals. Das mühsame Vorbeiklettern habe ich mir da zwar gespart, dafür musste ich in mehreren Durchgängen mein ganzes Gepäck auf den Kopf da durchtragen,......und das hat natürlich auch seine Zeit gedauert.

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Ein weiteres Ausrüstungsteil was mir auf diesen Trek gefehlt hat waren Handschuhe. Vom ganzen geplackere durch das mit Dornen bespickte Dickicht waren meine Hände irgendwann ziemlich wund und blutig zerkratzt und in diesem tropischen Klima heilt es ja auch nicht so schnell wieder.

Die Landschaft war natürlich absolut phantastisch! Es ist eine unberührte Wildnis in der nicht die geringsten Spuren von Menschen zu finden waren.
Vertikale, teils rötliche Sandsteinfelsen beflanken an einigen Abschnitten die Schlucht. Wenn der Regenwald nicht wäre könnte dies auch irgendwo in den Canyons von Arizona und Utah sein.
Diese Route ist Abenteuer pur!

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Gegen Abend des sechsten Tages war ich schon nahe am Oberlauf. Das Bachbett verengte sich wieder mal und war mit großen Felsbrocken bestanden, was natürlich ein langsames Vorwärtskommen bedeutete. Vor einer weiteren engen Schlucht fand ich eine flache Stelle im Flußbett wo ich mein Camp aufschlug.

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7. und 8.Tag:
Die vor mir liegende Schlucht sah mir mal wieder zu anstrengend aus, ebenfalls ein Aufstieg auf die mit fast undurchdringlichen Dickicht bestandenen Hügel.
Gestern sah ich etwa eine dreiviertel Stunde wieder zurück schluchtabwärts einen kleinen Nebenbach einmünden. Ich entschied mich diesen aufwärts zu wandern um dann über die Urwaldhügel zum Rio Las Cruces zu gelangen, der mich zurück in die Zivilisation führen sollte.

Das habe ich dann auch gemacht, aber schon nach 15 Minuten endete dieses Bachtal an einer etwa 30 Meter hohen vertikalen Felsstufe. Ich ließ meinen Rucksack erstmal liegen und suchte nach einer Aufstiegsmöglichkeit, die ich 200 m wieder zurück talabwärts auch fand in einen sehr anstrengenden Steilhanggeplackere. Oberhalb der Steilstufe fand ich dann traumhafte Campmöglichkeiten am Bachbett mit paar tiefere Pools zum baden.
Inclusiv der Auskundschaftungszeit habe ich 3 Stunden für die nur 3 Kilometer vom letzten Camp bis hierher gebraucht. Hier blieb ich aber und machte mir einen gemütlichen Nachmittag.

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Der nächste Tag wurde wieder sehr hart durch dichten weglosen Regenwald. Ich suchte mir meinen Weg nach oben und erreichte nach anderthalb Stunden einen offen-grasigen Bergkamm der für ein kurzes Stück gut bewanderbar war. Eine super Aussicht bot sich von oben über das weite unbewohnte Land und durch enge Felsspalten in schluchtige Täler.

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Im Süden auf der anderen Seite des Kammes lag das Talsystem des Rio Las Cruces, dort sah ich erste menschliche Brandrohdungslichtungen und in der Ferne sogar mein Trekende. Ein Abstieg war von hier aus aber nicht möglich und der weitere Kammverlauf war kaum folgbar. Ich musste ein Stück zurück und wieder in den fast undurchdringlichen Dschungel am Oberlauf eines Baches zu einen Pass.

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Auf der anderen Seite kam ich in einen Bachzweig zum Rio Las Cruces. Abends errichtet ich mein Camp im dichten Regenwald. In siebeneinhalb Stunden habe ich heute nur 5 Kilometer geschafft.

9.Tag:
Am Morgen brauchte ich nur noch eine Stunde bis diese von Dschungel überwucherte Bachrinne in den Rio Las Cruces einmündet, ab dann wurde das Vorwärtskommen deutlich leichter im weglosen Flussbett. Ich fand erste menschliche Fußspuren und kurz darauf began ein Pfad, den ich dann für die restlichen 7 bis 8 Kilometer gemütlich talabwärts folgte bis ich auf die Hauptstraße von Santa Cruz nach Samaipata stieß.

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Dies war bis jetzt eindeutig der härteste Trek auf dieser Reise!!!
Es muss aber dazu gesagt werden daß diese Gegend ausserordentlich schön ist und daß sie aufgrund ihrer Größe und Unerschlossenheit ein fast unbegrenztes Trekkingpotential für Abenteurer bietet, das auch weit über die Nationalparkgrenzen hinausreicht!

Ich stand nicht lange an der Straße, dann kam ein Auto vorbei. Am Steuer saß der gleiche Taxifahrer, mit dem ich auf der Hinfahrt von Santa Cruz nach Bermejo gefahren bin. Er nahm mich für 20 Bolivianos (=2 Euro) bis nach Santa Cruz mit, wo wir nach anderthalb Stunden Fahrt ankamen......

Wildniswanderer
18.09.2011, 21:22
Super! Ich kann mir lebhaft vorstellen, wie schwierig es dort war überhaupt vorwärts zu kommen. Aber die Landschaft die auch immer mal Ausblicke über den Regenwald gewährt ist wirklich genial!
Auch wenn du deine ursprüngliche Planung nicht verwirklichen konntest, großer Respekt, dass du dort überhaupt eine Tour zu Stande gekriegt hast.

ckanadier
18.09.2011, 22:24
Danke, war sehr spannend und interessant zu lesen, tolle Landschaftsbilder.

paddel
23.09.2011, 08:40
Mal wieder spektakulär!

peter-hoehle
23.09.2011, 15:12
Diese Route ist Abenteuer pur!

5sterne mit Worten nicht zu beschreiben.

Gruß Peter

berniehh
03.12.2011, 20:05
so, nun geht´s nach längerer Pause hier auch mal weiter.....

Anreise nach Mendoza/Argentinien
und
Trekkingvorbereitungen für die Cordón del Plata


Der Tag nach meinem Trekende im Amboró Nationalpark war für relaxen in Santa Cruz eingeplant! Das relaxen hat aber keinen Spaß gemacht, denn die tropische Hitze war in der Stadt fast unerträglich!

In Santa Cruz habe ich nur einen Tag verbracht, dann wollte ich auf direktem Weg weiter nach Mendoza in Argentinen bevor es danach weiter nach Patagonien gehen sollte. Am Busbahnhof erkundigte ich mich nach Tickets. Als ich erfuhr daß der Fahrpreis für ein Direktbus nach Mendoza 120 US Dollar beträgt, war ich erstmal unangenehm überrascht. Das kam mir wahnsinnig überteuert vor, auch wenn die Fahrt über 30 Stunden dauert. Wenn man die Fahrtdauer mit dem Preis in einer Relation setzt ist es etwa fünfmal so teuer wie die meisten anderen Busfahrten die ich in Bolivien und Peru gemacht habe.

Daraufhin habe ich mir bei einer lokalen Busgesellschaft nur ein Ticket bis zum Grenzort Yacuiba gekauft. Das hat nur wenige Euros gekostet und die Fahrzeit dorthin beträgt 8 Stunden. Ich habe darauf spekuliert daß ich billiger nach Mendoza kommen würde wenn ich von Yacuiba aus zu Fuß die Grenze überquere und auf der anderen Seite in einen argentitinischen Bus nach Mendoza umsteige.

Am nächsten Morgen fuhr der Bus ab. Die Fahrt führte durch die endlose Weite des bolivianischen Chacos und war landschaftlich ganz interessant. Das Chaco ist eine kaum besiedelte Trockenwald- und Buschwildnis, die das gesamte südbolivianische Tiefland bedeckt und bis weit nach Paraguay und Argentinien hineinreicht.

Im Grenzort Yacuiba verbrachte ich meine letzte Nacht in Bolivien und am nächsten Morgen wanderte ich zu Fuß rüber nach Argentinien.

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Grenzort Yacuiba

Das erste was mir an Argentinien auffiel waren die Preise. Alles ist hier viel teurer ist als in Bolivien und Peru. Bei meinem letzten Argentinienbesuch 2004 war das Land noch spottbillig. Seitdem hat sich aber das Preisniveau massiv erhöht, mittlerweile ist es schon fast so hoch wie in Deutschland und die jährliche Inflationsrate beträgt etwa 20 Prozent.

Als ich meinen argentinischen Stempel im Pass hatte ging ich direkt zu den Büros der Busgesellschaften. Die Fahrt nach Mendoza kostete 425 argentinische Pesos, das sind umgerechnet etwa 85 Euro, ziemlich viel Geld für mein niedrig eingeplantes Monatsbudget. Diese Variante war im Endeffekt genauso teuer als wenn ich von Santa Cruz den Direktbus genommen hätte, ich habe also kein Geld dadurch gespart. Der Bus fuhr aber gleich ab, die Fahrzeit betrug 29 Stunden.

Mendoza liegt in der Ebene, aber direkt am westlichen Stadtrand erheben sich schon die trockenen Andenausläufer. Mit über einer Millionen Einwohner zählt Mendoza zwar zu den größeren Städten Argentiniens, aber aufgrund des grün mit Bäumen bestandenen Stadtzentrums und der niedrigen Bauweise der Häuser hat die Stadt eher eine provinzielle Atmosphäre, mit moderne europäisch anmutende Einkaufsstraßen im Zentrum. Das Klima ist heiß und trocken.

Mendoza zählt zusammen mit Bariloche, El Chalten und Ushuaia zu den Haupttouristenzentren der argentinischen Anden, denn Mendoza ist der Hauptausgangspunkt für Touren zum Aconcagua, dem höchsten Berg des amerikanischen Kontinents. Die Stadt und das Umland haben zwar auch noch anderes zu bieten, aber die meisten Leute kommen natürlich wegen den Aconcagua hierher und wer nicht trekken oder bergsteigen will, dann doch zumindest um von der Straße aus einen Blick auf diesen Berg zu erhaschen.

Für meine erste Nacht stieg ich im Itaka Hostel ab, der billigsten Unterkunft laut meinen Lonely Planet Fotokopien. Der Übernachtungspreis war mit 50 arg. Pesos jedoch doppelt so hoch wie in dem Buch angegeben. Mit runterhandeln bin ich immerhin auf 40 Pesos gekommen. Dafür hatte ich ein zehn-Betten-Schlafsaal ganz für mich alleine, denn das Hostel war momentan ziemlich leer. Die wenigen anderen Gäste hier waren anscheinend in Einzel- oder Doppelzimmer untergebracht.

Auch wenn das Itaka Hostel ziemlich gut war, bin ich am nächsten Morgen dennoch in ein anderes umgezogen das noch billiger war.
Durch etwas rumfragen im Busbahnhofsviertel fand ich das Hostel Casa del Sol, das nur 25 Pesos (=5 Euro) pro Übernachtung kostete. Dies ist ein famililiäres und freundliches Hostel das in keinem Buch steht. Der Besitzer Raul bekommt seine Gäste überwiegend dadurch daß er jeden Tag zum Busbahnhof geht und ankommende Rucksackreisende abfängt.

Von Aussen ist nur schwer erkennbar daß dies ein Hostel ist aber es scheint trotzdem fast jeden Tag voll zu sein. Das winzige Hostelschild an der Veranda kann man manchmal sogar erkennen, falls es mal nicht von allen möglichen Gerümpel verdeckt ist, der da überall rumsteht. Die Veranda scheint für Raul auch als Ersatzteillager zu dienen für seinen antiken amerikanischen Armeejeep von 1942, der draußen vor der Tür steht und sein ganzer Stolz ist.

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Raul´s antiker amerikanischer Armeejeep von 1942

Etwa 80 Prozent seiner Hostelgäste sind Israelis, die restlichen 20 Prozent verteilen sich auf andere Nationen, wie ein Blick ins Gästebuch verrät. Auch heute war ich der einzigste Nicht-Israelische Gast.

Am nächsten Tag wollte ich eigentlich meinen Trekkingproviant einkaufen aber als am Morgen die Belgierin Katrien hier eincheckte lud Raul Katrien und mich zu einer Spritztour in seinem Jeep ein.

Wir fuhren durch die Pampa am Rande der Stadt und wanderten dann zu Fuß auf einen kleinen Berg, vonwoaus man einen weiten Blick über Mendoza hatte.

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Jeeptour

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Katrien und Raul

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Blick über Mendoza

Erst gegen 15 Uhr waren wir wieder zurück, so daß ich es heute natürlich nicht mehr schaffte meinen Proviant einzukaufen.

Am nächsten Morgen zog Katrien in ein anderes Hostel um, weil ihr dieses hier zu dreckig war. Der Meinung war ich aber absolut nicht, ich würde dieses Hostel sogar empfehlen, besonders für Budget-Reisende denen der Preis das wichtigste Kriterium ist. Raul und seine Familie sind sehr gastfreundlich.

Heute kaufte ich also meinen Trekkingroviant für ca. 18 Tage ein. Mein Plan war eine Tour durch die Cordón del Plata.

Die Cordón del Plata ist die erste hohe Gebirgskette, die man von der Ebene bei Mendoza sehen kann. Die Osthänge, also die Mendoza zugewandte Seite des Gebirges, ist ein wenig erschlossen mit Straßen, Fahrwege, einem Skigebiet und einer Trekkingroute hoch zum 6000 m hohen Cerro del Plata.

Mich hat dagegen aber eher die abgelegene Westseite interessiert. Bis weit über die Cordón del Plata hinaus erstreckt sich hier eine recht große zusammenhängende Wüstenhochgebirgswildnis die völlig unerschlossen, unbewohnt und auch noch komplett ohne Straßen und Fahrwege ist. Das Gebiet wird im Norden von der Hauptstraße Santiago-Mendoza begrenzt, im Westen reicht es bis über den Andenhauptkamm hinaus nach Chile rein und im Süden wird man erst bei der Laguna Diamante auf den ersten Fahrweg stoßen. Das war also das ideale Trekkinggebiet für mich!


Auf meiner letzten Südamerikareise habe ich ja schonmal einen Trek durch diese Gegend gemacht. Damals bin ich von Chile aus weglos über einen Andenhauptkammgletscher illegal nach Argentinien reingewandert. Die Unberührtheit dieses kargen Gebirges hat mir damals schon so gut gefallen.
Ich wollte den unerschlossnen argentinischen Teil des Gebirges durchwandern um dann über einen anderen 4900 m hohen Pass wieder zurück nach Chile zu gelangen.
Obwohl ich in den weglosen weiten Gerölltälern sehr gut vorwärts kam, gab es dennoch schwierige Abschnitte. Neben hochalpinem Gelände blockierten in Nebentälern mehrere schluchtige Abschnitte mein Weiterkommen, die ich nur passieren konnte weil ich mir mit dem Eispickel mühsam einen Pfad die steilen Hänge entlanggehackt habe.

Dazu kam daß ich nur Fotokopien von chilenischen Militärkarten dabei hatte, die leider nicht allzuweit nach Argentinien reinreichten. Wegen Fehlen von Kartenabschnitte konnte ich daher an einer Stelle nur spekulieren in welches Nebental ich rauf musste.

Ausgerechnet am Abend vor der Passüberquerung zurück nach Chile schlug das Wetter rapide um. Ich saß auf 3900 m Höhe, also 1000 m unterhalb des Passes, bei Temperaturen bis minus 10 Grad zwei Tage im Schneesturm fest. Es war Anfang November, also von der Jahreszeit mitten im argentinischen Frühling und nur zwei Wochen vor dem Beginn der Trekkingvorsaison am Aconcagua, trotzdem war die Heftigkeit dieses Schneesturms für die Jahreszeit eher ungewöhnlich.

Als das Wetter nach zwei Tagen wieder aufklarte, versackte ich in tiefe Neuschneemassen und die Passüberquerung konnte ich absolut knicken. Es blieb mir nichts anderes übrig als runter ins Tal zu steigen und das war schon anstrengend genug,....bergauf würde garnicht gehen. Unten am Rio del Plomo auf 3000 m Höhe war der Schnee dann weg.

Nun stand ich vor einer schweren Entscheidung wie ich weiter verfahren sollte. Zwei Möglichkeiten gab es: Die leichtere wäre das Tal abwärtszuwandern. Dann würde ich in schätzungsweise drei Tagen auf die Hauptstraße nach Mendoza stoßen. Auf der könnte ich dann zurück nach Chile trampen, aber mit dem großen Risiko wegen illegaler Einreise verhaftet zu werden da ich ja keinen argeninischen Stempel im Pass hatte.

Die zweite Möglichkeit wäre auf der gleichen Route zurückzuwandern auf der ich gekommen bin,......also wieder die etwa zehn Kilometer lange Gletscherwanderung über den 4200 m hohen Andenhauptkammpass.

Ich entschied mich für die zweite Möglichkeit. Die Route zurück über den Gletscherpass war sehr anstrengend und langsam durch den sackigen tiefen Neuschnee stampfen der noch nicht ausreichend hart gefroren war.

18 Tage hat die Tour insgesamt gedauert und ich habe keine Menschenseele gesehen, außer einen Hirten nahe am Trekbeginn in Chile.


So, nun aber genug von der alten Geschichte! Mein ziemlich ambitionierter Plan auf dieser Reise war es über zahlreiche Hochpässe bis ganz runter zur Laguna Diamante zu wandern, eine Strecke von mehreren Hundert Kilometern. Diesen Plan habe ich aber leider nicht geschafft, da sich meine Route als wesentlich schwerer herausstellte wie ich gedacht hatte. So ist es letztendlich zwar nur eine wesentlich kürzere Strecke geworden, die sich aber trotzdem sehr gelohnt hat.

Ich musste noch Karten für den Trek besorgen. Hier in Mendoza findet man zwar an jeder Straßenecke überteuerte Trekkingkarten vom Aconcagua, aber von meinem Trekkinggebiet war in der ganzen Stadt keine einzige Karte erhältlich. Es gibt zwar topographische Militärkarten von der Cordón del Plata, die sind aber nur im 1000 Kilometer entfernten Buenos Aires erhältlich! Bei Raul im Hostel hing an der Wand eine Trekkingkarte vom Cerro del Plata, aber die nützte mir auch nichts weil meine Trekkingregion westlich dieses Berges da nicht mit drauf war.

Auch meine letzte Hoffnung beim Club Andino vielleicht doch noch fündig zu werden hat sich nicht erfüllt! Die hatten da zwar zwei Kartons voll mit zerfledderte Karten, aber von meiner geplanten Route war keine einzige mit dabei.
Zum Schluß blieb mir also nichts anderes mehr übrig als in´s Internet-Café zu gehen um Google Maps Ausdrucke anzufertigen und das habe ich dann auch gemacht.

Wildniswanderer
04.12.2011, 08:27
Auf deine Beschreibung dieses langen Treks habe ich schon lange gewartet. Schon deine Überlegungen für die Tour und deine kurze Beschreibung der vergangenen Überschreitung von Chile aus machen mir den Mund wässrig. Und nur mit Google Maps Ausdrucken loszuziehen...Ein fettes Wow!

Der gespannte Gerald

heron
04.12.2011, 09:58
WOW - das fängt ja schon abenteuerlich und spannend an!
5sterne Vorschuss damit es schnell weitergeht :bg:

Die Geschichte mit Raul finde ich ja total nett, aber ich frage mich, wie man denn so als Frau allein in Südamerika :o am Busbahnhof entscheiden kann, ob das "Raul-Angebot" ein integeres ist oder nicht :roll:
Nicht dass ich übertrieben ängstlich wäre oder es nicht auch für Männer schon schlecht ausgegangen wäre, aber ob ich für so was mutig genug wäre?

berniehh
04.12.2011, 10:59
Die Geschichte mit Raul finde ich ja total nett, aber ich frage mich, wie man denn so als Frau allein in Südamerika :o am Busbahnhof entscheiden kann, ob das "Raul-Angebot" ein integeres ist oder nicht :roll:

Da habe ich Katrien nicht gefragt wie sie die Sache gesehen hat. Sie hat mir nur erzählt daß wenn ich auf der Jeepfahrt nicht mit dabeigewesen wäre, sie mit Raul alleine auch nicht mitgekommen wäre.

Für mich persönlich ist es ja nichts ungewöhnliches mich am Busbahnhof von jemanden "mitschleppen" zu lassen. Das habe ich schon öfter gemacht, auch in Peru und Chile und ich habe dabei noch nie schlechte Erfahrungen gemacht:roll:

berniehh
18.12.2011, 02:01
Trek 12

Cordón del PlataArgentinien

11 Tage

November 2010

Von Mendoza aus nahm ich morgens um 7 Uhr den ersten Bus nach Puente del Inca.

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Bereit zum Aufbruch in Mendoza

Ich bin aber nicht bis ganz nach Puente del Inka durchgefahren, sondern zwischen Uspallata und Puente del Inka auf freier Strecke ausgestiegen. Während der Fahrt musste ich daher aufpassen daß ich die Ruine einer alten Eisenbahnbrücke nicht verpasse. Dort musste ich den Busfahrer Bescheid geben damit er anhält weil ich hier meinen Trek starten wollte.

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Den kompletten Trek habe ich jetzt auch auf meiner Seite:
www.trekking.magix.net

1. bis 3.Tag
Auf der alten Brücke überquerte ich den Rio Mendoza und wanderte auf der anderen Seite in das enge Gebirgstal des Rio Blanco rein. Somit verließ ich die Zivilisation.

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Die argentinischen Anden westlich von Mendoza sind ein karges Pampa- und Wüstengebirge mit tief eingeschnittene Täler und vergletscherte hochalpine Gipfellandschaften. Aufgrund ihres wüstenartigen Charakters und der krassen Farbenvielfalt der kargen Geröll- und Felshänge sehen die Berge landschaftlich völlig anders aus als die Anden auf meinen Treks in Peru und Bolivien.

Ganz am Talanfang des Rio Blancos war noch ein Pfad da. Der verkleinerte sich jedoch schon nach paar Kilometern zu einer vage erkennbaren Route und wenig später löste er sich ganz auf. Bis zum Ende des Treks stieß ich nun auf keine menschlichen Spuren mehr, keine Wege, keine Steinmänchenmarkierungen, keine Campstellen und auch keine Anzeichen von Viehhaltung, nichts. Es ist eine unbewohnte und von Menschen ungenutzte Wildnis.

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Mein schwerer Rucksack schmerzte, ich kam daher nicht schnell vorwärts. Nach fünfeinhalb Stunden erreichte ich die Talgabelung mit der Quebrada Casa de Piedra wo ich auf 2400 m Höhe mein erstes Camp aufschlug.

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Am nächsten Morgen verließ ich den Rio Blanco und wanderte das mega enge Schluchttal der Quebrada Casa de Piedra aufwärts. Ganz am Anfang war das Vorwärtskommen noch OK, aber schon nach der ersten Talkurve wurde das Gelände zunehmend schwerer. Das Tal stieg permanent an, ich musste mir eine Route die steilen Hängen entlang suchen und an einigen Stellen erstmal auskundschaften, was natürlich Zeit kostete.

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Dann stand ich plötzlich vor einem großen fast unüberwindbar aussehenden Talanstieg. Die eng eingschnittene Bachrinne war hier über und über mit haushohe Felsbrocken blockiert, der Fluss floss da unter durch und trat nur an einigen Stellen zutage. Mit meinen schweren Monsterrucksack war es eine sehr mühsame Kletterei über die Felsblöcke rüber und einmal sogar im natürlichen Tunnel unterdurch. An einer Stelle musste ich für längeren Abschnitt an den sehr steilen und teils hart-rutschigen Geröllhang ausweichen wobei ich mir da zuvor erstmal mit dem Eispickel Stufen entlanghacken musste.

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Nach paar Stunden hatte ich diesen Steilanstieg endlich passiert und das Vorwärtskommen wurde deutlich leichter, das Tal blieb aber weiterhin schluchtig. Über Felsbrocken und Geröll wanderte ich am eng eingeschnittenen Bachlauf weiter talaufwärts bis ich wenig später auf einer größeren flachen Senke mein zweites Camp aufschlug. Heute war ein sehr mühsamer Tag, in fünfeinhalb Stunden habe ich nur 4 Kilometer geschafft.

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Am dritten Tag war das Wandern relativ einfach das offene Gerölltal weiter aufwärts. Das Tal stieg dabei ganz sanft an und bog im Laufe des Tages mehrmals um die Kurve.

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Heute sah ich viele Guanakoherden, die leben nämlich zahlreich in diesen Bergen. Deren Pfade verlaufen überall kreuz und quer die Geröllhänge entlang. Leider sind diese Tiere sehr scheu. Schon von weitem ergreifen die Herden panikartig die Flucht, so daß es mir nicht möglich war Fotos vom Nahen zu machen.

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Guanakos

Während das Tal langsam anstieg wurde die ohnehin schon karge Pampavegetation noch spärlicher und verschwand irgendwann ganz. Ab einer Höhe von etwa 3500 m wächst hier nämlich fast nichts mehr. Auf meinen Treks in Bolivien und Peru habe ich dagegen bis auf über 5000 m Höhe noch grüne Grasflächen, Lamaweidegründe und bewohnte Hütten angetroffen.

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Aufgrund der wesentlich südlicheren Lage sind die argentinischen Anden klimatisch kälter und von wesentlich deutlicheren Temperaturunterschieden zwischen Sommer und Winter geprägt wie die peruanisch-bolivianischen Anden, wo man nur zwischen Regen- und Trockenzeit unterscheidet.

Jetzt in der zweiten Novemberhälfte betrugen die nächtlichen Tiefstemperaturen zwischen minus 10 Grad auf etwa 4000 m Höhe und plus 8 Grad in den tieferen Tälern auf etwa 2400 m Höhe. Dazu kam noch der fast täglich vorhandene kalte unangenehme Wind der die gefühlte Temperatur wesentlich kälter erscheinen ließ und es war schwer in dieser kargen Gegend überhaupt einigermaßen windgeschützte Campstellen zu finden. Es ist spätes Frühling hier in den argentinischen Anden.

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4. bis 7.Tag: Überquerung des ersten Passes
Heute am vierten Tag wollte ich den ersten Pass überqueren und ich hatte fest damit gerechnet daß es auch klappen wird. Wegen des hinter mir liegenden anstrengenen Schluchttales, kombiniert mit schweren Gepäck, war ich ja sowieso schon mit meinem Zeitplan im Rückstand. Ich habe jedoch nicht mit dem vor mir liegenden schweren Gelände gerechnet, weshalb die Passüberquerung ganze dreieinhalb Tage dauerte.

Ich wanderte weiter das vegetationslose Gerölltal aufwärts.....

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Nach dreieinhalb Kilometern erreichte ich eine Senke am Talende, wo es sich in zwei ansteigende Hochtäler gabelt.

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Ich stieg das rechte Tal durch eine Schlucht nach oben....

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Am Ende der Schlucht wieder leichteres Vorwärtskommen auf flachen Geröllboden am Bach entlang.....

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Der Bach verschwand dann unter der Erde und es ging über ansteigende Schottermoränenhügel weiter nach oben durch eine krasse Marslandschaft. Ab nun kein fließender Bach mehr bis zum Rio Colorado auf der anderen Pass-Seite.

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Ich konnte den Passübergang schon sehen. Das sah von weitem sehr böse aus! Wenn man das erste Mal in dieser Gegend trekken würde, könnte man vielleicht denken "ach so schlimm sieht es ja gar nicht aus." Da ich aber schonmal Treks hier gemacht habe, kannte ich die Berüchtigkeit dieser Hänge und wusste daß ich es heute niemals mehr schaffen würde.

Ich hatte auch kein gesteigertes Interesse daran jetzt noch weiterzugehen um am Fuße des Passes windausgesetzt zu campen. Hier war es zwar auch windausgesetzt, aber ich schlug mein Zelt trotzdem auf. Als die stärker werdenden Böen nachher mein Zelt schon fast zum wegwehen brachten, baute ich das Camp im Eiltempo wieder ab und flüchtet ein Stückchen weiter nach unten, wo ich hinter einen großen Felsbrocken eine geschützte Campstelle fand.

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hinter den Felsbrocken fand ich eine windgeschützte Campstelle

Den drauffolgenden Tag verbrachte ich eigentlich fast nur mit Routeauskundschaftung. Ich probierte an verschiedenen Stellen entlang des Kammes hochzukommen. Selbst ohne Gepäck sind dies extrem ätzende Geröllhänge aber mit Gepäck habe ich an einer Stelle für 100 Höhenmeter zwei Stunden gebraucht um dann festzustellen daß die restlichen 100 Höhenmeter bis nach oben zu extrem wurden! Am Nachmittag fand ich dann die Stelle die am leichtesten zu sein schien. Am Fuße dieses Hanges schlug ich hinter einen Felsbrocken mein Camp auf, denn ich hatte keine Energie mehr mich heute dort nochmal hochzuplackern. Aus einen teils gefrorenen Tümpel nebenan in einer Mulde konnte ich Wasser schöpfen.

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Ich war recht zuversichtlich daß diese Passüberquerung reibungslos verlaufen würde. Ich meinte mich zu erinnern daß ich bei meiner Google-Earth Routenplanung vor der Reise gesehen habe daß in etwa hier so ziemlich die einzigste Überquerung möglich wäre wo beim Abstieg runter zur anderen Seite ein glatter Geröllhang bis nach unten durchführt, ohne felsige Steilstufen dazwischen. Aber da sollte ich mich noch gründlich täuschen!!

Am nächsten Vormittag, also dem 6.Trekkingtag, bin ich dann endlich auf den Pass gekommen. Der Aufstieg war wie erwartet extrem hart und anstrengend auf sehr steilem Geröllhang. Manchmal war der Geröll sehr weich so daß man zwei Schritte wieder zurückrutscht nachdem man einen hochgestiegen ist, und an anderen Stellen war der Hang sehr hart und rutschig so daß ein Stufenhacken mit dem Pickel nötig war und dazwischen lagen dann noch paar brüchige Felsabschnitte. Für die nur 200 Höhenmeter vom Camp bis nach oben habe ich drei Stunden gebraucht!

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Meine Passaufstiegsroute vom Camp aus gesehen

Die Aussicht von oben war phantastisch, man sah sogar den Aconcagua.

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Auf der anderen Seite stand mir ein steiler Abstieg von fast 1400 Höhenmetern bevor. Das fing auch gut an, der Geröllhang war sehr weich, das heisst bergab konnte man fast runter rennen was sehr einfach war. Ich dachte wenn es so weitergeht könnte ich in einer Stunde unten am Fluss sein.

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Es ging aber nicht so weiter, der Geröllhang verengte sich zu schmale Rinnen, die zwischen den Felsen steil nach unten führten mit paar kleine Kletterpartien dazwischen, manchmal mehr rutschend als gehend, mit einem mulmigen Gefühl daß es dort unten vielleicht nicht mehr weitergehen wird.

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Es kam wie es kommen musste, denn plötzlich endete ich oberhalb eines Felsabsturzes der bestimmt Hundert bis Zweihundert Meter fast vertikal abfällt. Ein Abstieg dort runter kann man absolut vergessen und diesen extrem ätzenden Geröllhang wieder ganz zurück nach oben zum Pass zu steigen wird fast ein Ding der Unmöglichkeit! Ich habe mal nachgerechnet: Wenn ich heute morgen von meinem Camp für die 200 Höhenmeter hoch zum Pass drei Stunden gebraucht habe, würde ich für den Weg von hier zurück zum Pass wohl zwischen 10 bis 12 Stunden brauchen, in Schwerstarbeit und ohne einen Tropfen Wasser zu finden!

Ich war immer noch 600 Höhenmeter oberhalb des Talbodens und wollte auf jeden Fall versuchen hier irgendwie weiterzukommen. Daher ließ ich meinen Rucksack erstmal liegen um eine Route auszukundschaften. Die einzigste machbare Route schien am Hang entlang zu sein. Im auf und ab plackerte ich mich steile Geröllhangbänder entlang die ein Stückchen unter mir vertikal abstürzten und ein Stückchen über mir an der Felswand endeten mit paar felsige Kletterstellen dazwischen. Der Hang war teilweise extrem gefährlich und an einigen Stellen habe ich mir mit dem Eispickel in mühevoller Arbeit einen Pfad gehackt. Nach einen dreiviertel Kilometer endeten die Felsen und ich trat endlich mal wieder auf bewanderbaren Grund. Von hier konnte ich den Hang bis nach unten überblicken, es war alles leichter Geröllhang. Ich kehrte wieder um zum Rucksack den ich nach über 3 Stunden Auskundschaftung erreichte.

Da ich es heute wahrscheinlich nicht mehr schaffen würde diesen schwierigen Hangabschnitt mit Gepäck zu passieren entschied ich mich wohl oder übel hier zu campieren, denn dies hier war die einzigste kleine Stelle wo der Hang noch relativ sanft war. Eine schlimmere Campstelle kann man sich aber trotzdem kaum noch vorstellen, das Zelt an einen Geröllhang aufzuschlagen, der wenige Schritte weiter unten vertikal abstürzt. Mit dem Eispickel hackte ich mir eine halbe Stunde lang den Hang so zurecht daß das Zelt wenigstens halbwegs gerade stand.
Aus einem noch nicht ganz abgetauten Schneefeld oberhalb meines Zeltes am Fuße der Felswand tropfte etwas Wasser raus, es reichte um meine Flaschen damit zu füllen. Ich hatte ein Riesenglück daß diese Nacht mit zu den wenigen windstillen Nächten dieses Treks zählte. Wenn hier auch noch Wind aufkommen würde, wäre der Alptraum perfekt!

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Mein Camp 600 m oberhalb des Talbodens

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Aufgrund der nächtlichen Minusgrade war am nächsten Morgen das Minirinnsal weg, aber mein Wasser vom Abend reichte noch bis nach unten. Drei Stunden brauchte ich bis zum Ende des schwierigen Abschnittes bis wo ich gestern abend schon ausgekundschaftet hatte. Es war aber nicht einfach auf Anhieb die ausgekundschaftete Route wiederzufinden. Paarmal musste ich unterwegs meinen Rucksack liegenlassen um einige wichtige Schlüsselstellen nochmal neu zu suchen und um paar sehr steile Hangabschnitte erneut mit dem Pickel zu bearbeiten. Ohne Pickel wäre ich diese Route niemals entlanggegangen! An einer Kletterstelle habe ich meinen Rucksack separat abgeseilt. Als der schwierige Teil endlich geschafft war, ging es die restlichen 400 Höhenmeter auf leichten Geröllhang runter zum Rio Colorado.

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Auf steinigen Boden wanderte ich bei zunehmenden Wind am Fluss entlang das Tal weiter aufwärts.

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Es war sehr angenehm nun endlich mal wieder normal wandern zu können aber schon nach 4 Kilometern sah ich vor mir das Tal in schluchtige Felsbrockenabschnitte weiter ansteigen. Ich hatte keine Lust mehr heute noch weiter da hochzusteigen. Auf einer kleinen steinigen Flussbettsenke schlug ich, windgeschützt hinter einen Felsbrocken, mein Zelt auf. Da ich fürchtete daß der Wind stärker werden könnte, schichtete ich noch paar Steine zu einer kleinen Mauer auf, auch wenn das wahrscheinlich nicht viel gebracht hätte.

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8. und 9.Tag:
Nachdem ich die schluchtigen Felsbrockenabschnitte passiert hatte tauchte hinter der nächsten Talkurve ein namenloser blauer Bergsee auf.

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Dahinter wurde das Wandern wieder deutlich einfacher auf flachen gerölligen Flussbett-Talboden.

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Das Tal verzweigte sich wenig später in mehrere weite sanft ansteigende Gröllmoränenhochtäler. Der Fluss verschwand unter den Hügeln und tauchte nur manchmal kurz wieder an der Oberfläche auf. Von etwas weiter oben hatte ich einen super Blick zurück zu den blauen Bergsee von vorhin. Außerdem sah ich den Pass den ich die Tage zuvor überquert hatte.

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Vor mir sah ich auch schon meinen nächsten Pass, aber der sah noch recht weit entfernt aus. Das würde ich heute nicht mehr schaffen. Außerdem wehte ein sehr kalter und ungemütlicher Wind und weil ich nicht wusste wie es weiter oben mit Wasser und windgeschützten Campmöglichkeiten aussah entschied ich mich mein Zelt aufzuschlagen als ich eine einigermaßen geschützte Stelle hinter einen großen Felsbrocken fand. Ein Bach befand sich nebenan.

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Die Nacht war bis minus 9 Grad kalt. Von meinem Camp waren es noch etwa 6 Kilometer und 850 Höhenmeter bis zum Pass durch eine sehr sanft ansteigende weitläufige Felsbrocken- und Geröllmoränenlandschaft. Da die Wanderung recht anstrengend war und es von weitem so aussah daß das letzte Stück hoch zum Pass sehr steil und schwierig sein könnte, entschied ich mich nach einen Kilometer meinen Rucksack hier liegenzulassen um ohne Gepäck hochzusteigen. Nichts wäre schlimmer mich mit schweren Gepäck dort hochzukämpfen um dann festzustellen daß ein Abstieg runter zur anderen Seite nicht möglich wäre.

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Ohne Gepäck kam ich recht zügig vorwärts. Die letzten 150 Höhenmeter hoch zum Pass waren ziemlich steil aber dennoch wesentlich einfacher wie der erste Pass vor paar Tagen. Der untere Geröllhangabschnitt war noch der anstrengenste Part. Dann kletterte ich auf einer Felsrippe zwischen zwei Schneefeldern hoch und das letzte Stück auf rauhen Schneehang.

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Blick zurück von fast oben

Oben auf der Passhöhe kam ich auf einen Gletscher. Die Aussicht war atemberaubend und mit eines der landschaftlichen Top-Highlights dieses Treks!!!

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Auf der anderen Paßseite führt ein steiler Gletscherhang nach unten. Da ich meine Steigeisen leider im Rucksack liegen lassen hatte, traute ich mich nicht dort runterzusteigen weil der glatte Firnhang hart gefroren sein könnte. Somit konnte ich auch nicht testen wie steil der Hang weiter unten werden würde. Ich vermutete aber daß ein Abstieg mit Steigeisen wahrscheinlich möglich wäre.

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Auch wenn ein Abstieg wahrscheinlich machbar ist, hatte ich keine Lust darauf morgen nochmal mit schweren Gepäck hier hochzusteigen. Auf der gleichen Route stieg ich wieder ab und wanderte zurück zum Rucksack und weiter zurück zur letzten Campstelle, wo ich an der gleichen Stelle mein Zelt wieder aufschlug. Fast 8 Stunden war ich heute unterweg, dieser Tag hat sich gelohnt!

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10. und 11.Tag:
Ich wollte nun möglichst schnell diesen Trek beenden um weiter nach Chile zu reisen. Daher entschied ich mich das Tal des Rio Colorado abwärts zu wandern. Heute wurde also eine leichte Talwanderung wo ich trotz weglosem Gelände gut Strecke machen konnte. Das Tal fiel über den Tag ganz sanft ab.
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Knapp unterhalb von 3000 m Höhe tauchten die ersten grünen Gestrüppflächen auf. Wenig später schlug ich mein Camp auf.

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Der nächste Tag wurde mein letzter Trekkingtag. Das Tal fiel in mehreren Stufen deutlich ab und wurde wieder enger. Wegen felsiger werdendem Gelände wurde das Vorwärtskommen auch wieder langsamer.

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Nach vier Stunden mündete dieses Tal in das Haupttal des Rio Mendoza ein wo ich auf die Hauptstraße stieß. Hier sah ich in vorbeikommenden Autos die ersten Menschen seit 11 Tagen.

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Ich versuchte zurück nach Mendoza zu trampen. Diese Straße ist ja mit eines der meistbefahrensten internationalen Straßen von Argentinien nach Chile. Obwohl ständig Autos vorbeikamen, hielt aber keiner an. Nach zwei Stunden Warterei näherte sich der Bus von Puente del Inka, den hielt ich an und fuhr bis nach Mendoza mit.

Ehemaliger
18.12.2011, 09:14
Sehr beeindruckender Trek. Gut, dass Dir da nichts passiert ist.

fjellstorm
18.12.2011, 13:30
Wow,(wieder mal) sehr beeindruckend Bernd!;-)
Toller Trek in einer sehr beeindruckenden Landschaft!

Wildniswanderer
18.12.2011, 18:37
Wahnsinn! Ich weiß nicht ob es viele andere Trekkker gibt, die sich notfalls auch mit dem Eispickel ihren Weg schaffen...
Solche weglosen Touren ins Unbekannte können natürlich nicht mit dem Wandern auf einem Weg verglichen werden, aber was denkst du, wie weit war die Strecke dieses Treks?

berniehh
18.12.2011, 19:34
Solche weglosen Touren ins Unbekannte können natürlich nicht mit dem Wandern auf einem Weg verglichen werden, aber was denkst du, wie weit war die Strecke dieses Treks?
Die Gesamtdistanz dieses Treks betrug etwa 90 Kilometer bei Durchschnittlich knapp über fünfeinhalb Stunden pro Tag, incl. der Auskundschaftungszeit. Das heisst 8,1 Kilometer durchschnittlich pro Tag.

Die pro Tag zu schaffende Kilometerzahl kann in diesem Gebiet ganz erheblich variiren, jenachdem wo man sich gerade befindet. In den flachen Gerölltälern kann man trotz weglosem Gelände und schweren Rucksack in 8 Stunden auf jeden Fall über 20 Kilometer schaffen, auch wenn paar kleinere Hürden entlang der Route liegen.
Wenn man sich also eine Route durch die großen Haupttalsysteme des Rio Tupungato und Rio Tunuyan aussucht, wird man in ein/zwei Wochen schon ganz gut was an Strecke schaffen können, vorausgesetzt der Pass zwischen diesen Talsystemen ist nicht zu schwierig;-)
Mir persönlich ist eine hohe Kilometerzahl eher unwichtig. Ich baue lieber paar mehr Pässe ein bei spektakuläreren Landschaften und nehme dafür auch gerne eine geringere Durchschnittliche Tageskilometerzahl in Kauf, anstatt tagelang nur im Tal zu wandern.

berniehh
29.12.2011, 08:37
Anreise nach Patagonien

Dezember 2010

Nach meinen Trek durch die Cordón del Plata habe ich noch eine Nacht in Mendoza verbracht und bin dann nach Santiago de Chile weitergefahren. Ich nahm den Air-Condition Minibus, denn der kostete mit 80 Pesos genauso viel wie das billigste Busticket.

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Die 350 Kilometer lange Fahrt dauerte 6 Stunden und führte durch eine karge Gebirgslandschaft einmal quer über die Anden rüber mit Blick auf den Aconcagua. Obwohl ich die Strecke auf vorigen Reisen schon paarmal gefahren bin, fand ich die Landschaft immer noch genauso faszienierend wie auf der ersten Fahrt.

In Santiago wollte ich eigentlich ins Hostel Indiana, einer Billigabstiege im Zentrum, die hauptsächlich von Israelis besucht wurde. Bei meinen vorigen Santiago-Besuchen bin ich immer dort untergekommen, aber als ich diesmal da ankam, stellte ich fest daß es dieses Hostel garnicht mehr gibt.

Stattdessen bin ich dann ins etwas teurere Hostel Plaza de Armas gegangen, das im Lonely Planet empfohlen wird. Das ist ein sehr gutes und sauberes Hostel im obersten Stockwerk eines Gebäudes, mit Dachterasse und Blick über die Plaza de Armas, dem Zentrum der Stadt. Die Übernachtung kostete 660 chilenische Pesos, was umgerechnet etwa 10 Euro waren.

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Blick von der Dachterasse des Hostel Plaza de Armas

Im Gegensatz zu meiner letzten Chile/Argentinien Reise, wo ich von Santiago aus zu Fuß mehr oder weniger nah am Andenhauptkamm entlang bis runter nach Bariloche gewandert bin, wollte ich auf meiner diesjährigen Reise, mit Ausnahme der Cordón del Plata, die ganze Zeit in Patagonien verbringen.

Bevor ich nach Patagonien weiterreise, musste ich mir hier in Santiago noch alle topographischen Karten meiner geplanten Treks besorgen, denn Santiago ist der einzigste Ort in ganz Chile wo diese Karten erhältlich sind. Mit umgerechnet über 12 Euro pro Blatt sind diese Karten aber sehr teuer und ich würde dutzende Blätter brauchen, die zusammengerechnet hunderte Euros kosten würden. Daher wollte ich mir die Karten in der Nationalbibliothek ausleihen und fotokopieren. Zwei Tage hatte ich dafür eingeplant. Aus den geplanten zwei Taqen sind aber sechs Tage geworden, denn ich habe ja unglücklicherweise die denkbar ungünstigste Ankunftszeit für Santiago erwischt, nämlich einen Freitag Spätnachmittag. Wegen Wochenende öffnete die Bibliothek also erst wieder am Montag. Zusätzlich zum Wochenende kam dann auch noch ein Feiertag und ein Streiktag an dem natürlich alle Behörden geschlossen hatten. Na toll, vier Tage Zeit verloren!

Da ich am Samstag nicht viel zu tun hatte, nutzte ich die Zeit um nach einer billigeren Unterkunft zu suchen. Auf einer Hostelseite im Internet fand ich vier oder fünf Hostels die deutlich billiger schienen. Nach und nach habe ich die alle abgeklappert, nur um dann festzustellen daß die Preisangaben auf der Webseite falsch waren und diese Hostels im Endeffekt das gleiche kosteten wie das Plaza de Armas Hostel, bzw. der Preisunterschied so gering war daß es sich nicht lohnte zu wechseln.

Einige Tage später hatte ich dann bestimmt ein bis zwei Kilogramm fotokopiertes Kartenmaterial zusammen. Das waren Karten von mehr Trekkinggegenden wie ich in meiner restlichen Reisezeit überhaupt schaffen kann. Somit werde ich aber später noch die Möglichkeit haben mich zwischen mehreren Treks entscheiden zu können.
Zum Abschluß bin ich noch zu meiner Airlines gegangen um meinen Rückflug nach Deutschland um einen Monat nach hinten zu verschieben, vom 25.Februar auf den 23.März, somit hatte ich von jetzt an noch über dreieinhalb Monate für Patagonien.

Von Santiago nahm ich den Nachtbus ins 1000 Kilometer südlicher gelegene Puerto Mont. Als ich am nächsten Vormittag dort ankam, regnete es in Strömen.

Puerto Montt ist eine Hafenstadt mit etwa 170.000 Einwohnern. Dies wird meine Basislagerstadt für die nächsten paar Treks. Nach etwas Herumsuchen fand ich eine Unterkunft in einer Hospedaje für 6000 chilenische Pesos, incl. kleinem Frühstück, was für Puerto Montt Verhältnisse recht günstig war. Für eine Nacht checkte ich mich da ein, denn morgen wollte ich von hier aus zu meinen nächsten Trek aufbrechen.

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Puerto Montt

Mein nächster Trek sollte mal kein Gebirgstrek werden, sondern eher durch flaches bis hügeliges Land führen mit Küstenberührungen. Die abgelegene Südwestecke der Insel Chiloé hatte ich mir dafür ausgesucht.

Nachdem ich mir meinen Proviant für über 12 Tage besorgt hatte, wollte ich per Anhalter zu meinen Trekkingstartpunkt fahren. Gegen Mittag brach ich von Puerto Montt auf. Mein Ziel war der Parque Tantauco, etwa 285 Kilometer entfernt.

Das Trampen fing sehr gut an. Kurz nachdem ich mich am Stadtrand an die Straße stellte, bekam ich auch sofort meinen ersten Lift hinten auf der mit Gemüsekisten vollbepackten Ladefläche eines großen Kombis. Eine Ladenbesitzerfamilie nahm mich für 55 Kilometer bis zum Dorf Pargua mit, vonwoaus die Fähren nach Chiloé abfahren. Als wir dort ankamen habe ich noch schnell mitgeholfen die ganzen Kisten in den Laden zu tragen, bevor ich weiter zur Fähre gegangen bin für die kurze Überfahrt nach Chiloé.

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Überfahrt nach Chiloé

Chiloé ist mit über 180 Kilometern Länge nach Feuerland die zweitgrößte Insel Chiles. Bis zu meinen Trekkingstartpunkt war es also noch weit. Ich bekam aber sofort einen Anschlusslift für 27 Kilometer bis nach Ancud. Von dort nahm mich nach 20 Minuten warten ein amerikanisches Pärchen mit, die mit einem Mietauto unterwegs waren. Sie wollten zum Parque Nacional Chiloé an der Westküste. Nach 110 Kilometern ließen sie mich also südlich der Inselhauptstadt Castro, an der Abzweigung zu dem Nationalpark, raus. Ich wollte die andere Richtung weiter, also Richtung Süden, aber ab hier war nur noch sehr wenig Verkehr. Es war schon abend und ich fürchtete heute nicht mehr anzukommen. Nach 20 Minuten kam der Bus nach Quellón vorbei. Den nahm ich dann für die nächsten 50 Kilometer bis nach rechts die Piste zum Parque Tantauco abzweigte, wo ich auf freier Strecke ausstieg.

Diese Piste führt in die abgelegenste Ecke Chiloé´s, durch eine Sekundärwildnis aus gebrandschatzte Wälder mit vereinzelte kleine Weidelandlichtungen auf denen Siedlerhütten standen.

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bewohnte Siedlerhütte

Es waren noch 38 Kilometer bis zum Lago Chaiguata, wo die Piste endet und ich meine Trekkingtour starten wollte. Es kamen aber keine Autos mehr vorbei, also wanderte ich zu Fuß weiter. Nach 12 Kilometern erreichte ich eine leerstehende Hüttenruine am Lago Coipue, in der ich mir mein Nachtlager einrichtete.

Gerade in dem Moment als ich am nächsten Morgen weiterwandern wollte kam das einzigste Fahrzeug des Tages vorbei. Leider fuhr es aber nur paarhundert Meter weiter, es waren Einheimische die dort vorne Holz sammeln wollten. Im einsetzenden Dauerregen wanderte ich zu Fuß weiter.

Nach 6 Kilometern erreichte ich die Rangerhütte am Beginn des Parque Tantauco. Ab hier kam ich in die unberührte Primärwildnis. Tantauco ist ein großer Wildnispark, der die gesamte fast unbewohnte Südwestecke von Chiloé bedeckt. Von der Rangerhütte waren es noch 20 Kilometer bis zum Pistenende. Der anwesende Ranger meinte daß heute kein Fahrzeug mehr vorbeikommen wird. Er bot mir an hier campen zu dürfen und erzählte daß morgen früh ein Geländewagen mit Rangern vorbeikommen wird, mit dem ich bis zum Lago Chaiguata mitfahren könne.

Einerseits hatte ich überhaupt keine Lust darauf bis morgen zu warten und hockte deshalb noch stundenlang drinnen in der Hütte aber immer mit Blick nach draußen, in der Hoffnung daß der Ranger sich vielleicht geirrt hat und doch noch was vorbeikommt, aber andererseits hatte ich auch keine Lust dazu die 20 Kilometer bei dem Dauerregen zu Fuß zu wandern.

Irgendwann am Nachmittag hatte ich mich damit abgefunden daß ich heute wohl hierbleiben muss und schlug mein Zelt auf.

In einer Regenpause bin ich den Sendero Siepreverde gegangen. Das ist ein kurzer Pfad der durch den undurchdringlichen Valdivianischen Regenwald zum Lago Yaldad führt, den man nach etwa 20 Minuten erreicht.

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Valdivianischer Regenwald

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Lago Yaldad

Am nächsten Morgen wartete ich weiter bei der Hütte aber das angekündigte Fahrzeug kam und kam nicht. Gegen halb eins kam abr ein alter klappriger Kleinlaster vorbei. Ich sprang hinten auf die Ladefläche rauf, er fuhr aber nur die Hälfte der Strecke, also 10 Kilometer weit. Als ich danach zu Fuß weiterwanderte tauchte irgendwann doch noch der Rangerjeep auf, der mich dann für die restlichen paar Kilometer bis zum Ende mitnahm.

Die schlammige und vom Regen aufgeweichte Piste war nur mit Allradantrieb befahrbar und führte erst durch den unberührten Valdivianischen Regenwald, später dann mehr durch offenes sumpfiges Moor- und Gestrüppland.

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verwackeltes Foto, aus fahrender LKW-Ladefläche gemacht

Am Ende der Piste stand eine große neugebaute Rangerhütte am Ufer des Lago Chaiguata. Erst gegen 17 Uhr kam ich dort an aber trotz der späten Stunde bin ich am gleichen Tag noch losgewandert.

Ich wanderte auf den Sendero Transversal, der hinter der Hütte beginnt. Es ist ein relativ neuer markierter Wildnispfad, der zu dem Zeitpunkt als ich dort war noch in keinem Trekkingführer stand, ziemlich unbekannt und nur wenig begangen war. In naher Zukunft wird sich dies vermutlich aber schnell ändern.......

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fjellstorm
29.12.2011, 13:38
Fein,fein! Jetzt kommt der Patagonien-Teil. Bin ja schon gespannt was du da so alles getrieben hast.;-)

Mein nächster Trek sollte mal kein Gebirgstrek werden, sondern eher durch flaches bis hügeliges Land führen mit Küstenberührungen
Aber die Gebirgstreks kommen trotzdem noch, oder?:D

berniehh
30.12.2011, 13:09
Aber die Gebirgstreks kommen trotzdem noch, oder?:D
ja, gebirgige Treks kommen danach noch,.......aber auch der nächste Trek war, selbst ohne Gebirge, absolut top;-)

berniehh
07.01.2012, 14:40
Trek 13

Sendero Transversal // Chile

9 Tage

Dezember 2010

www.trekking.magix.net

1. bis 5.Tag: zur Caleta Zorra
Auch wenn ich erst kurz vor 17 Uhr am Trekkingstartpunkt angekommen bin, wanderte ich trotzdem noch los.

Der Sendero Transversal führt in 52 Kilometern nach Inio, einem kleinen abgelegenen Dorf an der Südküste, ohne Straßenanschluss. Von dort kommt man nur in einer fünfstündigen Bootsfahrt wieder zurück in die Zivilisation, das nur einmal pro Woche nach Quellón fährt. Wenn man also nicht tagelang in Inio rumhängen will, sollte man seine Ankunftszeit dort so planen daß sie mit den Abfahrtstagen des Bootes übereinstimmt.

Mein erstes Ziel auf diesen Trek war die Caleta Zorra, eine abgelegene Bucht an der Westküste, 41 Kilometer entfernt. Ich folgte den schmalen Wildnispfad am Westende des Lago Chaiguata und danach weiter am Rio Chaigua entlang bis zum nächsten See, dem Lago Chaiguaco. Nach weniger wie 3 Stunden erreichte ich mein Tagesziel, die Hütte am See.

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Auf der Insel Chiloé gab es bis vor kurzem ja nur eine Gegend die für Trekking interessant war, nämlich den Parque Nacional Chiloé an der Westküste, der aber nie mit mehr als nur ein paar Kurztreks aufwarten konnte. Seit neuestem hat jedoch der Parque Tantauco, was Trekkingpotential und Attraktivität anbelangt, dem Chiloé Nationalpark schon den Rang abgelaufen. Tantauco ist nun das Nr.1 Ziel auf Chiloé, und nicht nur das, was wandern auf markierte Wildnispfade betrifft ist der Parque Tantauco sogar gerade dabei sich im Schnelltempo zu eines der besten Trekkinggegenden von ganz Chile zu entwickeln.

Hierzu ein paar Sätze über die Parkgeschichte:

Die gesamte Südwestecke von Chiloé wird von einer unerschlossenen Wildnis bedeckt, ohne Straßen und Fahrwege. Aufgrund des undurchdringlichen Valdivianischen Regenwaldes im Küstenbereich und entlang der Flüsse, gab es dort bis vor wenigen Jahren auch noch keine Pfade und somit war das Gebiet selbst zu Fuß fast undurchquerbar.

Das Land sollte ursprünglich der Profitgier zum Opfer fallen. Es gehörte einem reichen Amerikaner, der es für die Holzwirtschaft und somit für die Zerstörung vorgesehen hatte.

Der chilenische Präsident Sebastian Piñera hat ihm das Land von seinem Privatvermögen abgekauft um es unter Schutz zu stellen. Diese Aktion kam in der Öffentlichkeit sehr gut an, was zeigt daß nun auch in Chile der Naturschutz immer mehr zum Thema wird. Jahre zuvor war das nämlich noch ganz anders, denn als der ehemalige North Face Besitzer Douglas Tompkins 1991 ein riesiges Stück patagonische Wildnis kaufte und daraus den Parque Pumalín gründete, kam es gar nicht gut in der Öffentlichkeit an.

Im Jahre 2005 wurde dann der Parque Tantauco gegründet, der von der Fundación Futuro verwaltet wird. Die haben zwischen 2007 und 2010 etwa 150 Kilometer Pfade durch die Wildnis gehackt, einfache Unterkunftshütten errichtet sowie Hängebrücken über die Flüsse gebaut und somit ein Trekkingparadies neu entstehen lassen.

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Am zweiten Tag wanderte ich die 12,5 Kilometer zur nächsten Hütte an der Laguna Pirámide. Das Land ist hügelig und mit einigen Seen versetzt. Die Route führt durch eine Mischung aus moosige Buschwaldabschnitte und viele offene Moorgebiete, die oft durch Holzplankenstege überbrückt sind.

Abends in der Hütte traf ich zwei Parkmitarbeiter, die hier eine Woche für Pfadarbeiten verbrachten.

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Dies ist der einzigste Trek auf meiner 8-monatigen Reise, den man auch ohne Zelt machen kann, denn man kann hier jeden Tag in Hütten übernachten, die etwa im Abstand von 8 bis 15 Kilometer auseinanderliegen.

Es sind einfache kleine Holzhütten, etwa im gleichen Stil gebaut wie die neuseeländischen Wildnishütten, unbewirtschaftet und ohne Hüttenwart. Im Innern befindet sich ein Ofen mit Feuerholz, ein Holztisch mit Sitzbänke und 8 Schlafplätze, meistens mit Matrazen, aber ohne Decken. Einen Schlafsack braucht man auf jeden Fall und eine Isomatte würde ich auch empfehlen mitzunehmen, denn nicht alle Hütten hatten ausreichend Matrazen. Neben den Hütten liegen in der Regel auch gute Campstellen.

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Der Sendero Transversal wird ohne Abstecher mit 5 Tagen angegeben, auch wenn es in einigen Fällen leicht möglich ist eine Hütte zu überspringen und es in weniger Zeit zu schaffen.

Am nächsten Tag verließ ich den Sendero Transversal fürs erste, um einen Abstecher zur 21 Kilometer entfernten Caleta Zorra zu machen.
Es waren 15 Kilometer zur nächsten Hütte an der Laguna Emerenciana. Diese Route wird noch weniger begangen. Auf den offenen Moorflächen war der Pfad so gut wie garnicht mehr erkennbar, hier folgt man nur den provisorischen Markierungen.

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Die Wälder wurden moosiger und uriger, die offenen Moorflächen nahmen deutlich ab, später ging´s durch den pantastischen valdivianischen Regenwald. Die Hängebrücke über den Rio Zorra sowie die Holzbrücke über den Rio Huillín waren nagelneu von 2010 und sahen aus als ob sie eben gerade erst fertigstellt wurden.

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Das Refugio Emerenciana liegt am Seeufer und wurde gerade von vier Pfadarbeitern bewohnt, die hier 9 Tage am arbeiten waren und übermorgen wieder zurück in die Zivilisation wandern wollten.

In allen Hütten findet man in der Regel ein Hüttenbuch vor, das Buch in der Refugio Emerenciana liegt hier seit Anfang 2010. Im Januar, Februar und März hatte es Einträge von jeweils einer Trekkinggruppe pro Monat und für den Rest des Jahres keine.

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Am vierten Tag wollte ich eigentlich eine Tagestour zur Caleta Zorra machen, aber das Wetter war zu schlecht, Dauerregen den ganzen Tag! Ich machte mir also einen gemütlichen Schlechtwetterruhetag in der Hütte.

Am drauffolgenden Morgen erleuchtete der See in strahlenden Sonnenschein. Ich ließ mein Gepäck in der Hütte und brach auf Richtung Küste.

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Die sechs Kilometer zur Caleta Zorra führten durch unvorstellbar phantasischen Regenwald, immer am Rio Zorra entlang.

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Die Valdivianischen Regenwälder bedecken weite Teile West-Patagoniens und zählen mit zu den dichtesten und am schwierigsten durchquerbaren Regenwäldern die ich auf der Welt kenne. Die Hauptschuld daran trägt der unvorstellbar dichte Unterbewuchs des fast allgegenwärtigen Bambus. Andere gemäßigte Regenwälder der Südhalbkugel, beispielsweise in Neuseeland und Tasmanien, sind ohne Wege deutlich leichter durchquerbar. Aus diesem Grund sind die patagonischen Regionen der Valdivianischen Regenwälder für wegloses Querfeldeinwandern nicht wirklich geeignet.

Nach zwei Stunden erreichte ich das Meer, der Pfad endete auf dem Hügel oberhalb des vier Kilometer langen Strandes.

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Ich kletterte runter zum Strand und wanderte ihn entlang. Am Südende, in der Flußmündungslagune des Rio Zorra, lag ein kleines Fischerboot. Als die Fischer mich erblickten luden sie mich zum Mate trinken auf ihr Boot ein. Mate ist ein in Chile und Argentinien weit verbreitetes Aufgußgetränk, das aus den kleingeschnittenen getrockneten Blättern des Mate-Strauches gewonnen wird.

Die Fischer kommen aus Quellón. Sie waren über mein Auftauchen ziemlich erstaunt und wollten wissen wie ich hierhergekommen bin. Obwohl sie öfter mit ihrem Boot hierherkommen, war ihnen nicht bekannt daß es auch einen Pfad zu dieser Bucht gibt. Ich sollte ihnen zeigen wo sich der Einstieg befindet, den man vom Strand aus nicht sehen kann, auch wenn man noch so gründlich sucht.

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Zum Abschied schenkten mir die Leute noch einen großen Fisch. Danach bin ich die vier Kilometer zum Nordende des Strandes gewandert bevor ich mich irgendwann am Nachmittag wieder auf dem Rückweg zur Refugio Emerenciana gemacht habe.

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Abends in der Hütte habe ich mir den Fisch gebraten. Die Pfadarbeiter waren am Morgen wieder zurück Richtung Lago Chaiguata gewandert, ich war nun also alleine in der Hütte.

Der Abstecher zur Caleta Zorra hat sich auf jeden Fall gelohnt. Da aber zum damaligen Zeitpunkt eine Weiterwanderung von der Caleta Zorra nicht möglich war, musste man auf den gleichen Weg wieder zurück zur Refugio Pirámide am Sendero Transversal.

Die Pfadarbeiter, und später auch Ranger in Inio, haben mir aber erzählt daß demnächst damit begonnen werden soll einen weiteren 50 bis 60 Kilometer langen Pfad zu hacken, der von der Caleta Zorra die gesamte Küste entlang bis nach Inio führen soll. Die geplante Fertigstellung soll gegen Ende 2011 / Anfang 2012 liegen. Später sollen wohl auch Hütten entlang dieser Route gebaut werden. Diese Info habe ich im Dezember 2010 bekommen,.....also wer weiß, vielleicht ist die Route mittlerweile ja schon fertig. Demnach wird ein Rundtrek von etwa 10 Tagen Länge möglich sein, auf einem Netz markierter Trekkingpfade, daß es in vergleichbarer Länge in ganz Chile außer hier nur noch im Torres del Paine Nationalpark gibt.

6. bis 9.Tag:
Im Regen bin ich die 15 Kilometer zurück zur Refugio Pirámide gewandert. Hier traf ich drei französische Trekker, die vorgestern am Lago Chaiguata starteten und auf den Sendero Transversal nach Inio wandern wollen.

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Eigentlich wollte ich ab hier eine Hütte überspringen um in zwei Tagen Inio zu erreichen. Das Wetter machte mir aber einen Strich durch die Rechnung. Weil es zu regnerisch und ungemütlich war, wanderte ich am 7.Tag nur 15,5 Kilometer bis zur Refugio Huillín und am drauffolgenden Tag 7,5 Kilometer bis zur Refugio Mirador Inio. Die Franzosen traf ich abends immer in den Hütten, sie waren die einzigsten Trekker die ich auf der gesamten Tour getroffen habe.

Das Wetter war insgesamt auf diesem Trek typisch patagonisch, das heisst also wie in einen schlechten Norddeutschen Sommer: Von den neun Tagen waren drei schön und die restlichen sechs unbeständiges naßkaltes Schauerwetter mit viel Wind, an drei Tagen sogar mit langandauerndem Regen.

Der Sendero Transversal ist in weiten Abschnitten sehr matschig, der Pfad ziemlich wurzelig und uneben. Die einheimischen Pfadarbeiter waren alle mit Gummistiefeln unterwegs aber verglichen mit meinen vorigen Treks war dies immer noch ein leichter Spaziergang. Über 15 Kilometer am Tag sind auf jeden Fall locker zu schaffen, auch wenn man dafür in etwa die gleiche Zeit braucht, die man auf trockene Pfade für 25 Kilometer benötigt.

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Landschaftlich ging es weiterhin abwechselnd durch offenes Moorland und sehr moosige Hochmoorwälder.

Am neunten Tag, also meinen letzten Trekkingtag, ging es die letzten fast 10 Kilometer bis nach Inio durch einen Regenwald wie man sich ihn spektakulärer nicht mehr vorstellen kann.

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Gegen 12 Uhr Mittag erreichte ich kurz vor Inio die Abzweigung auf den Sendero Quilanlar-Chonos. Diesen 22 Kilometer langen Extra-Schlenker wollte ich unbedingt noch machen. Normalerweise wird diese Route in zwei Tagen begangen, mit einer Hüttenübernachtung dazwischen. Das Problem war aber daß morgen früh das Boot nach Quellón abfährt, das ich auf keinen Fall verpassen darf wenn ich nicht eine Woche lang in diesem Dorf rumhängen will. Mit Gepäck schaffe ich es heute aber nicht mehr, daher wollte ich die Route ohne Gepäck in einen Nachmittag wandern.

Ich machte einen kurzen Abstecher nach Inio um meinen Rucksack dort irgendwo unterzustellen. Die Rangerstation hatte noch geschlossen, man sagte mir die macht erst Anfang Januar auf. Ich durfte meinen Rucksack aber in einer Arbeiterunterkunft deponieren, danach wanderte ich gleich los.

Nach anderthalb Stunden Wanderung durch einen phantastischen Märchenwald erreichte ich das Mündungsgebiet des Rio Quilanlar.

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Der Pfad führte spektakulär an einer felsigen Regenwaldböschung entlang, dann irgendwann runter in die Küstensenke wo ich auf einen großen Strand kam.

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Die Hütte stand etwas versteckt auf einen Dschungelhügel, erst nach ein wenig rumsuchen fand ich sie. Hier machte ich eine verspätete Mittagspause.

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Weiter gings für viele Kilometer die Küste entlang, oft im dichten Regenwald oberhalb der Steilküste, aber auch durch einige Buchten mit Strände.

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Gegen Abend erreichte ich wieder Inio. Dieses kleine Dorf hat etwa 150 Einwohner und liegt an der Mündung des Rio Inio. Es gibt keine Straßen hier und Elektrizität nur aus Generatoren. Übernachten durfte ich mit in der Arbeiterunterkunft.

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Inio

Als Fazit kann ich nur sagen daß mir dieser Trek sehr gut gefallen hat. Der Parque Tantauco ist als Trekkinggebiet auch noch kaum bekannt. Laut Rangerauskunft wandern derzeit etwa 100 Leute pro Jahr den Sendero Transversal, die Nebenroute zur Caleta Zorra sogar deutlich weniger. Fast alle Leute gehen zwischen Dezember und März, in den restlichen Monaten dagegen niemand. Das heißt also daß in der Hochsaison etwa 30 Leute pro Monat den Trek machen, das macht einer pro Tag. Wenn man davon ausgeht daß Alleingänge eher die Ausnahme sind und fast alle Leute in der Gruppe gehen, wird man in der Hochsaison im Schnitt nur alle paar Tage mal andere Trekker treffen.

Ich vermute zwar sehr stark daß in den nächsten paar Jahren der Bekanntheitsgrad dieses Treks deutlich zunehmen wird, aber zum jetzigen Zeitpunkt ist es auf jeden Fall noch ein Geheimtip!

Am nächsten Tag kam das kleine Frachtboot aus Quellón an. Die Waren mussten erst aus- und wieder eingeladen werden bevor die insgesamt fünf Passagiere aufs Boot durften, die drei Franzosen waren auch dabei.

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Die Fahrt nach Quellón dauerte über fünf Stunden entlang der unbewohnten Wildnis der Südküste. Abends im dunkeln legten wir in der kleinen Küstenstadt an und ich checkte mich in einer günstigen Hospedaje ein.

Am drauffolgenden Morgen nahm ich den Bus zurück ins 180 Kilometer entfernte Puerto Montt, wo ich nach 6 stündiger Fahrt am frühen Nachmittag ankam.

PWD
07.01.2012, 15:54
Wieder einmal ganz toller Bericht. Ich bekomme Heimweh nach meinen Jahren in Brasilien; da sah´s ganz ähnlich aus.

Wildniswanderer
08.01.2012, 10:03
Toll, wenn man deine Bilder sieht, glaubt man gar nicht, dass das Wetter dort meist ganz anders ist...

Schön, dass sich dort im chilenischen Patagonien etwas tut, was Trekkingtourismus angeht. Denn wie du ja geschrieben hast, die Alternative ist häufig Abholzung und Umwandlung in monotone Holzplantagen.

Viele Leute denken ja, dass Patagonien ein traumhaftes Trekkingziel ist. Das wäre es von seinem Potential her auch ganz sicher, aber von wenigen Ecken abgesehen, gibt es ja bislang kaum längere Wanderrouten. Vielleicht ändert sich das ja ein wenig, wenn sich Tantauco als Erfolgsmodell herausstellt.

paddel
08.01.2012, 11:04
Danke für den schönen Bericht. Sieht ja sehr reizvoll aus "da Unten".

Spricht etwas dagegen die Runde anders rum zu laufen? Man könnte so dem Druck entgehen unbedingt an einem bestimmten Tag in Inio, zwecks Bootfahrt, sein zu müssen.

berniehh
08.01.2012, 13:03
Spricht etwas dagegen die Runde anders rum zu laufen? Man könnte so dem Druck entgehen unbedingt an einem bestimmten Tag in Inio, zwecks Bootfahrt, sein zu müssen.
Nein, es spricht überhaupt nichts dagegen die Route auch andersherum zu laufen.

Zu dem Zeitpunkt als ich dort war, fuhr zum Lago Chaiguata aber nicht jeden Tag ein Fahrzeug hin, d.h. du wirst dort Probleme bekommen per Anhalter wieder wegzukommen, es sei denn du bestellst dir zu einem bestimmten Zeitpunkt einen Abholdienst dorthin. Die Französischen Trekker haben, glaube ich, umgerechnet 70 Euro für einen Transport von Quellón zum Trekkingstartpunkt bezahlt. Zur Not kann man die Strecke aber auch zu Fuß laufen.

Wenn man das nötige Geld hat lässt sich sicher auch von Inio außerhalb der regulären Bootabfahrtstage ein Charterboot nach Quellón organisieren.

Zudem fand ich die Küstenabschnitte, sowie den valdivianischen Regenwald in Küstennähe, die attraktivsten Abschnitte des Treks, was wiederum dafür spricht diese Abschnitte zum Schluss zu machen.

berniehh
12.01.2012, 01:01
Trek 14

Rio Cochamó //Chile

6 Tage

Dezember 2010

www.trekking.magix.net

Am Nachmittag des 23.Dezember kam ich wieder in Puerto Montt an. Ich wollte nicht mehr ins gleiche Hostel vom letzten Mal weil es dort keine Kochgelegenheit gab. Diesmal bin ich zur Familie Uribe gegangen, die ihr Privathaus zu einem Hostel umfunktioniert haben, der Casa Perla. Die Adresse hatte ich aus dem Lonely Planet.

Am 1.Januar wollte ich mich hier in Puerto Montt mit Gerald treffen. Bis dahin hatte ich also noch eine Woche Zeit für einen weiteren Trek. Mein Ziel war der Rio Cochamó.

Das Cochamó Valley liegt in den Anden etwa 100 Kilometer östlich von Puerto Montt, nahe der argentinischen Grenze. Wegen seiner bis zu 1000 m hohen vertikalen Granitwände wird das Tal auch als "Yosemite von Chile" bezeichnet.

Die seit vielen Jahren bestehenden Pläne dieses Tal für eine intensive Forstwirtschaft zu nutzen, inclusive Straßenbau und Wasserkraftwerke, wurden glücklicherweise erfolgreich von den Einheimischen bekämpft. Ende 2009 wurde das Cochamó Valley endlich unter Schutz gestellt! Anscheinend besteht aber immer noch die Gefahr, daß die in Chile ziemlich starke Wirtschaftslobby diesen Beschluss anfechten könnte.

Heute ist das Tal beliebt bei Kletterer und Trekker, aber fast jeder wandert nur einen Tagesmarsch rein bis nach La Junta und den gleichen Weg wieder zurück. Ich wollte nicht auf den gleichen Weg wieder zurück, sondern noch weiterwandern, wusste aber nicht welche Route dafür in Frage kommen würde. Alle im Netz gefundenen Routenbeschreibungen führten nur bis La Junta und auch auf den Kopien meiner IGM-Karten führten keine durchgehenden Pfade von dort aus weiter. Deshalb wollte ich erstmal bis nach La Junta und dann vor Ort mal schauen welche Weiterwandermöglichkeiten sich ergeben würden.

Den 24.Dezember verbrachte ich mit Notwendigkeiten wie Wäsche waschen sowie meinen Trekkingproviant für eine Woche einzukaufen. Abends im Hostel kochte Frau Uribe ein leckeres Weihnachtsmenü aus Truthahnbraten, an dem ihre ganze Familie sowie auch die Hostelgäste teilnehmen konnten.

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Da ich am nächsten Morgen, dem 25.Dezember, nicht rechtzeitig aus dem Bett kam, verpasste ich den Morgenbus nach Cochamó und musste den nächsten nehmen, der erst mittags fuhr.

Das Dorf Cochamó liegt am Ufer des von bewaldeten Bergen umrahmten Reloncavi Fjords. Nach zweieinhalb Stunden Busfahrt, davon die letzten 15 Kilometer auf Schotterpiste, stieg ich kurz hinter dem Dorf aus, wo das Tal des Rio Cochamó einmündete.

1. bis 3.Tag:
Viertel nach zwei kam ich hier an und wanderte dann gleich los. Es sind 20 Kilometer bis nach La Junta. Die ersten 8 Kilometer davon waren langweilige Pistenwanderung dieses bewaldete Gebirgstal aufwärts.

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Nach einer Stunde und zwanzig Minuten erreichte ich endlich das Ende des Fahrweges. Ab hier wird die Route dann interessant, denn es geht nur noch auf Pfade weiter. Schon zwei Kilometer weiter fand ich eine schöne Campstelle am Fluss, wo ich Schluss für heute machte, obwohl es erst 16 Uhr war.

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Am nächsten Vormittag wanderte ich weiter dieses phantastische wilde Regenwaldtal aufwärts. Es war nicht zu übersehen daß der Pfad viel begangen wird und auch häufig von einheimischen Reitern benutzt wird, denn die Route ist ziemlich matschig. Der Regenwald ist sehr schön, aber trotzdem bei weitem kein Vergleich zum grandiosen Märchenwald im Parque Tantauco. Dafür besticht dieses Tal mit seiner spektakulären Gebirgslandschaft, die wiederum im Parque Tantauco fehlt.

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Nach 10 Kilometer erreichte ich gegen 1 Uhr Mittags La Junta, das nur aus einer bewohnten Hütte besteht. Hier befindet sich eine Campwiese und auf der anderen Flußseite steht eine bewirtschaftete Unterkunftshütte, die von einem Amerikaner betrieben wird.
Einige Zelte standen hier, hauptsächlich Kletterer, aber auch paar Trekker waren dabei, die meisten Amerikaner.

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Ich kam hier mit Chris, einem Kletterer aus Kalifornien ins Gespräch. Er erzählte mir daß im kalifornischen Yosemite Valley Kletterer nicht mehr so gerne von den Parkrangern gesehen werden und seitdem scheinen sie immer mehr hierher zu kommen. Chris verbringt über eine Woche hier.

Von hier aus wollte ich einen Abstecher auf einen Aussichtsberg machen, dem Cerro Arco Iris, von dem ich schon vor meiner Reise Fotos auf Google Earth gefunden hatte. Chris empfiehl mir den Aufstieg und meinte dies sei der landschaftlich spektakulärste Abstecher den man von hier aus machen kann, aber er meinte auch es wäre vielleicht schon etwas zu spät dort heute noch raufzusteigen.

Bis morgen wollte ich aber nicht warten, das wäre mir ein zu großer Zeitverlust, ohne Gepäck müsste es doch heute noch zu schaffen sein. Ich durfte meinen Rucksack bei Chris im Zelt deponieren und nachdem ich noch kurz meinen Mittagssnack gegessen hatte wanderte ich gegen 14 Uhr los.

Der schmale Pfad führte von 330 m in La Junta bis auf 1350 m, also 1000 Höhenmeter ziemlich steil durch Wald nach oben mit paar Kletterstellen, zwei davon mit Fixseil an den Felsen. Manchmal boten sich durch die Bäume grandiose Ausblicke runter ins Tal.

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Blick ins Tal des Rio La Junta

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Ich wanderte ziemlich schnell und nach einer Stunde und 15 Minuten kam ich oben an. Paar andere Leute waren auch noch hier oben. Der eigentliche Gipfel war dies zwar noch nicht, denn der liegt 1627 m hoch, also noch 300 m höher, ist aber wegen steilem Schneehang in dieser Jahreszeit ohne Steigeisen und Pickel noch zu gefährlich, da ging momentan noch keiner hoch. Der Rundblick war natürlich absolut überwältigend, dieser Abstecher ist das landschaftliche Top-Highlight des gesamten Treks!!

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Nach einer ganzen Weile stieg ich wieder ab und nach insgesamt 4 Stunden war ich gegen 18 Uhr wieder unten in La Junta.

Hier bei der Campstelle hing eine gute Trekkingkarte, auf der ein Pfad Richtung Osten zum Rio Manso und weiter nach Argentinien führt auf einer alten Viehtreiberroute. Etwa 5 bis 6 Tage soll die Tour dauern.

Ich wollte aber nicht nach Argentinien, sondern den Rio Manso weiter abwärts zum Rio Puelo und dann zurück nach Puerto Montt. Die Trekkingkarte endete aber am Rio Manso und auch auf meinen IGM-Karten war am unteren Rio Manso kein durchgehender Pfad eingezeichnet. Da die Gegend auf der Karte aber bewohnt aussieht, vermutete ich daß es einen Pfad geben muss.
Während meiner Wanderung auf den Cerro Arco Iris hatte ich ja Zeit zum überlegen, da bin ich zum Entschluss gekommen daß ich diese Route gehen will und daß sie in meinen verbleibenen 5 Tagen auch zu schaffen sein müsste.

Weil ich in La Junta kein Geld für´s campen ausgeben wollte, wanderte ich heute noch weiter und folgte den Pfad durch Regenwald am Fluss entlang talaufwärts. Nach 2 Kilometern schlug ich dann mein Zelt auf.

Kurz vor meinem Aufbruch am nächsten Morgen kam an meinem Camp ein Australier mit seinem Führer vorbeigeritten. Er lebt und arbeitet auf einer Forschungsstation in Südgeorgien und hat mir noch paar interessante Details über diese abgelegene und schwer erreichbare Insel erzählt. Nun war er auf dem Weg nach Argentinien. Sein Führer wollte ihn allerdings nur bis zur Grenze begleiten und dann alleine mit den Pferden wieder zurückreiten.

Ich wanderte den ganzen Tag dieses wilde Regenwaldtal weiter aufwärts. Ab La Junta wird der Pfad deutlich weniger begangen, ist aber dennoch sehr matschig. Das liegt hauptsächlich daran daß die Einheimischen diese Route überwiegend auf Pferde reiten.

Im oberen Drittel des Rio Cochamó wohnen zwar keine Leute aber dennoch wird der Wald häufig von kleinen Rinderweidelichtungen unterbrochen und an paar leerstehende Hirtenhütten wanderte ich vorbei. Von diesen Graslichtungen boten sich schöne Ausblicke auf die umliegenden Berge, die man im Wald nicht hatte. Talabwärts sah ich sogar den Cerro Arco Iris, auf dem ich gestern war. Drei größere Nebenbäche mussten durchwatet werden.

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Nach 4 Stunden erreichte ich den Rio Arco. Ein Wasserfall stürzt hier durch einen imposanten natürlichen Felsbogen.

Hier holte ich den Australier mit seinem Führer wieder ein. Sie wollten für heute nicht mehr weiterreiten und waren gerade dabei ihr Camp aufzuschlagen.

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Ich wanderte noch drei Stunden weiter über den niedrigen bewaldeten Pass rüber. Auf kurze Abschnitte am Beginn war der Pfad noch mit Brettern überlegt aber fast der gesamte Rest bestand aus einer einzigen tiefen Schlammbahn wo man mehr als knietief versank, ein Umwandern war so gut wie unmöglich!! Der Sendero Transversal war ja schon sehr matschig, aber das was ich hier gesehen habe übertrifft fast alles an matschigen Treks die ich bisher auf der Welt gemacht habe!!

Kurz hinter dem Pass fand ich die erste trockene Campstelle seit dem Rio Arco. Es war eine traumhafte Stelle auf knapp 1000 m Höhe am Ufer eines kleinen waldumgebenen Sees. Hier blieb ich natürlich.

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4. bis 6.Tag:
Dies ist ein abenteuerlicher Trek der noch nicht so bekannt ist. Im Schnitt habe ich nur einmal pro Tag andere Trekker getroffen.

Kurz hinter dem See führt der Pfad runter ins Tal des Rio Correntoso. Hier kam ich ans Ufer des 8 bis 9 Kilometer langen Lago Vídal Gormaz.

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Die matschigsten Stellen waren nun vorbei, die nächsten 3 Tage bis zum Trekende waren also leichtes wandern durch Wälder am Fluss entlang auf weitgehend trockene Pfade.

Es ist aber keine unbewohnte Wildnis, in diesem Tal wohnen einige Familien auf ihren kleinen Gehöften, sehr abgelegen auf Waldlichtungen, nur auf Pfade erreichbar und tagelang vom nächsten Fahrweg entfernt. Die Menschen leben von Viehzucht.

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Am nächsten Vormittag erreichte ich den Rio Manso. Dieser Fluß entspringt beim Monte Tronador im argentinischen Nahuel Huapi Nationalpark, fließt dann über die Grenze nach Chile und mündet irgendwann in den Rio Puelo ein, der wiederum im Reloncavi Fjord das Meer erreicht. Wenn ich also nach Argentinien wollte, müsste ich nun talaufwärts wandern, es wären dann noch 12 bis 15 Kilometer bis zur Grenze, dort beginnt ein Fahrweg der nach El Bolson führt.

Ich bin talabwärts gewandert und somit in Chile geblieben. Erst nach 4 stündiger Waldwanderung kam ich auf die nächste Weidelichtung mit bewohntem Gehöft. Die Wälder sind hier etwas trockener und weniger bemoost wie die Regenwälder am Rio Cochamó.

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Unterwegs kam mir ein Russe entgegen. Er ist von Argentinien aus durch das Tal des Rio Puelo nach Chile gewandert und will über den Rio Manso wieder zurück nach Argentinien. Er lebt und arbeitet seit einem Jahr illegal in El Bolson, Argentinien. Da sein Touristenvisum aber bald wieder abläuft musste er kurz mal aus dem Land reisen um eine neue 3 monatige Aufenthaltserlaubnis in den Pass gestempelt zu bekommen.

Am Vormittag des sechsten Trekkingtages erreichte ich den Rio Puelo. Hier stieß ich auf einen Fahrweg und mein Trek endete nach insgesamt 92 Kilometern.
Dies ist eine typische einsame patagonische Piste auf der nicht viel los ist. Da kein Auto vorbeikam musste ich die 11 Kilometer zum Lago Taguatagua zu Fuss laufen. Von dort muss man per Autofähre auf die andere Seite des 12 bis 13 Kilometer langen Sees fahren wo die Anschlusspiste beginnt. Auf der Fähre lernte ich sehr nette chilenische Familie kennen, die mir eine Mitfahrgelegenheit zurück nach Puerto Montt anboten.

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Als Fazit kann ich nur sagen daß dies ein lohnender Trek war durch eine recht ursprüngliche Gegend.
Auch das Wetter war mal perfekt. Die ersten zwei Tage waren zwar noch etwas unbeständig und bewölkt, aber danach Sonne pur und recht heiss mit Temperaturen wie ich sie bis jetzt nur selten in Patagonien erlebt habe.

heron
12.01.2012, 09:56
Das sind ja wieder zwei grossartige Gegenden!
Und es sieht auch nach Möglichkeiten fürs Packraft aus - fliesst der Rio Cochamó bis in den Fjord in so schönen entspannten Mäandern?

hambe
12.01.2012, 12:36
Sehr beeindruckend !
Da ist ja ein Trek schöner als der andere !!!
Ein sehr beeindruckendes Tal!
Da werden auch gleich wieder Erinnerungen an unseren Patagonienurlaub wach #seufz#

berniehh
12.01.2012, 22:01
Und es sieht auch nach Möglichkeiten fürs Packraft aus - fliesst der Rio Cochamó bis in den Fjord in so schönen entspannten Mäandern?
Ich bin ja kein Packrafter und konnte auf meiner Trekkingtour den Fluss auch längst nicht durchgehend in Augenschein nehmen.
Viele Abschnitte fließen so sanft wie auf den Fotos, dazwischen liegen aber immer wieder Stromschnellen, deren Schwierigkeitsgrad mit dem Packraft ich nicht beurteilen kann.

Aber ich denke schon daß sich da super Packrafttouren machen lassen können.
Von La Junta bis zum Fjord sind es 20 km auf denen der Fluss nur 330 hm abfällt.
Beim Rio Manso sieht es noch besser aus: Von der Stelle wo ich an den Fluss kam bis zum Fjord fällt der Fluss auf schätzungsweise 60 km nur 300 hm ab.
Dazu dann noch der Abschnitt in Argentinien: Von Pampa Linda bis zu der Stelle wo ich an den Fluss kam sind es mindestens 100 km, wenn man die ganzen Schleifen mitzählt deutlich mehr, vielleicht 200 km (?), auf denen der Fluss 550 hm abfällt, wobei einige Seen durchfahren werden.

Auf den Seen ist der Wasserspiegel aber oft nicht so spiegelglatt ist wie Wasserflächen auf deinen Grönlandfotos. Durch das häufig sehr windige Wetter kann es dort recht wellig sein, so wie hier auf meiner Fährüberfahrt über den Lago Taguatagua.


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Feurio
13.01.2012, 01:13
Einfach genial, der ganze Bericht (ich freue mich über jeden Update):
Schöne Beschreibung deiner wirklich abenteuerlichen Unternehmungen, die einem die Brust vor Tatendrang schwellen lässt; und dann noch gespickt mit schön illustrierenden Fotos.
Wirklich großartig, mein Kompliment und Dank!

berniehh
15.01.2012, 20:59
Trek 15

Hornopirén Traverse//Chile

9 Tage, ca. 80 km

Januar 2011

Dies ist der erste von den nächsten drei Treks, die ich zusammen mit Gerald gemacht habe.

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Allgemeines
Der Hornopirén Nationalpark liegt relativ abgelegen am nördlichen Ende der Carretera Austral und besteht aus einer zerklüfteten und schwer zugänglichen Gebirgslandschaft, die teilweise vergletschert ist. In den Tälern wuchert undurchdringlicher valdivianischer Regenwald, in denen auch viele Alercen vorkommen, das sind Koniferen, die verwandt sind mit den kalifornischen Mammutbäumen. Diese Bäume können mehrere tausend Jahre alt werden und zählen mit zu den ältesten der Welt.

Es führt keine Straße in den Nationalpark und es gibt auch nur wenige Pfade, der größte Teil ist eine weglose und schwer zugängliche Wildnis. Mit 482 Quadratkilometern ist es zwar nur ein recht kleiner Park, der ist aber rundum von noch sehr viel größeren Wildnisgebieten umgeben. Direkt im Süden grenzt der über 3000 Quadratkilometer große Parque Pumalín an und nördlich liegt das Gebiet meines Treks Nr. 14 um den Rio Cochamó und Rio Manso und wiederum nördlich davon der regenwaldbedeckte Nationalpark Vicente Perez Rosales. Hinzu kommen dann auch noch weitere Wildnisgebiete auf der argentinischen Seite der Anden. Man sieht also, es ist eine recht große Gegend in der sich Potenzial von mehreren Wochen langen Wildnistouren bieten würden, wenn das weglose Wandern hier nicht so verdammt schwierig wäre.

Landschaftlich ist dies eine atemberaubend spektakuläre Hochgebirgswildnis, deren Täler mit dichten Regenwäldern bestanden sind, in denen nur wenige Pfade existieren. Das schwierigste am weglosem Wandern sind hier nicht die Berge, sondern aufgrund der undurchdringlichen Vegetation die Täler. Diese Gegend ist definitiv nichts für Leute, die weglos lieber durch weite offene Landschaften laufen, in denen man gut was an Kilometern schaffen kann. Und wer der Meinung ist daß wegloses Regenwaldwandern gar nicht so schlimm ist, weil er es in anderen Gegenden der Erde schon öfters gemacht hat, der wird im chilenischen Regenwald aber eines Besseren belehrt werden!

Unsere Route:
Wir sind vom Ort Horopirén, das an einer von Bergen umgebenen Bucht liegt, einmal quer durch den nördlichen Teil des Nationalparks gewandert, bis zum Dorf Puelo am Relonvavi Fjord, auch wenn wir ursprünglich zwar eine längere Route geplant hatten.

Es existiert eine Route von Hornopirén nach Puelo, die ohne Abstecher etwa 4 Tage dauert und überwiegend auf einem Pfad verläuft. Nur im mittleren Teil, ab dem Lago General Pínto Concha, muss man einen Tag lang weglos durch die mit Bambusgestrüpp versetzten alpinen Südbuchenwälder wandern.

Wir sind aber nicht diese Normalroute gegangen, sondern ab dem Lago General Pínto Concha eine sehr viel spektakulärere Route, weglos über die alpinen Bergkämme der Cordillera El Muelle zur Laguna del Este gewandert und von dort dann das Tal abwärts. 9 Tage dauerte die Tour.

Gerald hat ja schon einen ausführlichen Bericht über diesen Trek geschrieben
http://outdoorseiten.net/forum/showthread.php?51417

Ich werde mich daher hier nur auf ein paar Fakten und Fotos beschränken.
Mehr Fotos und genauere Google Earth Routendetails findet ihr wie immer auf meiner Seite:
www.trekking.magix.net

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1. und 2.Tag:
Etwa 6 Kilometer hinter Hornopirén auf der Carretera Austral liegt die Abzweigung zum Hornopirén Nationalpark. Bis dorthin hat uns jemand mitgenommen und hier startete unser Trek.

Wir mussten noch 5 km auf einen schmalen wenig befahrenen Fahrweg wandern bis der endlich endete und dann ging´s nur noch auf einen Pfad weiter. Etwa 7 km vom Fahrwegende erreichten wir die Nationalparkgrenze und von dort waren es noch 3 km zum Lago General Pínto Concha durch einen herrlichen Regenwald mit viele Alercen.

Am zweiten Tag blieben wir hier und erkundeten die Gegend um den See. Zwei schmale unmarkierte Pfade führten vom Camp weg. Beide enden zwar nach paar Kilometern mitten im Nichts, waren aber trotzdem schöne Wanderungen durch diesen Urwald aus gigantischen Alercen.

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Lago General Pínto Concha

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3. und 4.Tag:
Wir wanderten hoch Richtung Volcán Yates, der Pfad endete an der Baumgrenze. Auf einen Abstecher ging´s noch ein Stückchen weiter hoch für eine Aussicht auf den Vulkan, dann zum Nordende des Lago General Pínto Concha und weiter auf dem Weg zur Cordillera El Muelle.

Erst leichtes wandern im weitläufigen weglosem Gelände oberhalb der Baumgrenze und danach einen ganzen Tag lang durch Wald. Die Höhe von etwa 1000 m über den Meeresspiegel hat uns hier aber ein relativ gutes Vorwärtskommen beschert. Der Waldboden war zwar voll mit dichtem Bambusgestrüpp, ist aber weglos trotzdem wesentlich einfacher bewanderbar wie die Regenwälder in tieferen Lagen. Zahlreiche grasige oder sumpfige Lichtungen boten kurzfristig noch besseres Vorankommen und gute Landschaftsblicke.

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5. und 6.Tag:
Wir folgten weglos den Gebirgskamm der Cordillera El Muelle. Am Anfang noch etwas Geplackere durch alpinen Busch und Wald, aber oberhalb von 1200 m ließen wir die Buschzone endgültig hinter uns.

Im felsigen alpinem Gelände oberhalb der Baumgrenze wurde das Vorwärtskommen deutlich einfacher, auch wenn paar Schneefelder und leichte Kletterstellen zu meistern waren. Die gesamte Kammroute war landschaftlich absolut atemberaubend und wir wanderten bis zu einer maximalen Höhe von 1620 m. Auf 1530 m errichten wir unser Camp, die grandioseste Campstelle auf diesen Trek!

Am drauffolgenden Tag anspruchsvolle Routensuche auf steile alpine Felshänge um einen 1561 m hohen Berg herum, dann Abstieg ins obere Tal des Rio del Este und weglos durch Regenwald zur Laguna del Este.

Auf der Kammroute haben wir im Schnitt pro Tag nur weniger wie einen Kilometer pro Stunde gemacht. Einmal haben wir erstmal ohne Gepäck ausgekundschaftet und manchmal mit dem Fernglas die Berge und Täler beobachtet, auf der Suche nach einer möglichst leichten Route. Es ist eben eine Pionierroute, die sicher so gut wie nie begangen wird.

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Laguna El Cabro

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Laguna del Este

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7.Tag:
Passauskundschaftung auf sehr steilen weglosen Regenwaldhang mit Kletterstellen.

Dann zurück zum See und auf schwieriger Route weglos am Seeufer entlangplackern. Wir haben heute 3 km geschafft und dafür 5 Stunden gebraucht!

Im Voraus eine genaue Route zu planen und diese dann auch einzuhalten
funktioniert hier nicht. Man muss vor Ort schauen was machbar ist.

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8. und 9.Tag:
Wir wanderten das Regenwaldtal des Rio del Este abwärts. Von der Laguna del Este waren es 6 km weglos, bis wir auf einen Siedlerpfad stießen. Das hört sich zwar sehr wenig an, aber hier muss man mit ganz anderen Maßstäben rechnen: 6 Kilometer weglos durch Regenwald talabwärts zu wandern bedeutet hier daß man dafür anderthalb Tage unterwegs ist!! In 9 Stunden haben wir gerade mal 4 Kilometer geschafft (=3 km Luftlinie).

Es waren Abschnitte dabei wo wir in anderthalb Stunden nur 200 bis 300 Meter vorwärtsgekommen sind: undurchdringliches Dickicht, steile Hänge, Sümpfe, über glitschige Baumstämme ballancieren und überall waren tiefe Löcher die mit Gestrüpp und Moos zugedeckt waren, bei jedem Schritt musste man verdammt aufpassen wohin man tritt. Das gute dabei war aber daß wir echt ein perfektes Wetter hatten, bei Regen und Nässe wäre diese Route noch paarmal schlimmer gewesen!! Der Wald war trotz der Strapazen traumhaft schön und es waren auch Abschitte dabei wo der Wald mit nur wenig Unterholz bestanden war, wo man relativ gut vorwärts kam.

Am letzten Tag haben wir dann nur noch 3 Stunden für die restlichen 2 km gebraucht bis wir auf erste Rinderweidelichtungen stießen und auf den Siedlerpfad, der uns dann für die nächsten 5 km leichtes Regenwaldwandern bescherte, bis der Fahrweg begann.

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das Tal fällt in Wasserfälle weiter ab

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Camp 8

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Kampf durch den Regenwald

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die letzten 5 km leichtes Wandern auf einen Regenwaldpfad

Zum Abschluss waren es dann noch 10 km Fahrwegwandern bis zum Dorf Puelo.

Dies war ein recht schwieriger und anspruchsvoller Trek! Wenn ich aber die drei chilenischen Treks Tantauco, Rio Cochamó und Hornopirén Traverse einer Bewertung unterziehen würde, käme ich zum Schluss daß ich diesen Trek hier als den besten von allen dreien bezeichnen würde.

hambe
16.01.2012, 12:21
WOW :o

sehr beeindruckend!

Frage: hattest Du für die ganze Reise die gleichen (Wander-)Schuhe an oder hast du je nach Trek die Schuhe gewechselt ?

berniehh
17.01.2012, 15:46
Frage: hattest Du für die ganze Reise die gleichen (Wander-)Schuhe an oder hast du je nach Trek die Schuhe gewechselt ?
Ja, ich hatte während der gesamten Reise die gleichen Trekkingschuhe. Auf einigen matschigen oder nassen Treks wo man viel im Bach watet, habe ich auf Turnschuhe gewechselt.

wetterfest
17.01.2012, 19:27
Tolle Berichte und viele interessante Infos!

ich habe mir auch mal deine webseite angeschaut, stark das du alles so toll dokumentierst...... macht Lust auf Südamerika :D

vielen Dank und lG

helmut

TommyT
19.01.2012, 12:46
tolles Abenteuer und echt traumhafte Bilder , da wird man neidisch!!!

berniehh
29.01.2012, 00:07
Trek 16

Nahuel Huapi Traverse // Argentinien

9 Tage

Januar 2011

www.trekking.magix.net

Erstmal vielen Dank an Euch für die netten Kommentare.

Gerald hat seinen Bericht von diesen Trek hier http://outdoorseiten.net/forum/showthread.php?51417-Cl-Ar-Patagonien-2011-Zu-Fu%DF-durch-Berge-und-Urw%E4lder-abseits-der-Hauptrouten&p=861125&viewfull=1#post861125

Von Chile sind wir rübergefahren nach Bariloche in Argentinien. Wir wollten die Nahuel Huapi Traverse machen. Als wir mit dem Trek starteten hatte Gerald noch genau 12 Tage Zeit, bevor er sich von Bariloche aus wieder auf dem Heimweg machen musste.

Allgemeines:
Die Nahuel Huapi Traverse ist ein 4 bis 5 tägiger Gebirgstrek in der Nähe von Bariloche. Man wandert hier aber nicht durchgehend auf einen markierten Pfad, sondern teilweise nur auf einer alpinen Route, die in einigen Abschnitten schlecht markiert und kaum bis garnicht mehr erkennbar ist, mit einige Kletterstellen dazwischen.

Da dieser Trek relativ bekannt ist steht er auch in fast allen Trekkingführern drin, und es gibt bewirtschaftete Unterkunftshütten. Wir haben es aber vorgezogen neben den Hütten zu campen.

Mit dieser viertägigen Normalroute alleine haben wir uns aber nicht begnügt, sondern wir sind am vierten Tag auf eine weniger bekannte Verlängerung weitergewandert, die über die Berge nach Pampa Linda führt.

Unsere Route führte insgesamt über 7 Pässe oder Gebirgskämme, dazwischen steigt man immer wieder in bewaldete Täler ab. Daß dieser Trek phantastisch ist brauch ich wohl nicht zu schreiben,.......ich würde sogar sagen es ist der spektakulärste markierte alpine Trek von dieser Länge, den man in ganz Patagonien machen kann!

Als ich diesen Trek im April 2004 das erste Mal gegangen bin, war ich ja schon so begeistert, auch wenn ich damals wegen extrem schlechten Wetter nicht alles gehen konnte.

Im Jahre 2011 hatten Gerald und ich zum Glück wesentlich besseres Wetter, auch wenn wir von wolkenlosen und heissen Traumwetter bis hin zu nasskalten stürmischen Wetter mit Regen und Schneefall so ziemlich alles erlebt haben.

1.Tag:
Wir starteten am Südende des Lago Gutierrez und nicht in Villa Catedral, wo der Trek normalerweise startet. Diese Variante ist ein kleines Stückchen länger und führt auf schmalem Pfad für einige Kilometer recht schön am Seeufer entlang bevor sie im Tal des Arroyo Van Titter auf den vielbegangenen Hauptpfad zur Refugio Frey stößt.

Die erste Etappe führt zur Refugio Frey. Wir stoppten aber schon eine Stunde vorher, bei der winzigen Schutzhütte Ref.Piedritas. Bis nach Frey hätten wir es zwar noch locker geschafft, aber da wir sowieso nicht vorhatten in der Hütte zu übernachten und die Campstellen bei der Hütte ziemlich windausgesetzt sind, entschieden wir uns unten im Tal schön windgeschützt im Wald zu campen.

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2.Tag:
Eine Stunde nach Verlassen des Camps erreichten wir die Frey-Hütte, wo der vielbegangene Pfad endet, denn ab der Hütte wird die Route deutlich weniger begangen.

Da die bewirtschafteten Hütten entlang der Nahuel Huapi Traverse auch alle auf einen leichten Pfad aus dem Tal erreichbar sind, ist dort im argentinischen Sommer recht viel los, obwohl die eigentliche Nahuel Huapi Traverse garnicht so viele Leute gehen.

Hinter der Hütte ging es weiter über zwei Pässe zur Refugio San Martin an der Laguna Jakob.

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Aufstieg zum nächsten Pass

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Blick vom Pass Nr. 2

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3. bis 5.Tag:
Wegen schlechtem Wetter waren wir gezwungen zwei Tage bei der Hütte zu warten, bevor wir den nächsten Abschnitt in Angriff nehmen konnten.

Es stand uns nun der anspruchsvollste Abschnitt bevor, die alpine Route zur Refugio Italia über die Cordón de los Inocentes und Cerro Navidad. Teilweise ging es weglos und ziemlich spärlich markiert im hochalpinem Fels- und Geröllgelände oberhalb der Baumgrenze, mit einige Kletterstellen im Grad zwei bis drei. Selbst unten im Tal des Arroyo Navidad war nur ein vage erkennbarer Pfad da, bis wir schließlich am Arroyo Goye auf den vielbegangenen Hauptpfad zur Refugio Italia stießen.

Dies ist der am wenigsten begangenste Abschnitt der Nahuel Huapi Traverse, der nur bei gutem Wetter möglich ist. Die meisten Leute lassen diese Etappe weg.

Vier Leute, die wir in der Hütte kennenlernten, haben sich uns angeschlossen. Wir waren also zu sechst und außer uns ist an diesem Tag niemand diese Route gegangen.

Es war eine abenteuerliche aber landschaftlich sehr spektakuläre Route, für die wir 9 Stunden gebraucht haben.

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Schlechtwettertag in der Hütte

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Kletterstellen

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alpine Route entlang der Cordón de los Inocentes

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Route zur Refugio Italia

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Refugio Italia bei der Laguna Negra

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6.Tag:
Auf den nächsten Pass kurz hinter der Laguna Negra verließen wir die Normalroute der Nahuel Huapi Traverse und bogen auf die viel weniger bekannte Verlängerung, die als markierte Route durch eine abgelegenere Gebirgswildnis nach Pampa Linda führt. Vier Tage waren es bis Pampa Linda und ab hier gab es keine Hütten mehr.

In den mit urigen Südbuchenwäldern bestandenen Tälern waren gut sichtbare Pfade vorhanden, aber berhalb der Baumgrenze musste man genau auf die teilweise spärlich vorhandenen Markierungen achten.

Wir wanderten heute zur Laguna Lluvu und noch ein Stück weiter über den nächsten Pass.

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Laguna Negra mit der Ref.Italia

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knorriger Südbuchenwald bei der Laguna Lluvu

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7.Tag:
Wir nahmen erst die falsche Route, wo wir im dichten alpinen Busch in einer Sackgasse endeten, aber nach einer Weile rumsuchen und Gekraxel den felsigen Hang hoch, fanden wir irgenwann die Markierungen wieder.

Auf der darauffolgenden Passüberquerung war zwar auch kaum ein Pfad erkennbar, die Route war aber gut mit Steinmänchen markiert, so daß die Wegfindung keine Schwierigkeiten bereitete. Der Abstieg auf der anderen Seite zur Laguna Creton war ziemlich steil.

Auf dieser verlängerten Variante nach Pampa Linda trafen wir im Schnitt zwei bis drei Trekkinggruppen pro Tag.

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Valle Mate Dulce

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8.Tag:
Über sanfte weglose Bergkämme überquerten wir den letzten Pass dieses Treks. Von oben hatten wir eine super Aussicht auf den vergletscherten Tronador, dieser Berg liegt schon an der chilenischen Grenze. Es ging dann runter auf moorige Senken zur waldumgebenen Laguna Ilon wo wir unser Camp aufschlugen.

Ich machte noch einen Abstecher zu einer sensationellen Aussichtsstelle, von wo aus man 500 m tief runter zum Lago Frey blickte, der von vertikale Felsberge eingeschlossen ist und dahinter der Brazo Tristeza, ein langer Fjordarm des Lago Nahuel Huapi.

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Laguna Azul

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Laguna Jujuy

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9.Tag:
Es waren noch 3 Stunden bis zum Trekende in Pampa Linda, eine leichte Wanderung auf gut erkennbaren Pfad durch Wald nach unten. So nahe an der chilenischen Grenze hat sich der Wald schon zu einen düsteren Regenwald verdichtet.

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In Pampa Linda beginnt ein schmaler Fahrweg. Hier gibt es eine Rangerstation, Hotel, Restaurant und viele Touristen,....wir waren wieder in der Zivilisation.

Gerald hatte jetzt noch genau 3 Tage Zeit, das reichte gerade noch für einen Kurztrek über die Cordón del Ñirihuau. Essen für 3 Tage hatten wir auch noch im Rucksack, so brauchten wir nichts mehr kaufen und wollten zusehen daß wir möglichst noch heute starten.

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BubiBohnensack
29.01.2012, 00:26
Herrlich inspirierend.

Der Abstieg vom Pass runter ins Tal, um zur Italia zu kommen, ist grandios - und die Lagunen und Lagos am Ende erst...

Wildniswanderer
29.01.2012, 07:01
Wie so oft bei deinen Berichten finde ich die Einzeichnung der Route mit den roten Pfeilen genial. Da kann man die Tour noch mal so richtig nachvollziehen!

berniehh
01.02.2012, 23:08
Trek 17

Cordón del Ñirihuau // Argentinien

3 Tage

Januar 2011

www.trekking.magix.net

Am frühen Nachmittag erreichten wir Pampa Linda, dem Endpunkt unserer Nahuel Huapi Traverse.
Von Pampa Linda führt ein schmaler holperiger Fahrweg weg, der nach 45 Kilometern auf die Hauptstraße von Bariloche nach El Bolson zweigt. Gegen 16 Uhr nahmen uns nette Einheimische bis dorthin mit. An der Hauptstraße stiegen wir aus, denn wir wollten von dort zu Fuß über die Berge nach Bariloche wandern.

Laut unserer Karte sollte hier irgendwo ein Pfad rechts den bewaldeten Hang hochführen auf die Cordón del Ñirihuau. Weil wir ihn erst nicht fanden, fragten an einer Tankstelle. Der Tankstellenbetreiber hatte aber nicht nur keine Ahnung, sondern er erzählte uns auch noch daß dort kein Pfad raufführt und es weglos unmöglich sei dort hochzuwandern, der einzigste Weg nach Bariloche wäre entlang der Hauptstraße.

Schließlich fanden wir den gut getarnten Pfadeinstieg doch noch, keine 100 m von der Tankstelle entfernt. Da es schon später Nachmittag war, lohnte sich das loswandern heute nicht mehr und wir schlugen unser Camp 100 m von der Straße entfernt im Wald auf.

Allgemeines:
Die Cordón del Ñirihuau erhebt sich direkt am Stadtrand von Bariloche und verläuft dann Richtung Süden. Es ist die erste Bergkette am Rande der flachen argentinischen Pampa.

Trotz der Nähe zu Bariloche ist diese Bergkette recht unbekannt und wesentlich abgelegener und weniger begangen wie die Berge entlang der Nahuel Huapi Traverse. Im Gegensatz zu vielen anderen Gegenden der patagonischen Anden eignet sich die Cordón del Ñirihuau sehr gut für wegloses wandern, denn die gerölligen Bergkämme sind sanft und weitläufig. Durch die mit Südbuchenwälder bestandenen Täler verlaufen zwar meistens schmale Pfade, aber aufgrund der Randlage zur trockenen Steppenlandschaft ist der Waldboden recht offen und Unterholzfrei und wäre selbst ohne Pfade leicht bewanderbar. Nur etwas weiter in die Anden rein, z.B. an der Nahuel Huapi Traverse, sind die Wälder wegen des dichten Bambusunterholzes weglos schon so gut wie kaum mehr durchquerbar.

Leider hatten wir ja nur noch drei Tage Zeit. Es lassen sich in der Cordón del Ñirihuau aber auch noch längere Treks machen.

1.Tag:
Der mit rote Punkte markierte Pfad führt durch hohen düsteren Wald den Hang nach oben und endet nach 6 Kilometern an einer felsigen Aussichtsstelle direkt oberhalb der Baumgrenze, die auf der Karte als Aiken bezeichnet ist. Eine Art Gipfelbuch liegt hier in einer Eisenbox und bis hierher wandern auch noch häufiger Tageswanderer, heute trafen wir aber niemanden.

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Weiter ging es weglos den offenen gerölligen Kamm entlang. Auf der Karte war hier zwar eine Route eingezeichnet, man konnte aber nichts von einen Pfad erkennen, auch nicht die geringsten Anzeichen von Steinmännchenmarkierungen. Das Wandern war aber trotzdem einfach auf diesen flachen Kamm. Die Aussicht war phantastisch auf die umliegenden Geröllberge und in die bewaldeten Täler.

Wir stiegen einige Male kurz in alpine Hochtäler ab, blieben aber permanent oberhalb der Waldgrenze, nur ein Hangabschnitt war etwas mühsam.

Nach der Überquerung eines Passes stiegen wir in das obere Talende des Rio Ñirihuau ab, wo wir im weitläufigen alpinem Gelände kurz oberhalb der Waldgrenze unser erstes Camp aufschlugen.

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letzter Blick zurück auf den Lago Mascardi, am Horizont der Tronador

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unsere Campstelle, plus Weiterweg für morgen

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2.Tag:
Wir blieben im weglosen Gelände oberhalb der Baumgrenze und stiegen auf ein alpines Basin mit kleinem Bergsee. Hier fanden wir zwei Steinmännchenmarkierungen, aber keine Anzeichen von einem Pfad. Von der Abbruchkante hatte man einen spektakulären Blick runter ins bewaldete Tal des Rio Ñirihuau.

Über ein alpines Hochtal stiegen wir auf den Cerro Confluencia.

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Vom sanften Geröllgipfel des Cerro Confluencia genossen wir trotz kühlen Wind die atemberaubende Aussicht. Wir wanderten weglos weiter den sanften Kamm entlang, das war leicht und wir kamen gut vorwärts. Zwei Stunden später waren wir auf dem Cerro Pontoneros. Dahinter verließen wir den Gebirgskamm und stiegen runter in das bewaldete Tal des Arroyo Ñireco.

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Abstieg ins bewaldete Tal des Arroyo Ñireco

Bevor wir den Wald erreichten, musste die dichte alpine Buschzone durchquert werden. Wir folgten dabei einen steinigen Bachlauf, so kamen wir mit relativ wenig Geplackere ganz gut da durch. Im höheren Südbuchenwald stießen wir auf einen gut sichtbaren Pfad.

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Wir ließen unsere Rucksäcke dort liegen um die auf der Karte eingezeichnete Refugio Villa Horrible zu suchen, die hier irgendwo sein musste. Etwa eine halbe Stunde lang suchten wir im Wald die Gegend ab, bis wir die ziemlich versteckt liegende alte Hütte endlich fanden. Nach einer kurzen Hütteninspektion mit Fotosession wanderten wir wieder zurück zu den Rucksäcken und schlugen unser letztes gemeinsames Camp auf.

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3.Tag:
Nun war es nur noch ein kurzer und leichter Endspurt auf schmalen Pfad das Tal abwärts. Man kann der Gegend ansehen daß es hier vom Klima schon deutlich trockener ist wie weiter westlich. Nach 6 Kilometer erreichten wir das erste bewohnte Haus, hier beginnt ein Fahrweg und unser Trek endete. Kurz vorher trafen wir einen Hirten, ansonsten haben wir auf den gesamten Trek keine Menschen gesehen.

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Vom Fahrwegbeginn waren es noch 2 Kilometer bis wir kurz vor Bariloche die Hauptstraße erreichten. Das letzte Stück in die Stadt rein fuhren wir mit dem Bus.

Am Nachmittag checkten wir wieder im Hostel ein. Für Gerald endete die Reise hier, am nächsten Tag musste er die Heimreise antreten. Am Abend sind wir nochmal essen gegangen und haben uns an einen Buffet die Bäuche vollgeschlagen.

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Auch für mich war dies erstmal der letzte Trek in diesen Teil Patagoniens.
Von Bariloche ging es für mich am nächsten Tag in einer 30 stündigen Busfahrt nach Punta Arenas, in den äußersten Süden Chiles. Die letzten Treks meiner Reise werde ich in Südpatagonien machen......

hambe
02.02.2012, 08:48
Von Bariloche ging es für mich am nächsten Tag in einer 30 stündigen Busfahrt nach Punta Arenas, in den äußersten Süden Chiles. Die letzten Treks meiner Reise werde ich in Südpatagonien machen......

Auf die Berichte freu ich mich schon ....

fjellstorm
02.02.2012, 09:39
Sehr fein Bernd;-)
Diese knorrigen (Südbuchen)Wälder in Kombination mit der Gebirgslandschaft..sehr schön.

berniehh
09.02.2012, 23:28
Anreise nach Südpatagonien

Ende Januar 2011

Gegen 9 Uhr morgens fuhr der Bus aus Bariloche ab. Es standen mir 24 Stunden Fahrt nach Rio Gallegos bevor, der südlichsten Stadt des argentinischen Festlandes. Die Fahrt war zwar interessant weil die Gegend so schön menschenleer und extrem dünn besiedelt ist, aber landschaftlich war es eher eintönig. Die ganze Zeit sah man nur das gleiche Landschaftsbild aus flacher argentinischer Pampa.

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Blick aus dem Busfenster

Ankunft in Rio Gallegos am nächsten Morgen gegen 9 Uhr, aber eine Stunde später fuhr auch schon ein Anschlussbus weiter nach Punta Arenas, weitere 250 Kilometer entfernt. Die Grenzabfertingungszeit mitgerechnet dauerte die Fahrt 4 bis 5 Stunden und am Nachmittag erreichte ich Punta Arenas.

Punta Arenas ist mit 120000 Einwohnern die südlichste Stadt des südamerikanischen Festlandes. Es ist eine wichtige Hafenstadt an der Magellanstraße, jener Meerenge die das Festland von Feuerland trennt und die Hauptstadt der XII Región de Magallanes y la Antartica Chilena, der südlichsten Provinz Chiles.

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Punta Arenas

Im Hostel Independencia fand ich eine Unterkunft für 5000 chilenische Pesos pro Nacht, das sind etwa 8 Euro. Dieses Hostel hatte mir schon Wochen zuvor jemand empfohlen. Wegen der freundlichen familiären Atmosphäre und den für Patagonienverhältnissen recht günstigen Preis, würde ich dieses Hostel auch jedem weiterempfehlen. Zahlreiche Rucksackreisende aus allen möglichen Ländern trifft man hier. Punta Arenas wird also meine Basislagerstadt für die letzten Treks dieser Reise.

Das Trekkingpotenzial Südpatagoniens:
Wenn man Südpatagonien mit dem Begriff Trekking in Verbindung setzt fällt wohl fast jedem als erstes der Torres del Paine Nationalpark ein, oder die Gegend um El Chalten auf der argentinischen Seite. Dies sind die beiden bekanntesten Trekkinggebiete, wo man gut ausgebaute Pfade vorfindet und haufenweise Leute trifft, weil fast jeder dort hinfährt. Dann gibt es über das Land verteilt noch ein paar kürzere weniger bekanntere Treks, wo man nur wenig bis keine Leute trifft, aber das war´s dann auch schon.

Der gesamte Rest der südpatagonischen Anden, man kann sagen eine Fläche von über 1000 km Länge von Süd nach Nord, ist eine sehr große unerschlossene, komplett weglose und vom Menschen ungenutzte Wildnis, ein Labyrinth aus Berge, Gletscher, Fjorde und Inseln.

Das gute dabei ist folgendes: Verglichen mit den mit dichten valdivinischen Regenwäldern bedeckten Anden weiter nördlich, ist wegloses querfeldeinwandern in den südpatagonischen Anden relativ einfach, wobei die Betonung auf "relativ" liegt. Darauf komme ich später aber noch genauer zu sprechen.

Dann gibt es aber auch noch eine schlechte Seite: Der größte Teil dieser riesigen unerschlossenen Wildnis ist ohne eigenes Boot oder Seekajak, bzw ohne sauteuren Charter von Boot oder Wasserflugzeug für Trekker nicht erreichbar.

Nur einige dieser unerschlossenen weglosen Wildnisregionen im chilenischen Teil Südpatagoniens sind auch ohne teuren Transport-Charter, relativ preisgünstig auch zu Fuß erreichbar. Dies sind folgende Gebiete:
- Isla Riesco
- Península Muñoz Gamero
- Península Brunswick
- die Fjordküste westlich vom Torres del Paine Nationalpark
- einige Regionen Feuerlands

Von allen diesen Gegenden hatte ich fotokopiertes topographisches Kartenmaterial aus Santago dabei und auch schon grobe Routenideen. In allen diesen Gegenden lassen sich Wildnistouren von mindestens 20 Tagen Länge machen, falls man sich ein Proviantdepot einfliegen lassen würde sogar auch deutlich längere Touren. Leider reicht meine Zeit nicht für alles aus, ich werde mich also nur auf zwei Gebiete beschränken müssen. Sicher war ich mir zu diesem Zeitpunkt daß ich als erstes eine 20 tägige Wildnisdurchquerung auf Isla Riesco machen wollte, der viertgrößten Insel Chile´s. Welche Treks ich danach noch machen will, wollte ich später entscheiden.

Mit meinen Besorgungen in Punta Arenas bin ich nur schleppend voran gekommen, aber ich habe mir da auch keinen Stress gemacht. Ausser Proviant für 20 Tage musste ich auch noch andere Dinge erledigen wie paar neue Klamotten kaufen, in meiner Goretex-Jacke einen neuen Reissverschluss einnähen lassen, Trekkingstiefel reparieren lassen, Wäsche waschen usw....
Dann habe ich auch noch einen Flug von Punta Arenas nach Santiago gebucht für den 22.März. So spar ich mir die 40 bis 45-stündige Busfahrt und habe anderthalb Tage länger für Trekkingtouren zur Verfügung.

Nach 4 Tagen konnte ich Punta Arenas dann endlich verlassen. Die Isla Riesco ist zwar nicht allzu weit von Punta Arenas entfernt, liegt aber völlig ab vom Schuss der üblichen Touristenrouten und auch als Trekkingziel ist die Insel noch völlig unbekannt.
Es waren 160 Kilometer zu meinem Trekkingstartpunkt an der Südküste von Riesco. Einen öffentlichen Transport dorthin gibt es nicht, ich bin also per Anhalter gefahren. Von Punta Arenas wurde ich ziemlich schnell von einen Einheimischen mitgenommen, der nach Rio Gallegos wollte. Nach 48 Kilometern stieg ich aus, als nach links die einsame Schotterpiste zur Isla Riesco abzweigte.

Obwohl ab hier kaum noch Verkehr war, bin ich dennoch gut durchgekommen. Mit zwei verschiedenen Estancienbesitzern bin ich stückchenweise für die nächsten 45 Kilometer bis zum Fähranleger nach Riesco gekommen. Es ging durch eine einsame trockene Pampahügellandschaft.

Zwischen dem südamerikanischen Festland und dem Ostende der Isla Riesco liegt nur eine schmale Meerenge. Die kleine Fähre hat keine festen Abfahrtszeiten, sie fährt los wenn da Fahrzeuge rüber wollen. Da es keinen Pier gibt legt die Fähre direkt am Strand an.

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Schaftransporter auf der Fähre nach Riesco

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Isla Riesco
Der Ostteil von Riesco ist flach bis hügelig, hier liegen einige Estancien entlang der Küste, das Land wird als Viehweideland genutzt. Vom Fähranleger führen zwei Fahrwege weg, der eine entlang der Nordküste und der zweite entlang der Südküste, beide enden nach etwa 60 Kilometern.

Der gebirgige und von Fjorden durchzogene wesentlich größere Westteil der Insel ist unbewohnt. Das Gebiet wird vom Reserva Nacional Alacalufes eingenommen, ein völlig unerschlossener Wildnispark, der sich 300 Kilometer weit durch die Südwestchilenische Fjord- und Inselwelt erstreckt, auf eine Fläche von über 23000 Quadratkilometern. In diesem Park gibt es keine Rangerstation, keine Pfade und auch keine Zufahrtsstraßen zu ihm. Von den Fahrwegenden auf Riesco ist es noch ein mehrtägiger wegloser Wildnismarsch bis man die auf der Karte eingezeichnete Parkgrenze erreicht.

Auch im bewohnten Ostteil der Insel gibt es, außer ein paar verstreut liegende Schaf- und Rinderfarmen, weder Orte, noch Läden. Alles was man an Lebensmitteln braucht muss man aus Punta Arenas mitbringen, auf der Insel gibt es nichts zu kaufen.

Vom Fähranleger wollte ich per Anhalter weiter bis zum Fahrwegende trampen. Ich entschied mich für die Südküstenpiste, da auf ihr mehr Verkehr sein sollte. Im Schnitt fahren vielleicht maximal 10 bis 15 Fahrzeuge pro Tag diese Strecke, auf der Nordküstenpiste soll aber noch weniger los sein.

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Piste auf Riesco

Ich habe mich neben der Piste hingelegt und wenn ein Auto kam bin ich schnell hochgesprungen. Innerhalb von drei Stunden kamen aber nur zwei Fahrzeuge vorbei und keines davon hielt an, dann bin ich zu Fuß losmarschiert. Irgendwann hatte ich Glück und es nahmen mich drei Männer in einem Geländewagen mit. Sie arbeiten für eine Minengesellschaft, die hier Braunkohle abbauen. Sie wollten etwa 40 Kilometer weit fahren.

Nach 30 Kilometern stoppten sie bei einen kleinen Firmengebäude. Hier gab es ein Abendessen und sie luden mich ein. Nach dem Essen wollten sie noch ein kurzes Stück weiterfahren, aber freundlicherweise fuhren sie mich noch über 30 Kilometer bis zur Hängebrücke am Rio Grande, am Ende des öffentlichen Fahrweges. Ich war glücklich, denn ich hatte nicht damit gerechnet daß ich es heute noch bis hierher schaffe.

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Hängebrücke am Rio Grande, hier startet mein Trek

Ich hatte keine Ahnung was mich auf diesen Trek erwarten würde und wie schwer das Gelände ist, Informationen gab es keine.
Eine konkret ausgearbeitete Trekkingroute hatte ich auch noch nicht. Ich wollte erstmal zu den großen namenlosen See in der Inselmitte, am Fuße des Cerro Ladrillero, der schon im Reserva Nacional Alacalufes liegt. Wenn ich dort ankomme müsste ich mal sehen ob ich noch weiter Richtung Westen vordringe oder nicht, jenachdem wieviel Zeit und Proviant ich dann noch haben werde. Mein Trekkingendziel sollte auf jeden Fall die Inselnordküste sein.

In einen kleinen Waldstück in der Nähe der Hängebrücke schlug ich mein Camp auf. Morgen früh wollte ich mit meinen Trek starten.

Wildniswanderer
10.02.2012, 05:32
Hi Bernd,

du bietest eine schöne Beschreibung des Trekkingpotenzials von Südpatagonien. Allein die Einleitung zu deinem Riesco Trek lässt die Spannung steigen, was dich wohl auf diesem Wildnistrek erwarten wird.

Super!

Gerald

Bergtroll
11.02.2012, 23:31
Ich bin auch sehr gespannt. Allein schon deswegen: "Ich hatte keine Ahnung was mich auf diesen Trek erwarten würde und wie schwer das Gelände ist, Informationen gab es keine."

berniehh
12.02.2012, 14:09
Trek 18

Isla Riesco (Teil 1) // Chile

20 Tage

Februar 2011

1.Tag:
Erst am Nachmittag bin ich losgewandert, weil es vormittags noch regnete.
Mein erstes Ziel war der große namenlose See im Inselinnern von Riesco, am Fuße des Cerro Ladrillero.

Der Fahrweg endete bei der Hängebrücke am Rio Grande aber noch nicht ganz. Für 7 Kilometer führte noch ein schmaler privater Fahrweg weiter die Südküste entlang bis zur letzten Estancia. Die Strecke war also nicht allzu interessant.

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Mein Rucksack war mit über 45 kg megaschwer, ich hatte Proviant für über 20 Tage dabei. Es war daher anstrengend. Pickel und Steigeisen hatte ich auch noch mit, weil ich nicht wusste ob ich unterwegs noch den Cerro Ladrillero oder einen anderen Berg besteigen will bzw kann.

Nach 3 Kilometern passierte ich die Estancia Los Turbales und 4 Kilometer weiter die Rancho Sutivan, das letzte Gehöft, wo der Fahrweg endete. Ich hörte zwar daß da Leute zuhause waren, konnte aber niemanden sehen, daher bin ich ohne anzuhalten weitergewandert.

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1 Kilometer weiter schlug ich schon nach insgesamt 2h20 mein Camp auf. Dabei ging ich paarhundert Meter den Rio Boer aufwärts, wo paar Bäume standen. Direkt auf der großen offenen Grasfläche an der Küste war es mir zu windausgesetzt.

2.Tag:
Für die nächsten paar Tage blieb ich an der Südküste.
Eine Fahrspur führte noch für paar Kilometer weiter, ich wanderte teils auf schmale Pfade oder weglos am Strand entlang.

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Mischung zwischen Strandwandern und schmale Pfade

Nach 4 Kilometern ereichte ich die etwas tiefer eingeschnittene Bucht der Caleta Eros. Hier sah ich die letzten Fahrspurreste, ab nun wird die Gegend zum Glück nicht mehr mit Fahrzeugen erreichbar sein.

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Auf einen gut freigeschlagenen Rinderpfad ging´s weiter durch Wald. Hinter dem nächsten Hügel kam ich in eine weitere Bucht. Hier weideten die letzten Rinder, ab nun begann also die unberührte Wildnis. In dieser Bucht schlug ich mein Camp auf. Mit 9 km in 2h45 war heute wieder nur ein kurzer Wandertag.

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Camp 2

3.Tag:
Ich wanderte weiter die nun phantastische unerschlossene Wildnisküste Richtung Westen entlang. Dichter immergrüner Magellan-Regenwald reichte bis an den Strand ran.

Die Magellan-Regenwälder wachsen entlang der Küsten Südwest-Patagoniens, der Wald ist niedriger und weniger artenreich wie der Valdivianische Regenwald weiter nördlich. Hier in Südpatagonien gibt es keinen Bambus, daher sind diese Regenwälder etwas leichter durchwanderbar, sind aber dennoch in vielen Abschnitten sehr anstrengend und voll mit dichtes moosiges Unterholz.

Am Anfang war noch ein schmaler Pfad da, aber dann boten die flachen Geröllstrände relativ leichtes Küstentrekking, nur paar Felsabschnitte waren etwas mühsamer.

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Nach drei Stunden kam ich in die tief eingeschnittene und von grünen Dschungelhügeln umgebene Bucht der Caleta Toro. In der Buchtmitte lag die Fitz Roy, ein kleines Touristenkreuzfahrtschiff, das dann aber kurz darauf wieder wegfuhr.

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die Fitz Roy liegt dahinten in der Bucht

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Am Boden der Bucht stieß ich auf einen gut erkennbaren Pfad, der über die Waldügel von der Küste wegführt.

Eigentlich hatte ich ja nicht damit gerechnet nochmal auf Menschen zu treffen, aber als der Pfad eine Stunde später auf einer alten verwachsenen Rinderweidelichtung wieder an auf die Küste stieß, traf ich drei Fischer, die hier für einige Tage campten.

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Ein Stückchen weiter längs wohnte in einer kleinen Holzhütte die Einsiedlerin Monika zusammen mit ihren 23 Hunden, über 20 Kilometer vom Fahrwegende der letzten Estancia entfernt. Sie lud mich zum Kaffee ein und ich blieb eine Weile. Die Fischer kamen auch noch um für Monika Holz zu hacken.

Seit dem Tod ihrer Mutter lebt Monika hier ganz alleine. Sie hat nur noch zwei Zähne, ihre ganzen restlichen hat sie sich über die Jahre nach und nach alle selber gezogen. Ihr Vater war Pole und ihre Mutter Österreicherin, sie selber ist hier in Chile geboren, spricht aber noch gebrochen deutsch.

Früher haben sie hier Rinder gehalten, Rancho Esperanza heisst dieser Fleck Land. Heute sollen aber nur noch 6 Rinder hier irgendwo rumlaufen. Was mit den anderen geschehen ist habe ich nicht richtig verstanden, ich glaubte aber verstanden zu haben daß sie geklaut wurden, Monikas deutsch war relativ schlecht und undeutlich.

Auf meine Frage wieviele Wanderer hier denn im Schnitt pro Jahr vorbeikommen antwortete sie, daß manchmal Fischer mit ihrem Boot vorbeikommen, aber Wanderer hat sie, seitdem sie hier wohnt, also seit 19 Jahren, noch nie gesehen.

Das Wetter war heute wie üblich, wolkig und windig, so windig daß man sich auf freien Strandflächen kaum mehr gerade auf den Beinen halten konnte. "80 kmh weht der Wind heute", erzählte Monika, denn sie kennt sich damit aus. In Hamburg würde man es Sturm nennen, aber Monika bezeichnete es als schönes Wetter. "Wenn das Wetter schlecht wird, dann wird´s hier richtig ungemütlich", meinte sie. Wesentlich stärkere Stürme, zusammen mit viel Regen, sind nämlich nichts ungewöhnliches für diese Region.

Noch in diesem Jahr will Monika ihr zuhause verlassen und in die Nähe von Punta Arenas ziehen. Sie liebt dieses Land zwar und würde am liebsten auch gerne bleiben wollen, aber sie schafft es alleine nicht mehr. Sie ist ja auch nicht mehr die jüngste und könnte vielleicht mal ärztliche Hilfe benötigen. Hier sieht sie oft wochenlang absolut niemanden und ist völlig ab vom Schuss. Wenn sie ihre Hütte verlässt, will sie ihre ganzen Hunde natürlich alle mitnehmen.

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Mein Plan war es von hier aus weiter die Küste zu folgen zum Fjordarm des Estuario Fanny, diesen aufwärts wandern bis zum Ende und dann Richtung Inselmitte. Monika hat mir zwar generell abgeraten von hier aus noch weiterzuwandern, hat mich aber in meinen Plan bestärkt die Küste zu folgen. Obwohl sie niemals die Route gegangen ist, hat sie einfach mal so behauptet das die Strandroute bis zum oberen Ende des Estuario Fanny leicht begehbar sei,.......und ich solle auf keinen Fall die Küste verlassen und durchs Inland wandern, dort sei alles voll mit diesen anstrengenden Turbaflächen. Diese Information hat sich später jedoch als völlig falsch herausgestellt.....

Wenn ich von hier aus weiterwander, werde ich keine Menschen mehr sehen. "Da kommt absolut nichts mehr", warnte Monika. Natürlich hat sie da Recht behalten, denn erst als ich über 15 Tage später an der Nordküste die erste abgelegene Estancia erreichte, sah ich wieder Leute.

Ich wollte in der Nähe von Monikas Hütte campen, aber sie empfahl mir einen halben Kilometer entfernt mein Zelt aufzuschlagen, sonst könnte ich Probleme mit ihren laut bellenden Hunden bekommen.

Das habe ich dann auch gemacht.

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berniehh
19.02.2012, 14:36
Trek 18

Isla Riesco (Teil 2) //Chile

20 Tage

Februar 2011

4.Tag:
Mein Schnupfen ist immer noch nicht richtig weg, ich lasse mir am Morgen Zeit, gehe nochmal zu Monika für ein kurzes Schwätzchen und gegen 13 Uhr wander ich los.

Die Strandroute ist von Monikas Hütte weiter Richtung Westen nur noch für ein kurzes Stück leicht bewanderbar, dann wird es zunehmend anstrengender und das Vorwärtskommen langsamer, mit immer mehr Buchten und felsige Abschnitte dazwischen. Anstrengendere Stellen konnten am Anfang noch auf einen verwachsenen vage erkennbaren Wildnispfad umgangen werden, der Pfad löste sich dann aber auf.

Nach anderthalb Stunden, in einer tief eingeschnittenen Bucht, entschied ich mich die Küste für´s erste zu verlassen, um die vor mir liegende von Buchten zerschnittene Halbinsel zu umgehen. Jetzt bei Ebbe lag in einen Teil der Bucht eine schlickige flache Gezeitenfläche frei.

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Nur ein kurzes Stück Inland öffnete sich der Regenwald zu offene Moorflächen, die aufgrund des extrem weichen Bodens aber sehr anstrengend waren, weil ich hier teils bis zu den Knien im Moos versackte. Zwischen den Moorflächen lagen immer wieder plackerige Waldabschnitte mit sehr dichten Unterholz.

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Ich war froh als ich nach über zwei Stunden wieder an die Küste stieß, auf einen schmalen, aber leicht begehbaren Geröllstrand. Kurz darauf fand ich auch schon eine ideale Campstelle im dichten Magellan-Regenwald, direkt hinter dem Strand.
8 km in 3h40 bin ich heute gewandert.

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5.Tag:
Es war heute sogar mal windstill, aber den ganzen Tag über herrschte eine düstere Stimmung mit viel Regen, daher bin ich auch erst gegen Mittag losgewandert. Ich wollte weiter die Küste folgen, aber das wurde zunehmend schwieriger mit viele felsige Abschnitte, wo ich rumklettern musste und der Regenwald dahinter war extrem dicht. Die gerölligen und leicht begehbaren Strandabschnitte wurden weniger und waren immer nur kurz.

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Als der Regen wieder begann schlug ich mein Camp auf und machte nochmals zwei Stunden Pause im Zelt. Später am Nachmittag baute ich das Camp wieder ab und wanderte weiter.

Hinter der felsigen Landzunge des Punta Pichintún erreichte ich den Eingang zum Estuario Fanny. Erneut fing ein leichter Dauerregen an. Es wird bald Zeit ein Camp zu finden, ich war schon klitschenass vom dichten Unterholzgeplackere und so weit ich schauen konnte sah die Küste sehr schwer aus. Der Regen, die Nässe und keine möglichen Campstellen in Sichtweite ließen meine Motivation auf Null sinken. Ich war in einer Sackgasse und entschied mich zur Umkehr. Nach einer Stunde Rückmarsch fand ich eine mögliche Campstelle mit kleinen Bach in der Nähe, dort blieb ich.

Morgen wollte ich die Küste endgültig verlassen um Richtung Inland weiterzuwandern.

6.Tag:
Das Wetter war heute deutlich heller und freundlicher wie gestern. Weil mir der Regenwald hier zu dicht und schwierig war, wollte ich zurückwandern zu der Bucht wo ich vorgestern abend wieder an die Küste stieß. Dort wird man nach kurzem Regenwaldgeplackere relativ schnell die ersten offenen Moorflächen erreichen.

Nach über anderthalb Stunden erreichte ich wieder meine Campstelle von vorgestern.

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Ich verließ die Südküste. Weil ich zu faul war den Kompaß ganz unten aus dem Rucksack zu kramen, ging ich ohne, mit dem Ergebnis daß ich nach einer halben Stunde wieder die Küste erreichte an fast der gleichen Stelle wo ich sie verließ, ich war einmal im Kreis gelaufen;-)

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Dann holte ich meinen Kompaß raus und kurze Zeit später erreichte ich auch schon die erste Moorlichtung.

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Die Magellan-Regenwälder wachsen in der Regel nur an den Küsten oder in der Nähe davon. Das Landesinnere der gebirgigen südwestpatagonischen Insel- und Fjordregionen ist von weiten offenen Turbaflächen bedeckt, einer Mischung zwischen subantarktischer Tundra und Moorland. In vielen Hanglagen und geschützten Bachtälern wachsen zwar auch Wälder, das sind im Unterschied zu den immergrünen Magellan-Regenwäldern jedoch in der Regel sommergrüne Wälder aus hauptsächlich Südbuchen, die im Winter ihre Blätter verlieren und meistens relativ leicht durchwanderbar sind.
Die Baumgrenze liegt in Südpatagonien bei 500 bis 600 m, darüber kommt man in die vegetationslosen hochalpinen Zonen. Zum Vergleich, in den Alpen liegt die Baumgrenze bei etwa 1800 m.

Das Vorwärtskommen wurde deutlich einfacher und ich habe schnell gemerkt daß meine Entscheidung, die Küste zu verlassen, richtig war.

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Die beiden wichtigsten Kriterien bei der Wahl einer Campstelle in der Wildnis sind für mich generell daß da frisches Wasser in der Nähe sein muss und der Zeltplatz eben genug ist. In Südpatagonien kommt noch ein drittes Kriterium hinzu: der Windschutz! Ich habe es auf diesen Trek tunlichst vermieden oberhalb der Baumgrenze zu zelten!!! In den weiten offenen Turbaflächen unterhalb der Baumgrenze findet man immer kleine Waldabschnitte in denen man windgeschützt campen kann, jedenfalls habe ich da jeden Tag super Campstellen gefunden die diese drei Kriterien erfüllten.

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Waldstück bei Camp 6

7.Tag:
Heute wanderte ich über ein hügeliges Hochland zwischen 400 und 550 m Höhe, mit super Blicke Richtung Westen über den Estuario Fanny und die vergletscherte Gebirgskette noch weit entfernt dahinter am Horizont.

Auch wenn das weglose wandern hier im offenen Gelände meistens einfach war, hat diese Gegend auch so einige Tücken parat. Die Turbaflächen können in Küstennähe oder auf flachen niedrigen Talböden extrem weich und anstrengend sein, aber weiter von der Küste weg, wo das Land ansteigt, wird es zunehmend leichter. Ich musste häufiger tief eingeschnittene Bachrinnen durchqueren die voll mit dichten Busch waren. Die Wälder sind zwar oft leicht durchwanderbar, aber das ist nicht überall so, es gibt auch zahlreiche anstrengende Waldabschnitte, die voll mit dichen Unterholz sind.

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Innerhalb von einem Tagesmarsch von der letzten Estancia an der Nord-, und Südküste, sowie im näheren Umkreis vom Lago Riesco findet man zwar noch Rinderspuren, aber jenseits davon nichts mehr. Die Wildnis im Westteil von Riesco ist unberührt und vom Menschen absolut ungenutzt. Auf Riesco gibt es glücklicherweise auch keine Biber, die auf Feuerland und Isla Navarino enorm große Schäden in der Wildnis anrichten.

Ich wanderte auf eine Bergkette zu, die ich überqueren wollte. Kurz vor der Bergkette stieg ich in eine bewaldete Bachschlucht ab, dort unten fand ich eine schöne windgeschützte Campstelle.

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8.Tag:
Es war ungemütlich, Regen und Wind, ich blieb zunächst im Zelt und wanderte erst gegen 14 Uhr los.

Auf der anderen Bachseite stieg ich wieder aus der Schlucht raus und schon nach 100 hm war ich oberhalb der Baumgrenze. Ich wanderte den Geröllhang entlang auf den ersten Pass zu.

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Der Regen fing wieder an und schon nach 1h10 vom Camp erreichte ich die Passhöhe auf ca. 750 m.

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Auf der anderen Seite stieg ich ab in einen oberen Talzweig des Rio Boer. Es dauerte nicht lange bis die beginnende alpine Buschzone ein Weiterwandern am Bachlauf schwierig machten. Da es eh schon spät war hatte ich heute keine Lust mehr mich da noch bei den Regen durchzuplackern und hackte mir mit dem Pickel im Busch ein kleines windgeschütztes Plätzchen für mein Zelt zurecht.

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9.Tag:
Das Buschgeplackere am Bach entlang wollte ich mir sparen und stieg somit wieder oberhalb der Buschzone auf einen gerölligen Bergrücken in 700 m Höhe. Die Aussicht war super. Jedesmal wenn ich mich oberhalb der Baumgrenze befand, sah ich eigentlich immer irgendwo Kondore rumfliegen.

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Auf der anderen Seite stieg ich in den nächsten Talzweig ab, der wiederum durch einen sanften Passdurchgang einen leichten Zugang zum nächsten Tal bot.

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Der Abstieg vom zweiten Pass war ziemlich steil in das Wald- und Moorbedeckte Tal dahinter. Ich wanderte dieses Tal aufwärts, aber den Pass Nr.3 wollte ich heute nicht mehr machen. Am Fuße des Passes fand ich eine phantastische Campstelle in einen knorrigen Waldabschnitt.

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Laut Karte müsste ich seit heute irgendwann im Reserva Nacional Alacalufes sein, das mit seiner beachtlichen Fläche von über 23000 Quadratkilometern ja nur einen kleinen Teil der riesigen zusammenhängenden unerschlossen Wildnis Südpatagoniens darstellt.
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Es gehört zwar nicht unbedingt hier in den Reisebericht, aber damit man mal eine ungefähre Vorstellung von der Gesamtgröße der patagonischen Wildnis bekommt, liste ich hier mal alle Parks auf, mit der jeweiligen ungefähren Quadratkilometerzahl dahinter, die alle direkt ineinander übergehen und somit eine sehr viel größere zusammenhängende völlig unerschlossene Wildnis darstellen, als nur das Reserva Nacionla Alacalufes alleine:

Reserva Nacional Alacalufes (23000)
Paque Nacional Alberto de Agostini (14600)
Parque Nacional Bernardo O´Higgins (35000)
Reserva Nacional Katalalixar (6200)
Parque Nacional Laguna San Rafael (17400)
Reserva Nacional Las Guaitecas (11000)
Parque Nacional Torres del Paine (2400)
Parque Nacional Los Glaciares (4400)

Dies ergibt zusammengezählt eine unglaubliche Fläche von 114000 Quadratkilometern zusammenhängender unbewohnter Wildnis, ohne Straßen und Fahrwege, die ein schier unermessliches Potenzial für Wildnistrekker und Seekajaker bietet;-)
Ein vergleichbar großes zusammenhängendes geschütztes Parksystem wird man außer in Alaska und Amazonien wohl an kaum einen anderen Ort der Erde mehr finden.

Hinzu kommen dann noch einige weitere angrenzende Flächen, die zwar auch unerschlossene Wildnis sind, aber noch nicht als Teil eines geschützten Parksystems angehören, wie z.B. die Peninsula Muñoz Gamero und die Peninsula Brunswick.

Wie man an der obigen Liste erkennen kann, sind die beiden bekanntesten und einzigsten mit Trekkingpfaden erschlossenen Parks, Torres del Paine und Los Glaciares, nur lächerlich klein, verglichen mit der Gesamtfläche. So klein können sie aber dennoch nicht sein, den der Parque Nacional Los Glaciares ist mit seinen 4400 Quadratkilometern immerhin mehr als doppelt so groß ist wie der nordschwedische Sarek Nationalpark.
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10.Tag:
Wind und Schauer am Morgen, das Wetter wird hier einfach nicht besser, gegen 13 Uhr bin ich erst wieder losgewandert. Selbst wenn es nicht regnet ist es hier kalt, windig und ungemütlich, nicht gerade Motivation für einen frühen Aufbruch.

Ich stieg hoch auf den 950 m hohen Pass und nach kurzer Zeit war ich wieder oberhalb der Baumgrenze.

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Ein 900 m hoher Pass ist in den europäischen Alpen eine Lachnummer, aber in Südpatagonien nicht. Wenn das Wetter gut ist, ist so ein Pass hier zwar kein Problem aber normalerweise bedeutet ein 900 m hoher Pass hier daß man sich für mindestens 300 Höhenmeter in die sturm- und regenausgesetzte Hochalpine Zone begibt, und mit jede 100 m die man höher kommt wird der Sturm stärker.

Die Aussicht von oben war super. Ich habe meinen Rucksack in eine Mulde gelegt, weil ich Angst hatte daß er trotz seiner über 40 Kg Gewicht wegweht, während ich hier rumspaziere zum fotografieren.
Lange bin ich aber eh nicht oben geblieben, denn es war richtig ungemütlich.

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Blick vom Pass zurück zum Estuario Fanny

Auf der anderen Seite ging es schnell wieder nach unten in ein weites offenes Turbaland. Am Horizont lag schon der Beginn der vergletscherten Gebirgskette, dort sah ich ein Stück vom großen namenlosen See am Fuße des Cerro Ladrillero, meinem Ziel für morgen.

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Unten in einen kleinen idyllischen Flußwald schlug ich windgeschützt mein Camp auf. Wieder nur 7 km in 3 Stunden geschafft.

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11.Tag:
Kalter Dauerregen mit Wind die ganze Nacht und den ganzen Vormittag, mal wieder das übelste Suppenwetter, wie üblich hier! Selbst während des Tages stieg das Thermometer kaum über 6 Grad. Nach 23 Stunden machte der Regen erstmal Pause und es kam dann sogar manchmal kurz die Sonne durch.

Gegen 16 Uhr wanderte ich los. Das Wetter blieb normal patagonisch, also schlecht und unbeständig. Innerhalb von Minuten wechselte es ständig hin und her von strahlend blauen Himmel zur übelsten grauen Schauersuppe, mit Wind, aber richtiger Wind. In Südpatagonien regnet es sogar wenn direkt über einem blauer Himmel ist, kein Scherz! Ich kenne keinen windigeren Ort auf der Erde als die Südspitze Südamerikas!

Ich wanderte durch feuchtes Moorland an einer Kette von kleinen Seen vorbei. Dann wurde es sehr hügelig, es ging ständig rauf und runter mit anstrengende Buschplackerabschnitte dazwischen.

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Den großen See würde ich heute nicht mehr erreichen. Nach 5 Stunden und 11 Kilometern wurde es gegen 21 Uhr höchste Zeit daß ich eine Campstelle finde. Das war aber nicht einfach hier, der Boden war entweder zu feucht oder uneben und die Waldabschnitte voll mit dichtes Unterholz und Busch.
Auf einer moorigen Senke ließ ich meinen Rucksack liegen um die Gegend nach einer Campmöglichkeit abzusuchen. Nach 20 Minuten fand ich eine winzig kleine geeignete Stelle für mein Zelt, die ich aber noch mit dem Pickel bearbeiten musste.

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Wildniswanderer
19.02.2012, 20:37
Wahnsinn! Zwar ist das meist schlechte Wetter dort ziemlich abschreckend, aber dennoch sieht die Gegend nach einem wahren Trekkingparadies aus! Toll dir hier auf deinen Pionierpfaden folgen zu dürfen! Ich bin schon auf die Fortsetzung gespannt.

Gerald

ckanadier
19.02.2012, 22:37
Bin wieder total begeistert von deinen Touren und kann die nächsten kaum erwarten. Du beschreibst sehr spannend und anschaulich. Es juckt richtig in den Fingern, die Karten aus den Schubladen zu kramen. Du versprühst mit deinen Berichten Motivationsgeist.
Gruß Jürgen

fjellstorm
20.02.2012, 14:08
Zum wiederholten Male-Danke Bernd für die Berichterstattung über deine außergewöhnlichen Treks!

paddel
20.02.2012, 14:29
Zum wiederholten Male-Danke Bernd für die Berichterstattung über deine außergewöhnlichen Treks!

Da schließe ich mich an und warte schon gespannt auf die Fortsetzung.

Finde die Bilder zu diesem Trek nicht auf deiner Hompage. Bin ich blind oder hast du sie dort nicht hochgeladen?

inflames
20.02.2012, 20:29
Hey sehr tolle Berichte und Reisen, die du da machst.
Mich würde mal interessieren, wie lange du schon solche Trekkingreisen unternimmst ?

berniehh
20.02.2012, 22:45
Vielen Dank für die netten Kommentare;-)




Finde die Bilder zu diesem Trek nicht auf deiner Hompage. Bin ich blind oder hast du sie dort nicht hochgeladen?
Ich habe die Bilder noch nicht auf meiner Seite hochgeladen.
Den Riesco Trek will ich hier bei den Reiseberichten in 4 Teile aufteilen, auf meiner Magix-Seite aber nur in 2 Teile. Beim nächsten Mal lade ich den ersten Teil auf meiner Magix-Seite.

berniehh
21.02.2012, 08:23
Mich würde mal interessieren, wie lange du schon solche Trekkingreisen unternimmst ?
Eigentlich schon immer seitdem ich aus der Schule bin. Allerdings bin ich da auch mit kleine und leichte Standarttreks angefangen.

berniehh
26.02.2012, 11:38
Trek 18

Isla Riesco (Teil 3) // Chile

20 Tage

Februar 2011

Die erste Hälfte dieses Treks habe ich heute auch auf meine Seite hochgeladen:
www.trekking.magix.net

12.Tag:
Wie üblich war mal wieder das übelste Scheißwetter, Wolken, langandauernder kalter Regen und starker Wind. Daher bin ich heute wieder erst gegen 14 Uhr losgekommen, als der Regen zu Schauer wechselte und für längere Abschnitte auch mal die Sonne durchkam.

Ich wanderte Richtung Nordwesten über die Hügel, von denen man Traumblicke über verzweigte kleine Seen hatte und nach 1h20 erreichte ich den großen namenlosen See beim Cerro Ladrillero.

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Der See ist etwa 12 Kilometer lang und führt in das hier beginnende Hochgebirge rein, wobei man das Wort Hochgebirge eigentlich relativ sehen muss.

Den Cerro Ladrillero sah man wie üblich natürlich nicht. Der Berg ist mit seinen "nur" 1705 m Höhe zwar nicht wirklich hoch, ist aber für die letzten 800 bis 1000 Höhenmeter zum Gipfel von weiß verspaltete Gletscherhänge beflankt. Seit meinem Trekkingstart vor 12 Tagen war der Gipfelbereich noch kein einziges Mal zu sehen, der scheint fast immer in Wolken und Sturm zu liegen, eine Besteigung konnte ich also vergessen.
http://www.peakbagger.com/peak.aspx?pid=8668

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Vor einigen Tagen hatte ich schon entschieden daß ich von diesen See aus nicht noch weiter Richtung Westen vordringen will, dafür habe ich bis hierher schon zu viel Zeit im schlechten Wetter verloren.

Auf den gesamten Trek bezogen bin ich nur auf eine durchschnittliche tägliche Wanderzeit von knapp unter 5 Stunden gekommen. Wäre ich auf eine durchschnittliche Wanderzeit von 6 Stunden gekommen, hätte ich mit den 20 zusätzlich zur Verfügung stehenden Stunden von hier aus sicher noch eine Umrundung des Cerro Ladrillero geschafft.

Mein absoluter Traum wäre es aber gewesen noch weiter Richtung Westen bis zum Garjardo Kanal zu wandern, das ist eine extrem enge und von vergletscherten Bergen eingschlossene kurvige Meerenge, die Riesco von der Peninsula Muñoz Gamero trennt. Von den Bergkämmen oberhalb des Canal Garjardo hätte man sicher absolute Hammerpanoramen auf den bis zum Meer reichenden Gletscher vom Monte Pirámide bzw Gran Campo Nevado.
Um es bis dorthin zu schaffen hätte ich aber entweder Proviant für 30 Tage mitschleppen müssen, oder bei einer 20 tägigen Proviantladung auf eine durchschnittliche tägliche Wanderzeit von über 8 Stunden kommen müssen, was bei den momentanen Wetterbedingungen jedoch absolut nicht drin war.

Ich war jedenfalls schon sehr froh daß ich es wenigstens bis hierher geschafft hatte, denn diesen See hatte ich mir vor dem Trek als Minimalziel gesetzt.

Von diesem See geht´s für mich also nun weiter Richtung Nordosten. Mein nächstes Ziel ist der Lago Riesco, ein großer See im Zentum der Inselosthälfte.

Über moorige Bergrücken ging´s sanft bergauf, wobei einige tiefe bebuschte Bachrinnen gequert werden mussten. Das Panorama zurück zum See war phantastisch.

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Ich kam in ein hügeliges Hochgebiet und als ich gegen 17:30 auf etwa 440 m Höhe die letzten kleinen knorrigen Waldinseln erreichte, entschied ich mich hierzubleiben. Jetzt noch weiterzuwandern, um dann irgendwann im baumlosen Hochland campen zu müssen, wäre jetzt bei dem starken Wind sicher keine gute Idee gewesen.

Nach ein wenig rumsuchen fand ich einen traumhaften windgeschützen Platz für mein Zelt.

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abends beim Camp

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morgens beim Camp

13.Tag:
Es ging noch weiter sanft nach oben und nach 1h20 erreichte ich die höchste Stelle, ein sanftes karges Hügelplateau auf knapp über 800 m Höhe. Es war eiskalt und sehr windig hier oben, ich musste meine warmen Winterhandschuhe anziehen.

Meinen Rucksack ließ ich für eine Weile hier liegen und spazierte etwas herum zum fotografieren. Von den jeweiligen Enden des Plateaus boten sich super Blicke. Im Westen lag der große namenlose See aber die vergletscherten Berge um den Cerro Ladrillero lagen natürlich wie immer in Wolken. Im Süden sah ich den Estuario Fanny an der Südküste und vom Nordrand des Plateaus den Estero Riquelme, ein kleiner Fjordarm an der Nordküste.

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der Cerro Ladrillero liegt versteckt hinter den Wolken

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Ich wanderte weiter Richtung Nordosten, ein Stückchen tiefer war es nicht mehr ganz so kalt und windig. Für eine ganze Weile ging es durch eine weite offene Gebirgstundralandschaft wie in Lappland, das weglose wandern war also recht einfach. Es ist eine sanfte hügelige Gegend zwischen 500 und 700 m Höhe mit super Blicke auf den Estero Riquelme und dem üblichen Wetter aus Wolken, Wind und Schauer.

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Später am Nachmittag ging´s bis auf 300 m runter in ein grüneres Land aus offene Turbaflächen und erste Waldabschnitte. Das Wandern wurde im weichen Moorland wieder etwas mühsamer wie weiter oben. In einen Waldstreifen am Bach fand ich einen super Platz zum zelten.

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14.Tag:
Das Reserva Nacional Alacalufes verlasse ich jetzt und das Wetter scheint sich etwas zu stabilisieren. Es ist zwar immer noch unbeständig, wolkig und windig, aber dafür mit längere Sonnenabschnitte und nur wenige kleine Schauer.

Heute wollte ich bis zum Lago Riesco kommen. Den ganzen Tag ging es rauf und runter über Hügel und kleine Bergrücken durch offenes weites Turbaland, gemischt mit paar Waldabschnitte und an mehrere kleine Seen vorbei. Das weglose wandern war nicht schwer und auch die Wälder waren ohne Buschgeplackere mühelos durchquerbar.

Über den Tag verteilt sah ich einige Rinder, die vermutlich von der Estancia Lago Riesco stammen. Ob die wohl von ihren Weidegründen bei der Estancia ausgebüchst sind oder mit Absicht hierher getrieben wurden?? Falls es Absicht war fragte ich mich wie die Estancien-Besitzer hier in der weglosen Wildnis aus weichem Moorland und Wald ihre Rinder jemals alle wiederfinden wollen, denn es gibt hier weit und breit weder Viehzäune, noch Pfade.

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Später am Nachmittag erreichte ich das Südwestende des Lago Riesco. Dieser See ist etwa 10 Kilometer lang und hier am kleinen Fluss beim Seeeinfluss fand ich eine super Campstelle im unterholzfreien und leicht bewanderbaren Südbuchenwald. Dies ist eine sehr schöne Gegend in der man locker auch mal einen gemütlichen Ruhetag verbringen könnte, aber das kommt nicht in Frage, denn ich will morgen gleich weiterwandern.

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Der schnellste und direkteste Weg von hier zur Nordküste wird wohl über die Estancia Lago Riesco sein, von dort aus beginnt dann ein sehr schmaler privater Fahrweg, der für 32 Kilometer zur Norküste führt. Diese winzig kleine abgelegene Estancia liegt nach meiner Schätzung ungefähr 10 Kilometer vom nördlichen Seeende entfernt, also von meinem Camp hier am Südende noch etwa 20 Kilometer entfernt. Falls das Buschgeplackere am östlichen Seeufer nicht zu hart wird sollte die Estancia locker in einen Tag erreichbar sein und die Nordküste in 2 Tagen.

Da ich aber noch Proviant für über 6 Tage hatte, wollte ich eine spektakulärere Route zur Nordküste nehmen, nämlich über die Bergkämme der Cordillera Serrucho. Diese Route führt durch den Parque Rio León, ein unerschlossener Wildnispark, der vom Lago Riesco bis zur Norküste reicht.

15.Tag:
Das Wetter verschlechterte sich mal wieder, einsetzender Regen und ein starker Wind fegte über den See. Ich folgte das westliche Seeufer, was aber recht anstrengend war. Es ging rauf und runter über die Hügelrücken und durch weiches anstrengendes Moorland, das schlimmste war dabei aber das Geplackere durch dichtes Unterholz.

Nach 2h15 wurde das Gelände am Seeufer endlich flacher und ich kam in einen phantastischen Magellan-Regenwald, der nicht allzuschwer begehbar war. Da ich vom Buschgeplackere aber schon völlig durchnässt und durchgefroren war, schlug ich mein Zelt auf und verkroch mich erstmal in den Schlafsack.

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Später am Nachmittag hörte der Regen auf und die Sonne kam raus. Ich baute das Zelt wieder ab und wanderte gegen 16 Uhr weiter. In den gesamten letzten zwei Wochen wechselte das Wetter ja nur ständig zwischen schlecht und sehr schlecht hin und her, aber jetzt wurde es zum ersten Mal seit dem Trekkingstart sogar mal richtig schön.

Da der Wald zu anstrengend wurde, wanderte ich vom Seeufer weg über eine sehr weiche und anstrengende Moorfläche, die aber immer noch leichter war wie der Wald am Seeufer. Nach einer Stunde querte ich einen von links aus der Cordillera Serrucho kommenden namenlosen Bach, hier schlug ich im leichten schönen Südbuchenwald mein Camp auf. Heute habe ich nur 6 Kilometer geschafft.

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dahinten sieht man noch ein Stück vom Lago Riesco

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namenloser Bach aus der Cordillera Serrucho

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16.Tag:
Ich verlasse den See endgültig und wander in die Cordillera Serrucho hinein. Der Bach führt durch eine enge Schlucht, daher stieg ich aus dem Bachlauf raus auf offene weiche Turbaflächen. Einige Stellen waren recht mühsam und ich musste noch eine tiefe gestrüppige Schlucht durchklettern und stieg dann direkt nach oben auf die Bergkämme, und nicht über den niedrigen Pass am Talende. Die dichten alpinen Buschzonen konnte ich irgendwie umwandern und auf den sanften gerölligen Kamm oberhalb der Baumgrenze wurde das Wandern sehr einfach.

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Cordillera Serrucho

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Wer hätte das gedacht, das Wetter war heute mal den ganzen Tag traumhaft, auch wenn es auf dem Kamm etwas windig und kühl war, aber die Aussicht war der Hammer! Weit entfernt im Westen lag die vergletscherte Andenkette und das erste Mal seit dem Trekbeginn war der sanfte Gletschergipfel des Cerro Ladrillero mal in voller Pracht zu sehen.
Die Kammwanderung war leicht, es ging über mehrere sanfte Geröllhügel bis auf 1027 m Höhe. Die ganze Zeit flogen zahlreiche Kondore über meinen Kopf hinweg, einmal sah ich bis zu 13 Stück auf einmal.
Im Norden lag der Seno Skyring, mein Trekkingendziel an der Nordküste von Riesco.

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Dann ging es für 700 Höhenmeter runter auf eine große weiche Moorsenke. Diese querte ich Richtung Norden und steuerte dabei auf das felsige Massiv des Cerro León zu, das ich ab morgen überqueren will.
Es ging an einige kleine Moorseen vorbei und weil der weiche feuchte Moorboden zum campen nicht gut geeignet ist, wanderte ich auf einen Südbuchenwaldstreifen zu, der sich an einen Bachlauf entlangzog. Hier fand ich wie erwartet einen Traumplatz zum campen.

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Blick zurück, von dem Kamm bin ich runtergestiegen

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meine Wanderrichtung zum felsigen Massiv des Cerro León

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Camp 16

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Blick vom Waldrand beim Camp 16

Dustin
26.02.2012, 11:50
Dein ganzer Andentrek ist einfach nur unglaublich schön und inspirierend.
Wenn ich mal so viel von der Welt gesehen habe wie du, dann kann ich glücklich sterben.
Deine Treks machen mich wirklich nachdenklich, weil die Welt einfach viel zu schön ist um
nicht, auf die Art wie du es tust, bereist zu werden.

Vielen Dank für deine Reiseberichte.
Sie öffnen mir immer wieder aufs Neue die Augen;-)

Gruß
Dustin

berniehh
03.03.2012, 23:32
Trek 18

Isla Riesco (Teil 4) // Chile

20 Tage

Februar 2011

Die zweite Hälfte des Treks habe ich nun auch auf meine Seite:
www.trekking.magix.net

17.Tag:
Bis zum Trekende blieb das Wetter gut.
Ich wanderte weiter auf das felsige Massiv des Cerro León zu. Trotz der geringen Höhe von nur bis zu 865 m sehen die Berge ziemlich alpin aus. Den Cerro León sah man noch nicht, der liegt hinter den Bergen.

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Als nach 2 km das Gelände hügeliger wurde, wich ich nach rechts in den Südbuchenwaldstreifen aus. Im Wasser watend folgte ich das Flussbett aufwärts, was anfangs noch leicht war.

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Der Bach führte immer mehr in eine bewaldete Schlucht hinein. Das Vorwärtskommen wurde deutlich mühsamer weil ständig Baumstämme überklettert werden mussten, die das Bachbett blockerten. Nach 2 km wurde das Geplackere zu hart, da kletterte ich links den steilen Waldhang hoch auf´s offene Moorland zurück.

Das wandern im Moor war zwar relativ einfach, aber mehrere mit dichten Busch bestandene Bachschluchten behinderten mich auf meinen Weg zum niedrigen Passdurchgang. Im mühsamen Busch- und Steilhanggeplackere musste ich da rein und wieder rausklettern.

Die Landschaft war super, ich hatte schöne Blicke über das weite Land. Als die letzte Bachschlucht hinter mir lag, war der Weg zum Pass frei.

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Kurz hinter dem Pass ließ ich meinen Rucksack liegen um einen Abstecher auf den 900 m hohen Cerro León zu machen. Der Gipfelbereich besteht aus mehrere Hügel, ich war zwar nicht auf den allerhöchsten Hügel, weil der nur von der anderen Bergseite aus erreichbar ist, aber egal. Die Aussicht war super und der Abstecher hat sich gelohnt, auch wenn es hier oben sehr windig und kalt war.

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Nach 1h30 war ich wieder unten bei meinem Rucksack. Weiterwandern lohnt sich heute nicht mehr, daher schlug ich mein Zelt einigermaßen windgeschützt am Rande des dichten alpinen Busches auf. So windig war es hier unten an der Buschgrenze auf 540 m Höhe glücklicherweise heute zwar nicht, aber bei stärkeren Sturm wäre hier sicher keine so gute Campstelle.

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18.Tag:
Heute geht´s runter zur Küste. Ich blieb zunächst oberhalb der Baumgrenze und wanderte entlang der gerölligen Hänge am Cerro León vorbei und dann auf den sanften Kamm bis 800 m Höhe.

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Blick über den flacheren Ostteil von Riesco

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Am Ende des Kammes ging es steil bergab zur Baumgrenze und in den Südbuchenwald rein. Weiter unten wurde daraus dichter Magellan-Regenwald. Ich stieg einen Bergrücken runter, der links und rechts in steile Bachschluchten abfällt, die weiter unten zusammentreffen. Am Zusammentreffen der beiden Bachschluchten musste ich eine Weile rumsuchen bis ich eine geeignete Stelle zum runterklettern fand.

Das Bachbett war nur für ein kurzes Stück einigermaßen OK bewanderbar, aber dann komplett mit Baumstämme und Dickicht blockiert und extrem hart. Ich kletterte da wieder raus und plackerte mich durch den dichten Regenwald einen sanften Rücken runter bis zur Küste.

Hier fand ich eine gute Campstelle nach 10 km und 6h45 vom letzten Camp.

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19.Tag:
Am Ostende des Strandes musste ich über die Landzunge rüber zur nächsten Bucht steigen. Früher weideten hier mal Rinder, aber die Pfade durch den dichten Küstendschungel sind alle weider zugewachsen. Die Route war nur noch im harten Geplackere begebar.

Am Eingang zur zweiten Bucht passierte ich eine Viehpforte, dahinter wurde das Wandern leicht und das Land als Rinderweideland genutzt. Vermutlich verlasse ich hier auch den Parque Rio León. Der Eigentümer dieses privaten Wildnisparks soll Douglas Tompkins sein, dem auch der Parque Pumalín gehört.

Hier startete ein guter Weg über die nächste Landzunge zur dritten Bucht. Dort erreichte ich die erste abgelegene Estancia und sah den ersten Menschen seit 15 Tagen.

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Von der Estancia führt ein guter Pfad weiter, bzw. eher eine Mischung zwischen Pfad und Fahrspur, aber nur an wenigen Stellen konnte man sehen daß der Weg selten auch mal befahren wird.

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Die fünfte Bucht ist wesentlich größer wie die vorigen und hier wurde die Fahrspur deutlicher. Ich verließ den Weg und wanderte weglos am Strand entlang, denn die Küstenroute war recht schön.

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In der sechsten Bucht erreichte ich die Estancia Rocallosa, wo ein öffentlicher Fahrweg beginnt. Von hier sind es noch über 40 Kilometer bis zum Fähranleger.

Da mein Proviant noch locker für mindestens zwei Tage reichte, wollte ich den Trek hier noch nicht beenden sondern zu Fuß ganz bis zum Fähranleger wandern. Ich wollte abseits der Straße weglos am Strand entlang gehen.

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Als aber nur wenige Kilometer weiter der Fahrweg direkt an die Küste stieß, war Schluss mit weglosen Strandwandern. Ein Stückchen weitr fand ich bei einer Bacheinmündung abseits des Weges im Wald eine schöne versteckte Stelle zum campen.

20.Tag:
So wie es scheint wird die Straße nun wohl die ganze Zeit bis zum Fähranleger direkt am Meer entlangführen. Daher entschied ich mich daß es keinen Sinn mehr macht den Trek bis zum Fähranleger fortzusetzten. Ich wollte es mit dem erstbesten Auto per Anhalter versuchen, denn so attraktiv ist die Küste hier auch nicht mehr und außerdem macht es keinen Spaß auf der Straße zu wandern.

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Mit jeden Kilometer weiter Richtung Osten wurde das Land trockener, es ist jetzt pures Weideland und keine Wildnis mehr. Nach 15 bis 16 Kilometern kam das erste Fahrzeug vorbei. Das hielt auch an und ich bekam eine Mitfahrgelegenheit ganz bis nach Punta Arenas, was für ein Glück. Dort bin ich wieder ins Hostel Independencia gegangen für 5000 Pesos pro Nacht.

Anreise zur Isla Navarino
Mein nächster Trek wird der 4 bis 5 tägige Circuito de los Dientes auf der Navarino Insel.

Die Anreise nach Navarino ist relativ teuer, fliegen ist da noch die günstigste Anreisemöglichkeit. Der Flug von Punta Arenas nach Puerto Williams kostet 110 US Dollar. Mit dem Schiff zu fahren ist dagegen wesentlich teurer, außerdem fährt das Schiff nur einmal pro Woche und das ist gestern schon abgefahren.

Nach meinen 20 tägigen Riesco Trek wollte ich eigentlich zwei volle Tage in Punta Arenas verbringen und übermorgen dann den Flug nach Puerto Williams nehmen. Als ich den Flug buchen wollte erfuhr ich aber daß nur noch für morgen ein einziger Platz frei wäre. Falls ich den nicht nehme, werde ich bis nächste Woche warten müssen. Da habe ich natürlich sofort zugeschnappt. Der Flug geht morgen früh um 10 Uhr mit einer 20 sitzigen Twin Otter der Aerovías DAP.
Somit ist mein Aufenthalt in Punta Arenas noch in Stress ausgeartet, denn ich musste heute noch alles erledigen: E-mails schreiben, Wäsche waschen und meine Trekkingstiefel müssen auch nochmal repariert werden, dann noch den Trekkingproviant kaufen.
Da Isla Navarino generell ziemlich teuer sein soll, habe ich meinen Proviant schon alles in Punta Arenas gekauft, trotz der 10 kg Gepäcklimit der Dap-Airlines. Morgen mittag, also sofort nach der Ankunft auf Navarino, wollte ich dann auch schon loswandern.

Früh am Morgen ging´s zum Flughafen. Den gesamten Proviant habe ich in den Schlafsackbeutel gestopft und zusammen mit allen anderen schweren Sachen ins Handgepäck genommen, um ja kein Übergepäck zahlen zu müssen. Das hat glücklicherweise auch funktioniert aber dann wurde uns mitgeteilt daß der Flug wegen schlechten Wetter leider ausfällt.

Die Informationspolitik dieser Fluggesellschaft war miserabel. Die Passagiere wurden in die Wartehalle geschickt und dort saßen wir dann für den Rest des Tages rum, ohne Informationen zu bekommen ob und wann der Flug losgeht. Zwei oder dreimal habe ich am Schalter nachgefragt, bekam aber immer nur vage Angaben.

Mit über 8 stündiger Verspätung ging es gegen 18 Uhr endlich los, nachdem wir auf eine größere 90-Passagier-Maschine umgebucht wurden.

Puerto Williams ist die südlichste Stadt der Erde, wirkt aber mit seinen 2700 Einwohnern eher wie ein größeres Dorf. Ankunft im Regen und als ich mein Gepäck hatte war es schon 20 Uhr.

Eigentlich wollte ich ja schon heute mittag mit dem Trek gestartet sein und ich war nicht begeistert davon nun hier in Puerto Williams eine Nacht verbringen zu müssen. Mehr wie 5000 chilenische Pesos wollte ich für Unterkunft nicht ausgeben, falls es teurer wird wollte ich am Ortsrand wild campen.

Bei zwei günstig aussehende Hospedajes habe ich nachgefragt, aber beide verlangten 10000 Pesos pro Nacht. Die zweite ließ sich auf 5000 runterhandeln, also checkte ich da für eine Nacht ein. Den anderen Gästen sollte ich aber nicht erzählen daß ich nur 5000 zahle;-)

Morgen früh wander ich los.....

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Puerto Williams, die südlichste Stadt der Erde

hambe
04.03.2012, 12:39
WOW, das sind einfach traumhafte Bilder! :o

Deine Trecks sind wirklich beeindruckend und jedesmal wenn ich darin lese könnt ich stundenlang weiterlesen!

Ganz grosses Lob an dieser Stelle 5sterne

berniehh
11.03.2012, 17:45
Trek 19

Circuito de los Dientes // Chile

4 Tage

Februar 2011

www.trekking.magix.net

Der Circuito de los Dientes führt über mehrere niedrige Pässe um die schroffe und knapp über 1000 m hohe Gebirgskette der Cordón de los Dientes herum, im Innern der Navarino Insel. Es ist kein durchgängiger Pfad, sondern eine markierte Wildnisroute, die in vielen Abschnitten zwar als schmaler Pfad erkennbar ist, aber dazwischen wandert man immer wieder weglos.

Über diesen Trek findet man zahlreiche Informationen im Netz und auch in den meisten Patagonien-Trekkingführern steht der drin. Es ist ein sehr spektakulärer Trek, auf dem, verglichen mit dem bekannten Torres del Paine Circuit, nur sehr wenig los ist.

Das Wetter war am Starttag super. Morgens musste ich noch zur Polizei um mich für den Trek registrieren zu lassen. Das muss jeder der hier auf der Insel trekken will, es ist aber nur eine Formsache, geht schnell und kostet nichts.

Dann musste ich noch schnell paar Kleinigkeiten einkaufen. Es gibt hier einige Lebensmittelläden, aber die Preise sind deutlich höher wie in Punta Arenas, daher war ich froh daß ich meinen Proviant schon von dort mitgebracht habe.

Puerto Williams liegt an der Nordküste von Navarino, direkt am Beagle Kanal, der Meerenge zwischen Navarino und Feuerland. Auf der anderen Seite sah man die Berge Feuerlands.
Entlang der Inselnordküste verläuft eine 80 Kilometer lange Schotterpiste, aber der Rest der Insel ist eine unbewohnte und straßenlose Wildnis.

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1.Tag:
Halb zwölf bin ich losgewandert. Von Puerto Williams ging es erst auf einen Fahrweg, der nach 2,5 Kilometern am Eingang eines Tales endet. Dort beginnt der eigentliche Trek.

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Der gute Pfad führt durch Südbuchenwald den Hang nach oben zum Cerro Bandera. Es gibt zwar auch eine Alternativroute durch das Tal zum ersten Camp an der Laguna del Salto, die würde ich aber nur bei schlechtem Wetter nehmen, die Route über den Cerro Bandera ist wesentlich spektakulärer.

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Schon nach 1h15 erreichte ich den flachen Geröllplateaugipfel des 600 m hohen Cerro Bandera, knapp oberhalb der Baumgrenze. Die Aussicht war nicht schlecht. Hier endet der gute Pfad und es geht auf einer mit Steinmännchen vage markierten Route weiter den gerölligen Bergkamm entlang.

Kurz darauf verließ ich die markierte Route und ging weglos auf einen 780 m hohen Hügel, von dem aus die Aussicht noch besser war wie vom Cerro Bandera.

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Wieder zurück auf der Hauptroute ging es weiter oberhalb der Baumgrenze den Geröllhang entlang und am Talende steil runter zur Laguna del Salto, der ersten Campstelle. Ein deutsches Pärchen war hier schon am campen und später kamen noch weitere Gruppen hinzu, so daß hier am Ende insgesamt 6 Zelte verstreut um den See standen, mit meins. Die fünf anderen Gruppen sind heute auch alle aus Puerto Williams gestartet, das hört sich zwar erstmal viel an, verläuft sich später aber ganz schnell, wie die nächsten Tage zeigen werden....

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Laguna del Salto (470 m)

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Laguna del Salto

2.Tag:
Nach Verlassen des Camps habe ich von den fünf anderen Gruppen nur noch drei wiedergesehen, ein amerikanischer Einzeltrekker und zwei Pärchen. Am dritten Tag habe ich dann nur noch den Einzeltrekker und ein Pärchen gesehen und am vierten Tag niemanden mehr. Weitere Leute habe ich während des Treks keine getroffen.

Die meiste Zeit des Tages war ich heute oberhalb der Baumgrenze, ansonsten knapp darunter. Es ging über zwei niedrige Pässe.

Verglichen mit dem Riesco Trek fand ich diese Tour recht einfach, man braucht nur die Markierungen zu folgen. Im großen und ganzen ist der Trek recht gut markiert, aber an einigen Stellen musste man schon etwas rumsuchen bis man die Steinmännchen findet.

Für die Routenfindung habe ich nur die Karte aus dem Lonely Planet Patagonien-Trekkingführer benötigt, die ich mir schon Wochen zuvor von jemanden kopiert hatte. Auf meinen Kopien der topographischen 50000er IGM-Karten habe ich kein einziges Mal raufgeschaut. Auf denen fand ich die Cordón de los Dientes ziemlich unübersichtlich abgebildet auf 4 Blätter aufgeteilt und die Trekkingroute war da auch nicht mit eingezeichnet, diese Karten hätte man sich also auch sparen können.

In der Nähe der Laguna Escondida schlug ich mein zweites Camp auf.

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Blick vom Paso Australia (805 m)

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auf dem Weg zur Laguna de los Dientes

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(550 m Höhe)

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Camp 2 (480 m Höhe)

3.Tag:
Die Biberplage ist auf Isla Navarino und Feuerland ein riesengroßes Problem! In den 1940ern wurden die Biber aus Nordamerika eingführt, ursprünglich wegen der Felle. Weil sie hier ohne natürliche Feinde leben, haben sie sich seitdem explosionsartig vermehrt und massive Naturschäden angerichtet. Die Schäden sind überall auf Navarino und Feuerland zu sehen. An fast allen Seen und Flußufer sind große Wald- und Buschflächen komplett kahlgenagt worden. Das sieht sehr schlimm aus und die Behörden scheinen machtlos dagegen zu sein.

Mit dem Wetter hatte ich auf diesen Trek Glück, denn das war für patagonische Verhältnisse recht gut, Mischung zwischen Sonne und Wolken, manchmal windig aber insgesamt relativ wenig Wind verglichen mit dem Riesco Trek. Die nächtlichen Temperaturen lagen im Schnitt bei 7 Grad.

Heute ging es über zwei weitere niedrige Pässe und weiterhin durch eine spektakuläre Landschaft, die mit zahlreiche Bergseen bespickt war, ziemlich nahe an der Baumgrenze, auf den Pässen knapp darüber.
Von einigen Stellen konnte man die Südküste und die bergigen Kap Horn Inseln sehen.

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Laguna Martillo, 465 m

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Cerro Clem, 860 m
Dieser Berg ist benannt nach dem Lonely Planet Autor Clem Lindenmayer, der den Circuit de los Dientes als erster gegangen ist und ausgekundschaftet hat. Leider ist er während einer Trekkingtour in China 2007 ums Leben gekommen.

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4.Tag:
Heute ist mein letzter Trekkingtag. Durch Wald steigt die Route wieder oberhalb der Baumgrenze auf ein karges Geröllplatau, dem Paso Virginia. Da oben lasse ich meinen Rucksack liegen und mache einen kurzen Abstecher auf den Cerro Virginia (984 m), der sich wegen der spektakulären Aussicht auf jeden Fall lohnt!!

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Dann gings es den steilen Geröllhang runter zur Laguna Los Guanacos, ein von steilen Hängen eingekesselter sehr schöner Bergsee.

Vom Seeausfluss führt die Route das bewaldete Tal des Estero Virginia abwärts und runter zum Beagle Kanal. Unten an der Küste stieß ich auf die Piste. Ich hatte Glück, denn es kam auch gleich ein Fahrzeug vorbei, das mich die 7,5 Kilometer zurück nach Puerto Williams mitnahm, so musste ich den langweiligen Pistenabschnitt nicht laufen.

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Die Navarino Insel ist phantastisch und auf jeden Fall eine Reise wert! Der Circuito de los Dientes ist zwar bei weitem die spektakulärste Route hier, aber es gibt hier auch noch Potenzial für wesentlich längere Treks.
Gerne hätte ich auch noch eine längere Tour hier gemacht. Da sich meine Reise aber leider langsam dem Ende zuneigt, wollte ich lieber noch einen längeren Trek auf dem Festland machen.

Auf schnellstem Weg wollte ich zurück nach Punta Arenas, also bin ich gleich als erstes zu DAP gegangen um die Flüge abzuchecken. Leider war schon alles ausgebucht und erst in drei Tagen war wieder was frei. Auf keinen Fall wollte ich hier tagelang rumhängen, daher entschied ich mich mit dem Schlauchboot nach Ushuaia rüberzufahren und von dort dann die 650 Kilometer nach Punta Arenas per Anhalter zurückzulegen. Morgen früh fährt das nächste Boot. Für die Nacht habe ich am Ortsrand von Puerto Williams wild gezeltet.

Die nur 30 minütige Schlauchbootfahrt kostet umgerechnet unglaubliche 100 Euro, ist also teurer als der Flug vom Punta Arenas nach Puerto Williams!! Ok, da ist zwar die 50 Kilometer lange Minibusfahrt zum Anleger mit drin, aber trotzem ist es absoluter Wucher!!

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Ushuaia ist die südlichste Stadt Argentiniens. Auf meiner ersten Patagonienreise war ich schonmal hier um eine Trekkingtour durch die Cordillera Valdiviesco zu machen. Die Stadt ist mega touristisch, kommerziell und teuer. Aufgrund der Steuervorteile ziehen immer mehr Argentinier aus anderen Landesteilen hierher, die Stadt wächst daher rasant. Inzwischen soll die Einwohnerzahl schon bei 80000 liegen, das bedeutet Ushuaia ist etwa 30 mal so groß wie Puerto Williams.

Die Stadt Ushuaia ist meiner Meinung nach keinen Besuch wert, aber die Trekkingmöglichkeiten im Umland sind phantastisch, direkt am Stadtrand beginnt nämlich schon die Wildnis.
Ich habe mich garnicht lange hier aufgehalten und bin direkt vom Bootsanleger die 6 Kilometer bis an den Stadtrand marschiert um schnell weiterzukommen.

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Mit drei verschiedenen Autos bin ich bis in die nächste Stadt Rio Grande gekommen, 217 Kilometer entfernt. Rio Grande ist eine unattraktive Stadt an der Atlantikküste durch die der Wind pfeift, rundum flache Pampalandschaft und auch in der Stadt gibt es kaum Bäume.

Ich musste 8 Kilometer bis ans andere Ende der Stadt marschieren. Auf dem Weg traf ich ein türkisches Tramperpärchen, die hier schon seit über 5 Stunden standen und nicht wegkommen, oh wie frustrierend.

Ich marschierte weiter und irgendwann hielt ein Krankenwagen an, der mich bis nach San Sebastian mitnahm, 80 Kilometer entfernt an der chilenischen Grenze, dort endet die Asphaltstraße.
Von der argentinischen Grenzkontrolle musste ich 15 Kilometer bis zur chilenischen Kontrolle wandern. Als ich dort im dunkeln ankam und meinen chilenischen Stempel im Pass hatte, schlug ich neben dem Grenzhäuschen in der flachen Graspampa mein Camp auf.

Am nächsten Morgen musste ich dreieinhalb Stunden warten bis das erste Fahrzeug anhielt, das mich bis nach Cerro Sombrero mitnahm, 126 km entfernt, durchgehend Schotterpiste. Bei Cerro Sombrero fängt wieder die Asphaltstraße an und von dort bin ich dann schnell weitergekommen. Ein Einheimischer nahm mich die 35 km bis nach Bahia Azul mit, von wo aus die Fähren auf´s Festland fahren. Auf der Fähre lernte ich ein argentinisches Pärchen kennen, die mich die restlichen 172 km nach Punta Arenas mitnahmen. Gegen Abend war ich wieder im Hostel Independencia. Somit war ich einen Tag früher wieder in Punta Arenas, als wenn ich in Puerto Williams auf den Flieger gewartet hätte.

Meine Reisezeit wird nun knapp. Am nächsten Tag habe ich Trekkingproviant für 17 Tage eingekauft. Morgen geht´s also los für meinen letzten Trek, der über die Brunswick Halbinsel führen soll. Ich habe noch genau 17 Tage Zeit bis mein Flug von Punta Arenas nach Santiago geht.

fjellstorm
11.03.2012, 20:24
Den Isla Riesco und Circuito de los Dientes Teil find ich landschaftlich wirklich sehr ansprechend, feine Sache die du da abgezogen hat!5sterne



..in den äußersten Süden Chiles
..ans Ende der Welt;-) Wie passend als Abschluss einer langen und spektakulären Reise!
Bin aufs Finale gespannt.

thefly
11.03.2012, 21:32
Schöner Bericht
.. was mir auf der Insel noch vorschwebt ist eine Ost-> West -> Nord Runde . Anfangen in Puerto Toro, dann auf Bahia Windhond, Wulaia und dann über die Westküste nach Pt. Navarino, da würde man vermutlich auch irgendwo nen Food-Drop organisieren können, spätestens bei Wulaia ..


Fred

berniehh
12.03.2012, 07:53
[OT].. was mir auf der Insel noch vorschwebt ist eine Ost-> West -> Nord Runde . Anfangen in Puerto Toro, dann auf Bahia Windhond, Wulaia und dann über die Westküste nach Pt. Navarino,
Das klingt nach einer interessanten Tour, die es auf jeden Fall wert wäre nochmal nach Navarino zu reisen;-)

PWD
12.03.2012, 09:18
Wahnsinn bernieh, wo du überall rumturnst - hattet ihr in eurem Stammbaum eine Gebirgsziege:bg:?
"Geröllwandern" ist das ja an manchen Stellen.
Hut ab vor dem Mut u. auch dem Können in dieser wunderschönen Isolation. Wenn ich heute nochmal 30 wär´....
Danke für die Berichte u. die schönen Bilder.

BubiBohnensack
12.03.2012, 11:14
Die Vorfreude wächst... :)

berniehh
17.03.2012, 23:41
Trek 20

Peninsula Brunswick (Teil 1) // Chile

Gesamtdauer 16 Tage, 207 km

März 2011

www.trekking.magix.net

1.Allgemeines:
Brunswick ist die große Halbinsel direkt südwestlich von Punta Arenas. Der größte Teil davon ist eine unbewohnte weglose Wildnis. Direkt am Stadtrand von Punta Arenas, im Reserva Nacional Magallanes, beginnt die Wildnis schon.

Die lohnenste mehrtägige Haupttrekkingroute auf der Brunswick Halbinsel ist wohl zweifellos der Cabo Froward Trek. Cabo Froward ist der südlichste Punkt des Südamerikanischen Festlandes, den man aber nicht mit Kap Horn verwechseln sollte. Kap Horn ist zwar der südlichste Punkt Südamerikas, der liegt aber nicht auf dem Festland, sondern auf einer Insel südlich von Navarino. Während man zum Kap Horn nur mit dem Boot kommt, ist Cabo Froward, ausser mit dem Boot, auch zu Fuß erreichbar.

Aufgrund des Superlatives "südlichster Punkt der Südamerikanischen Festlandes" müsste man ja eigentlich vermuten daß da eine ausgebaute Touristenautobahn bis zum Kap runterführt. Das ist aber glücklicherweise nicht der Fall. Der Cabo Froward Trek ist ein noch relativ unbekannter und wenig begangener Wildnistrek, von der Frequentierung ähnlich niedrig wie der Circuito de los Dientes, ich vermute aber eher sogar noch weniger begangen. Kap Horn kennt wirklich jeder, aber wohl nur wenige Leute haben schonmal von Cabo Froward gehört.

Der Cabo Froward Trek ist ein Sackgassentrek, d.h. die Route endet am Kap und man muss den gleichen Weg wieder zurückwandern. Der Trek wird mit 5 Tagen für Hin- und Rückweg angegeben, ist aber auch schneller zu schaffen.

2.Meine geplante Route:
Mit dem Cabo Froward Trek wollte ich beginnen.
Vom Kap wollte ich aber nicht auf der gleichen Route wieder zurückwandern, sondern direkt weiter durch die weglose Wildnis der Brunswick Halbinsel.

Um in den gebirgigen, von Fjorden zerschnittenen und sehr abgelegenen Westteil der Halbinsel zu gelangen, reichen meine 17 Tage wohl nicht ganz aus, bzw. es wäre sehr ungewiss ob ich dann meinen Flug nach Santiago noch erwischen würde.
Daher wollte ich vom Kap einmal quer durch die Mitte der Halbinsel wieder zurück nach Punta Arenas wandern. Unterwegs kam ich durch die beiden kleinen Reserva Nacionales Laguna Parillar & Magallanes.

Das erste knappe Viertel meiner Route bis zum Kap war also ein Küstentrek und die restlichen dreiviertel ab dem Kap ging es durch die Inlandswildnis.

3.Die Anreise zum Trekkingstartpunkt:
Vollbepackt mit schwerem Rucksack brach ich gegen Mittag von Punta Arenas auf. Mit dem Stadtbus fuhr ich bis zur letzten Station und stellte mich dann an die Straße Richtung Süden zum trampen. Es war Samstag, daher fuhren genügend Wochenendausflügler aus der Stadt raus und nach kurzer Zeit hielt auch schon einer an. Ein Ehepaar aus Punta Arenas nahm mich bis nach Fuerte Bulnes mit, 56 km entfernt, die letzten 10 km auf Schotterpiste.
Die Straße führt am Meer entlang, aber die Landschaft war nicht allzu interessant, nur trockenes Weideland und gelegentlich mal eine Estancia.

Die beiden besitzen ein Haus bei Fuerte Bulnes, in dem sie oft die Wochenenden verbringen. Sie waren sehr nett und luden mich ein noch zum Mittagessen zu bleiben, was ich gerne annahm. Ihr Haus liegt einen Kilometer abseits der Straße auf einen Hügel mit Meerblick.

Einige Stunden später fuhr der Mann mich in seinem ATV mit Anhänger wieder zurück zur Piste.

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Nach kurzer Zeit stoppte auch schon das nächste Auto mit einer Familie aus Punta Arenas, die ebenfalls auf einen Wochenendausflug waren.

Ob man Fuerte Bulnes schon als Ort bezeichnen kann weiss ich nicht, es ist jedenfalls nur eine Ansammlung von paar Häusern.
Südlich von Fuerte Bulnes wird das Land deutlich schöner, an Stelle des trockenen Weidelandes treten grüne Südbuchenwälder, die bis ans Meer ranreichen.
Paar Kilometer weiter am Rio San Pedro stoppten sie und ab hier wanderte ich dann zu Fuß weiter. Es ist schon später Nachmittag, weit werde ich heute also nicht mehr kommen.

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4.Der Trek:

1.Tag:
Auf dem Fahrweg wanderte ich die Küste entlang und nach 6,5 Kilometer endet er endlich. Von dort sind es noch 39 Kilometer bis zum Kap.

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Weiter ging es weglos am Strand entlang durch eine phantastische grüne Küstenwildnis aus dichte Magellan-Regenwälder. Gelegentliche Tageswanderer kamen mir entgegen und drei chilenische Trekker, die vom Kap zurückkamen. Es ist unglaublich wie schnell sich die Landschaft von trockenen Weideland zu dichte Regenwälder verändert hat.

2,5 Kilometer weiter fand ich eine traumhafte Campstelle im dichten Wald, direkt hinter dem Strand.

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2.Tag:
Nach zweieinhalb Kilometern erreichte ich beim Cabo San Isidro den südlichsten Leuchtturm des südamerikanischen Festlandes. Hier gibt es eine Unterkunft und bis hierher wandern auch zahlreiche Tageswanderer.

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Von Cabo San Isidro sind es noch 34 Kilometer bis zum Kap und ab hier fühlt man sich wie in der abgelegenen Wildnis in der man kaum noch Leute trifft.

Später am Vormittag traf ich zwei Schweizer Trekker, die auf dem Rückweg nach Punta Arenas waren. Danach traf ich bis zum Kap niemanden mehr. Die beiden Schweizer, wie auch schon die drei Chilenen gestern, haben was von tiefe Flußdurchwatungen erzählt. Ich wusste nichts darüber, denn ich hatte vorher keine Informationen über diesen Trek eingeholt, aber so schlimm wird es schon nicht sein, dachte ich.

Den ganzen Tag wanderte ich weiter durch diese taumhafte Küstenwildnis, von eine Bucht in die nächste. Es ging teilweise am Strand entlang, aber zwischen den Buchten immer mal wieder auf schmale Wildnispfade. Nach dreieinhalb Stunden machte ich bei einer alten Hütte Mittagspause.

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Es folgten noch weitere Buchten und dann ging´s für einen längeren Abschnitt auf einen Pfad durch Wald und offenes Moorland zur Bahia San Nicolas. Hier stand mir die erste von zwei tiefen Flußdurchwatungen bevor. Das Wasser war noch zu tief zum durchwaten und ich wanderte ein Stück Inland, fand dort aber auch keine Stelle wo ich trocken mit mein Gepäck rüberkam. Glücklicherweise war die Ebbe im Anmarsch und schon eine dreiviertel Stunde später konnte ich an der Mündung rüberwaten.

Auf der anderen Seite wanderte ich noch 2 Kilometer weiter bis ich eine sehr schöne Campstelle fand.

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3.Tag:
Gegen 10:30 bin ich erst losgewandert. Nach 7 Kilometern meist weglose Strandwanderung erreichte ich den Rio Nodales, der genauso wie der Rio Nicolas nur bei Niedrigwasser querbar ist. Ich habe mich natürlich vor dem Trek nicht über die Gezeiten informiert, was man eigentlich machen müsste. So ein Pech, Niedrigwasser war vor schätzungsweise über 3 Stunden und der Fluss war jetzt schon so tief daß man hätte schwimmen müssen. Auch weiter Inland war er nicht querbar und der Wald am Ufer sehr dicht.

Es fing auch an zu regnen, also schlug ich mein Zelt auf und wartete.
Nach über 5 Stunden baute ich es gegen 18 Uhr wieder ab und versuchte rüberzuwaten. Das Wasser reichte mir zwar noch fast bis zum Hals und war eiskalt, aber Hauptsache ich kam rüber. Mein Gepäck musste ich auf dem Kopf tragen.

Im leichten Dauerregen wanderte ich noch für 2 Kilometer weiter bis ich die nächste kleine Campmöglichkeit mit Bach fand.

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4.Tag:
Nach 6,5 Kilometern Strandwanderung stand ich am Fuße des 367 m hohen Hügels auf dem das riesige Eisenkreuz von Cabo Froward steht. Hier liegt eine sehr schöne Campstelle im dichten Küstenregenwald. Ich schlug erstmal mein Zelt auf und machte Mittagspause.

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Danach wanderte ich ohne Gepäck hoch zum Kreuz, wo der Cabo Froward Trek endet. Ich kann mir gut vorstellen daß hier öfter mal Leute mit dem Boot ankommen, denn der Pfad vom Strand hoch zum Kreuz sieht deutlich häufiger begangen aus als der gesamte Rest des Treks.

Es war sehr windig und ungemütlich, ständiger Wechsel von Sonne und kalte Schauer. Nach einer Weile stieg ich wieder runter an den Strand zum Camp.

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Es kamen dann noch drei Deutsche Trekker vorbei, die irgendwo beim Rio Nodales ihr Camp hatten. Es waren die letzten Menschen, die ich bis kurz vor meinem Trekende traf.

Ich musste mir nun langsam mal überlegen auf welcher Route ich vom Kap aus weglos Richtung Inland weiterwandern will. Die mit fast undurchdringlichen Regenwald bestandenen Hänge der über 900 m hohen Cordón Victoria laden nicht gerade zum Aufstieg ein und oben vom Kreuz sahen die Hänge dahinter auch nicht gerade leicht aus.

Heute bei dem nassen Schauerwetter hatte ich aber keine Lust mehr auf das Buschgeplackere. Ich blieb daher hier, machte mir einen gemütlichen Nachmittag beim Camp und verschob das Problem auf morgen.....

berniehh
23.03.2012, 07:23
Trek 20

Peninsula Brunswick (Teil 2) // Chile

Gesamtdauer 16 Tage, ca.200 km

März 2011

www.trekking.magix.net

5.Tag:
Mit Gepäck wanderte ich wieder zurück nach oben zum Kreuz auf Cabo Froward. Von dort schien mir die leichteste weglose Route zu sein um von der Küste wegzukommen.
Auf der anderen Seite von Cabo Froward mündet zwei Kilometer weiter ein Tal aus der Cordón Victoria ein, in das ich rein wollte.

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Blick von Cabo Froward

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Es war ein nerviges Busch- und Steilhanggeplackere um in dieses Tal zu kommen. Erst versuchte ich oberhalb der Baumgrenze den steilen Geröllhang entlangzuwandern. Leider wurde es nachher zu steil und unpassierbare Hangrinnen blockierten das Weiterkommen, daher musste ich mich durch den dichten Busch zwängen und ganz runter zum Bach steigen.

Durch den dichten Magellan-Regenwald stieg ich talaufwärts. Nach kurzer Zeit lichtete sich der Regenwald zu offene Moorsenken und das Vorwärtskommen wurde einfacher.

Fast am Talende fand ich im Südbuchenwald eine geeignete Campstelle.
Heute war nicht gerade ein einfacher Tag. Mit 8 Kilometern in 7h20 war es der schwierigste Abschnitt des gesamten Treks.

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6.Tag:
Verglichen mit gestern wurde das weglose Wandern ab heute relativ einfach. Ich stieg über die Cordón Victoria, auf dessen 700 m hohen Kammbereich sich ein flaches karges Geröllplateau erstreckt.

Das Wetter war heute ziemlich schlecht, stark bewölkt mit ständige Regenschauer und oben auf dem Kamm sehr windig und kalt mit Graupel.

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Cordón Victoria

Auf der anderen Seite der Cordón Victoria ging es runter in ein weitläufiges offenes Land aus offene Turbaflächen mit nur noch wenig Wald. Ich wanderte über eine sumpfige Passsenke auf etwa 250 m Höhe, der Wasserscheide zwischen Rio Nodales und Rio del Oro. Danach ging es für viele Kilometer, bis fast zum Abend, durch ein hügeliges offenes Hochland zwischen 350 und 550 m Höhe.

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Erste Biberschäden findet man nun auch schon hier auf der Brunswick Halbinsel. Vor einigen Jahren haben die ersten Biber von Feuerland aus die Magellanstraße überschwommen und somit das südamerikanische Festland erreicht. Momentan gibt es hier nur wenige und ich habe auch nur an 5 oder 6 Stellen entlang meiner Trekkinggroute deren Aktivitäten gesehen. Es kann sich ja nun aber jeder selber ausrechnen wie lange es dauern wird bis daraus eine Plage werden wird und die Naturschäden so katastrophal werden wie auf Feuerland und Isla Navarino. Die Behörden versuchen sie zu bekämpfen, bis jetzt aber ohne Erfolg.

7.Tag:
Nach einer Stunde stand ich am Fuße eines 796 m hohen Geröllberges. Ursprünglich wollte ich den Berg umwandern. Weil ich dann aber durch größere Waldabschnitte kommen würde, von denen ich vermutete daß es ein anstrengendes Unterholzgeplackere werden könnte, entschied ich mich kurzfristig einfach über den Berg rüberzuwandern.

Die Aussicht von oben war zwar überwältigend, aber wegen dem starken Wind, der Kälte und der permanenten Schneeschauer war es extrem ungemütlich.

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Auf der anderen Seite stieg ich runter ins moorige Tal des Rio San Nicolas. Unten am Fluss kam ich durch einen breiten Streifen sehr dichten Magellan-Regenwald. Nachdem ich auf der anderen Flußseite einen 50 m hohen Böschungshang hochgestiegen bin, kam ich aus dem Wald raus ins flache offene Moorland.

Mein nächstes Ziel ist die Laguna El Anzuelo, ein etwa 5 Kilometer langer See, der noch ein Stückchen weiter im Innern von Brunswick liegt. Der kürzeste Weg dorthin wäre wohl Richtung Nordwesten das Tal des Rio San Nicolas aufwärtszuwandern. Diese Route sah vorhin oben vom Berg aus aber nach reichlich Buschgeplackere aus, da dort ziemlich viel Wald ist. Ich entschied mich daher lieber Richtung Nordosten über das hügelige Hochland zum Rio Sur. Diese Strecke ist zwar etwas weiter, aber wie ich es vorhin überblicken konnte sahen die Hügel relativ offen und moorbedeckt aus, was auf schnelleres Vorwärtskommen schließen lässt.

Ich wanderte noch 3 Kilometer durch anstrengendes weiches Moorland talabwärts bis ich in einen kleinen Bachwaldstreifen einen perfekten Platz zum campen fand.

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8.Tag:
Das Wetter ist mal wieder absoluter Mist! Erst nach 13 Uhr wanderte ich heute los, als es etwas besser wurde. Es war aber immer noch eine üble Suppe mit permanente Schauer.

Ich wanderte heute durch dieses hügelige Hochland zwischen 350 und 580 m Höhe, das meiste durch offene Turbaflächen, aber auch einige Wald- und Buschabschnitte waren dazwischen. Oberhalb der Baumgrenze auf den offenen Geröllkämmen der 540 bis 580 m hohen Hügel war es extrem ungemütlich mit eisigen orkanartigen Polarwind, zusammen mit Graupel- und Schneeschauer.

In einen schönen Südbuchenurwald fand ich eine gute geschützte Campstelle, nach 11 km vom letzten Camp.

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9.Tag:
Es ist weiterhin kalt und ungemütlich, mit leichten Regen über den Großteil des Tages.
Am Anfang wanderte ich noch über ein paar offene Moorflächen, danach fast nur noch durch Wald. Es war ein relativ leicht durchwanderbarer Südbuchenwald, ohne viel Unterholz. Die Gegend war aber ziemlich unübersichtlich mit diverse Hügel, Bergrücken und ein verzweigtes System aus Nebenbäche zum Rio Sur. Viele vage erkennbare Rinderpfade verlaufen hier kreuz und quer durch den Wald, ich vermute daß es weiter unten am Rio Sur eine Estancia geben muss.

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Nach dreieinhalb Stunden Wanderung erreichte ich in einen von Waldhügeln umgebenen Tal den Rio Sur. Ich wandete am Fluss entlang talaufwärts, meist auf erkennbare Rinderpfade. Trotz Rinder ist dies ein unerschlossenes wildes Land, ohne Viehzäune. Zwei Stunden weiter lösten sich die Pfade langsam auf, ich wanderte dann weglos im Flussbett in eine felsige Schlucht rein. Als das Flusswasser zu tief wurde, kletterte ich eine halbe Stunde später wieder aus der Schlucht raus und wanderte über flache Waldterrassen weiter. Weil das Wetter mir nun langsam zu schmuddelig wurde, wollte ich nach 6 Stunden Wanderung Schluss für heute machen. Ein Stückchen weiter fand ich eine super Campstelle am Fluss.

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10.Tag:
Es regnete fast den ganzen Tag, nur mit kleinen Unterbrechungen dazwischen. In einer Regenpause am Nachmittag baute ich das Camp ab und wanderte gegen 15 Uhr los. Heute wollte ich bis zur Laguna El Anzuelo kommen.

Weglos wanderte ich weiter talaufwärts, abwechselnd über weiche offene Moorflächen und schönen Südbuchenwald. Einige Bachrinnen mussten im Buschgeplackere gequert werden, was bei der Nässe ziemlich nervig war. Manchmal fand ich schmale Rinderpfade und nach drei Stunden tauchte vor mir der 5 Kilometer lange See auf. Direkt am Ufer war es zu sumpfig zum zelten, aber ein Stück weiter weg fand ich im Wald eine geeignete Campstelle.

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11.Tag:
Heute war endlich mal schönes Wetter, das wurde aber auch mal Zeit. Die ersten über 5 Kilometer wanderte ich am Seeufer entlang, abwechselnd am Geröllstrand oder etwas abseits vom Ufer über sumpfigen Wald- und Moorboden. Hier sah ich die letzten Rinderpfade.

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Vom anderen Seeende wanderte ich weiter über flaches offenes Moorland. Anderthalb Stunden weiter tauchte noch ein weiterer See auf. Durch etwas schwierigeren Wald mit viel dorniges Gestrüpp plackerte ich mir am Ufer dieses zwei Kilometer langen Sees entlang. Dies war der einzigste nervige Abschnitt des Tages, der Rest war relativ leichtes wegloses Wandern.

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Es folgten weitere drei Stunden durch sanft hügeliges Moorland und irgendwann sah ich in der Ferne schon die Laguna Parrillar, meinem Ziel für morgen. Im Südbuchenwald am Rio San Juan schlug ich mein Camp auf.

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fjellstorm
23.03.2012, 11:45
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-marco-
25.03.2012, 17:39
Wow, wow, wow... gradiose Reise!
Dein toller Bericht hat mich angespornt ab Ende April für 2 Monate durch Peru und Bolivien zu reisen.
Da das meine erste Südamerikareise ist werde ich mich aber wohl an die "klassischen" Routen aus den Trekkingführern halten :roll:

berniehh
30.03.2012, 19:42
Trek 20

Peninsula Brunswick (Teil 3) // Chile

Gesamtdauer 16 Tage, ca. 200 km

März 2011

www.trekking.magix.net

12.Tag:
Heute wanderte ich den ganzen Tag durch das Reserva Nacional Laguna Parrillar. Dieses kleine Reservat von nur 18.400 ha Größe (= 184 Quadratkilometer) liegt im Innern der Brunswick Halbinsel zwischen 300 und 600 m Höhe. Das Herzstück des Parks ist die Laguna Parrillar, ein See von etwa 5 Kilometer Durchmesser.

Die Landschaft ist identisch mit der umliegenden Gegend ausserhalb des Parks, also recht weitläufig mit viel offenes Moorland, gemischt mit Südbuchenwälder und Buschland sowie oberhalb der Baumgrenze auf 600 m Höhe alpine Geröllwüsten.

Von meinem Camp am Rio San Juan wanderte ich weiter. Der Fluss wird von steile mit Südbuchenwäldern bestandene Hügel eingeschlossen. Daher stieg ich nach oben und wanderte über offenes Moorland, was einfacher war. Nach etwa 6 Kilometer vom Camp erreichte ich das Südende der Laguna Parrillar.

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Am östlichen Seeufer steht eine Rangerhütte, wo auch ein Fahrweg hinführt. Dort wollte ich aber nicht hin, ich wanderte das gesamte gegenüberliegende westliche Seeufer entlang. Es gab da zwar keinen offiziellen Pfad, aber das weglose wandern am Ufer war einfach, meistens auf dem Geröllstrand und wenn der nicht begehbar war seitlich im Wald. Manchmal sah man eine vage erkennbare Route, denn der See wird wohl hin und wieder mal umrundet, ich vermute mal meistens von Angler. Beim Seeeinfluss am Nordwestende liegt eine perfekte Campstelle, wo ich eine längere Mittagspause machte.

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Für zwei Kilometer folgte ich noch das Nordufer, dann verließ ich den See und wanderte Richtung Norden in ein breites Tal, erst durch offenes Moorland, dann kilometerweit durch Wald. Hier stieß ich auf eine markierte Wildnisroute, die auf der Karte nicht mit eingezeichnet war. Egal, ich folgte sie Richtung Pass am Talende. Leichtes wandern, die Route war teilweise gut als Pfad erkennbar, aber an anderen Stellen musste ich eine Weile rumsuchen bis ich die Markierungen und die Route wiederfand. Ich schlug mein Camp im Wald auf.

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13.Tag:
Es waren noch 5 Kilometer bis zum Pass. Oben auf der Passhöhe in 550 m Höhe verbesserte sich die Route zu einem deutlich freigeschlagenen Pfad. Hier verließ ich die Route und wanderte weglos weiter nach oben auf dem Bergkamm. Es ging durch einen verkrüppelten Bergwald, dann etwas härteres Geplackere durch den dichten alpinen Busch bis ich kurz darauf die Baumgrenze erreichte.

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Die Aussicht war super, ich wanderte hoch auf den flachen gerölligen Kamm, der auf der Karte als Los Tres Morros bezeichnet war und laut Höhenlinien etwa 850 m hoch sein muss. Man sah im Osten die Magellanstraße und im Nordwesten am Horizont den Seno Otway mit der Isla Riesco.

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Auf der anderen Seite stieg ich runter in ein mooriges Hochland am Oberen Rio Grande. Das Land ist jetzt sehr weitläufig und flach mit weite Fernblicke. Hinter der sanften Hügelkette ganz am Horizont liegt schon Punta Arenas, mein Trek neigt sich also dem Ende zu.

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In einem Waldstück stieß ich plötzlich auf einen schlammigen Forstfahrweg, also werden die Wälder hier auch schon ausgebeutet. Es war aber wenigstens der einzigste Fahrweg, den ich auf meiner gesamten 16 tägigen Trekkingroute sah, mit Ausnahme der paar Kilometer ganz am Anfang am Beginn des Cabo Froward Treks sowie paar Fahrwegüberquerungen kurz vor dem Trekende bei Punta Arenas.

So schnell wie möglich verließ ich den Fahrweg wieder und wanderte weglos weiter. Bald darauf schlug ich mein Camp auf.

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14.Tag:
Weglos wanderte ich weiter. Laut Karte müsste hier jetzt das Reserva Nacional Magallanes beginnen, ein 209 Quadratkilometer großes Naturreservat. Nach einer Stunde fing es an zu regnen und ich stieg ich runter zum Rio Grande, in dessen Flussbett ich weiter talabwärts wanderte. Gut erkennbare Rinderpfade bescherten ein gutes Vorwärtskommen, denn der Bereich entlang des Flusses wird als Rinderweideland genutzt.

Über eine Stunde später mündete von rechtes der Rio Turbas ein.

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Laut Karte beginnt ab hier eine markierte Trekkingroute, die nach Punta Arenas führt. Da ich die Route aber erst nicht finden konnte, war ich mir nicht sicher ob dies überhaupt die richtige Nebenbacheinmündung war. Nach einer ganzen Weile rumsuchen fand ich etwa einen Kilometer den Rio Turbas aufwärts die ersten Markierungen und somit die richtige Route.

Es regnete noch immer, daher schlug ich hier mein Camp auf und machte nach nur zweieinhalb Stunden Schluss für heute.

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15.Tag:
Das Reserva Nacional Magallanes ist eine Wildnis aus Waldhügel, enge Bachtäler und weite offene Hochmoorgebiete. Der Park liegt in der Übergangszone zwischen feuchten Andenklima und der trockenen Kältesteppe. Die Südbuchenwälder sind daher ziemlich unterholzfrei und leicht zu durchwandern.

Ich wanderte stundenlang durch Wald den Rio Turbas aufwärts. Auf der Karte wird diese Route als "Sendero de Chile" bezeichnet, daher hatte ich hier auch einen gut sichtbaren Pfad erwartet. Es war jedoch nur eine vage, bis teils garnicht mehr erkennbare Wildnisroute, die wahrscheinlich nur selten begangen wird. Die Markierungen ließen sehr zu wünschen übrig, oft verlor ich die Route und fand sie nur nach längerem rumsuchen wieder. Dafür kam ich alle halbe Stunde an einem unschönen Sendero de Chile Schild vorbei, die weiter oben im offenen Moorland schon teilweise umgeweht waren und vor sich her rotten. Das Geld, das die Herstellung und Aufstellung dieser nutzlosen Schilder gekostet hat, hätten sie lieber in paar mehr Markierungen investieren sollen, was diese Route dringend nötig hat:ignore:

Die Wanderung hat aber Spaß gemacht, es ging durch einen richtigen Märchenwald, der voll mit hellgrüne Bartflechten behangen war. Am Oberlauf des Rio Turbas schlug ich mein Camp auf.

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Camp 15

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16.Tag:
Heute wanderte ich den Endspurt nach Punta Arenas, es war also mein letzter Trekkingtag auf dieser Reise. Nach 5 Kilometern erreichte ich den 580 m hohen Bergkamm von wo aus sich der erste Blick auf Punta Arenas bot. Aus der spärlich markierten Wildnisroute wurde ab hier langsam ein gut markierter und deutlich sichtbarer Pfad, der immer besser wurde, je näher ich dem Trekende kam. Ich folgte weiter den Sendero de Chile für noch über 10 Kilometer die sanften bewaldeten Hügelhänge entlang. Heute war Sonntag und ich traf jede Menge Tageswanderer, die ersten Menschen seit Cabo Froward. Kein Wunder, denn dies ist das Naherholungsgebiet von Punta Arenas.
Am Taleingang des Rio de las Minas beendete ich meinen Trek, kurz vor der Stadtgrenze.

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Blick auf Punta Arenas

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Gegen Abend war ich wieder zurück im Hostel Independencia, sogar noch einen Tag früher als geplant. Mein Rückflug nach Santiago geht erst übermorgen früh, einen Tag hatte ich also noch.

wait
31.03.2012, 20:37
Wieder mal super! - Deine Berichte, die ich immer gerne verfolgen, lassen wirklich Fernweh aufkommen.

Klasse finde ich auch die Streckenmarkierungen (Passübergänge mit Pfeilen), da kann man viel besser verfolgen, welche z.T. krassen Routen Du gewählt hast.

Wildniswanderer
01.04.2012, 10:39
Toll! Deine Fotos und Berichte machen wie immer Lust darauf, Gegenden die du als quasi Pionier erkundet hast, selber in Augenschein zu nehmen. Diese Mischung aus offenem Land und dichten Wäldern in Südpatagonien gefällt mir sehr gut.

Bergtroll
01.04.2012, 12:20
Schliesse mich an. Der ausführliche Bericht ist super. Vielen Dank nochmals. Hoffentlich bin ich bald auch dort ... ;-)

Bergtroll
01.04.2012, 22:10
@Bernd Ich habe hier eine Frage zu Deinem Rucksackkonzept mit Fronttaschen gestellt. http://www.outdoorseiten.net/forum/showthread.php?61494-Erfahrungen-mit-Fronttaschen-(Rucksacksysteme) Vielleicht magst Du auch etwas dazu sagen. Danke!

Nita
01.04.2012, 23:46
Ganz großes Kino!!! Danke, dass Du uns teilhaben lässt.

Großartiges Unternehmen, tolle Bilder. Gleich weiter lesen.

berniehh
06.04.2012, 10:14
Trek 21

Rio de las Minas // Chile

Tageswanderung

März 2011

www.trekking.magix.net

Heute ist mein letzter Tag in Patagonien, da habe ich noch eine unbedeutene Tageswanderung im Tal des Rio de las Minas gemacht.
Der Rio de las Minas fließ durch ein ein geologisch interessantes Tal im Reserva Nacional Magallanes, direkt im Hinterland von Punta Arenas.

Bin also morgens nach dem Frühstück vom Hostel aus die fünfeinhalb Kilometer zum Eingang des Tales gewandert, genau an der Stelle wo ich gestern meinen Peninsula Brunswick Trek beendet hatte, an der Grenze des Reserva Nacional Magallanes.

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Nach 45 min. kam ich dort an und wandert im Flussbett das Tal weiter aufwärts. Am Anfang ging es auf einen gut sichtbaren Pfad, der aber schon nach kurzer Zeit immer unkenntlicher wurde und sich dann ganz auflöste. Schließlich wanderte ich weglos weiter.

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Nach etwa 7,5 km vom Fahrwegende stieg ich links den steilen Hang nach oben, aus dem schluchtigen Tal raus, zum Mirador Garganta Alta. An dieser touristischen Aussichtsstelle stieß ich wieder auf einen Fahrweg, auf dem ich zurück nach Punta Arenas wanderte.

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Diese Wanderung war ganz interessant. Wer aber von Punta Arenas aus eine Tageswanderung unternehmen möchte, dem würde ich lieber den Sendero de Chile empfehlen, also die Route meines letzten Trekkingtages des Peninsula Brunswick Treks, den ich gestern runtergekommen war, die Route fand ich nämlich lohnender als den Rio de las Minas.

Leider endet meine Reise nun. Ich würde zwar gerne noch länger bleiben, denn es gibt so viele Trekkingmöglichkeiten hier, aber nach 8 Monaten freute ich mich auch schon auf zu Hause. Irgendwann komme ich ja bestimmt nochmal wieder hierher;-)

Am nächsten Morgen ging mein Flug nach Santiago. Dort musste ich eine Nacht im Hostel verbringen, bis zu meinem Rückflug nach Hamburg.

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ENDE

hambe
06.04.2012, 11:42
Also Berni mein ganz grosses Lob für Deine Reise und Deine Berichte.
Meine Frau und ich waren vor 2 Jahren insgesamt "nur" 3 Wochen im Süden Patagoniens und wir haben nur einen Bruchteil von dem gesehen was Du gesehen und unternommen hast. Trotzdem war es für uns eine unserer tollsten Reisen!
Mit Deinem Berichten hier kommt die Erinnerung wieder richtig hoch und wir konnen auch Gegenden mit Deinen Berichten einsehen, die wir auch gerne besucht hätten, zu denen uns aber die Zeit fehlte.

Das ist wirklich grosses Kino !!!

Vielen Dank für die Mühe und die Zeit die Berichte so ausführlich zu verfassen und auch die Bilder zu bearbeiten (Weg einzeichnen etc).
Jedesmal wenn ich die Meldung bekam, dass ein neuer Bericht hier ist, war ich für die nächste Stunde nicht ansprechbar :grins:

Vielen Dank

Wildniswanderer
09.04.2012, 16:56
Zwar habe ich z.Z nur eine eingeschränkte Internetverbindung, aber immer wenn es klappte, las ich bei Bernie weiter.
Schade, dass die tollen Berichte aus den Anden jetzt an ihr Ende gekommen sind.
Ich bin auf neue Abenteuer gespannt...

Libertist
11.04.2012, 12:31
Richtig gut, Bernie! Respekt für das, was du in diesen acht Monaten alles gegangen bist.

blauloke
13.04.2012, 11:20
Hallo Bernie

Auch ich habe deine Trecks aufmerksam verfolgt. Danke für die Arbeit, die du dir, mit dem ausführlichen Beschreiben deiner nicht alltäglichen Wanderungen, gemacht hast.
Ich bin schon gespannt welche interessanten Touren du in Zukunft machen wirst.

Bergtroll
15.04.2012, 22:02
Ich habe hier einen schönen Topokarten-Viewer (zeigt wohl die russischen Militärkarten) gefunden und versuche das jetzt mal etwas genauer mit den gelaufenen Touren nachzuvollziehen:

http://www.topomapper.com/

birdy1986
20.04.2012, 12:12
Hallo Bernd,

Vielen Dank für deinen Reisebericht und die ausführliche Fotodokumentation!
magst Du vielleicht mal ein paar Infos zu den Bezugsquellen deines Kartenmaterials etwas schreiben bzw. dein Material etwas genauer spezifizieren? Das würde mich brennend interessieren!

Beste Grüße!

birdy

berniehh
22.04.2012, 15:16
Erstmal danke an Euch für die netten Kommentare;-)



magst Du vielleicht mal ein paar Infos zu den Bezugsquellen deines Kartenmaterials etwas schreiben bzw. dein Material etwas genauer spezifizieren? Das würde mich brennend interessieren!

Hallo Birdy,

ich habe mir meine Karten alle vor Ort in den jeweiligen Ländern besorgt. Für meine bereisten Länder kann man im allgemeinen folgendes sagen: Topographische Karten im Maßstab von 1:50.000 sind nur beim Instituto Geografico Militar (IGM) in den jeweiligen Hauptstädten erhältlich (Lima, La Paz, Buenos Aires, Santiago de Chile) und nirgendwo sonst im Lande.

Von bekannteren Trekkingrouten bekommt man auch in den Regionen vor Ort Karten, die je nach Gegend von unterschiedlicher Qualität sein können. Das sind dann in der Regel mehr oder weniger einfache Trekkingkarten, auf die die Pfade zwar mit eingezeichnet sind, dafür aber meist nur wenige Höhenlinien. Falls man nicht plant weglos von der markierten bzw. eingezeichneten Trekkingrouten abzuweichen, sind diese Karten auf jeden Fall ausreichend.

Im Reisebericht habe ich ja schon teilweise Angaben über mein Kartenmaterial gemacht, hier also jetzt nochmal zusammengefasst zu meinen einzelnen Ländern und Treks:

Bolivien:
Die 50.000er Karten sind gut und brauchbar, wenn auch veraltet. Viele Blätter sind nur in schwarz-weiss-Kopien erhältlich, einige in Farbe. Meine Treks durch die Cordillera Real (Treks 1 bis 3) habe ich mit diesen Blättern gemacht. 50.000er Blätter sind nur für einige Landesteile erhältlich.

Wenn man vormittags beim IGM in La Paz auftaucht und denen sagt welche Blätter man braucht, kann man sie dann meistens am späten Nachmittag oder am darauffolgenden Tag abholen. Pech hat man allerdings wenn da ein Wochenende oder Feiertag dazwischen liegen sollte, dann kann es schonmal vorkommen daß man einige Tage auf seine Karten warten muss.

Für den Mapiri Trek war kein brauchbares Kartenmaterial erhältlich, nur ein schlechtes 1:250.000er Blatt, auf der die Trekkinggegend nur in der oberen rechten Kartenecke abgebildet war, aber ohne daß der Pfad/Route da mit eingezeichnet ist. Hier muss man navigatorisch sehr improvisieren und sich am besten schon vorher schlau machen über welche Gebirgskämme der Trek verläuft.

El Choro Trek: Hierfür habe ich die farbige topographische Übersichtskarte "Cordillera Real" benutzt, die ich mir in einem Touristenshop in La Paz gekauft hatte, die reicht für die bekannteren Treks vollkommen aus. Für den El Choro Trek reicht auch die Kartenskizze im Lonely Planet, der Trek ist so einfach, da kann man sich kaum verlaufen.

Amboró Nationalpark: Ebenso wie beim Mapiri Trek, habe ich auch hier nur ein schlechtes 1:250.000er Blatt gefunden, auf der meine Trekkinggegend nur in der oberen rechten Kartenecke abgebildet ist. Die Karte habe ich aus La Paz mitgebracht. In Santa Cruz (nahe Amboró Nationalpark) sind keine Karten erhältlich, obwohl es die zweitgrößte Stadt Boliviens ist.

Peru:
Da ich ja nicht in Lima war, musste ich mir mit den Karten begnügen, die ich in Cusco fand: Für unsere beiden Treks (Cordillera Vilcanota & Cordillera Vilcabamba) waren jeweils zwei nicht so gute 1:100.000er Karten erhältlich (im Buchladen) sowie ein noch schlechteres farbiges Kartenset, auf der alle bekannteren Trekkinggegenden im weiten Umkreis Cuscos als Übersicht dargestellt sind (erhältlich in den Souveniershops entlang der Plaza de Armas). Diese Karten reichten mir aus.

Argentinien:
Den Cordón del Plata Trek habe ich nur mit Google Maps Ausdrucken gemacht, da in ganz Mendoza keine Karten von meiner Trekkinggegend erhältlich waren. Die Pässe waren schwierig und die Anzahl der möglichen Übergänge sehr begrenzt. Nur mit den Google Maps Ausdrucken und ohne zusätzliche Informationen dürfte eine Routefindung sehr dort schwer werden. Ich habe schon vor der Reise ausführlich über Google Earth diese möglichen Übergänge ausfindig gemacht.

Die beiden anderen Treks (Nahuel Huapi Traverse & Cordon del Nirihuau) haben wir mit einer in Bariloche erhältlichen Trekkingkarte gemacht. Die Karte war zwar bei weitem nicht so gut wie die meisten europäischen Trekkingkarten, aber für unsere Route war sie gut genug und reichte vollkommen aus.

Chile:
Beim IGM in Santiago sind qualitativ recht gute 50.000er Blätter von fast ganz Chile erhältlich.
Für viele abgelegene unbewohnte Regionen Südpatagonien sind nur 100.000er Karten erhältich. Betroffen davon waren meine Treks auf Isla Riesco und Peninsula Brunswick. Aber auch die 100.000er Karten waren sehr brauchbar und für meine Routen ausreichend.

Da die IGM-Karten in Chile mit über 12 Euro pro Blatt sehr teuer sind (die 100.000er Karten sind glaube ich sogar noch teurer), habe ich mir die in der Nationalbibliothek nur ausgeliehen und fotokopiert. Das hat mir viel Geld gespart.

Für alle meine Treks in Chile hatte ich mir die topographischen Karten in Santiago besorgt. Im Nachhinein betrachtet hätte ich mir für folgende zwei Touren die IGM-Karten auch sparen können:
-Sendero Transversal/Parque Tantauco
-Circuito de los Dientes

Im Parque Tantauco war vor Ort in der Rangerstation eine gute Trekkingkarte erhältlich.
Und in Puerto Williams ist zwar schlechtes, aber ausreichendes Kartenmaterial über den Circuito de los Dientes erhältlich. Für den Circuito de los Dientes reicht meiner Ansicht nach auch die Routenskizze im Lonely Planet Trekkingführer aus.

Ansonsten gilt auch für Chile: Für bekanntere Treks sind brauchbare Trekkingkarten auch in den jeweiligen Provinzstädten vor Ort erhältlich, IGM-Karten jedoch nur in Santiago.

peter-hoehle
22.04.2012, 16:48
Vielen Dank Berniehh
für die sehr schönen Berichte.
Da ich letzten Winter auch da unten war
(Ushuaia,Punta Arenas,Puert Montt,Chiloe,Patagonien,
Santiago de Chile)werden Urlaubserinnerungen wach.
Vor allem Chiloe ist eine Reise wert.

Gruß Peter

birdy1986
24.04.2012, 22:54
Hallo Bernie,


noch ein großes Dankeschön für dieses Informationen. Mit etwas Glück bekomme ich ein paar Wochen im Herbst zusammen.

Viele Grüße,

codenascher
10.10.2014, 12:03
Kranker Scheiß!!! Ich hab mich die letzten drei Tage durch deinen Reisebericht gekämpft :bg:

Bernie, ganz ganz großes Lob und eben solch großer Dank für deinen Reisebericht!


5sterne

Mika Hautamaeki
12.10.2014, 07:16
Wieso hab ich den Bericht bisher noch nicht gelesen??? Und das bei der bekannten Qualität deiner Berichte.
Nun ja, Seite 1 und 2 ist geschafft, der Rest folgt nun die Tage

Mika Hautamaeki
20.10.2014, 16:38
Hui, nun bin ich durch. Genialer Bericht...einfach umwerfend!