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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wandern mit Kleinkind: Tourenvorschläge (Süddeutschland) und Grundsätzliches



Johannes2801
17.01.2010, 18:45
Hallo allerseits,

wow, ein eigenes Unterforum zum Thema. Hier hat sich in den letzten Jahren einiges getan. :p

Also, ich will im April während meiner Elternzeit mit meiner Tochter (dann 13 Monate alt) samt ihrer Oma (meiner Mutter) und einer Freundin ein paar Tage wandern und habe einige Überlegungen zur Tourenplanung und Grundsätzliches zum Wandern mit Kindern in dem Alter.

Ich wollte einige kurze Streckenwanderung in drei oder vier Etappen zurücklegen. Es ist als erstes Antesten gedacht, wie meine Tochter auf solche Wandertouren reagiert. Ich dachte an eine harmlose Tour in deutschen Mittelgebirgen mit Übernachtung in Jugendherbergen und Pensionen und kurzen Tagesetappen von etwa fünf Stunden. Entgegen meiner eigentlichen Prinzipien wollte ich einen organisierten Gepäcktransport in Anspruch nehmen, da ich im Tragesystem (JW Watchtower) nicht viel Platz für Gepäck habe und meine Begleitung nicht viel Erfahrung im Streckenwanderung mit schwerem Gepäck hat, so dass ich ihnen nicht auch noch meine Sachen und die meiner Tochter aufhalsen will. In den letzten Tagen haben wir bei kleineren Spaziergängen das Tragesystem erstmalig ausprobiert und meiner Tochter scheint es viel Spaß zu machen, da sie bequemer sitzt als im Manduca und mehr sieht als im Kinderwagen. Über die Jahreszeit bin ich nicht ganz so glücklich, aber leider gibt es aus verschiedenen Gründen keine Alternative.

Zur Tourenplanung: Ich hatte vor allem an das südwestliche Deutschland gedacht, da ich dort um die Jahreszeit das beste Wetter erwarte. Ideen waren Rheinsteig oder Rheinburgensteig, Wutachschlucht oder eine andere Tour im Schwarzwald oder eventuell eine Tour in der Pfalz. Der Urwaldsteig rund um den Edersee würde mich auch sehr reizen und da wäre die Anreise von Berlin auch nicht ganz so lang. Aber der Wetterfaktor stimmt dann ja nicht.

Welche Erfahrungen habt Ihr mit Kindern im ähnlichen Alter gemacht. Die Daumenregel erlebnisorientiertes statt zielorientiertes Wandern gilt ja in dem Alter wohl noch nicht so ganz.

Vielen Dank und liebe Grüße
Johannes

Flachlandtiroler
17.01.2010, 21:51
Als unsere Kleine in dem gleichen Alter war gab es -terminbedingt ;-) - Wintersport in einem sehr rustikalen Bauernhof gleich am Rothaarsteig. C
Davor waren wir stationär in Südtirol bzw. am Gardasee. Ort-zu-Ort Wanderungen haben wir danach mit Rad & Kinderanhänger gemacht, in zwei Urlauben im Prinzip die dt. Ostseeküste entlang.

Für die Wanderstrecke kannst Du wohl am besten die Belange Deiner Begleiter berücksichtigen, denn wandern kann man IMHO am besten wenn das Kind sich ausgetobt hat und dann gleich in der Kraxe einschläft. Das gibt einem sicher 2x 2h Raum pro Tag so daß im Mittelgebirge so rund 15...20km eigentlich gehen müßten.

Gruß, Martin

walkingalone
18.01.2010, 12:47
Ich glaube, dass das eine schöne Tour werden kann - sofern die beiden Mitreisenden auch mal das Entertainment für die Kleine übernehmen. Meine Kinder laufen zwar schon lange selber, aber aus vergangenen Zeiten halte ich ausreichend Bewegung für die Kleine für wichtig. Also Krabbel- bzw. Laufgelegenheit vor dem Start, in den Pausen und nachmittags. Vielleicht kannst Du die Wanderzeiten teilweise auf den Schlafrythmus Deiner Tochter abstimmen. Auf jeden Fall würde ich die Etappen nicht zu lang wählen.

Nun zur Tourenwahl: Der Urwaldsteig ist im April ein Wetterrisiko, außerdem zum Teil sehr schmal/steil, was sicher mit der Kraxe nicht einfach ist. Auch im Schwarzwald kann es im April in höheren Lagen recht frisch sein.

Den Rheinsteig halte ich für diesen Zweck für gut geeignet: Die Infrastruktur ist gut, d.h. man kann bei Bedarf an vielen Stellen ins Tal absteigen und ist in einem Ort oder in Ortsnähe. Wenn Du Dich für einen südlicheren Abschnitt entscheidest, habt Ihr gute Aussichten auf brauchbares Wetter. Der Rheingau ist gut zu laufen, es gibt JuHe in Wiesbaden, Rüdesheim und - ganz neu - in Kaub, dort gibts auch ein CVJM-Heim. Und dazwischen Pensionen und Gasthöfe (und guten Wein :grins:). Nach Wiesbaden kommt man mit der Bahn in ca. 5 Stunden.

Alternativ fällt mir noch die Mosel ein. Auch dort gibt es genug Unterkünfte und die Chance auf gutes Wetter.

Falls Deine Wahl auf Rheinsteig fällt und Du Infos brauchst, melde Dich.
Viel Spaß beim Planen und Wandern!

Ute

Johannes2801
18.01.2010, 16:24
Vielen Dank für Euer Feedback. Ob sie im Tragesystem schlafen kann, ist die wichtige Frage. Bisher fand sie es noch viel zu aufregend, endlich einmal gute Aussicht zu haben und nicht über den Rand des Kinderwagens schauen zu müssen. Sie beobachtet immer sehr viel und ausgiebig und nimmt Eindrücke sehr intensiv in sich auf. Ich denke, dass würde die Planung viel einfacher machen, wenn sie auch unterwegs schlafen kann. Ich werde einfach vorher mal antesten, wie sie längere Touren in der Kraxe übersteht.

Daran, dass sie zwischendurch Bewegung braucht, hatte ich auch schon gedacht. Vor allem fängt sie langsam an zu laufen, so dass sie bis dann bestimmt einen noch größeren Bewegungsdrang haben wird. Die Krabbel- und Laufgelegenheiten in den Pausen hängt natürlich vom Wetter ab und ob es Rast- und Schützhütten gibt.

Beim Rheinsteig und Rheinburgensteig hatte ich an das Obere Mittelrheintal gedacht so rund um Bacharach. Landschaftlich sicherlich sehr schön, nur eigentlich widerstrebt es meinen Vorstellungen vom Wandern, in Sicht- und Hörweite von Verkehrswegen zu laufen. Das ist sicherlich bei vielen Wanderwegen, die solchen Flusstälern folgen, ein Problem.

Liebe Grüße
Johannes

walkingalone
18.01.2010, 22:38
...nur eigentlich widerstrebt es meinen Vorstellungen vom Wandern, in Sicht- und Hörweite von Verkehrswegen zu laufen. Das ist sicherlich bei vielen Wanderwegen, die solchen Flusstälern folgen, ein Problem.



Das stimmt natürlich, auf den Wanderwegen an Rhein entlang hört man ständig die Verkehrswege, und zwar sehr deutlich. Im Rheingau ist es noch am "leisesten", weil das andere Rheinufer flacher ist und den Schall nicht so reflektiert. Ab Bingen nördlich hast Du zwei Straßen, zwei Bahnlinien und die Schiffe, deren Geräusche hochschallen ...

Das stört übrigens nicht nur beim Wandern, sondern auch beim Schlafen! ;-)

Vermutlich werdet Ihr bei dieser Wanderung mehr Kompromisse machen müssen als bei Trekking mit zwei Erwachsenen ...

montaine
19.01.2010, 22:25
Ich habe mit meinen Kindern in dem Alter viele Touren unternommen.
Das mit dem Schlafen war nie ein Problem, wobei ich meine Kinder immer getragen habe, die waren kaum je in einem Kinderwagen. Daher waren sie es gewohnt. Die störten sich auch an Verkehrslärm nicht...
Sie schlafen getragen in der Regel am Tag weniger, aber sie sind zufrieden, da sie an der tragenden Person sind - das gilt allerdings mehr für Tragetrücher und Fertigtragen wie diese hier (http://manducababytrage.de/?gclid=CLmugLOgsZ8CFYKCzAodYinQ0A) als für Kraxen, die anatomisch für das Kind nicht ideal sind, wie ich hier (http://www.stillen-und-tragen.de/forum/viewtopic.php?f=103&t=45725) ausgeführt habe - ich bin zertifizierte Tragefachfrau;-). In diesen Teilen sind die Kleinen nicht direkt am Körper der tragenden Person. In den Kraxen sind sie auch zufrieden, aber es nölt eher mal...
Wobei, wenn Du alleine unterwegs bist, brauchst Du schon eine gute Kraxe, da kommst Du nicht drumrum.
Meine teils leidvollen:roll: Erfahrungen zeigen, dass man mit Kindern, die sich egal wie selber fortbewegen können, nicht Touren machen sollte, die länger als 4 Stunden sind (also was ein Erwachsener in 4 Stunden geht). Denn sonst haben gerade teilweise getragene Kinder zu wenig Gelegenheit, sich selber zu bewegen, und das büsst man dann....wobei das sicher auch mit dem Temperament zu tun hat - meine jedenfalls wollten von Anfang an "selber"....:bg:
Man braucht einfach viel mehr Zeit, aber es ist es Wert. Man muss einfach beim Bach bleiben und das Kind spielen lassen, man muss einfach mal Efeukronen flechten und König spielen, oder ein Waldmemory usw. ....

Liebe Grüsse
montaine

Johannes2801
22.01.2010, 23:54
Bezüglich der Tourenplanung bin ich jetzt doch unsicher, ob ich lieber eine Region wählen soll, die nicht ganz so weit weg von Berlin liegt - Thüringer Wald oder Harz oder so - um die Anfahrt kurz zu halten. Obwohl sie sehr gerne Zug fährt und schon Zugreisen bis 7h gut überstanden hat. Dann trifft nur das Wetterargument nicht zu. Also habe ich die Qual der Wahl: kurze Anreise oder bessere Aussichten auf gutes Wetter. Wahrscheinlich werde ich in meiner Tourenplanung noch jeder Wanderregion in Reichweite mal in Betracht ziehen... :bg:

Zum eigentlich viel wichtigen Thema: Dem Tragekomfort für meine Tochter. Vielen Dank für den Link, Montaine. In der Stadt nutzen wir gerade den von Dir empfohlenen Manduca - wir haben uns damals auch ausführlich informiert. Für lange Wandertouren finde ich ihn nur wenig geeignet. Zudem sie aufgrund des engen Körperkontaktes teilweise etwas schwitzt, was das Erkältungsrisiko steigert.

Für die Wandertouren haben wir den JW Watchtower, der an verschiedener Stelle schon gelobt wurde - auch wenn ich eigentlich von JW wenig halte. Dass sie wärmer angezogen werden muss, ist natürlich einleuchtend. Die Kraxe hat einen Regen- und Sonnendach, wobei unsere Kleine teilweise an der Seite vorbeischaut. Selbst sitzen kann sie schon lange, so dass auch das Problem mit der Anhockstellung und dem gestützten Kopf längst erledigt sind. Und der Tragekomfort der Kraxe ist auch für mich optimal.

Nur das Schlafen... dass muss ich nochmal antesten. Lärm ist kein Problem, selbst ein Krankenwagen, der direkt neben ihr vorbeifährt, weckt sie nicht auf. Aber wenn es etwas Spannendes und Neues zu schauen gibt, könnte es wieder ganz anders aussehen.

Liebe Grüße
Johannes