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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [SK] Niedere Tatra 2009



kollin
16.01.2010, 21:05
Land: Slowakei
Reisezeit: August
Region/Kontinent: Osteuropa

Weil selbst im World Wide Web wenig Informationen zum “Kammweg Niedere Tatra“ zu finden sind und unseres Erachtens dieser Trek eine wirklich sehr empfehlenswerte Tour ganz in der Nähe ist, wollen wir unsere Tourerfahrungen und Tipps hier dokumentieren. Vielleicht nutzen sie ja dem Einen oder Anderen.

Anreise:
Wir – drei Freunde: Daniel (30), Holger (44) und Bruno (44) – sind im Sommer 2009 von München via Wien und Bratislava nach Banska Bystrica angereist. Nachdem seit dem 1.1.2009 der Euro auch in der Slowakei gilt, hat auch die Bahn das Euro-Special auf dieses Land ausgeweitet. Zu unserem Nutzen: für unter 100 € p. P. München - Banska Bystrica und zurück. Aber: früh buchen, die Bahn budgetiert diese Tickets und weiß selbst nicht, wie viele sie noch hat…

Apropos Bahn: Auch in der Slowakei ist auf Bahnsteigen Rauchverbot und wird radikal geahndet. Uns hat diese leichtfertige Missachtung dann gleich 2 mal 20 € gekostet. (Daniel als Nichtraucher hat das irgendwie nicht interessiert …)

Da die Bahnreise trotzdem fast 9 Stunden dauerte, haben wir in Banska Bystrica uns noch einmal den Luxus eines Pensionszimmers mit einer letzten Dusche für die nächsten Tage und einem überragenden Abendessen im Souterrain gegönnt. [TIPP: Pension Moyzes; in der Innenstadt unweit des Bahnhofes und des Busbahnhofes, Preis: 60,00 € für 3-Bett-Zimmer]. Banska Bystrica scheint am Abend ein quirliger kleiner Ort zu sein, also nicht vom ersten Eindruck (Bahnhof) verwirren lassen.

Am nächsten Morgen dann ein letztes Frühstück und dann vom Busbahnhof mit dem Bus nach Donovaly. [Busfahren ist in der Slowakei wirklich preiswert: Banska – Donovaly: 1,20 € p.P. + 0,60 € für den Rucksack]

Um 10:30 Uhr standen wir am Beginn des Kammweges in Donovaly.

1. Etappe: Donovaly - Pass Hiadeľské sedlo

Diese erste Etappe ist vielleicht so etwas wie ein „warming up“ für die kommenden Tage, denn sie hat bis auf den Gipfel des Kozí Chrbát (1.330m) noch keine echte Herausforderung zu bieten und ist mit seinen knapp 10 km eher eine Halbtagesetappe. Dennoch lief der erste Schweiß an unseren schwer beladenen Rücken: die Gründe: 1. das Wetter war hochsommerlich warm und 2. wir haben uns entschieden, Zelte mitzunehmen, was unsere Rucksäcke auf ca. 16 kg brachte (natürlich zuzüglich Wasserrationen für den Tag).

Am Nachmittag dann Ankunft auf dem ersten Biwak am Hiadeľské sedlo (1099m). Dort füllt sich auch schnell die Wiese mit Wanderern aus der Slowakei, Tschechien und Ungarn. Wir bezogen die 2008 neu erbaute offene Hütte mit ca. 9 Schlafplätzen, weil wir als erste am Biwak waren.

Die Parkverwaltung des Nationalparks Nizke Tatry hat an einigen Stellen Plätze ausgewiesen, an denen Zelten erlaubt ist, Quellen vorhanden und teilweise unbewirtschaftete Hütten errichtet sind. Hiadeľské sedlo ist der erste solcher Plätze auf der Tour.

Dort also kochen wir unser erstes Abendessen (Spaghetti mit Käsesoße, Bannock) und verbringen unsere erste Nacht, nachdem sich 2 Damen und 2 Herren aus Sachsen zu uns in die Hütte gesellten. Diese vier werden wir auf dem Rest der Tour regelmäßig am Abend wieder treffen.

2. Etappe: Pass Hiadeľské sedlo - Schutzhütte Pod Sedlom Ďurkovej

Der zweite Tag beginnt mit einem Kräfte zehrenden Anstieg hinauf auf den eigentlichen Kamm und den Gipfel des Prasiva (1.651m). Oben angekommen, warten gleich die nächsten Gipfel: Mala Chochuľa (1.718m) und Veľká Chochuľa (1.753m). Das Wetter ist weiter hochsommerlich, die Hitze oberhalb der Baumgrenze entsprechend. Bruno, mit einem BMI von 29 unser „Schwergewicht“, verliert in den Anstiegen so manches Mal die Puste, schleppt sich aber dennoch weiter hoch. Der Blick über den sich immer weiter über Gipfel und Sattel schlängelnden Kammweg ist grandios. Die Vegetation wird immer spärlicher: steppengleiches hartes Gras, vereinzelt Latschenkiefern, ab und zu Heidekraut. Wir gönnen uns an diesem Tag nur kurze Pausen, zum Mittag nur ein paar Riegel. Hinter jedem Gipfel erscheinen 2 neue. Der Blick geht weit. Der Durst nagt in der Kehle: das Problem mit dem Wasser. Da man ständig auf dem Kamm der Niederen Tatra unterwegs ist, trifft man naturgemäß selten auf Quellen (in der Regel nur an den Biwakplätzen).

Man muss also einerseits die Tagesration Wasser am Morgen in die Flaschen füllen und die ganze Zeit mitschleppen und andererseits diese gut über den Tag verteilen. Auch bei 30°C. Nach etwa 9 Stunden erreichen wir, kurz hinter der felsigen Gipfelspitze des Durkova, den Abstieg zur Schutzhütte Pod Sedlom Ďurkovej. Diese Hütte ist irgendwie ein Novum: Der Hüttenwirt empfängt einen eher unwirsch auf Slowakisch, verkauft nicht gerade preiswertes Bier in Dosen und raunt jeden an, der irgendetwas tut, was ihm gerade nicht passt. Dank eines englisch sprechenden Wander-Kollegen erfahren wir das Prinzip: Zelten auf diesem Platz ist nur gestattet, wenn die Hütte voll belegt ist und nur nach Einbruch der Dunkelheit. Ein Platz in der Hütte kostet 4 €. Diese Regel scheint der Hüttenwirt eigenmächtig aufgestellt zu haben.


Beim flüchtigen Blick in die Hütte samt tiefem Atemzug wollen wir gern im Zelt schlafen. Dank der „Vermittlung“ durch eine der Damen aus der „Sächsischen Gruppe“, die slowakisch spricht, bleibt uns die Hütte erspart. Am nächsten Morgen gleicht der Platz vor der Hütte einem Basislager: alle Gruppen bereiten ihren Aufbruch vor, Kocher fauchen, Schlafsäcke und Zelte werden getrocknet, eine Schlange vor dem Plumpsklo (das man besser nicht benutzen möchte, aber es gibt keine echte Alternative), Stimmengewirr, der Geruch von Kaffee. Dann die letzten Sachen im Rucksack verpacken und den Aufstieg auf den Kamm angehen …


3. Etappe: Schutzhütte Pod Sedlom Ďurkovej - Chopok

Der Aufstieg bedeutet: auf kürzester Entfernung etwa 300 Meter Höhenunterschied bewältigen. Eine Luft raubende und Schweiß treibende Angelegenheit. Auf 1.840 Meter ist man dann wieder auf dem Kamm. Das Wetter ist, nach dem ersten Morgennebel, unverändert heiß. Und das schon morgens um 9 Uhr. Vor uns liegt, betrachtet man die reine Wegstrecke, eine relativ kurze Etappe, denn wir wollen heute bis zur Kamenna Chata auf dem Chopok. Aber sie wird es in sich haben …

An diesem Tag kommen wir gut voran, am Chabenec sind wir erstmals über 1.900m. Vor uns baut sich imposant der südlich vom Kamm abgehende Höhenzug des Skalka auf. Unter dem Gipfel des Kolliská (1.937m) – dort geht der Weg auf den genannten Seitenhöhenzug ab – ist Mittagspause: Müsli mit kalter, aus Milchpulver angerührter, Milch, Schokoriegel. Ein Stück Käse. Und die ersten Blasen bei Bruno und Holger. Dank der sehr empfehlenswerten Compeed - Blasenpflaster werden sie aber nicht zum Problem.

Weiter geht es über den Kammweg, immer wieder hoch auf den nächsten Gipfel und runter in den nächsten Sattel und… Am Sedlo Pol’ana beginnt sich hinter uns der Himmel zu verdunkeln. Vor uns der Gipfel des Dereše (2.003m). Noch scheint es, dass die dunklen Wolken weiter nach Norden ziehen. Wir entscheiden uns, weiter zu gehen. Kurz vor dem Gipfel ziehen sich auch vor uns die Gewitterwolken zusammen. Holger und Daniel sind bereits vorausgegangen. Als beide gerade über den Gipfel steigen – Bruno ist noch auf der Westseite vor dem letzten Anstieg – treffen in rasender Geschwindigkeit beide Unwetterlagen direkt am Dereše zusammen. Das Ergebnis: plötzlich heftiger Hagel und schweres Gewitter. Und wir dort, wo man bei Gewitter in den Bergen nicht sein sollte: direkt am Gipfel. Während sich Holger und Daniel auf der Ostseite in ein altes ausgedientes (leider aus Blech bestehendes) Motorhäuschen eines ehemaligen Skiliftes flüchten (zusammen mit zwei Wanderern aus der Slowakei, die die Blitzeinschläge in das verrostete Seil des alten Liftes mit „Adrrrenalin!“ kommentieren), baut sich Bruno auf der anderen Gipfelseite zwischen zwei Felsblöcken und unter zu Hilfenahme des Innenzeltes ein provisorisches Notbiwak.
Nach 45 Minuten war alles vorbei. Die Sonne scheint wieder. Das Fazit: weg vom Gipfel bei Gewitterlage. Eigentlich eine Binsenweisheit, aber nur durch Erfahrung wird man scheinbar klug. 1 Stunde später stehen wir an der Kamenna Chata direkt unter dem Gipfel des Chopok (2.029m).
Die Hütte ist ein Labsal für müde Knochen: Die Hüttenwirtinnen sind ausgesprochen freundlich (und sprechen ebenso ausgesprochen gut Englisch). Die Nacht in der Hütte kostet 10 Euro, was ein wirklich fairer Preis ist. Mitglieder des DAV erhalten sogar noch eine Ermäßigung. Die Hütte ist voll bewirtschaftet: warmes Essen (z.B. Gulasch 4,60 €), Bier oder Kofola (eine originäre slowakische Art, Cola zu machen; was genau drin ist, weiß keiner so recht oder will es nicht sagen, aber sehr lecker…) oder was immer man mag. Wichtig: in der Hütte Wasser kaufen, denn es gibt dort und auf dem nächsten Abschnitt der Tour sobald keine Quelle.
Und unbedingt das Bioklo benutzen (meint Daniel)!

Zur letzten Zigarette auf der Terrasse der Hütte gesellen sich dann noch ein paar Gämsen. An diesem Abend sind wir wirklich zufrieden.

4. Etappe: Chopok - Ramza

Wir brechen früh auf. Die meisten der anderen Wandergruppen liegen noch in den Betten, als Holger den Morgenkaffee kocht. Dazu wieder einmal Müsli (in kalter Milch) und Riegel. Ein richtiges Frühstück ist das nicht, spart aber Zeit und Brennstoff. Dann geht es über ausgedehnte Blockfelder immer in einer Höhe von 1.800m–1.900m weiter, teilweise über befestigten Steig, manchmal muss man mit konzentriertem Blick und Schritt selbst den Pfad über die Felsblöcke finden. Die Aussicht ist weiter großartig. Am Dumbier (2.043m), dem höchsten Berg der Niederen Tatra, entscheidet sich Bruno, nicht mit auf den Gipfel zu steigen. Holger und Daniel nehmen den ca. 45-minütigen Aufstieg zum Gipfel. An der Chata gen. M. R. Štefánika treffen wir uns wieder. Dort gibt’s zur Stärkung eine heiße Gulaschsuppe (und Kofola!). Obwohl der Himmel fast wolkenlos ist und die Sonne wieder brennt, weht heute ein starker und kalter Wind aus Nord-Nordwest. Hinter der Hütte beginnt ein angenehm zu gehender Wanderweg mit nur leichten Steigungen über die Gipfel des Králička (1.807m) und des Rovienky (1.602m) – durch sterbenden Wald geht es am Ende steil talwärts zur Raststätte Čertovica.

Eigentlich hatten wir vor, das dortige Biwak zu unserem Tagesziel zu erklären, aber nach in Augenscheinnahme des Ortes, der irgendwie wie eine Mischung aus einer vergessenen Autobahnraststätte und einem Geisterdorf im Mittleren Westen erscheint, und in Anbetracht der Situation, dass wir bereits um 16 Uhr dort ankommen, entschieden wir uns (nach der Einnahme eines halben Liters Kofola und dem damit im Zusammenhang stehenden Wespenstiches in das Bein von Daniel) bis zur Hütte Ramza weiterzugehen.

Die Raststätte Čertovica und die daran vorbeigehende einzige Straße durch das Gebirge trennt die Niedere Tatra in zweierlei Hinsicht: die westliche Seite ist eher vegetationsarm, karger, felsiger und höher. Der E8-Wanderweg (Kammweg) ist ausgezeichnet beschildert. Die östliche Seite ist dominiert von Wald (zum Teil tot oder sterbend oder von Stürmen niedergerissen oder bereits gerodet), flacher. Eine Beschilderung des Wanderweges gibt es streckenweise nicht mehr.
Das wiederum bedeutet, dass wir den letzten Abschnitt dieser Tagesetappe zum Teil damit verbringen, zu erraten, wohin der Weg nun weiterginge. Wir haben aber Glück und Helfer: an einem Abzweig, den wir mit Sicherheit übersehen hätten, hängt ein geknotetes Taschentuch an einem Busch. Das kann nur genauso gemeint gewesen sein. Und führt uns richtig. Gegen 19:00 Uhr erreichen wir nach 11 Stunden das Biwak Ramza (die Wasserstelle befindet sich ca. 300m entfernt vor dem Biwak, am Wegesrand gibt es ein unscheinbares Schild „Voda“, dort durch den Huflattich ein ganzes Stück weiter, rechts am Waldrand dann findet man die Quelle).

Vor der Hütte brennt schon das Feuer (Feuerstellen gibt es an den Biwakplätzen überall), mehrere Wanderer, die wir bereits von der Hütte Pod Sedlom Ďurkovej kennen, sitzen drum herum. Auf die Frage, wo wir heute gestartet sind und wir „Chopok“ antworten, gibt es reihum ein anerkennendes Kopfnicken. Wir kochen uns ein Abendessen und Tee mit „Schuss“.

5. Etappe: Ramza - Priehyba

Der Irrweg zur Ramza am vorhergehenden Tag erwies sich nur als Vorgeschmack auf den heutigen. Bereits 1 km nach dem Verlassen des Biwak können wir uns nur noch an Hand der Karte und der geografischen Gegebenheiten orientieren. Es gibt keine Wegmarkierungen mehr und der Pfad, für den wir uns entschieden haben, endet bald im Unterholz und Gestrüpp. Nachdem wir quer durch Dickicht, Farnwälder und Baumleichen auf einer 45°- geneigten Fläche abgestiegen sind und einen Forstweg erreichen, müssen wir bald wieder hoch in Richtung des Kammes. Aber auch dieser Weg endet wie der vorherige. Wir steigen wieder steil bergauf durch unwegsames Gehölz, überklettern liegen gebliebene Baumstämme, kriechen, den Rucksack auf dem Rücken, unter ihnen hindurch, kämpfen uns durch Böschung und Unterholz, immer noch ohne echte Orientierung.

Unter einer aufgebrochenen Baumwurzelhöhle vermuten wir ihn dann doch: den Bären. Aber er zeigt sich uns nicht. Und wir benötigen nur wenige Minuten, um von diesem Ort zu entkommen. 3 Stunden irren wir ziellos durch den Urwald – nur die Höhe als Orientierung. Dann erreichen wir den Kamm und damit tatsächlich den E8! Und finden ein Schild: Roter Strich auf weißem Grund, das Symbol des Kammweges. Von nun an achten wir peinlichst darauf, den Weg nicht wieder zu verlieren und werden, nachdem wir den Wald verlassen haben, mit einer paradiesisch anmutenden Wiese mit violett leuchtendem Heidekrautfeld empfangen. Wir haben den Sedlo Havrania erreicht. Eigentlich braucht man bis hierher 1,5 Stunden. Wir haben über 3 Stunden benötigt.

Von hier an führt dann wieder fast durchgehend eine Beschilderung über den Zadná hoľa (1.619m) und den Kolesárová (1.507m), ehe wir quer durch ein Rodungsfeld (immer geradeaus gehen) steil bergab zum Biwak Priehyba gelangen. Dort treffen wir ein letztes Mal auf die „4 Sachsen“, während uns 2 ungarische Wanderer mit „Are you the german guys Holger, Daniel und Bruno?“ Nun, nicht nur die Welt ist klein, auch die Niedere Tatra.
Mit einem ausgedehnten Abend am Feuer mit den heutigen Biwakbewohnern und langen wissenschaftlichen Referaten von Holger geht hier unsere eigentliche Tour zu Ende, weil wir uns entschlossen haben, am nächsten Tag ins südliche Tal abzusteigen, um auf einem Zeltplatz bei Pohorela Masa eine letzte Nacht zu verbringen, ehe wir mit dem Bus nach Bratislava zurückkehren.

6. Etappe: Priehyba – Abstieg vom Kamm

Als wir am Morgen aufbrechen, ist uns noch nicht ganz klar, wie lange wir für den Weg bis in das Dorf Pohorela brauchen werden. Am Ende sind wir über 5 Stunden unterwegs und fallen, erschöpft, hungrig und durstig, in den Lebensmittelladen des Dorfes ein. Mit Bier, Käse, Aufstrichen und Hörnchen (und natürlich Kofola!) laden wir unsere Energietanks wieder auf, ehe wir zu den letzten Kilometern nach Pohorela Masa aufbrechen – nur: den von uns auf der Karte recherchierten Zeltplatz gibt es nicht (mehr).

So müssen wir, da es mittlerweile bereits 17 Uhr ist, mit dem Bus nach Telgart, dort eine Pension nehmen und wieder einmal duschen, vorzüglich essen, 2-3 Biere trinken und einen Schnaps auf die Tour trinken. Und tief schlafen...

Der Rest ist Busfahrt: Telgart – Brezno - Bratislava für knapp 15 € und 8 Stunden Fahrt. Nicht schön, aber preiswert und effektiv. Dann noch einmal eine Übernachtung in Bratislava: das Hotel Possonium, ein Backpacker-Hotel, ist ganz der Nähe des Bahnhofes und der Altstadt und kostet uns 95 € für ein 4-Bett-Zimmer. Das Hotel verfügt über eine eigene Keller-Bar mit Kicker und freien Internetzugängen und es gibt ein lustiges Frühstück: ein abgepacktes Crossaint, einen Apfel und Kaffee.

Fazit:
Die Tour ist unglaublich schön, insbesondere der Westteil zwischen Donovaly und Čertovica (ja, es gibt dazu auch andere Meinungen von dem „Waldliebhaber“ Daniel). Und durchaus anstrengend und anspruchsvoll. (Brunos BMI lag am Ende der Tour bei 27,5. Hätte er auf Biere und Kofola verzichtet, wären die 27 wohl drin gewesen.) Insbesondere der fast durchgängige Aufenthalt auf dem Kamm bringt mit sich, dass Wasser knapp ist und ständig transportiert werden muss. 2-3 Liter pro Person sollten es schon sein. Die wiegen aber eben auch 2-3 Kilo.

Das selbe gilt für Lebensmittel. (Wobei wir festgestellt haben, dass wir zu viel Lebensmittel dabei hatten. Einerseits haben wir am Ende doch weniger gekocht als geplant – aus Zeitersparnisgründen oft -, andererseits gibt es doch einige Möglichkeiten (z.B. Kamenna Chata, Chata gen. M. R. Štefánika, Čertovica), Essen zu kaufen. So haben wir am Ende 4 Mann-Portionen Instantnudeln und Kartoffelsnack an die „4 Sachsen“ abgegeben, diese hatten wiederum zu wenig dabei …).

Man kann die Tour durchaus ohne Zelt gehen (es gibt fast an allen Biwaks Hütten), riskiert aber volle und geruchsintensive Hütten, die durchaus weniger gemütlich sein können als eine Nacht im Zelt. Wir würden bei einer ähnlichen Tour nicht auf die Zelte verzichten. Wir hätten 1 Tag mehr planen sollen, um die Tour über Andrejcová und den Král’ova Hol’a zu Ende zu gehen. Vielleicht ist das ja etwas für später. Und: glaubt den Entfernungsangaben an den Wegweisern des E8 nicht. Es sei denn, Ihr seid ohne Gepäck unterwegs und gehört zu den Extremwanderern, die nie Pausen machen und unterwegs relativ wenig Landschaft genießen. Wir haben immer deutlich mehr gebraucht, als die Zeitangaben der Schilder uns versprachen.

Das Ganze gibt es nochmal mit Bildern unter
http://www.kollin.net/niedere_tatra/

Viel Spass bei "Nachwandern".
Bruno

Atze1407
16.01.2010, 22:30
Hallo Bruno,

die Niedere Tatra gehört mit zu den schönsten Gebieten der Slowakei überhaupt, ist für mich noch schöner als die Hohe Tatra. Früher war ich sehr oft dort, einfach herrlich, genau so wie dein Bericht mit den Fotos.

Fünf Sterne 5sterne

Gruss

Jürgen

blauloke
17.01.2010, 10:12
Hallo Bruno

Guter Einstieg ins Forum.
Ich freue mich immer etwas über den Osten zu lesen. Eine schöne Tour habt ihr da gemacht.

Servus
blauloke

Pfad-Finder
18.01.2010, 20:03
Danke! Die Niedere Tatra steht auch schon seit Jahren auf meiner To-Do-Liste. Irgendwie habe ich aber zuwenig Urlaub. Die Lagerplätze müssen wohl irgendwann in den letzten zehn Jahren entstanden sein. Meine Slowakei-kundigen Bekannten in Prag haben früher vom Campen grundsätzlich abgeraten, weil nachts die Bären kämen. (Und schwuppdiwupp hat man morgens einen Bären aufgebunden bekommen)

Pfad-Finder

Peer
19.01.2010, 16:31
Super Sache!

In diesem Jahr war unter anderem eine Tour in die Hohe Tatra geplant. Diese Idee ist aber durch deinen Bericht im Begriff, sich zu ändern:)
Was für Karten/Reiseführer habt ihr denn benutzt (oder seid ihr ohne gegangen)?

Grüße
Peer

peter-hoehle
19.01.2010, 16:50
Super Bericht.Bei dem Gewitter am Gipfel
in einer Blechhütte :o aber wenn man
keine Wahl hat muß man nehmen was da ist.5sterne

Gruß Peter

kollin
20.01.2010, 11:55
Super Sache!

In diesem Jahr war unter anderem eine Tour in die Hohe Tatra geplant. Diese Idee ist aber durch deinen Bericht im Begriff, sich zu ändern:)
Was für Karten/Reiseführer habt ihr denn benutzt (oder seid ihr ohne gegangen)?

Grüße
Peer

Hallo Peer,
klar hatten wir Karten dabei, auch wenn (im ersten Abschnitt) sie nicht oft benötigt wurden: sehr wohl aber im zweiten. Ich hatte die Kompass-Karten. Im Grunde völlig ausreichend und - so es Wege gab - auch zuverlässig.
Nur einmal: als ich eine Quelle etwas abseits vom Hauptweg suchte, da war Karte und Landschaft nicht das Selbe. Im Grunde aber gute Karten.

http://www.mittelosteuropa-landkarten.com/Produkte/Slowakei/SK%20Landkarten/SK%20Wanderkarten%20und%20Atlanten/SK%20Wanderkarten%201:50.000%20Kompass.html

Gruß, Bruno

kollin
20.01.2010, 12:59
Danke! Die Niedere Tatra steht auch schon seit Jahren auf meiner To-Do-Liste. Irgendwie habe ich aber zuwenig Urlaub. Die Lagerplätze müssen wohl irgendwann in den letzten zehn Jahren entstanden sein. Meine Slowakei-kundigen Bekannten in Prag haben früher vom Campen grundsätzlich abgeraten, weil nachts die Bären kämen. (Und schwuppdiwupp hat man morgens einen Bären aufgebunden bekommen)

Pfad-Finder

Hallo Pfad-Finder,
soweit ich weiß (ich war bereits vor 20 Jahren dort, bin dann aber aufgrund eines üblen Durchf... wieder ins Tal) gibt es die Biwak-Plätze schon länger. Auf jeden Fall kann man sich auf die Plätze verlassen. Es gibt auch ein Verzeichnis auf der Internetseite der Parkverwaltung, nur - ich finde gerade die Seite nicht mehr, um den Link reinzustellen.

Die Sache mit mit den Biwakplätzen war einer der entscheidenden Gründe für diese Tour: wo kann man in der Nähe sonst eine mehrtägige Tour mit dem Zelt machen, ohne immer am Tagesende wieder abzusteigen ...

Und Bären: ? ja, es soll dort welche geben, aber gesehen habe ich keine, nicht mal eine Spur. Aber: Essen sollte man nachts vielleicht doch nicht rumliegen lassen. Die Abfallcontainer an den Biwaks sind zumindest bärensicher gebaut. Sicher nicht ohne Grund.

Gruß, Bruno.

Gassan
20.01.2010, 13:23
Schöner Bericht.

Da ich auf meiner Karpatendurchquerung auch an die niedere Tatra kommen werde, kommt mir dieser Bericht nur zu gute.
Danke :)