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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [NP] Nepal Jiri-EBC 2004



asrael
31.05.2004, 17:35
Land: Nepal
Region/Kontinent: Zentralasien

Reisebericht über den Everest-Basecamp-Trek von Christelle und Michael und Daniela und Tom

24.04.2004
Flug von Frankfurt nach Katmandu über Quatar
Der erste Flug nach Quatar war eine Wonne, da wir Plätze am Notausgang mit Erste-Klasse-Beinfreiheit hatten.
Quatar-Airways ist sehr zu empfehlen: Hervorragender Service!
In Quatar hatten wir einen mehrstündigen Aufenthalt, bevor wir über Nacht nach KTM weiteflogen.

25.04.2004
Ankunft in KTM
Beim Landeanflug konnte ich einen Blick auf den Everest und die ihn umgebenden Riesen erhaschen. leider drehte der Flieger jedoch schnell und die Aussicht war weg.
Wie vorher abgeklärt wurden wir am Flughafen abgeholt und nach Patan (Ort neben KTM) gefahren, wo wir ein nettes Hotel (Third World Guest House) für eine Nacht hatten.
Patan ist ruhiger als KTM und hat bessere Luft. Wir wohnten direkt am Durbar Square mit diversen antiken Tempel und dem alten Königspalast.
Am Nachmittag zahlten wir unsere Rechnung für den Transport nach Jiri und die Flugtickets von Lukla zurück.
Nach einem netten Abendessen mit zwei Nepali von der Tekkingagentur, die uns Tickets, abholen vom Flughafen und Transport nach Jiri besorgt hatten (www.trekking24.com) sowie dem Restaurantbesitzer ging es ab ins Bett.

26.04.2004
1. Trekkingtag
Patan – Jiri – Mali
6.00 – 15.40 – 18.15
Morgens gings nach leckerem Frühstück in den geräumigen Jeep und ab nach Jiri.
Es waren 6 Std. interessante, oft holprige Fahrt mit vielen Straßensperren, durch die wir meist einfach durchgewunken wurden. Touristen werden im Gegensatz zu Einheimischen kaum kontrolliert. Kurz hinter KTM stand eine Gruppe schwer bewaffneter Maoisten an der Straße, die uns jedoch ohne weiteres passieren ließen.
In Jiri angekommen, versuchte uns jeder zum bleiben zu überreden, was uns gerade davon abhielt. Das ständige „Lodge? Porter? Guide?“ ging einem recht schnelle eher auf die Nerven, da wir uns schon Monate vorher entschieden hatten, ohne Porter oder Guide zu gehen, zwar in Lodges zu essen, aber auch zu zelten und alles in allem autark unterwegs zu sein.
Nach 10 Min. Laufen fing es an in Strömen zu regnen. Wir zogen das Regenzeug an und gingen weiter durch kleine Dörfer und über einen kleinen Pass, wo der Regen nachließ. Wir stiegen ab bis Mali, wo wir eine urige Lodge fanden. Der Sherpa (! wir befanden uns noch lange nicht in Sherpa-Land) bemühte sich redlich, uns Nepali und Sherpa beizubringen und nach einem reichlichen Dhal Baat (Reis mit Gemüse und Linsensuppe) fielen wir ins Bett.

27.04.2004
2. Trekkingtag
Mali – Bhandar
6.40 – 15.00
Wir erwachten an einem strahlend schönen Morgen und stiegen durch Felder und kleine Siedlungen nach Shivalaya ab. Kurz vor Shivalaya filterten wir das erste Mal Wasser, was die vorbeikommenden Nepali sehr zu interessieren schien. Einige sahen uns minutenlang zu. Daran sollten wir uns in den folgenden tagen noch gewöhnen.
Shivalaya ist ein kleiner (für dortige Verhältnisse eher großer) niedlicher Ort, von dem aus es 900+ m nach oben zum Deorali-Pass geht. Wir reihten uns in die Schlange der Träger ein und stiegen auf. Es ist beeindruckend, welche Mengen und Lasten die Träger dort tragen. Die Angaben sind sehr unterschiedlich und z.T. mit Sicherheit übertrieben, einige der Leute tragen jedoch garantiert mehr, als ihr eigenes Körpergewicht. Dagegen schienen unsere Rucksäcke, die (inkl. Wasser) zwischen 17 und 27 kg wogen, eher leicht.
Nach 2/3 des Aufstiegs machten wir uns eine kleine Suppe. Kurz darauf begann es wieder zu regnen, schließlich zu hageln. Der Weg wurde zum Sturzbach und wir erreichten nass den Pass. Oben war ein kleiner Ort mit Lodges und Teehäusern, aus denen heraus uns andere Trekker beobachteten. Nur weil wir im Regen unterwegs waren, wurden wir, wie wir später erfuhren, von diesen als „Hardcore-Guys“ bezeichnet.
Nach dem Pass ging es unsicher auf rutschigen (Nicht-)Wegen nach Bhandar, wo wir in der ersten Lodge abstiegen. Abends gab es Dhal Baat, Cola und Bier und danach feierten wir noch Christelles Geburtstag mit selbstgemachtem Schokopudding.

28.04.2004
3. Trekkingtag
Bhandar- Sete
6.30 – 16.30
Uns stand ein harter Tag bevor. Von Bhandar machten wir uns auf den schwierig zu findenden Weg Richtung Kenja auf. Immer wenn wir drohten, falsch zu laufen, riefen uns Kinder zu und winkten in die richtige Richtung. Auf dem Weg trafen wir Trekker, die uns vor Maoisten in Kenja warnten. Kurz vor dem Ort begann es wieder zu regnen und die Maoisten waren offenbar in die Lodges gegangen, um dort zu kassieren. Wir kamen gesenkten Hauptes im „Sturmschritt“ durch den Ort. (Arme heimgesuchte Stadt, die sonst sehr nett schien.) Direkt hinter Kenja begann der Aufstieg zum Lamjura La (knapp 2000 hm Anstieg). Es goss wieder wie aus Eimern und nach 500 hm machten wir uns eine Suppe und trafen einen total erschöpften Japaner, dessen Freunde schon weitergegangen waren. Nach weiteren 450 hm erreichten wir Sete, das Tagesziel. Dort fanden wir eine sehr nette Lodge, gönnten uns eine heiße Dusche und trockneten unsere Sachen über dem Bollerofen, den der Lodgebesitzer für uns anwarf. Anschließend gab es gebratene Kartoffeln mit Käse und ein Bett.

29.04.2004
4. Trekkingtag
Sete – Lamjura
6.30 – 11.30
Nach einer schlechten Nacht für Michael und Christelle mit Übelkeit und Durchfall bekam am Morgen auch Daniela Durchfall. Wir stiegen trotzdem weiter auf und kamen auch bis auf 3.300 m Höhe durch fantastisch blühende Rhododendron-Wälder. Was in Deutschland „nur“ Sträucher sind, sind dort Bäume mit Stammdurchmessern von bis zu 20 cm. In Lamjura war bei Michael Schluss. Wir mieteten uns zwei Zimmer in einer Lodge mit furchtbar netten Besitzern. Michael hatte Fieber und schlief, während Daniela und ich ohne Rucksack weitere 150 m aufstiegen. Doch dann begann auch ich mich schlechter zu fühlen und wir drehten noch vor dem Pass um. Zurück an der lodge musste ich mich übergeben und bekam auch recht hohes Fieber. Ich verschlief den Nachmittag, währens Christelle und Daniela „Schiffe versenken“ spielten. Am Abend gab es Cola und Apfel-Pfannkuchen, die Daniela aus Angst vor schlimmerem Durchfall doch nicht aß.
Am Abend eines eigentlich tollen Tages mit mystischem Nebel und immer wieder Sonne in fantastischen Wäldern, den wir leider alle krank erlebten, schliefen wir erschöpft ein.


30.04.2004
5.Trekkingtag
Lamjura – Everest View Point Lodge
8.15 – 16.00
Am nächsten Morgen ging es uns allen besser, auch wenn mein Fieber noch nicht ganz weg war. Wir schafften die letzten 200 hm zum Lamjura La und stiegen dann steil durch die Wälder nach Junbesi ab. Beim abstieg wurde Christelle während einer Pause ohnmächtig, erholte sich aber blitzschnell. Wir verzichteten mit Rücksicht auf die Magen-Darm-Probleme auf unser sonst obligatorisches „Unterwegs-Müsli-Frühstück“.
Daniela bekam furchtbare Bauchschmerzen, so dass wir in Junbesi, einem pitoresquen Ort, Mittagspause machten und ordentlich aßen (Christelle hatte eine Gemüsepizza auf deren Teig ein halber Meter grünes Gemüse und etwas Käse war; der Rest aß Nudeln).
Auf dem Weiterweg stellte sich das Mittagessen als Fehler heraus, da es viel zu schwer im Magen lag. Daniela schleppte sich trotz Schmerzen tapfer weiter. Es war ein toller Weg, der sich 300 hm im Hang bis zur Everest View Point Lodge hochzog. Als wir dort ankamen waren die hohen Berge, die man eigentlich von hier sollte sehen können, in Wolken. Wir sonnten uns auf der Terasse und – tatsächlich – die Wolken am Horizont verzogen sich und gaben fantastische Blicke auf einen spektakulären Bergkamm frei, an dessen linken Ende der Everest thronte. Zu meiner Verwunderung war der Everest weiß (verschneit). Ich hatte ihn zu dieser Jahreszeit schwarz (Fels) erwartet.
Nach einer heißen Dusche und Essen, dass nicht allen schmeckte (zu viel grünes Gemüse) und Nak-Käse (Nak ist das weibliche Yak), der gut, aber nicht besonders schmeckte, schliefen wir auf dem Weg zur vollständigen Genesung ein.

01.05.2004
6. Trekkingtag
Everest View Point Lodge – Juving
8.00 – 16.45
Am Morgen regnete es, so dass wir uns nochmals umdrehten und eine Stunde länger schliefen.
Beim zweiten Versuch schien die Sonne und wir machten uns auf den Weg. Erst 300 hm hinunter bis zu einer netten Frühstückspause an einem Bach. Leider schmeckte das Wasser in den Trinkblasen nach Rauch. Nach der pause ging es 400 hm hinauf zum Taksindu La. Oben hatten wir eine schöne Aussicht auf hohe Berge. Am Pass gab es eine Chorten (Stupa-ähnliche glockenförmige religiöse weiße Gebäude, die nicht betretbar sind und auf deren vier Seiten jeweils ein Augenpaar aufgemalt ist) und zwei Teehäuser. Um auf die andere Seite zu gelangen, musste man ein Tor mit Gebetsmühlen durchschreiten. Dahinter ging es steil hinunter, an einem schönen bunten Kloster vorbei durch einen heftigen aber recht kurzen Regen nach Nunthala. Am Anfang des Ortes warnten uns andere Trekker vor Maoisten. Also holten wir den „alten Trick“ raus: Kopf runter und im Sturmtruppenschritt durch den Ort. Leider hatten wir bei inzwischen wieder strahlender Sonne noch Regenzeug an und schwitzten uns fast tot. Nach dem Ort ging es weiter bergab zum Tiefpunkt (geographisch) unseres Treks auf 1600 m. Der Pass hatte eine Höhe von 3070. Schließlich führte uns der Weg noch etwas nach oben, bis wir in Juving in einer einfachen Lodge abstiegen und unter einer Laube zu Abend aßen.

02.05.2004
7. Trekkingtag
Juving – Surke
6.00 – 17.40
Ein langer Tag! Wir gingen in Erwartung großer Hitze früh los. Nach zwei stunden brannte die Sonne sehr und machte vor allem Michael und Christelle zu schaffen. Nach einigen kürzeren Pausen und einem etwas heftigeren Disput, der auf einer ungeschickten Formulierung meinerseits beruhte, machten wir eine sehr lange Pause, da Michael und Christelle auch schlecht geschlafen hatten.
Eine knappe Stunde später ging es weiter auf einem Weg, der teils sehr steil war, teils hangparallel.
Wir kamen nach 1100 hm über den ersten „Pass“ (tatsächlich verlief der Weg im Hang um den tatsächlichen Pass herum) und danach in großem Bogen nach Puyian.Dort entschieden wir, doch noch weiterzugehen. Die folgenden 500 hm steiler Abstieg gingen gehörig in meine Knochen und Gelenke. Schließlich kehrten wir in einer sehr netten Lodge (Yak &Yeti Inn) ein.
Am Abend war der Oberschenkel meines linken Beines taub, was sich im Laufe des Treks zwar bessern, aber nicht ganz geben sollte.

03.05.2004
8. Trekkingtag
Surke – Monjo
7.20 – 15.00
Wir liefen los, stetig bergan, auf nicht zu steilen Wegen. Ab der Höhe von Lukla (dem einzigen Flughafen im Khumbu) wurde die Besiedlung sehr dicht. Man ging fast eine Stunde lang nur durch Orte. Dann ging es stetig am Fluss entlang hinauf im Tal in Richtung Namche Bazaar. Bei strahlendem Sonnenschein und einfachen Wegen ließ es sich fast Schlendern. Parallel zu uns liefen drei ältere Russen, die dann ebenso in unserer Lodge absteigen sollten, wie das Holländerpärchen, das wir seit dem zweiten Tag fast täglich trafen.
Im Laufe des Nachmittags hatte ich die merkwürdige Halluzination eines schwarzen Pferdes, das an mir vorbei galoppierte.
In Monjo, 600 hm unterhalb von Namche, stiegen wir in einer noblen Lodge ab und gönnten uns einen Apple Pie.

04.05.2004
9. Trekkingtag
Monjo – Khumjung
6.45 – 15.45
Kurz hinter Monjo betraten wir den Sagarmatha Nationalpark und stiegen dann – zuerst langsam am Fluss entlang – dann steil im Hang nach Namche hinauf. Namche klammert sich hoch oben an den Hang und ist ein blaues Städtchen, in dem es vor Geschäftigkeit summt und brummt, wie in einem Bienenstock. Überall sind Läden mit Auslagen vor dem Geschäft und man meint, ALLES kaufen zu können. Wir besorgten Müsli und für Daniela ein dünnes Fleece und Daunenhandschuhe. Im Anschluss schlugen wir in „Herrmann Helmers Bäckerei und Konditorei“ zu: Apfestrudel, gedeckter Apfelkuchen und Schokoladenkuchen.
So vollgefuttert quälten wir uns nach Syangboche hoch. Dort gibt es einen Flughafen bzw. ein Rollfeld, auf dem nur eine Art von Flugzeugen starten und landen kann und diese Art Flugzeuge gibt es in Nepal nicht mehr. Das Rollfeld wird heutzutage nur noch als Hubschrauberlandeplatz genutzt.
Im Ort , der aus zwei Häusern besteht, bescherte uns ein sehr netter nepali, der schon für den DAV Summit Club gearbeitet hatte, eine Sprite und ein nettes langes Gespräch auf bayerisch. Er empfahl uns, über Khunde nach Khumjung zu gehen und uns das von Edmund Hillary gebaute Hospital anzusehen.
Khunde stellte sich als Labyrinth heraus, da es nur kleine unübersichtliche Wege zwischen unendlich vielen Steinmauern gab. Als wir es aus Khunde heraus (am Krankenhaus vorbei) geschafft hatten, stiegen wir die letzten Meter nach Khumjung ab und kehrten in einer netten Lodge ein. Nur wenige Minuten später begann es zu regnen. Am Abend gab es das erste wirklich sehr leckere Yak-Steak.

05.05.04
10. Trekkingtag
Khumjung – Dole
8.15 – 15.45
Wir schliefen recht lang (bis 7.00) und machten uns dann in aller Ruhe auf den Weg Richtung Gokyo-Tal. Da wir uns vorgenommen hatten, nie mehr als 400hm höher als in der Vornacht zu schlafen, sollten kurze Tage folgen und wir ließen uns viel Zeit. Unseren Weg begleitete die Ama Dablam, die den Wolkenfreien Horizont im Osten beherrschte.
Wir stiegen über den Mong La, wo wir sechs reiseige Adler über den Bergkamm gleiten sahen und frühstückten auf der anderen Seite des Passes. Während der Frühstückspause kam eine Yak-Gruppe des Weges und ein Yak verfehlte mit seinem Tritt Danielas Rucksack nur um Haaresbreite. Als wir uns vom Schrecken erholt hatten, ging es steil abwärts nach Phortse Tenga und von dort, nachdem wir uns vom fantastischen Anblick der Ama Dablam losreißen mussten, ins Gokyo-Tal. Wir stiegen über dem Fluss entlang stetig bergauf durch Rhododendron-Wälder mit mehreren Pausen, bis wir schließlich gegen drei in Dole ankamen. Später am Abend begann es das erste Mal auf unserer Tour recht heftig zu schneien.

06.05.2004
11. Trekkingtag
Dole – Machermo
8.00 – 12.00
Wir hatten einen kurzen leichten sonnigen Tag, an dem wir ca. 350 hm gewannen. In der Lodge in Machermo war ein Italiener, der einen Nierenstein hatte, welcher sich aus der Niere gelöst hatte und in den Harnleiter gewandert war. Der arme Mann hatte große Schmerzen und wartete auf den Hubschrauber, der ihn nach Katmandu fliegen sollte. Um 13.30 kam der Hubschrauber. Es war ein Riesenspektakel und das ganze Dorf hatte sich versammelt, um diese außergewöhnliche Abwechslung zu beobachten. Den Italiener sollten wir 8 Tage später wieder genesen wiedertreffen und am Ende sogar im gleichen Flugzeug nach Europa sitzen.
In der Lodge traf ich eine Ärztin aus Boston, die im Krankenhaus in Tengboche gearbeitet hatte. Sie erzählte, dass sich ein Team mit David Breashers und Ed Viesturs am Everest befinde und „In eisige Höhen“ als Hollywood-Blockbuster mit Gipfelbesteigung verfilme. Filmstars seien allerdings nicht vor Ort. Nur deren Bergsteiger-Doubles. Insgesamt seien 23 Teams am Berg, die meisten kommerziell. Auch der kanadische „Discovery-Channel“ drehe vor Ort eine Dokumentation.

07.05.2004
12. Trekkingtag
Machermo – Gokyo
7.10 – 13.00
Heute wanderten wir das Gokyo-Tal weiter hinauf. Nach ca. 200 hm kamen wir an das untere Ende einer Gletschermoräne, die sich vom Cho Oyu, dem sechsthöchsten Berg der Welt, der am Ende des Tales thronte, hinabwälzt. Direkt oberhalb der Moräne befand sich der erste von sechs Seen im Tal, an dem wir einen Tee tranken. Wir stiegen ohne Rucksäcke auf die in der Mitte des Tals aufgehäufte Moräne und versuchten den Cho La, den wir in ein paar Tagen zu überschreiten versuchen wollten, zu identifizieren.
Zurück bei den Rucksäcken schulterten wir diese und stiegen weiter leicht bergan, am zweiten, wesentlich größeren See vorbei durch mittlerweile hochalpines Gelände mit wenigen Büschen und Gras bis nach Gokyo am dritten See. Auf Empfehlung einer Nepali hin, die wir auf dem Weg getroffen hatten, wählten wir dei Cho Oyu View Lodge, die ihrem Namen alle Ehre macht. Der Cho Oyu dominiert das Tal, aber die 5000er und 6000er rechts und links des Tales mit ihren messerscharfen Graten und riesigen (Hänge-)Gletschern sind kaum weniger beeindruckend.

08.05.2004
13. Trekkingtag
Gokyo – Gokyo Ri – 5. See
6.30 – 17.00
Am Morgen standen wir Zeitig auf und stiegen auf den Gokyo Ri (5340m); 600 hm, die extrem anstrengend waren. Obenangekommen wurden wir mit fantastischen Blicken belohnt: Vier der sechs höchsten berge der Welt auf einen Blick (Mt. Everest, Lhotse, Makalu und Cho Oyu) dazu der ca. 7800 m hohe Nuptse und weitere 6000er und 7000er unter strahlend blauem Himmel bei perfekter Sicht. Zu meiner großen Überraschung war der gesamte Schnee vom Everest weggeblasen und er war jetzt tatsächlich die ursprünglich erwartete Riesenpyramide schwarzer Fels. es ist sicher nicht der schönste Berg der Welt; die schiere Größe dieses Giganten fordert einem aber soviel Erfurcht ab, dass der bloße Gedanke, den Berg zu besteigen irgendwie absurd wird. Wer die Anstrengung, die kleine schnelle Bewegungen auf 5000 m Höhe hervorrufen, gespürt hat, der kann sich auf einmal vorstellen, warum nur die besten Bergsteiger der Welt diesen Berg ohne Flaschensauerstoff zu bezwingen versuchen.
Nach einiger Zeit und vielen Fotos stiegen wir wieder ab, packten unsere Sachen, aßen noch ein paar leckere Cheese-Momos und machten uns auf den Weg zum 5. See. Wir wählten den anstrengenden Pfad auf der Moräne, der bei schönem Wetter tolle Aussichten bieten soll. Leider war es bewölkt und der Weg nervte uns alle. Nachdem mir die Besteigung des Gokyo Ri schon schwer gefallen war, quälte ich mich auf dem Weg ziemlich. Hinzu kamen leichte Kopfschmerzen und etwas Schwindel.
Endlich angekommen bauten wir in einer kargen Schuttlandschaft oberhalb des 5. Sees unsere Zelte auf, kochten im Zelt und fütterten mit den Resten den Hund, der uns seit Gokyo begleitet hatte und der am nächsten Tag auch wieder mit uns zurücklaufen sollte. In der ersten Nacht im Zelt und oberhalb von 5000 m schliefen wir nicht sehr gut, aber o.k..

09.05.2004
14. Trekkingtag
5. See - Gokyo
Ich wachte erholt und ohne Kopfschmerzen auf.
den Vormittag verbrachten wir am 5. See und schauten uns den Everest, den man vom Rand der Gletschermoräne fantastisch sieht, ausführlich und genau an. Am Gipfelgrad schien es windig zu sein, obwohl die charakteristische Schneefahne fehlte.
Der Berg selbst war besser zu sehen, als vom Gokyo Ri, aber das Panorama war nicht so beeindruckend, da man Lhotse von Nuptse kaum unterscheiden konnte und Makalu gar nicht sah.. Michael traf Hans Kammerlander, der auf einer privaten Trekkingtour im Khumbu unterwegs war und einen Tagesausflug zum Cho Oyu Basecamp machte.
gegen Mittag, nach einer Suppe, packten wir zusammen und gingen zurück nach Gokyo.




10.05.2004
15. Trekkingtag
Gokyo – Thaknak

Wir schliefen aus, lümmelten noch in Gokyo rum und gingen dann sehr gemütlich das Tal hinunter. Hinter dem zweiten See hielten wir uns links und bevor wir den gewaltigen Schuttgletscher überquerten, machten wir noch eine lange Pause in der Sonne. Dann ging es über den Gletscher. Ein Labyrinth aus Schutt, Sand, Felsbrocken und kleinen Seen, das von gewaltigen Eismassen ins Tal transportiert wird. Der Weg ging zum Teil beängstigend nah an über 10 m tiefen Abhängen zu Gletschertümpeln entlang. Vorsichtigen Schrittes gelangten wir auf die andere Seite und stiegen noch ein paar Meter in ein Seitental ab, an dessen Anfang Thaknak liegt.
Gegen 6.00 begann es zu regnen. Ein schlechtes Omen?

11.05.2004
16.Trekkingtag
Thaknak – Lobuche
4.40 – 16.10
Die Königsetappe unserer Tour!
Wir starteten im Morgengrauen und stiegen langsam auf. Nach 3 Std. erreichten wir den Schuttkegel, der den Einstieg zum Pass (Cho La) bedeutete. Von einer Anhöhe, eine halbe Stunde früher, hatte der Cho La kaum bezwingbar ausgesehen und ein anderer (vergletscherter) Pass weiter im Norden schien die viel gangbarere Alternative. Dem Irrtum, dabei handele es sich um den Cho La, saßen ein paar andere Trekker auf, die nach uns gestartet waren. Sie sollten ihren Fehler erst so spät erkennen, dass sie nach Thaknak umkehren mussten.
Als wir am Einstieg standen und nach oben sahen, konnten wir die organisierten Trekkinggruppen sehen, die am Fuße des Passes gezeltet hatten, und sich jetzt wie Ameisen auf einem Ameisenhaufen tummelten.
Wir stiegen auch in den Geröllhaufen ein und kämpften uns durch die Felsbrocken verschiedenster Größe nach oben. Gegen 11.00 waren wir oben (ca. 5400m) und genossen den Erfolg in der Sonne. Dann ging es über den flachen Gletscher hinab ins Lobuche-Tal. Nachdem wir durch etwas Geröll gekrabbelt und über die Wiesen abgestiegen waren, machten wir eine Pause in Dzongla und gönnten uns Cola, Sprite, Chips und Kokoskekse.
Um 13.30 liefen wir nach Lobuche los. Die Strecke zog sich viel länger als erwartet und am Ende waren wir wirklich platt, als wir nach 11½ Std. in Lobuche ankamen. Selbst der überwältigende Anblick des wunderschönen Pumo Ri konnte mich nur noch bedingt motivieren.

12.05.2004
17. Trekkingtag
Lobuche – Gorak Shep
10.10 – 13.20
Ausschlafen!
Allerdings war ich trotzdem um 7.00 wieder hellwach. Nach Frühstück, Wasserfiltern und ausgiebigem Rumlungern machten wir uns auf den Weg. Zuerst ging es flach im Tal hinauf. Nuptses Süd- und Südwestflanke begleitete uns. Hinten im Tal erhob sich stolz Pumo Ri.
Dann, nach ca. einer Stunde ging es in die Gletschermoräne. Erst steil bergauf, dann immer wieder runter und hoch, bis nach einer Linkskurve plötzlich Gorak Shp (drei Lodges) an einem ausgetrockneten (inzwischen Sand-)See vor uns lag. Darüber – am Fuß des Pumo Ri – ein überdimensionaler Maulwurfshügel: Kala Pattar!
Auf dem Zimmer machten wir uns Milchnudeln und Schokogries. Danach war Faulenzen angesagt.
Am späten Nachmittag schien die Wolkendecke aufzureißen und Michael, Daniela und ich stiegen noch den halben Weg auf den Kala Pattar hoch, wo wir fantastische Ausblicke auf den Everest im Abendlicht genießen konnten. Die Wolken verdeckten ihn zum Teil, dann gaben sie die Spitze frei oder auch mal den ganzen Berg. Andere Trekker, die ganz hochgestiegen waren, kamen über die Wolken und in den Genuss eines farbenfrohen Sonnenuntergangs am Mt. Everest.

13.05.2004
18. Trekkingtag
Gorak Shep – Everest Base Camp (EBC) – Gorak Shep
08.15 – 16.30
Tagesausflug zum EBC.
Der Weg zum EBC ist nicht schwierig, aber anstrengen. Zuerst folgt er eine Weile dem Grad der Seitenmoräne des Khumbu-Gletschers bergauf – bergab. Dann quert er den Gletscher zum EBC. Kurz vor dem Basislager liegt ein zerstörter Hubschrauber, der 2003 wegen zu starken Windes abgestürzt war. Pilot und Copilot kamen ums Leben. Das EBC ist riesig, aber irgendwie unorganisierter, als man in Fernsehberichten den Eindruck bekommt. Während wir da waren beherbergte es insgesamt ca. 300 Menschen. Jeder scheint die kleinste Stelle in diesem riesigen Schutthaufen, die auch nur annähernd gerade ist, für ein Zelt zu nutzen. Oft sind die Felsen, auf denen die Zelte stehen, kleiner, als die Innenzeltfläche.
Ziemlich am Anfang kamen wir am Zelt der stattlich malaysischen Expedition vorbei, deren Mitglieder uns hereinbaten und uns heiße Schokolade, Tibetisches Brot und Curry-Chily-Paste dazu anboten. Alles sehr lecker. Die Malaysier hatten zwei eigene Kletterer (Studenten) und diverse Sherpas am Berg. Darunter einen neunfachen Gipfel-Veteran und den Geschwindigkeitsrekordhalter. Wenige Tage später sollte die Expedition erfolgreich den Gipfel erreichen. Genauso wie ca. 120 weitere Bergsteiger, die 2004 den Berg von der Südseite aus bezwangen. Tragische Unglücke gab es auch dieses Jahr wieder, aber nur auf der Nordroute.
Wir unterhielten uns lange und sehr nett. Am Ende füllten wir noch Fragebögen aus und wurden zu wissenschaftlichen Zwecken medizinisch durchgecheckt (Puls, Blutdruck, Sauerstoffgehalt im Blut). Alle waren im grünen Bereich. Michael war am oberen Rand des Blutdruckrahmens, Daniela und Christelle am unteren. Der Star des Nachmittags war allerdings Daniela mit 72 Puls, die damit das komplette malaysische Team unterbot und den Arzt zu der Frage veranlasste, warum nicht sie den Everest besteige.
Schließlich zogen wir weiter und kochten uns am Fuß des Khumbu-Eisbruchs, der vom Basislager lange nicht so bedrohlich aussieht wie auf Fernsehbildern, Mittagessen. Danach bummelten wir durchs EBC, trafen noch eine nette Gruppe Spanier und Basken, die uns eine Art M&Ms schenkten und machten uns auf den Rückweg, auf dem Michael starke Kopfschmerzen bekam.

14.05.2004
19. Trekkingtag
Gorak Shep – Lobuche
12.30 – 14.45
Am Morgen bestiegen wir den Kala Pattar (5.600m) und genossen ein letztes Mal die atemberaubende Aussicht auf den Everest, der von hier alles dominiert. Wirft man einen Blick ins Tal hinunter, überragt die Ama Dablam in strahlender Schönheit eine Bergkette, die sich mit lotrechten Eisflanken im Chukungtal nach Osten zieht.
Als wir uns satt gesehen hatten, stiegen wir ab und weiter das Tal hinunter zurück nach Lobuche.
Dort wollten wir entscheiden, ob wir am nächsten Tag über den ca. 5.500m hohen Kongma La oder durchs Tal nach Chukung gehen wollten.

15.05.2004
20. Trekkingtag
Lobuche – Kongma La
8.00 – 13.30
Wir hatten uns für den Kongma La entschieden und standen morgens voller Erwartung auf, nur um festzustellen, dass draußen dichter Nebel herrschte. Das erste mal im Urlaub. Da es aber langsam besser wurde, brachen wir dennoch in Richtung Kongma La auf und noch bevor wir richtig unterwegs waren, riss die Wolkendecke auf.
Wir überquerten den Khumbu-Gletscher und gingen dann den pass an.: Zuerst noch über Wiesen, dann nur noch Geröll. Es war, wie uns ein Belgier ein paar Tage zuvor stöhnend geschildert hatte: „Stones, stones, stones!“
Der Ausblick oben, auf gut 5500 m Höhe entschädigte für die Mühen:
Ama Dablam, Makalu, Lhotse und Nuptse in einer Kette weiterer wunderschöner Berge in strahlendem Sonnenschein. Wir stiegen nur noch ein paar Meter zu einem schönen See direkt unterhalb des Passes ab und schlugen die Zelte auf.

16.05.2004
21. Trekkingtag
Kongma La – Dingboche
7.20 – 12.00
Noch in der Nacht wurde ich höhenkrank! Ich hatte das Gefühl zu ersticken, meine Lunge schmerzte beim Liegen in jeder Stellung, folglich machte ich kein Auge zu. In der Nacht und am Morgen musste ich mich dann noch übergeben. Erstaunlicherweise hatte ich nicht die leichtesten Kopfschmerzen. In Folge meiner Probleme konnte Daniela auch kaum schlafen und war am Morgen fast so gerädert wie ich.
Da es mir morgens nicht besser ging, stiegen wir sofort ab, ohne noch den Pokhalde zu besteigt, wie ursprünglich geplant. Daniela packte das ganze Zeug zusammen und die anderen drei nahmen mir Sachen ab, um das Gewicht meines Rucksackes zu minimieren. Von den schönen Blicken auf Ama Dablam, Nuptse und Lhotse nahm ich an jenem Tag kaum etwas wahr. Der Abstieg war die Hölle! Mir tat alles weh. Leider ging es recht flach bergab. Dabei wollte ich nur so schnell wie möglich Höhe verlieren. Nach ca. 200 hm verschwanden die Symptome der Höhenkrankheit. Die Schwäche blieb! Irgendwo hatten wir auch den Weg verloren und stiegen jetzt auf der Direttissima im Flussbett ab. Umsonst hoffte ich, wir könnten in Bibre übernachten: der Ort war ausgestorben, keine Menschenseele! Also gingen wir weiter nach Dingboche. Dort stiegen wir total erschöpft (jedenfalls Daniela und ich) in einer tollen Lodge ab.
Am Abend ereilte mich das fast schon erwartete Erschöpfungsfieber.

17.05.2004
22. Trekkingtag
Dingboche
Michael stieg auf den Chukung Ri (4 Std.), wobei ihm das Wetter genauso einen Strich durch die Rechnung machte, wie uns unten im Tal: Nebel mit Sichtweiten teils unter 50 m.
Wir gingen durch Dingboche, schauten uns die beiden kleinen Chorten an und legten uns dann wieder hin.
Insgesamt ein echter Schlaftag.

18.05.2004
23. Trekkingtag
Dingboche – Tengboche
9.20 – 13.00
Es ging stetig im Tal bergab, bis wir den Fluss querten und dann bergauf nach Tengboche. das Wetter hatte sich zwar gebessert, die Berge um uns herum blieben jedoch in den Wolken, so dass wir eigentlich nur „Strecke machten“.
Tengboche liegt in Rhododendron-Wäldern auf einem Bergrücken und besteht hauptsächlich aus Lodges und einer recht großen Klosteranlage.
Wir kauften im Besucherzentrum einen Schal für Nicole und Thomas (Danielas und Michaels Cousine und ihr Freund, die im Oktober heiraten) und sahen uns dann den zeremonienraum des klosters an:
Ein annähernd quadratischer Raum (ca. 12-14m lang, ca. 4 m hoch), dessen vorderes Drittel ein großer Altar beherrscht. In der Mitte thront eine große vergoldete Buddha- Statue, daneben zwei stehende Statuen. Dahinter ist die Wand bedeckt mit bemalten Holzschnitzereien mit Tier- und Landschaftsmotiven, in deren Mitte jeweils ein Buddha-Kind sitzt. Der gesamte Raum ist vollständig bemalt, inkl. der Kassettendecke. Reine Ornamentik bildet die Ausnahme, in der Regel sind es Bilder von Tieren und Landschaften und auch hier sitzt in der Mitte eines jeden Bildes ein Buddha.
Vor dem Altar steht mittig eine Art Thron, wohl für den Lama. Im Raum sind vier Längsbänke ohne Lehnen. An sie gelehnt bzw. neben ihnen stehen historische Instrumente: Trommeln Cymbals und eine Art Mischung aus Alphorn und Didgereedoo.
Nachdem wir den Raum besichtigt hatten, fragten wir nach einer Audienz beim Lama, um den Schal segnen zu lassen. und der junge Novize bestellte uns für 15.30 und schenkte uns drei weitere Schals, damit jeder einen hätte.
Also gingen wir um 15.30 wieder hin. Der Lama war wohl nicht da, also führte uns der Novize zum Hauptmönch (Head-monk). Dieser saß im ersten Stock einer kleinen Hütte auf einer Bett-Bank. Wir knieten einzeln nieder, hielten unsere Schals hin und er nahm sie, um sie uns darauf segnend um den Hals zu legen. Christelle, die als letzte gesegnet wurde, legte einen zusätzlichen Schal, in den wir Geld als Spende getan hatten, vor dem Mönch nieder. Dann gab es noch gesegnet Bonbons und jeder sollte sich nochmals vor dem Mönch hinknien, damit dieser uns eine obergesegnete rote Kordel um den Hals knoten konnte („big blessing“).
Um vier nahmen wir am gemeinsamen Gebet teil. Es dauerte über 1 ½ Std. und die Mönche sprachen und spielten auf ihren Instrumenten, anfangs scheinbar ohne Ordnung, irgendwie löste sich die vermeintliche Kakophonie nach einiger Zeit immer wieder harmonisch auf. Verstehen konnten wir natürlich nichts. Während der Zeremonie liefen Novizen umher und gaben den Mönchen Tee und Essen, das diese z.T. aßen, z.T. am Ende mitnahmen. Die anwesenden Touristen bekamen etwas Popcorn und Kropek, das wir vor Ort gleich aßen. Entsprechend groß war der Schrecken, als ein Novize herumging und bei den Mönchen gerade das Popcorn und Kropek wieder einsammelte. Glücklicherweise kam er nicht bei uns Touris vorbei.

19.05.2004
24. Trekkingtag
Tengboche – Monjo
7.30 – 16.45
Wir verließen tengboche bei Nebel, durch den sich immer wieder die Sonne kämpfte und stiegen 600 hm ab, querten den Fluss und durch Rhododendron-Wälder wieder gut 300 hm auf. Es war angenehmes gehen auf breiten Wegen (dem „Trekkers-Highway“). Die Pausen verkürzten uns Michael und Christelle mit ihren andauernden und hochamüsanten Diskussionen darüber, wer mehr der letzten (unter anderem von uns geschenkten) Müsliriegel gegessen hatte.
Ohne großartige Unterbrechungen kamen wir gegen 12.00 nach Namche, gönnten uns in „Herrmann Helmers Bäckerei und Konditorei“ Salami Sandwiches und Cola und zogen los auf Souvenirjagd. Nachdem wir uns via Internet davon überzeugt hatten, dass zu Hause alles o.k. war, erstanden wir je einen Strickpullover für Daniela und mich, eine Mütze für meine Mutter und jede Menge Mt.Everest-Whiskey für Freunde, Familie und uns selbst.
Nach einem weiteren Stück Kuchen in der Bäckerei stiegen wir im leichten Regen nach Monjo ab.
Nachdem wir uns bei der Nationalparkverwaltung abgemeldet hatten, nahmen wir die gleiche Lodge, die ich auf dem Hinweg als nobel und teuer empfunden hatte und die mir jetzt (nach den Hochgebirgspreisen) unheimlich günstig vorkam. Nach einem Eimer heißen Wassers zum Waschen/Duschen (seeehr angenehm) ließen wir den Tag beim ersten Bier seit Wochen ausklingen.

20.05.2004
25. Trekkingtag
Monjo – Lukla
8.00 – 13.15
Es regnete. Nicht stark, aber ständig. Wir liefen den Weg zurück, den wir Wochen zuvor bei strahlendem Sonnenschein, voller Erwartung der hohen Berge in entgegengesetzter Richtung gekommen waren.
Ich hatte am Morgen (das erste Mal) richtig Durchfall bekommen und fühlte mich schlapp und unwohl. Daher galt die ganze Konzentration dem Laufen.
Nach drei Stunden machten wir eine Pause in einem Teehaus, an dem wir – allerdings in der Sonne – schon einmal Pause gemacht hatten. Im Teehaus war für eine Geburtstagsfeier dekoriert und ein pyramidaler Sherpakuchen, der steinhart aussah, stand auf dem Tisch. Der relativ junge Besitzer erzählte ganz stolz, dass sein Sohn, den er die ganze Zeit in einer Kraxe auf dem Rücken mit sich herumtrug, morgen ein Jahr alt würde. Nach einer Cola verabschiedeten wir uns und stiegen die letzten 1 ½ Std. unserer Tour bergauf nach Lukla.
Lukla ist ein sehr massives Städtchen, dem man an der Bauweise ansieht, dass das material nicht getragen werden muss, sondern eingeflogen wird.
Der Flughafen ist abenteuerlich. Die Starbahn ist kurz, stark abfallend und endet im Nichts, bzw. einem mehrere hundert Meter tiefen Abgrund.
Nach dem essen schloss sich Christelle noch mit einer Flasche Everest-Bier in der Dusche ein, um fünf Minuten später mit der „ausgezogenen“ Flasche und den wirklich sehenswerten Etiketten fürs heimische Fotoalbum wieder herauszukommen.

21.05.2004
Lukla – Katmandu

Am Morgen gingen wir zum Flughafen, checkten uns und unser Gepäck ein und warteten, ob wohl Flieger kommen würden. Nach einiger zeit plötzlich ein Dröhnen und ohne dass man die Maschine hätte Landen sehen können, rollte plötzlich ein kleiner „Vogel“ auf die Parkfläche. Keine zwei Minuten später wiederholte sich das Schauspiel. Wir wurden im Laufschritt zu einem der beiden Flugzeuge getrieben und binnen 5 Min. seit der landung, waren wir auch in der Luft. Vom Start, den ich mir so spektakulär vorgestellt hatte, bekam man nichts mit, da der Flieger einfach am Ende der Startbahn gerade weiterflog, wo der Boden nach unten verschwand.
Nach 40 min. ruhigen Fluges in einer 25-Personen-Maschine landeten wir wohlbehalten in Katmandu, wo wir ein Taxi nach Patan nahmen.
22.5. – 24.05.2004
Patan (Katmandu)
Die letzten drei vollen Tage unseres Urlaubs stürzten wir uns ins pralle Leben Katmandus und der Umgebung.
Wir holten an Konsum und Kultur ein bisschen nach, was wir in 25 Tagen Natur nicht (vermisst) hatten, bekamen noch ganz andere Eindrücke von Nepal als in den Wochen davor und flogen am 24. 05.2004 gesättigt und glücklich, wenn auch z.T. erkältet und Magen-Darm-krank zurück nach Hause.




Gruß
Tom

tsfc
01.06.2004, 10:43
Interessanter Reisebericht! :) . Folgen auch noch Bilder?

Gruß,
Tom

Flachlandtiroler
01.06.2004, 11:17
Hallo Tom,

vielen Dank für den superinteressanten Reisebericht (und die PN). :) Ihr wart ja ganz schön fleißig... da sieht man wirklich gut, wieviel härter so ein Trek ohne Trägerkolonne und Sherpakoch ist.
Wie seid Ihr eigentlich mit dem Freigepäck (IIRC 14kg) hingekommen auf dem Rückflug Lukhla-KTM? Oder war in den 17-27kg Rucksäcken ein größerer Anteil Proviant?

Gruß, Martin

asrael
01.06.2004, 16:25
@ tsfc:
Leider nein, habe weder einen Scanner, noch andere Möglichkeiten, meine Dias irgendwie in den Computer zu bekommen. Übers Diskettenlaufwerk hats jedenfalls bisher nicht geklappt :wink:

@ Flachlandtiroler:

Mit dem Gepäck gings. Nachdem Proviant und Wasser raus waren, haben wir uns noch die Taschen mit relativ schweren Sachen vollgestopft und die Spiegelreflex und ein bisschen mehr ins Handgepäck genommen. Die dann noch übrigen 17-18 kg im Durchschnitt haben sie nicht moniert. Aber schlimmstenfalls hätte ich auch die 50 Cent pro kilo "Strafe" gezahlt.

tsfc
02.06.2004, 09:33
Da kann man dann wohl nichts machen :cry: .... Aber der Reisebericht bietet ja hinreichend Gelegenheit, sich der Phantasie hinzugeben und eigene Bilder im Kopf zu entwickeln :) .

Gruß,
Tom

LuNAtiC
02.06.2004, 09:45
das war echt interessant zu lesen... ihr seid echt an eure körperlichen limits gegangen...
bis auf daniela... die könnte echt mal ruhig zum gipfel ;-)

MichaelL
07.06.2004, 18:36
Da kann man dann wohl nichts machen :cry: .... Aber der Reisebericht bietet ja hinreichend Gelegenheit, sich der Phantasie hinzugeben und eigene Bilder im Kopf zu entwickeln :) .


Sobald ich mich von den diesmal wirklich reichhaltigen Nebenwirkungen :kotz:
unseres Trips erholt habe, werde ich mal das eine oder andere Bild durch
den Scanner schicken.

Michael

PS:
Meiner Meinung nach sollte man in Kathmandu möglichst folgende Dinge
vermeiden:
1. Essen
2. Trinken
3. Atmen
4. Irgendwas anfassen

MichaelL
17.06.2004, 09:35
....werde ich mal das eine oder andere Bild durch
den Scanner schicken.


Ich nehm alles zurück und behaupte das Gegenteil.
Hab mir gerade die Bedienungsanleitung dieser Web-
Seite durchgelesen. Bilder hochladen ist leider nicht
möglich.

Gruß

Michael

Flachlandtiroler
17.06.2004, 09:44
Hab mir gerade die Bedienungsanleitung dieser Web-
Seite durchgelesen. Bilder hochladen ist leider nicht
möglich.
Aber Hotlinking -- Du brauchst halt irgendwo eigenen webspace, siehe auch den entsprechenden FAQ-Thread (http://forum.outdoorseiten.net/viewtopic.php/t.3079/) (arcor in diesem Fall, gibt sicher noch andere).

Gruß, Martin

MichaelL
17.06.2004, 13:32
Auf dem Taksindu La:

http://www.arcor.de/palb/alben/33/802933/1280_3861636161333139.jpg

Irgendwo zwischen Jiri und Lukla:

http://www.arcor.de/palb/alben/33/802933/1280_3365383835306133.jpg

Auf den Weg nach Namche:

http://www.arcor.de/palb/alben/33/802933/1280_3931643465303130.jpg

Namche:

http://www.arcor.de/palb/alben/33/802933/1280_6336363765616465.jpg

Hermann Helmers Bäckerei und Konditorei (Namche):

http://www.arcor.de/palb/alben/33/802933/1280_6663393034323634.jpg

Kein Grund, sich über unser Rucksackgewicht zu beklagen:

http://www.arcor.de/palb/alben/33/802933/1280_3133363364323038.jpg

Gokyo:

http://www.arcor.de/palb/alben/33/802933/1280_3163353331376337.jpg

Auf dem Gokyo Ri:

http://www.arcor.de/palb/alben/33/802933/1280_3461306435396230.jpg

Everest:

http://www.arcor.de/palb/alben/33/802933/1280_6439303161356365.jpg

Zelten am fünften See:

http://www.arcor.de/palb/alben/33/802933/1280_3338383536366663.jpg

Aufstieg zum Cho La:

http://www.arcor.de/palb/alben/33/802933/1280_6563656363626235.jpg

Hinter dem Cho La:

http://www.arcor.de/palb/alben/33/802933/1280_3166623234333432.jpg

Everest im Abendlicht:

http://www.arcor.de/palb/alben/33/802933/1280_3966366336623565.jpg

Khumbu-Eisfall:

http://www.arcor.de/palb/alben/33/802933/1280_3631643234663939.jpg

Impressionen aus dem Everest-Basecamp:

http://www.arcor.de/palb/alben/33/802933/1280_6633366331396134.jpg

Pumori:

http://www.arcor.de/palb/alben/33/802933/1280_3965613132303064.jpg

Kongma-La vorraus:

http://www.arcor.de/palb/alben/33/802933/1280_3233636630323133.jpg

Zelten am Kongma-La:

http://www.arcor.de/palb/alben/33/802933/1280_6237316633623463.jpg

Ama Dablam:

http://www.arcor.de/palb/alben/33/802933/1280_3464353163346530.jpg

Das wird einmal ein Yak:

http://www.arcor.de/palb/alben/33/802933/1280_6439626665313961.jpg

Das werden einmal Nepalis:

http://www.arcor.de/palb/alben/33/802933/1280_3132323138646137.jpg

Lukla:

http://www.arcor.de/palb/alben/33/802933/1280_6439643538363962.jpg

Ober-Segnung in Tengboche:

http://www.arcor.de/palb/alben/33/802933/1280_3562363035663139.jpg

Ende:

http://www.arcor.de/palb/alben/33/802933/1280_3665666363613430.jpg

Flachlandtiroler
17.06.2004, 14:38
http://www.multidat.de/vis/smilies/eusa_clap.gif http://www.multidat.de/vis/smilies/eusa_clap.gif http://www.multidat.de/vis/smilies/eusa_clap.gif

(Wow, das ging ja fix mit arcor...)

Gruß, Martin

Scotlandfan
18.06.2004, 09:23
Oooooh, tolle Bilder! Danke, dass du dir extra die Mühe gemacht hast! :D

Michael Boos
20.06.2004, 23:16
Das sieht so aus, als ob die Piste in Lukla nun asphaltiert sei - trügt das oder ist das so?

Flachlandtiroler
21.06.2004, 08:33
@Michael Boos:
Korrekt, AFAIR war deswegen (vor-?) letztes Jahr die Piste für 'ne Weile zu.
Ändert aber nix an dem Thrill, ich würde da nicht unbedingt landen wollen... :roll:

Gruß, Martin

Aoraki
21.06.2004, 09:32
Ändert aber nix an dem Thrill, ich würde da nicht unbedingt landen wollen... :roll:

Gruß, Martin

Also ich fand die Landung in Lukla nicht so schlimm, und ich bin bei kleinen Flugzeugen (ich sag nur Yeti-Airlines - kein Witz!!) und selbstmörderischen Pisten eher ein Angsthase. Leute, die noch die alte Piste kannten, meinten, die neue sei extrem viel besser und sicherer.

Gruß,

Sylvia

Michael Boos
21.06.2004, 09:47
Naja, ich fragte, weil ich bloss den alten Runway kannte, der holperte durchaus etwas. Aber wenn ein Flugzeuch bis zum untern Ende nicht in die Luft kommt, dann liegt das nicht am Belag, sondern an Überladung und idR. ist es dann trotzdem in die Luft gekommen (und geflogen) :roll:

Flachlandtiroler
21.06.2004, 10:04
Naja, ich fragte, weil ich bloss den alten Runway kannte, der holperte durchaus etwas.
Wieder vergessen, die Ziegen vorher wegzutreiben? :bg: Im Zweifel halt zu Fuß von Jiri losgehen.

Start ist kein Problem in Lukla, das Problem liegt darin, beim Landen (= Höhe verlieren) wieder etwas hochzuziehen, da die Piste ja ansteigt. Und Durchstarten iss' nich... :shock:

Gruß, Martin

MichaelL
21.06.2004, 23:19
(Wow, das ging ja fix mit arcor...)
War ja gar nicht so schwer. :D


Oooooh, tolle Bilder! Danke, dass du dir extra die Mühe gemacht hast!
Daaaanke. Die komplette Bildersammlung findet sich übrigens auf
http://www.arcor.de/palb/thumbs_public.jsp?catID=42&albumID=3057731


Das sieht so aus, als ob die Piste in Lukla nun asphaltiert sei - trügt das oder ist das so?
Das ist definitiv so.


Korrekt, AFAIR war deswegen (vor-?) letztes Jahr die Piste für 'ne Weile zu.
Ändert aber nix an dem Thrill, ich würde da nicht unbedingt landen wollen...
Das Starten ging im übrigen so schnell, das man überhaupt keine richtige
Zeit hatte, in Panik zu verfallen (was ich mir eigentlich fest vorgenommen
hatte).
Das Landen scheint aber auch nicht so problematisch zu sein, Unfälle
passieren dort AFAIK eher selten.


Im Zweifel halt zu Fuß von Jiri losgehen
Dann muss man aber auch eine Busfahrt nach Jiri (oder irgendwas
vergleichbares) in Kauf nehmen. Ich bin mir nicht sicher, wo jetzt die
größeren Überlebens-Chancen bestehen. ;-)

Flachlandtiroler
22.06.2004, 00:57
Das Landen scheint aber auch nicht so problematisch zu sein, Unfälle passieren dort AFAIK eher selten.

Im Zweifel halt zu Fuß von Jiri losgehen
Dann muss man aber auch eine Busfahrt nach Jiri (oder irgendwas
vergleichbares) in Kauf nehmen. Ich bin mir nicht sicher, wo jetzt die
größeren Überlebens-Chancen bestehen. ;-)
Spricht doch einiges für die ganz klassische Route: KTM-EBC :bg: ;-)
Von mir auch nochmal herzlichen Dank für die schönen Bilder,
Martin

daywalker
22.06.2004, 01:33
Hi !


Das Landen scheint aber auch nicht so problematisch zu sein, Unfälle
passieren dort AFAIK eher selten.

:bg:
http://aviation-safety.net/database/2004/040525-0.htm

Was mich etwas nachdenklich macht ... das ist genau die Maschine, in der ich am 28.2.04 sass (die Kennung ist jedenfalls gleich).

Viele Grüsse

Carsten

Michael Boos
22.06.2004, 18:25
Offenbar gings da beim Crash um den Landeanflug ins Tal über den Pass, und nicht ums Landen auf dem neu asphaltierten Airstrip selbst.