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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [IE] Unterwegs auf dem Wicklow Way und im Glendalough Valley



Sabine38
30.03.2011, 14:29
-- Edit --

An der Stelle an der ich damals in der ersten Nacht geblieben bin ist inzwischen (Stand Februar 2015) das Campen streng untersagt. Wenn ich mir angucke wie viele Feuerstellen es dort gibt kann ich mir vorstellen warum. Und was auf dem Weg insgesamt an Bonbonpapierchen etc. rumliegt... Naja, sagen wir es so, es wundert mich nicht.

Gleiches gilt übrigens für weite Teile der Strecke der ersten 1,5 Tage. Das Land ist zu großen Teilen in Besitz von Coillte und die haben sehr strenge bylaws. Es gibt für deren Land ausschließlich "right of way (http://en.wikipedia.org/wiki/Right_of_way)". Anscheinend galten diese bylaws schon als ich 2011 dort unterwegs war, jedoch waren da die Schilder wohl noch nicht aufgestellt (oder in deutlich geringerer Anzahl und ich habe es damals übersehen).

Ggf. kann man vor der Wanderung abklären ob man (gegen Bezahlung) bei der Jugendherberge sein Zelt aufschlagen kann, da habe ich nicht nach gefragt als wir die Tage unterwegs waren.


Okay, nachdem ich beim letzten Stammtisch noch gesagt habe Solotour sei nix für mich, habe ich es jetzt doch getan. Zugegeben, Solotour-light weil auf gut frequentierten Strecken, aber immerhin.

Meine 16 (naja, eigentlich 14) Tage in Irland habe ich grob in zwei Wanderabschnitte eingeteilt - 5 Tage in den Wicklow Mountains und dann ebenfalls 5 Tage in Kerry. Zwischendurch und am Ende jeweils zwei Tage in Dublin - St. Patrick's Day sollte man schließlich angemessen feiern, oder?

Um es vorne weg zu sagen - es war mega toll. Ich hatte ein Schweineglück mit dem Wetter, nur zwei verregnete Nachmittage und einen Tag an dem es sehr kühl und wechselhaft war, ansonsten durchgehend strahlendster Sonnenschein der nur hin und wieder durch ein Wölkchen getrübt wurde. Ich blasse Nudel habe sogar ganz ordentlich Sommersprossen bekommen... (Ja, im März! In Irland!) :D

Die ersten 2,5 Tage sind im Lonely Planet "Hiking in Ireland" beschrieben, die Zeitangaben als reine Laufzeit halte ich für recht realistisch. Die Tour ist für Anfänger in meinen Augen sehr gut geeignet, sie birgt keine größeren Schwirigkeiten - zumindest nicht, wenn man nicht bei ganz schlechtem oder kaltem Wetter unterwegs ist. Allerdings würde ich Anfängern ohne "Gepäck-Erfahrung", die aber die Etappen wie beschrieben gehen wollen nahelegen in den Hostels zu übernachten. Es gibt preiswerte Hostels und/oder B&Bs am Ende einer jeden Etappe. Für unerfahrene Wanderer sind die Reiseabschnitte mit großem Gepäck (meiner persönlichen Einschätzung nach) recht happig. Alternativ kann man versuchen die Strecke in kürzere Abschnitte zu unterteilen, auch wenn mir gerade am ersten Tag wenige Stellen aufgefallen sind, die sich unterwegs als Platz zum Übernachten anbieten würden. :(

Was die Verpflegung angeht: in oder nahe bei Knockree kann man wenn ich das richtig gesehen habe nichts kaufen, dafür aber in Roundwood, was nahe bei meinem 2. Etappenziel ist. D.h. Lebensmittel würde ich so mitnehmen, dass sie für die ersten beiden Tage ausreichen. Auch in Laragh (Glendalough) gibt es Möglichkeiten Lebensmittel zu kaufen.

So... Jetzt aber los!


12.03.2011 Marlay Park (Dublin) - Knockree

Irgendwann zwischen 11:30 und 12:00 Uhr bin ich anschließend an eine längere Suche nach Spiritus in Marlay Park aufgebrochen. Der erste Teil des Weges führt durch den Park und ist eigentlich ganz nett. Die Leute gucken zwar etwas komisch angesichts meines großen Rucksacks, aber was solls.

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Nach dem Park geht es ca. einen Kilometer direkt neben der Schnellstraße entlang - nicht wirklich prickelnd. Doofer ist aber noch der darauf folgende "Anstieg" zum Wald, nochmal 1 oder 2 Kilometer lang, die Straße ist geteert und nicht wirklich toll zu laufen, zumal einem immer wieder Autos in einem Affenzahn entgegen kommen.

Danach geht es ab in den Wald - noch trifft man viele Leute, hauptsächlich Spaziergänger mit Hund. Bis zum 5. oder 6. Kilometer ist der Aufstieg recht anstrengend mit Gepäck, aber die Strecke danach entschädigt dafür mit einem tollen Blick über die irische Heide.

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Der Blick zurück über Dublin... Und wenig später dann adieu große Stadt!

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Leider geht es danach wieder ein längeres Wegstück an der Straße entlang, auch hier heißt es höllisch aufpassen wegen der zwar nicht so häufigen aber dafür schnellen Autos.

Ich bin froh, als es wieder in den Wald geht - auch wenn das bedeutet, dass es wieder bergauf geht. In etwa bei Kilometer 12 mache ich eine Pause, ich muss sagen, dass ich bereits jetzt etwas erschöpft bin. Das liegt vermutlich an den Kilometern die ich morgens in Dublin auf der Suche nach Spiritus zurückgelegt habe und daran, dass die Nacht im Hostel doch sehr kurz und laut war. Auch die Tatsache, dass sich das Wetter nicht recht entscheiden kann ob es nun regnerisch sein will oder lieber nicht (aber hey, ich bin in Irland) macht die Sache nicht einfacher. Der Morgen in Dublin war noch sehr schön, aber unterwegs hat es irgendwann ganz schön angefangen zu regnen.

Nach meiner Mittagspause wird es auch ziemlich nebelig - oder sind das Wolken die so tief hängen? So genau kann ich das nicht sagen, aber eigentlich dachte ich nicht, dass ich bei diesen Bergelchen durch die Wolken laufen würde?!

Vorbei geht es am Prince William's Seat und wieder den Berg runter. Es sieht aus, als hätte hier vor ein paar Jahren ein ganz schöner Sturm gewütet, und der Abstieg durch das Geröll ist - naja, nennen wir es mal interessant!

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Daran anschließend geht es wieder ein ganzes Stück durch den Nadelwald nach Barnamire und dann die Straße entlang nach Knockree. Irgendwann kann man links zur Jugendherberge abbiegen - oder dem Weg noch etwas weiter folgen und dann unten am Bach irgendwo sein Zelt aufschlagen. Ich bin zwar sehr versucht nach diesem nassen Tag in die Jugendherberge zu flüchten, aber die sind voll. Was solls, wenigstens darf ich hier meine Wasservorräte auffüllen. Das ist auch ganz gut so, denn obwohl ich keine Schafe in der Nähe entdecken kann und das Wasser im Bach ganz sauber aussieht, weiß ich nicht, ob ich dem so wirklich traue...

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Zelt aufgebaut, schnell etwas Warmes gekocht und ab in die Heia. Mensch, die kurze Nacht, der "Ausflug" in Dublin und die ca. 23 Kilometer stecken mir schon in den Knochen!

(Beide Fotos vom nächsten Morgen... Der Abend/Nachmittag gab nicht wirklich was her.)



13.03.2011 Knockree - Oldbridge/Lough Dan

Auch heute ist das Wetter wunderschön als ich losgehe - doch auch dieser Tag wird anstrengend werden, das merke ich schonnach den ersten Kilometern durch den Wald. Auf einem Waldparkplatz macht sich eine ganze Gruppe Scouts abmarschbereit, hoffentlich wollen die nicht in die gleiche Richtung wie ich. Zwar bin ich recht zügig an ihnen vorbei, aber mit meinem großen Rucksack bin ich nunmal eher langsam. Eine Gruppe Kinder/Jugendlicher ohne Gepäck könnte mich schnell einholen.

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Doch den gesamten Weg sind sie nicht zu sehen, obwohl ich von dem einen oder anderne Wanderer (Spaziergänger?) ohne Gepäck eingeholt werde. Ich vermute daher, dass sie eine andere Route genommen haben. Vorbei geht es am Powerscourt Waterfall und noch ein paar Meter weiter hoch. Dann, plötzlich: Eine Gruppe Scouts beim Picknicken. Wo zur Hölle kommen denn die jetzt her? Überholt haben sie mich jedenfalls nicht.

Naja auch egal, für mich geht es jetzt raus aus dem Windschatten des Maulin Mountain zuerst runter, über eine Brücke und dann gleich wieder rauf auf Djouce Mountain. Während des Anstiegs verschlechtert sich das Wetter dramatisch - es ist sehr windig und die Wolken hängen tief (diesmal bin ich mir sicher dass es Wolken sind!). Je höher ich komme, desto schlimmer wird es.

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Zwischenzeitlich klart es etwas auf, kaum zu glauben dass es eben noch so kalt war, dass die Gräser und das Heidekraut überfrohren waren! Jedoch werde ich von Scouts (irgendwo muss ein Nest sein!) gewarnt, dass es richtig kalt und windig wäre weiter oben. Also Handschuhe und dicke Mütze raus, Hardshell an und weiter gehts.

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Schon wenige Minuten später bin ich froh für den Rat der Scouts. Wie auf einen Schlag wird es kälter, windiger, diesiger. Man läuft geradezu in den Winter, mit jedem Schritt mehr. Die Aussicht aber ist atemberaubend. Über gefrohrene Gräser blickt man in das saftige Grün des Tales, es ist unglaublich.

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Nach wie vor kreuzen leicht bekleidete Trailrunner meinen Weg - die müssen in der Antarktis aufgewachsen sein. Ich wollte meine warmen Handschuhe und die Mütze nicht missen und die rennen hier in kurzen Hosen durch die Gegend! Für mich ist an dem Tag dieser Teil des Weges der absolute Höhepunkt, auch wenn der spätere Ausblick auf Lough Tay und noch später auf Lough Dan auch sehr schön ist.

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Weiter geht es über den Rücken von White Hill und dann ab in ein Wäldchen wo ich Pause mache. Zwar ist es nicht ideal hier zu halten, aber es ist windstill und ich habe ganz schön Hunger. Also raus mit dem Müsli! Schon bald nach meiner Pause muss ich ein Stück von ca. 2 Kilometern die Straße entlang - das erste Mal an diesem Tag. Der anschließende Waldweg entschädigt mich aber dafür. Später geht es dann ein Stück über Schafswiesen - die erste Stelle an der ich zu blöd für die Beschilderung bin und falsch laufe. Ist aber nicht schlimm, ich laufe parallel zum eigentlichen Weg, nur leider auf der falschen Seite des Zaunes. Naja, ich habe ja zwei gesunde Beine, also klettere ich an einer geeigneten Stelle einfach darüber.

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Ich bin jetzt fast an meinem Tagesziel angelangt, irgendwo am Bach bei Oldbridge oder am Lough Dan will ich mein Zelt aufschlagen. Aber Pustekuchen, alles "protected area" oder Privatland, auf beidem darf man und will ich nicht zelten. Statt dessen schlage ich mein Zelt einfach auf dem noch geschlossenen Pfadfinderzeltplatz auf. Schließlich bin ich nach wie vor (wenn auch inaktiv) Mitglied bei den Pfadfindern - und ich schade ja niemandem.

Sabine38
30.03.2011, 15:59
14.03.2011 Oldbridge - Glendalough (+ "grauer Trail")

Der Tag beginnt ganz hervorragend - mit einem Fotoapparat dessen Akku nach den ersten drei Bildern des Tages leer ist. Diese enthalte ich euch aber natürlich nicht vor, dokumentieren sie doch die wunderschöne Umgebung meines Schlafplatzes!

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Obwohl - das stimmt nicht ganz, er beginnt mit Auerhähnen. Oder genauer gesagt mit dem Balzruf von Auerhähnen der irgendwie so klingt wie eine Motorsäge die nicht anspringen mag. Leider sind die Tiere so weit entfernt, dass ich sie zwar sehen und hören, nicht aber fotografieren kann (da wusste ich noch nichts von meinem Akku-Glück).

Ich bin gerade mit dem Frühstück fertig und habe begonnen meine Sachen zu packen, da tauchen zwei Lieferwagen auf dem Campingplatz auf. Ohje, ob es jetzt doch noch Ärger gibt? Aber nein, die stören sich nicht im Geringsten an mir sondern grüßen nur, schließen das Wasser wieder an (Vorbereitung auf die Wiedereröffnung?) und sind dann auch schon wieder weg. Na gut, ist mir nur recht, so kann ich meine Wasservorräte wieder auffüllen und weiter gehts frischen Mutes.

Der erste Teil des Weges führt - könnt ihr es euch denken? Genau, an der Straße entlang. Allerdings kann man sich durch einen nach links gerichteten Blick hervorragend davon abhalten, denn dort sieht man Irland so wie man es sich vorstellt. Grüne Wiesen, viele Schafe, schöööön. Endlich habe ich die Erleuchtung... Ja, ich habe doch auch ein Handy mit Fotofunktion! Oh man. Also, Handy hervorkramen, losknipsen - besser als gar keine Bilder.

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Nachdem man von der Hauptstraße abbiegt folgt man einem geschotterten Weg, irgendwann kommt man auch einer Garage mit außen angebrachtem Wasserhahn vorbei. Da dort ein großes Schild auf das "Water" hinweist und ein kleiners Schild am Hahn verspricht dass es Trinkwasser ist, gehe ich davon aus, dass es für genau solche Leute wie mich gedacht ist. Zwar brauche ich es nicht, aber ich finde es toll, dass es es gibt!

Nach ca. einem weiteren Kilometer treffe ich auf eine Gruppe von drei Jungs aus Deutschland, die ebenfalls auf dem Wicklow Way unterwegs sind. Nur aus der anderen Richtung. Sie berichten mir von einer Schutzhütte, nicht viel weiter, in der sie die Nacht verbracht haben. Und in der Tat, ist es bis dorthin nicht mehr weit. Und was für eine luxeriöse Schutzhütte es ist! Sogar eine wetterfeste Tisch/Bank Kombi gibt es davor.

Doch weiter geht es, über die (Kuh)Wiese. Eine der beiden Färsen nutzt den Wegweiser des WW als Kratzposten, ein wunderbarer Anblick.

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Es geht noch ein ganzes Stück durch die Wiesen und Heiden, dann über eine Straße ab in den Wald. Hier ist eine Art "Lehrpfad" zu den verschiedenen Wanderwegebautechniken zu sehen, ganz nett, die Idee. Schwups die wups über eine Brücke und wieder aus dem Wald raus in die Berge...

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Nach nicht allzu langer Zeit kann ich erste Blicke auf das Glendalough Valley und die Seen erhaschen - mein Etappenziel für heute.

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Hier werde ich in der Jugendherberge bleiben, da das Zelten hier, im Gegensatz zum Rest des Nationalparks, verboten ist. Meine Vermutung ist die, dass dieses Verbot nicht in erster Linie auf Wanderer wie mich abzielt, sondern verhindern soll, dass die hunderten mit Auto und Bus anreisenden (Tages)Touristen auf falsche Gedanken kommen.

Nachdem ich in mein Hostel eingecheckt und einen Abstecher zum Visitor Center gemacht habe, entschließe ich mich dazu, noch einen von den Park Authorities gekennzeichneten Wege zu gehen - die graue Route. Laut der Beschreibung soll der Weg 4 Km lang sein - das kommt etwa hin, aber die 1 h 45 die die dafür veranschlagen braucht man nicht wirklich wie ich später feststelle. Ich wähle diesen Weg, da er sich auf der Seeseite befindet, auf der ich mich am nächsten Tag, wenn ich meinen Weg fortsetze, nicht aufhalten werde.

Doch die wunderschöne Landschaft und die für 50 ct. erworbene Karte lassen es in meinem Kopf ganz schön rattern. vielleicht wäre es doch ganz schön noch eine weitere Nacht in Glendalough zu bleiben anstatt wie geplant nach Glenmalure weiter zu gehen? Ich überlege hin und her, denn das Tal bietet wirklich einige Möglichkeiten zu wandern und einige Strecken sehen zumindest auf dem Papier atemberaubend aus.

Da meine Nachfrage im Hostel ergibt, dass es für die darauf folgende Nacht durchaus noch ein Bett gibt, entschließe ich mich, noch eine Nacht zu bleiben und zwei Tagestouren in der Gegend zu machen. Auch dank der 3 Jungs vom Vormittag weiß ich auch schon genau, welche Touren es werden sollen!

Leider habe ich keine Bilder mehr von den beiden Tagesausflügen, da - ohja, ihr kommt auch ohne dreimaliges Raten drauf - der Handyakku das mit den Bildern auch nicht so toll fand. Und da ich beide Ladegeräte in meinem Dubliner Hostel zwischengelagert habe (man muss ja unbedingt Gewicht sparen :motz: )... Allerdings habe ich einige generelle Fotos von Glendalough die ich am Ende anhängen werde.


15.03.2011 Glendalough - Ausflug über Mullacor und Derry Bawn Mountain

Den Weg habe ich im Vergleich zu der in "Hiking in Ireland" beschriebenen Route etwas abgeändert - was dran liegt, dass ich "The Spinc" gerne am nächsten Tag in einer separaten Tour erkunden möchte. Mein Weg beginnt daher, indem ich dem Wicklow Way und der roten Route folge.

Als erstes geht es am Poulanass Wasserfall vorbei hoch in den Wald. Könnte jeder Wald sein, ist jedoch zumindest an diesem tag schön ruhig und weitestgehend menschenleer. Nur einmal kommen mir Leute mit Hund entgegen. Dort wo sich WW und die rote Route trennen verlasse auch ich beide Wege und gehe nach links weg, querfeldein den Hügel hoch. Der Trampelpfad ist mehr eine Schlammwüste aus der an der einen oder anderen Stelle mal ein Grasbüschel ragt (Gammaschen wären jetzt gut). Daneben zu laufen ist jedoch auch recht schwierig, da dort die Gräser und Heidekräuter kleine, knieunfreundliche Hügel formen.

Der Aufstieg lässt sich daher mehr als ein Rutschen und Schlittern bezeichen, da ich ja aber ohne großes Gepäck unterwegs bin ein sehr lustiges Unterfangen. Der Traum eines jeden kleinen Jungen - und der Albtraum der Mama die die Klamotten sauber bekommen muss... :grins:

Ich weiß, dass ich diese Aussage schon in Bezug auf die eine oder andere Aussicht gemacht habe - aber: spektakulär! Insbesondere der Blick runter ins Glenlamour Valley, dass ich ja aufgrund meiner veränderten Planung nur von hier sehen werde ist super.

Durch eine "Seenlandschaft" ;-) versuche ich trockenen Fußes meinen Weg zu finden und über den Bergrücken nach Derry Bawn Mountain zu gelangen. Der erste Teil ist zumindest um diese Jahreszeit nicht ganz leicht - die Richtung zu halten ist hingegen einfach... ;-) Bald finde ich auch tatsächlich den Trampelpfad der angeblich die ganze Zeit da sein sollte und ich kann aus der Ferne auch problemlos den Weg über den Bergrücken und den späteren Abstieg erkennen.

Ein Stückchen weiter begegnen mir die letzen Leute für den Tag. Zwei Iren aus Dublin, die mir erklären, dass der Boden nur ein bisschen "soft" sei, was an dem Regen der letzen Wochen und dem Schnee im Winter läge. Na, also ich würde das zwar nicht als "soft" sondern eher als "liquid" bezeichnen, aber das ist vielleicht Haarspalterei.

An einem windstillen Plätzchen oben auf dem Bergrücken mache ich Pause und genieße die Sonnenstrahlen die auf mich scheinen. Auch im Sitzen muss ich meine Veste nicht hervorkramen, meine dünne Softshell und der ebenfalls dünne Fleecepulli reichen vollkommen aus. Ein super Tag zum Wandern!

Der Abstieg ist sehr steil. Nix was nicht für Leute mit durchschnittlicher Kondition ohne größere Probleme zu bewältigen wäre - aber für die unter uns mit größeren Knieproblemen würde ich die Strecke nicht unbedingt empfehlen. Und auch mit größerem Gepäck stelle ich mir die Tour nur halb so schön vor.

Abends mache ich noch einen kurzen Ausflug ins nahe gelegene Laragh - ich habe fast keine Schokoriegel mehr, Nachschub wird dringend gebraucht. Und außerdem muss ich wissen, wo der St. Kevins Bus abfährt, der mich am nächsten Tag im Nachmittag wieder nach Dublin bringen soll.



16.03.2011 Glendalough - The Spinc (weiße Route)

Ich habe Zeit heute, vieeeel Zeit. Der von mir gewählte Weg soll laut der Beschreibung ca. 3,5 Stunden dauern, nach der Erfahrung von vorgestern gehe ich aber davon aus, dass man das wohl auch in weniger Zeit schaffen kann. Aber, ich habe es wirklich nicht eilig. Mein Bus fährt erst um 16 Uhr beim Visitor Center ab, check out im Hostel ist um 10:30 - mein Gepäck kann ich aber dort lagern bis ich fahre.

Also mache ich mich in aller Ruhe gegen 10:30 auf den Weg. Der erste Teil folgt einem kurzen Stück der Route die ich gestern gegangen bin, am Poulanass Wasserfall vorbei. Danach jedoch geht es durch den Wald und dann... Treppen hoch. Ja, Treppen - aus "bog-bridges". Es macht auch Sinn, denn es ist recht steil hier, und bei der Anzahl an Besuchern die hier im Sommer vermutlich unterwegs sind... Ich werde nicht lügen, dieses Stück des Weges finde ich alles andere als lustig. Ich fühle mich, als müsste ich das Treppenhaus ein 10-stöckiges Gebäude hoch laufen - und das an den meisten Stellen ohne den Komfort eines Geländers. Grrr!

Aber: Oh mein Gott, der Ausblick! Vergesst alles was ich bisher gesagt habe, DAS ist atemberaubend, überirdisch schön, umwerfend. Ich könnte mir selbst in den A**** beißen, dass sowohl meine Kamera als auch mein Handy keine Batterie mehr hat. Ich weiß, dass ich keinerlei Probleme haben werde meine Stunden bis zur Abreise zu verbringen. Nein, man wird mich hier runter zerren müssen. Ich bleibe hier und gucke, staune und genieße.

Langsam, mit vielen Pausen zum Aussicht genießen mache ich mich auf den Weg über den Bergrücken des Spinc. Mir beginnt zu dämmern, dass ich den Weg von der falschen Seite angefangen habe. Wäre ich aus der anderen Richtung gekommen könnte ich den spektakulären Blick im Gehen genießen - und ich wäre die 600 Stufen runter nicht rauf gelaufen.

Ich unterhalte mich auf dem Weg zweimal mit mir entgegen kommenden Iren - beide Male werde ich beruhigt: Nein, es gäbe keine "falsche Richtung", der Rückweg am Seeufer entlang sei auch sehr schön! Ach ja, und eine Nachricht soll ich ausrichten, an Frau Merkel: Irland ist ein sehr, sehr schönes Land, das es wert ist zu retten. Also Frau Merkel, here you go!

An der Brücke mache ich eine längere Pause. Es ist der perfekte Tag zum Wandern. Ja, ich hatte schon einige schöne Tage hier, aber heute... Besser geht es fast nicht. Warm und sonnig genug um die Softshell im Rucksack verschwinden zu lassen und auch während der Pause selbige nicht zu benötigen, gleichzeitig ein kleines bisschen windig, so dass einem beim Laufen nicht zu warm wird. Aaach, die irischen Wettergötter müssen mich lieben (oder jemand anderen der zeitgleich hier ist - aber Hauptsache ich profitiere auch davon).

Der Abstieg runter ins verfallene "Miners Village" gestaltet sich an der einen oder anderen Stelle als eine kleine Kletterpartie. Kein Probem für halbwegs trittfeste Leute die auch mal die Hände einsetzen, aber Oma würde ich da nicht runter jagen. Unterwegs sehe ich nicht nur Bergziegen wie am Abend zuvor, sondern auch eine kleine Herde Rotwild. Definitiv ein lohnenswerter Ausflug!

Der Weg zurück durch den Wald ist recht unspektakulär, auch wenn die durch die Bäume scheinende Sonne hübsche Muster auf den Boden malt und den See zum glitzern bringt. Aber vermutlich hätte mich nach einem solchen Flash-Erlebnis wie die heute genossene Aussicht auch wenig beeindrucken können.

Trotz meiner Trödelei habe ich noch wesentlich mehr als genug Zeit als ich wieder am Parkplatz des Information Centers ankomme. Also eine Portion Pommes (ja, mit Vinegar) bestellt und gemütlich an den See hocken und mampfen. Hach, das Leben ist so schön, auch wenn das Essen wirklich nicht gut (und teuer) ist. Mit aller Zeit der Welt hole ich anschließend meine Sachen aus dem Hostel und mache mich auf den Weg zum Visitor Centers, wo der Bus abfahren soll. Ich genieße die letzten Sonnenstrahlen während ich warte und bin wunderbar entspannt als der Bus der mich nach Dublin bringen soll um die Ecke biegt...


Vielleicht liest dies ja einer der Jungs, die mir den Tipp gegeben haben. Falls ja, bitte, bitte, postet eure Fotos?! Es wäre zu schade wenn niemand diese Fotos zu sehen bekommt, denn ich bin mir sicher sie sind der reine Wahnsinn!

Und jetzt noch, ein paar Fotos aus "Glen da Loch" dem Tal der zwei Seen:

Upper-lake...

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...am "Abfluss" des Upper-lakes...

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...Wald beim Upper-lake...

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...das Steinfort bzw. die Überreste...

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...Birkenwäldchen zwischen den Seen...

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...und die Klosterruinen

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Atze1407
30.03.2011, 16:15
Na siehst Du, ist doch gar nicht so schlimm, solo zu laufen.;-)

Sehr schöner Bericht und die Fotos sind auch gut. 5sterne

Gruß
Atze 1407

Zwimon
30.03.2011, 16:35
Da isser ja, sehr schön ;-) Schöner Bericht und schöne Fotos von der grün-braunen Insel. Bin schon auf den Rest gespannt :D

Sabine38
30.03.2011, 16:58
Danke ihr beiden.

@Atze: Nee, schlimm nicht, im Gegenteil. Aber beim nächsten Mal wenn alleine dann wieder nur in so einer "light" Version wie diesmal und vermutlich mit mehr Hostel. Alleine Zelt aufbauen etc. wenn man den ganzen Tag unterwegs war fand ich nicht so motivierend... :(

@Zwimon: Den Rest werde ich wohl separat in einem Kerry Bericht beschreiben - sind ja schon sehr verschiedene Gegenden. Wird noch ein paar Tage dauern, mindestens bis nächste Woche schätze ich, aber da sind wirklich sehr schöne Bilder bei. :D

Rainer Duesmann
30.03.2011, 17:21
Schöner Bericht!
Vielen Dank. :D

Rainer

Sternenstaub
30.03.2011, 22:23
wirklich sehr schön, hier vom Wicklow Way und Glendalough zu lesen. Glendalough hat mich schon 1975 sehr beeindruckt, da möchte ich nach deinem Bericht noch verstärkt mal wieder hin. ;-)

chrischian
30.03.2011, 22:30
Na siehst Du, ist doch gar nicht so schlimm, solo zu laufen.;-)


Aber schöner ist doch zu zweit oder ... Aber manchmal geht es nicht anders. Ein schöner Bericht von einem Land, in dem ich das letzte Mal 1991 war. ;-)

Stephan Kiste
31.03.2011, 08:10
Boa Sabine,

super Bericht und wirklich tolle Fotos.
Da hast Du ja schön was erlebt,
freu mich schon auf den Stammtisch,
das wird ja ein langer Abend :-)

PaulH
31.03.2011, 08:40
schöner Bericht, schöne Bilder

Sabine38
31.03.2011, 14:56
Danke nochmal freut mich dass der Bericht und die Bilder euch gefallen. Und für die die (nochmal) hin wollen:

Ja, Glendalough ist es wert auch zweimal hin zu fahren. Ich würde allerdings die Hauptsaison und die Wochenenden meiden. Dazu ist es einfach zu einfach erreichbar von Dublin aus - 20 Euro das Return Ticket mit dem St. Kevins Bus (http://www.glendaloughbus.com/) (13 Euro die einfache Fahrt), Fahrzeit ca. 1,5 Stunden.

Die Jugendherberge ist auch in Ordnung - es ist sauber, die Betten sind okay, der Preis ist annehmbar, es gibt ne Selbstversorgerküche und ne Sitzecke mit bequemen Sofas... Also kann man nicht klagen auch wenn ich auch schon in deutlich besseren Hostels geblieben bin (beispielsweise im "Camden Place" in Dublin ;-)).

Ich glaube März/April ggf. Anfang Mai ist eine ideale Reisezeit, zwar war es auch da nicht leer oder einsam, aber wenn man ein bisschen aus dem Tal raus ist auf den Wegen, dann sind da dann halt andere Wanderer unterwegs, damit (und mit den sich daraus ergebenden Unterhaltungen) kann ich echt leben. Aber so "aus dem Bus spring, drei Schritte lauf, 10 Fotos machen und dann zur Erholung an die Pommesbude"-Touris kann ich nicht leiden... :o

@Stefan: Langer Abend... Hmm, nicht zu sehr fürchte ich - ich muss am Samstag Klausuraufsicht führen. :grrr: :motz:

Peter83
09.01.2012, 19:03
Danke für den interessanten Bericht und die schönen Bilder!

Liebe Grüsse,
Peter