PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [TR] Taurus-Gebirge: Lykischer Weg



Libertist
08.03.2011, 20:52
So, mal wieder eine Kleinigkeit von mir. Kurze Zusammenfassung: Im Februar 2011 ging ich allein auf dem Lykischen Weg entlang der türkischen Küste. Es war recht einfaches Trekking, das durch landschaftliche und kulturelle Reize bestach, gleichzeitig allerdings wenig „echte Wildnis“ bot. Leider wurde ich nach zwei Wochen von einem Hund angegriffen und ins Bein gebissen, woraus sich gewisse Komplikationen ergaben und ich die Reise abbrechen musste.

Die Idee einer Reise durchs Taurus-Gebirge entsprang wohl eher einem Kompromiss aus meinen Möglichkeiten, die mir für Februar 2011 zur Verfügung standen: ich wollte eine kostengünstige Reise in eine relativ warme Gegend unternehmen und den nötigen Planungsaufwand dafür so gering wie möglich halten. Circa vier Wochen sollten es werden. Da meine Vorbereitungen für die großen Sommerunternehmungen (Himalaya und Alaska) bereits im Winter auf Hochtouren liefen, konnte ich für die Organisation dieses einen Reisemonats nicht viel Zeit aufbringen, wollte aber dennoch ein Gebirge kennenlernen, das mir bisher fremd war. Der Süden der Türkei bot sich als gut zu erreichendes Reiseziel an. Schnell wurde ich auf den Lykischen Weg aufmerksam: ein markierter Weitwanderweg, der die beiden Städte Fethiye und Antalya miteinander verbindet und in den meisten Teilen nah der Küste verläuft. Ausgehend davon, dass ich ein Liebhaber von unberührter Wildnis, weglosem Gelände und unkonventionellen Reisezielen bin, hielten sich meine Erwartungen an diese Reise zugegebenermaßen in Grenzen, dennoch hoffte ich auf eine spannende Zeit mit angenehmen Wetterbedingungen und interessanten kulturellen Aspekten.

Am 11. Februar flog ich nach Antalya und brachte eine Nacht im Zentrum der Stadt zu. Das Stadtbild interessierte mich wenig, zumal alles stark auf den Besuch west- und mitteleuropäischer Touristen abgestimmt zu sein schien. Mit dem Bus fuhr ich am nächsten Tag nach Fethiye und weiter bis zum Einstiegsort des Lykischen Weges. Das Wetter war gut: bei 15 bis 18 Grad lief ich in kurzer Hose und T-Shirt, nur in schattigen Pausen zog ich mir die Jacke an. Mit Blick auf die Lagune von Ölüdeniz ging ich bergan und verbrachte die erste Nacht an einer am Weg gelegenen Zisterne. Brunnen und Zisternen dienen auf diesem Weg übrigens als primäre Wasserquellen. Ich hatte einen Wasserfilter von Katadyn dabei, den ich immer dann einsetzte, wenn die Wasserqualität aufgrund der Umgebung (Treibhäuser etc.) besonders fragwürdig wirkte oder ich es mit stark verschmutzten Quellen zu tun hatte. Allgemein kann man wohl sagen, dass sich das Wasser auch in dieser Gegend fast überall ungefiltert trinken lässt – zumindest ist das meine Erfahrung.
Nachts sank das Thermometer durchschnittlich auf annehmbare 5 bis 8 Grad ab. Schnell gewöhnte ich mir an, schon vor Sonnenaufgang aufzustehen, damit ich um etwa 7.30 Uhr aufbrechen und die doch recht kurzen Tage nutzen konnte, schließlich war es zu dieser Jahreszeit um 18.00 Uhr bereits wieder fast völlig finster.
Tags darauf ging ich über den Pass und stieg wieder knapp 600 Höhenmeter nach Kabak ab, anschließend ging es wieder hinauf. Überhaupt wartet der Lykische Weg in einem Großteil seiner Etappen mit vielen Höhenmetern auf, wobei er stets einfach zu laufen und gut markiert ist. So verging die Zeit. Ich lief durchschnittlich 25 Kilometer am Tag und achtete darauf, mein Zelt stets an Orten mit Zugang zu Wasser und nicht in unmittelbarer Nähe von Dörfern und Siedlungen aufzustellen. Hin und wieder wurde ich von Einheimischen zum Tee eingeladen. Ja, die Türken sind ein freundliches und hilfsbereites Volk, wobei ich auch festhalten muss, dass mich die Gastfreundschaft des Nachbarlands Georgien im Vorjahr unverhältnismäßig stärker zum Staunen brachte. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass man sich in der Türkei mittlerweile an den Tourismus gewöhnt hat diesem möglicherweise nicht in allen Belangen wohlwollend gegenüber steht.

http://www.abload.de/img/img_4945npvo.jpg

http://www.abload.de/img/img_49598snu.jpg

http://www.abload.de/img/img_4970nq7q.jpg

http://www.abload.de/img/img_4979vofk.jpg

http://www.abload.de/img/img_49885oev.jpg

http://www.abload.de/img/img_5009yt1a.jpg

http://www.abload.de/img/img_50111pq5.jpg

http://www.abload.de/img/img_5015yo2i.jpg

http://www.abload.de/img/img_5018vqu6.jpg

http://www.abload.de/img/img_50210t13.jpg

http://www.abload.de/img/img_50289rg6.jpg

http://www.abload.de/img/img_5031vt6f.jpg


Die Etappe(n) um den Ort Kumluova hätte ich mir im Nachhinein gerne erspart. Wer ein großes Interesse an historischen Orten hegt, mag von den berühmten Ausgrabungen in Pydnai, Letoon und Xanthos wohl begeistert sein, für mich waren sie das Entlanglaufen auf Straßen sowie das Aufeinandertreffen mit dem „klassischen Tourismus“ jedenfalls nicht wert. Die unzähligen Treibhäuser dieser Gegend zerstören das Landschaftsbild und ich gab mir die allergrößte Mühe, schnell wieder ins bergige Hinterland abzutauchen. Dort lief man anschließend immer wieder an einem alten römischen Aquädukt entlang, was aufgrund der Abgeschiedenheit deutlich angenehmer war. Besonders gut gefiel mir der spätere Aufstieg ins Hochland von Bezirgan und die Etappe über den Teil dieser Hochebene.

http://www.abload.de/img/img_5035oqbw.jpg

http://www.abload.de/img/img_50433rcc.jpg

http://www.abload.de/img/img_5050up1v.jpg

http://www.abload.de/img/img_50545pis.jpg

http://www.abload.de/img/img_5063ttx0.jpg

http://www.abload.de/img/img_50655qeq.jpg

http://www.abload.de/img/img_5070ttj3.jpg

http://www.abload.de/img/img_50753q34.jpg

http://www.abload.de/img/img_5079jrvq.jpg

http://www.abload.de/img/img_5103zpdr.jpg

http://www.abload.de/img/img_5127roid.jpg

http://www.abload.de/img/img_5141qpg1.jpg

http://www.abload.de/img/img_5155etd0.jpg

http://www.abload.de/img/img_5156kskq.jpg

http://www.abload.de/img/img_5161qobm.jpg


Schon bald wurde das Wetter recht wechselhaft: es regnete oft, manchmal sogar sehr stark und nachts wurde der Himmel oft lange Zeit von den Blitzen heftiger Gewitter erhellt. An einem Nachmittag war der Regen so stark, dass alle ebenen Flächen (potentielle Zeltplätze) völlig überschwemmt waren und ich glücklicherweise auf einen verlassenen Stall traf, in dem ich Unterschlupf fand. Da ich nicht wusste, welches Kleintier in dieser Behausung noch zu Gast war, stellte ich in darin zusätzlich mein Zelt auf und schlief trocken unter dem Wellblechdach, auf das der Regen trommelte.

http://www.abload.de/img/img_5170bpor.jpg

http://www.abload.de/img/img_51715qs2.jpg

http://www.abload.de/img/img_5172usdc.jpg

http://www.abload.de/img/img_5175utbm.jpg

http://www.abload.de/img/img_5180vsuy.jpg

http://www.abload.de/img/img_5183ip4t.jpg

http://www.abload.de/img/img_5185cqgo.jpg


Am nächsten Tag schien die Sonne und ich marschierte Richtung Kaş. Dort angekommen quartierte ich mich erstmals auf dieser Reise in ein Hostel ein, da es schon spät am Tage war und ich noch einkaufen musste. Bei guten Wetter folgte ich am Tag darauf meinem Weg entlang der Küste, vorbei an einer kleinen Bucht und bis hin zu einer Zisterne, an der ich mein Zelt aufschlug. Der darauf folgende Morgen ließ Niederschlag vermuten.

http://www.abload.de/img/img_5192ipmn.jpg

http://www.abload.de/img/img_5194lrbp.jpg

http://www.abload.de/img/img_51994tkb.jpg

http://www.abload.de/img/img_5205oq0n.jpg

http://www.abload.de/img/img_52203qla.jpg

http://www.abload.de/img/img_52304pm3.jpg

http://www.abload.de/img/img_5235oozn.jpg

http://www.abload.de/img/img_5237nplv.jpg

http://www.abload.de/img/img_5240rqwp.jpg

http://www.abload.de/img/img_5246jpex.jpg

http://www.abload.de/img/img_5248rqqc.jpg

http://www.abload.de/img/img_52513r9v.jpg

http://www.abload.de/img/img_5253jr5f.jpg

http://www.abload.de/img/img_5260fs0n.jpg
Blick in eine Zisterne.

http://www.abload.de/img/img_52627shd.jpg


Etwa eine Stunde nach meinem Aufbruch – der Weg führte mich gerade auf einer Schotterpiste durch das dünn besiedelte Hinterland der lykischen Küste – kamen zwei große Hunde laut bellend auf mich zu gerannt. Ich sprach in beruhigendem Ton zu den Tieren und ging in normalen Schritttempo weiter. Plötzlich kam mir einer der Hunde gefährlich nahe. Sein Fell war dunkel und um seinen Hals lag eine starke Kette aus Metall: ich vermute, dass es ich um einen Haus- bzw. Wachhund handelte. Als ich mich gerade nach ihm umdrehte sprang er auf mich zu und biss mir in den rechten Unterschenkel, direkt unter die Wade. Ich spürte einen starken Schmerz, unterdrückte aber einen Schrei und ging zügig weiter. Nach einer weiteren Minute, in der mir der Hund bellend folgte, ließ er von mir ab und verschwand. So bald ich mich sicher fühlte, warf ich einen Blick auf die Wunde: die Zähne des Tieres hatten die Haut größtenteils nur oberflächlich aufgekratzt, nur an einer Stelle schienen sie tiefer ins Fleisch eingedrungen zu sein. Es blutete leicht und ich fühlte einen deutlichen Schmerz. Dennoch war meine Bewegungsfreiheit nicht eingeschränkt und ich muss zugeben, dass ich dem Zwischenfall zu diesem Zeitpunkt keine größere Bedeutung einräumte, weshalb ich einfach weiter lief. Zwar wusste ich, dass bei Tierbissen die Gefahr einer Infektion bestand und zu meiner Schande musste ich mir auch eingestehen, mir nicht im Klaren über meinen aktuellen Impfschutz zu sein. Dennoch war ich recht unbesorgt und hielt es für sehr unwahrscheinlich, dass von diesem kleinen Zwischenfall eine Gefahr ausgehen würde.
Im Regen erreichte ich vier Stunden später die kleine Siedlung „Purple House“ bei Aperlai. Der Eigentümer spricht etwas Englisch und nachdem ich ihm von dem Biss erzählte, mahnte er zur Vorsicht. Es sei sehr ratsam, ein Krankenhaus aufzusuchen und die entsprechenden Impfungen durchzuführen, meinte er. Ich zeigte mich zwar etwas widerwillig, aber einsichtig und so ließ ich mich von ihm erst per Boot und dann mit dem Taxi gegen eine nicht unerhebliche Bezahlung nach Demre ins Krankenhaus bringen.

http://www.abload.de/img/img_5267ntno.jpg


Ohne großen bürokratischen Aufwand bekam ich sofort eine Tetanus-Impfung und eine Spritze gegen Tollwut. Man erklärte mir, es seien noch vier weitere Tollwut-Impfungen nötig, für die ich auch genaue Termine erhielt. Manchmal vergebe man nur drei, im Zweifelsfall aber auch mal fünf Tollwut-Impfungen – bei mir wollte man wohl auf Nummer sicher gehen. Inwieweit es mir gelingen konnte, meinen weiteren Reiseverlauf so einzurichten, dass ich zu den entsprechenden Tagen ein türkisches Krankenhaus aufsuchen konnte, wusste ich nicht – es gab ja in dieser Gegend nur wenige größere Orte und ich hatte keine Ahnung, ob sich dies organisatorisch realisieren lassen würde. Ich schob den Gedanken zunächst beiseite und ließ mich zurück nach Aperlai führen, wo ich die Nacht zubrachte.
Noch bevor die Bewohner der Siedlung am nächsten Morgen ans Tageslicht traten, setzte ich schon meinen Weg fort. Das Wetter war schlecht, doch ich entschied, weiter zu gehen. Unglücklicherweise schmerzte mein rechter Oberarm stark von dem Einstich einer der Impfungen. Im Laufe des Vormittages fühlte ich eine zunehmende Schwäche, welche ich ebenfalls auf die Injektionen zurückführte. Ich wusste, dass man sich nach Impfungen besser keiner größeren Anstrengung unterziehen sollte und da der Himmel sowieso mehr und mehr zuzog, baute ich mein Zelt bereits am frühen Nachmittag auf und entschied, mich auszuruhen. Kaum lag ich im Zelt, entlud sich ein Gewitter in meiner Nähe und es regnete in Strömen. Ich war froh nun darüber, zuvor wenigstens noch so viel Aufmerksamkeit an den Tag gelegt zu haben, mir einen geeigneten Zeltplatz zu suchen: während an vielen Stellen bereits das Wasser nicht mehr versickern konnte und sich großflächige Wasserlachen bildeten, drohte mir auf einem leicht erhöhten Fleckchen Wiese keine Gefahr.
Aufgrund der Schmerzen im Arm schlief ich nicht besonders gut und die körperliche Schwäche hielt auch am nächsten Tag an, als ich mich auf den Weiterweg nach Demre begab.

http://www.abload.de/img/img_5272ipqj.jpg

http://www.abload.de/img/img_5277gsiy.jpg

http://www.abload.de/img/img_52820ojj.jpg

http://www.abload.de/img/img_52832se2.jpg


Da mein Zelt nass war, der Himmel wolkenverhangen blieb und auch der Schlafsack feuchter und feuchter wurde, entschied ich mich für eine Pension. Auf dem Weg zum Internetcafé spielte ich erstmals mit dem Gedanken, die Reise vorzeitig abzubrechen. Obwohl mir dieser Einfall prinzipiell widerstrebte, nahm ich mir vor, zumindest in Erfahrung zu bringen, ob es möglicherweise einen günstigen Flug nach Deutschland gab, den ich kurzfristig buchen konnte. Und ja, es gab einen solchen Flug. Nach zwei Stunden intensiven Abwägens rang ich mich letztendlich dazu durch, eher heim zufliegen. Diese Entscheidung fiel mir wirklich nicht leicht, aber ich traf sie aus zwei Gründen:
1. Ich konnte es nicht riskieren, irgendwo abseits der Zivilisation einen ernsten Schwächeanfall zu bekommen - nach Impfungen sollte man sich bekanntlich nicht überanstrengen und gerade bei den folgenden Etappen ging es von Meereshöhe bis über 1600 Meter in die Berge. Außerdem wurde per Mail aus meiner Heimat noch einmal zur Vorsicht geraten: schließlich verlaufen Tollwut- und Tetanus-Impfektionen in der Regel tödlich. Die Krankenhaustermine hätte ich nicht ohne Weiteres genau einhalten können - ich hätte flexibel sein müssen und wäre wohl mal einen Tag zu früh oder zu spät zur Impfung gekommen. Inwieweit ich damit irgendetwas aufs Spiel gesetzt hätte, weiß ich nicht, das Risiko wollte ich jedenfalls nicht eingehen. Gleiches gilt für das Entzündungsrisiko der Wunde: es erschien nicht unwahrscheinlich, dass durch den Biss bestimmte Keime eingedrungen waren und ich Antibiotika brauchen würde.
2. Die Wetteraussichten waren miserabel: in den niederen Lagen regnete es noch mindestens zwei weitere volle Tage und die hohen Berge waren verschneit. Selbst nach dem Regen würde es ein oder zwei trockene Tage dauern, bis man wieder vernünftig voran kommt, da der lehmige Boden das Wasser nicht vernünftig aufnehmen konnte und man somit ständig im Schlamm ging (das hatte ich vorher zu Genüge getestet!). Das Wetter war kein triftiger Grund, die Reise abzubrechen, erleichterte aber die Entscheidung.

http://www.abload.de/img/img_5290nrhj.jpg


Eine aufwendigere Reise (beispielsweise in Alaska) hätte ich aufgrund dieses Zwischenfalls wohl nicht abgebrochen, aber in diesem Fall hielten sich die durch das vorzeitige Reiseende verursachten Kosten und Umstände in Grenzen, so dass ich nicht allzu lange mit mir haderte. Trotzdem empfand ich die Situation gewissermaßen als deprimierend, handelte es sich doch im Grunde genommen nur um eine kleine Verletzung.
Nun ja, ich verbrachte eine weitere Nacht in Demre, besuchte am Morgen darauf das Krankenhaus um mir die zweite Tollwut-Impfung verabreichen zu lassen und brach dann mit dem Bus nach Antalya auf. Nach einigen Stunden in der Innenstadt und einer Nacht am Flughafen, saß ich am 26. Februar um 6.00 Uhr morgens im Flieger nach Nürnberg und bereits am frühen Nachmittag wurde ich in meiner Heimat empfangen.
Schon kurz darauf stellte sich eine seltsame Schwellung im Bereich der Wunde ein, die bei leichtem Druck mit deutlichen Schmerzen einherging. Vom Arzt bekam ich tatsächlich Antibiotika verschrieben und sollte vorerst von sportlichen Aktivitäten Abstand nehmen. Spätestens jetzt wusste ich, dass ich die richtige Entscheidung getroffen hatte.

In Anbetracht des frühzeitigen Abbruchs der Reise stehe ich meiner Zeit auf dem Lykischen Weg natürlich mit gemischten Gefühlen gegenüber. Zum einen führte mich die Tour durch tolle Landschaftsabschnitte, in denen ich die meiste Zeit über allein war (nur zwei andere Wanderer traf ich auf dem Weg an). Obgleich sich mein Interesse an kulturellen oder historischen Sehenswürdigkeiten in Grenzen hält, war es doch eine willkommene Abwechslung zu früheren Touren, ab und zu auf ein Dorf oder ein antikes Bauwerk zu treffen. Trotzdem vermisste ich die Wildnis, die beim Großteil meiner Reisen die wesentliche Essenz ausmachen. Paradoxerweise führte gerade der Umstand, dass ich allein unterwegs war, dazu, mich nach unberührter Natur und einsamer Bergwelt zu sehnen - „allein“ fühlte ich mich nur, wenn ich in Städten oder Dörfern rastete; ansonsten kam ich sehr gut damit zurecht. Ich denke, mein Bedarf nach markierten Wegen, Reisen in „normal besiedelte Gebiete“ und übrigens auch nach aggressiven, frei herumlaufenden Hunden ist bis auf Weiteres gedeckt. In Zukunft sollen wieder „echte“ Wildnisreisen auf dem Programm stehen – die Türkei und ähnliche Urlaubsziele sind dabei vorerst wohl nicht die erste Wahl.

Cattlechaser
08.03.2011, 21:32
Wunderschöne Fotos und eine richtige Entscheidung.

Tollwut ist, wie du ja selbst geschrieben hast, eine ohne Impfung tödlich verlaufende Krankheit. Manchmal sind die Dinge eben so, wie sie sind.

Danke für den Bericht und (soweit die Folgeimpfungen noch nicht abgeschlossen sind) gute Besserung.

Ehemaliger
08.03.2011, 21:44
Ebenfalls gute Besserung und vielen Dank für den Bericht.

Den lykischen Weg werde ich mir definitiv sparen.

Mein Tip: Spare Du Dir vielleicht auch folgenden "best hike of the world": http://www.besthike.com/europe/alps/tour_mont_blanc.html

Auch hier hält sich das Naturerlebnis aufgrund 1000er Sessellifte und Japaner mit rosa Schuhen nämlich sehr in Grenzen. Ich hatte jedenfalls schon nach ein paar Tagen die Nase voll und habe ebenfalls abgebrochen. Ganz ohne Hundebiss ...

Lotta
08.03.2011, 21:47
Danke für deinen Reisebericht!!
Die Fotos gefallen mir sehr.

Wie geht es deinem Bein denn jetzt? Behälst du große Narben zurück?

Ist das Zelt das Terra Nova Laser?

Gute Besserung
Lotta

Sternenstaub
08.03.2011, 21:56
nunja, es gibt ja auch etliche Wanderer, denen die Strecke gut gefallen hat und ebenso welche, die sich gerade für Kultur und Geschichte interessieren, wozu ich mich zählen würde.
Und die Fotos machen definitiv Lust darauf, die Strecke mal zu machen. Vor allem, weil ich die Gegend etwas kenne.
Und Tollwutschutz kann ja generell nicht schaden ;)

MonaXY
08.03.2011, 22:40
Starke Bilder und toller, ehrlicher Bericht über eine trotz allem auch reizvolle Gegend - Danke!
Ich war im letzten Frühling mal dort in der Gegend (Köprülü-Kanyon-Nationalpark) und fand es zwar auch nicht einsam, aber wunderschön:
6665

Gassan
08.03.2011, 22:55
Schöner Bericht.
Sollte man sich mal ansehen.
Türkei ist ja echt nicht teuer.
Mich reizen die antiken Hinterlassenschaften fast mehr als die Landschaft.

winnetoux
08.03.2011, 23:00
Libertist, langsam wird mir das doch unheimlich - irgendwie fügt es sich bei dir immer - sagte ich das schonmal? Finde, das ist ein guter Schritt auf dem Weg nach Alaska - es geht auch mal was schief, hier vergleichsweise harmlos zum Reinschnuppern. Amen.

Würde den Weg den Bildern nach nun nicht völlig verdammen - dass es nicht die völlige Wildnis ist, ist doch eigentlich klar - an TMB, bisschen anders gelagerte Route, ist sicher was dran - da hab ich auch abgebrochen, vor lauter Seilbahnen und Leuten und breiten Wegen schwindet die Motivation doch fix. Ein Zeckenbiss spielte aber auch ne Rolle - das sind so die europäischen, nicht zu unterschätzenden Gefahren, Hunde und Zecken :bg:

Libertist
09.03.2011, 11:02
Wie geht es deinem Bein denn jetzt? Behälst du große Narben zurück?

Mir geht es hervorragend. Narben werden sicher keine bleiben, die Wunde ist jetzt schon kaum noch wirklich sichtbar. Rein optisch war die Angelegenheit ja völlig unspektakulär, weshalb ich anfangs auch einfach weitermarschiert bin. Es ging ja nur um das Infektionsrisiko...


Ist das Zelt das Terra Nova Laser?

Ja. Meiner Meinung nach ist das ein tolles, geräumiges und immer noch leichtes 1-Personenzelt. Durch 4 zusätzliche Spannleinen und Hilleberg-Heringe steht das Teil auch recht gut im Wind. Ehrlich gesagt bin ich ziemlich begeistert davon.



nunja, es gibt ja auch etliche Wanderer, denen die Strecke gut gefallen hat und ebenso welche, die sich gerade für Kultur und Geschichte interessieren, wozu ich mich zählen würde.

Richtig. Ich würde auch niemandem davon abraten, den Lykischen Weg zu gehen.



Mich reizen die antiken Hinterlassenschaften fast mehr als die Landschaft.

Dann würde dir der Weg wohl ziemlich gut gefallen...!



Libertist, langsam wird mir das doch unheimlich - irgendwie fügt es sich bei dir immer - sagte ich das schonmal? Finde, das ist ein guter Schritt auf dem Weg nach Alaska - es geht auch mal was schief, hier vergleichsweise harmlos zum Reinschnuppern. Amen.

Es fügt sich? Das wird mir jetzt zu spirituell :bg: ... Aber ja, du hast insofern recht, dass der Abbruch einer Reise vielleicht auch etwas ist, was "gelernt" sein möchte. Und tatsächlich ging auf meinen Ausflügen bisher immer alles gut. Andererseits weiß ich (wie gesagt) genau, dass ich eine Alaska-Reise an dieser Stelle nicht abgebrochen hätte ;-) ...


Würde den Weg den Bildern nach nun nicht völlig verdammen...

Keinesfalls...!

winnetoux
09.03.2011, 11:12
:grins: Ausflüge, genau! Der Nordamerika-Ausflug lässt sich vermutlich nicht so leicht abbrechen. Aber der Fall wird ja nicht eintreten, hab Shiva konsultiert, tanzt. :bg: Ich freu mich schon auf Oktober.

Libertist
09.03.2011, 11:14
...hab Shiva konsultiert...

Ach daher weht der Wind...! :bg: :ignore:

heron
09.03.2011, 12:38
Super tolle Bilder!
Und trotz der leidigen Hundebissgeschichte (elender Köter! :grrr:) beneide ich dich fast ein bisschen um die schöne Landschaft.
Ich war ja gleich nebenan ;-) auf dem E4 in Zypern unterwegs und kann von diesem Weg leider nur wenig Gutes berichten. Insofern finde ich ja den Lykischen Weg nach deiner Beschreibung schon sehr interessant.

Freu mich schon auf den nächsten Stammtisch und die persönlichen Erzählungen :grins:

n70tester
09.03.2011, 13:17
Danke, von dir gefallen mir die Reiseberichte immer, weil gute Fotos und gute Beschreibungen dabei sind.

Aber manmal würde ich mir doch auch noch ein gesamtfinazielles Fazit wünschen, denn ich denke es hält viele davon ab, weil Sie denken, dass es ein Vermögen kostet. Und meines Wissen bist doch Student :)

Danke Danke !

fjellstorm
09.03.2011, 16:50
Danke für den ehrlichen Bericht.

Auch wenn dieses Gebiet nicht unbedingt auf meiner To-Do Liste steht, weiß ich jetzt wenigstens warum;-):ignore:
Im Ernst..Tolle Bilder und durchaus interessante Landschaft.

Deine Entscheidung war in Anbetracht der Umstände komplett richtig.


Andererseits weiß ich (wie gesagt) genau, dass ich eine Alaska-Reise an dieser Stelle nicht abgebrochen hätte
..in Alaska rennt dir sowieso kein reudiger Tollwut-Köter über den (nicht vorhandenen) Weg, höchstens ein Bär, der dir dann im Fall der Fälle eine Entscheidung über einen Abbruch ersparrt.;-)

Edit:
der Himmel wolkenverhangen blieb und auch der Schlafsack feuchter und feuchter wurde
Welchen hattest du mit? Den MacPac oder?

MatthiasK
09.03.2011, 16:56
Es ist natürlich bedauerlich was dir da passiert ist. Du hast richtig gehandelt mit dem Abbruch der Tour.

Deine Fotos vermitteln sehr gut wie es dort so aussieht, gefällt mir gut. Werd sicher mal dort vorbeischauen.

Libertist
09.03.2011, 23:55
Freu mich schon auf den nächsten Stammtisch und die persönlichen Erzählungen :grins:

Ich mich auch. Wir könnten demnächst schon anfangen, nach einem Termin zu suchen.



Danke, von dir gefallen mir die Reiseberichte immer, weil gute Fotos und gute Beschreibungen dabei sind.
Aber manmal würde ich mir doch auch noch ein gesamtfinazielles Fazit wünschen, denn ich denke es hält viele davon ab, weil Sie denken, dass es ein Vermögen kostet. Und meines Wissen bist doch Student :)

Manchmal? Also für diese Reise kann ich die Kosten kurz aufschlüsseln, im Vergleich zu einigen anderen Unternehmungen halten sie sich ja in Grenzen: 200 Euro für Hin- und Rückflug, circa 30 Euro für Transportkosten im Inland, 3 Übernachtungen in Pensionen zu je 10 Euro und ungefähr 5 Euro pro Tag für Lebensmittel (da ist auch schon der eine oder andere Restaurant-Besuch dabei). Ausgaben für 16 Tage auf dem Lykischen Weg belaufen sich also auf circa 340 Euro.

Mal noch eine kleine Bemerkung am Rande: auch Studenten können klug genug sein, Geld für die Dinge aufzutreiben, die ihnen im Leben wichtig sind.



..in Alaska rennt dir sowieso kein reudiger Tollwut-Köter über den (nicht vorhandenen) Weg, höchstens ein Bär, der dir dann im Fall der Fälle eine Entscheidung über einen Abbruch ersparrt.;-)

Ja, da könntest du Recht haben! :bg:



Welchen hattest du mit? Den MacPac oder?

Ja, genau. Der Versalite wäre zu warm und nebenbei auch "zu schade" dafür gewesen. Der muss in diesem Jahr noch 100 Nächte herhalten - da durfte er diesmal noch pausieren. ;-)

tizzano1
11.03.2011, 21:49
@ Libertist,

ohne dir zu nahe treten zu wollen, muß ich doch fragen warum du, als die Hunde auf dich zukamen nicht stehengeblieben bist?

Zumal du schreibst, dass der eine ein Wachhund war. Da ist doch Stehenbleiben das oberste Gebot??

tizzi

Libertist
11.03.2011, 22:01
@ Libertist,

ohne dir zu nahe treten zu wollen, muß ich doch fragen warum du, als die Hunde auf dich zukamen nicht stehengeblieben bist?

Zumal du schreibst, dass der eine ein Wachhund war. Da ist doch Stehenbleiben das oberste Gebot??

tizzi

Hallo tizzi,

die Hunde kamen von der Seite auf mich zugerannt als ich gerade auf einem Feldweg unterwegs war. Dann liefen sie hinter mir her und bellten, als wollten sie mich verscheuchen (was wahrscheinlich der Fall war). Sie standen mir natürlich nicht im Weg - sonst wäre ich selbstverständlich nicht einfach weitergelaufen, sondern zurückgegangen und hätte einen weiten Bogen um Tiere geschlagen. Da sie mich aber offensichtlich in die Richtung vertreiben wollten, in die ich unterwegs war, ging ich weiter.
Dass es sich um einen Wachhund handelte, ist reine Spekulation meinerseits, für die ich allerdings meine Gründe habe. Da ich mich auf einem Feldweg befand, war es zumindest nicht sein Hoheitsgebiet - und wenn doch, konnte ich das nicht ahnen.

Ehemaliger
11.03.2011, 22:15
Im Nachhinein ist es immer leicht, schlaue Tips zu geben. Vielleicht wäre es besser gewesen, den Hunden nicht den Rücken zuzukehren und ihnen die Hand (zum Schnüffeln) hinzuhalten. Vielleicht wäre dann aber auch ein Finger ab gewesen...

Shit happens. Immerhin ist es kein Bär oder Krokodil gewesen :bg:

EDIT: Interessant finde ich "Da mein Zelt nass war, der Himmel wolkenverhangen blieb und auch der Schlafsack feuchter und feuchter wurde, entschied ich mich für eine Pension. " Gab es für den feuchten Schlafsack einen konkreten Grund bzw. hattest Du das Problem auch auf Deinen längeren Touren?

Juno234
12.03.2011, 09:13
Ich war ja gleich nebenan ;-) auf dem E4 in Zypern unterwegs und kann von diesem Weg leider nur wenig Gutes berichten.

Von deinen E4-Erfahrungen auf Zypern würde ich gern etwas hören. Oder hast du bereits darüber berichtet und ich habe es übersehen?

Libertist
12.03.2011, 22:37
EDIT: Interessant finde ich "Da mein Zelt nass war, der Himmel wolkenverhangen blieb und auch der Schlafsack feuchter und feuchter wurde, entschied ich mich für eine Pension. " Gab es für den feuchten Schlafsack einen konkreten Grund bzw. hattest Du das Problem auch auf Deinen längeren Touren?

Naja, damit meinte ich nichts Besonderes. Es wird wohl jedem so gehen: wenn es über eine längere Zeit hinweg regnet und/oder es draußen nass ist, wird die Ausrüstung einfach immer feuchter. Beim Zeltauf- und Abbau, beim Ein- und Ausräumen, hohe Luftfeuchte im Allgemeinen, Tropfen von Kondenwasser (zum Beispiels bei Berührung des Außenzeltes mit dem Kopf beim Sitzen), Berührung des Außenzeltes mit dem Schlafsack bei Kondens... es ist wohl einfach so. Nicht, dass mein Schlafsack wirklich nass gewesen wäre. Aber halt so "klamm"; so, dass man meint, man müsste den Schlafsack mal eine halbe Stunde in den trockenen Wind hängen und alles ist wieder gut. Und ja, das "Problem" hatte ich auch bei anderen Touren. Es ist ja nicht wirklich ein Problem, sondern ganz normal und solange irgendwann auch mal wieder die Sonne rauskommt, wird der Kram zügig trocken.

Andererseits ist natürlich auch klar, dass mein Kaitum 3 mehr Komfort bietet als das Laser und der Schlafsack dort nicht so schnell feucht wird bzw. einen herunterfallenden Wassertropfen abbekommt. ;-)

Libertist
13.03.2011, 00:08
Mag vielleicht ein Moderator mal das Länderkürzel [TR] im Titel ersetzen? Hab ich vergessen, sorry.

Danke...

Antracis
13.03.2011, 08:25
Hi Libertist,

erstmal danke für Deinen Bericht und mir tuts echt leid, dass Du soviel Pech hattest. (Hunde + Wetter) Hoffe, das Bein heilt wieder komplikationslos. Wir sind seit gestern vom lykischen Weg zurück und uns hats so gut gefallen, dass wir im April nächsten Jahres schon planen, das Stück von Kas aus zu laufen ins Hochgebirge, was wir jetzt wettertechnisch nicht angegangen sind.

Der Weg ist halt sicher keine absolute Einsamkeit, aber der Reiz liegt aus meiner Sicht gerade in der Mischung aus Natur, Antike und Zivilisationskontakt. Wir sind auch ein paarmal extra in Pensionen abgestiegen, weil die Leute so nett waren. Rückblickend hat mir der Teil zwischen Bezirgan und Kas wirklich am besten gefallen, da haben gerade die Mandelbäume geblüht und wir waren bei Bombenwetter an diesem 5-Sterne-Zeltplatz mit Quelle kurz bevor man zu Husseins Hütte kommt. Bei Dir scheint das Wetter ja dort bescheiden gewesen zu sein.

Eine heikle Begegnung mit Hunden hatten wir nur einmal , als 3 riesige Hirtenhunde gute 10 Minuten bellend hinter uns her rannten. Ich habs aber so interpretiert, dass sie uns von der Herde wegtreiben wollten (haben sich uns ja nicht in den Weg gestellt) und wir sind deshalb stur weitergegangen und es ist auch nix passiert. Denke auch, dass Du nix falsch gemacht hast und das möglicherweise einfach ein aggressiver, schlecht erzogener Wachhund war. :(

Wirklich schöne Bilder. :D

Reisebericht von uns folgt, dauert aber noch etwas, muss noch sehen, wie ich aus meinen RAW-dateien Bilder mache. :roll:

Gruß
Sascha

Antracis
13.03.2011, 13:06
Den lykischen Weg werde ich mir definitiv sparen.

Mein Tip: Spare Du Dir vielleicht auch folgenden "best hike of the world": http://www.besthike.com/europe/alps/tour_mont_blanc.html

Auch hier hält sich das Naturerlebnis aufgrund 1000er Sessellifte und Japaner mit rosa Schuhen nämlich sehr in Grenzen...

Nun ja, wir hatten sehr schöne Naturerlebnisse auf dem Lykischen Weg, sehr abwechselungsreich (Berge, Küstenlandschaft) und Japaner haben wir nur einen einzigen getroffen, und der hat gezeltet und trug Trekkingstiefel. Sessellift gibt es auf dem Weg meines Wissens nach nur einen...;-)
Die Gewächshäuser verschandeln so manches, aber nicht alles und gehören halt zur Region dazu. Fand das als Bild in der Masse auch durchaus mal interessant...

Was ich sagen will: Der Vergleich hinkt. Klar (und für jeden vorab nachzulesen, hat der Libertist ja auch getan...) ist, dass der Lykische Weg nicht fernab jeglicher Zivilisation verläuft, sondern man immer wieder in kleinere Dörfer wie auch an kleinere Orte herankommt, aber da ist um diese Zeit auch touristisch tote Hose. Auf den Etappen zwischen den Dörfern ist man mehr oder weniger allein, trifft kaum andere Wanderer (wir insgesamt 5 = 2 Trekker, 3 Tageswanderer) und hat wunderschöne Zeltplätze für sich allein. Und > 2000 Jahre alte Ruinen sowie sehr nette Menschen.

Negativ hängen geblieben sind bei mir nur zwei Sachen:

1) Der Müll, auf den Etappen selbst kein Problem, aber in Dorfnähe ists manchmal schon arg vermüllt, vor allem weil die Einheimischen manchmal einen von der Straße abzweigenden Wanderweg, der die Böschung runter geht als Einladung zum Reinwerfen von Müll sehen.

2) Der nervige Drückertourismus, dem man zumindest in Antalya ausgesetzt ist und von dem unterwegs auch manchmal ein Hauch zu spüren ist.

Gruß
Sascha

RadhausSchneider@gmx.de
13.03.2011, 17:49
Ich war letztes Jahr Anfang Februar auf dem Lykischen Pfad unterwegs. Das Wetter war ähnlich scheiße und auch ein Grund, weshalb ich früher abgebrochen habe.

Den Einstieg in Fethiye fand ich noch wunderbar. Tolle Aussicht auf verschneite Gipfel in der Ferne und gutes Wetter. Vor allem die Blicke zum Mittelmeer haben mich fasziniert. Am ersten Abend traf ich dann einen schotten am strand von Kabak. Wir sind dann die nächsten Tage gemeinsam gegangen, trotz unterschiedlicher Philosophien. Haben später festgestellt, dass wir uns ein Jahr zuvor auf dem GR20 begegnet sind. Die nächsten Tage waren vom Anspruch recht einfach und relativ interessant. Der landschaftliche Reiz ging bei nach und nach verloren und somit auch die Motivation. Aufgeheitert hat mich dann noch einmal die Wanderung entlang des Aquädukts, obwohl uns die Treibhäuser weiter begleiteten. Der Weg von Patara nach Kalkan hat mir persönlich den Rest gegeben. Ich hatte das Gefühl als wolle diese doch eigentlich nicht so lange Etappe nicht enden. In Kalkan haben wir uns dann in eine Pension getraut. Als ich dann das Zelt über dem Balkon zum Trocknen aufhing, ist dann das Gestänge rausgerutscht und über den Balkon in den darunter liegenden Pool gefallen. Konnte es leider nicht rausfischen. Am Tag zuvor hatte auch der Kocher den Geist aufgegeben, deshalb entschloss ich mich nach Antalya zu fahren und Ersatz zu beschaffen. Antalya hat aber keine Outdoorläden, die Zelte verkaufen. Habe zumindest keinen gefunden. Einen Kocher hätte ich aber durchaus beschaffen können. Habe mich dann zum Abbruch der Tour entschlossen.

Ich hatte mich insbesondere auf das Taurusgebirge gefreut. Auf Grund der vorherigen tagelangen heftigen Regenfälle wäre das sowieso nicht sinnvoll gewesen. Bin noch zwei Tage in Antalya geblieben und dann nach Hause geflogen.

Fazit: Wer Interesse an antiker Kultur mit einer technisch einfachen Fernwanderung verbinden möchte, der ist auf dem LP durchaus gut aufgehoben.

Das Problem mit den Hunden haben wir ganz pragmatisch gelöst. Der James hat bei Anblick eines Hundes steine aufgesammelt und ich meine stöcke drohend empor gehoben. Das hat gewirkt.

Dirk N.
13.03.2011, 19:31
Das Problem mit den Hunden haben wir ganz pragmatisch gelöst. Der James hat bei Anblick eines Hundes steine aufgesammelt und ich meine stöcke drohend empor gehoben. Das hat gewirkt.
Genau. Das einzige was bei denen wirkt ist ein Knüppel und eine Hand voll Steine. Man muß nicht treffen, gezielte Warnschüsse halten die Bestien auf Abstand. Und den sollte man herstellen :bg:
Schöne Bilder, schön geschrieben, Libertist. Gefällt mir, weil wir die Gegend auch , wie viele andere in der Türkei, durch etliche Auto/Zelttouren kennen.

wesen
13.03.2011, 19:58
Mir hat der Lykische Weg so gut gefallen, dass ich nochmal hin will. Wir waren über Weihnachten/Silvester unterwegs und sind ebenfalls nur bis Kalkan gekommen. :p

Ich fand die Strecke teilweise wunderschön. Die Blicke aufs Mittelmeer waren teilweise traumhaft, ich möchte die alten Gemäuer und Grabstellen, die rumstanden, die teilweise alten Zisternen und Terrassen und fand es spannend, ein klein wenig von der (heutigen) Kultur mitzubekommen.

Auf der Strecke durch die Gewächshäuser nach Xanthos haben wir den Bus genommen. (Ich bin allerdings nicht sicher, ob der nicht unseretwegen einen kleinen Umweg gemacht hat.) Und kurz vor Kalkan waren wir auf der Fahrstraße bei strömendem Regen unterwegs, so dass wir kurz entschlossen getrampt sind. Ein Mini-LKW hat uns mitgenommen. War nur ein kleines bisschen eng, so zu viert im Führerhaus.

In Kalkan selbst wollten wir eine Nacht in einer der Pensionen, die im Wanderführer angegeben werden, übernachten. Die hatte aber geschlossen. Kein Problem: Ein etwas spleeniger Schotte sprach uns an und offerierte uns fürn Apel und 'n Ei eins der hübschen kleinen alten Stadthäuser zur Miete. Da konnten wir nicht nein sagen und haben noch ein paar Tage im offenbar englisch dominierten Ort verbracht bzw. von da aus noch ein paar Ausflüge gemacht.

Die Hunde in Kalkan fand ich übrigens eine ganze Ecke nerviger als sonst auf dem Weg. In dem Ort gibt es nämlich eine Initiative, die sich um streunende Tiere kümmert. Die Folge ist, dass die Tiere in Gruppen überall rumlungern und Zuwendung und Futter erwarten. Wenn man dem nicht entspricht, zeigen sie eben auch ihre Unzufriedenheit.

Ansonsten hatte selbst ich als Hunde-Schisser keine Probleme auf dem Weg: Es reichte eigentlich immer, einen Stein nur aufzuheben. Allerdings kann ich mich auch nicht daran erinnern, von einem Hund mit Halsband angegangen worden zu sein.

Libertist
13.03.2011, 22:10
@ Sascha

Schön, dass bei euch alles gut verlaufen ist. Als mein Flieger bei Dauerregen abhob, hab ich mir schon Sorgen gemacht ;-) ... Freue mich auf den Reisebericht.



Als ich dann das Zelt über dem Balkon zum Trocknen aufhing, ist dann das Gestänge rausgerutscht und über den Balkon in den darunter liegenden Pool gefallen. Konnte es leider nicht rausfischen. Am Tag zuvor hatte auch der Kocher den Geist aufgegeben, deshalb entschloss ich mich nach Antalya zu fahren und Ersatz zu beschaffen. Antalya hat aber keine Outdoorläden, die Zelte verkaufen.

Ist zwar OT, aber... warum bist du nicht einfach in den Pool gehüpft um das Gestänge rauszuholen?


Zum Thema pro/contra Lykischer Weg: wie bereits gesagt, möchte ich von einer Wanderung auf dem Weg nicht abraten; ich möchte ihn noch nicht mal irgendwie in einem schlechten Licht darstellen. Es sind viele Faktoren, die da hinein spielen. Einerseits natürlich die individuellen Erlebnisse, das Wetter und die Umstände im Allgemeinen - jede Tour verläuft ein wenig anders, deshalb möchte ich meine Erfahrungen auch nicht verallgemeinern. Andererseits gibt es auch verschiedene Präferenzen bezüglich der Art einer Reise. Für mich bot der Lykische Weg zu wenig Abgeschiedenheit, Wildnis und "Abenteuer"... natürlich wusste ich das schon vorher. Aber erst auf dem Weg habe ich festgestellt, wie wichtig mir diese Dinge sind. Das ist natürlich vollkommen subjektiv, da gibt es kein besser oder schlechter. Insofern ist es mir wichtig, dass mein Reisebericht hier nicht so aussieht, als wollte ich eine Warnung vor einer Reise auf dem Lykischen Weg aussprechen! ;-)

Antracis
13.03.2011, 23:09
@Libertist:

Ich hab mir seinerseits Gedanken gemacht, ob Du vielleicht in nem Schneesturm im Taurus verschütt gehst, als ich mitbekommen hab, wie schlecht das Wetter vor (und bei :bg: ) unserer Ankunft war. Danach wurde es glücklicherweise besser. Witzig ist, dass wir ein paar Motive aus sehr ähnlichem Winkel und auch sogar bei ähnlichem Licht gemacht haben (Patara-Torbogen u. die Felsen vor der Kaimauer in Kas). :bg:

Andererseits interessant, die Orte bei unterschiedlichem Wetter zu sehen. Gerade hinter Saribelen wars bei uns traumhaft, bei Dir wirkts ja eher gruselig, wenn auch nicht uninteressant mit dem geisterhaften Nebel.

Bei uns war Sonne pur und Mandelbaumblüte, dank klarstem Brunnenwasser gebe ich dem Zeltplatz 5 Sterne.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/ZeltplatzHinterSaribelen.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=25295&title=zeltplatzhintersaribelen&cat=500)

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/ZeltplatzHinterSaribelen2.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=25296&title=zeltplatzhintersaribelen2&cat=500)

Gruß
Sascha

Libertist
13.03.2011, 23:15
...Andererseits interessant, die Orte bei unterschiedlichem Wetter zu sehen...

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/ZeltplatzHinterSaribelen2.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=25296&title=zeltplatzhintersaribelen2&cat=500)

Ja, stimmt! :D Das ist der gleiche Zeltplatz, nur von einer anderen Perspektive fotografiert. Und bei anderem Wetter... :roll:

http://www.abload.de/img/img_5175utbm.jpg

Aber mein Zelt stand an der selben Stelle! :bg:
Übrigens sieht das Kaitum in rot echt gut aus.

Antracis
13.03.2011, 23:23
Hat auch was, der Nebel. So ein Wetter hatten wir dann aber bei der Platane eine Etappe weiter. ;-)
Aber Deine Fotos finde ich echt gut, fangen die Stimmung schön ein, auch wenn das Wetter mal nicht so ist.

Ja, das Rot ist sehr fotogen - und es sieht morgens immer nach gutem Wetter draußen aus. :cool:
Hast Du auch bei Delikkemer gezeltet ? Wir sind erst sehr spät durch Akbel und sind schließlich im stockdunkeln da hoch und weil ich wußte, dass es da Zeltplätze geben muß, hab ich dann mit der Stirnlampe auch was gefunden. Fand das sehr cool, morgens dann die Sonne durch die Aquäduktbrücke scheinen zu sehen. Das auf der anderen Seite Meer ist, haben wir abends nicht gecheckt.

Ansonsten fand ich die Zeltplatzlage teilweise nicht unproblematisch wegen dem ganzen Steinzeugs. Klar findet man immer was, aber wenns ne schöne ebene Stelle MIT Wasser und landschaftlich attraktiv sein sollte, blieb wirklich nicht viel übrig - auch für was kleineres als unser Schiff.

Guts Nächtle
Sascha

Libertist
13.03.2011, 23:39
Aber Deine Fotos finde ich echt gut, fangen die Stimmung schön ein, auch wenn das Wetter mal nicht so ist.

Ehrlich gesagt werde ich mit meinen Fotos immer unzufriedener. Vor allem dann, wenn ich mir ein bei schlechten Lichverhältnissen aufgenommenes Bild in Originalgröße ansehe. Gut möglich, dass mein nächster Reisebericht mit Bildern einer neuen Kamera geschmückt sein wird. Bin da gerade am Überlegen ;-) ...



Hast Du auch bei Delikkemer gezeltet ? Wir sind erst sehr spät durch Akbel und sind schließlich im stockdunkeln da hoch und weil ich wußte, dass es da Zeltplätze geben muß, hab ich dann mit der Stirnlampe auch was gefunden. Fand das sehr cool, morgens dann die Sonne durch die Aquäduktbrücke scheinen zu sehen. Das auf der anderen Seite Meer ist, haben wir abends nicht gecheckt.

Ansonsten fand ich die Zeltplatzlage teilweise nicht unproblematisch wegen dem ganzen Steinzeugs. Klar findet man immer was, aber wenns ne schöne ebene Stelle MIT Wasser und landschaftlich attraktiv sein sollte, blieb wirklich nicht viel übrig - auch für was kleineres als unser Schiff.

Nein, dort habe ich nicht gezeltet. Es gab an dem Ort kein Wasser, wenn ich mich recht erinnere... und ich habe mein Zelt immer in der Nähe einer Quelle o.Ä. aufgeschlagen. Mein nächster Schlafplatz nach Delikkemer war an einem ausgetrockneten Bachbett, in der Nähe einer kleinen Ruine, dort standen auch einige Bienenkästen rum. Etwa 5 Minuten, nachdem man weiter unten eine kleine Quelle passierte und dann links hoch durch etwas Wald ging. Vielleicht weißt du, was ich meine...

Und ja, ich dachte oft daran, wie es wohl für euch sein würde, "hier" ein Kaitum aufschlagen zu müssen. Ich habe das Zelt ja selbst (die 3'er Version) und weiß, wie viel Platz es braucht. In Alaska hatte ich damit beispielsweise nie Probleme, aber da auf dem Lykischen Weg war ich oft froh darüber, dass mein TN Laser nicht so viel Stellfläche benötigt ;-) ...

Gute Nacht!

heron
14.03.2011, 08:44
Von deinen E4-Erfahrungen auf Zypern würde ich gern etwas hören. Oder hast du bereits darüber berichtet und ich habe es übersehen?

Nein, kommt noch ein ausführlicher Bericht - bin nur im Moment sehr mit Arbeit bedeckt :grins:

Lotta
30.12.2011, 18:38
Hallo Libertist,
im Rahmen der Reiseplanung sind mir noch ein paar Fragen gekommen:
hast du nach Kalkan die Klippenvariante gewählt? Wenn ja, war das auch mit großem schwerem Rucksack einigermaßen gut zu machen?

Ging hier der Weg lang? Wenn ja - auf welcher Etappe war das denn?
http://h10.abload.de/img/img_5235oozn.jpg

Liebe Grüße
Lotta

Libertist
30.12.2011, 18:50
Hallo Lotta,

ich kann mich nicht mehr genau an diese Klippenvariante erinnern, glaube aber, dass es sich bei diesem Bild genau darum handelt. Man geht da eine ganze Weile auf Steinen direkt an der Küste entlang, darauf folgt dann diese kurze Kletterpartie. Absolut ungefährlich und auch mit großem Rucksack zu meistern. Keine Sorge! ;-)

Lotta
05.01.2012, 22:31
Alles klar, danke :-) !