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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [CA] Zu Fuß und im Packraft durch die Wildnis des kanadischen Yukon Territory



Wildniswanderer
27.09.2010, 20:14
Land: Kanada
Reisezeit: August 2008
Region/Kontinent: Nordamerika

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In den Richardson Mountains

Die Idee

Zwar hatte ich Kanada schon zweimal besucht, war dabei aber nur bis in den Norden British Columbias gelangt. Die riesigen Wildnisgebiete des Yukon oder auch Alaskas kannte ich noch nicht.
Zunächst hatten die Fernsehberichte von Andreas Kieling mein Interesse an der Region neu entfacht. Dann lernte ich im Internet Richard kennen, einen jungen Österreicher der im nördlichen Yukon bereits zwei lange, abenteuerliche Wanderungen unternommen hatte, über die er auf seiner Webseite berichtete.
Bereits nach kurzer Beschäftigung mit der Möglichkeit einer Wanderung im Yukon stellte ich fest, dass diese gar nicht so schwer zu organisieren wäre.
Seit letztem Jahr kann man alle kanadischen Landkarten bis zum Maßstab 1:50.000 kostenfrei aus dem Internet herunterladen. Mit diesen Karten und d Google Earth ist auch die konkretere Planung unkompliziert durchzuführen. Zunächst dachte ich lediglich an eine lange Wanderung in den Richardson Mountains unmittelbar südlich des Polarkreises. Diese Berge sind über den Dempster Highway einfach zu erreichen. Der Dempster Highway ist eine über 700 Kilometer lange Schotterpiste, die aus der Nähe von Dawson City bis nach Inuvik im Delta des mächtigen Mackenzie Rivers führt.
Auch mein österreichischer Internetfreund Richard war schon dort gewandert, und die Bilder die er davon auf seiner Seite präsentierte, ließen die Gegend für mich ziemlich attraktiv erscheinen.
Dann stieß ich bei meinen Recherchen im Internet auf einen Bericht, in dem es darum ging, dass die Teilnehmer eines Adventure Race durch die alaskanische Wildnis ein so genanntes Packraft mitführten, um Flüsse zu überqueren.
Ein Boot, das leicht genug ist um bei einem Rennen im Rucksack mitgeführt zu werden? Nun, ich hatte mir ein ähnliches Boot der französischen Firma Sevylor schon einmal gekauft. Beim ersten Versuch damit stellte es sich als ziemlicher Schrott heraus…
Dennoch versuchte ich mehr über Packrafts herauszufinden, und stellte fest, dass damit bereits sehr anspruchsvolle Expeditionen durchgeführt wurden. Diese nur 2 kg schweren Boote sind also offenbar robust und wildwassertauglich.
Schnell war mir klar, welche fantastischen Kombinationen aus Wanderungen und Flussbefahrungen sich mit so einem leichten „Rucksackboot“ umsetzen lassen.
Leider konnte ich das Packraft nicht in Deutschland kaufen, sondern musste es direkt bei der Herstellerfirma aus den USA bestellen. Das klappte gut, und so hatte ich noch zwei Wochen Zeit vor meiner Abreise um das Boot zu testen.
Am 14.8 begann dann meine Reise in die Weiten des Yukon.

Start mit Hindernissen

Eigentlich denkt man, eine Ferienflieger- Linie wie Condor fliegt nur an sonnige Strände oder maximal noch Kurzurlauber in aufregende Städte. Aber nein, die Fluglinie steuert im Sommer zweimal wöchentlich die Kleinstadt Whitehorse an, die nur über 26.000 Einwoher verfügt. Allerdings ist Whitehorse die Hauptstadt des kanadischen Yukon Territoriums, welches eineinhalb mal so groß wie Deutschland ist, aber insgesamt nur ca. 32.000 Einwohner hat!
Die Erklärung dafür, dass Condor dort hin fliegt, ist die Liebe der Deutschen zur kanadischen Wildnis. Insbesondere Kanutouren auf dem Yukon Fluss sind sehr beliebt. So verwundert es auch nicht, dass die Kunden vor dem Schalter etwas „wild“ aussehen, als ob sie nicht einen langen Flug vor sich haben, sondern gleich lospaddeln. Statt Lederköfferchen werden Bootstonnen und Trekkingrucksäcke als Gepäck aufgegeben.
Nach ca. 4 Stunden überfliegen wir Südgrönland. Der Himmel ist klar, daher sind die türkisen, tief eingeschnittenen Fjorde, kargen abgerundeten Berge die aus dem dominierenden Schnee ragen und später Packeisfelder sehr beeindruckend. Da ich ja leider keinen Fensterplatz habe, muss ich mich in den Gang stellen um etwas zu sehen. Die großen, kanadischen Inseln beeindrucken mit ihren Tundraweiten durch die sich mäandernde Flüsse schlängeln.
Über dem Yukon hängen leider Wolken, daher bekommen wir erst beim Landeanflug etwas von der Landschaft zu sehen. Berge mit etwas Schnee und Wälder dominieren hier, erst kurz vor der Landung zeigt sich, dass da unten tatsächlich eine Stadt liegt!
Das ist der Yukon, ein Land in dem selbst die Hauptstadt in der Wildnis verschwindet, so mein erster Eindruck. Nach 9-stündigem Flug haben wir Whitehorse erreicht.
Ein lustiger Flughafenangestellter macht Witze und muntert die Angekommenen damit auf, dass die Schlange zum Einreiseschalter nicht mehr lang sei. Er ist halt ein typischer Kanadier, offen und freundlich. Am Schalter angekommen, werde ich nur gefragt, ob ich Waffen dabei habe, für meine
12 kg Essen im Rucksack interessiert sich niemand.
Nachdem sich das Gepäckband nicht mehr dreht, machen viele der mit mir Angekommenen lange Gesichter. Auch mein Rucksack ist offenbar nicht eingetroffen. Condor hat hier keine eigene Vertretung, daher reihen wir etwa 30 „Gepäcklosen“ uns am Schalter von Air North ein, die in Whitehorse die Condor Flüge abwickelt. Für jeden wird ein Formular ausgefüllt und im Computer geschaut, ob das Gepäck schon irgendwo aufgetaucht ist. Lediglich ein Paar erfährt, das ihre Koffer in Brüssel stehen. Wie die wohl dorthin gekommen sind?
Als ich an der Reihe bin, bekomme ich zu hören, dass die Angestellte glaubt, im günstigsten Fall bekäme ich meinen Rucksack in zwei Tagen, es könnte aber auch eine Woche vergehen und in seltenen Fällen würde Gepäck auch schon mal überhaupt nicht mehr auftauchen….
Deprimiert und ohnmächtig, will ich erst einmal einige kanadische Dollar einwechseln. Allerdings gibt es hier keine Wechselstube! Den Bankautomaten übersehe ich, daher stehe ich zunächst mal ohne kanadisches Geld da.
Ich denke, dass ist kein Problem, da ich mich anderen anschließen will um mir ein Taxi zu teilen. Taxi? An diesem Flughafen steht kein Taxi, vermutlich wegen unserer dreistündigen Verspätung !
Vor dem Flughafengebäude komme ich mit zwei Österreichern ins Gespräch. Außer einem Paddel fehlt den Beiden nichts von ihrer Ausrüstung. Sie wollen sich mit ihrem Schlauchboot zum Oberlauf des Hart River einfliegen lassen und über Hart und Peel River nach Inuvik paddeln, eine Strecke von 900 Kilometern. Da auch ich eine Strecke des Hart befahren will, kommen wir leicht ins Gespräch. Zufällig wollen sie auch ins selbe Hostel wie ich.
Bald kommt ein Bus, der in die Stadt fährt. Die Fahrerin hat kein Wechselgeld, daher können wir umsonst mitfahren!
Obwohl meine neuen Freunde ihren Proviant in Whitehorse kaufen wollen, ist ihr Gepäck sehr umfangreich. Aber zu dritt schaffen wir es problemlos, die zwei Blocks zum Hostel „Hide on Jeckel“ mit dem Gepäck zurückzulegen, schließlich habe ich ja nur noch bescheidene 5 kg dabei. Für ein Bett in einem 4-Personen Zimmer zahle ich 25 kanadische Dollar, die ich aber erst einmal von einem Bankautomaten in der Stadt mit meiner EC-Karte abhebe.
Das kleine Holzhaus wirkt von außen ziemlich unscheinbar, aber innen strahlt es eine gemütliche Atmosphäre aus. Es gibt eine große Auswahl an Büchern für die Gäste, sowie kostenloses Internet und eine Gemeinschaftsküche.
Nachdem ich mich eingerichtet habe, schlage ich den Weg ins Stadtzentrum ein. Zwar zeigt das Thermometer 15 Grad an, der kalte Wind lässt die Temperatur aber viel niedriger erscheinen. Dazu erinnert der graue Himmel eher an Herbst als an Hochsommer. Das kann ja ein kaltes Vergnügen werden, wenn ich meine Tour fast am Polarkreis starte!
Zunächst habe ich den Eindruck, dass hier in der Provinzhauptstadt die „Bürgersteige hochgeklappt sind“. Kaum ein Mensch ist auf der Straße und die zahlreichen Motels wirken grau und heruntergekommen. Allerdings erscheint die Main Street schon etwas belebter und einladender.

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Die Mainstreet von Whitehorse

Der dortige Bücherladen, Mac’s Bookstore ist außerordentlich gut sortiert und lädt zum Schmökern in zahlreichen Büchern über den Yukon ein, die einen guten Vorgeschmack auf meine Tour bieten. Nachdem ich einige Lebensmittel eingekauft und eine Pizza gegessen habe, gehe ich zurück zum Hostel wo ich mich früh schlafen lege.
Bereits gegen 6 Uhr am nächsten Morgen ist es hell. Ich genieße eine heiße Dusche, dann mache ich es mir in der Gemeinschaftsküche gemütlich, wo für die Gäste gratis Kaffee zur Verfügung steht. Die Österreicher sind auch schon da. Offenbar sind die Beiden erfahrene Abenteurer, einer von ihnen hatte sogar schon einmal versucht den Denali in Alaska zu besteigen, der den Ruf als „kältester Berg der Welt“ genießt.
Dann rufe ich am Flughafen an, da ich darauf brenne zu erfahren, wo mein Rucksack ist. Ortsgespräche können aus dem Hostel umsonst geführt werden.
Mir fällt ein Stein vom Herzen, als ich erfahre, dass mein Gepäckstück durchaus in der Maschine war, aber nicht in Whitehorse ausgeladen wurde. Erst bei der nächsten Landung in Fairbanks/ Alaska wurde festgestellt, dass sich noch Gepäck das für Whitehorse bestimmt war, an Bord geblieben ist. Ich erfahre, dass die Sachen mit einem Bus noch heute hierher gefahren werden sollen, und voraussichtlich am Nachmittag ankommen.
Den Tag möchte ich nicht einfach so verstreichen lassen und nütze die Gelegenheit zu einer kleinen Wanderung in die Umgebung von Whitehorse. Das Wetter ist ganz anders als gestern. Obwohl es noch kühl und windig ist, scheint die Sonne aus einem klaren blauen Himmel. An dem alten Schaufelraddampfer SS Klondike vorbei, dessen Geschichte auf Tafeln erklärt wird, gehe ich zur Brücke über den Yukon.
Bis in die fünfziger Jahre verkehrte das Schiff noch regelmäßig auf dem großen Fluss.

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Am Yukon in Whitehorse

Nachdem ich den breiten, rasant fließenden Yukon überquert habe, folge ich schmalen Pfaden durch die dichten Fichten- und Aspenwälder an seinem Ufer. Immer wieder sehe ich einige gelbe Hörnchen, die durch schnarrende Geräusche auf sich aufmerksam machen. Nur eine halbe Stunde vom Stadtzentrum entfernt, ist es bereits sehr ruhig.
Zu meiner Verwunderung gelange ich zu einem Staudamm. Durch die Kraft des Yukon wird Whitehorse mit Elektrizität versorgt. Eine hölzerne Fischtreppe (offenbar die längste der Welt), ermöglicht den Lachsen dennoch den Aufstieg über das Hindernis.
Hinter dem Staudamm schießen die Wassermassen mit erstaunlicher Gewalt zurück ins Flussbett. Hier möchte ich nicht Boot fahren!

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Staustufe am Yukon in Whitehorse

Auf dem Stausee Lake Schwatka liegen zahlreiche Wasserflugzeuge und Boote. Die Südhänge des Sees sind so trocken, dass auf ihnen kein Wald wächst. Daher erlauben die Gras bewachsenen Steilhänge schöne Ausblicke. In die Hügel der Umgebung liegen noch eine ganze Reihe weiterer kleiner Seen eingebettet. Einmal sehe ich einen großen Greifvogel auf der Kante eines Grashangs sitzen. Aber als ich mich mit dem Teleobjektiv anschleichen will, wird er von einem Kolkraben vertrieben und ich habe das Nachsehen.
Zahlreiche Pfade, die zum Teil auch von Mountainbikes genutzt werden, durchziehen die Hügel und erlauben schöne Rundwanderungen. Bei einem Parkplatz beobachte ich längere Zeit zwei hübsche Streifenhörnchen, die offenbar an Menschen gewöhnt sind und sich daher aus der Nähe fotografieren lassen.

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Streifenhörnchen

Zurück nach Whitehorse gelange ich über einen Radweg auf dem anderen Ufer des Yukon. Der weitläufige Robert Service Campingplatz wird von vielen Kanufahrern mit ihren Booten benutzt.
Nachdem ich im Hostel einige Brote als Mittagsmahlzeit gegessen habe, gehe ich in die Stadt. In Mac’ s Bookstore nehme ich die von mir reservierten topographischen Karten im Maßstab 1:250.000 in Empfang und stöbere noch ein wenig herum. Zahlreiche Bücher beschäftigen sich mit Grizzlybären und den von den braunen Riesen ausgehenden Gefahren.
In dem benachbarten, großen Outdoorladen Coast Mountain Sports, kann man sich mit allem versorgen, was man für die Wildnis benötigt.
Nachdem ich mir den Laden angesehen habe, laufe ich bis zum Ortsende, da ich nach einem guten Platz zum Trampen Ausschau halten will. Allerdings ist Whitehorse ziemlich weitläufig, daher gebe ich schließlich auf. Wahrscheinlich wird der schwierigste Teil des per Anhalter fahrens das Verlassen der Stadt werden !
Die Sonne lädt mich ein, ein Bier in einem Restaurant an der Straße zu trinken. Allerdings muss ich erfahren, dass Bier hier nur zusammen mit Essen serviert wird!
Als ich verspreche, mein Glas schnell auszutrinken, werde ich aber doch bedient!
Anschließend werfe ich noch einen Blick in das weitläufige Besucherzentrum des Yukon Territoriums. Dort erfahre ich, dass mir tatsächlich nur das Trampen bleibt, um nach Norden zu gelangen. Zwar fährt manchmal ein Bus bis Dawson City, aber nicht morgen!
Zurück im Hostel rufe ich wieder beim Flughafen an. Mit der Ankunft des Gepäcks am Nachmittag wird es nichts, erst im Lauf der Nacht soll der Bus eintreffen!
Da am nächsten Morgen schon früh ein Flug abgefertigt werden soll, ist das Personal dann damit beschäftigt. Daher soll ich meinen Rucksack erst am späten Morgen abholen. Das kommt für mich natürlich nicht in Frage, also verabrede ich, dass ich bereits bei Öffnung des Schalters um 5.30 meinen Rucksack in Empfang nehmen kann.
Am nächsten Morgen stehe ich pünktlich am Schalter, die Frau mit dem Schlüssel für den Gepäckraum kommt jedoch eine halbe Stunde später….
Kein Problem, ich kann meinen Rucksack in Empfang nehmen und noch heute Richtung Norden starten.
Nachdem ich mich von meinen neuen Bekannten im Hostel verabschiedet habe, schultere ich meinen Rucksack, und die Reise Richtung Norden kann beginnen!

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Noch lache ich trotz meinem kleinen "Paket" auf dem Rücken

35 kg sind schon ein ziemliches Gewicht, aber da mein Bergans Rucksack, der über 130 l Volumen verfügt, eine gute Lastverteilung gewährt, komme ich mit ihm zurecht. Viel schwerer dürfte er aber nicht mehr sein!
Ich denke wenn ich an einer Tankstelle die Leute direkt anspreche und um einen Lift bitte, habe ich die größte Chance mitgenommen zu werden. Leider tankt zu dieser frühen Stunde an einem Samstag offenbar noch niemand…
Mir ist klar, dass das Verlassen der engeren Umgebung der Stadt wahrscheinlich ziemlich schwierig werden wird, daher winke ich ein Taxi heran, dass zufällig vorbeikommt. Ich frage den Fahrer, welchen Platz er für günstig hält, um jemanden zu finden, der nach Norden fährt. Der Alaska Highway, der Whitehorse weiträumig umgeht, sei der beste Ort hierfür, entgegnet er. Schnell sind wir uns über den Preis einig, und für 5 Dollar setzt er mich an der Fernstraße ab.
Ich stehe noch keine 5 Minuten als ein Auto hält. Sein Fahrer, ein Amerikaner mittleren Alters aus Kansas, ist unterwegs zu seinem neuen Job in Anchorage. Zwar war er nie zuvor in Alaska, freut sich aber sehr darauf den nördlichsten Bundesstaat der USA kennen zu lernen.
Leider zweigt meine Route, der Klondike Highway schon nach wenigen Kilometern von der Straße nach Alaska ab. Nun ja, Whitehorse liegt endgültig hinter mir, und meiner Erfahrung nach sind die Chancen mitgenommen zu werden an einer einsamen Straße in der Wildnis ziemlich gut.

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Klondike Highway

Und richtig, wieder dauert es nur ein Paar Minuten, bis eine junge Frau hält. Ihr Auto sieht aus, als ob sie darin wohnt. Tatsächlich bestätigt sie meinen Eindruck! Zwar will sie sich irgendwann wieder eine Wohnung in Whitehorse suchen, aber den Sommer über schläft sie im Auto. Die Frau arbeitet auf einer Ökofarm in der Nähe, daher kann sie mich nur wenige Kilometer mitnehmen, bis Takhini Hot Springs.
Obwohl ich mich immer noch im engeren Dunstkreis der Provinzhauptstadt befinde, ist es erstaunlich, wie wenig Verkehr über die Straße rollt. Immer wieder tut sich minutenlang überhaupt nichts und die Stille des Waldes hüllt mich ein. Bis jetzt bin ich gut vorangekommen, daher bin ich optimistisch bald mitgenommen zu werden. Schließlich zähle ich sogar die passierenden Autos, um die Verkehrsdichte innerhalb einer Stunde zu bestimmen….
Nach etwas mehr als einer Stunde Wartezeit hält ein großer Van mit riesigem Bootsanhänger. „Could you give me a lift north“ frage ich die Fahrerin und bin überrascht als „Klar, steig ein“ als Antwort zurückkommt. Marion aus Freiburg hat Sport in Köln studiert. Als sie einen Aushang am Schwarzen Brett ihrer Hochschule las, dass ein deutsches Unternehmen im Yukon Kanu- Guides für die Sommersaison sucht, war sie gleich Feuer und Flamme. Schließlich hatte sie auch ein Jahr in Norwegen „Friluftsliv“ studiert, ein Fach bei dem alle möglichen Outdoorsportarten und generell das Leben in der freien Natur gelehrt werden. Bereits seit Mai ist Marion jetzt hier. In erster Linie begleitet sie Kanugruppen auf dem Yukon River, betätigt sich aber auch häufig als Fahrerin. So ist sie jetzt dabei eine Gruppe abzuholen, die einige Tage lang den Pelly River runter gefahren ist. Der Job macht ihr Spass, obwohl es so scheint, als würde die Abenteuerlust der jungen Deutschen ganz schön ausgenutzt. Die Guides müssen praktisch rund um die Uhr arbeiten, erhalten dafür aber nur einen Bruchteil der Entlohnung, die ein Kanadier für dieselbe Tätigkeit erhalten würde. Zudem scheint ihr deutscher Chef ein ziemlich unangenehmer Mensch zu sein, daher will Marion noch heute zusammen mit einem Kollegen kündigen!
Die Weite der Landschaft die vom bequemen Sitz des Vans aus an mir vorbeizieht ist beeindruckend. Dunkle, spitzkronige Fichtenwälder sind mit vielen Aspen durchsetzt. Immer wieder gelangen wir durch weite Waldbrandgebiete, die sich nur langsam wieder bewalden. Einmal sehen wir im Gebüsch etwas abseits der Straße ein hundeartiges, graufarbenes Tier. Für einen Wolf ist es zu klein und für einen Fuchs zu groß. Es ist ein Coyote. Die kleinen Cousins der Wölfe kommen nur im südlichen Yukon vor, weiter im Norden nicht.
Über eine weite Strecke verläuft der Highway parallel zum Yukon. Oberhalb der berühmten Five-Finger-Rapids halten wir an einem Aussichtspunkt, der einen schönen Blick über den Fluss bietet. Auch wenn ich lange den Eindruck hatte, dass wir alleine auf der Straße sind, gibt es hier etliche Touristen, alles Deutsche, was wir sofort hören…
Der Norden Kanadas scheint es meinen Landsleuten angetan zu haben, und auch Marion bestätigt, dass die größte Touristengruppe aus Deutschland kommt, und es auch viele Ausgewanderte im Land gibt.
Als ich ihr von meinem Vorhaben erzähle, ist sie sehr interessiert. Zwar hat sie am Dempster Highway noch nie eine Tour gemacht, aber von Transfers kennt sie die Gegend und ist von der Landschaft begeistert. Allerdings hält sie es für ziemlich leichtsinnig, dass ich weder Bärenspray noch Satellitenhandy für Notfälle dabei habe.
Eine Gruppe von Kunden, die auf dem Peel River unterwegs war, verlor ihre Boote, als ein Hochwasser nachts die Insel überschwemmte, auf der sie zeltete. Die Leute mussten mit dem Hubschrauber ausgeflogen werden, was natürlich ein Vermögen kostet…
Wir unterhalten uns gut, daher verfliegt die Zeit in Windeseile. Bald haben wir Pelly Crossing erreicht, wo eine Brücke über den Pelly River führt und ein Indianerdorf liegt. Ein wenig wundere ich mich ja schon über das Schild am Ortseingang „Wir wollen keine Drogendealer hier“. So etwas würde man ja eher irgendwo in einem Großstadtslum vermuten!
An der Tankstelle vorbei marschiere ich über die Brücke, die den weiten Pelly River überspannt. Ein Zeltplatz an seinem Ufer scheint ein beliebter Endpunkt für Kanufahrten zu sein.
Es kommen relativ viele Fahrzeuge vorbei, allerdings merke ich schnell, dass es sich meist um Einheimische handelt. Es scheint fast, als würden sie ständig die Dorfstraßen rauf und runter fahren, denn nach einiger Zeit habe ich realisiert, dass ich immer wieder die gleichen Autos sehe!
Nach einer Stunde hält ein Wagen um mich mitzunehmen. Es ist Etienne aus Quebec, mit dem ich mich gestern Abend im Hostel unterhalten hatte!
Offenbar haben ihn meine Erzählungen vom Dempster Highway dazu angeregt nach Norden zu fahren. Allerdings hat er Kopfschmerzen und will daher heute nicht mehr sehr weit. Am Abzweig zum Wolf Creek Campground ein Stück hinter Stewart Crossing, wo er übernachten möchte, lässt er mich raus.
Jetzt bin ich tatsächlich mitten in der Wildnis gelandet. Um mich herum nichts als dichte Nadelwälder. Immerhin, die Sonne scheint, fast würde ein T-Shirt ausreichen.
Ich bin ganz zufrieden wie weit ich bisher gekommen bin, daher warte ich recht entspannt auf den nächsten Lift. Zwar ist der Verkehr noch dünner geworden, aber schon nach 20 Minuten hält ein Pick-up. Dave, 44 ist auf dem Weg nach Dawson City, wo er lebt. Als ich von meinen Plänen erzähle ist er sehr interessiert, da er selber auch schon etliche Wildnistouren unternommen hat, unter Anderem eine Durchquerung der Banks Insel und zu Fuß von Coppermine zum Eismeer. Abgesehen davon ist er auch beruflich viel draußen. Als Prospektor sucht er Rohstofflagerstätten. Wenn diese erfolg versprechend zu sein scheinen, verpachtet oder verkauft er seinen Claim. Ein Claim ist ein Stück Land, das jedermann abstecken darf um nach Rohstoffen zu suchen. Die Anmeldung bei der dafür zuständigen Behörde kostet nur wenige Dollar. Während er die ersten Jahre in diesem Geschäft lange Durststrecken zu überstehen hatte, läuft es offenbar seit einiger Zeit ganz gut für ihn. In der Regel werden seine Leute mit dem Hubschrauber in der Wildnis abgesetzt, und auch aus der Luft versorgt. Sie entnehmen Gesteinsproben, die anschließend im Labor analysiert werden.
Beim Wandern hat er auch nie Bärenspray dabei gehabt, aber wenn seine Leute in der Wildnis sind, führen sie Pfefferspray mit. Vor allem gegen aggressive Schwarzbären mussten sie es schon einige Male einsetzen. „Die Halbwüchsigen sind manchmal wie junge Punks, sie wollen Krawall machen, ohne wirklich gefährlich zu sein“.
Als wäre er bestellt, sehen wir einen etwa dreijährigen Schwarzbären im Gebüsch an der Straße, als wir uns über Bären unterhalten!
Inzwischen wirken die Bäume schon deutlich kleiner, und die Aspen tragen zum Teil bereits gelbe Blätter, während sie weiter im Süden noch völlig grün waren. Dave erzählt, dass die Herbstfärbung am Dempster Highway, voll im Gange sei. Außerdem erfahre ich, dass dies bisher der nasseste Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen ist! Ich hoffe nur, dass der Frühherbst besser wird…
Schließlich erreichen wir gegen 17 Uhr den Beginn des Dempster Highway, wo Dave nach Dawson City abbiegt. Eine bebilderte Informationstafel erläutert Details zu der Piste.
Der Dempster Highway führt über 720 Kilometer nach Inuvik im Mackenzie Delta. Erst nach 600 Kilometer gelangt man zur ersten, kleinen Indianersiedlung. Dazwischen gibt es nur eine Tankstelle auf der Hälfte der Strecke und einige Campingplätze. Unmittelbar abseits der Straße beginnt die unberührte Wildnis.

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Am Beginn des Dempster Highway

Alle Touristen halten hier, daher rechne ich mir gute Chancen aus, jemanden zu finden, der mich weiter mitnimmt. Und tatsächlich, schon nach kurzer Zeit hält ein deutsches Paar an der Informationstafel. Sie fahren einen großen Leihcamper, daher wage ich nicht zu hoffen, dass sie mich an Bord nehmen. Meiner Erfahrung nach nehmen Wohnwagenfahrer höchst selten Anhalter mit. Aber da ich die Beiden direkt anspreche, laden sie mich tatsächlich ein, bei ihnen mitzufahren!
Auf der gut ausgebauten Schotterpiste rollen wir mit nur 60 Stundenkilometern durch eine atemberaubende Landschaft, die immer schöner wird. Zwar sind jetzt Wolken aufgezogen und es regnet mitunter, aber wenn die Sonne zurückkommt strahlt die Natur förmlich in gelben und roten Farben. Sogar ein Regenbogen erscheint über den schroffen Granitbergen der Tombstone Mountains.
Stets halten wir nach Wild Ausschau, aber bis auf ein Stachelschwein am Straßenrand erspähen wir nichts. Dass die Straße nicht ganz ohne Tücken ist, merken wir, als ein entgegenkommendes Auto einen Stein hochwirbelt, der in der Windschutzscheibe des Campers landet, und ein Loch im Glas hinterlässt! Glücklicherweise haben die Beiden eine Versicherung für solche Fälle abgeschlossen.
Nach 70 Kilometern haben wir den Zeltplatz des Tombstone Mountain Nationalparks erreicht. Da das kleine Informationszentrum nicht mehr besetzt ist, kann sich jeder selbstständig einen Zeltplatz auf dem weitläufigen Waldgelände suchen, durch das ein Bach fließt. Schnell habe ich eine Kiesplattform mit Holztisch- und Bänken gefunden, der typischen Ausstattung auf nordamerikanischen Campingplätzen. Kaum habe ich den Platz entdeckt, als Greg und Patricia erscheinen. Die beiden haben den langen Weg von Seattle hierher in ihrem Subaru zurückgelegt. Der Campingplatz scheint voll zu sein, daher fragen sie ob sie sich den Platz mit mir teilen können. Dagegen habe ich nichts einzuwenden, zumal sie die Kosten übernehmen, in dem sie einige Dollar in einen Umschlag legen und in eine Box werfen.
Das Paar ist ausgesprochen unterhaltsam und humorvoll. Schließlich ist er zwar ernsthafter Wissenschaftler hat aber ein Buch mit einem viel versprechendem Titel geschrieben „Evolutionsbiologie für Dummies“! Das setzt wahrscheinlich einen gewissen Sinn für Humor voraus…
Großzügig werde ich zu Whisky und Bier eingeladen. Zwar regnet es mittlerweile leicht, aber unter den Bäumen bleiben wir relativ trocken. Als wir uns gegen 23 Uhr in unsere Schlafsäcke zurückziehen ist es immer noch hell.
Früh am Morgen schlafen meine neuen Freunde noch. Nachdem ich ein Brot mit Erdnussbutter gegessen habe, baue ich mein Lager ab, und stehe gegen 8 Uhr wieder an der Straße. Offenbar viel zu früh, denn lange Zeit kommt kein Auto an mir vorbei.

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Ein ungemütlicher Morgen am Dempster Highway

Es ist dunstig, sehr kühl und ungemütlich. Zwei Männer aus Ontario unternehmen Fernglas bestückt ihren Morgenspaziergang auf der Piste und unterhalten sich einige Zeit lang interessiert mit mir. Zu allem Überfluss beginnt es dann auch noch zu regnen. Aber wozu habe ich denn wasserfeste Paddelsachen dabei? So geschützt bleibe ich zwar trocken, dennoch wird es mit der Zeit ziemlich kalt. Nach über einer Stunde hält schließlich ein Camper, welch Überraschung, es ist das Paar, das mich schon gestern Abend mitgenommen hatte!
Die Straße schraubt sich nach oben in die baumlose Tundra. Teilweise ist es sehr neblig, keine Spur mehr von der gestrigen Farbenpracht. Wir sehen dreimal Schneehühner an der Straße und einige Pferde, auf die schon vorher Verkehrsschilder aufmerksam machten. Zu meiner Überraschung werden hier offenbar organisierte Reitausflüge angeboten.
Schließlich führt die Straße aus den Bergen heraus, und wir gelangen in das Fichten bestandene Tal des Blackstone Rivers. Glücklicherweise hat der Regen mittlerweile aufgehört, daher steht meinem Aufbruch nichts mehr im Weg. Kurz bevor sich der Blackstone wieder vom Dempster Highway entfernt, verlasse ich das nette Paar bei Kilometer 145 und schlage den Weg zum Fluss ein. Ich höre es zwar noch einmal hupen, denke mir aber nichts dabei. Erst später wird mir klar, dass ich meinen Hut im Camper liegen gelassen habe. Schade, aber jetzt nicht mehr zu ändern. Bei dem bewölkten Himmel ist erst mal sowieso kein Sonnenschutz notwendig….

Mit dem Packraft auf den Flüssen des Yukon

Dann stehe ich am Blackstone. Der Fluss scheint ziemlich viel Wasser zu führen und fließt mit rascher Strömung dahin. Bald habe ich ein gutes Plätzchen zum Einsetzen meines Miniboots gefunden, wo das Ufer nicht zu steil ist, und ich zunächst außerhalb der Strömung bin. Zum Aufblasen des nur 2 kg schweren Packrafts Yukon Yak der amerikanischen Firma Alpacka Rafts benötigt man keine Pumpe. Statt dessen verbinde ich eine Art „Müllsack“ per Gewinde mit dem Boot. Dann geht es darum möglichst viel Luft einzufangen und in das Packraft zu pressen. Dabei hilft es natürlich, wenn man den Sack in den Wind hält, aber auch bei Windstille kann man mit etwas „herumwirbeln“ schon eine ganz nette Luftmenge einfangen. Profis schaffen es in nur 2 Minuten die eine Luftkammer des Boots zu füllen, ich benötige etwa 10. Da es kein Ventil gibt entweicht immer wieder etwas Luft, daher muss man das Aufpumpen abschließen, indem man einige Luftzüge durch das separate Mundventil bläst.
Der Platz im Boot ist so bemessen, dass man zwar bequem darin sitzen kann, aber kein Platz für Gepäck vorhanden ist. Daher schnalle ich meinen 30 kg Rucksack mit vier Spannriemen vorne auf die Wülste des Bugs. Natürlich habe ich den Inhalt durch wasserdichte Beutel geschützt. Zusätzlich packe ich den Rucksack aber noch in große Müllsäcke ein. Um den direkten Kontakt mit dem kalten Wasser durch den dünnen Boden des Packrafts zu vermeiden, verwende ich meine leichte Luftmatratze als Sitzunterlage. Die Matte habe ich mit dem Boot gekauft, daher passt sie exakt in das Packraft.
Das Boot ist beladen natürlich extrem kopflastig, daher muss ich darauf achten, hinten ausreichend abzustützen, sonst lernt mein Rucksack schon jetzt das Tauchen!

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Packraft bereit zum Ablegen!

Nachdem ich Boot und Gepäck vorbereitet habe, muss ich noch mich selber paddelbereit machen. Dazu verpacke ich meine Füße in Neoprensocken. Ich will vermeiden, dass die Stiefel durchnässt werden, daher trage ich beim Paddeln nur die Socken. Darüber kommt eine wasserdichte Latzhose mit Neoprenabschlüssen. Diese sind so eng, dass es jedes Mal ein größerer Akt ist, die Hose an- und auszuziehen. Oben trage ich T-Shirt, ein dünnes Fleece, einen alten Faserpelz und die wasserdichte Paddeljacke, die am Hals mit einem engen Neoprenbund abschließt. Darüber ziehe ich meine Schwimmweste. Zu guter letzt schütze ich meine Hände mit Neoprenhandschuhen.
Solchermaßen verkleidet komme ich mir wie ein dicker Bummi vor, aber die Wassertemperatur liegt bei nur 7 Grad, daher halte ich meine Montur für angebracht. Abgesehen davon ist es immer noch ziemlich kalt, so dass ich trotz der vielen Bekleidungsschichten nicht ins Schwitzen komme.
Nachdem ich mein vierteiliges Doppelpaddel zusammengebaut habe, lege ich ab!
Zwar habe ich das Packraft zu Hause in Marburg auf der Lahn getestet, aber das ist die Jungfernfahrt in wirklich strömendem Wasser.
Schnell wird mir klar, dass ich Schlagseite habe. Offenbar ist der Rucksack nicht richtig ausbalanciert. Zwar ist es umständlich sofort wieder an Land zu gehen, aber besser jetzt das Gepäck neu justieren, als in der ersten kleinen Stromschnelle zu kentern!
Doch schließlich bin ich endgültig bereit für das Abenteuer Blackstone River im Packraft. Ich habe großen Respekt vor dem schnellen, kalten Fluss. Daher paddele ich mit voller Konzentration. Diese ist auch notwendig, da sich das Gewässer häufig verzweigt, und es wichtig ist, den wasserreichsten Arm zu erwischen. Trotz der recht hohen Wasserführung ist der Fluss aufgrund der Verzweigungen oft ziemlich flach. Obwohl das Packraft kaum Tiefgang hat, kann es leicht zu Grundberührungen kommen. Das Boot wurde aus dem Kunststoff Urethan hergestellt und ist daher ziemlich robust. Aber häufig über Steine zu scheuern ist auch für das beste Material eine Herausforderung!
Es gibt hier zwar keine Stromschnellen mit hohen Wellen, dafür aber scharfe Kurven die häufiges Manövrieren erfordern. Unbeladen ist das kleine Boot zwar extrem wendig, dies sieht mit meinem schweren Rucksack aber etwas anders aus. Da das Packraft außerdem sehr langsam ist, ist vorausschauendes Fahren unumgänglich.
Dann ist es soweit, in einer engen Linkskurve manövriere ich nicht rechtzeitig zur Innenseite und werde von der Strömung in Richtung des Ufers gepresst. Das wäre an vielen Stellen kein großes Problem, allerdings hängt hier eine Weide ins Wasser!
Ich paddle wie verrückt, aber es nützt nichts, die Strömung ist zu stark und der Busch im Wasser kommt immer näher.
Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder sind die Weidenzweige unnachgiebig und katapultieren mich ins Wasser, oder die biegsamen Äste geben unter dem Gewicht des von der Strömung gegen sie gepressten Boots nach und lassen mich durch.
Ich habe Glück. Es schiebt und kracht, dann bin ich durch ohne im Wasser gelandet zu sein!
Zwar wäre bei einer Kenterung wahrscheinlich nicht viel passiert, ich bin ja auf so einen Fall vorbereitet, dennoch sitzt mir der Schock tief in den Knochen!
Daher lege ich jetzt vor jeder kritischen Stelle rechtzeitig an, und ziehe das Boot zweimal im flachen Wasser an einer Engstelle vorbei, bevor ich wieder einsteige.
Das wäre zwar beide Male eigentlich nicht nötig gewesen, aber ich bin nun übervorsichtig.
Zwar hat der Regen für heute offenbar tatsächlich aufgehört, aber es ist weiterhin windig und sehr kühl. Da der Fluss meine ständige Konzentration erfordert konnte ich bisher gar nicht so richtig die Umgebung in mich aufnehmen. Häufig ragen Kalkberge mit bleichen Schuttmassen über dem bewaldeten Tal auf.
Am ersten Tag will ich es langsam angehen lassen, daher schlage ich schon am frühen Nachmittag mein Lager auf. Das GPS zeigt, dass ich nur etwas mehr als 8 Kilometer in direkter Linie zurückgelegt habe. Bedingt durch die zahlreichen Windungen ist die tatsächliche Strecke aber erheblich länger gewesen.
Hinter der dichten Fichtengalerie am Ufer erstreckt sich ein Weidengürtel mit einigen offenen Grasflächen, wo ich mein Zelt aufschlage.
Nachdem ich Spaghetti mit Carbonarasauce gegessen habe, breche ich mit Kamera und Fernglas zu einem Erkundungsgang auf. Der dichte Schwarzfichtenwald ist im Unterwuchs mit Weiden und Zwergbirken bestanden. Zwar ist diese Vegetation nicht undurchdringlich, aber man kann auch nicht so einfach dahinschlendern. An vielen Stellen entdecke ich Elchlosung, große, braune zylinderförmige Pillen, aber es gelingt mir nicht, die Giganten des Yukon aufzuspüren. Lediglich ein Schneehase steht vor mir auf und ergreift die Flucht und ein gelbes Eichhörnchen schimpft über meine Anwesenheit. Leider komme ich nicht sehr weit, da ich schon bald an einen Seitenarm des Blackstone gelange. Das Packraft habe ich natürlich nicht dabei! Also bleibt mir nichts übrig als den Rückweg anzutreten. Dabei entdecke ich einen Lagerplatz mit Stangeneinzäunung für die Pferde, Bänken, Eimern und einem in einen Baum hochgezogenen Sack. Wahrscheinlich dienen die Pferde die ich am Dempster Highway gesehen hatte, auch als Transporttiere für Jagdausflüge. Ich tippe darauf, dass von dem Lager aus Elche gejagt werden.
Zwar klart es gegen Abend etwas auf, so dass sich ich die bizarren Kalkgebilde auf einem Berg am anderen Flussufer betrachten kann, aber es ist nach wie vor windig, kalt und ungemütlich.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/comp_IMG_3143.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/17644)
Gegen Abend klart es auf

Thomasy
27.09.2010, 20:41
Hej, heij Wildniswanderer,

das klingt ja nach einem echt gooilen Abenteuer. Bitte schreibe deinen Urlaubsbericht unbedingt weiter.

LG

Thomas

Lotta
27.09.2010, 23:29
Wow, sehr mutig!!
Bin gespannt auf die Fortsetzung ;-)

fjellstorm
28.09.2010, 07:56
Geil!! Schon mal jetzt 5sterne !!
Diese Region steht schon lange bei mir am Program. BITTE UNBEDINGT WEITERMACHEN MIT DEM BERICHT!!

Jaerven
28.09.2010, 08:17
Mutig auf alle Fälle. :bg:

Trampvan
28.09.2010, 11:19
Tiptop... hat mir sehr gefallen!

Markus K.
28.09.2010, 16:17
Schöner Berich. Bin gespannt auf die Fortsetzung.
Wenn ich Dich richtig verstanden habe, warst Du ohne Sicherungsmittel (Waffen, Spray, etc.) unterwegs. Was waren Deine Gründe? Und wie hätte Deine Reaktion im Falle eines Falles ausgesehen?

Dave91
28.09.2010, 16:48
Ein wirklich toller Bericht! Ich bin schon gespannt auf die weiteren Tage ;-)

Wildniswanderer
28.09.2010, 18:19
Erst einmal vielen Dank für die vielen, mich sehr stark motivierenden, positiven Kommentare. Natürlich mache ich weiter mit dem Bericht!

Bären: Es ist schon interessant, dass bei der Frage nach möglichen Risiken die Bären als erste genannt werden. Ich denke, dass liegt an der Faszination, auch der des Schreckens, die von diesen mächtigen Tieren ausgeht.

Aber meiner Einschätzung nach, gab es wesentlich größere, andere Risiken auf meiner Tour.

Marcus, um deine Fragen zu beantworten, ja ich weiß dass Grizzlybären sehr gefährlich sein können, und ich würde absolut niemandem empfehlen, so eine Tour ohne Bärenspray zu machen.

Warum ich dann keines mitgeführt habe, liegt einzig und allein an meiner persönlichen Risikoeinschätzung, die natürlich auf Erfahrungen beruht, die ich auch schon in anderen Gegenden mit nicht minder gefährlichen Tieren gemacht habe.

Wildniswanderer
28.09.2010, 19:03
Teil 2 des Yukon Berichtes

Daher ziehe ich mich relativ früh in den Schutz meines Zeltes zurück. Hoffentlich ist morgen das Wetter besser!

Leider bewahrheitet sich mein frommer Wunsch nicht. Als es hell wird, ist es sehr windig und der Regen prasselt gegen die Zeltwände. Also rühre ich erst mal mein extra energiereiches Nussmüsli mit Milchpulver an, und esse die 200-300 Gramm, die ich für die Morgenmahlzeiten an den 16 geplanten Tourtagen vorgesehen habe.
Als der Regen nachlässt, raffe ich mich dazu auf, mein Lager abzubauen und mache mich „paddelfertig“. Bei dem kühlen, ungemütlichen Wetter mit Temperaturen um die 5 Grad ist es ziemlich schwierig mich zum Boot fahren zu motivieren. Mit den Paddelsachen bin ich zumindest recht gut gegen die Kälte geschützt, auch als etwas später erneut Regen vermischt mit Schnee niedergeht.
Heute fühle ich mich schon etwas sicherer im Boot und folge stets dem wasserreichsten Arm, auch wenn dort die Fließgeschwindigkeit am höchsten ist, und zum Teil enge, kaum einzusehende Kurven zu meistern sind. Natürlich darf die Aufmerksamkeit nie nachlassen, denn es kann jederzeit ein Baum quer in der Strömung liegen, dem es auszuweichen gilt. Unter Umständen muss ich rasch ans Ufer gehen, wenn ein Hindernis die ganze Flussbreite versperrt. Aber alles geht heute gut, nur einmal gehe ich vor einer Kurve an Land und ziehe das Packraft ein Stück weit durch das niedrige Wasser am Ufer.
Ich bin froh, dabei die Neoprensocken an den Füßen zu tragen. Den ganzen Tag mit kalten, nassen Stiefeln im Boot zu sitzen ist bestimmt kein Vergnügen. Es wundert mich eigentlich nicht, dass ich bei dem Wetter kein Wild am Ufer zu sehen kriege. Aber immerhin stößt einmal ein Fischadler in einiger Entfernung vor mir ins Wasser, ich kann aber nicht erkennen, ob er einen Schuppenträger erwischt hat.
Bis gegen Mittag sind die Ufer von Bergen mit relativ sanften Formen eingefasst, die oft von hellem Gesteinschutt bedeckt sind.
Kaum zu glauben, am Nachmittag zeigt sich die Sonne! Die wolkenverhüllten Berge kommen zum Vorschein, und die vom hellen Licht beschienenen Aspen leuchten im herbstlichen Gelb. Schlagartig wird es wärmer, und zum ersten Mal kann ich die Tour richtig genießen. Zwar liebe ich es bei jedem Wetter draußen zu sein, aber der heutige Morgen hatte schon etwas von Masochismus an sich!

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/comp_IMG_4436.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/17724)
Rast auf Kiesbank

Ein Labyrinth sich verzweigender Arme stellt noch einmal eine Herausforderung dar. Obwohl der Fluss eigentlich viel Wasser führt, verteilt es sich hier auf zu viele Seitenarme, so dass ich trotz des geringen Tiefgangs meiner Nussschale immer wieder auf dem Trockenen sitze. Dann muss ich das Packraft ziehen und schieben bis ich wieder mehr Wasser unter dem Boden des Bootes habe. Bestünde das Boot aus weniger robustem Material wären schon die ersten Flickaktionen notwendig!
Am späten Nachmittag, nach 26,5 Kilometern zurückgelegter Luftlinie, wie mir das GPS zeigt, finde ich einen idyllischen Lagerplatz mit einfachem Zugang zum Ufer.
Die Sonne verleitet mich sogar zum Waschen und Rasieren, woran ich bei den ungemütlichen Bedingungen am Morgen keinen Gedanken verschwendet habe. Nachdem ich meine Spaghetti Portion im Bauch habe, breche ich zu einer Erkundungstour landeinwärts auf.
Diesmal bin ich überzeugt davon, auf keine Seitenarme zu treffen. Das ist zwar richtig, dennoch stehe ich schon bald vor einem Hindernis: Ein breiter Bach, der kurz darauf in den Blackstone mündet ist zu tief um ihn zu durchwaten, daher fällt mein geplanten Ausflug zu einem Berg der ein Stück weit landeinwärts aufragt, buchstäblich ins Wasser.
Allerdings gefällt mir auch die Umgebung meines Lagerplatzes recht gut, so dass ich einige Fotos mache.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/comp_IMG_3152.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/17717)
Bach vor Einmündung in den Blackstone River

Am nächsten Morgen empfängt mich wieder das bereits gewohnte, ungemütliche Wetter. Leichtes Schneegrieseln fällt vom Himmel und es ist ziemlich kalt. Daher trage ich heute zunächst meine Sturmhaube beim Paddeln. Ein Großteil der Körperwärme entweicht über den Kopf, daher ist es bei Kälte wichtig, den Kopf gut einzupacken.
Immer wieder ragen steile Klippen in engen Kurven auf. Um nicht von der Strömung gegen die Wände gedrückt zu werden, stelle ich jeweils den Bug meines Bootes schräg, und lasse mich so von der Strömung durch die Kurven tragen.
Zum ersten Mal auf dieser Tour sehe ich einen Weißkopfseeadler, den Charaktervogel der amerikanischen Gewässer. Er fliegt einige Male vor mir auf, um sich jeweils ein Stück entfernt wieder in einem Baum niederzulassen.
Manchmal geben die Wolken kurze Blicke auf die mit einer dünnen Schneeschicht bedeckten Berge ringsherum frei.
Heute will ich meine Fahrt auf dem Blackstone River beenden, um dann landeinwärts etwa 13 Kilometer zum Hart River zu laufen. Der Hart verläuft in etwa parallel zum Blackstone, nähert sich aber nur an einer Stelle so dicht meinem Fluss. Daher will ich auf keinen Fall diese günstigste Verbindungsroute verpassen, die in einem breiten Tal zwischen zwei Bergketten verläuft.
Schon in Deutschland habe ich aus dem Programm Google Earth, in dem es zoombare Luftbilder von der ganzen Welt gibt, die Koordinaten für den Beginn der Route gezogen und in mein GPS-Gerät eingegeben. Daher halte ich heute Morgen einige Male am Ufer um zu prüfen, wie dicht ich mich meiner geplanten Aussetzstelle schon genähert habe.
Bereits gegen Mittag bin ich am Ziel. Eine weite Sand- und Kiesbank bietet einen idyllischen Lagerplatz, zudem durchbricht jetzt die Sonne mitunter die Wolken.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/comp_IMG_3159.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/17718)
Idyllischer Lagerplatz

Nachdem ich gekocht habe, breche ich zu einem Erkundungsgang auf. Der Nebenarm hinter meinem Lager lässt sich problemlos durchwaten, aber bald stehe ich vor einem weiteren Arm. Er ist mal wieder zu tief um ihn zu durchqueren, daher beschließe ich kurzerhand mein Lager abzubauen, um schon einmal landeinwärts aus dem Flussbereich zu gelangen, damit ich morgen gleich zum Hart River aufbrechen kann.
Ich bin darauf vorbereitet, über den Nebenarm mit meinem Packraft zu setzen, was sich dann aber als nicht notwendig erweist. Ein Stück weiter hat ein massiver Biberdamm den Arm aufgestaut. Zunächst bin ich mir zwar nicht ganz sicher, ob der Damm mein Gewicht hält, aber das Bauwerk aus tausenden von Knüppeln erweist sich als sehr stabil, daher gelange ich trockenen Fußes auf die andere Seite.
Da ich ja erst drei Tage unterwegs bin, ist mein Rucksack nach wie vor sehr schwer. Das Gelände erleichtert mir den Einstieg in die Wanderung allerdings auch in keiner Weise. Ausgedehnte Moore, in denen ich oft von Grasbüschel zu Grasbüschel zwischen offenen Wasserflächen balanciere, erfordern äußerste Konzentration bei jedem Schritt, und das mit einer fast 35 kg schweren Last. Inzwischen gehen auch wieder kurze Regen- und Schneeschauer nieder. Kurz gesagt, das Vorankommen ist extrem anstrengend!
Schließlich gelange ich aus dem flachen Talbereich in die zu einer Bergkette ansteigenden Hänge. Zwar gibt es hier kein offenes Wasser mehr in den Moorbereichen, aber dafür bringt mich der Anstieg ganz schön ins Schwitzen.
Lange Zeit suche ich nach einem Bach, an dem ich mein Zelt aufschlagen kann, finde aber nur ein schwaches Rinnsaal, dass durch den Moorwald fließt.
In den Torfmoospolstern sind die Heringe kaum zu verankern, aber schließlich steht meine Nylonbehausung.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/comp_IMG_3160.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/17719)
Lager im Sumpfwald

Abends klart es wieder etwas auf, aber für einen größeren Spaziergang ist es zu spät. Immerhin kann ich noch das Farbspiel des Sonnenuntergangs über den Bergen genießen.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/comp_IMG_3161.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/17720)
Sonnenuntergang in den Ogilvie Mountains

Als ich am nächsten Morgen, dem 20. August aus dem Zelt schaue, glaube ich meinen Augen kaum zu trauen: Alles ist tief verschneit und auch weiterhin fallen dicke Flocken vom Himmel. Unter diesen Umständen halte ich es erst einmal für das Beste im Zelt zu bleiben, irgendwann wird es schon aufhören….
Tut es aber nicht, während ich in meinem halbwachen Dämmerzustand im Schlafsack liege, schneit es munter weiter. Irgendwann stürzt der Zelteingang ein. Die nur notdürftig verankerten Heringe haben unter der Last des Schnees nachgegeben. Kein Problem, der Eingang ist schnell wieder hergestellt. Allerdings ist es im ersten Moment schon ein komisches Gefühl, unter einem eingestürzten Zelt zu liegen…
Irgendwann geht der Schnee in Regen über, der schließlich nachlässt. Ich nutze die Gelegenheit zum Lagerabbau und bin gegen 14 Uhr endlich wieder unterwegs.
In Google Earth sah die Route in dem breiten Tal eigentlich ganz einfach aus, aber die gestrige Erfahrung mit dem Moor möchte ich nicht wiederholen, daher steige ich weiter nach oben, aus dem Waldbereich heraus.
Hier brauche ich zwar nicht mehr von Grasbüschel zu Grasbüschel balancieren, dafür stellen steile, mit dicken Blöcken bedeckte Hänge eine Herausforderung dar. Immerhin ergeben sich schöne Blicke über das breite Tal und die umgebenden Berge sowie zurück zum Blackstone.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/comp_IMG_3162.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/17721)
Blick zurück ins Tal des Blackstone River

Leider ist die Bergkette stark zergliedert, so dass ich keinem Kamm in luftiger Höhe folgen kann. Ständig bergauf- und bergab im steilen Blockgelände zu gehen ist sicher auch nicht das Richtige mit meiner schweren Last.
Daher beschließe ich es jetzt erst einmal in mittlerer Höhe außerhalb des Tales zu probieren. Zwar erscheint die Gegend auf den ersten Blick relativ eben, und der Wald ist offen. Das Vorankommen sollte also halbwegs gut funktionieren.
Dennoch lassen mich die üppigen Moosteppiche in den Mooren nur im Schneckentempo wandern. Glücklicherweise gibt es hier keine offenen Wasserflächen wie gestern Nachmittag.
Immer wieder durchschneiden Bachtälchen mit dichtem Bewuchs die Hügel. Bürstendichte Grünerlendickichte, völlig zugewachsene Wasserläufe und versteckte Sumpflöcher machen das Durchqueren dieser Abschnitte zum reinen Kampf.
Zumindest ist das Wetter jetzt halbwegs passabel. Zwar gehen immer wieder Sprühregenschauer nieder, aber ab und zu kann ich die Aussichten auf die das breite Tal umgebenden, bleichen Kalkschuttberge genießen.
Bereits relativ bald erspähe ich in der Ferne das Tal des Hart River. Danach laufe und laufe ich, aber scheine dem Fluss nicht wirklich näher zu kommen.
Nach fünf Stunden, in denen ich schlappe 7,6 Kilometer zurückgelegt habe, schlage ich mein Lager auf der Böschung eines eingeschnittenen Baches auf. Der erste Flecken festes Land nach den endlosen Mooren!
Der Platz gefällt mir recht gut, und obwohl es jetzt relativ warm ist, tauchen keine Mücken auf.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/comp_IMG_3169.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/17723)
Endlich fester Boden für ein Lager!

An den stehenden, abgestorbenen Bäumen findet sich genug Holz für meinen Hobokocher, den ich mit etwas Baumharz als Feuerstarter entzünde. Wenn das Feuer erst einmal brennt, entfaltet dieser einfache Holzkocher durch die gute Ventilation der seitlichen Belüftungsschlitze eine erstaunliche Hitze, so dass auch feuchtes Material verwendet werden kann. Dieser Kocher hat den Vorteil, dass ich keinen Brennstoff wie Gas oder Benzin mitführen muss.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/comp_IMG_3168.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/17722)
Mein Hobokocher

Bald darauf kann ich mir meine wohlverdienten 250 g Spaghetti reinschaufeln!

Mika Hautamaeki
28.09.2010, 22:09
sehr schöner Bericht. Ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht !

Wildniswanderer
29.09.2010, 21:32
Teil 3

Der nächste Morgen beginnt mal wieder trüb und dunkel, aber immerhin ist es trocken. Das Vorankommen ist heute einfacher, da ich dem Bach weiter folge und häufig über helle Rentierflechtenteppiche auf trockenem Grund laufe.

Schon nach eineinhalb Stunden stehe ich auf einer Böschung oberhalb des Hart River Tales. Jetzt gilt es einen Weg zum Hauptstrom zu finden, ohne vorher viele Seitenarme überqueren zu müssen, die zu tief zum durchwaten, aber zu flach für das Einsetzen meines Bootes sind.

Schon bald erspähe ich eine ausgedehnte Wasserfläche, die gut aussieht. Sollte ich das Glück haben, dass sich ausgerechnet hier der Hauptlauf meinem Ufer angenähert hat?

Durch Weidengebüsche und tiefe Gräben gelange ich zu dem Wasserlauf. Ich trage bereits nur noch meine Neoprensocken. Im Verbund mit der Paddelhose bleibe ich so auch beim Durchwaten tieferen Wassers trocken, ohne dass meine Stiefel vollaufen und dann lange Zeit nicht mehr trocknen.

Guten Mutes pumpe ich das Packraft auf, und starte die Befahrung des Hart River. Doch schon nach kurzer Strecke muss ich meinen Irrtum erkennen, als ein Biberdamm auftaucht. Der Stau der großen Nager hat mehr Wasser vorgetäuscht, als hier tatsächlich fließt!

Ich habe keine Lust, mein Boot wieder zu verstauen, daher hebe und schiebe ich es komplett mit aufgeschnalltem Rucksack über das breite Knüppelbollwerk.

Leider ist dahinter kaum noch Wasser vorhanden, so das ich immer wieder aussteigen und das Packraft irgendwie durch die seichten Stellen manövrieren muss.

Wieder einmal kann ich von Glück sagen, dass das Material sehr robust ist, sonst würde diese unsanfte Behandlung sicher mit einigen Lecks enden. Vor einigen Jahren hatte ich mir schon einmal so ein „Trailboot“ von einer anderen Firma gekauft. Verglichen mit dem Alpacka war das aber nur ein Spielzeug, das diese Misshandlung nie überlebt hätte.

Nicht besonders Material schonend ist auch, wenn die Strömung mich aus etwas tieferem Wasser kommend knirschend auf eine Kiesbank schiebt.

Nach längerer Zeit, die ich teils paddelnd, teils das Boot ziehend auf dem Seitenarm verbringe, erscheint schließlich tatsächlich der Hauptstrom. Ich bin froh, dass diese anstrengende Prozedur hinter mir liegt, und fahre in die rasche Strömung ein.

Der Hart erscheint mir wasserreicher als der Blackstone und ist hier um die 50 Meter breit. Zwar gibt es auch heute einige Verästelungen, aber über weite Strecken fließt der Hart in einem einzigen Bett, daher komme ich zügig vorwärts.

Leider ist das Wetter mal wieder bescheiden. Ein kalter Gegenwind bläst und immer wieder prasseln Schauer auf mich herunter. Dennoch möchte ich natürlich einige Fotos vom Fluss machen. Meine Spiegelreflex habe ich zwar im Rucksack wasserdicht verstaut, so dass ich nur mit großer Mühe an sie rankommen würde, dafür trage ich noch meine winzige, kompakte Digitalkamera die sich bereits auf vielen Touren bewährt hat, in der Brusttasche meiner Paddeljacke mit mir herum.

Trotzdem fotografiere ich nur bei kurzen Stopps am Ufer. Beim Paddeln muss ich mich nach wie vor zu stark auf den Fluss konzentrieren. Bald werden die Berge schroffer und der Hart fließt zum Teil durch Schluchten, die von steilen Wänden umgeben sind. Das Gestein ist mitunter fast schwarz, was die düstere, bedrohliche Stimmung die über dem Fluss liegt noch unterstreicht.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/comp_IMG_4441.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/17725)
Der Hart River wird manchmal schluchtartig eingezwängt

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/comp_IMG_4444.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/17726)
Steile Wände mit dunklem Gestein unterstreichen die düstere Atmosphäre

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/comp_IMG_4445.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/17813)
Manchmal gehe ich zum Fotografieren an Land

Einige Male türmen sich hohe, stehende Wellen auf. So etwas habe ich auf dem Blackstone nicht angetroffen. Zwar rauscht es bedrohlich so dass ich nicht geradewegs in die Wellen einfahren möchte, aber meist gibt es dichter am Ufer eine Möglichkeit den höchsten Wogen auszuweichen.

Dennoch bekomme ich einige Male einen Schwall Wasser ins Boot, der ein unangenehmes Kältegefühl am Hintern auslöst. Zwar hat das Packraft eine Spritzdecke, diese hält jedoch nur einen Teil des Wassers ab, und ist keineswegs wirklich dicht.

Heute beobachte ich einige Male Enten, einen Mittelsäger, der auch in Deutschland vorkommt und einige Möwen, aber von größerem Wild ist leider auch am Hart nichts zu sehen.

Als ich gegen 17 Uhr mein Lager auf einem Grasstreifen direkt am Ufer des Flusses aufschlage, hat sich das Wetter gebessert und es ist sogar recht warm geworden, was einige Moskitos anlockt.

Der Blick aufs GPS verrät, dass ich heute 35 Kilometer Luftlinie zurückgelegt habe, und das obwohl ich erst gegen 11 Uhr mit dem Paddeln begonnen habe! Wie immer übertrage ich die UTM-Koordinaten auf meine Karte im Maßstab 1:250.000

Endlich kann ich ohne auf Hindernisse zu stoßen landeinwärts marschieren. Von den Klippen in der Nähe rufen amerikanische Turmfalken. Es blühen noch einige Blumen und manchmal sehe ich einige große Pilze. Ob die wohl essbar sind?

Ohne schweren Rucksack läuft es sich gleich viel entspannter, aber ich bin ziemlich müde, daher unternehme ich keinen besonders ausgedehnten Spaziergang.

Von meinem Lagerplatz sehe ich schon den Fluss in der nächsten Schlucht verschwinden, aus der das laute Rauschen einer Stromschnelle ertönt. Was mich wohl morgen dort erwartet?

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/comp_IMG_3177.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/17808)
Abend am Hart River

Es ist kaum zu glauben, aber als ich am nächsten Morgen aufstehe, scheint die Sonne! Ein paar wärmende Strahlen, und der Tag beginnt gleich anders.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/comp_IMG_3190.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/17809)
Endlich blauer Himmel!

Schon nach kurzer Zeit erreiche ich die Quelle des Rauschens, das ich von meinem Lager aus gehört habe. Der Hart River prallt gegen eine hohe Felswand. Den stehenden Wellen in der Flussmitte auszuweichen ist kein Problem, aber auch am Rand der Stromschnelle werde ich in meiner Nussschale ganz schön hin- und hergeschaukelt!

Bald darauf treten die Felsberge, die mich gestern den ganzen Tag begleitet haben zurück und der Hart River fließt durch Mittelgebirgshügel, die mit spitzkronigen Nadelwäldern bedeckt sind. In der Ferne ragen mit frischem Schnee bedeckte Berge auf.

Die Sonne lockt auch einige Tiere hervor. Die Weißkopfseeadler, Enten und Säger hatte ich schon in den letzten Tagen gesehen, aber heute genießen sogar Schmetterlinge und eine Libelle die Sonne. Immer wieder fahre ich ans Ufer um einige Bilder zu machen. Wer weiß, wie lange das Wetter hält.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/comp_IMG_4450.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/17814)
Ein schöner Morgen auf dem Hart River

Dann tauchen dunkle, steile Schieferfelsen am Ufer auf. Scharfe Gesteinsbänder verlaufen bis in den Fluss und sorgen für etliche Stromschnellen in diesem Abschnitt.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/comp_IMG_4455.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/17815)
Der Stromschnellen- Abschnitt beginnt

Lautes Rauschen verrät lange vorher, dass jetzt hohe Konzentration und sorgfältige Beobachtung des Flusses notwendig sind, um die beste Route auszumachen, oder rechtzeitig am Ufer anzulanden.

In Boot fressende Wellen gespült zu werden, nur weil ich nicht rechzeitig angelandet bin, möchte ich vermeiden. Wahrscheinlich könnte man mit dem Packraft meist problemlos mitten durch die Wellen fahren, aber ich möchte hier kein Risiko eingehen und möglicherweise im kalten Wasser schwimmen oder wenn es ganz schlecht läuft mein Boot verlieren. Im Auslauf der Wellen schaukele ich immer noch genug um etwas Spaß zu haben.

Die ersten beiden Stromschnellen lassen sich problemlos dicht am Ufer passieren, aber die Nächste ist anders. Die Felsrippe verläuft über die ganze Breite des Flusses, daher halte ich es für angebracht an Land zu gehen.

Das Umtragen solcher Hindernisse ist ein Kinderspiel mit dem Packraft, das man unbeladen durchaus mit zwei Fingern hochheben kann!

Die nächste Schnelle beginnt lange vor einer scharfen Linkskurve. Da ich die Kurve nicht einsehen kann, lande ich an. Als ich mir das Hindernis beim Umtragen dann näher ansehe, stelle ich fest, dass es über eine Zunge aus glattem Wasser durchaus fahrbar gewesen wäre. Allerdings hätte ich die Stromschnelle erst vom Land aus erkunden müssen, dann kann ich sie auch gleich umgehen.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/comp_IMG_3192.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/17810)
Weißes Wasser in weiter Wildnis

Kaum bin ich ein Stück weiter gepaddelt, kündigt sich bereits die nächste Stromschnelle an. Zunächst ziehe ich das Packraft durch das flache Wasser am Rand. Obwohl die Neoprensocken ziemlich dick sind, ist der Kontakt mit den scharfen Felsen durchaus schmerzhaft.

Als ich etwa 100 Meter mit dem Boot über Land gegangen bin, will ich weiterpaddeln. Allerdings schaffe ich es nicht aus dem Kehrwasser zu gelangen! Die Wucht der Strömung sorgt dafür, dass hier geschützt von den Uferfelsen der Fluss sozusagen bergauf fließt. Alles Paddeln hilft nichts, ich muss noch einmal aus dem Wasser und ein Stück weiter laufen.

Diese Stromschnelle ist die Größte am Hart River, und ich bin froh, nicht durch die tiefen Löcher hinter den Wellen gespült zu werden.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/comp_IMG_4458.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/17816)
Beeindruckende Stromschnelle

Nachdem ich auch dieses Hindernis passiert habe, wird der Fluss wieder ruhiger und verzweigt sich häufig in ein Labyrinth aus zahllosen Armen, trotzdem bleibt die Strömung flott.

Oft ist es gar nicht so einfach zu bestimmen, welches der Hauptarm ist, dennoch komme ich gut voran. Die milde Nachmittagssonne bringt die birken- und aspenbestandenen Hänge zum Leuchten.

Gegen 17 Uhr schlage ich mein Lager am Rand eines trockenen Altarms auf.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/comp_IMG_3199.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/17812)
Zeltplatz am Rand eines Altwassers

Zwar unternehme ich noch einen Abendspaziergang durch die Landschaft aus Weidengebüschen und Kiesflächen. Frische Fährten und Losung verraten, dass es hier durchaus Elche gibt, leider bekomme ich keinen zu Gesicht.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/comp_IMG_3195.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/17811)
Elchfährte

Heute habe ich ca. 27 Kilometer auf dem Hart zurückgelegt und es sind laut meinem GPS nur noch 8 Kilometer bis zur Mündung in den Peel River wo ich meine Wanderung durch die Richardson Mountains beginnen möchte. Ich bin gespannt was der morgige Tag bringt.

Zwar war der heutige Stromschnellentag spannend und abwechslungsreich, mit dem Bonus des schönen Wetters. Allerdings bleibt stets eine gewisse Unsicherheit, ob es mir gelingt, auch die nächste Stromschnelle unbeschadet zu passieren….

Zwar habe ich ein bischen Erfahrung und bilde mir ein mit voller Konzentration zu fahren, aber durch eine kleine Unachtsamkeit kann man halt doch mitten in einer Stromschnelle landen und wie ich mich in den hohen Wellen mit meinem kleinen Boot schlagen würde weiß ich nicht…

Leider kann man so etwas auch nicht auf der Lahn üben…

In der Nacht ist es ziemlich windig. Während ich morgens noch im Zelt liege, höre ich das markante Trompeten von Kranichen. Heute taucht ein bleigrauer Himmel, durch den nur selten die Sonne dringt die Landschaft in ein eigenartiges Licht.

Das Tosen der scheinbaren Stromschnelle, welches ich von meinem Lagerplatz höre, entpuppt sich lediglich als Steilwand in einer scharfen Kurve, gegen die die Fluten des Hart branden. Sich drehende Wassermassen verraten tückische Strömungen an dieser Stelle. Weiter geht es durch Labyrinthe sich verzweigender Flussarme. Doch schon nach eineinhalb Stunden habe ich den Peel River erreicht.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/comp_IMG_4467.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/17817)
Der Hart mündet in den Peel River

Mit den Österreichern, die ich am Flughafen getroffen hatte, habe ich vereinbart, dass wer zuerst an dieser Stelle eintrifft, eine Steinpyramide baut. Offenbar bin ich den Österreichern voraus, daher errichte ich ein Steinmännchen aus den zahlreichen Ufersteinen.

Obwohl der Hart in seinem Verlauf an Wassermenge zugenommen hat, ist der Peel ein anderes Kaliber. Der Fluss ist deutlich breiter und schon leichter Wind baut hier Wellen auf.

Auch ohne sichtbare Hindernisse treffe ich häufig auf Strömungen, in denen ich mich in meiner Nussschale etwas ausgeliefert fühle. Während das Packraft auf Blackstone und Hart durchaus in seinem Element war, ist dieser mächtige Fluss einfach zu voluminös für die geringe Masse des Alpacka. Mitunter habe ich das Gefühl trotz starkem Paddelns kaum gegen die Strömung arbeiten zu können.

Als dann nach nur sechs Kilometern die erste Stromschnelle auftaucht, gehe ich ans Ufer. Das Hindernis wäre sicherlich zu befahren, aber ich fühle mich auf diesem Fluss nicht mehr wohl.

Außerdem weiß ich, dass auf den nächsten Kilometern noch zahlreiche weitere Stromschnellen folgen. Eigentlich hatte ich geplant noch ein Stück weiter auf dem Peel zu fahren, bevor ich meine Wanderung in die Richardson Mountains beginne. Allerdings lässt der Blick auf die Karte es als ebenso gut erscheinen, die Wanderung gleich hier zu beginnen.

Inzwischen hat sich die Sonne durchgesetzt, ideale Bedingungen um meine Ausrüstung trocknen zu lassen, bevor ich sie im Rucksack verstaue. Die Zeit des Trocknens verbringe ich damit Spaghetti zu kochen.

hgr
29.09.2010, 21:41
Hi Wildniswanderer!

Respect. Tolle Tour. Ich kenne zwar zwischenzeitlich viele Erfahrungsberichte über Alpacka-Rafts aus Alaska und Kanada aber bislang nichts aus dem deutschsprachigen Raum.

.. und: Ich war jetzt zwar schon 5 mal auf langen Wildnistouren in den YT und in Alaska aber der Bärenspray war mir (zumindest psychologisch) schon wichtig.

Happy trails
hgr

fjellstorm
30.09.2010, 07:48
Wow, echt tolle Bilder Wildniswanderer!!
Hast du eigentlich irgendeine Art von Permit bzw leidige Diskussionen mit einem Backcountryoffice oder dergleichen gehabt??

Trampvan
30.09.2010, 10:02
Einfach nur super, schöne, einsame Bilder und sehr interessanter Bericht. Freue mich schon darauf, zu erfahren wie es weitergeht.

Sinister
30.09.2010, 13:41
toller Bericht! bin neidisch ;) Kannst du später was zur Ausrüstung sagen, lessons learned, worauf man achten sollte etc?

Menelaos
30.09.2010, 18:42
Ich bin sehr interessant an weiteren Infos zu Deinem "Ultralight-Boot". Kannst Du dazu etwas mehr Infos posten? Wäre super ...

Ansonsten sehr geiler Bericht! :bg:

Wildniswanderer
30.09.2010, 18:47
Hallo,

Für die Gegenden in denen ich unterwegs war, brauchte ich keinerlei Permit, da ich keine Nationalparks oder andere Reservate berührt habe.

Fragen zu Ausrüstung und Schlussfolgerungen beantworte ich jederzeit gerne. Einiges wird aber wohl auch noch aus dem Bericht hervorgehen.

Ich komme heute wahrscheinlich nicht mehr zum Weitermachen, aber am Wochenende gibt es bestimmt mehr aus dem Yukon zu lesen;-)

Gerald

Wildniswanderer
30.09.2010, 18:54
Hi Menelaos,

was für Fragen das Packraft betreffend hast du denn? Am meisten erfährst du natürlich auf der Seite des Herstellers Alpacka.

Gerald

deltakid
30.09.2010, 19:59
Absolut spitze! Vielen Dank!

Wildniswanderer
01.10.2010, 21:30
Teil 4 des Yukonberichts

Zu Fuß durch die Richardson Mountains


Nach langer Ruhepause mache ich mich gegen 14.30 Uhr auf den Weg. Zunächst geht es ein Stück durchs Moor, aber dann wird es unheimlich…

Die Vegetation aus Fichten, Zwergbirken und Erlengebüschen wird immer undurchdringlicher. Nur mit massivem Krafteinsatz kann ich mich überhaupt durch den Busch zwängen. Dabei sehe ich oft keine zwei Meter weit.

Zunächst hoffe ich, nur relativ kleinflächige Dickichte durchqueren zu müssen, aber wenn ich mal wieder einen der niedrigen Hügel erklommen habe die einen gewissen Ausblick gewähren, sehe ich nichts als dichten Busch so weit das Auge reicht.

Wahrscheinlich wütete hier vor langer Zeit ein Waldbrand, was die offenbar gleich alte Vegetation erklärt. Vor allem bin ich überrascht über die ungeheure Dichte in der die Pflanzen hier wachsen. Ich war schon in anderen nördlichen Gegenden wandern. Aber so etwas habe ich bisher weder in Lappland, British Columbia oder der Mongolei erlebt.

Immer wieder prüfe ich mit dem GPS wie weit ich schon gekommen bin. Trotz stundenlanger Anstrengungen scheint es, ich würde förmlich auf der Stelle treten.

Die Sonne wärmt jetzt richtig und zaubert Unmengen von kleinen Schweißfliegen hervor, die von allen Seiten versuchen etwas von der salzigen Flüssigkeit die mein Körper absondert zu erhaschen. Manchmal, wenn eine besonders dichte Stelle mich nicht mehr freilassen will, stoße ich mit lauten Flüchen meinen Unmut aus.

Auch das Wild scheint diese Dickichte zu meiden, kaum eine Fährte oder Losung ist zu sehen, es herrscht bedrückende Stille.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/comp_IMG_3206_2.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/18012)
Kilometerweit nichts als dichtester Busch

Irgendwann gelange ich an einen kleinen Bach, der zum Lagern einlädt. Obwohl es bisher der erste auch nur halbwegs zum Zelten geeignete Platz ist, marschiere ich weiter. Die seit meinem Aufbruch vom Fluss zurückgelegte Entfernung ist mir einfach zu gering.

Bald beginne ich den langgezogenen Aufstieg auf einen Berg. Ich versuche dort zu laufen, wo noch einige Altbäume stehen, die mit ihrem Schatten dafür sorgen, dass die Vegetation weniger dicht ist.

Obwohl der Anstieg mich ganz schön ins Schwitzen bringt, komme ich besser voran, und hege die Hoffnung, dass ich die alten Waldbrandflächen hinter mir gelassen habe.

Oben angekommen, gelange ich auf einen schmalen Grat unter dem der Hang steil abfällt. Hier eröffnet sich der erste Blick auf mein Ziel, die Richardson Mountains, die als imposante Mauer in einiger Entfernung aufragen.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/comp_IMG_3209_2.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/18013)
Der erste Blick zu den Richardson Mountains

Allerdings verrät mir der Ausblick auch, dass meine Tortur noch lange kein Ende hat. So weit das Auge reicht, breitet sich die dichte Vegetation der ehemaligen Waldbrandflächen aus.

Während das Vorankommen bislang schon schwierig war, entpuppt sich der Abstieg als wahre Strafe. Die Grünerlendickichte hier auf dem feuchten Nordhang sind so dicht, dass die Zweige kaum nachgeben und ich mich trotz der Steilheit des Geländes nur mit brachialem Körpereinsatz hindurchzwängen kann.

Schließlich erreiche ich ein Bächlein in einem Tal, dass ich von oben ausgemacht hatte. Allerdings ist es so tief eingekerbt und dicht bewachsen, dass sich keine Lagermöglichkeit ergibt.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/comp_IMG_3213.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/18014)
Canyoning im Dickicht des Kerbtales

Ich beschließe dem Kerbtal abwärts zu folgen, in der Hoffnung, dass es schließlich in ein breiteres Tal mündet. Zunächst komme ich auch noch halbwegs voran, obwohl umgestürzte Bäume mich oft zu akrobatischen Übungen zwingen.

Dann wird das Tal steiler, und ich befürchte irgendwann nicht mehr weiterzukommen, da es vielleicht wasserfallartig abfällt. Mit großer Mühe zwänge ich mich aus der Spalte heraus und hangele mich auf den Steilhängen weiter.

Dann gelange ich in das nächste Tal. Welch Enttäuschung, es ist ebenfalls kerbförmig eingeschnitten und mit dichtester Vegetation bedeckt. Diesmal mache ich nicht den Fehler, zu versuchen dem Tal zu folgen sondern klettere gleich nach oben raus. Auf der Höhe angekommen eröffnen sich noch einmal schöne Ausblicke auf die Richardsons im sanften Licht des späten Abends.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/comp_IMG_3214.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/18015)
Die Richardson Mountains im Abendlicht

Die kahlen Bergrücken dort lassen mich hoffen, leichter voranzukommen, wenn ich in größere Höhen gelange.

Trotz aller Anstrengung ist es ein wunderschöner Abend, an dem die untergehende Sonne die bereits herbstlich gefärbten Birken und Aspen golden leuchten lässt.

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Die Abendsonne lässt die Hänge leuchten

Gegen 21 Uhr erreiche ich ein Stück weiter talabwärts schließlich doch noch einen geeigneten Zeltplatz am Bach. Seitdem ich den Peel River verlassen habe, bin ich lediglich 6,5 Kilometer vorangekommen! 6,5 Kilometer in 6 Stunden!

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/comp_IMG_3218.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/18017)
Seit Stunden der erste geeignete Zeltplatz

Der nächste Morgen bricht grau und ungemütlich an, wenigstens ist es nicht kalt. Streckenweise komme ich auf ausgetretenen Elchwechseln gut voran.

Glücklicherweise muss ich mich nicht mehr durch extrem dichte Vegetation quälen, dafür sind die Moore aber auch nicht gerade einfach zu begehen, da ich mit meinem immer noch schweren Rucksack bei jedem Schritt tief in die Moospolster einsacke.

Oft muss ich wieder von Bülte zu Bülte balancieren um versteckten Wasserlöchern auszuweichen. Entspanntes Wandern ist etwas anderes!

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In den weiten Mooren komme ich nur langsam voran

Nach etwa 2 Stunden gelange ich an den Canyon River, den ich gestern schon von oben ausgemacht hatte. Möglicherweise könnte ich hier irgendwo eine flache Stelle zum Durchwaten finden, aber ich halte mich gar nicht lange mit der Suche danach auf, sondern bringe gleich mein Packraft wieder zum Einsatz.

Wozu hat man denn ein Boot im Rucksack dabei? Obwohl das hier ein relativ bescheidenes Flüsschen ist, schaffe ich es beim einsteigen den Bug mit dem aufgeschnallten Rucksack im Wasser zu versenken!

Zwar ziehe ich es sofort wieder an Land, aber der Rucksack hat natürlich eine ordentliche Ladung Wasser abbekommen. Das ist nicht weiter schlimm, da ich ja den Inhalt wasserdicht verpackt habe, aber vollgesogen mit Wasser wird meine Last noch schwerer. Schließlich bin ich trotzdem glücklich ans andere Ufer gelangt.

Die ganze Aktion mit Bootsaufbau, beladen und alles wieder verstauen, hat über eine Stunde gedauert. Nichts was man häufiger an einem Tag machen möchte!

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Am Canyon River kommt das Packraft noch einmal zum Einsatz

Obwohl ich mich bislang bemüht hatte, meine Stiefel trocken zu halten, tappe ich in den Mooren des Uferbereiches in ein tiefes Sumpfloch, was mit nassen Strümpfen und Stiefeln belohnt wird. 8 Gänse schweben auf den sich bald seeartig verbreiternden Fluss ein.

Schon seit langem steuere ich einen Bergrücken an, der den Beginn der Richardson Mountains markiert. Der Anstieg ist gemächlich und die Vegetation so lückig, dass ich immer wieder bequeme Durchschlupfmöglichkeiten finde.

Als ich höher gelange, weichen die Zwergbirken und Grünerlen schließlich dichten Polstern aus hellen, fast weißen Rentierflechten. Endlich ergeben sich Ausblicke auf die Umgebung und das Wandern macht zum ersten Mal seit meinem Aufbruch am Peel River richtig Spaß.

Dafür weht hier oben ein eiskalter Wind, der immer wieder Regenschauer mit sich bringt. Zwar ist mir meine weitere Marschrichtung eigentlich klar, aber der direkte Weg würde mich wieder hinab in tiefe Täler voll dichtem Bewuchs bringen.

Daher versuche ich mich auf den Bergrücken zu halten, wo das Vorankommen erheblich einfacher und schöner ist. Das führt natürlich zu großen Umwegen.

Auch das Wild scheint die Grate zur Fortbewegung zu bevorzugen, denn ich finde viel Losung, auch von Bären, wie mir die großen Haufen voll halbverdauter Beeren zeigen.

Schließlich steige ich aber doch ins Tal ab, um mein Nachlager aufzuschlagen. Zwar habe ich Bedenken, beim Abstieg wieder so ein Fiasko in den Hanggebüschen zu erleben, wie gestern Abend, aber diesmal gelange ich erstaunlich einfach nach unten, und finde rasch einen Lagerplatz in einem dunklen Fichtenwald an einem Bach.

Inzwischen haben sich die Schauer zum Dauerregen entwickelt, der bald auch auf dem durch die Baumkronen geschützten Waldboden ankommt. Egal, wenn der Hobokocher erst einmal in Gang ist, kann ihm der Regen nichts mehr anhaben!

In 11 Stunden habe ich heute lediglich 12 Kilometer zurückgelegt! Ich bin langsamer als ich erwartet hatte, daher mache ich mir Gedanken, ob ich die Tour wie geplant durchführen kann. Während der Regen auf das Zeltdach prasselt, sitze ich noch lange über meinen Karten, und beschließe schließlich meine ursprünglich geplante Route etwas zu verkürzen.

Auch war ich bisher davon ausgegangen, in erster Linie in den Tälern zu laufen. Das erscheint mir hier nicht sinnvoll, da die Vegetation einfach zu dicht ist. Da die Richardson Mountains meist nicht sehr schroff sind, entscheide ich mich für eine höher gelegene Route entlang des Hauptkamms.

Es regnet die ganze Nacht hindurch und auch am nächsten Morgen fällt das Nass vom Himmel, so dass ich erst gegen 9.30 aufbreche. Bald habe ich das Tal wieder verlassen und gelange zurück auf einen Grat.

Zwar lässt es sich hier oben gut wandern, aber eigentlich will ich dem Verlauf des Tals folgen, in dem ich übernachtet habe, die Bergkämme verlaufen aber leider quer dazu.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/comp_IMG_4472.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/18022)
Leider verlaufen die Bergkämme nicht parallel zum Tal

Trotzdem gelingt es mir grob die Richtung zu halten, nur einmal muss ich in ein Quertal absteigen, ansonsten laufe ich auf den Graten.

Leider ist das Gelände nicht immer so schön offen und lediglich mit Flechtenteppichen bewachsen. Immer wieder muss ich mich durch klatschnasse Gebüsche zwängen. Heute finde ich es gar nicht schlecht, in wasserdichten Paddelsachen zu laufen, normales Regenzeug hätte den konzentrierten Güssen beim Durchqueren der Buschzonen kaum stand gehalten.

Häufig stoße ich auf Elchfährten- und Losung, sowie auf rotgefärbten, breiigen Bärenkot, leider bekomme ich außer einigen Elch- und Karibugeweihstangen nichts von größeren Tieren zu sehen. Wahrscheinlich ist es dem Wild auch zu ungemütlich!

Immer wieder gehen Schauer, zum Teil mit Schnee vermischt nieder, und der kalte Wind lässt nur kurze Pausen zu. Nachmittags gelange ich in höhere Regionen in denen nicht einmal mehr Zwergbirken wachsen. Nur schütteres, gelbes Gras und Rentierflechten bedecken das dunkle Schiefergestein.

Obwohl die Verhältnisse ziemlich ungünstig sind, genieße ich es entlang der Kämme zu laufen, wo sich schöne Aussichten öffnen. Bei blauem Himmel wäre es hier natürlich noch viel schöner!

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/comp_IMG_4473.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/18023)
Im Labyrinth der Kämme

Meine Karten sind zu ungenau, um eine wirkliche Hilfe im Labyrinth der Kämme zu bieten. Kompass und GPS geben die grobe Richtung vor, für den tatsächlichen Weg lasse ich mich oft von meinem Instinkt leiten.

Mein Ziel ist das Tal des Canyon Creek, den ich ja schon gestern überquert hatte, der hier aber in einem großen Bogen das Gebirge durchbricht.

Später am Nachmittag wird aus den gelegentlichen Schauern wieder ein kalter Dauerregen, der zunehmend an Stärke gewinnt. Um einen Lagerplatz zu finden, muss ich von den Höhen in ein bewaldetes Tal absteigen.

Ich fürchte wieder einmal in dichter Vegetation an einem steilen Hang zu landen, aber hier gibt es keine Waldbrandlächen, und der alte Fichtenwald ist dunkel genug um die Bodenvegetation niedrig zu halten. Auch kommt immer wieder der nackte Schiefer zu Tage, auf dem nur Flechten wachsen.

Erstaunlich einfach gelange ich an ein kleines Bächlein und schlage mein Zelt im peitschenden Regen auf. In der Eile bleibe ich mit meinen Stiefeln hinten am Zelt hängen, so dass ein Riss entsteht, der aber glücklicherweise keine Auswirkungen auf die Dichtigkeit des Zelts hat, was sich jetzt als sehr wichtig herausstellt!

Es ist so unangenehm, dass ich keinen Versuch starte, in meinem Hobo-Kocher ein Feuer zu entfachen. Nicht einmal zum Wasser holen verlasse ich das Zelt. Ich habe einfach genug vom Dauerregen! Auch heute bin ich bedingt durch die weiten Umwege auf den Kämmen nur 9 Kilometer weiter gekommen.

Es ist kaum zu glauben, die ganze Nacht schüttet es wie aus Eimern und auch am nächsten Morgen hat der Regen noch nicht an Kraft verloren.

Glücklicherweise ist mein Nallo 2, der schwedischen Firma Hilleberg sehr gut. Das Zelt lässt an keiner Stelle Wasser durch. Auch 2 Personen können darin schlafen, obwohl es nur 2,2 kg wiegt.

Ich habe keine Lust mich wieder durch den strömenden Regen zu quälen und bleibe daher im Zelt, bis schließlich gegen 10 Uhr der Regen tatsächlich nachlässt und dann aufhört.

Das Tal in dessen Oberlauf ich zelte, mündet in den Canyon Creek, wie meine Karte verrät. Heute versuche ich nicht den Graten zu folgen, sondern marschiere auf dem Talboden abwärts.

Dabei komme ich zu meinem Erstaunen besser als erwartet voran. Der Wald ist licht genug um mir keine ernsten Hindernisse entgegen zu setzen, und häufig kann ich auf festem Boden laufen. In den Mooren entdecke ich niedrige junge Lärchen, aber ältere Bäume dieser Art habe ich hier noch nicht gesehen.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/comp_IMG_4476.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/18024)
Moor mit Zwergbirken und jungen Lärchen

Schließlich erreiche ich das breite Tal des Canyon Creek, und stehe bald vor dem dunklen, tief eingeschnittenen Bach, der hier einen ganz anderen Charakter hat als dort wo ich ihn zuerst überquert hatte. Nach kurzer Suche finde ich eine Stelle, wo der Creek so schmal ist, dass ich rüber springen kann.

In dem sumpfigen Tal gibt es große, offene mit Sumpfgräsern bewachsene Flächen. Leider sehe ich in diesem idealen Elchlebensraum keinen der großen Hirsche.

Die offenen Flächen sind zu sumpfig um sie zu durchqueren, aber es gibt stets eine Möglichkeit sie durch die randlichen Moorwälder zu umgehen. Nur manchmal muss ich bei tiefer gelegenen Rinnen schon sehr genau darauf achten, wo ich lang gehe, da es hier auch offenes Wasser gibt.

Bevor ich das Tal durchquert habe, gelange ich noch an einen Bach der aus einem Seitental kommt, und ebenso viel Wasser wie der Canyon Creek führt.
Auch hier finde ich nach kurzer Suche eine Engstelle.

Bald darauf verlasse ich das Tal und erklimme die steilen Hänge einer Bergkette. Ich hatte befürchtet, dass mich klatschnasse Dickichte erwarten, aber ich komme erstaunlich gut im Wald voran. Nachdem die Bäume zurückbleiben, eröffnet sich noch einmal der Blick zurück in das Tal des Canyon Creek.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/comp_IMG_4477.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/18025)
Das Tal des Canyon Creek

Ich laufe jetzt auf einem Bergrücken zwischen zwei tiefen Seitentälern des Canyon Creek. Allerdings ist er nicht flach mit gleich bleibender Höhe, sondern häufig geht es auf und ab.

Schade, dass das Wetter so trübe ist, daher mache ich kaum Fotos. Bei schönem Wetter wäre es traumhaft hier zu wandern! Nachdem es kurzzeitig aufzuklaren scheint, beginnt es wieder zu nieseln.

Dann sehe ich weit entfernt oberhalb eines Blockfelds vier weiße Punkte. Der Blick durch mein kleines Taschenfernglas verrät, dass es sich dabei um Dallschafe handelt, die dort ruhen. Mein erstes Wild auf der Wanderung! Ich freue mich, die Wildschafe vielleicht fotografieren zu können, da mein Kurs in ihre Richtung führt. Aber als ich eine weitere Anhöhe erklommen habe, sehe ich wie die Dallschafe sich erheben und in unerreichbarer Entfernung weiterziehen. Schade!

Dennoch sehe ich noch andere Lebewesen. Einige Schneehühner fliegen explosionsartig vor mir auf. Um diese Zeit haben sie noch nicht ihr weißes Wintergefieder angelegt.

Unterhalb des Grates sehe ich einen Grasfleck und vermute dort eine Quelle, an der ich lagern könnte. Leider bewahrheitet sich meine Vermutung nicht. Erst ein Stück unterhalb im Nadelwald beginnt ein Bächlein, an dem ich mein Zelt aufschlage.

Kaum habe ich meine Sachen zum Trocknen rausgehängt, beginnt es wieder zu regnen. Vor allem für den Daunenschlafsack ist es wichtig, dass er regelmäßig trocknen kann. Das ist bei diesen Bedingungen leider nicht möglich, daher verliert er an Leistung, da klamme Daunen nicht so gut wärmen.

Um meinen Hobo-Kocher zu entzünden, benötige ich heute eine Esbittablette. Als er schließlich brennt, kommt der Topf voll Spaghetti ins Rutschen, da der Kocher nicht auf ebenem Untergrund steht. Todesmutig will ich meine Nudeln retten, was mir auch gelingt. Der Preis dafür ist allerdings eine Brandblase am Finger!

Da auch heute kein einfacher Wandertag war, wundere ich mich nicht, dass ich wieder nur 8 Kilometer weit gekommen bin.

Ich muss unbedingt mehr Kilometer pro Tag zurücklegen, sonst schaffe ich es trotz verkürzter Route nicht, rechtzeitig wieder am Dempster Highway zu sein. Der Druck unbedingt Strecke machen zu müssen, wird in den nächsten Tagen nicht mehr von mir weichen.

Der Morgen beginnt wieder trübe und grau, aber wenigstens regnet es nicht. Zunächst folge ich weiter dem Grat zwischen den Tälern. Man sieht auf den Graten häufig breite Wildwechsel, auf denen der Flechtenbewuchs verschwunden ist. Die Tiere lieben eben auch die einfachen Wanderrouten! Allerdings frage ich mich natürlich warum mir dann kein Wild begegnet, wo ich doch auch auf den Graten unterwegs bin.

Manchmal heben sich die Wolken ein wenig und erlauben kurze Ausblicke in die Weite der Berge mit ihren Hochflächen, tiefen bewaldeten Tälern und grauen Schuttflächen. Es ist ein erhabenes Gefühl diese Wildnis zu durchwandern in dem Bewusstsein über Dutzende von Kilometern wahrscheinlich der einzige Mensch zu sein.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/comp_IMG_3228.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/18020)
Berge und Täler- Die Weite des Yukon

Schließlich habe ich den Oberlauf der Täler erreicht, und der Grat geht über in ein tundraartiges Hochplateau, das hier den Hauptkamm der Richardson Mountains bildet.

Mir ist klar, dass die Orientierung ab jetzt schwieriger wird, als auf dem leicht zu verfolgendem Grat. Daher habe ich gestern im Zelt aus der Karte Wegpunkte gemessen und in mein GPS Gerät übertragen.

Allerdings lasse ich auch jetzt den Satellitenempfänger nicht ständig laufen, sondern kontrolliere nur ab und zu die Richtung und die bereits zurückgelegte Entfernung. Im Wesentlichen versuche ich meinen Kurs durch Kompass-Peilungen zu halten.

Weite gelbe Grasflächen die zum Teil sumpfig sind, wechseln sich mit Bereichen ab, in denen ich über fast kahles, dunkles Schiefergestein laufe.

Einmal höre ich kurz einen Wolf heulen. Dieser perfekte Laut der Wildnis unterstreicht die düstere Stimmung des unter dem grauen Himmel mit seinen schweren Wolken sehr abweisend wirkenden Hochplateaus.

Ein sperberartiger Greifvogel streicht in niedriger Höhe entlang der Konturen eines Bergrückens.

Hier oben weht ein eiskalter Wind, der mich schon bald alle meine Kleidungsstücke anlegen lässt. Sogar die eigentlich eher für Polarexpeditionen bestimmte Kopfhaube setze ich auf.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/comp_IMG_3231.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/18021)
Auf dem Hochplateau der Richardson Mountains

Ehemaliger
01.10.2010, 21:56
Sehr schöner Bericht. Es macht Spass, im Trockenen und mit einer Flasche Wein bewaffnet, von Deinen Anstrengungen zu lesen ... :grins:

"In dem sumpfigen Tal gibt es große, offene mit Sumpfgräsern bewachsene Flächen. Leider sehe ich in diesem idealen Elchlebensraum keinen der großen Hirsche."

Zur Belohnung gibt es auch einen Elch von mir ...

http://www.abload.de/img/comp__y1500538npl.jpg

Wildniswanderer
03.10.2010, 08:46
Teil 5 des Yukonberichtes

Die Landschaft verschwindet zunehmend im aufkommenden Nebel. Immer wieder gehen Schneeschauer nieder. Zumindest komme ich gut vorwärts, schon gegen 14.30 habe ich einen 12 Kilometer von meinem letzten Lager entfernten Wegpunkt erreicht. Mittlerweile ist es so kalt, dass die Nebeltropfen an den Grashalmen gefrieren!

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/comp_IMG_3233.jpg
Es ist kalt!

Bald nehme ich durch die Mischung aus Nebel und wütendem Schneetreiben nur noch meine unmittelbare Umgebung wahr. Obwohl ich häufig auf mein GPS schaue, stehe ich schließlich am Rand eines Tales, in das ich laut meinem Navigationshelfer absteigen soll.

Allerdings weiß ich, dass das nicht richtig sein kann, da ich auf der Hochebene des Hauptkamms bleiben muss. Ich bin verwirrt und marschiere wütend ein Stück zurück um dann stur nach Kompass weiter nach Norden zu laufen.

Zu allem Überfluss habe ich jetzt auch keinen GPS Empfang mehr. Der Wind wird immer heftiger und lässt bei jeder kleinen Pause die Kälte durch meine Kleidungsschichten dringen.

Mir wird klar, dass es keinen Sinn hat unter diesen Bedingungen weiter zu laufen. Jetzt ist es entscheidend einen halbwegs geschützten Lagerplatz zu finden, daher steige ich vom Plateau ab um in ein Tal zu gelangen.

Ein gemütlicher Lagerplatz ist zwar etwas anderes, aber zumindest ist er halbwegs Wind geschützt, der Nebel ist weniger dicht, und das Schneetreiben lässt bald nach.

Hier in der Tundra wachsen am Bach nur noch einige kümmerliche Weiden, mit denen ich bei der Nässe meinen Holzkocher nicht entzünden kann. Allerdings sehe ich in einiger Entfernung eine kleine Fichtengruppe an einem Hang. Ich laufe dorthin und kann an den zwergwüchsigen Stämmchen tatsächlich etwas trockenes Reisig brechen.

Mit Hilfe von Esbit bekomme ich den Kocher zum Laufen, allerdings ist das Holz so nass, dass er irgendwann wieder erlischt. Was solls, man kann durchaus auch halbgare Spaghetti mit Tomatensauce essen!

Zwar habe ich heute mit 13 Kilometern eine größere Strecke als an den vorhergehenden Tagen zurückgelegt, aber ich wünsche mir noch einige schöne Wandertage. Der Kampf mit den Elementen hat auch seinen Reiz, ich würde allerdings lieber in Ruhe die Landschaft genießen und vielleicht endlich auch mal häufiger Wild beobachten.

Morgens ist das Zelt von einer dicken Eisschicht überzogen. Es herrscht nach wie vor dichter Nebel. Ich überlege ob es bei so schlechter Sicht überhaupt einen Sinn hat loszugehen. Nachdem ich etwa eine Stunde abgewartet habe, ob sich der Nebel vielleicht zeitig verzieht, baue ich mein Lager ab, obwohl die Verhältnisse sich nicht gebessert haben.

Ich kann es mir einfach nicht erlauben, so lange zu warten bis der Nebel verschwunden ist. Ich muss Strecke machen, um rechtzeitig zurück an der Straße zu sein. Zumindest ist es nicht mehr so windig und die Landschaft ist nur von einer dünnen Schneedecke überzogen.

Nachdem ich problemlos zurück auf den Kamm gelangt bin, stochere ich wie ein Blinder in der Nebelsuppe herum. Zunächst komme ich auch voran, wie mein GPS verrät, aber dann gelange ich wie gestern an einen Abhang zu einem tiefen Tal.

Abzusteigen wäre klar ein Fehler, aber in welcher Richtung verläuft die Kammlinie weiter? Die Karte ist bei diesen Sichtverhältnissen völlig nutzlos und das GPS verrät mir auch lediglich die Richtung zu meinem nächsten Wegpunkt, da ich keine komplette Route aus vielen Punkten in dem Satellitenempfänger erstellt habe. Dazu müsste ich das Gerät ständig angeschaltet lassen, was viel zu viele Batterien verbrauchen würde.

Abgesehen davon bin ich bis jetzt auch mit relativ bescheidenem GPS-Einsatz gut zu recht gekommen. Aber in diesem Nebel stellt sich die Orientierung viel schwieriger als gedacht dar. Ich irre herum und ändere immer wieder einmal meinen Kurs, unsicher wie ich denn jetzt am Besten weiterkomme. Dabei bewege ich mich mehr oder weniger auf der Stelle.

Aber ich habe Glück, während die Nebelwand für einen kurzen Augenblick aufreißt, kann ich ausmachen, wie ich laufen muss um das Tal zu umgehen. Das Gras ist nach wie vor gefroren und sieht aus wie mit geschmolzenem Glas überzogen.

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Der gefrorene Nebel schafft glasartige Gebilde

Manchmal laufe ich über vereiste Blockfelder. Dort passiert es, ich rutsche aus, und das Gewicht meines schweren Rucksacks lässt mich fast mit dem Gesicht aufschlagen. Glücklicherweise kann ich mich gerade noch abfangen, so dass ich keine Blessuren von dem Sturz davon trage. Wieder einmal wird mir bewusst, welche Risiken damit verbunden sind alleine durch diese riesige, menschenleere Wildnis zu laufen.

Erst gegen Mittag zeigen sich die ersten Flecken blauen Himmels verschwommen durch den Nebel. Dann dauert es aber nicht mehr lange und der graue Schleier verschwindet vollkommen.

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Der Nebel reißt auf

Bald kann ich wieder herrliche Blicke auf die weite Bergtundra genießen.

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Der Nebelvorhang hebt sich und es eröffnen sich faszinierende Blicke in die Weite der Bergtundra

Erst jetzt realisiere ich, dass ich mich doch ein ganzes Stück weit vom Hauptkamm entfernt habe.

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Blick zurück auf den schneebedeckten Hauptkamm

Herrlich wie das schmelzende Eis an den farbigen Blättern der niedrigen Pflanzen funkelt!

Um mich neu zu orientieren, erklimme ich einen Hügel. Die Sonne spendet genügend Wärme, so dass ich meine Schokoladenpause genießen kann. Mit GPS und Karte bestimme ich meinen Standort. Inzwischen bin ich auf die Ostseite der Richardson Mountains gelangt. Vor mir liegt der Oberlauf des Caribou Creek.

Weit entfernt, nehme ich etwas wahr, was nicht in diese Wildnis zu gehören scheint. Tatsächlich, es scheint, als stünden auf einem Hügel oberhalb des Caribou Creek eine ganze Reihe von Baracken. Eine Mine? Ein Prospektorencamp? Ich weiß es nicht und die Bauten sind auch viel zu weit entfernt um sie mir genauer anzuschauen. Ein Adler streicht über meinen Kopf hinweg. Endlich Sonne und blauer Himmel!

Ich beschließe meine Route zu ändern und nicht gleich zum Hauptkamm zurück zu marschieren. Statt dessen will ich in einem Hochtal auf der Ostseite des Gebirges weiter Richtung Norden laufen.

Ich komme recht gut voran, auch wenn ich immer wieder einmündende Seitentäler mit teilweise sumpfigem Untergrund durchqueren muss. Zum ersten Mal seit langem kann ich ohne meine wasserdichte Paddelkleidung laufen. Die Landschaft ist herrlich, am liebsten würde ich ein Foto nach dem anderen machen.

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Ich folge dem Hochtal nach Norden

Gegen Abend erreiche ich die Wasserscheide zwischen Caribou und Trail River. Von hier aus wäre ich in 1,5 Kilometern wieder auf dem Hauptkamm. Allerdings erscheint mir das Wetter zu unsicher, denn inzwischen hat es sich wieder bedeckt und Schnee liegt in der Luft. Ich beschließe auf der Ostseite der Berge zu bleiben und dem Trail River weiter nach Norden zu folgen.

Gegen 19 Uhr schlage ich mein Zelt auf einer Grasfläche zwischen den Weidenbüschen des Baches auf.

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Lager am Oberlauf des Trail River

Als ich mit dem Zeltaufbau fertig bin, blicke ich talabwärts und erspähe einen Elchbullen, der noch weit entfernt talaufwärts auf mich zu zieht. Blitzschnell schnappe ich mir meine Kamera, setze das 70-300 mm Teleobjektiv auf, und schleiche im Schutz der Weiden den Elch an. Auf diese Weise gelange ich schon recht dicht an ihn heran.

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Ein mächtiger Elchbulle zieht talaufwärts

Der Bulle hat mich schon längst bemerkt, und starrt einige Male in meine Richtung, zieht dann aber unbeeindruckt weiter, wobei er leise Geräusche ausstößt. Offenbar hat die Brunftzeit in dieser Gegend bereits begonnen, und der Bulle ist auf der Suche nach Weibchen.

Obwohl ich nach so langer Zeit ohne richtiges Waschen bestimmt rieche wie ein Tier, bin ich zuversichtlich, dass der Schaufler mich nicht mit einer hübschen Elchin verwechselt! Ich nutze eine Anhöhe aus, in deren Sichtschutz ich mich dem Bullen noch weiter nähern kann.

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Auge in Auge mit dem Elchbullen

Schließlich stehen wir uns Auge in Auge mit nur etwa 30 Meter Entfernung gegenüber.
Ein beeindruckendes Erlebnis! Ich löse ununterbrochen meine Kamera aus, aber der Elch reagiert nicht darauf. Er ist nicht ängstlich oder aggressiv. Eigentlich wirkt er auf mich eher neugierig. Ich nehme an, er hat hier, so weit in der Wildnis noch nie so einen komischen Zweibeiner gesehen.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/comp_IMG_3277_Schnitt.jpg
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/comp_IMG_3282_Schnitt.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=18039&title=comp-img-3282-schnitt&cat=500)
Mein Freund der Elch

Schließlich denke ich, dass 30 Meter nah genug sind und ziehe mich zurück zu meinem Zelt. Dort bin ich dann mehr als überrascht, als der Bulle mir folgt und mich aus etwa 40 Meter Entfernung lange Zeit anstarrt.

Vertauschte Rollen! Wer interessiert sich hier eigentlich stärker für den Anderen? Ich habe gelesen, dass es in Alaska mehr Unfälle mit aggressiven Elchen als mit Bären gibt.

Dennoch habe ich kein ängstliches Gefühl, aber es ist schon merkwürdig, dass so ein mächtiges, tonnenschweres Tier einem ins Lager folgt und aus nächster Nähe minutenlang anschaut. Nun, schließlich ist seine Neugierde wohl gestillt, oder er hat erkannt, dass ich wirklich keine Elchkuh bin, jedenfalls zieht er weiter.

Ein tolles Erlebnis, dass mich für die bisher eher mageren Beobachtungen hier im Yukon entschädigt.
Es gibt an meinem Lagerplatz schon wieder erste, mickrige Fichten, so dass es kein Problem ist, auf meinem Hobo zu kochen. Etwas Wärme im Bauch tut mir gut, denn inzwischen geht wieder Schneegrieseln nieder und es ist grau und ungemütlich. Auch heute habe ich 13 Kilometer zurückgelegt.

Die Tour verlangt ersten Tribut am Material. Beim Ausziehen meiner Paddelhose reißt die Neoprenmanschette am Knöchel. Ohnehin ist es jedes Mal eine Qual mich durch die engen Neoprenbunde zu quälen. Aber die sind nun einmal notwendig um Hose und Jacke wasserdicht zu machen.

Auch mein Körper zeigt Verschleißerscheinungen. Nachts im Zelt läuft ein unangenehmes Kribbeln durch meine Hände. Weiß der Teufel was das ist!
In der Nacht friert es wieder und morgens sind das Zelt und die Landschaft von einer dünnen Schneeschicht bedeckt.

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Die Nacht hat Frost und Schnee gebracht

ich
03.10.2010, 09:23
Einfach ein wunderschöner Bericht mit tollen Bildern! Das treibt einem so richtig die Fernweh durch die Adern. Danke!

paddel
03.10.2010, 11:16
Eeeeendlich eine Elch! :D
Super Bilder, klasse Bericht!!!

Mr.Sunrise
04.10.2010, 11:44
Vielen Dank für diesen tollen Bericht von einer richtig beeindruckenden Tour!

Gruß,
Daniel

Wildniswanderer
04.10.2010, 20:56
Teil 6 des Yukonberichts

Allerdings sieht es am Himmel schon nach besserem Wetter aus. Kurz nach meinem Aufbruch blicke ich noch einmal zu meinem Lagerplatz zurück. Es ist kaum zu glauben, dort wo vor 5 Minuten noch mein Zelt stand, steht jetzt der Elchbulle von gestern und blickt in meine Richtung! Offenbar ist seine Neugier über diese merkwürdige Erscheinung in seiner heimatlichen Tundra immer noch nicht gestillt.

Das Ganze kommt mir sehr merkwürdig vor. Beim weiter Gehen schaue ich mich immer wieder um, da ich es jetzt nicht mehr für ausgeschlossen halte, dass mir der Elch folgt. Es ist ein komisches Gefühl, sich als Mensch von einem Wildtier observiert zu fühlen!

Allerdings ist der Bulle nicht der einzige Elch hier: Ein Stück weiter beobachte ich in einem Seitental einen anderen Bullen mit einer Kuh. Obwohl der Elch weniger stark erscheint, hat er offenbar wenigstens schon mal ein Weibchen für sich gewonnen!

Zunächst komme ich gut im wenig bewachsenen Tal voran, aber bald wird der Weiden- und Zwergbirkenbewuchs wieder dichter und die Schwarzfichten wachsen häufiger in kleinen Gruppen in dem geschützten Tal.

Es ist erstaunlich, wie schnell ein Paar Meter Höhendifferenz sich hier auf die Vegetation auswirken. Mit meiner Annahme, dass der Himmel rasch aufklart, wird es vorerst nichts. Immer wieder gehen kurze Schneeschauer nieder und es ist nach wie vor grau um mich herum.

Ich verlasse das Tal weil mir die Vegetation zu dicht wird, und suche mein Glück in den höher gelegenen Hängen. Es ist bereits wärmer geworden, so dass die Landschaft um mich herum wieder braun ist, während die Bergspitzen noch weiß überzuckert sind.

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Weiß überzuckerte Bergspitzen

Auf der Karte sehen die Seitentäler unscheinbar aus, in der Realität sind sie aber oft canyonartig eingeschnitten, so dass ich sorgfältig die besten Stellen für die Querung auswählen muss. Manchmal muss ich dabei nicht nur ein wenig klettern, sondern mich gleichzeitig auch noch durch nasse Weidendickichte hangeln.

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Immer wieder sind tief eingeschnittene Seitentäler zu queren

Der Kontrast zwischen der in matten Braunfarben gefärbten Tundra und den leicht verschneiten Bergen bewirkt eine wunderbare Stimmung.
Während ich bisher schon häufig Heidelbeeren gefunden und gegessen habe, ist das hier ein wahres „Beerenparadies“

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Hier wachsen einem die Heidelbeeren förmlich in den Mund

Eigentlich müsste ich ja auch mal einen Bären bei der Beerenernte treffen, aber leider habe ich kein Glück.
Ab und zu wagt sich eine Fichte aus dem geschützten Talbereich heraus. Man sieht dann aber gleich, wie sehr ihr die Elemente zusetzen.

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Vorwitzige Fichten auf den Hängen werden von Wind und Schnee gestutzt

Langsam setzt sich die Sonne durch, obwohl ich in der Umgebung immer wieder Schauer niedergehen sehe. Heute ist es ein echtes Vergnügen durch die fantastische, herbstbunte Tundra zu wandern.

Ich sehe ich einen Falken in nur 20 Meter Entfernung auf dem Boden sitzen. Leider hebt er ab bevor ich ein Bild machen kann.

Immer wieder fliegen Schneehühner vor mir auf. Einmal bleiben zwei der Hühnervögel aber dicht bei mir am Boden sitzen und ich kann sie aus geringer Entfernung eine ganze Zeit lang beobachten und fotografieren.

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Das Gefieder der Schneehühner passt hervorragend zu den Farben des Herbstes

Um diese Zeit sind die Hühner noch nicht weiß verfärbt, aber auch ihr graues Gefieder tarnt sie hervorragend in der herbstlichen Tundra. Besonders gefällt mir ihr oranger Augenstreif, der eine tolle farbliche Ergänzung zu den roten Heidelbeerblättern darstellt.

Ein Stück weiter beobachte ich einen anderen Vogel, der versucht sich in der Bodenvegetation zu verbergen und nicht abfliegt. Fast würde ich vermuten, dass der unscheinbare Vogel, wahrscheinlich eine Ammer-Art noch Junge im Nest hat, aber dafür ist es eigentlich viel zu spät im Jahr. Als er die schützenden Blätter verlässt, gelingt es mir ihn zu fotografieren.

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Eine Ammer bleibt vor mir am Boden sitzen

Am Nachmittag verlasse ich das Haupttal des Trail River und marschiere ein Seitental aufwärts zurück in die Berge. Mittlerweile ist es so warm, dass ich lediglich mit dünnem Fleece und Trekkinghose laufen kann. Meine Schuhe, in denen ich Neoprensocken trage, sind aber immer noch sehr nass.

Ich kann mich gar nicht an der Landschaft satt sehen, und bleibe häufig stehen um zu fotografieren.

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Ein herrlicher Tag!

Allerdings gibt es auch in diesem Tal tiefe Schluchten die ich durchqueren muss. Dabei gehe ich äußerst vorsichtig vor, denn ein Sturz in der abgeschiedenen Wildnis hätte möglicherweise fatale Folgen, da ich kein Satellitentelefon mitführe mit dem ich Hilfe herbeirufen könnte.

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Manchmal muss ich Schluchten durchqueren

Schließlich schlage ich mein Zelt an einer idyllischen Stelle oberhalb des Bachs auf. Endlich ist es so warm und trocken, dass ich meinen Rucksacks auspacken, und den ganzen Inhalt an der Luft trocknen lassen kann.

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Endlich kann ich meine Sachen trocknen lassen

Es ist ein herrlicher, windstiller Abend an dem ich bis zum Sonnenuntergang draußen sitzen bleibe. Obwohl ich heute nur etwas über 8 Kilometer zurückgelegt habe, bin ich zufrieden und denke, dass ich es rechtzeitig bis zum Dempster Highway schaffen kann. Morgen liegt die Schlüsseletappe dazu vor mir, bei der ich den Kamm der Richardson Mountains nach Westen überqueren muss.

Nachdem die Sonne verschwunden ist, wird es schnell bitter kalt. Inzwischen sind die Nächte wieder richtig dunkel, was am Beginn meiner Yukon Reise noch nicht der Fall war. Aber schließlich geht der August seinem Ende entgegen. Nichts desto trotz sind die Tage noch länger als in Deutschland.

Als ich in der Nacht aus dem Zelt schaue, erstreckt sich über mir in herrlicher Pracht das Band der Milchstraße mit ihren unzähligen Sternen.

Am nächsten Morgen möchte ich meine Stiefel anziehen, die im Vorzelt standen. Das ist zunächst aber nicht möglich, denn sie sind bretthart gefroren! Erst nachdem ich die Stiefel mit in den Schlafsack genommen habe und eine Zeit lang liebevoll knete, kann ich meine Füße langsam hineinzwängen.

Obwohl die Nacht klar war, wabern jetzt Nebel, hinter denen aber bereits die Sonne auf ihren Einsatz wartet.

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Die Sonne ist dabei den Nebel zu durchdringen

Zunächst wandere ich im Bachtal aufwärts, bis ich schließlich weiter oben die steilen Hänge erklimme. Dabei wird mir so warm, dass ich nur mit dem leichten Fleece laufe.
Während hier oben bereits die Sonne aus einem strahlend blauen Himmel brennt, hängt in den Tälern noch der Nebel fest.

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Der Nebel ist aus den Tälern noch nicht verschwunden

Manchmal scheint es, als würden die Nebelschleier förmlich gegen die Berghänge branden.

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Kurzzeitig hüllt der Nebel mich wieder ein. Dabei entdecke ich ein noch nie zuvor von mir wahr genommenes Phänomen: Einen Nebelbogen!

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Der Nebelbogen- ein faszinierendes Naturphänomen

Aber bald ist der Nebel endgültig verschwunden und es herrschen hervorragende Sichtverhältnisse, die die Orientierung auf dem weiten Hochplateau einfach machen.
Allerdings bin ich froh, diesmal nicht im Nebel wandern zu müssen. Das was als gleichförmige Hochebene erscheint, ist in Wirklichkeit immer wieder von tiefen Tälern zerteilt, die zu umgehen bei schlechteren Verhältnissen sicher nicht einfach wäre.

Kothaufen zeigen, dass auch hier oben Bären unterwegs sind, allerdings habe ich wieder nicht das Glück einen Beeren sammelnden Bären anzutreffen.

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Mit Beerenresten durchsetzter Bärenkot

Trotz strahlendem Sonnenschein weht ein eiskalter Wind, so dass ich zeitweise Handschuhe und sogar meine Kopfhaube trage. Nichts desto trotz bin ich völlig von den einsamen Weiten fasziniert.

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In den Weiten des Hochplateaus

Oft sind tafelförmige Berge mein nächstes Ziel, die sich beim Näher kommen in der klaren Luft oft als bescheidene Hügel entpuppen. Sumpfige Ebenen voll gelbem Gras wechseln sich mit kargen, steinigen Graten ab.

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Unterwegs auf steinigen Graten

Gegen Mittag denke ich, dass ich auch heute nur langsam vorwärts komme, aber hier auf der Hochebene werde ich schneller.

Schließlich habe ich die letzte Wasserscheide erklommen, und sehe unter mir bereits das Tal des Vyah Kit Creek, der nach Westen zum Eagle River fließt, der später den Dempster Highway kreuzt.

Beim Abstieg nehme ich in einem Seitental eine Bewegung wahr: Karibus! Fünf Hirsche mit imposanten Geweihen äsen an einer geschützten Stelle und werfen auf, als sie mich bemerken. Dennoch kann ich mich auf etwa 70 Meter an sie anschleichen und einige Fotos machen. Schließlich entfernen sie sich aber doch, blicken vom Grat aber noch einmal auf mich zurück.

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Äsende Karibus

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Die Karibus ziehen sich zurück

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Bevor die Karibus endgültig verschwinden, blicken sie noch einmal zu mir

Als ich bereits ein ganzes Stück weiter gegangen bin, bemerke ich, dass ich mein kleines Taschenfernglas verloren habe! Beim Anpirschen der Karibus hatte ich Rucksack und Fernglas abgelegt um mich mit der Kamera besser bewegen zu können. Offenbar habe ich hinterher vergessen, das Fernglas wieder umzuhängen. Ich überlege kurz zurück zu gehen um nach dem Glas zu suchen, aber mir ist klar, dass das gleichbedeutend mit der Fahndung nach einer Stecknadel im Heuhaufen wäre, daher wandere ich traurig weiter.

Manchmal verschönen die weißen Wattetupfer von Weidensamen die Landschaft.

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Die Samen der Weiden haben sich erst jetzt, kurz vor dem nächsten Winter entwickelt

Gegen 19 Uhr schlage ich mein Lager am Bach auf. Hier wachsen wieder einige Schwarzfichten, daher ist das Kochen auf meinem Hobo kein Problem. Nach dem Verlust des Fernglases gibt es jetzt den nächsten Materialschaden: Mein Löffel aus dem superstabilen Kunststoff Lexan zeigt erst Risse und bricht dann endgültig ab!

Ohne Löffelstiel zu essen, kann eine ganz schöne Schweinerei sein, aber meine Hände sind bedingt durch das ständige Hantieren mit Feuer und dem rußgeschwärztem Topf ohnehin mehr schwarz als weiß!

Ich habe heute 16 Kilometer zurückgelegt und damit ist das rechtzeitige Erreichen des Dempster Highway kein Problem mehr. Einerseits bin ich erleichtert, andererseits wird mir aber auch bewusst, dass sich die Wildniswanderung dem Ende zuneigt, ausgerechnet jetzt, wo das Wetter endlich stabil und schön ist.

Sir_Hawk
04.10.2010, 21:48
Wunderbarer Bericht, toll geschrieben und wunderschöne Bilder.

weiter so

Hawk

Wildniswanderer
05.10.2010, 18:52
Teil 7 des Yukonberichts

Nach einer frostigen Nacht bricht ein weiterer herrlicher Tag an. Zunächst folge ich dem Bachtal. Eine Geweihstange zeugt davon, dass Karibus häufiger die Gegend frequentieren.

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Ich finde eine Karibustange in der Tundra

Das Tal, in dem bald vermehrt Nadelbäume auftauchen, ist fast lieblich zu nennen.

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Die Nadelbäume im Tal werden häufiger

Nach 243 Bildern muss ich den ersten Akku meiner digitalen Spiegelreflexkamera Canon Eos 400 D wechseln. Wegen dem meist schlechten Wetter habe ich bisher nur relativ wenig Fotos gemacht, daher war es bei dieser Tour überflüssig 4 Reserveakkus mitzuführen.

Obwohl ich mein GPS nur selten nutze, benötigt es bereits den dritten Satz aus 2 AA Batterien.

Als der Bewuchs im Tal wieder dichter wird, lege ich meinen Kurs über die Hügel, wo die Vegetation spärlicher ist, und ich daher leichter vorankomme. Allerdings gilt es auch hier immer wieder die Gürtel aus dichtestem Weidendschungel entlang der Nebenbäche zu durchqueren. Verglichen mit dem Beginn meiner Tour, haben die Weiden allerdings schon einen Großteil ihres Laubs verloren.

Irgendwann sehe ich von einem Hügel in der Ferne ein geradliniges Band das auf eine Anhöhe führt. Der Blick durchs Teleobjektiv bestätigt, dass es der Dempster Highway ist, der in 12 Kilometern Entfernung verläuft!

Einerseits freue ich mich ein wenig, bald wieder zu den Annehmlichkeiten der Zivilisation zurückzukehren, andererseits wird mein „Wildnisgefühl“ durch die Nähe der Straße ziemlich gestört.

Bald wandere ich durch richtigen Wald, in Verbindung mit den kahlen Bergen eine sehr abwechslungsreiche Landschaft.

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Abwechslungsreiche Landschaft aus Wald und Bergen

Zahlreiche goldgefärbten Lärchen sind in die bläulich erscheinenden Weißfichten eingesprengt, die auf den trockenen Hängen wachsen. Dagegen sind die weiten Moore von den düster wirkenden Schwarzfichten geprägt.

Obwohl ich gut vorankomme lasse ich mir Zeit um noch einmal das Unterwegs sein in dieser fantastischen Landschaft zu genießen. Zum Fotografieren ist das Licht jetzt um die Mittagszeit leider zu grell.
Einmal muss ich in ein tiefer eingekerbtes Tal klettern, durch das ein größerer Bach in einer felsigen Schlucht fließt.

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Bach in felsiger Schlucht

Nach kurzer Kletterpartie bin ich wieder in ebenerem Waldgelände. Häufig höre ich ein hohes Piepsen und sehe fette Wühlmäuse oder Lemminge in ihren Löchern verschwinden. Obwohl ich mich mit auslösebereiter Kamera einige Zeit lang still vor den Wohnungen der Nager postiere, schaut keiner noch einmal aus seinem Loch heraus.

Später am Nachmittag erklimme ich eine unbewachsene Hügelkette von der ich noch einmal die Ausblicke in die grenzenlose Wildnis genieße.
In einem Bachtal schlage ich schließlich mein letztes Lager auf.

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Mein letztes Lager in der Wildnis

Mittlerweile sind meine Hände durch die Kämpfe mit dem Busch und das Brechen des Feuerholzes von Wunden übersät. Es wäre keine schlechte Idee auf so einer Querfeldeintour leichte Arbeitshandschuhe dabei zu haben, um solche Verletzungen zu vermeiden.

Nach dem Essen gehe ich noch einmal auf einen Hügel, wo die milde Abendsonne die Landschaft in rosiges Licht taucht.
Allerdings weht hier oben ein scharfer, kalter Wind, der mich bald zurück zum Zelt treibt.

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Das Licht der Abendsonne überzieht die Landschaft mit rosigem Schimmer

Hier im Tal hat es in der Nacht nicht gefroren, auf den offenen Moorflächen die ich später überquere allerdings schon. Da es die ganze Nacht sehr windig war, konnte sich kein Kondenswasser an Zelt und Schlafsack absetzen, daher kann ich sie gleich schön trocken verpacken.

Ein weiterer wunderschöner Morgen bricht an.

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Die Morgensone färbt den aufsteigenden Dunst

Zunächst wandere ich über Kämme und durch Täler, stehe dann aber am Rand einer weiten, goldenen Moorfläche, an deren Ende der Dempster Highway auf einem Hügelkamm verläuft.

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Die letzten Moorflächen vor dem Dempster Highway

Bald hat die Sonne an Kraft gewonnen und ich trage nur noch meinen leichten Fleece. So kurz vor dem Ende der Wandertour passiert mir aber noch ein weiteres Missgeschick: Bei einem Fotostopp lasse ich die Objektivkappe liegen. Das bemerke ich zwar schon bald, aber da ich keine Chance sehe, die kleine Kappe wieder zu finden, muss ich einen weiteren Verlust verbuchen.

Zurück nach Whitehorse

Nach drei Stunden erreiche ich den Dempster Highway und sehe Schilder auf einem Parkplatz an der Straße. Als ich dort ankomme, stelle ich fest, dass hier der Polarkreis verläuft! Die Schilder geben interessante Informationen zur Arktis.

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Meine Wanderung endet am Polarkreis

Atze1407
05.10.2010, 19:30
Wie man hier zu sagen pflegt, großes Kino!

5 Sterne

Gruß
Atze 1407

MatthiasK
05.10.2010, 19:50
Tolle Bilder hast du da gemacht!

heron
06.10.2010, 08:32
Einfach nur grossartig - danke für den Bericht wie auch die tollen Bilder!
Letztes Jahr am Nisutlin habe ich auch immer wieder sehnlich in die Berge geschaut - wissend, dass dort richtiger Urwald und viel Sumpf ist - aber du hast bewiesen: es geht doch!

Mika Hautamaeki
06.10.2010, 12:54
Nochmal vielen Dank für den super Bericht. Eine geniale Tour! Hattest du den Parkplatz gezielt als Ankunftspunkt gewählt, wegen der Rückfahrt? Und verlief selbige auch unpoblematisch?

Wildniswanderer
06.10.2010, 17:01
Mein Bericht ist ja noch gar nicht zu Ende, die Rückreise mit einigen interessanten Begebenheiten kommt noch ;-)

Den Arctic Circle Parkplatz hatte ich mir nicht als Endpunkt ausgesucht, ich wusste auch gar nicht, dass ein solcher existiert. Nichts desto trotz ist so ein Parkplatz der von vielen angesteuert wird natürlich ein super Platz um eine Mitfahrgelegenheit zu finden.

Gerald

Wildniswanderer
06.10.2010, 20:25
Teil 8 des Yukonberichts

Ich hatte meine Tour bei Kilometer 145 am Blackstone River begonnen. Der Polarkreis liegt bei Kilometer 403 der Straße. Eine ganz schöne Entfernung die ich in den 16 Tagen zurückgelegt habe!

Es sind bereits einige Touristen da, die ich frage ob sie mich mitnehmen können. Leider fahren sie Richtung Norden. Anschließend führe ich eine nette Unterhaltung mit einem amerikanischen Pärchen und einem Tschechen, die auf ihren Motorrädern unterwegs sind.

Meinen Rucksack stelle ich an die Straße. Wenn ein Fahrzeug auftaucht, sprinte ich schnell zu ihm, wobei ich davon ausgehe, dass die Touristen alle hier am Polarkreis halten.

Eine indianische Familie ist mit ihrem Pick-up auf der Jagd. Sie fragen ob ich Karibus gesehen habe. Offenbar hat die riesige 180.000- köpfige Porcupine River Herde bereits den Dempster Highway überquert. Normalerweise sind sie zwei Monate später hier, aber das kühle, nasse Wetter in diesem Sommer hat sie wohl schon vorzeitig ihre Wanderung antreten lassen.

Als sich ein riesiger Truck nähert, renne ich zu meinem Rucksack, obwohl meiner Erfahrung nach Lkw fast nie Anhalter mitnehmen. Allerdings hält der Laster. Offenbar denken die beiden Fahrer ich wäre in einer Notlage, weil sie gesehen haben, wie ich zum Highway gesprintet bin. Eigentlich verbietet ihre Firma Anhalter mitzunehmen, daher sagen sie gleich, dass ich nur bis Eagle Plains mit darf. Die Beiden fahren ständig die Strecke von Edmonton nach Inuvik. 5 Tage Non- Stop!

Die Fahrt führt durch weite, eintönige Schwarzfichtenwälder. Allerdings erzählen die Trucker, dass Sie hier manchmal Grizzlys sehen. Einmal sei einer bei einem Halt sogar bis an ihre Tür gekommen, wohl um nach Nahrung zu betteln.

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Der Truck nimmt mich vom Polarkreis mit nach Eagle Plains

Schließlich erreichen wir Eagle Plains, wo die Beiden im Cafe etwas essen wollen.
Neben Hotel, Tankstelle und Campingplatz gibt es hier auch einen Reparaturstützpunkt für den Highway. Es herrscht etwas Betrieb, daher hoffe ich bald einen weiteren Lift zu finden.

Allerdings bleibe ich zunächst erfolglos, obwohl ich die Menschen direkt ansprechen kann. Nach einer Stunde gehe ich zum Campingplatz, wo gerade zwei junge Pärchen zusammenpacken. Ohne zu zögern willigen sie ein mich mitzunehmen. Ich fahre bei Chris und Teresa in ihrem großen Geländewagen mit.

Die beiden Paare wohnen in Inuvik und haben sich spontan entschlossen, das lange Wochenende des Labour Day Feiertags zu einem Ausflug nach Dawson City zu nutzen.

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Wir rasen in diesem Wagen mit 160 km/h über den Dempster Highway

Chris ist 24 und hat gerade seinen kommerziellen Pilotenschein gemacht. Seine Mutter ist Schwedin und sein Vater Eskimo, hier Inuvialuit genannt. Da er als Eingeborener gilt, treffen für ihn die normalen Jagdbestimmungen nicht zu, weshalb er überall frei jagen kann. Allerdings gilt auf einer Meile beiderseits des Dempster Jagdverbot, wohl weniger aus Angst, dass das Wild hier ausgerottet werden könnte, als um der Unfallgefahr vorzubeugen.

Mir fällt auf, dass wir ziemlich flott unterwegs sind, aber als ich einen Blick auf den Tacho werfe, kann ich der Anzeige kaum glauben: Wir fliegen mit 160 Stundenkilometern über die unbefestigte Piste nach Süden!

Bei der Geschwindigkeit nehmen wir die Bodenwellen nicht mehr war, und die mit 60 gemütlich über den Highway rollenden Camper müssen denken von einem UFO überholt zu werden.

Dabei dröhnt Rockmusik aus den Boxen und wir sind guter Stimmung bei dem herrlichen Wetter. Chris ist ein guter Fahrer, so dass ich mich nicht unsicher fühle, allerdings darf bei der Geschwindigkeit nichts Überraschendes passieren…
Teresa scheint nicht so gut mit dem Geschwindigkeitsrausch ihres Freundes klar zu kommen, da ihr schlecht wird und sie ihn bittet anzuhalten.

Wir unterhalten uns sehr gut. Es ist interessant etwas über die Jagd im Yukon und das Leben in Inuvik zu erfahren. Obwohl fast jeder dort ein Boot hat, und häufig damit zum Jagen oder Fischen fährt, kann fast niemand schwimmen. Daher passieren häufig Unfälle bei denen Leute ertrinken. Inzwischen gibt es aber ein Hallenbad, damit die Kinder Schwimmen lernen können.

Teresa ist schon viel herumgekommen und hat in sozialen Projekten sowohl in Afrika, Indien als auch Guyana gearbeitet.

Nachdem wir die weiten Wälder der Eagle Plains hinter uns gelassen haben, wird die Gegend offener und immer schöner. Wir genießen noch einmal den Farbrausch des herbstlichen Nordens. Immer wieder halten wir an schönen Plätzen und gehen ein Paar Schritte in die Tundra. Danach geht es aber mit 160 km/h weiter!

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Chris und Teresa

Eigentlich wollten wir mit dem zweiten Paar auf einen Berg wandern, aber am verabredeten Treffpunkt ist niemand.

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Noch einmal präsentieren sich die Berge am Dempster in voller Pracht

Aufgrund des Feiertags sind recht viele Leute unterwegs oder haben ihre Wagen an der Straße abgestellt.

Schließlich geht es vor Dawson City durch die weite Schutthaldenlandschaft des Goldabbaus, dann erreichen wir die Stadt. Kurioserweise gibt es hier ein Besucherzentrum für das Nordwestterritorium gegenüber dem Dawson Visitor Center.

Nachdem ich erfahren habe, welches Hotel ein halbwegs günstiges Zimmer verfügbar hat, schreibe ich aus einem Internet Cafe erst einmal einige e- mails.

Dann miete ich mich für 70 $ im Midnight Sun Hotel ein. Stundenlang hocke ich in der Badewanne um die Dreckkruste loszuwerden die sich in der Wildnis gebildet hat.
Bevor die Sonne untergeht, gehe ich los um mir die Stadt anzuschauen.

Nachdem 1893/1894 das erste Gold in der Gegend gefunden wurde, gelang 1896 der große Fund, der den Goldrausch auslöste. Noch im selben Jahr wurde Dawson City gegründet, und hatte bald 5000 Einwohner, versorgte außerdem weitere 30.000 die verstreut um die Stadt auf ihren Claims lebten. Zwar war der große Goldrausch schon wenige Jahre später wieder vorbei, aber noch heute werden hier die Goldvorkomen ausgebeutet. Dawson City war von 1897 bis 1951 die Hauptstadt des Yukon Territoriums und wurde erst danach von Whitehorse abgelöst.

Heute leben hier nur noch etwa 2000 Einwohner und die Haupteinnahmequelle ist nicht mehr das Gold, sondern die zahlreichen Touristen die auf den Spuren Jack Londons hier her kommen.

Dementsprechend hat die Stadt allerhand zu bieten. Von geführten Touren durch die Goldfelder bis zu einigen Museen, kann man sich hier in die Zeit des Goldrausches zurück versetzen lassen. Daher erinnert das heutige Aussehen des Ortes mit malerischen Holzhäusern und unbefestigten Straßen an eine alte Westernstadt.

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Die Hauptstraße von Dawson City

Nachdem ich mich einige Zeit umgesehen habe, gehe ich zu einem Restaurant, dass mir Chris und Teresa empfohlen haben.

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Später Nachmittag in Dawson City

Das Essen ist auch tatsächlich sehr gut, leider tauchen meine Freunde aus Inuvik nicht auf. Allerdings ist der Raum gut gefüllt mit Touristen. Neben mir geben zwei Deutsche endlose Zahlenreihen in ihren Laptop ein. Ich sollte sie später wieder treffen und dann erfahren was es damit auf sich hat…

Nachdem ich das abwechslungreiche Essen, nach der doch ziemlich eintönigen Nudeldiät der letzten Wochen genossen habe, will ich mir noch den Saloon „Diamond Tooth Gertie“ anschauen. Dieses Etablissement wird von dem örtlichen Tourismusverband betrieben, und ist einer Kneipe der Goldgräberzeit nachempfunden mit Pianospieler und Personal in historischem Outfit. Natürlich kann man hier auch sein Geld bei Black Jack und Roulette loswerden…

Mir reicht allerdings ein kurzer Besuch. Nachdem ich ein Bier getrunken habe, trete ich den Rückweg zum Hotel an, und genieße die erste Nacht in einem weichen Bett, nach den zahlreichen Übernachtungen im Schlafsack.

Am nächsten Morgen verspeise ich mein letztes Müsli auf dem Zimmer, und koche mir dazu Kaffee auf der Maschine, die den Gästen kostenlos zur Verfügung steht.

Der Morgen ist frisch und klar. Als ich durch die Stadt laufe, um zu einem Ausgangspunkt für das Trampen zu kommen, treffe ich Dave, den Prospektor, der mich vor Beginn meiner Tour zum Dempster Highway mitgenommen hatte.

So klein ist die Welt! Wir unterhalten uns kurz, dann laufe ich weiter. Auch morgens macht Dawson den Eindruck einer sehr sympathischen Kleinstadt. Erstaunlich viele Leute sind mit dem Fahrrad unterwegs. Ein Stück außerhalb der Stadt kann ich noch einmal den Blick auf den morgendlichen Yukon genießen.

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Morgenstimmung am Yukon bei Dawson City

Nachdem ich 20 Minuten gewartet habe, nimmt mich ein junger Kanadier mit. Leider fährt er nur bis in die Nähe des Flughafens. Aber immerhin habe ich es bereits geschafft, den direkten Umkreis der Stadt zu verlassen.

Der Morgen ist sonnig und nicht zu kalt, daher ist es durchaus nicht unangenehm in der Stille des Waldes an der Straße auf eine Mitfahrgelegenheit zu warten. Oft tut sich 10 Minuten lang gar nichts, bis mal wieder ein Auto vorbei kommt.

Statt dessen trippelt ein neugieriger Unglückshäher bis auf einen Meter an mich heran, und ein Rotfuchs taucht kurz an der Straße auf, vielleicht sucht er nach Unfallopfern?

Nachdem ich eineinhalb Stunden gewartet habe, nimmt mich ein interessanter Kanadier mit. Er ist Biologe und hat schon viele Untersuchungen, hauptsächlich über Fische für die Behörden durchgeführt. Daneben hat er aber auch schon als Trapper gearbeitet. Als wir eine Elchkuh an der Straße sehen, erzählt er, dass er in jedem Herbst einen Elch schießt. Das viele Fleisch teilt er sich mit einem Freund, dennoch gibt es wenigstens an jedem zweiten Tag Elchfleisch auf den Teller!

Sehr viele Einwohner des Yukon versorgen sich noch heute durch die Jagd mit Fleisch.
Er erzählt, dass zur Zeit die Pelzpreise recht gut sind, und die Trapper eine Menge verdienen können, wenn es gut läuft. Dabei ist das ganze Land in Distrikte aufgeteilt, in denen jeweils nur ein Trapper seine Fallen stellen darf. Die so genannten „Traplines“ sind oft 100 Kilometer lang und man benötigt auch mit dem Schneemobil mehrere Tage um die Fallen zu kontrollieren.

Er erzählt, dass man die trockene Kälte im Yukon gut aushalten kann. Der März sei beispielsweise ein perfekter Monat für Skitouren. Am stärksten gefroren habe er in seinem Leben bei 0 Grad in der feuchten Kälte an der Pazifikküste von British Columbia.

Als ich ihn frage, was er von Bärenspray hält, erzählt er, dass sie in einem Lager, wo die Fischabfälle ständig Schwarzbären angelockt haben, mal einen Versuch mit Bärenspray gestartet haben. Manche der Schwarzbären hätten unglaublich empfindlich auf das Besprühen reagiert und seien schreiend geflüchtet. Andere dagegen hätten gar keine Reaktion gezeigt!

An der Tankstelle von Stewart Crossing, wo er nach Mayo abbiegt, verabschieden wir uns. Kaum bin ich ausgestiegen, als ich eine ältere, sportlich und sympathisch aussehende Frau frage, ob sie mich mitnimmt. Da sie drei Hunde dabei hat, weiß sie zunächst nicht, ob für mich und meinen Rucksack genügend Platz da ist. Schließlich willigt sie aber ein. Bald entdecken wir, dass wir uns auf Deutsch unterhalten können!
Maria stammt nämlich aus Sankt Gallen in der Schweiz, ist aber bereits 1967 in den Yukon ausgewandert!

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Maria aus der Schweiz

Einer ihrer Hunde ist ein ehemaliger Schlittenhund, der dafür allerdings ausgemustert wurde, weil er recht klein ist. Maria lässt sich aber manchmal von ihm ziehen, wenn sie auf ihren Schiern steht. Das klappt prima!

Sie ist sehr an meiner Wanderung interessiert und erzählt mir von jemand, der den ganzen Yukon zu Fuß durchquert hat. Als ich wieder zu Hause bin, kaufe ich mir das Buch, das der Engländer Chris Townsend über dieses Abenteuer geschrieben hat.

Obwohl Maria noch einige Male in der Schweiz war, hat sie es nie bedauert ausgewandert zu sein. Sie genießt vor allem die weite Natur des Nordens.

Das Wetter ist perfekt, warum konnte es nicht auf meiner Wanderung auch immer so sein? Einmal fahren wir von der Straße runter in einen Weg ein, an dessen Ende das Freizeitgelände der Familie ihrer Tochter liegt. Komplett mit eigenem See, Boot und Sauna! Ein wahres Paradies!

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Das Wochenendparadies der Familie von Marias Tochter

Da Maria nicht mehr in den vergleichsweise dichten Verkehr von Whitehorse fahren will, nimmt sie mich bis zum Haus ihrer Tochter im Vorort Porter Creek mit. Dort wimmelt es von 17-jährigen die gerade eine Party zum Beginn des Schuljahres feiern.

Marias Tocher Heidi lädt mich kurzerhand zum Essen ein, was ich gerne annehme! Ihre Tochter Cristal studiert Ressource Management, und hat im Sommer ein Praktikum in den Tombstone Mountains gemacht, daher haben wir gleich ein Gesprächsthema.

Aber die nette Familie will mich nicht hier im Vorort stranden lassen, daher fahren mich Cristal und ihr Freund runter in die Stadt, wo ich wieder ins Hostel „Hide on Jeckell“ gehe.
Diesmal sind die deutschen Besitzer Detlev und Renate da. Sie haben die Herberge vor 8 Jahren aufgebaut, würden das Haus jetzt aber gerne verkaufen um wieder zu reisen und noch einmal etwas anderes zu machen.

Ein Kanadier der mit mir im Zimmer schläft, schnarcht unglaublich. Auch auf laute Ansprache reagiert er nicht! Wie geruhsam waren doch die Nächte im Zelt!

Am nächsten Morgen entdecke ich, dass man sich beim Hostel ein Fahrrad leihen kann, und noch nicht mal etwas dafür bezahlen muss!

Zunächst radle ich in die Stadt, wo es mir tatsächlich gelingt, Ersatz für meinen am letzten Wandertag verlorenen Objektivdeckel zu finden. Anschließend stöbere ich noch ein wenig in Mac’s Bookstore herum. Besonders faszinieren mich die zahlreichen Bücher über fatale Begegnungen mit Grizzly Bären.

Schließlich reiße ich mich von der Stadt los, und fahre zum Yukon. Es ist ziemlich kühl und bedeckt, definitiv hat auch hier der Herbst bereits seinen Einzug gehalten. Am Ufer des großen Flusses entdecke ich ein fettes Erdhörnchen, das sich offenbar an die zahlreichen Menschen auf dem neben seinem Revier verlaufenden Radweg gewöhnt hat. Da es überhaupt nicht scheu ist, kann ich mich ihm bis auf wenige Meter nähern und eine ganze Reihe von Fotos aufnehmen.

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Erdhörnchen am Ufer des Yukon

Am Staudamm treffe ich Christoph und Bettina, die ebenfalls im Hostel abgestiegen sind und sich Räder ausgeliehen haben. Bald beschließen wir zusammen eine Runde zu fahren. Hier in der Gegend des Lake Schwatka, der nach einem amerikanischen Offizier benannt wurde, der 1883 als erster Weißer den Yukon in seiner ganzen Länge erkundet hat, gibt es zahlreiche Rundwege, die im Winter als Skiloipen genutzt werden.

Um diese Zeit sind es hervorragende Mountainbikerouten, die oft sehr schmal über zahlreiche Wurzeln und kleine Steigungen führen. Ich merke bald wie klein die Welt ist, da Christoph und Bettina im letzten Jahr ebenfalls in Ladakh waren und Berwang gut kennen.

Die beiden fotografieren auch gerne und betreiben eine Seite mit Outdoorthemen im Internet, daher haben wir viel Gesprächsstoff.

Als Abschiedsessen will ich mir am Abend eine Pizza gönnen. Aber bei der Fahrt in die Stadt treffe ich Lars, der von dem Restaurant „Steak and Halibut“ schwärmt. Da er sich mir anschließen will, begeben wir uns kurzerhand zu dem Restaurant im Zentrum von Whitehorse.

Das Essen dort muss einfach gut sein, denn es hat sich eine lange Schlange bis auf die Straße gebildet. Lars, der mit einer Reisegruppe schon einmal hier gegessen hat, erzählt, dass die Leute fast immer auf den Einlass warten müssen!

Nach einer Dreiviertelstunde sitzen wir schließlich drinnen und ich bestelle mir ein Kilogramm Rippchen!

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Mein Abschiedsessen in Whitehorse- ein Kilogramm Rippchen

Das Essen ist hervorragend und mir ausgehungertem Wanderer fällt es nicht gerade schwer die Portion zu verdrücken. Allerdings benötige ich danach keinen Nachtisch…

Am nächsten Morgen teile ich mir mit Lars das Taxi zum Flughafen. Die gut gelaunte Taxifahrerin zeigt uns noch einmal, wie locker und offen hier viele Menschen sind.

Das nette Paar, das mich am Anfang der Reise im Wohnmobil auf dem Dempster Highway mitgenommen hatte, ist auch da. Als ich sie nach dem Verlauf ihrer Reise frage, geben sie mir prompt meinen Hut zurück, den ich vor dem Aufbruch am Blackstone in ihrem Camper liegen gelassen hatte!

Mit einer Stunde Verspätung fliegen wir schließlich gegen 14 Uhr los. Bereits nach zwei Stunden haben wir Fairbanks in Alaska erreicht, wo wir zwischenlanden.

Zwar hatten uns die Kanadier vor dem Abflug Einreiseformulare für die USA gegeben, aber bald stellt sich heraus, dass wir diese als Transitpassagiere gar nicht hätten ausfüllen müssen. Dafür wird allerdings von jedem ein Foto gemacht und die Fingerabdrücke genommen. Die Gelegenheit Informationen zu erhalten lässt sich der amerikanische Staat nicht entgehen!

Auf dem Weiterflug sitze ich neben Richard, der als Kind mit seiner Mutter nach Kanada ausgewandert war, und dort zahlreiche Jobs, unter anderem auch als Feuerwächter ausgeübt hatte. Seit 9 Jahren lebt er in Berlin, und war jetzt nur für eine Kanutour auf dem Wind River im Yukon. Allerdings zieht es ihn doch wieder nach Kanada. Im nächsten Jahr will er zurück nach Whitehorse und dort als Yogalehrer arbeiten.

Auf der anderen Gangseite sitzt ebenfalls ein Bekannter: Er hatte in Dawson City im Restaurant am Nachbartisch gesessen! Als ich neugierig frage, was für eine Art von Zahlen er an dem Abend in den Laptop eingetippt hat, erfahre ich, das er eigentlich Deutschlehrer ist, aber ein geophysikalisches Verfahren zur Goldsuche anwendet.
Aus dem anfänglichen Hobby ist inzwischen eine kleine Firma geworden!

Über dem Eis des Polarmeers sehen wir die Sonne untergehen. Es wird aber nicht dunkel, sondern gleich darauf geht sie wieder auf!

Am fünften September gegen 11 Uhr erreichen wir den Frankfurter Flughafen. Damit ist mein Yukon Abenteuer leider zu Ende.

Obwohl das Wetter wie geschildert über weite Zeit ziemlich schlecht war, war es eine faszinierende Erfahrung alleine durch die Wildnis des Yukon zu wandern und zu paddeln.

Ich kann mir gut vorstellen wiederzukommen!

Trampvan
06.10.2010, 21:36
Dein Abenteuer ist ja ein echt Traum.
Steht auf jeden Fall auf meiner Todo-Liste.

Super Bericht, vielen Dank für deine Mühe. Habe ihn sehr gern gelesen.

Sector
07.10.2010, 18:57
Super Bericht! Hat mir das warten und Geld verdienen um einige Minuten verkürzt.
Zum Glück bin ich noch jung!! :) Bald gehts auch wieder nach Kanada *freu*

Nicht übertreiben
07.10.2010, 20:18
Respekt, echt eine beeindruckende Tour und ebensolche Bilder, die Farben sind wunderschoen. Einzige Kritik: Nach dem Rippchen-Bild habe ich jetzt tierischen Kohldampf und muss erstmal was essen!

Wildniswanderer
07.10.2010, 21:20
Erst einmal vielen Dank für die netten Kommentare.

Einer von euch hatte ja nach den "Lessons learned" gefragt. Nun, fasse ich mal einige Sachen zusammen, die ich im Nachhinein anders machen würde:

1. Wo eben möglich eine hoch gelegene Route wählen und Täler möglichst vermeiden.
2. Wenn irgend möglich nicht durch alte Waldbrandgebiete gehen.
3. Bei einer Gegend für die Karten schwerer erhätlich sind, Google Earth Ausdrucke nehmen.
4. Gewicht reduzieren, z.B bei Schwimmweste und Paddelsachen ist das möglich.
5. Bärenspray und Notsender, z.B. Spot mitnehmen.
6. Mehr Wandern, weniger Boot fahren.

Bis dann

Gerald

Gassan
07.10.2010, 21:33
Hi ein super toller Bericht ich kann mich den anderen nur anschließen

Aber eine Frage


3. Bei einer Gegend für die Karten schwerer erhätlich sind, Google Earth Ausdrucke nehmen.


Ich hab mir mal die Gegend um Whitehorse bei Google Earth angetan und die Auflösung ist dort nicht gerade phänomänal bis auf ein paar Quadrate ausgenommen.
Reicht diese schwammige Auflösung bereits für solch eine Tour?

Ehemaliger
07.10.2010, 21:36
"6. Mehr Wandern, weniger Boot fahren."

Mich würde interessieren, was hinter dieser Überlegung steckt. Macht Wandern mehr Spass als das Raften? (Wenn dem so wäre, hätte sich nämlich meine Idee erledigt, es auch mal mit einem Alpacka Raft zu versuchen.)

Wildniswanderer
07.10.2010, 21:43
Das mit den Google Earth Karten war eher allgemein gesagt, für Kanadas ist gutes Kartenmaterial ja kein Problem.

Wildniswanderer
07.10.2010, 21:48
"6. Mehr Wandern, weniger Boot fahren."

Mich würde interessieren, was hinter dieser Überlegung steckt. Macht Wandern mehr Spass als das Raften? (Wenn dem so wäre, hätte sich nämlich meine Idee erledigt, es auch mal mit einem Alpacka Raft zu versuchen.)

Mir schon. Aber wer den Schwerpunkt auf eine Bootsfahrt legt, wird ohnehin in der Regel "ein richtiges Boot nehmen". Die Stärke des Packrafts ist halt die Möglichkeit zu genialen Kombinationen. Das finde ich natürlich immer noch gut, würde dabei aber eher versuchen eine Tour auszuarbeiten, bei der ich weniger lange am Stück im Boot sitze.

Snorri
07.10.2010, 21:50
Super Bericht mit toller Erzählweise! :bg:
Da kriegt man übelstes Fernweh! Sowas muss ich echt auch mal machen kommt mal sicher auf die Liste.
Hoffe die Ankunft in der Zivilisation war nachher nicht zu schlimm.

Grüsse Snorri

Mika Hautamaeki
08.10.2010, 09:08
Ich glaub, daß ich das zum fünften Mal schreibe, aber trotzdem: Genialer Bericht mit tollen Fotos. Die Gegend ist auch ein Traum von mir...VIELEN DANK!

Markus K.
08.10.2010, 16:15
Klasse Bericht. Sehr fein.

Möchte allerdings nochmal nachfragen:



Warum ich dann keines mitgeführt habe, liegt einzig und allein an meiner persönlichen Risikoeinschätzung, die natürlich auf Erfahrungen beruht, die ich auch schon in anderen Gegenden mit nicht minder gefährlichen Tieren gemacht habe.

Welche Erfahrungen und welche Tiere waren das? Rein interessehalber.

Wildniswanderer
08.10.2010, 19:35
Ich war viel in Afrika unterwegs und habe Elefanten, Löwen und Büffel zu Fuß unbewaffnet aus nächster Nähe erlebt und in Wasserläufen Krokodile und Flusspferde aus Einbaum oder Schlauchbooten.

In Bärengegenden Nordamerikas war ich auch vorher schon einige Male zu Fuß unterwegs und bin dabei auch Bären begegnet.

Was gefährliche Tiere angeht, habe ich mich eigentlich nie wirklich unsicher gefühlt.

Nicht desto trotz hatte ich ja geschrieben, dass ich bei so einer Tour das nächste Mal Bärenspray mitnehmen würde.

Gerald

Lotta
08.10.2010, 22:11
Ich bin total beeindruckt, so eine Reise werde ich mich nie trauen anzutreten ;-)

Du schreibst, deine Kamera war eine Canon Eos 400D. Welche Objektive hattest du denn dabei, um von den Tieren so beeindruckende Nahaufnahmen zu machen?
Ich versuche nämlich so nach und nach im Wirrwar der digitalen Spiegelreflexkameras zumindest etwas durchzusteigen :grins:

Liebe Grüße
Lotta

Wildniswanderer
09.10.2010, 07:40
Ich hatte ein 17-85 IS und ein 70-300 4-5,6 IS dabei, die ich mit der Kamera im Kit gekauft hatte.

Aus Gewichtsgründen wäre es sinnvoll, das 17-85 welches recht schwer ist, beispielsweise durch ein 18-55 IS zu ersetzen, wie es z.B bei der 450 D als Kitobjektiv dabei ist.
Das 70-300 kann sich natürlich nicht mit anderen lichtstärkeren, aber mehrfach teuren Teleobjektiven messen. Aber für das Gewicht des Objektivs, dass natürlich bei so einer Tour ein entscheidendes Kriterium ist, finde ich die Ergebnisse, die sich damit erzielen lassen, ganz gut.

Libertist
09.10.2010, 09:59
Die Karibus sind toll. Ich liebe diese Viecher...

Tolle Reise!

andrea2
09.10.2010, 15:15
Endlich hatte ich Zeit mir den ganzen Bericht durchzulesen, und bin absolut begeistert.

Auch wenn es mir da eher wie Lotta geht, und ich solche Touren wohl selber nicht machen werde, freue ich mich über jeden Bericht, vor allem wenn er dann noch mit so tollen Fotos garniert ist.

Vielen Dank für die tollen Eindrücke

Andrea

thefly
10.10.2010, 22:29
....
Das Boot ist beladen natürlich extrem kopflastig, daher muss ich darauf achten, hinten ausreichend abzustützen, sonst lernt mein Rucksack schon jetzt das Tauchen!
...
Schnell wird mir klar, dass ich Schlagseite habe. Offenbar ist der Rucksack nicht richtig ausbalanciert.

Ist es keine Option den Rucksack wasserdicht zu verpacken und dann im Wasser hinter dem Boot herzuziehen bzw. quer hinter dem Boot anzubinden? So würde man ja statt 30kg Abtrieb einiges an Auftrieb gewinnen, und wenn man das einigermaßen geschickt löst sollte sich der Einfluss auf die Steuerbarkeit in Grenzen halten?

Aber eine tolle Tour, danke für den Bericht.

grüße

Fred

Sapmi
17.10.2010, 10:22
http://www.cosgan.net/images/more/schilder/193.gif

Vielen Dank für diesen wirklich tollen Bericht und die einzigartigen Bilder. Hab die Lektüre echt sehr genossen, sowohl in Bezug auf den Stil als auch auf den Inhalt.
http://www.cosgan.net/images/midi/froehlich/a115.gif

Wildniswanderer
17.10.2010, 15:23
Ist es keine Option den Rucksack wasserdicht zu verpacken und dann im Wasser hinter dem Boot herzuziehen bzw. quer hinter dem Boot anzubinden? So würde man ja statt 30kg Abtrieb einiges an Auftrieb gewinnen, und wenn man das einigermaßen geschickt löst sollte sich der Einfluss auf die Steuerbarkeit in Grenzen halten?

Von so einer Lösung habe ich noch nie gehört. Ich denke auch, dass das 30 kg Gewicht in erster Linie nicht den Auftrieb erhöht, sondern wie ein Senkblei wirkt. Ausserdem ist der Verdrängungswiderstand sicher noch höher, so dass das Boot noch langsamer ist.

Wenn jemand diese Lösung schon einmal erprobt hat, kann er uns ja seine Erfahrungen mitteilen.

Gruß

Gerald

ich
17.10.2010, 15:41
Von so einer Lösung habe ich noch nie gehört. Ich denke auch, dass das 30 kg Gewicht in erster Linie nicht den Auftrieb erhöht, sondern wie ein Senkblei wirkt. Ausserdem ist der Verdrängungswiderstand sicher noch höher, so dass das Boot noch langsamer ist.

Wenn jemand diese Lösung schon einmal erprobt hat, kann er uns ja seine Erfahrungen mitteilen.

Der Rucksack wird sher wahrscheinlich wie eine ziemlich schwerer Treibanker wirken, es sei denn er liegt in nem extra -kleinem- Boot. Und mit Treibanker paddeln ist nicht soo witzig ;-)

Wildniswanderer
17.10.2010, 19:39
Noch mal vielen Dank für die netten Kommentare. Diese haben mich so stark motiviert, dass ich jetzt damit beginne einen neuen Bericht in die ODS zu setzen.

Diesmal geht es um eine reine Trekkingtour bei der ich 2007 allein und unorganisiert in Ladakh, einem Teil des indischen Himalaja unterwegs war....

thefly
18.10.2010, 14:15
Der Rucksack wird sher wahrscheinlich wie eine ziemlich schwerer Treibanker wirken, es sei denn er liegt in nem extra -kleinem- Boot. Und mit Treibanker paddeln ist nicht soo witzig ;-)

warum? Wir haben einen Rucksack mit ca. 100 Litern, wenn wir den jetzt dicht verpacken haben wir 100 Liter potentielle Wasserverdrängung also 100kg potentieller Auftrieb. Wenn wir da jetzt 35kg von abziehen haben wir immer noch 65kg übrig.

Selbst wenn man jetzt alle Idealisierungen und Ungenauigkeiten der oberen Rechnung berücksichtigt sollte ein nennenswerter Auftrieb übrig bleiben. Aber alle Theorie ist grau, deswegen habe ich mal ein bisschen probiert:

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/packsack.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=18822&title=packsack-im-teich&cat=500)

Zu sehen ist ein großer Ortliebpacksack (XXL oder so?) mit gut 25kg Inhalt, die Gewichtsverteilung ist nicht gleichmäßig, deswegen hängt er oben tiefer im Wasser.

Über die hydrodynamischen Eigenschaften lässt sich nur spekulieren, bei einem schnittigen Boot wird man es merken, aber bei den Badewannen bin ich mir nicht sicher ob das nennenswerte Nachteile mit sich bringt wenn man den z.B. Sack quer hinten hinter bindet, aber leider habe ich kein Packraft zum testen da ;-)

grüße

Fred

ich
18.10.2010, 17:48
Kauf dir n Packraft und probiers aus....oder noch besser: Kauf mir ein Packraft und ich probiers aus ;-)

tbone
18.10.2010, 17:55
Günstig sind sie ja net unbedingt :bg:

Wirklich toller Bericht, hat Spass gemacht zu lesen 5sterne

Pielinen
20.10.2010, 19:59
Toller Bericht, ich hab aber auch einen Kommentare
1. Die Bärengefahr wird doch allgemein sehr überschätzt. Hier spielt die Urangst der Menschen gefressen zu werden eine wichtige Rolle. Im allgemeinen bekommt man auf so einer Tour kaum Bären zu sehen. Die verziehen sich schon rechtzeitig. Schaut euch auch mal die Filme von Andrea Kieling an. Ich hatte auch schon einmal (Schwarz)bärkontakt auf ca. 5m. Das Vieh hat sich genauso erschreckt wie ich und war in einer 1/10sec auf und davon, obwohl es gerade an 20Kg Proviant geschnuppert hatte.
2. Die Gefahr auf so einer Solo Tour ist die Krankheits- und Verletzungsgefahr. Und da hilft oft nur schnelle Hilfe von aussen.
3. Also Bärenspray kann man sich sparen. Heutzutage ohne Satelitentelefon oder Notrufsender loszuziehen ist aber fahrlässig und dumm. Vor 10Jahren ging es nicht anders. Aber heutzutage gibt es sowas!!! Und die Miete sollte man sich als Lebensversicherung schon leisten.

Wildniswanderer
22.10.2010, 08:48
Toller Bericht, ich hab aber auch einen Kommentare
1. Die Bärengefahr wird doch allgemein sehr überschätzt. Hier spielt die Urangst der Menschen gefressen zu werden eine wichtige Rolle. Im allgemeinen bekommt man auf so einer Tour kaum Bären zu sehen. Die verziehen sich schon rechtzeitig. Schaut euch auch mal die Filme von Andrea Kieling an. Ich hatte auch schon einmal (Schwarz)bärkontakt auf ca. 5m. Das Vieh hat sich genauso erschreckt wie ich und war in einer 1/10sec auf und davon, obwohl es gerade an 20Kg Proviant geschnuppert hatte.
2. Die Gefahr auf so einer Solo Tour ist die Krankheits- und Verletzungsgefahr. Und da hilft oft nur schnelle Hilfe von aussen.
3. Also Bärenspray kann man sich sparen. Heutzutage ohne Satelitentelefon oder Notrufsender loszuziehen ist aber fahrlässig und dumm. Vor 10Jahren ging es nicht anders. Aber heutzutage gibt es sowas!!! Und die Miete sollte man sich als Lebensversicherung schon leisten.

Wie gesagt, ich hatte bisher auch noch nie Bärenspray dabei, aber die Aussage, dass man sich das sparen kann, halte ich doch für nicht richtig. Selbst Andy Skurka, der bei seiner Ausrüstung für die Alaska- Yukonexpedition sicher extrem an Gewicht gespart hat, hatte Bärenspray dabei. Ebenso Hig und Erin auf ihrer Tour von Seattle zu den Aleuten. Die Wahrscheinlichkeit dass man es benötigt ist sicher gering, andererseits gibt es durchaus Fälle wo es als letztes Mittel gewirkt hat.
Besonders in Küstennähe im südlichen Alaska, wo die Wild- und Bärendichte viel höher ist, als weiter im Norden sind Bärenbegegnungen schon ziemlich häufig.

Die Ausdrucksweise "fahrlässig und dumm" in Bezug auf Satellitenhandy oder Notsender kannst du dir im Zusammenhang mit meinem Bericht sparen.
Ich habe mir über das Für und Wider vor der Tour viele Gedanken gemacht und mich bewusst dagegen entschieden.
Allerdings würde ich wie gesagt, bei einer ähnlichen Tour mittlerweile schon so etwas mitführen.

Pielinen
22.10.2010, 20:54
Ist wirklich nicht böse gemeint. Ich finde deine Tour ja auch klasse.
Aber wenn du irgendwo mit einem gebrochenen Knöchel am Arsch der Welt im Geröll liegst, würdest du es auch "fahrlässig und dumm" finden, dass du kein Satelitentelefon dabeihast. Du wärst nicht der erste der durch seinen Leichtsinn zu Tode kommt. Ich wollte auch sagen, dass das Risiko der Verletzung oder Krankheit viel höher ist als das Risiko durch wilde Tiere aufgefressen zu werden.

Menelaos
23.10.2010, 11:38
Das könnte ich fast so unterschreiben ...

nicole3007
23.10.2010, 16:08
Der der Bericht ist echt schön geworden, gut geschrieben und die Bilder sind sehr faszinierend. Respekt, ich hätte mir das alleine wohl nicht zugetraut.

Peter83
22.02.2012, 14:46
Wunderbarer Bericht - Danke!

Grüsse,
Peter

Vluta
11.11.2015, 17:18
Seit dem letzten Beitrag sind zwar schon einige Jahre vergangen, aber ich versuche es mal ; )

Ich plane für den nächsten Sommer eine Tour, ebenfalls in den Richardson Mountains, allerdings in dem Teil nördlich des Dempster Highways (Wenn ich das richtig verstanden habe, hast du von Süden kommend am Demspter gestoppt?). Wie schätzt du denn den nördlichen Teil ein? Vergleichbar mit der Gegend von der du berichtest?

Wildniswanderer
25.12.2015, 12:52
Der Start meiner Tour war dort wo der Blackstone River den Dempster Highway kreuzt. Beendet habe ich die Wanderung durch die Richardson Mountains dann genau dort, wo der Polarkreis den Dempster berührt. Die Gegend nördlich des Highway wird wahrscheinlich recht ähnlich sein. Auch auf Höhe des Polarkreises gibt es in den tieferen Tälern noch relativ dichten Wald.