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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : ein etwas anderer Tarp-Entwurf



the EL
14.02.2010, 17:46
Hallo allerseits,
nachdem ich hier zu den Themen MYOG und Tarp rumschmöckerte, habe ich nun etwas Eigenes entworfen. Ich freue mich über Anregungen oä.



Zur Planungstechnik:
Viele hier planen ihr Zelt mit google sketchup. Ich hab' lieber ein bisschen gebastelt: einen 60cm*15cm Papierstreifen ausgeschnitten, der im Massstab 1:10 6m des ab-der-1.5m-Rolle-Stoffs von extremtextil.de darstellt. Die einzelnen Teile so ausgeschnitten wie später mit dem Stoff, die 3 Teile zusammengetapet, Grundfläche aufgezeichnet, zurechtgefaltetes Tarp draufgestellt - fertig!
Sieht zugegebenermassen amateurhaft aus, macht aber trotzdem Spass und ist anschaulich.

Legende zu den Fotos:
dicke rote Linie= Falz (an der Aussenkante) oder Überschneidung der Stoffteile
1: grün gestrichelt: Firstlinie
2: Heringlasche
3: grün durchgezogen: Reissverschluss
4: verstärkte Stelle für Trekkingstock und Lasche fürs Abspannen

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/Teile_markiert.jpg

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/Teile_nackt.jpg

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/Grundfl_che.jpg

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/Seitenansicht.jpg

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/von_hinten.jpg

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/von_oben.jpg

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/von_vorne.jpg



Eigenschaften des Tarp:
Ich möchte im Wesentlichen ein Firstzelt ohne Innenzelt für 1 Person bauen:
-leicht asymetrisch (zur Längslinie)
-vorne und hinten kleine Vorzeltchen
-Eingang über die ganze Längsseite

Höhe: 80cm
Länge der Liegefläche: 200cm
Breite der Liegefläche: 100cm (60+40 -> asymetrisch)
Länge der beiden Vorzelte: jeweils 50cm

Material: silikonisiertes Nylon, 65g/m2, an einigen Stellen (Heringlaschen usw.) Zeltbodenstoff um die 90g/m2



Fragen:
1. Ich möchte versuchen, die einzelnen Teile am Stück (analog zu den 3 Papierteilen, siehe Foto1)aus dem Stoff zu schneiden damit es weniger zu nähen gibt. Die Stoffbahnen habe ich quer zur Längslinie gelegt. Meine Naht geht also nicht entlang der First, sondern senkrecht dazu (auf den Fotos als rote Linien erkennbar). Ist das besser oder schlechter hinsichtlich des Regenablaufens?

2. Wie man auf den Fotos hoffentlich erkennen kann, will ich den Eingang über die ganze Längsseite einbauen, mit Reissverschlüssen vorne und hinten. Ich verspreche mir davon bequemen Einstieg, bei gutem Wetter die Möglichkeit, mit Panoramafenster einzuschlafen und ausserdem kann man zur Not zu zweit einermassen geschützt unterkommen. Nur habe ich eine solche Öffnungsvariante noch nie gesehen. Habe ich irgendetwas übersehen, dass diese Lösung von vornerein ausschliesst?

3. Ausserdem habe ich mir überlegt eine First-Schnur einzunähen. Diese geht vom Spitz (am Boden) über den Stock und First zum anderen Spitz (am Boden). Diese Schnur ist grün gestrichelt eingezeichnet. Ich hoffe, dass diese Schnur einen sauberen "Knick" in den First macht und ein Durchhängen desselben verhindert. Kann das funktionieren?

Ich würde mich über Antworten oder Anregungen zu diesen drei Fragen und zum Entwurf allgemein freuen.
Vielen Dank im Voraus,
the EL

heron
14.02.2010, 17:59
Interessante Idee!

Ich würde aber keine Nähte quer machen sondern auch wenn es mehr Arbeit ist eine Naht an der Firstline, die Stoffbahnen quer (also parallel zu deiner Liegefläche)
Silnylon dehnt sich bei Regen und Feuchtigkeit ziemlich und dann hängt dir die Sache durch.
80cm wäre mir als Schönwettervariante zuwenig und bei bescheidenem Wetter zuviel.

So hoch würde ich das Vordach auch nur bei wirklich schönem und windstillem Wetter ziehen - das erscheint mir ziemlich instabil.

http://www.schroll.at/outdoor/_images/12692.jpg

Da siehst du wie sich Silnylon gleich durchhängend präsentiert und trotz sehr straffer Abspannung hat der Wind sich in der Nacht gedreht und ganz ordentlich dran gerüttelt:

http://www.schroll.at/outdoor/_images/12693.jpg

Ist in dem Falle ein normales Rechtecktarp - aber die Aufstellvariante querschlafend mit offener Front ist ähnlich wie deine Vorstellung.

konamann
14.02.2010, 23:18
zu 1: ich finde es eigentlich sinnlos, das große dachteil so klein zu schneiden, da anzustückeln und dann in die seitenteile nochmal schlitze für die reisser zu machen. lieber das dachteil auf volle länge und dann die seiten so dran, sollte auch ein stabileres "hauptzelt" ergeben.
adurch vielleicht höherer stoffverbrauch aber da kann man immer noch verstärkungen und packbeutel draus machen...

zu 2: - habe ich so auch noch nie gesehen. für die reisser wirst du eine abdeckung brauchen sonst tropfts da rein. oder wasserdichte, aber dann wirds teuer.
- und was ich empfehlen würde: die bodenpunkte an den seiten der tür mit einer schnur verbinden, so dass quasi ein spannungsring am boden entlang entsteht, sollte mehr sicherheit geben!
- mehr abspannpunkte an die längsseiten, 4 solltens meiner meinung nach sein.

zu 3: habe bei mir keine schnur sondern ein 5mm gurtband verwendet, weil das grad so rumlag. hilft sehr effektiv! nur die seitenwände hängen halt weiterhin...


edit: ja ein bisschen hoch auf die schmale grundfläche ist es. du wirst auch merken dass durch die steilen wände von den 100cm recht wenig übrig bleibt. da noch sitzen und bissle wind dann wirds recht eng. ich würde es auch eher ein bisschen niedriger machen um die angriffsfläche für schlechtwetter geringer zu halten.

ranunkelruebe
14.02.2010, 23:26
Kennst du diesen Thread schon?

http://www.outdoorseiten.net/forum/showthread.php?t=36582

Gruß,
Rana

Solasimon
14.02.2010, 23:52
Habe gerade mal den Entwurf schnell mal ver Sketch-Uped...
http://img688.imageshack.us/img688/7206/tarptent.jpg (http://img688.imageshack.us/i/tarptent.jpg/)

Sieht ganz gut aus, allerdings hast du eine recht lange Firstlinie, da wäre ein CAT-Schnitt von Vorteil und den kannst du mit deinem geplanten Schittmuster nicht realisieren - ein Nachteil, was die Spannung angeht...

Zu 2. habe ich irgenwo schon mal gesehen...
JW Weight Watcher RT (http://www.pluennenkreuzer.de/03_Zelte/Fotos/IMGP3031.JPG)
Vaude Ferret (http://biwakscharte.de/Zelte-Camping/1-Personenzelt/Vaude-Ferret-I-Zelt::2403.html)
Irgenwo habe ich es auch als Firstzelt gesehen - aber das finde ich nicht mehr...

Zu 3.:
Ich habe bei meinem Zelt (http://www.outdoorseiten.net/forum/showthread.php?t=38419) ein 10mm-Gurtband unter den Giebel genäht. Kurz hinter den Stangen sitzt dann eine Schlaufe außerhalb des Zeltes an der ich dann Schnur festmache...

Ich wünsche dir viel Spaß bei deinem Projekt - die Entwicklungs und Konzeptphase hier im Forum war für mich extrem wichtig...

solasimon

konamann
15.02.2010, 00:24
Kennst du diesen Thread schon?

http://www.outdoorseiten.net/forum/showthread.php?t=36582

Gruß,
Rana



tja genau das was du gesucht hast! die lüfter musst dir halt wegdenken... ;-)

Suslik
15.02.2010, 00:51
Erinnert mich Irgendwie an das MSR Trekker tent... sieht aber brauchbar aus !

the EL
16.02.2010, 15:59
Vielen Dank an alle für die zahlreichen konstruktiven Vorschläge! Ich kann sie gut gebrauchen.

Ich werde nun wahrscheinlich folgende Änderungen machen:

- Höhe wie von einigen vorgeschlagen etwas niedriger, Breite lasse ich wohl so. Ohne einen Knick in der Seitenwand bleibt die sinnvoll nutzbare Fläche natürlich klein, aber ein solcher Knick stell' ich mir konstruktions- und nähtechnisch nicht ganz einfach vor.

- Die Stoffbahnen werd' ich wie von heron vorgeschlagen parallel zur Liegefläche nehmen. Das hat beim Auschneiden der Teile und beim Stoffbedarf Vorteile wie konamann bemerkt hat.

- Das Gurtband als Firstverstärkung mach' ich auch. Aber für das Durchhängen der Längsseiten hab' ich keine elegante Lösung, da werd' ich wohl einfach zusätzlich Abspannpunkte drannähen. Auch die Stabilisierung durch Verbindung der Bodenpunkte ist eine gute Idee.

-zu den Abdeckungen/ Reissverschlüssen: ich weiss zwar nicht ob die was taugen, aber diese Reissverschlüsse hier http://www.extremtextil.de/catalog/product_info.php?cPath=23_32_64&products_id=841 sind durchaus in meinem Kostenrahmen. Ich hoffe dass ich mir damit die Abdeckungen sparen kann. Allgemein versuche ich die Näharbeiten so einfach wie möglich zu halten, ist besser für den Anfang.

-zum hohen Vordach; das sollte unkompliziert je nach Bedingungen höher oder tiefer aufgespannt werden können. z.B. vorne auf und hinten zu sollte eigentlich auch gehen.

Danke auch an Solasimon für die Digitalisierung meiner Bastelarbeit und den Hinweis auf den CAT-Schnitt, da muss ich mich noch schlau machen...

@ Rana: Vielen Dank! Das ist tatsächlich ein sehr ähnlicher Entwurf, den hab' ich irgendwie übersehen... Schaut ein bisschen ausgetüftelter aber auch schwieriger zu nähen als meiner aus.

Wenn's dann soweit ist, stell' ich paar Bilder vom Endprodukt rein ;-)

heron
16.02.2010, 16:06
V
- Höhe wie von einigen vorgeschlagen etwas niedriger, Breite lasse ich wohl so. Ohne einen Knick in der Seitenwand bleibt die sinnvoll nutzbare Fläche natürlich klein, aber ein solcher Knick stell' ich mir konstruktions- und nähtechnisch nicht ganz einfach vor.


Lifter dranzumachen ist keine grosse Hexerei, damit gewinnst du an Innenraum.

konamann
16.02.2010, 16:31
wenn du das zelt nicht dauerhaft im sturm und dauerregen einsetzen willst, sollten die wasserfesten reisser ausreichen. halten ja bei jacken auch ganz ordentlich dicht. über die zugfestigkeit kann ich dir aber nix sagen...

Maedhros
16.02.2010, 16:48
heron, warum steht auf deinem 2. bild ne flasche sekt neben dem tarp ^^ ? investierst du so das gewicht, welches du bei nem tarp gegenüber nem zelt einsparst ;-) ?

heron
16.02.2010, 17:04
heron, warum steht auf deinem 2. bild ne flasche sekt neben dem tarp ^^ ? investierst du so das gewicht, welches du bei nem tarp gegenüber nem zelt einsparst ;-) ?


Ja - wenn sonst alles leicht ist, kann man locker in den Luxus investieren!
War meine Silvesterfeier ;)
Dazu gabe es Baguette und Rehpastete.

the EL
13.05.2010, 20:55
Hallo allerseits,
ich hab' mittlerweile meinen Stoff bekommen und auch Zeit gefunden, mal ein bisschen zu nähen. Wie es sich für einen Anfänger gehört, habe ich alle Fehler gemacht, die man machen kann. Das Tarp sieht halt auch dementsprechend aus...
Naja, aber jetzt bin ich auf ein neues Problem gestossen, bei dem ich nicht so recht weiss, wie ich es angehen soll.

Das Problem liegt bei beim Hotspot Reissverschlussende/Firstende/Berührungspunkt mit Trekkingstock. Ich habe bei der Planung gedacht, dass ich den Trekkingstock einfach mal "einklemme" zwischen den Flächen und dann schaue wie ich ihn "befestige". Nun ist es so, dass man den Trekkingstock durchaus eingermassen passabel "einklemmen" kann. Spätestens wenn man aber die Reissverschlüsse öffnet, geht die Spannung verloren und die Stöcke rutschen gegen Zeltinnenseite weg.

Zur Veranschaulichung ein paar Bilder:
http://img534.imageshack.us/img534/3862/zelt1.jpg
http://img691.imageshack.us/img691/1198/zelt2.jpg
http://img269.imageshack.us/img269/1551/zelt3.jpg

Die Stöcke sind also nicht dort wo sie laut Plan (siehe Threadstart) sein sollten und verrutschen ausserdem. Als Lösung han' ich mir gedacht, die Stöcke umzudrehen, also Spitze nach oben, eine Öse neben das Ende des Reissverschlusses auf die Firstnaht zu setzen und über die aus dem Tarp rausschauhende Spitze eine Art Tüte drüberzunähen.

Was gibt es für Meinungen dazu?

Übrigens; ich find' mein Thread hat schon nur schon deshalb seine Berechtigung weil er alle anderen Tarp schick, sauber durchgeplant und sorgfältig gearbeitet aussehen lässt. Bei meinem sind nämlich alle Nähte krumm etc....

Solasimon
15.05.2010, 17:10
Die Idee finde ich nicht so ideal - Ösen reißen immer schnell aus, gerade beim dünnen Silnylon würde ich das auf keinen Fall riskieren.

Ich habe ein ähnliches Problem bei meinem Zelt (zumindest während des Aufbauens) und werde jetzt einfach Schlaufen an den Spitzen (dort wo die Stöcke das Material anheben) anbringen, die ein Verrutschen zur Zeltmitte hin verhindern. Damit sollte das Problem schnell und einfach behoben sein.

Simon

the EL
08.07.2010, 18:21
So. Seit geraumer Zeit ist mein Tarp endlich fertig und in der Nacht von gestern auf heute konnte ich es nun ausprobieren. Ich habe auf ca. 2500m bei warmem, trockenen Wetter übernachtet (vgl. letztes Foto). Es war am frühen Abend etwas windig und in der Nacht kühl, schätzungsweise 5 Grad Plus.

Insgesamt erfüllt das Tarp seinen Zweck; bei sicheren und eher warmen Verhältnissen eine leichte Alternative zum Zelt. Auch kleinere Regenfälle liegen drin, aber wenn's eine Nacht lang schüttet nehm' ich, vor allem des Komforts wegen, doch lieber ein Zelt mit.
Mit Heringen und Schnüren wiegt es etwas über 600 Gramm.

Ich habe keinen Lüfter eingebaut. Der Zeltrand ist einige cm über dem Boden, so gibt's etwas Luftzirkulation. Ausserdem hat's 2 Reissverschlüsse und die Möglichkeit, die eine Seite komplett wegzuklappen. Dann ist es sehr luftig, aber natürlich nicht mehr regengeschützt. Heute morgen war die Zeltwand zwar sehr feucht (vgl. zweitletztes Foto), aber das Klima war okay.
Es hat überraschend viel Platz; der ganze Gerümpel lässt sich gut verteilen und von "Wandberührung" muss man sich nicht ausserordentlich in Acht nehmen. Sitzend etwas aus dem Rucksack kramen oder ähnliches geht gerade so, ist schon recht niedrig.

Was würde ich bei einem neuen Versuch anders machen:
- das Reissverschlussende oben und der "Andockpunkt" des Stocks sind zu nahe beieinander.
- CAP-Schnitt
- allg. sorgfältiger planen und arbeiten (deshalb gibt's keine Detailfotos ;-))
- event. Lifter
- unterer Rand tiefer, dafür Lüfter einbauen

Danke nochmals für alle Tipps und Ratschläge!


http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/tarp_1.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/13389)

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/tarp_2.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/13390)

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/tarp_3.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/13391)

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/tarp_4.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/13392)

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/tarp_5.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/13393)

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/tarp_6.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php/photo/13394)

Scar
08.07.2010, 21:20
Schöner Test :)
Ich würde allerdings an der langen Seite jeweils 2 Abspannpunkte unten und 2 Lifter mittig anbringen, hängt mir zu stark durch ;)