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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [TZ] Kilimanjaro - Lemosho Route



Julia
21.03.2010, 20:38
Land: Kenia / Tansania
Reisezeit: 23.01.-07.02.10, 8 Tage auf dem Berg
Region/Kontinent: Ostafrika
Was? Safari und Kilimanjarobesteigung, Lemosho-Route mit Kraterübernachtung
Mit wem? Ahsante Tours, Moshi, individuelles Paket

Der Kilimanjaro war für mich ein langjähriger Traum, der eigentlich ziemlich plötzlich aktuell wurde. Und weil ich schon so lange davon geträumt hatte, habe ich auch viel gelesen und wusste eigentlich ziemlich genau, was ich wollte. Plötzlich ist in dem Fall übrigens ein relativer Begriff, denn es hat vom ersten Angebote einholen bis zur Abreise auch noch ein Jahr gedauert.
Im Endeffekt musste ich allerdings doch ein paar Kompromisse eingehen, denn meine Begleitung hatte nicht so viel Zeit und ich hatte nicht so viel Geld... Auf zwei Punkten habe ich allerdings bestanden, die sozusagen "unantastbar" waren: 1) der Amboseli Nationalpark als "Vorspeise" und 2) eine Übernachtung im Krater mit Ausflug zum Reuschkrater. Letzteres wurde allerdings dann doch etwas von der Form und dem Befinden im Barafu Camp abhängig gemacht, und wir hatten immer die "normale" Variante mit Nachtaufstieg als Backup.

Es war mir eigentlich von vornherein klar, dass ich a) das Ganze so individuell wie möglich (d.h. eine massgeschneiderte Tour) haben wollte und b) der Erlebnisfaktor so hoch wie möglich sein sollte (sprich alles in zwei Wochen reinquetschen und keine Minute Luft lassen, weil ich ja, wenn ich schon so viel Geld für so was ausgebe, das auch bis ins Allerletzte ausnutzen wollte). Wir hatten also nicht wirklich viel Puffer, und ich hatte da im Voraus durchaus so meine bangen Bedenken, vor allem weil ich ja aus der Branche bin, und wenn Touristikleute selbst verreisen, geht ja bekanntlich immer etwas schief... (der Vorteil war natürlich, dass ich es gewohnt bin, Reisen zusammenzubaseln und nicht nur wusste, was ich wollte, sondern auch wusste, wie ich es kriege :bg:).
Zu a) ist zu sagen, dass ich vom Zeitpunkt her flexibel sein wollte und auch nur eine ganz kleine Gruppe haben wollte. Der Gedanke, da mit 10-12 anderen, unbekannten Leuten hochzurennen, auf einer Tour, wo man ja voraussichtlich irgendwann so an seine Grenzen stösst und das wahre Ich hervorkommt, auf andere Rücksicht nehmen zu müssen bzw. andere auf mich Rücksicht nehmen lassen zu müssen, das kam für mich einfach nicht in Frage.

Ich habe also Anfragen mit meiner Wunschroute an verschiedene lokale Agenturen gemailt (da war ich auch etwas eigen, denn ich wollte einen örtlichen Veranstalter haben und damit den gesamten Profit vor Ort lassen), und Ahsante Tours hat sich ziemlich früh durch seinen herausragenden Service und Kompetenz als der beste Kandidat herauskristallisiert. Wir waren nur zu zweit unterwegs, ich und ein guter Wanderkumpel von mir, zufälligerweise ein Arzt (und auch noch Höhenarzt), was natürlich auch nicht unbedingt ein Nachteil war, zumal dies meine erste Erfahrung mit grösserer Höhe werden sollte. Mein bisheriger Rekord war das Allalinhorn mit 4027 Metern, also nicht ganz wirklich vergleichbar (zumal wir da gut aklimaisiert waren und das ganze ja ab Mittelallalin nur ein Halbtagesspaziergang war). Das Projekt Kili war da schon in einer anderen Liga...

Und so sah unser Reiseplan aus:
Tag 1: Anreise Oslo-Amsterdam-Nairobi
Tag 2: Transfer in den Amboseli
Tag 3: Amboseli
Tag 4: Transfer nach Namanga (Grenze zu Tansania) und Shuttlebus nach Moshi
Tag 5: Kili 1. Etappe Lemosho Glades (2250 m) - Mti Mkubwa/Big Tree Camp (2780 m)
Tag 6: Kili 2. Etappe Big Tree Camp - Simba Cave Camp (3640 m)
Tag 7: Kili 3. Etappe Simba Cave Camp - Barranco Camp (3960 m) via Lava Tower (4640 m)
Tag 8: Kili 4. Etappe Barranco Camp - Karanga Camp (4035 m)
Tag 9: Kili 5. Etappe Karanga Camp - Barafu Camp (4640 m)
Tag 10: Kili 6. Etappe Barafu Camp - Crater Camp (5730 m) via Reusch Krater (5850 m)
Tag 11: Kili 7. Etappe: Crater Camp - Uhuru Peak (5895 m) - Millenium Camp (3790 m)
Tag 12: Kili 8. Etappe Millenium Camp - Mweka gate (1630 m) - Moshi
Tag 13: Ngorongoro CA
Tag 14: Serengeti NP
Tag 15: Serengeti, Transfer nach Arusha und KIA, Abflug am Abend via AMS nach OSL
Tag 16: Ankunft OSL und Heimfahrt

[IMG-R]http://imageshack.com/a/img63/8505/mg7784.jpg[/IMG-R]

Julia
21.03.2010, 21:01
Reisevorbereitungen:

Impfungen: Gelbfieber, Hepatitis A (die letzte, die mir zu ewig langer Immunität noch fehlte), Schluckimpfung Cholera (ebenfalls die letzte, die mir zu 20 Jahren Wirkung noch fehlte). Tetanus hatte ich von meiner Chinareise vor drei Jahren noch ziemlich frisch.

Medikamente: Doxycyclin (Malaria), Diamox (weil die Tour Spass machen sollte, ich hoch kommen, den inneren Krater sehen und niemandem etwas beweisen wollte, ausserdem war ich ja unter "medizinischer Betreuung" :bg:), ansonsten magenstabilisierende Bakterienkulturen und im Krater eine kleine Tablette gegen Übelkeit (hab nicht gefragt wie das Zeug heisst) und zwei Paracetamol.

Visa: Kenia und Tanzania, beide sehr unkompliziert und schnell vor Ort bei Einreise zu erhalten (zumal keins der Länder in Norwegen eine Botschaft oder ein Konsulat hat). Wir hatten fertig ausgefüllte Anträge dabei.

Fitness: Aerobic mit Powereinlagen und Krafttraining 1-2x wöchentlich, Joggen (im Wald, steil, Steigungstraining) und nach Wintereinbruch Langlaufen so viel wie möglich (mindestens 2x wöchentlich 10 km).
Ich war vor der Abreise etwas unsicher bezüglich meiner physischen Form, da ich im Dezember einen längeren und ungeplanten Trainingsausfall hatte (wegen Erkältung und einer längeren Periode mit bis zu -30 Grad, wo das Langlaufen zu Trainingszwecken nicht mehr wirklich möglich war). Eine 30 km-Tour bei -22 Grad ist es zwischen Weihnachten und Neuhjahr allerdings doch geworden.
Letztendlich war ich aber genau richtig fit. Fit genug, um das Ganze richtig geniessen zu können und die Höhe als einzigen fragwürdigen Faktor zu haben. Und selbst mein Tourkamerat, der fitter war als ich, konnte ja auch nicht schneller gehen (pole, pole :bg:), denn wir waren schon grenzwertig zügig unterwegs, sind nie überholt worden und haben die angesetzten Zeiten meistens deutlich unter- und nie überschritten.

Es war im wahrsten Sinne des Wortes ein schöner Spaziergang, zumindest bis ca. 5000 Meter. Dann war es ein etwas anstrengender Spaziergang bis zum Stella Point (5730 m), und wirklich geschunden habe ich mich wirklich nur eine halbe Stunde auf dem letzten, steilen Stück aus dem Krater zum Gipfel hoch (dazu später mehr). Die beste Etappe war die von Barranco nach Karanga, wo das Gelände wirklich richtigen Spass gemacht hat (Kraxelei). Aber ansonsten war der Rest der Route landschaftlich und was den Abwechlungsreichtum anbelangt (man geht ja halb um den Gipfel herum, und sieht ihn jeden Tag aus einer anderen Perspektive) einfach grossartig, das Gelände leicht und der Weg sehr gut (solche Wege sind wir hier oben nicht gewöhnt!), und nur im zweiten Teil des letzten Gipfelanstiegs waren die Verhältnisse so, dass ich froh war, Wandererfahrung aus Norwegen zu haben.

Packliste: kommt morgen :bg:

Apropos Malaria. Ich hatte am ersten Abend in Amboseli gleich 5 Mückenstiche, obwohl ich mich ganzkörpereingesprüht hatte und so nach insect repellent stank, dass ich vor dem Zubettgehen erstmal alles wieder abduschen musste (wir hatten Moskitonetze über den Betten, deshalb hab ich's riskiert). Wer glaubt für den Kili nur Stand by fahren zu brauchen, sollte umdenken. Auch in Moshi gibt es Malaria, und dort hatte ich am Abend vor dem Kili auch mindestens 5 neue Stiche (haben im Restaurant draussen gesessen, wäre ja auch schade gewesen, bei den herrlichen Temperaturen, ausserdem standen alle Türen auf und auch drinnen im Restaurant gab es Mücken). Eine einzige Nacht nicht auf dem Berg und ein einziger Stich können schon reichen.

Julia
22.03.2010, 14:48
Packliste

Bevor ich hier alles aufliste, was sich zum Schluss in meiner knallgelben XL-NorthFace Bag befand, muss ich gestehen, dass mir das Packen viel Kopfzerbrechen und einigen Frust bereitet hat. Die Packliste war nach einem halbjährigen Prozess des kontinuierlichen Ergänzens und Durchstreichens diverser Dinge klar und ziemlich optimiert, da gab es gar nichts anzumerken, aber als alles in der Tasche drin war, war die schlicht und einfach zu schwer. Ich war halt noch nie ein UL'er :baetsch:, und ich hatte gar einfach keine Ahnung, was vor Ort auf mich zukommen würde (egal wie viele Leute ich wegen ihren Erfahrungen interviewt habe) und hatte Angst zu frieren (ich bin halt ne ausgeprägte Frostbeule). Das Ende vom Lied war, dass ich am Vorabend (ich hatte bereits eine Woche vor Abreise angefangen zu packen) ziemlich spät Abends und ziemlich gefrustet kurzerhand alles wieder rausgeschmissen und von vorn angefangen habe :motz:, diesmal mit der unbezahlbaren Unterstützung meines Mannes...

Inhalt:
Schlafsack: Nahanny Salvamont (Komfort bis -25)
Schuhe: Hanwag Yukon
VBL (hätte ich mir sparen können)
Thermarest (zusätzlich zu der dünnen Schaumisomatte, die Ahsante stellte)
Teleskopstöcke
Gamaschen
Daunenjacke (ME, ziemlich leichtes und dünnes Modell)
Hardshell-Jacke (Packlight von Norrøna, Gore-Tex)
Trekkinghose (Arcteryx Gamma, Softshell)
Hardshell-Hose (Norrøna Storm)
Regenponcho (hätte ich mir sparen können)
Bergans Wolljacke Myrull
Dünner Fleecepulli (Reisepulli für den Flieger und unterwegs, nicht am Berg)
2 Set lange Wollunterwäsche (Devold Active und Expedition)
1 Set lange Kunstfaserunterwäsche
1 Woll-Tshirt (Icebreaker)
1 Kunstfaser-Tshirt
1 paar dicke Wollsocken
1 paar warme Wandersocken
3 paar dünne Wandersocken (hätte gut noch ein-zwei paar mehr gebrauchen können)
3 paar dünne Baumwollsocken (nicht am Berg)
Unterhosen
Sonnenhut
1 paar Fleecefäustlinge
1 paar dünnere Fingerhandschuhe
1 paar Gore-Tex Überziehfäustlinge und dicke Wollfäustlinge zum Drunterziehen
Diverse Headovers mit und ohne Fleece, Fleecemütze, Fleecehals
Safariklamotten: 1 Zip-off-Hose (hätte gern noch eine zum Wechseln gehabt, da die durch den Staub und Schweiss auch vom Nur-im-Auto-Sitzen sehr schnell schmutzig wurde), diverse Tops und Rock/Kleid für Abends in der Lodge
Sandalen (nicht am Berg - habe die oder Joggingschuhe dort auch nicht vermisst)
Kopflampe
MP3-Spieler
Batterien
Nähzeug/Reparaturkit
Teebeutel
isotonisches Getränkepulver
Sportstape
Toilettenutensilien (Wundsalbe, Handdesinfektionsmittel, Zahnputzzeug, feuchte Tücher, Seife, Sonnencreme LSF 30 und 50, UV-Lippencreme etc.)
Canon 5D mit 18-105 mm Zoom, 22 GB Speicher, 3 Akkus
1 2l-Platypus mit Thermohülle
1 1,5l Flasche
Fernglas
Karte
Vogelbuch Ostafrika (nicht am Berg)
1 Buch
Geschenke für Veranstalter und Träger

im Rucksack meines Kameraden befanden sich dann noch:
Erste-Hilfe-Set (so ein ordentliches, kein Spielzeug, mit Narkosemedikamenten, Spritzen und allem Drum und Dran :cool:) und div andere Medikamente
Micropur

Zelt (Vaude) wurde gestellt

Hm, hab ich noch was vergessen?

Bifi's hab ich vergessen!
Und dabei waren die das absolut Beste, das ich an Snacks (da waren sonst nur noch Bonbons :lol:) mithatte! Sogar unser Guide und mein Kumpel haben davon profitiert. Also im Ernst, die waren klasse. Salzig, deftig - genau das, worauf man bei einer solchen Tour Lust hat.

Salztabletten fehlten auch noch. Wichtig, um das ganze Wasser, das man versucht, in sich reinzukriegen, auch zu behalten.

Es waren übrigens auch noch zwei Odlo Air ärmellose Tops als Unterhemden dabei, und ein drittes von Tchibo

Atze1407
22.03.2010, 18:49
Na fein, wann kommt der Rest?:ignore:

Rhodan76
22.03.2010, 20:45
@Atze - nicht drängeln ;-) Aber wir freuen uns natürlich schon auf die tollen Fotos.

Julia
22.03.2010, 21:36
23.01.10 Oslo-Amsterdam-Flieger nach Nairobi

Statt mit der KLM hätten wir sonst auch noch mit der BA fliegen können, welche auch die Kombi Nairobi/Kili Int als Gabelflug anbietet und ab Oslo fliegt, aber letztlich hatte die KLM den besseren Preis und die bessere Verbindung. Allerdings ist Amsterdam im Winter nicht immer der beste Hub, und ich kenne Leute, die - jährlich in die Karibik fliegend - NIE ab Amsterdam in dem Flieger gesessen haben, den sie gebucht hatten. Meist begann die Reise mit einer ungeplanten Hotelübernachtung in Bremen, wegen Eisregen oder Sturm oder beidem, manchmal musste aber auch eine unfreiwillige Übernachtung in Amsterdam eingeschoben werden. Wenn man drei oder vier Wochen an der gleichen Stelle in der Karibik gebucht hat, ist das vielleicht ärgerlich, aber nicht weiter schlimm. Wenn man aber ein so dichtes Programm in Ostafrika hat, dass da gleich ein ganzer (teurer) und vor allem lang erträumter Programmpunkt ausfällt, ist das natürlich eine andere Geschichte. Deshalb habe ich auch - in weiser Voraussicht - eine frühere Maschine von Oslo nach Amsterdam gebucht, um bei gewissen Eventualitäten zumindest einen kleinen Puffer zu haben. Wir haben die Flüge ein halbes Jahr vor Abreise gebucht. Wer dann vier Monate vor Abreise den gebuchten Zubringer gestrichen und uns auf die "knappe" (sprich normale) Zubringermaschine nach Amsterdam umgebucht hat, war die KLM. Was mir natürlich dann entsprechend vier Monate lang gewisse Bauchschmerzen verursacht hat. Natürlich umsonst. Denn alles ging ganz reibungslos, und wir sassen abends ganz wie geplant im richtigen Flieger südwärts nach Nairobi. 1:0 (Schweiss von der Stirn wisch).



24.01.2010 Nairobi - Ol Tukai (Amboseli)
In einer vollbesetzten 777 lässt es sich in der Touriklasse aber nicht so unbedingt gut schlafen, so dass wir um 06.00 Uhr morgens etwas übermüdet und leicht zerschlagen in Nairobi landeten. Bei dichtem Nebel. Wir konnten gerade so das Nachbarflugzeug am Gate erahnen. Nairobi im Nebel. Na gut, macht ja nichts, so lange wir nicht zwei Wochen lang so ein Wetter haben.

Nächtste Hürde: das Gepäckband. Ist denn in Amsterdam auch alles mitgekommen? (Auch ein guter Grund für den Amboseli-Aufenthalt vor der Besteigung: Ich hatte keine Lust, ohne mein Gepäck die Kili-Tour anzutreten, denn man hat ja schon so einiges gelesen. Nicht wahr, Carsten ;-)?) Aber das Gepäck kam brav angelaufen, 2:0.

Nächster Stop: Immigrations. Hier hatte ich von langen Schlangen und Korruption gelesen, wo die Beamten einen abzocken, wenn man das Visum bei Einreise beantragt. Pustekuchen. Eine so schnell vorwärtskommende Schlange, so freundliche Grenzbeamten und so eine rasche Visumerteilung hatte ich mir nicht mal im Traum vorgestellt. Was, DAS war's schon????? 3:0.

Und wo ist jetzt unser Fahrer, der uns abholen und zur Lodge fahren soll? Aha! Mir ahnte doch so was. Jetzt kommt die Rache dafür, dass wir in Amsterdam den Flieger gekriegt haben...! Zum Glück hatte ich von der Lodge eine Nottelefonnummer bekommen, just in case. Yes, just in case. Wir gucken uns etwas zaghaft und ungläubig in der Ankunftshalle in Nairobi um. Nicht unbedingt der Traumflugplatz, um wie bestellt und nicht abgeholt da rum zu sitzen und so richtig tourimässig und verloren auszusehen. Oh Du meine Güte! 3:1. Ich sah schon das erwartungsvolle und schadenfrohe Grinsen meines guten Freundes auf seinem Gesicht, auch ohne ihn anzuschauen. Na, Julia, dann räum da mal auf! Du bist doch die Reiseleitung (und der Veranstalter) :bg:! Wir geben ihm noch 15 Minuten. Nada. Hakuna kitu.

Zum Glück ist Jomo Kenyatta, Nairobi Apt, heute nicht mehr das, was es noch vor zwei Jahren war. Man hat da schon ordentlich aufgeräumt. Es gibt einen abgesperrten Bereich in der Ankunftshalle, wo niemand anderes als die ankommenden Reisenden reindarf, und alle, die jemanden abholen wollen, müssen schön davor warten. Dazu gibt es bewaffnete Polizei, die alle aufdringlichen Taxifahrer wieder nach draussen vor das Gebäude zu den Taxiständen befördert. Das sieht ja richtig sauber und ordentlich und so absolut gar nicht gefährlich hier aus. Ausatmen. Schweiss von der Stirn wischen. Alle, die vor der Sperre auf ganz andere Leute warten, versuchen uns zu helfen und bieten uns sogar ein Telefon an.
Ok, Infoschalter nächster Stop, und ein Telefon ausleihen. Die Just in case-Nummer anrufen. Am anderen Ende ist Judy, welche unseren Aufenthalt und den Transfer gebucht und bestätigt hat. "Who? JULIA? OH MY GOD!" Tja, tut mir ja auch wirklich leid, aber hier ist niemand. "Stay there, wait for me, I'm coming. Don't go anywhere. STAY THERE!" Jada, bleibt uns ja auch nichts anderes übrig.
Um's kurz zu machen, kommt 10 Minuten später eine atemlose Judy angelaufen und erzählt uns, dass der Fahrer einen Platten hatte und bald kommt. In der Zwischenzeit trinken wir zu dritt einen Tee, entspannen uns wieder ein wenig und unterhalten uns sehr nett. Bald wird zu einer halben Stunde (seit unserer Ankunft in der Ankunftshalle ist jetzt schon eine Stunde vergangen), aber dann taucht tatsächlich ein etwas rundlicher Mann auf, der uns als Anthony vorgestellt wird und unser Fahrer ist. Na bitte. Amboseli, wir kommen.

In der Zwischenzeit hat es sogar aufgeklart und die Sonne schein verheissungsvoll am Himmel. Wir sitzen zu zweit in einem Minibus, haben massenhaft Platz und schauen erst mal 30 Minuten lang ziemlich schweigsam und gespannt aus dem Fenster, um die neuen Eindrücke in dem fremden Land, die Umgebung, die Strassenverhältnisse und die neben der Strasse lebenden Menschen in uns aufzunehmen. AFRIKA. Oi, jetzt sind die Schmetterlinge im Bauch wieder da!

Wir lassen Nairobi hinter uns und befinden uns bald auf der Hauptstrasse in Richtung Mombasa. Bis zum Amboseli sind es etwa 4 Stunden Fahrt. Aber es ist ja erst früh um Acht, also liegt der ganze Tag ja noch vor uns. Und schon eine halbe Stunde aus Nairobi raus sehen wir die ersten Giraffen zwischen den Büschen stehen. Aber Anthony hat es eilig, und wir bitten ihn nicht anzuhalten. Das ist ja erst der Anfang!
Später, als wir von der asphaltierten Strasse auf die Staubpiste zum Amboseli abbiegen, sehe ich rechter Hand die Wolken an, die weiss und bauschig ein Band am blauen Himmel bilden. Ich gucke und gucke und denke mir, dass die eine Wolke zwischen den anderen Wolken aber ein komisches Muster hat. So schräg gestreift... Ab und zu verschwindet die gestreifte Wolke in den bauschigen Wolken, und ich schaue fasziniert zu, wie sie wieder auftaucht und teils wieder verschwindet. Erst als ich mir ganz sicher bin, sage ich Ole Bescheid. Du, guck mal, die Wolke dort oben. Ist das eine Wolke, oder...? Das ist ein Berg, kommt die Antwort, die ich schon weiss. Da gibt es nur einen Berg. UNSEREN Berg. Wow. Ist der hoch.... Und dort oben liegt Schnee, der Schnee vom Kilimanjaro.

Eine gute Stunde später sind wir da. Der Amboseli ist flach, überraschend flach, und weit, sehr weit. Aber der Berg ist nicht mehr da, auch nicht zwischen den Wolken. Da ist nur Dies.

Der Amboseli hat eine zweijährige Dürre hinter sich, in der viele Tiere verdurstet und verhungert sind. Das Gebiet war eine einzige Staubschüssel. Kurz vor unserer Ankunft hat es zwei Wochen lang geregnet, und jetzt ist alles grün. Und voller Wasser. Wow. Nach dem Tee geht es auf Game Drive. Es ist alles noch ganz unwirklich. In der goldenen Abendsonne sehen wir Löwen (fünf Stück), allerdings recht weit entfernt. Als nächstes begegnet uns die erste Elefantenherde. Meine Lieblinge! Und soooooo viele! Als wir eine gute Stunde später wieder gen Lodge fahren, haben wir an die zweihundert Elefanten gesehen, eine Büffelherde, viele Strausse, Schakale, Hyänen, Impalas, Thomson-Gazellen und viele, viele Vögel, darunter Hunderte von Marabous und Weisstörchen. Wir sind sprachlos und irgendwie ein bisschen verklärt.

http://imageshack.com/a/img524/9789/mg6897.jpg

http://imageshack.com/a/img204/9518/mg6967.jpg

Julia
22.03.2010, 22:44
Hilfe! Seht Ihr, da geht es schon los. Wie kann ich denn das Bild direkt reinstellen? Geht das überhaupt, wenn ich es nicht auf einer Homepage habe? So ist es ja blöd, weil man zweimal klicken muss, bis man es richtig sieht...

Buck Mod.93
22.03.2010, 23:05
Ja geht.

Bei Imageshack.us anmelden und dann kannst du mehrere Bilder gleichzeitig hochladen.Auf der imageshack Seite auf Browse klicken dann die Bilder die in den Bericht sollen auswählen und auf Upload klicken.Die Bilder werden dann alle als Thumbnails angezeigt.Dann auf den Thumbnail klicken,dann auf Share,dann auf Direct Link und diesen Link dann kopieren und hierhttp://www.outdoorseiten.net/forum/images/editor/insertimage.gif draufklicken und einfügen.

Es wäre auf jeden Fall besser wenn du die Bilder vorher auf deinem PC verkleinerst und nicht erst beim Upload.Kann man mit IrfanView ganz gut machen.Geht so:"Datei -> Batchkonvertierung/Umbenennung. Dort unter Spezialoptionen entweder eine absolute Größe oder einen Prozentsatz von der Originalgröße eingeben. Dabei den Haken bei "Spezialoptionen verwenden" nicht vergessen"

Lg

Buck

Biggi
23.03.2010, 04:40
Oder einfach in der gewünschten Größe hier, beim ODS (http://www.outdoorseiten.net/fotos/) hochladen und verlinken.

Zwiebelforscher
23.03.2010, 17:40
Hey Julia!

Der beginn lässt doch auf mehr hoffen :)
Ich freumcihs chon auf eine (hoffentlich reichhaltig bebilderte ;-) ) Fortsetzung:cool:

Julia
23.03.2010, 21:07
Hm, so richtig gefällt mir das mit den Bildern noch nicht, und wie man im ODS eine Galerie anlegt, ist mir irgendwie auch noch nicht aufgegangen - es ist offensichtlich schon spät, und ich habe viel zu lange vor dem PC gesessen...

25.01.2010 Amboseli
Nach einer guten Nacht klingelt früh der Wecker, denn es soll noch vor dem Frühstück auf Morning Game Drive gehen. Als wir aus der Tür treten, liegt erst mal auf der anderen Seite vom Zaun eine Streifenhyäne. Cooooool! Ausserdem ist gerade die Sonne aufgegangen, und - schönes Wetter! Wieder bin ich es, die ihn zuerst sieht. Unseren Berg.

http://imageshack.com/a/img401/1306/mg6921.jpg[/IMG-R]

Nach dem Frühstück gehe ich allein auf einen geführten Birdwalk (nein, ich liste hier jetzt nicht alles auf, was ich gesehen habe), und vor dem Abendessen fahren wir wieder hinaus, diesmal durch die Lagunen voller Wasservögel. Elefanten über Elefanten, aber auch Hippos, Warzenschweine und Tüpfelhyäne. Dazu Hunderte und Aberhunderte von Marabous und Weisstörchen. Und ein paar Löwen, aber wieder ziemlich weit weg. Der persönliche Höhepunkt: ein African Fish Eagle, der gar nicht weit weg auf einem Baumstumpf sass. Ein imposanter Vogel!

Es ist traumhaft, erst einmal zwei Tage zu haben, um wirklich richtig in Afrika anzukommen und den Berg nur zu sehen. Aber wir freuen uns jetzt schon darauf, endlich loszulaufen!

[IMG]http://imageshack.com/a/img532/1521/mg6879.jpg

http://imageshack.com/a/img291/8056/mg6912.jpg

http://imageshack.com/a/img718/4198/mg6939.jpg

Julia
23.03.2010, 21:54
26.01.2010 Amboseli - Namanga - Moshi

Heute wird es spannend. Wir sollen zuerst mit dem Minibus nach Namanga (Grenzposten zu Tansania) gefahren werden, wo wir in den Shuttlebus nach Moshi einsteigen. Ich habe nicht die leiseste Ahnung, wo wir den treffen sollen (Bushaltestellen gibt es hier ja nicht), aber Anthony telefoniert eine Viertelstunde und meint anschliessend, es zu wissen. Die Fahrt heute dauert den ganzen Tag und ist fast eine kleine Weltreise - dabei geht es nur halb um den Berg herum...
Die Strasse vom Amboseli nach Namanga ist eine Piste, und entsprechend Puffer planen wir ein (von wegen Platten und so). Unseren Morning Game Drive verlegen wir deshalb nach unterwegs. Sollten wir den Bus verpassen, sehen wir ziemlich alt aus, denn es ist der einzige nach Moshi. Der nächste geht nur bis Arusha, und dann ist es dunkel. Und im Dunklen fährt hier niemand mehr (keine Taxis, keine anderen Autos, und auch kein Fahrzeug von Ahsante Tours). Und was ich jetzt noch nicht weiss, ist, dass ich im ganzen Leben keine Lust darauf habe, in Namanga 5 Stunden rumzusitzen und zu warten...

Kaum sind wir aus dem Park raus, wird die Landschaft buschiger. Und damit sind auch gleich ganz andere Tiere da - Giraffen! Wir halten an und fotografieren.

http://img291.imageshack.us/img291/3043/mg6975.th.jpg (http://img291.imageshack.us/i/mg6975.jpg/)

...Apropos fotografieren, da hatte ich am Ankunftstag im Amboseli ein riesiges Down, aus dem ich immer noch nicht richtig wieder raus bin. Ich meine, wir haben die verflixte Reise ja auch nur ein Jahr lang geplant! Und es ist die Reise unseres Lebens! Und wir wollen auf Safari (sprich Tiere fotografieren)! Ole hat eine Canon 400D und ein 70-200 mm Objektiv, ich habe die 5D mit einem 18-105'er. Da wir wussten, dass es eigentlich überall auf unserer Tour ziemlich staubig werden würde, wurde beschlossen, dass wir die Objektive nicht wechseln. Ich mache Weitwinkel- und Ole Telebilder. Ich habe zu Hause noch ein viel besseres 70-200'er EL-Objektiv, das ich aber nicht mitnehmen durfte (zu wertvoll, wäre aber auch zu schwer gewesen), aber wir sind uns sicher, dass es Ole's auch tut. Was ich aber habe und mitnehme (!), ist der tolle 2x Konverter, den Ole vor Ort bei sich noch dazwischenschieben soll, denn dann haben wir 18-105 (und da die 5D keinen Cropfaktor hat, ist 18 mm auch 18 mm) und 140-400, und das wird richtig gut. Dachten wir. Ist ja auch gut gedacht. Warum wir das zu Hause vorher nie ausprobiert haben, weiss ich bis heute nicht, aber es ist uns wohl nie eingefallen, dass ein Canon Konverter nicht an jedes Canon Objektiv passen könnte. Tut er aber (nicht) :motz:. Und deshalb haben wir auf der ganzen tollen Reise nur 200 mm Tele... :grrr:. Und das Tollste ist, dass mein werter Gatte genau wusste, was wir vorhatten und es bei ihm auch nicht geklickt hat, obwohl er eigentlich wusste, dass er nur an unser EL-Objektiv passt.
Also versuche ich jetzt, mich mit dem Unveränderlichen abzufinden und mich bei jedem einzelnen Tierfoto damit zu trösten, dass ich ja eine wahnsinnig gute Sensorauflösung und ein halbproffes Objektiv habe und hinterher zu Hause digital stark "ranzoomen" kann (ich will ja keinen Bildband drucken). Im Nachhinein bin ich jedes Mal, wenn ich die Bilder anschaue, wieder erstaunt, wie nah uns die Tiere kamen. Alle Fotos, die ich hier reinstelle, sind mit meiner Kamera gemacht, d.h. max. 105 mm Tele. Und das hat eigentlich bis auf ganz wenige Ausnahmen (die Flamingos im Ngorongoro z.B.) sogar gereicht!...

Nach und stellt sich heraus, dass wir es eigentlich gar nicht eilig haben, denn a) sind wir sehr gut vorwärts gekommen, b) haben wir eh einen guten Puffer und c) kommt der Shuttle erst eine ganze Stunde später als angegeben (was eigentlich alle wussten, d.h. alle sind die Shuttle Company und Anthony, aber trotzdem niemand im Zeitplan berücksichtigt hat). Hakuna matata. Also hält Anthony auf den letzten Kilometern vor Namanga sogar für Vögel an. Habe ich ein Glück!

In Namanga kaufen wir uns Kekse und Wasser und setzen uns in den Schatten (es ist warm in Afrika!), bis Anthony herausfindet, dass wir an der falschen Stelle warten. Der Treffpunkt war irgendein "Cafe" (sprich Blechbude mit Fenster, aus dem was verkauft wird), und dies hier war wohl plötzlich doch nicht das richtige (ursprünglich war mit dem Shuttle mal die tansanianische Seite der Immigrations ausgemacht, aber das hat Anthony schon heute früh umgemodelt). Ich merke, wie mir so langsam wieder mulmig wird. Mann, wenn das mal gut geht! Zum Glück wartet Anthony mit uns, bis wir im Shuttle sitzen, bevor er nach Nairobi aufbricht, wo er heute noch hinwill. Also tröste ich mich damit, dass er uns im Notfall selber bis Moshi fahren kann, wenn er das hier vermasselt... Aber Anthony vermasselt nichts, und zu guter Letzt taucht der Shuttle genau dort auf, wo wir schliesslich warten, und er hat uns auch tatsächlich auf der Passagierliste (er ist nämlich ausgebucht). 4:1.

Nächster Stop ist die Grenze, und auch hier geht alles wieder ganz reibungslos. Die Busfahrt nach Arusha ist ein Abenteuer. In Tansania baut man neue Strassen nicht von A ausgehend in Richtung B, sondern bruchstückweise über die gesamte Länge zwischen A und B. In der Praxis bedeutet das 1 km Asphalt, 1 km schlimmste Piste, 1 km Asphalt, 1 km schlimmste Piste. Stundenlang. Bis Arusha. Hier heisst es umsteigen, und wir müssen unser Gepäck dreimal in irgendwelche anderen Busse einladen und wieder rausholen, weil sich die Shuttlefirma nicht entscheiden kann, welches Auto nun weiter nach Moshi fährt. Der geplante, 10-minütige Toiletten- und Geldwechselstop fällt hier also aus, weil wir nur mit dem Gepäckumladen beschäftigt sind. Aber zumindest ist jetzt die Strasse besser. Um Klassen besser! He, solche Strassen haben wir ja in Norwegen kaum! Uns wird klar, dass wir uns nun auf der Touristenhauptachse befinden. Kenia ist offensichtlich nur ein unbedeutendes Dorf in der Peripherie, zumindest der Strassenanbindung nach zu urteilen.

Wir kommen verstaubt und verschwitzt (Mist, wir müssen die gleichen Klamotten nach der Bergtour auch noch anziehen) in Moshi an. Wir treffen unseren Outfitter und unseren Guide, der unser Equipment checkt (und für tauglich befindet), essen gut zu Abend und schlafen irgendwann sehr erwartungsvoll ein.

Tomorrow is Kili time!

Julia
24.03.2010, 15:24
27.01.2010 Moshi - Lemosho gate - Mti Mkubwa (2780 m)
Noch eine Woche vor Abreise hatte ich die Rückmeldung erhalten, dass jemand, der gerade von der gleichen Route wiederkam, weiter unten als der normale Trail head starten musste, weil die Piste zum Trail head wegen Regens unbefahrbar war. Entsprechend länger, anstrengender und matschiger war die erste Etappe. Man kann also sagen, dass wir auf die Fahrt von Nationalpark gate zum Trail head gehörig gespannt waren (Ahsante hatte uns am Vortag beim Briefing versichert, dass sie uns schon dahin bekämen, aber trotzdem).

Wir wurden früh um 08:00 Uhr am Hotel abgeholt und fuhren zuerst zu Ahsante Headquarters, um dort unsere Sachen zu deponieren, die nicht mit auf den Berg sollten, unser Gepäck zu wiegen (Limit 15 kg pro Träger) und die Träger abzuholen. Ahsante Tours beschäftigt seine eigenen Träger, was dazu beiträgt dass die ein super Team bilden, weil sie aufeinander eingespielt sind. Wir hatten eine super dufte, nette Truppe, die einfach nur gut drauf war.

Die Lemosho Route verläuft parallel zur Shira-Route, startet jedoch wesentlich weiter unten, im Regenwald, während die Shira Route beinahe oben auf dem Shira Plateau beginnt. Eine 4WD-Piste führt fast bis zum Shira 2-Camp und fungiert als die westliche Evakuierungsroute, falls auf dem Teil des Berges etwas passiert. Der Trail head der Shira Route liegt an dieser Piste. Die Anfahrt zur Lemosho Route dagegen ist bei weitem anspruchsvoller und beinhaltet eigentlich komplettes Querwaldeinfahren. Ich hätte nie gedacht, dass man mit dem Auto auf solchen "Wegen" vorwärts kommen kann!

Doch zuerst mal geht es in westlicher Richtung auf Asphalt, später normaler Schotterstrasse zum Nationalpark gate.

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Fortsetzung folgt.

Julia
25.03.2010, 21:57
Fortsetzung 27.01.2010

Am Lemosho gate wird unser gesamtes Gepäck wieder abgeladen und von den Nationalparkbehörden gewogen, damit kein Träger zuviel bekommt. Jeder Träger darf max. 25 kg tragen (15 kg dürfen wir jeder haben, und dann kann er nok 10 kg Gemeinschaftsausrüstung, Wasser oder eigenes Gepäck haben). Wir haben 9 Träger, von denen einer Koch, einer Kellner und einer Assistent Guide ist, und unseren Guide, also 10 Personen, die sich wegen uns beiden abschleppen. Und sie sind glücklich darüber, denn wir geben ihnen Arbeit. Ausserdem wird die Ausrüstiung der Träger gründlich überprüft, während unser Guide das Permit fertigmacht und wir uns ins Buch der Besteiger eintragen. Anschliessend wird alles wieder aufs Dach verladen, extra gut festgezurrt (warum, merken wir ziemlich bald) und es geht weiter.

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Und jetzt wird es spannend. Es wird spannender und bietet mehr Nervenkitzel als jede Achterbahn, die ich je gefahren bin. Ordentlich schaukeln tut es auch. Wir sind natürlich nicht angeschnallt (Gurte gibt es in dem Fahrzeug gar nicht), und die Träger sitzen teils auf dem Schoss, teils auf Kisten und Wassertanks im Mittelgang. Ich habe die Kamera zwar in der Hand, komme aber vor lauter Schaukeln kaum zum Knipsen. Wir verlieren Gepäck und müssen anhalten und es besser festzurren. Wir fahren uns fest und alle Träger werden rausgeschmissen (damit das Fahrzeug nicht so tief hängt), Bevor wir wieder loskommen kann ich endlich noch ein vernünftiges Foto machen. Nur dass es auf dem Bild bei Weitem nicht so spannend aussieht wie es war...

http://imageshack.com/a/img56/2923/mg7056.jpg

Als wir am Trailhead ankommen, wird erst mal Lunchpause gemacht. Nach und nach trudeln die Träger ein, die das letzte Stück zu Fuss gegangen sind (der Fahrer musste das Fahrzeug in Bewegung halten um nicht wieder festzusitzen und hat deshalb die Träger zurückgelassen).

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Und dann geht es endlich, endlich los! Der Regenwald umschliesst uns mit seinem Grün und seinen herrlichen Geräuschen von Affen und Vögeln.

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Der Weg ist trocken und leicht, und es geht stetig in einem sehr behaglichem Tempo bergan. Die Temperatur ist angenehm: leichte lange Hose und T-Shirt. Das Wetter strahlend. Wir sind voller Erwartungen an die Tage , die vor uns liegen und die Erlebnisse, die sie bringen werden. Überraschend schnell erreichen wir das Camp Mti Mkubwa, das ein paar hundert Höhenmeter unter der Baumgrenze liegt. Wir sind zuerst allein, doch nach und nach kommen noch zwei andere Gruppen an. Wir registrieren uns beim Ranger, beziehen unser Zelt und richten uns ein, bekommen warmes Waschwasser für Gesicht und Hände und werden bald zum Tee gerufen. Und anschliessend gibt es Abendessen.

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Lala salama!

Zwiebelforscher
26.03.2010, 22:34
:wohoo:
Außerordentlich ausführlich und schön zu lesen :-)
:wohoo:

Julia
27.03.2010, 17:29
27.01.2010 Mti Mkubwa - Simba Cave Camp (3640 m)
Die Lemosho Route ist mit Kraterübernachtung eigentlich 9 Tage lang, und das nächste planmässige Camp wäre Shira 1 gewesen. Da wir aber auf 8 Tage gekürzt haben (u.a. weil doch jeder Tag am Berg kostet, wir 8 Tage als ausreichend zur genügenden Akklimatisation ansahen und eh nur zwei Wochen hatten und lieber einen Tag mehr auf Safari verbringen wollten) übersprangen wir Shira 1 und blieben mitten zwischen Shira 1 und 2 im Simba Cave Camp. Ahsante war zwar etwas skeptisch, da das immerhin zwei 10-Stunden-Etappen bedeutet, doch wir bestanden darauf, dass 10 Stunden in behaglichem Tempo kein Problem seien. Wir haben ja am ersten Tag auch die 3 angesetzten Stunden unterschritten und waren nach 2,5 im Camp.

Am ersten Morgen im Zelt werden wir um 06.00 geweckt, und um 07.00 gibt es Frühstück. Wir haben einen eigenen Kellner, welcher auch der Weckdienst ist: Eugene, sehr mild und lieb. Und ein anderer Träger, der sich Godzilla nennt, ein echtes Unikum, welches am laufenden Band nur in einem atemberaubenden Tempo redet, kräht zum verwechseln ähnlich laut wie ein Hahn und weckt gleich das ganze Camp mit auf. Im Laufe der Tour werden wir ihn "Running Rooster" nennen, und er wird einer unserer besten Freunde in der Truppe, immer sorgfältig auf unser Wohl bedacht.

Um 08.00 Uhr sind wir zum Abmarsch bereit. Zusammen mit unserem Guide Godbless verlassen wir das Camp als erste und steigen erst einmal noch etwas weiter im immer dünner werdenden Regenwald mit seinen enormen, von Bartflechten behangenen Bäumen (die ich liebe!) bergan. Doch schon bald lassen wir die Baumgrenze hinter uns und betreten das Reich der Reisenheiden. Bald sehen wir auch die ersten Proteen (eine am Kilimanjaro endemische Art) und einen kleinen Schwarm Sunbirds.

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Wir haben heute knapp tausend Höhenmeter zu steigen, aber bei dem langsamen, stetigen Tempo geht das fast unmerklich zu. Schon haben wir die Kante des Shira Plateaus erreicht und können Shira 1 bereits sehen, wo wir Lunchpause machen werden. Jetzt befinden wir uns bereits in den "Alpine Moorlands" mit seinen Strohblumen.

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Nach dem Lunch durchqueren wir das Shira Plateau, und nun ist die Steigung hinter und gebracht, und es geht sehr angenehm eben durch die wunderbare Landschaft.

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Das Wetter folgt seinem verlässlichen Rythmus: morgens klar, mittags zuziehend und abends wieder klar, dabei keinen Tropfen Regen.
Nach 7,5 Stunden (statt der angesetzten 10 - Godbless ist mächtig imponiert und schon jetzt davon überzeugt, dass wir den Gipfel erreichen werden) sind wir am Simba Cave Camp, einem kleinen Zwischencamp, das sehr wenig genutzt wird. Hier ist es grasig und wir sind ganz allein. Ein richtiger Traumzeltplatz. Überhaupt geht es uns prima, die Etappe war wunderschön, und wir haben ausser den Sunbirds zwei winzige Chamäleons und ein paar Alpine Chats gesehen.

Es gibt Waschwasser, Tee (mit reichlich Popcorn) und anschliessend wieder ein richtig gutes Abendessen. Wir haben ein eigenes Esszelt mit Tisch mit Tischdecke und Stühlen. Und hinter uns (bzw. vor uns) liegt der Berg in der untergehenden Sonne.

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Lala salama!

willo
28.03.2010, 10:13
Wir haben 9 Träger, von denen einer Koch, einer Kellner und einer Assistent Guide ist, und unseren Guide, also 10 Personen, die sich wegen uns beiden abschleppen. Und sie sind glücklich darüber, denn wir geben ihnen Arbeit.

Wenigstens ein gewisser Zynismus ist dem Bericht nicht abzusprechen, das mag ich!

http://www.nzz.ch/magazin/reisen/das_dnne_eis_des_kilimandscharo_1.3077073.html
http://www.stern.de/reise/fernreisen/kilimandscharo-die-karawane-zieht-weiter-548768.html

Grüße,
Heiko

Julia
28.03.2010, 10:50
29.01.2010 Simba Cave - Barranco Camp (3960 m) via Lava Tower (4640 m)

Die heutige Etappe wird die bisher anstrengendste, denn erst geht es 1000 Höhenmeter bergan, um dann 700 davon wieder abzusteigen. Ausserdem werde ich heute meinen bisherigen Höhenrekord brechen. Wir werden wieder um 6 geweckt, erst sanft von Eugene und 10 Minuten später lautstark von Godzilla-Rooster. Frühstück um 7 (das schaffe ich immer geradeso - irgendwie habe ich die Zusammenpackroutine noch nicht so drin), und um 8 ist Abmarsch. Godbless wartet schon auf uns, aber er ist geduldig und gibt uns die Zeit, die wir brauchen.
Gerade filtern die Träger noch unser Trinkwasser, Micropur dazu, und in zwei Stunden kann ich trinken. Ole ist da cleverer, er hat zusätzlich zu einer 2 l Trinkblase 3 1 l-Flaschen mit und immer eine davon vom Vortag noch übrig. Ich habe meinen Rest aus der 1,5 l-Flasche gerade zum Frühstück leergemacht (die Trinkblase ist immer bei Ankunft im Camp leer), aber mit zwei grossen Tassen Tee zusätzlich zum Frühstück schaffe ich es auch 2 Stunden ohne zu trinken. Wir versuchen, einander ständig an das Trinken zu erinnern und schaffen es auch, mit Tee und Suppe zusätzlich zum Trinkwasser täglich ca. 5 l Flüssigkeit aufzunehmen.

Die heutige Etappe führt erst einmal in kaum merkbarer Steigung zum Shira 2 Camp. Trotz der schönen Aussicht ist das kein schönes Camp, und wir sind mit unserer Wahl, in Simba Cave geblieben zu sein, im Nachhinein sehr zufrieden.

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Anschliessend geht es etwas, aber nicht viel steiler weiter den Hang hinauf in Richtung Lava Tower. Vor uns hüllt sich der Berg in Wolken, aber wir laufen immer noch im Sonnenschein. Es dauert nicht lange, bis ich die 4027-Meter-Marke erreiche, was Ole (der hat so'ne tolle Uhr mit Thermometer und Höhenmesser) mit der gebührenden Feierlichkeit kundtut und von uns allen dreien mit Jubelrufen beantwortet wird. Er gibt mir später auch Bescheid wann ich trinken kann.
Uns geht es fantastisch, und noch gibt es keine Spur von Kopfschmerzen oder Ähnlichem. So langsam steigen wir in die Wolken hinein und gehen im Nebel durch eine immer steinigere und kargere grauschwarze Landschaft, in der man den Herr der Ringe hätte filmen können. Im Lava Tower Camp, wo wir unsere Lunchpause einlegen, müssen wir zum ersten Mal einen warmen Pullover und die Gore-Tex-Jacke anziehen.

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Hier oben sausen die Vier-Streifen-Mäuse zwischen den Steinen herum, und der Weissnackenrabe hält Aussschau nach etwas Essbaren, das die Touristen weggeworfen haben. Ole hatte grosse Lust, den Lava Tower zu erklimmen, aber in dem Nebel und ohne Aussicht entscheidet er sich dann doch etwas unwillig dagegen.

Nun geht es abwärts. Es kann etwas demotivierend erscheinen, drei Viertel der erkämpften Höhenemeter wieder abgeben zu müssen, doch da es der Akklimatisation dienlich ist und wir uns auf die Senecien des Barrancos freuen, tun wir das mit Vergnügen. Wir wollen ja eh heute oder morgen noch nicht auf den Gipfel.

Zu einem Zeitpunkt in der Planungsphase hatte sich die Frage gestellt, über den Western Breach aufzusteigen, doch jetzt sind wir eigentlich beide froh, dass es (zwischenzeitlich) wieder hinunter ins Grüne geht, und nicht in die klammen Wolken und die Schutthänge dort oben.

Je weiter wir ins Tal gelangen, umso mehr Senecien stehen herum. Sehr eigenartige Bäume in einer sehr eigenartigen Landschaft. Hier hätte man auch den Herr der Ringe drehen können.

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Trotz seiner Grösse hat uns das Barranco Camp sehr gut gefallen, und landschaftlich ist es meiner Meinung nach das schönste der gesamten Route. Unser Trägerteam, das uns jeden Tag irgendwann überholt (Jambo, Mambo, Poa) sucht immer ein schönes Eckchen der Camps für unsere vier Zelte aus, gern etwas abseits und nicht zu nah und nicht zu weit eines Toilettenhäuschens. Wir kommen im Nebel an (und haben wieder nur 8 statt 10 Stunden gebraucht, trotz einer ganzen Stunde Pause am Lava Tower), doch bald bricht die Sonne durch und das allnachmittägliche Aufklaren geht los. Zum Abendessen ist der ganze Berg frei und von der warmen Abendsonne beleuchtet. Und jetzt ist er schon richtig nah gekommen!

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Lala salama!

Julia
28.03.2010, 11:03
http://www.nzz.ch/magazin/reisen/das_dnne_eis_des_kilimandscharo_1.3077073.html
Entweder stimmen unsere Infos vor Ort nicht, der Bericht ist veraltet oder der Autor hat nicht gut genug recherchiert.
Die Führer müssen Schulgang und Examen abliefern, um die Lizenz zu erhalten und die Träger haben eine Gewerkschaft (Porters Association).

Ausserdem hat hier jeder Einzelne eine Verantwortung und kann, durch das direkte Buchen vor Ort und der Wahl des Outfitters, dazu beitragen, dass die Träger bessere Bedingungen erhalten. Manche Outfitter behandeln und rüsten ihre Träger ordentlich aus, andere beuten sie aus.

Der Foerster
28.03.2010, 11:33
Ein schöner Bericht!
Wie war das, muss man einen Träger/Guide haben oder kann man es auch auf eigene Faust bzw. nur mit einem Giude ohne Träger machen?

(Der Förster der bisher sich mehr auf die schönen Bilder beschränkt hat);-)

Julia
28.03.2010, 12:37
Wie war das, muss man einen Träger/Guide haben oder kann man es auch auf eigene Faust bzw. nur mit einem Giude ohne Träger machen?
Man kann es ohne Träger machen, aber man muss einen Guide haben. Das eigene Gepäck tragen zu müssen, ist eine Sache. Aber Wasser und Essen - das wird bei der Höhe ganz schön heftig. Es macht aber man hin und wieder jemand, und es ist absolut möglich. Vielleicht dann vorher am Mt Meru oder so akklimatisieren und eine kurze Route hoch nehmen (Marangu z.B.; Umbwe ist sehr anspruchsvoll, da sehr steil und viel Kraxelei, also mit schwerem Gepäck vielleicht nicht empfehlenswert).

Julia
03.04.2010, 13:34
30.01.2010 Barranco - Karanga (4035 m)

Wir haben den Reisezeitpunkt nach ziemlich vielen Kriterien ausgewählt und ganz genau angepasst, aber die Mondphasen haben wir dabei nicht bedacht. Viele timen ihren Gipfelvorstoss mit dem Vollmond. Doch neben dem Volltreffer mit dem fantastischen Wetter (was sich ja nun nicht so gut planen lässt)haben wir ganz unbeabsichtigt und "aus Versehen" auch einen Volltreffer mit dem Mond gelandet. Heute Nacht ist Vollmond. Das ist zwar zwei Tage vor dem Gipfelaufstieg, aber das macht gar nichts, denn wir steigen eh tagsüber auf (sofern wir es nicht noch mit der Höhe zu tun kriegen). Das Tolle ist einfach, dass ja auch nochj ein paar Nächte zuvor und danach annähernd Vollmond ist, und bei den sternklaren Nächten sieht der Berg mit seinen Gletschern im Vollmond einfach grandios aus. So ist jeder nächtliche Toilettenbesuch (von denen es mehrere gibt und über die man vielleicht sonst eher fluchen würde) schlicht eine Freude, denn er gibt Anlass aus dem Zelt zu kommen und den Berg im Vollmond zu bewundern. Und zumindest ich kann mich daran kaum satt sehen.

Heute steht zum ersten Mal seit dem Starttag eine kurze Etappe an - vier Stunden sind veranschlagt. Das bedeutet, dass wir uns heute auch mal morgens Zeit lassen können, was auch heute ganz besonders gut passt, wo all die Massen von Leuten in langen Schlangen die Barranco Wall raufkraxeln und sehr zeitig aufbrechen. So können wir später das Ganze etwas lockerer angehen und brauchen weniger Schlange stehen.

Wir geniessen den herrlichen Sonnenschein, die grossartige Landschaft des Barrancos und das gute Frühstück. Unglaublich, was Rama, der Koch, hier am Berg alles bewerkstelligt. Morgens startet der Tag mit Porridge, und dann Toast oder Eierkuchen. Täglich gibt es frisches Obst (Mangos, Ananas, Maracujas... wie machen sie das nur???). Und Abends wechselt die Küche von international mit Pommes oder Spaghetti über indisch und afrikanisch, Fisch und Fleisch. Und jeden Abend gibt es eine andere, köstliche Suppe als Vorspeise. Und noch hält bei uns auch der Appetit an. Godbless erzählt uns, dass viele bereits auf der gestrigen Etappe Probleme mit der Höhe bekommen. Wir haben nicht einmal andeutungsweise Kopfschmerzen oder Übelkeit gehabt, und die Lust am Essen haben wir also (noch) nicht verloren.

Irgendwann zwischen neun und zehn Uhr brechen wir auf. Wir sehen die Menschenschlangen in der schattigen Bergwand vor uns und sind gespannt auf die "Breakfast Wall". Letztendlich macht sie richtigen Spass. Endlich einmal ein Gelände, das nicht als Spaziergang bezeichnet werden kann. Wir gehen zügig und stetig und werden ab und zu nur von Trägern überholt. Oben angekommen, fragen wir beide wie aus einem Mund, ob wir das nicht noch mal machen könnten :D.

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Statt dessen machen wir Pause. Und beobachten heimlich die anderen Gruppen verschiedenster Nationalitäten (viele Amerikaner und viele Deutsche - wir "Norweger" sind deutlich in der Minderzahl) und deren Reaktion auf die hinter sich gebrachte Kraxeletappe, ihren physischen Zustand und ihre Ausrüstung. Es ist eindeutlich eine sehr bunte Mischung! Und es gibt schon einige, denen die bisherige Tour deutlich mehr abverlangt hat als uns. Wir hören eine Amerikanerin zu ihrem Mann sagen: "Don't complain! YOU wanted this! You PAID for this, so DON'T complain!!" Ich könnte eigentlich die ganze Zeit laut singen, so sehr freue ich mich darüber, hier zu sein und das Ganze so unverschämt geniessen zu können.

Wir haben mit 4200 Metern den höchsten Punkt der heutigen Etappe erreicht, sind also ca. 200 Meter aufgestiegen, und jetzt geht es ebensoviel wieder bergab. Gut für die Akklimatisierung. Der Weg weiter ist erst einmal eine regelrechte Autobahn.

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Hier überholen uns so nach und nach unsere Träger (darunter der "Running Rooster"), die sich offensichtlich darüber freuen, dass wir so fein zuwege sind. Ansonsten überholt uns niemand, ganz im Gegenteil. Wir halten zeitweise sogar mit einigen der anderen Träger mit.

Unten im Tal erreichen wir den "Last Water Point". D.h. ab hier muss alles Wasser für die nächsten zwei Tage mitgeschleppt werden. Oben im Krater wird Wasser von den Gletschern gescholzen, und sonst fliesst erst im Millennium Camp wieder welches. Von hier unten aus geht es das letzte Stück zum Karanga Camp noch einmal ca. 150 Höhenmeter steil bergan. Hier kommen uns einige unserer Träger entgegen, die bereits oben waren und nun noch mal runtergehen, um mehr Wasser zu holen, oder einfach nur hilfsbereit sind und uns unsere Tagesrucksäcke abnehmen wollen, um es uns zu erleichtern (besonders mir kleinen zarten Frau :bg:). Ich gebe meinen Rucksack aber nicht her, denn erstens stört er mich nicht, zweitens ist das hier gutes Training (das meinem Körper ausgesprochen gut tut) und drittens bin ich stolz. Meinen Tagesrucksack trage ich selber (wenn ich schon sonst nichts trage). Der Running Rooster ist deutlich imponiert und lobt uns (und besonders mich)über den grünen Berg, wie gut wir unterwegs wären und was ich für eine starke Frau sei, stark wie eine Löwin... jaja, denke ich, red du mal, noch bin ich nicht oben!!!

Um halb zwei sind wir im Camp und bekommen ein warmes Lunch serviert. Bisher hatten wir aufgrund der langen Etappen Lunchpakete bekommen. Und am Nachmittag machen Ole und ich einen Akklimatisierungsspaziergang noch so zweihundert Höhenmeter weiter hoch in Richtung Barafu. Wir haben eine angeregte Diskussion über Gott und die Welt, das Norwegische Schulsystem und ob man in Norwegen Routen auf mehr der 2000er markieren sollte oder nicht und ob man elitär sei, wenn man dagagen sei (weil dann die, die so was nicht ohne Markierungen schaffen, nicht da hoch können). Zum Schluss setzen wir uns auf einen Stein und schauen hinunter ins Camp und weiter, viel weiter über die ostafrikanische Ebenen. Uns geht es immer noch unverschämt gut.

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Lala salama.

Habe noch mehr Bilder hinzugefügt.

Julia
03.04.2010, 14:03
31.01.2010 Karanga - Barafu (4640 m)

Heute ist wieder ein leichter Tag. Es geht zwar deutlich mehr bergan als am Tag zuvor, dafür aber auch ebenso deutlich weniger steil, also viel gemächlicher. Die Morgenstimmung im Camp mit dem Berg im Hintergrund ist rege und optimistisch (zumindest was uns anbelangt).

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Wieder scheint die Sonne vom blauen Himmel. Ich hatte mir zwei Tage zuvor eine Stück eines Backenzahns ausgebissen, und die Stelle war so schwer zugänglich, dass die provisorische Füllung, die Ole mir verpasst hat, wieder rausgefallen ist, weil sie nciht ordentlich angepasst werden konnte. Wir hatten ja auch keinerlei Intrumente für so was. Trotzdem geht es mir gut, der Zahn tut nicht weh (Gott sei Dank, das hätte auch das Ende der Tour sein können!), und ich kaue halt vorsichtig auf der anderen Seite. Allerdings beginne ich jetzt langsam einen kleiner werdenden Appetit zu verspüren. Ich habe keine Kopfschmerzen und mein Magen macht noch voll mit, auch wenn der Inhalt mittlerweile etwas weniger fest geworden ist, aber ich esse weniger und versuche aber dafür um so mehr zu trinken. Trinken, trinken trinken. Heute geht es wie gesagt nur sachte bergan, 600 Höhenmeter.

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3 Stunden später, im Barafu Camp angekommen, gibt es wieder warmes Lunch. Diesmal ruhen wir uns am Nachmittag einfach nur aus. Die Abendstimmung im Camp ist spektakulär, vor allem weil wir nun den Mawenzi zum ersten Mal zu Gesicht bekommen. Was für eine Schau! Und der Kibo sieht mit seinen verbleibenden gut 1200 Höhenmetern aus wie eine etwas überdimensionierte Besshøe, ein ähnlich geformter 2000er aus dem heimatlichen Jotunheimen. Er sieht mit anderen Worten durchaus bekömmlich und überwindbar aus. Uns ist aber auch bewusst, dass das mit der Höhe jetzt ernst wird und die Verhältnisse durchaus nicht vergleichbar sind. Sie fühlen sich auch nicht so an. Trotzdem ist es irgendwie beruhigend, so nah gekommen zu sein. Wir sind uns jetzt ziemlich sicher, dass wir, wenn wir die Nacht gut überstehen, die Kraterübernachtung durchziehen werden. Und wir haben immer noch die Option, am Stella Point zum Gipfel zu gehen und wieder abzusteigen, wenn wir uns schlecht fühlen sollten.

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http://imageshack.com/a/img535/4750/mg7402.jpg.

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http://imageshack.com/a/img695/3698/mg7409.jpg

Als wir heute ins Zelt kriechen, sind wir sehr gespannt auf den morgigen Tag. Irgendwie geht jetzt das Abenteuer richtig los.

Lala salama.

Habe noch mehr Bilder hinzugefügt.

Raphael O.
03.04.2010, 14:04
Cooool :-)

Steht (mit) ganz oben auf meiner Liste...

Was waren die Brutto-Reise-kosten?

Julia
03.04.2010, 14:13
Was waren die Brutto-Reise-kosten?

Da gehe ich zum Schluss ausführlich drauf ein. Wir hatten ja ein ziemlich zusammengesetztes, individuelles Programm.

Raphael O.
03.04.2010, 14:14
Da gehe ich zum Schluss ausführlich drauf ein. Wir hatten ja ein ziemlich zusammengesetztes, individuelles Programm.
ok, cool. Genau deshalb interessiert es mich :)

Julia
05.04.2010, 18:09
01.02.2010 Barafu - Crater Camp (5730 m)

Heute stehen wir extra früh auf, kommen aber trotzdem erst verspätet los, denn die Träger bummeln mit dem Wasser filtern. Das macht aber gar nichts, denn die Morgenstimmung im Camp ist atemberaubend, und durch das Warten kann sie richtig genossen werden.

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Im Camp ist es verhältnismässig ruhig, denn alle Gipfelstürmer des Tages sind bereits gegen Mitternacht aufgebrochen. Wir sind die einzige Gruppe, die zum Crater Camp will.

Nicht lange nach dem Aufbruch strahlt die Sonne schon intensiv vom Himmel. Und jetzt sind wir eindeutig über den Wolken, denn sie bleibt da den ganzen Tag ohne eine einzige Pause. Über den Wolken... Wir sind startbereit und sehr, sehr gespannt.

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Es liegen 1100 Höhenmeter bis zum Stella Point vor uns, die wir in 6 Stunden mit reichlichen Pausen und sehr ruhigem Gange zurücklegen. Erst messen wir unseren Fortschritt am Barafu Camp, das stätig weiter unter uns liegt, dann an der Höhe des Mawenzi, dann an einem Schneefeld/Gletscherrest nicht weit unter dem Stella Point, und als wir das erreicht haben sehen wir, dass es doch noch ein Stück bis zur Kraterkante ist. Doch sie kommt immer näher, immer näher. Wir können jetzt den gesamten Sattel zwischen dem Kibo und Mawenzi mit der Marangu Route überblicken und die Kibo Hut sehen. Unterwegs kommt uns ein Stretcher entgegen. Oha, denken wir, und noch mal oha als wir sehen, dass es sich nicht um einem Höhenkranken handelt, der da abtransportiert wird, sondern um eine gehbehinderte Person. Alle Achtung!

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Uns kommen jetzt sehr viele Leute entgegen, einige glücklich und andere ziemlich erschöft, aber runterzu geht es bei alles ziemlich fix. Wie schön wird das, morgen auch so darunter rennen zu können!
Oben im Sattel am Stella Point sitzt der Jubel locker. Der Ausblick in den Krater hinein ist allerdings etwas ernüchternd, denn es sieht noch weit bis zum Furtwangler Gletscher aus, wo das Camp ist. Und es dauert auch eine ganze Stunde. Aber es geht leicht, denn der Weg ist easy und sehr flach. Ich habe leichte Kopfschmerzen und merke, dass ich nicht mehr ganz auf der Höhe bin, aber ich kann auch nicht behaupten, dass es mir direkt schlecht ginge. Ich merke die Höhe (alle Abläufe geschehen viel langsamer), aber sie setzt mir immer noch nicht zu sehr zu.

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Im Camp angekommen, konstatieren wir als erstes den Müll. Ich war darauf vorbereitet, aber er schockt mich trotzdem. Wir werden jedenfalls nicht mit dem kleinsten Papierschnipselchen dazu beitragen, und was Toilettenabfall betrifft, so haben wir hier oben eine eigene tragbare Chemietoilette. Ahsante sana, die werde ich sehr zu schätzen wissen. Nach einer kleinen Zelteinräumpause gibt es Lunch, und das essen wir draussen auf einem Stein. 7 Träger/Guides sind mit hoch in den Krater gekommen, die anderen 3 werden in der Zwischenzeit unser Camp vom Barafu nach Millennium verlegen.

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Nach einer Stunde Ausruhen geht es hoch zum Reuschkrater (dem inneren Krater). Wir sehen den Pfad, der hinaufführt, und so langsam merke ich, dass mir die Höhe mehr und mehr zuzusetzen beginnt. Ich nehme zwei Paracet, und los geht es. Keine Ausreden und kein Schlappmachen, denn wir haben schliesslich extra wegen dem Reuschkrater die ganze Kraterübernachtungsgeschichte angezettelt (besser gesagt, ich habe sie angezettelt). Also bitte schön, das hier ist der erste richtige Höhepunkt und für mich (fast) genaus so viel wert wie der Gipfel! Und hoch kommen wir, und wir sind sprachlos vor Begeisterung. Wir fühlen uns wie auf dem Mond. Was für eine eigenartige, abgelegene, öde Welt! Und was für ein Triumpf, denn wir befinden uns auf 5850 m Höhe, nur knapp 50 Meter unter dem Gipfel! Ha, und den holen wir uns morgen auch noch!

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Nach einem Spaziergang entlang der Kraterkante des Reuschkraters, auf dem wir das Skelett eines Bartgeiers finden (was hat der hier oben gewollt???), bewegen wir uns wieder in Richtung Camp. Bis auf unseren Koch und unseren Kellner sind alle Träger und Guides mit uns hier hoch zum Reuschkrater gekommen, und das finden wir richtig klasse! Endlich sind sie mal nicht hinter uns, an uns vorbeirennend oder vor uns, sondern mit uns zusammen in unserem Tempo, und wir unterhalten uns mit einigen richtig nett. Der Running Rooster hat z.B. seine junge Frau, die er sehr liebt und seine 1 Monat alte Tochter unten in einem Dorf am Berg. Und ist mit uns hier oben im Krater... Und geht anschliessend nach drei Tagen Aufenthalt für zwei aufeinanderfolgende Touren via die Machame Route wieder rauf. Da bleibt nicht viel Familienleben...

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Zurück im Camp beginne ich, mich mehr und mehr unwohl zu fühlen. Appetit habe ich gar keinen und esse eigentlich nur die Suppe zum Abendessen, einige Mundvoll Gemüse und zwei Tassen Tee, und ich nehme eine Tablette gegen Übelkeit. So langsam beginne ich, mich vor der langen Nacht hier oben zu grauen.

Doch die wird weit besser als befürchtet. Um neun Uhr Abends geht es noch mal auf Toilette, und als ich aus dem Zelt komme, stockt mir der Atem. Auf immerhin fast 6000 Meter Höhe, halbwegs in der Atmosphäre, scheint der Himmel zum Greifen nah zu sein. Der Mond ist (noch) nicht über die Kraterkante geklettert, und es ist stockdunkel und sternenklar. So viele Sterne, so nah!! Es ist ein fast sphärisches Gefühl. Ich lasse die Toilettentür offen und sitze eine geschlagene Viertelstunde und schaue mir die Sterne an, während ich mein Geschäft erledige und merke, wie mir langsam besser wird. Die frische Luft und der leere Magen tun gut. Anschliessend schlafe ich einige Stunden ziemlich gut (mit erhöhtem Oberkörper) und fühle mich viel besser als am Vorabend, als wir um vier Uhr morgens geweckt werden.

Julia
05.04.2010, 18:42
:motz: Jetzt habe ich alles wieder weggelöscht, was ich gerade so lange geschrieben hatte. IDIOT! Mal sehen, ob ich das hier noch mal so schön hinkriege...:motz:

02.02.2010 Crater Camp - Uhuru Peak (5895 m) - Millenium Camp (3790 m)

Das Frühstück will mir allerdings gar nicht schmecken, und der Pfannkuchen quillt mir im Mund auf. Ich bringe nicht mehr als zwei, drei Bissen hinunter. Dazu eine Portion Suppe und eine Tasse Tee. Das Zusammenpacken des Schlafsacks und des Tagesrucksacks ist sehr kräftezehrend und dauert eine Ewigkeit. Endlich sind wir fertig. Um fünf Uhr geht es los, und für die 200 verbleibenden, steilen Höhenmeter zum Gipfel (man sieht die Route sehr schön auf dem zweiten Bild von links in der letzten Bilderserie des Voreintrags) ist eine Stunde angesetzt.

Meine Hände sind kalt, und ich muss mir wärmere Handschuhe anziehen, ohne dass das allerdings was helfen würde. Eine Viertelstunde später beginne ich mich richtig unwohl zu fühlen. Neben den Kopfschmerzen und einer leichten Übelkeit (die ich sehr gern los wäre) wird mir jetzt auch schwindlich (das heisst, ich habe das Gefühl, mein Kopf schläft ein). Jetzt habe ich das Stadium erreicht, wo ich 10-20 Schritte gehen kann und Pause machen muss (und hinsetzen! Ja nicht ohnmächtig werden!), 10-20 Schritte gehen kann und Pause machen muss. Uff, das hier geht langsam! Und Ole ist einfach unverschämt gut in Form. Entweder es geht ihm blendend oder er lässt sich nichts gegenteiliges anmerken. Er geht hinter mir und sagt kein Wort. Godbless geht vor mir und bleibt geduldig stehen, jedesmal wenn ich um eine Pause bitte. Halbwegs oben kommen wir in den Schnee, und jetzt bin ich froh, Erfahrung mit solchen Verhältnissen aus Norwegen zu haben. Es ist steil (!), der Schnee eishart gefroren und die Fusspuren im Schnee von unseren Vorgängern von vor ein paar Tagen sind auch eisig und glatt. Aber ich habe meine Stöcke und ich weiss, wie ich meinen Fuss setzen muss, um Halt zu finden. Ich versuche, die Kraterkante dort oben Kraterkante sein zu lassen udn mich nur auf meine Füsse und die nächsten jeweils 10 Meter vor mir zu konzentrieren. Godbless reicht mir seine Hand und will mir meinen Rucksack abnehmen, aber ich schimpfe fast mit ihm, denn er hat keine Handschuhe an (der gute Junge geht mit den Händen in den Taschen... :ignore:), und da meine Hände trotz der warmen Handschuhe so kalt sind, dass ich vor Schmerzen am liebsten heulen möchte, kommt es für mich ganz und gar nicht in Frage, dass er seine aus den Taschen rausnimmt um mir zu helfen. Er fragt mich, ob ich ok sei. Ich sage ja und versuche zu lächeln, aber es sieht wohl mehr wie eine Grimasse aus. Aber ich schaffe das hier! Und meinen Rucksack trage ich selber!!

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Endlich geht die Sonne auf, und von irgendwoher bekomme ich neuen Mut und neue Kraft. Jetzt ist auch die Kraterkante plötzlich nicht mehr weit weg, und von nun an benötige ich keine Pause mehr. Die letzten 50 Höhenmeter gehen immer leichter, immer leichter, und endlich oben angekommen, sind die letzten Meter bis zum Gipfel ein Kinderspiel. Die Stimmung ist atemberaubend. Der Kibo wirft seinen 15 Minuten jungen Schatten neben den Mt. Meru, und von gar nicht weit weg hören wir angeregte, fröhliche Stimmen. Wir werden nicht die ersten am Gipfel sein, aber wir haben trotz meiner Anstrengungen nur eine Stunde und eine Minute gebraucht, sind also völlig in der Zeit! Wir umarmen uns, beglückwünschen uns und machen unsere Gipfelfotos.

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Wir geniessen das fantastische Wetter und die fast unwirkliche Morgenstimmung auf dem Dach Afrikas eine halbe Stunde lang, bevor wir uns auf den Abstieg machen.

Wir haben 2000 Höhenmeter bergab vor uns, und morgen nocheinmal 2000. Ich weiss schon jetzt, dass das für meine Knie eine Tortour werden wird, aber ich sehne mich danach, mich wieder normal zu fühlen und diese fast unmerkliche, aber sehr unangenehme Übelkeit loszuwerden.

Wir benötigen vier Stunden für den Abstieg ins Millenium Camp. Im Barafu Camp machen wir eine kurze Pause, und dann geht es weiter. Es ist jetzt bedeutend weniger steil, aber der Neigungswinkel ist dafür sehr viel unangenehmer. Ich gehe fast nur auf den Stöcken, aber ich spühre die Belastung in den Kniekehlen. Durchhalten!

Unterwegs erfahren wir übrigens auch, woher das ganze frische Obst ständig kommt. Die Mweka Route ist zwar für uns Touristen nur eine Abstiegsroute, für die Arbeiter am Berg jedoch auch eine Versorgungsroute. Über sie kommen ständig frische Lebensmittel und Ausrüstung den Berg hinauf.

Endlich im Millenium Camp angekommen (ich bin HEIL!!froh, dass wir hier bleiben und den Abstieg in zwei gleiche Teile aufteilen statt heute noch tausend Meter weiter runter zu müssen), sind wir staubig und dreckig und fertig, aber auch glücklich. Wir haben es geschafft! Wir waren im Krater, und wir waren auf dem Gipfel!

Es gibt warmes Waschwasser, und dann werden die Oberschenkelmuskeln und Knie mit Muskelöl eingerieben und sich einfach nur auf den Schlafsack ins Zelt gelegt und gelesen.

Später gibt es Abendessen und Popcorn, und Dank Godbless werden wir über den Verteilschlüssel des Trinkgeldes aufgeklärt. Da kann morgen beim Abschied nichts mehr schief gehen :bg:.

Lala salama, Gute Nacht - das letzte Mal am Berg!

Trampvan
05.04.2010, 20:48
Ein sehr schöner Bericht und es scheint auch eine sehr schöne Zeit gewesen zu sein :)

Julia
05.04.2010, 21:20
03.02.2010 Millenium Camp - Mweka Gate (1630 m)
Das letzte Frühstück am Berg, das letzte Zusammenpacken. Heute abend schlafen wir im Hotel, und das nach einer warmen Dusche.

Aber bevor wir loslaufen, kommt die grosse Abschiedszeremonie mit Kilimanjaro-Lied von unserem Team für uns und unserer feierlichen Vergabe des Trinkgelds für sie. Und wie sie singen... Sie singen Jambo bwana (was wir von zu Hause vom Chor her kennen, aber wir trauen uns kaum, mitzusingen), und zwar (wie wir sehr schnell verstehen) mit einem selbstgedichteten Text, der unsere gesamte Route besingt. Jedes einzelne Camp, jede Etappe. Sie singen mit dem ganzen Körper und einer rührenden Hingabe. Dies ist der einzige Moment auf der gesamten Reise, wo ich wirklich bitterlich bereue, im letzten Moment in meinem Packfrust die Videokamera wieder ausgepackt zu haben. Sie singen vor dem Berg im Hintergrund, im strahlenden Morgensonnenschein.

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Und dann geht es los, noch 2000 Höhenmeter. Ich habe kaum Muskelkater und meine Knie tun auch nicht mehr weh, aber letzteres ist sehr vorübergehend. Wir tauchen nach und nach wieder in die Baumheidenzone ein und erreichen das Mweka Camp. Hier wird ein Toilettenstop gemacht, und am fliessenden Wasser aus der Regentonne die Hände und das Gesicht gewaschen. Dann erreichen wir wieder den Regenwald. Ohne einen Tropfen Regen, und mit staubtrockenem Boden. Ha! Hätte ich doch den Regenponcho gegen die Videokamera getauscht!

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Auf dem letzten Stück vor dem Mweka Gate sehen wir noch einige Affen, sowohl einen Colobus und Blue Monkeys. Am Gate tragen wir uns aus, bekommen unser Zertifikat und fahren zusammen mit unserer super duften Truppe zum Ahsante Headquarters zurück, um unsere deponierten Sachen abzuholen, bevor es ins Hotel geht.

Hier wird sich erst mal auf den Rücken gelegt, sich der staubigen Klamotten entledigt und sich anschliessend gut geduscht und die Füsse massiert. Am Nachmittag gehen wir mit Godbless einen Shoppingbummel machen (ganz nett, einen Einheimischen, der sich auskennt, dabei zu haben), bevor wir ihn zum Abendessen im Hotel einladen. Etwas aufgeputzt (ich in Rock und Top, Godbless in Seidenhemd und Jeans) lassen wir die Woche mit einem guten Essen und einem Kilimanjaro Lager ausklingen (und selten hat mir ein Bier so gut geschmeckt!). Und der Berg erstrahlt in der Abendsonne. Es ist fast schon unwirklich, dass wir gestern noch ganz dort oben waren.

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Und morgen geht es auf Safari...

Lala salama. (Wie gut wir schlafen werden!)

Julia
06.04.2010, 15:51
04.02.2010 Moshi - Ngorongoro CA

Drei Tage für den Ngorongoro und die Serengeti ist nicht viel, aber es geht. Und vor allem: es lohnt sich! Und ich fand es toll, die Safari auf mehrere Gebiete zu verteilen statt nur einen Nationalpark intensiv zu besuchen. Sie sind so unterschiedlich, dass auch das Tierleben unterschiedlich ist. Und die meisten Tiere sind ziemlich stationär und die Guides kennen ihre Verstecke...

Wir stehen also um 4 Uhr morgens auf, da wir um 5 abgeholt werden sollen. Es ist stockdunkel, und wir stehen in der Hoteleinfahrt und warten. Und warten. Es wird halb 6, und jedesmal, wenn ein Auto vorbeifährt, springen wir von unseren Taschen auf, aber es ist jedesmal blinder Alarm. Zweieinhalb Stunden und zwei Telefonate später (in der Zwischenzeit sehen wir Moshi beim Aufwachen zu) werden wir abgeholt. Unseren Safari guide und Fahrer hat die Malaria erwischt, und er musste ins Krankenhaus, und wir bekommen unseren "alten" Fahrer von der Lemosho-Anfahrt, von dem wir ja schon wissen, was er fahrtechnisch kann, aber tierguidemässig muss er sich noch beweisen. Er wurde ziemlich brutal aus dem Bett geholt und ist von dem plötzlichen Auftrag noch etwas überrumpelt, aber er ist eifrig bemüht, die verlorene Zeit wieder einzuholen. Neben ihm sitzt unser Koch vom Berg, denn wir werden in Zeltcamps übernachten, und er wird weiter für uns kochen.

Um 8 sind wir also endlich unterwegs in Richtung Ngrorongoro, und Ole ist ein wenig vergrummelt, weil er drei Stunden länger hätte schlafen können. Das vergisst er aber ein paar Stunden später wieder, als wir langsam zum Krater hochfahren und unter uns den Lake Manyara sehen können. Die Landschaft wird plötzlich sehr grün und üppig, beinahe regenwaldmässig, und sehr bergig. Wir halten am Gate an (jetzt wird die Strasse Schotter, sie ist aber, obwohl sie durch die Conservation Area und später den Serengeti Nationalpark führt, die Hauptverkehrsader zum Victoriasee), kaufen Chips und Wasser, und dann geht das Safari-Abenteuer Teil 2 los.

Wir fahren zuerst zum Lookout an der Kraterkante, bevor es in den Krater geht. Unten erwischen wir einen Gewitterschauer, und es regnet zum ersten mal auf unserer Reise. Aber das macht uns überhaupt gar nichts aus. Wir sehen nämlich trotzdem Tiere, halt bloss im Regen. Und es tut unverschämt gut, heute nur im Auto zu sitzen und Tiere anzuschauen...

Die Ausbeute sind Paviane, 6 (!) Nashörner, einzelne alte (und grosse) Elefantenbullen, Zebras, Gnus, andere Antilopen und Gazellen, Löwen und unzählige Flamingos (leider sehr weit weg, und jetzt hätte ich wirklich gern das Teletele!).

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Meine Reiselektüre war übrigens "Whatever you do, don't run!" von Peter Allen, einem Safariguide aus Botwana - unglaublich unterhaltsam und sehr passend! Es sei hiermit wärmstens weiterempfohlen (ist aber auf Englisch)!

Julia
09.04.2010, 19:42
05.02.2010 Ngorongoro - Serengeti

Heute setzen wir unsere Safari in der östlichen und südöstlichen Serengeti fort. Den Vormittag benötigen wir, um die Serengeti zu erreichen. Doch bereits vorher fahren wir an enormen Gnu- und Zebraherden vorbei. Am Gate gibt es Lunch. Das Land in der Serengeti ist total flach, aber zwischendrin liegen kleine Sandsteinhügel (Löwengelände), kleine Flussläufe mit Lagunen (Flusspferde) und "Alleen" mit Affenbrotbäumen (Leoparden). Dazu Giraffen und auch hier viele, viele Elefanten. Höhepunkt heute Nachmittag sind zwei Gepardenfamilien, die eine weiter weg und mit grösseren Jungen, die andere 5 Meter neben dem Auto mit kleineren Jungen. Ich könnte vor Glück heulen!

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Julia
09.04.2010, 20:01
06.02.2010 Serengeti - Kilimanjaro Intl Apt

Heute Nacht kommt ein Gewitter, das sich gewaschen hat. Es fühlt und hört sich so an, als schlüge der Blitz direkt neben unserem Zelt ein, während der Regel wie Hagel auf die Leinwand trommelt.

Nach einem frühen Frühstück sitzen wir wieder im Auto, und wir fahren nur wenige hundert Meter, bevor zwei junge Löwenmännchen unternehmungslustig die Piste gerade vor unserem Auto überqueren. Wir sind so überrascht, dass wir erst die Kameras klarmachen müssen. Und wenig später sind wir mitten in einer grossen Büffelherde. Was uns jetzt noch fehlt, ist ein Leopard und vielleicht ein Kill. Den Leoparden bekommen wir wenig später, direkt auf der Strasse und anschliessend in den nächsten Baum flüchtend, mit Jungem, wo sie dann lange in der Sonne liegen und schmusen.

Und um uns noch eine Andeutung eines Kills zu geben, bietet uns Hamsa, unser Fahrer, noch eine Abenteuerfahrt ohnegleichen. Irgendwo ganz weit weg hat vor zwei Tagen ein Löwenrudel einen Büffel geschlagen. Um dorthinzukommen (und rechtzeitig wieder zurückzusein, denn wir haben ja schliesslich einen Flieger zu kriegen), tritt Hamsa das Gaspedal ganz durch und schlittert auf atemberaubendste Art und Weise in echtem Ralleystil auf den vom nächtlichen Regen aufgeweichten und schlammigen Pisten in die Richtung, wo die Löwen sind. Uns bleibt mehrere Male fast das Herz im Hals stecken. Schliesslich kommen wir an, und hier liegen sie. Faul und vollgefressen. Vom Büffel ist nur noch der Schädel übrig, und der riecht nicht gut. Wir sind so nah an einem der Männchen, dass es, wenn es aufstehen würde, die Tatze ins Fester stecken könnte. Schön, dass er einen so vollen Bauch hat, dass er sich kaum bewegen kann. Wir schauen eine Weile zu, dann geht es in womöglich noch rasenderer Fahrt, nach rechts und links schlingernd, wieder zurück in Richtung Hauptstrasse. Einmal fahren wir uns beinahe fest. Die Erleichterung bei Ole und mir ist fast anfassbar, als wir die Hauptstrasse heil erreichen.

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Um 18.00 Uhr kommen wir am Flughafen an, waschen uns und ziehen uns um. Dann essen wir zu Abend und schliessen unsere fantastische Reise mit einem Serengeti Lager ab.

20 Stunden später schlagen wir wieder zu Hause auf - oin -15 Grad und traumhaften Wintersonnenschein. Der Flug von Amsterdam nach Oslo, mit der weissverschneiten Schärenküste und dem gefrorenen Meer mit dem Treibeis davor ist nochmal so richtig toll.

Julia
09.04.2010, 20:34
So, und was hat nun der ganze Spass gekostet?

Flug OSL-AMS-NBO/KIA-AMS-OSL NOK 9000,- p.P.
Amboseli ab NBO/bis Namanga USD 599,- p.P. (2 Ü in der Ol Tukai Lodge mit Vollpension und 4 Game drives)
Kilimanjaro Besteigung 8 Tage Lemosho Route inkl. Kraterübernachtung und zwei Hotelübernachtungen (Leopard Hotel) in Moshi USD 2020,- p.P.
Ngorongoro/Serengeti 3 Tage Safari inkl. Zeltübernachtungen USD 990,- p.P.

Dazu diverse Visumkosten, 10-15% Trinkgelder, Anreise und Parken am Flughafen, zwei Abendessen in Moshi (die kaum etwas gekostet haben), Taschengeld und Impfungen/Malariaprophylaxe.

Es ist nicht unbedingt billiger als eine Pauschal/0815-Kilitour gewesen, aber dafür hatten wir - möchte ich behaupten - auch mehr drin. Kenia und Tansania individuell zu kombinieren ist nicht so leicht. Letztlich haben wir Kenia aber fast umsonst bekommen, weil der Hinflug nach Nairobi so viel billiger war als hin und zurück nach Kilimanjaro Intl Apt gewesen wäre. Wir waren nur zu zweit, und bei einer grösseren Gruppe verteilen sich die Kosten natürlich ganz anders. Dafür waren wir aber auch nur zu zweit (und nicht zu acht) im Safariauto - ein ziemlicher Luxus.

Es war es jedenfalls definitiv wert!

entropie
09.08.2010, 05:47
"Fast" wie als wär man dabei. Toller Bericht.

busch-i
17.08.2010, 21:17
Schade eigentlich das dieser traumhafte Reisebericht verhältnismäßig wenig Resonanz bekommt.
Ist wirklich toll geschrieben und die Fotos sind super!!

Julia
27.08.2010, 12:32
Danke für die Blumen!

T0M
27.08.2010, 13:30
Schade eigentlich das dieser traumhafte Reisebericht verhältnismäßig wenig Resonanz bekommt.
Ist wirklich toll geschrieben und die Fotos sind super!!

Kann nur zustimmen. Der Bericht kippt auf jeden Fall bei mir Öl ins Feuer und macht echt Lust, auch mal den Kibo zu besteigen!

Jiriki
31.08.2010, 14:30
Hallo Julia!

Auch von mir ein großes Lob für den Bericht und die tollen Bilder.

Allerdings schreckt mich dieser Massenauftrieb eher ab, als dass er mir Lust macht selbst da rauf zu laufen. Aber das ist natürlich nur meine persönliche Meinung. Ganz abgesehen davon kann ich mir schwer vorstellen, > 2000 Hm (wenn auch nur im Abstieg und mit Träger) am Tag bewältigen zu können.

Aber nichts desto trotz - alle Achtung und nochmal ein Kompliment für den Bericht!

ciao,
Markus

Julia
01.09.2010, 22:09
Markus: Wir sind auf einer wenig begangenen Route gestartet, die sich dann allerdings ab dem Barranco Camp mit einer der meistbegangenen vereinigt hat, so dass wir zwei Tagesetappen hatten, wo ziemlich viel los war. Die anderen sechs waren wir allein, fast allein und ziemlich allein :bg:, auch wegen des Tagesaufstiegs in den Krater. Komischerweise waren wir auch auf den beiden Abstiegstagen allein (allein heisst in dem Fall immer zu dritt), obwohl es da für alle (alle die aus unserer Richtung aufgestiegen sind) runterging. Drei Camps waren ziemlich voll, zwei leer (wir allein da) und zwei fast leer (wir mit einer anderen Gruppe). Alles in allem muss ich sagen, dass es sogesehen wohl ziemlich optimal war, wobei es ggf auf den nördlichen Routen zumindest etappenweise noch einsamer sein kann.

Danke auch Dir für das Lob :D!

Julia
02.09.2010, 09:31
PS: Markus, dann wäre im östlichen Afrika wahrscheinlich der Ruwenzori/Mt. Margherita (5109m) eine gute Wahl, da dort touristisch viel weniger los ist als am Kili/Mt. Kenya, und auch alles viel ursprünglicher ist. Besteigungen sind mit guten örtlichen Agenturen möglich. Auf dem Margherita gehst Du viel auf Schnee/über Gletscher, und die Tour ist an sich sicher mindestens genau so spannend und auch anspruchsvoller als der Kili.

c.nick
27.09.2010, 23:53
Hei Julia!
Endlich bin ich dazu gekommen, Deinen Bericht zu lesen - und - wow... So interessant, so detailiert, so lebendig - ich habe völlig die Zeit vergessen... Werde gleich Bianca den Link senden! Und jetzt bin ich schon wieder angespitzt auf neue Touren... Na, erstmal Dovre und Rondane verarbeiten ;-)
Hilsen!
Chris

ducvietnam
11.01.2011, 13:12
Hallo,

entweder habe ich es ueberlesen oder in der Packliste steht nicht, welche Wanderschuhe Du benutzt hast. Koenntest Du das bitte ergaenzen, falls es nicht schon da steht? Danke!

Julia
15.01.2011, 00:01
Hallo,

entweder habe ich es ueberlesen oder in der Packliste steht nicht, welche Wanderschuhe Du benutzt hast. Koenntest Du das bitte ergaenzen, falls es nicht schon da steht? Danke!

Stimmt :-), ich glaube, die habe ich vergessen aufzuschreiben.

Je ein Paar:
Am Berg: Hanwag Alaska (ohne Gore-Tex)
Für Safari: Joggingschuhe (Basics)
Für Abends Essen gehen: feine Sandalen

Ich hatte keine Wechselschuhe (Joggingschuhe oder Tevas) am Berg mit, und ich habe sie auch überhaupt nicht vermißt. Außerdem wäre es mir in dünneren Schuhen abends im Camp zu kalt gewesen... Es ist überall sehr sandig/staubig, und der dringt in Joggingschuhe/Sandalen ja auch viel leichter ein als in Bergschuhe. Und wenn man nachts mal rausmuß, ist es ganz egal, ob man in Bergschuhe, Joggingschuhe oder Sandalen schlüpfen muß. Außerdem waren die Toiletten abends oft schon so verschmutzt (nicht alle treffen das kleine Loch im Boden), daß ich mich da mit was anderem als Bergschuhen an den Füßen nicht reingewagt hätte ;-)...

Na dann mal eine gute Reise und viel Erfolg!!

ducvietnam
23.01.2011, 16:53
Vielen Dank für die Antwort. Es ist allerdings erst nächstes Jahr soweit. Da wäre dann auch noch eine weitere Frage:
Was für einen Schlafsack hast Du benutzt?

Julia
24.01.2011, 19:47
Der steht in der Packliste: Nahanny Salvamont (1000 g Daune). Im Jan/Feb mussten wir auf -15 Grad im Krater eingestellt sein, hatten aber nur -6. So war er mit seinen -25 Grad Komfortgrenze eigentlich viel zu warm :-). Wenn man nicht im Krater übernachtet, reicht meiner Meinung nach ein Schlafsack bis -10 Grad Komfortgrenze aus.

PS: Apropos Schuhe: Ich habe übrigens den Hanwag Yukon, nicht den Alaska (ist fast das gleiche, nur dass der Yukon keine Gore-Tex-Membran hat).

Chris1984
13.04.2011, 10:05
Hi Julia, super Bericht! Ich plane für ~Juli 2012 eine ähnliche Tour für 2-3 Wochen, habe mir mal euren Reiseveranstalter angeschaut und dort sind noch Preise von 2010 auf der Seite - gibt es die überhaupt noch?

Hat jemand ansonsten gute Alternativen für eine ähnliche Tour?


Danke und Gruß
Chris

Julia
14.04.2011, 23:08
Merkwürdig. Haste mal 'ne Mail geschickt? Die haben immer promt geantwortet. Statt info@ahsantetours.com (wie auf der Homepage angegeben) hatte ich damals ahsantetours@hotmail.com benutzt...

Wenn nicht, dann wäre das jedenfalls sehr schade. Alternativen vor Ort? Mehrere. Afromaxx, Zara, Kilicrown, Kili warriors ... (wobei ja Zara den Krater nicht anbietet, zumindest damals nicht).

Chris1984
19.01.2012, 11:53
Sooo da bin ich wieder! Habe nun ein konkretes Angebot von Ahsante (mit den 2011 Preisen statt den ~15-20% teuren 2012 preisen da ich glücklicherweise schon vor nem guten halben Jahr das erste Angebiot eingeholt habe)

Jetzt habe ich den Bericht auch noch einmal gelesen und mich ansonsten auch recht gut informiert. Hier ist unser Plan bisher:

- Timeframe: June 16th to July 8th of 2012
- First Week (~June 17th to June 23th): Climbing Kilimanjaro (Lemosho route)
- Second Week (~June 24th to June 28th): Safari in Manyara, Serengeti & Ngorongoro
- Third Week (~June 30th to July 7th) : South-Africa (Port Elizabeth, Garden Route, Bungee Jump from Bloukrans Bridge, Cape Town, Shark Diving Gansbbai)

Folgende Preise haben wir bekommen:

2-4 people - 1087€ ($1420) 2 sind wir sicher, ein paar kommen dann nur für die Safari und SA nach
5-9 people - 1049€ ($1370)

Für Kili und 957€ ($1250) für 5 Tage Safari (siehe oben)

Die € Preise sind leider schlechte gewroden jetzt wegen dem Kurs und ich hoffe, dass der € sich noch erholt bis wir buchen (noch können wir ein paar Monate warten).


Nun habe ich noch ein paar Detailfragen:

- Ein Vaude Schlafsack wird ja gestellt, hattet ihr eure eigenen noch dabei?
- Ich habe viel über bewaffnete Überfälle gelesen, vor allem in abgelegenen Gegenden des Ngoronogoro und vor allem beim Lake Natron. Auch der Arusha Highway zum Lake Manyara NP soll gefährlich sein. Habt ihr davon etwas mitbekommen oder ist das alles nicht mehr aktuell? Quelle: 1 (http://www.fco.gov.uk/en/travel-and-living-abroad/travel-advice-by-country/sub-saharan-africa/tanzania) & 2 (http://books.google.ie/books?id=Vx85TX9T3h0C&pg=PA165&lpg=PA165&dq=Lake+Natron+%2B+armed+bandits&source=bl&ots=iNIgWrC7zZ&sig=D-9nTLdsw6DTjmOwj5DUN-mNYrk&hl=en&sa=X&ei=nekXT-7sNMXk0QHt1oHFCw&redir_esc=y#v=onepage&q=Lake%20Natron%20%2B%20armed%20bandits&f=false)
- Ahsante hat immer ihre eigenen Porter? Habe in einem Buch gelesen, dass auch mal gern direkt am Gate leute angeworben werden und auch mal gern weniger als eignetlich vorgesehen um Geld zu sparen.
- Ist ein Assistance Guide auch "standard" , sollte mal einer von uns umdrehen müssen will der rest auf jeden fall weitermachen! Wäre schlecht wenn dann alle die Tour abbrechen müssten falls nur ein Guide dabei ist.
- Kann mir jemand ein gutes Reise Zoom Objektiv für meien Sony Alpa a35 empfehlen für den Trip?


So viel dazu erst mal :) Den Hinflug nach Nairobi haben wir für 300€ über Condor als 7,5H direktflug schon gebucht da das Angebot unglaublich gut war und den Rest müssen wir noch buchen - gibt also jetzt kein Zurück mehr ;)

Freu mich soooo :)

Vielen Dank schon mal!!!

Gruß
Chris

fechter
20.01.2012, 11:57
- was Überfälle angeht, würde ich mir persönlich nicht allzuviele Sorgen machen. Tanzania ist nicht Äthiopien. ;)
- Assistant guide könnte ev. auch der Koch sein...
- Zoom: für die Safari gilt: je länger desto besser.

mfg
w

Julia
20.01.2012, 17:04
Nun habe ich noch ein paar Detailfragen:

- Ein Vaude Schlafsack wird ja gestellt, hattet ihr eure eigenen noch dabei?
Ja (wegen der Kraternacht, da wollte ich nicht frieren)!


- Ich habe viel über bewaffnete Überfälle gelesen, vor allem in abgelegenen Gegenden des Ngoronogoro und vor allem beim Lake Natron. Auch der Arusha Highway zum Lake Manyara NP soll gefährlich sein. Habt ihr davon etwas mitbekommen oder ist das alles nicht mehr aktuell? Quelle: 1 (http://www.fco.gov.uk/en/travel-and-living-abroad/travel-advice-by-country/sub-saharan-africa/tanzania) & 2 (http://books.google.ie/books?id=Vx85TX9T3h0C&pg=PA165&lpg=PA165&dq=Lake+Natron+%2B+armed+bandits&source=bl&ots=iNIgWrC7zZ&sig=D-9nTLdsw6DTjmOwj5DUN-mNYrk&hl=en&sa=X&ei=nekXT-7sNMXk0QHt1oHFCw&redir_esc=y#v=onepage&q=Lake%20Natron%20%2B%20armed%20bandits&f=false)
Davon haben wir absolut gar nichts mitbekommen - haben sogar im Bush nahe des Ngorongoro gecampt...


- Ahsante hat immer ihre eigenen Porter? Habe in einem Buch gelesen, dass auch mal gern direkt am Gate leute angeworben werden und auch mal gern weniger als eignetlich vorgesehen um Geld zu sparen.
Das hat man uns so erzählt ;-). Am gate angeworben werden Leute von Ahsante i.d.R. dann, wenn Ihr zuviel Gepäck mithabt und deshalb extra Träger benötigt werden. Normalerweise stellt sich das erst beim Packen vor Ort raus.


- Ist ein Assistance Guide auch "standard" , sollte mal einer von uns umdrehen müssen will der rest auf jeden fall weitermachen! Wäre schlecht wenn dann alle die Tour abbrechen müssten falls nur ein Guide dabei ist.
Ja. Assistant guide ist standard. Wir waren zu zweit, und beim Gipfelaufstieg hatte ejder von uns seinen eigenen Guide!


Freu Dich ruhig, das wird ein tolles Erlebnis! Ich würde da glaub ich auch glatt noch mal hochgehen!

Gruß
Julia

Chris1984
20.01.2012, 17:27
Super vielen Dank! Ja kann es kaum abwarten - lese gerade viele Reiseberichte und 2 Bücher und die Vorfreude steigt immer weiter ins Unermessliche :)

Das einzige was mich stört ist, dass wir den Kili Aufgrund von erheblichen Einsparungen beim Flug nun am Anfang machen und nicht am Ende - falls wirklich jemand ein Problem haben sollte wäre dann der restliche Urlaub zumindest nicht in Gefahr bzw. der Anfang der Safari..

Hoffen wir mal, dass die 6 Tage Lemohso Route nicht zu kurz ist:

Day 1: Lemosho Glades 2100m > Big Tree Camp > 7kms > 3 hours > Altitude gain 700m
Day 2: Big Tree 2800m ->> Shira Camp 2 > 14kms > 8-9hrs > Altitude gain 1050m
Day 3: Shira Camp2 3850m->> Barranco Camp > 10kms > 6-7hrs > Altitude gain 700m, down 600m
Day 4: Barranco Camp 3950m ->>Barafu Camp 4kms > 7-8hrs > gain 650m
Day 5: Barafu Hut 4600m ->> UHURU PEAK 5895m ->> Millennium Camp
19kms > 12-14hrs > Alt. gain 1295m down 2105m
Day 6: Millennium Camp 3730m ->> Mweka Gate 1800m > 13kms > 5-6hrs > Descend 1650m
Total : Time = 44 > Distance = 70kms > Altitude difference = 9590m


Ich traue es mir schon zu und hoffe, dass der Rest mitziehen kann wobei die Höhenkrankheit halt leider jeden heimsuchen kann. Aber die 6 Tage für die lange route sehen schon nach einem Straffen Programm aus, eventuell müssten wir dann noch einen Tag dranhängen...


Gruß
Chris

Julia
20.01.2012, 22:12
Ja, das ist das straffeste Programm auf der Route, und ihr habt nicht einen einzigen Ausruhtag, wo man nur 3-4 Stunden gehen würde - es sind alles (abgeshen vom Starttag) 8-10 Stunden-Etappen. Das ist hart :o! Ich würde Euch auf jeden Fall einen extra Tag empfehlen, und zwar zwischen Barranco und Barafu (in Karanga). Ich glaube, davon würdet Ihr viel mehr haben!

Dabei ist die Kondition nicht das Problem. In dem langsamen Tempo schafft man auch 11 Stunden-Etappen. Das Problem ist der schnelle Aufstieg und die schlechten Akklimatisierungsmöglichkeiten.

picco
30.01.2012, 19:07
Hoi Chris

Kennst Du das Kilimanjaro-Forum (Klick mich!)? (http://22196.forumromanum.com/member/forum/forum.php?action=ubb_tindex&USER=user_22196&onsearch=1&threadid=2)
Wenn nicht solltest Du Dich auch da schlau machen...wir gehen im Januar 2013 rauf, eventuell mit Kraterübernachtung, aber sicher machen wir vorher den Mt. Meru, als Aklimatisation...jeder Tag, den Du zusätzlich nimmst erhöht die Chance, gesund den Gipfel zu erreichen!!!
Auf dieser Höhe lässt sich mit der Höhenkrankheit nicht spassen!

Chris1984
05.03.2012, 23:02
Hi! So wir machen jetzt dne Extra Tag und streichen Südafrika, da wir zu wenig Zeit haben und die FLüge da runter innerhalb Afrikas echt schlecht sind... Machen dafür jetzt noch 4 Tage Zanzibar und 2 Tage Dubai aufm Rückflug :D


LG
Chris

utor
06.03.2012, 13:21
Zum Glück ist Jomo Kenyatta, Nairobi Apt, heute nicht mehr das, was es noch vor zwei Jahren war. Man hat da schon ordentlich aufgeräumt. Es gibt einen abgesperrten Bereich in der Ankunftshalle, wo niemand anderes als die ankommenden Reisenden reindarf, und alle, die jemanden abholen wollen, müssen schön davor warten. Dazu gibt es bewaffnete Polizei, die alle aufdringlichen Taxifahrer wieder nach draussen vor das Gebäude zu den Taxiständen befördert. Das sieht ja richtig sauber und ordentlich und so absolut gar nicht gefährlich hier aus.

http://www.mmawere.com/admin/gallery/1262765495.jpg

Chris1984
07.03.2012, 09:53
hey noch eine kurze Frage:

From D02: We provide filtered water. We highly recommend you bring purification tablets for the group

Was für Tabletten könnt ihr da empfehlen?

thefly
07.03.2012, 11:22
http://www.mmawere.com/admin/gallery/1262765495.jpg

5sterne


hey noch eine kurze Frage:

From D02: We provide filtered water. We highly recommend you bring purification tablets for the group

Was für Tabletten könnt ihr da empfehlen?

http://www.katadyn.com/dede/wissen/katadyn-wasserfibel

Chris1984
07.03.2012, 12:23
Thanks,

das ist übrigens jetzt unsere neue 7 Tage Route:

D00 – Pickup Kilimanjaro Airport transfer to Moshi, overnight Weruweru River Lodge
D00 - Briefing/Equipment check overnight at Weruweru River Lodge
D01 – Trek Lemosho Glades to Big Tree camp
D02 – Trek Big Tree to Shira camp 02
D03 - Trek Shira Camp 02 to Barranco Camp via lava tower
D04 – Trek Barranco Camp to Karanga Camp (Acclimatization Day)
D05 – Trek Karanga Camp to Barafu Camp
D06 – Trek Barafu camp to UHURU PEAK to Millennium Camp
D07 – Trek Millennium Camp to Mweka Gate to the Weruweru River Lodge

grenzenlos
02.08.2013, 10:32
Hallo,

so klein ist die Welt! ;-) und erfüllen sich die Träume!!!;-)
Wir waren nur 3 Monate später mit den Radel in der Gegend.

Übrigens echt schön und interessant geschrieben. 5sterne

Wi grenzenlos

blauloke
02.12.2017, 18:03
Hallo Julia,
einen schön zu lesenden Bericht hast du geschrieben. Leider ist kein Foto zu sehen. Kannst du die wieder hochladen, damit man sich ein besseres Bild des Berges machen kann. So ist es schade um deinen Bericht.

Julia
29.12.2017, 20:57
Ich weiss nicht, was da mit Image Shack passiert ist. Ich lade die ganzen Bilder nicht nochmal hoch, aber hier (https://peakbook.org/tour/79/Kilimanjaro.html) sind sie alle da. Der Text ist zwar auf Norwegisch, aber wenn man den Bericht gelesen hat, kann man sich dann wenigsten die Bilder anschauen. Ist nicht optimal, ich hoffe aber, dass dies aber zur Not doch zumindest etwas hilft.