PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Technischer Fortschritt bei Tourenrucksäcken?



AskeT
24.03.2004, 12:26
Hallo,

Ich möchte einmal die Diskussion anregen, ob es in den letzten zwanzig Jahren wirkliche Fortschritte im Bau von Tourenrucksäcken gab.

Angeregt wurde ich durch einen direkten Vergleich mit dem neuen und teuren Tourenrucksack eines Bergkameraden. Ich wundere mich, das das Gewicht vergleichbar großer Rucksäcke fast gleich geblieben ist. Obwohl die alten Modelle ja noch die dicken Lederböden hatten.

Der NEUE:
Mammut "Extreme" 45l
Gewicht ~ 1800g
Material Cordura
Boden: Cordura gedoppelt
Ausstattung:
2 Eisgerätebefestigungen, Deckeltasche, Deckelinnentasche, Schneebalg, Kompressionsriemen,
Tragesystem:
Körperkontaktsystem nicht verstellbar mit Hüftgurt, Kunstfaserrücken versteift.
Preis: über 150,- Toiro

Der ALTE:
Lafuma "Chamonix" 45l
Gewicht ~ 1700g mit Lederboden :o
Material 420D-Nylon, ohne Schäden seit 20 Jahren :o
Boden: Rauhleder
Ausstattung:
2 Eisgerätebefestigungen, Deckeltasche, Schneebalg, Kompressionsriemen, Steigeisenhalterungen, abnehmbare Außentaschen, Flaches Kartenfach, innenliegendes Wäschefach, Innendeckeltasche, höhenverstellbarer Deckel.
Tragesystem:
Körperkontaktsystem nicht verstellbar mit Hüftgurt, Baumwollrücken versteift.
Preis: unter 80,- Mark

Soweit die Daten. Beide Rucksäcke sind mit ~8-10kg Last ganz ordentlich zu tragen. ABER WO ist nun der technische Fortschritt, die Innovation von über zwanzig Jahren?

Was meint Ihr?

Gruß
AskeT

Lorien
24.03.2004, 12:50
Hey,




Soweit die Daten. Beide Rucksäcke sind mit ~8-10kg Last ganz ordentlich zu tragen. ABER WO ist nun der technische Fortschritt, die Innovation von über zwanzig Jahren?



Hast du auch Erfahrungen zu den "Softskills": Tragekomfort? Trockenzeit
der Materialien? Preisgestaltung? (Wieviel waren die 80DM wert im Vergleich zu den 150EUR) Konstruktion der Tragegurte etc.?
Ist der neue vielleicht ergonomischer als der alte?

Und nicht zuletzt hat der Mammut wohl das schoenere Design :bg:

Ernsthaft: Wenn man die Daten so liest, scheint es ja keine revolutionaeren Innovationen gegeben zu haben. Aber man muss
auch die Details beachten.

Gruss
L.

downunder
24.03.2004, 13:16
In Sachen Tourenrucksäcke um die 40l habe ich einen Tipp:

Macpac Pursuit:

- erhältlich in 2 Größen
- leichtes, aber hoch stabiles Material
- Schöller Dynamic Einsätze im Hüftbereich des Tragesystems
- einiges an Ausstattung
- Preis ca. 150 €

Das Modell sitzt perfekt am Rücken, und zwar auf verschiedenen Rücken. Jeder war bisher begeistert... einfach mal angucken.

AskeT
24.03.2004, 13:51
Hast du auch Erfahrungen zu den "Softskills". Was zum Teufel sind "Softskills"? :bg:


Tragekomfort? Trockenzeit der Materialien? Konstruktion der Tragegurte etc.? Ist der neue vielleicht ergonomischer als der alte?
Tragekomfort: Der alte trägt sich exzellent - auch im direkten Vergleich mit modernen Modellen. Der Neue drückt an den Polsterkanten noch ein wenig. Aber das dürfte sich in den nächsten 20 Jahren noch einarbeiten. Falls das Ding so alt wird. Trockenzeit? Cordura nimmt äußerlich imho mehr Feuchte auf als das glattere 420d-Nylon. Aber die Beschichtung wird beim Neuen wohl hohwertiger sein. Der Rücken des Alten ist noch in Baumwolle und trocknet naturgemäß langsam.(Immerhin ist da schon mal ein kleiner Fortschritt erkennbar...) Ergonomie: Der Alte passt wie angegossen. Und das seit Jahren. Am Neuen kann ich nun wirklich keinerlei ergonomischen Fortschritte entdecken.


Und nicht zuletzt hat der Mammut wohl das schoenere Design
HAHAHA! Beide sind orange mit Blau und beide sehen - ähem... wie soll ich sagen?: Nordwandmäßig aus. Nur beim Mammut steht noch in Riesenlettern EXTREME drauf. Bezieht sich das auf den Preis oder wie? :bg:

Gruß
AskeT

Flachlandtiroler
24.03.2004, 14:32
Was zum Teufel sind "Softskills"?
Fähigkeiten (skills), die sich nicht genau in ("harten", Gegenteil von soft) Zahlen ausdrücken lassen. Tragekomfort z.B. hängt sich sehr vom Träger ab, man kann nicht ohne weiteres sagen "Rucksack A hat den Komfortindex 8,3" oder so.

(Meiner ist übrigens auch gut 20 Jahre alt und hat für 20 kg Last den Index 10. :bg:)

Die neueren Modelle haben für mein Empfinden mehr und raffinierter geschnittene Täschchen. Wer's braucht...
Die Optik des Rucksack's ist ja wohl mega-egal, sieht man doch sowieso nicht oder? ;-)

Gruß, Martin

tsfc
24.03.2004, 15:22
Was zum Teufel sind "Softskills"?
Fähigkeiten (skills), die ....

Ich habe die Frage als eine eher sehr rhetorische verstanden .... :wink:

Die Ausgangsfrage an sich finde ich aber sehr interessant, da sie sich mir eigentlich regelmäßig und in nahezu allen Bereichen stellt. Fragt man ältere Semester, so beschreiben sie die Fortschritte im allgemeinen oft als eher rudimentär. Aber das ist wohl ein anderes Thema.....

Für den Bereich der angesprochenen Rucksäcke habe ich leider keine Vergleichsmöglichkeiten, da mein ältester Tourenrucksack in dieser Klasse gerade einmal zwei Jahre alt ist. Ich kann mir aber auch nicht vorstellen, daß es da in den letzten Jahren noch viel Potential für wirkliche Innovationen gegeben haben könnte. Das liegt wohl in der Natur der Sache .....

Tom

Mecoptera
24.03.2004, 23:31
Habe mir vor kurzem einen neuen MacPac gekauft, un der Unterschied zu meinem alten Mamut ist beachtlich; ich bin inzwischen auch von Mamut-Rucksäcken abgekommen, das Tragesystem von MacPac hat mich sehr viel mehr überzeugt.

Becks
25.03.2004, 00:19
Soweit die Daten. Beide Rucksäcke sind mit ~8-10kg Last ganz ordentlich zu tragen. ABER WO ist nun der technische Fortschritt, die Innovation von über zwanzig Jahren?

Was meint Ihr?

Gruß
AskeT

Pack nochmal 10 kg druff, dann siehste es.

Alex

AskeT
25.03.2004, 06:28
Pack nochmal 10 kg druff, dann siehste es.
An "Packesel" hatte ich beim posten garnet gedacht :bg:

Ich habe wieder mal von mich auf andere geschlossen. Ich als Ostalpen-Bergrenner trage selten mehr als 10kg auf den Berg. Ich bin meist allein unterwegs. Somit fallen spaltenreiche Gletscherpassagen und das Seil schon mal weg. Die leichten Kalkklettereien die ich mache gehen ganz gut Seilfrei. Wenn nicht, lasse ich die Finger davon. Beim Proviant bin ich Minimalist und Wasser sauf ich aus dem Bach. Und der Rest des Gerümpels ist halt schon sehr leicht...

Klar ist aber auch, das mit voller Hochtourenausrüstung (Seil, Eisgerät, Bekleidungsredundanz etc.) schnell erheblich mehr als die angesprochenen 8-10kg zusammenkommen. Insofern hinkt vielleicht der Vergleich NEU:ALT etwas. Aber generell finde ich die Frage nach dem technischen Fortschritt recht interessant.

Und das Forum soll ja auch mal Grundsätzliche Fragen aufnehmen, statt immer nur Produkt- und Kaufempfehlungen zu widerkäuen... :wink:

AskeT

Becks
25.03.2004, 09:51
Klaro, dazu isses da :)

Ich kenn halt den Unterschied zw. meinen alten Rucksäcken von BigPack, Noname 30 Jahre, BW XX Jahre alt und den neuen die ich jetzt im Einsatz habe. Im unteren Gewichtsbereich spielt es kaum ne Rolle wie das Tragesystem gebaut ist, aber wehe Du machst ne Hochtour im Winter mit Campen und Selbstversorgung...

Würde ich nur 5-10 kg im Extremfall tragen müssen würde ich auch keinen Gregory Chaos besorgen der alleine schon knapp 2 kg wiegt weil er für Lasten bis 20 kg (offiziell, inoffiziell 28 kg) ausgelegt ist.

Alex

-Flo-
25.03.2004, 14:23
ist ne interessante fragestellung. was ich mir jetzt allerdings schon öfter hinsichtlich der neuesten high-tec ausrüstung gedacht habe ist folgendes:

für die meißten unternehmungen genügt doch auch ausrüstung, die nicht auf dem allerneuesten stand ist. vor kurzem konnte man auch ganz wunderbar ohne softshell losziehen und war bestens gerüstet. jetzt hört man oft, dass man ohne einfach nicht mehr gut ausgerüstet ist (ok, ist etwas überspitzt formuliert, aber vom trend her richtig).

klar, wer längere hochalpine touren unternimmt, sollte sich mit hochwertiger ausrüstung ausstatten. es muss aber sicherlich nicht das neueste und teuerste sein.

noch ein anderer punkt: als ich vor einigen jahren wieder meine ersten bergtouren gemacht habe, hatte ich fast nur altes bundeswehr-equipment als überbleibsel vom grundwehrdienst, als "krönung" nen uralten gebirgsjäger-rucksack, bei dem man von einem tragesystem eigentlich gar nicht sprechen konnte. aber nachdem ich zu der zeit nichts anderes hatte, gings auch mit dem teil wunderbar und hat spaß gemacht.
und das beste daran: ich hatte gar kein verlangen nach nem anderen rucksack, weil ich bis dato keinen vernünftigen getragen hatte. erst als ich mal nen vernünftigen auf dem buckel hatte, hab ich gemerkt, was es doch für unterschiede gibt :bg:

natürlich gibt es weiterentwicklung und fortschritt, nur ob ich all das für meine touren zwingend benötige, ist eine andere frage. meiner meinung nach nicht!

gruß, FLO *grundsatzdiskussion eröffnend* :wink:

Lorien
25.03.2004, 16:01
für die meißten unternehmungen genügt doch auch ausrüstung, die nicht auf dem allerneuesten stand ist. vor kurzem konnte man auch ganz wunderbar ohne softshell losziehen und war bestens gerüstet. jetzt hört man oft, dass man ohne einfach nicht mehr gut ausgerüstet ist (ok, ist etwas überspitzt formuliert, aber vom trend her richtig).


Aeh, ist das nicht das Prinzip einer Marktwirtschaft? Klar gibt es nicht
jedes Jahr die riesen Revolutionen, aber irgendwas will halt auch
verkauft sein. Und wenn bisher kein Markt existierte, musst du dir
einen schaffen: Marketing.

Aber um auf die urspruengliche Frage zurueckzukommen:
Die Weiterentwicklungen scheinen ja wirklich nur marginal zu sein.
Immerhin brachte bisher keiner ein Gegenargument (von 20kg-Schlepperei mal abgesehen).

Wahrscheinlich ist das Thema schlecht gewaehlt. Sieht man sich
z.B. Zelte an, ist der Fortschritt schon offensichtlich, ebenso bei
Textilien, Seilen. Immerhin sind heute Klettereien machbar, die
vor Jahren undenkbar waren.

Oder denkt doch mal an Polarexpeditionen: Dauerten noch vor ein
paar Jahrzehnten ewig, der Grossteil kam dabei um. Und heute geht
doch fast schon Hinz und Kunz zum Spass mal fuer ein paar Wochen
in die Arktis.
Also muss sich die Ausruestung insgesamt gesehen weiterentwickelt haben. Ich glaube kaum, dass sich das "Material" Mensch so sehr
verbessert hat, ganz im Gegenteil.

Gruss L.

-Flo-
25.03.2004, 16:12
ich glaube, da wird dir jeder zustimmen, dass sich die ausrüstung verbessert hat. doch die frage ist doch, ob man auch für jede tour die absolut neueste high-tec ausrüstung braucht.

für expeditionen in die arktis oder die höchsten gipfel der welt ist das beste equipment gerade gut genug. doch die spitzen ausrüstung bedingt natürlich auch, dass hinz und kunz in die entlegensten gebiete ziehen kann. ob dass sinnvoll ist, ist wieder eine andere frage.

ich denke jedenfalls, dass für einen großteil der aktivitäten nicht die absolut neueste ausrüstung nötig ist, um mit spaß und freude eine gelungene tour durchzuführen.

gruß, FLO