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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [IN] Ladakh Solo- Zu Fuß durch Klein- Tibet



Wildniswanderer
17.10.2010, 21:01
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Einleitung

Schon seit einiger Zeit faszinierten mich Berichte über die Weiten Tibets. Von den Abenteuern Sven Hedins bis zu den aufregenden Fahrraddurchquerungen von Janne Corax und Martin Adserballe in unseren Tagen, interessierte mich vor allem die riesige, auf durchschnittlich 5000m Höhe gelegene Changtang Hochebene mit ihren Herden von Wildeseln und Tibetantilopen.

Leider sind Individualreisen im chinesisch besetztem Tibet noch immer nicht erlaubt und nur illegal durchführbar. Außerdem hatte ich nur einen Monat Zeit und war noch nie in Höhen über 4000m gewesen. Mich einer organisierten Tour anzuschließen entspricht nicht meinem persönlichen Reisestil, daher kam Tibet für eine Wanderung zunächst nicht in Frage.

Allerdings gibt es eine Gegend die von Landschaft, Klima und Menschen Tibet stark ähnelt: Ladakh, ein Teil Indiens nördlich der Himalaja-Hauptkette. Bis 1974 war dieser Teil der Provinz Jammu und Kaschmir für Ausländer nicht zugänglich und konnte so seine Ursprünglichkeit bewahren. Seit dem hat sich zwar viel geändert und Ladakh ist heute ein beliebtes Ziel des Trekking-Tourismus, was die Logistik der Anreise für mich erleichterte. Andererseits ist Ladakh bei weitem noch nicht touristisch so erschlossen wie beispielsweise viele Teile Nepals und bietet genug Raum für Wanderungen abseits der ausgetretenen Pfade, wie ich sie liebe.

Auf Ladakh wurde ich aufmerksam durch Empfehlungen im Trekkingforum des Internet. Vor allem zog mich auch die Aussage an, dass dort noch eine reiche Fauna existieren würde. Ladakh mit seiner buddhistischen Bevölkerung hatte nie eine Jagdtradition entwickelt, daher sollten die Berge und Ebenen hier noch von Wildschafen und Wildeseln bevölkert sein. Nach einem halben Jahr der Vorbereitung in dem ich viel über Ladakh las, Karten besorgte und meine Ausrüstung ergänzte, begann die Reise hinter den Himalaja Ende August 2007.

Vor dem Trek

Delhi Airport empfängt mich mit feuchten 30 Grad. Obwohl in diesem Land über eine Milliarde Menschen leben, wirkt der Flughafen recht überschaubar, kein Vergleich mit Frankfurt oder Amsterdam. Mein Rucksack konnte nicht nach Leh durchgecheckt werden, daher durchlaufe ich schon hier die harmlose Zollkontrolle.

Um zum etwa 30 Minuten entfernten Inlandsflughafen zu gelangen, besteige ich einen altersschwachen Bus, der jeden Augenblick zusammenzubrechen scheint, und mit gemütlichen 40 km/h dahinzockelt. Ein bewaffneter Soldat steigt zu unserem Schutz mit ein. Überhaupt wimmelt es hier von Militär, man könnte meinen, Indien ist gerade im Kriegszustand!

Mein Weiterflug geht erst am nächsten Morgen, daher muss ich einige Stunde in den Ledersofas der heißen, stickigen Halle verbringen. Es gibt zwar Ventilatoren, die funktionieren aber leider nicht. Dafür gibt es ein Beschwerdebuch, und ein Inder fordert tatsächlich auch andere ausländische Passagiere auf, sich beim Flughafenmanager zu beschweren.

Die Wartezeit vergeht für mich schneller, als ich mit meinem Nachbarn ins Gespräch komme. Der Inder hat die letzten drei Jahre auf Jamaica verbracht, wo seine Familie mit Schmuck handelt.

Gegen 4 Uhr morgens füllt sich die Halle allmählich und es entstehen Schlangen vor den Schaltern. Allerdings verrät kein Hinweis wo welcher Flug eingecheckt wird!
Schließlich gelange ich aber doch pünktlich zum Abflug an Bord der erstaunlich großen Indian Airlines Maschine nach Leh.

Mit dem Sonnenaufgang um 5.30 heben wir ab. Zunächst vereiteln dichte Monsunwolken die Aussicht von meinem Fensterplatz, dann tauchen zunächst schemenhaft erste Schneeflecken auf den Bergen auf. Wir sind über dem Himalaja!

Als wir die Wetterscheide hinter uns gelassen haben, erscheint strahlend blauer Himmel unter dem fantastische Bergketten mit messerscharfen Konturen aufragen. Die Sicht scheint unendlich weit zu reichen. Aus dem Meer der Grate ragen einige freistehende Schneeberge weit empor. 8000 er? Ich bin erstaunt wie lange wir über eine Wildnis aus Fels und Eis fliegen, die weder Vegetation noch ein Zeichen menschlicher Anwesenheit unterbricht.

Dann weichen die Gletscher der Hauptkette zurück und die durch tiefe Täler gegliederten wie Wogen heranbrausenden, braunen, scharfen Kämme der Ladakh Gebirge tauchen auf. Die Landschaft wirkt sehr abweisend, mal schauen was mich in einigen Tagen dort unten erwartet...

Kurz vor der Landung erscheinen die schneebedeckten 6000 er um Leh, dann geht es hinab in die langgestreckte grüne Oase des Industals.
Ich bin erstaunt, als vor dem kleinen Flughafengebäude Massen von Menschen und Autos warten. Einige der Männer sind in traditionelle, lange, braune Mäntel gekleidet, die mich an die Mongolei erinnern. Trotz des Auflaufs stürmt niemand auf mich ein, es geht hier ruhig und höflich zu.

Ich kaufe ein Ticket am Schalter der Taxifahrergewerkschaft wo man mir auch gleich einen Fahrer zuweist. Schließlich haben wir es geschafft uns aus dem Gewusel der Autos herauszuwühlen und wir fahren die nur etwa 2 Kilometer lange Strecke zum Oriental Guesthouse im Ortsteil Chanspa. Ich hatte diese Unterkunft im Internet entdeckt, leider konnte ich aber nicht reservieren. Daher bin ich froh, dass man zu dieser frühen Morgenstunde noch einen Raum für mich hat. Das riesige Doppelzimmer mit integrierter Dusche ist für mich alleine eigentlich viel zu luxuriös, aber da es umgerechnet nur 14 Euro kostet, beziehe ich es gerne.

Die Darstellung im Internet war nicht übertrieben was das Oriental Guesthouse angeht. Drei große, weiß getünchte dreistöckige Gebäude mit Holzbalkonen stellen eine gute Mischung zwischen traditionellem Stil und Moderne dar. Besonders schön ist der Garten voller Blumen, in dem schon jetzt einige Gäste draußen frühstücken.

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Oriental Guesthouse

Für einen Abschnitt meines geplanten Treks benötige ich eine Genehmigung aufgrund der Nähe zur chinesischen Grenze. Eine junge Frau, Dawa, die das Hotel weitgehend alleine zu managen scheint, verspricht sich darum zu kümmern.

Nach der durchwachten Nacht und wohl auch aufgrund der ungewohnten Höhe rast mein Puls mit wilden Schlägen und ich fühle mich wie benommen. Daher lege ich mich erst einmal hin um mich etwas auszuruhen. Das solarbetriebene Wasserheizungssytem lässt mich danach sogar eine warme Dusche genießen!

Etwas erholt, wenn auch noch nicht hundertprozentig wiederhergestellt mache ich mich auf den Weg in die Stadt. Chanspa wirkt ruhig und beschaulich. Es fahren relativ wenige Autos durch die enge Hauptstraße, Pappelhaine spenden Schatten vor der jetzt um die Mittagszeit stechenden Sonne und viele, meist junge westliche Touristen schlendern durch das Viertel.

Es wimmelt von Restaurants, Trekkingagenturen, Guesthouses und Souvenirläden, dennoch herrscht hier eine angenehme Atmosphäre. Ein nettes Plätzchen um einige Tage lang abzuhängen!

Viele der Gartenrestaurants haben einen alten Fallschirm als Sonnenschutz für ihre Gäste gespannt. Ein wohlschmeckendes indisches Mahl mit einer großen Schüssel Reis und dem Chapatti genannten Fladenbrot kostet mich inclusive einer Literflasche Wasser gerade einmal 2 Euro!

Näher zum Stadtzentrum, dem Main Bazaar wird der Verkehr und das Leben auf der Straße sehr viel dichter und hektischer. Dafür reiht sich hier ein Laden an den anderen und Tibeterinnen verkaufen Gemüse direkt auf dem Bordstein. Grünzeug soll ja gesund sein, aber mit Staub- und Abgasgarnierung?

Aus dem Internet hatte ich erfahren, dass man in Leh keine Kartuschen für einen Gaskocher kaufen kann, trotzdem sehe ich mich hier auf dem Main Bazaar danach um. Zahlreiche Läden verkaufen Trekkingausrüstung wie Schlafsäcke und Daunenjacken, daher wundert es mich nicht, dass ich auch bald eine passende Kartusche gefunden habe.

Zurück beim Guesthouse lese ich im Reiseführer,dass es hier einen guten Test für die Akklimatisation gibt: Zu der unweit des Oriental auf einem Hügel gelegenen Shanti Stupa führen über 500 Stufen steil empor.

Natürlich will ich gleich testen, wie dieser Anstieg auf mich wirkt! Zwar gemächlich, aber ohne Probleme gelange ich nach oben zu dem von einem Japaner gestifteten, relativ neuem buddhistischem Heiligtum. Der Blick über die Stadt im Tal und zu den Bergen der Stok-Kette, die jenseits des Industals aufragt, ist fantastisch.

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Blick von der Shanti Stupa über Leh

Schon gegen 18 Uhr geht die Sonne unter und ich gehe zurück zum Hotel. Hier stellt das günstige Abendbuffet einen weiteren Höhepunkt des Tages dar. Suppe, verschiedene vegetarische Hauptgerichte und ein Dessert kann man in üppigen Mengen genießen. Das tue ich natürlich auch, denn sobald ich auf dem Trek bin, werde ich mein Essen streng rationieren müssen.

Allein am Tisch unter den anderen Gästen fühle ich mich ein wenig einsam, komme dann aber bald mit einem anderen Soloreisenden ins Gespäch. Der 59-jährige Joseph hat bisher ein sehr interessantes Leben hinter sich: Mit 18 ist er aus der Tschechoslowakei nach Australien ausgewandert, wo er in abgelegenen Minen im Busch gearbeitet hat. Auf einer Himalajareise hat er sich in Nepal verliebt. Dort lebte er dann sieben Jahre und baute eine Trekkingagentur auf. Zurück in Australien betrieb er ein erfolgreiches Unternehmen im ökologischen Landbau, das er gerade verkauft hat, um zu reisen. Joseph ist zum ersten Mal in Ladakh und will ebenfalls alleine wandern. Trotz seiner erfolgreichen Karriere steckt er immer noch voller neuer Ideen und wirkt keineswegs wie jemand kurz vor der Rente! Ich wünsche mir in diesem Alter ebenfalls noch fit und voller Tatendrang zu sein.

Nach einem guten Frühstück mit Joseph im Garten des Oriental ereilt mich ein kleiner Schock: Die Leute vom Guesthouse erklären mir, dass nur Gruppen von wenigstens 4 Leuten dass Permit für die östliche Grenzregion erhalten. Zwar reicht es wenn man bei der Antragstellung Passkopien von einer ausreichenden Anzahl Reisender vorlegt, man so also eine Art „Phantomgruppe“ bildet, leider habe das Guesthouse zur Zeit aber keine Passkopien mehr vorrätig. Außerdem beginnt heute das Ladakh Festival, weshalb die Behörden nicht arbeiten würden. Man empfiehlt mir mich selber um Passkopien von anderen Leuten zu kümmern.

Ich möchte ungern mehr als drei Tage in Leh verbringen, diese Zeit hatte ich mir zur Akklimatisation an die Höhe und zur Vorbereitung des Treks eingeräumt, daher ziehe ich gleich los, um das Problem zu lösen.

In Leh gibt es wirklich keinen Mangel an Trekkingagenturen und irgendeine davon, so hoffe ich, wird mir helfen können. Tatsächlich, bei der ersten Agentur, Markha Travel, in der ich nachfrage, erklärt man mir, dass Permit sei kein Problem, heute Nachmittag könne ich es abholen! Zwar bin ich etwas skeptisch, zumal ich eine Vorauszahlung von etwa 8 € leisten muss, aber der Besitzer der Agentur wirkt auf mich vertrauenswürdig.

Von der zentral gelegenen Moschee, die ein muslimischer Eroberer den buddhistischen Ladakhi aufgenötigt hat, marschiere ich durch die engen Gassen der halb verfallenen Altstadt hoch zur Burg oberhalb der Stadt. Entgegen von Beschreibungen die ich gelesen hatte, finde ich es hier nicht sehr malerisch. Die stinkenden Abwasserkanäle sind auch nicht gerade schön.. Man hat den Eindruck, viele der grauen Steinhäuser mit ihren flachen Dächern sind nicht mehr bewohnt.

Die Burg ist ein 9-stöckiger imposanter Bau. Zwar weist ein Schild darauf hin, dass Eintritt zu zahlen ist, aber kein Aufseher ist zu sehen. Es lockt mich auch nicht wirklich in das dunkle Gebäude.

Steil nach oben laufe ich weiter zum Namgyal Peak, der von einem kleinen Kloster gekrönt wird. Tief unter mir hat die Eingangsprozession des Ladakh Festival begonnen. Trommeln und dumpfe Hörner erschallen, Mönche in gelben Gewändern und Reiter auf kleinen Ponys werden von einer großen Menschenmasse begleitet. Das Ziel ist das Polostadion, wo die Eröffnungsveranstaltung des Festivals statt findet.

Nachdem ich mich auf dem chaotischen Busbahnhof nach einer Verbindung zum Ausgangspunkt meines Treks erkundigt habe, steuere ich ebenfalls das Stadion an. Ich werde durchleuchtet wie auf einem Flughafen! Zwar ist es hier in Ladakh ruhig und friedlich, aber immerhin ist die Gegend Teil des Bundesstaats Jammu und Kaschmir, wo moslemische Separatisten seit Jahrzehnten für den Anschluss an Pakistan kämpfen.

Tanzende Mönche balancieren riesige Kupfergefässe auf ihren Köpfen und eine Gruppe von Kindern tanzt als Schneelöwe der buddhistischen Mythologie verkleidet zum Rhythmus der Trommeln. In erster Linie ist das Festival natürlich geschaffen worden, um die Touristensaison zu verlängern. Tanzende Mönche außerhalb der Klösterriten sind eigentlich ein Sakrileg. Nichts desto trotz genießen auch zahlreiche Einheimische die farbenprächtigen Auftritte, die von einer Lautsprecherstimme auch auf Englisch kommentiert werden.

Am Nachmittag besuche ich die Womens Alliance of Ladakh, ein Zentrum in dem großer Wert auf eine nachhaltige Entwicklung mit dem Vorbild der ursprünglichen, autarken Kultur Ladakhs gelegt wird. Täglich wird dort ein Film von Helena Norberg-Hodge gezeigt, einer Schwedin, die schon Mitte der 70 er Jahre nach Ladakh kam.

Bis 1974 war Ladakh für Ausländer gesperrt und fast unzugänglich. Daher war zu diesem Zeitpunkt die ladakhische Kultur noch vollkommen intakt. Das änderte sich dann rasant durch den Bau neuer Straßen, die massive indische Militärpräsenz und den zunehmenden Touristenstrom. Leh wuchs von einem Dorf zu einer mittleren Stadt. Der Film zeigt die ganzen negativen Entwicklungen auf, und kommt zu dem Fazit, dass es den Ladakhis ohne die Veränderungen besser ginge.

Diese Meinung teilt ein deutscher Student allerdings nicht, der hier seine Master Arbeit in Kulturanthropologie schreibt. Alle Leute die er befragt hat, auch die Alten, finden, dass es ihnen heute besser geht. Eine Landflucht wie in vielen anderen Weltgegenden gäbe es hier nicht. Oft würden die Männer zwar zum Geld verdienen in die Stadt gehen, weshalb die Verantwortung für die Landwirtschaft sich zu den Frauen verlagert hat. Das durch bezahlte Arbeit erlangte Geld würde dann aber in den Dörfern investiert, weswegen sogar zum Teil Erntehelfer aus Nepal angeheuert werden!

Wie angekündigt kann ich mir am Spätnachmittag mein Permit bei Markha Travel abholen. Da meine Erkundigungen auf dem Busbahnhof nicht sehr ergiebig waren und es nur 40 Kilometer bis Martselang sind, dem Ausgangspunkt meines Treks, vereinbare ich mit dem Besitzer der Agentur, dass er mir übermorgen einen Wagen schickt. Jetzt steht meinem Start nichts mehr im Weg!

Am nächsten Morgen unternehme ich einen Spaziergang zur Sankar Gompa. Die buddhistischen Klöster werden Gompa genannt. Nachdem ich die Straße verlassen habe, führt ein schmaler Fußpfad durch schattige Pappelhaine entlang von Bewässerungskanälen zu dem Kloster. Der Weg ist meist beidseitig von Steinmauern eingefasst, aber ab und zu kann ich einen Blick auf große, schöne Häuser mit Balkonen und Flachdächern inmitten von bunten Blumengärten werfen. Nur ein paar Meter von der Hektik Lehs entfernt, herrscht hier eine friedliche Idylle.

Ob alte Leute mit charaktervollen Gesichtern und langen braunen Mänteln oder Kinder auf dem Weg zur Schule, jeder grüßt mich mit einem fröhlichen „Jullay“. Die meisten Gerstenfelder hinter den Mauern sind noch nicht reif, aber mancherorts sind die gelben Garben schon aufgeschichtet. Das Kloster liegt sehr schön inmitten des schattigen Pappelwaldes. Zwar ist die Pforte geöffnet, aber ich habe gelesen, dass die Mönche ungern gestört werden, daher werfe ich nur Blicke von außen auf das große, weiß getünchte Gebäude. Elstern, Kohlmeisen und Spatzen wecken Erinnerungen an Deutschland.

Hinter dem Kloster führt eine Straße zur Shanti Stupa, die viel weniger steil als der Weg über die Stufen ist, den ich gestern genommen habe. Ich gehe ein paar Schritte in die öde, sehr trockenen Felslandschaft hinaus, genieße Stille und Weite und nehme einige Eintragungen im Tagebuch vor. Dabei besucht mich eine schöne, bunte Eidechse.

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In einem tibetischen Gartenrestaurant esse ich um die Mittagszeit einige leckere mit Gemüse gefüllte Teigtaschen. Leh und Umgebung beherbergt viele Tibeter, die vor den chinesischen Besatzern hierher geflohen sind. Von Natur aus geschäftstüchtig betreiben viele von ihnen kleine Verkaufsstände oder auch Restaurants.

Nachmittags gehe ich mit den Amerikanern Esther und Steve zum Poloplatz, immerhin das höchstgelegene Polofeld der Welt, wo ein Match statt findet. Wir sind etwas spät, das Stadion ist schon gut gefüllt. So etwas wie Absperrungen zu den Zuschauerrängen gibt es hier nicht, daher landet der Holzball schon mal in der Menge oder die kleinen, wendigen Ponys scheinen direkt in die Zuschauerreihen zu galoppieren.

Das Spiel geht mit großer Rasanz hin und her und wird von rasenden Trommeln begleitet. Neben uns befindet sich die „Vip-Lounge“. Hier sind Sessel aufgebaut vor denen Tische voller Obst und Wasser stehen. Keine Ahnung wer die Prominenten sind, die hier sitzen, aber immerhin werden in der Pause auch Gratisflaschen an „das einfache Volk“ verteilt.

Rechtzeitig zum Sonnenuntergang gehe ich wieder rauf zur Shanti Stupa. Hier haben sich jetzt auch etliche, meist junge, indische Touristen eingefunden, die eifrig die schönen Lichtstimmungen mit ihren Digitalkameras festhalten. Sehr eindrucksvoll finde ich ein weit entfernt auf einem Berg über dem Industal liegendes Kloster, das erst jetzt in der klaren Luft vor dem Hintergrund des Schneebergs Kang Yatze auftaucht.
Zurück im Guesthouse verlebe ich noch einmal einen schönen Abend mit Joseph, Steve und Esther. Morgen starte ich meine Wanderung!

Der erste Teil des Treks, Martselang-Pang

Nachdem ich gefrühstückt und mich von meinen Freunden verabschiedet habe, steht auch schon der Wagen der Reiseagentur vor der Tür, die mir das Permit organisiert hat. Der freundliche Fahrer des kleinen japanischen Minibusses ist freundlich, spricht aber wenig englisch.

Wir fahren durch das grüne, zunächst dicht besiedelte Industal. Am Weg liegen das prächtige Kloster Thikse und der alte Königspalast Shey. Doch hinter dem Kloster Stakna wird die Gegend zunehmend trockener und es gibt keine Dörfer mehr.

Dafür liegen hier zahlreiche Einrichtungen des Militärs. Die beiden Nachbarländer die hier an Indien grenzen sind nicht gerade als Freunde zu bezeichnen...

China annektierte 1959 im Zuge der Besetzung Tibets ein gutes Drittel Ladakhs, die Aksai Chin Wüste, die allerdings unbewohnt ist, weshalb die Inder das erst Jahre später merkten…Und mit Pakistan ist der Konflikt um das mehrheitlich moslemische Kaschmir, zu dem auch Ladakh gehört, längst noch nicht beigelegt. Daher ist die starke Militärpräsenz in dieser Gegend nicht weiter verwunderlich.

Bei der Militärbasis Karu überqueren wir den Indus. Der Fluss hat hier zwar eine gute Strömung, ist aber kaum breiter als die Lahn. Na ja, er hat ja auch noch ein paar Kilometer vor sich, bevor er als mächtiger Strom ins Meer mündet…

Bald darauf haben wir nach 40 Kilometern Fahrt Martselang erreicht, den auf 3300 Meter Höhe gelegenen Ausgangspunkt meiner Wanderung. Einige Männer mit Packpferden scheinen auf eine Touristengruppe zu warten. Eine zunächst asphaltierte, aber schon bald nur noch geschotterte Straße führt entlang einer Telefonleitung in ein Seitental hinein. Der Weg ist zwar nicht sehr idyllisch, aber durch seine moderate Steigung genau das Richtige für den Anfang. Schließlich habe ich ja 27 kg auf dem Rücken!

Zahlreiche Trekkinggruppen mit ihren Begleitmannschaften und deren Pferden kommen mir entgegen und zeigen mir, dass dies die letzte Etappe des Markha Valley Treks ist, wohl die beliebteste Wanderroute Ladakhs die aber in der Regel nicht an meinem Startpunkt begonnen wird.

Die Schlucht wird zunehmend enger und weist tortenförmig schön geschichtete braun-schwarze Felsbänder auf. Es dauert gar nicht lange, da kommt mir ein Pärchen mit schweren Rucksäcken entgegen. Die Beiden sind Biologen aus Deutschland und haben einen langen, anspruchsvollen Trek hinter sich, der sie auch zum Tsomoriri See führte, den ich ebenfalls ansteuern möchte. Ein umgehängtes Fernglas verrät, dass auch sie Interesse an der Tierwelt Ladakhs haben, und auch einiges beobachten konnten. Ein bischen beruhigt mich die Tatsache ja schon, dass auch andere hier ihr Gepäck selber tragen und trotzdem im Stande sind die hohen Pässe zu überqueren, denn ich weiß, schon übermorgen muss ich den über 5200 Meter hohen Kongmaru la überschreiten….

Gegen Mittag zweigt das Tal nach links ab und ich habe den Weiler Shang Shumdo erreicht. Bei einem Haus, das offenbar einen Zeltplatz für die Gruppen betreibt, lasse ich mich nieder. Einige Weiden spenden Schatten. Ich möchte etwas essen, die Auswahl wird dadurch erleichtert, das nur ein Gericht zur Verfügung steht. Maggi-2 Minuten Nudeln, die ich auf dieser Reise noch ausgiebig kennen lernen sollte…Das Personal der Trekkinggruppe, die gerade angekommen ist, spricht nur zum Teil englisch. Einer rührt mehlartige, geröstete Gerste, das aus Tibet bekannte Tsampa in seinen Tee. Dann wird das Lager aufgebaut. Riesige Kisten, massive Baumwollzelte und sperrige Kerosinkocher kommen zum Vorschein. Von Gras ist auf dem staubigen Zeltplatz fast nichts mehr zu sehen. Ist diese umständliche Art zu reisen umweltfreundlich?

Halbwegs gesättigt, setze ich meinen Weg fort. Auf der anderen Talseite liegen weitere verstreute Häuser. Grüne Weiden und Pappeln, gelbe Gerstenfelder und die farbenprächtigen Felsen bieten herrliche Kontraste.

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Die Ernte ist in vollem Gange. Kühe transportieren die goldenen Garben auf ihren Rücken.
Bald darauf erscheinen die ersten Berge mit schneeweißen Hauben. Ich lasse es langsam angehen und mache häufig Pause, daher fällt mir das Gehen nicht allzu schwer.

Als ich im Tal aufwärts wandere, nehme ich eine Bewegung auf der anderen Talseite wahr. Blauschafe! Leider lässt sich mein Fernglas zunächst nicht mehr scharf stellen, was mir einen gehörigen Schock versetzt, dann klappt es aber doch. Ich zähle insgesamt 18 Tiere, die mit ihren langen Schädeln wie eine Mischung zwischen Schaf und Ziege wirken. Außer einer schwarzen Blässe am Kopf und ebensolchen Streifen an den Beinen sind die Tiere grau. Angeblich haben sie ihren Namen von der blau erscheinenden Färbung, was ich allerdings nicht nachvollziehen kann. Lediglich ein älterer Widder ist dabei, dessen Schnecken vorne gerade verlaufen und dann stark nach hinten gekrümmt sind. Ansonsten sind alle Größenklassen vertreten, hornlose Weibchen, Halbwüchsige und akrobatisch in den Wänden turnende Kitze. Eines von ihnen wagt sich einmal sehr weit vor und kommt dann nicht mehr weiter, weil der Fels zu steil ist. Ich frage mich schon wie es sich drehen und zurückkommen will, aber dabei unterschätze ich natürlich die Gelenkigkeit der Felsbewohner. Manche der Schafe ziehen bis an den Bach, andere fressen die spärlichen Gräser und Sträucher an den Hängen. Ich kann das Rudel längere Zeit beobachten, welches überhaupt nicht scheu ist und auch nicht reagiert als ich in ca. 100 Meter mit meinen klappernden Wanderstöcken vorbei marschiere.

Mit Chogdo passiere ich die vorerst letzte Siedlung. Hier gibt es sogar eine kleine Schule in der gemalte Tierbilder die Wände zieren. Allerdings sind keine Menschen zu sehen, die sind wohl alle auf den Feldern oder beim Vieh in den Hängen. Manchmal ist der Weg jetzt nicht mehr zu erkennen und ich balanciere über die großen Blöcke im Flussbett. Im Tal selber ist keine Landwirtschaft mehr möglich, dafür erspähe ich terrassierte Hänge, auf denen winzige durch Kanäle bewässerte Felder liegen. Welch Anstrengung für ein paar Ähren Korn!

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Gute Lagerplätze sind inzwischen Mangelware, so schlage ich dann mein Zelt auf einer kleinen Sandfläche direkt neben dem Bach auf und spanne es mit großen Steinen ab.

Ich habe nur eine Gaskartusche dabei und will wann immer möglich mit Holz auf meinem kleinen Hobo-Kocher kochen. Es gibt hier auch einige dürre Dornsträucher, die eigentlich brennen sollten. Dieses verweigern sie aber auch nach zahlreichen Versuchen noch ausdauernd, daher koche ich heute mit Gas.

Insgesamt bin ich zufrieden mit dem Tag, schöne Landschaft, die Blauschafe und immerhin bin ich schon auf über 4000 Meter gelangt. Der Abend ist relativ mild, so dass ich noch den prächtigen Sternenhimmel und den schon zu Dreiviertel vollen Mond genießen kann.

Gegen 5.30 stehe ich noch im Dunkeln auf, und bereite mein Müslifrühstück vor. Eine Wasseramsel, die viel dunkler als die europäische ist, sieht mir dabei zu. Als ich dann losgegangen bin, dauert es nur 20 Minuten, bis ich Chukirmo erreiche, einen beliebten Zeltplatz für Gruppen auf einem Plateau oberhalb des Tales. Jetzt am frühen Morgen herrscht hier aber noch Stille, die Trekker stehen sicher erst später auf. Der Weg ist jetzt wieder gut erkennbar und taucht in eine enge, farbenprächtige Schlucht ein.

Obwohl sie meist im Schatten liegt, wird es rasch warm, als die Sonne heraus kommt. Die rot-braunen Felsen sind oft von weißen Bändern durchzogen und an vielen Stellen hat die Erosion bizarre Skulpturen erschaffen. Der Weg und dessen Unterhaltung stellt eine technische Meisterleistung dar. Dennoch ist er an einer Stelle abgerutscht.

Zunächst erkenne ich nicht, dass der Steinhaufen am Weg eine Art Markierung dafür ist und stehe dann vor dem abgerutschten Wegstück. Sich hier am Hang entlang zu bewegen wäre mit hohem Risiko verbunden, daher gehe ich zurück zu dem Steinhaufen und finde auch gleich den Pfad, der jetzt auf der anderen Bachseite verläuft.
Dann gabelt sich der Bach und ich folge dem linken Arm steil nach oben. Langsam verlasse ich die Schlucht, daher erscheint jetzt auch zum ersten Mal der Kongamaru la Pass. Mit dem Fernglas kann ich absteigende Gruppen erkennen. Sieht eigentlich gar nicht so steil aus! Mittlerweile kommt mir eine Trekkinggruppe nach der anderen mit ihren bepackten Ponys entgegen. Meist laufen die Wanderer getrennt von den Pferdeleuten.

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Zwar ist es erst 11.30, aber ich bin bereits auf 4666 m Höhe gelangt. Für die Höhenanpassung sollte man maximal 500 Meter am Tag aufsteigen. Diesen Wert überschreite ich bereits zum zweiten Mal, daher halte ich es für besser schon jetzt zu lagern. Abgesehen davon, erschöpft mich die Höhe ganz schön, und ich habe leichte Kopfschmerzen.

Es ist gar nicht so einfach in dieser Steinwelt einen geeigneten Platz für das Zelt zu finden. Wo ich es dann schließlich aufbaue, wäre kein Platz für ein zweites!

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Beim Kochen ergeben sich dann die ersten kleinen Blessuren der Tour: Die Hitze des äußerst effizienten Kochers schmilzt ein Loch in den Windschutz aus Aluminium. Als ich diesen vor der Hitze rette, hole ich mir prompt kleine Brandblasen am Finger!

Außerdem sieht der Reißverschluss meiner Zipp- Hose auf einer Seite gar nicht mehr gut aus. Ich beschließe daher die Hosenbeine nicht mehr abzunehmen. Es wäre schließlich fatal, wenn ich für den Rest der Tour in Shorts laufen müsste, weil der Reißverschluss nicht mehr schließt!

Nach dem Mittagessen unternehme ich eine Erkundungstour in die Umgebung. Die Schlucht endet und eine weite hochebenartige Landschaft öffnet sich. Hier gibt es genügend Zeltplätze. Die Ruinen einiger Steinhäuser weisen darauf hin, dass die Gegend früher als Hochalm genutzt wurde. Heute stellen die Ruinen aber eher Müllverbrennungsanlagen für die Wandergruppen dar, wie ich leider feststellen muss.

Entfernt erspähe ich eine Gruppe von Blauschafen, die ich vorsichtig anpirsche. Ich gelange in unmittelbare Nähe der 13 Widder verschiedenen Alters, aber die Wildschafe beachten mich nicht und äsen weiter. Leise Geräusche errregen meine Aufmerksamkeit und ich erspähe schließlich einige große blaugraue Hühnervögel mit weißem Hals. Diese „Himalayan Snowcocks“ wie mir ein Bestimmungsbuch über die Fauna Ladakhs nach meiner Rückkehr verrät, ähneln stark fetten Perlhühnern. Sie laufen gerne, können aber auch schnell fliegen.
Ich folge den Blauschafen über längere Zeit. Sie halten zwar einen gewissen Abstand zu mir, sind aber ansonsten überhaupt nicht scheu. Als die Gruppe über eine Lehne zieht, ergeben sich schöne Bilder vor dem blauen Himmel.

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Blauschaf

Offenbar brechen aller Trekkinggruppen ungefähr zur selben Zeit auf, denn am Nachmittag sehe ich keine weitere Gruppe mehr und die Einsamkeit des Hochtales, in dem schon gelb-gefärbte niedrige Sträucher vor hohen, z.t schneebedeckten Bergen erscheinen, ergibt schöne Kontraste.

Beim Abstieg erspähe ich ein einzelnes, grünes Zelt, ähnlich meinem. Andre ist ein deutscher Bauingenieur, der in Kaschmir Eisenbahntunnel baut. Er ist zum ersten Mal in Ladakh und möchte zunächst auf dem Markha Valley Trek laufen, um dann den beliebten 6000 er Stok Kangri oberhalb des Industales zu besteigen. Er hat auch schon einige Jahre in Delhi gearbeitet. Zwar weiß er die guten Verdienstmöglichkeiten hier zu schätzen, aber dafür ist das Freizeitangebot vor allem in Kaschmir mit seiner unruhigen politischen Situation ziemlich eingeschränkt.

Wir verstehen uns sehr gut, und unterhalten uns unter dem funkelnden Sternenhimmel noch bis in die Nacht hinein.
Am Morgen hat sich das Wetter geändert: Regen- und sogar Hagelschauer prasseln aufs Zelt. Dennoch breche ich bereits um 7 Uhr auf. Andre´ schläft offenbar noch, daher setze ich meinen Weg alleine fort. Der dichte Nebel lässt die Landschaft wie in Watte verpackt erscheinen. Zumindest die Blauschafe und Schneehähne sind noch an der selben Stelle. Es geht mir recht gut, und ich bin zufrieden wie rasch ich vorankomme und an Höhe gewinne.

Der Anstieg ist bisher allerdings auch eher gemächlich. Dann zieht sich der Weg in steilen Serpentinen durch die Felswüste aufwärts. Hier hatte ich gestern die Gruppen im Abstieg gesehen, und der Gipfel schien ganz nah zu sein. Das täuschte allerdings, immer wenn ich glaube den letzten Absatz vorm Pass erklommen zu haben, erscheinen weitere Steigungen. Hier in 5000 Metern Höhe gerate ich rasch außer Atem.

Ich nehme mir vor erst am Ende jeder Serpentine eine Pause einzulegen, doch oft bin ich schon vorher völlig fertig und setze mich erst einmal hin. Mittlerweile kommen mir auch schon die ersten beiden Gruppen entgegen und trösten mich, dass ich es fast geschafft habe.

Dann ist es soweit, nach knapp dreieinhalb Stunden geht es nicht weiter nach oben und ich habe die mit Gebetsfahnen geschmückte Höhe des Kongmaru la erreicht. Laut Karte liegt er auf 5150 Metern, mein GPS zeigt allerdings 5209 Meter an.

Tief unter mir liegt das Tal durch das ich gestern zum Zeltplatz gestiegen bin und das geröllbedeckte Gelände, das ich gerade durchquert habe.

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Blick vom Kongmaru la auf die Anstiegsroute

Der Nebel lichtet sich jetzt zusehends und es eröffnen sich herrliche Blicke auf das schneebedeckte Massiv des Kang Yatze das aus dem Hochtal von Nimaling aufragt. Weite Aussichten ergeben sich über die rötlichen Zacken der Zanskar Berge bis zu den Eisriesen der Himalajahauptkette.

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Kang Yatze

Der Abstieg ist ein Kinderspiel, verglichen mit dem Anstieg. Der zu bewältigende Höhenunterschied ist wesentlich geringer, daher stehe ich schon bald auf der Hochebene. Bei besserem Wetter wäre dies sicher eine herrliche Landschaft, doch leider haben sich die kleinen Wolkenlücken nicht weiter geöffnet.

Gestern konnte ich noch in T-Shirt und kurzer Hose wandern, heute dagegen trage ich dagegen ein dünnes und ein dickes Fleece und darüber noch die windabweisende Gore-Tex Jacke. Meine Wasserflasche ist schon lange leer, aber bis jetzt gab es nicht einmal ein kleines Bächlein aus dem ich etwas Wasser hätte schöpfen können, daher bin ich froh, als ich endlich den Nimaling Bach erreiche.

Auf dem Feuer einer provisorischen Zeltunterkunft, in der offenbar Nomaden leben, die hier ihre Yaks weiden lassen, braten gerade dicke Chapatis. Ich lasse mir die Gelegenheit nicht entgehen und kaufe einen der herrlich warmen Fladen. Eine Steinbrücke führt über den hier schon ziemlich wasserreichen Bach. Auf der anderen Seite liegt ein sogenanntes Tea-Tent. In einem aus einem Fallschirm errichteten Zelt werden hier kalte Getränke und die mir schon bekannten 2-Minuten Nudeln den Trekkern während der Touristensaison verkauft. Natürlich genieße ich erst einmal eine warme Mahlzeit. Die Frau, die mir zuvor den Chapatti verkauft hatte, setzt ihren Erlös in Bonbons um!

Beim Weitermarsch ändern sich die Wetterbedingungen ständig und zaubern tolle Wolken und Lichtspiele um den Kang Yatze und die wild gezackten, vielfarbigen Berge der Zanskar Range. Leider kann ich die Schauspiele nicht richtig genießen, denn ich bin ziemlich fertig und mein Herz rast wie verrückt. Daher bin ich froh, als ich schon am frühen Nachmittag mein Zelt an einem kleinen Bächlein abseits des Weges aufschlagen kann. Allerdings hatte ich auch ziemlich lange gesucht, bis ich dieses grasige, ebene Plätzchen gefunden hatte.

Später sehe ich einen weiteren Wanderer entfernt auf dem Weg. Es ist Andre! Als er auch nach einiger Zeit noch nicht bei mir angekommen bin, gehe ich ihm entgegen. Zwischen den niedrigen Hügelkämmen hatte er mein Zelt nicht gefunden. Andre hatte sich für den heutigen Tag prophylaktisch mit Kopfschmerztabletten gedopt und die Wanderung ebenfalls langsam angehen lassen. Ab und zu vertreiben uns Hagelschauer ins Zelt, danach kommt aber immer wieder die Sonne zurück und lässt den Kang Yatze in ihrem Glanz erstrahlen.

Während der Nacht schlafe ich schlecht, ich habe Kopfschmerzen, mein Herz rast und wahrscheinlich habe ich auch leichtes Fieber. Dennoch raffe ich mich auf und bin bald wieder bereit für einen neuen Wandertag.

Es ist ziemlich kalt, und die Berghänge sind weiter oben mit frischem Puderzucker bestreut. Eigentlich hatte ich vor, von hier über einen weiteren 5000er Pass direkt ins Tal des Langtang Chu zu gehen. Bei meinem Zustand halte ich es aber für besser erst einmal abzusteigen und nicht die direkte Route zu nehmen. Ich verabschiede mich von Andre, dessen Route ins Markha Valley hinein führt, und ziehe hinaus in den Morgen.

Schon bald kommt die Sonne heraus und gewährt mir herrliche Blicke von der Hochebene in die Weiten Ladakhs. Der Nimaling Chu hat sich tief unter mir in eine erodierte Schlucht eingegraben.

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Die tiefe Schlucht des Nimaling Chu

Weiter voraus ragen die rötlichen Zacken der Zanskar Berge auf. Gibt es einen Weg durch diese schroffe, abweisende Welt?

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Die Zacken der Zanskar Berge

Dann verlasse ich die Hochebene und gelange entlang von einem kleinem Bach zum Nimaling Chu. Hier in Tahungtse befindet sich ein großes Lager der Trekkinggruppen. Obwohl ich schon zwei Stunden unterwegs bin, wird hier erst gefrühstückt. Eine Holzbrücke führt auf die andere Seite des Nimaling Chu und ich sehe mein erstes Murmeltier in Ladakh.
Vor der Einmündung in das Markha Valley gibt es noch einmal einige kleine Felder am Hang.
Dann erreiche ich das breite Haupttal. Während der Bach talabwärts Markha genannt wird, heißt er talaufwärts Langtang Chu. An dieser Stelle verlasse ich den populären Markha Valley Trek und mir ist klar, dass ich von jetzt ab nicht mehr viele Leute treffen werde.

Während bisher fast immer ein Weg erkennbar war, muss ich mir jetzt meine eigene Route suchen. Zwar gibt es auch talaufwärts immer mal wieder Fuß- und Pferdespuren, aber keinen ausgetretenen Pfad. Häufig muss ich die Talseite wechseln, was meist über Felsen im Bach problemlos funktioniert. Aber bei einigen Gelegenheiten kommen auch die Sandalen zum Einsatz, die ich zu diesem Zweck dabei habe. Letztes Jahr in der Mongolei musste ich die Bachdurchquerungen barfuß absolvieren, was manchmal ziemlich unangenehm war, daher bin ich jetzt besser ausgerüstet.

Tatsächlich begegne ich heute niemand mehr, dafür kann ich farbenprächtige Rotschwänze mit oranger Kehle und weißem Kopf beobachten. Einmal zeigt sich ein 35-köpfiges Blauschafrudel aus Weibchen mit ihren Kitzen. Auch einige Blumen, unter anderem Storchschnabel blühen noch hier im Tal. Ansonsten ist die Landschaft ziemlich karg, mit weiten Schuttfeldern und kurzen Rasenflächen. Die Sonne ist schon längst wieder verschwunden, gegen Abend wird es windig und ungemütlich. Dennoch unternehme ich noch einen kleinen Spaziergang in die Umgebung bei dem ich wieder einige Blauschafe entdecke, bevor ich mein Globetrotter-Menü in der Apsis des Zeltes koche.

In der Nacht schneit es leicht, friert aber nicht dabei.

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Nachdem das Wetter aufzuklaren scheint, setze ich meinen Weg talaufwärts fort. Im Tal kommt ein Blauschaf mit ihren 3 Kitzen bis auf 50 Meter auf mich zu. Die Tiere sind auch hier nicht scheu, aber doch etwas weniger „zutraulich“ als unterhalb des Kongmaru la, wo sie an Trekker gewöhnt sind.

Als ein Hagelschauer auf mich einprasselt, sehe ich entfernt eine Bewegung. Ich denke, es sind Hirten mit ihren Yaks, bin dann aber doch etwas überrascht, als 25 der zotteligen, schwarzen Rinder mutterseelenallein an mir vorbei talabwärts ziehen.

Bald darauf habe ich den Oberlauf des Tales erreicht, wo viel Pferdekot verrät, dass hier häufiger gelagert wird. Das Wetter wechselt im 5-Minutentakt zwischen Aufklaren und Schnee- oder Hagelschauern. Es ist kalt und ich habe leichte Kopfschmerzen, daher frage ich mich, ob ich wirklich jetzt zum nächsten 5000 er Pass, dem Zalung Karpo la aufsteigen soll.

Andre hat mir einige Tabletten geschenkt, da er genug dabei hatte, daher nehme ich jetzt eine Paracetamol und setze dann meinen Weg durch die heute düster und abweisend wirkende Bergwelt fort.

Während ich mir eine Ritter Sport Nussschokolade zum Mittagessen gönne, sehe ich entfernt eine Gruppe von Männern, die etwas aufzubauen scheinen. Als ich später bei Ihnen ankomme, entpuppen sie sich als die einheimische Vorhut einer Trekkinggruppe, die gerade ein Zelt zum Kochen für die Mittagspause der Wanderer aufgebaut hat.
Dann kommen auch schon die Trekker, und ich erfahre, dass es sich bei ihnen um eine überwiegend deutsche Gruppe von Hauser Exkursionen handelt. Der älteste Teilnehmer ist schon 78, hat aber keine Probleme mit den anderen mitzuhalten. Sie sind bereits 15 Tage auf einer wenig begangenen, sehr anspruchsvollen Route unterwegs, die Hauser zum ersten Mal im Programm hat.

Der Reiseleiter ist ein wettergegerbter älterer Mann. Als er von meinem Plan hört, warnt er mich vor den Fluten des Khurna Chu. Der Fluss führt noch viel Wasser, daher spannten sie Seile für die Überquerungen!
Dass ich nun den Spuren der Gruppe folgen kann, erleichtert die Orientierung, denn ansonsten gibt es keinen Pfad und das Tal des Langtang Chu habe ich schon längst verlassen. Der Anstieg wird jetzt anstrengender ist aber viel einfacher, als der auf den Kongmaru la.
Gegen 14 Uhr stehe ich auf dem Pass dessen Höhe laut GPS 5105 Meter beträgt. Manchmal zeigt sich jetzt sogar ein Stück blauer Himmel, in den die frisch verschneiten Gipfel ragen.

Zur einen Seite führt der Normalweg nach Karnak ins Sorra Tal, zur anderen Seite liegt das Rabrang Tal welches in den Khurna Chu, meinem nächsten Ziel mündet.

Ich bin froh, dass mir die Hauser Gruppe einen Serpentinenweg durch den steilen Geröllhang gebahnt hat, ansonsten gibt es hier keinen Weg und es wird wahrscheinlich nur sehr selten auf dieser Seite abgestiegen. Den Zalung Karpo la von dieser Richtung aus zu erreichen, muss wesentlich anstrengender sein. Zu diesem Zeitpunkt ahnte ich noch nicht, dass das auch mir noch bevorsteht…

Ich erreiche schließlich ein relativ breites Tal, in dem ich gut vorankomme, bevor es hinab in eine steile, unwegsame Schlucht geht. Kaum zu glauben, wie die Pferde der Gruppe hier rauf gekommen sind!

Unten angekommen finde ich einen traumhaften Lagerplatz mit grünem Gras an einem Bächlein. Ein Rotfuchs findet es hier auch offenbar schön. Als ich ankomme schnürt er einen Hang rauf und verschwindet.

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Traumhafter Lagerplatz, im Hintergrund der Zalung Karpo la

Obwohl es schon spät ist, unternehme ich noch einen kurzen Abendspaziergang. Am Talende ragen spitze, matterhornartige Zackenberge auf. Die Gegend reizt mich unheimlich zum Erkunden. Hier habe ich wirklich das Gefühl, das ganze Tal für mich zu haben, was wahrscheinlich auch stimmt.
Noch vor Sonnenaufgang breche ich zu einem Erkundungsgang in die Umgebung auf. Die Enfernungen in dem weiten Tal lassen sich kaum einschätzen. Man glaubt, die nächsten Berge sind ganz nah, aber dann geht man stundenlang. Ich hatte gehofft zu dieser günstigen Tageszeit Wild beobachten zu können, aber außer einigen Steinschmätzern und Wachteln sehe ich nichts. Dafür entschädigt mich der Sonnenaufgang. Rosiges Licht und Wolken kämpfen miteinander.

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Heute morgen leere ich meine erste 750 g Müslipackung. Die kalorienreiche Nussmischung hat immerhin für fünf Tage gereicht. Beim Aufbruch ist es noch sehr frisch, so dass ich all meine Jacken trage, aber als gegen 9 die Sonne den Talgrund erreicht, wird es rasch wärmer.

Zunächst ist das Tal noch ziemlich breit und am Rand mit dürrem Gras bewachsen, doch schon bald verengt es sich und ich laufe fast nur noch durch weite Kiesfelder. Zunächst ist nichts mehr vom Bach zu sehen, doch weiter unten wird er rasch wasserreicher, so dass ich mir immer geeignete Stellen suchen muss, wo ich von Stein zu Stein springend das Gewässer überqueren kann. Diese akrobatischen Einlagen machen mir Spass, allerdings wäre es kein Vergnügen sich hier den Knöchel zu verstauchen…

Die Landschaft in der engen Schlucht erinnert mich stark an den amerikanischen Südwesten.

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Weiter unten tauchen dann auch die ersten Tamariskensträucher auf. Ein frischer Erdrutsch, der sich nicht umgehen lässt, verschafft mir ein etwas mulmiges Gefühl im Magen. Aber warum sollten sich die Erdmassen ausgerechnet wenn ich auf ihnen herumturne wieder in Bewegung setzen?

Dann verengt sich die Schlucht weiter und wird zu einer schattigen Klamm mit einem rauschenden Wildbach. Bunte Gebetsfahen verraten einen schmalen Pfad, der den Hang hoch führt. An manchen Stellen ist der Weg sogar mit Steinen abgestützt.

Ansonsten verläuft der Pfad häufig extrem ausgesetzt an dem instabilen Geröllhang. Man schaut hier besser nicht in die Tiefe…Kaum zu glauben wie der 78-jährige in der Hausergruppe und die Pferde diesen Abschnitt bewältigt haben.

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Schließlich öffnet sich die Klamm und bald darauf habe ich die Mündung in den Khurna Chu erreicht. Das ist kein kleiner Bach mehr, sondern ein Gewässer, das man durchaus mit dem Kajak befahren könnte! Auf meiner Seite versperrt sofort eine senkrechte Felswand den Weg, also muss ich rüber. Zum Glück herrschen angenehme Temperaturen. Daher ziehe ich mich aus, und überquere den Khurna Chu zunächst ohne Gepäck. Das Wasser reicht bis knapp unter die Hüfte. Zwar ist die Strömung schnell, aber gestützt auf meine Wanderstöcke ist die Überquerung kein Problem.

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Am Khurna Chu

Am anderen Ufer liegt ein guter Lagerplatz im Schatten einiger Weiden. Es gibt genügend Holz zum Kochen auf dem Hobo Kocher, und im Fluss nehme ich das erste Vollbad dieser Tour.

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Später erkunde ich den weiteren Verlauf flussaufwärts. Schließlich will ich dem Khurna Chu über ca. 30 Kilometer folgen. Schon nach wenigen Schritten versperrt mir wieder eine Steilwand den Weg und wird mich morgen zu einer weiteren Überquerung zwingen. Ich habe zwar noch einige Abdrücke von Pferdehufen im Sand festgestellt, aber von einem Pfad ist nichts zu sehen. Wird es überhaupt möglich sein, dem Fluss durch die engen Schluchten weiter zu folgen? In meiner Karte ist hier zwar ein Weg verzeichnet, aber wenn überhaupt ist er nur bei niedrigem Wasserstand um diese Jahreszeit zu bewältigen. Niedrigwasser führt der Khurna Chu aber zur Zeit nicht!

Hier auf 3700 Meter sind die Temperaturen wieder deutlich milder und ich kann abends noch lange vorm Zelt sitzen und die Stimmung am Fluss genießen. Ich bin gleichzeitig unsicher, aber auch von Vorfreude auf die weiteren Abenteuer erfüllt.

Wildniswanderer
18.10.2010, 21:00
Ladakh 2

Am nächsten Morgen bin ich bald wieder an der Stelle bis zu der ich gestern Abend gekommen war. Die Durchquerung des Flusses stellt kein Problem dar. Dann scheint sich eine Art Pfad einen Hang hoch zu schrauben, und ich hoffe einen Weg gefunden zu haben, der mich durch die Schlucht führen wird. Doch leider ist von einem Pfad nichts weiter zu erkennen.

Bald stehe ich wieder am Fluss, denn die nächste Felswand versperrt den Weg auf dieser Seite des Khurna Chu. Hier ist die Strömung schneller und das Wasser steht höher als an den vorhergehenden Überquerungsstellen. Den Khurna Chu an dieser Stelle zu durchqueren wäre ein hohes Risiko. Allein schon das mögliche Durchnässt werden meiner Ausrüstung bei einem Sturz wäre extrem ärgerlich. Sicher wird es immer wieder bessere Stellen geben um durch den Khurna Chu zu kommen, leider kann man sich die hier aber nicht aussuchen, da die senkrechten Felswände „Zwangspassagen“ aufbauen.

Allerdings will ich noch nicht gleich aufgeben und versuche auf einem schmalen Band direkt über dem Wasser weiterzubalancieren. Bei einer Pause auf einem Absatz kommt ein Wiesel, das größer als das deutsche Hermelin ist, neugierig bis auf wenige Meter auf mich zu. Es wundert sich sicher, was dieser ungeschickte Zweibeiner hier macht!
Schließlich muss ich einsehen, dass ich auch hier nur mit großem Risiko weiterkommen würde.

Nach kurzer Überlegung komme ich zu dem Schluss, dass ich vernünftigerweise auf dem selben Weg zum Zalung Karpo la zurückkehre und von dem Pass auf der normalen Route in das Sorra Tal absteige.

Auf meiner Landkarte weisen die Höhenlinien hier ein breites Tal aus! War wohl nichts!
Etwas niedergedrückt trete ich den Rückzug an.
Die Kletterei in der Klamm ist wieder spannend und atemberaubend, ansonsten gefällt mir das Tal nicht besonders, zu viel graues Geröll und zu wenig Grün.

Bei einem Pappelhain lege ich die Mittagspause ein, und will auf meinem Hobo-Kocher ein Globetrotter-Menü zubereiten. Dieser auf Postkartengröße zusammenfaltbare Kocher arbeitet nach dem Ofen-Prinzip und kann auch kleinste Stöckchen verarbeiten. Leider stellen die Pappel- und Weidenzweige keinen geeigneten Zunder dar. Erst mit Papier aus meinem Tagebuch schaffe ich es, ihn zu entzünden. Von den vielen Versuchen mit dem Feuerzeug fange ich mir tiefe Wunden an den Fingern ein, die erst nach meiner Rückkehr nach Deutschland heilen sollten.

An einem wunderschönen Platz wo sich das Tal wieder geöffnet hat, schlage ich mein Lager auf und unternehme noch einen Erkundungsgang in die Umgebung.

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Es ist relativ warm, immer aber sind einige Wolken präsent. Viel alter Mist zeigt an, dass das Tal früher im Jahr von Nomaden beweidet wurde. Wie ich feststellen konnte, ist aber jetzt kein Mensch mehr auf dieser Seite des Zalung Karpo la. Ich genieße die Stille und die Aussichten auf die majestätischen Berge ringsum. Als ich einen eigentlich bescheidenen Hügel besteige, wird mir schnell wieder bewusst, in welcher Höhe ich mich bewege. Bereits nach wenigen Schritten muss ich stets eine Pause einlegen.

Mir waren die ganze Zeit schon Wildwechsel im Tal aufgefallen, aber erst bei der Rückkehr zum Zelt kann ich eine 11-köpfige Gruppe von Blauschafen mit Lämmern an einem steinigen Hang beobachten.

Heute wird meine Mutter 70! Natürlich habe ich ein schlechtes Gewissen, dass ich ihr nicht gratulieren kann, aber aufgehoben ist nicht aufgeschoben, immerhin sind meine Gedanken bei ihr und ich hoffe, dass sie sich nicht zu viele Sorgen macht. Zwar sollte sie eigentlich wissen, dass ich diese Wildnistouren wie die Luft zum atmen brauche und auch (meistens) wohlbehalten zurückkehre, aber als Mutter kann sie natürlich nicht aus ihrer Haut.

Kurz nach dem Aufbruch am nächsten Morgen sehe ich die letzten Blauschafe dieser Tour. Ob sie jenseits des Zalung Karpo la nicht vorkommen, oder ist es einfach Zufall?
Schon beim Zeltabbau geht ein Hagelschauer auf mich nieder und auch später bleibe ich nicht von diesen Wetterkapriolen verschont.

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Bald wird mich das Hagelschauer erreicht haben

Mir war schon vor zwei Tagen klar, dass der Aufstieg zum Pass von dieser Seite ziemlich hart ist, damals hatte ich mir aber noch nicht träumen lassen, dass er mir bald bevorsteht!

Hinzu kommt, dass es immer kälter wird. Trotz der schweißtreibenden Anstrengung trage ich all meine Jacken und auch die Handschuhe kommen zum ersten Mal zum Einsatz.

Nach fünf harten Stunden bin ich schließlich oben. Der eisige Wind lässt allerdings kaum eine Gipfelrast zu. Durch steile Geröllfelder steige ich ins Sorra Tal ab.
Als ich an einer geschützten Stelle raste, nehme ich wahr, dass ich heute nicht allein bin. Auf dem Pass ziehen zwei Gruppen mit ihren Ponys in meine Richtung.

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Auf dem Zalung Karpo la

Als ich etwas später meine Mittagsschokolade verdrücke, werde ich auch schon von der Begleitmannschaft einer Trekkinggruppe überholt. Nach den letzten in Einsamkeit verbrachten Tagen gefällt es mir jetzt überhaupt nicht, in dieselbe Richtung wie zwei Trekkinggruppen zu ziehen.

Bald verengt sich das Tal wieder schluchtartig. Auf einem guten, grasigen Lagerplatz an der Einmündung eines Nebenbaches schlage ich mein Zelt auf. Das Wetter war bis jetzt ziemlich ungemütlich, bessert sich jetzt aber ein wenig, so dass ich draußen koche und esse.

Bald kommen die Kunden der ersten Trekkingmannschaft vorbei, ein französisches Pärchen, das auch über Pang zum Tsomoriri will. Bei den vielen Pferden hatte ich eigentlich mehr Wanderer erwartet, aber man kann hier auch durchaus luxuriös wandern!

Als ich beim Essen bin kommt die nächste Gruppe. Drei Schweizerinnen, die sogar bis nach Spiti wollen. Ein langer, anstrengender Weg! Eine der Frauen hat sichtlich mit der Höhe zu kämpfen. Ob sie es schaffen wird?

Abends unternehme ich noch einen Spaziergang in das Seitental. Ein fetter Pika mit weißem Bauch sitzt zwischen den Felsen. Ich versuche mich ihm zu nähern um ein Foto zu machen, aber stets flitzt es in seinen Bau. Schließlich hat es wohl genug von meinen Annäherungsversuchen und kommt nicht mehr zum Vorschein!

Meine kleine Digitalkamera Ixus 40 von Canon ist zwar sehr praktisch, aber für Tieraufnahmen ist die Brennweite einfach zu niedrig.

Ein dunstiger, ungemütlicher Morgen erwartet mich. Es schneit ein wenig und ist so kalt, dass ich zeitweise meine Handschuhe trage. Schon bald passiere ich das Lager der Schweizerinnen. Zwar ist noch niemand zu sehen, aber herrlicher Frühstücksduft kommt aus dem Küchenzelt. Möchte ich auch so komfortabel wandern?

Trotz des Wetters wirkt das Tal jetzt viel einladender als gestern. Grünes Gras lädt förmlich dazu ein, hier zu lagern, aber ich gehe natürlich weiter! Nachdem ich das Lager der Franzosen passiert habe, erreiche ich Sorra. Die fünf grauen Steinhäuser werden von den Nomaden lediglich im Winter genutzt. Zur Zeit sind sie wohl noch auf den Hochweiden. Kaum vorstellbar, wie man in so einem einfachen Haus die eiskalten Winter hier oben überstehen kann!

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Winterbehausung in Sorra

Bald darauf verschwindet der Bach in einer engen Klamm, über die eine Steinbrücke führt. Anschließend öffnet sich das Tal zunächst wieder.

Der Nieselregen gewinnt zunehmend an Stärke und schon bald ziehe ich mir meine Regenhose über. Schade, dass es heute so grau ist, denn bald tauche ich in eine tiefe Schlucht mit rötlichen, senkrechten Wänden ein. Das geschützte Mikroklima des Canyons lässt hier einen üppigen Wald aus bis zu drei Meter hohen Weiden wachsen. Zwar werden die Weiden von den Bewohnern regelmäßig gefällt und wohl als Brennholz genutzt bzw. verkauft, aber aus den Stöcken schlagen stets neue Ruten aus, weshalb dieser niedrige Baumbestand keineswegs einen verwüsteten Eindruck macht.

Dann erreiche ich die Einmündung des Sorra in den Khurna Chu. Der Fluss ist hier längst nicht so wild wie weiter unterhalb, dennoch bin ich froh, dass mir eine Steinbrücke die Durchwatung erspart.

Der Canyon des Khurna Chu, in den ich nach einiger Zeit gelange, ist noch eindrucksvoller als die zuvor durchquerte Sorra Schlucht. Es wäre sicher schön hier ein Lager aufzuschlagen, aber das Wetter lädt wenig dazu ein, außerdem ist es noch zu früh.

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Die Khurna Schlucht im Regen

Schließlich treten die hohen Felswände auseinander und ich gelange in ein breites, grünes Tal. Vorübergehend hat der Regen nachgelassen, und zahlreiche Vögel scheinen die Rückkehr der Sonne zu begrüßen. Rotschwänzchen, Bachstelzen, Wiedehopfe, Würger, Mauerläufer und kleine Schnepfenvögel beleben die Stille.

Drei wohlgenährte, gelbe Murmeltiere mit schwarzen Äuglein und Stupsnäschen naschen vor ihren Bauen vom Gras. Als ich mich vorsichtig anschleiche, verschwinden sie im Boden, kommen aber bald wieder zum Vorschein, so dass ich mich schließlich bis auf drei Meter nähern kann um dieses Foto zu knipsen:

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Da ich nicht beim nächsten Ort, Dat lagern möchte, wie es sicher die anderen beiden Gruppen tun werden, schlage ich schon gegen 13 Uhr mein Zelt auf. Gerade rechtzeitig vor einem weiteren heftigen Regenguss. Die Schweizerinnen, die kurz danach vorbeikommen, hatten nicht so viel Glück. Eine von ihnen, die offenbar an der Höhenkrankheit leidet, kommt nur noch langsam voran, und will die Tour abbrechen.

Nachdem ich gekocht habe, breche ich zu einem Erkundungsgang auf. In diesem fruchtbaren Tal muss es Wild geben, vielleicht habe ich ja Glück und kann den seltenen Schneeleoparden beobachten? Leider ist das Wetter jetzt wieder umgeschlagen, mit eiskaltem Dauerregen und heftigem Wind. Es ist so ungemütlich, dass ich meinen Kopf sogar mit einer für arktische Verhältnisse konzipierten Sturmhaube schütze! Kein Wunder, dass ich bei diesem Wetter außer einem kleinen Fisch im Bach nichts weiter entdecken kann.

Der neue Morgen ist kalt, aber klar. Auf den Bergen liegt frischer Neuschnee. Nach kurzer Zeit im Tal erklimme ich einen Schotterhügel und eine weite Aussicht in das Tal von Dat eröffnet sich. Die etwa 30 nach dem mir schon bekanntem Muster erbauten Steinhäuser sind zur Zeit unbewohnt. Dagegen wirkt ein neues Betonhaus hier seltsam unpassend. Wahrscheinlich ist es ein Regierungsgebäude. Dazu passt auch, dass ab Dat eine kaum benutzte Jeeppiste in das Ramerthang Tal führt. Etwas abseits in einem Seitental befindet sich Dat Gompa, das kleine Kloster des Ortes. Das Camp der Schweizerinnen liegt unter mir im Tal, dagegen sind die Franzosen soeben dabei ihr Lager abzubrechen. Ein kleines Stück laufe ich zusammen mit dem jungen französischen Paar, dann beschließen sie auf ihre Leute zu warten, da sie sich über den weiteren Wegeverlauf nicht sicher sind.

Das breite Ramerthang Tal lässt in seiner Weite und Kargheit bereits die Nähe zu Tibet erahnen. Die Zackenberge der Zanskar Range liegen endgültig hinter mir. Bald entfaltet die Sonne so viel Kraft, dass ich im T-Shirt laufen kann. Der Sonnengenuss ist allerdings nur von kurzer Dauer, gegen Mittag kommt ein eiskalter Wind auf und von Zeit zu Zeit entladen sich wütende Schneeschauer.

Nach einer Talbiegung sehe ich bereits den Anstieg zum Yar la. Die bisher eher unscheinbare Piste zieht sich brutal in den Berg eingeschnitten in unzähligen Serpentinen empor. Ich schlage allerdings den direkten Weg zum Pass ein. Zwar erscheint der Anstieg verglichen mit Kongmaru la oder Zalung Karpo la eher bescheiden. Dennoch muss ich in der dünnen Luft immer wieder pausieren. Eine etwa 2-Meter breite Manimauer zieht sich auf beiden Seiten aus den Talgründen zum Pass hoch. Fast alle Steine weisen kunstvoll eingeritze Schriftzeichen auf. Welch Anstrengung derartige Bauwerke in dieser Einöde zu errichten! Die Buddhisten umschreiten die Manimauern stets im Uhrzeigersinn, wobei sie ständig die Gebetsformel „Om Mani padme hum“ rezitieren, das „Juwel in der Lotusblüte“.

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Manimauern ziehen sich hoch zum Yar la

Die Passhöhe krönt ein weiteres buddhistisches Heiligtum, ein mit zahlreichen Gebetsfahnen geschmückter Chorten.

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Chorten auf dem Yar la (4919 m)

Die Zanskar Berge liegen meist in Wolken, dafür entfalten sich jetzt die weniger schroffen Erhebungen Rupshus. Ein weites braunes Land unter einem unendlichen Himmel!

Am Passfuß mündet ein kleines Bächlein in das hier beginnende Tal. Das erste Wasser seit Dat! Eine grüne Wiese stellt einen optimalen Lagerplatz dar. Kaum habe ich mein Zelt aufgebaut, entfalten sich neue Unwetter mit Donnergrollen, Kälte und Schneeschauern.

Die Schweizerinnen schlagen ihr Lager einige Zeit später in unmittelbarer Nähe auf.
Am späten Nachmittag klart sich der Himmel auf, und ich breche zu einem Erkundungsgang auf. Häufig sehe ich kleine Pikas vor ihren Bauen. Einen der Pfeifhasen kann ich schließlich bis auf 2 m Nähe anschleichen.

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Pika

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Letzte Dunstwolken heben sich von den frisch „gezuckerten“ Bergspitzen

Zurück im Lager bittet mich Mangal, der Führer der Schweizerinnen in ihr Küchenzelt. Er ist mit seinen beiden Leuten bereits bei den Vorbereitungen für das Abendessen. Komfort ist vielleicht etwas anderes, aber im Inneren des geräumigen Zeltes ist es durchaus behaglich und ein Becher Tee sorgt für Wärme im Bauch.

Die drei Schweizerinnen aus Lausanne haben von Bekannten die Adressen von Mangal erhalten. Er ist eigentlich Lehrer in Manali, organisiert aber bereits seit 20 Jahren Trekkingtouren um sein schmales Gehalt aufzubessern. Seine beiden Helfer kümmern sich hauptsächlich um die Ponys und die Küche.

Sylvie, Annelore und Christine haben ein sehr ambitioniertes Ziel, in 20 Tagen wollen sie von Hemis nach Spiti ziehen. Zwei der Frauen waren bereits zusammen in Nepal trekken, für die dritte ist der Himalaja völlig neu. Bald können wir das Abendmenü aus Suppe, mit Gemüse gefüllten Teigtaschen und Fruchtsalat genießen!

Jedes der Ponys trägt 60-70 kg, damit kann man schon ein paar ordentliche Mahlzeiten zaubern. Allerdings haben sie alleine 60 Liter Petroleum für die beiden Kocher dabei. Die gesamte Ausrüstung ist schwer und robust, allerdings schlafen die Frauen in eigenen, mitgebrachten Zelten. Eine Maus die von den Vorratssäcken im Speisezelt angezogen wurde, sorgt kurz für Aufregung!

Als ich gegen 21 Uhr zu meinem Zelt gehe, friert es bereits und ein klarer Sternenhimmel funkelt.
Früh am nächsten Morgen erfüllt dicker Nebel die frostige Landschaft. Schon bald habe ich Lungmoche erreicht, eine weitere verlassene Ansiedlung. Hier stoße ich noch einmal auf das Lager der Franzosen, die aber noch längst nicht startklar sind. Laut Karte soll der Weg nach Sangtha bald hinter Lungmoche aus dem Tal führen, ich kann aber keinen Abzweig finden.

Irgendwann beschließe ich mit GPS und Kompass ohne Weg zum nächsten Punkt zu laufen, dessen Koordinaten ich schon zu Hause ins GPS eingegeben hatte. Nach einem kurzen Anstieg erreiche ich eine weite, wellige Hochebene. Im Nebel, durch den schon langsam die Sonne dringt, nehme ich eine Bewegung war.

Kiangs! Diese herrlich bunt gefärbten tibetischen Wildesel hatte ich eigentlich schon gestern im Ramerthang Tal erhofft. Zunächst sehe ich zwei von Ihnen mit einem Fohlen, kurz danach eine Herde von 7 Kiangs. Obwohl sie mich gleich bemerkt haben, verhalten sie sich nicht sehr scheu. Allerdings halten sie stets etwa 100 Meter Abstand zu mir. Der Leithengst scheint die Gruppe zu führen und ist immer ein Stück voraus. Ab und zu bleibt er stehen und beäugt die Umgebung.

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Kiangs

Es dauert nicht lange und die Sonne zaubert die Schneegipfel aus den letzten Dunstfetzen hervor.

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Ich finde es traumhaft mir in dieser grandiosen Weite meinen eigenen Weg zu suchen. Obwohl ich es genossen habe, den gestrigen Abend mit den Schweizerinnen und ihrer Mannschaft zu verbringen, bin ich froh die ausgetretenen Pfade wieder zu verlassen.

Mein nächstes Ziel, das Zara Tal erscheint in der klaren Luft ganz nah, aber natürlich sind es noch einige Kilometer bis dort. In meinem Übermut will ich ein weiteres Stück weglos abkürzen. Aber dann stehe ich am Rand einer tiefen Schlucht. Zwar wäre es kein Problem im breiten Kiesbett weiter zu kommen, aber zunächst muss ich einen Weg nach unten finden. An einer Stelle die etwas weniger steil erscheint, versuche ich den rutschigen Kieshang hinab zu gelangen. Allerdings breche ich dieses Unterfangen nach kurzer Zeit ab, der Hang ist einfach zu steil und ich habe keine Lust in einer Kieslawine unten zu landen.

Mit einiger Mühe wieder oben angekommen, entdecke ich schließlich den Beginn eines kleinen Seitentales. Die Rinne zieht sich weit hin, erreicht aber schließlich das Tal des Zara Chu, fast gegenüber von Sanghta. Auch diese Siedlung vor der 10 mächtige, weiße Chorten aufragen, scheint verlassen zu sein, später sehe ich aber am anderen Ufer in einiger Entfernung zwei Männer.

Das Tal wirkt sehr trocken, fast wüstenhaft. Im Bachbett sind nur noch einige Pfützen verblieben. Über einer festungsartig aufragenden Felswand kreisen zwei große Geier.

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Es ist erstaunlich wie rasch sich die Landschaft ändert, denn ein Stück weiter finden sich grüne Weiden, auf denen zahllosen Yaks grasen, die mich kaum beachten. Die schwarzen Fellmonster sind wesentlich größer als auf der Hochebene Nimaling, wirken aber sehr friedlich. Ihre Besitzer haben sie mit Ohrmarken gekennzeichnet.

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Yak

Gegen Mittag ändert sich wieder einmal das heute bisher herrliche Wetter. Mit schöner Regelmäßigkeit gehen Regen- und Hagelschauer verbunden mit heftigen Windböen auf mich nieder . Einige Minichorten hoch oben in einer Wand verraten mal wieder die Bedeutung des Buddhismus für die Einwohner Ladakhs. Selbst in scheinbar abgelegenen Ecken finden sich Manimauern und Chorten.

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Schließlich erreichen ich die Einmündung des Toze Chu, der einen ganz anderen Charakter als der idyllische Zara aufweist. In einem weiten Kiesbett spaltet sich der Fluss in zahlreiche Arme auf, nur selten sehe ich an den Talrändern einige Grasflecken.

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Toze Chu

Ich habe keine Lust ständig meine Stiefel auszuziehen und achte daher sehr darauf, flache Stellen für die Durchquerung der mäandernden Wasserläufe zu finden. Die heftigen Schauer lassen die Gegend sehr unwirtlich erscheinen. Doch schließlich kehrt die Sonne dauerhaft zurück, und es gelingt mir am Talrand ein winziges grünes Fleckchen für mein Zelt zu entdecken.

Ich nutze den Sonnenschein um meine Ausrüstung zu trocknen. Vor allem dem Daunenschlafsack gilt meine Aufmerksamkeit. Zwar ist er in einer Mülltüte im Rucksack wasserdicht verpackt, aber durch die nächtliche Kondensation im Zelt ist er morgens stets ziemlich feucht. Damit die Daunen ihre isolierende Funktion nicht verlieren ist ständiges Trocknen notwendig, was über den Wanderstöcken aufgehängt in Sonne und Wind auch meist gut gelingt. Ein kleiner Abendspaziergang talabwärts zeigt mir keine neuen Hindernisse, die morgen auf mich zukommen könnten.


Seit Sanghta habe ich den normalen Weg nach Pang verlassen. Auf der Karte sieht der Weg durchs Tal des Toze Chu, den ich jetzt eingeschlagen habe, durchaus gangbar aus. Allerdings hat mir auch im Internet vor der Abreise niemand verraten können, ob man auf diesem Weg Pang tatsächlich erreichen kann. Ein eventuell unüberwindliches Hindernis wäre z.B eine enge Schlucht mit nicht durchwatbarem Wasserlauf wie am Khurna Chu. Daher bin ich sehr gespannt, ob ich auf diesem Weg Pang erreichen werde. Pang ist ein kleiner Ort an der Hauptzugangsstraße nach Ladakh, wo ich neue Vorräte für den zweiten Abschnitt der Wanderung kaufen muss.

Wieder einmal hat es nachts gefroren und schon beim Zeltabbau bin ich in Schneetreiben gehüllt, was dann auch die nächsten drei Stunden anhalten sollte. Unter diesen Umständen ist es sehr öde sich durch das graue Kiesbett weiter vorzuarbeiten. Glücklicherweise bleibt das Tal breit und die zahlreichen Wasserläufe kann ich durchwaten ohne meine Stiefel ausziehen zu müssen. Einmal sehe ich entfernt am anderen Ufer ein graues Zelt mit Lagerfeuer auf dem Kies. In den Hängen grast eine große Schafherde, die von zwei Hirten gehütet wird. Ab 11 Uhr klart es auf und ein mächtiger Schneeberg taucht auf. Das Tal verengt sich jetzt zusehends, so dass der Toze Chu nun in einem einzigen Bett mit zahlreichen Windungen verläuft. Die Wassermenge ist dadurch so angestiegen, dass ich nun fast ständig meine Sandalen trage, wenn ich den Fluss durchwaten muss, weil eine Felswand den Weitermarsch versperrt. Häufig wechsle ich von einer Uferseite auf die andere. Glücklicherweise ist der Wasserstand aber so gering, dass sich keine Probleme ergeben. Zu anderen Zeiten kann das hier ganz sicher anders aussehen! Es ist auch gut, dass sich die Schlucht erst auf den letzten Kilometern vor Pang verengt, da ich bis dahin sehr rasch vorangekommen bin.

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Schließlich erreiche ich Pang.

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Pang

Einerseits bin ich froh, für kurze Zeit in die „Zivilisation“ zurückgekehrt zu sein, andererseits will ich mich nicht länger als unbedingt nötig hier aufhalten. Es gibt einen Polizeiposten an der Straße und natürlich ist auch das Militär an dieser strategisch wichtigen Stelle präsent, wo die Straße in eine Schlucht eintaucht und über den Toze Chu führt. Mein Permit für das Gebiet östlich der Straße ist erst in sechs Tagen gültig, daher möchte ich eine Kontrolle vermeiden!

Die Zeltrestaurants werden meist von tibetischen Frauen betrieben. Ob sie allerdings ursprünglich aus dem von tibetischen Nomaden, den Changpa bewohnten Bereichen Ladakhs stammen, oder vor den chinesischen Besatzern aus dem eigentlichen Tibet geflohen sind, lässt sich nicht sagen.

Ich nehme an einem Klapptisch vor dem Zelt Platz, genieße die wärmende Sonne und verspeise erst einmal einen Teller Reis mit Gemüse. Eine alte Frau mit verwitterten, markanten Zügen, sowie eine jüngere kümmern sich um mich. Zwar können sie kein englisch, verstehen aber trotzdem, was ich möchte. Das Innere des Zeltes ist behaglich mit Teppichen eingerichtet und die Damen geben mir zu verstehen, dass ich hier übernachten kann.

Aber wie gesagt, ich will keine Aufmerksamkeit auf mich ziehen. Daher erledige ich nach dem Essen sofort meine Einkäufe. Die Auswahl an Lebensmitteln ist allerdings ziemlich beschränkt. Die mir schon bekannten chinesischen 2-.Minuten Nudeln mit scharfer Soßenpackung und Kit Kat Schokoladen erwerbe ich in großer Menge. Dazu kaufe ich 1 kg Tsampa, dass geröstete Gerstenmehl, welches in Tibet bei keiner Mahlzeit fehlt.

Mittlerweile sind schon einige Leute herbeigeströmt, die meine Wanderstöcke und den schweren Rucksack bestaunen. Aus dem genannten Grund verabschiede ich mich bald von den freundlichen Leuten und setze meinen Weg fort.

Tatsächlich komme ich ungehindert am Polizeiposten mit Schlagbaum vorbei und tauche rasch wieder in eine Schlucht ein. Ab hier folge ich dem Sunkar Lungpa. Ohne groß in die Karte zu gucken marschiere ich weiter, was wie ich erst abends merken sollte, ein großer Fehler ist!

Nachdem ich die enge Schlucht hinter mir gelassen habe, finde ich mich wieder in weiten Kiesfeldern, die ich schon von heute morgen zur Genüge kenne. Zwischendurch gibt es mal wieder einige Hagelschauer und ich würde ganz gerne bald mein Lager aufschlagen, da ich inzwischen weit genug von Pang entfernt bin. Leider gibt es weit und breit kein geeignetes Plätzchen. Irgendwann gelingt es mir dann aber doch einen grünen Rasenfleck zu finden auf dem ich mein Zelt aufschlage.

Erst als ich mit dem GPS meinen Standort bestimme und in die Karte übertrage, kommt der Schock: In meiner Eile Pang zu verlassen, bin ich nicht ins Sunkar Lungpa Tal gegangen, sondern dem Toze Chu weiter gefolgt! Fast drei Stunden in die falsche Richtung!

Zwar widerstrebt es mir, den selben Weg zurück zu gehen, aber ein Blick auf die Karte verrät, dass eine Abkürzung zurück auf den „rechten Weg“ durch hohe Bergketten versperrt wird. Ärgerlich, aber nicht zu ändern!

Nammalakuru
18.10.2010, 21:22
Oha! Großes Kino.

Ist ne sehr interessante Gegend und auf ods noch tendenziell unterrepräsentiert. Umso mehr Dank für deinen super Bericht!

Beste Grüße,
Nam

Atze1407
18.10.2010, 21:37
Ja was soll man zu dem Reisebericht noch sagen, einfach Top, einschließlich der Fotos.

von mir gibt es 5sterne

Viele Grüsse
Atze1407

Menelaos
18.10.2010, 22:11
Fein, ich finde ja den individuellen Stil sehr ansprechend und kann mich damit durchaus identifizieren. Es muss ja nicht immer sowas sein wie Du jetzt machst, aber ab und an rocken solche Tourenberichte einfach zwischen den Standardtouren. :bg:
Keep on rockn!

peter-hoehle
18.10.2010, 22:14
Ja was soll man zu dem Reisebericht noch sagen, einfach Top, einschließlich der Fotos.Viele Grüsse Atze1407

Dem ist nichts hinzuzufügen.
Einfach Lektüre vom feinsten aus einer der
entlegensten Ecken dieser Welt.
5sterne
Gruß Peter

Gassan
18.10.2010, 22:15
WAU!!!!!5sterne5sterne

smeagolvomloh
18.10.2010, 23:11
Vielen Dank für diesen erstklassigen Reisebericht! 5sterne

Wildniswanderer
19.10.2010, 16:50
Zunächst mal vielen Dank für die netten Kommentare!

Und schon geht es weiter...

Der zweite Teil des Treks: Pang-Tsokar

Am nächsten frostigen Morgen weiß ich schon was mir bevorsteht: Etwa siebenmal, muss ich den Bach durchwaten, oft in kurzer Folge!

Es kostet schon etwas Überwindung bei den so früh am Morgen noch sehr frischen Außentemperaturen sich barfuß mit Sandalen in das eiskalte Gewässer zu begeben. Unmittelbar nach dem ich auf der anderen Seite bin, gefrieren bereits die Wassertropfen an den Sandalen. Erst gegen 9, als die Sonne den Talgrund erreicht hat, wird es wärmer.

In Pang errege ich etwas Erstaunen bei meinem „Einkaufszelt“ von gestern, da ich schon wieder da bin. Es gelingt meinen Fehler zu erklären und die Leute sagen mir voller Mitgefühl welchen Weg ich einschlagen muss. Natürlich lasse ich es mir nicht nehmen, erst einmal zu frühstücken. Tee, Chapatis und Ei.

Meine Landkarte ist falsch, was Pang angeht. Statt der tatsächlich vorhandenen zwei Brücken über den Toze Chu ist nur eine eingezeichnet!

Was solls, diesmal finde ich ohne Probleme das abzweigende Seitental und habe schon bald Pang und die Straße hinter mir gelassen. Endlich einmal wieder ein schöner, sonniger Tag. Allerdings wirkt das breite, fast wüstenhafte Tal in dem ich jetzt laufe etwas monoton.

Überraschenderweise begegne ich heute westlichen Touristen. Ein franko-kanadisches Paar mit einem Guide aus Nepal will in Pang seine 11-tägige Trekkingtour beenden. Ihr Gepäck tragen 4 Esel, die von einem urig aussehenden, alten Nomaden geführt werden. Er ist klein und drahtig, mit sehr braunem Gesicht aus dem gelbe Zähne blitzen. Der Mann trägt eine an Mönche erinnernde braune Kutte, einen hellen Hut und eine Gebetskette um den Hals. Er schüttelt mir die Hände und redet intensiv auf mich ein, leider verstehe ich kein Wort!

Das Paar hat mir erzählt, dass ein Stück weiter Nomaden lagern, sie aber ansonsten fast niemanden auf ihrem Trek gesehen haben. Als ich etwas später fünf riesige schwarze Hunde allein im Kiesbett sehe, gehen meine Alarmglocken an. Wahrscheinlich ist eine Viehherde in der Nähe, aber ich sehe weder Tiere noch Hirten. Es wäre ziemlich unangenehm wenn mich die Wachhunde für eine Bedrohung ihrer Schützlinge halten würden! Glücklicherweise beachten sie mich überhaupt nicht und dösen im Kiesbett weiter vor sich hin.

Entfernt passiere ich etwas später ein weiße Zelt und danach noch einmal eine Gruppe von dreien. Ein Mann trägt Brennholz, besser gesagt niedrig wachsendes Gestrüpp in einer Art Kiepe zum Lager. Eine riesige Schafherde wird von zwei halbwüchsigen Jungen gehütet, die westliche Kleidung tragen und zunächst auch in meine Richtung gehen. Sie rufen mir etwas zu, aber schließlich verlässt sie wohl der Mut, daher kommen sie nicht näher heran.
Obwohl das Tal ziemlich eben ist, entdecke ich zunächst keinen Lagerplatz, weit und breit nichts als Steine! Aber wie immer finde ich nach einigem Suchen doch noch einen schönen Fleck.

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Obwohl ich ja inzwischen schon einiges an Training absolviert habe, spürte ich heute das nach dem Einkauf wieder gestiegene Rucksackgewicht ziemlich intensiv...

Ich koche immer drei 100- Grammpackungen der Magginudeln mit Marsala -Soße auf einmal, dennoch ist mir klar, dass der Nährwert dieser Nudeln nicht sehr hoch ist. Aber als ich Tsampa einrühre, der gut bindet, stellt sich bald ein wunderbares Sättigungsgefühl ein.

Abends unternehme ich einen Spaziergang in die Hügel. Die Weite außerhalb des Tales gefällt mir viel besser, allerdings wird das Vorankommen hier durch steile Erosionsrinnen erschwert.

Ein strahlender Morgen ohne ein Wölkchen am Himmel erwartet mich. Schon bald zweigt laut Karte meine Route aus dem Haupttal ab. Jetzt zeigt es sich, dass es durchaus sinnvoll war ein GPS mitzunehmen. Schon zu Hause hatte ich die Koordinaten des Abzweigs eingegeben und finde jetzt auch gleich mühelos die Stelle. Ich bin zwar überzeugt, dass das auch ohne dieses Hilfsmittel möglich gewesen wäre, aber häufig zweigen eine ganze Reihe von Seitentälern ab, so dass es gar nicht so einfach ist, das Richtige zu treffen.

Während das Haupttal bisher eher breit und öde war, entpuppt sich der Abschnitt den ich jetzt durchwandere als richtig idyllisch. Häufig stoße ich auf herrliche grüne Lagerplätze. Immer wieder sehe ich große Hasen in dieser Umgebung. Nachdem das Tal sich ausgeweitet hat, verengt es sich schließlich zu einer engen, dunklen Schieferschlucht, in der ich diesen mächtigen Argalischädel entdecke.

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Argalis sind die größten Wildschafe der Welt. Während ihre Vettern in Zentralasien noch stärker sind, finde ich auch diese Schnecken ziemlich beeindruckend! Trophäenjäger sind bereit viele Tausend Euro für so eine Beute zu bezahlen, und hier liegt der Schädel einfach herum!

Zwar lockt es mich sehr, die Schlucht weiter zu erkunden, allerdings wird mir klar, dass ich den Abzweig zum Pass Thelakung La verpasst habe. (trotz GPS!) Also gehe ich ein Stück zurück. Einige undeutliche Hufspuren führen in eine Nebenschlucht. Doch auch diese verengt sich schon bald so, dass auf der Hand liegt, auch hier nicht auf dem richtigen Weg zu sein. Ich habe keine Lust weiter rumzusuchen, klettere aus der Schlucht und bestimme die Richtung zum Pass mit GPS und Kompass.

Hier oben bin ich wieder in der typischen braunen Weite des Hochlands. Das Gelände ist zwar ziemlich wellig, setzt mir aber keine Hindernisse entgegen. Leider hat sich das Wetter wieder geändert. Es ist jetzt windig und kalt. Bald stoße ich auf den verlorenen Pfad zum Pass und erreiche den Thelakung la auf 5029 m gegen 13 Uhr. Obwohl ich nun wieder über 5000 Meter erreicht habe, war der Anstieg kaum bemerkenswert. Auch die Täler sind hier sehr hoch gelegen. Leider trübt das Wetter die Aussicht ein wenig.

Am Fuß des Passes baue ich schon gegen 14 Uhr an einem klaren Bach der aus einem Seitental kommt mein Zelt auf. Bald erscheint ein einsamer Reiter. Er entpuppt sich als der Begleiter der Kanadier, der jetzt nach Hause zum Tsomoriri reitet. Wieder bietet er mir seine Dienste an, was ich aber ablehne. Mittlerweile habe ich mich gut an den Rucksack gewöhnt, und bin auch stolz darauf autark unterwegs zu sein!

Während ich bisher keine Gesundheitsprobleme hatte, schmerzt heute die Außenseite meines linken Fußes. Ich weiß zwar nicht bei welcher Gelegenheit, aber offensichtlich habe ich mir eine Zerrung zugezogen. Hoffentlich wird der Schmerz nicht schlimmer. Es wäre kein Vergnügen tagelang hier durch die Gegend zu humpeln!

Bei einem ausgedehnten Spaziergang erkunde ich die Umgebung. Erstaunlich wie viele Vögel es hier gibt. Lerchen, Pieper, Steinschmätzer und so weiter. Die Kolkraben gibt es auch bei uns in Deutschland. Auf einer Hochweide im Talkessel grast eine große Yakherde von etwa 50 Stück. Auch einige Kälber sind dabei, die immer wieder grunzende Laute von sich geben.

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Natürlich wimmelt es auch hier von ziemlich scheuen Pikas. Zwei große Adler am Himmel haben es wahrscheinlich auf sie abgesehen.
Rechtzeitig zum Sonnenuntergang erklimme ich einen Berghang. Faszinierend wie die Gipfel im letzten Licht leuchten!

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Mir ist klar, dass ich mein Zelt noch vor dem Einbruch der Dunkelheit erreichen muss, denn ich habe keine Lust mir im Dunkeln „die Haxen zu brechen“ oder gar mein Stoffhaus nicht wieder zu finden. Dennoch lasse ich es mir nicht nehmen, den Sonnenuntergang auf dem Hügel zu bewundern.

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Am Morgen ist der Bach neben dem Zelt mit einer Eisschicht überzogen! Trotz der Eiseskälte habe ich die Nacht in meinem neuen Daunenschlafsack, dessen Komforttemperatur laut Hersteller bei – 15 Grad liegt, gut überstanden. Natürlich frühstücke ich im Zelt! Zwar wollte ich auf diesem Abschnitt morgens nur Tsampa essen, aber ich habe schnell gemerkt, dass das Zeug für sich alleine nicht besonders schmeckt. Daher strecke ich meine verbliebenen Müslivorräte in dem ich sie mit dem gerösteten Gerstenmehl mische.

Etwas Warmes wie Tee oder Kaffee gibt es übrigens nicht zum Frühstück, schließlich soll meine eine Gaskartusche ja bis zum Ende der Tour reichen.
Beim Zeltabbau trage ich dann alles was ich habe, sogar die Sturmhaube kommt wieder zum Einsatz.

Allerdings sind die Minustemperaturen nicht von langer Dauer, als die Sonne an diesem strahlend schönen Morgen hervorkommt, wird es rasch wärmer und ich lege eine Bekleidungsschicht nach der anderen ab. In dem weiten, nur manchmal von einigen gelben Gräsern und dornigen Zwergsträuchern bewachsenen Tal komme ich mir wie ein Entdecker in Tibet vor. Die Weite und Stille der Landschaft versetzten mich in eine Art Trance.

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Allerdings ist die Gegend keineswegs leblos. Immer wieder begleiten mich in gehörigem Abstand einzelne Kiangs oder kleine Gruppen der Wildesel. An einer Stelle zähle ich neun Murmeltiere vor ihrem Bau! Leise gurrende, turteltaubenähnliche Hühnervögel an einer sandigen Stelle beachten mich kaum.

Obwohl ich an einem Bach gezeltet habe, ist jetzt weit und breit kein Wasser mehr zu finden. Dummerweise habe ich es auch versäumt, in der Morgenkälte meine Flasche zu füllen. Also heißt es jetzt dürsten! Ich kann nur hoffen, dass es weiter unten im Tal wieder Wasser gibt.

Obwohl ich einmal eine kleine Pferdeherde aus 6 Rappen und 2 Schimmeln sehe, begegne ich heute keinem anderem Menschen. Wahrscheinlich nutzen die Nomaden dieses Tal eher als Winterweide. Wie aus dem nichts taucht gegen Mittag der Bach wieder auf und ist rasch so breit, dass ich manchmal nach einer günstigen Stelle suchen muss, wo ich ihn von Stein zu Stein überqueren kann. Gras- und Kiesebenen wechseln einander ab. Manchmal laufe ich über eine Stunde zur nächsten Talbiegung um mich danach vor der nächsten weiten Ebene wiederzufinden. Ich komme schnell voran, daher schlage ich schon um 14 Uhr mein Lager auf einer Rasenfläche zwischen den Bachmäandern auf.

Das GPS zeigt mir, dass ich heute mehr als 19 Kilometer Luftlinie zurückgelegt habe. Zwar waren ab Mittag einige Wolken aufgezogen, aus denen es einige Tropfen geregnet hatte, aber es ist immer noch warm und schön, so dass ich die Gelegenheit zu einem Vollbad im Bach wahrnehme. Besonders lange halte ich es in dem eiskalten Wasser allerdings nicht aus!

Später breche ich dann wieder zu einem Erkundungsgang talabwärts auf.

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In dem Schwemmland voller kleiner Wasserläufe tummeln sich zahlreiche Schnepfenvögel, sogar ein auffälliger Stelzenläufer stolziert zwischen den Bacharmen umher.

Während ich heute in der weiten Ebene keinen Pfad entdecken konnte, bemerke ich jetzt Pferdespuren, die sich vom Bach entfernen. Laut Karte kürzt hier der Weg eine weite Bachbiegung landeinwärts über einen niedrigen Pass ab. Obwohl es langsam spät wird und ich nicht im Dunkeln herumstolpern will, kann ich mich nicht losreißen und habe schließlich auch den Manechan la erreicht. Auf der anderen Seite grast ein Kiang und entfernt zahlreiche Yaks. Auf dem Rückweg genieße ich den farbigen Sonnenuntergang und erreiche schließlich mit dem letzten Licht wieder das Zelt.

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Nach einer frostigen Nacht bricht ein weiterer herrlicher Morgen an. Schon um 9 Uhr ist es so warm, dass ich im T-Shirt laufen kann. Ein Kiang kommt mir aus dem Schatten eines Berghangs entgegengaloppiert, dreht als er mich erkennt ab, und läuft in das bereits sonnige Tal. Ein herrlicher Anblick!

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Die Sonne zaubert Leben hervor, dass man bei den Frosttemperaturen des frühen Morgens kaum für möglich halten würde: Fette Hummeln und einige Schmetterlinge. Dennoch sind die Zwergsträucher bereits kupferrot verfärbt. Weite Schotterfelder wechseln sich immer wieder mit fruchtbarem Schwemmland ab. Zwar sehe ich stellenweise Yakherden, aber auch heute begegne ich keinem Menschen.

Erst gegen Mittag ändert sich der Charakter des Tales. Es wird enger, tiefer eingeschnitten und der Bachlauf hat jetzt oft fünf Meter Breite und ist kaum noch mit den Stiefeln trockenen Fußes zu überqueren. Bald gelange ich an einen idyllischen Lagerplatz, der aber eigentlich einem fetten Murmeltier gehört…

Später erkunde ich dann ein Seitental. Zunächst glaube ich, nicht sehr weit zu kommen, da es bald ziemlich steil wird, aber tatsächlich zieht sich die Schlucht immer tiefer in die Berge hinein. Hierhin gelangt wohl nur manchmal ein Nomade. Ich träume davon wieder zu kommen...
Durch ein solches verstecktes Tal tief in die Berge zu gelangen, an einem schönen Platz ein Lager aufzuschlagen, Erkundungsgänge zu unternehmen und mit etwas Glück Wildschafe oder gar den Schneeleoparden zu fotografieren...

Die letzten beiden Tage in dem breiten Tal waren etwas eintönig, aber ich bin davon überzeugt, dass diese Berge noch viele Geheimnisse wahren. Man muss nur die ausgetretenen Wege verlassen!

Glücklicherweise hat mein Fuß heute nicht mehr weh getan. Es war wohl nur eine vorübergehende Überlastung durch irgendeine Bewegung. So etwas passiert natürlich relativ leicht mit dem schweren Rucksack auf dem Buckel.

Ich bin am nächsten Morgen noch nicht lange unterwegs, als ich im Schotterbett des Baches eine Bewegung wahr nehme. Ich gehe davon aus, dass es wie so häufig ein Kiang ist.

Aber als ich mit dem Fernglas genauer hinschaue, traue ich meinen Augen kaum: Das Tier im Talgrund ist ein Wolf! Die Färbung des relativ kleinen Tieres ist rötlich mit weißer Schnauze und schwarzer Schwanzspitze. Der Wolf verhofft einige Zeit und verschwindet schließlich nachdem ich ihn etwa drei Minuten beobachten konnte durch die Wasserläufe des Tales trabend aus meinem Gesichtsfeld. Leider war das Tier für ein Foto zu weit entfernt.

Etwa später sehe ich dann noch tatsächlich einen Kiang und an den dunklen, steilen Schluchtwänden kreist ein Adler. Schließlich öffnet sich das Tal ein wenig. Häufig stellen grüne Wiesenstreifen jetzt tolle Lagerplätze dar. Aber natürlich mache ich so kurz nach meinem Aufbruch noch nicht halt. An einer Stelle blüht etwas Edelweiß, allerdings nicht in den Massen wie ich sie in der Mongolei gesehen habe.

Nach zweieinhalb Wanderstunden eröffnet sich eine weite Schotterebene meinen Blicken, und dann sehe ich zum ersten Mal den Tsomoriri, einen relativ schmalen, in Nord-Südrichtung sich über 30 Kilometer erstreckenden See.

Über seinem Ostufer erheben sich 4 weiße Gletscherberge. Nachdem ich jetzt lange Zeit auf dem selben Ufer marschiert war, durchwate ich nun den Phirse Phu, wie der Fluss hier heißt, mit meinen Sandalen. Mein GPS zeigt mir, dass es lediglich ca. fünf Kilometer bis zum Ostufer des Sees sind. Eine leichte Übung in der flachen Landschaft denke ich.

Allerdings sollte ich mich getäuscht haben...

Lange Zeit beobachte ich eine kleine Kiangherde die vom spärlichen Gras der Schotterebene frisst. Deutlich lassen sich der Hengst welcher die Gruppe anführt, 2 Stuten, ein Halbwüchsiges und ein kleines Fohlen unterscheiden. Sie halten zwar Abstand zu mir, beachten mich ansonsten aber nicht weiter.

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In der klaren, wolkenlosen Atmosphäre wirkt alles ganz nah. Es ist so warm, dass ich im T-Shirt laufen kann. Heuschrecken segeln durch die Luft und über allem liegt eine magische Stille. Von der Anwesenheit des Menschen ist nichts zu spüren.

Die Schotterflächen werden manchmal von gelbem Gras abgelöst, der Boden ist oft von Salz weiß verkrustet. Ich hatte mich bereits gefragt, wie der Pare Fluss aussehen wird, der von Norden kommend in den Tsomoriri einmündet. Wird es schwierig werden, diesen auf der Karte fett eingezeichneten Fluss zu überqueren?

Als ich dann schließlich an seinem Ufer stehe, und in seinem Bett nur noch einige schlammige Pfützen verblieben sind, wundere ich mich denn doch!

Auch die zahlreichen anderen Wasserläufe des Kyangdam genannten Deltas sind kaum wahr zu nehmen. Das soll ein bedeutendes Feuchtgebiet sein?

Ich wähne mich bereits auf der anderen Seite des Deltas, als ich vor einer ausgedehnten Wasserfläche stehe, offenbar ein Altwasser des Pare. Mir bleibt nichts anderes übrig, als es zu umrunden. Kaum habe ich das geschafft, stehe ich am Ufer des nächsten Gewässers. Nach meiner Karte ist hier nichts dergleichen zu vermuten!

Es scheint, ich muss fast bis zum Austritt des Pare aus dem Gebirge in die Schwemmebenen zurück gehen, ein gewaltiger Umweg! Das Gewässer ist nur etwa 50 Meter breit und wie ich vermute ziemlich flach. Also will ich versuchen es zu durchwaten.

Um die Wassertiefe zu prüfen, lege ich meinen Rucksack und die Kleidung ab und steige in das Gewässer. Immerhin scheint die Sonne und es herrschen angenehme Mittagstemperaturen. Das gilt aber nicht für das Wasser! Zwar reicht es nur etwa bis zur Hüfte, aber noch weit bevor ich die Hälfte des Weges zurück gelegt habe, bin ich fast erstarrt. Eilig trete ich den Rückzug an. Mir bleibt nichts anderes übrig, als weiter die Uferlinie entlang zu traben.

Schließlich liegt auch das letzte Altwasser hinter mir und ich stehe wieder auf festem Boden. Für die 5 Kilometer Luftlinie habe ich dreieinhalb Stunden benötigt. Nichts desto trotz ist die Weite des Deltas faszinierend.

Aber wo sind die Tiere? Außer einigen Rotschenkeln und anderen Watvögeln die im Schlamm herum stochern sehe ich nichts, auch kein Vieh. Dennoch weisen einige Unterstände aus Stein darauf hin, dass die Gegend zeitweise von den Nomaden genutzt wird. An einem klaren Bächlein kann ich noch einmal meinen Durst stillen und die Flasche füllen.

Danach werde ich mich wohl an das salzige Wasser des Sees gewöhnen müssen. Wie ich gelesen habe, sind die Zuflüsse auf der Ostseite meist ausgetrocknet. Von einem Hügel eröffnet sich noch einmal ein herrlicher Ausblick über das Delta mit seinen Altwassern. Komisch, das davon nichts auf der sonst guten Karte verzeichnet ist.

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Eine magische Stille liegt über der Landschaft, die kein menschliches Geräusch stört. Fette Heuschrecken segeln ab und zu durch die Luft.

Ursprünglich hatte ich vor, direkt von der Südspitze des Sees weiter landeinwärts nach Osten zu gehen. Allerdings hatte mir der Führer der Schweizer erzählt, dass die Gegend gesperrt sei, und nicht in meinem Permit eingeschlossen ist. Außerdem gäbe es hier einen Militärstützpunkt, von dem Patrouillen ausgesandt würden. Daher hatte ich beschlossen dem Ostufer des Sees nach Norden zu folgen. Zwar ist auf der Karte ein Weg eingezeichnet, aber wie ich ja inzwischen mehrfach feststellen musste, sind solche Einzeichnungen hier häufig reine Fantasiegebilde. Das Ostufer wirkt ziemlich zerklüftet. Ich bin gespannt wie ich hier vorankommen werde.

Ab jetzt folge ich der steinigen Uferlinie die nur selten von schmalen Grasstreifen unterbrochen wird. Wie erwartet ist nichts von dem in der Karte eingezeichneten Pfad zu erkennen. Es ist heiß und die Sonne brennt gnadenlos auf das türkise Wasser des Sees.

Seine tolle Farbe könnte einen fast in die Südsee versetzen, wenn da nicht die kahlen, braunen Ufer und die aufragenden Schneeberge wären. Bevor ich eine Landzunge abkürzen will, schlage ich mein Zelt am Strand auf. Ich nutze die Gelegenheit zu einem Bad in dem erstaunlich warmen Wasser, in dem viele Kleintiere schwimmen. Bei einem Abendspaziergang kann ich die einmalige Atmosphäre des Sees in mich aufnehmen. Normalerweise ist es hier ziemlich windig, um so erstaunlicher finde ich es, das heute kein Lüftchen geht, und der See ruhig und spiegelblank schimmert.

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Besonders schön wird es, als die fernen Schneeberge von der untergehenden Sonne gefärbt werden, und dann ein halber Mond sein silbernes Licht im Wasser spiegelt.

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Nach einer Nacht ohne Frost bin ich frühmorgens wieder unterwegs. Nur ein kurzes Stück geht es noch am Strand entlang, dann suche ich mir meinen Weg landeinwärts, um ausgedehnte Landzungen abzuschneiden. Von oben eröffnet sich noch einmal ein Blick zurück zur Südspitze des Sees.

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Dann und wann folge ich ein Stück der Andeutung eines Pfades, meist wähle ich aber für mich selber die günstigste Linie durch das stark durchschnittene Gelände, wo ein kurzer Anstieg vom nächsten abgelöst wird.

Obwohl die Gegend trocken und unfruchtbar wirkt, beobachte ich einen Kiang, der mich kaum beachtet. Als ich an einer Bucht ankomme, sehe ich entfernt am anderen Ufer bereits den relativ groß erscheinenden Ort Korzok. Steile, tief eingeschnittene Gräben die ich mit größter Vorsicht quere, um nicht in einer Gerölllawine am See zu landen, unterbrechen den felsigen Uferhang. Auch heute herrscht wieder warmes Sommerwetter.

Als ich einen weiteren Hang erklommen habe, stoße ich überraschend auf eine Jeepspur. Die Uferberge treten zurück und weichen einer breiten, flachen „Küstenebene“ Mein Blick schweift von hier fast bis zum Nordende des Tsomoriri.

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In der Ebene angelangt erwartet mich einer weitere Überraschung: Eine Piste paralell zum Seeufer wurde bereits bis hier in die Uferlandschaft planiert. Offenbar haben die sich anschließenden Berge für einen vorläufigen Baustopp gesorgt. Obwohl kein Mensch zu sehen ist, stört die Straße mein „Wildnisgefühl“ ganz erheblich.

Kilometerweit marschiere ich jetzt durch die trockene, eintönige Landschaft, in der nur selten einige Grashalme Sand und Schotter unterbrechen. Seit ich Kyangdam verlassen habe, bin ich auf keinen Wasserlauf mehr gestoßen.

Daher bleibt mir nichts anderes übrig, als das schwach salzhaltige Wasser des Sees zu trinken. Am Turkanasee in Kenia war ich in der selben Situation, und hatte dort das brackige Wasser problemlos vertragen. Auch hier in Ladakh rebelliert mein Magen nicht gegen die Flüssigkeit.
Manchmal huschen kleine Eidechsen zwischen den Steinen umher.

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Während ich bisher vermieden habe, auf der Piste zu laufen, steige ich zu der Straße hoch, als sich die Felshänge wieder dem Ufer nähern. Erstaunlich mit welchem Aufwand hier Felsen gesprengt und weggeschoben wurden, um die Straße zu bauen. Aber was ist der Sinn dahinter? Ich kann nur hoffen, dass dies keine Panaromaroute für Touristen werden soll, denn meiner Meinung nach verschandelt die Piste das Ufer dieses „magischen“ Sees gehörig. Wahrscheinlicher ist allerdings, dass sie militärischen Zwecken dienen soll.


Schließlich schlage ich am Nachmittag mein Zelt in der Nähe einiger brackiger Lagunen am Seeufer auf. Stellenweise wimmelt es hier von kleinen Mücken, was meine gedrückte Stimmung noch verstärkt. Dennoch unternehme ich einen Abendspaziergang in die Berge über dem See.

Wieder einmal unterschätze ich die Entfernungen in meinem Bestreben einen guten Aussichtspunkt zu erreichen. So kann ich zwar die schöne Sonnenuntergangsstimmung genießen, gelange aber erst im Licht des Halbmonds zurück zum Zelt. Zur Not hätte mir das GPS den Weg zurück zeigen müssen, die spärliche Beleuchtung reicht aber gerade so um zurück zu finden.

Obwohl der Tsomoriri auf 4500 Metern Höhe liegt, friert es auch in dieser Nacht nicht. Dafür wird mir beim Anstieg des Hanges, den ich gestern Abend schon ohne Rucksack zurückgelegt hatte, schnell wieder bewusst, wie dünn die Luft hier ist.

Immer wieder glaube ich, endlich auf dem Plateau über dem See angelangt zu sein, doch stets stellt sich heraus, dass ich nur einen kleinen Absatz erklommen habe und es weiter nach oben geht. Erschwerend kommt hinzu, dass der Untergrund häufig aus losem Sand besteht, der meine Stiefel festhält.

Doch schließlich bin ich oben und der Blick schweift weit in alle Richtungen über die braune „tibetische“ Landschaft aus der einzelne zum Teil schneebedeckte Bergketten ragen. Scheinbar gibt es keine weiteren Hindernisse bis zum 12 Kilometer Luftlinie entfernten kleinen See, Kiagar Tso.

Es macht mir unheimlich Spass mit GPS und Kompass meine eigene Route durch die Weite zu suchen. Allerdings täuscht der Eindruck eines hindernisfreien Fortkommens sehr stark. Immer wieder tauche ich in Täler ein und erklimme dann weitere steinige Plateaus. Obwohl kein Wasser in den Bächen fließt, ist es erstaunlich, manchmal auf dichte Teppiche gelben Grases zu stoßen.

Steinpferche weisen darauf hin, dass diese Weiden regelmäßig von den Nomaden genutzt werden. Leider liegt hier viel Müll, vor allem alte Turnschuhe herum.

Ein scheinbar naher Berggipfel lockt zur Besteigung, aber mir ist klar, dass die Nähe täuscht und ich sicher Stunden benötigen würde um auf ihn zu gelangen.

Für manche Leute mag die braune Weite dieses Hochlands eintönig wirken, aber ich liebe es sie zu durchstreifen. Welch grandiose Möglichkeiten für weite Touren diese Gegend bietet!

Einmal sehe ich entfernt einen Schäfer mit seiner Herde, dann erreiche ich gegen Mittag den Kiagar Tso, dessen türkis schimmernder Spiegel eine fast überirdische Farbe hat.

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Obwohl auch dieser See von einer weißen Salzkruste gesäumt ist, ergießen sich einige Süßwasserquellen in ihn. Endlich kein Brackwasser mehr! Entfernt am Ostufer haben Nomaden drei Zelte aufgeschlagen und hüten ihre Yaks an den Hängen.

Besonders freue ich mich, als ich 5 Streifengänse auf dem See beobachte. Mit schwarzem Schwanz und weißem Hals sowie Kopf wirken die Vögel sehr farbenprächtig, obwohl sie typische Gänselaute von sich geben. Diese Bewohner des tibetischen Hochlands sind dafür berühmt, dass sie den Himalaja in 10.000 Metern Höhe überfliegen um in ihre südlichen Winterquartiere zu gelangen.

Nachdem ich den Seehang erklommen habe, sehe ich einen Traktor mit Anhänger! Er fährt nicht quer durch das Gelände sondern auf der Piste nach Korzok, die ich bald quere.

Noch einmal eröffnen sich letzte Blicke auf das Nordende des Tsomoriri, dann habe ich das Tal des Yam erreicht, einem rauschenden Wildbach der aus einer Schlucht kommend, in die Weite strömt. Obwohl ich den ganzen Tag bisher kein fließendes Wasser angetroffen habe, ist der Yam so breit und tief, dass ich keine Stelle finde, wo ich ihn von Fels zu Fels springend überschreiten könnte.

Ein Hirte, der einige Yaks in die Schlucht treibt, hat natürlich kein Problem auf dem Rücken eines der Zotteltiere das Gewässer zu überqueren. Nun ja, ich bin für heute auch weit genug gekommen, daher schlage ich mein Zelt auf einem idyllischen Plätzchen am Eingang der Schlucht auf. Der Blick geht von hier zurück in die Landschaft die ich heute durchmessen habe.

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Später unternehme ich noch einen Erkundungsgang, stehe aber bald vor einer Felswand an einer Engstelle des Tales. Morgen werden meine Sandalen hier zum Einsatz kommen, aber für heute ziehe ich es vor trockene Füße zu behalten!

Nach einer kalten Nacht, eröffnet sich mir von meinem Zeltplatz ein exklusiver Blick auf den Sonnenuntergang über den Bergen im Osten.

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Schon bald stehe ich wieder am Bach, und durchwate das eiskalte Gewässer mit meinen Sandalen an den Füßen. Dabei schaut mir eine Wasseramsel aus nächster Nähe zu. Trotz der Kälte des Wassers gibt es hier offenbar Insekten nach denen der Vogel tauchen kann. Später sehe ich noch einige der Vögel. Sie erscheinen mir größer und deutlich dunkler, als die Wasseramseln die ich aus Deutschland kenne.

Durch die enge Schlucht voller großer Felsblöcke kämpfe ich mich weiter aufwärts. Von der Weite der Landschaft, die ich noch gestern erlebt hatte, ist in diesem alpinen Gelände nichts mehr zu bemerken. Es gibt keinen Pfad und ich frage mich ständig, wie der Mann mit seinen Yaks gestern hier durch gekommen ist. Dies bringt mich dazu, die Schlucht verlassen zu wollen. Vielleicht gibt es weiter oben eine ebene Stufe auf der ich einfacher vorankomme. Doch zunächst muss ich irgendwie den steilen Uferhang bewältigen. Schon bald wird mir klar, dass ich nicht bis nach oben komme und versuche am Hang weiter zu queren um an einer günstigeren Stelle wieder zum Bach abzusteigen. Immer wieder setzt sich der lose Schutt unter meinen Füßen in Bewegung und ich versuche krampfhaft an einzelnen größeren Felsblöcken Halt zu finden. Schließlich bin ich wieder unten angekommen und nehme mir fest vor, kein weiteres Risiko dieser Art einzugehen! Besser langsam und mühsam vorankommen, als im Geröll mit gebrochenen Gliedern zu liegen!

An einem kurzen Wiesenabschnitt treffe ich auf zwei an die Mongolei erinnernde, runde, weiße Zelte. Offenbar sind die Nomaden gerade dabei, ihr Lager abzubrechen, denn es türmen sich bereits hohe Bündel. Ein etwa 8-jähriger Junge stellt sich mir zunächst kühn in den Weg, weicht dann aber aus. Als ich noch in Sichtweite des Lagers meinen Rucksack zu einer Pause abnehme, kommt er schüchtern auf mich zu. Mit freundlichen Gesten fordere ich ihn auf näher zu kommen. Schließlich steht er bei mir. Sonam, so heißt das mit rosa Jacke und Turnschuhen bekleidete Bürschchen, hat in der Schule bereits etwas englisch gelernt, und beginnt, nachdem er „aufgetaut“ ist, mich förmlich auszufragen. Steif und fest behauptet er, dass es hier nicht zum Tso Kar See, meinem Ziel geht. Im Prinzip hat er sogar recht, da dies sicher nicht die Hauptroute zu dem Salzsee ist. Die Kit Kat Schokoladen in meinem Proviantbeutel erkennt er auch gleich auf Anhieb, obwohl sie nur für einen kurzen Augenblick beim Schließen meines Rucksacks auftauchen!

Mittlerweile bewege ich mich in einer Blockschlucht fast ohne Vegetation auf annähernd 5000 Meter Höhe. Dennoch gibt es auch hier Leben: Ein großer schwarzer Adler kreist in der Luft und ein Wiesel huscht neugierig blitzschnell auf mich zu, um bald darauf wieder zu verschwinden. Auch Murmeltiere gibt es hier noch.

Nach einigen Stunden weitet sich das Tal und gabelt sich bald darauf. Die Landschaft wird wieder „tibetisch“. Leider ist es wohl mit dem schönen Wetter der letzten Tage erst einmal vorbei. Es ist bewölkt und der eiskalte Wind treibt mitunter einige Hagelkörner vor sich her.

An der Gabelung der Täler befinden sich zwei Plätze an denen jeweils 2 Zelte aufgebaut sind. Offenbar sind lediglich Frauen und Kinder anwesend, die Männer sind sicher beim Vieh.

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Als ich später einem Pfad auf einem Plateau folge, kommen aus einem Einschnitt heraus plötzlich drei riesige schwarze Hunde auf mich zu. Ich bin gespannt, was passieren wird, da taucht bereits die Nomadenfamilie auf, zu denen sie gehören. Ihr gesamter Hausrat ist auf dem Rücken von acht Pferden verstaut. Die älteren Leute tragen die traditionellen Wollmäntel, während die Jüngeren offenbar westliche Kleidung bevorzugen. Auch Kinder begleiten den Zug. Wir begrüßen uns kurz und ziehen dann aneinander vorbei.

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Später treffe ich noch zwei junge Männer, die eine 18-köpfige Yakherde führen, sowie einen alten Mann, der mit 10 Pferden talabwärts zieht.

Es ist nicht mehr weit bis zu dem über 5600 Meter hohen Pass Kozur la, daher schlage ich mein Zelt bereits am frühen Nachmittag im Tal des Gyamsharma Baches auf 5181 Meter Höhe auf. Es wimmelt hier von Pikas, die Gras ausrupfen und dann in ihren Bau tragen. Wahrscheinlich steht der Winter unmittelbar vor der Tür, weshalb die Nomaden auch die Hochweiden verlassen. Hoffentlich fällt in der Nacht nicht viel Schnee, damit ich morgen über den Pass gehen kann!

Während ich im Zelteingang esse, besucht mich ein großes Wiesel mit goldener Kehle und schwarzen Ohren. Das neugierige Tier nähert sich mir bis auf 5 Meter, flitzt aber schließlich weiter. Die Pikas interessieren das Tier sicher mehr!

Später unternehme ich noch einen Erkundungsgang in das weite Tal. Ich möchte den Zugang zum Kozur la finden. Doch trotz Karte und GPS entdecke ich keinen Pfad, der in einem Seitental zum Pass führt. Das ist zwar merkwürdig, aber morgen wird das GPS beweisen müssen, ob es mir hier den richtigen Zugang zeigen kann!

Die Gegend wirkt unter den dichten Wolken, aus denen manchmal Schnee und Hagel fällt, zwar sehr ungemütlich und abweisend, aber dennoch grandios in ihrer Weite. Ich kann mich kaum der Faszination dieser Landschaft entziehen und erreiche daher mein Zelt erst bei Einbruch der Dunkelheit.

Es wird die kälteste Nacht dieser Wanderung. Obwohl mein Carinthia Daunenschlafsack bisher sehr gute Dienste geleistet hat, ziehe ich mir Fleecepullover, Hose und Socken über. So gerüstet überstehe ich die Nacht ohne Probleme. Immer wieder beschäftigt mich der Gedanke, ob es in der Nacht viel schneien wird. Die Nomaden haben wahrscheinlich den richtigen Zeitpunkt gewählt, die Gegend zu verlassen und ab gestern Nachmittag waren ja immer wieder Schneeschauer niedergegangen. So bin ich angenehm überrascht, als ich morgens vors Zelt trete und feststelle, dass nur ein leichtes Grisseln niedergegangen ist. Noch im Dunkeln frühstücke ich mit der Stirnlampe im Zelt und bin bereits um 6.30 wieder unterwegs. Das Wetter weiß nicht so recht, ob es sich für Sonne und blauen Himmel, oder Wolken und Schnee entscheiden soll, woraus sich tolle Farbspiele ergeben.

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Nach dem ich das weite Hochtal durchquert habe, stehe ich am Anstieg zum Kozur La, wie mir das GPS sagt. Andere Hinweise wie einen Pfad finde ich auch jetzt nicht. Zwar ist die Steigung relativ moderat, aber bedingt durch die große Höhe muss ich immer wieder pausieren. Glücklicherweise ist mein Rucksack nicht mehr so schwer wie nach dem Aufbruch in Pang. Schon gegen 9 Uhr habe ich die Passhöhe des Kozur La auf 5616 m laut GPS erreicht.

Zwar war ich die ganze Zeit unsicher, ob ich wirklich zu dem Pass aufsteige, aber jetzt kann ich sogar die Route ins jenseitige Tal ausmachen. Allerdings gibt es hier oben weder Gebetsfahnen noch Steinmännchen, wie auf anderen Pässen.

Gerade als ich oben stehe, lichten sich die Wolken ein wenig und eröffnen fantastischen Ausblicke auf die gegenüberliegende Bergkette. Besonders angetan hat es mir ein pyramidenförmiger Gipfel, der deutlich die anderen Berge überragt.

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Blick vom Kozur la

Obwohl es noch lange Zeit nur durch nackte Geröllfelder geht, beleben Pikas und Steinschmätzer die Landschaft. An einem nackten Hang stehen 5 Yaks.
Dann erreiche ich den Ursprung eines kleinen Baches, der von den Rändern bereits zugefroren ist und manchmal über Stufen voll bizarrer Eiszapfen fällt. Der letzte Teil des Abstiegs ins Spanglung Tal ist wieder sehr steil. Unten sehe ich 2 Schäfer mit großen Herden. Obwohl es mittlerweile später Morgen ist, und ich die eisige Passhöhe hinter mir gelassen habe, ist es im Wind noch bitter kalt, so dass ich sogar meine Kopfhaube trage!

Ich bin überrascht, als ich gegen Mittag bei Rajun Karu, wo das Tal einen scharfen Knick nach rechts macht, auf der anderen Talseite einen Geländewagen an einem Zelt sehe! Laut Karte gibt es keinen Weg dorthin! Dann stoße ich auf eine Fahrspur, die durch die wellige, weite Grasebene in Richtung des Horlam Kongka Passes führt.

Zwar könnte ich dem Tal weiter folgen, aber es reizt mich durch die weite „Prärie“ mit ihrem goldenen Grasteppich zu gehen. Von der Fahrspur ist schon bald nichts mehr zu sehen, daher kann ich noch einmal das Gefühl genießen, die unberührte Einsamkeit zu durchstreifen. Als ein Hagelschauer niedergeht, kommt eine 11-köpfige Kiangherde aus weiter Entfernung auf mich zu galoppiert.

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Erst als sie dicht bei mir sind, und der Schauer abgezogen ist, drehen sie ab.

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Vom Pass aus erblicke ich unter mir den türkisen Salzsee Startsapuk Tso, der von einer breiten, weißen Kruste gesäumt wird. Es reizt mich zu dem See zu gehen, da ich aber fürchte dort kein Trinkwasser zu finden, nehme ich von diesem Vorhaben Abstand.

Etwas später nehme ich eine Bewegung wahr und nehme an, dass es wieder Wildesel sind. Doch der Blick durchs Fernglas belehrt mich eines besseren. Es ist ein Rudel von sieben prächtigen Himalaja-Argali Widdern! Neben den Blauschafen, die ich am Anfang der Tour beobachtet habe, und Urialen, die nur in tieferen Lagen Ladakhs vorkommen, ist dies die seltenste und größte Wildschafart des Himalaja! Ich hatte gelesen, dass sie in der Nähe des Tso Kar vorkommen, doch die majestätischen Tiere hier in dieser prächtigen Weite anzutreffen ist fantastisch! Zwei der Widder tragen besonders mächtige Schnecken. Sie verfügen über weiße Kehlen und Rückseite, ansonsten sind sie dunkel-sandfarben. Nur eines der Tiere ist deutlich heller. Leider sind sie sicher noch mehrere Hundert Meter von mir entfernt. Sie haben mich gleich entdeckt und sichern in meine Richtung. Aber auch als ich mich ihnen langsam nähere, starren sie mich zunächst lediglich an, bis sie sich schließlich im Zick-Zack Kurs einige Meter entfernen. Als ich mich zurückziehe, marschieren sie langsam hintereinander einen Hang hinauf.

Ich stoße wieder auf den Fahrweg, der durch eine enge Scharte im Gebirge zurück ins Spanglung Tal führt. Dort kann ich noch einmal eine Kiang Familie mit ihrem kleinen, tapsigen Fohlen beobachten. Ich bin überrascht, am Fluss auf eine Siedlung mit einigen Häusern zu stoßen. Meine Karte zeigt hier nichts dergleichen. Allerdings scheinen die Häuser verlassen zu sein, daher schlage ich in der Nähe am Bach mein Lager auf.
Nachdem es heute meist bedeckt war, scheint gegen Abend das schöne Wetter zurück zu kommen.

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Als ich am frostigen Morgen am Bach stehe, um mir die Zähne zu putzen, eile ich rasch ins Zelt zurück um die Kamera zu holen, denn die langsam aufgehende Sonne taucht die Wolken in schöne rosa Farbtöne.

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Als ich schließlich abmarschbereit bin, hat sich bereits das volle Morgenlicht eingestellt, und ich genieße noch einmal die klaren Farben des Hochlandes.

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Bald passiere ich die Gebäude, von denen eines sogar über ein Wellblechdach verfügt. Umzäunte Flächen und Bewässerungskanäle lassen mich vermuten, dass hier ein landwirtschaftliches Projekt zur Etablierung von Ackerbau eingerichtet werden sollte. Allerdings war es wie es scheint, wenig erfolgreich.

Bald öffnet sich eine weite, gelbe Ebene auf der ich einige Kiangfamilien beobachte. Am Ende der Ebene sehe ich bereits den Tso Kar, mit türkisem Wasser und ausgedehnten Salzrändern, die wesentlich breiter sind als am Tsomoriri oder Kiagar Tso. Unweit des Sees liegt der Ort Ryul, mit einer Hand voll unbewohnter Häuser.

Bald werde ich von einem Ladakhi mit zwei Pferden überholt. Wir unterhalten uns kurz und ich erfahre, dass er zwei Ausländer begleitet. Kurz danach tauchen die beiden Schweizer Valerie und Gerard auf. Sie sind mit ihrem Führer vom Tsomoriri hierher gezogen, und haben für heute die Rückfahrt nach Leh im Jeep organisiert.

Mein Plan sah eigentlich vor vom Tso Kar über eine Bergkette zur Manali-Leh Straße zu laufen, und dort morgen irgendeine Form des Rücktransports zu finden. Allerdings ist das Angebot der Schweizer mit ihnen nach Leh zu fahren zu verlockend, daher nehme ich es gerne an.

Valerie arbeitet als Meeresbiologin beim WWF und Gerard in einem Archiv. Nach der langen, einsamen Wanderung tut es gut, sich mit diesen interessanten Menschen zu unterhalten, die sich ihren Führer auf eigene Faust in Korzok gesucht hatten.

Am See, der mir nicht besonders gefällt, sehen wir noch einmal ein besonders fettes Murmeltier und entfernt viele Enten, vermutlich Pfeifenten. Aber ein echter Höhepunkt sind die beiden Schwarzhalskraniche, die ohne uns zu beachten graziös über die Uferwiesen stolzieren. Diese herrlichen Vögel kommen nur im tibetischen Hochland vor. Die Seen Rupshus sind der einzige Ort wo man sie relativ einfach beobachten kann. Ansonsten leben sie in den unzugänglichen Weiten der Chang Tang.

Nach einem relativ öden Marsch entlang des Seeufers erreichen wir bereits gegen 11 Pangonagu, mit dem „Pastureland Luxury Camp“. Eine Vielzahl von blauen Zelten hinter einer Umzäunung hat wohl in erster Linie Touristen als Zielgruppe, die hierher auf einer geführten Jeeptour gelangen.
Die Schweizer sind so freundlich und machen von mir das Endfoto der 22-tägigen Wanderung.

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Raphael O.
19.10.2010, 17:04
Junge, Junge. Würde mich schwer wundern, wenn es mich nicht auch mal dahin verschlägt.
Gefällt mir richtig gut.
Danke für den Bericht! :) 5sterne

wuschl25
25.02.2011, 10:22
wirklich ein toller bericht und super fotos! :o

Wooki
25.02.2011, 14:54
Hut ab! Nen richtig guter und spannender Reisebreicht. Vielen Dank!

smeagolvomloh
25.02.2011, 23:53
Für den ersten Teil gab es ja schon Lob von meiner Seite.
Teil zwei steht dem ersten in nichts nach!
Einige Bilder sind echt der Brüller! 5sterne
Vielen Dank für das "Wegträumen" in eine andere Welt.

Sternenstaub
26.02.2011, 14:56
Wirklich ein sehr schöner Bericht, den ich mit Freude gelesen habe. Und natürlich warte ich auf mehr. ;)
Hab Dank.

Wildniswanderer
26.02.2011, 16:20
Vielen Dank für die ermunternden Beiträge!

@ Sternenstaub: Bei Gelegenheit werde ich sicher weitere Reiseberichte hier einstellen ;-)

Gerald

Cassowary
03.05.2011, 21:43
Super Bericht!!! Und das du Blauschafe gesehen hast, lässt mich echt vor Neid erblassen!!!

smeagolvomloh
03.05.2011, 21:53
@ Sternenstaub: Bei Gelegenheit werde ich sicher weitere Reiseberichte hier einstellen ;-)

Ja bitte!!! Ich warte sehnsüchtig drauf! :bg::bg::bg:

ckanadier
03.05.2011, 23:07
Danke, es ist ein angenehm zu lesender sehr schöner Bericht.

Jürgen

Vegareve
04.05.2011, 14:35
Oja, die Fotos sind teilweise genial. Und die Gegend.....bringt einen schon zum träumen und nachdenken. Vielleicht sollte ich echt mal mit "Ferntrekken" anfangen.

Mika Hautamaeki
05.05.2011, 16:52
Was für Fotos und was für eine gniale Tour. Vielen Dank für den Bericht. Ich denke, in die Gegend muß ich nun auch mal....

Hitman
12.05.2011, 11:55
super schöne Bilder. Vielen Dank für den Bericht. Ist es leicht all die Tiere zu erkennen, oder wie kommt es, dass du sie alle mit Namen kennst?

Streifengänse fliegen soweit ich weiß eher bis 9000m Höhe, nicht 10.000m (wozu auch, auf den letzten 1000m gewinnen sie ja nichts - außer Flugzeugtriebwerken)

Wildniswanderer
13.05.2011, 13:38
Ich finde es auf Tour immer schön etwas mehr über Fauna und Flora in dem jeweiligen Gebiet zu wissen. Daher hatte ich mir vor der Ladakh- Tour ein Buch über die dortige Tierwelt gekauft. Das habe ich aber nicht dabeigehabt da zu schwer. Aber man kann ja auch zu Hause nachschlagen.

Gerald

deltakid
22.08.2011, 23:04
Wahnsinn. Vielen vielen Dank!