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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [FR][IT] Kleine Wanderungen in der Gegend um die Côte d'Azur



lina
10.03.2010, 01:07
Land: Frankreich /Italien
Reisezeit: Sommer
Region/Kontinent: Südeuropa

Da hier im Forum bisher noch wenig über Südfrankreich zu finden ist, beginne ich hier mal eine kleine Serie mit Reiseberichten zu Tageswanderungen an der Côte d'Azur :D

***

Anfang August in Südfrankreich: Es war Hochsommer und richtig heiß, 30 Grad mindestens und manchmal erkletterte das Thermometer auch mal die 40-Grad-Marke: all das bei durchschnittlich über 80% Luftfeuchtigkeit. Strandurlaub war mir zu langweilig, ich hatte deswegen die Wanderstiefel eingepackt, den Rother Wanderführer zur Gegend (ISBN 978-3-7633-4120-7), ein paar topografische Karten, den clikstand plus kleinem Topf sowie den Trangiabrenner (weil ich nicht wusste, ob der kleine, aber gut sortierte Nizzaer Kraxelladen Schraubkartuschen im Angebot hat (– er hat!)) und festgestellt, dass die Trekkingstöcke (See-Alpen!) gerade so eben diagonal in den Rollkoffer passen, juhu! Minimal-Wander-Ausrüstung zwar, aber dank Handgepäck-Regelung ist auch ein zusätzlicher Tagesrucksack drin – und auf die Hitze pfeife ich! :D

Es war mir zwar nur möglich, Tagestouren zu machen, aber da ich gerne einfach zur Tür raus gehe und schaue, wo's mich gerade hin zieht, hat mich das nicht weiter gestört. Ansonsten: Mal gucken, was geht.


1. Menton – Ventimiglia
Wegstrecke: ca. 10 km

Irgendwann mal hörte ich eine Italienierin, die gerade in Frankreich Urlaub machte, in den höchsten Tönen schwärmen: das Meer in Italien sei viiiiel schöner als das in Frankreich! Na, das wollen wir doch mal sehen! ;-)

Die wunderbar preisgünstigen Öffis (1 Stunde für 1 Euro in 1 Richtung, egal welche) bringen mich in die Zitronenstadt Menton, zum zentralen Busbahnhof. Ich gehe an zahlreichen schicken Lädchen vorbei zum Meer, lasse dann den Hafen rechts liegen und laufe am Strand entlang weiter.

Ordentlich aufgereiht folgt auf eine Reihe Vespas die Promenade mit diversen Bänken links und Papierkörben rechts des Weges, danach, hinter der kleinen Strandmauer jeder Quadratmeter belegt mit einem buntem Sammelsurium an Sonnenschirmen, am Strand vor dem himmelfarbenen Meer. Kein Wölkchen, Freibadgejauchze, sanftes Meeresrauschen, und in einem Freihäuschen in luftiger Höhe sitzt sogar ein „Bademeister“.

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Links irgendwo den Berg hoch, gleich hinter der Bahnlinie, fängt der GR52 an, den will ich auch noch entdecken, aber nicht heute: Angepeilt ist Ventimiglia, welche, als größere Grenzstadt der Riviera dei Fiori, auf allen Schildern verzeichnet ist – der Einfachheit halber auch oft als „XXmiglia“. Wer Märkte mag, hat immer freitags die Möglichkeit, nicht nur die Markthalle (Obst, Gemüse, Käse, Wurst, Blumen; sonntags geschlossen), sondern auch einen ausgedehnten Straßenmarkt (Kleidung etc.) zu besuchen.

In meiner Kartensammlung fehlt zwar das Wegstück zwischen Frankreich und Italien, Verlaufen ist aber ja eigentlich nicht möglich, ich muss ja einfach nur am Meer entlang gehen.

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Hierzulande hauptsächlich als kleine Zimmerpflanzen bekannte Gewächse
sind in freier Wildbahn immer wieder erstaunlich :o

Zügig lasse ich das Grenzhäuschen hinter mir, nun muss ich erst einmal der Straße folgen. In der Kurve steht am Straßenrand ein großes Schild, das auf eine ehemalige Römerstraße, die VIA IVLIA AVGVSTA, hinweist. Dazu gibt es einen Info-Kiosk, der aber leider verschlossen ist. Weil ich den Weg ohne Karte eh schlecht nachvollziehen kann, begnüge ich mich mit einem Foto und verschiebe genauere Recherchen auf später (wie sich herausstellen wird, sind diesbezügliche Infos aber so gut wie nicht zu finden, naja, ein Grund mehr, hier mal wieder vorbeizuschauen :-) )

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Auf dem Weg nach Ventimiglia liegen zum Beispiel ein paar Museen (in Menton das Museo Preistorico Regionale (da bin ich schon vorbei), auf der Strecke dann die Caverno e Museo Preistorico de Balzi Rossi, und schließlich in Ventimiglia das Museo Civico Archeologico G. Rossi), aber auch die Giardini Botanici Hanbury (http://www.giardinihanbury.com/), benannt nach Ihrem ehemaligen Besitzer Sir Thomas Hanbury (inzwischen im Besitz der Universität von Genua) am Kap Mortola – an letzteren komme ich auf jeden Fall vorbei, wenn auch wahrscheinlich nicht hinein.

Ich gehe weiter, und die Straße verschwindet in einem Tunnel, der zum Glück nur kurz ist. Danach taucht die Bahnlinie auf, zwischen Straße und Strand.

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Es gibt hin und wieder kleine Pfade hinunter ans Wasser, der schmale Strand ist bevölkert mit Badegästen. Knapp vor dem nächsten Tunnel zweigt ein Trampelpfad ins dort etwas ebenere Gelände ab. An dessen Anfang steht ein hölzerner Stuhl, gerade so, als würde hier normalerweise jemand sitzen und Eintrittskarten abreißen. Irgendwie zwar seltsam, aber ich kann ja immernoch umdrehen.

Dann dichte Nadelbäume und vertrocknetes Gras, keine weiteren Möbel zu sehen. Die Vegetation wird lichter, die Motorengeräusche sind weg – schon mal super!!

Nun wird staubige Weg breiter und steiniger und schlängelt sich hoch über dem Ufer entlang. Grillen zirpen um die Wette und die Nadelbäume duften. Gefällt mir sehr gut hier!

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Nach einer Weile enthüllt ein Blick durch ein hohes Eisengitter zur Linken das dichte Grün des verwilderteren Teils des Geländes der Giardini Hanbury, die von der Straße hinab in Stufen bis ans Meer reichen. Auch ein Eckchen der pastellfarbenen getünchten Villa Orengo, die im Frühling von zartlila Glyzinien umrankt ist, ist zu sehen.

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Der Weg führt bergab, zweigt dann nach links und führt, zwischen Mauern, quer durch die Gartenanlagen unter einer kleinen Brücke hindurch. Könnten tatsächlich noch römische Mauerreste sein?

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Reguläre Besucher des Gartens haben es hier nun fast bis zum unteren Teil des Gartens geschafft, wo man sich in einem kleinen Lokal zum Beispiel mit Espresso und kalten Getränken stärken kann, bevor man den Hang wieder hinauf mäandert.

Vom Weg aus gibt es keinen direkten Zugang zum Garten, kurz darauf führt jedoch ein kleiner Pfad in Richtung Meer.

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Da von hier aus nicht ersichtlich ist, ob das schmiedeeiserne Tor zum Garten geöffnet ist, verschiebe ich den Espresso auf später, gehe wieder zurück auf den Hauptweg, und schließlich über steile Treppenstufen nach oben in Richtung Straße.

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Es geht vorbei an wassergefüllten Zisternen, Kakteen und Olivenbäume wachsen zwischen hohem, trockenem Gras, die Stufen werden flacher, und ein Wegweiser an den schließlich auftauchenden Häusern bestätigt mir, am Punta Mortola gewesen zu sein.

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Weiter gehtʼs, jetzt wieder die Straße entlang. Zahlreiche Motorräder knattern an mir vorbei, und trotz Straße duftet es, schon lange bevor die dazu gehörenden Bäume ins Blickfeld kommen, intensivst nach reifen Feigen.

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Der nächste Ort heißt Latte und ist schon ein Ortsteil von Ventimiglia. Eine durchgestrichene Trompete signalisiert, dass Hupen hier verboten ist – ob sich da alle dran halten? Eigentlich nicht vorstellbar. Im kleinen Supermarkt in der Kurve stapeln sich die Lebensmittel bis an die Decke, es gibt sogar eine Frischfisch-Auslage, und die meist französisch sprechenden Besucher beladen ihre Einkaufswägen hoch mit italienischen Köstlichkeiten. Da ich davon ausgehe, schon so gut wie in Ventimiglia angekommen zu sein, kaufe ich eine Handvoll gefüllte Nudeln an der meterlangen Pasta-Theke. Die darf ich jetzt in einer Tüte tragen, da sie für einen Rucksack-Transport viel zu filigran sind :grins: Schade nur, dass ich den Kocher an diesem Tag nicht mitgenommen habe, den würde ich am liebsten sofort anwerfen.

Wieder draußen fülle ich meine Wasserflasche an einem Brunnen am Straßenrand. Dass das Ergänzen der Wasservorräte eine sehr gute Idee war, wird mir bald noch klarer: bis Ventimiglia sind es noch ca. 5 km, und die nächsten 3 km muss ich an der Straße entlang. Es gibt kaum Schatten, ich hoffe, dass die Nudeln die Hitze überstehen und bin heilfroh, dass ich die Literflasche Olivenöl doch nicht gekauft habe, weil ich die jetzt auch schleppen müsste – dann doch lieber Wasser! :bg:

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Gleich am Anfang von – jetzt wirklich – Ventimiglia gibt es dann noch einen weiteren, diesmal von einem Grüppchen Radfahrer umgebenen Brunnen. Wir wechseln uns mit Pumpen ab, damit jeder mal einen kräftigen Wasserstrahl über Arme und Beine laufen lassen kann, es ist herrlich kühl und erfrischend. Die Radfahrer entschwinden in Richtung Badestrand, ich fülle noch meine Wasserflasche und begebe mich dann, nach einem kurzen Schlenker durch die Altstadt, per Öffis wieder auf den Weg zurück nach „Francia“, die Nudeln retten :grins:

Und das Meer? Ist vielleicht nicht schöner, aber in diesem Teil Italiens mit eindeutig vielfältigeren Türkis-Varianten ;-)

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***

Nachtrag: Bei gpsies.com sind inzwischen Teile des Weges eingezeichnet

Atze1407
10.03.2010, 02:32
Wird Zeit dass endlich Sommer wird.;-)

Schöne Fotos.

peter-hoehle
10.03.2010, 11:34
:popcorn: :popcorn: :popcorn:

Passt zur Mittagspause.Danke lina

Gruß Peter

lina
10.03.2010, 13:01
Gerne, dankeschön! :D

Und ja, stimmt, Sommer, das wär's jetzt!

lina
10.03.2010, 13:13
So, weiter geht's! :D


2. Villefranche sur Mer – Èze-Village
(Dieser Teil steht so ähnlich auch in den Tiefen des Outdoorerlebnis-Sräts, aber der Vollständigkeit halber, ..., und hier passt er besser :-) )

***

Im Büchlein zur AsF-Karte Nr. 1, von denen es noch schüttere Bestände im Nizzaer Buch- und Outdoorhandel gibt, finden sich auch Streckenvorschläge, die ich mal antesten wollte. Die Strecke von der Nizzaer Baie des Anges bis zum Hafen habe ich mir geschenkt, da sie zwar sehr schön ist, ich dort aber schon mal entlang gelaufen war und neue Wege entdecken wollte. Ausgangspunkt war diesmal Villefranche sur Mer, ein kleiner Ort in der Bucht gleich daneben.

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Laut Karte führt die gewählte rote Wanderlinie nicht direkt am Wassser entlang, sondern verläuft etwas weiter oben – nach einigen Schritten durch den Ort ging es also links neben der Kirche recht steil bergan. So eine Wanderkarte ist kein detaillierter Stadtplan, und das bedeutet in einer Siedlung meist Abbiegen nach Gefühl, irgendwann dann also nach rechts, über kleine Einbahnsträßchen, weiter.

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Laut Plan war's das noch immer nicht. Eine schmale, hübsch verzierte Zement-Treppe versprach Abkürzung und wurde ausprobiert.

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Tatsächlich – kein höher liegender Hauseingang, sondern der Weg zur nächsten Querstrasse. Links Felsen und zahlreiche dort hinein gebaute Häuser jeden Alters und Verfallgrades, nach rechts zusätzlich atemberaubende Ausblicke auf's Meer und gut besuchte Badestrände.

Jaja, August! Der Monat, in dem, laut Hörensagen, jeder Franzose und jeder Italiener, der kann, vor der Hitze flieht – manchmal, überraschenderweise, aber auch einfach ins jeweilige Nachbarland :bg:

Es war wirklich sehr heiß. Die Katze auf der Terrasse bewegte nicht einmal ein Ohr, trotz allerlei Lockversuchen: sehr ungewöhnlich ...

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Noch ein bisschen Höhe wollte gewonnen werden.

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Chemin sans Issue – Weg ohne Ausweg? Diesen fast philosophischen Ansatz wollte ich dann doch nicht direkt weiter verfolgen, gerade weil ich mich erst kurz vorher dazu entschlossen hatte, anstatt um's Cap Ferrat herum zu laufen, am Berg entlang Èze anzusteuern.

Die nächste Treppe folgte, sie war sogar eingezeichnet auf der Karte

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und an deren Ende fand sich dann doch noch ein „richtiger“ Wanderweg, :grins:

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gut gekennzeichnet mit gelber Markierung, der zunächst durch bepflanzte Terrassen führte und schließlich steiniger und an einigen Stellen nur knapp fußbreit schmal wurde – heftiger Abhang zur rechten Seite inklusive: „ausgesetzt“ nennt man das wohl.

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rechts: ein Blick zurück, irgendwo da unten bin ich losgelaufen

Gerade beim Gedanken, doch recht froh um meine Wanderstiefel mit Super-Vibram-XY-Grip-und-so zu sein, überholte mich ein offensichtlich Einheimischer schnellen Schrittes mit einfachen Sneakers an den Füßen, und bedankte sich für's Vorbeilassen mit einem fröhlichen, sehr französisch akzentuierten „thank you“.

Hm ....

Die nächste Wegkreuzung bot die Wahl, entweder ins Tal abzusteigen, zu einem klerikalen Aussichtspunkt zu kraxeln oder sich weiter aufwärts zur Moyenne Corniche durchzuschlagen, was sich, auch aufgrund des angepeilten Ziels, und nach einem Blick auf die Karte, als am praktikabelsten erwies.

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Immerhin jetzt meist große Steine ohne besondere Tendenz, sich einschließlich mir zu verkrümeln ...

Wie mochte dann wohl der Kraxel-Weg aussehen, der mit einem warnenden "falaise non sécurisée" bezeichnet worden war? :o

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Ein Gipfelkreuz gab's trotzdem ;-) -- nein, das ist natürlich einer der Wegweiser

Nach Überquerung der Moyenne Corniche konnte man weiter bergan gehen, doch die Kombi aus ungewohnten Höhenmetern (die norddeutsche Regel, nie höher zu klettern als der hiesig bekannte Kirchturm, war schon längst übertreten) plus besten Mittelmeer-Sommertemperaturen schien sich doch etwas kontraproduktiv auf die „Trittsicherheit“ auszuwirken. Deswegen beschloss ich, erst einmal entlang der Straße weiter zu gehen :grins:

Trotz regen Verkehrsaufkommens lag ein süßer, fruchtiger, schwerer Duft mit einem Hauch Zimt in der Luft – war das etwa schon ein Vorbote des in Èze ansässigen Groß-Duftspenders Fragonard? Eigentlich noch nicht möglich. Schließlich sprang die olfaktorische Erinnerung ein: Klar! Feigen!! Ausserdem noch Dill, nein, eher wilder Fenchel, Rosmarin, Lorbeer, ... (mhmmm – man reiche mir ein bratfertiges Kaninchen und eine Flasche trockenen Weißwein :bg: ...)


Immer mal wieder fanden sich Hinweisschilder auf kleine Wege bergauf oder bergab, jedoch immer mit dem Vermerk "non sécurisée". Aaargh, die Sache mit der Trittsicherheit! Schade! Aber ich wollte ja eh nach Èze weiter, nicht? Und eigentlich gibt es sowieso kaum langweilige Wege, hmpf!!

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Zwischendurch gönnte ich mir einen Espresso in einem kleinen Terrassen-Restaurant, einschließlich dem inzwischen dringend notwendigen Auffüllen der Wasservorräte. Dann schließlich freier Blick auf das Berg-Künstler-Parfumdorf Èze – und doch noch die obligatorische Parfumwolke, noch vor dem Tunnel und dem Viadukt!!

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Auch der Abzweig zum Mont Bastide bzw. Col d'Èze, gleich nach dem Tunnnel, wurde aufgehoben für einen späteren Zeitpunkt, zumal das Überqueren der Straße an dieser Stelle alles andere als empfehlenswert gewesen wäre: vorherrschend war sportlicher Feierabendverkehr.

Mit dem letzten Bus des Tages ging es dann, inmitten zahlreicher ausgiebigst wohlparfümierter britischer, amerikanischer und asiatischer Touristen (manchmal ist man wirklich sehr dankbar für eine funktionierende Klimaanlage, die anderen aber wahrscheinlich auch ;-)) einschließlich einiger weniger unerschütterlicher Einheimischer, zurück zum Hafen in Nizza, wo sich die Temperaturanzeige nur schwer zwischen luftigen 30 und 31 Grad entscheiden mochte.

Wie warm es am Nachmittag gewesen war, hätte mich dann irgendwie doch interessiert ... ;-)



***

Alternativen zum Bus: Wenn noch Zeit übrig ist, kann man auch gut vom Bergdorf aus per Chemin de Frédéric Nietzsche über ca. 600 Höhenmeter wieder zurück zum Strand von Èze-Bord-du-Mer gelangen.

heron
10.03.2010, 14:18
hi Lina

super schöne Bilder aus einer meiner Lieblingsgegenden.
Viele deiner beschriebenen Wanderungen sind übrigens auch in dem Gratisbüchlein des Office du Tourisme beschrieben: Rando Pays Cotier.

Und die Infrastruktur ist dort wirklich nicht schlecht und es ist wirklich heiss :grins:

Freu mich auf mehr!

lina
10.03.2010, 15:40
Oh, das ist toll, vielen Dank! Sind im Rando Pays Cotier denn auch brauchbare Kartenabschnitte abgedruckt? Mit dem Rother alleine kommt man nicht wirklich gut klar, der Maßstab ist einfach zu groß.

Inzwischen kann ich mir zwar hin und wieder auch mit Ausschnitten aus den detaillierteren Karten helfen, aber vor Ort noch Infos zu finden ist immer gut.

heron
10.03.2010, 16:06
Ja da sind Ausschnitte der 25 drinnen.
Und ich hab was gefunden ;)

Download hier (http://www.cg06.fr/cms/annexes/rando/pays-cotier/Lien_direct.htm).

lina
10.03.2010, 16:21
Fantastisch, tausend Dank!
Nach genau so etwas hatte ich mir vorher "'n Wolf gesucht".

Wieviele wundervolle Möglichkeiten! :wohoo:

lina
11.03.2010, 14:56
Ganz kurzer Ausflug auf den GR 52 und wieder nach Menton

Da in Menton der GR 52 startet (oder endet, je nachdem), wollte ich den gerne mal ein Stückchen weit gehen. Wer schnell sein möchte, reist besser per Bahn an, da man vom Bahnhof aus gleich da ist, per Bus braucht's noch ein paar Meter mehr durch Stadt und Altstadt.

Schließlich ist der Einstieg gefunden: am Sentier des Pâquerettes, optisch unübersehbar durch den Turm mit der Aufschrift Fontana Rosa. Auf der Treppe daneben geht's los. Danach kommt erstmal ein längeres Stück durch Wohngebiete mit zahlreichen weiteren Treppen.

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Eine breitere Straße wird überquert, ein Anwohner wundert sich, wie man an so einem heißen Tag überhaupt auf den Gedanken kommt, zu wandern, dann geht's weiter hangaufwärts. Der Weg ist gut ausgeschildert, und langsam wird es „urwüchsiger“

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Blick zurück, mit Pinien

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Die Unterquerung der Autobahn steht an, danach geht es weiter ins Gelände

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Mich wundert, warum ich an diesem Tag so überhaupt nicht vorwärts komme. An der Kondition kann's nicht liegen, auch die Temperaturen sind wie ja schon gewohnt. Vielleicht ist mal Pause angesagt? Als ich auf der Wegschleife zurück nach Menton ein Stückchen parallel zur Autobahn laufe, sehe ich die Lösung: Auf der Wechselanzeige auf einem Schild erscheint: „Pollution Ozone – Vitesse Limitée“, also Ozon-Alarm. Ach so, klar!

Nun gut. Der Weg zurück wird trotzdem nett, inzwischen ist es auch schon später, weil ich an diesem Tag nicht allzu früh losgekommen bin :grins: Bergab bin ich deutlich flinker heute :bg: und es gibt auch in Wohngebieten hübsche kleine Wege und interessante Ausblicke

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Das ist wahrscheinlich ein Mausoleum

Wieder in der Innenstadt komme ich durch das beeindruckende, stufenförmig aufgebaute Kirchenviertel, das ich vorher nur gestreift hatte, und nutze die Gelegenheit, es etwas näher zu betrachten. Wow, was für eine Anlage! Am Rand einer der Zwischenstufen gibt es zudem einen sehr willkommenen Trinkwasser-Brunnen mit wunderbar kühlem Wasser.

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Auch in den farbenfrohen engen Altstadtgassen ist die Temperatur angenehmer. Abwechselnd, und sich hin und wieder vermischend, duftet es nach Zitronenkuchen, diversen Pastasaucen, mhm ...

Ein paar Straßen weiter, auf dem Weg zum Meer, sitzt auf einer Bank ein alter Mann mit seinem steinalten Hund. Ich setze mich dazu, und bald auch noch eine Frau, die ihr Buch aufschlägt und anfängt zu lesen. Auf dem Fensterbrett im ersten Stock des Hauses gegenüber ist eine Katze auf der Suche nach der bequemsten Aussichtsposition.

Ich bleibe ein Weilchen sitzen und genieße die Umwandlung des Sehens in angenehm entschleunigtes Wahrnehmen.

Später kaufe ich noch etwas Proviant und setze mich an's Meer

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:o ... den Hund entdeckt ...

Die italienische Familie nebenan sammelt Kind und Spielzeug ein und verabschiedet sich bis „domani“. Jetzt kommt die bevorzugte Tageszeit der Einheimischen, die einfach noch ein bisschen ins Meer wollen, während die Touristen die Restaurants entlang der Promenade bevölkern und wahrscheinlich viele Salades niçoises ordern.

Die Möwen streiten sich um Fundstücke, und während der Abend langsam violetter wird, kann man noch ein Weilchen auf den noch warmen Kieseln sitzen und lesen oder einfach nur auf's Meer gucken.

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Auch mal schön :-)

peter-hoehle
11.03.2010, 15:32
:popcorn: :popcorn: :popcorn:
macht Lust auf Urlaub

Gruß Peter

Solasimon
11.03.2010, 15:35
Da hast du ja ein kleines Stückchen gemacht... immerhin bist du aus dem Ort hinausgekommen. :hahaa: Bei Ozon geht es nicht mehr richtig vorwärts...:motz:

Schöner Bericht, vielen Dank dafür... aber mir wäre es da einfach viel zu warm :cool:

Simon

lina
11.03.2010, 15:53
Ja, ich hab's auch gedacht: gerade mal zweieinhalb Kilometer den Hügel hoch und ich mach schon schlapp :grrr:
Andererseits hätte ich sonst den schönen langen Abend am Meer verpasst :bg:

You never know ... ;-)

Torres
11.03.2010, 16:01
Irgendwie wird mir gerade warm. Warum bloß, wenn ich rausgucke, sehe ich nur Eis......:bg: Und Venedig und Bologna sollen derzeit gerade im Schnee versinken....

Wird Zeit, mal wieder Sommerurlaub zu machen..... Gutes timing, Lina.

lina
11.03.2010, 16:11
:D

Ja, ich denke mal , ich werde das mit den Reiseberichten jetzt immer so handhaben: einfach in der entgegengesetzten Jahreszeit schreiben, das weckt die Vorfreude auf die andere Wettervariante :bg:

Freut mich, dass es Euch auch so geht!

Sommer!!

*Heizung ausdreh*

:cool:

lina
11.03.2010, 16:32
Tourette Levens – Col de Châteauneuf und zurück
Wegstrecke: ca. 8 km / ca. 500 Höhenmeter

Diesmal bringt mich der Bus Nr. 89 ins Nizzaer Hinterland nach Tourette Levens zur Wanderstrecke in Richtung Mont Macaron (entsprechend des Vorschlags Nr. 9 im Rother-Büchlein). Bei Ankunft im angegebenen Ortsteil Le Plan ist meine Wasserflasche schon so gut wie leer, der Brunnen im Dorf sieht sehr ungenutzt aus, der „Spar“ hat auch geschlossen, aber ich habe trotzdem Glück und nette Anwohner füllen meine Vorräte auf.

Ich suche den Abzweig zum Wanderweg: Ein paar Meter weiter ins Landesinnere, nach der Kreuzung mit der Apotheke, und schon zeigt ein Wegweiser ins Gelände, unterstützt durch einen auf dem Weg aufgemalten Pfeil, fein, gar nicht zu verfehlen!

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Zunächst geht der Weg zwischen Grundstücken hindurch, dann weiter in Richtung Berg und in die Kiefernwälder.

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Per Brücke wird ein ausgetrocknetes Bachbett (der Rio Sec) überquert, dann geht es auf breitem Weg zunächst sanft bergauf. Der weitere Weg verläuft in Serpentinen und wird immer mal wieder steiler. Grillen zirpen, ich sehe erstaunt, dass die Heuschrecken – oder sind das die Grillen? – hier nicht nur hüpfen, sondern immer auch immer ein Stückchen fliegen: die auf der Unterseite orange leuchtenden Flügel werden ausgeklappt und nach Landung wieder eingeklappt – eine farbenfrohe Art der Fortbewegung.

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Niemand ist unterwegs, es duftet nach Kiefernnadeln und am kleiner werdenden Berg gegenüber kann man seine Höhenfortschritte ablesen. Was wohl oben auf mich wartet? Irgendwie wäre eine Kapelle passend, Kirchwege sind manchmal ähnlich steinig, zumindest in alten Filmen.

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Der Weg wird freier, Gärten tauchen auf und Villen mit großen Grundstücken, verlassenen Liegestühlen und noch ausgeschalteten Wassersprengern. Ein kurzes Stück gehe ich durch das kleines Wohngebiet (La Vignasse), der Tonhöhe nach größere Hunde bellen sicher hinter Zäunen, und ich habe Glück: zwei fußballspielende Jungs flitzen kurz ins Haus und kommen mit meiner frisch befüllten Wasserflasche zurück. Im Dorf vorher hatte ich nicht mehr als einen Liter erbeten, das war eigentlich viel zu knapp.

Ich überquere die Straße, Wegmarkierungen kann ich keine mehr entdecken, und so verlaufe mich erstmal etwas auf kleinen Trampelpfaden, die dann aber einfach aufhören.

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Also wieder zurück und doch relativ geradeaus durch einen schmalen Pfad, links an einem Haus entlang, der eigentlich nach Privatweg aussah: jetzt stimmt's wieder.

Hinter Gärten dann ein Stück aufwärts, den orangenen Pfeilen oder gelben Linien nach, wieder durch hauptsächlich Kiefernwald,

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durch ein paar weitere flankierende Gärten, und bald darauf habe ich den Col de Châteauneuf erreicht und kann weit ins Nachbartal und darüber hinaus schauen.

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Zum Mont Macaron würde der Weg laut kleiner Markierung an einem Mäuerchen nach rechts weiterführen, da aber laut Busfahrpläne keine Möglichkeit besteht, später wieder in die Stadt zurück zu kommen und auch nicht herauszufinden ist, wie die Verbindungen im Nachbartal aussehen, entschließe ich mich, nach Tourrette Levens zurück zu gehen. Es sind kaum Leute unterwegs, dazu fast keine Autos.

Nur ein einzelner Motorradfahrer cruist entspannt zu lauter Countrymusik um die Kurven, dann ist er hinter dem Hügel verschwunden.

Irgendwo im Gelände das Zelt aufstellen und morgen weiter laufen wäre jetzt schön :cool:
Egal, ich biege nach links auf die Straße ab, die Fernsicht ist prima, die Straße zieht sich in langen Schleifen, ist aber abwechslungsreich. Zum wiederholten Mal freue ich mich, dass meine Schuhe längere Asphaltstrecken nicht groß übelnehmen, und Architektur gucken ist manchmal auch nett. Der Blick zurück zeigt die Ruine auf dem Mont Macaron.

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Es bleibt still, die Sonne sinkt, struppige Rosmarinbüsche bedecken die Straßenränder und Böschungen, und langsam lösen sich die Konturen der umliegenden Berge in einer Reihe Blautöne auf

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farblich bestens passend zu lokalen Vitaminen :D

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An der Bushaltestelle muss ich nicht lange warten, auf der Rückfahrt entdecke ich noch den einen oder anderen Brunnen an der Straße – schön, dass es diese doch recht häufig zu geben scheint. Trotzdem: In Zukunft muss ich ganz unbedingt mehr Wasser mitnehmen!


Der Bus schaukelt mich durch die Dörfer, kurze Zeit später hat mich die Stadt wieder. Ein Werbeplakat empfiehlt compeed Pflaster gegen Blasen, die bei der Benutzung schwarzer Stöckelschuhe drohen :lol: Aha: Andere Länder, andere Haupt-Einsatzgebiete, eventuell! :D

peter-hoehle
12.03.2010, 10:02
@ lina

Jeden Tag eine kleine Tour und abends in einem richtigen
Bett schlafen ist auch fein.;-)
Gerade auf den Kanaren geht das prima.:bg:
Ich habe bei solchen Tagestouren minimum 3 Liter Wasser
dabei.:oWeniger geht nicht.
Bei dem Wanderführer von Rother muss man auf jeden
kleinen Hinweis achten,sonst gibts Extrakilometer:motz:
(kenn ich aus eigener Erfahrung)

Gruß Peter

lina
12.03.2010, 10:36
Stimmt schon, aber ich zelte halt viel zu gerne, und manchmal möchte man einfach noch ein wenig bleiben :-)

Ich überlege schon eine Weile, wie ich wenigstens eine Übernachtung hinkriege. Weil auch wenn ich nur ein Tarp mitnehme, muss dann aber wenigstens noch ein Schlafsack (für Verfrorene :grins:) + Isomatte mit, und das alles vor Ort in einen größeren Rucksack, der dann wahrscheinlich nicht mehr handgepäcktauglich ist. UL-mäßige Neukäufe lohnten sich nur, wenn ich sowas öfter vorhätte. Hm, mal sehen ...

Der andere fragliche Punkt ist, ob biwakieren außerhalb des Parc Mercantour überhaupt erlaubt ist.


Wasser fülle ich seitdem auch bei jeder Gelegenheit nach, auch wenn noch Vorräte da sind. Dann muss ich auch nicht einem einzelnen Anwohner meine gesamte Trinkflaschensammlung in die Hand drücken ;-)

peter-hoehle
12.03.2010, 13:19
Der Deuter ACT-Lite 40+10 ist 54 cm hoch
und hat "Handgepäckmaße".Da passt alles
für 2-3 Tage locker rein.;-)

Gruß Peter

lina
12.03.2010, 13:40
Danke, den werde ich nochmal testen, auch wenn die bisher probierten Deuter-Rucksäcke sich nicht mit mir ver-tragen haben :-)

Hexe
15.03.2010, 19:22
Wunderschöne Bilder und wundervolle Farben...! Echt klasse , obwohl ich es auch nicht gerne heiß mag! Aber man kann sicherlich auch im Frühling dort hin , wenn die 30° Marke noch nicht gesprengt wurde....:o:grins:

Da bekomme ich jetzt lust auf Urlaub....

Liebe Grüße

Hexe

Sternenstaub
17.03.2010, 21:23
liebe Lina,
das ist wirklich ein ganz wundervoller Bericht. ich sehe, ich muss mal wieder in den Süden FRankreichs, deine Bilder wecken echt Sehnsüchte.
Kathi :-)

lina
17.03.2010, 21:32
:D Vielen Dank!! :D
Wenn man das Wetter draußen anschaut, muss man einfach gegen die Kälte anschreiben! :cool:

Mai ist, denke ich mal, ein ziemlich perfekter Monat, wenn man auch mal in Richtung Seealpen möchte.

Buddy99
13.04.2010, 14:18
Lina,die von Dir vorgestellte Tour und die dazugehörigen Bilder sind traumhaft.
Ich überlege gerade wo ich die ersten beiden Juni Wochen hin könnte und von der Entfernung her müsste Südfrankreich mit dem Auto nicht all zu weit von Basel entfernt sein.
Meine Frage, wie ist Anfang Juni durchschnittlich das Wetter in Südfrankreich? Mir gehts weniger darum ob ich mit Regen rechnen muss,sondern ob es dort schon möglich sein wird,im Meer baden zu können,ohne sich einen ab zu frieren.
Möcht gerne mindestens eine entspannte Woche mit den Hunden und meiner Freundin ans Meer und das auch noch mit schönen Wandermöglichkeiten in der Nähe.
Es wäre nett,falls mir einer der Kenner einen Rat geben könnte.
Gruss Sven

lina
13.04.2010, 15:17
Hi Sven, vielen Dank! :-)

Im Juni war ich noch nicht dort, kann also nur auf Temperaturtabellen verweisen, hier (http://www.online-reisefuehrer.com/europa/frankreich/klimatabelle-reisezeit.htm) ist zum Beispiel eine, mit Durchschnitts-Temperaturen. Erfahrungsgemäß sind 18/19°C Wassertemperatur natürlich nicht wirklich richtig "warm", aber durchaus versuchenswert. Zum Wandern ist der Juni aber prima. Das Rother-Büchlein Côte d'Azur (http://www.rother.de/titpage/4120.php) ist gerade für nicht allzu lange Strecken (3 bis 38 km und viel dazwischen) empfehlenswert, auch zur Routenwahl (hier ggf. noch detailliertere Karten ordern, in manchen davon gibt's dann Heftchen mit weiteren Vorschlägen, etc.). Bei den Tourenvorschlägen gibt's auch immer eine Reisezeit-Empfehlung und Notizen zu Gelände-Anforderung und Ausrüstung.

Wenn's wasserbetreffend nicht unbedingt ausschließlich das Meer sein soll, könnte das Buch Lacs du Mercantour (http://www.amazon.fr/lacs-du-Mercantour-Claude-Raybaud/dp/2915606323) noch interessant sein.

Buddy99
16.04.2010, 15:11
Hallo Lina.
Vielen Dank für die schnelle Antwort.
Ich werde mir mal das Rother Buch besorgen und schauen welche Touren in Frage kommen.
Hört sich jedenfalls sehr verlockend an und die Wassertemperaturen klingen zumindest zum Abkühlen gut.
Hoffe nur,dass ich dann nicht wieder das Pech wie heut morgen habe und ne Tour abbrechen muss,weil eines meiner Hundchen mein halbes Zelt samt Ausrüstung vollgekotzt hat.Da heisst es erst mal putzen,als entspannt Wandern.:motz:
Wie ist es dort eigentlich mit den Zeltmöglichkeiten? Findet man leicht nen versteckten Platz, der nicht all zu Weit vom Wasser weg ist?

Canyoncrawler
17.04.2010, 09:37
Hallo Lina,

vielen Dank für Deinen tollen Reisebericht.

Ich mag Südfrankreich auch sehr gerne. Wir fahren immer mal wieder für 1-2 Wochen in den Süden unseres Nachbarlandes.
Letztes Jahr war ich Mitte Juni ein paar Tage in den Seealpen, Wanderung im Mercantour Fontanalbe Tal.
Da gab es in der Höhe noch einiges an Schnee. Im Vallee Merveilles soll, laut einer Angestellten im Tourismusbüro in Tende, sogar noch mehr Schnee gelegen haben.
Mai ist für Mercantour daher etwas zu früh würde ich sagen und letztes Jahr gab es nach einem Erdrutsch auch eine blöd gelegene Strassensperre bei Sospel, sodass einige Täler nur über weite Umwege erreichbar waren.

Menton hat mir auch sehr gut gefallen.

Mit dem Rother Wanderführer zur Cote A Zur haben wir uns im Esterel Gebirge mal verlaufen. Irgendwo haben wir eine Abzweigung verpasst und sind anschliessend hinten rum um den Berg, dann wieder von der Seite rauf und wussten anschl. nicht, welche der Routen jetzt nach unten führt, da die Beschilderung vor Ort nicht mit der kleinen Karte übereinstimmte. Ein Gruppe Franzosen hat uns dann auf den richtigen Weg gebracht, sonst würden wir noch heute durch die roten Felsen irren. ;-) Sollte eigentlich nur einen kleine 3-Stunden-Wanderung werden, wir brauchten 6 Stunden bis wir wieder am Auto waren. :grins:
Seitdem kaufe ich immer eine Wanderkarte zusätzlich zum Rother Führer. ;-)

lina
23.08.2010, 11:27
@Canyoncrawler: Vielen Dank! Und ja, eine zusätzliche Karte nehme ich nach Möglichkeit auch immer mit, besser ist das :bg:


Villefranche sur Mer und fast ganz herum um's Cap Ferrat

Nachdem am Vormittag das Thermometer schon 41,5 Grad anzeigte (ok, in der Sonne ...), wollte ich erstmal nicht wieder raus. Andererseits -- ein bisschen Bus fahren, und dann einfach am Meer entlang laufen, das müßte eigentlich gehen, also los.

Ich habe Glück, die Klimaanlage im Bus ist funktionstüchtig -- Aufatmen! Der Bus schaukelt mich nach Villefranche sur Mer, ich hüpfe raus -- BOMMM! -- auf das Thermometer muss ich gar nicht mehr schauen, es ist halt Hochsommer. Und Sonntag: das Dorf ist so gut wie menschenleer, wer noch nicht eh schon dort ist, flipflopt zum Strand, unter'm Arm Strandtücher, Sonnenschirme, Badeklamotten, ... da fällt man mit Wanderschuhen richtig auf ;-)

Ich durchquere zunächst ein bisschen Altstadt -- auch Villefranche hat einen Stadtteil, der durchlöchert ist wie Schweizer Käse, und angenehm kühl ist es in den schmalen Gässchen zwischen den Häusern. Dann folgen die Strand-Restaurants, die Küchenfenster stehen weit offen, die Klima-Anlagen der Läden brummen, und die begehrtesten Orte für alle, die darin arbeiten, werden im Moment wohl die Kühlräume sein. Es gibt auch genügend Bedarf an Salat-Nachschub. Weiter an der Strandpromenade entlang

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/CapFerrat_01.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/15305)
Ah, da sind sie alle ... ;-)

dann ein Treppchen hoch -- stand da nicht was im Rother über einen Weg um's Cap Ferrat? Ich halte mich rechts, nach Villa und Gärten der Familie Rothschild eine weitere Badebucht, schon ein bisschen lauschiger, und dann ein Hinweisschild auf einen "sentier touristique": der wird jetzt ausprobiert.

Die ersten Meter:

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/CapFerrat_02.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/15307)

Als die Beschilderung endet, bekomme ich beim nahen Parkplatzwart ein Faltblatt mit eingezeichnetem Weg: immer an der Kante entlang, einmal rundherum, ganz einfach.

Dann nochmal Treppchen nach unten: Nach der quirligen, gut bevölkerten Restaurant-Anlage ("Lido") mit langen Reihen noch dunkelbeiger Liegen und Sonnenschirme sowie paradiesischen Tellern für Liebhaber von Meeresfrüchten aller Formen und Farben folgte dann endlich Landschaft

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/CapFerrat_03.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/15309)

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/CapFerrat_06.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/15370)

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/CapFerrat_03b.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/15313)

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/CapFerrat_03a.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/15311)

Entscheidender Vorteil dieser fast komplett postkartenmotivtauglichen Strecke: Die nächste Gelegenheit, ins türkis schillernde Blau einzutauchen, ist immer ganz nah :D Zum Wasser führen kleine, mehr oder weniger offensichtliche, Wege, die oft Kraxeltalent erfordern.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/CapFerrat_05.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/15317)

Der Weg ist meist mindestens ein Meter breit und der Untergrund ist zwar häufig, doch nicht immer ohne Unebenheiten, hin und wieder kommen größere Steine und Schotterstrecken vor, und oft ist zwischen Weg und Abgrund keine weitere Sicherung mehr angebracht.

Zwischendurch kamen mir drei Asiaten entgegen, von denen einer die Gegend hauptsächlich durch seine Videokamera wahrzunehmen schien. Vielleicht fungierten die beiden ihn begleitenden Frauen ja als Warn- und 1.-Hilfe-Team? :o

Die meisten Besucher waren sowieso auf Flipflops unterwegs, bis zum nächsten hübschen Strandabschnitt mag dies ok sein. Ich war trotzdem froh um meine Stiefel, auch wenn die Socken sich anfühlten, als würden sie gleich anfangen zu kochen. So taperte ich also so vor mich hin ...

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/CapFerrat_04.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/15315)

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/CapFerrat_08.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/15319)

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/CapFerrat_09.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/15321)

Wer die ganze Insel umrunden möchte, hat ca. 13 km vor sich, ungefähr in der Mitte gibt's einen Brunnen mit Wasser-Druckknopf und schön kaltem Wasser -- den konnte so gut wie keiner links liegen lassen. Die Gelegenheit wurde auch gleich genutzt, um die Wasservorräte wieder aufzufüllen.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/CapFerrat_10.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/15323)

Danach kann man, laut Karte, weiter am Meer entlang gehen. Ich entschied mich jedoch dafür, den Weg zu den Häusern hoch zu gehen, um ein bisschen Schatten zu bekommen. Nach einem Hotelkomplex folgte ein ausgedehntes Villenviertel mit weitläufigen Gärten, und auch die vorbeicruisenden ultraflachen Autos in selten zu sehenden Preisklassen waren nett anzuschaun :cool:

Kurz vor St. Jean Cap Ferrat Hafen erwischte ich praktischerweise gerade einen Bus und fuhr mit zahlreichen sonnengebräunten Sonntagsausflüglern, nach einem Abstecher nach Beaulieu sur Mer, über Villefranche sur Mer wieder zurück nach Nizza. (Bus Nr. 81 (wenn ich mich richtig erinnere) fährt, entgegen der Infos im Rother, auch sonntags. Der C81 (C = "Creabus") fährt weiter in die Halbinsel hinein, muss aber telefonisch bestellt werden. Hierfür steht die erforderliche Telefonummer auf den Plakaten an den Bushaltestellen)

Der im Rother vorgeschlagene Weg geht übrigens genau andersherum.

lina
27.08.2010, 00:58
Zweimal bergauf nach Aspremont, beide Male auf dem GR 51

*

Teil 1: Der Weg der Brombeeren -- ab Tourrette Levens
Teil 2: Rosmarin und Thymian -- ab Colomars

*

Teil 1

Die Buslinie Nr. 89 schraubt sich, vom Busbahnhof Nizza aus, durch beeindruckende Schluchten in die Höhen des Hinterlands, und Tourrette Levens ist das erste größere Bergdorf. Ein paar Haltestellen vor Endstation steige ich aus, für den GR51 bin ich zunächst zu weit gefahren (der geschlossene SPAR kommt mir irgendwie bekannt vor ;-)), finde dafür aber einen Brunnen zum Wasser-Tanken und laufe wieder ein kleines Stück zurück.

Der nächste Brunnen liegt gleich neben dem Mäuerchen mit der rot-weißen Linien-Markierung, die auf den gesuchten Wanderweg verweist -- ob das tröpfelnde Nass aus den beiden Wasserhähnen ok wäre? Egal, diesmal habe genügend Vorrat dabei, also biege ich ab

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Aspremont_011.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/15542)

Bald darf ich auf gehfreundlicheren, da nicht mehr asphaltierten Wegen weiter laufen, und vor mir liegen schon die ersten Vorräte ;-)

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Aspremont_02.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/15494)

Trauben wachsen hier einfach wild, vielleicht war das mal ein Weinberg darüber
(und die Blüte könnte eine Malve sein?)

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Aspremont_03.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/15512)

Ein Blick zurück nach einigen Metern -- auf dem Hügel in der Mitte war ich neulich schon mal :cool:

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und hier geht's lang (noch versteckt sich die scheue kleine schwarze Katze hinter dem Haus, aber gleich wird sie um die Ecke blinzeln)

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Aspremont_05.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/15498)

Zwei Wanderer kommen mir entgegen (übrigens die einzigen an diesem Tag), am Waldrand wachsen Schlehen und die ersten Brombeeren :bg:

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Aspremont_06.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/15500)

und wenig später gibt's auch Pilze (und große, flache Schneckenhäuschen)

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Aspremont_07.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/15502)
Was sind das für welche?

Hübsch ist es hier. Der Wald spendet Schatten und zaubert Lichtspiele auf den Boden. Oft sieht man Fahrradspuren -- hier flitzen wohl auch einige Zweiradfahrer, auch wenn das andere sein müssen als die schmalen Gestalten auf den Rennrädern, die auf den kurvigen Straßen an einem vorbei schnurren. Die Strecke wird an manchen Kreuzungen als Weg für Radfahrer per topografischer Karte in einer Art überdimensionalem Busfahrplan dargestellt und darauf als "difficile" bezeichnet, was mich bei den zahlreichen schmalen und wurzeldurchzogenen Wald-Serpentinen nicht wundert.

Während die Radler für ihr Outfit Rot-Weiß-Grau bevorzugen, ist bei den Pflanzen offensichtlich Rosa die Farbe der Saison

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Aspremont_08.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/15514)

Viele viele Brombeeren später verpasse ich, nach einem Stückchen Straße

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Aspremont_09.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/15504)
Blick zurück

beinahe den steil ansteigend abzweigenden Pfad in Richtung Aspremont, der eine größere Kurve abkürzt und bin erstaunt, dass ich fast schon im Ort bin. Oben an der nächsten Kreuzung gibt es eine Herberge (Gîte Villa de la Palmeraie), unter anderem wohl auch für Pilger. Wie schon die ganze Strecke lang hört man über die Täler zu jeder vollen Stunde Kirchenglocken, gut zum Mitzählen, wenn man keine Uhr dabei hat.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Aspremont_10.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/15506)

Ich folge zunächst dem GR51-Trampelpfad entlang des Tennisplatzes, sehe mich aber durch einen großen weißen Hund dazu genötigt, doch zurück und über die Straße zu gehen -- was in dem Fall wohl egal war, der schotterbedeckte Pfad sah eh nicht sehr attraktiv aus. Der Hund folgte mir in einigem Abstand, wohl um sicher zu gehen, dass ich auch wirklich das Gelände verlasse (Grrr, das ist ein offizieller Wanderweg!! :motz:). Hätte ich noch weiter bergauf über den Mont Chauve gehen wollen, wäre das aber wohl möglich gewesen:

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Aspremont_11.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/15508)

Auf der Strecke in die Stadt heizt der Busfahrer unter anderem auch in bezug auf die Klima-Anlage: gut über 30 Grad werden in Rekordzeit heruntergekühlt auf 22 Grad (sagt mein Thermometer), und ich bin wirklich sehr froh, in den Untiefen meines Rucksacks noch ein trockenes Merino-Shirt zu finden.

*

Teil 2

Eigentlich hatte ich in Aspremont starten wollen, der infrage kommende Bus fuhr aber nur bis Colomars -- na gut, dann laufe ich eben andersherum ...

Schnell noch den Fahrplan fotografiert, um die letztmöglichste Rückfahrt zu speichern, dann hatte ich gemütlich Zeit. Der GR51 war schnell gefunden, die beiden Streifen leiteten aus dem Dorf heraus

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Colomars_01.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/15536)

und, noch auf der Straße, zwischen Wiesen und ja, Brombeeren :bg: durch das nächste Dorf hindurch

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Colomars_02.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/15538)
Was hunderte von Schnecken dazu bringt, Gräser zu erklettern, würde mich inzwischen doch mal interessieren ...

Wie die vielen Schilder schon auf der Fahrt hierher ankündigten: hier ist ein Wein-Anbaugebiet! Und dort irgendwo an den Horizont liegt Aspremont. Hier entlang geht auch ein Stück Jakobsweg.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Colomars_03.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/15540)

Der Vorteil eines Fußgängers ist, über Trampelpfade Serpentinen abkürzen zu können, wovon der GR51 auf diesem Teil des Weges oft Gebrauch macht

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Colomars_04.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/15516)

Hin und wieder gibt's aber doch Asphaltstrecken

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Colomars_05.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/15518)

dafür aber, außer rosmarin- und thymianbewachsenen Mauern, nette Ausblicke: Hier ins Tal der Var

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Colomars_06.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/15520)

Wenn er nah an Häusern vorbei verläuft, erfordert der Weg eventuell besondere Vorsichtsmaßnahmen

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Colomars_07.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/15522)

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Colomars_10.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/15528)

und

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Colomars_08.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/15524)

bald sieht man den bebauten Hügel von Aspremont

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Colomars_09.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/15526)

So, angekommen in einem Stück Ortschaft auf der von Rennradlern wohl sehr favorisierten Strecke. Fast jeder bremst hier und quetscht den letzten Schluck aus seinem Trinksystem (Nachschub gibt's z.B. an einem Brunnen am Rand des Busparkplatzes).

Ab hier kann man auch auf dem hier abzweigenden G5 oder dem Jakobsweg weiter gehen und z.B. Katzen streicheln

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Colomars_11.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/15530)

gepunktete Feigen bestaunen

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Colomars_12.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/15532)

oder noch ein Stückchen weiter laufen (jetzt, laut Beschilderung, auf dem G5)

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Colomars_13.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/15534)

oder zurück schauen (am Horizont liegt das Meer :-))

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Colomars_14.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/15550)

Der Bus fährt, sofern man ihn braucht, auf dem Parkplatz unterhalb des Restaurants "Le Saint Claude" ab, der letzte Direkt-Bus nach Nizza um 17:35 Uhr.

*

Wenn der GR51 überall auf so relativ unkomplizierten Wegen verläuft, könnte ich mir durchaus vorstellen, die vorherige Strecke ebenfalls zu gehen, vielleicht nicht unbedingt im August. So ein paar Temperatur-Grade weniger machen, wie ich inzwischen herausgefunden habe, schon einiges an gesteigerter Trittsicherheit, etc., aus :bg:

Hin und wieder ist der Untergrund schon etwas bröselig (viele kleine Steinchen, trockene Fichtennadeln; etc.), und der mitgenommene Trekkingstock sorgte schon für ein bisschen mehr Sicherheit, besonders an etwas steileren Stellen, wo es keine Möglichkeit gab, sich irgendwo festzuhalten.

**

Navi: Aus überraschender Gelegenheit hatte ich einige Zeit vor der Reise die Topo-Karte Frankreich Süd-Ost für das Garmin gekauft und vor Ort festgestellt, dass diese richtig gut ist :D Entgegen der (älteren) Deutschland-Karte ist sie nämlich routingfähig, außerdem sind zahlreiche Wanderwege enthalten -- so kann man im Zweifel immer mal schauen, wo man jetzt eigentlich entlang müsste. Karte & Kompass gehen natürlich immer auch.

Sternenstaub
27.08.2010, 15:22
liest sich sehr schön, Lina.
Ich überlege ja schon länger; ein befreundeter Arbeitskollege hat in Menton eine kleine Fewo und der hat mich eingeladen, wenn ich mal in der Gegend herum wandere, bei ihnen vorbei zu schauen. Wenn ich so deine Fotos anschaue, bekomme ich wirklich Lust dazu.
Was meinst du, ab wann kann man da frühestens wandern - wegen Winterwetter etc - denn das muss ich nicht unbedingt haben. ;)

lina
27.08.2010, 22:49
Danke, Kathi! *freu*
Nicht lange überlegen, einfach losziehen! :cool:

Menton als Startpunkt hat den Vorteil, dass man das italienische Hinterland gleich mit erkunden kann (dort gibt es außerdem das bessere Eis ;-) :ignore:) – die zweite Landzunge auf dem Foto müsste schon Italien sein.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Menton_Altstadt.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/15609)

Isolabona zum Beispiel

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Isolabona.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/15607)

erreicht man mit dem Bus ab Ventimiglia (Tickets am Kiosk im Bahnhof und Abfahrt eine Parallelstraße weiter vor der Bank Paolo). Von dort aus gibt es einige Möglichkeiten. Diesmal bin ich von Dolceacqua bis Isolabona gelaufen – war ok, aber eben Straße.

Edit: Durch Dolceacqua führt auch der Sentiero Balcone Mediterraneo (Strecke bei OSM (https://www.openstreetmap.org/relation/5804593#map=9/42.6521/6.7593)), damit kommt man aber nicht nach Isolabona, sondern nach Perinaldo (östlich von Dolceacqua).

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/muhaha.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/15615)
Rue de la figue qui rit ;-)

Die Möglichkeiten an gekennzeichneten Wanderwegen sind ab Isolabona besser (jaja, die Öffis und ihre Fahrtrouten (die auf Plänen auch oft unlogisch eingezeichnet sind, weswegen man relativ viel Zeit mit An- und Abreise verbrät) kollidierten oft mit meiner Zeitplanung ... :roll:, aber wenn Du eh keinen festen Anlaufpunkt hast, zu dem Du immer zurück musst, kann Dir dieser Punkt ja schnuppe sein). Und ab Menton Garavan gibt's natürlich den GR 51.

Ziele in Frankreich sind oft nur eine 1-Euro-Fahrkarte entfernt
(und, der Gerechtigkeit halber: In Frankreich gibt's die besseren Zitronentörtchen) :cool:

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/tarteaucitron.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/15680)
Keine Kalorien, ausschließlich Vitamine :bg:

Wenn wir uns mal wieder treffen, kann ich gerne mal einen Stapel Topo-Karten mitbringen, dort sind viele Wege eingezeichnet.

Juli/August würde ich nicht unbedingt empfehlen, die Hitze schlaucht doch ziemlich, und auch frisch gewaschene Klamotten trocknen wegen der hohen Luftfeuchtigkeit sehr langsam bis nie vollständig. Kommt auch darauf an, wie weit ins Hinterland Du möchtest. Ich war mal im April dort, das fand ich eigentlich zum viel Laufen sehr angenehm.

lina
29.08.2010, 18:01
Saint Jeannet und der Baou

Das Bergdörfchen Saint Jeannet hat für manche einen großen Vorteil gegenüber anderen Bergdörfern: den Baou de Saint Jeannet. Dies ist der Name eines Bergs, an dessen Fuß das Dorf liegt, und dieser Berg kann erklettert werden. Im Prospekt des Ortes, der in einem kleinen Ourdoorlädchen mit ja, Kletterbedarf :bg: ausliegt (auch sonntags geöffnet, und man darf klingeln, wenn keiner da ist) rühmt sich dieser Ort sogar, die Wiege des französischen Klettersports zu sein :grins:

Rother empfiehlt eine Anreise über Vence, was ich auch so gemacht habe (Saint Laurent du Var wäre ab Nizza eigentlich besser gewesen, wie ich später rausfand), was zur Folge hatte, dass ich erst einmal für 3 Stunden in Vence strandete (Sonntag, wer will da schon in die Berge ... :roll:). Na gut, ich hatte ja Urlaub ... und Vence hat eine durchaus sehenswerte Altstadt, liegend auf einem Hügel, und ausgestattet mit mindestens einer Quelle wohlschmeckenden Gebirgswassers (laut Beschilderung wird das Konsumieren desselben auch ausdrücklich empfohlen).

Ein weiterer Dreh- und Angelpunkt scheint der günstig gelegene Lebensmittelladen gegenüber der Bushaltestelle, wo der Bus nach St. Jeannet hält, zu sein. Die Bevölkerung ist teilweise orientalisch, und so gibt es dort Lebensmittel, die man sonst kaum findet (Gläschen mit Salade Mechouia zu Beispiel, das ist so eine Art scharfes Paprikagemüse, mmhm ... ;-)). Schräg gegenüber verkauft ein Bäcker wunderbares Baguette -- bei einer Variante sind Chorizo-Stückchen gleich mit eingebacken -- die Wegzehrung ist also gesichert. Neben einer köstlichen Salami findet auch eine mittelgroße Melone den Weg in meinen Rucksack -- man hat ja noch Platz :roll:

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/SaintJeannet_01.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=15702&title=saint-jeannet&cat=500)

Die lang erwartete Busverbindung später bin ich schließlich in Saint Jeannet.

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/SaintJeannet_02.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=15704&title=saint-jeannet&cat=500)

Hier kann man sich entscheiden: GR 51 gleich oberhalb des großen Parkplatzes nach rechts hoch oder weiter durch's Dorf zu GR 51 plus weiteren Möglichkeiten. Netterweise sind hier auf den Schildern zwar nicht die Kilometer, aber wenigstens die Gehzeiten ungefähr mit angegeben (auf den folgenden Schildern im Gelände stehen dann nur noch die Ortsangaben).

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/SaintJeannet_03.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=15706&title=saint-jeannet&cat=500)

Zum Baou de St. Jeannet geht es erst mal quer durch's Dorf, dann weiter auf dem Chemin Fontaine des Boeufs.

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/SaintJeannet_04.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=15708&title=saint-jeannet&cat=500)

Auf dem Schotterweg geht es sich ein bisschen mühsam bergab, dafür entschädigen aber Ausblicke -- wenn man den kleinen Pfaden nach rechts in die Büsche folgt, kommt man zu besonderen Aussichtspunkten und zu den ersten Kletterfelsen, die an diesem sonnigen Sonntag gut genutzt werden.

Zur Rast laden gemütliche Flächen unter Olivenbäumen, Grillen zirpen, Nadelbäume duften, ...

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/SaintJeannet_05.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=15710&title=saint-jeannet&cat=500)

Ich sehe ein Weilchen den Kletterern zu, aber es wird spät, und ich möchte noch ein Stückchen weiter.

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/SaintJeannet_06.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=15712&title=saint-jeannet&cat=500)

Der Pfad wird abwechslungsreicher und besser begehbar, und die Umgebung waldiger. Den Schmetterling hätte ich wahrscheinlich gar nicht gesehen, wenn er nicht direkt vor mir gelandet wäre

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/SaintJeannet_07.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=15714&title=saint-jeannet&cat=500)

Ich biege ab Richtung Le Castellet

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/SaintJeannet_08.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=15698&title=saint-jeannet&cat=500)

es geht ein wenig bergauf. Ein bisschen möchte ich noch weiter, wenigstens mal hinter die nächste Biegung schauen. Der Blick auf die Uhr räumt mir nur noch wenig Zeit ein, schließlich muss ich wieder in die Stadt zurück, der letzte Bus ... Außerdem wollte ich noch den Rucksack für die Gearlist fotografieren (mit artgerechter Baguettehaltung :grins: und ja, ich hatte eigentlich mehr vor als diesen eher kleinen Spaziergang)

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/SaintJeannet_09.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=15700&title=saint-jeannet&cat=500)

Ok, nun leider umkehren. Dennoch ist es manchmal seltsam: Wenn man denselben Weg in Gegenrichtung geht, sieht der wieder ganz anders aus. Komisch, da bin ich vorhin doch auch entlang gegangen?

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/SaintJeannet_010.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=15682&title=saint-jeannet&cat=500)

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https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/SaintJeannet_015.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=15692&title=saint-jeannet&cat=500)

Ok, noch ein Ort auf der Liste zum unbedingt nochmal wiederkommen :D

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/SaintJeannet_016.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=15694&title=saint-jeannet&cat=500)

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/SaintJeannet_017.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=15696&title=saint-jeannet&cat=500)
Blick von der Strecke des GR 51

Lamprecht
24.04.2012, 17:29
ein schöner Bericht über eine Wanderung in einer tollen Gegend.
die größere Auswahl an Türkistönen kann ich zwar nur schwerlich durchgehen lassen, bewundere dafür aber Deinen Wanderwillen, ich wäre in Menton hängengeblieben, ich finde den Ort einfach nur traumhaft, jedenfalls vor 10 Jahren.

lina
05.07.2013, 14:50
Auf der Via della Costa, ein Stück gen Osten und ein Stück gen Westen

Riviera dei Fiori im Juni – nun hatte ich also auch mal die Gelegenheit, zu dieser Jahreszeit dort sein zu können :D Dazu sei nur noch ergänzt, dass es wohl ein ungewöhnlicher Juni war: Vergleichsweise kalt! Regen! Fast täglich! Noch immer abends Glühwürmchen unterwegs! Die Olivenbäume blühen noch! Und kaum Mücken (also auch kaum welche der fiesen Papatacci (http://de.wikipedia.org/wiki/Sandm%C3%BCcken))! Das gab’s alles noch nicht bisher, jedenfalls konnt sich keiner erinnern, jemals so ein seltsames Wetter im Juni erlebt zu haben!

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/ViadellaCosta_00.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=80521&title=ligurienvia-della-costa&cat=500)

Durch das kleine Bergdorf namens Lingueglietta geht die Via della Costa, sie ist hier ein Teil des Jakobswegs Roma – Santiago, oder, wie auf den Schildern immer in Laufrichtung geschrieben, andersherum. Wie der Name Via della Costa schon vermuten lässt, verläuft die Strecke meist in Sichtweite des Meers. Und nachdem ich eines Tages ein kleines Stückchen davon gelaufen war, wollte ich mehr davon sehen.

Ergänzung: Offensichtlich gibt es die Via de la Costa zweimal: die zweite Variante, deren Verlauf seit 2012 veröffentlicht wurde, verläuft eher in der Nähe des Strands und, auf italienischer Seite, der (Hauptverbindungs-Autostraße) Via Aurelia – also gerade dort, wo meine Ausflüge von Frankreich her stattfanden. Zum Vergleich findet man die Streckenführung auf einer Seite für gps-tracks, den Bereich um Imperia zum Beispiel hier (http://www.gps-tracks.com/gps-wanderung-liguria-via-de-la-costa-sanremo-imperia-B03063.html).


Teil 1: Lingueglietta – Civezza

Da Civezza in Richtung Rom liegt, kommt hier also zunächst ein Stück in die Gegenrichtung. Schon von Anfang an sieht man das Ziel: die Kirche auf dem Hügel gegenüber. Da der Ausgangsort höher liegt, geht es, nach einem Abzweig wenige hundert Meter hinter dem Kirchplatz (Kirche: San Pietro), erst einmal für längere Zeit in Richtung Tal. Eine schmale asphaltierte Straße, die sich auch mit dem Auto befahren lässt (was aber wenig genutzt wird, da die Haupt-Zugangsstraße nach Lingueglietta auf der anderen Hügelseite verläuft) mäandert den Berg hinab.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/ViadellaCosta_01.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=80522&title=ligurienvia-della-costa&cat=500)
Ein Blick zurück und einen nach vorne

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Erst einmal meistens im Sichtfeld: Die Kirche von Lingueglietta

Sehr grün ist es – das wird sich im Laufe des Sommers noch ändern

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Der Weg führt vorbei am Skulpturenpark "Tra i mondi" der Künstlerin Carin Grudda, eine ihrer Skulpturen steht auch am Strand von San Lorenzo al Mare unten im Tal. Außer Oliven wird in dessen Umgebung viel Obst (auch Weintrauben) angebaut, später folgen ausgedehnte, mit dunklen Netzen abgedeckte Flächen, Produktionsstätten eines bekannten Blumenstrauß-Füllgrüns, deren oft in den Hügel sich schmiegender Anblick einen Asterixheft-belesenen Wanderer schon mal an die Schildkrötentechnik römischer Legionen erinnern können :grins: Darauf, dass hier nicht das ganze Jahr über so viel Wasser zur Verfügung steht, weisen die zahlreichen Zisternen auf den Feldern hin, jetzt aber rinnt und tropft es überall, und die Luft flirrt von blaugrünen und, etwas kleineren, schwarzroten Libellen.

Insgesamt ist der Wegabschnitt sehr gut markiert, gelbe Doppelpfeile leiten sicher um jede auch nur zarte mögliche Biegung,

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/ViadellaCosta_04.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=80512&title=ligurienvia-della-costa&cat=500)

und dass Feigenbäume sogar duften, obwohl die Früchte noch gar nicht reif sind, war mir bisher nicht bekannt gewesen.

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Wilde Möhrenpflanze – oder doch nicht?

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/ViadellaCosta_07.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=80515&title=ligurienvia-della-costa&cat=500)
Die Aprikosen waren noch nicht ganz reif

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Meerblicke

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Wegweiser

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Noch immer den Kirchturm von Lingueglietta, die Autobahn, und natürlich das Meer im Sichtfeld, geht es etwas später auf eine kleine Häuseransammlung zu, inmitten derer die Wegführung zwischen Eukalyptusbäumen für ein kleines Stück auf ein Privatgelände abzweigt.

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Ins nähere Blickfeld gerät nun die Kirche von Civezza namens Madonna delle Grazie, doch um dort hin zu gelangen, muss man erst einmal weiter runter ins Tal.

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Ein Stück Straße, wieder Oliventerrassen und eine kleine Häuseransammlung, angekündigt durch eine Handvoll Briefkästen am Abzweig: Darauf ausschließlich deutsche Namen. Erstaunlich. Eine Brücke überquert den kleinen Fluss, dann geht es wieder, jetzt auf einem kleinen Pfad, bergauf

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Grüner Beobachter am Wegrand

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Fast oben, noch vor Überqueren der Autostraße, steht eine kleine, etwas verfallene Kapelle, die Tür ist nur leicht angelehnt, der Türgriff liegt auf der steinernen Bank neben dem Eingang. Kühle, Schatten und steinerne Sitzgelegenheiten tun gut, kurz vor dem letzten Stück Pfad in Richtung Civezza

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Auf dem schmalen Weg kommt mir eine Ape entgegen, der scheinen holprige, enge Bodenbeläge nichts auszumachen. Der Weg führt zwischen Gärten hindurch, hier wachsen Rosmarin und sehr aromatische Melisse, verschiedene Obstbäume und Oliven sowie ein Zitronenbaum mit großen Früchten – eine Ausnahme, denn die meisten Zitrusbäume sind schon längst abgeerntet.

Die Zufahrtsstraße zum Ort wird überquert, der Weg zur Kirche ist inzwischen nur noch bedingt Ape-tauglich.

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Ich entferne mich von den Wegweisern, um das Dorf zu erkunden, wie oft in diesen kleinen Dörfern ist das Dorfinnere nur zu Fuß zugänglich. Außer einer fröhlichen Reisegruppe und ein paar ballspielenden Kindern ist kaum jemand anzutreffen. Die Kirche ist leider verschlossen, aber der Ausblick über die grünen Hügel und zum Meer ist grandios.

Auf dem Rückweg zur Kirche bestaune ich einen Mini-LKW-Fahrer beim Einparken in einen Hauseingang, es ist Milimeterarbeit, den Kastenwagen durch den Gang und um die Türecke zu bugsieren. Eine Katze möchte ins Haus gelassen werden, aber sie miaut vergeblich, es scheint niemand da zu sein. Selten fährt ein Auto um’s Dorf, um zum hinteren großen Parkplatz zu gelangen. In Lingueglietta, habe ich den Eindruck, ist mehr los um diese Spätnachmittagszeit.



Teil 2: Lingueglietta – Castellaro

Nun geht es in die "richtige" Richtung: Santiago de Compostela :-)

Zunächst verläuft der Weg ein Stückchen am Dorfrand entlang, dann den Hügel hoch. Er ist recht breit und bleibt auch erst einmal so, nachdem die letzten Häuser des Dorfes passiert sind. Aus den steinernen Mauern wachsen Kapernbüsche, und bald säumen wieder Oliventerrassen den Weg – die Erntenetze hängen noch zusammengebunden unter den Bäumen

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Blick zurück

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und nach vorne

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Die Farbe des Tages ist rosa, und über allem liegt der zarte Duft der gelben Blüten der Ginsterbüsche an den Wegrändern (der im Juni sonst eigentlich schon längst nicht mehr blüht). Die Wegweiser seien eine Neuerung der letzten Jahre, hatte ich gehört: Bis vor kurzem kam in Italien wohl keiner auf die Idee, zu wandern oder Rad zu fahren – außer natürlich Rennrad: Die Rennstrecke Mailand – San Remo führt durch das Dorf Cipressa, das auf dem Nachbarhügel liegt, und lockt wohl zahlreiche weitere Radler an, die, gekleidet in verblüffend perfekt in diese Umgebung passende bunte Trikots, unermüdlich und vorwiegend entspannt die Bergsträßchen hochkurbeln und wieder runterflitzen. Die mitgeführten Wasservorräte scheinen mir erstaunlich gering für die doch schon recht hohen Tagestemperaturen.

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Im Vordergrund Lingueglietta, auf dem Hügel dahinter Civezza

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/ViadellaCosta_26.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=80494&title=ligurienvia-della-costa&cat=500)
und das ist dieselbe Sorte Schmetterling(?) wie auf Bild Nr. 1, hier von der anderen Flügelseite aus betrachtet

Ein kurzes Stück durch Olivenplantagen, dann nimmt der Weg eine Abkürzung über einen ziemlich zugewachsenen, steinigen Pfad. Schön ist es hier, der Untergrund ist mit ungewöhnlich saftiggrünem Gras bewachsen. Kleine blaue Schilder weisen auf die Mountainbike-Strecke "Anello di Cipressa", die, in Form kleiner Trampelpfade, über die nächsten Hügel führt. Manchmal wurden auch Rampen aufgeschichtet, wie ich ein paar Tage vorher mal herausfand, als ich den MTB-Schildern folgte.

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Die Wegmarkierung der Via della Costa ist nach wie vor vorbildlich, meistens sind die gelben Pfeile auf Steine aufgemalt. Der Weg gelangt zum Hügelkamm, und somit hat man inzwischen wieder freie Sicht auf’s Meer.

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Ein Stückchen den Kammweg entlang

Der zunächst geschotterte Weg wird steiniger, inzwischen kommen die Ausflügler mit Auto, die Tage zuvor in der Nähe picknickend die Aussicht genossen, wohl nicht mehr so gut weiter. Außerdem verdunkelt sich der Himmel – entgegen der vor dem Loslaufen gehörten Wettervorhersage

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Die Flora verändert sich, ich entdecke vereinzelt Wermut und etwas skurril-steinzeitlich anmutende gelbe Blüten. Nach wie vor zahlreiche Schmetterlinge fliegen zwischen den Sträuchern hin und her, deren knittrige Blüten aussehen wie die von Heckenrosen, wogegen jedoch die Blattform spricht

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Die Hügelspitze ist markiert durch ein Steinmännchen und gibt die Aussicht auf den folgenden Weg frei

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Ich umrunde einen neu bepflanzten, aber dennoch verlassen aussehenden landwirtschaftlichen Betrieb, aus einer Wellplastikhütte blinzelt mir ein traurig aussehender Hund mit schon sehr grauer Schnauze nach, er gibt keinen Laut und verzieht sich wieder in seinen Unterstand. Leicht beginnt es zu regnen.

Wegen der sonnigen Wettervorhersage hatte ich vor dem Loslaufen Schirm und Regenjacke leider wieder ausgepackt, schade eigentlich ... Ich stelle mich erst einmal unter einen Baum und überlege, wie ich improvisieren könnte. Regenschauer abwarten?

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Der Weg zieht sich noch lang und relativ baumlos hin, wie ich vorher sehen konnte, und der Regen wird stärker. Immerhin habe ich ein Windshirt und ein Ersatz-T-Shirt in den Rucksacktiefen, für den Fall, dass der Regen aufhört. Also erstmal in Bewegung bleiben. Ich klemme mein Z-Lite-Sitzkissen unter den Rucksack-Brustgurt, damit ich wenigstens ein bisschen Regenschutz habe – mich sieht ja gerade keiner :grins: Der Schauer ist inzwischen in ergiebigem Landregen übergegangen, aber zum Glück ist es über 20 Grad warm.

Der Weg entpuppt sich als weniger reizarm als es von oben den Anschein hatte. Das liegt vielleicht auch daran, dass hier eine andere Vegetation vorherrscht als in meinen sonst bewanderten Gebieten. Immer mal wieder spendet ein Baum ein bisschen Trockenheit, bald aber tropft es auch aus den Blätterdächern. Einige Picknickplätze mit Bänken, Tischen und Feuerstellen locken zu einer Pause, aber jetzt stehenbleiben geht nicht, dann fange ich an zu frieren.

Mein telefonino piepst, die sms kommt von der ods-hotline in Deutschland, und darin steht die Frage, wo ich eigentlich stecke. Ich muss lachen, da ich gerade sehr offensichtlich wider alle ods-Kenntnisse unterwegs bin: Ohne Nachprüfen anderer Quellen einer einzigen Wettervorhersage vertraut, ohne Regenschutz losgezogen, mitten im Nirgendwo, zunehmend platschnass, yesss!! :D Das telefonino friemel ich erst einmal wieder, möglichst ohne Zusatzwasser, in seine glücklicherweise noch gefundene Regenhülle – es geht doch nichts über eine einigermaßen vernünftige Rucksack-Grundausstattung, verbunden mit der gesunden Faulheit, nicht vor Beginn einer Wanderung jeden möglicherweise gewichtserschwerenden Gegenstand ’rauszuräumen :ignore: Am Picknickplatz liegt ein Federhaufen, große schwarze und kleinere blaugestreifte Häherfedern leuchten durch den Regen.

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Resthaus, leider ohne Dach

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Picknickplatz, leider auch oben ohne

Der Weg zieht sich weiter, den Hügel entlang. Ich betrachte die Vegetation hinsichtlich ihrer Eignung, daraus ein schirmartiges Gebilde zu bauen. Palmwedel wären jetzt gut, nur gibt es die unten im Tal am Strand, die vorhandenen Eichenzweige taugen weniger, Ginsterwedel verflechten ist zu zeitraubend, dazu müsste ich länger stehenbleiben. Ich verwerfe den Gedanken wieder und setze mich restlich unter Wasser beim Versuch, einen gefundenen Plastikreifenschutz unter den Hutrand im Nacken zu klemmen. Seufz.

Trotzdem: Hübsch ist es hier :D
Oben auf der Aussichtsplattform auf der Hügelkuppe steht ein Jeep. Ich linse hinein und sehe jemanden seine Pause genießen: Augen geschlossen, Füße auf dem Beifahrersitz, leises Schnarchen dringt durch die Türen.

Weiter. Ein kleines Kirchlein (San Bernardo) taucht auf, die Tür ist aber verschlossen. Schade. Ich laufe inzwischen hügelabwärts, der Schotter wurde nun durch Asphalt ersetzt. Das Wasser strudelt sturzbachartig am den Straßenrändern entlang. Da geht noch mehr, wie ich von den Regenfällen eines Vortages weiß, aber immerhin scheint der Regen jetzt etwas weniger zu werden.

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An der nächsten Kurve beschließe ich, es zu wagen, in das trockene T-Shirt zu wechseln, obwohl es schon noch ein bisschen tröpfelt. Mein Baumwoll-T-Shirt ist triefend nass, der G1000-Hut auch. In der Theorie trocknet der Hut immerhin schneller als das T-Shirt :grins: was ich mir lebhaft vorstellen kann – T-Shirt auswringen hilft überhaupt nicht. Dankbar schlüpfe ich in das trockene Merino-Shirt, das sich wunderbar warm und kuschelig anfühlt, und langsam nehmen auch die ziemlich durchweichten Rucksackträger wieder Körpertemperatur an.

An der folgenden Kreuzung entscheide ich mich, nach einem Blick auf’s Navi, gegen Pompeiana und zugunsten von Castellaro. Ist ungefähr gleich weit, und die kleine Straße nach Castellaro sieht man schon, um den nächsten Hügel herum verlaufen. Sie führt über einige kleine Brücken, auf denen die Jakobsmuschelzeichnung nun auch in hellblauer Farbe prangt.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/ViadellaCosta_38.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=80486&title=ligurienvia-della-costa&cat=500)
Blick zurück

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Wegweisungs-Sammelsurium

Trotz asphaltierter Straße sind kaum Autos sind unterwegs. Am Straßenrand liegt eine plattgefahrene, offensichlich schon eine Weile vor sich hin trocknende Schlange, links von mir geht es wenig später durch Gebüsche heftigst den Berg runter – ganz winzig erscheint die Autobahnbrücke im Tal. Hinter einem Stück Leitplanke steht eine bebilderte Gedenktafel für zwei Freunde, die hier vor ca. 30 Jahren mit knapp 20 verunglückten, man mag da gar nicht weiter drüber nachdenken.

Die ersten Häuser von Castellaro tauchen auf, es regnet wieder stärker, aber das Merino hält noch immer schön warm. Als ich kurz stehenbleibe, um zu telefonieren, sehe ich im Augenwinkel ein kleines Tier auf den gemähten Seitenstreifen laufen, es erinnert mich an eine Maus, aber wenn, dann eine große. Es ist scheu, deswegen gelingt mir nur ein unscharfes Foto, und wir rätseln später, was es ist. Ratte nicht, Hase aber eigentlich auch nicht, zu kurze runde Öhrchen und die Bewegungen waren nicht hasentypisch. Was ist es?

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/ViadellaCosta_39.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=80487&title=ligurienvia-della-costa&cat=500)

Es folgen Oliventerrassen, sehr schön angelegt. Ein Auto hält, die Insassen kurbeln die Fenster runter. Ich blicke auf ein betagtes Paar, sie trägt zahlreiche libellenblaue Spangen im Haar, die ihr sehr gut stehen, und er sagt mehrere Sätze, für deren Verständnis meine Italienischkenntnisse leider nicht ausreichen.

Dann: "Albergo" – ahja, klar: Rucksack + Trekkingstock + Pilgerweg = hohe Wahrscheinlichkeit einer Suche nach einem Albergo (Herberge). Mir fehlen die Worte, erzählen zu können, dass ich heute kein Albergo brauche, also frage ich "Castellaro?" und finde nach ihrem Nicken noch ein "Buono" in meinem Wortschatz. Grazie Mille – ist ja nicht mehr weit. Sie drehen um, wir winken nochmal, und sie fahren weiter.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/ViadellaCosta_40.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=80488&title=ligurienvia-della-costa&cat=500)

Kurz vor dem tatsächlichen Ortseingang steht noch ein Informationsschild über "Il Cammino dei Liguri", mit Notrufnummern und EU-Förderungslogo – hier scheint sich wanderwegbetreffend einiges zu tun. Vom Haus am Hang aus beäugt mich ein großer wuscheliger Hund, versuchsweise bellt er mal ein bisschen, aber eher schleppend, und scheint sich zu freuen, dass er gleich wieder an sein trockenes Plätzchen zurück kann. Die Straße ist gesäumt von Mandarinenbäumen, die seien nur Deko, höre ich später, und die Früchte sehr sauer. An der Mauer in der Kurve entziffere ich den Schriftzug "Ave Maria" aus im Moment stromloser Lichterkette.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/ViadellaCosta_41.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=80489&title=ligurienvia-della-costa&cat=500)

Der Regen wird wieder stärker, und ich freue mich über meine diesmal ausnahmsweise vorhandene Möglichkeit, incl. trockener Austausch-Klamotten abgeholt werden zu können. Irgendwann mal möchte hier aber trotzdem gerne weiterlaufen, dann aber mit Regenjacke. Und Albergo. Und die Abtei besichtigen, zu der das Hinweisschild "Santuario di Nostra Signora di Lampedusa" führt.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/ViadellaCosta_42.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=80490&title=ligurienvia-della-costa&cat=500)

*

Wer eine Beschreibung der Strecke inkl. Übernachtungsmöglichkeiten sucht, findet diese z.B. in diesem PDF (Sprache: englisch):

http://www.viadellacosta.it/wp-content/uploads/2013/06/Via-della-costa-copertina-inglese.pdf

Rattus
05.07.2013, 16:06
Sooo schön! Da könnte ich glatt Irland untreu werden ;-)

lina
05.07.2013, 18:37
Kann ich sehr empfehlen ;-)

lina
06.05.2017, 22:09
Gleiche Gegend, anderer Monat (diesmal Anfang April). Kaum bin ich da, möchte ich schnellstmöglichst die nächsten Hügel hoch, also in die zwei noch eingesteckten Papierkarten geschaut (meine Karte für das Navi hatte ich zuhause vergessen) und ungefähr den Monte Croce angepeilt. Das Navi habe ich mitlaufen lassen, was wider Erwarten gut geklappt hat – es zeigte nicht nur, wie befürchtet, die ganz großen Straßen an, und es war beruhigend, wenigstens ein paar Pfade zu erspähen und abschätzen zu können, wo die nächste Straße verläuft, wenn man eher querfeldein auf Trampelpfaden entlang stratzt.

Nach einiger Zeit habe ich mich dagegen entschieden, bergabwärts zum Meer zu laufen und laufe stattdessen am Hügelkamm entlang nach Cipressa, anschließend den „Teutonenhügel“ wieder hoch und schließlich auf kleinen Pfaden (die ich viel angenehmer finde als die kurvenreiche Zufahrtsstraße zum Ort) wieder zurück zum Anfang auf dem neuen Sentiero Liguria, der vor Lingueglietta dann gleichlaufend ist mit einem Stück Via della Costa.

Zunächst die neuen Wegbezeichnungen (wenn man darauf achtet, sieht man, dass in der Anordnung auch ein Richtungshinweis enthalten ist):

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/LigurischerWeg.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=170805&title=ligurischer-wegwegweiservarianten&cat=500)

Die weiße Dolde ist wahrscheinlich ein Zwiebelgewächs (riecht jedenfalls so)

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Ligurien_01.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=171143&title=ligurien&cat=500)

Die gelben Schmetterlinge sind schwer zu erwischen, aber manchmal klappt’s doch :D

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Ligurien_01b.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=171433&title=ligurien&cat=500)
Postillon (Colias croceus)

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Ligurien_02.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=171144&title=ligurien&cat=500)

Hügelaufwärts, jetzt auf schon bekannten Wegen der Via della Costa

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Ligurien_03.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=171145&title=ligurien&cat=500)

Dann bin ich abgebogen auf kleinere Pfade. Spätnachmittags und am Wochenende sind dies vorwiegend MTB-Wege, die manchmal auch unterteilt bzw. an Bäumen oder Steinen markiert sind in Aufwärts- und Abwärts-Pfade

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/Ligurien_04.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=171428&title=ligurien&cat=500)

Der Ausblick zum Meer ist immer da :-)

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/Ligurien_8_2.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=171429&title=ligurien&cat=500)

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Ligurien_11.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=171430&title=ligurien&cat=500)
Cistus Creticus

Wunderschöner Ort hier – wieso habe ich eigentlich nicht die Kaffeekochutensilien mitgenommen?

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Ligurien_06.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=171148&title=ligurien&cat=500)

Auf dem Hügelkamm gibt es auch Wanderwege (nach der gefundenen Losung müssen hier auch einige Schafe durchgekommen sein). In der Gegenrichtung kann man inzwischen auch bis zum Strand schauen:

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Ligurien_07.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=171149&title=ligurien&cat=500)

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Ligurien_08.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=171151&title=ligurien&cat=500)

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Ligurien_12.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=171431&title=ligurien&cat=500)

Weiter zum Monte Faudo ginge es bestimmt auch über die kleinen gestrichelten Pfade auf der Karte (der Monte Croce ist ab hier ca. in der Mitte (Luftlinie))

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Ligurien_13.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=171432&title=ligurien&cat=500)

So, Rückweg von Monte Selletta (der, im Nachhinein betrachtet, doch nicht der Monte Croce war): Hier streift der Kammweg den „Teutonenhügel“

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Ligurien_09.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=171195&title=ligurien&cat=500)

und hier bin ich schon wieder auf dem Rückweg von Cipressa

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Ligurien_10.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=171196&title=ligurien&cat=500)

Den Wiedehopf hatte ich versehentlich aufgescheucht, aber er war so freundlich, sich in fotografierbare Nähe zu setzen ;-)

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Ligurien_22.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=171444&title=ligurien&cat=500)

Bei der historischen Kirche Chiesa parrocchiale di Sant’Antonio aus dem Jahr 1153 verlasse ich den breiten Wirtschaftsweg

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Ligurien_14.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=171434&title=ligurien&cat=500)

Schon viel besser :bg:

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Ligurien_15.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=171435&title=ligurien&cat=500)

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Ligurien_16a.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=171439&title=ligurien&cat=500)

Die Gegend wird jetzt heideartiger

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Ligurien_18.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=171438&title=ligurien&cat=500)

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Ligurien_17.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=171436&title=ligurien&cat=500)

und auf dem Sentiero, der hier ein Sträßchen ist, laufe ich wieder zurück

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Ligurien_19.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=171442&title=ligurien&cat=500)

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Ligurien_20.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=171440&title=ligurien&cat=500)

Man sieht auch im Hinterland, dass man in Italien und in Meeresnähe ist :bg:

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Ligurien_23.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=172295&title=ligurien&cat=500)

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Ligurien_21.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=171441&title=ligurien&cat=500)
Monte Faudo von Lingueglietta aus

bluesaturn
07.05.2017, 01:43
Vielen Dank fuer deinen Bericht!