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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [RU] 3 Wochen Altai-Trekking



willo
29.08.2010, 21:06
Land: Russland
Reisezeit: Sommer
Region/Kontinent: Zentralasien

Reiseteilnehmer: Kati79, Ixylon, Willo

Prolog

Die Idee, für eine Trekkingtour in den Altai zu fahren, wurde ca. ein halbes Jahr vor der Tour aufgrund Berichten von Dominik und Flosi79 geboren. Eine kurze Recherche im deutsch- und englischsprachigen Web ergab auch schnell, dass ausser den Beiden max eine Hand voll anderer Leute so eine Tour schon gemacht hatten und darüber berichtet haben. Der Hauptknackpunkt der Planung war das Diskutieren darüber, ob man eine solche Tour ohne jegliche Russischkenntnisse überhaupt durchführen kann. Alle von uns angezapften Quellen haben stark davon abgeraten, aber uns wollte nicht so ganz in den Kopf wieso.

Als schließlich die Entscheidung für die Reise gefallen war und es an die Feinplanung ging, ging es hauptsächlich um drei Sachen, die eng miteinander verknüpft waren: 1. In welches Gebiet wollen wir fahren - der Altai ist groß? 2. woher bekommen wir Karten und welche Tour gehen wir dort? Und 3. Wie reisen wir zum Start der Tour an?

Punkt 1 beschränkte sich ziemlich schnell auf die wenigen Gebiete über die es überhaupt Informationen im Internet gab. Das waren zum einen die beiden großen Hauptmassive des Altais um den Belucha und den Aktru, sowie die Gegend um den See Teletzkoe sowie einige Spots um den Fluss Katun. Da die Gebiete um Fluss und See touristisch (innerrussisch) recht erschlossen sein sollen und wir, wenn wir schonmal da sind, eher die einsameren Regionen erkunden wollten, blieben die beiden Hochgebirgsregionen. Im weiteren Verlauf der Planung stellte sich dann heraus, dass das Belucha Gebiet für Individualreisende aus dem Ausland nicht legal bewanderbar ist und so einigten wir uns auf die Region um das Aktrumassiv. Neben der Tour von Dominik gab es noch einen weiteren Bericht im Netz der sich mit dieser Gegend beschäftigte.

Kartenmaterial war dann vergleichsweise schnell gefunden. Die zwei einzigen Möglichkeiten sind ein umfangreicher Topo-Atlas über den Altai in 1:200000 und online Karten in 1:50000. Also habe ich aus den 1:50000 Karten eine größere Karte unserer Region gebastelt und dann auf DIN A0 geplottet und in handliche Teile zerschnitten. Leider war das Gitter dieser Karten nicht Garmin kompatibel und wir werden daher klassisch navigieren bzw. das Garmin mit der (eher marginalen) OSM Karte und der Papierkarte abgleichen müssen.

Die Planung der Anreise erfolgte hauptsächlich mittels des Lonely-Planets, da hier die theoretisch verkehrenden Busverbindungen aufgelistet waren. Uns wurde zwar von vielen Stellen geraten den Transport im vorhinein komplett über einen Reiseveranstalter zu buchen und uns nicht auf den öffentlichen Fernverkehr zu verlassen, was uns aber nicht so ganz einleuchten wollte. Also haben wir uns schlussendlich auf die Anreise mit dem Flugzeug über Moskau nach Novosibirsk verständigt und beschlossen uns von dort aus über Barnaul und Gorno Altaisk nach Aktash durchzuschlagen. In Barnaul haben wir online noch ein Hotel für die erste Nacht gebucht. Neben der Visabeschaffung, dem Zusammentragen von Informationen und dem Erlernen von Grundkenntnissen der russischen Sprache waren das die einzigen Schritte unserer Vorbereitung.

Wir einigten uns auf eine Reisedauer von drei Wochen, wovon wir ca. 14 Tage in der Wildnis sein wollten. Ob dies eine mittelgroße und eine kleine Tour oder nur eine Große sein würden, ließen wir erstmal offen.

Tag 1: 24.7.2010 - Anreise

Wir fliegen Samstag Mittag von Berlin-Tegel nach Moskau. In Moskau fällt uns sofort die brütende Hitze auf. Der Flughafen ist nicht klimatisiert und es sind locker über 30°C in dem Gebäude. Die vier Stunden Aufenthalt nutzen wir mit rumgammeln und ersten praktischen Erfahrungen sammeln. Selbst auf dem Internationalen Flughafen spricht niemand Englisch und die Angestellten haben scheinbar auch kein gesteigertes Interesse hilfsbereit ihren Ausländischen Kunden gegenüber zu sein. So werde ich beim Einchecken nach Novosibirsk das erste mal richtig angepflaumt, weil der Dame hinter dem Schalter mein Rucksack wohl etwas zu viele lose Schnüre hat. Mir aber egal, ich verstehe eh kein Wort. Als es endlich weiter nach Novosibirsk geht, machen wir das erste mal Bekanntschaft mit einem Nacktscanner. Da mich das als Informatiker näher interessiert schleiche ich mich nach Passieren des Selbigen schnell hinter die Kabine des Operators und linse auf den Monitor: Ausser einer eher schematischen Darstellung (erinnert an ein 3D Modell) bekommt man auf dem Monitor nicht viel zu sehen.

Im nagelneuen Airbus von Sibirian Airlines sind die Sitzreihen noch enger als bei Air Berlin und es gibt keine Fernseher. Dafür ist das Essen annehmbar und so fliegen wir 5 Stunden Richtung Osten, was uns exakt die ganze Nacht klaut. Morgens um fünf landen wir in Novosibirsk.


Tag 2: 25.7.2010 - Anreise

Der Flughafen ist recht klein und um diese Uhrzeit noch völlig verschlafen. Als wir unser Gepäck endlich haben empfängt uns gleich eine Horde zwielichtiger Taxifahrer und labert uns auf Russisch voll. Dass wir ihnen zu verstehen geben, diese Sprache nicht zu verstehen interessiert sie nicht. Da sie aber direkt unter einem riesigen roten Schild stehen, dass vor betrügerischen Taxifahrern warnt, ignorieren wir sie erstmal und verlassen den Flughafen in Richtung Bushaltestelle. Nach kurzer Konsultation eines Wörterbuches ist schnell klar, dass der einzige hier verkehrende Bus zum Hauptbahnhof fährt. Vom lauten Krakelen der Taxifahrer begleitet kaufen wir Tickets und verstauen unser Gepäck im Bus. Selbst als wir die Tickets schon in der Hand haben versuchen uns die Taxifahrer noch zu erklären, dass wir im falschen Bus sitzen würden. Irgendwann fährt der Bus endlich los und nach einer kurzen Fahrt durch halbwegs grüne Wiesen erleben wir bald auch schon Novosibirsk in seiner vollen Hässlichkeit. Die Stadt ist komplett grau und extrem heruntergekommen. Nach ca. einer Stunde Fahrt durch die um diese Uhrzeit komplett leere Millionenstadt erreichen wir den Bahnhof. Der Bahnhof scheint das einzig ansehnliche Gebäude der ganzen Stadt zu sein und erinnert mit seinem riesigen Vorplatz an die klassische Sowjetarchitektur.

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Bahnhof von Novosibirsk (http://www.album.de/bild/1832822/img-0006-russland-sibirien-altai.cfm)


Unsere erste Aufgabe wird es sein, irgendwie nach Barnaul zu kommen, da wir dort ein Hotel gebucht haben und uns keine Minute länger als nötig in Novosibirsk aufhalten wollen. Leider steht an keiner der Anzeigetafeln im Bahnhof etwas von Novosibirsk und auch die unzähligen Busse vor dem Bahnhof scheinen eher den Nahverkehr als den Fernverkehr zu bedienen. Wiederum kann der Lonely Planet weiterhelfen: Man kann zwar mit der Bahn nach Barnaul kommen, allerdings dauert das lange, ist teuer und man muss umsteigen. Eine Direktverbindung existiert nur per Bus und die fahren vom Busbahnhof und nicht vom Hauptbahnhof. Also fackeln wir nicht lange und steigen in das nächst beste Taxi. Nicht ohne jedoch zu fragen was uns die Fahrt den kosten wird. Daraufhin zieht der Taxifahrer eine lange Liste aus dem Handschuhfach mit verschiedenen Fahrtzielen (die wir nicht lesen können) nebst Preisen. Die Liste ist nach Preisen sortiert und er fährt mit dem Finger von oben nach unten über die Liste. Alle Beträge, bis auf den letzten sind umgerechnet niedrige Euro-Beträge. Natürlich stoppt sein Finger über dem letzten Eintrag - 500 Rubel und bedeutungsschwanger fügt er noch ein “minimum” hinzu. Da wir wegen ca. zwölf Euro nicht groß das Verhandeln anfangen wollen steigen wir in seinen uralten und komplett schrottreifen Lada und fahren Richtung Busbahnhof. Bevor wir uns richtig über den Zustand seines Autos auslassen können, sind wir auch schon da. Die 500 Rubel waren definitiv Betrug, wenn auch auf einem für uns völlig irrelevanten Niveau. Von der “minimum” Klausel gebrauch zu machen traut er sich jedoch nicht mehr.

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IMG_0007 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1832823/img-0007-russland-sibirien-altai.cfm)

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Am Busbahnhof von Novosibirsk (http://www.album.de/bild/1832824/img-0008-russland-sibirien-altai.cfm)


Der Busbahnhof erinnert an einen Schrottplatz in schlechtem Zustand. Er liegt auf einem mit Pfützen übersäten Hinterhof der von Ruinen umgeben ist. Auf ihm stehen unzählige Reise- und Linienbusse die ihre besten Zeiten lange hinter sich haben und zum Teil nichtmal mehr fahrfähig aussehen. Umso verwunderter sind wir, als wir feststellen, dass man die Karten nicht im Bus kaufen muss, sondern zentral in einer kleinen Bude von einer Frau hinter einem Computer. Auf jede ihrer Nachfragen auf Russisch wiederholen wir brav das Reiseziel bis sie schliesslich aufgibt und uns drei Tickets nebst Gepäckmarken aushändigt. Auf den Tickets stehen neben der Plattformnummer auch die Abfahrtszeit, die Busnummer und sogar die Sitzplatznummer. Die befürchtete Schlacht um die Sitzplätze wird also ausbleiben und wir entspannen uns langsam. Die erste große Hürde scheint ohne jegliche Probleme gemeistert.

Der Bus kommt pünktlich auf der erwarteten Plattform an und nach dem Verstauen unserer Rucksäcke im Gepäckfach nehmen wir Platz und es geht auch schon los. Kati hat allerdings hier etwas Pech, da ihr ihre Platzkarte einen Platz neben einem extrem übergewichtigen Mann bescherrt und trotz des nur halbvollen Bus der Platz nicht gewechselt werden darf; selbst der Mann muss über diese Form der Logik schmunzeln. Der Bus ist zwar alt, aber liebvoll-kitischig eingerichtet. Braun-Goldene Borten, Gardinen mit dem gleichen Muster und ein Bild der drei Heiligen an der Frontscheibe. Nachdem wir Barnaul verlassen haben, bekommen wir einen ersten Eindruck von der Landschaft. Wir fahren durch riesige Felder, über gigantische Flüsse und durch tiefe Nadelwälder. Nur Berge sehen wir keine. Nach einer kurzen Pinkelpause kommen wir pünktlich gegen zwöf Uhr in Barnaul an. Wir sind mittlerweile merklich erschöpft - schließlich sind wir seit 40 Stunden ohne Schlaf auf den Beinen. Direkt vom mitten in der Innenstadt von Barnaul liegenden Busbahnhof können wir schon unser gebuchtes Hotel sehen. Ein riesiger alter Plattenbau. Da wir nicht wissen ob wir so früh schon einchecken können, machen wir uns an unsere nächste Tagesaufgabe - Gas kaufen. Wir haben uns vorher die Adresse von einem Outdoorladen organisiert den wir nach kurzer Zeit auf dem aus einem Reiseführer kopierten Stadtplan finden. Also geht es in Bergstiefeln und mit aufgesetzten Rucksaäcken bei über 30°C durch Barnaul. Auch wenn Barnaul deutlich freundlicher als Novosibirsk aussieht, ist es beileibe keine Schönheit. Jedes Haus ist grau und es gibt kaum Grün. Nach einer halben Stunde stehen wir vor dem Outdoorladen und es kommt wie es kommen musste: Er hat geschlossen. Nicht etwa weil Sonntag ist, sondern an der Tür hängt ein Schild welches darauf hinweist, dass er genau Heute geschlossen hat! Das ist ein herber Rückschlag für uns, da Barnaul die letzte große Stadt auf unserem Weg ist und wir schon Morgen früh weiter wollen. Also beschliessen wir uns auf einen vagen Hinweis von Dominik auf einen Outdoorladen in Gorno Altaisk zu verlassen und marschieren zurück Richtung Hotel.

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Angekommen in Barnaul (http://www.album.de/bild/1832825/img-0011-russland-sibirien-altai.cfm)


Im Hotel angekommen weiss man nichts von unser Internetbuchung und spricht natürlich auch kein Englisch (obwohl auf der Website angegeben). Gewohnt mürrisch verlangt man Visa und andere Papiere von uns und bearbeitet diese in einer Geschwindigkeit, die keinen Zweifel daran lässt, dass es sich hier definitiv um keinen Dienstleistungsbetrieb sondern eher um eine Behörde handelt. Man kopiert jede Seite meines Reisepasses auf einem dafür ungeeigneten Faxgerät und beseitig in aller Ruhe Papierstau um Papierstau. Zu unserer Verwunderung fragt man uns aber nicht welchen Zimmertyp der diversen auf Bildertafeln angebotenen wir haben wollen, sondern weist uns - ganz im Stile einer Behörde - den einfachsten Zimmertyp zu. Für 102 Rubel buchen wir noch ein Frühstück und machen uns auf den Weg in unsere Zimmer. Diese sind in gutem Zustand und wir ruhen erstmal ein paar Stunden aus. Abends besorgen wir uns die Bustickets für den kommenden Tag - dank großem Busfahrplan und zentralem Ticketverkauf ist dies jedoch schnell erledigt - machen noch einen kleinen Rundgang durch die umliegenden Strassen und essen einen Schaschlik am Busbahnhof. Kati zieht es vor Nudeln aus der Mikrowelle und einen Salat zu verspeisen.

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Typischer sibirischer Mikrowellenimbiss (http://www.album.de/bild/1832831/img-0028-russland-sibirien-altai.cfm)

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Bahnhof von Barnaul (http://www.album.de/bild/1832826/img-0012-russland-sibirien-altai.cfm)

Als Dessert wollen wir uns ein Eis gönnen und schlendern die Promenade zwischen Busbahnhof und nächster Kreuzung entlang. An einem beliebigen Kiosk versuche ich ein Eis zu kaufen. Mit den dürftigen Russisch-Kenntnissen gelingt es uns den Namen des Eises auszusprechen, das ich haben möchte. Das Eis wird uns hingestellt und das Geld genommen. Dann stellt uns die Verkäuferin diverse Fragen auf Russisch, die wir nicht verstehen, sie fragt aber wahrscheinlich ob wir einen Löffel dazu wollen oder nciht. Nachdem wir ca. 1 Minute lang mit den Schultern zucken, wird uns das Eis wieder weggenommen und das Geld zurückgegeben. Noch leicht verblüfft, gehen wir in den Supermarkt auf der gegenüberliegenden Straßenseite und bekommen dort unser Eis. Aber Achtung, auch hier lauert eine Falle für ahnungslose Touristen. Plastiktüten liegen zwar an der Kasse, dürfen aber nicht einfach so genommen werden. Man muss die erste Frage, die einem an der Kasse gestellt wird, mit einem “da” beantworten, dann bekommt man eine Tüte. Um Erfahrungen bereichert gehen wir früh schlafen.

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BVG-Linienbus in Barnaul (http://www.album.de/bild/1832827/img-0016-russland-sibirien-altai.cfm)

Tag 3: 26.7.2010 - Anreise

Am nächsten Morgen können wir uns beim Frühstück kaum noch einkriegen vor lachen. Das Frühstück findet in einem winzigen Raum mit einer Durchreiche statt, hinter der sich eine Art Kiosk befindet. Das Hotel, dass mit internationalen Film- und Musikstars wirbt hat wohlgemerkt weit über 300 Zimmer, der Frühstücksraum aber nur 2 Tische. Noch skurriler wird es, als wir unsere Frühstückskarte vorzeigen (102 Rubel) und feststellen, dass es sich einfach um einen 100 Rubel Gutschein für den Kiosk handelt. Wir kaufen also 2 Spiegeleier, eine handvoll extrem trockenes Brot und Marmelade, sowie Saft. Als wir feststellen, dass es Marmelade, Butter und Saft nicht in Hotelverpackungen, sondern in normalen Supermarktgrößen gibt (Glas Marmelade, Pfund Butter, Tetrapack Saft) kommen wir aus dem Lachen kaum noch raus und stellen uns die ganze Zeit vor wie ein internationaler Filmstar reinkommt und sich einen Tetrapack O-Saft, ein Pfund Butter und ein Glas Kirschmarmelade zum Frühstück reinzieht. Naja, zumindest erklärt es, wie zwei Tische für 300 Zimmer reichen können.

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Busbahnhof in Barnaul (http://www.album.de/bild/1832829/img-0017-russland-sibirien-altai.cfm)

Wieder am Busbahnhof ist es unsere primäre Aufgabe den Bus nach Gorno-Altaisk zu finden. Dank der Tickets, die wir am Vortag gekauft haben, finden wir Plattform, Abfahrtszeit und Busnummer und sitzen - unter dem Protest der Taxifahrer - schon bald im richtigen Bus.

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Ankunft in Gorno-Altaisk (http://www.album.de/bild/1832833/img-0032-russland-sibirien-altai.cfm)

Gorno-Altaisk ist eine von grünen Hügeln umgebene Kleinstadt die sich entlang der Hauptstrasse endlos in die Länge zieht. Bevor wir uns hier um die Weiterfahrt kümmern, wollen wir erstmal die wichtigere Aufgabe erledigen, nämlich unser Visum zu registrieren. Im Lonely Planet steht genau wie es gehen soll. Also erstmal mit komplettem Gepäck und in praller Sonne ein paar Kilometer Richtung Norden gelaufen, zu der Adresse der Registrationsstelle, die sich in Hausnummer 95 neben einem Einkaufszentrum befinden soll. Leider gibt es an der Adresse weit und breit kein Einkaufszentrum und auch keine Registrationsstelle. Die Nummer 95 ist ein Plattenbau voller Wohnungen. Auch die Buchstaben “MVD”, die im Lonely Planet stehen, helfen an dieser Stelle nicht weiter. Als wir das Gebäude umrunden, passiert jedoch etwas für uns völlig neues: Wir treffen auf einen hilfsbereiten Menschen, der, obwohl er kein Wort Englisch versteht sichtlich bemüht ist uns zu helfen. Doch nichtmal ein Telefonat mit seinem Englisch sprechenden Kollegen fördert die Visastelle zu Tage. Schliesslich kehren wir um und laufen die lange Strecke zum Busbahnhof zurück. Hier machen wir immerhin eine Gepäckaufbewahrung ausfindig und werden wenigstens die Rucksäcke los. Dann gehen wir die Strasse einfach mal in die andere Richtung, da sich hier das Rathaus befinden soll - vielleicht kann man uns dort weiterhelfen. Auf dem Weg finden wir jedoch ein Gebäude an dem die Buchstaben “MVD” prangen. Es ist das Polizeirevier und wir probieren es dort. Dort versteht man die Worte “Visa” und “registration” und führt uns ins Nachbargebäude. Hier stehen schon eine Menge Russisch sprechender Menschen mit ihren Pässen in einer Schlange und warten auf das Ende der Mittagspause in der uns unbekannten Behörde. Als wir endlich an der Reihe sind, weiss kein Mensch was wir wollen und man schreibt uns schliesslich eine Adresse auf einen Zettel. Hausnummer 109. Scheisse! Das bedeutet den ganzen Weg zurück zum Busbahnhof und den elendig langen Weg von vorhin noch weit an der Nummer 95 vorbei Richtung Norden erneut zu laufen.

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In der Einwanderungsbehörde (http://www.album.de/bild/1832834/img-0033-russland-sibirien-altai.cfm)

Wenigstens finden wir auf dem Weg den von Dominik beschrieben Outdoorladen. Dieser führt ausschliesslich Equipment und keinerlei Kleidung. In einer verschlossenen Glasvitrine finden wir schliesslich einen Kocher auf einer Schraubkartusche. Wir scheinen am Ziel und holen die Verkäuferin. Ernüchterung macht sich breit, als wir erfahren, dass es nur diese eine Kartusche gibt, die sich bei näherer Begutachtung auch noch als leer herausstellt. Aber man habe noch diverse russische Kartuschen im Angebot, welche aber leider nicht auf unsere Kocher passen. Also kaufen wir kurzerhand ein Kilo russisches Gas und einen recht großen russischen Kocher, der irgendwie an eine Puppenstube erinnert. Dieses Problem halbwegs gelöst geht es weiter in Richtung Visastelle.

Als wir schliesslich in der Nummer 109 ankommen finden wir wenigstens das im LP beschriebene Einkaufszentrum vor und befinden uns kurze Zeit später in der Migrationsbehörde. Obwohl es ausgeschlossen ist, das Russen etwas von dieser Behörde wollen, sprechen alle Mitarbeiter kein Englisch und es gibt keinerlei Formulare oder Texte die nicht in Russisch sind. Was wir allerdings definitiv verstanden haben: Als Individualreisende können wir unser Visum nur in einem Hotel registrieren lassen und auch nur für die Nächte in denen wir im Hotel wohnen. Die Angaben im LP sind 2010 nicht mehr gültig oder waren es noch nie. Was man braucht ist ein ausgefülltes und abgestempeltes Formular von einem Reiseveranstalter der bescheinigt, dass er sich um die Unterbringung kümmert (Zelten) und auf dem der genaue Verlauf der Route beschrieben ist. Oder man braucht kein Touristenvisum, sondern ein Privatvisum von einer Person die in der Region wohnt in der man Wandern möchte. Gerade als wir beschliessen unser Visum einfach nicht registrieren zu lassen und trotzdem weiter zu fahren, kommt eine junge Frau mit ca. 20 Reisepässen aus diversen Nachbarländern durch die Tür, gibt diese inkl. der benötigten Formulare ab und will wieder gehen. Da ein kleiner Hoffnungsschimmer aufkeimt, frage ich sie ob sie denn Englisch spricht - was sie leider verneint und in Richtung Tür abmarschiert. In diesem Moment kommt die Frau aus der Behörde nochmal zu uns und gibt uns zu verstehen das sie nichts mehr für uns tun können und unsere Visa nicht registrieren wird. Da dreht sich die junge Frau mit den Pässen nochmal um und fragt uns auf Englisch, was denn unser Problem sei. Sie stellt sich als Dolmetscherin vor und versteht sofort unsere Lage. Sie erklärt, dass sie gelegentlich für Touristen die Visa registriert in dem sie auf den Formularen einfach angibt, dass diese in ihrer Wohnung wohnen würden und sie das auch für uns machen könne. Wir fragen ob das der Frau in der Behörde nicht komisch vorkommen würde, worauf sie entgegnet, dass diese sich nur für Stempel und Formulare interessiere und diese einfach nur korrekt ausgefüllt sein müssen. Nach mehr als zwei Stunden Wartezeit und der Entrichtung von zwei Rubeln pro registriertem Tag haben wir unsere Registrierung in der Hand und sind überglücklich. Die Dolmetscherin will nichtmal Geld haben und wünscht uns noch eine schöne Reise bevor sie verschwindet.

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Holzkirche inmitten der Innenstadt (http://www.album.de/bild/1832835/img-0036-russland-sibirien-altai.cfm)

Obwohl wir mehr als geschafft von der ganzen Lauferei und Warterei sind, haben wir noch eine weitere wichtige Aufgabe zu erledigen - nämlich ein Hotel für die Nacht finden, da heute sicher kein Bus mehr nach Aktash fahren wird. Wir checken schliesslich in einem nagelneuem Hotel neben dem Busbahnhof ein. Man hat jedoch nur noch genau zwei Zimmer. Einmal die Suite für zwei Personen und ein Einzelzimmer ohne Dusche. Wir nehmen beides. Die Suite würde man in Deutschland eher als Studio bezeichenen. Es gibt eine große Sitzecke, einen Schlafbereich und eine große Küche. Dazu noch ein sehr modernes Bad. Das Zimmer ist so neu, dass über dem Wasserhahn noch die Montagefolie klebt. Leider stellt sich sofort heraus, dass es noch kein Warm-Wasser gibt - einen Preisnachlass jedoch auch nicht. Ich nehme also eine extrem kalte Dusche und gehe anschliessend mit den anderen auf Flip-Flops zum Busbahnhof noch ein Schaschlik essen und im Supermarkt noch etwas zum Frühstücken kaufen. Im Busbahnhof versuchen wir für den kommenden Tag Fahrkarten nach Aktash zu kaufen, bekommen aber zu hören, dass kein Bus fahren wird. Auch im Reiseführer steht, dass der Bus nur an bestimmten Wochentagen fährt. Wir entscheiden, es am nächsten Morgen noch einmal zu versuchen und falls es scheitern sollte, unser Leben einem der windigen Taxifahrer anzuvertrauen.


Tag 4: 27.7.2010 - Anreise und Trekkingtag 1

Wir stehen gegen 6.30 Uhr am Busbahnhof und versuchen uns Fahrkarten nach Aktash zu besorgen. Entgegen der Informationen vom Vortag, sind wir diesmal erfolgreich. Die Busfahrt nach Aktash findet wie gewohnt in einem völlig zerstörten und nicht klimatisierten Bus statt und dauert 7 Stunden. Diesmal sogar ohne Gardinen. Kurz nach dem Verlassen von Gorno-Altaisk fängt die Landschaft an sich zu verändern und erste größere Berge tauchen auf. Die Dörfer durch die wir fahren werden immer kleiner und bestehen bald nur noch aus einfachen Blockhütten. Selbst die kleinsten Dörfer haben aber zum Teil riesige Gedenkstätten für die im 2. Weltkrieg gefallenen Soldaten aus diesen Dörfern. Auf den Tafeln stehen so viele Namen, dass wir uns nicht sicher sind, ob das Dorf heute überhaupt noch so viele Einwohner hat. Wir verstehen immer besser warum, der zweite Weltkrieg und die Verbrechen der Deutschen auch heute noch eine so große Rolle in der russischen Gesellschaft spielen. Aus ganz Sibirien müssen die wehrpflichtigen Männer eingezogen worden sein und ein beachtlicher Teil von ihnen ist gestorben. An jeder Gedenkstätte sind unzählige frische Blumen und Kränze niedergelegt.

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Kühe auf der Fahrbahn - Natürliche Verkehrsberuhigung (http://www.album.de/bild/1832836/img-0041-russland-sibirien-altai.cfm)

Die M52, die Straße die einmal durch die Republik Altai in die Mongolei führt, ist entgegen unserer Erwartungen nicht sehr stark befahren. Auf halber Strecke hält der Bus in einem Dorf vor einem kleinen Laden. Dort gibt es Lebensmittel und Getränke und wir kaufen uns was für den Hunger zwischendurch. Eher ungewöhnlich für uns ist die Zuhilfenahme eines Abakus, für das Errechnen des Kaufpreises. Nach 20 minütiger Pause geht es weiter.

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Steinschlag auf der Bundesstraße (http://www.album.de/bild/1821868/20100727-russland-altai-3.cfm)

Unterbrochen wird die Fahrt nach einigen Stunden durch einen Steinschlag auf der Strasse, der gerade von einigen Arbeitern beseitigt wird. Für uns eine willkommene Gelegenheit zum ersten mal Bergluft zu schnuppern - wir sind mittlerweile 1200m hoch - und ein paar Fotos von der jetzt schon beeindruckenden Landschaft zu schießen.

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Ankunft in Aktash (http://www.album.de/bild/1832837/img-0050-russland-sibirien-altai.cfm)

In Aktash angekommen, kümmern wir uns als erstes darum hier schnell wieder wegzukommen. Das Dorf selber besteht aus niedrigen Beton- und Holzhäusern, die durch staubige Pisten verbunden sind. Im Ortskern stehen alle Häuser ausser dem Busbahnhof leer und sind extrem zerstört. In der kleinen Gaststätte möchte ich etwas Wasser kaufen, was mir aber nicht gelingt. Ich sage mehrmals das russische Wort für Wasser und zeige direkt auf die Bonaqua Flasche von der mich nur eine Glasscheibe trennt. Die Verkäuferin stellt permanent Fragen auf Russisch und macht einen extrem unfreundlichen Eindruck (wie bisher ansich alle Verkäuferinnen). Schliesslich wirft sie mich mich aus dem Laden. Allerdings gibt es genau neben diesem Laden einen weiteren, in dem der Kühlschrank nicht wie üblich hinter dem Tresen steht, sondern im Publikumsbereich. Ich mache ihn einfach auf und entnehme zwei Flaschen Wasser - ein Vergehen wegen dem wir auch schon aus diversen Läden geflogen sind, da man der Verkäuferin hinter dem Tresen in korrektem Russisch zu sagen hat, was man haben will, diese kommt dann um den Tresen herum und holt es heraus - und bezahle sie prompt. Die Verkäuferin macht einen freundlichen Eindruck und so startet Kati den Versuch sie nach einem Taxi zu fragen, was ihr mit unserem Phrasenbuch auch gelingt. Wenige Augenblicke später sitzen wir in einem neuen Kleinwagen mit Taxischild in Richtung Kuraj, wo wir unsere Reise starten wollen. Der Fahrer lässt sich von uns auf der Karte genau zeigen wo wir hinwollen und wir machen 1500 Rubel als Preis für die ca. 50 km aus. Die Landschaft wird während der eher kurzen Fahrt immer imposanter. Riesige wulstige Bergketten erscheinen, auf der einen Seite rot, auf der anderen Seite schneebedeckt. Der Fahrer schafft es gerade so eben uns ohne Beschädigung seines Autos bis zum vereinbarten Punkt zu bringen - wir wären auch vorher ausgestiegen, da die Piste kaum noch befahrbar war - aber er nahm es mit der Abmachung scheinbar sehr genau. Auf dem Weg zum Ausgangspunkt kommen wir mit dem Taxi an einem weiteren Dorf vorbei, das die Eindrücke des Tages abrundet. Es sind nur noch Holzhütten zu sehen, Menschen und verschiedene Tiere. Leider können wir dort keine Fotos machen, denn es sieht aus, wie in einer anderen Welt.

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Taxi nach Kurai (http://www.album.de/bild/1832838/img-0051-russland-sibirien-altai.cfm)

Gegen 15.00 Uhr befinden wir uns also Mitten in der trockenen Steppe des Kuraj Beckens und machen nur noch kurz unsere Rucksäcke klar und die Trekkingtour geht endlich los. Nach vier Tagen wirklich anstrengender Anreise, sind wir endlich am Ziel (der Anreise) und überglücklich, dass alles ohne Russischkenntnisse und größere Probleme so gut geklappt hat und sind dementsprechen regelrecht aufgekratzt. Das extrem gute Wetter mit blauem Himmel und das beeindruckende Steppenpanorma mit den schneebedeckten Gipfeln des Aktrumassives in der Ferne steuern ihr Übriges dazu bei. Wir sehen sogar Pferde; mal mit, mal ohne Reiter.

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Letztes Prüfen der Ausrüstunge (http://www.album.de/bild/1821882/20100727-russland-altai-11.cfm)

Wir beschließen recht spontan als erstes das sog. Basecamp anzusteuern - eine alte Gletscherforschungsstation, die jetzt von russischen Bergsteigern als Campingplatz genutzt werden soll. Dazu müssen wir heute den restlichen Tag durch die Steppe laufen und morgen nach der Queerung einiger Flüsse Richtung Gebirge abknicken. Nach zwei Stunden Laufen bei bestem Wetter und einem erfrischenden Wind kommt ein etwas höherer Hügel in Sicht auf dem sich eine größere Holzkonstruktion befindet. Wir steigen also auf 1550m auf und stehen auf dem ersten Gipfel der Tour! Ein tolles Gefühl. Von hier oben sieht man anhand des Baumwuches sofort, wo der auf der Karte eingezeichnete Fluss verlaufen muss und beschließen irgendwo am Fluss unser Nachtlager aufzuschlagen.

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Aufbruch in der Steppe (http://www.album.de/bild/1832839/img-0059-russland-sibirien-altai.cfm)

Am Fluss angekommen sehen wir ein paar andere russische Camper die mit einem Jeep bis hier gefahren sind und ebenfalls ihr Nachtlager aufgeschlagen haben. Wir gehen noch ein Stück weiter den Fluss entlang und finden bald eine kleine Lichtung die schon öfter als Lagerplatz herhalten musste. Wir bauen rasch unsere Zelte auf und erkunden den Bachlauf - eiskalt. Trotzdem füllen wir unsere nagelneue Outdoordusche und hängen sie in die untergehende Abendsonne. Nun noch schnell den Kocher angeworfen und eine leckere Globi-Mahlzeit eingeworfen. Doch leider will der neue Kocher nicht so wie wir. Die abgegebene Leistung dürfte im zweistelligen Wattbereich gelegen haben. Nach einer halben Stunde essen wir die Mahlzeit in lauwarmen Zustand, aber dafür noch recht bissfest und stellen uns für die nächsten Wochen auf eine kalte Küche ein. Auch ein komplettes Zerlegen und wieder Zusammenbauen bringt keine Verbesserung. Nach dem Untergehen der Sonne springt die Temperatur von sehr warm auf eiskalt und statt noch vor den Zelten zu sitzen verschwinden wir umgehend in selbige.

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20100727-Russland Altai-12 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1821884/20100727-russland-altai-12.cfm)

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20100727-Russland Altai-10 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1821880/20100727-russland-altai-10.cfm)

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20100727-Russland Altai-18 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1821894/20100727-russland-altai-18.cfm)

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20100727-Russland Altai-27 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1821907/20100727-russland-altai-27.cfm)

flosi79
29.08.2010, 21:56
Klasse! Ich in sehr gespannt, wie es weitergeht.

Toll, dass ihr euch auch von den schwierigen Umständen nicht abschrecken lasst... die ehemaligen Sovjet-Republiken sind halt nicht einfach für uns verwöhnte Westler ;-)... dafür ist man um so glücklicher, wenn mal was klappt. :bg:

plasmoid
29.08.2010, 22:07
puh.. also wirklich spannend und vor allem ABENTEUER PUR :D

aber wie ich sehe, seid ihr ja alle irgendwie zurückgekommen....

Kati79
29.08.2010, 22:08
Für mich als Ossi hatte es was von ner Zeitreise zurück in die DDR.

charlie
29.08.2010, 22:18
woow,
ich bin extrem beeindruckt.:cool:
ein sehr ausführlicher ,informativer und vorallem
unterhaltsamer reisebericht.
der altai scheint sich zum echten geheimtipp zu entwickeln.
die fotos geben die schönheit dieser landschaft gut wieder.wahrscheinlich ist es dort noch atemberaubender.
alleine die anreise ist ja schon ein echtes abenteuer:o
ich hoffe es geht bald weiter mit dem bericht.

grüsse,charlie

entenpower
29.08.2010, 22:25
was für ein abenteuer!

Bin schon sehr gespannt auf die Fortsetzung

iwp
29.08.2010, 22:27
Genial, ich freu mich schon auf die Fortsetzung :wohoo:

gelöschter Nutzer
30.08.2010, 09:13
Ich hätte wohl doch besser im Russischunterricht damals aufpassen sollen :bg: Ein schöner Bericht. Bin sehr gespannt auf die Fortsetzung.

Dominik
30.08.2010, 09:36
Juhei - es geht los :-)!
Kann zwar gerade keine Lesesession einlegen, freue mich aber auf heute Abend :-)

Pfad-Finder
30.08.2010, 10:26
Wirklich interessant und informativ.

"MVD" dürfte in dem Zusammenhang vermutlich die Abkürzung für "Ministerstvo vnutrennych del" - Innenministerium - gewesen sein.

Viele Grüße

Pfad-Finder

Wald-Fuchs
30.08.2010, 12:14
Wow, sehr interessanter und gut geschriebener Bericht. Freue mich schon auf die Fortsetzung!

Mr.Sunrise
30.08.2010, 12:26
Sehr schön - bin auch schon auf die Fortsetzung gespannt!
Alleine die Anreise hört sich sich schon sehr abenteuerlich an.

Gruß,
Daniel

willo
30.08.2010, 13:26
Danke für die Kommentare. Wird wohl am Mittwoch Abend mit den nächsten Trekkingtagen und ordentlich Fotos weitergehen.

hotdog
30.08.2010, 13:30
Wann ist der nächste Stammtisch? Ich hätte das gerne nochmal Live und in Farbe :grins:

Alex79
30.08.2010, 13:35
Respekt!
Ich glaube sowas hätte ich mich nicht getraut :angst:!

willo
30.08.2010, 14:12
@hot-dog: Wir könnten mal wieder einen Stammtisch bei mir machen - dann habe ich wenigstens keine Ausrede nicht zu kommen ;-)

@Alex79: hätte ich die Reise über das Forum geplant, wäre sie mir wahrscheinlich als unrealisierbarer Selbstmord von einigen Kandidaten hier ausgeredet worden...

Alex79
30.08.2010, 14:23
@Alex79: hätte ich die Reise über das Forum geplant, wäre sie mir wahrscheinlich als unrealisierbarer Selbstmord von einigen Kandidaten hier ausgeredet worden...

;-)

Genau deswegen Respekt, dass Ihr Euch trotz diesem Wissen getraut habt!

Schön das ich durch Deinen Reisebericht etwas daran teilhaben kann (lesen trau ich mich, nachmachen nicht :roll:).

Antracis
30.08.2010, 17:12
Faszinierender Bericht. Und die Fotos sind klasse. Wäre wohl leider auch nix für mich, da mein Planungs- und Sicherheitsbedürfnis zu hoch ist - zumindest, wenn es schon bei Anreise, Gasbeschaffung und Visa extrem wird und nicht erst bei der ersten Flussüberquerung. :bg:

Unglaublich finde ich die Fremdsprachenresistenz und den bis hin zu offensichtlicher Fremdenfeindlichkeit tendierenden Service. :o

lg
Sascha

Buck Mod.93
30.08.2010, 17:59
Schöner Bericht!

Danke Willo.

willo
30.08.2010, 18:07
Faszinierender Bericht. Und die Fotos sind klasse. Wäre wohl leider auch nix für mich, da mein Planungs- und Sicherheitsbedürfnis zu hoch ist - zumindest, wenn es schon bei Anreise, Gasbeschaffung und Visa extrem wird und nicht erst bei der ersten Flussüberquerung. :bg:


Geplant haben wir ja auch - das was ging und von der Ausrüstung her, sind wir nicht "ins Blaue" gefahren. Aber es stimmt schon, zu solchen Touren muss man einfach losfahren, oder es lassen.:bg:



Unglaublich finde ich die Fremdsprachenresistenz und den bis hin zu offensichtlicher Fremdenfeindlichkeit tendierenden Service. :o

Hat uns zu Anfang auch stark gewundert. Aber irgendwann leuchtete uns dann ein, dass sich exakt so (wahrscheinlich noch hilfloser weil nicht im Urlaub) ein Ausländer in sächsischen Dörfern/Ausländerbehörden fühlen muss. Wahrscheinlich wird er da sogar noch schlimmer behandelt.:grrr:

Allerdings haben wir uns schnell daran gewöhnt und die Sache mit Humor genommen. Wenn wir hartnäckig genug waren haben wir immer bekommen was wir wollten und wir haben wenigstens stundenlang was zum Lachen gehabt.

Kati79
30.08.2010, 18:44
Von der konkreten Feindschaft gegenüber Nicht-Russen mal abgesehen, sind wir während unserer Reise nur 1 Mal auf einen Schweizer mit seinem Sohn getroffen, die auch kein Russisch konnten. Die Wahrscheinlichkeit was anderes als Russisch sprechen zu müssen, ist für die Menschen dort sehr gering. Dementsprechend haben sie kaum Praxis in Fremdsprachen.

Von Hotels und Behörden mal abgesehen, haben wir auch viele Menschen getroffen, die ein paar Brocken Englisch konnten. Ab und zu hatten wir es auch mit fast fließendem Deutsch zu tun. Die Wanderer in den Bergen waren dann alle sehr freundlich, auch wenn ihr Englisch schlecht war. Sie haben zumindest versucht mit uns zu sprechen.

hrafn
30.08.2010, 19:12
Interessanter (und prima) Bericht. Altai wäre und ist sicherlich mal ein sehr spannendes Reiseziel. :D

Bin mal gespannt, wie es weitergeht.

Klippenkuckkuck
30.08.2010, 19:14
Hat uns zu Anfang auch stark gewundert. Aber irgendwann leuchtete uns dann ein, dass sich exakt so (wahrscheinlich noch hilfloser weil nicht im Urlaub) ein Ausländer in sächsischen Dörfern/Ausländerbehörden fühlen muss. Wahrscheinlich wird er da sogar noch schlimmer behandelt.:grrr:



Häh?

Die Sachsen sind eigendlich als gastfreundliches Volk bekannt und in diversen Behörden haben die Leute nicht nur einen Hauptschulabschluß.
Viele können sogar Russisch.:ignore:

Ansonsten cooler Bericht. Bin gespannt wie`s weitergeht.

Sir_Hawk
30.08.2010, 22:25
Schöner Bericht.

Hoffe auf eine baldige Fortsetzung.

Hawk

Ixylon
30.08.2010, 23:03
Die Wahrscheinlichkeit was anderes als Russisch sprechen zu müssen, ist für die Menschen dort sehr gering. Dementsprechend haben sie kaum Praxis in Fremdsprachen.

Das denke ich auch. Bei manchen unserer "Bekanntschaften" hatte ich das Gefühl, dass es für sie gar nicht vorstellbar war, dass es überhaupt Leute gibt, die eine andere Sprache als Russisch sprechen.

Erschreckend war es aber wirklich in Hotels und Behörden. Dass man in einem "internationalen" Hotel (mit englischer Internetseite und allem) nicht die vielleicht fünf Sätze Englisch kann, die man zum Buchen eines Zimmers benötigt, war uns neu. Und in einer Behörde, deren Hauptaufgabe es ist, ausländische Visas zu bearbeiten, hätte man wohl auch ein paar Brocken Englisch erwartet.

Aber wie bei allem gab es da auch sehr positive Ausnahmen.

Chemiker
31.08.2010, 00:47
Wow, was für ein spannender Bericht - schon bei der Anreise so ein Abenteuer. Da bin ich ja mal auf den Rest gespannt.

Klippenkuckkuck
31.08.2010, 09:23
Also euer "Sprachproblem" gibt es auch in anderen Ecken der Welt.
In Südamerika habe ich öfters erlebt, daß eben nur Spanisch gesprochen
wurde. Auch in Tourigegenden, Hotels oder Behörden.
Das hat nichts mit der Ignoranz der Russen (in eurem Fall im Altai) zu tun.
Mit einem rudimentären Wortschatz von ca. 20 Worten bzw. Redewendungen kommt man erstaunlich weit. Koversation ist dann allerdings nicht möglich
Alter Trick: irgend einen Schlipsträger ansprechen, in der Hoffnung,
daß der etwas sprachlicher bewandert ist.

Pfad-Finder
31.08.2010, 09:33
Also euer "Sprachproblem" gibt es auch in anderen Ecken der Welt.
In Südamerika habe ich öfters erlebt, daß eben nur Spanisch gesprochen
wurde. Auch in Tourigegenden, Hotels oder Behörden.

Eben. Ich sage nur "Frankreich".-- Aber toll, dass Ihr es a) trotz der eindeutigen Hinweise auf das Sprachproblem gewagt habt - ich erinnere mich, dass ich mich selbst sehr skeptisch zu Eurem Vorhaben geäußert habe - und b) dass Ihr Euch so erfolgreich durchgekämpft habt.

Pfad-Finder

blenn
31.08.2010, 09:41
Na, jetzt ist es wohl im Kopf, wieso, grins.

Das ist einfach ziemlich nervig, wenn man nix versteht. Tim Cope hat ja 6 Wochen an der Grenze festgesessen, obwohl er ja schon russisch sprach. Kostet echte Nerven, und das ist wohl der Grund, warum die meisten Leute Russich als wichtig dort einschätzen.

Aber ich finde es immer wieder gut von Leuten zu lesen, die es trotzdem tun, und freu mich drüber, weil das Mut macht.

Den Eindruck, dass hier im Forum ein bißchen viele Selbstmordmesiasse unterwegs sind, hatte ich auch schon häufiger.

Es gibt übrigens Agenturen, die besorgen nicht nur das Visa, sondern auch die "Einladung" eines Russen. Spart einem zwar nicht die lästige Anmeldung, aber zumindestens den "Wohnortnachweis". So haben wir es damals mit der Autoreise gemacht.

Schöner Bericht, coole Einstellung zu den Dingen. Hat Spass gemacht.

willo
31.08.2010, 10:29
So eine Agentur haben wir auch genutzt, leider hätten wir anstelle eines Touristenvisums ein Privatvisum gebraucht und zwar eines mit Einladung aus der Republik Altai - So ein Visaservice ist uns allerdings nicht untergekommen.

Die Behörden waren jedoch unser kleinstes Problem. Wir hätten das ganze auch ohne Visaregistrierung gemacht und die Chance jemals Kontrolliert zu werden war auch eher gegen Null anzusehen.

Wegen der Sprache würde ich auch absolut nicht von so einer Reise abraten - irgendwie geht es immer!

elaso
31.08.2010, 12:24
Wann kommt endlich der nächste Teil:motz::motz::motz::motz::D

willo
31.08.2010, 14:03
Morgen - versprochen!

willo
01.09.2010, 15:35
Und weiter geht's. Die Bilder lassen sich für eine größere Ansicht auch anklicken. Wenn man dann auf "original" klickt, bekommt man sie bildschirmfüllend zu Gesicht. Außerdem befindet sich unter dem Bild eine Karte mit dem genauen Aufnahmeort.

Tag 5: 28.7.2010 - Trekkingtag 2

Nach einem ausgiebigen Schlaf, stehen wir am nächsten Morgen auf und bekommen gerade noch den Wechsel von blauem zu grauem Himmel mit. Es wird wohl bald regnen. Nach Erstbenutzung der Outdoordusche, in der sich das Wasser erwartungsgemäß über Nacht nicht aufgewärmt hat, ergeben wir uns einer kalten Wäsche bauen wir schnell ab und gehen pünktlich mit dem einsetzenden Niesel und sehr kalten Wind wieder los. Wir ziehen die Regensachen an. Bald kommen wir an die Stelle wo der Trail den Fluss kreuzen soll.

http://img.album.de/files/images/screen/182/18219173384476.jpg
20100728-Russland Altai-6 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1821917/20100728-russland-altai-6.cfm)

Doch anstatt der erhofften Brücke ist der Fluss hier recht flach aber dafür ca. 30 m breit. Wir gehen lieber erstmal am Fluss lang und hoffen auf eine bessere Stelle zur Querung. Das Wetter wird immer ungemütlicher und vor allem kälter, gegessen haben wir auch noch nichts, die Stimmung wird dementsprechend schlechter. Nach zwei Stunden querfeldein durchs Unterholz nehmen wir unter einer Kiefer erstmal unser Frühstück zu uns. Irgendwann kommen uns erste Zweifel, dass der Fluss hier noch querbar ist. Doch genau hier teilt sich der Fluss scheinbar in diverse kleinere Rinnsale auf die wir gerade so eben trockenen Fußes überqueren können.

http://img.album.de/files/images/screen/182/18219107543944.jpg
20100728-Russland Altai-2 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1821910/20100728-russland-altai-2.cfm)

Kati weist jedoch darauf hin, dass wir nur die Hälfte vom großen Fluß überquert haben und die andere Hälfte als einzelner Bach noch vor uns liegt. Als wir diesen dann erreichen, stellt er sich als extrem schnellfließender über einen Meter tiefer Gebirgsbach dar - absolut nicht zu furten. Wir gehen also wieder in die andere Richtung an ihm entlang und es passiert genau das, was logischerweise passieren musste: Wir laufen auf die spitze einer langen Halbinsel an der deren Ende sich beide Flüsse wieder vereinigen. Wenigstens müssen wir nicht alles zurück gehen, sondern können den vorher überquerten Fluss wieder zurück furten.

http://img.album.de/files/images/screen/182/18219122470351.jpg
20100728-Russland Altai-3 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1821912/20100728-russland-altai-3.cfm)

Das Wasser ist eiskalt und tut extrem an den Füßen und Waden weh. Ich habe nur Flip Flops dabei, die mir von der starken Strömung fast weggerissen werden. Dafür stehen wir nach ca. 2 Stunden wieder an der breiten flachen Stelle an der wir am Morgen schonmal waren. Wenigstens schlägt schlagartig das Wetter um und die Sonne kommt raus. Genauso schlagartig schlägt auch unsere Laune um und wir furten die breite Stelle bei bester Laune und stellen von langen Regensachen auf kurze Sommerkleidung um. Eine Kuhherde zieht unbeirrt direkt an uns vorbei.

http://img.album.de/files/images/screen/182/18219194993650.jpg
20100728-Russland Altai-7 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1821919/20100728-russland-altai-7.cfm)

http://img.album.de/files/images/screen/182/18219205712545.jpg
20100728-Russland Altai-8 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1821920/20100728-russland-altai-8.cfm)

http://img.album.de/files/images/screen/182/18219226337955.jpg
20100728-Russland Altai-9 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1821922/20100728-russland-altai-9.cfm)

Die Landschaft wird jetzt deutlich bergiger und grüner. Die Steppe weicht einer grünen Hügellandschaft und der Trail geht direkt aufs Gebirge zu und wir haben die ersten echten Höhenmeter zu bewältigen. Bald verlassen wir das Kurajbecken und kommen in die schmale Waldzone die sich am Gebirge entlangschmiegt. An der Grenze zwischen Wald und Grasland machen wir Mittagspause und versuchen uns erneut an unserem Kocher. Mittlerweile strömt nicht mal mehr so viel Gas raus, dass man eine Flamme anzünden kann. Doch auch erneutes Zerlegen bringt nur wenig Verbesserung, aber immerhin machen wir ein Stück Metallspäne in der Düse als Übeltäter aus. Trotzdem gibt es wieder lauwarme und bissfeste Kost. Dafür halten wir noch ein kleines Schläfchen unter der wärmenden Sonne bevor es weiter nach oben geht. Vereinzelt kommen uns geländegängige Fahrzeuge entgegen in denen, der Ausrüstung nach zu urteilen, Bergsteiger sitzen. Das Basecamp am Berg Aktru scheint zu existieren und näher zu kommen.

http://img.album.de/files/images/screen/182/18219243537257.jpg
20100728-Russland Altai-10 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1821924/20100728-russland-altai-10.cfm)

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20100728-Russland Altai-12 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1821927/20100728-russland-altai-12.cfm)

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20100728-Russland Altai-15 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1821933/20100728-russland-altai-15.cfm)

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20100728-Russland Altai-16 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1821934/20100728-russland-altai-16.cfm)

Auf einem kleinen Hügel dicht bei unserem Rastplatz befinden sich von einem kleinen Holzzaun begrenzt zwei Gräber. Es scheint sich um die traditionelle Art in dieser Gegend zu handeln seine Toten zu bestatten - im Verlauf der Reise finden wir noch mehr solche Gräber. Allen gemein ist die exponierte Lage an einer Stelle mit schöner Aussicht.

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20100728-Russland Altai-18 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1821937/20100728-russland-altai-18.cfm)

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20100728-Russland Altai-19 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1821938/20100728-russland-altai-19.cfm)

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20100728-Russland Altai-21 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1821941/20100728-russland-altai-21.cfm)

Am späten Nachmittag erreichen wir eine Lichtung im Wald an deren Rand eine Art Campingplatz ist und einige Hütten. Es handelt sich jedoch nicht um das Basecamp, sondern um den Ort bis zu dem man mit normalen Fahrzeugen maximal kommt und von dem aus die Meisten zu Fuss weitergehen. Wir treffen eine Gruppe Bergsportler aus St. Petersburg von denen eine Teilnehmerin gut Englisch spricht. Wir erkundigen uns nach den Gegebenheiten und sie erklärt uns, dass es hier kein Wasser gäbe, der Bach sei sogar zum Waschen zu verschmutzt. Trotzdem wollen wir die Nacht über hier bleiben. Neben uns gibt es noch zwei weitere Zelte und eine Hütte ist belegt. Neben einem Plumpsklo, einer Sauna und ein paar Tisch-Sitz-Kombinationen gibt es keinerlei Infrastruktur.

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20100728-Russland Altai-23 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1821945/20100728-russland-altai-23.cfm)

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20100728-Russland Altai-22 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1821944/20100728-russland-altai-22.cfm)

Als Erstes gehen wir zum angeblich stark verschmutzten Fluss. An der Verschmutzung hegen wir jedoch arge Zweifel, da weit und breit kein besiedeltes Gebiet in der Nähe ist und der Fluss direkt aus dem Bergmassiv entspringt. Als wir den Fluss dann erreichen, sehen wir keine Verschmutzung, sondern eine starke Versetzung des Wassers mit feinem Sediment, was auf einen Gletscherursprung hindeutete. Das eiskalte Wasser erscheint ansonsten absolut trinkbar, wir geben zur Sicherheit aber noch eine Mikropur hinzu und trinken es inkl. Sediment. Neben seinen Eigenschaften als Trink- und Waschwasser, hat das Wasser den Wald ringsherum geformt. Der Boden sieht aus wie an einem Strand. Feiner Sand, ab und zu Gras und Spuren von Überschwemmungen. An einigen Stellen sind Becken entstanden, in denen das Wasser etwas klarer ist, weil es sich vorher durch eine Sedimentschicht presst. Ein zugegeben, ungewöhnlicher Anblick.

Gegen Abend laufen wir noch eine Runde den einzigen Weg entlang. Wir steigen aufwärts und enden an einem schönen Aussichtspunkt. Von hier aus können wir die schneebedeckten Gipfel des Aktru-Massivs fotografieren.

http://img.album.de/files/images/screen/182/18219473164526.jpg
20100728-Russland Altai-25 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1821947/20100728-russland-altai-25.cfm)

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_MG_8401 von Kati79 - Album.de (http://www.album.de/bild/1830397/-mg-8401.cfm)

Tag 6: 29.7.2010 - Trekkingtag 3

http://img.album.de/files/images/screen/182/18219868711484.jpg
20100729-Russland Altai von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1821986/20100729-russland-altai.cfm)

Nach dem Frühstück lassen wir noch etwas die Zelte in der Sonne trocken und die Schlafsäcke lüften, bevor uns in Richtung Basecamp aufmachen. Dieses müsste laut unserer Karte ungefähr 9 km entfernt sein, bei stetigem Aufstieg. Der Aufstieg geht fast die ganze Zeit durch den Wald auf einer Straße, die aufgrund ihrer Beschaffenheit wirklich nur noch für Geländewagen befahrbar ist - tiefe Rinnen, dicke Steinbrocken und sehr matschige Passagen.

http://img.album.de/files/images/screen/182/18219522821264.jpg
20100729-Russland Altai-3 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1821952/20100729-russland-altai-3.cfm)

Wir treffen einige Bergsteiger die uns entgegenkommen und kurz mit uns klönen. Einige sprechen etwas Englisch, eine Frau (die Tochter einer Deutschlehrerin) spricht Deutsch und ein älterer Mann war mal in der DDR stationiert und konnte ausschließlich Namen von Städten und Ortschaften in Mecklenburg-Vorpommern aufzählen. Ihnen gemein war jedoch, dass sie alle extrem freundlich und an uns interessiert waren - ein krasser Kontrast zu unseren bisherigen Begegnungen mit der örtlichen Bevölkerung.

http://img.album.de/files/images/screen/182/18219561138144.jpg
20100729-Russland Altai-7 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1821956/20100729-russland-altai-7.cfm)

Ein paar Kilometer vor dem Camp ist der Aufstieg geschafft und wir kommen auf ca. 2200m Höhe in ein breites Hochtal, in das der Fluss ein breites Delta ausgebreitet hat und eine Herde Pferde umherläuft. Ein Anblick der uns völlig in seinen Bann zieht und unsere Kameras heisslaufen lässt.

http://img.album.de/files/images/screen/182/18219571963816.jpg
20100729-Russland Altai-8 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1821957/20100729-russland-altai-8.cfm)

http://img.album.de/files/images/screen/182/18219587442900.jpg
20100729-Russland Altai-9 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1821958/20100729-russland-altai-9.cfm)

http://img.album.de/files/images/screen/182/18219597136907.jpg
20100729-Russland Altai-10 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1821959/20100729-russland-altai-10.cfm)

http://img.album.de/files/images/screen/182/18219613548427.jpg
20100729-Russland Altai-12 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1821961/20100729-russland-altai-12.cfm)

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20100729-Russland Altai-11 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1821960/20100729-russland-altai-11.cfm)

Gegen 14.00 Uhr erreichen wir das Basecamp. Ein Gebilde aus ein paar Häusern und Hütten und diversen Zelten. Die Betreiber des Camps sprechen etwas Englisch und sind sehr freundlich und hilfsbereit. Wir suchen uns einen Zeltplatz neben dem Fluss und bauen erstmal unser Lager auf. Hier kommen wir mit zwei russischen Bergsteigern ins Gespräch die uns Tipps für Routen und Sehenswürdigkeiten geben. Unseren Plan, evtl. einen der Gipfel zu besteigen müssen wir jedoch aufgeben, da sie uns versichern, dass dieses Unterfangen nur mit Bergsteigerausrüstung zu meistern ist. Der Aktru ist immerhin über 4000m hoch und komplett vergletschert. Dafür bringen wir in Erfahrung, dass es im Basecamp eine Art Cafe gibt, in dem es dreimal pro Tag eine Mahlzeit gereicht wird. Wir bestellen also das Abendessen für 20.00 Uhr vor und für den nächsten Tag ein Frühstück. Vor allem die Aussicht auf eine wirklich warme Mahlzeit lässt unsere Herzen höher schlagen. Als wir dann auch noch auf einem Tisch eine verlassene und nur fast leere Schraubkartusche finden, gibt es sogar noch ein warmes Mittagessen. Auf unsere Nachfrage, ob man die Zelte ruhigen Gewissens im Camp stehen lassen kann und zu Touren aufbrechen, versichern uns alle, dass wir es mit “only good people” zu tun haben.

http://img.album.de/files/images/screen/182/18219688453504.jpg
20100729-Russland Altai-19 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1821968/20100729-russland-altai-19.cfm)

Für den Rest des Tages beschließen wir uns an den Aufstieg zum Blue Lake zu machen. Eine Sehenswürdigkeit die ich mittels Google Translator im russischsprachigen Internet recherchiert habe und sogar einen Wegpunkt ins GPS gespeichert habe. Der Aufstieg geht direkt aus dem Camp immer am Fluss entlang steil nach oben. Unser Zeitfenster ist allerdings äußerst begrenzt, da wir ja bis um 20.00 Uhr zum Abendessen zurück sein müssen. Wir schrauben uns in der prallen Sonne immer weiter in die Höhe an einer Gletscherzunge vorbei, direkt auf den nächsten Gletscher zu. Zwei km vor der Gletscherzunge wird uns der Klimawandel mit einmal schlagartig bewusst. Laut unserer Karte von 1984 sollten wir schon die Gletscherzunge erreicht haben, die wir in großer Entfernung sehen konnten. Eigentlich sollten wir sogar die ganze Zeit an einer Gletscherkante entlanglaufen. Stattdessen laufen wir durch eine kahle 500m breite Rinne in der einmal der Gletscher lag. Plötzlich (lieber, Am Ende der Rinne) stehen wir jedoch vor einer Steilwand am Rande des Gletschers. Der Blue Lake ist laut GPS noch ca. zwei Kilometer hinter der Steilwand und uns ist schleierhaft wie man da hinkommen soll. Wir stehen in einem tiefen Tal das auf zwei Seiten von sehr steilen Hängen umgeben ist, auf der dritten Seite den Gletscher hat und in unserem Rücken den Weg Richtung Camp.

http://img.album.de/files/images/screen/182/18219691878812.jpg
20100729-Russland Altai-20 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1821969/20100729-russland-altai-20.cfm)

http://img.album.de/files/images/screen/182/18219741984551.jpg
20100729-Russland Altai-25 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1821974/20100729-russland-altai-25.cfm)

http://img.album.de/files/images/screen/182/18219785284184.jpg
20100729-Russland Altai-28 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1821978/20100729-russland-altai-28.cfm)

http://img.album.de/files/images/screen/182/18219834116033.jpg
20100729-Russland Altai-31 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1821983/20100729-russland-altai-31.cfm)

Wir beschließen also umzukehren, sind aber von den Eindrücken der schroffen und völlig unberührten Bergwelt so verzaubert, dass uns unser Misserfolg nicht weiter stört. Kurz vor dem Ende des Tals sehen wir plötzlich hinter uns drei Menschen in der Steilwand, mehr rutschend als gehend. Bei genauem Hinsehen entdecken wir einen schmalen und extrem Steilen Pfad der schräge den Hang hoch geht. Das muss der Weg zum Blue Lake sein und wir nehmen uns vor, Morgen erneut hierhin zurückzukommen und es nocheinmal zu versuchen. Für heute reicht es. Die Höhenmeter in der Höhe sind zumindest für Kati deutlich spürbar. Sie hat das Gefühl viel schneller auszupowern als bei anderen Wanderungen, in niedrigeren Höhen.

http://img.album.de/files/images/screen/182/18220233315059.jpg
20100730-Russland Altai-36 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822023/20100730-russland-altai-36.cfm)

Wieder im Camp beginnt es schon zu dämmern und ohne Sonne wird es schnell empfindlich kalt. Ich ziehe sogar eine Daunenjacke an. Punkt acht öffnet das Cafe und wir machen uns zum Abendessen auf. Außer für uns ist nur ein weiterer Tisch gedeckt. Das Abendessen besteht aus einer sehr schmackhaften Kartoffelsuppe und einer gefüllten frittierten Tasche, dazu heisser Tee und ein “Geheimnis”. Dosiert wie Ketchup mit dem Geschmack von Kaltschale oder doch eher roter Grütze ohne Beeren. Ob das in die Suppe sollte oder zu dem mit Frühlingszwiebeln gefüllten Krapfen, konnten wir nicht herausfinden. Für Dessert war es zu wenig. Dennoch, wir sind begeistert endlich mal wieder etwas heisses zu Essen und gehen bester Laune ins Zelt.

hotdog
02.09.2010, 07:57
Gab's eigentlich keine Möglichkeit, an Spiritus zu kommen und einen Dosenkocher zu basteln?

willo
02.09.2010, 08:15
Spiritus wäre sicher zu organisieren gewesen. Allerdings nicht mehr als wir festgestellt haben das der neue Kocher nicht funktioniert...

Dominik
02.09.2010, 09:49
Allerdings ist es schwierig Spiritus zu bekommen. Im Altai haben wir keine Quelle dafür gefunden. (Hatten aber welchen aus DE dabei).

Hier zeigen sich die Stärken eines Benzinkochers - Benzin gibt es fast überall.
Aber auch das Kochen überm Feuer findet hier wieder bedeutung.

Grüße
Dom

willo
02.09.2010, 09:55
Ja, alle Russen die wir auf Tour getroffen haben, haben über offenem Feuer gekocht. Das war für uns wegen des Minimal Impact Gedankes aber keine Option.

In Gorno-Altaisk hätte man Spiritus kaufen können. Danach kam eh nichts mehr...

hotdog
02.09.2010, 09:59
Ja, alle Russen die wir auf Tour getroffen haben, haben über offenem Feuer gekocht. Das war für uns wegen des Minimal Impact Gedankes aber keine Option.
Dann wäre vielleicht ein BushBuddy ne Option gewesen.

Na, wie auch immer: wenn es vorort einen Gaskocher zu kaufen gibt, geht man eigentlich davon aus, dass er auch funktioniert. Blöd gelaufen.

Dominik
02.09.2010, 10:05
Was ich interessant finde ist, welche beeindruckenden Landschaften auf kleinster Fläche vorzufinden sind.
Wir haben uns damals zunächst entlang der Range gehalten (um erst später einen Abstecher zu machen) - ihr hingegen seid direkt hinein.
Ich hätte nicht gedacht, dass es dort eine solche tolle Landschaft gibt. Sehr fett!

Alleine im KurajBecken sind also bereits verschiedene Touren mit unterschiedlichden Landschaftsbildern möglich.
...und das ist nur ein minimaler Teil vom Altai.

Heiaiai :o
Dom

willo
02.09.2010, 10:10
Da waren wir auch absolut begeistert und beeindruckt von. Ich hab da in wenigen Tagen mehr verschiedene Landschaftstypen gesehen als auf diversen früheren Reisen zusammen.
Ich glaube aber zum Trekken ist das auch die beste Region im Altai. Wir haben uns zumindest noch eine Weitere am Ende der Reise angeguckt und soviel sei verraten: Sie konnte nicht mit der Aktru-Region mithalten.

Mondsee
02.09.2010, 10:21
Danke erst einmal für den schönen Bericht und die beeindruckenden Bilder! Macht Lust auf mehr - ich bin schon gespannt wie es weiter geht.

Ich hatte ja erst gedacht, dass ihr einen privaten Bezug zu der Gegend habt. Aber so ganz ohne Orts-, Kultur- und Sprachkenntnisse dort loszuziehen - alle Achtung!

Wie hoch liegt denn das Gebiet etwa in dem ihr wart?

willo
02.09.2010, 10:24
Wir haben uns ansich fast immer zwischen 1600m und 2400m bewegt und geschlafen (von einigen wenigen Aufstiegen ohne Gepäck mal abgesehen). Es gibt aber auch einige Gipfel über 4000m - die sind dann aber eher ein Fall für Becks. Interessant waren die verschiedenen Vegetationszonen in diesem Höhenbereich. Um 1800m sah es genauso aus wie in den Alpen (Enzian, Edelweiss und co.), darunter und darüber aber völlig anders.

Dominik
02.09.2010, 10:30
Zu den Registrierungsschwierigkeiten in Gorno Altaisk:
Hattet ihr ein Khodataystsvo dabei? Eine Liste, die man sich bei der Visaagentur erstellen lassen kann und die anzeigt, wo man sich z.B. im Altai aufhalten wird?

Ich bin bis heute unsicher, ob der Wisch nötig gewesen ist oder nicht :ignore:

willo
02.09.2010, 10:31
Hatten wir nicht dabei. Hätte aber auch nicht geholfen. Wir hätten ein ausgefülltes Registrierungsformular mit Stempel aus Deutschland gebraucht.

Dominik
02.09.2010, 10:36
Ich hab hier im Norden die Unterlagen nicht zur Hand, meine aber, dass da deutsche Stempel drauf gewesen sind. Ich check das nochmal genau ab, welche Unterlagen wir dabei hatten und wo man die bekommt (dauert aber bis Ende Oktober). Dann ist für nachfolgende Reisende diese Sache zumindest halbwegs geklärt.

Auf so ein Schwein wie ihr mit der Dolmetscherin gehabt hat, kann man ja leider nicht setzen :bg:

Schade, dass ihr nicht bei der Bergrettungsstation in Gorno A. vorbeigeschaut habt :bg::bg:

willo
02.09.2010, 10:40
Ist das die hier:
http://img.album.de/files/images/screen/182/18222715853882.jpg
20100808-Russland Altai-20 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822271/20100808-russland-altai-20.cfm)

Wenn ja - hatte zu.

Dominik
02.09.2010, 10:44
Hm, letztes Jahr waren dort volle Renovierungsarbeiten am Start. Äußerlich war es damals ziemlich verfallen - die Front auf deinem Bild sieht ja recht neu aus, könnte also passen.

War das in einem Hinterhof abseits der Hauptstraße in G.A.?

willo
02.09.2010, 10:45
Ne, das war direkt an der Strasse, aber nicht an der Hauptstrasse, sondern in der Strasse mit dem "Outdoorladen"

Dominik
02.09.2010, 10:51
Okay, dann ist das ein anderes Büro gewesen.

Kati79
02.09.2010, 12:21
Wir hatten im Pass einen Voucher von einer Reiseagentur. Da stand eine ungefähre Route drauf und die war Moskau, Novosibirsk, Barnaul, Republik Altai. Aber mit Voucher konnten die nichts anfangen. Die wollten was mit Stempel haben.

Leroi
02.09.2010, 12:29
Sehr interessante Landschaft dort, danke für den Bericht!

Pfad-Finder
02.09.2010, 13:17
Ist das die hier:
http://img.album.de/files/images/screen/182/18222715853882.jpg
20100808-Russland Altai-20 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822271/20100808-russland-altai-20.cfm)

Wenn ja - hatte zu.

Da steht:

"Ausstellung - Verkauf || Souvenirs - Gemälde/ Nationaltrachten"


Bergrettung also eher nicht.

Viele Grüße

Pfad-Finder

willo
03.09.2010, 00:05
Geil, dann haben wir ja Glück gehabt, statt ner Registrierung keinen Teppich gekauft zu haben...

elaso
04.09.2010, 01:05
mehr mehr mehr:bg::bg::bg:

Super Bericht bis jetzt!!

willo
04.09.2010, 22:36
Tag 7: 30.7.2010 - Trekkingtag 4

Nachdem es um neun (was uns ansich zu spät war) Frühstück aus Griessbrei und Marmeladenbrot im Cafe gab, befragen wir einen russischen Alpinisten im Cafe, was er uns außer dem “Blue Lake” noch an Tagestouren empfehlen kann. Es gibt dort etwas dass sie “Kruppal” (phonetisch) genannt haben. Ein Weg an einem ziemlich gerölligen Abhang steil nach oben. Wenn wir dort hinwollen, sollen wir uns entweder einen Guide nehmen oder sehr dicht hintereinanderlaufen, weil Steine beim Auftstieg nach unten fallen und sonst die hinteren treffen. Wir behalten die Tour im Hinterkopf und nehmen uns erstmal vor an der erneuten Suche nach dem Blue Lake festzuhalten und machen uns an den erneuten Anstieg Richtung Gletscher. Auf dem Weg kommen wir an drei verschiedenen Denkmälern vorbei. Eines sieht stark nach moderner Kunst aus und enthält Teile eines Snowboards aus Stahl - es scheint verunglückten Wintersportlern zu gelten. Das Zweite ist eine schneeweisse Statue einer Frau mit einem Eispickel oder Bergbauhacke in der Hand, auf das wir uns nicht so richtig einen Reim machen können. Es steht irgendwas Russisches drunter mit “Alpinist”.

http://img.album.de/files/images/screen/182/18219649073934.jpg
20100729-Russland Altai-15 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1821964/20100729-russland-altai-15.cfm)

http://img.album.de/files/images/screen/182/18219856468632.jpg
20100729-Russland Altai-33 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1821985/20100729-russland-altai-33.cfm)

Das Dritte ist ein großer Stein an dem polierte Eisenplatten den hier abgestürzten Bergsteigern gedenken. Seit 1978 sind hier mindestens 19 Bergsteiger ums Leben gekommen, darunter ein Deutscher aus Jena. Einige Platten erinnern an den Tod kompletter Seilschaften. Manche Todesfälle sind noch nicht allzulang her - es gibt eine Platte von 2002.

http://img.album.de/files/images/screen/182/18219662368817.jpg
20100729-Russland Altai-17 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1821966/20100729-russland-altai-17.cfm)


Nach zwei Stunden erreichen wir erneut die Stelle an der wir am Vortag nicht mehr weiter wussten und nehmen diesmal den schmalen Pfad. Auf dem Weg dorthin sehen wir einzelne vergletscherte Berghänge.

http://img.album.de/files/images/screen/183/18373177271171.jpg
_MG_8441 von Kati79 - Album.de (http://www.album.de/bild/1837317/-mg-8441.cfm)

http://img.album.de/files/images/screen/182/18219896108620.jpg
20100730-Russland Altai-4 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1821989/20100730-russland-altai-4.cfm)

Die Steigung dieses Pfades ist an der Grenze der Machbarkeit und ich greife oft mit den Händen an Steine, die vor mir auf dem Boden liegen. Trotzdem kommt uns eine Frau in normaler Strassenkleidung und Schuhen mit mind. 10cm hohen Absätzen entgegen. Es ist uns ein absolutes Rätsel wie sie damit hier hochgekommen ist und bei jeder schwierigen Stelle erinnern wir uns an sie zurück. Nach einer Stunde haben wir das steilste Stück überwunden und sind laut GPS nur noch 900m vom See entfernt. Doch von einem See ist nichts zu sehen, dafür liegt nun die riesige Zunge eines weiteren Gletschers vor uns. Ein gewaltiger Anblick!

http://img.album.de/files/images/screen/183/18373194054619.jpg
_MG_8468 von Kati79 - Album.de (http://www.album.de/bild/1837319/-mg-8468.cfm)

http://img.album.de/files/images/screen/182/18219927643893.jpg
20100730-Russland Altai-6 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1821992/20100730-russland-altai-6.cfm)

Wir gehen bis zu ihrem Anfang und klettern direkt neben dem Gletscher die schroffen Felsen hoch, immer am Gletscher entlang bis auf 2800 Meter hoch. Jetzt stehen wir auf einem schmalen Grat und können direkt auf den See hinuntergucken. Er ist allerdings nicht blau, sondern grün. Das ewige Eis an seinem Grund, von dem die blaue Farbe herrührte scheint geschmolzen zu sein, auf dem See schwimmen aber noch zwei größere Eisschollen. Trotzdem ist der See ein fast surrealer Anblick in der ansonsten komplett grauen, gerölligen Landschaft.

http://img.album.de/files/images/screen/182/18219994576780.jpg
20100730-Russland Altai-12 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1821999/20100730-russland-altai-12.cfm)

http://img.album.de/files/images/screen/182/18220003656529.jpg
20100730-Russland Altai-13 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822000/20100730-russland-altai-13.cfm)

http://img.album.de/files/images/screen/182/18220041632786.jpg
20100730-Russland Altai-17 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822004/20100730-russland-altai-17.cfm)

Am See befindet sich neben uns noch eine kleine Gruppe Wanderer die am Morgen mit einem Guide ebenfalls im Camp gestartet sind. Wir machen eine ausgedehnte Mittagspause am See, auch wenn die Sonne nun fast unerträglich stark auf uns niederhämmert. An dieser Stelle spürt man den Unterschied zwischen Sonne in Berlin auf Höhe 0m und auf fast 3000m. Es brennt einfach und man sollte sich mit langer Kleidung vor ihr schützen. Für Abwechslung sorgen zwei Russen aus der anderen Gruppe die ein Bad in dem See wagen wollen - ich habe noch nie einen Menschen so blitzartig ein Gewässer wieder verlassen sehen!

http://img.album.de/files/images/screen/182/18220078163269.jpg
20100730-Russland Altai-20 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822007/20100730-russland-altai-20.cfm)

http://img.album.de/files/images/screen/182/18220111842947.jpg
20100730-Russland Altai-24 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822011/20100730-russland-altai-24.cfm)

Carsten und ich beschliessen noch etwas höher aufzusteigen und wenden uns wieder dem Gletscher zu. Wir steigen bis auf fast 3000m und sehen dann ein, dass man hier ohne Sicherheitsausrüstung einfach nicht mehr weiterkommt und steigen wieder zum See ab. Nach ein paar Fotos machen wir uns auf den Rückweg und erreichen gegen Nachmittag wieder das Camp.

http://img.album.de/files/images/screen/182/18220169283883.jpg
20100730-Russland Altai-29 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822016/20100730-russland-altai-29.cfm)

http://img.album.de/files/images/screen/182/18220205034974.jpg
20100730-Russland Altai-33 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822020/20100730-russland-altai-33.cfm)

http://img.album.de/files/images/screen/183/18373206195544.jpg
_MG_8497 von Kati79 - Album.de (http://www.album.de/bild/1837320/-mg-8497.cfm)

http://img.album.de/files/images/screen/183/18373246540430.jpg
_MG_8504 von Kati79 - Album.de (http://www.album.de/bild/1837324/-mg-8504.cfm)

Hier waschen wir noch etwas Wäsche und gammeln bis zum Abendessen etwas rum.

Das Abendessen besteht diesmal aus gebratenen Nudeln und ist wieder recht lecker. Leider ist die Portion diesmal sehr klein und ich habe noch großen Hunger. Beim rausgehen klaue ich noch ein paar Kekse die am anderen Tisch übriggeblieben sind. Danach geht es wie gewohnt wegen der großen Kälte direkt ins Zelt.

Ungefähr eine Stunde, nachdem wir in die Zelte gekrochen sind, hört man ganz deutlich einen Geröllabgang auf der anderen Seite des Tales, in dem wir zelten. Der ganze Boden vibriert und donnert ein bis zwei Minuten, bis sich die letzten großen Brocken beruhigt haben. Wir liegen in unseren Zelten und sind wie gelähmt. Ich denke an Wahrscheinlichkeitsrechnung im mich zu beruhigen - immerhin stehen zwischen uns und dem Hang eine große Menge mindestens 50 Jahre alte Bäume.

http://img.album.de/files/images/screen/183/18373219872455.jpg

Dieses Bild ist am nächsten Tag entstanden. Wir nehmen an, dass dort der gewaltige Geröllabhang gewesen sein muss. (http://www.album.de/bild/1837321/-mg-8506.cfm)

In der Nacht wache ich irgendwann mit einer Magenverstimmung auf, die mich den folgenden Tag komplett ausser Gefecht setzt und uns zu einem Ruhetag zwingt.

Tag 8: 31.7.2010 - Trekkingtag 5

Ich sieche krank im Lager dahin und verbringe den ganzen Tag im Zelt. Auf die Frage nach einem Arzt, wird durch die Leute sehr hilfsbereit reagiert. Der Campchef kommt im Zelt vorbei, macht eine Kurzdiagnose und nach einer halben Stunde ist er mit Tabletten zurück. Er verordnet Schlaf, Zitronentee, viel Wasser, süßes Essen und zwei unterschiedliche Arten von Tabletten. Es wirkt, wenn auch nur langsam.

http://img.album.de/files/images/screen/182/18220365255235.jpg
20100801-Russland Altai von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822036/20100801-russland-altai.cfm)


Carsten und Kati unterhalten sich den Tag über mit anderen Russen, die neben uns ihr Zelt aufgeschlagen haben. Sie bieten Schokolade und andere Lebensmittel an. Hier wird deutlich, dass es in Russland keine Trekkingnahrung gibt, sondern normale Lebensmittel. Konserven mit Obst, Nudeln und Reis, auch Pilze und Dosenfleisch. Am späten Nachmittag besteigen Kati und Carsten einen der umliegenden Hänge. Es sind zwar nur 200 Höhenmeter, aber die dauern eine Stunde. Der Ausblick reicht für ein paar Bilder.

http://img.album.de/files/images/screen/183/18373221368295.jpg
Blick aufs Camp unten links im Tal. (http://www.album.de/bild/1837322/-mg-8513.cfm)

http://img.album.de/files/images/screen/183/18373238510651.jpg
Ausblick in die andere Richtung. Man sieht den verzweigten Gletscherfluss und die Steppe, in der unsere Wanderung begonnen hat. (http://www.album.de/bild/1837323/-mg-8514.cfm)


Tag 9: 1.8.2010 - Trekkingtag 6

Da ich nicht hundertprozentig sicher bin ob meine Krankheit etwas mit der großen Höhe von vorgestern zu tun hatte, beschließen wir auf eine zweite Hochtour zu verzichten und wieder ins Hochland auf ca. 1900m abzusteigen. Doch bevor wir das Camp verlassen, befestigen wir noch einen "Berlin Wegweiser" neben dutzenden anderen Wegweisern an einem Baum. Neben einem aus Bonn und einem aus Österreich ist er der einzige europäische.

http://img.album.de/files/images/screen/182/18220267016798.jpg
20100801-Russland Altai-3 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822026/20100801-russland-altai-3.cfm)

Bei schönem Wetter geht es zurück durch das herrliche Flussdelta und vorbei am ersten Camp immer am Rande des Massives entlang. Beim Undrehen sehen wir schnell, dass die Entscheidung, heute das Camp zu verlassen, nicht unbedingt eine Schlechte war. Hinter uns zieht es sich merklich zu und die sich eben noch vor blauem Himmel abzeichnenden Gipfel sind binnen Minuten kaum noch zu erkennen. Wir sind jedoch erstmal nicht betroffen und laufen weiter bei Sonnenschein in Richtung Steppe.

http://img.album.de/files/images/screen/182/18220299196434.jpg
20100801-Russland Altai-6 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822029/20100801-russland-altai-6.cfm)

Auf einer herrlichen Gebirgswiese nehmen wir unser Mittagessen ein. Da Carsten zwischenzeitlich den Kocher flott bekommen hat - es steckte ein Eisenspan in der Düse - stand weiteren warmen Mahlzeiten auch nichts mehr im Wege und wir lassen es uns bei herrlichem Sonnenschein umgeben von Alpenblumen richtig gut gehen. Weiter geht es durch ein kleines Waldstück in eine große bewachsene Ebene.

http://img.album.de/files/images/screen/182/18220334739280.jpg
20100801-Russland Altai-10 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822033/20100801-russland-altai-10.cfm)

Hier gabelt sich der Weg diverse Male und wir können nicht mehr wirklich erkennen welcher der auf der Karte eingezeichnete Trampelpfad ist. Wir entscheiden uns für eine halbwegs stimmige Richtung und bewegen uns zwischen einer steilen Hügelkette und dem Fluss entlang. Nach einigen Kilometern erreichen wir eine Hütte nebst ein paar Ställen. Hier werden im Sommer offensichtlich die Rinder hingetrieben und können dann frei umherlaufen. Neben einem Ehepaar, das wohl diese Minifarm bewirtschaftet gibt es noch ein paar Hunde, die gleich freudig auf uns zu laufen. Einer der Hunde lässt sich nicht davon abbringen uns die nächsten Kilometer treu zu begleiten.

Leider endet kurz hinter diesem Aussenposten der Zivilisation der Weg und wir müssen Querfeldein weiter. Der kleine Platz zwischen Steilhang und Fluss wird dabei leider immer enger und uns schwant bereits böses. - Zu recht! nach zwei Kilometern stehen wir am Berührungspunkt von Steilwand und Fluss. Unsere Stimmung wird dabei aber eher durch den einsetzenden Niesel, als durch das Ende des Weges negatv beeinflusst. Da der Fluss hier nicht querbar ist und wir auch nicht den ganzen Weg zurück wollen, beschliessen wir die Hügelkette zu überwinden. Das ist jedoch leichter gesagt als getan; der grasbewachsene Hang ist tierisch steil und durch den Regen auch rutschig. Mitunter können wir unsere Füsse nur seitwärts aufsetzen und müssen uns in Serpentinen vortbewegen. Oben angekommen stellen wir fest, dass es ersteinmal noch weiter hoch geht - wie immer in den Bergen. Als wir am diesmal wirklich höchsten Punkt ankommen, sind wir gut ausser Atem und stellen fest dass wir so einfach nicht weiter kommen. Der einzig logische Weg ist es, wieder abzusteigen und zur Farm zurückzugehen - das hätten wir auch einfacher haben können! Wenigstens haben wir den Hund abgehängt - so dachten wir. Kurz nach unserer Ankunft auf dem Gipfel steht er aber wieder mit wedelndem Schwanz vor uns.

Oben auf dem Berg ist der Regen so stark geworden, dass ich mir meine Regenklamotten über die eh schon klitschnassen Klamotten streife. Nach ca. 90 Minuten sind wir dann immerhin wieder an der Stelle angekommen, wo uns das erste mal Bedenken wegen des Weges kamen. Bevor wir uns jedoch auf die zwei Kilometer Weg bis zur Farm machen, beschließen wir noch kurz uns zum Fluss durchs Unterholz zu schlagen, um zu gucken ob man den nicht doch irgendwie überqueren kann. Und man kann; genau an der Stelle an der wir die Böschung verlassen ist ein wirklich großer Baum über den Fluss gestürzt über den wir ans andere Ufer balancieren und uns nach wenigen Minuten wieder auf dem richtigen Weg befinden.

Für heute hatten wir uns eigentlich noch die erneute Querung des Flusses und das Erreichen eines größeren Sees vorgenommen. Da das Verschwinden der Sonne hier oben aber auch immer mit dem Wechsel von starker Hitze hin zu starker Kälte verbunden ist, beschließen wir den Fluss heute nicht mehr zu queren, sondern schlagen direkt an der Furtstelle unser Lager auf einem kleinen Hügel auf. Da es recht stark regnet, nehmen wir unsere Mahlzeit im Zelt ein und schlafen direkt danach auch ein. Es regnet die ganze Nacht durch.

charlie
05.09.2010, 16:06
@willo
ein grosses danke schön für das schnelle weiterberichten:wohoo:
ihr habt ja russische militärkarten für die wegfindung benutzt.
wie genau waren die oder sind extra fehler ein in die karten eingebaut worden?
was für karten hatten denn die russischen bergsteiger /wanderer?

grüsse charlie

willo
05.09.2010, 19:38
Die Karten waren sehr gut. Wir hatten sie in 1:50000 und 1:200000. Benutzt haben wir fast immer die 1:200000. Warum das Militär seine eigenen Karten ungenau machen sollte verstehe ich allerdings nicht, uns ist jedenfalls nchts aufgefallen.
Anzumerken ist aber, das die Karten von 1984 sind und somit zum Beispiel die Gletscherzungen einige Kilometer kürzer sind als auf den Karten. Auch einige Trampelpfade waren nur noch mit Fantasie zu erkennen.

Alle Russen die wir getroffen hatten, haben diese Karten benutzt. Wir haben während der ganzen Reise auch keine anderen irgendwo in Buchläden und co. gefunden.

Grüße,
Heiko

Eggi
06.09.2010, 12:10
Dein Bericht liest sich wirklich klasse - vielen Dank.

Mit der Frage wegen den evtl. ungenauen militärischen Karten würde ich als Laie vermuten, dass vielleicht das Militär unter Umständen auch falsche Karten im Umlauf hat, um evtl. den "Feind" zu verwirren, wenn er eine in seine Hände bekommt. Ist aber nur die Vermutung als militärischer Laie, der nicht gedient hat, meinerseits.

mastersergeant
06.09.2010, 19:56
Whow :o
Toller Bericht, super tour

Gruß Stef

Goettergatte
06.09.2010, 20:08
An dieser Stelle auch von mir jetzt meinen besten Dank für diesen Bericht.
Mir fehlte der Mut dazu, obwohl meine Sarekmaniac fließend Russisch spricht.

willo
06.09.2010, 20:21
Mit ausreichend Russischkenntnissen sollte sich der Trip nur unwesentlich von einem nach Schweden unterscheiden. Ausgenommen die Fahrweise des Nahverkehrs gibt es nichts wofür man besonderen Mut bräuchte :bg:

barleybreeder
06.09.2010, 20:50
Mit ausreichend Russischkenntnissen sollte sich der Trip nur unwesentlich von einem nach Schweden unterscheiden.

Na dann kommen meine 10 Jahre Russisch ja vielleicht doch noch mal zum Einsatz..:grins:

willo
07.09.2010, 16:30
Tag 10: 2.8.2010 - Trekkingtag 7

http://img.album.de/files/images/screen/182/18220797788753.jpg
20100802-Russland Altai von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822079/20100802-russland-altai.cfm)

Wir bleiben solange in den Zelten, bis gegen 10.00 Uhr endlich der Regen aufhört. Vorher ziehen noch eine Herde Kühe und einige Pferde über unseren Zeltplatz direkt an den Zelten vorbei. Wie gewohnt wird er direkt von starkem Sonnenschein und blauem Himmel abgelöst. Also können wir noch schön unsere Sachen trocknen und uns ausgiebig im klaren Wasser des Flusses waschen. Nach dem obligatorischen Müsli geht es sofort an das Furten des hier wirklich reissenden Flusses. Wie immer extrem kalt und auf Flip Flops ein echter Balanceakt.

http://img.album.de/files/images/screen/182/18220402219962.jpg
20100802-Russland Altai-4 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822040/20100802-russland-altai-4.cfm)

http://img.album.de/files/images/screen/182/18220468468504.jpg
20100802-Russland Altai-10 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822046/20100802-russland-altai-10.cfm)

http://img.album.de/files/images/screen/182/18221343257184.jpg
20100803-Russland Altai von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822134/20100803-russland-altai.cfm)

Nach einem kleinen Aufstieg erreichen wir eine der schönsten Stellen der ganzen Tour: Eine gigantische Hochebene mit feuchten Wiesen und zwei großen Seen. Der Kontrast aus blauem Himmel, grünen Wiesen und weissen Bergen ist einmalig. Dazu treibt der Wind noch strahlend weisse Schönwetterwolken auf der einen Seite, auf der anderen dunkle Regenwolken über den Himmel - wir sind beeindruckt. Als ich für ein Foto (hab ja nur mein Superweitwinkel dabei) etwas näher an den See rangehe, huscht eine wirklich riesige Kreuzotter über meine Schuhe. Ich bin dermaßen perplex, dass an ein Foto nicht zu denken ist. Leider finde ich sie im dichten Gras auch nicht wieder, will aber auch nicht alles zertrampeln.

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20100802-Russland Altai-13 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822049/20100802-russland-altai-13.cfm)

http://img.album.de/files/images/screen/184/18400062365638.jpg
Ich auf Schlangensuche. (http://www.album.de/bild/1840006/schlange-suchen-altai.cfm)

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20100802-Russland Altai-18 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822055/20100802-russland-altai-18.cfm)

Die ca. zehn Kilometer langer Ebene ist wirklich ein Fest für Fotografen und wir kommen aus dem Staunen kaum noch raus. Über der Ebene kreisen unzählige junge Steppenadler und ich bereue zum ersten mal auf einer Tour, mein Teleobjektiv nicht dabei zu haben.

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Ich, beim Beobachten eines Adlers. (http://www.album.de/bild/1840007/adler-beobachten-altai.cfm)

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Ein Adlerpärchen. (http://www.album.de/bild/1840008/steinadlerpaerchen-altai.cfm)

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20100802-Russland Altai-26 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822063/20100802-russland-altai-26.cfm)

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20100802-Russland Altai-34 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822071/20100802-russland-altai-34.cfm)

Am Ende dieser Ebene gibt es einen kleinen aber knackigen Aufstieg auf eine weitere Ebene auf der auch der zweite See liegt. Hier treffen wir auch die einzigen beiden Menschen die wir an diesem Tag sehen werden. Es sind zwei schwer bepackte Bergsteiger mit gigantischen Rucksäcken die wohl in Richtung Basecamp unterwegs sind. Autos sehen wir bis zum Ende der Tour überhaupt nicht mehr.

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20100802-Russland Altai-38 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822075/20100802-russland-altai-38.cfm)

An dem hinteren der beiden Seen befindet sich eine verlassene Sommerweide mit einigen Hütten. Vor den meisten Gehöften steht hier ein bearbeiteter Holzpfahl, der wahrscheinlich eine religiöse Bedeutung hatdie uns aber leider verborgen bleibt.

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Religiöser Pfahl? von Kati79 - Album.de (http://www.album.de/bild/1840009/religioeser-pfahl-altai.cfm)

Bei bestem Sommerwetter machen wir hier unsere Mittagspause und spekulieren über ein Bad im See. Leider wird daraus nichts, da binnen Minuten das Wetter umschlägt und der Himmel komplett zuzieht. Es wird dunkel und kalt. Bei einsetzendem Regen suchen wir in einer der primitiven Hütten unterschlupf und warten ab, bis wenigstens der Regen aufhört und am Himmel wieder etwas Blau zu sehen ist. Leider bleibt das Wetter nicht stabil und nach einigen Kilometern steigen wir auf Regenklamotten um.

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20100802-Russland Altai-39 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822076/20100802-russland-altai-39.cfm)

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20100802-Russland Altai-41 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822078/20100802-russland-altai-41.cfm)


Nun geht es bei leichtem Niesel wieder in die Waldzone direkt am Gebirge. Nach einem 200m Aufstieg geht es im Wald sofort wieder steil Bergab. Der nun folgende Abstieg kostet uns 400 Höhenmeter und ist wegen seiner extremen Steilheit eine wirkliche Belastung für unsere Knie.

Am Ende des Abstiegs wartet wieder der Fluss auf uns, der diesmal sogar über eine rudimentäre Brücke aus Baumstämmen verfügt. Wir beschließen an der Brücke unser Lager aufzuschlagen, da der Platz hier sehr schön ist und es auf der anderen Seite erstmal wieder einige hundert Meter hoch geht. Kaum liegen wir in unseren Zelten fängt es auch wieder stärker an zu regnen, was sich für den Rest der Nacht nicht mehr ändern sollte.

Tag 11: 3.8.2010 - Trekkingtag 8

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20100803-Russland Altai-2 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822080/20100803-russland-altai-2.cfm)

Am Morgen hört pünktlich zum Aufstehen der Regen auf und das komplette Grau des Himmels wird wieder durch ein sattes Blau ersetzt. Ich wasche sämtliche Klamotten die ich mit habe und lege sie zum Trocknen in die Sonne. Nach einer Stunde sind sie trocken und wir können aufbrechen. Heute wollen wir in ein weiteres Hochtal laufen, in dem laut Karte zwei Gebirgsseen sein sollen.

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20100803-Russland Altai-3 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822081/20100803-russland-altai-3.cfm)

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20100803-Russland Altai-5 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822083/20100803-russland-altai-5.cfm)

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20100803-Russland Altai-8 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822086/20100803-russland-altai-8.cfm)

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20100803-Russland Altai-10 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822088/20100803-russland-altai-10.cfm)

Beim Queren der Brücke sehen wir ein Schild an einem Baum, welches den Service von Igors Cafe anpreist, das nur einen Kilometer entfernt sein soll und Schaschlik und Bier anbietet. Wir wundern uns über ein Café mitten in der Einöde und ziehen weiter in Richtung Berge. Nach einem ordentlichen Anstieg finden wir auf einer kleinen Ebene tatsächlich ein leeres Haus nebst angeschlossener (ebenfalls leerer) Verkaufsbude. Hier gab es wohl einmal den Schaschlik. Nun folgen wir, getreu dem Motto “Nach oben müssen wir sowieso”, einfach dem Trampelpfad auf dem wir uns befinden, obwohl uns Kati darauf hinweist, dass wir laut Karte in eine etwas andere Richtung müssen. Nach einem sehr knackigen Aufstieg endet der Trampelpfad an einem kleinen Stall und einigen Kühen. Hätten wir besser auf Kati gehört.

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20100803-Russland Altai-16 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822095/20100803-russland-altai-16.cfm)

Doch anstatt umzukehren wollen wir lieber einen noch kleineren Pfad nehmen, der vage in die richtige Richtung führt, aber dafür die Höhe hält. Der Pfad wird immer kleiner und treibt uns immer mehr ins Unterholz. Zeitweise verschwindet er ganz. Irgendwann begreifen wir, auch ob der zahlreichen Kuhfladen auf dem Weg, dass dieser nicht von Wanderern mit dem selben Ziel wie wir ertrampelt wurde, sondern von umherstreifenden Kühen. Seis drum, zum umkehren sind wir schon zu weit und vor allem zu hoch. Ausserdem geht der Pfad ja noch weiter und die Richtung stimmt auch ungefähr. Irgendwann erreichen wir den höchsten Punkt der Gegend und stehen auf einem schmalen Kamm. Der Bewuchs besteht hier aus dichtem Unterholz und niedrigem Buschwerk. Spannend ist es für uns allemal, da es sich um einen echten Urwald handeln dürfte, der noch nie in seiner Geschichte irgendeine Art von Forstwirtschaft gesehen hat. Dementsprechend liegen überall umgekippte Bäume in allen Stufen der Zersetzung im Weg und es geht nur sehr langsam voran.

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20100803-Russland Altai-18 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822097/20100803-russland-altai-18.cfm)

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20100803-Russland Altai-20 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822099/20100803-russland-altai-20.cfm)

Als wir den Punkt erreichen an dem es in alle Richtungen nur noch steil bergab geht, beschließen wir die Taktik zu ändern und direkt Luftlinie auf den Fluss zuzugehen der aus den beiden Seen entspringt die unser Tagesziel sind und diesen dann entlang zu wandern. Nach einigem Gewühle durchs Unterholz können wir den Fluss bereits hören und nach einer weiteren Kurve stehen wir an einem Abhang und weit unter uns fließt der reissende Gebirgsbach. In Richtung Gebirge gibt es hier allerdings wieder einen kleinen Trampelpfad und das Vorankommen wird etwas einfacher. Bei der ersten Gelegenheit steigen wir zum Fluss hinunter und machen auf einer kleinen Insel im reissenden Strom unsere Mittagspause. Es ist wirklich herrlich hier!

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Am Gletscherbach von Kati79 - Album.de (http://www.album.de/bild/1840010/am-gletscherbach-altai.cfm)

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Profikocher im Einsatz (http://www.album.de/bild/1822102/20100803-russland-altai-23.cfm)

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20100803-Russland Altai-26 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822105/20100803-russland-altai-26.cfm)

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20100803-Russland Altai-27 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822106/20100803-russland-altai-27.cfm)

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20100803-Russland Altai-29 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822108/20100803-russland-altai-29.cfm)

Nach der ausgedehnten Pause geht es wieder kontinuierlich nach oben, immer am Fluss entlang. Irgendwann tauchen wir wieder vollständig in den Wald ein und können den Fluss nur noch hören. Der Weg wird immer steiler und wieder schwieriger zu laufen. Wir kommen an einigen guten Zeltplätzen vorbei, doch uns zieht es nach oben. Als wir schliesslich die Baumgrenze erreichen, wird uns klar, dass es nochmal mindestens hundert Höhenmeter bis zu den Seen werden würden. Carsten fühlt sich nicht wohl und befürchtet das Aufkeimen einer Krankheit und will daher den Aufstieg nicht mehr machen. Kati und ich entledigen uns unseres Gepäcks und nehmen die restlichen Meter nur mit den Kamerataschen als Ballast.

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20100803-Russland Altai-31 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822110/20100803-russland-altai-31.cfm)

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20100803-Russland Altai-33 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822113/20100803-russland-altai-33.cfm)

Was wir nun sehen verschlägt uns fast die Sprache. Eingebettet in eine schroffe Berg- und Gletscherwelt liegt ein knallblauer See in der Abendsonne, dessen Grund offensichtlich immernoch aus Eis besteht. Ein wirklich beeindruckender Anblick. Wir steigen nach einer halben Stunde des Verweilens noch weiter bis auf fast 2500 Meter auf und erreichen den zweiten See. Hinter ihm liegt ein gewaltiger Gletscher, dessen Zunge bis vor kurzem wohl noch das schmale Tal, in dem wir uns jetzt befinden, ausgefüllt haben muss. Wir warten noch auf das verschwinden der Abendsonne hinter dem Kamm und kehren dann zu Carsten und dem Gepäck zurück.

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20100803-Russland Altai-34 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822114/20100803-russland-altai-34.cfm)

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20100803-Russland Altai-35 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822116/20100803-russland-altai-35.cfm)

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20100803-Russland Altai-37 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822118/20100803-russland-altai-37.cfm)

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20100803-Russland Altai-40 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822121/20100803-russland-altai-40.cfm)

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20100803-Russland Altai-42 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822124/20100803-russland-altai-42.cfm)

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20100803-Russland Altai-44 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822126/20100803-russland-altai-44.cfm)

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20100803-Russland Altai-45 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822127/20100803-russland-altai-45.cfm)

Als Nachtlager einigen wir uns auf einen der guten Plätze die wir weiter unten gesehen haben. Wir steigen dafür wieder auf 2100 Meter ab, müssen dann aber feststellen, dass der Lagerplatz bereits von einer Gruppe russischer Bergsteiger belegt ist. Diese geben uns aber sofort zu verstehen, dass wir trotzdem auch hier zelten sollen. Sie bieten uns heissen Tee an und interessieren sich für unsere bisherige Wanderroute. Wir zeigen ihnen anhand einer kleinen Karte den groben Verlauf unser bisherigen Tour und die weitere Planung. Da es wieder empfindlich kalt geworden ist, sitzen wir nicht mehr lange am Lagerfeuer, sondern ziehen uns in unsere Zelte zurück. Am Lagerfeuer wird eine Gitarre rausgeholt und noch eine halbe Stunde gesungen. Eine willkommene Abwechslung zum Einschlafen. Musik haben wir uns nämlich aus Gewichtsgründen gespart.

Tag 12: 4.8.2010 - Trekkingtag 9

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Spuren des Nachtfrostes (http://www.album.de/bild/1822135/20100804-russland-altai-2.cfm)

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20100804-Russland Altai-5 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822138/20100804-russland-altai-5.cfm)

Ich stehe diesen Morgen recht früh auf und komme mir vor wie in einer Winterlandschaft. Alle Blumen und Gräser sind mit einer recht dicken Schicht Raureif bedeckt und glitzern in der Morgensonne. Leider bestätigt sich die Vorahnung vom Vortag und Carsten ist wirklich krank geworden. Beim Frühstück komme ich erneut mit den russischen Bergsteigern ins Gespräch. Sie wundern sich über unsere “winzigen” Rucksäcke und fragen sich wie man in ein paar Tagen diese Stelle hier erreichen konnte. Als ich ihnen erkläre, dass wir keine Tagesausflügler sind, sondern schon 9 Tage auf Tour sind, können sie es kaum glauben. Allerdings mutet mein 58 l Rucksack gegen ihre 110 l Rucksäcke an die noch einiges außen rangeschnallt ist, tatsächlich winzig an.

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110l Rucksack voll bepackt. Wenn er grün wäre, hätten andere user definitiv keine Schrankwand mehr... (http://www.album.de/bild/1822139/20100804-russland-altai-6.cfm)

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Kati überlegt ob sie als blinder Passagier das Team wechseln soll (http://www.album.de/bild/1822140/20100804-russland-altai-7.cfm)

Die Idee Ausrüstung nach Gewicht und Packmaß zu kaufen, ist ihnen einfach noch nie gekommen. Allerdings schleppen sie auch eine komplette Bergsteigerausrüstung nebst Eisbohrer, Eispickel, Helm und Seilen mit sich rum. In diesem besonderen Fall hatten war sogar eine Gitarre dabei. Zudem gibt es in Russland kein Travellunch zu kaufen, so dass sie eine große Menge Konservendosen dabeihaben und verschiedene Töpfe, die sie übers Feuer hängen können. Wir schenken ihnen noch eine Packung Globi Mousse au Chocolat über die sie sich riesig freuen. Nächstes mal sollten wir definitiv mehr verschenkbare Lebensmittel mitnehmen, da uns überall im Gebirge Tee, Suppe und Schokolade angeboten wurde und wir wegen unserer abgezählten Minimalverpflegung ansich nie die Gastfreundschaft erwidern konnten.

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20100804-Russland Altai-9 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822142/20100804-russland-altai-9.cfm)

Nachdem sich die Russen verabschiedet haben und zum Training für den Aktru zu den Gletschern an den beiden Seen aufsteigen, unternehmen Kati und ich noch einen Ausflug auf einen der umliegenden Berge, während Carsten im Zelt seine Krankheit auskuriert.

Nach einem harten Aufstieg befinden Kati und ich uns auf einem langezogenen Kamm, der auf der einen Seite nochmal den Blick auf die unten liegen beiden Seen eröffnet und auf der gegenüberliegenden Seite die Sicht auf eine weite Steppenebene freigibt. Leider sind hier oben extrem viele Pferdebremsen und auch einige Mücken anzutreffen, so dass wir bald wieder absteigen. An einem Geröllfeld beobachten wir noch eine Weile einen Altai-Pfeiffhasen bei der Nahrungssuche und erreichen gegen Mittag wieder das Camp.

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20100804-Russland Altai-11 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822144/20100804-russland-altai-11.cfm)

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20100804-Russland Altai-14 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822147/20100804-russland-altai-14.cfm)

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20100804-Russland Altai-18 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822151/20100804-russland-altai-18.cfm)

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20100804-Russland Altai-19 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822152/20100804-russland-altai-19.cfm)

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20100804-Russland Altai-21 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822154/20100804-russland-altai-21.cfm)

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Das ist ein Altai-Pfeiffhase. Sieht aus wie ein Meerschwein und macht auch ähnliche Geräusche. Er ist aber wesentlich agiler als ein Meerschwein. (http://www.album.de/bild/1840012/altai-pfeiffhase2-altai.cfm)

Carsten geht es wieder etwas besser und er fühlt sich fit genug um den Abstieg am Fluss entlang zu wagen.

Der Abstieg selber ist für mich eher eine Belastung als eine schöne Wanderung. Zum einen sind wir die Strecke ja schon am Vortrag gegangen und zum anderen brennt die Sonne dermaßen stark heute, dass ich davon Kopfschmerzen bekomme. Als wir einen Abzweiger im Fluss erreichen tut sich die Möglichkeit auf, nicht weiter abzusteigen, sondern noch in eine anderes Tal wieder aufzusteigen.

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20100804-Russland Altai-24 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822157/20100804-russland-altai-24.cfm)

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20100804-Russland Altai-25 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822158/20100804-russland-altai-25.cfm)

Dazu gilt es allerdings den Fluss komplett zu überqueren. Nach dem balancieren über einige Baumstämme und dem Springen über einige Steine, trennt uns immer noch der Hauptstrom von unserem Ziel und wir beschließen etwas am Fluss entlangzulaufen. Leider findet sich keine geeignete Stelle und irgendwann befinden wir uns wieder auf dem eigentlichen Weg, an unserem ursprünglichen Fluss hinunter. An dieser Stelle kommt uns in den Sinn, dass manch ein Weg im Altai saisonbedingt machbar ist, andere dafür aber nicht. Der Fluss durch den wir wollten, war viel zu tief, zu kalt und zu reißend, als dass wir ihn dort hätten überwinden können. Also beschließen wir erneut an der Brücke von vorgestern zu campen und erreichen diese auch am frühen Abend.

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20100804-Russland Altai-28 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822161/20100804-russland-altai-28.cfm)

Sternenstaub
07.09.2010, 21:25
Das ist wirklich ein richtig schöner und spannender Reisebericht!
Ich freue mich schon darauf, die Fotos demnächst mal in groß zu sehen! Hat Carsten auch fotografiert? Ich hoffe doch...

willo
07.09.2010, 23:30
Danke für das Lob, da macht es doch Spass weiter am nächsten Teil zu schreiben! Carsten hat auch fotografiert, allerdings mit ner kleinen Kompakten.

Markus K.
08.09.2010, 10:59
Hi Willo,
sehr feiner Bericht. Weiss jemand um die Bedeutung dieser bearbeiteten Holzpfähle?

flosi79
08.09.2010, 12:09
Hi Willo,
sehr feiner Bericht. Weiss jemand um die Bedeutung dieser bearbeiteten Holzpfähle?

In der Altai-Region ist der sog. Schamanismus noch sehr verbreitet. Soweit ich mich erinnere hat es etwas mit den Geistern zu tun. Diese Holspfähle stellen eine Verbindung zwischen der realen und der Welt der Geister dar.

Aber keine Garantie auf 100% Korrektheit!

gelöschter Nutzer
09.09.2010, 08:02
Freue mich ebenfalls schon auf die Fortsetzung :)

Das lesen hält ab den eigenen entlich mal fertig zu stellen :baetsch:

Ixylon
09.09.2010, 14:38
Hat Carsten auch fotografiert? Ich hoffe doch...

Aber sicher doch. Allerdings wie Heiko schon sagte mit ner kleinen Digiknipse. Es hätte kaum Sinn gemacht, noch eine dritte Spiegelreflex mitzunehmen zumal ich an die genialen Bilder von Heiko und Kati wohl eh nicht rangekommen wäre. Also lieber ne kleine unaufällige Kamera für die Situationen, in denen man die große Spiegelreflex doch lieber nicht rausholt. Die ganzen Bilder bis zum Start in Kurai sind z.B. von mir.

willo
13.09.2010, 13:53
Tag 13: 5.8.2010 - Trekkingtag 10

Da wir nur noch Nahrung für 4-5 Tage haben, gestaltet sich die Planung der nächsten Tage etwas schwierig. Ein Rundkurs ist in der kurzen Zeit nicht mehr machbar, dazu fehlen uns die zwei Tage die wir durch meine und Carstens Krankheit verloren haben. Also beschließen wir noch ein weiteres Tal zu erwandern und die Trekkingtour schon nach dreizehn Tagen enden zu lassen. Dafür würde dann noch etwas Zeit für etwas Backpacking durch die größeren Städte bleiben.

Wir brechen am Morgen wieder an der Brücke und der Schaschlikwerbung auf. Diesmal müssen wir aber den höchsten Punkt des Berghanges überwinden. Da kommt es uns sehr zu gute, dass wir mal relativ früh aufgebrochen sind und noch nicht in der prallen Tagessonne laufen.

Der Aufstieg ist dermaßen steil, das ich mehrmals innehalten muss, um wieder zu Atem zu kommen. Dafür wird wie zu erwarten die Aussicht mit jedem Meter besser. Nach dem Durchqueren eines kleinen Waldstückes befinden wir uns plötzlich auf der Ebene, die Kati und ich am Vortag bereits von oben gesehen haben.

http://img.album.de/files/images/screen/184/18456473800427.jpg
_MG_8769 von Kati79 - Album.de (http://www.album.de/bild/1845647/-mg-8769.cfm)

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_MG_8787 von Kati79 - Album.de (http://www.album.de/bild/1845650/-mg-8787.cfm)

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20100805-Russland Altai-13 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822175/20100805-russland-altai-13.cfm)

Der Himmel bietet heute mit Cirruswolken in allen möglichen Formationen ein ganz besonderes Schauspiel und die Fotoapparate laufen wieder mal heiss. Erneut treffen wir auf eine sehr große Herde wild umherstreifender Pferde und sehen wieder viele Adler. Das Wetter ist jetzt schon seit Tagen stabil und die Sonne brennt gnadenlos. Am Ende der Ebene geht es wieder aufwärts und am höchsten Punkt beschließen wir unsere Mittagspause unter ein paar uralten knorrigen Bäumen zu machen. Im Schatten ist es so kalt, dass wir unsere Jacken anziehen müssen.

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20100805-Russland Altai-30 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822193/20100805-russland-altai-30.cfm)


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20100805-Russland Altai-9 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822170/20100805-russland-altai-9.cfm)

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20100805-Russland Altai-11 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822173/20100805-russland-altai-11.cfm)

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20100805-Russland Altai-12 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822174/20100805-russland-altai-12.cfm)

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20100805-Russland Altai-16 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822178/20100805-russland-altai-16.cfm)

Danach geht es weiter auf einem recht ausgetretenen Pfad erneut in Richtung Berge. Wir treffen eine Gruppe Russen die mit Packpferden unterwegs sind und im Schatten der Bäume eine Rast machen. Auf einem kleinen Hochplateau treffen wir einen Fotografen mit Trekkingrucksack und Stativ. Wir kommen kurz ins Gespräch und es stellt sich heraus, dass er der Betreiber der Fotoseite ist, die wir zur Planung der “must have” Sehenswürdigkeiten herangezogen haben. Leider ist sein Englisch so schlecht, dass ich ihm das nicht so ganz klar machen kann - er hätte sich sehr gefreut. Da er mir aber seine Karte gibt, werde ich ihm das per Mail schreiben.

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20100805-Russland Altai-21 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822184/20100805-russland-altai-21.cfm)

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20100805-Russland Altai-33 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822196/20100805-russland-altai-33.cfm)

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20100805-Russland Altai-36 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822199/20100805-russland-altai-36.cfm)

Auf einem Stein sitzend treffen wir noch ein älteres Ehepaar die mit Hanfseilen und einem Eispickel mit Stil aus Holz ebenfalls ins Gebirge unterwegs sind. Der Mann zeigt uns, wo zwischen den schneebedeckten Berge, der höchste der Region liegt.

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_MG_8811 von Kati79 - Album.de (http://www.album.de/bild/1845655/-mg-8811.cfm)

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20100805-Russland Altai-39 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822202/20100805-russland-altai-39.cfm)

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20100805-Russland Altai-41 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822204/20100805-russland-altai-41.cfm)

Dort wo er sitzt, befindet sich ein Pfahl, der mit jeder Menge Fetzen vollgehängt ist. Diese Stelle sieht fast aus, wie ein Eingang in die Bergwelt. Die meisten Menschen, die wir hier treffen, müssen einen Ein- oder Zeitagesmarsch von Chibit hinter sich haben, um hier anzukommen. Die Kulisse, die sich uns hier eröffnet ist wirklich großartig. Eine sumpfige und daher blumenreiche Ebene, die bestimmt einen Durchmesser von 5 km hat. Sie ist umgeben von Bergen. Große Grüne sind dabei, schneebedeckte und hohe Kämme. An Anblick, an dem man sich nicht sattsehen kann.Wir orientieren uns wieder am Fluss und steigen in Richtung Tal ab. Leider schaffen wir es erneut nicht eine geeignete Stelle zum überqueren des Flusses zu finden und wandern ihn somit an der “falschen Seite” entlang. Da sich hier aber ein gut ausgetretener Pfad befindet, waren wir in diesem Jahr sicher nicht die ersten, die diese Route gewählt haben. Wir finden trotzdem eine Stelle zum Campen und nehmen sogar ein Bad im Fluss - aufgrund der Kälte recht schmerzhaft, aber das Wasser ist herrlich klar. Und weil wir von 9 Uhr morgens bis 18.30 Uhr in knalliger Sonne, ohne eine Wolke, fast ohne Bäume, bergauf und bergab gelaufen sind, ist die Erfrischung und Abkühlung im Wasser sehr entspannend. Obwohl sich hier bereits eine Feuerstelle befindet, ist dieser Lagerplatz der wildeste der ganzen Tour. Kurz vor uns müssen andere Wanderer diesen Platz erst geschaffen haben. Das Gestrüpp auf dem wir zelten, bäumt sich allerdings noch leicht auf und ist wahrscheinlich bisher nur ein oder zweimal zum Zelten benutzt worden. Fünf Meter neben uns rauscht der Gebirgsbach entlang und die Lautstärke erinnert stark an ein Wasserkraftwerk. Hier huschen auch ab und zu Mäuse am Ufer entlang.

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Harter Opinel Survival Einsatz! (http://www.album.de/bild/1845659/-mg-8824.cfm)

Am Abend kam dann noch der große Moment an dem ich zum ersten mal während der letzten drei Touren mein Opinel zum Einsatz bringe! Ich entferne von einem Stück Holz die Rinde und baue daraus eine adäquate Bank. Somit kann ich als einziger im Sitzen essen, ohne mir die Hose dreckig zu machen - was für ein Erfolg für mich und mein Messer. Der Gedanke, nächstes mal ohne Messer loszugehen, wird natürlich sofort verworfen.

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20100805-Russland Altai-45 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822208/20100805-russland-altai-45.cfm)

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20100805-Russland Altai-48 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822211/20100805-russland-altai-48.cfm)

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Meine komplette Ausrüstung (http://www.album.de/bild/1822252/20100807-russland-altai.cfm)

Tag 14: 6.8.2010 - Trekkingtag 11

Nach dem Frühstück gehen wir wieder ein Stück den Fluss hoch und zweigen an der Stelle wo wir gestern den Fotografen getroffen haben in Richtung Chibit (dem Ende unserer Tour) ab.

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_MG_8828 von Kati79 - Album.de (http://www.album.de/bild/1845664/-mg-8828.cfm)

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Eine Reisegruppe mit Pferden auf dem Weg in die Berge hinein (http://www.album.de/bild/1845667/-mg-8838.cfm)

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20100806-Russland Altai-11 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822223/20100806-russland-altai-11.cfm)

Faszinierend ist dann noch eine Wolkenformation, die sich genau in der optischen Achse mit einem Berg befindet, so dass das ganze an einen Vulkan erinnert.

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20100806-Russland Altai-3 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822215/20100806-russland-altai-3.cfm)

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20100806-Russland Altai-5 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822217/20100806-russland-altai-5.cfm)

Das nun folgende Stück sollte ansich laut Karte ein Pfad entlangführen, der ist aber kaum noch erkennbar und anscheinend seit Jahren nicht mehr begangen worden. Wir hoffen innerlich, dass es dafür keine gewichtigen Gründe gibt. Ein vorstellbarer Grund ist zumindest die immense Anzahl von Pferdebremsen die uns auf diesem Stück begleitet. Wir bewegen uns an einer sumpfigen Hochebene entlang, an deren Rändern das Wasser herausgepresst wird und kleine Bäche bildet. Das feuchte Gelände ist artenreich an Pflanzen und Insekten. Zum ersten mal auf dieser Tour lege ich etwas Eau de Autan auf und habe zumindest temporär meine Ruhe. Katis blauer Rucksack scheint sie jedoch magisch anzuziehen und zeitweilig lassen sich darauf bestimmt 50 Exemplare ein Stück mitnehmen.

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_MG_8847 von Kati79 - Album.de (http://www.album.de/bild/1845671/-mg-8847.cfm)

Da am Horizont über den Bergen dunkle Wolken aufziehen, entscheiden wir, einen Tag früher als geplant den Abstieg anzutreten. Ansonsten müssten wir direkt in die Gewitterwolken hineinlaufen, um noch eine neue Gegend entdecken zu können.

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Blick nach hinten (http://www.album.de/bild/1822228/20100806-russland-altai-16.cfm)

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Blick nach Vorne - von der selben Position (http://www.album.de/bild/1822229/20100806-russland-altai-17.cfm)

Nach einigen Kilometern müssen wir laut Karte genau zwischen zwei Gipfeln hindurch und dann in ein Tal absteigen. Leider befindet sich der Pass nicht auf unserer Höhe, sondern ungefähr 200 Meter über uns. Aufgrund der Bremsenplage renne ich den Berg förmlich nach oben und komme zwanzig Minuten vor den anderen beiden und völlig erschöpft oben an. Der Pass ist eine wunderschöne Ebene mit herrlicher Aussicht in zwei Richtungen und fast bremsenfrei. Wir machen hier oben unsere Mittagspause und ruhen noch etwas aus.

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Carsten trocknet sein zelt im Wind (http://www.album.de/bild/1822230/20100806-russland-altai-18.cfm)

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20100806-Russland Altai-19 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822231/20100806-russland-altai-19.cfm)

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20100806-Russland Altai-21 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822233/20100806-russland-altai-21.cfm)

Dann ist der Zeitpunkt gekommen, das Hochgebirge endgültig zu verlassen und nur noch abzusteigen. Es geht sehr steil durchs Unterholz nach unten und über einige recht schön anzusehende Feuchtwiesen, die aufgrund ihrer Insektenfülle nicht zum Verweilen einladen. An einigen Stellen geht es sehr steil bergab. Der Weg ist fast nicht erkennbar. Es sieht an vielen Stellen so aus, als wären wir die Ersten, die in diesem Sommer hier langgelaufen sind. Nach einem weiteren mal Furten stehen wir plötzlich auf einem recht breiten Weg - es gibt also noch eine zweite Möglichkeit zum Abstieg zu gelangen, wahrscheinlich ohne vorher nochmal ordentlich aufzusteigen. Seis drum. Von nun an geht es durch den Wald immer an einem Bach entlang und steil nach unten, insgesamt werden es ungefähr 600 m. Gegen Abend erreichen wir einen schönen Lagerplatz direkt am Wasser und bauen unser Lager auf. Hier treffen wir auch wieder auf ein paar andere Wanderer die uns entgegen kommen und hier rasten. Auch Pferdetouren kommen hier vorbei.

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20100806-Russland Altai-22 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822234/20100806-russland-altai-22.cfm)


Tag 15: 7.8.2010 - Trekkingtag 12

Der vorletzte geplante Wandertag bricht an. Für heute ist der Rest des Abstieges in Richtung Chibit dran, um von dort aus weiter in Richtung Aktasch zu gelangen. Nach einer weiteren Nacht im Zelt, an noch unklarer Stelle, würde uns von Aktasch früh um sieben der Bus Richtung Gorno-Altaisk bringen - so der Plan.

Erstmal geht es nach dem Frühstück jedoch in einem ständigen Auf und Ab weiter nach unten. Der Weg ist jedoch durch Pferde komplett zerstört und von tiefen Matschfurchen durchzogen. Ein Ausweichen zur Seite ist auch kaum möglich, da die Pferde auch schon auf diese Idee gekommen waren und der Waldboden teilweise auf zehn Meter breite zerstört war. Wir beginnen zu begreifen, dass ein Verbot von Pferden (so wie in deutschen Wäldern) durchaus seine Berechtigung hat.

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20100807-Russland Altai-2 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822236/20100807-russland-altai-2.cfm)

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20100807-Russland Altai-3 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822237/20100807-russland-altai-3.cfm)

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20100807-Russland Altai-4 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822238/20100807-russland-altai-4.cfm)

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20100807-Russland Altai-6 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822240/20100807-russland-altai-6.cfm)

Irgendwann verlassen wir den Wald und haben nach einer leichten Kurve einen beeindruckenden Blick auf Chibit. Zwischen uns und dem Dorf ist aber ein riesiger Fluss und wir werden auf eine Brücke angewiesen sein. Erstmal müssen wir aber noch einige hundert Meter weiter absteigen. Die nächsten Kilometer entfernen wir uns wieder von Chibit und laufen den Fluss in der “falschen” Richtung entlang, da hier auf der Karte eine Brücke eingezeichnet ist. Der nicht zu verhindernde Umweg ist ca. 5 bis 6 km lang. Nach überqueren der Brücke müssen wir auf der anderen Seite des Flusses wieder die ganze Strecke zurück laufen, immer entlang der M52 - der einzigen Strasse durch die Republik Altai. Die Sehnsucht nach frisch gegrilltem Schaschlik und einem gekühlten Getränk mit Kohlensäure (wir haben alle unterschiedliche Vorlieben), treiben uns voran.

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20100807-Russland Altai-8 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822242/20100807-russland-altai-8.cfm)

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20100807-Russland Altai-12 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822246/20100807-russland-altai-12.cfm)

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20100807-Russland Altai-15 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822249/20100807-russland-altai-15.cfm)

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20100807-Russland Altai-16 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822250/20100807-russland-altai-16.cfm)

Nach einem Gewaltmarsch unter der sengenden Sonne landen wir schliesslich an einer Bushaltestelle am Rande von Chibit. Das dort wartende Pärchen behauptet, dass heute noch ein Bus in Richtung Gorno Altaisk ankommen würde. Wir können das nicht so richtig glauben, weil es schon fast 15 Uhr ist und der Bus auf der Hinfahrt, in halsbrecherischer Fahrweise, fast 7 Stunden gebraucht hat. Er würde dann entgegen unseren bisherigen Erfahrungen mitten in der Nacht in Gorno Altasik ankommen. Wir kommen jedoch nicht dazu das näher zu hinterfragen, denn plötzlich hält ein schrottreifer Lada an der Bushaltestelle, vollgepackt bis auf den Dachgepäckträger mit Leuten, die offensichtlich mit Gepäck in die Berge wollen. Der Fahrer gibt sein Auto als Taxi aus und verspricht eine Fahrt nach Gorno Altaisk in fünf Stunden. Er bittet uns 10 Minuten zu warten, weil er seine Fahrgäste in Aktash ausladen und dann zurückkommen will.

Nach kurzem Überlegen siegt bei uns die Aussicht auf eine Nacht im Hotel und eine warme Dusche. Ausserdem würden wir einen weiteren Tag gewinnen. Als Fahrpreis wurde sich auf 3000 Rubel geeinigt (ca. 75 € für alle zusammen und 360 km) und es ging auch schon los. Der Fahrer fuhr wie der Henker und ich hatte Angst um mein Leben. Er fuhr grundsätzlich 30-40 km/h zu schnell und überholte ohne Beachtung der Streckensituation oder des Gegenverkehrs. Bemerkenswert war auch, dass die anderen Verkehrsteilnehmer - nicht wie zum Beispiel in der Türkei, wo alle wie die Berserker heizen - völlig normal fuhren.

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_MG_8873 von Kati79 - Album.de (http://www.album.de/bild/1845674/-mg-8873.cfm)

Die Frontscheibe des Ladas war im Vergleich zu den Rissen, die wir bisher an den Frontscheiben von Bussen gesehen hatten, nicht nur ein Riss, sondern eine Netzspinne. Auf der Beifahrerseite konnte man kaum noch nach vorn sehen, weil sie so zerhackt war. Bei der ein oder anderen Bodenwelle knackte es verdächtig. Aber nun wissen wir, dass weder Steinschlag oder Risse in der Frontscheibe dazu führen, dass man irgendwann mit der Scheibe im Gesicht dasitzt. Als wir auf Höhe Tshemal vorbeifahren, ist es wie auf einem Jahrmarkt. Sehr viele Autos und Menschen. An den Ufern des Katun ist alle 50 m ein Zelt aufgebaut, neben dem ein Auto mit offener Gepäckluke steht aus der Bierbüchsen gucken. Es ist nicht das, was man als Naturliebhaber sucht.

Nach fünf Stunden finden wir uns wie versprochen am Busbahnhof von Gorno-Altaisk wieder. Hier nimmt uns gleich der Rest der Taxifahrermeute in Empfang und will uns diverse Anschlussfahrten andrehen. Wir gehen aber lieber in Richtung des Hotels, in dem wir auf der Hinreise übernachtet haben. Dort werden wir aber gleich wieder mit der typisch russischen Mischung aus absoluter Unfreundlichkeit und Sturheit konfrontiert, die wir in den Städten bisher erlebt hatten. Im Hotel teilte man uns kurzerhand mit, dass die Einzelzimmer keine Dusche hätten (wissen wir ja schon von der Hinreise) und man uns deshalb keines vermieten würde. Uns wurde lediglich die Version Doppelzimmer mit Schlafcouch angeboten. Es half alles nichts, wir mussten das Hotel, das offensichtlich komplett leer war, wieder verlassen und uns ein anderes suchen.

Da die Hotels aus dem Lonely Planet nicht mehr existieren, nicht auffindbar sind oder 4 km zu Fuß an der Hauptstraße weg vom Zentrum sind, irren wir etwas in der Stadt herum und finden schließlich ein anderes Hotel in einem riesiegen Plattenbau gegenüber der zentralen Lenin-Statue.

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_MG_8891 von Kati79 - Album.de (http://www.album.de/bild/1845677/-mg-8891.cfm)

Hier wollte man uns an der Rezeption schon fast wieder abblitzen lassen, bis man feststellte, dass wir deutsch sprechen - eine Sprache der auch die Dame an der Rezeption des Hotel “Tourist” mächtig ist. Also nehmen wir wie gewohnt ein Einzelzimmer ohne Dusche und die einzige Suite (Einzige Möglichkeit auf eine Dusche im Zimmer). Das Hotel selbst sieht von innen so aus wie ich mir als unbedarfter Wessi das Stasi-Gefängnis in Bautzen immer vorgestellt habe. Wir ahnen schlimmes und schließen unser Zimmer auf; erleben dann jedoch eine Überraschung: das Zimmer ist im tadellosen Zustand und das Bad nagelneu. Auch Carstens Einzelzimmer ist in gutem Zustand, strahlt jedoch den Charme vergangener Sowjetzeiten aus.

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20100808-Russland Altai-2 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822253/20100808-russland-altai-2.cfm)

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20100808-Russland Altai-3 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822254/20100808-russland-altai-3.cfm)

Wir versorgen uns noch im nahegelegenen Einkaufszentrum mit etwas Essen und dem lang ersehnten Erfrischungsgetränk und fallen hundemüde in unsere Betten.

Skysurfer
13.09.2010, 19:26
Ein wunderbarer Reisebericht bisher! Kann das Finale kaum abwarten! Weiter so!

elaso
14.09.2010, 11:44
Witzige Autofahrt!:bg:

willo
20.09.2010, 14:15
Tag 16: 8.8.2010 - Ruhetag

Nach dem Aufstehen und einem Frühstück aus dem Einkaufszentrum erkunden wir die leider recht langweilige Stadt. Unser Tagesziel, Turnschuhe zu besorgen, die in den kommenden Tagen die Wanderstiefel ersetzen sollen, rückt in weite Ferne. Wir laufen in Flip Flops und Sandale mehrere Kilometer weit die zwei großen Straßen rauf und runter. Es ist zum verrückt werden: In allen Schuh- und Sportläden gibt es exakt die selben Schuhe. Super schlecht gefälschte Markenschuhe von absolut gruselieger Qualität. Unter anderem Goretex Proshell Schuhe mit Adidas Logo im Asics Look. Ich kaufe irgendwann notgedrungen ein Paar. Leider ist der Laufkomfort schlechter als in meinem Flip Flops, aber immerhin bin ich raus aus den Stiefeln.

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20100808-Russland Altai-8 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822259/20100808-russland-altai-8.cfm)

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20100808-Russland Altai-9 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822260/20100808-russland-altai-9.cfm)

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20100808-Russland Altai-13 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822264/20100808-russland-altai-13.cfm)


Da wir noch einige Tage bis zum Rückflug haben, planen wir für den nächsten Tag die Fahrt zum See Teletzkoe der uns von mehreren Russen als eine der besten Destinationen im Altai empfohlen wurde. Der Teletzkoe soll der kleine Bruder des Baikal sein. Er ist ca. 50 km lang und hat einen Knick am oben Ende. im Winter friert er nicht zu und im Sommer soll er bis zu 20 Grad Wassertemperatur haben. Laut Reiseführer gibt es an seinem nördlichen Ende eine Turbaza (ein Art Feriendorf), bei der man zelten und deren Infrastruktur nutzen kann. Wir träumen uns in einsame Badebuchten an strahlend türkisem Wasser.

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Busbahnhof von Gorno Altaisk - Finde den Fehler... (http://www.album.de/bild/1822268/20100808-russland-altai-17.cfm)

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20100808-Russland Altai-21 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822272/20100808-russland-altai-21.cfm)

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20100808-Russland Altai-22 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822273/20100808-russland-altai-22.cfm)

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20100808-Russland Altai-24 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822275/20100808-russland-altai-24.cfm)


Tag 17: 9.8.2010 - Transfer zum See Teletzkoe

Donner und das Plärren einer Werbeanzeige vor dem Hotel, reißen uns uncharmant aus dem Schlaf. Früh Morgens verlassen wir das Hotel und gehen in Regenklamotten zum Busbahnhof, da es mittlerweile stark regnet. Dies ändert sich auch während der elendig langen (7 h) und über bucklige Nebenstraßen führenden Busfahrt nach Artybash nicht. Sie gleicht eher einer Schifffahrt als einer Busfahrt. Es gibt sehr viele enge Kurven, die den Bus in rhytmisches Schaukeln versetzen. Dafür treffen wir im Bus einen Schweizer Tourenradfahrer mit seinem kleinen Sohn, der 500 km Radtour durch den Altai hinter sich hat und ebenfalls noch mal zwei Tage an den großen See möchte. In der einen langen Pause und während der Fahrt tauschen wir unsere Erfahrungen aus. Als wir an der Endhaltestelle in Iogasch (andere Seeseite als geplant) ankommen, sind wir eine Art Schiksalsgemeinschaft und beschließen erstmal gemeinsam im Regen nach einer Unterkunft zu suchen.

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20100809-Russland Altai-3 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822279/20100809-russland-altai-3.cfm)

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20100809-Russland Altai-2 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822278/20100809-russland-altai-2.cfm)

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20100809-Russland Altai-6 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822282/20100809-russland-altai-6.cfm)

Wir wollten zwar zelten, aber aufgrund des immer noch regnerischen Wetters würden wir auch ein Hotel nehmen. Wir laufen zunächst von Iogasch nach Artybash über die Brücke, die den Anfang des See Teletzkoe markiert. Im Wasser kann man noch die verottenden Pfeiler einer alten Brücke erkennen. Durch den Regen sieht es hier eher unspektakulär aus, fast dreckig. An so gut wie jedem Haus hängt ein Schild, das die Vermietung von einem Zimmer oder einem ganzen Haus anpreist. Da immer nur Telefonnummern als Kontakt ausgewiesen sind und unsere Begleiter aus der Schweiz genauso wenig Russisch sprechen wie wir, müssen wir so lang laufen, bis wir was finden, was man mit Händen und Füßen buchen kann. Nach einer recht langen Laufstrecke durch den gesamten Ort finden wir am anderen Ende ein Hostel, das noch zwei Zimmer frei hat - die Hotels sind ausgebucht. Die Zimmer sind einfach eingerichtet aber in gutem Zustand und kosten fast nichts. Nach einer Mahlzeit (wie bisher immer aus der Mikrowelle) in einem Café, was mehr nach einer Kantine aussah, fotografieren wir noch die melancholisch, düstere Stimmung am See und gehen schlafen. Wir verabreden uns lose für den nächsten Tag zu einer Bootsfahrt auf dem See.

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20100809-Russland Altai-10 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822286/20100809-russland-altai-10.cfm)

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20100809-Russland Altai-11 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822287/20100809-russland-altai-11.cfm)

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_MG_8912 von Kati79 - Album.de (http://www.album.de/bild/1845693/-mg-8912.cfm)


Tag 18: 10.8.2010 - Am See Teletzkoe

Leider ist das Wetter auch an diesem Morgen nicht besser - Regen. Wir nehmen erstmal ein Frühstück im Hostel ein, zu dessen Bestellung uns die nette Herbergswirtin kurzerhand alle angebotenen Speisen auf ein Tablett stellt und uns per Fingerzeig wählen lässt - eine absolute Ausnahme bisher. Nach Pfannkuchen und Omlett erkunden wir zusammen mit den Schweizern die Umgebung. Leider scheinen wir einen anderen Geschmack zu haben als unsere russischen Tippgeber. Die Gegend ist eher schlicht bis hässlich und von dutzenden Buden die aller Art Neppes aus chinesischer Produktion verkaufen: vom Traumfänger mit Apachen-Foto in der Mitte bis zum Potenztee findet sich hier jede denkbare Art Schrott. Am Seeufer dann noch ein paar Bierbuden mit lauter Techno-Musik. Hinter den Buden gelangt man zur ehemaligen Turbaza. Der Charme vergangener Zeiten umweht uns, vermengt mit Nieselregen. Es gibt ein paar Zelte, aber die Turbaza ist geschlossen.

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Die Turbaza (http://www.album.de/bild/1845726/-mg-8921.cfm)

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20100810-Russland Altai-3 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822290/20100810-russland-altai-3.cfm)

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20100810-Russland Altai-4 von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822291/20100810-russland-altai-4.cfm)

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20100810-Russland Altai von Baryt - Album.de (http://www.album.de/bild/1822294/20100810-russland-altai.cfm)

Man kann eine Baustelle sehen auf der neue Fereinhäuser als Holz entstehen. Eine Batterie von Plumpsklos mit kaputten Türen säumt den Weg und so langsam sammelt sich eine Rotte von herrenlosen Kötern um uns, die wohl auf Futter hoffen.

Die Bootstour fällt auch aus, da der Vermieter einen absolut abenteuerlichen Preis verlangt, den wir nicht bereit sind zu bezahlen (3500 Rubel für 2 Stunden, das wären fast 90 €). Das Wetter ist auch viel zu schlecht dafür. Also schlagen wir irgendwie die Zeit tot und harren dem Abend entgegen. Aber nicht ohne uns frisch gegrillten Schaschlik zu gönnen. An einem Kiosk sitzen drei Verkäuferinnen. Eine recht junge hat sich die Haare grau gefärbt. Ein stark angetrunkener Mann erzählt uns mehrere Minuten irgendwas auf Russisch. Es ist nicht das Ferienparadies, das wir uns erträumt hatten. Wir schlendern am Seeufer zurück zu unserer Herberge. An einer Stelle kann man sich anseilen und von einer Anhöhe aus ca. 100 m Strecke ans Seeufer an einem Seil runtersausen. Diese Attraktion fesselt uns für fast 5 Minuten.

Das Abendessen nehmen wir in der Küche unserer Herberge ein. Diesmal ist es etwas komplizierter. Wir versuchen der Speisekarte grobe Richtungen zu entlocken. Ich versuche irgendwas mit Fleisch zu finden. Die Küchenfrau nimmt uns die Entscheidung ab, zeigt mit dem Finger auf ein paar Sachen. Serviert bekommen wir, wie in den letzten Tagen häufiger, eine Boulette mit Kartoffelbrei. Diesmal heißt sie nicht Beefsteaki, sonder Kotletta. Wir trösten uns über die einseitige Ernährung damit hinweg, dass wir am kommenden Tag in Barnaul sicher einer größeren Auswahl an Speisen gegenüberstehen werden. Als die beiden Schweizer kurz nach uns Essen, gehen sie direkt in die Küche, lassen sich durch einen Blick in den Kühlschrank die Vielfalt der Vorräte zeigen und bekommen Geflügel mit Reis.

Nach ein paar Runden Skat gehen wir zeitig ins Bett, da wir früh um 7 Uhr den Bus nach Barnaul bekommen möchten, um diesen skurrilen Ort verlassen zu können.

willo
21.09.2010, 23:24
Tag 19: 11.8.2010 - Nach Barnaul

Kurz nach dem Start der Fahrt stellen wir mittels GPS fest, dass der Bus nicht etwa den direkten Weg nach Barnaul nimmt, sondern statt dessen den gigantischen Umweg über Gorno-Altaisk. Und das obwohl 40 Minuten vorher ein dedizierter Bus nach Gorno Altaisk abgefahren ist. Die Busfahrt selbst ist der reinste Horrortrip. Der Busfahrer heizt wie ein Besenkter über die schlechte und kurvige Strasse. Das Mädchen vor mir kotzt die gesamte Fahrt permanent in eine Tüte und während der Fahrt muss der Bus sogar anhalten, damit eine alte Frau sich am Strassenrand übergeben kann.

Nach fast neun Stunden erreichen wir am Nachmittag Barnaul. Wir checken wieder im selben Hotel wie bei der Hinfahrt ein, verzichten aber auf das Frühstück. Die Zimmerkategorie wird uns wieder zugewiesen und auch auf explizite Nachfrage dürfen wir sie nicht wechseln.

Nach einer kleinen Pause im Zimmer, wollen wir noch etwas essen gehen. Wir entscheiden uns für ein Pizza- und Burgerrestaurant in unmittelbarer Nähe, damit die Wahrscheinlichkeit, etwas anderes als Boulette zu bekommen, steigt. Das Essen ist grauenhaft. Die Pommes zum Burger sind eiskalt, so als wären sie vor Stunden in der Friteuse gewesen. Der Burger dazu wird in der Mikrowelle erhitzt. Kati hat es besser getroffen. Sie hat sich für etwas entschieden, das wie ein großer Teigtaler aussieht. Der wird frisch zubereitet und kommt heiß auf den Teller. Nach dieser Niederlage gönnen wir uns noch ein Eis aus dem Supermarkt.

Während die anderen beiden zurück ins Hotel gehen und ausspannen, mache ich mich auf die Suche nach einem Internetcafé. Auf einem düsteren Hinterhof werde ich fündig. Die große Gruppe Jugendlicher vor der Tür ist mir zunächst “wenig aufgeschlossen” gegenüber. Als mich jedoch nicht von ihnen abhalten lasse und mir den Weg nach Innen bahne und sie merken das ich Ausländer bin, werden sie auf einmal extrem höflich und regeln Bezahlung und Platzwahl für mich. Vor allem dafür dass sie mit einer mir unbekannten Tastenkombination auf lateinisch umstellen, bin ich ihnen sehr dankbar.

Tag 20: 12.8.2010 - Barnaul

Da wir am nächsten Tag zwingend nach Novosibirsk fahren müssen, ziehen wir Katis morgigen Geburtstag um einen Tag vor und ich erkunde mit ihr zu zweit Barnaul. Bis auf ein sehr leckeres frühstück in einer Blini-Bar, gibt es hier leider kaum etwas zu erkunden. Die Stadt ist recht langweilig und in fast allen Läden schlägt uns Unfreundlichkeit, gepaart mit offener Fremdenfeindlickeit entgegen. In einem Buchladen dreht sich die Verkäuferin einfach weg als ich sie auf Englisch anspreche. Eine zweite sagt uns in gutem Englisch das sie kein Englisch spreche als wir sie nach “English books” fragen.

Wir erkunden riesige Märkte auf denen es alles zu kaufen gibt, was man für das tägliche Leben braucht. Auffallend ist aber auch hier, dass es an hunderten Ständen exakt die selben Sachen zu kaufen gibt. Die absolute Mehrheit der Produkte sind super minderwertige, gefälschte Sportklamotten.

Wirklich verwundert sind wir, als der Besitzer eines kleinen Imbisses bemerkt, dass wir kein russisch sprechen und anstatt uns zu ignorieren oder wegzuschicken eine englische Speisekarte hervorzaubert - absolut verblüffend. Das Essen ist trotzdem wieder aus der Mikrowelle, inkl. der Pommes Frittes.

Nach ca. 10 km Fussmarsch in den neuen Schuhen, die sich wirklich nur wie Gummi unter den Füßen anfühlen, sind wir fußlahm und wollen die Straßenbahn zurück zum Hotel nehmen. Das Ticket kauft man in der Straßenbahn bei einer Frau, die ausschließlich dafür zuständig ist, Tickets zu verkaufen. Wir sind gespannt, ob wir das Hotel aus der Bahn heraus erkennen und wie die einzige große Straße aussieht, die wir noch nicht entlanggelaufen sind. Nach drei oder vier Stationen sehen wir ein Einkaufszentrum aus den Augenwinkeln, in dem sich ein Nike-Store befindet. Wir entscheiden uns, nochmal auszusteigen, weil wir die Hoffnung auf ein paar bequeme Schuhe noch nicht aufgegeben haben.

Das Einkaufszentrum ist modern und es gibt hauptsächlich westliche Mode zu kaufen - zu fast westlichen Preisen. Dementsprechend herrscht hier gähnende Leere, da kaum jemand sich hier diese Produkte leisten kann. Als wir den Nike-Store betreten stürzen sich sofort alle fünf Verkäuferinnen auf uns als die einzigen Kunden, verschwinden jedoch sofort wieder als sie merken das wir nicht aus Russland sind. Eine Verkäuferin spricht jedoch Englisch und wir führen ein recht nettes Gespräch mit ihr. Mit einem neuen Paar Nike-Airs die ich direkt anbehalte verlasse ich den Laden.

Abends gehen wir noch im einzigen in ganz Barnaul entdeckten Restaurant (also etwas mit einem echten Koch und essen nicht aus der Mikrowelle) etwas essen. Leider ist man auch hier Fremden gegenüber eher feindselig eingestellt und nimmt gewohnt mürrisch unsere Bestellung von der russischen Karte entgegen. Man weist mich auch nicht darauf hin, dass ich zum abgebildeten Fleisch keine Beilage bestellt habe und serviert es dann halt komplett ohne. Wir finden das mittlerweile aber witzig erfreuen uns an dem sehr guten Essen.

Tag 21: 13.8.2010 - Von Barnaul nach Novosibirsk

Nach einem wirklich leckeren Frühstück in der Blini-Bar (Pfannkuchen Bar) gehen wir zum Busbahnhof und kaufen die Busfahrkarten nach Novosibirsk. In Novosibirsk fahren wir dann wieder mit dem Taxi vom Bahnhof zum Busbahnhof - diesmal für 300 Rubel anstatt für 500 Rubel, was immernoch Betrug ist. Von dort aus soll es mit dem Bus weiter zum Flughafen gehen, doch leider wissen wir nicht genau von wo der Bus fährt. Das Nachfragen auf dem Busbahnhof wird zum absoluten Geduldsspiel, da auch Jugendliche, die definitiv Englisch in der Schule haben, nicht mit uns reden wollen. Schliesslich bringen wir dann doch in Erfahrung, dass wir direkt an der Richtigen Haltestelle stehen und steigen irgendwann auch in den richtigen Bus ein.

Am Flughafen gehen wir direkt in das Hotel am internationalen Terminal. Selbst hier spricht erst niemand Englisch und wir werden wirsch in eine Ecke gewiesen, um dort auf jemanden zu warten, der Englisch spricht. Man ist offensichtlich genervt von den Ausländern. Irgendwann kommt die besagte Mitarbeiterin, die sich aber erstmal demonstrativ eine viertel Stunde um den Drucker kümmert bevor sie in extrem unhöflichem Tonfall fragt, was wir denn wollen. Als Kati und ich ein Doppelzimmer verlangen fragt sie tatsächlich ob wir denn auch verheiratet sind. Ich lache sie aus, was ihre Laune nicht gerade steigert. Wieder beginnt das minutenlange Kopieren aller Seiten in unseren Pässen. Alle Registrierungen werden ebenfalls kopiert. Pro Person kommen da leicht 5 bis 10 Minuten zusammen. Als man uns dann auch noch mitteilt, dass hier keine Kreditkarten akzeptiert werden, muss ich erneut laut loslachen, so surreal ist die Szenerie. Wir bekommen schliesslich, nachdem Kati im Terminal Bargeld gezogen hat, unsere extrem luxeriösen und überteuerten Zimmer die wir für 12 Stunden gemietet haben und nehmen noch schnell ein absolut schäbiges Mikrowellenessen in dem zum Hotel gehörigen Imbisszelt ein.

Tag 22: 14.8.2010 - Rückflug über Moskau

Der Tag an dem wir in der Schlange standen. Da wir dicht am Terminal übernachtet haben, kommen wir relativ spät zum Flughafen und müssen uns an eine lange Schlange anstellen. Diese erste Schlange wird eine knappe Stunde unserer Lebenszeit kosten. Die nächste endlose Schlange wartet erst in Moskau auf uns. Auch wenn wir hier nicht jede einzelne Schlange aufzählen werden, so hat Kati ca. 3 Stunden zusammengerechnet, an denen wir nur wartend dagestanden haben.

Da wir in Moskau fast 12 Stunden Aufenthalt haben, beschliessen wir nocheinmal in die Stadt zu fahren, zumal Carsten noch nie in Moskau war. Am Flughafen fällt uns der extreme Smog und der beissende Gestank auf, der durch die wohl recht nahen Waldbrände verursacht wurde. Wir nehmen einen “Express Zug” in die Stadt, der im Zentrum halten soll. Wir kommen an einem Bahnhof an und wissen nicht so recht, wo hin. Die Standard-Karte auf dem GPS zeigt uns die Richtung an, in der das Stadtzentrum sein soll. Es soll nur 3 km weit sein. Wir machen uns auf den Weg durch die fast menschenleere Stadt.

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moskau1 von Kati79 - Album.de (http://www.album.de/bild/1854501/moskau1.cfm)

Moskau selbst finde ich ähnlich langweilig wie die anderen russischen Städte die ich kenne auch. Wir gehen eine Runde vom Bahnhof über den Roten Platz und erkunden die Umgebung. Am Roten Platz gibt es jede Menge Touristen, ansonsten scheint die Stadt ausgestorben zu sein.

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Moskau2 von Kati79 - Album.de (http://www.album.de/bild/1854502/moskau2.cfm)

Fast alle Geschäfte sind geschlossen, ebenso Kioske. An einer Brücke erleben wir dann doch noch das Gegenteil. Die Massenabfertigung dutzender Brautpaare die wohl traditionell einmal über diese Brücke laufen, um sich dann von einer der unzähligen Stretchlimousinen, die dort warten, abtransportieren zu lassen. Es ist anscheinend eine Hochzeitsbrücke. Auf ihr befinden sich kleine Bäumchen, an denen mehrere hundert oder tausend Schlösser hängen. Jedes Brautpaar bringt ein Neues an und dann werfen die frisch vermählten die Schlüssel zum Schloss nach hinten ins Wasser. Um die Paare herum, bewegt sich die gesamt Hochzeitsgesellschaft und Fotografen, die mal mehr, mal weniger, die Szenerie dokumentieren. Irgendwann haben wir genug gesehen und bummeln zurück zum Bahnhof, von dem wir losgelaufen sind. Dort nehmen wir den Zug zurück zum Flughafen. Dort angekommen, lege ich mein Restgeld in Vodka. Dann geht es durch den Nacktscanner und ab in die nächste Schlange vorm Gate. Entgegen unserer Erwartungen, fliegen wir als das einzige Flugzeug pünktlich ab und landen nach drei Wochen Sibirien heil in Berlin.

Epilog

Der Trekkingtrip im Altai war ein einziges großes Abenteuer mit einer nie zu vor erlebten Dichte an Naturerlebnissen. Die Region ist definitiv einer der weltweiten Topspots für Gebirgswanderungen. Das gesamte Gebiet ist fast unberührt. Bis auf ein paar Schotterpisten gibt es nichts von Menschen Geschaffenes. Vor allem keine Skipisten und keine Seilbahnen. Die ganze Trekkingtour war einfach traumhaft und alle Menschen die wir in den Bergen getroffen haben, waren ausnahmslos sehr nett und absolut gastfreundlich. Wir haben nicht einen Menschen in den Bergen getroffen, der Alkohol getrunken hat und uns danach belästigen wollte.

Den krassen Kontrast dazu bilden die Städte. Sie sind von unbeschreiblicher Hässlichkeit und die Menschen die hier Arbeiten waren bis auf wenige Ausnahmen extrem unfreundlich und das absolute Gegenteil von hilfsbereit. Ich wurde aus mehreren Läden rausgeworfen, weil ich kein Russisch konnte. Zum Teil schlug uns offene Fremdenfeindlichkeit entgegen obwohl wir uns nichtmal als Deutsche zu erkennen gegeben haben. Positiv ist anzumerken, dass die von uns erwartete Kriminalität die überall lauern soll, ein absolutes Vorurteil geblieben ist. Wir wurden weder überfallen, beklaut oder sonst irgendwie betrogen und haben uns auch nie unsicher gefühlt. Alle vorher abgemachten Preise wurden stets eingehalten.

Kompakte Informationen zur Reiseplanung gibt es im Wiki unter dem Stichwort Altai.

Zwimon
22.09.2010, 08:50
Respekt und Anerkennung! Beeindruckender Trip und super Bericht :p

Quiddel
22.09.2010, 15:50
Wahnsinn! Sehr ausführlicher, gut zu lesender und unheimlich spannender Bericht mit tollen Fotos! Mein Kompliment! Ich hab jetzt über mehrere Tage verteilt immer wieder mal gelesen und hab mich jedes Mal wieder auf den nächsten Teil gefreut! :-)

charlie
22.09.2010, 23:21
ich kann mich dem lob nur anschliessen,
einfach super :wohoo:
mein persönliches highlight im bericht war der putzige altaipfeiffhase:hahaa:
der wunderschöne see teletzkoe hat mich echt an
kanada erinnert.
danke schön für die vielen bilder .
wenn du mal eine schöne russische stadt sehen
möchtest -sankt petersburg-

willo
23.09.2010, 07:02
Ich war schon zweimal in St. Petersburg und fand es auch sehr nett Da - auch wenn es schon sehr westlich war und mich sehr an Hamburg erinnert hat.
Neben dem Pfeiffhasen gab es auch noch andere niedliche Tiere wie Streifenhörnchen und Erdhörnchen - die waren jedoch etwas scheuer.

iber
29.09.2010, 12:57
Ein sehr schön zu lesener Bericht und super tolle Fotos.
Beeindruckene Landschaft!!!

weisseruebe
29.09.2010, 23:05
Oh ja, ein toller Bericht und eine grandiose Gegend - in tollen Bildern eingefangen.
Die Sache mit der Registrierung hat mir auch beide Male, die ich in Russland war etwas Sorgen gemacht. So richtig eine klare Aussage gab es nie, wie es denn genau geht und wer denn nur überprüft, dass man an einem Ort länger als drei Tage war.
Bei der ersten Tour haben wir viel zu spät in einem Hotel in Ekaterinburg einen Stempel bekommen und hatten dann keine Probleme mehr. Wir waren mit Business-Visum unterwegs.
Beim zweiten Mal haben wir eine Nacht im Hostel in Moskau geschlafen. Dort sprach man excellent Englisch (Hostel Sherston, sehr nett) und hat die Registrazia gemacht, gab dann auch keinerlei Probleme.
Ich habe unterwegs (in der Mongolei) viele Reisende getroffen, die hatten gar keine Registrierung und sind auch wieder rausgekommen.

Was die Freundlichkeit von Personal angeht habe ich auch sehr ähnliche Erfahrungen gemacht. Besonders an Bahnschaltern, in Hotels u.ä.
Teilweise waren die Menschen dort aber auch zu Russen so unfreundlich. Echte Fremdenfeindlichkeit habe ich nie erlebt. Es gibt in Irkutsk beim Busbahnhof ein nettes kleines Hotel, dort wurde ich sowohl 2000 als auch 2007 wieder "herausbefördert", weil es nicht für Ausländer ist.
Meine Erfahrung war, dass man die Leute einfach nicht in Verlegenheit bringen darf. Wenn man direkt fragt, ob sie Englisch sprechen, müssen sie eine Schwäche eingestehen - das macht man nicht gerne.
Was immer recht gut gewirkt hat war ein höflicher Satz auf Russisch (mehr konnte ich auch nicht) "Guten Tag. Sprechen sie englisch?". Dann gibt man sich schonmal Mühe und hat einen Bonus. Wenn man dann mehr will, z.B. für Bahnkarten hat oft ein Zettel geholfen, auf dem alles wichtige steht, auf kyrillisch (z.B. 12:15, 2 Platzkartni, Ulan Ude). Dann kann die Person am Schalter zum einen selbst etwas dazuschreiben (z.B. eine andere Uhrzeit) und gerät nicht in Verlegenheit, sich mit Englisch rumzuschlagen.
Was man halt dort nicht machen kann ist verlangen, dass der Gegenüber sich irgendwie mit einer anderen Sprache bemüht. Wenn man den Menschen zeigt, dass man versucht, mit ihrer Sprache (auch wenn es nur ein paar Brocken sind) so weit wie möglich zu kommen, dann klappt es oft etwas besser.
Ich erinnere mich da an den Ticketschalter des Busbahnhofs in Irkutsk - dort war die Dame, nachdem sie grinsend meinen unbeholfenen kyrillischen Zettel gelesen hat echt nett und hat sogar ein wenig Englisch gesprochen.
Aber Irkutsk und Baikalregion ist ja auch recht touristisch, da ist das mit Sicherheit etwas entspannter.

VIelen Dank für den tollen Bericht!

willo
30.09.2010, 23:20
Danke für Deine ausführlichen Anmerkungen. Deine Erfahrungen aknn ich so unterschreiben, war bei uns wirklich genauso.

willo
16.05.2011, 21:31
Da ich mehrfach per PN gefragt wurde, hier der Vollständigkeit halber nochmal meine Altai-Packliste:

1/1282064417

willo
17.12.2015, 12:34
Einige, der leider hier nicht mehr vorhandenen Fotos gibt es hier https://500px.com/baryt/galleries/altai_mountain_range_2010