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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [SK] Slowakei - Slowakisches Paradies und Niedere Tatra



RadhausSchneider@gmx.de
09.11.2010, 04:31
Land: Slowakei
Reisezeit: August/September
Region: Osteuropa


Unterwegs mit einer Jugendgruppe in der Slowakei

Ich beschreibe hier eine Tour und die Problematiken die sich ergeben, wenn man in einer organisierten Tour der Pfadfinder unterwegs ist und das Wetter einfach nicht mitspielen will. Wir waren eine Gruppe mit teils Berg erfahrenen Wanderern, aber auch mit Einsteigern, die zum ersten Mal die Stiefel für mehr als einen Tag geschnürt haben. Zwei Teamer und zwölf Teilnehmer sind in ein unbekanntes nahes Land gefahren und mit wundervollen Eindrücken wiedergekommen.

27.08./28.08.2010
Nachdem wir in Bempflingen unsere Ausrüstung für die nächsten siebzehn Tage geprüft haben und keine Mängel aufgetreten sind, nimmt uns uns freundlicherweise der Vater von H. zusammen mit einem weiteren Teilnehmer mit zum Busbahnhof mit nach Obertürkheim zum Busbahnhof. Relativ zügig treffen die einzelnen Teilnehmer der Freizeit ein. Vereinzelt werden noch die Rucksäcke ausgemistet, wo Mutter es mit der Menge an Kleidung dann doch zu gut meinte. Der Bus trifft eine halbe Stunde zu spät ein, schnell geentert und als unbequem eingestuft. Die Busfahrer verstehen weder Englisch noch Deutsch, sind aber einigermaßen kooperativ. Nach der anfänglichen Unpünktlichkeit kommen wir in Poprad, unserem Ausgangsort nördlich des Slowakischen Paradieses, sogar einiges vor der Zeit nach Fahrplan an. Da wir noch Umpacken und Einkaufen, verpassen wir unseren ersten Zug nach Spisske Tomasovce und planen um. Es wird nach Spisska Nova Ves gefahren, um von dort aus entlang des Hornadu nach Cingov zu wandern. Der eigentlich für die Unterkunft geplante Campingplatz, der noch eine existente Homepage online hat, existiert nicht! Nach Befragung anderer Wanderer erfahren wir, das eine dreißig Minuten entfernte ein Ferienanlage auch Campingmöglichkeiten anbietet. Dieser wird für die nächsten zwei Tage unser Ausgangspunkt für unsere Ausflüge ins Paradies.

29.08.2010
Um sieben Uhr stehen wir auf und schmeißen die Kocher für einen warmen Tee an einem kalten Morgen an. Nach und nach stehen die Teilnehmer auf und lassen sich das Müsli schmecken. Die Flaschen werden aufgefüllt, das Notwendigste eingepackt und brechen zum Hrdlo Hornadu, dem Hornadodurchbruch auf. Da uns die Markierungen in die Irre führen, besteigen wir anstelle eines klettersteigähnlichen Steigs zu gehen den Certova sihot und erreichen nach anschließender Orientierung das eigentliche Tagesziel, den Hornadodurchbruch. Dort gönnen wir uns oberhalb einer Felswand eine Brotzeit bei fantastischer Aussicht. Unser Weg führt uns anschließend durch die zu durchwandernde Schlucht Sucha Bela. Es geht über gesicherte Felspassagen, Brücken, Leitern und durch Watstellen. Insgesamt sehr lohnenswert. Da es spät geworden ist, geht es ohne große Pausen zurück zum Campingplatz. Wegsperrungen und dadurch nicht eingeplante Umwege lassen uns nach zehn Stunden Wanderfreude über eine heiße Dusche und die gemeinsame Essenszubereitung freuen. Zur Erhaltung der sehr gut gepflegten Wanderanlagen wird vor dem Eintritt in den Nationalpark Slowakisches Paradies ein Eintritt von ein Euro fünfzig pro Wanderer erhoben.

30.08.2010
Wir stehen wieder gegen sieben auf. Wie auch gestern gibt es Müsli und heißen Tee. Heute brechen wir die Zelte ab, um nach Dedinky aufzubrechen, südlich gelegen von unserem jetzigen Ort. Um den Eintritt kommen wir auch heute nicht rum, da dieser leider nur für den jeweiligen Tag gilt. Der Weg heute führt uns erneut durch eine Schlucht, der Tomasovska Bela. Diesmal geht es mit vollem Gepäck über die Holzstege, was auf Grund der Feuchtigkeit nicht jedem leicht fällt. Die Erosion hat dem Weg an manchen Stellen arg zugesetzt, so dass manchmal ein neuer Weg gesucht werden muss bzw. eine Klettereinlage notwendig ist. An der Hälfte der heutigen Tagesetappe, an einem gestauten Fluss machen wir Mittagspause. Während wir essen fängt es an zu regnen. Und das wird sich die nächsten Tage auch nicht ändern. Die letzten 300 Höhenmeter bis zur Hochebene Gerchavy führen steil durch eine Klamm. Obe angekommen empfangen uns entlaufene Pferde eines nahe gelegenen Hofes. Da sich das Wetter nicht wirklich bessert, zieht es uns zügig ins Tal zum dieses Mal existenten Campingplatz. Bei der Planung der Tour habe ich mich auf ein Bad des hier idyllischen Bergsees gefreut, ist mir jetzt aber zu kalt. Die nassen Klamotten werden zum Trocknen aufgehängt, sind am nächsten Morgen aber nicht wirklich trockener.

31.08.2010
Heute feiert H. seinen siebzehnten Geburtstag. Das Wetter feiert allerdings nicht mit. Es gießt genau wie gestern aus einem Guss. Das Frühstück verlegen wir deshalb einfach in die sanitären Einrichtungen, ist eh keiner anderen Camper da. Eigentlich wollen wir den Besuch eine in der Nähe gelegene Eishöhle mit einer Tagestour verbinden. Da ich mir allerdings nicht sicher bin, ob diese geöffnet hat, reisen wir einen Tag früher in Richtung Hohe Tatra ab. Die Wartezeit am Bahnhof verkürzen wir uns mit einer Tanzstunde unserer Tänzer B. und P. Dafür gibt es Applaus von vorbeifahrenden Arbeitstrupps der slowakischen Bahn. Gewärmt und trocken erreichen wir Poprad. Nach ein paar Einkäufen nehmen wir ein improvisiertes Mittagessen zu uns. Im Bahnhof werden drei Teilnehmer von einem Kind mit Messer bedroht, anscheinend angestiftet von einem Erwachsenen. Es bleibt aber Gott sei Dank harmlos. Da wir keine feste Unterkunft bekommen, verlassen wir Poprad in nördliche Richtung und Campieren wild zwischen einem Friedhof und Bahngleisen. Beim Kochen fängt die Pumpe eines Kochers Feuer und versetzt uns einen gehörigen Schrecken. Wäre da nicht noch der Geburtstag von H. zu feiern, wäre dies auf Deutsch gesagt ein echt beschissener Tag.

01.09.2010
Früh stehen wir auf, da wir heute in die Hohe Tatra wollen. Das Wetter zeigt sich weiter launisch, auf Grund wachsender Routine gelingt der Aufbruch heute aber eine ganze halbe Stunde früher. Der Weg zum Bahnhof ist nicht weit, hier frühstücken wir im Trockenen. Zum Aufwärmen lässt sich die kurze Zugfahrt nach Strbske Pleso herrlich nutzen. Wieder zeigt sich das Wetter regnerisch und heute zudem auch stürmisch. Um die Verhältnisse in der Tatra weiter ob zu prüfen, breche ich mit zwei Teilnehmer nach der Ankunfkt am Zielort zum Predne Solisko (2093m) auf. Der Rest der Gruppe möchte zu einem Wasserfall, dreht allerdings nach fünf Minuten um, da trotz Regenkleidung die meisten schon jetzt durchnässt sind. Unterschlupf gewährt die Nationalparkverwaltung mit ihren freundlichen und saufenden Parkrangern. Ich schaffe es mit meinen beiden Mitstreitern immerhin auf knapp unter 2000m. Zum Gipfel hat es zwar nicht mehr viele Höhenmeter, aber es geht über einen ausgesetzten Grat und der Wind hat in Böen hier oben Orkanniveau. Da drehen wir doch lieber um. Durch den Knie hohen Schnee steigen wir ab entlang der malerisch gelegenen Bergbahn. Im Tal angekommen stoßen wir zum Rest der Gruppe, die sich inzwischen mit den Rangern angefreundet hat und die Einladung zum Wodka gerne angenommen hat. Um sechzehn Uhr müssen wir aus dem lieb gewonnen Quartier weichen und stehen jetzt auf einen Bus wartend in einer Bushaltestelle. Der kommt natürlich nicht, da umgestürzte Bäume den Weg blockieren. Da unser Budget begrenzt ist und wir hier in der Gegend keine Möglichkeit zum Campen sehen, grasen wir die hier befindlichen Hotels auf der Suche nach einer Bleibe für die Nacht ab. Klappt natürlich nicht. Doch dann wendet sich das Blatt ein bisschen. Es fährt noch eine Zahnradbahn ins Tal. Das Problem mit der Unterkunft für die Nacht löst sich dann auch, wir dürfen den Bahnhof nutzen und bekommen sogar eine Toilette aufgeschlossen. Auf Grund des Wetters ist die Motivation unter den Teilnehmern schlecht und es kommt zu Diskussionen über die Fortsetzung der Freizeit. Die Entscheidung wird einseitig von den Teamern für die Fortsetzung der Freizeit getroffen.

02.09.2010
Die Nacht im Bahnhof war kurz. In der Nacht haben Betrunkene im Bahnhof ihren Rausch ausgeschlafen und mich wach gehalten. Der erste Zug bringt uns nach Hrbok, wo wir auf einem Campingplatz die Zelte aufbauen und anschließend unseren ersten Vorstoß in die Niedere Tatra auf den Selmä (1503m) unternehmen. Unterwegs werden wir mit der deutschen Vergangenheit konfrontiert, da Aushänge immer wieder auf ein Massaker der Wehrmacht hinweisen. Auf dem Gipfel liegt ein Wrack eines Flugzeugs, das hier mit Widerstandskämpfern an Bord im Zweiten Weltkrieg abgestürzt ist. Da heute die Sonne scheint, sind die Diskussionen von gestern schnell vergessen.

03.09.2010
Zum Frühstück um sieben gibt es heute selbst gemixtes Müsli in der Großküche des Campingplatzes. Für den Aufbruch lassen wir uns allerdings Zeit, da heute nur eine Halbtagesetappe in die Umgebung des Campingplatzes auf dem Programm steht. Vorher kiaufen wir noch Kleinigkeiten im Ort ein und verschicken endlich die Postkarten. Die Tour ist angenehm und führt am Flüsschen Vah entlang. Auf dem Rückweg entdecken wir die campingplatzeigene Brücke, die uns speziell am langen Vortag einige Kilometer gespart hätte. Zum Abschluss des Tages gibt es Stockbrot überm Lagerfeuer.

04.09.2010
Auf Grund von Krankheit verlassen uns heute zwei Teilnehmerinnen auf eigenen Wunsch. K. organisiert die Heimreise der Beiden und ich stoße mit dem Rest der Teilnehmer vor in die Niedere Tatra, ins Tal Janska Dolina vor. Unser Ziel ist die Überschreitung des Hauptkamms der Niederen Tatra. Das Tagesziel erreichen wir schon um 15.30. Weiter wollen wir heute noch nicht aufsteigen, da die letzen Nächte weiter unten schon relativ kalt waren. Nach kurzer Suche finden wir einen herrlich geschützten Platz zum Wild Zelten. Ein Teil der Gruppe gönnt sich früh einen Mittagsschlaf, während in einem anderen Zelt Karten gespielt wird bzw. sich gegenseitig vorgelesen wird. In der Nacht werden die Gewürzvorräte von einem unbekannten Wildtier geplündert.

Der Bericht wird fortgesetzt und Fotos ergänze ich auch noch. B

Grüße
Thorsten