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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [USA] Wild Heart of the West - Unterwegs in Utahs Canyoncountry



Canyoncrawler
28.12.2009, 09:26
Land: USA
Reisezeit: September 2006/ 2007/ 2008, Okt./Nov. 2005
Region/Kontinent: Nordamerika

Hallo,

in den USA gehört - neben den Rocky Mountain States - vor allem der Canyon State Utah zu unseren liebsten Reisezielen. In den letzten Jahren waren wir häufiger in Utah unterwegs als in jedem anderen Bundesstaat der Vereinigten Staaten.

Eine lose Sammlung der verschiedenen Touren, meist Wandertouren oder kombinierte Offroad-/Wandertouren wollte ich hier nach und nach einstellen.

Canyoncrawler
28.12.2009, 09:30
Donnerstag, 20.09.2007:

Cedar City – Escalante-Petrified Forest State Park

Wir haben gut geschlafen in der schnuckligen Blockhütte und können beim Frühstück endlich mal wieder aus dem Vollen schöpfen. Das dauert auch dann etwas länger und die gewaschene Kleidung will auch noch sortiert werden. Die dickeren Jogginghosen aus Baumwolle zum Zelten im Gebirge sind noch nicht ganz trocken, genau wie ein paar Fruit of the Loom-Shirts. Nachdem der Waschsalon um 8.00 Uhr öffnet, lassen wir ein kleines Bündel Kleidung noch ein paar Runden im Trockner wirbeln und duschen in der Zwischenzeit. Anschliessend holen wir uns über W-Lan den neuesten Wetterbericht – die Unwetterfront aus den Rocky Mountains wird Morgen Nacht über ganz Utah erwartet. Schlechte Aussichten für unsere Wanderungen an der Hole-in-the Rock Road.
Um 9.00 Uhr sind wir abfahrbereit, doch Frank möchte vor der Weiterfahrt zum Cedar Breaks National Monument noch mal kurz am Walmart Supercentre stoppen. Walmart Supercentre mit dem üppigen Angebot des Camping & Recreation Sortiments, ausserdem Fruit of the Loom und Hanes-Kleidung und ein geplanter Kurzstopp passen bei uns mal wieder nicht zusammen. Es ist etwa 10.30 Uhr als wir den Inhalt eines gut gefüllten Einkaufswagen im Trailblazer verstauen und nach einem Tankstopp die Stadtgebiete von Cedar City über die State Road 14 (Markaguant High Plateau Scenic Byway)
verlassen.

Unterwegs wird der verbliebene Rest vom Tag neu geplant. Die Wanderung auf einem steilen und damit zeitauwendigen Teilabschnitt des Potato Hollow Trails ab Crystal Springs in die Ashdown Gorge Wilderness fällt aus und wir biegen direkt auf den Cedar Breaks Scenic Byway (State Road 148 ) ein. Über Kiefern und Espen des Dixie National Forests am Strassenrand erheben sich die rosa-rot-weissen Abbrüche des Cedar Breaks Monument. Wir stoppen am Strassenrand und weit schweift der Blick über Espen-/ Kiefer-/ Fichtenwälder und in der Ferne erblicken wir die zerklüfteten Kolob Terraces des Zion National Park. Der schönste Aussichtspunkt im Park soll unmittelbar beim Visitor Centre liegen: Point Supreme, unser erster Stopp.

Im Visitor Centre zeigen wir unseren America the Beautiful Pass vor und erhalten die Parkkarte und eine Quittung für die Autoscheibe. Hier auf 3155 m Höhe weht ein eisiger Wind und wir mummeln uns ein in die Softshell-Jacke und laufen den Minitrail zum Rande der Cedar Breaks Abbruchkante.

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Der Anblick ist atemberaubend: unter uns breitet sich ein Amphitheater aus unwirklich roten Felsen aus, durchzogen mit zartem rosa- und weissen Streifenmuster.

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Ein paar Wolken haben sich vor die Sonne geschoben und Frank ist besorgt ob unsere Fotos von diesem wild erodierten Felswunderland auch gelingen. Der Blick aufs Display und er lächelt: die Farben sind einfach unglaublich kräftig und intensiv.
Vom Supreme Point Aussichtspunkt fotographieren wir die Mauern, Zinnen, Türmchen, Säulen, Rippen und was immer man in die bizarren Erosionsstrukturen hineininterpretieren möchte bis die Speicherkarte glüht.

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Der Bryce Canyon hat uns ziemlich beeindruckt und wir waren uns nicht sicher, ob uns der kleine Bruder - Cedar Breaks - begeistern kann. Ein Blick über den Rand in die Tiefe und alle Zweifel sind beseitigt. Mit einem strahlenden Lächeln stehen wir staunend über der Jericho Ridge und Jericho Canyon und können uns nicht satt sehen an den eindrucksvollen Verwitterungsstrukturen dieses riesigen Amphitheaters.

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Die Ausformkräfte der Natur haben in den Pink Cliffs des Markagunt Plateau ein 600 m tiefes und 3 Meilen Durchmesser messendes Wunderland aus Stein geschaffen. Der hohe Eisen- und Mangangehalt in den Kalksteinschichten ist verantwortlich für die unerwartet kräftigen Farben. Als hätte ein Maler mit seinen schönsten und ausdruckvollsten Farben die Felsen angepinselt. Am Rim suchen wir uns immer wieder neue Standorte und sind schlichtweg begeistert von diesem National Monument im Hochland von Utah.

Mit einem tippen auf die Uhr mahnt Frank schliesslich zum Aufbruch, es warten weitere Aussichtspunkte und der Alpine Pond Trail. Die Aussichten am Sunset View Point auf 3156 m Höhe sind ähnlich spektakulär.

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Wir blicken jetzt in den Arch Creek. Die Felsabbrüche sind beinahe vollständig verwittert, ein steil abfallender, purpur-weiss-rot-gestufter Abgrund auf dem tiefgrüne Nadelbäume für einen weiteren intensiven Farbtupfer sorgen.

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Felsstufe um Felsstufe in den wundersamsten Farben und Formen fallen die Cedar Breaks ab und erneut vergeht viel Zeit, bis wir uns von diesem Anblick lösen und zum nächsten Viewpoint weiterfahren.

Am Chessmen Ridge Overlook zeigten sich die Cedar Breaks kaum minder farben- und formenreich, aber zusätzlich dominieren hier weitläufige Wälder bis zum Horizont.

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Der Chessmen Ridge Overlook ist gleichzeitig der südliche Trailhead für den Alpine Ponds Trail. Für diesen achtförmigen Trail, entlang von Borstenkieferständen zu einem malerischen Teich schnüren wir jetzt die Wanderschuhe und laufen alsbald auf dem unteren Trail durch dichten Kiefernwald, der sich ab und zu lichtet und weitere Ausblicke in die Cedar Breaks Abbrüche freigibt.

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Nach etwa 1 Meile erreichen wir die spiegelnde Wasserfläche des Alpine Pond, der vom Rattle Creek gespeist wird.

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Von hier führt der Trail durch Kiefer-, Fichten- und Espenwälder zum nördlichen Trailhead am Scenic Drive.

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Über den oberen Trail laufen wir zurück zum Alpine Pond und ab dort ebenfalls den oberen Trail zurück am Auto. Zwischendurch stoppen wir immer mal wieder für ein paar Fotos. Vor allem die Espen im gelben Farbenkleid des Indian Summer haben es uns angetan.

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Mit knurrendem Magen kommen wir zurück zum Auto und stellen fest, dass ich kein schönes Foto von den Borstenkiefern zustande gebracht habe. Mit einem leichten Brummeln führt Frank mich zur nächstgelegenen Bristlecone Pine, doch die ist genau so zersaust wie die anderen Exemplare und nicht wirklich fotogen. Vom Chessmen Ridge Overlook fahren wir zunächst zurück in Richtung Visitor Centre, um auf der neben dem Campground gelegenen Picnic Area ein spätes Mittagessen zu uns zu nehmen. Es gibt noch reichlich freie Tische und wir verpflegen uns mit Putenaufschnitt, Weissbrot, etwas Obst und bei den Temperaturen ohne Eis kühl gebliebener Cola. Vor der Weiterfahrt über den Cedar Breaks Scenic Byway nach Panguitch legen wir noch einen Abstecher zum North View Point ein.

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Hier mischt sich in das rosa, rot, weiss, purpur noch ein zarter Gelbton und die Aussichten oberhalb des Highleap Canyons sind gewaltig.

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Ganz in der Nähe liegt der Trailhead des Rattlesnake Creeks, einem weiteren Trail in die Ashdown Gorge Wilderness. Bei nahender Unwetterfront über Utah bleibt diese Wildnis für uns vorläufig unbekanntes Terrain und wir fahren über den Brian Head-Panguitch Lake Scenic Byway (SR 143) durch den Dixie National Forest in Richtung Panguitch um Morgen in Escalante eine Wanderung zu starten. Malerische Espenstände mit beginnender Herbstlaubfärbung verführen uns immer wieder zum Anhalten und fotographieren.

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So dauert es eine ganze Weile bis wir den Panguitch Lake erreichen. In der Nähe des Sees finden wir in einer spitztürmigen Mormonenkirche ein reizvolles Fotomotiv

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und biegen wenig später auf die Lake Shore Road ein.

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Auf den weitläufigen Wiesen am Seeufer grasen neben Rindern auch ein paar Rehe. Ausserdem rastet ein Schwarm Kanadagänse am See. Die Zeit drängt: zum Sonnenuntergang möchten wir gerne im Kodachrome State Park unser Zelt aufschlagen. In Joe’s Main Markt in Panguitch kaufen wir zwei Pork Choin Lops, frischen Salat und Röstis für die Pfanne. Nach einem Stopp an der Lublin Cabin fahren wir weiter über die US 89 und anschliessend über eine der schönsten Panoramastrassen des Südwestens: den Journey through Time - Scenic Byway (SR 12). Den Teilabschnitt zwischen der Kreuzung mit der US 89 und Bryce Canyon sind wir im Jahr 2000 gefahren und die Erinnerung daran ist ziemlich verblasst.

Zur Golden Hour nähern wir uns dem Red Canyon und vergessen sind die Planungen den Sunset im Kodachrome State Park zu verbringen.

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Der Red Canyon lockt mit einem schönen Campground und roten Sandsteinfelsen, die an die Hoodoos im Bryce Canyon erinnern. Die rötlichen Felsen leuchten im schmeichelnden Licht der untergehenden Sonne besonders intensiv und wir stoppen wann immer eine Parkbucht die Gelegenheit dazu bietet.

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Die grünen Kiefern bilden einen reizvollen Kontrast vor den roten Sandsteintürmchen und wir beschliessen spontan den Campground hier im Canyon anzufahren. Leider ist der bereits voll und wir unterhalten uns mit einem Camper der uns berichtet, dass er bereits seit 3 Tagen den Platz als Basislager für den Bryce Canyon und den Red Canyon nutzt und der Campingplatz in den letzten Tagen spätestens am frühen Nachmittag voll belegt war. Etwas enttäuscht fahren wir weiter. Über den bewaldeten Sandsteinhängen ist bereits der Mond aufgegangen.

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Die bekannten Formationen Salt n’ Pepper,

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die hoch oben auf einer Felswand thronen.

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Wer will schon Chimneys im Kodachrome Basin wenn er schöne Fins im Red Canyon fotographieren kann. ;)

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Das obligatorische Foto am 2. Tunnel für das Frank den Trailblazer wegen Gegenverkehr auf dem Bild einige Male hin und her chauffiert.

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Vorbei an der Abfahrt zum Bryce Canyon Highway und dem wuseligen Komplex am Rubys Inn geht die Fahrt in die Dämmerung weiter nach Tropic und Cannonville. Vorbei am längst geschlossenen GSENM-Visitor Centre fahren wir die South Main Street bzw. Kodachrome Drive. Auf halben Weg sprengt ein Schild erneut unsere Übernachtungspläne: „Campground full“ lautet die ernüchternde Meldung vor dem Kodachrome State Park.

Allmählich wird es dunkel. Bis wir den 2 Meilen westlich des Ortes Escalante gelegenen State Park Escalante-Petrified Forest erreichen ist es stockdunkel. Im Schein der Autoscheinwerfer und der Stirnlampen beginnen wir mit der Stellplatzsuche. Es gibt noch einige wenige freie Plätze und wir besichtigen zunächst unseren Stellplatz vom letzten Jahr. Der Platz wird von einem grossen Haufen Erde und Gestein blockiert, zusammengeschobenes Geröll, dass schwere Regenfälle über den Campingplatz gespült haben. Tiefe Rinnen durchziehen den Boden wo letztes Jahr noch unser Zelt stand. Auch der Nachbarplatz wo letztes Jahr die Kanadier zelteten ist mit einigen Furchen und Rinnen durchzogen.

Dafür entdecken wir, dass eine Campsite an der dem Stausee zugewandten Seite frei ist und wir pflanzen unser Zelt in eine lauschige Nische zwischen die Büsche. An der Self-Registration Station füllen wir das Campingpermit direkt für 2 Nächte aus und platzieren das Bargeld im Umschlag in den Behälter. Anschliessend holen wir uns für ein paar Dollar ein Bündel Feuerholz vom Sammelplatz und entfachen ein Campfire und kümmern uns um unser Abendessen: gegrillte Pork Choin Lops mit Salat und Rösti. Dazu eine Flasche Moscato California.

Die Duschen schliessen um 23.00 Uhr und um 22.30 Uhr verschwinden wir unter der Dusche und sitzen anschliessend noch eine Weile auf der Bank vor dem Zelt und schauen dem Feuer beim Niederbrennen zu bevor wir uns rundum zufrieden mit dem Tag ins Zelt kuscheln.

Übernachtung: Escalante-Petrified Forest State Park 16 $

Canyoncrawler
28.12.2009, 09:38
Freitag, 21.09.2007:

Escalante – GSENM – Escalante

Nach ruhiger Nacht erwartet uns ein noch beinahe wolkenloser Schönwetterhimmel. Von der Regenfront noch keine Spur. Kurz bevor wir aufbrechen wollen, kommt der Platzwart mit seinem Elektrowagen angefahren und wir haben ein Problem. Der freundliche ältere Herr macht uns darauf aufmerksam, dass an der Site ein Schild ist, dass man Campingpermits per Selbstregistrierung nur für eine Nacht lösen kann und fragt, ob wir das Schild nicht gesehen hätten. Haben wir nicht in der Dunkelheit. Der idyllische Stellplatz ist für heute reserviert und wir müssen einen neuen Stellplatz wählen und das Zelt umbauen.

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Die meisten Plätze sind noch belegt und die Auswahl ist gering. Wir entscheiden uns für den Platz über unserem letztjährigen Stellplatz und hängen unser Campingpermit dort an den Pfosten. Wieder kommt der Camphost angefahren, ein grauhaariger Herr den ich auf etwa 70 Jahre schätze. Er zeigt sich sehr besorgt aufgrund unserer Wahl. Für heute Nacht wären schwere Regenfälle vorausgesagt und über den Stellplatz würden dann ganze Sturzbäche rinnen. Hier könnten wir nicht stehen bleiben. Er schaut auf seine Liste welche Plätze heute frei werden und schickt uns zur Besichtigung in die obere Reihe. Uns läuft langsam aber sicher die Zeit davon. In der oberen Reihe ist erst ein Platz frei geworden, auf den anderen Plätzen sind die Camper gerade beim Frühstück oder Abbau. Als wir ihm von unserer Wanderung erzählen und dass wir jetzt bald aufbrechen müssen, bietet der Host uns an, unser freistehendes Zelt später umzusetzen, doch wir möchten das Zelt lieber selbst umbauen und sicher verankern.

Wir nehmen den frei gewordenen Platz in der oberen Reihe, auch wenn er nicht schön ist und möchten endlich zum Wandern fahren. Noch immer können wir nicht los, der Host hat sich mit seinen Reservierungen geirrt, die Campsite ist für die nächste Nacht vergeben. Frank schlägt vor, ganz abzubauen und am Abend nach einem freien Platz zu suchen. Ich willige ein. Gerade als wir die Schlafsäcke aus dem Zelt räumen, wird im oberen Bereich ein Stellplatz frei der nach Aussagen des Hosts nicht reserviert ist. Wir ziehen die Heringe aus der Erde und schaffen das Zelt mitsamt den Isomatten auf die frei gewordene Site, schlagen hastig ein paar Heringe ein, falls der Regen schon früher kommen solle, teilen dem Host unseren neuen Stellplatz mit und verlassen fluchtartig den Campground, Bevor er evtl. feststellen kann, dass er sich ein zweites mit seinen Reservierungsaufzeichnungen vertan hat. ;)

Es ist inzwischen 9.30 Uhr und wir haben noch keine Info zum Zebra Slot Canyon eingeholt. Am Visitor Centre stoppen wir und werden von einer freundlichen Dame am Rangerpult des BLM in Empfang genommen. Ich habe meine Zweifel, dass die ältere Dame mit dem gepflegten weissen Haar uns etwas über den Zustand des Zebra Slots sagen kann doch im Gespräch erweist sie sich als gut informiert. Flash Flood-Warnungen bestehen keine, sie kann uns allerdings nicht sagen, ob im Zebra Slot Wasser steht. Am letzten Wochenende hätte es in der Gegend stark geregnet, sodass wir wahrscheinlich mit Wasser rechnen müssten. Gestern wäre ein Hiker zum Zebra Slot aufgebrochen, sie hätte aber keine Rückmeldung erhalten.

Wir haben noch eine Alternative für die Wanderung, den Broken Bow Arch in der Willow Gulch. Die BLM-Angestellte ist begeistert, „a really beautiful Natural Arch“. Auch hier müssten wir mit nassen Füssen rechnen, da der Bach mit Sicherheit Wasser führen würde. Auf der Parkkarte zeigt sie uns den Trailhead und wünscht uns einen sicheren Trip. An der Tankstelle am Ortsausgang tanken wir den Trailblazer noch mal voll und biegen wenig später in die unbefestigte Hole-in-the Rock Road ein. Binnen der nächsten 9 Meilen müssen wir uns für eine Wanderung entscheiden und wir diskutieren das Für und Wider von Zebra Slot mit Tunnel Slot. Zebra Canyon ist Franks besondere Wunschwanderung, aber er schlägt aufgrund des Zeitverlustes durch den Stellplatzwechsel den Broken Bow Arch vor. Lieber einen spektakulären Arch als im Slot wegen hohen Wasserstand umkehren müssen. Im Grunde ist er auch ein Fan von gewaltigen Steinbögen und wir fahren beide zufrieden die Hole-in-the-Rock Road hinunter.

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Zur Abwechslung sitze ich mal hinter dem Steuer und Frank schaut sich die Landschaft an und filmt aus dem Auto heraus. Bis zum Trailhead der Willow Gulch sind mehr als 40 Meilen zu fahren, die Piste ist aber in einem guten Zustand und so nähert sich der Tachozeiger immer mal wieder der 55 mph-Marke bevor Frank die Geschwindigkeit mit einem „fahr langsamer“ einbremst. Wir passieren die Trailheads des Harris Wash, Egypt, Dry Fork und dann bringt Frank mich mit einem energischen „Anhalten“-Ruf zum stehen. Ich trete auf die Bremse und mit blockierenden Rädern rutschen wir noch ein kurzes Stück bis der Trailblazer zum Stillstand kommt. „So heftig hättest Du nicht zu bremsen brauchen“, meint Frank. Ich noch immer ahnungslos warum ich anhalten soll, folge ihm aus dem Auto heraus. Frank hat etwas neben der Strasse gesehen und als wir hinkommen schlängelt sich eine Gopher- oder Bullsnake zwischen den Büschen am Strassenrand entlang.

Foto (http://www.canyoncrawler.de/RB/2007/14/0001.jpg) (Achtung, Schlange!)

Wir verfolgen die Schlange mit den Augen und der Kamera bis sie zwischen den Büschen verschwindet und setzen die Fahrt fort. Ab dem Hurricane Wash wird die Piste wird allmählich etwas ruppiger, das trockene Flussbett ist tief eingeschnitten und ich fahre vorsichtig durch. Insgesamt ist die Piste aber noch immer ausgezeichnet zu fahren. Am Dance Hall Rock (etwa 38 mls ab Highway) stoppen wir kurz um uns den Felsmonolithen anzuschauen, den die Mormonen auf ihrer Reise zum Colorado bei einer Rast als Tanzplatz auserkoren hatten.

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Die Sonne steht hier ziemlich ungünstig zum fotographieren und nach kurzer Erkundung fahren wir die restlichen Meilen bis zum Trailhead den wir über die kurze, ausgefahrene Fahrspur der BLM Road 276 erreichen. Am Parkplatz steht ein weiteres Fahrzeug, wir raffen unsere Rucksäcke zusammen, kontrollieren noch einmal den Inhalt (Getränke, Verpflegung, Tevas, Notfallausrüstung, Karte, Kompass und GPS an Bord), tragen uns im Trailregister ein und öffnen anschliessend direkt wieder den Rucksack, angeln nach den Kameras, um den massiven Hoodoo am Canyonabstieg zu fotographieren/ filmen.

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Die Schwerkraft hilft uns beim Abstieg den sandigen Hügel hinunter zum Canyonboden.

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Auf halben Weg stoppt Frank mich mit einem beschwörend eindringlichen „bleib sofort stehen“. Ängstlich lausche ich ob etwas rasselt, schaue nach vorne und auf die Seite unter die Büsche - in der Erwartung dort eine Klapperschlange zu sehen oder zu hören. Stattdessen, beordert Frank mich zurück. Ich, noch immer nicht wissend, was los ist, setze gehorsam 3 Schritte rückwärts. Direkt vor mir über dem Trail zwischen zwei Büschen, hängt in Kniehöhe ein feines Spinnennetz und eine nicht gerade kleine, gestreifte Spinne seilt sich genau in der Mitte des Weges ab.

Foto (http://www.canyoncrawler.de/RB/2007/14/0005_1.jpg) (Achtung, Spinne!)

Beim nächsten Schritt wäre ich mit der Spinne unbekannter Spezies kollidiert. Nach einem Foto gehen wir aussen herum und erreichen nach wenigen Minuten den sandigen Boden der Willow Gulch.

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Die Sandsteinwände stehen weit auseinander und wir laufen komfortabel durch den von Büschen gesäumten trocken liegenden Wasserlauf. Wir erreichen eine Verzweigung und blättern die Beschreibung im Wanderführer von Peter Felix Schäfer nach. Anschliessend folgen wir dem Seitenarm des Willow Creek, der uns mit etwas Glück trockenen Fusses zum Arch bringen wird. Für trockene Füsse laufen wir gerne ein wenig länger, da man mit nassen und sandigen Füssen sich auch in den Tevas schnell mal Blasen läuft. Der Trail durch den Seitencanyon ist mit Steinmännchen markiert, nach ein paar hundert Metern kündigen hallende Stimmen weitere Wanderer an. Eine sechsköpfige Gruppe Backpacker kommt mit ausladenden Rucksäcken aus dem Canyon und rasten kurz als sie uns erreichen. Eine kurze Unterhaltung, sie sind seit 3 Tage unterwegs und jetzt beim Ausstieg. Sie finden die Gulch „phantastic“ und den Broken Bow Arch „wow“ und „gorgeous“. Nach dem was wir bisher von der Schlucht gesehen haben, können wir ihnen zustimmen und wir verabschieden uns, passieren Cottonwood-Bäume, in deren Wurzeln sich von der letzten Flut noch Gestrüpp verfangen hat.

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Über einen deutlich sichtbaren Pfad verlassen wir das Flussbett und laufen über eine Anhöhe, vorbei an weiteren leuchtend grünen Cottonwood Bäumen, die vor den rötlichen Felswänden für reizvolle Farbtupfer sorgen. Nach der nächsten Biegung bewacht ein Gesicht im Stein den Trail.

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Wir queren viele Male den Flusslauf, folgen mühsam - aber trockenen Fusses - den Steinmännchen und sind inzwischen so lange unterwegs dass wir uns zu fragen beginnen, ob wir auf dem richtigen Weg sind. Ich lege einen Schritt zu, Frank ist am filmen und folgt mit einigem Abstand. Aufgrund von Fotos und Reiselektüre sind wir auf die Dimensionen des Arches vorbereitet. Dachte ich. Es geht um eine letzte Biegung und da ist er.

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Urplötzlich kommt dieser gewaltige Steinbogen ins Blickfeld und der Anblick haut mich schier um. Ich bringe nur noch ein ungläubiges „Wow“ hervor. Frank fragt von hinten, was ist denn, bleibt aber dann genauso abrupt wie angewurzelt Stehen und sagt nur „Oh“, überrascht staunend. Wir schauen uns an, ein strahlendes Grinsen auf dem Gesicht und sind uns einig. Dieser Arch ist einfach nur gigantisch. Es mag noch Grössere geben, wie den Corona Arch. Da die gewundenen Canyonwände der Flusschleifen bis kurz vor dem Ziel den Blick darauf verstellen, bewirkt dieser spektakuläre Steinbogen einen ähnlich nachhaltigen A-ha- und Staun-Effekt wie der urplötzlich auftauchende Delicate Arch auf dem Plateau im Arches NP. Wir sind schlichtweg begeistert. Die Rucksäcke fallen bei erstbester Gelegenheit zu Boden und nur mit den Kameras bewaffnet suchen wir nach einer geeigneten Position um den Broken Bow Arch von seiner Schokoladenseite abzulichten. Broken Bow Arch mit Büschen,

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Broken Bow Arch mit Cottonwood Trees,

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Broken Bow Arch mit von Bibern angenagtem Stamm,

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Broken Bow Arch mit Willow Creek und eine wunderschön gezeichnete Canyonwand rechts vom Arch.

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Wir rasten mit Blick auf den Arch und kauen jeder eine Banane und Energieriegel. Schnell schultern wir die Rucksäcke und suchen nach einer Möglichkeit zum Arch aufzusteigen. Links am Canyon besteht zunächst noch die Möglichkeit sich dem Arch zu nähern. Irgendwann wird das Felsplateau schmaler und schmaler und das Gelände abschüssig. Unter uns gähnt der Abgrund. Wieder retour. Der Willow Creek führt hier mehr als kniehoch Wasser und wir suchen nach einer Möglichkeit, trockenen Fusses bis unter den Arch zu kommen, laufen einen Hügel auf der anderen Seite des Bachbettes hinauf um dann festzustellen, dass wir hier auch nicht weiter kommen. Wieder ein Stück zurück entlang des Willow Creek und hier auf die andere Seite. Wir gehen unter einem breiten Felsüberhang entlang, ein hübscher Alkoven wo aus Felsspalten Pflanzen wachsen.

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Auf dem sandigen Grund liegen Steine und Frank begutachtet diese, ob sie Anzeichen von Bearbeitung aufweisen. Obwohl die Steine nicht so aussehen, sind wir uns sicher, dass unter diesem natürlichen Überhang in der breiten, Wasser führenden Schlucht Indianer Zuflucht gefunden haben. Von der Seite verschwindet der Durchbruch allmählich aus dem Blickfeld und der Blick fällt auf den gekerbten Pfeiler des Steinbogens mit dem elefantenfussartigen Sockel.

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Kurze Zeit später nähern wir uns von hinten dem Arch und blicken durch die gewaltige Öffnung hinunter in den Willow Creek und auf die gegenüberliegenden Canyonwände.

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Neugierig auf den weiteren Verlauf der Willow Gulch (in der Wanderbeschreibung steht, dass man dem Bachbett bis zum Lake Powell folgen kann), laufen wir weiter in den Canyon hinein, schauen um die nächste Biegung, sehen eine weitere Biegung, halten darauf zu und erblicken wiederum eine Biegung. Der Canyon gefällt uns hervorragend, aber wir müssen auch die Zeit im Auge haben, da noch eine weitere Wanderung geplant ist, auf die ich ungern verzichten möchte.

Für den Rückweg, löse ich das eingeschaltete GPS vom Rucksack und aktiviere die Trackback-Funktion. Frank meint nur augenrollend, brauchen wir nicht, hilft mir aber dabei den Rucksack samt am Brustgurt eingeklinkten GPS wieder zu schultern. Wir haben jetzt wieder andere Einblicke in die Willow Gulch und ich bin mir zwischendurch nicht mehr sicher, wo wir hergekommen sind. Frank läuft zielstrebig voraus und das sich wiederholende leise Piepen des GPS bei Erreichen eines Wegpunktes bestätigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Unterbrochen von kurzen Stopps für einen Schluck aus der Trinkflasche laufen wir den Trail jetzt zügig zurück.

Nach Erklimmen des sandigen Hügels beim Ausstieg rasten wir eine Weile um Atem zu schöpfen, anschliessend trage ich uns im Trailregister aus. Nach uns hat sich ein weiterer Hiker eingetragen, der die Wanderung abgebrochen hat: „too many ponds“. Der kannte scheinbar nicht die Beschreibung durch den Nebencanyon, den wir sind trockenen Fusses vom Trailhead bis zum Arch und wieder zurück gelaufen. So lautet unser Eintrag auch: “We did it with dry feet and we enjoyed the stunning Arch and the nice Canyon”.

Am Auto eine kleine Schrecksekunde: die Scheibe auf der Beifahrerseite fehlt. Schnell stellt sich heraus, dass wir vergessen haben, die Scheibe hochzufahren und so parkte das Auto mitsamt unserer Ausrüstung stundenlang offen und für jeden zugänglich. Durch die heruntergelassene Scheibe ist die Temperatur im Fahrzeug angenehm und die Coladosen in der Styroporkühlbox ohne Eis noch in erträglicher Trinktemperatur. Gierig stärken wir uns mit dem zuckerhaltigen Getränk und brechen alsbald auf zum nächsten Trailhead. Es ist bereits Abend, schätzungsweise noch 1 bis 1,5 Stunden bis Sonnenuntergang. Während Frank den Trailblazer zurück zur Hole in the Rock Road fährt, krame ich die Wegbeschreibung zum Sunset Arch heraus. Einige Beschreibungen geben als Parkplatz die Wassertanks an, direkt von der Forty Mile Ridge Road ist es aber noch etwas kürzer und ich tippe fleissig die Koordinaten des Arches in das „alte“ Garmin Etrex-GPS-Gerät, da ich den Umgang mit dem neuen Garmin Etrex Vista noch immer nicht sicher beherrsche und die Zeit für Übungen und Experimente zu knapp ist.

Wir folgen der Strassen bis zur Gabelung wo die sandige Spur zum Crack in the Wall der Coyote Gulch abzweigt. Hier wenden wir und fahren mit dem Trailblazer zurück in Richtung Hole-in-the-Rock Road. Als das GPS eine Entfernung von 1,7 und kurz darauf 1,8 Meilen Entfernung anzeigt, parken wir den Trailblazer am Rand der hier etwas breiteren Strasse mitten im beim graden aufgeschobenen Sand. Mit kleinem Rucksack in den wir hastig ein paar Getränkeflaschen laden, laufen wir kurz darauf in einem Höllentempo Cross-Country um noch vor Sonnenuntergang am Sunset Arch zu sein. Den direkten Weg können wir nicht nehmen, da das Gelände mit stachligen Sträuchern ziemlich zugewachsen ist. Da wo keine Sträucher sind, finden wir auch einige kryptobiotische Krusten im Sand und sehen zu, dass wir in der Eile nicht versehentlich hineintreten. Zwischendrin immer wieder getrocknete Kuhfladen, teilweise zerfallen, die müssen schon länger hier liegen. Noch immer sehen wir den Arch nicht und sind etwas beunruhigt, ob uns das GPS auch den richtigen Weg weist.

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Wir passieren einige schöne Felsformationen die wir in der Eile gar nicht richtig würdigen können.

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Nach Sand folgt Slickrock und hier sehen wir plötzlich eine Formation die der Arch sein könnte. Wir nähern uns von schräg hinten, blicken also nicht direkt auf die Schokoladenseite, sondern auf die Rückseite. Über die Felsen laufen wir am Arch vorbei, steigen hinab und sehen den Arch von schräg vorne.

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Die untergehende Sonne schmeichelt den Farben und das sanfte Licht sorgt für gelungene Fotos.

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Wir erkunden und fotographieren den Arch von allen Seiten,

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wobei meine Lieblingsansicht die Durchsicht durch den Sunset Arch auf den Moonrise Arch ist.

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Der Arch ist grösser als erwartet, mehr als Mannshoch und von der sinkenden Sonne in strahlendes Orange-Braun getaucht. Die Speicherkarte glüht während ich den Auslöser drücke und Frank filmt mit dem Camcorder. Die Schatten werden länger und länger und wir müssen uns beeilen, wollen wir doch auch noch ein paar stimmungsvolle Erinnerungsfotos mit uns unter dem Arch.

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Emsiges Treiben trifft unsere Aktivitäten wohl am ehesten. Als wir alle Fotos geschossen glauben, setzen wir uns auf den Fels und warten. Der Wind frischt auf und plötzlich ist das Licht weg. Als hätte jemand die Sonne ausgeschaltet, sind die Farben plötzlich fad und weniger strahlend. Noch ein letztes Foto und wir überlegen, ob wir die kurze Strecke zum Moonrise Arch gehen sollen.

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Frank drängt auf den Rückweg zum Auto, er möchte nicht die ganzen 40 Meilen bei Dunkelheit bis zum Highway fahren. Mit immer noch zügigen, aber jetzt nicht mehr gehetzten Schritten treten wir den Rückweg an, voller Freude über diesen gelungenen Tag. Unaufhaltsam bricht die Nacht heran und mit jeder Minute schwindet das Tageslicht. In einem tief eingeschnittenen Wash werden wir unfreiwillig gestoppt. Hier hat im Laufe des Tages jemand einen Teil der Stoßstange eingebüßt und die liegt jetzt quer in der Fahrspur. Ich springe aus dem Wagen und drehe das Plastikteil mit Metallhaken zunächst mit den Füssen, um keine unliebsame Überraschung mit Kriechtieren zu erleben, die darunter Zuflucht gesucht haben. Anschliessend befördere ich das Plastik an den Strassenrand, damit sich niemand die Reifen daran ruinieren kann.

Inzwischen ist es stockdunkel geworden, unsere Scheinwerferkegel erhellen die Fahrspur. Von rechts und links stürzen sich immer wieder todesmutige Kamikaze-Hasen und selbstmordgefährdete Kaninchen auf die Strasse. Die Nerven von Fahrer und Beifahrer sind bis aufs Äusserste gespannt. Ungern möchten wir eines der niedlichen Fellknäule platt fahren, aber die springenden, Hacken schlagenden Tiere machen es uns nicht leicht. Ständig tritt Frank voll auf die Bremse, der Trailblazer bleibt mit blockierenden Reifen immer wieder ganz knapp vor einem Kamikaze-Hase stehen. Immer wieder springen die niedlichen Eselhasen und Wüstenkaninchen aus dem Dunkeln in den Lichtkegel und können sich nicht für eine Laufrichtung entscheiden. Ich fange an zu zählen. Das Motto des Abends könnte lauten: 40 Meilen – 40 Hasen. Bei etwa 40 wagemutigen Felltieren höre ich mit dem Zählen auf und noch unzählige Vollbremsungen später und einer Überlebensrate von 100% bei den Hasen und Kaninchen, sind wir wieder auf Asphalt und folgen der der SR 12 durch Escalante in den Park.

Etwa 22.00 Uhr erreichen wir unseren Stellplatz auf dem State Park Campground. Vor dem Abendessen springen wir schnell unter die Dusche und anschliessend köchelt ein Nudelgericht aus der Konserve auf dem Gaskocher und zwei gesättigte und sehr zufriedene Canyoncrawler schlüpfen wenig später in die Schlafsäcke.

Übernachtung: Escalante-Petrified Forest State Park 16 $

Canyoncrawler
28.12.2009, 09:48
Samstag, 22.09.2007:

Escalante – Capitol Reef NP

Kaum aus dem Zelt, geht der Blick nach oben: Über dem Wide Hollow Reservoir ballt sich eine bedrohliche Wolkenfront die den Himmel verdunkelt und den zur Hälfte ausgetrockneten Stausee in ein unwirkliches Zwielicht taucht.

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Jeden Moment droht es zu Regnen und wir sehen zu, dass wir unser Zelt im Trockenen einholen.

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Anschliessend bereiten wir das Frühstück vor und gerade als das Kaffeewasser kocht, fallen die ersten Regentopfen. Der Stellplatz hat keine Überdachung und so schaffen wir unser Frühstück auf eine der Nachbarsites mit Shelter. Kaum haben wir dort häuslich eingerichtet, prasseln immer dickere Tropfen auf das Blechdach, der Regen wird heftiger und für einen kurzen Moment steht eine richtige Regenwand über dem State Park. Nach kurzer Zeit lässt der Regen nach, um sich schliesslich mit einem leichten Tröpfeln ganz zu verabschieden. Noch immer steht eine schwarze Wolkenwand über dem State Park und wir beeilen uns mit dem Abwasch. Das Erdreich hat den kurzen Schauer vollständig aufgesogen, nur auf Felsen und asphaltierten Flächen stehen ein paar kleine Pfützen. Da unsere Übernachtung auf dem einfachen Fruita Campground im Capitol Reef NP geplant ist, der keine Duschen hat, springen wir hier in Escalante noch einmal schnell unter dieselbe.

Frank hat keine Eile, da bei der unsicheren Grosswetterlage heute die geplante Fahrt über die unbefestigte Posey Lake Road nach Bicknell mit Abstecher zum Hells Backbone ausfallen muss. Stattdessen schlägt er vor, dass wir endlich einmal den kompletten Rundweg hier im Park ablaufen. Mit wenig Begeisterung willige ich ein, den Trail sind wir schon ein Stück gelaufen und ich fand ihn ziemlich langweilig. Wir parken den Trailblazer auf dem Parkplatz für Tagesbesucher und machen uns mit kleinem Rucksack auf den steilen Aufstieg. Die Wolken über dem Wide Hollow Reservoir im Westen haben sich jetzt ein wenig gelichtet, dafür nähert sich jetzt eine Regenfront von Nordwesten. Missmutig folge ich Frank den Petrified Forest Trail nach oben. Dieser ist 1 Meile lang und beginnt mit einem knackigen Anstieg.

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Im Aufstieg überblicken wir den in grossen Teilen ausgetrockneten Stausee. Der Wasserstand ist so niedrig, dass heuer sogar die Befahrung mit Kanus ausgesetzt werden musste. Die bunten Boote liegen ungenutzt neben dem Bootssteg. Ich habe blöderweise auf meine Wanderschuhe verzichtet und quäle mich jetzt mit meinen abgelaufenen Sneekers die ihre letzte Reise angetreten haben über den steilen und durch den Regenschauer an manchen Stellen schlüpfrigen Pfad. Als ich ausrutsche, übernimmt Frank die Kamera. Ich kann ja abstürzen, Hauptsache die Kamera bleibt heil. Frank quittiert mein Nörgeln und die schlechte Laune mit einem leisen Lachen und setzt unbeirrt seinen Weg fort. Hier und dort bleibt er stehen um die Erläuterungen auf den Schautafeln des Lehrpfades zu lesen oder ein Foto von einem versteinerten Stamm zu schiessen.

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Am Abzweig zum Trail of Sleeping Rainbow überrascht mich Frank damit, diesen als „strenous and steep“ gekennzeichneten Trail anschliessen zu wollen. Dunkler als die Wolken die uns hier oben langsam aber sicher einkesseln ist daraufhin nur noch meine düstere Miene. Mit den abgelaufenen Sneekers immer wieder leicht zurückrutschend kämpfe ich mich die Serpentinen nach oben. Als der ärgste Hügel geschafft ist, fallen die ersten Regentropfen. Die Regenjacken sind im Auto und wir tragen nur T-Shirt und Hose. Der Regen klatscht mir ins Gesicht und – jetzt kommt es – da die Kamera nass werden könnte, schlägt Frank den Rückweg vor.

Ich bin in der Stimmung Frank zu erschlagen, folge ihm aber trotzdem so schnell es meine profillosen Halbschuhe zulassen, den steilen Berg hinunter. Erneut haben wir Glück, der Schauer steht nach kurzer Zeit und Frank blickt schon wieder zurück nach oben. Ich aber folge stur den Trailmarkierungen des Petrified Forest Trail und will so rasch wie möglich ins Auto, bevor hier das Regeninferno losbricht und der Sleeping Rainbow erwacht. Da Frank nicht kommt, gehe ich ein Stück zurück. Der Mann fotographiert in aller Seelenruhe ein weiteres Stück versteinertes Holz und grinst nur als er mich sieht. Ich --> :motz: / Er --> :grins: :lol:

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Wenn Frank grinst, kann man ihm unmöglich böse sein und ich lache zum ersten Mal an diesem Morgen. :) Der Trail ist mit den abgelaufenen Schuhen noch schwierig genug und bis wir das letzte steile Stück abgestiegen sind, habe ich einmal auf dem Hosenboden gesessen und auch Frank hat mit seinen Halbschuhen einen unfreiwilligen Rutscher hingelegt. Neben der Schautafel empfängt uns der Platzwart, der froh ist, uns zu sehen. Da wir gestern Abend so spät zurückgekommen sind, hatte er sich schon Sorgen gemacht und war erst beruhigt, als er heute Morgen unser Auto am Stellplatz parken sah. Wir sind gerührt. Er berichtet uns, dass die Regenfront sich für die nächsten Stunden über dem Wayne County halten soll und dass ergiebige Niederschläge vorausgesagt sind. Nach einem kurzen Plausch verabschieden wir uns und nehmen Kurs auf die State Road 12. Es ist beinahe Mittag und im Store der Sinclair Tankstelle in Escalante locken leckere Minipizzen.

Wir verschieben das Picknick zum Boynton Overlook und verspeisen dort mit Blick auf den Escalante River unsere Pepperoni/Sausage Pizza. Am Hogback stoppen wir erneut und lassen den Blick über die weitläufige und zerklüftete Sandsteinlandschaft schweifen, in die der Escalante River und seine Nebenflüsse faszinierende Canyons hineingefräst hat. Auch wenn die Weiterfahrt dieses Mal nicht über den Journey through Time Scenic Byway - die UT 12 – geplant war, langweilig wird uns diese Panoramastrasse nie. Bei Boulder tauchen wir ein in die Wälder des Dixie National Forest. Am Larb Hollow Overlook stoppen wir erneut.

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Eine dichte Wolkendecke verhüllt die Henry Mountains, aber die Waterpocket Fold und das Larb Hollow Reservoir sind auch ohne die überragenden Gipfel der Henries ein lohnenswerter Anblick. Die Laubverfärbung im Dixie National Forest ist gerade am entstehen, inmitten der grünen Espenstände zeigen sich die ersten gelben Farbtupfer. Bei Grover erreichen wir wieder niedriger gelegene Regionen, rote Sandsteinwände kündigen den Capitol Reef National Park an. Bei trübem Wetter nähern wir uns über den Highway 24 der Waterpocket Fold.

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Über der Straße erheben sich die bunt gefärbten Klippen und Erhebungen des kapitalen Riffs - Capitol Reef - das dem Park seinen Namen gibt. Dieser besonders eindrucksvolle Teil der Waterpocket-Fold erhält seinen Namen von den gewölbten weißen Steindomen und seinen fast unbegehbaren Bergrücken. Bei unserer 1. USA-Tour vor 7 Jahren sind wir den Scenic Drive im Park zum ersten und bisher einzigen Mal gefahren und da das Wetter für die Wanderungen zur Hickman Bridge und Cassidy Arch zu unbeständig ist, beschliessen wir, über die Stichstrasse in den Park zu fahren. Die Panoramastraße folgt der Westseite der Auffaltung und führt zum Grand Wash und zur Capitol Gorge, zwei tiefen, gewundenen vom Wasser geformten Schluchten mit senkrechten Wänden.

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Unwetterwolken ballen sich drohend über den roten Sandsteinwänden und wir rechnen bereits damit, dass die Capitol Gorge - wie bei unserer 1. Tour - gesperrt sein wird.

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Nach ein paar Fotostopps erreichen wir das Ende der befestigten Strasse und die Schranke zur Capitol Gorge ist offen. Los geht es durch die sich bis auf wenige Meter Breite verengende Schlucht durch senkrecht aufragende Wingate-Sandsteinklippen. Über den roten Wingate-Steilklippen trohnt als reizvoller Kontrast der gelbliche Navajo-Sandstein, der rundliche und sanftere Erosionsformen ausbildet. Die unbändige Wasserkraft und Erosion hat in den Engstellen unzählige Löcher in die Canyonwände gefressen.

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Manche so gross, dass ein Kind darin Zuflucht finden könnte. Die Strasse endet In einer Parkschleife, gleichzeitig Trailhead für Pioneer Register und Golden Throne. Ein Blick zum Himmel, eine Meile hin und zurück bis zum Pioneer Register über die alte Wagenstrasse könnten wir noch trocken überstehen. Schnell die Schuhe getauscht und mit Wanderschuhen und Hut (gegen möglichen Regen) geht es auf den Trail.

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Ein ebener Wanderweg führt hinein in eine eindrucksvolle Felslandschaft.

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Zwischen den hohen Canyonwänden wächst viel Grün und so vergeht die halbe Meile bis zum Pioneer Register wie im Fluge. Wir studieren die alten Inschriften, die zurückreichen bis ins Jahr 1871. Der Grossteil der arg ausgewaschenen Inschriften stammt aus den 1880er Jahren bis in die 1910er Jahre.

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(Die Fotos der Inschriften sind sehr schlecht, :( daher weitere Bilder der Gorge!)

Ein paar extrem verwitterte Petroglyphen legen Zeugnis ab von sehr viel früheren Besuchern: Indianer der Fremontkultur besiedelten die Region des Capitol Reef bis etwa 1300 n.Chr. und hinterliessen zahlreiche Felsritzungen.

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Noch immer ist es trocken und wir folgen dem Trail durch das trockene Flussbett immer weiter,

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vorbei am Abzweig zu den Watertanks (natürliche Wasserbasins, aus denen u.a. der Outlaw Butch Cassidy Wasser geschöpft haben soll). Allmählich werden mir die unwetterschwangeren Schlechtwetterwolken unheimlich. Wir sind schon mind. eine halbe Meile im Flussbett unterwegs und hätten bei herandonnerndem Wasser in den grösstenteils hochaufragenden Canyonwänden ein Problem, einen sicheren Standort zu finden.

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Andererseits sagen wir uns, wenn eine Sturzflut-Gefahr in der Capitol Gorge bestünde, hätten die Ranger doch sicherlich die Zufahrtsschranke der Capitol Gorge geschlossen?? :-? Mit derlei Gedanken beschäftigt, folge ich Frank noch ein wenig weiter in den Canyon, bis auch Frank zur Umkehr mahnt. Auf dem Rückweg haben wir den Golden Throne beinahe ständig im Blick und merken uns die Wanderung auf diesen eindrucksvollen Monolithen für einen weiteren Besuch vor.

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Auch im trüben Licht eines Regentages schimmert der Fels in einladenden, golden anmutenden Farbtönen. Die ersten Regentropfen veranlassen uns, einen Schritt zuzulegen. Bevor der Regen richtig losplatscht, würden wir gerne den Fluss verlassen haben und auf dem Trail entlang des Bachbettes gehen. Doch unsere Wünsche bleiben unberücksichtigt, mit ungebremster Kraft erwischt uns das Unwetter. Binnen 20 Sekunden sind wir tropfnass, an der Hutkrempe läuft das Wasser hinunter und Frank zieht die Fototasche zu, damit zumindest die Kamera trocken bleibt. Noch läuft der Regen im Flussbett ab, doch wir wollen es nicht erleben, wenn sich der trockene Wasserlauf in einen Strom verwandelt und joggen jetzt beinahe in Richtung Auto. Als wir den Trail neben dem Flussbett erreichen, atmen wir auf und verlangsamen unseren Schritt. Unaufhörlich prasselt der Regen auf uns nieder, wir sind nass bis auf die Haut, Wasser rinnt uns über die Arme und Hose und T-Shirt kleben am Körper. Wozu soll man denn auch die Regenjacken mitnehmen, die sind doch im trockenen Auto viel besser aufgehoben. :roll:

Kurze Zeit später erreichen wir den Parkplatz. Hin und zurück sind wir etwa 3 Meilen gelaufen, zu lange um der angekündigten Regenfront zu entrinnen. Ausser uns parkt noch ein weiterer Wagen dort und die Insassen passen im Auto das Ende des Regengusses ab. Wir schütteln uns wie die Pudel, gehen mit dem Handtuch über Arme und Gesicht und legen einen Müllsack auf die Sitze um nach Kleiderwechsel auf dem Trockenen Sitzen zu können. Die Scheiben beschlagen direkt und unaufhörlich trommelt der Regen auf die Windschutzscheibe und schlägt aufs Autodach. Wir warten den heftigsten Schauer ab und als der Regen langsam nachlässt starten wir den Wagen und fahren mit eingeschaltetem Gebläse zurück zum Scenic Drive. Im vorderen Teil der Capitol Gorge ist es noch einigermassen trocken und wir stoppen für ein Foto der rot-gelben Canyonwände.

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Kurze Zeit später holt uns auch hier der Regen ein und mit neuer Heftigkeit schliessen uns die Wassermassen im Auto ein. Wir sehen zu, dass wir auf Asphalt kommen und so patschnass wie wir sind frieren wir. Dagegen hilft die Heizung und als wir nach einem Abstecher in den Grand Wash (lohnt nicht!) am Visitor Centre ankommen, ist mein Funktionsshirt schon einigermassen abgetrocknet. Franks Baumwollshirt klebt noch immer am Körper, genau wie unsere Hosen und wir beschliessen, den Sightseeing Tag für heute zu beenden und auf besseres Wetter am morgigen Tag zu hoffen. Im Visitor Centre föhne ich mir im Bad im warmen Luftstrom des Gebläses die nassen Haarsträhnen trocken und wir beratschlagen anschliessend, wo wir übernachten sollen. Der Fruita Campground scheidet direkt aus, ein Schild verkündet uns „Campground full“. Gross traurig darüber bin ich diesmal nicht, auf Camping auf der regensumpfigen Zeltwiese war ich nicht besonders erpicht. Bleibt noch der Thousand Lake RV Park, die National Forrest Plätze zwischen Grover und Boulder oder eine Cabin oder Motel.

Schnell wird klar, das auch Frank bei den Sturzbächen die vom Himmel donnern keine Lust auf Zeltcamping hat und wir beschliessen, eine Cabin zu suchen. Es ist zwar erst etwa 16.00 Uhr, aber es ist Wochenende. In Torrey sind die Cabins der Trading Post voll belegt, auch die Cabins beim Wonderland RV Resort und Thousand Lakes RV Park sind ausgebucht. Die Preise der Motels in Torrey kennen wir noch vom letzten Jahr und wir beschliessen, unser Glück erneut im Aquarius Inn in Bicknell zu suchen. Wir erreichen Bicknell und das Aquarius Inn Richtung Ortsausgang Loa präsentiert sich noch genau wie im letzten Jahr und ich könnte schwören, dass der ältere Herr im Office im letzten Jahr die gleiche Netzbaseballcap und das gleiche karierte Hemd trug.

Dafür funktioniert heuer der Hot Tub und nachdem wir noch einige Empfehlungen von der Speisekarte des Restaurants erhalten haben und ich mir ausserdem den Zugangscode fürs W-Lan habe notieren lassen, beziehen wir unser Zimmer im 2. Stock. Mit AAA-Rabatt haben wir incl. Steuern beinahe 60 Dollar bezahlt, ein Schnäppchen ist etwas anderes, dafür sind die Zimmer annehmbar und im Bad kann man sich auch mal drehen ohne irgendwo anzustossen. Nach einer heissen Dusche machen wir es uns gemütlich und verlassen das Zimmer nur noch mal, um uns aus den Vorräten unser Abendessen zu bereiten.

Übernachtung: Aquarius Inn Motel, Bicknell 59,42 $

Atze1407
28.12.2009, 09:49
Man o man, schöne Gegend und dazu die Fotos. Einfach wunderbar man möchte am liebsten gleich wieder packen und los.

Gruss Atze

Canyoncrawler
28.12.2009, 09:56
Sonntag, 23.09.2007:

Capitol Reef NP – Moab

Über W-Lan checken wir am Morgen im Motel in Bicknell den Wetterbericht (kaum noch Schauerrisiko) und holen uns im Forum einen Rat zur Regenanfälligkeit einer unbefestigten Strasse ein. Da wir nicht schon wieder Getreideringe essen möchten, checken wir aus und verlegen das Frühstück in den Capitol Reef NP. Im Chuckwagon General Store decken wir uns mit frischen Backwaren und einem Coffee to Go ein und steuern den Panorama Point im Capitol Reef NP an. Über eine kurze unbefestigte Strasse erreichen wir den Goosenecks Overlook und suchen uns einen netten Platz mit Blick auf die Schleifen des Sulphur Creeks für unser Frühstück. Als Erinnerung an die Unwetter von gestern stehen riesige Pfützen auf den rostroten Felsen, der Himmel zeigt sich heute einladend und beinahe wolkenlos.

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Die köstlichen selbstgebackenen Teilchen und der Kaffee sorgen für weiteres Wohlbefinden und nachdem alles verspeist ist und die klebrigen Finger mit einem Feuchttuch gereinigt sind, kommt die Kamera zum Einsatz. In der Schlucht windet sich kurvenreich ein von den Unwettern schlammbrauner Sulphur Creek durch die steilabfallenden Felswände. Über den roten Klippen zeichnen sich in der Ferne die Gipfel der Henrie Mountains ab.

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Wir laufen am Rim entlang, schiessen Fotos und als weitere Reisende eintreffen überlassen wir ihnen unseren Frühstücksplatz und fahren zum Trailhead der Hickman Bridge. Hier parken bereits einige Autos und wir ergänzen die Reihe der Fahrzeuge um einen nach dem Regen blitzsauberen Chevrolet Trailblazer. Schnell werden ein paar Wasserflaschen in den Rucksack geladen und wir laufen los. Die Kameras bleiben direkt draussen. Nach einem kurzen Steilanstieg haben wir einen wunderbaren Blick auf den Capitol Dome (oder ist es der Navajo Dome :confused: )

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Leider sind die Lichtverhältnisse hier nicht optimal. Der Trail passiert eine Ansammlung riesiger schwarzer Kugeln, diese erinnern an Moqui Marbles, sind aber grösser als Medizinbälle und manche so gross, dass ein Mensch bequem darauf sitzen kann. Ein paar erschöpfte Wanderer haben es sich auf diesen Vulkankugeln bequem gemacht und verschnaufen. Wir laufen weiter durch eine wunderbar abwechslungsreiche Landschaft, entlang von Felswänden in einladenden Pastelltönen. Die Erosion hat ein Meisterwerk aus löchrig verwitterten Strukturen geschaffen, dazwischen immer wieder glatt polierter Fels und knorrige Wacholdersträucher.

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Der Trail ist erstaunlich trocken, nur ein paar Pfützen erinnern an die Regenmassen die gestern am Tag und die ganze Nacht über Utah hereingebrochen sind. Wir passieren die Nels Johnson Bridge, wo die Wasserkraft einen langen Felsen unterspült hat und dabei auf mehreren Metern Länge immer wieder ovale und runde Durchbrüche durch die Deckplatte geschaffen hat.

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Unter dem von Cottonwood Trees flankierten „Eingang“ der Natural Bridge steht eine rostrote, schlammige Pfütze – aber ohne Weitwinkel wäre wohl sowieso keine ansprechende Aufnahme vom langen „Tunnel“ der Bridge möglich. Wir besichtigen die Durchbrüche von oben und setzen unseren Weg fort. Auf den 1,2 Meilen bis zur Hickman Bridge durchläuft man eine ausgesprochen reizvolle Landschaft und die geschliffenen und verwitterten Erosionsformen des Kayenta Sandsteins laden immer wieder zum Fotographieren ein.

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Zu dieser Wanderung haben wir uns bei unserer 1. USA-Tour nicht aufgerafft, da wir in Zeitnot den Capitol Reef auf der Fahrt von Moab zum Bryce Canyon nur gestreift haben. Seitdem haben wir schon verschiedene Parkabschnitte des Capitol Reef NP kennen gelernt, für den Trail zur Hickman Bridge hatte es bislang nie gereicht. Wir schauen hier hin und dort hin und nähern uns langsam dem Ziel unserer Wanderung. Gewaltige Felsburgen aus Navajo-Sandstein trohnen festungsgleich entlang des Trails.

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Die letzten Meter und da ist sie, die Hickman Natural Bridge. Mit einer Spannweite von 40,5 und einer lichten Höhe von 21,9 m eine beeindruckende Felsbrücke.

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Wir verweilen einige Zeit bis die amerikanische Grossfamilie weiterzieht, die es sich unter der Brücke gemütlich gemacht hat. Jetzt klickt nicht nur bei uns der Fotoapparat. Ausser uns haben noch andere Wanderer darauf gewartet, den Steinbogen ohne fremde Menschen zu knipsen. Unter der Brücke führt der Trail weiter. Von der anderen Seite wirkt die Brücke noch imposanter.

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Der Loop trifft nach kurzer Zeit wieder auf den Haupttrail und wir laufen den Weg zurück. Trotz der starken Regenfälle am Vortag führt der Fremont River weniger Wasser als erwartet und die Kiesbank am Ufer fällt bereits wieder trocken. Im Flussbett liegen mächtige Felsbrocken und einige entwurzelte Bäume als stumme Zeugen der Naturgewalten. Unser nächster Stopp ist der Petroglyph Trail und entlang des Holzbohlen-Weges bewundern wir die Petroglyphen der Fremont-Indianer. Die ehemaligen Bewohner des Tales haben grosse, geometrische Figuren in den Wingate-Sandstein geritzt über deren Bedeutung man heute nur Mutmassen kann.

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Neben den gehörnten Figuren mit den trapezförmigen Körpern, dekoriert mit Ohrringen, Halsschmuck o.ä. findet man zahlreiche Darstellungen von Antilopen, Dickhornschafen und sogar eine Figur, die einen Bären darstellen könnte. Durchs Fernglas kommen wir den Petroglyphen sehr nah und erkennen leider auch die unübersehbaren Spuren von Vandalismus. Zahlreiche Inschriften aus jüngerer Zeit verschandeln die mehrere hundert Jahre alten Felsritzungen. Anscheinend wurde sogar auf die antropomorphen Darstellungen geschossen, so jedenfalls erklären wir uns die kreisrunden Löcher die wie Einschusslöcher aussehen. Nach einem Stopp beim Fruita Schoolhouse (abgeschlossen und die Rangerführung ist erst am Nachmittag) und einem Fotostopp bei einer Formation die sich The Castle nennt,

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halten wir für kurze Zeit am Chimney Rock und überlegen, den Trail bis zum Aussichtspunkt aufzusteigen. Angesichts der knappen Zeit verwerfen wir das Vorhaben den 3 Meilen Loop mit dem recht knackigen Höhenprofil zu laufen und fahren stattdessen über den Highway 24 nach Torrey, tanken unseren Trailblazer voll und nehmen wieder Kurs auf Bicknell. Zum Mittagessen beschliessen wir die nächste Fastfood-Kette anzulaufen, passieren Lyman und Loa ohne auf einen Fastfood-Tempel zu stossen.

In Loa führt uns der Weg weiter über die State Road 72 die mit - im Vergleich zu den Scenic Roads 12 und 24 - relativ unspektakulärem Verlauf durch den Fishlake National Forest führt. Anstatt der erwarteten Espenwälder, ist der Highway gesäumt von niedrigem Buschwerk. Ein Blick zurück vom Hogan Pass gibt den Blick frei auf das zerklüftete Canyoncountry. Vor uns breitet sich eine kahle Ebene aus. Einzelne Espenstände, die man beim beinahe vollständigen Kahlschlag ausgespart hat, sorgen für abwechslungsreiche Farbtupfer.

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Die SR 72 erreicht die Interstate, die wir beim Exit Richtung Price jedoch direkt wieder verlassen. Wir folgen jetzt der State Road 10 und wir setzen unsere Burgerhoffnungen jetzt auf eines der Dörfer auf dem Weg. Weder in Emery, noch in Moore, Ferron oder Clawson finden wir etwas dass nur annähernd einer Burgerbraterfiliale gleicht. Dafür haben wir bei der Landschaft ein De-ja-vu. Die grau-schwarzen Schutthalden erinnern uns doch stark an Hanksville. Es ist Sonntag und die Dörfer sind wie ausgestorben, noch eine Parallele zum kultigen Hanksville südlich der IS 70. Mit Castle Dale erreichen wir unsere letzte Möglichkeit für einen Burger vor dem Aufbruch in die San Rafael Swell. Doch auch hier finden wir kein Lokal und blöderweise ist auch noch der Supermarkt geschlossen. Wir haben noch einige Konserven im Kofferraum, das Kochen würde uns aber zu viel Zeit kosten und wir laufen den geöffneten Alco Discount Store an, der vom Kinderspielzeug bis zu Kleidung und Kosmetika beinahe alles zum kleinen Preis anbietet.

Nahrhafte Lebensmittel führen sie nicht. Wir erstehen eine Packung Pringles, Choco Cookies und jeder ein Beef-Jerkey für 99 ct. Auf dem Parkplatz wird das Beef Jerkey mit Pfeffer gewürzt und verspeist, während der Fahrt knabbern wir die Cookies und spülen die krümeligen Kekse mit ordentlich Flüssigkeit hinunter. Hungrig sind wir immer noch, wir fahren jedoch inzwischen über die unbefestigte Green River Cutoff Road (bzw. Oil Dome Road), die als breite und topfebene Gravelroad nach Osten ins Herz der San Rafael Swell führt.

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Die Strasse verläuft zunächst relativ eintönig, noch keinerlei Anzeichen für die spektakuläre Aussicht, die uns am Wedge Overlook erwartet.

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In der Nähe des Abzweigs zur Wedge Recreation Area parken einige Pickups, auf denen offenbar ATVs transportiert wurden. Von den Fahrern keine Spur. Dafür steht auf der Ladefläche eines Chevrolet Trucks eine grosse Kühlbox und wir werden an unsere noch immer knurrenden Mägen erinnert. Wir malen uns aus, welche Leckereien im Inneren warten und was wohl passieren würde, wenn wir die Kühltasche einfach einladen und damit verschwinden würden. :roll: :bg: In dieser entlegenen Gegend wäre das vermutlich das Verbrechen des Jahres und der Sherrif und sein Deputy uns alsbald auf den Fersen um den Icechest Robbery aufzuklären. ;-) :o

Mit allerlei Albernheiten über Steckbriefe der Canyoncrawler vertreiben wir uns die Zeit, bis uns eine Herde Rinder aus den Outlaw-Phantasien reist. Die Tiere stehen mitten auf der Strasse und machen zunächst keine Anstalten uns passieren zu lassen. Nach 2 Minuten stehen die Rinder noch immer da und schauen uns interessiert an. Frank öffnet die Tür um die Viecher zu verscheuchen, ich ziehe es vor, im Auto zu bleiben. Kaum hebt Frank die Arme und redet den Tieren gut zu, setzen sie sich wie auf Kommando in Bewegung und trotten auf die Seite und einen Hügel hinauf.

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Mamma-Kuh schaut sogar kurz keck in die Kamera bevor sie den anderen Rindern den Hügel hinauf folgt und nicht mehr zu sehen ist. Am Ende der Stichstrasse erwartet uns ein grosszügig angelegter Campground, deren Sites so weit auseinander liegen, dass eine Erkundung des Loops zu Fuss ziemlich zeitaufwendig wird. Noch besser als der Campground ist allerdings die Aussicht an diesem entlegenen Viewpoint in Utah.

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Vom Rand blicken wir auf eine Canyonlandschaft der Superlative. Zu Recht trägt er den Beinahmen Utah’s Little Grand Canyon. Der San Rafael River hat im Laufe der Zeit eine eindrucksvolle Schlucht in den Sandstein der Swell gefräst. Durch gleichzeitiges Auffalten der Erdkruste wurden die bis zu 365 m tiefen Canyons geologisch gesehen innerhalb kurzer Zeit von den Flüssen eingeschnitten. Wir blicken auf den Little Grand Canyon und den No Name Canyon. In der Ferne erkennen wir das Plateau, namenslose Erhebungen, die Pinnacle, Sids Mountain, No Man’s Mountain und Window Blind Peak.

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Nach den ersten Blicken in die Schlucht des San Rafael Rivers, fahren wir zu einer Campsite für ein reichlich spätes Mittagessen. Kaum sind die Nudeln aus der Konserve heiss, werden sie direkt aus dem Topf verspeist, anschliessend geht es direkt zurück zur Abbruchkante und wir fahren zum Little Grand Canyon Viewpoint.

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Hier überblicken wir den Good Water Canyon und den Little Grand Canyon.

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Wolken haben sich vor die Sonne geschoben, nach einiger Zeit lugt die Sonne durch die Wolkenlücken und vertreibt die Schatten im Canyon. Zeit für Fotos vom Rim.

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Da es bis Sonnenuntergang noch 2 Stunden hin ist, beschliessen wir, den Tag nicht wie ursprünglich geplant mit Sunset am Wedge Overlook ausklingen zu lassen, sondern noch bis nach Moab durchzufahren.

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Jetzt müssen wir uns sputen, da auf dem Weg durch den Buckhorn Draw ein weiteres Highlight wartet. Zurück auf der Green River Cutoff Road folgen wir der Beschilderung in den Buckhorn Draw und fahren durch eine schöne Canyonlandschaft.

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Wenig später parken wir unser Fahrzeug am Rockart Panel und schreiten die 30 m breite Felswand ab, um die mehr als 2000 Jahre alten Felskunstwerke zu bewundern.

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Am Buckhorn Draw Panel findet man die künstlerische Hinterlassenschaft zweier präkolumbischer Kulturen. Die farbigen Pictographen wurden vor mind. 2000 Jahren von begabten Vertretern im Barrier Canyon Style gemalt. Kunstvoll wurden die Farben mit den Fingern und Pinseln aufgetragen oder mit dem Mund verspritzt. Nach den Barrier Canyon-Künstlern kamen vor rund 1000 Jahren Angehörige der Fremont Kultur und ritzten Petroglyphen mit spitzen Werkzeugen in den Sandstein. Eines der häufigsten Motive findet man auch hier: ein Bighorn Sheep.

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Die Farbpigmente der Pictographien sind im Laufe der Zeit ziemlich verblasst, trotzdem geben sie noch immer Zeugnis von der einstigen Pracht. Das Motiv einer einzelnen Schlange neben einem Menschen ist noch sehr gut erhalten. Möglicherweise ist die Schlange Symbol eines Clanes, was ihre weite Verbreitung an anderen Stätten auf dem Colorado Plateau erklären würde. Bis Mitte der 90er Jahre waren die kunstvollen präkolumbischen Zeichnungen und Ritzungen von Vandalismus verunstaltet. In einer aufwendigen Aktion arbeiteten verschiedene Gruppen (Freiwillige und Staatsbedienstete) daran, die Schmierereien und Graffiti zu entfernen. Seit 1995 ist die Stätte in der heutigen Form zugänglich und wurde zum 100jährigen Bestehen Utahs im Jahr 1996 als Utah Historic Site unter Schutz gestellt. Tafeln listen die freiwilligen Spender auf, die mit ihren Geldern einen Beitrag zur Restaurierung beigetragen haben. Bis heute ist nicht klar, wer die Nachfahren dieser präkolumbischen Künstler sind: Utes, Navajos, Piute oder Hopis. Über die Bedeutung lässt sich nur Mutmassen:
Eine heilige Stätte als Ausdruck von Spiritualität ?
Ein Geschichtsbuch das bedeutende Ereignisse festhält?
Mythologische Erzählungen vom Ursprung der Völker ?

Die Hintergründe und die Bedeutung dieser Kunstwerke sind mit den Völkern ins Dunkle der Geschichte abgetaucht. Heute können wir mit Sicherheit sagen, dass die Zeichnungen und Ritzungen von verschiedenen, ausserordentlich talentierten Künstlern erstellt wurden. Bei einem Blick ins Detaill erkannt man, dass die Bilder mit Bürsten und Werkzeugen unterschiedlicher Grösse aufgetragen wurden. Die Pinsel waren wahrscheinlich aus Haaren, Federn oder Yuccafasern gefertigt. Für die Farben verwendete man Mineralien und Pflanzenextrakte, als Bindemittel tierische Fette, pflanzliche Öle und sogar Blut.

Am Buckhorn Draw Panel findet man in der Alcove-Gruppe menschenähnliche Figuren mit einem Loch im Torso, die kostümiert sind.

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Darstellungen von zeremoniellen Handlungen ? Ferner blicken wir auf die Darstellungen von Säugetieren, Reptilien und Vögeln die seitlich von undefinierbaren geometrischen Mustern angeordnet sind. Eine Tafel spekuliert darüber, ob ein Abschnitt des Kunstwerks Regenengel darstellen sollen. Einige der menschenähnlichen Darstellungen haben unheimlicherweise nur 4 Finger, andere sind ausgesprochen langgezogen und halten etwas in der Hand (eine Waffe? – oder einen Maisstengel zum Aufstieg durch die Welten?).

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Die Figuren sind reichlich verziert, tragen Hals- und Kopfschmuck und teilweise Stöcke oder Speere (Bewaffnung?). Ein grossartig illustriertes und faszinierendes Bilderbuch der Geschichte. Wir bleiben viel länger als geplant und als wir uns auf den Weg machen, steht der Sonnenuntergang unmittelbar bevor.

Wir fahren zügig durch die Sandsteinlandschaft des Buckhorn Draw, passieren die historische San Rafael Suspension Bridge. Im Jahr 1937 wurde diese knapp 50 m lange, einspurige Hängebrücke vom Civilian Conservation Corps errichtet. Der Verkehr rollt inzwischen über eine moderne Konstruktion aus jüngerer Zeit. Der Bottleneck Peak liegt in tiefen Schatten, die Pronghorn-Antilopen und die Hirsche für die die Swell berühmt ist, lassen sich nicht blicken. Guter Dinge fahren wir weiter in Richtung Interstate, bis uns ein Wash beinahe zur Umkehr zwingt. Nach den Unwettern des gestrigen Tages führt das Flussbett noch immer sehr viel Wasser, der Fluss ist hier sicher 30 m breit und führt eine braune Schlammbrühe.

Fassungslos stehen wir erst mal da. Den ganzen Weg zurück nach Castle Dale ? Viel zu weit, es wäre tiefe Nacht bis wir in Moab ankommen. Ich schlage vor, auszusteigen und die Wassertiefe mit dem Trekkingstock zu erkunden. Frank hat es sich aber scheinbar anders überlegt und legt den Rückwärtsgang ein. Bevor ich noch merke, was er vorhat, beschleunigt er den Trailblazer und fährt mit Schwung durch den breiten Wassergraben. Leider hat er vergessen die Scheibenwischer einzuschalten und das matschbraune Wasser sorgt für einen meterlangen Blindflug durch das Schlammloch. Frank grinst und ich protestiere als ich mich von dem Schreck erholt habe. Frank hält an und wir betrachten uns die Bescherung. Der am Morgen noch blitzsaubere SUV ist vom Reifen bis über das ganze Dach mit einer trüben, braunen Sauce überzogen.

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So können wir nicht weiter fahren. Genug Wasser für die geplante Übernachtung am wasserlosen Wedge Campground haben wir im Wagen, so wird mit Küchenrolle und einer Galone Wasser der ärgste Schmutz von Scheinwerfer, Spiegeln, Kennzeichen und der Heckscheibe gespült. Trotzdem sieht das Fahrzeug mit dem inzwischen angetrockneten Matsch aus wie ein Elefant nach einem Schlammbad. Ein Blick noch unter die Motorhaube – oh je. Der Wagen war bei Übernahme neu und jetzt sieht er aus wie nach dem Einsatz in einer Krisenregion. Halb so wild, meint Frank, der Dampfstrahler in Moab wird es schon richten. Auf der Frontscheibe hat der Wischer eine Spur frei gemacht und wenn ich jetzt etwas sehen will, muss ich mich zur Mitte neigen und prophezeihe Frank schon einen Hexenschuss. Der meint nur, dass die Sicht des Beifahrers zweitrangig wäre. Ich versuche zu schmollen, es gelingt mir aber nicht und feixend und schmunzelnd fahren wir mit unserem eingeschlammten Auto zur Interstate.

Es ist beinahe dunkel als wir den eindrucksvollen Abschnitt der IS70 durch den Spotted Wolf Canyon erreichen und den Rastplatz anfahren. Ein letztes Glühen liegt noch auf den Gipfeln der La Sal Mountains, der Rest des Canyons ist in gespenstische Dunkelheit getaucht, die von den Scheinwerfern vorbeifahrender Trucks und PKWs durchbrochen wird.

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Mich fröstelt und Hunger haben wir inzwischen beide wieder und nach dem Besuch des oberen Viewpoints steigen wir wieder ins Auto und weiter. Als wir von der Interstate auf die US 191 abbiegen, halten wir uns peinlich genau an die Geschwindigkeitsbegrenzung und wir müssen nicht lange warten, bis der State Trooper mit Sirenengeheul einen Verkehrssünder aus dem fliessenden Verkehr fischt. Das die Highway Patrol rund um Moab in den Abendstunden besonders aktiv ist, kennen wir noch von der letzten Reise und wir sehen zu, dass wir nicht unfreiwillig mit dem Officer bekannt werden. Um 20.50 Uhr erreichen wir die Einfahrt des Moab Valley RV Resorts, gerade pünktlich bevor das Office um 21.00 Uhr schliesst. Wir nehmen für 2 Nächte eine Tentsite mit Überdachung und bauen im Dunkeln unser kleines Zelt auf. Anschliessend fahren wir in den City Market, wo um diese Uhrzeit die leckere Salatbar leider schon abgeräumt ist.

Kochen wollen wir heute nicht mehr grossartig, daher fahren wir nach ein paar Besorgungen fürs Frühstück zu Wendys und gönnen uns einen grossen Burger mit Speck und Käse. Am Nebentisch wird gerade eine Folienkartoffel serviert und da wir nach dem Burger beide noch Hunger haben, bestellen wir jeder eine Folienkartoffel, die uns ganz ausgezeichnet mundet. Zurück auf dem Campground öffnen wir eine Dose kaltes Budweiser aus dem Supermarkt, mischen das ganze mit einer Dose Sprite zu einem Radler und machen uns Gedanken um die Planung der Aktiviäten des morgigen Tages, bevor wir uns nach einer heissen Dusche ins Zelt verziehen.

Übernachtung: Moab Valley RV Resort Campground 21,80 $

Canyoncrawler
28.12.2009, 10:01
Montag, 24.09.2007:

Moab – Moab

Der erste Weg nach dem Frühstück führt uns ins Stadtzentrum von Moab. Mit unserem schlammverkrusteten Auto sind wir auf dem Weg zur Selbstautowaschstation. Die nächste halbe Stunde sind wir mit der Autowäsche beschäftigt bzw. Frank hantiert mit dem Hochdruckreiniger und ich werfe in spritzwassergeschützter Entferung die Quarters in den Münzschlitz nach und wechsle am Automat zwischendurch 1 Dollarnoten in Vierteldollarmünzen. Nach einer abschliessenden Motorwäsche mit sanftem Wasserstrahl und dem Reinigen der Türeinstiege mit dem beim Ersteinkauf für einen Dollar erstandenen Autoschwamm sind wir mit der Optik des Trailblazers zufrieden. Jetzt sieht er wieder wie der neue Wagen aus, den wir in Las Vegas übernommen haben. Auf der US 191 nach Norden ziehen wir kurzzeitig eine tröpfelnde Wasserspur hinter uns her, aber als wir die Abbiegespur zum Arches National Park erreichen und für das obligatorische Parkschildfoto stoppen ist der Wagen durch den Fahrtwind abgetrocknet.

Im Visitor Centre steuern wir das Rangerpult an und fragen nach Plätzen für die geführte Tour in die Fiery Furnace. Am morgigen Tag sind noch Termine frei und wir können uns zwischen einer Vormittagsführung um 11.00 Uhr und der Nachmittagsführung um 14.00 Uhr entscheiden. Das Tourprogramm soll etwa 2,5 bis 3 Stunden dauern und für die Wanderung wird festes Schuhwerk empfohlen und wir werden darauf hingewiesen, dass die Tour durch extrem unwegsames Terrain führt, mit einigen Kletterpassagen wozu ein gewisse sportliche Grundkonstitution von Vorteil wäre. Das klingt nach einer richtig lohnenden rangergeführten Aktivität und wir erwerben für 10 Dollar/Person ein Ticket für die 14.00 Uhr Tour.

Wir erkundigen uns nach dem Zustand der Salt Valley Road und erfahren, dass diese noch immer gesperrt ist. Über die Beschaffenheit der befahrbaren Strassenabschnitte nördlich bis zu den Klondike Bluffs und südlich bis zum Herdina Park konnte uns die Rangerin keine Angaben machen, da derzeit noch keine aktuellen Strassenzustände vorliegen. Wir bedanken uns und schauen uns im Visitor Centre um. Wie immer hat die Bücherecke und das Regal mit den Magnetpins eine magische Anziehungskraft und wenig später verstauen wir eine Papiertüte mit Neuerwerbungen im Auto.

Geplant war für heute Morgen die Wanderung im Negro Bill Canyon zur gewaltigen Morning Glory Bridge und den Rest des Tages ebenfalls an der SR 128 zu verbringen. Aber wenn wir jetzt schon mal in unserem Lieblingspark sind, könnten wir doch mal kurz bis zu den Windows fahren. Wieder einmal hat der Genuss des Arches National Park die Neugier auf den Negro Bill Canyon verdrängt, was wir aber gar nicht schlimm finden.

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Die vertrauten Sandsteinwände der Park Avenue, der Three Gosipps, Courthouse Towers, Organ und Tower of Babel, die wir bei unserem letzten Besuch im Sept. '06 von grauschwarzen Regenwolken verdunkelt vorfanden, strahlen heute einladend im Sonnenlicht. Zeit für einige Fotostopps entlang der Parkstrasse.

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Beim Balanced Rock angelangt biegen wir nicht zur Window Section ab, sondern disponieren kurzfristig auf Herdina Park um. Die Dirt Road ist bis zum Abzweig ins Salt Valley in einem hervorragenden Zustand. Nachdem sie sich von der Willow Flats Road getrennt hat, zeigt sie sich vom Regen deutlich ausgewaschen mit einigen bösen Senken die High Clerance emfehlenswert erscheinen lassen. In der Ferne sehen wir bereits die Sandsteingebilde des Herdina Park und wir parken unser Auto in einem Pullout, den schon andere Besucher vor uns genutzt haben.

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Warum sollen wir einen Schaden am Auto riskieren bei unbekanntem Strassenzustand, wenn es bis Herdina Park nicht weit zu Laufen ist? Die Entfernung haben wir ziemlich unterschätzt, irgendwie scheinen die Formationen überhaupt nicht näher zu kommen. :o Aus dem geschätzten 1 km ist inzwischen mind. 1 Meile geworden und noch immer ist der Zugang zum Herdina Park nicht in greifbarer Nähe. :rolleyes: :(

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Glücklicherweise haben wir genügend Getränke eingepackt und auch an Engergieriegel gedacht, damit aufkommender Hunger der Exkursion kein vorzeitiges Ende bereitet. Endlich kommt das Road End-Schild in Sicht und wir folgen dem gut sichtbaren Trail (vom „Parkplatz“ an der gesperrten Strasse bis zum Arch etwa 0,5 mls) durch die einladend farbige Landschaft des Salt Valleys. Über Slickrock halten wir auf einen Felsdurchbruch zu. Während Frank schon unter dem Arch auf mich wartet, fotographiere ich die Sandsteinwand mit dem Durchbruch und dem riesigen Pothole.

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Neugierig trete auch ich durch das riesige Loch im Fels und blicke in ein grosses, sandiges, aber grünes Tal das von 3 Seiten von steilen Felsgraten begrenzt wird.

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Über den griffigen Slick Rock klettern wir hinab um das Auge des Wales von seiner Schokoladenseite zu bewundern.

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Wie ein gigantischer Knochen liegt die Felswand auf dem abfallenden Slickrock, durchbrochen vom imposanten Eye of the Whale.

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Der Arch hat eine Spannweite 37 feet, eine lichte Höhe von 12 feet, eine Dicke von 25 feet und eine Breite von 41 feet. Die gewaltigen Proportionen des Walauges verdeutlicht am ehesten ein Foto mit Personen.

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Wir erkunden die Umgebung des Herdina Parks, erklimmen die umliegenden Sandsteingrate und geniessen die Einsamkeit in diesem wenig Beachtung findenden Teil des populären Arches National Park.

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Die Aussichten vom Slick Rock Plateau über die vielfarbige Landschaft des Salt Valleys bis hinüber zu den bekannten Zinnen und Graten sind gewaltig.

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Um auf das gegenüberliegende Plateau zu kommen, klettern wir einen steilen und ausgesetzten Slickrockfels hinauf. Oben angelangt, ist uns die Hangquerung unterhalb der gegenüberliegenden, von Hoodoos-besetzten Felswand zu gefährlich, sodass wir uns auf Händen und Hintern wieder nach unten hangeln um im nach Süden hin offenen Gelände einen Zugang aufs Plateau zu finden. Doch die Felsfestungen scheinen uneinnehmbar und um das gesamte Areal zu umrunden reicht die Zeit nicht. Wir krabbeln den Felsgrat mit dem Arch an anderer Stelle nach oben und bahnen uns den Rückweg durch steiles, aber nicht ausgesetztes Gelände zurück zum Trail.

Zu einem gigantischen Felsblock hat jemand Felsbrocken als Aufstiegshilfe herangerollt und wir nutzen die improvisierte Treppe um nach oben in den Felshorst zu klettern und mit baumelnden Beinen und einer Wahnsinnsaussicht unser improvisiertes Mittagessen zu geniessen. Runter ist nicht so einfach wie hoch und bei mir bleiben ein paar Schrammen am Ellbogen und den Handballen zurück. :o Über Slickrock erreichen wir den bekannten Trail und wandern zurück zur Salt Valley Road.

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Von der Strassensperre sehen wir den Leaping Arch und schlüpfen durch die Autoabsperrung. Frank fällt ein, dass er das Auge des Wals überhaupt nicht gefilmt hat und läuft flugs zurück, während ich die gesperrte Strasse weiter gehe zum Leaping Arch. Dabei schrecke ich einen Kojoten auf, der noch bevor ich die Kamera schussbereit habe, irgendwo zwischen den Büschen und Felsen verschwunden ist. Während ich mich vergeblich abmühe, mich in eine bessere Fotoposition für den Leaping Arch zu bringen, fährt am Eye of the Whale ein RAV4 vor, der Fahrer steigt aus und läuft das kurze Stück zum Arch. Frank, inzwischen zurück vom Filmen, brummt bei dem Gedanken an unseren Rückweg zu Fuss leise vor sich hin und dass er mal besser nicht auf mich gehört hätte und die Strasse auch bis zum Ende gefahren wäre.

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Unser Trailblazer parkt in der prallen Sonne und als wir verschwitzt von der Wanderung das Fahrzeug erreichen, und alle Luken zum Lüften aufsperren, passiert uns freundlich lächelnd ein junger Mann in einem Toyota RAV4. So einfach kann ein Besuch des Eye of the Whale auch sein. ;-) Nach einer Stärkung mit portioniertem Obst aus dem City Market und ein paar Chocolate Cookies fahren wir die Salt Valley Road zurück.

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Ein Foto der Washquerung (mit Passieren dieses Flussbettes hat man die gröbsten Schwierigkeiten gemeistert) und wir stossen beim Balanced Rock wieder auf die Parkstrasse die wir mit einigen Fotostopps bei den Formationen die am Morgen im Gegenlicht lagen zum Parkexit fahren.

Mein Wunschziel ist die Onion Creek Road und Frank möchte unbedingt ins Professor Valley – beides Ziele an der State Road 128, dem Upper Colorado River Scenic Byway. Den Abzweig des Professor Valleys erreichen wir zuerst und biegen in die unbefestigte Strasse in Richtung Richardson Historic Site ein. Die Landschaft hier am Professor Creek ist bei weitem nicht so spektakulär wie erhofft, sodass wir, als die Strasse immer schmaler und steiniger wird, umkehren. Den Onion Creek lassen wir zunächst noch unbeachtet und passieren die Zufahrt zur Fisher Towers Recreation Site.

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Wenig später ergeben sich vom Highway 128 spektakuläre Aussichten auf die Türme der Fisher Towers im Richardson Amphitheater. Beim Hittle Bottom Campground startet der Amphitheater Loop Trail, der an so vielversprechend klingenden Formationen wie Scorpion, Hidden Tower, Dark Spire und River Tower entlang führt. Aufgrund der fortgeschrittenen Stunde verzichten wir auf diese Wanderung und stoppen in einer Parkbucht entlang des Scenic Byways um die Fisher Towers mit dem Colorado River im Vordergrund abzulichten. Wir haben keine Schwierigkeiten die im Photoguide von Laurent Martres beschriebene Parkbucht zu finden. Den Felsen im Fluss, als optimaler Fotostandort den sehen wir aber nicht. Sollte er zur Zeit überspült sein oder von den Büschen überwuchert? Die Gipfel der La Sal Mountains verschwinden unter einer dichteren Wolkendecke, so werden die Bilder von den Towers mit dem Colorado kein Renner.

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Als die Sonne ganz hinter Wolken verschwindet machen wir uns auf zur Onion Creek Road. Diese 13 Meilen lange Dirt Road windet sich mit 27 Flussquerungen des Onion Creek durch das Herz des Richardson Amphitheaters - vorbei an zahlreichen schön gelegenen Campsites ins Fisher Valley.

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Flankiert von rostroten, eng zusammentretenden Canyonwänden fahren wir durch eine einladende Landschaft.

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Auf den verwitterten Felsen thronen Felsnadeln und bei genauem Hinsehen, meint man kleine Gnome auf den Steilklippen sitzen zu sehen. Immer wieder navigiert Frank unseren Trailblazer durch den Fluss und der Matsch spritzt in die Radkästen unseres heute Morgen frisch gewaschenen Fahrzeugs.

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Als die Strasse immer steiniger wird und wir die farbigen Felsen des Fisher Valley sehen, kehren wir um.

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Die Sonne kommt raus und verwandelt den Canyon in einen Schlund aus glühenden Felsen.

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Durch die hohen Felswände, liegen grosse Teile der Strasse im Schatten, sodass wir die optimale Zeit für die Tour verpasst haben. Trotzdem sind wir regelrecht begeistert von dieser Fahrt durch die imposante Schlucht des Onion Creek.

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Zurück auf Asphalt steht der Sonnenuntergang unmittelbar bevor und wir beeilen uns, um zu den Buttes im Castle Valley zu gelangen.

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Diese Tafelberge werden von der untergehenden Sonne in ein unglaublich intensives Licht getaucht. Wir kosten jede Minute aus und jagen mit dem Auto den Schatten davon, die sich all zu schnell über das Sandsteinmeer entlang des Scenic Byways legen.

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Immer wieder finden wir noch einen Felsen der von den Strahlen der versinkenden Sonne angestrahlt wird, um dann schliesslich bis zum neuen Tag in’s Schattenreich abzutauchen. Irgendwann ist auch das letzte Licht verschwunden und wir fahren äusserst zufrieden mit dem Tag zurück nach Moab.

Im City Market mischen wir uns einen leckeren Salat an der Salatbar und kaufen ein paar Pork Loin Chops und knuspriges French Bread. Alsbald brutzelt auf dem Campingplatz das Fleisch auf unserem Grill und nach Essen und Abwasch springen wir unter die Dusche und sitzen anschliessend mit der Nase in Büchern im Schein der Gaslaterne vor dem Zelt.

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Übernachtung: Moab Valley RV Resort Campground 21,80 $

Canyoncrawler
28.12.2009, 10:08
Dienstag, 25.09.2007:

Moab – Moab

Der heutige Tag sollte ganz im Zeichen des Arches National Parks stehen. Vorher verlängern wir den Campground um eine weitere Nacht und stehen daher erst gegen 8.30 Uhr am Parkeingang im Stau. Mit dem Annual Pass werden wir auf der 2. Spur durchgewunken und registrieren bei der Einfahrt, dass der Devils Garden Campground mal wieder belegt ist. Ohne Reservierung muss man auch Ende September noch verdammt früh dran sein, um einen Platz zu ergattern. Perlenkettengleich zieht sich eine Karawane von Fahrzeugen den Scenic Drive hinauf und wir zuckeln im Geniessertempo hinterher. Bis zur Abfahrt zur Window Section hat sich die Fahrzeugschlange ein wenig gelichtet und wir biegen in die One-Way Road zu den Windows und Double Arch und Cove of Caves ein.

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Bei den Windows stoppen wir nur ganz kurz, zwei Busse haben ihre Ladung ausgespuckt und die Lichtverhältnisse sind ungünstig. Der Turret Arch scheint von einer kompletten Busreisegruppe belagert zu sein und wir kehren um, zurück zum SUV. Weiter geht es zum Double Arch. Von diesem eindrucksvollen Doppelbogen fehlt uns noch ein anständiges Foto und jetzt am frühen Morgen ist eine gute Zeit dafür. Auch der Kurztrail zum Double Arch ist bereits gut besucht und im Schatten des Double Arch wuseln noch mehr Reisende zwischen den Felsbrocken im Hang umher. Gerade als alle Besucher hinter Felsbrocken verschwunden sind, drücke ich den Auslöser und wir gehen ein Stück zurück für weitere Bilder.

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Ein älterer Herr der uns irgendwie bekannt vorkommt hat teures und umfangreiches Kameraequipment aufgefahren und alleine das Stativ muss ein Vermögen gekostet haben. Wir schauen mal bei ihm vorbei um die Perspektive zu testen und kommen kurz ins Gespräch. Er erzählt uns, dass ihm die Besucher die im Arch herumklettern gerade recht sind, um die Grösse zu verdeutlichen und dieser Standort hier wäre ideal, da der Busch einen interessanten Bildervordergrund abgeben würde. Er fotographiert offensichtlich mit Weitwinkel und so sehr wir uns auch bemühen, ein ähnliches Foto wie wir auf seinem grossen Display sehen, will uns nicht gelingen. Sein Lieblingsarch im Park ist der Landscape Arch und diesem möchte er anschliessend noch einen Besuch abstatten, und augenzwinkernd fügt er hinzu, man könnte ja nie wissen, wann dieser filigrane Bogen einstürzen würde.

Wir entfernen uns ein wenig und Frank fängt an zu flüstern dass dies der Fotograph aus dem Buch wäre. Er meint Tom Till :D - aber ich bin mir da nicht so sicher. Wenn er es ist, dann muss die Aufnahme in Laurent Martres Buch „Photographing the Southwest“ vor etwa einem Jahrzehnt entstanden sein und ein inzwischen gealterter Tom Till ein Hörgerät tragen und ausnahmsweise ohne Großformatkamera unterwegs sein. Warum sollte Tom Till ausgerechnet heute im Park sein, wo kein Wölkchen am tiefblauen Himmel steht und für interessante Shots sorgt. Ich kann Frank gerade noch davon abhalten, zu dem Herren in Khakishorts und Schlabbershirt zurück zu gehen und ihn zu fragen ob er Tom Till ist. Zurück am Auto gilt der erste Blick dem Foto des Landschaftsfotographen. Wir möchten nicht darauf wetten und es ist eher unwahrscheinlich, aber die Ähnlichkeit war verblüffend. :)

Noch darüber diskutierend erreichen wir den Panorama Point und erklimmen die versteinerten Dünen aus Navajo-Sandstein. Der Blick schweift über das Salt Valley und die Sandsteinformationen entlang des Scenic Drives.

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Unser nächster Stopp ist der Delicate Arch Viewpoint. Wir laden ein wenig Wasser in den kleinen Rucksack und blicken zunächst vom Lower Viewpoint auf Utahs Wahrzeichen, den Delicate Arch. Anschliessend nehmen wir den mässig steilen Trail zum Upper Viewpoint in Angriff. Das letzte Stück geht es über Slickrock bis zur Abbruchkante über dem Winter Camp Wash. Nördlich oberhalb der Steilklippen des Winter Camp Wash thront spielzeugleich die weltbekannte Formation des Delicate Arch, daneben ein paar Sandsteinknubbel. Von hier kann man sich die gigantischen Ausmasse des Steinbogens im Entrada Sandstein der zur Ikone des Südwestens wurde überhaupt nicht vorstellen.

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Diesen tiefen Einschnitt des Winter Camp Wash, aus dessen grünen Tal sich wie ein globiger Wanderstiefel ein gewaltiger Sandsteindom erhebt, haben wir nicht so eindrucksvoll in Erinnerung und wir verbringen geraume Zeit auf dem Slickrock Plateau. Am Canyonrand erkennen wir, dass sich hier ein weiterer Arch verbirgt, der sich so eng an die Abbruchkante schmiegt, dass man ihn erst sieht, wenn man direkt am Plateaurand steht.

Zurück am Auto nehmen wir Kurs auf die Türmchen und und Zinnen des Devils Garden.

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Mit Phantasie erkennt man lauter Fabelwesen. .

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Ein Kurztrail führt zum Skyline Arch.

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Die Parkplätze entlang der Einbahnstrasse der Devils Garden Picnic Area und Trailhead am Ende des Scenic Drives sind gut besucht. Mit unserem Trailblazer schlüpfen wir in eine gerade frei gewordene Lücke und Halten nach einer freien Tischgruppe Ausschau. Auch nach der Lunchzeit sind die Picnic Tables voll belegt und wir warten eine Weile bis ein Platz frei wird, den wir anschliessend mit Kochgeschirr und Gaskocher in Beschlag nehmen. Die folgende Wanderung in der Fiery Furnace möchten wir nicht hungrig antreten und wir köcheln uns eine warme Mahlzeit bestehend aus Nudeln mit Tomatensauce aus der Konserve die wir mit knackigem French Bread und einem Pfirsich als Nachtisch abrunden.

Nach diesem Mahl bliebe noch Zeit für einen Abstecher auf dem Devils Garden Trail bis zum Tunnel Arch und Pine Tree Arch oder für die Kurztrails zum Broken Arch und Sand Dune Arch, aber wir sind nicht sicher, ob wir auf dem kleine Parkplatz bei Fiery Furnace einen Platz finden und fahren lieber in gemütlichem Tempo mit einigen Stopps zum Trailhead der geführten Rangertour. Hier parken um 14.30 Uhr (wir haben Tickets für die 15.00 Uhr Tour und nicht wie im letzten Tagesbericht geschrieben für 14.00 Uhr) - eine halbe Stunde vor der Tour - bereits zahlreiche Autos und die ersten Besucher rüsten sich mit Wanderschuhen und Rucksack für die Wanderung. Unsere Rucksäcke stehen bereits gepackt auf dem Rücksitz und wir schultern diese und suchen uns einen schönen Platz oberhalb des Sandsteinlabyrinths mit Blick auf die Gipfel der La Sal Mountains.

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Ein Zaun mit Hinweisschild markiert den Beginn der Permitzone. Ab hier geht es auf eigene Faust nur mit Hiking Permit oder eben unter Rangerführung weiter.

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Eine Gruppe Wanderer steigt den Trail hinab, wenig später verschlucken die Felsen der Fiery Furnance die Hiker. Um 14.55 Uhr parkt ein klappriger Geländewagen des NPS auf dem reservierten Ranger Parkplatz ein und eine junge Frau in Khaki-Hosen und grauen Hemd mit National Park Service Emblem steigt aus. Sie stellt sich vor (den Namen habe ich vergessen) und spricht ein paar einleitende Worte, dass es ein anspruchsvoller Trail wäre, für Wanderer mit Erfahrung, da es durch unwegsames Terrain ginge, zum Vorankommen wären ein paar Techniken und Bewegungen erforderlich, die sie uns während der Tour zeigen würde. Wir sollten diese einfach nachmachen, dann wäre die Tour technisch kein Problem. Unterwegs erführen wir bei verschiedenen Stopps allerlei Interessantes.

Durch einen Felssturz wurde vor ein paar Tagen ein Abschnitt des Trails verschüttet und der National Park Service würde hart daran arbeiten, den Trail wieder frei zu bekommen. Mit etwas Glück, käme noch während unserer Tour über Funk die Meldung, dass der übliche Rundkurs komplett begehbar ist. Wir sollten genügend Wasser mitnehmen, festes Schuhwerk tragen, Sonnenschutz nicht vergessen und sperrige Dinge am besten im Auto lassen, da sie in den engen Felspassagen hinderlich sein würden. Zwischendurch würden wir immer wieder unsere Hände gebrauchen müssen. Die Gruppe solle bitte dicht zusammenbleiben und los geht es, denken wir. Ein Ehepaar diskutiert noch darüber ob die Trekkingstöcke zu den hinderlichen Gegenständen gehören, die sie besser im Auto lassen. Die Rangerin sagt, dass wenn sie es gewönt wären mit Stöcken zu wandern, sollten sie die Stöcke mitnehmen und an den Passagen wo man die Hände benötigt, diese am Rucksack festzurren.

Eine bunte Truppe setzt sich in Bewegung: Teilnehmer die von der Statur sonst eher eine Abneigung gegen körperliche Anstrengungen zu haben scheinen, Besucher in Polohemden, Bundfaltenhose und Business-Slippers bis zu voll aufgerödelten Wanderern jeden Alters mit teuren Rucksäcken und Khaki-Wanderkleidung und jungen, durchtrainierten Leuten in bunter Funktionskleidung mit Hiking-Sandalen und Hydropack war alles vertreten. In Gänsemarsch stapfen wir los und laufen einen mässig steilen Abhang hinunter.

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Unten warten wir bereits schon etwas länger, bis die ganze Gruppe wieder zusammen ist. Frank lästert bereits, dass wir in dem Tempo erst zum Sonnenuntergang wieder draussen sind. Ich halte das für einen Witz und grinse – noch. Unten sortiert die Rangerin die Gruppe und fragt nach einem erfahrenen Wanderer, der die Nachhut bilden möchte. Es meldet sich direkt eine Frau, die diesen Job übernehmen möchte - die Ärmste wie sich noch herausstellen wird. :roll:

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Als wir durch einen Wash laufen und ein Gebüsch den Weg versperrt, beginnen bereits die ersten orientierungslos umherzuirren, dabei ist im Sand eine Spur, die man kaum übersehen kann. Am ersten Stopp zeigt die Rangerin uns kryptobiotische Krusten, erklärt die Zusammensetzung und die Bedeutung dieser Krusten für das Ökosystem. Die kryptobiotischen Krusten stellen in vielen Bereichen des Nationalparks die Lebensgrundlage für alle Pflanzen und Tiere dar. Es handelt sich dabei um einen „lebenden Bodengrund“, der vor allem aus Blaualgen besteht, daneben aber auch Moose, Flechten, Grünalgen, Pilze und Bakterien enthält. Besonders die Blaualgen sorgen für eine Nährstoffanreicherung des Bodens, da sie in der Lage sind den Stickstoff der Atmosphäre in einer für Pflanzen nutzbaren Form im Boden zu fixieren. Daneben halten sie durch ihre Ausläufer den Boden zusammen und schützen ihn so vor Erosion bis in eine Tiefe von 10 Zentimetern. Gleichzeitig ergeht die Warnung, diese Krusten keinesfalls durch einen unbedachten Tritt zu zerstören, da die Natur 100 Jahre benötigt um diese zu regeniereren.

Beim nächsten Halt erfolgt die Erklärung der Definition von Arches und Natural Bridges. Erst ab einer bestimmten Grösse des Durchbruches spricht man von einem Natural Arch. So erblicken wir einen einfachen Felsdurchbruch, einen Arch

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und eine von periodisch fliessendem Wasser erodierte Natural Bridge.

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Frank und ich wechseln unsere Position in der Gruppe. Wir waren zunächst hinten um mehr Zeit zum fotographieren zu haben, setzen uns ins 1. Drittel da sich herausstellt, dass wir hier am Anfang der Truppe noch mehr Zeit zum fotographieren haben werden und weniger Leute im Bild stehen. Es dauert bei jedem Stopp geraume Zeit, bis alle Teilnehmer aufgeschlossen haben und mit zum Teil gefährlich unsicheren Tritten die unebenen Felspassagen erklommen haben.

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Durch slotcanyonartige Passagen und ein Labyrinth von Türmchen, Zinnen und Felsnadeln erreichen wir den Skull Arch, dessen doppelter Durchbruch stark an die knöcherne Augenhöhle eines Schädels erinnert.

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Es folgt ein Vortrag über das Leben in einem Pothole, den regenwassergefüllten Felsbecken die von Kleinstlebewesen bevölkert werden. Jeder Tritt in die Pfütze stört das ohnehin schwierige Überleben in den verdunstenden Wassersammlungen.

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Sprichwörtlich über Stock und Stein schieben wir uns unter Einsatz von Händen und Füsen vorwärts. Einige Teilnehmer der Gruppe kommen an den Rand ihrer technischen Möglichkeiten. Vor uns läuft das Ehepaar, das am Trailhead über die Mitnahme von Wanderstöcken diskutiert hat. Die Frau hat grösste Schwierigkeiten. Der Mann zieht sie immer wieder wie einen Kartoffelsack über für uns noch problemlos begehbare Wegabschnitte. An einer Passage kommt sie trotz Zug von vorne überhaupt nicht mehr weiter und Frank unterstützt das Vorankommen durch kräftiges Schieben. Unsere Rangerin ist inzwischen auch schon ein wenig genervt und blickt mehrmals auf die Uhr. Wir stehen mehr, als das wir Wandern. Frank witzelt wieder: man müsste diese Tour von Fierry Furnace Guided Walk in Guided Stand umbenennen.

Sobald die letzten Nachzügler zur Gruppe aufgeschlossen haben, folgt wieder ein weiterer Vortrag dem nicht mehr alle aufmerksam folgen können, da sie von den Anstrengungen des Weges fix und fertig sind. An einer Stelle können wir durch eine Art Tunnel robben, doch da wir heute Morgen saubere Kleidung angezogen haben, verzichten wir auf diese staubige Einlage. Ein paar der jungen Leute mit den Trekkingsandalen vertreiben sich die Zeit indem sie gleich mehrmals durch den Tunnel kriechen und dies fotographisch festhalten.

Inzwischen haben wir neue Hinterleute. Hinter uns souffliert ein Mann seiner Frau ständig, wie sie den Trail zu nehmen hat: "Do exactly the same then the women before you". Die Women bin ich und irgendwann bin ich ziemlich angenervt von den ständig im gleichen Wortlaut vorgebrachten Änweisungen. An einer Stelle wo man wieder ein wenig Kamintechnik anwenden muss, da es durch eine sich nach unten stetig verengende Felsspalte geht, klettere ich anstatt mit beiden Füssen auf der einen Seite und den Händen an der gegenüber liegenden Felswand in Stemmtechnik durch die Spalte und schraube mich dabei ein wenig nach oben. Schliesslich vernehme ich von hinten eine entsetzte männliche Stimme: "Honey, don't do that." Klettert die Frau hinter mir doch auf exakt die gleiche Weise durch die Spalte, und steht bereits einen halben Meter in der Wand und droht abzurutschen. Während ich keine Mühe habe, am Ende des Spaltes wieder nach unten zu kommen, bereites es dem Amerikaner ein wenig Mühe, sein Honey wieder mit beiden Füssen wohlbehalten in den Sand zu bringen.

Frank schimpft mit mir und mich überkommt das schlechte Gewissen. Meine Kletteraktion führt aber dazu, dass das Paar sich alsbald zurückfallen lässt und sich neue, weniger experimentierfreudige Vorderleute sucht. Nach den technisch schwierigeren Passagen warten wir mind. 15 Minuten bis alle Teilnehmer wohlbehalten eingetroffen sind, Zeit für Fotos von den Canyonwänden,

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Zeit um in Spalten zu schauen,

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wiederholt auf die Uhr zu blicken, viele Schlucke aus der Trinkflasche zu nehmen und sich zu langweilen. Die jungen Leute in den Trekkingsandalen haben sich die Rangerin geschnappt und quetschen sie ein wenig nach lohnenden Wanderungen aus. Wir gesellen uns dazu und erfahren, dass die Rangerin, Biologiestudentin an der University of Colorado, am liebsten in den Bergen wandert und eines ihrer bevorzugten Wandergebiete die San Juan Mountains sind. In Colorado kennt sie sich sehr gut aus, die Canyons in Utah sind nicht so ihr Metier. Dafür hat sie einen ausgezeichneten Tipp für eine Wanderung im Glenwood Canyon: den Hanging Lake Trail – kurz aber steil bis zu ein paar Cascaden über einem kleinen See. Von diesem Trail hatten wir letztes Jahr noch keine Ahnung als wir via Interstate am Colorado entlang durch den Glenwood Canyon fuhren, schade.

In den Schluchten der Fiery Furnace hat das Funkgerät der Parkangestellten keinen Empfang und ohne Nachricht von der Trailöffnung beschliesst sie trotzdem den Loop zu vollenden, da uns ansonsten ein gewaltiger Arch entgehen würde: der Surprise Arch.

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Der Name des Arches soll auf die überraschende Entdeckung dieses Arches zurückgehen, in einer dunklen Kammer, wo niemand einen Arch vermutet hätte. Um so grösser soll die Überraschung angesichts der gewaltigen Spannweite dieses Bogens gewesen sein.

Wir stehen inzwischen bei einigen Alkoven. In diesen Felsüberhängen hat man antiken Rattenmist gefunden, der Forschern bei Labortests wertvolle Informationen liefert. Es folgt die Passage wo eine notdürftige Treppe aus Felsbrocken beim queren des Felssturzes hilft. Dieser Abschnitt wird zu einer harten Geduldsprobe, die ganze Gruppe stockt, da mehrere Teilnehmer erhebliche Schwierigkeiten mit dem Überklettern der Felsbrocken und dem Abstieg über steile, in den Stein gemeisselte Felsstufen haben. Wir stehen uns die Beine in den Bauch, die Rangerin – ohne Kopfbedeckung losgewandert hat einen sichtbaren Sonnenbrand auf der Nase, ein grosser Teil der Gruppe hat die Trinkflaschen leer und es wird Zeit das die Tour endet. Bis alle unten sind und abschliessend wieder über einen technisch anspruchslosen aber steilen Trail nach oben steigen, vergeht geraume Zeit. Um 18.20 Uhr erreichen wir wieder den Parkplatz. Nach 3 Stunden und 20 Minuten für weniger als 2 Meilen.

Wir verabschieden uns hastig von der Rangerin, stürzen auf die Vaulted Toilet und springen anschliessend direkt ins Auto um zum Trailhead des Delicate Arch Trail zu fahren. Irgendwann so kurz nach 19.00 Uhr geht die Sonne unter. Wir haben versäumt uns nach den genauen Zeiten zu erkundigen und sind entsprechend in Eile. Am Parkplatz sind alle Plätze belegt und wir ergattern einen der wenigen Parkgelegenheiten entlang der Strasse. Schnell frische Wasserflaschen in den Rucksack gepackt, das Stativ und eine Banane geschnappt und auf geht es. Wir folgen der unendlichen Karawane der Delicate Arch Hiker hinauf auf das Slickrock Plateau wo Utahs Wahrzeichen thront. Wir legen ein ordentliches Tempo vor und lassen viele Wanderer hinter uns und verbreiten Unruhe. Scheinbar wissen andere Wanderer ebenfalls nicht genau, wann die Sonne versinkt und wir hören ein paar Mal wie sich deutsche Besucher darüber auslassen, dass sie sich beim Aufstieg mehr beeilen müssten um noch rechtzeitig oben zu sein.

Ein Mann der mit uns an der geführten Tour teilgenommen hat, hetzt ebenfalls mit schnellen Schritten nach oben und erzählt schnaufend, dass er nicht damit gerechnet hat, dass die Tour so lange dauern würde. Wir ebenfalls nicht und darüber witzelnd dass wir die mindestens 20-minütige Verspätung eben jetzt wieder rauslaufen müssten, motivieren wir uns für den steilen Aufstieg. Für den Genuss der Wanderung bleibt keine Zeit wir sehen einfach nur zu, dass wir so schnell wie möglich nach oben kommen. Es geht um eine letzte Biegung und – Wow.

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Der Anblick ist schier überwältigend. Genau wie beim 1. Besuch raubt uns der Delicate Arch den Atem. In majestätischer Erhabenheit thront er freistehend 14 m hoch über einem nach zwei Seiten steil abfallenden Amphitheater. Es müssen mehr als Hundert Leute, vielleicht sogar mehr als Zweihundert Leute hier oben sein die auf den Sunset warten. Die Plätze in der 1. Reihe sind bereits belegt. Als ich mich von dem umwerfenden Anblick lösen kann, sinke ich erst mal erschöpft auf einen Felsen. Frank baut derweil das Stativ auf. Viele weitere Wanderer treffen ein und es wird noch voller hier oben.

Auf einem Fels hat es sich eine Frau mit einer Malstaffelei bequem gemacht und sie bannt den Delicate Arch in Aquarelltechnik auf eine kleine Leinwand. Der Mann harrt mit einer Kamera bewaffnet der Dinge die da kommen werden. Ich bin mit dem Standort des Stativs nicht zufrieden, ich hätte die eine Bergspitze gerne in der Mitte des Steinbogens. Frank murrt und versucht das Stativ so auszurichten, dass die montierte Kamera wie gewünscht mittig die Bergspitze im Arch einfangen kann. Das gelingt nicht ganz, ich bin mit der Position nach wie vor nicht zufrieden. Unsere Aktion und die daraus resultierende Unterhaltung verrät unsere Nationalität – deutschsprachig wie mindestens 50 % der Besucher hier oben. Frank mit seiner aufgeschlossenen Art ist bereits in eine Unterhaltung mit der Malerin und ihrem Ehemann verwickelt. Es gesellt sich noch eine junge Frau dazu und gemeinsam tauschen wir in der Atmosphäre angepasster Lautstärke Reiseerfahrungen aus.

Andere Besucher sind nicht so rücksichtsvoll und brüllen sich geräuschvoll Anweisungen für Fotoeinstellungen und andere Belanglosigkeiten zu. Ein Mädel wagt es sich dem Arch zu nähern und erntet dafür lautstarke Buhrufe in deutscher Sprache und ein Pfeifkonzert. Schnell ist sie wieder verschwunden. Die Kamera klickt.

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Das Licht ist noch gut und wir verfolgen den wandernden Schatten des Arches an dem benachbarten Sandsteinknubbel. Die Verhältnisse wandeln sich mit dem schwindenden Tageslicht schnell. Aus einem sanften Glimmen wird ein intensives, orange-braun-farbenes Leuchten und Glühen. Auf den Bildern wirkt es beinahe kitschig und ohne kontrastierende Wolken am Himmel unnatürlich. Als hätte man im Bildbearbeitungsprogramm eine völlig unangemessene Farbsättigung gewählt. Plötzlich erlischt das Glühen, der Arch wirkt fahl und bleich. Unmittelbar danach setzt sich die Abstiegskarawane in Gang. Kaum jemand hält noch einen Moment inne. Wir verziehen uns in eine Ecke und kosten noch ein wenig die Stimmung aus bevor auch wir uns an den Abstieg machen. Die junge Frau gesellt sich zu uns und bei netter Unterhaltung wandern wir gemeinsam zurück zum Parkplatz. Sie verabschiedet sich, sie möchte am abendlichen Rangerprogramm teilnehmen. Wir haben für heute genug Rangeraktivitäten gehabt und fahren bei Dunkelheit zurück nach Moab.

Übernachtung: Moab Valley RV Resort Campground 21,80 $

Atze1407
28.12.2009, 10:13
Man o man, schöner Bericht und tolle Fotos. Man möcht am liebsten Packen und los. Ist jetzt Schluss oder kommt doch noch was?;-)

Atze

Canyoncrawler
28.12.2009, 10:19
Mittwoch, 26.09.2007:

Moab – Rattlesnake Canyon – Colorado NM - Moab

Zu einer Zeit als wir schon längst on the Road sein wollten, kriechen wir erst aus unseren Schlafsäcken. Am Abend zuvor haben wir noch lange vor dem Zelt gesessen, die Reiseroute umgebaut und bereits einen Abschnitt USA 2008 geplant. Der Schlenker über Backroads in den Henry Mountains mit der freilebenden Bisonherde ist gestrichen. Dafür wollen wir uns Bisons und vieles mehr in Wyoming und South Dakota anschauen – in 2008. Der Abstecher ins Vermilion Cliffs NM zur White Pocket und Coyote Buttes South bleibt drinnen, doch heute stehen zunächst weitere Arches an – im Rattlesnake Canyon in Colorado. Nach einem eiligen Frühstück sind wir schliesslich um 9.00 Uhr on the Road und ahnen bereits, dass die Zeit für unser Vorhaben – Rattlesnake Arches und Viewpoints im Colorado NM ziemlich knapp werden wird.

Die ca. 125 Meilen bis zum Trailhead des Rattlesnake Canyon müssen auch erst zurückgelegt werden. Über die Interstate 70 rauschen wir Richtung Colorado, tanken in Fruita den Trailblazer auf und passieren die Einfahrt zum Colorado National Monument. Hier erfahren wir, dass wegen Strassenbauarbeiten mit Verzögerungen zu rechnen ist. Wir beschliessen die Stopps an den Viewpoints auf den Rückweg zu verlegen und direkt zur Black Ridge Road durchzufahren. Bereits am Independence Monument View treffen wir auf die Road Construction-Kolonne und da der Stopp 30 Minuten dauern wird, biegen wir auf den Parkplatz des Viewpoints ab und überblicken Organ, Wedding Canyon, The Island und Independence Monument.

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Nach 10 Minuten wird uns langweilig und wir überlegen, zurück zu einigen anderen Aussichtspunkten zu fahren um die Wartezeit zu nutzen. Doch inzwischen sind wir eingeparkt und so harren wir mehr oder weniger geduldig bis die Strassenkolonne ihre Arbeit verrichtet hat und wir passieren können. Aus den vorausgesagten 30 Minuten werden fast 40 Minuten bis der Verkehr wieder fliesst und da zunächst der Gegenverkehr durchgewunken wird, können wir unsere Fahrt erst nach 45 Minuten fortsetzen. Nach etwa 10 Meilen auf dem Rim Rock Drive erreichen wir die Black Ridge Canyon/ Rattlesnake Canyon Access Road und fahren über eine zunächst noch harmlose Gravel Road in Richtung der Black Ridge Canyons Wilderness.

Die Strasse teilt sich in die Upper und die Lower Access Road. Der Jahreszeit entsprechend nehmen wir die Lower Access Road. An einem Abzweig folgen wir nach rechts der besseren Gravel Road und stranden an einer Sendestation, also wieder zurück zur Gabelung und die „schlechtere“ linke Spur gewählt. Die Strasse verläuft steil, teilweise steinig und geröllig durch Kurven, an einigen Stellen ist der Untergrund vom letzten Regen noch feucht - und das auf dem gefürchteten Clayboden.

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Langsam kommen mir Zweifel, ob der Rattlesnake Canyon die richtige Entscheidung war, Arches hätten wir auch einfacher im Arches NP auf dem Devils Garden Trail haben können. Oder die Gemini Bridges und weitere Locations bei Moab wo wir uns nicht das Auto ruinieren müssen. Ein entwurzelter Baum blockiert die Fahrbahn, der nur teilweise auf die Seite geräumt wurde. Die Äste kratzen beim Durchfahren hörbar am Lack und am Spiegel hat sich Gestrüpp verfangen. Wir halten kurz an und schauen das Auto an. An der Seite wo der Vormieter bereits ein paar Kratzer hinterlassen hat, sind noch einige zusätzliche Kratzer sichtbar, doch Erleichterung, als die meisten sich als Spuren in der Staubschicht herausstellen die den Lack überzieht. In der Ferne sehen wir die zerklüfteten Canyons der Black Ridge Wilderness, doch davon trennt uns noch die ruppige Strasse.

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Fahrer und Beifahrer sind angespannt und Frank fragt sich mal wieder, was mache ich eigentlich hier – wollte ich nicht eigentlich Cluburlaub machen, mit Wasserball und Bogenschiessen? :rolleyes: Als Upper und Lower Road wieder zusammentreffen folgt der schwierigste Strassenabschnitt. Einer Infotafel entnehmen wir, dass jetzt der gefürchtete letzte Abschnitt der Strasse kommt. Keine Entfernungsangabe, aber aus der Internetrecherche wissen wir, dass es etwa 1,5 Meilen bis zum Parkplatz des Trailheads sind. Wir beschliessen noch ein Stück zu fahren und wenn es zu heftig wird, das Auto abzustellen. Nach etwa einem halben km treffen wir auf einen parkenden Trailblazer. Dieser natürliche Pullout käme uns zum Abstellen des Fahrzeugs gerade recht, doch ein weiteres Fahrzeug lässt sich nicht hineinquetschen. Ein kurzes Stück weiter die Strasse hinunter folgt eine weitere Ausbuchtung – so eben gross genug für unseren Trailblazer. Wir schultern die Rucksäcke und stapfen los. Bis zum Trailhead ist es sicher noch etwas über eine Meile, aber es geht bergab und so ist die Strecke schnell zurückgelegt.

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Die Aussicht auf einen der Canyons beflügelt uns zusätzlich. Unterwegs treffen wir auf heftige Felsstufen und sind froh, die Strasse nicht weiter abgefahren zu sein.

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Einen „Parkplatz“ fürs Auto gibt es hier nicht mehr, man hätte schon unerlaubt ins Gelände der Wilderness Study Area hineinfahren müssen. Am Parkplatz informiert eine weitere Tafel über die Trails.

Infotafel (http://www.canyoncrawler.de/RB/2007/19/0007.jpg)

0,5 Meilen bis zum Abzweig von Upper und Lower Trail und angesichts der fortgeschrittenen Uhrzeit, grübeln wir bereits darüber, ob wir den geplanten Lower Trail überhaupt noch schaffen können. So richtiges Wildnisgefühl will hier in dieser Wilderness Area bei uns nicht aufkommen - wenn man über die Canyons blickt, sieht man die Siedlungen von Fruita.

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Wir vertagen die Entscheidung Upper oder Lower Trail bis zur Weggabelung und beraten kurz. Ein Geistesblitz und mit strahlenden Gesichtern stapfen wir auf dem Upper Trail zum Rainbow Arch (First Arch auf der Infotafel). Die Arches liegen alle auf dem letzten Drittel des Trails und wir haben die Idee, durch den Rainbow Arch nach unten zu steigen, die Arches zu besichtigen und anschliessend wieder durch den Rainbow Arch zurück auf den Upper Trail zu klettern. Den Steinmännchen folgend erreichen wir den Arch, setzen die Rucksäcke ab und erkunden das Gelände.

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Der erste Absatz ist noch kein Problem, aber die Erde ist noch matschig und vorsichtshalber bleibt Frank erst mal oben um mich notfalls mit Unterstützung wieder nach oben zu ziehen.

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Im Arch schaue ich den steilen, etwa 40 m hohen zweiten Absatz hinunter, der uns vom Canyonboden trennt. Hier hat der Regen der letzten Tage heftig gewütet und Schlammmassen hinuntergespült. Die kleben noch teilweise an der Felswand und haben sie in eine glitschige Rutschbahn verwandelt. Wir kommen zwar hinunter, aber ohne Seil den schlüpfrigen Hang ganz sicher nicht mehr hinauf. Unser Wanderseil liegt gut verstaut in einem der Koffer im Trailblazer und mit wenig Begeisterung diskutieren wir darüber, wer es holen geht. Beide zusammen, aber weder Frank noch ich haben Lust, die knapp 2 Meilen zurück zum Auto zu laufen.

Sinn macht dies auch nicht wirklich, da der komplette Lower Trail bis zur Weggabelung 2 Meilen lang ist. Also doch hinunter und den Lower Trail zurück? Wir sind reichlich unentschlossen, Frank kommt zu mir nach unten geklettert und besieht sich das Gelände. Er meint, dass auch der Abstieg zu gefährlich wäre, viel zu rutschig. Das Profil der Vibramsohlen ist bereits hier oben mit Matsch zugesetzt und würde keinen Gripp mehr bieten. Wahrscheinlich hat er Recht, aber ich bin sehr enttäuscht. Ich klettere den kleinen Absatz wieder nach oben, da die Schuhe keinen Halt finden, kralle ich mich mit den Fingern in den Fels und zwei Fingernägel bleiben auf der Strecke. Fluchend kommt auch Frank hinterher und wir versuchen das Beste aus dieser Pleite zu machen.

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Die Rucksäcke wieder geschultert, laufen wir am Rim entlang und suchen uns ein schönes Fleckchen für ein reichlich spätes Mittagessen.

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Zwei Felsbrocken als Sitzgelegenheit und einen Felsabbruch als Tisch nutzend, verspeisen wir Baguette mit Smoked Turkey und machen uns anschliessend auf den Rückweg.

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Nach ein paar Fotos erreichen wir den Haupttrail. Stimmen kündigen Wanderer auf dem Lower Trail an. Ein älteres Ehepaar stapft schnaufend den Hang hinauf und wenig später ist eine nette Unterhaltung in Gange. Wir erfahren, dass die beiden aus Montana stammen und jeden Sommer 2x mit ihren Pferden bei Freunden hier in Colorado Station machen. Im Frühsommer bringen sie die Pferde mit, die stehen dann 4 Monate auf der Ranch des befreundeten Ehepaares, ehe sie die jetzt Anfang Oktober nach Ende des 2. Besuches wieder mit zurück nach Montana nehmen. Sie sind den Pollock Bench Trail bereits mit den Perden geritten, aber nicht bis zu den Arches gekommen, auch einige der anderen Canyons der Wilderness haben sie auf dem Pferderücken erkundet. Es wäre aber nicht so einfach mit dem Pferdehänger zu den Trailheads zu gelangen. Der Herr ist bereits im Ruhestand und in Montana vertreiben sie sich die Zeit mit Reitausflügen und bieten auch geführte Touren an. Wir sind herzlich eingeladen, wenn wir mal in die Nähe von Helena kommen.

Bis zum Parkplatz vergeht die Zeit wie im Fluge. Die beiden Rentner haben Spass an Electronic Equipment und vergleichen die GPS-Aufzeichnungen. Die Frau trägt einen Garmin Forerunner am Handgelenk, der Mann hat ein nagelneues Garmin mit einem beeindruckend grossen Display. Am Trailhead parkt der höhergelegte Grand Cherokee der beiden und als sie merken, dass wir unser Auto nicht auf dem Parkplatz stehen haben, bestehen sie darauf, uns mit zu nehmen. Zunächst noch etwas skeptisch, ob wir tatsächlich zu Fremden ins Auto steigen sollen, siegt nach ein paar weiteren Worten das Vertrauen und die Männer steigen vorne ein und wir Frauen hinten. Auf der Fahrt werden wir ordentlich durchgerüttelt und trotz kurzweiliger Unterhaltung vergeht eine geraume Zeit, bis wir unser Auto erreichen. Der GPS-Track unseres Fahrers sagt 1,3 Meilen vom Parkplatz bis zu unserem Auto und wir sind nicht böse drum, uns diese Meilen auf der ansteigenden Strasse in der Hitze gespart zu haben.

Kurzer Check am Fahrzeug, alle 4 Reifen haben noch Luft. Sie möchten dass wir voraus fahren, aber wir können sie überzeugen, dass wir mit unserem Auto nur ein Hinderniss wären. Wir kämen klar, und wenn wir eine Panne hätten, es würde ja noch ein Auto am Trailhead parken und ein weiteres an der Strasse weiter oben. So richtig glücklich sind sie nicht darüber uns mit dem Trailblazer einfach unserem Schicksal zu überlassen, schliesslich fahren sie doch winkend davon und unsere Unterhaltung dreht sich einmal mehr um die rührende Hilfsbereitschaft und wohltuende Freundlichkeit der Amerikaner.

Unser Trailblazer klettert mühsam aber ohne Schwierigkeiten die ruppige Strasse hinauf. Als die Reifen wiederholt durchdrehen, schaltet Frank von 2WD auf Auto um und schliesslich auf 4WD-Hi.

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Der Grand Cherokee mit den Insassen aus Montana ist längst über alle Berge bzw. Viewpoints, als wir mit unserem Fahrzeug wohlbehalten und heilfroh die Asphaltdecke des Rim Rock Drives im Colorado National Monument erreichen. Aufgrund der fortgeschrittenen Uhrzeit sind nicht mehr viele Aussichtspunkte drin und wir beschränken uns auf die Scenic Points an denen wir bereits heute Morgen vorbei gefahren sind. Tiefe Schatten liegen in den Schluchten und über den Tafelbergen, die Bilder sind alles andere als gelungen. Die Aussicht ist trotzdem lohnenswert, wenn man auch hier an vielen Viewpoints die menschlichen Siedlungen nicht aus den Augen verliert.

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Die Strasse schlängelt sich nach dem Highland View zum Artists Point, Coke Ovens Overlook, Monument Canyon View und Grand View.

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Wir besichtigen im japanischen Tempo, raus aus dem Auto, vorpreschen zum Canyonrand, versuchen ein Foto zu schiessen, kurz die Aussicht geniessen und wieder rein in den Trailblazer und weiter.

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Den Sonnenuntergang verbringen wir am Book Cliffs View und bei einbrechender Dunkelheit fahren wir den Rim Rock Drive zur West Fruita Entrance Station. Bei Wendys gibt es Abendessen für uns. Wir entscheiden uns diesmal direkt für die Folienkartoffel, dazu einen Burger und einen halben Liter Cola Light. An der benachbarten Tankstelle erhält der Trailblazer eine Füllung Benzin und wir fahren durch die Nacht die Interstate 70 zurück nach Moab.

Bereits auf der Heimfahrt entscheiden wir, dass das Kapitel ‚anspruchsvolle’ Backroads für dieses Jahr geschlossen wird und wollen Morgen früh die Paria Contact Station anrufen und unsere Coyote Buttes South Permits freigeben. Reichlich spät erreichen wir unsere Campsite in Moab und nach einer Dusche träumen wir uns dem Ersatzprogramm für die Vermilion Cliffs entgegen – ein weiterer Tag im Arches National Park.

Übernachtung: Moab Valley RV Resort Campground 21,80 $

Canyoncrawler
28.12.2009, 10:22
Donnerstag, 27.09.2007:

Moab – Arches NP - Moab

Vor 8.00 Uhr reihen wir uns in die kurze Schlange an der Einfahrt zum Arches NP ein. Wieder einmal bemerken wir das „Campground full“ Schild bei der Einfahrt. Wir halten einmal mehr an den Viewpoints bei den Courthouse Towers, die überwältigende Szenerie im Arches hat mal wieder unseren Vorsatz, direkt bis zum Devils Garden durchzufahren, durchkreuzt. Schliesslich siegt doch unsere Neugier auf den Devils Garden Trail und wir halten erst wieder, als wir den Trailblazer auf dem bereits gut gefüllten Parkplatz abstellen. Derweil versuche ich mit dem Handy die Paria Contact Station zu erreichen um unsere Coyote Buttes Permits freizugeben, habe allerdings keinen Empfang. Schnell sind die Rucksäcke gepackt und geschultert, ein Besuch auf dem Toilettenhäuschen am Trailhead und los geht’s. Der Parkzeitung haben wir die optimalen Fotozeiten für die verschiedenen Arches entnommen. Am Vormittag ist das beste Licht für den Star des Devils Garden Trail – den Landscape Arch und das Ziel unserer Wanderung, der Double O Arch. Der Nachmittag ist ideal für die Klondike Bluffs mit den Marching Men und dem Tower Arch, aber bis dahin geniessen wir die morgendliche Wanderung auf dem populären Devils Garden Trail. Der zunächst gut ausgebaute Trail führt mitten hinein in das Wunderland aus Zinnen und Arches im Nordteil des National Parks.

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Den Abzweig zum Tunnel Arch und Pine Tree Arch ignorieren wir und nähern uns dem Landscape Arch. Der Anblick dieses filigranen, zerbrechlich wirkenden Kunstwerkes der Natur fesselt uns wieder genau wie bei unserem ersten Besuch vor Jahren. Ein gut sichtbarer Pfad führt den Hügel hinauf bis unter den Arch und zeigt uns, dass andere Besucher hier offensichtlich die Absperrung ignorieren und die Zäune übersteigen. Wir bleiben hinter dem Zaun und sind die nächsten Minuten mit Staunen, filmen und fotographieren beschäftigt, wechseln mehrmals den Standort.

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Wir registrieren zunächst nicht, dass sich ein Ranger zu uns gesellt hat und uns von oben bis unten mustert. Als wir die Anwesenheit bemerken, spricht er uns darauf an, ob wir vor kurzem an einer Felswand Buchstaben in den Sandstein geritzt hätten. Wir sind zunächst ziemlich perplex und glauben noch, wir hätten uns verhört. Aber die Angelegenheit ist ernst, der Ranger jagt einen männlichen Besucher mit braunen Hut und Cargo-Hosen, der vor ein paar Minunten eine Felswand mit seinen Initialen o.ä. verschandelt hat. Die Beschreibung passt auf Frank. Zunächst geraten wir in Erklärungsnöte und versichern ihm, dass wir ausgeprochene Naturliebhaber sind und nie im Leben auf die Idee kämen, irgendwo unsere Namen einzuritzen oder etwas vorsätzlich zu zerstören. Die einzigen Spuren die wir hinterlassen würden, wären Fußabdrücke und Reifenspuren dort wo es erlaubt ist und dass wir es ganz schlimm finden, wenn jemand die Natur vorsätzlich schädigt und verunstaltet. Der Ranger ist zunächst noch unentschlossen, ob er unseren Beteuerungen Glauben schenken soll.

Knisternd meldet sich eine Stimme über Funk und gibt weitere Informationen durch. Ein Zeuge hat den Übeltäter näher beschrieben, der Vandalist trägt ein hellgrünes Hemd und kurze, dunkle Cargohosen - Frank eine schwarze Fleecejacke, darunter ein khakifarbenes T-Shirt und hat die Hosenbeine seiner sandfarbenen (also hellen) Trekkinghose noch angezippt. Wir sind rehabilitiert. Der Ranger entschuldigt sich für die Unannehmlichkeiten und die Verdächtigungen und macht sich eilig an die Verfolgung des Schuldigen. Wir wünschen ihm viel Glück und hoffen innig, dass der Vandalist geschnappt wird und ihm eine saftige Strafe auferlegt wird. Noch darüber diskutierend setzen wir unsere Wanderung auf dem Main Trail fort, ignorieren den Abzweig des Primitive Trails und wandern am (damals noch intakten) Wall Arch vorbei.

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Der massive Arch spannte sich einst 21,5 m weit mit einer lichten Höhe von 10 m und ist völlig überraschend Anfang August 2008 eingestürzt. Der Trail wird beschwerlicher und wir wählen die Seitenroute zu den beiden Felsbögen Partition Arch und Navajo Arch. Durch den Doppeldurchbruch des Partition Arch schauen wir auf die Zinnen des Devils Garden.

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Behütet vom Felsüberhang des Navajo Arch wächst eine schmucke Kiefer - mit Lichterkerzen, Christbaumkugeln und Santa Claus mit Rentierschlitten wäre dies eine schöne Weihnachtsinszenierung im Park. Statt Glühwein zur Winterzeit nehmen wir einen Schluck aus der Wasserpulle und setzen den Weg fort. Back on the Trail führt dieser an tonnenförmigen Erosionsstrukturen vorbei auf einen ausgesetzten aber breiten Felsgrat zu. Am Einstieg zum Felsgrat denkt ein Pärchen laut darüber nach, ob sie diesen Weg gehen kann: Er meint ja, sie sagt nein und droht damit, die für später geplante Wanderung zum Delicate Arch ebenfalls zu verweigern, wenn sie hier über den Felsgrat gehen müsste. Wir haben beide kein Problem mit ausgesetzen Wegen, ich gehe voraus und halte Franks Marsch über den Grat fest.

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Vom Grat hat man eine sensationelle Aussicht auf das Red Rock Country mit den schneebestäubten Gipfeln der La Sal Mountains im Hintergrund.

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Nach Überquerung des Grates erreichen wir den Viewpoint des Black Arch.

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Am Double O Arch herrscht Hochbetrieb, es dauert aber nicht lange, bis die grössere Gruppe Wanderer den Rückweg antritt. Einige Fotos später klettern wir durch den unteren kleinen Felsdurchbruch auf die andere Seite des imposanten Doppel-Bogens um den gewaltigen Double O von seiner Schokoladenseite abzulichen. Zum Grössenvergleich: die bunten Punkte auf dem Felsgrat sind andere Besucher.

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Auf einer Felszinne mit Blick auf den Felsbogen rastend, verspeisen wir genussvoll unser Lunchpaket und lassen uns von der eindrucksvollen Landschaft berauschen. Die Stimmung ist locker und gelöst, beinahe schon ergriffen von den Wundern, die das Colorado Plateau uns einmal mehr offenbart. Bei unserer 1. Tour sind wir wegen eines aufziehenden Unwetters auf halbem Weg des Primitive Trails umgekehrt, am Tag danach hat es nur noch für den Landscape Arch gereicht und im letzten Jahr hat es am geplanten Arches Besuchstag aus Kübeln gegossen. Dankbar geniessen wir heute den Trail bei gutem Wetter, der angekündigte Wetterumschwung ist schon spürbar, die Bewölkung nimmt zu und wir machen uns auf den Rückweg.

Den gleichen Weg zurück durch den Arch ist uns zu langweilig, mal schauen, ob es nicht auch einen Weg um den Felsen herum gibt. Nach einigen Sackgassen stossen wir auf Steinmännchen und folgen diesen zu einem weiteren, deutlich schmäleren Felsgrat, den wir nach vorne laufen. Einmal mehr überwältigt von der Aussicht, setzen wir uns, lassen die Beine über den Rand baumeln und schauen und staunen auf unserer luftigen Aussichtskanzel. Wir klettern zurück und stossen auf den Felsgrat über den wir gekommen sind.

Majestätisch erheben sich die Gipfel der La Sal Mountains über den roten Sandsteinknubbeln, ein Ausblick den diesmal Frank auf zahlreiche Fotos bannt.

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Nachdem er mich dann noch in verschiedene Fotopositionen gewunken hat (noch einen Meter zurück, noch etwas nach links, nein der Baum ist zu dicht, das sieht nicht schön aus …) und mit vom Dauergrinsen drohenden Krampf der Wangenmuskulatur, setzen wir den Trail fort, es warten noch Pine Tree Arch und Tunnel Arch. Der gewaltige Pine Tree Arch gefällt uns ausgesprochen gut – so riesig haben wir den Bogen gar nicht mehr in Erinnerung, gut dass wir nochmal hin sind.

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Es dauert eine Weile bis wir die Szenerie auf Speicherkarte gebannt und einen Raben und ein Kaninchen abgelichtet haben. Zufrieden mit unserer Fotoausbeute folgen wir dem kurzen Trail zum Tunnel Arch, der sich in vollem Gegenlicht zeigt. Aber in unserem Fotoaresenal von der Tour 2000 müsste sich noch eine Aufnahme vom Vormittag befinden, bei bewölktem Himmel und ohne Gegenlicht. Mit der Sonnenblende macht Frank trotzdem einige Beweisfotos.

Inzwischen sind wir mehrere Stunden auf Genusswanderung, die Blase drückt und die Permits befinden sich noch immer in unserem Besitz. Es ist früher Nachmittag und bis zum Sunset noch genügend Zeit, Zeit um mal schnell zurück zum Visitor Centre zu fahren, einen Anruf zu tätigen und die Spültoiletten zu benutzen. In der Paria Contact Station nimmt noch immer niemand den Telefonhörer ab, oder wählen wir die falsche Nummer? Einen letzten Versuch tätige ich noch, niemand da. Etwas frustriert laufe ich zurück zum Auto und wir fahren erneut die Parkstrasse hoch – denke ich. Frank verlässt den Parkplatz des Visitor Centres in Richtung Parkausfahrt und fährt nach Moab. Ich erhalte zwischenzeitlich die Anweisung den Laptop hochzufahren und W-LAN startklar zu machen. Mein Auftrag lautet die Adresse des US Postal Service in Moab ausfindig zu machen.

Auf unserem Stellplatz loggen wir uns ins W-Lan des Campgrounds ein und ich suche die Adresse raus, die uns direkt mit Stadtplan angezeigt wird. Im Post Office investieren wir etwas mehr wie 2 Dollar in einen Stamped Envelope (fertig frankierten Umschlag) und die Permits für die Coyote Buttes sind mit einem Zettel der die Rückgabe ankündigt auf dem Weg zur Paria Contact Station.

Da wir gerade im Zentrum sind, der Supermarkt nicht weit und die Fahrt sich lohnen soll, steuern wir als nächstes den City Market an und kaufen für Abendessen und Frühstück ein. Um diese Uhrzeit haben wir noch gute Auswahl in den Backwarenregalen und verlassen mit frischen Croissants, French Bread, leckerem Salat von der Salatbar, Pork Choin Lops, Holzkohle, einem Beutel Eis und weiteren Kleinigkeiten den City Market. Die verderblichen Lebensmittel wandern in die Kühlbox, 2 Windbeutel schaffen es gerade bis zum Campground, wo wir die Kühlbox deponieren und den sahnegefüllten Brandteig verzehren. Die vorletzte Flasche Wein wird für den Abend auf Eis gelegt und anschliessend sind wir wieder auf dem Weg in den Arches NP.

An der Einfahrt die obligatorische Schlange, aber mit dem Annual Pass werden wir zügig abgefertigt. Bei der Auffahrt versteckt sich die Sonne hinter Schleierwolken, der angekündigte Wetterumschwung macht sich bemerkbar, ein Sunset in den Klondike Bluffs ohne Sonne? Unvorstellbar. Klondike Bluffs und Tower Arch werden gecancelt, stattdessen fahren wir die wohlbekannte Park Road zum Broken Arch und Sand Dune Arch. Die Steinbögen kennen wir schon, aber sie haben uns gut gefallen und Digitalbilder fehlen.

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Zunächst laufen wir den kurzen Trail zum Broken Arch. Im Bogen hat sich eine ganze Familie nieder gelassen und Frank flucht bereits leise, wie lange die wohl noch dort sitzen werden. Aufs Stichwort kommen zwei deutsche Besucher, der Mann meckert unüberhörbar über die „blöden Amis die immer alle Bögen belagern müssen“. Wir fühlen uns mal nicht angesprochen. 1. sind wir Detusche und 2. belagern wir den Bogen nicht. Wir warten einfach eine Weile. Die beiden sind nicht so geduldig, knipsen den Arch mit Insassen und verschwinden so schnell wie sie gekommen sind. Gerade als die Sonne rauskommt, rappeln die Besucher im Arch sich auf und laufen den Trail weiter in Richtung Campground. Unsere Chance, schnell ein paar Bilder bevor andere Besucher kommen oder die Sonne sich verzieht.

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Wir klettern durch den Arch um die Rückseite zu bestaunen – die Kissing Turtles. Noch einige Fotos von den La Sal Mountains und da wir noch immer alleine sind, nutzen wir die Gelegenheit für ein ausgiebiges Shooting im Schatten des Bogens: im Sitzen, im Stehen, mit Hut, ohne Hut, auf verschiedenen Felsbrocken. Dass wir den Arch so lange für uns alleine haben, hätten wir nicht gedacht. Zurück auf den Trail und weiter zum Sand Dune Arch.

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Mächtige Felsrippen bewachen den sandigen Zustieg zum Arch, der von gewaltigen Felswänden flankiert wird.

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Stimmen kündigen weitere Besucher an, eine Familie mit Kindern nähert sich und die Kleinen haben in diesem überdimensionalen Sandkasten riesigen Spass.

Wir fahren zum Balanced Rock

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und besuchen anschliessend die Viewpoints auf dem Weg zur Window Section. Im Garden of Eden bewundern wir die vielgestaltigen Felsansichten: eine Pudeldame mit Rock hat es mir besonders angetan. Ein Bildhauer hätten den lässig in der Bildmitte sitzenden Steinpudel mit den Pfoten in den Rocktaschen kaum besser ausmeisseln können.

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Nach einem Stopp an der Parade of Elephants nähern wir uns der Window Section.

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Die bekannten Formationen erstrahlen im schmeichelnden Licht der Golden Hour und der Anblick zwingt uns immer wieder zum Anhalten.

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Der Turret Arch und das North Window.

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Das South Window verbirgt sich hinter der Felskante. Einladend ragen die Felsen südöstlich der Windows auf.

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Kamera und Stativ geschnappt umrunden wir die Windows und suchen uns einen Standort für den Sonnenuntergang. Direkt vor den Fenstern ist schlecht, viel zu dicht. Über den Trail laufen wir weiter zum Turret Arch und treffen auf Fotographen, die bereits wuchtige Stative ausgerichtet haben. Wir stellen unser Billigstativ daneben, damit es im auffrischenden Wind nicht umkippt, hängen wir die Kameratasche zur Beschwerung an den Haken. Leider verdecken Wolken die Sonne, sollte es am Ende gar nichts werden mit dem Sunset bei den Windows?

Gespannt harren wir der Dinge. Ein Amerikaner ist zuversichtlich: heute kommt die Sonne noch mal raus, versichert er uns. Ausserdem wartet er auf den Mond. Den möchte er noch über den Fenstern fotographieren. Mit dem Sunset wären wir bereits zufrieden, Moonrise wäre das Desert. Doch die Sonne versteckt sich hartnäckig hinter den Wolken. Ein Paar gibt entnervt auf, sie wollen es mit Sunset am Balanced Rock versuchen. Wir harren aus und werden belohnt. Die Wolken geben die Sonne frei. Die Felsen erstrahlen in einem unglaublich intensiven Licht.

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Die Verschlüsse der Kameras klicken, leises Gemurmel ist zu hören, strahlende Gesichter beim Blick auf die Displays der DSLRs. „Really wonderful light“ ist die einhellige Meinung der hier versammelten Fotographen. Mit einem Farbenrausch der dem Sonnenuntergang am Delicate Arch nicht nachsteht, versinkt die Sonne über den Windows im Arches National Park.

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Der Wind frischt auf, wir frösteln. Der amerikanische Fotograph der auf den Mondschein wartet, wärmt sich an einer heissen Tasse Tee. Allmählich verschwindet das letzte Licht, es wird dunkel, aber der Mond lässt sich feiern. Die Reisverschlüsse der Softshells bis Anschlag nach oben gezogen, gehen wir langsam auf und ab. Wir sind hin und hergerissen zwischen der Aussicht auf unsere gegrillten Kotelett und der Erwartung des potentiellen Moonrise. Ausserdem wollten wir doch noch ins Städtchen. Durchgefroren packen wir das Stativ zusammen, wandern zurück zum Auto und fahren in der Dunkelheit zurück nach Moab.

Auf dem Campingplatz werfen wir den Grill an, schlüpfen unter die heisse Dusche, mümmeln uns in Fleece, Sportunterwäsche und die Trekkingjacken ein und geniessen später ein gutes Steak mit leckerem Salat und knusprigem Weissbrot. Anschliessend fahren wir zur Main Street und bummeln ein wenig durch Moab. Doch irgendwie sind wir zu spät dran, das Zentrum ist wie ausgestorben, auch die Tische im Brauhaus und bei Zaks sind spärlich besetzt. Wir kehren zurück zum Campground, köpfen die Flasche Moscato California und lassen diesen gelungenen Tag im Arches NP genussvoll mit einigen Gläschen Wein ausklingen.

Übernachtung: Moab Valley RV Resort Campground 21,80 $

Canyoncrawler
28.12.2009, 10:32
Man o man, schöne Gegend und dazu die Fotos. Einfach wunderbar man möchte am liebsten gleich wieder packen und los.

Gruss Atze

Hallo Atze,

danke für den netten Kommentar.

Warst Du auch mal dort ? Was ist Deine Lieblingsecke ?

Atze1407
28.12.2009, 10:44
In den USA war ich schon, jedoch nicht zum Wandern.Ich musste immer mit den Großstädten vorlieb nehmen. Ich habe auch erst seit kurzem die Zeit mich mit diesem schönen Steckenpferd zu beschäftigen. Also kurzum, ich bin noch ein blutiger Anfänger der noch viel lernen muß.

Gruss Atze :oldman:

hikingharry
28.12.2009, 21:35
Auch von mir danke für den schönen Bericht. Bei manchen dieser Arches war ich im Jahre 1997. So als Abschlußprogramm nach einer Paddeltour auf dem Green River.

Einfach eine sehr beeindruckende Landschaft mit einer ganz eigenen Atmosphäre.

Gruß hikingharry

Canyoncrawler
30.12.2009, 06:06
Freitag, 28.09.2007:

Moab – Goosenecks SP - Valley of the Gods – Mexican Hat

Nach dem grandiosen gestrigen Tag im Arches NP ist an diesem Morgen etwas die Luft raus. Der Himmel zeigt sich grau, es weht ein kräftiger und böiger Wind. Wir trödeln mit dem Frühstück, trödeln beim Duschen und Zeltabbau. Gegen 09.30 Uhr checken wir aus und fahren gen Moab Zentrum um uns eine Topo Map der Navajo/Hopi Indian Reservation zu besorgen. Unser erster Anlaufpunkt ist das Moab Information Centre in der Main Street/Ecke Centre Street. Der Bookshop ist gut sortiert mit Büchern und Landkarten, aber eine Topo Map der Reservation finden wir nicht. Auf Nachfrage schüttelt der Angestellte den Kopf. Mit einer Topo Map des Grand Gulch Plateaus verlassen wir das Visitor Centre und finden unseren Trailblazer eingeparkt vor.

Ein ausladend langes Cruise America Wohnmobil steht mitten auf der Fahrspur und versperrt uns und 4 weiteren PKW die Ausfahrt, obwohl auf dem unteren Teil des Parkplatzes noch Kapazitäten in RV-Grösse frei sind. Frank unkt, der Fahrer könne wohl das Ungetüm nicht einparken und wir überlegen, ob wir zurück ins Visitor Centre sollen, den Fahrer ausrufen lassen. Wir geben dem rücksichtslosen Zuparker 15 Minuten und laufen derweil ins Zentrum. An der Hauptstrasse haben wir einen Buchladen gesehen, das ist unser nächstes Ziel. Doch auch bei Back of Beyond Books schüttelt man als Antwort auf die Fragen nach einer Karte der Navajo/Hopi Indian Reservation nur den Kopf. Der Herr empfiehlt uns das Visitor Centre der Navajos in Cameron, evtl. noch das BLM-Büro in Monticello.

20 Minuten später sind wir zurück am Parkplatz, das CA-Wohnmobil kommt uns entgegen und wir können weiter. Wenn wir schon keine Karte bekommen, trösten wir uns eben mit einem T-Shirt und parken etwas weiter die Main Street runter in einer Seitenstrasse und bummeln durch die T-Shirt Stores und Trading Posts in der Main Street. Die Entscheidung ob Basecap oder T-Shirt ist schnell getroffen, wir nehmen beides. Um ein paar Dollar ärmer stoppen wir noch im City Market. Durch unsere Trödelei und Shopping-Tour ist es inzwischen schon Mittag, Zeit für einen der leckeren Salate von der Salatbar. Frank entscheidet sich für ein paar Chicken Pieces von der heissen Theke, während ich mir an der Salatbar eine Komposition mit Zutaten nach meinem Geschmack, getoppt von Ranch Dressing zusammenstelle. Damit Franks Hähnchenteile nicht kalt werden, wird das Mittagessen direkt auf dem Parkplatz verspeist. Dabei fällt unser Blick auf die Self Wash Station.

Der Trailblazer ist nach der Onion Creek Road und dem Ausflug zum Rattlesnake Canyon staubig und um die Radkästen matschverkrustet. Da Frank sich mit der Reinigungsanlage in Moab so gut auskennt, investieren wir ein paar Quarters und versetzen unseren Grauen in seinen Originalzustand. Im Outdoor Store südlich des Supermarktes machen wir einen letzten Versuch mit der Topo Map, aber der Store hat ausser den Latitude 40° Maps und einigen Blättern der Trails Illustrated Serie von National Geographic überhaupt keine Karten im Sortiment. Inzwischen ist es 13.00 Uhr, upps, höchste Zeit uns von Moab zu verabschieden.

Über die US 191 fahren wir gen Süden und stoppen am Wilson Arch. Ohne Sonne und bei bedecktem Himmel gibt der Bogen aus Entrada Sanstein trotz seiner Spannweite von 28 Metern und einer lichten Höhe von 14 Metern als Fotomotiv nicht so viel her.

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Wir laufen trotzdem ein wenig umher. Der imposante, vielfarbige Church Rock, gegenüber der Zufahrt zum Needles District des Canyonlands NP gelegen, präsentiert sich uns trotz fehlender Sonne freundlicher als der heute so düster wirkende Wilson Arch.

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Weiter in Richtung Monticello fahren wir an vanilleeisfarbigen Sandsteinformationen vorbei, übergehend in Grasland das sich vor den bewaldeten Hängen des Manti La Sal National Forest abzeichnet. Immer wieder treffen wir auf die typischen Viehunterstände mit verwitterten Zäunen, rostigen Wassertanks und pittoresken Windrädern.

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Irgendwo kurz vor Blanding fällt uns ein, dass wir das BLM-Office in Monticello verpasst haben, so ein Mist. In Blanding drehen wir eine Runde durch den Ort, auf der Suche nach einem Visitor Centre. Wir finden das Visitor Centre des Edge of the Cedar State Park und ausserdem das Tribal Cultural Centre, aber keine Niederlassung des BLM. Nach einem Stopp an der Tankstelle und einem Original Papa Burger bei A & W Food (Frank hatte nach den paar Hähnchenteilen schon wieder Hunger) geht es weiter zur US 95. Die Suche nach einer Topo Map hat uns viel Zeit gekostet, Zeit die ich eigentlich entlang der Butler Wash Road mit der Besichtigung von Ruinen und Felszeichnungen verbringen wollte. Frank ist nicht ganz so traurig, dass ihm diese Relikte der Vergangenheit erspart bleiben.

Die Zeit reicht aber noch für die Comb Wash Road, eine 18,6 Meilen lange Gravel-/Dirt Road, die die Utah State Road 95 (Bicentennial Highway) mit dem US Highway 163 verbindet. Sie folgt auf der gesamten Länge einer imposanten monoklinen Auffaltung aus Wingate Sandstein, der Comb Ridge. Die 245 m hohe Comb Ridge ist neben der Waterpocket Fold (Capitol Reef NP), Cockscomb (Grand Staircase-Escalante NM) eine der drei ganz grossen Aufbrüche in der Erdkruste des Colorado Plateaus und erstreckt sich 90 Meilen lang von Kayenta zu den Abajo Mountains. Die Comb Wash Road (San Juan County Road #235) verläuft am nördlichen Abschnitt dieser Aufwerfung, südwestlich von Blanding bis nordwestlich von Bluff. Die Fahrzeit für diese, bei trockenen Bedingungen mit jedem Fahrzeug befahrbare Piste, wird in unserem Backroad Führer (Tony Huegel: Utah Byways – 65 of Utah’s Best Backcountry Drives) mit einer Stunde angegeben. Auf der neu erworbenen Grand Gulch Karte ist die Comb Ridge eingezeichnet.

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Die Schotterstrasse geht nach kurzer Zeit in eine leicht wellige Dirt Road über und unser Trailblazer wirbelt während der Fahrt eine ordentliche rote Staubfahne auf. Die Landschfaft nötigt uns zwangsläufig immer wieder zu Fotostopps. Der sägezahnartig verwitterte Sandstein der Comb Ridge leuchtet bei bedecktem Himmel nicht ganz so intensiv, aber die lachs- bis ziegelrote Felslandschaft begeistert uns trotzdem.

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Im Verlauf passieren wir die Zugänge zu verschiedenen Canyons der archaeologisch bedeutungsvollen Cedar Mesa. Eine Hinweistafel des BLMs erläutert die Regularien für einen Besuch im Fish, Owl Creek und Mule Canyon, wo man die Hinterlassenschaften der späten Basketmaker-Kultur bestaunen kann. Die Strasse wird etwas rauer, der Pistenrand ist von starken Niederschlägen weggespült, aber ohne Gegenverkehr sind diese Passagen überhaupt kein Problem.

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Von der Comb Wash Seite können wir erdgeschichtlich bis ins Erdmittelalter blicken: Moenkopi, Chinle und Wingate Formation. Wir parken den Trailblazer und schauen uns die Schutthalden der Moenkopi Formation an. Vor dem Zusammentreffen von County Road #235 und # 237 (Mormon Trail) birgt der von Tamarisken gesäumte Comb Wash Wasserlauf eine kleine Herausforderung für unseren Grauen: im Wash steht noch etwas Wasser, der Uferbereich ist schlammig und beim langsamen Durchfahren erhalten Radkästen und unterer Türbereich des frisch gewaschenen SUV wieder eine braunrote Schlammpackung.

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Irgendwie schaffen wir es nie, unser Fahrzeug länger als ein paar Stunden matschfrei zu halten.

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Kurze Zeit später sind wir wieder auf Asphalt und folgen der US 163 South. Vor Mexican Hat biegen wir in die State Road 261 ein und nehmen alsbald die abzweigende State Road 316 zum Goosenecks State Park. Nach 3 Meilen parken wir unseren Trailblazer auf dem Parkplatz und stemmen uns mit Macht gegen die Türen des Trailblazer. Der Sturm ist hier zu einem Orkan angewachsen und als Frank gleichzeitig die Tür öffnet wirbeln Karten und Papier durcheinander und werden vom Armaturenbrett gefegt. Vor Schreck hauen wir beide die Türen wieder zu, sortieren den Papierstapel und verlassen zeitversetzt das Fahrzeug. Hier am Canyonrand auf etwa 1500 m Höhe zerrt der böige Wind an Kappen und Kleidern, Frank sammelt seine Basecap irgendwo auf dem Parkplatz ein. Beeindruckt von der Heftigkeit des Sturms, wandert auch meine Kappe in den Trailblazer und wir versuchen uns im Fotographieren.

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Aufgrund des stark bewölkten Himmels könnten wir die Flussschleifen auch jetzt am Nachmittag ohne Gegenlicht knipsen, wenn nur der heftige Wind nicht wäre. Frank übergibt mir Kamera und Verantwortung, er möchte lieber filmen. Ich versuche mein Glück mit den tief in den Fels eingegrabenen „Gänsehälsen“. Für die drei Schleifen benötigt man ein Weitwinkelobjektiv (oder zu Hause eine Panoramabildsoftware).

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Der San Juan River windet sich auf einer Länge von 5 Meilen vor und zurück, Luftlinie legt er dabei gerade mal 1 Meile zurück. Hinter dem Bollwerk der Comb Ridge haben wir auf der Comb Wash Road nichts von den Winden bemerkt, hier kann der Sturm ungehindert durchfegen und das nimmt er wörtlich und führt eine ganze Menge Sand mit. Bei jeder neuen Böe drehen wir uns weg, stecken die Kamera schnell unter das Shirt und merken wie der Sand merklich an unserer Rückseite abprasselt.

Wo wollten wir doch gleich noch Zelten? Ah ja, im Valley of the Gods, wo der Sturm ebenso ungehindert über das offene Land toben kann und das mit unserem Innenzelt, dass fast gänzlich aus Moskitonetz besteht. Ich sehe schon das Sandhäufchen auf meinem Kopfkissen. Frank hat wohl ähnliche Gedanken, er schlägt vor, nach Mexican Hat zu fahren und dort im Motel zu äbernachten. Dankbar nehme ich den Vorschlag an. Am Highway stoppen wir noch kurz für ein Foto der „Indian Blankets“, den farbig gezeichneten Hügeln die aufgrund des Musters an eine Indianerdecke erinnern.

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In Mexican Hat ist die Auswahl an Motelbetrieben nach wie vor beschränkt, Birchs Motel scheint es nicht mehr zu geben, ein ganzer Komplex mit ehemaligen Einkaufszentrum ist im Verfall begriffen und die Fenster mit Papier und Pappkarton abgeklebt. Unser Limit liegt bei 60 Dollar, im San Juan Inn möchte man 79 USD für die Übernachtung haben, schade, in dem Motel haben wir 2005 schon mal für rund 20 USD weniger übernachtet. Das Canyonlands Motel kostet laut dem Lonely Planet weniger als 40 USD und wirkt von aussen nicht gerade vertrauenserweckend. In einem Reisebericht habe ich auch gelesen, dass die breiten Glasschiebetüren nicht richtig schliessen. Wir stoppen am gepflegt wirkenden Hat Rock Inn. Dieses neu eröffnete Motel sieht einladend aus und wir stocken unser Limit auf 70 USD auf. Am Empfang vergeht uns alles, 93 Dollar + Tax möchte man für die Nacht in einem One-Queen Bedroom haben. Wir lehnen dankend ab und steuern das Canyonlands Motel an.

Wir betreten das Büro, dass in das Wohnzimmer der Navajo Indianerin integriert ist, die das Motel betreibt. Der Wohnzimmertisch und jegliche andere Stellfläche auf Schränken wird von kleinen Kisten mit Glasperlen, Schnüren, Türkisen u.a., was man für die Schmuckherstellung benötigt. Mit geübten Fingern arbeitet die Dame gerade an einem Armband und legt die Handarbeit zur Seite als wir vor dem Schreibtisch stehen. 43 USD incl. Tax kostet die Nacht in einem One-Queen Bedroom, wir sollen besichtigen, der Schlüssel steckt. Als erstes überprüfen wir den Zustand des Türschlosses, es schliesst, ebenso das kleine Fenster.

Die Einrichtung hat schon sehr viel bessere Tage gesehen, der Teppichboden ist ums Bett so verschlissen, dass er Risse hat, im Badezimmer betagte Kunststoffpanelen an den Wänden anstatt Fliesen. Toilettenspülung, Waschbecken und Dusche funktionieren. Das Zimmer ist sehr klein und sparsam möbliert, das französische Bett ein Nachttisch, ein kleiner Schrank mit Schiebetür, kein Telefon, kein TV – aber wir werden es überleben. Ungemütlicher als eine gesandstrahlte Nacht im Valley of the Gods wird es schon nicht werden.

Wir besichtigen noch das benachbarte Two-Queen-Bedroom Zimmer – bis auf eine dem 2. Bett angepasste grössere Grundfläsche und einen 2. Nachttisch identisch. An der Rezeption fragen wir nach der Rate für das 2er Zimmer. Der Two-Queen Bedroom kostet 50 USD + Tax, dann nehmen wir nehmen den One-Queen Bedroom und die Indianerin lächelt und murmelt etwas von „that’s a tough decision“, da meine Antwort wie aus der Pistole geschossen kommt. Sie fragt uns, ob wir cash zahlen möchten, dann kostet das 1er-Zimmer 40 statt 43 USD. Wir zücken zwei 20 Dollarscheine und fahren direkt wieder vom Hof.

Es ist zwar schon spät, nicht mehr weit bis zum Sonnenuntergang, aber einen Eindruck vom Valley of the Gods möchten wir trotzdem noch bekommen. Da es Nachmittag ist, nehmen wir die von Laurent Martrés in seinem Guide „Photographing the Southwest“ empfohlene westliche Zufahrt von der Strasse 261. Auf 17 Meilen Länge windet sich die CR 242 durch die zu bizarren Formen erodierten Felsnadeln und Sandsteinmonolithen des Valley of the Gods. Die Landschaft in diesem vom BLM verwalteten Kleinod ist nicht ganz so spektakulär wie die Türme und Nadeln im benachbarten Monument Valley. Dafür ist man hier weitgehend alleine, darf frei campen und nach Herzenslust wandern. Nach kurzer Fahrt auf dem Scenic Drive erreichen wir die ersten Buttes.

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Das gedämpfte Licht der Golden Hour schmeichelt den Farben. Die vielgestaltigen Felsforamtionen regen die Phantasie an: hoch oben auf den Felsen stehen zwei Comicfiguren in einer Reihe.

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Ein Stück weiter segelt ein Schlachtschiff in den Sonnenuntergang.

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Der kommt schneller als uns lieb ist. Wir eilen den Schatten davon, treffen auf einen Felsen der an die klassiche Büste eines alten Meisters erinnert.

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Ist dies Beethoven oder Johann Sebastian Bach mit gepuderter Perücke? Interessante Wolken ballen sich über den Silhouetten der Sandsteinmonlithen.

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Auf der Topo Map des Tales tragen die Felsmonolithen, Türme und Nadeln phantasievolle Namen: Franklin Butte, Battleship Rock, Castle Butte, Setting Hen Butte, Rooster Butte. Auf „inoffiziellen“ Landkarten auch Rudolph and Santa Claus, De Gaulle and His Troops, Lady in the Bathtub, Scottsman. :)

Die Sonne verabschiedet sich mit einem stimmungsvollen Farbenspiel, die Nacht legt sich über das Tal der Götter.

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Im Scheinwerferlicht bewältigen wir die letzten Meilen des Rundkurses und fahren zurück nach Mexican Hat.

Übernachtung: Canyonlands Motel, Mexican Hat 40,00 $

Canyoncrawler
30.12.2009, 06:13
Samstag, 29.09.2007:

Mexican Hat – Valley of the Gods – Goosenecks SP – Coal Mine Canyon – Grand Canyon

Das Canyonlands Motel mit seinem beengten und abgewohnten Ambiente schlägt uns noch vor dem Frühstück in die Flucht. Nach Dusche und Möbelpuzzle (den Schiebeschrank im Bad bloss nicht öffnen, es könnten einem die Türen entgegen fallen) sind wir on the Road und biegen in die östliche Zufahrt (von der US 163 aus) ins Valley of the Gods ein. Bei erster Gelegenheit parken wir den Trailblazer, suchen uns zwei schöne Felsbrocken, schrauben den Gaskocher zusammen und setzen Kaffeewasser auf. Der starke Wind bläst die Flamme direkt wieder aus und wirbelt uns uns in sandigen Böen Staub um die Ohren. Mit dem Faltwindschutz für den Kocher und mit tief ins Gesicht gezogenem Hut trotzen wir dem Sandsturm, trinken unseren Kaffe und stärken uns mit den Croissants aus dem Moab City Market und einem Apfel. Die letzten, sandgepuderten Bissen des Apfels knirschen zwischen den Zähnen und nach den ersten Fotos geht es weiter auf dem Rundkurs.

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Bei den „Büsten der alten Meister“ der nächste Stopp. Zwischen den Fotos warten wir immer wieder die sandig peitschenden Sturmböen ab und schützen die Kamera mit der Kleidung.

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Die monumentale Landschaft des Tal der Götter begeistert uns auch heute und wir kommen nur langsam auf dem Rundkurs voran. Der Mond steht noch am Himmel und ein Felsen der an einen Hund erinnert, versetzt uns in erstaunen. Wir haben unseren Spass damit, uns so in Position zu bringen, dass Snoopy den Mond über der Nase stehen hat. So heisst dieses Bild dann auch „Snoopy playing with the moon“.

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Der tobende Sandsturm lässt die Konturen der Felsmonolithen verschwimmen und erinnert an eine biblische Szene.

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Wenig beeindruckt von den Winden fotographieren wir tapfer, bis das Stellrädchen der Nikon bei Bewegung beginnt zu knirschen.

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Fortan sind die Automatikprogramme angesagt und die D40 erhält zwischendurch eine Auszeit in der Kameratasche. Die eindrucksvolle Landschaft verleitet uns aber immer wieder dazu, die teure DSLR den Elementen auszusetzen. Wir queren einen trockenen Wash, den ich versehentlich im Porträtprogramm auf die Speicherkarte banne. :roll:

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Bis zu den nächsten Formationen haben wir die verstellte Kamera bemerkt und die Bilder gelingen wieder.

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Das Schlachtschiff schaukelt noch immer auf den versteinerten Wellen im Tal der Götter

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und im Fußballspiel der Comicfiguren bilden diese gerade eine Abwehrmauer für den Freistoß.

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Restlos begeistert von den wundersamen Felsgebilden müssen wir uns regelrecht antreiben, damit wir auf dem Scenic Drive weiter kommen. Hinter jeder Windung der Strasse warten neue, phantasieanregende Formationen.

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Wieder auf Asphalt, steuern wir erneut die Flussschleife des San Juan Rivers an. Die Goosenecks zeigen sich heute bei Sonne etwas freundlicher.

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Der Sturm hat seit gestern Nachmittag an Stärke zugenommen und tobt mit ungebremster Urgewalt entlang der Abbruchkante im State Park. Binnen kürzester Zeit haben die heftigen Winde die anderen Besucher vertrieben und wir haben die Goosenecks für uns alleine.

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Nach 20 Minuten haben auch wir genug Sand abbekommen und flüchten ins Fahrzeug und nehmen Kurs auf Mexican Hat.

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Der namensgebende Felsen begrüsst uns, aber wir steigen erst wieder aus, als der US-Highway 163 schnurgerade auf die weltbekannte Silhouette des Monument Valley zuhält.

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Wir hatten kurz überlegt auf den Rundkurs des Monument Valley abzubiegen um ein paar gescheite Digitalbilder der Felsformationen zu schiessen, aber aufgewirbelter Sand und Dunst verhüllen die Buttes und Zinnen. An einem Aussichtspunkt ausserhalb des Tribal Parks halten wir für ein paar Fotos.

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Agathla Peak, die erodierten Überreste eines Vulkanes, erhebt sich eindrucksvoll 370 m hoch über dem Grund und ist von spiritueller Bedeutung für die hier lebenden Navajo.

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Beim Fastfood-König In Kayenta ist unmittelbar vor uns ein Reisebus eingelaufen und der Reiseleiter hat die Reisenden offenbar nicht auf die Geflogenheiten in amerikanischen Fast Food-Lokalen aufmerksam gemacht. So jedenfalls erklären wir es uns, dass mind. 10 -15 deutsche Senioren die Kassen der Bedientheke blockieren und vor den Kassen auf ihr Essen warten, während eine junge Navajo verzweifelt auf Englisch versucht, sie dazu zu bewegen, den Bedienbereich zu verlassen, da die Nummer ihrer Bestellung ausgerufen wird.

Die Reisenden sind jedoch in einem Alter, die schlechte Englischkenntnisse vermuten lassen und verstehen kein Wort von dem, was die Angestellte ihnen sagen will. Als Frank ihnen erklärt, dass man die Bestellung aufgiebt und dann hinter der Absperrung oder an einem Tisch darauf wartet, dass die Zahl aufgerufen wird, die als Order-# auf dem Kassenbon aufgedruckt ist, erntet er zunächst ungläubiges Staunen, aber die Gruppe tritt tatsächlich geschlossen zur Seite und der Bestellannahme kann weitergehen.

Nach 15 Minuten sind nicht nur die Busreisenden am Essen, sondern auch wir stärken uns mit einem Whopper-Menü. Beim Bestellen des Nachtisches (ein Oreo-Shake) zaubert Frank ein Lächeln auf das Gesicht der jungen Navajo, als er ihr erzählt, wir würden jedes Mal hier bei BK in Kayenta stoppen um weitere Tafeln, Fotos und Aufzeichnungen aus der Ausstellung über die Code Talker zu besichtigen (was auch stimmt, so in 2-3 Jahren werden wir wohl alles gelesen haben ;-) ). Nach dem Lunch biegen wir auf die US160 Richtung Tuba City ein und zuckeln alsbald in einer Schlange hinter Kolonne fahrenden Wohnmobilen her.

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Ein paar Pferde die über die über die Badlands entlang des Highways galoppieren, sorgen für ein wenig Zerstreuung, bevor wir wieder auf den von den 5 oder 6 RVs verursachten zählen Verkehr aufschliessen. Durch den heftigen Wind fahren die Wohnmobile mit Tempo 45 und reichlich Gegenverkehr verhindert Überholmanöver und uns rinnt die Zeit davon. Bis Tuba City haben etwa 3 PKW überholen können und wir fahren inzwischen fast unmittelbar hinter den Wohnbussen, die sich auch noch ausgerechnet an der Tankstelle in Tuba City zum Stoppen verabredet haben, wo wir unserem Trailblazer einen Schluck Benzin gönnen wollen.

Mit düsterem Blick steigt Frank aus dem Auto, ich verschwinde derweil im Store der Chevron-Tankstelle um nach einer Topo-Map zu fragen. Im Laden sind jedoch nur Road-Maps erhältlich, keine Detailkarten der Indian Reservation und ich trotte zurück zum Auto. Frank wartet schon unruhig auf mich, nicht dass wir wieder die Wohnmobile vor uns haben. Nach dem Einsteigen öffne ich nochmals die Tür um leere Getränkeflaschen zu entsorgen und da passiert es: eine Windböe reist mir die Tür aus der Hand und diese fliegt auf. Ich sehe sie schon in die Zapfsäule krachen, aber irgendwann bleibt sie stehen. Schnell den Müll in die Tonne und wieder einsteigen.

Der Wind zerrt jetzt von aussen an der Tür, ich bekomme die Tür nicht zu. Mit aller Macht stemme ich mich in den Sitz und ziehe, schliesslich klappt die Tür bei und wir können weiterfahren. Unser nächstes Ziel ist der Coal Mine Canyon und dazu befahren wir die Strasse 264. Nach 15 Meilen biegen wir in die unmarkierte Dirt Road ein und halten auf das Windrad zu und stehen wenig später am Canyonrand des Coal Mine Canyons. Ich stemme mich erneut gegen die Tür, der Wind drückt von aussen – denke ich. Doch ich stemme und drücke mit aller Kraft, die Tür gibt nur zögerlich nach und öffnet sich einen kleinen Spalt. :o

Was ist jetzt los? Meine Rufe werden vom heulenden Wind übertönt, Frank steht seelenruhig am Canyonrand, während ich nicht aus dem Auto komme. Kurze Zeit später dreht er sich um und kommt mit überraschtem Gesichtsausdruck zum Auto. Ich habe die Scheibe runter gefahren und schaue aus dem Fenster. Da wo Kotflügel und Beifahrertür aufeinanderstossen, ist die Tür eingedellt und der Kotflügel nach aussen gebeult. :o Oh je, oh je. Wir können es nicht fassen, an der Tankstelle lag es nicht an der Kraft des Windes, dass die Tür so schwer zu schliessen war, der Sturm hatte das Türscharnier überspannt und die Tür ist jetzt verzogen und öffnet nicht mehr. Na prima, was jetzt?

Über den Fahrersitz klettere ich aus dem Auto und schaue mir den Schaden von aussen an. Wir müssen Alamo anrufen und das melden und fürchten Scherereien. Hier am Canyonrand ist der Sturm zu einem Orkan angewachsen, heftigste Böen zerren an unseren Kleidern und wir stemmen uns mit Macht gegen die Elemente um einen Blick in den Canyon zu werfen. An Fotographieren ist nicht zu denken, ständig neue Böen blasen uns Sand ins Gesicht und wir verdrehen die Köpfe gegen das heulende Sandstrahlgebläse. Wir haben noch ein weiteres Ziel weiter westlich und wir beschliessen, auf dem Rückweg erneut hier zu stoppen, in der Hoffnung, dass der Wind nachgelassen hat. Wieder über den Fahrersitz krabbele ich ins Auto und stelle mich schon mal darauf ein, dass der Rest des Tages mit Unannehmlichkeiten verbunden sein wird.

Voller Erwartung machen wir uns zurück auf den Highway und fahren nach Osten. Unser Ziel ist ein weitgehend unbekannter Canyon, den ich vor ein paar Monaten auf einem Video im Netz entdeckt hatte. Hier wurden archäologisch bedeutende Dinosaurierfossilien gefunden, u.a. 1917 die Wirbelsäule eines Plesiosaur, Dinosaurierfußabdrücke und in den Canyonwänden sollen sich viele, überwiegend unerforschte, Anasazi-Ruinen befinden. Ach ja, ein paar unbedeutende Hoodoos soll es hier auch geben :roll: ;-) – aber wer interessiert sich schon für Hoodoos? :bg: ;-) :roll:

Eine Wegbeschreibung haben wir nicht, eine topographische Karte war nicht aufzutreiben, bleibt uns die Basiskarte der Navajo Reservation die mir jemand geschickt hat mit dem Hinweis, dass der Canyon und die Zufahrtstrasse dort drauf sind. Tatsächlich ist ab der Strasse 264 eine gestrichelte Linie eingezeichnet und eine Entfernungsangabe, 15 mls bis zum Dot-Klish Canyon. Die Zufahrt zweigt innerhalb der Hopi Reservation ab, im Bereich einer markanten Kurve auf der Landkarte. Das sollte doch zu finden sein? Wir fahren und wundern uns nicht zum letzten Mal an diesem Tag. Sind wir jetzt schon bei den Hopis oder noch bei den Navajos? Kein Schild kündigt das Ende der Navajo Reservation und den Beginn des Hopi Reservates an. Rechts und links des Highways zweigen zahlreiche Staubstrassen ab. Schilder ? Fehlanzeige. Doch so schnell geben wir nicht auf.

Wir nehmen als Orientierung den Dinnebito Wash und fahren von dort zurück. Auf dem Highway bremst Frank und weicht auf die Gegenspur aus, eine Klapperschlange liegt auf der Strasse, doch sie bewegt sich nicht, scheint schon vorher tot gewesen zu sein. Wir biegen in eine Dirt Road ein. Etwas hoppelig geht es durchs Gelände, die Piste verzweigt sich und wir haben keine Ahnung welche Spur die richtige ist. Bleibt nur probieren und unser Versuch endet an einem Wassertank und an einem Windrad. Ein grasendes Pferd erschreckt sich als wir mit dem Trailblazer angefahren kommen und galoppiert mit wehender Mähne und Schweif davon. Hoffentlich bricht sich das Tier kein Bein, denken wir und fahren zurück zum Abzweig, erkunden die nächste Spur.

Auch diese endet blind. Zurück auf dem Highway, testen wir die nächste Dirt Road. Diese hält auf rot-weisse Felsformationen zu und wir glauben uns auf dem richtigen Weg. Eine Strassennummer können wir aber ebenso wenig entdecken wie auf der anderen Piste zuvor. Dafür schlängelt sich ein Rattler über die Strasse und passiert unseren Trailblazer lebend. Wiederum teilt sich die Strasse, wird schlechter. Plötzlich eine Vollbremsung, wieder ein Rattler ? Frank springt aus dem Auto ich kann nicht hinterher. Er präsentiert mir eine Latte mit Nägeln am Seitenfenster, die er aus dem Weg räumt. Gut, die wird wohl von einem Weidezaun stammen und ist entweder hier hin geweht worden oder von einem Pick-Up gefallen. Glück gehabt, wir sind ja nicht drüber gefahren.

Die Latte neben die Fahrspur geworfen und weiter geht es. Wir kommen nicht weit, eine weitere Dachlatte mit Nägeln liegt sichtbar auf der Piste. Alarmiert fahren wir weiter und uns kommen Zweifel, ob dies eine gute Idee ist. Unsichtbar hinter einer Kuppe lauert das nächste Nagelbrett und wir rollen drüber. Frank sieht es im Rückspiegel und steigt fluchend aus. Auch ich krabbele jetzt über den Fahrersitz und der 1. Blick gilt unseren Reifen. Sorgenvoll, noch haben alle vier Räder Luft, noch! Wir inspizieren das Brett. Eine ziemlich neue Dachlatte und sie ist beim Drüberfahren auf die Seite gerollt. Die Nägel sind jetzt teilweise verbogen oder haben sich in die Erde gebohrt. Wir haben Glück gehabt, keine Punktion der Reifen. Zur Sicherheit schauen wir nach den Warnlampen im Trailblazer, ob diese einen Druckverlust anzeigen. :o

Wir diskutieren, mir ist das Ganze nicht mehr geheuer, Frank schaut eher grimmig, nach dem Motto „Jetzt erst recht“. Wir gelangen zu einem Abzweig, die Piste teilt sich. Mehr nach rechts kann man die Strasse an einem Wohnhaus vorbeiführen sehen, bis zum Horizont auf rot-weisse Formationen zulaufend. Geradeaus hält die Piste ebenfalls auf rot-weisse Formationen zu und in Erinnerung an die studierten Kartenausschnitte aus dem Delorme Atlas & Gazeteer, wonach sich die Pisten zu einer Hauptspur vereinigen, ist es wohl egal, welche Spur wir nehmen, denn über Privatgelände und an einem Wohnhaus vorbei möchten wir nicht fahren. Also geradeaus.

Die Piste führt durch abgegraste Wiesen, linkerhand eine rot-weisse Abbruchkante. Der richtige Weg ? Unsere Fahrt endet an einem Weidezaun. Ein ramponiertes Tor ist mit einer Drahtschlinge gesichert, davor liegen viele zerbrochene Flaschen. Erneut krabbele ich aus dem Auto, Tor öffnen, durchfahren und hinter uns wieder schliessen? Irgendwie sieht die Strasse nicht nach einer Durchgangsstrasse aus, dazu ist sie zu schmal und zu ruppig. Das kann doch nicht die gut ausgebaute, weitgehend pkw-taugliche Strasse sein, die zum Canyon führen soll? Zurück und die Spur an dem Wohnhaus vorbei? :-?

Niemals, dafür waren die Nagel-Depeschen mit der Botschaft „Keep Out“ zu unmissverständlich. Wir zeigen uns beeindruckt und haben inzwischen mehr als genug Abenteuer für heute. Ausserdem droht ja schon genug Ärger mit unserer defekten Tür und wir entscheiden uns für die Weiterfahrt zum Grand Canyon. Kurz vor dem Highway halten wir noch mal an und kontrollieren erneut die Reifen. Alle haben weiterhin Luft und erleichtert fahren wir zurück nach Tuba City.

Am Coal Mine Canyon halten wir erneut, der Wind bläst mit unverminderter Kraft. Zusätzlich sind jetzt noch ein paar gegen den Sandsturm vermummte Navajo-Jugendliche auf ATVs unterwegs. Wir halten uns nicht lange auf, schiessen einfach ein paar Beweisfotos, die jetzt wegen der tiefstehenden Sonne durch harte Schatten weniger schön sind.

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Kaum haben wir den Osteingang des Grand Canyons passiert, flauen die Winde ab. Die bewaldeten Gebiete des Grand Canyons brechen den Sturm und wir können auf eine relativ ruhige Nacht im Zelt hoffen. An den Aussichtspunkten direkt neben der Strasse halten wir an und werfen einen Blick in die gigantische Schlucht. Wir sind erneut sichtlich beeindruckt vom Grand Canyon. Ein Lächeln, das erste seit Stunden, huscht über unsere Gesichter und das Panorama des grössten Naturwunders der USA verdrängt ein wenig die Sorgen die wir wegen unserer kaputten Tür haben.

Bis wir am Mather Campground ankommen ist es dunkel geworden. An der Scheibe des inzwischen geschlossenen Registrierungsbüros wartet ein Zettel mit meinem Namen und unserer Stellplatznummer. Die Reservierung für den Grand Canyon hatten wir von Moab vom Campground via Internet. Stellplatz Nummer 99 ist der unsere und wir sind ganz zufrieden mit der Tentsite.

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Im Schein der Taschenlampe suchen wir ein geeignetes Fleckchen für unser Zelt und nachdem der kleine Geodät errichtet ist, widmen wir uns dem Abendessen und Frank entfacht ein Campfire an unserem letzten Abend in der Natur. Ploppend wird die letzte Flasche Wein entkorkt und nach ein paar ordentlichen Schlucken, sehen wir weniger bang dem morgigen Telefonat mit Alamo entgegen.

Noch lange sitzen wir vor dem Zelt und schauen dem Lagerfeuer beim Abbrennen zu. In der Ferne hören wir Wapiti-Bullen, die mit ihrem röchelnd-pfeifenden Brunftschrei in die Symphonie der Nacht einstimmen. Vor dem Schlafen gehen, holen wir noch die Fleeceinlets aus dem Auto und mummeln uns mit diesen in unsere Schlafsäcke und träumen uns dem neuen Tag entgegen.

Übernachtung: 18 $

Wir sind jetzt in Arizona, daher endet der Bericht von der 2007er Tour in diesem Thread hier, aber 2006 waren wir auch einige Tage lang in Utah unterwegs. ;-) :bg:

Canyoncrawler
30.12.2009, 06:20
Mittwoch, 20. September 2006

Moab - Kane Creek Canyon - Poison Spider Mesa - Moab

Unsere freudige Stimmung wird gedämpft, als wir den Zeltreissverschluss öffnen und einen von Wolken verhangenen, trüben Himmel über Moab erblicken. Eigentlich steht heute die Wanderung zur Morning Glory Bridge im Negro Bill Canyon auf dem Programm, aber es sieht sehr nach Regen aus. Nach Frühstück und Morgentoilette sind wir schnell einsatzbereit und beschliessen im Visitor Centre die aktuelle Wettervorhersage abzuholen. Wir müssen erst gar nicht bis ins Visitor Centre, denn an einem Infoboard im Store unseres Campgrounds hängt der Wetterbericht für die nächsten Tage: mostly/partly cloudy, Thunderstorms, Showers, Temperaturen um die 70° Fahrenheit (um die 20°) – viel zu kühl für die Jahreszeit. Unsere Gesichter werden immer länger, als wir nochmals einen Blick in die Beschreibung des Negro Bill Canyon Hikes werfen: wir müssen auf den 4,5 Meilen im „Narrow Canyon“ mehrmals durch den Fluss und das bedeutet nasse Füsse. Über die Flash Flood Gefahr im Canyon finden wir nichts. Sicherheitshalber verabschieden wir uns wegen der unsicheren Wetterlage für heute vom Negro Bill Canyon und fahren weiter gen Moab.

Wir haben noch Alternativen für eine Wanderung. Im Internet bin ich auf Fotos von einem Gebiet gestossen, dass sich Behind the Rocks nennt, und nicht weit vom Stadtzentrum Moab entfernt sein soll. Je nach Lust und Laune kann man hier zwischen 1 und 5 Stunden durch bizarre Felsformationen wandern und für den Fall dass man noch nicht genug Navajo-Sandstein genossen hat, bietet sich das Nachbargebiet des Hidden Valley für weitere Wanderungen an. Für einen Besuch gibt es mehrere Möglichkeiten: Zufahrt über eine Dirtroad 12 Meilen südlich von Moab (wie sie Laurent Matres beschreibt), Zufahrt über den Kane Creek Boulevard in Moab (Beschreibung aus Foghorn Outdoors: Utah Hiking). Behind the Rocks ist bei 4-Wheelern und Mountainbikern populär und kann mit tollen Arches (Pritchett und Tuhkuhnikivats Arch) und einem Labyrinth aus Sandsteinzinnen und -türmen aufwarten. Es gibt keine gekennzeichneten Wanderwege, man läuft einfach der Nase lang und sucht sich seinen eigenen Pfad.

Wir folgen der Beschreibung aus unserem Foghorn Trailguide und biegen bei McDonalds in Moab in den Kane Creek Boulevard ein. Vor lauter Vorfreude vergessen wir jedoch am Abzweig unseren Meilenzähler zu nullen und folgen dem Kane Creek Boulevard vorbei an Sportstätten und durch Wohngebiete. Als irgendwann die Teerdecke endet und die Strasse als Gravel Road weiter in die rötliche Canyonlandschaft von Moab führt, fragen wir uns, ob wir schon die 3 Meilen bis zum unmarkierten Trailhead zurückgelegt haben.

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Sind wir an einem Viehgatter vorbeigefahren ? Ich meine ja, ungefähr in Höhe der verfallenen Felswohnungen aus jüngerer Zeit. Frank stimmt mir zu, wir müssen schon mehr als 3 Meilen unterwegs sein, ihm gefällt die Landschaft aber so gut, dass er der Strasse noch ein Stück folgen möchte. Auf dem groben Massstab des Delorme Atlas & Gazetteer versuche ich den Strassenverlauf zu verfolgen. Laut Karte müsste sogar eine Rundfahrt über Hunter Canyon und Pritchet Canyon oder Hurrah Pass und Jackson Hole möglich sein.

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Da wir die Strassenbeschaffenheit anhand der groben Karte nicht abschätzen können, beschliessen wir soweit zu fahren wie es geht und ggf. umzukehren. In der Nähe der Strasse entdecken wir einen grossen Felsbrocken mit Petroglyphen und nach kurzem Abstieg besichtigen wir das stark zerstörte Rock Art Panel und sind uns nicht mal sicher, ob die Felsritzungen tatsächlich indianischen Ursprungs sind.

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An einer Kreuzung wissen wir nicht in welche Richtung wir fahren müssen und bereuen zum ersten Mal, dass wir im Store unseres Camprounds nicht die detaillierten Topo Maps von Latitude 40° gekauft haben. Wir folgen der breiteren Strasse und befinden uns noch immer auf der Kane Creek Road, die mittlerweile als Dirt Road immer tiefer in die zerklüfteten Canyons um Moab führt. Wir identifizieren den Kane Springs Canyon. Der Himmel hat sich mittlerweile zu einer einzigen weiss-grauen Wolkensuppe zugezogen und ich befürchte, dass es jeden Moment zu regnen beginnt.

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Frank lässt sich davon nicht beirren und chauffiert unseren Trailblazer gelassen durch mehrere trockene Flussbetten. Ich sorge mich, ob die Flussbetten trocken bleiben, falls wir umkehren müssen, doch Frank hat das Offroad-Fieber gepackt und er denkt gar nicht daran umzukehren.

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Wir passieren weitere Campsites und treffen vereinzelt auf geparkte Pick-Ups deren Fahrer mit ATVs hier irgendwo im Gelände umher brettern.

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Das beruhigt mich ein wenig, wenn die Strasse bei Regen Gefahr laufen würde, unpassierbar zu werden, wären die ATVler wahrscheinlich schon auf dem Rückweg ?? Ganz wohl ist mir trotzdem nicht, zumal der Strassenzustand sich zunehmend verschlechtert. Frank umkurvt gekonnt die ärgsten Rippen und gewaltige Schlaglöcher, zirkelt den Trailblazer gekonnt durch tiefe Washes und über hochragende Felsbrocken. In einer Kurve die von einem weiteren Wash durchzogen ist, ist die Strasse zum Teil weggespült, auf der anderen Seite grenzen Felsvorsprünge den Aktionsradius ein. Ich verabschiede mit schon mal gedanklich von unserer Ölwanne, doch Frank nimmt auch gekonnt dieses Hindernis.

Etwa ½ Meile vor uns sind zwei hochbeinige Jeeps unterwegs die jetzt auf einer ebenen Fläche parken und eine Ladung Jeeptouristen ausspucken. Bevor wir zu dem Plateau gelangen, sind die bunten Geländewagen bereits wieder unterwegs und wir haben das Plateau für uns alleine. Wir schiessen Fotos, filmen und geniessen die Aussicht auf die wilde, zerklüftete Landschaft die der Colorado River im Laufe der Zeit in den Sandstein gegraben hat.

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Wir verfolgen den Strassenverlauf und sehen die Jeeps plötzlich nur noch ganz langsam vorwärts kommen. Dort scheint ein wirklich schwieriges Hindernis zu sein, es vergehen 2 Minuten bevor die Fahrzeuge wieder mehr Fahrt aufnehmen können.

Meine Bitten umzukehren, werden jetzt erhört, zumal der Himmel jetzt von grau-schwarzen Wolken verdunkelt wird. Bei dem Gedanken an die ganzen Washes die wir auf dem Rückweg wieder durchfahren müssen, werde ich ganz blass, auch Frank ist die Grosswetterlage jetzt nicht mehr geheuer und er gibt auf dem Rückweg ordentlich Kitt. Wir haben eine markante Stelle ausgemacht, nach dessen Passage wir wahrscheinlich nicht mehr festsitzen würden. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Kurze Zeit später tropft der erste Regen auf die Scheibe, zunächst noch spärlich, doch es dauert nicht lange bis dicke Regentropfen gegen die Scheibe trommeln. Frank meint noch immer halb so schlimm, aber nur deswegen, weil wir genügend Lebensmittel, unsere Fleeceinlets und eine gute Ausrüstung an Bord haben. Er möchte trotzdem nicht im Schlamm festsitzen und gibt weiterhin Gas.

Das haarige Flussbett ist noch immer trocken, nur ein wenig matschig, aber das bewältigt unser Trailblazer locker. Die Staubwolke hinter unserem Fahrzeug verschwindet, bei Nässe haftet der Belag. Es ist jetzt nicht mehr weit bis zu der Stelle die wir als kritisch eingestuft haben und wir scheinen den Wettlauf mit den Elementen zu gewinnen. Als wir uns nach Durchfahrung dieses breiten Flussbettes auf der anderen Seite des Canyons wieder nach oben schrauben, kann ich wieder lächeln und der Abenteuergeist übernimmt wieder die Oberhand.

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Bald haben wir wieder Gravel unter den Reifen und als wir wieder auf Asphalt fahren mache ich den Vorschlag, den Schauer abzuwarten und bei McDonalds den Meilenzähler zu nullen, den vorhin verpassten Trailhead zu suchen und doch noch zu wandern. Dies stösst bei Frank auf wenig Gegenliebe: Bist Du wahnsinning, Du hast doch gelesen, dass der Aufstieg steil und bei Nässe rutschig und nicht ungefährlich ist. Ich halte mich nicht für wahnsinniger als er, der bei drohendem Regen immer weiter auf einer Dirt Road fährt. Doch ich schmolle diesmal nicht, sondern kümmere mich um Plan B. Es gibt ja noch einen Weg um Behind the Rocks zu erleben: die Poison Spider Mesa.

Doch zunächst halten wir in Moab im City Market und gönnen uns jeder einen knackigen Salat von der Salad Bar. Als wir aus dem Supermarkt kommen, hat der Regen nachgelassen und auf dem Campground ist es wieder trocken. Wir geniessen unseren Salat mit Hähnchenbrust, Ei, Tomaten, Gurken, Champignons, Ham, Käse und Ranch Dressing und wir planen den Rest des heutigen Tages.

Gegen die asphaltierte Potash Road und den „kurzen“ Aufstieg zur Poison Spider Mesa hat Frank nichts einzuwenden, anschliessend wollen wir uns noch um unseren Schmutzwäscheberg kümmern. Bei noch immer bedecktem Himmel fahren wir auf der US 191 nach Norden und biegen 3 Meilen nördlich von Moab in die State Road 279 ein. Die Potash Road trägt den Beinamen Lower Colorado River Scenic Byway und folgt nach kurzer Zeit den Windungen des Colorado Rivers. Wir beschliessen die Potash Road bis zum Ende des Asphalts zu erkunden und nach den Trailheads zur Poison Spider Mesa und Corona Arch Ausschau zu halten.

An der Wallstreet entdecken wir in den Felsen Rockclimber, wenig später halten wir um die Indian Paintings zu bewundern. Ich kann nicht wirklich viel erkennen und so fahren wir alsbald weiter zu den Dinosaur Tracks. Auf dem Parkplatz, der gleichzeitig der Trailhead zur Poison Spider Mesa ist, beginnt es wieder leicht zu regnen und wir verbringen etwa 30 Minuten damit, das Ende des Schauers abzuwarten. Kaum ist der letzte Regentropfen auf die Scheibe gefallen, springen wir aus dem Auto, schultern die Rucksäcke und beginnen den Aufstieg über die Jeep-Route. Wagemutige SUVler könnte die Piste auch noch ein Stück nach oben fahren, doch ein Blick auf die derben Felsabsätze am Beginn genügt, wir hatten wir heute schon genug Offroad-Abenteuer.

Also stapfen wir den steilen Jeep-Track nach oben und kommen ganz schön ins Schnaufen. Frank brummelt, hoffentlich würden sich die Mühen auch lohnen und hechtet dann mit einem Sprung von der Strasse, als zwei ATVs im Höllentempo um die Kurve brettern. Sie sind genauso erschrocken wie wir, halten kurz an und entschuldigen sich für die unvorsichtige Fahrweise. Kein Problem, Franks Reflexe haben ihn ja vor einem Schaden bewart, Adrenalin pumpt trotzdem durch unsere Gefässe und wir rasten eine Weile, bis sich unser Pulsschlag wieder normalisiert. Da einige ATV-Spuren cross-country, abseits der Piste führen, beschliessen wir, die endlosen Kehren ebenfalls durch eine Cross-Country-Route abzukürzen. So ist der Aufstieg zwar noch steiler aber wir sparen einiges an Zeit und verkürzen die 2,5 Meilen Distanz ein wenig. Langsam tauchen hinter den Felswänden die ersten Spitzen auf, der Colorado River und die Strasse wird immer kleiner, die Sicht leider nicht besser.

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Es ist so trüb, dass von den La Sal Mountain-Gipfeln, die über den roten Felsen drohnen, nichts zu sehen ist.

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Schade - gerade die schneebedeckten La Sal Mountains hätten einen reizvollen Kontrast über den Felsnadeln von Behind the Rocks ergeben. Da es immer mehr eintrübt, und sich bereits der nächste Regenschauer ankündigt, steigen wir gar nicht bis zur optimalsten Fotostelle hinauf, sondern schiessen ein paar Fotos, filmen ein wenig und steigen wieder ab.

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Wir schaffen es noch trocken bis ins Auto auf dem Weg zum Corona Arch Trailhead klatschen aber die nächsten dicken Tropfen auf die Windschutzscheibe und der Hike zum Corona Arch ist für heute gestorben. An der Gold Bar Recreation Site laufen wir auf der betonierten Bootsrampe bis zum Colorado und besichtigen die Landungsstelle der Raftboote.

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Am Long Canyon halten wir für ein Foto des Jug Hundle Arch, fahren bis zum Ende des Asphalts, wenden dann und fahren gemächlich zurück nach Moab um unsere Schmutzwäsche zu waschen. Zuvor fahren wir aber nochmals in den Supermarkt, um uns nach dem wettertechnisch durchwachsenem Tag wenigstens ein anständiges Abendessen zu gönnen.

Bepackt wie die Nikoläuse mit zwei grossen blauen Müllsäcken stapfen wir nach Rückkehr auf den Campground zum Laundry und füllen 2 Maschinen mit Wäsche, die wir zuvor in Hell und Dunkel sortiert haben. Nachdem wir auch noch genügend Quarters für die anschliessende Trocknung eingetauscht haben, kehren wir zur Campsite zurück um uns ums Abendessen zu kümmern. Frank brät Fleisch, ich bereite die Hash Browns und den Salat vor. Uns gegenüber campt eine Reisegruppe von Trek America, die es geschafft haben, 5 Zelte auf einem gekiesten Stellplatz zu platzieren. Dafür können sie wahrscheinlich jeden Atemzug im Nachbarzelt hören. Nach dem Essen schichte ich die Wäsche in den Trockner während Frank sich um den Abwasch kümmert und die beiden Latitude 40° Topomaps im Campgroundstore käuft.

Wir besprechen den nächsten Tag: wir wollen zum Sunrise am Mesa Arch und gehen daher früh schlafen. Hoffentlich spielt das Wetter mit.

Übernachtung: Moab Valley RV Resort 20,71 USD

Canyoncrawler
30.12.2009, 06:24
Donnerstag, 21. September 2006

Moab - Canyonlands National Park - Shafer Trail - Corona Arch - Moab

Um 4.30 Uhr reisst uns der unerbittliche Alarmton des Weckers aus unseren Träumen. Während Frank mit dem Reissverschluss seines Schlafsacks kämpft, murmele ich: Ich steht nicht auf, es ist sowieso stark bewölkt und da lohnt sich der Mesa Arch nicht.
Als ich ihn nach dem Wetter frage, antwortet er nur, schau selbst und verschwindet Richtung Waschraum. Die Neugier siegt schliesslich über die Müdigkeit und ich schäle mich auch aus meinem Schlafsack. Ein Blick aus dem Zelt genügt: am Himmel vom Moab funkeln hunderte von Sternen, kein Wolkenschleier trübt den Blick.
Schlagartig bin ich hell wach und krieche nur noch mal ins Zelt um in meine Kleider zu schlüpfen. Als Frank aus dem Bad kommt, habe ich sogar schon die Schuhe geschnürt und verschwinde noch kurz, um die Zähne zu putzen und für einen Bürstenstrich. Die von der Nacht zerzausten Haare lassen wir unter einer Baseballmütze verschwinden und um 4.45 Uhr fahren wir mit unserem Trailblazer so leise wie möglich vom Campground.

Auf der US 191 North ist kein Auto unterwegs und wir nutzen die zulässige Höchstgeschwindigkeit aus. Wir haben es versäumt, uns nach den genauen Sunrise-Zeiten zu erkundigen und so sputen wir uns, um die ersten Sonnenstrahlen über den Canyonlands nicht zu verpassen. Bis zum Besucherzentrum des Island-in-the-Sky-Bezirks sind es von Moab 31 Meilen, bis zum Mesa Arch noch etwa 6 Meilen mehr. Mit erreichen der State Road 313 sinkt unser Meilenmittel, es ist stockdunkel. Das schlechte Licht des Trailblazers leuchtet die Fahrbahn nur ungenügend aus.

Als wir den Parkplatz des Mesa Arch Trailheads erreichen, parkt bereits ein weiteres Auto dort und Fahrer samt Beifahrer dösen noch ein wenig im Wagen. Während wir noch unseren Rucksack mit der Fotoausrüstung packen, biegt ein weiteres Fahrzeug auf den Parkplatz ein und jetzt herrscht allgemeine Aufbruchstimmung. Zu fünft machen wir uns auf den Weg. Mit unseren Stirnlampen ist die Orientierung kein Problem und wir haben die ½ Meile zum Plateaurand schnell zurückgelegt. Der Morgen graut bereits, als wir unsere Stative errichten. Es herrscht erwartungsvolle Stille, erst als ein weiteres Paar den Arch erreicht, kommen so langsam die ersten leisen Gespräche in Gang. Jeder experimentiert noch mit der Stativhöhe und die digitalen Spiegelreflex-Kameras klicken bereits für die ersten Aufnahmen. Die Resultate sind jedoch noch ernüchternd, und die Bilder werden wieder gelöscht. Langsam zeigen sich jetzt die ersten Farben: zartes rosa, tiefes Blau und davor die schwarze Silhouette des Mesa Arch. Wenn man genau hinschaut, erkennt man bereits den Durchbruch des Washer Women Arch in der Tiefe.

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Ein unheimliches Husten reisst uns aus unseren Gedanken, es hört sich mehr tierisch als menschlich an. Als ein weiterer Fotograph ankommt, ordnen wir ihm dieses Geräusch zu. Jetzt sind echte Profis am Werk: die Kameraausrüstung muss mehrere Tausend Dollar wert sein, das Display misst mind. 10 cm Breite und die Beine des Stativs haben den Durchmesser eines Besenstils. Wir sind die einzigen, die noch eine Kleinbild-Spiegelreflex auf unser Stativ gesteckt haben, alle anderen fotographieren mit digitalen Canon- oder Nikon-SLR. Jetzt ist auch Frank davon überzeugt, dass die Tage unserer liebgewonnenen Minolta Dynax gezählt sind. Mit unserer 2. Kamera, einer digitalen Zoomcamera schiesse ich auch die ersten Fotos und die ersten Scherze machen die Runde.

Ein lautes Stolpern lässt die Runde jäh herumfahren, ein stattliches Bighornsheep mit mächtigem Gehörn verschwindet in nur 30 m Entfernung über den Sandsteinhügeln. Mein Foto ist verwackelt, da es noch zu dunkel ist und sich der Bock zu schnell bewegt hat, aber jetzt haben wir den Ursprung des tiefkehligen Hustens identifiziert.

Langsam werden die Farben intensiver, aus dem zarten rosa werden Gelb-Orange-Töne, das dunkle Blau hellt sich auf. Noch immer ist keine Spur von Glühen im Bogen wahrnehmbar und die nächsten leisen Unterhaltungen drehen sich darum, wie man mit Photoshop das intensive Glühen retouchieren kann. ;-)

Die Sonne hat mittlerweile die wärmenden Strahlen über die Ebene unterhalb des Plateaus verteilt, Washer Women Arch und Airport Tower strahlen bereits in einem sanften Licht. Plötzlich das erst zarte Glimmen auf der Unterseite des Mesa Arches, wir halten den Atem an, doch noch immer hat das ausstrucksstarke Farbenspiel nicht richtig begonnen. Das Leuchten nimmt etwas zu. Die Kameras klicken bereits ordentlich, nur ein älterer Herr bleibt völlig gelassen, er hat noch keine einzige Aufnahme gemacht, er scheint genau zu wissen, was uns erwarten wird. Meine Speicherkarte ist bereits voll, ich wechsle sie schnell, Frank legt zwischenzeitlich einen neuen Film ein: auch er hat bereits 7 Kleinbild-Fotos verschossen. Rechts des Mesa Arches beginnen die Felsen zu glühen.

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Noch immer ist das Leuchten im Mesa Arch eher schwach, die Sonne steht noch zu tief um alle Schatten auf der Unterseite des Bogens zu vertreiben. Kurze Zeit später ist die Sonne so hoch, dass sich das Gegenlicht bereits störend auswirkt, sollte dass schon alles gewesen sein ?

Langsam dämmert es mir, die Sonne muss auf gleiche Höhe des Arch steigen, dann wird das Leuchten am stärksten sein. Wir harren weiter aus, es ist noch kühl und ich bin dankbar für die lange Unterwäsche, die ich unter meine Hose gezogen habe. Trotzdem fröstelt es mich. Gemächlich steigt die Sonne nach oben und verschwindet allmählich hinter dem Felsbogen des Mesa Arch. Jetzt ist die beste Fotozeit und es kommt auch Bewegung in den älteren Herrn.

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Wir wechseln zwischendurch die Standorte, alles bleibt locker, es gibt keinen Streit um die besten Plätze, jeder darf mal nach vorne, in die Mitte, nach Links, es bleibt sogar Zeit für ein paar Fotos mit den Fotographen im Bogen.

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Das gemeinsame Warten hat uns zu einer harmonischen Zweckgemeinschaft verbunden. Noch etwas Filmen mit dem Camcorder, ein letzer Schuss von scharf rechts, die Sonne taucht über dem Bogen auf, das Holzkohleartige Glühen erlischt, das Spektakel ist vorbei.

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Das frühe Aufstehen hat sich gelohnt. Aus den Rucksäcken werden die Thermoskannen und Sandwiches geholt, auf den Digitaldisplays die Bilder bewundert. Nachdem wir uns die nähere Umgebung angesehen haben, verabschieden wir uns und einer nach dem anderen verschwindet über den Trail zum Parkplatz.

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Gegenüber des Parkplatzes drohnt eine fotogene Felsformation, die wir noch ablichten. Wir haben unser Frühstück im Auto und unsere Mägen verlangen immer fordernder nach Nahrung. Ein Blick auf die Karte und unser Frühstücksplatz steht fest: die Picnic Area beim White Rim Overlook. Dort machen wir es uns mit French Baguette, Putenbrust-Aufschnitt und Jacobs Cappucino gemütlich. Die Aussicht ist genial, wir haben uns eine Sitzgruppe direkt in der Nähe eines knorrigen alten Baumes ausgesucht, der sich bereits über die Abbruchkante beugt.

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Unter uns die weitläufige Landschaft der Canyonlands mit den eindrucksvollen Verwitterungen der White Rim Kante. Nach dem Essen laufen wir die paar Meter zum Canyonrand und erblicken ganz klein in der Tiefe die Fahrspur des White Rim Trails, auf dem wir heute auch eine kurzes Stück zurücklegen möchten. Wir müssen uns losreissen, fahren zum Grand View Point, wo uns eine französische Reisegruppe entgegenkommt. Wir folgen ein Stück weit dem Grand View Trail bis wir eine gute Position für ein Foto gefunden haben.

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Über dem Herzstück des Grand View Points, den verwitterten Steinsäulen des Monument Basins scheint uns die Sonne direkt in die Kamera und die Bilder sind trotz Polfilter und Sonnenblende viel zu hell. Hier ist der Nachmittag die bessere Zeit. So lange können wir nicht warten, wir stoppen noch am Green River Overlook und erblicken in der Ferne das grüne Band des Green Rivers, der hier durch den Stillwater Canyon fliesst. Die weitläufige Landschaft ist faszinierend. Da der Vormittag bereits ziemlich fortgeschritten ist und Frank auch nicht viel Lust auf Indianerruinen hat, streichen wir sowohl die Aztec Butte Ruin als auch die False Kiva an der Upheaval Dome Road aus dem Programm, bewundern noch den Candlestick Tower ...

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... und machen uns direkt auf dem Weg zum Shafer Canyon Overlook, gegenüber des Visitor Centres. Um uns die abenteuerlichen Serpentinen, die wir gleich hinunterfahren wollen, aus der Vogelperspektive anzuschauen, klettern wir auf den mit einem Geländer gesicherten Hügel.

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In der Tiefe erkennen wir ganz klein ein Fahrzeug, dass mitten auf dem Trail parkt. Kann es auch, es herrscht trotz bester Wetterverhältnisse kaum Verkehr. Uns hält es nicht mehr auf dem Plateau, wir wollen hineintauchen in die braunrote Welt des Shafer Canyons und biegen rechts auf die unbefestigte Strasse ab. Zunächst beginnt der Shafer Trail noch harmlos, lediglich die waschbrettartigen Rippen in der Fahrbahn lassen die Edelstahltassen in der Spülschüssel klappern. Wenig später stehen wir oberhalb der ersten Kehre und diese Perspektive ist nichts für Passagiere mit Höhenangst.

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Schnell ein Foto und ein Camcorderschwenk und weiter geht’s. Als uns ein Jeep entgegenkommt, der unsere Fahrspur mitbenutzt und dabei mitten durch eine grosse Pfütze fährt und das braune Wasser ordentlich nach oben spritzt, scherzen wir noch, dass das Show für die Gallerie war. An der Stelle angekommen, müssen wir uns jedoch revidieren: hier ist die halbe Fahrbahn weggeschwemmt und da wo eigentlich die Fahrspur sein sollte, sieht man nur noch die Wurzel eines sich an den Abhang klammernden Strauches. Mit deutlich mehr Respekt setzen wir unsere Fahrt fort und schrauben uns die engen, steinigen Kehren nach unten. Immer wieder müssen wir unser Tempo auf Schrittgeschwindigkeit verlangsamen, da Felsabsätze und geröllige Abschnitte zu passieren sind. Unsere Edelstahltassen tanzen mittlerweile einen nervtötenden Sambarhythmus und wir umwickeln zusätzlich auch noch das Edelstahlgeschirr mit unserem Spüllappen/Geschirrtuch um die Fahrgeräusche erträglich zu machen. Eine besonders steinigen Stelle entlockt uns beiden gleichzeitig ein „Ach Du Sch...eibenkleister“ und ich springe aus dem Wagen um die dicksten Felsbrocken aus der Fahrspur zu hieven, halte den Abschnitt aber vorher noch auf einem Foto für die Nachwelt fest.

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Das sollte nicht die letzte Bewährungsprobe für unseren Unterboden sein, doch Frank schafft es, mit nur einem klitzekleinen Aufsetzer den Trailblazer durch den Shafer Canyon Richtung White Rim Road zu zirkeln. Sehr gesprächig sind wir beide nicht, die Piste erfordert ernorme Konzentration. Wir stoppen gelegentlich um uns die Landschaft anzuschauen und die Stille zu geniessen. Es sind kaum Fahrzeuge unterwegs und so winkt man den wenigen freundlich zu. Jeder der den Shafer Trail als einfache Dirt Road bezeichnet, ist entweder mit einem „echten“ Offroader unterwegs oder kennt den Trail noch aus besseren Zeiten. Wir finden die Piste jedenfalls anspruchsvoll und sind froh, als wir den Abzweig zur Potash Road erreichen.

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Da wir trotz der steinigen Abschnitte noch nicht Genug Offroad-Vergnügen hatten, biegen wir in die White Rim Road ein, um zumindest die fünf Meilen bis zum Musselman Arch zurückzulegen. Zu Beginn ist die White Rim Road in einem deutlich besseren Zustand als der Shafer Trail, aber schon bald queren wir auch hier Felsbänder und umfahren tiefe Löcher und zirkeln über Geröll. Am Goosenecks Overlook legen wir einen Halt ein und laufen die ½ Meile bis zum Aussichtspunkt über eine fotogene Schleife des Colorado Rivers. Die gleiche Schleife kann man aus anderer Höhe übrigens vom Dead Horse Point State Park besichtigen.

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Um die Schleife komplett zu fotographieren, bräuchte man ein Weitwinkel, das wir nicht haben und so fotographieren wir jeweils einen Teil und schwenken den Camcorder für ein Panorama. Jetzt wird es wieder besonders steinig und Frank navigiert unseren Trailblazer vorsichtig über und um die ärgsten Hindernisse und Rippen. Der Musselman Arch ist sogar beschildert, ein einsames Holzschild weißt auf den Musselman Arch Trail hin. Vom Arch ist noch nichts zu sehen, er spannt sich in etwa auf Höhenniveau der Abbruchkante zwischen tonnenartige Verwitterungen.

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Der Arch ist stabil und breit, trotzdem beschleicht mich beim Überqueren ein mulmiges Gefühl – ein Schwindelanfall hier und der Trailblazer hätte einen Passagier weniger. Auch Frank zögert zunächst, doch auch er läuft für den Videofilm über den Steinbogen. Leider sind keine anderen Besucher da, die uns fotographieren könnten und eine Aktion mit Stativ und Selbstauslöser ist uns auf dem Bogen zu gewagt. Wir fahren noch etwa 1 Meilen weiter und versuchen noch eine Distanzaufnahme, aber der Musselman Arch verschwindet im Canyon und so kehren wir um, damit wir über die Potash Road zurück nach Moab fahren können.

Weitere Fotos vom Shafer Trail:
Bild (http://freenet-homepage.de/canyoncrawler/RB_2006/CL/compPICT0047.jpg)
Bild (http://freenet-homepage.de/canyoncrawler/RB_2006/CL/comp3360006.jpg)
Bild (http://freenet-homepage.de/canyoncrawler/RB_2006/CL/compPICT0048.jpg)
Bild (http://freenet-homepage.de/canyoncrawler/RB_2006/CL/compPICT0052.jpg)
Bild (http://freenet-homepage.de/canyoncrawler/RB_2006/CL/compPICT0060.jpg)
Bild (http://freenet-homepage.de/canyoncrawler/RB_2006/CL/compPICT0046.jpg)

Es ist bereits Nachmittag und an einem grösseren Pullout bereiten wir unser Mittagessen aus der Konserve zu und fahren anschliessend weiter. Vom Zustand her ist zwischen dem unasphaltierten Teil der Potash Road und des Shafer Trails kaum ein Unterschied, trotzdem hat es ein Strassenfahrzeug bis zu einer weiteren Schleife des Colorado an der Potash Road geschafft. Wir halten kurz und schauen in die Schlucht, fahren bald weiter und haben den Strassen-PKW als Verfolger im Nacken. An steinigen Stellen fällt er zurück, holt aber auf den ebeneren Abschnitten mit einem kräftigen Tritt aufs Gaspedal wieder auf. Ein kurzer Halt und wir sind den Drängler los und wünschen ihm und seiner Ölwanne viel Glück.

In der Ferne leuchten bereits die blauen, mineralischen Ablagerungsbecken des Pottasche-Betriebes und wir fahren eine ganze Weile über das weitläufige Betriebsgelände, bevor wir wieder auf die Asphaltdecke der State Road 279 treffen. Obwohl wir den Abschnitt bereits kennen, halten wir erneut am Jughandle Arch und an der Gold Bar Recreation Site. Mittlerweile ist es ziemlich bewölkt, wir sind aber froh, dass wir den Shafer Trail bei bestem Wetter fahren durften.

Am Coronar Arch Trailhead parkt ein weiteres Auto und wir schultern zum Ersten Mal für heute die Rucksäcke und sind dankbar, dass wir nach den Stunden im Auto ein wenig laufen können. Den Corona Arch Trail findet man auch im Foghorn Outdoors Utah Hiking Guide, für die deutschsprachigen Hiker hat Fritz Zeher jedoch eine hervorragende Trailbeschreibung (http://www.zehrer-online.de/htm_hikes_corona.htm) auf seiner schönen Internetseite. Wir gehen durch ein Viehgatter, queren die Bahngleise und steigen den Steinmännchen folgend den Trail in den Bootlegger Canyon hinauf. Laut Fritz Zehrer soll man als erstes den Pinto Arch sehen – wir können ihn aber nicht entdecken. Dafür treffen wir bald auf die Aufstiegshilfen, klettern die kurze Eisenleiter hinauf und laufen am Drahtseil entlang, das man aber eigentlich nicht bräuchte. Wir haben den Corona Arch bereits in der Ferne entdeckt, auch den Bow Tie Arch sehen wir und halten auf dem markierten Pfad direkt darauf zu. Ein Paar mit Hund kommt uns entgegen, dass müssen die Fahrer des anderen Wagens sein und wir grüssen uns freundlich.

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Am Bow Tie Arch stoppen wir kurz und blicken in den Alkoven mit dem imposanten Durchbruch hinauf. Man sieht die schwarzen Rückstände, die eindringendes Wasser hinterlassen hat. Immer wieder schweift unser Blick ab zu dem gewaltigen Bogen in der Nähe. Little Rainbow Bridge ist treffend, aber klein ist sie wirklich nicht. Wir verrenken uns die Hälse um im Arch nach oben schauen zu können.

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Erst der Grössvergleich mit einem Menschen, verdeutlicht die imposanten Ausmasse dieses Wunderwerks der Natur. Ein Vergleich mit dem Delicate Arch drängt sich förmlich auf, wobei der Delicate Arch aufgrund seiner freistehenden Erhebung auf einem Slickrock-Plateau noch eindrucksvoller ist. Doch auch Corona Arch ist die kleinen Mühen des Anstiegs wert, und dazu haben wir den Bogen für uns alleine. Corona Arch misst beeindruckende 140 x 105 ft (~ 42 x 32 m) und angeblich soll ein heimischer Pilot mit einer Propeller-Maschine unter dem Bogen durchgeflogen sein.

Die Umgebung hier im Bootlegger Canyon erinnert uns ein wenig an die Sandsteinformationen im östlichen Abschnitt des Zion National Parks, Frank geht sogar so weit, dass die Landschaft auch ein wenig Ähnlichkeit mit den Coyote Buttes aufweisen kann. Schade, dass es bereits später Nachmittag ist, wir wären dem Canyon gerne noch weiter gefolgt. Auf der Karte laufen die Höhenlinien irgendwann so eng zusammen, dass uns eigentlich ein Dryfall erwarten müsste, den man, wenn ich die Karte korrekt deute, bei rechtzeitigem Verlassen des Canyonverlaufs auf relativ ebenem Terrain umgehen kann. Doch für weitere Abenteuer ist es heute zu spät. Beim Abstieg halten wir nochmal nach Pinto Arch Ausschau und sehen ihn peinlicherweise wieder nicht. Jetzt würde uns das GPS helfen, doch das haben wir im Auto gelassen, da wir nicht ernsthaft mit Orientierungsproblemen gerechnet haben. Langsam wandern wir zurück zum Auto, gehen zuvor noch weiter nach Westen, sehen aber auch dort keinen Pinto Arch und beenden offiziell unsere Suche mit der Erkenntnis, dass aus Canyoncrawlern nicht so einfach Archhunter werden. ;-)

Zurück auf dem Campground lassen wir beim Kochen diesen erlebnisreichen Tag Revue passieren und ich beschliesse den Hot Tub zu nutzen. Nachdem ich mir unter der Dusche den Staub des Tages abgespült habe, laufe ich mit Bikini und Badetuch frierend zum Pool und tauche ein in die warme, blubbernde Wasserlandschaft des Hot Tubs.

Übernachtung: Moab Valley RV Resort 20,71 USD

Canyoncrawler
30.12.2009, 06:28
Freitag, 22. September 2006

Moab - Arches National Park - Highway 24 - Hanksville - Capitol Reef National Park - Bicknell

Geweckt werden wir in den frühen Morgenstunden von heftigen Winden, die unser Zelt ordentlich durchrütteln, dazu starker Regen, der wie ein Trommelfeuer auf unser Aussenzelt hämmert. Bevor uns der Regen noch Wasser durch die Lüftungsklappe hineinpeitscht, schliessen wir den Reissverschluss und hadern damit, welche Überraschungen Moab heuer noch zu bieten hätte. Wir versuchen noch ein wenig zu schlafen, doch die entfesselten Elemente toben so geräuschvoll um unsere Hütte, dass an Schlaf kaum zu denken. Irgendwann gleiten wir doch wieder ins Reich der Träume hinein, sind aber bereits wieder vor dem Weckerklingeln wach. Ungebremst entlädt sich das Unwetter weiterhin über unserem Zelt. Zwischen Gewebeplanen und Zeltboden hat sich bereits reichlich Wasser angesammelt, dass sich bei festem Druck mit der flachen Handfläche auf den Zeltboden durch den von Dornen ramponierten Zeltboden drückt, zurück in Deutschland werden wir einiges an Arbeit haben, die Löcher aufzuspüren und den Boden wieder abzudichten. Glücklicherweise halten unsere Isomatten das meiste Wasser zurück, sodass wenigstens die Daunenschlafsäcke trocken bleiben. Eigentlich ist es längst Zeit zum Aufstehen und für Frühstück, bei der Nässe hat selbst Frank keine Lust dazu und wir diskutieren, wer zum Auto hechtet und unsere Trekkingjacken holt. Da ich in unserem Querlieger hinten liege und Frank beim Ausgang, erbarmt er sich schliesslich und als er kurze Zeit später zurück ins Zelt hechtet, sind Haare, Schultern und Gesicht pitschnass.

Ein paar Dollar mehr für einen mit Pavillon überdachten Zeltplatz, wären keine schlechte Investition gewesen, aber so müssen wir sehen, wie wir klar kommen. Wir ziehen uns die Jacken über und die Socken aus, da die Füsse bei den vielen Pfützen nicht trocken bleiben können. Uns gegenüber stehen die Camper von Trek America wie begossene Pudel am Van, haben sich mit Kapuzen notdürftig vor dem Regen geschützt und bereiten das Frühstück zu. Bei der Campgrounderkundung hatte ich eine grosse, überdachte Picnic-Area gesehen und ich schlage vor, unser Frühstück dahin zu verlegen. Wir laufen zum Auto und fahren zur Picnic Area, wo wir uns einen Tisch ziemlich in der Mitte suchen, da der Wind ordentlich Regen unter die grosse Zeltkuppel bläst. Es ist kühl und nass, dazu ein böiger Wind, der unsere Frühstücksutensilien ordentlich durcheinander wirbelt. Frank holt schliesslich das Auto direkt neben die Überdachung und nachdem wir noch den Windschutz unseres Kochers mit Geschirr gegen die Böen beschwert haben, wird sogar das Kaffeewasser langsam warm und wir können frühstücken. Die Picnic Area liegt direkt gegenüber der Cabins und die Bewohner der einfachen Hütten hasten mit zum Teil abenteuerlichem Regenschutz zwischen Waschenraum und Cabin hin und her.

Mit Regen in Moab haben wir zuallerletzt gerechnet, den hätten wir eher in den Rocky Mountains erwartet. Die Planung für den heutigen Tag ist damit so gut wie gelaufen, da wir eigentlich die unbefestigte Strasse im Arches National Park zum Tower Arch und den Marshing Men bei den Klondike Bluffs fahren wollten. Auch unsere weitere Wunschliste in Moab: Onion Creek Road, Mary Jane & Negro Bill Canyon würde warten müssen. Nach dem Frühstück verschwindet Frank im Bad und nach dem Abwasch möchte ich mit dem Trailblazer zurück zum Zeltplatz um mit dem Abbau des Zeltes zu beginnen.

Daraus wird vorläufig aber nichts: beim Zurücksetzen gräbt sich der Trailblazer mit beiden Vorderrädern tief in den aufgeweichten Untergrund ein. Ich steige aus und betrachte mir die Bescherung: die Vorderreifen stecken in etwa 30 – 40 cm Tiefe im Kies fest. Ein Versuch, das Fahrzeug mit 4WD-Unterstützung und Vollgas aus dem Loch zu befreien, führt nur dazu, dass es noch tiefer einsinkt. Ich laufe die paar Meter zum Sanitärgebäude, öffne die Tür zum Herrenwaschraum und rufe: Frank, Du musst sofort kommen, unser Auto versinkt im Kies. Die Antwort ist ein: Ja, ja, ich komme gleich. Am Tonfall höre ich schon, dass Frank die Situation nicht ernst nimmt und ich bekräftige mein Hilfegesuch noch damit, dass es verdammt ernst ist.
Zurück am Auto, naht Hilfe aus den Cabins. Zwei Männer bieten mir spontan ihre Hilfe an und möchten das Fahrzeug aus dem Kies manövrieren. Ich lehne erst mal dankend ab mit dem Hinweis „my husband is coming“, da ich nicht sicher bin, ob ihre Fahrkünste besser sind als meine. Die komplette Umgebung der Vorderräder besteht aus losem Kies, ich als Fussgänger sinke bis zu den Knien ein und mir wird langsam mulmig, da ich die Tiefe der Löcher nicht richtig einschätzen kann. Nach 5 Minuten immer noch keine Spur von Frank und ich laufe nochmals zum Herrenwaschraum und brülle diesmal durch den Türspalt, er solle sich verdammt nochmal beeilen, das Auto würde immer weiter einsinken. Rund um die Vorderreifen, wäre nur noch lockerer Kies. Die Antwort ist ein Fluchen und die Aussage, er käme gleich.
2 Minuten später tritt er dann wirklich aus dem Waschraum und ich sehe ihn schon von Weitem mit dem Kopf schütteln und höre ihn brummeln, wie hast Du denn das angestellt. Meine Antwort besteht aus der Feststellung, dass er den Wagen auf die Picnic Area gefahren hat und dass ich ja nicht ahnen könnte, dass der Untergrund hier nicht so fest ist wie anderswo.

Nachdem Frank den Schlamassel näher inspiziert hat und auch die Bewegungen hinter den Fenstern der Cabins registriert hat, steigt er in den Wagen und versucht die Geländeuntersetzung zuzuschalten. Dies misslingt und so muss er mit Hi-4WD Vorlieb nehmen. Frank schaltet auf Getriebestufe 1 und gibt gefühlvoll Gas. Die Reaktion des Trailblazers ist jedoch nur ein Durchdrehen der Räder und das Spritzen von Kies. Er ruft mir zu, ich solle zwischen die Tische verschwinden. Nachdem ich mich dort in Sicherheit gebracht habe, gibt Frank Vollgas, wieder stiebt Kies durch die Gegend und das Auto fängt an zu schaukeln und sich leicht zu drehen. Diesmal schafft er es und alle vier Räder sind wieder frei und Frank rollt den Wagen langsam zum Parkplatz des Sanitärgebäudes.
Er geht zurück zur Picnic Area und betrachtet die Krater, die unser Trailblazer hinterlassen hat. Die Löcher sind so tief, dass man sich darin die Beine brechen könnte. Frank gibt mir noch die Anweisung, ich solle schon mal mit dem Schaufeln beginnen, er würde sich fertig anziehen, die Haare föhnen und mir dann helfen.
Mit unserer kleinen Klappschaufel schippe ich die Löcher zu. Ein zeitaufwendiges Unterfangen, also weiche ich auf Körpereinsatz aus und schiebe mit den Füssen/Beinen die aufgetürmten Kieshügel über den Rand in die Löcher, kniee nieder und glätte zum Schluss mit der Schaufel die Oberflächen. Als Frank aus dem Bad kommt, erinnert nichts mehr an unsere missliche Lage und Frank inspiziert anerkennend den Abschluss der Erdarbeiten.

Wir können sogar schon wieder lachen und bedauern es, dass wir in der Aufregung kein Foto unserer eingesunkenen Autos geschossen haben, dass wäre ein schöner Schnappschuss geworden. Ein letzter Lauf über die Picnic Area, noch immer ist der Kiesuntergrund an einigen Stellen so weich, dass man bereits als Fussgänger leicht einsinkt und wir beschliessen den Platzwart davon zu unterrichten. Doch zunächst verschwinde ich im Waschraum, um mir den Schlamm abzuspülen und mich Abreisefertig zu machen. Es regnet noch immer, als wir das klatschnasse Zelt abschlagen und es in einem grossen Müllsack im Kofferraum verstauen. Bei unseren Nachbarn unter dem Pavillion ist der Zeltabbau auch nicht angenehmer, der Wind hat auch hier den Regen so unter das Überdach gepeitscht, dass auch deren Zelte vor Nässe triefen.

Wir checken aus und unsere Information über den bedenklichen Zustand der Picnic Area stösst beim Angestellten auf ein ungläubiges bzw. uninteressiertes „Really, we will check this later“. Da unser Vorrat an Speicherkarten und Mini-DV-Bändern sich dem Ende zu neigt, biegen wir Richtung Moab Zentrum ab und kaufen bei Radio Shack neue Bänder und eine 1 GB SD-Card, stocken im City Market unsere Lebensmittel auf und verlassen ein regnerisches Moab in Richtung Arches National Park.

Die Sicht ist so trüb, dass man von den La Sal Mountains nichts sieht. Über dem Arches National Park sind zwischen den dunklen Regenwolken noch einige Flecken grau-blauen Himmels zu sehen und so wollen wir unser Glück im Arches National Park versuchen. Wallstreet und Courthouse Towers werden bereits von der Schlechtwetterfront verdunkelt.

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Über der Window Section machen wir noch blauen Himmel aus und wir biegen ab, um vielleicht noch ein Foto des Double-Arches ohne Schatten zu schiessen.

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Vorbei an der Parade of Elephants erreichen wir die Schleife der Window Section.

Kaum haben wir den Wagen geparkt, verschwindet jedoch auch hier das letzte Blau unter den grau-schwarzen Regenwolken und gerade als wir aussteigen wollen, trommeln die ersten Regentropfen auf die Windschutzscheibe. Wir hoffen noch auf einen kurzen Schauer, doch 15 Minuten später, klatscht der Regen mit unverminderter Intensität auf unser Fahrzeug. Ein Blick zum Himmel, bei Fierry Furnance und im Devils Garden könnte es noch trocken sein, aber auch über diesen Abschnitten drohen bereits düstere Wolken.

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Die Badlands-Szenerie des Salt Valleys und die Felsnadeln von Fierry Furnance finden sich in einem eigenartigen Zwielicht, das die Farben ganz gut zur Geltung bringt. Eingekesselt von gespenstisch grauen Regenwolken, scheinen dies die einzigen Orte im Park zu sein, die noch trocken sind.

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Wir schiessen ein paar Fotos und treffen in der Nähe des Sand Dune Arch Trailheads auf den zweiten Abzweig der Salt Valley Road. Hier startet die Rundfahrt durch das Salt Valley, doch die etwa 20 Meilen Tour auf unbefestigter Strasse können wir bei diesen Verhältnissen unmöglich riskieren. Wir fahren weiter Richtung Devils Garden und hoffen auf eine Regenpause. Der Parkplatz ist trotz des Mistwetters gut besucht und die Autos parken bis zum Campground am Strassenrand. Die Besucher sehen mit ihren Kapuzen und Regencapes aus wie die Zwerge und viele Unerschrockene machen sich auf dem Weg zum Landscape Arch.

Wir haben den Landscape Arch und den Primitive Trail des Devils Gardens bereits vor 6 Jahren bei bestem Wetter erlebt und fahren weiter, stoppen nochmal am Visitor Centre um uns nach dem Zustand der Salt Valley Road zu erkundigen. Die Ranger haben heute noch keine Kontrollfahrt unternommen, vermuten aber, dass die Strasse abschnittsweise impassable wäre – zumal einige Washes zu durchfahren sind. Das gleiche haben wir uns auch schon gedacht, und auch nicht ernsthaft grünes Licht für die Tour erwartet. Wir streifen nochmal durch den Shop, erstehen ein paar nette Souvenirs und verlassen dann den Arches National Park, über dem sich noch immer tiefschwarze Unwetterwolken ballen.

Die Wolken verfolgen uns hartnäckig und immer wieder müssen wir auf dem Highway 191 trotz 4WD die Geschwindigkeit fast auf Schritttempo reduzieren, da sich gewaltige Wassermengen über unser Auto auf die Fahrbahn ergiessen. Von den Felsen am Strassenrand schiesst das Wasser in braun-trüben Wasserfällen, sammelt sich in riesigen Pfützen und spült Schlamm und kleine Steine auf die Fahrbahn. Wie entfesselt toben die Naturgewalten und wir kommen nur sehr langsam vorwärts.

Mit Erreichen der Interstate lassen die Niederschläge ein wenig nach, doch unsere Sicht wird weiterhin entweder durch den Regen oder die aufschäumende Gicht eines vorausfahrenden Fahrzeugs eingeschränkt. Eigentlich wollen wir bis heute Abend im Capitol Reef National Park ankommen, doch bei den Unwettern können wir unsere Fahrzeit überhaupt nicht abschätzen. Je weiter wir auf der Interstate 70 nach Westen fahren, desto heller wird es. Die tiefschwarzen Regenwolken werden von Grauen Quellwolken abgelöst, aus denen kaum noch Niederschlag fällt. Als wir den Exit zum Highway 24 erreichen, ist die Fahrbahn trocken, der Himmel noch immer wolkenverhangen, aber in der Ferne zeigt sich ein wenig Blau und wir können es kaum fassen, dass wir aus der Schlechtwetterzone herausfahren. Unsere Stimmung steigt, als wir uns der Abfahrt zum Goblin Valley nähern und in der Ferne den Temple Mountain erblicken, dazu die ersten Sonnenstrahlen und Sanddünen, die mit gelben Blumen im Vordergrund ein reizvolles Fotomotiv bilden.

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Goblin Valley und den Little Wild Horse Canyon kennen wir bereits von unserer letzten Tour, irgendwann werden wir aber nochmal in die San Rafael Swell zurückkehren, um auch die anderen Slotcanyons und die tollen Sandsteinformationen zu erkunden. Für die Horseshoe Canyon Unit des Canyonlands National Park mit den bekannten Felszeichnungen der Great Gallery haben wir heute ebenfalls keine Gelegenheit, besonders da wir den Zustand der unbefestigen Zufahrtstrasse nicht kennen. Über Hanksville werden die blauen Wolkenlücken zahlreicher und da ich Franks Abneigung gegen Hanksville kenne, mache ich mir einen Spass und filme die Ortsdurchfahrt. Frank tut mir sogar den Gefallen und fährt nochmal zurück, sodass wir beide Seiten der „Mainstreet“ auf Film haben. Wir entdecken unser Motel von vor 6 Jahren – Best Value Inn. Dieses hielten wir im letzten Jahr noch für geschlossen, heuer überrascht uns aber ein neu gebauter Swimming Pool mitten im Hof, und so kommen wir zu dem Schluss, dass die Besitzer noch immer auf Gäste warten. Dafür scheint der Besitzer des Supermarkts aufgegeben zu haben und ich bedaure die Einwohner, die für einen Einkauf eine halbe Tagesreise auf sich nehmen müssen.

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In der Ferne entdecken wir die schneebedeckten Gipfel der Henry Mountains, die sich über den Badlands am Highway 24 erheben.

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Bei Caineville treffen wir auf den Factory Butte, dessen verwitterte Felsabbrüche einst Meeresboden bildeten und die ihren Reiz von der schieren Grösse und der isolierten Erhebung in der ansonsten völlig flachen Landschaft bezieht.
Der Highway 24 führt an einigen wenigen Farmen durch weitgehend unbesiedeltes Gebiet.

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Wir merken uns die Abfahrt zur Caineville Wash Road und der Hartnet Road, registrieren, dass der Fremont River eine Menge Wasser führt und hoffen auf eine durchfahrbare Furt für den Cathedral Valley Loop am morgigen Tag. Als wir den Capitol Reef National Park erreichen, haben sich die dunklen Wolken fast vollständig verzogen und die roten und gelben Felsformationen strahlen wie verzaubert im sanften Licht der langsam sinkenden Sonne. Den Highway 24 durch den Capitol Reef National Park sind wir zuletzt vor 6 Jahren gefahren und wir können uns kaum noch daran erinnern, Umsomehr begeistert uns jetzt diese tolle Canyonlandschaft. Ein Stopp an der Behunin Cabin und am Grand Wash frischt unsere Erinnerungen auf. Die Petroglyphen entdecken wir sogar beim Blick durchs Fernrohr von der Strasse aus. Auch das Fruita School House erkennen wir sofort wieder, ebenso die markante Felsformation mit den trutzigen Pfeilern: The Castle drohnt gegenüber vom Visitor Centre. Leider bereitet uns das Schild des Fruita Campgrounds keine Freude: FULL. Was nun ? Wir wollten eigentlich hier in der grünen Fruita-Oase bei angenehmen Temperaturen zelten. Müssen wir eben bis nach Torrey weiterfahren.

Doch zunächst stoppen wir am Chimney Rock und bewundern diesen bizarr verwitterten, rostroten Felsen, der sich wie eine Barriere über den bereits durch Erosion abgetragen Schichten ausbreitet.

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Wir machen den kurzen Abstecher zum Panorama Point und bestaunen den reizvollen Kontrast aus zerklüfteter, roter Canyonlandschaft und den schneebedeckten Gipfeln der Boulder Mountains am fernen Horizont.

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Noch ein letzter Blick auf den Highway 24 und es wir Zeit, sich um eine Bleibe für die Nacht zu kümmern.

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Wir verlassen den Capitol Reef in Richtung Torrey, dort sind im AAA Campbook die nächsten Plätze gelistet und unsere Wahl fällt auf den Thousand Lakes RV Park. Auf den 11 Meilen zwischen Fruita Oase und Torrey überwinden wir einen Höhenunterschied von etwa 400 m und beim Volltanken an der Kreuzung mit dem Highway 12 frösteln wir ziemlich und richten uns für eine eiskalte Nacht zu Füssen der schneebeckten Boulder Gipfel.

Der Thousand Lakes RV Park liegt nicht weit vom Highway in Richtung Bicknell und nach einer Rundfahrt über den mit RVs gut besuchten Platz und einem Temperatur-Check parken wir vor der Registration, um nach einem Zeltplatz zu fragen. Die Registration ist gleichzeitig auch die Kasse des angegliederten Campstores und so dauert es eine Weile bis wir an der Reihe sind. Derweil haben wir Gelegenheit, den Wetterbericht zu studieren, der an einem Infoboard neben der Theke hängt: Tiefstemperaturen zwischen 25 und 30 ° F, was einer Temperatur im einstelligen Minusbereich der Celsius-Skala entspricht. Brrr. Unsere Frage nach einem Zeltplatz beantwortet der ältere Herr hinter der Theke mit einer Gegenfrage: ob wir wissen, wie kalt es hier Nachts wird und ein Camper im RV rät uns ebenfalls vom Zelten ab. Alle Cabins auf dem Platz sind belegt und so empfiehlt uns der Herr ein Motel und lässt uns die Option offen, dass wir auch nach Schliessung der Registration zurückkommen und unser Zelt auf einem der allesamt unbelegten Tentsites aufbauen dürfen. Da das Preisniveau in Torrey gerade am Wocheende hoch sei (kein Zimmer unter 70 Dollar), empfiehlt er uns, die paar Meilen bis nach Bicknell ins Aquarius Inn zu fahren. Wir bedanken uns freundlich und wundern uns darüber, dass sich der nette alte Herr so um unser Wohlergehen sorgt, dass er überhaupt nicht an sein Geschäft denkt.

Bevor wir aber nach Bicknell in ein Motel gehen, möchten wir lieber in einer urigen Cabin übernachten und fahren zurück Richtung Torrey. Cabins und Schlafräume der Sand Creek Hostel sind entweder belegt oder reserviert, auch die einfachen Hütten der Trading Post und die anderen Cabins in Torrey sind vermietet, ebenso die Miet-Trailer auf dem Wonderland Inn-RV Park. Versuchen wir es doch mit einem Motel: No Vacancy an den Unterkünften die „günstig“ ausschauen. Das Days Inn möchte 85 Dollar + Tax haben – ist uns zu teuer. Mittlerweile ist es dunkel und Zeit die 9 Meilen bis nach Bicknell zu fahren.
Bicknell ist kleiner als wir erwartet haben, es gibt nur 2 Motels im Ort, eines ist das Aquarius Inn, das andere gefällt uns besser, aber es ist kein Zimmer mehr frei. Unentschlossen fahren wir zum Aquarius Inn zurück und betreten frierend das Office. Vor uns warten noch andere Reisende auf ihre Receipt und als wir an der Reihe sind, klingelt das Telefon. Der ältere Herr (vielleicht ein Schulfreund des Herren vom Thousand Lakes Park) drückt das Gespräch aber weg und fragt uns nach unseren Wünschen. Wir wünschen ein Zimmer und fragen nach dem Preis. Es kostet 48 Dollar + Tax, leider wäre es ein Raucherzimmer, alle anderen Räume sind bereits vermietet. Wir nehmen es ungesehen und der Herr holt sich das Gespräch zurück und bedauert, dass er soeben das letzte Zimmer an Gäste vermietet hat, die bereits im Office gewartet haben. Das finden wir anständig und nach kurzer Zeit sind die Formalitäten erledigt, wir erhalten eine Speisekarte des Restaurants und den Hinweis, dass wir bei Benutzung des Indoor-Pools dort kostenlose Handtücher erhalten.

Mit dem Zimmerschlüssel in den Händen fahren wir kurze Zeit hinüber zum anderen Block und nehmen unsere Bleibe in Augenschein. Es riecht deutlich nach Zigarettenrauch, ausserdem ist es noch kalt. Es ist aber sauber und wir haben keinen Grund zur Beanstandung. Nachdem wir die Heizung angeworfen haben, entladen wir unser Gepäck und kümmern uns ums Abendessen. Für einen Beusch des Pools sind wir zu faul und zu müde und so haben wir nach längerer Zeit mal wieder die Gelegenheit amerikanisches Fernsehen zu schauen. In den Nachrichtensendern werden mir mit sich ständig wiederholenden Berichten über den plötzlichen Tod des Sohnes von Anna Nicole Smith „gequält“. Nachdem wir uns noch die Wettervorhersage angeschaut haben, finden wir einen Dokumentationskanal und schauen uns nach einer Dusche eine Reportage über den Bürgerkrieg und anschliessend auf dem Outdoor-Kanal eine Lehrstunde über Angeln an, bevor wir nach diesem durchwachsenen Tag auf einer durchgelegenen Matratze im Aquarius Inn die Augen schliessen.

Übernachtung: Aquarius Inn Motel, Bicknell 51,12 USD

paddel
30.12.2009, 06:41
Klasse Bilder! Da werden Erinnerungen wach :D

Die Salatbar in Moabs Supermarket hatte es mir auch besonders angetan :bg:

Canyoncrawler
03.01.2010, 08:55
Samstag, 23. September 2006

Bevor wir nach dem Frühstück Richtung Capitol Reef National Park starten können, mühen wir uns mit einer CD-Hülle an den vereisten Autoscheiben ab und beschliessen, dass ein Eiskratzer unbedingt auf unsere Packliste gehört. Mit unserer Multifunktionsuhr messen wir die Aussentemperatur: -7° C. Mit Unterstützung von Heizgebläse, Klimaanlage und Heckscheibenheizung haben wir die Scheiben in wenigen Minuten vom Eis befreit und fahren durch das frostige Bicknell Richtung Torrey. Entlang der Farmen am Ortsrand haben die Bewässerungsanlagen der Viehweiden die Landschaft in ein glitzerndes Wunderland aus Raureif und Eiskristallen verwandelt. Kleine Rinnsale am Highwayrand sind zu spiegelnden Eisströmen erstarrt, darüber lacht bereits die Sonne von einem beinahe wolkenlosen Himmel. Die schneebedeckten Gipfel der Boulder Mountains bilden eine würdige Kulisse für die frostige Frühwintervorstellung.

Wir sind früh dran, es ist erst 8.00 Uhr als wir Torrey erreichen und den Aufbruch einer Gruppe Motorradfahrer mitbekommen, die bereits in voller Ledermontur ihre schweren Highwaycruiser vor einem Motel warm laufen lassen. Im Capitol Reef National Park gönnen wir uns den erneuten Halt am Panorama Point und den kurzen Abstecher zu den Goosenecks bevor wir am Visitor Centre stoppen, um uns nach dem Zustand der Cathedral Valley Loop Road zu erkundigen.

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Goosenecks of the Sulphur Creek (das Foto ist von 2007, 2006 haben wir kein Foto geschossen – also ein wenig geschummelt ;-) )

Das Visitor Centre ist gut besucht und einige Besuchergruppen in Wanderkluft umlagern die Rangerpulte. Unsere Frage nach der Passage der Fremont River Furt an der Hartnet Road beantwortet die Rangerin mit einer Gegenfrage. Was wir für ein Auto hätten und ob wir Erfahrung auf unbefestigten Strassen und bei der Querung von Flussbetten hätten. Wir berichten von unseren ‚Referenzen’, dass wir vor 2 Tagen in Canyonlands den Shafer Trail mit einem Trailblazer, im letzten Jahr eine muddy Cottonwood Canyon und House Rock Valley Road gemeistert hätten. „Try it“ ist ihre Antwort und sie händigt uns noch ein Faltblatt mit den Sehenswürdigkeiten des Cathedral Valleys aus und wünscht uns einen schönen Tag.

Etwa 11 Meilen östlich des Visitor Centres zweigt die markierte Hartnet Road nach Norden ab. Nach ca. 600 m stehen wir vor dem Fremont River und der Wasserstand lässt mir erst einmal das Herz in die Hose rutschen. Frank ist wagemutiger und als ich mich noch frage, wo die Strasse aus dem Flussbett hinausführt, pflügt unser Trailblazer schon in nordöstliche Richtung durch die Fluten des Fremont. Etwa 100 m weiter fährt Frank unser Fahrzeug vorsichtig aus dem steinigen Flussbett und schlägt ernsthaft eine erneute Durchfahrt für die Videokamera vor. Die Kamerafrau droht mit Streik und so setzen wir unsere Fahrt fort, weiter in Richtung der Bentonite Hills.

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Die öde flache Landschaft wird schon bald von den farbenfrohen, hügeligen Badlands der Bentonite Hills abgelöst.

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Von Weiss über Braun, Rot bis Purpurfarben sind in Bentonite alle farblichen Schichten vertreten. Vegetation findet man entlang dieser sanften Hügelketten keine, da die Pflanzenwurzeln das Quellen und Verfestigen des im trockenen Zustand lockeren Materials bei Niederschlägen nicht überleben. Wir brauchen uns heute ausnahmsweise mal nicht um Regen zu sorgen, nur wenige Wolken bringen Kontrast in den sattblauen Himmel. Am westlichen Horizont begrenzt die zerklüftete Waterpocket Fold die weitläufige Ödnis. Unser Auto bringt uns nach 9 Meilen zu den Bentonite Hills.

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Hier windet sich die Strasse in sanften Kehren die Bentonite Hügel hinauf zu The Hartnet, einem Plateau über der South Desert.

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Bis zum Abzweig des Lower South Desert Overlook (nach etwa 14 Meilen) haben wir noch kein anderes Fahrzeug gesehen und wir geniessen unseren Ausflug in diese menschenleere Weite. Den Trailblazer parken wir am Trailhead und folgen dem mit Steinmännchen markierten Pfad zu einem Aussichtspunkt. Auf einer Felsstufe, 120 m über dem Talgrund, überblicken wir das weitläufige Tal das parallel zur Waterpocket Fold verläuft.

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Vom Talboden erheben sich die beeindruckenden Formationen des Temple und Jailhouse vor den Thousand Lake Mountains im Hintergrund. Zurück am Auto treffen wir auf ein weiteres Fahrzeug. Die Insassen steigen beim Anblick eines Trails direkt wieder ins Auto und fahren weiter. Wir geben ihnen noch ein wenig Vorsprung und brechen dann ebenfalls auf. Nach etwa 3 Meilen lassen wir den Trail zum Upper Cathedral Valley rechts liegen und biegen nach etwa 10 weiteren Meilen auf die Nebenpiste zum Upper South Desert Overlook ab. Hier treffen wir auf eine guided Tour, ein Outfitter aus Torrey führt zwei Franzosen. Wir folgen einem Pfad einen Hügel hoch und unvermittelt öffnet sich der Blick auf eine weitläufige Szenerie aus erodiertem Gestein.

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Ein Vogel müsste man sein, um die gigantischen Ausmasse der Landschaft zu erkunden. Zu Fuss kann man hier tagelang umherstreifen ohne einem Menschen zu begegnen. Wir begnügen uns mit einem kleinen Aussichtsplateau, das man über einen etwas ausgesetzten Pfad erreicht, nehmen schweigsam das Gefühl von Grösse und Erhabenheit in uns auf, bevor wir mit dem Auto zum nächsten Viewpoint weiterfahren. Die Strasse zum Upper Cathedral Valley Overlook ist in einem miserablen Zustand.

Wir parken an der Kreuzung und laufen die halbe Meile zu Fuss. Am Parkplatz des Overlook treffen wir wieder auf den Guide aus Torrey, der in seinem Wagen luncht. Wir wechseln ein paar Worte und begegenen auf dem Trail zum Viewpoint den beiden Franzosen, die gerade auf dem Rückweg sind. Also haben wir diesen First-Class-Aussichtspunkt wieder für uns alleine, laufen an der Abbruchkante entlang und suchen den besten Standplatz für ein Foto.

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Die Sonne ist mittlerweile hinter einigen Wolken verschwunden und es dauert eine Weile bis wir eine Wolkenlücke zum Fotographien und Filmen nutzen können. Frank turnt auf einem Plateau herum und hat es schwer, ohne Abzustürzen einen dornigen Strauch zu passieren um die Freifläche dahinter zu erreichen. Seine nicht gerade unscheinbare Statur ist in der weitläufigen Landschaft kaum auszumachen.

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Im Tal ragen bis zu 150 m hohe majestätische Felskathedralen auf und reihen sich perlenkettengleich aneinander. Im Hintergrund erkennt man die massiven Felswände der Walls of Jericho. Die lunchenden Franzosen erinnern uns an unsere knurrenden Mägen.

Wir passieren verschiedene Abzweige, u.a. die Kreuzung mit der Thousand Lakes Mountain Road, die sich über eine sehr steinige Piste in alpine Höhen schraubt und via Forsyth Reservoir auf die State Road 72 bei Fremont trifft. Die 5 Stellplätze des Cathedral Valley Campgrounds liegen verlassen da. Wir nutzen einen der Picnic Tables zum Kochen und stärken uns in dieser einsamen, wilden Landschaft mit einer Portion Chef Boyardee Nudeln in Tomatensauce, packen nach dem Kochen unseren Müll ein und nach einem Besuch der Pit Toilet sind wir wieder on the Road. Wir fahren über steinige Serpentinen Richtung Lower Cathedral Valley ab, halten am Strassenrand um die Monolithen der Middle Desert zu bewundern, laufen querfeldein und platzieren uns vor den beeindruckenden Steintempeln.

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Ein weiteres Fahrzeug fährt vorbei – die 3 Amerikaner die sich am South Desert Overlook als etwas fussfaul präsentierten sind jetzt wieder vor uns. Wir gönnen ihnen noch etwas Vorsprung, streifen durch die stachlige Vegetation zum Fusse der Felsgiganten und treffen auf vereinzelte, getrocknete Kuhfladen und fragen uns, wessen Rinder sich in dieses abgelegene Gebiet verirrt haben.

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Für unser Auto ist jetzt Schluss mit lustig, die Strecke entwickelt sich langsam zu einer Rallye durch trockene Flussbetten. Immer wieder verliert sich die Strasse in Washes, das bedeutet vorsichtig abbremsen, Auto sachte ablassen, nach Felsbrocken Ausschau halten, auf der anderen Seite mit Gefühl aus dem Flussbett steuern und schnell Gas geben, da die Ränder der Washes teilweise ziemlich sandig sind.

Wir verlassen die Grenzen des Capitol Reef National Park, fahren auf kurviger und teilweise steiniger und ausgewaschener Strecke Richtung Caineville, queren unzählige Washes und möchten nur noch ankommen, an den bekannten Monolithen des Lower Cathedral Valleys. Zwischendurch verliert sich die Strasse völlig in einem Wash und wir fahren mehrere hundert Meter durch das felsige Bett des Wasserlaufs.

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Als wir endlich in die Piste zum Temple of the Sun, Temple of the Moon einbiegen, bin ich schon ordentlich durchgerüttelt und erschöpft von den zahlreichen Washquerungen. Der Anblick der beiden 120 m hoch vom Talboden aufragenden Solitärfelsen belebt unseren Entdeckergeist. Schnell ist die Kamera geschnappt und wir springen aus dem Fahrzeug um uns die Steintempel aus der Nähe anzuschauen.

Die poetischen Namen -
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Temple of the Sun und

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Temple of the Moon – erinnern an geheimnisvolle Bräuche und Rituale. Wie mögen sich die Ureinwohner die Entstehung dieser Naturwunder erklärt haben? Vor lauter Begeisterung für die Kathedralen vergessen wir den Glass Mountain zu fotografieren und erinnern uns nur noch an die marmorartige Struktur der Felsen in der Umgebung. Nachdem die Fotos im Kasten sind prüft die Caineville Wash Road weiter die Leidensfähigkeit des Beifahrers.

Beim Stand von über 40 Wash-Querungen habe ich es irgendwann aufgegeben, die Flussbetten zu zählen, durch die wir heute gefahren sind. Frank ist noch immer guter Dinge und geniesst die Offroad-Einlagen sichtlich. Bei interessanten geologischen Features hält er immer wieder an. Mein Gesicht hellt sich erst wieder auf, als ich bei den Caineville Badlands immer wieder Hoodoos entdecke und am liebsten direkt loslaufen würde um die Gegend zu erforschen.

Mittlerweile ist es später Nachmittag und höchste Zeit für Asphalt unter den Rädern, da wir im Capitol Reef noch den Trail bis zur Hickman Bridge laufen wollten. Doch daraus wird vorläufig nichts, da wir auf den verbleibenden 16 Meilen von den Tempeln bis zum Highway noch immer durch die trockenen Wasserläufe der Caineville Wash Road rumpeln.

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Im unteren Abschnitt fahren wir durch farbenfrohe Badlands

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- ähnlich denen an der Hartnet Road und ich bin happy, als wir nach etwa 7 Stunden auf dem 57 Meilen Kurs des Cathedral Valleys bei Caineville auf den Highway 24 West einbiegen können. Für die Wanderung zur Hickman Bridge und Pectols Pyramid ist es heute zu spät, geplant ist die Übernachtung auf dem Campground der Calf Creek Recreation Area am Highway 12. Doch wir liebäugeln mit dem Fruita Campground und der Wanderung in den Morgenstunden. Das erledigt sich, als wir die Abfahrt zum Scenic Drive passieren und uns das „Campground full“-Schild entgegen lacht.

Jetzt heisst es Meilen machen, bis zur Recreation Area in der Nähe von Boulder ist es noch ein gutes Stück durch den Dixie National Forest. Dieser Abschnitt ist einer der schönsten und führt durch eine wunderbare Waldlandschaft aus Nadel- und Laubbäumen. Es dämmert bereits und zwischen Grover und Boulder sind mehr Rinder als Fahrzeuge unterwegs. Gelbe Flaggen an den Open Range-Verkehrsschildern signalisieren Gefahr und immer wieder werden wir von direkt neben der Strasse weidenden Kühen und Kälbern zum Anhalten gezwungen. An einem Viewpoint halten wir und geniessen bei beissender Kälte den Kontrast aus sattgrünen Wäldern, dem tiefblauen Wasser des Oak Creek und dem gelb-roten Gestein der weitläufigen Canyonlandschaften.

Ab Boulder sind es noch etwa 12 Meilen bis zur Calf Creek Recreation Area und wir liefern uns ein aussichtsloses Rennen mit der untergehenden Sonne. Im letzten Licht des Tages biegen wir in die Zufahrt zur Recreation Area ein und können unsere Hoffnung auf eine Campsite auf diesem beliebten Campground kurze Zeit später begraben. Alle Stellplätze incl. der 3 Walk-in-Sites für Zelte sind belegt und wir müssen noch weitere 15 Meilen fahren - bis nach Escalante. Inzwischen ist es so dunkel, dass wir von den grandiosen Landschaften der Escalante Canyons links und rechts der Strasse nichts mehr sehen. Wir erreichen Escalante und der kleine Ort liegt noch immer ziemlich verträumt am Rande eines grossartigen Naturparks, dem Grand Staircase Esclante National Monument. Die Fenster der wenigen Gastronomiebetriebe sind heimelig erleuchtet und die Escalante Outfitters vermieten schnuckelige Cabins.

Doch heute halten uns die gemütlichen Hüttchen nicht vom Zelten ab und wir und steuern unsere 2. Wahl für die Übernachtung an. Es ist der Escalante Petrified Forest State Park und wir bangen um einen freien Platz auf dem 22 Sites umfassenden Campground. Etwa 2 Meilen westlich von Escalante biegen wir in die befestigte Zufahrtsstrasse ein und erwischen einen der wenigen freien Stellplätze. Wieder einmal im Dunkeln errichten wir unser Zelt. Da es tratschnass direkt aus der Mülltüte kommt und wir ihm noch etwas Zeit zum Abtrocknen geben müssen, erledigen wir vor dem Einräumen der Schlafutensilien die Self Registration, entfachen ein Campfire und beginnen mit den Vorbereitungen fürs Abendessen. Nach dem Essen kümmert sich Frank um die Zelteinrichtung und ich gehe zum Geschirrspülen.

Die Dish-Washing-Station erinnert mehr an eine Zapfanlage und ich bin mir nicht sicher, ob es tatsächlich das Spülbecken ist. Unser Platznachbar, ein Kanadier aus British Columbia beruhigt mich und beim Abwasch machen wir uns miteinander bekannt. Er und seine Frau stammen aus der Nähe von Kamlooops und sie sind mit zwei BMW-Motorrädern unterwegs. Am Campfire erzählen sie uns, dass sie mit den Bikes die Küstenstrasse via Washington und Oregon bis nach Kalifornien gefahren sind, anschliessend über Death Valley nach Las Vegas und zum Grand Canyon. Jetzt sind sie hier und wollen noch bis zum Bryce Canyon und anschliessend über Salt Lake City und die Rocky Mountains zurück nach Kanada. Nachdem wir noch eine Weile geplaudert haben, fallen wir hundemüde ins Zelt und schlafen bereits bevor die letzten Scheite unseres Campfires verglüht sind.

Übernachtung: Escalante Petrified Forest State Park 15 USD

Canyoncrawler
03.01.2010, 08:58
Sonntag, 24. September 2006

Nach Frühstück und Köperpflege sitzen wir bereits zeitig im Auto und fahren die 2 Meilen in Richtung Escalante. An der Tankstelle am Ortsausgang tanken wir voll und stoppen zunächst am Visitor Centre. Das Besucherzentrum kennen wir bereits vom letzten Mal, nur ist es heute viel voller hier. Die Rangerpulte sind umlagert von Besuchertrauben, von denen nicht alle so aussehen, als würden sie einen Fussmarsch von mehr als einer Meile im heissen Wüstenklima überstehen. Wir sehen uns um und finden den Wetter- und Strassenbericht an einem Infoboard auf dem Parkplatz. Ein Lächeln huscht über unsere Gesichter: alle Strassen im Grand Staircase sind befahrbar. Für Hole in the Rock Road (HitRR) und Cottonwood Canyon Road (CCR) lautet der Zustandsbericht: passable by Passenger Car. Das Wetter meint es ebenfalls gut: mostly sunny – was will man mehr.

Etwa 4,5 Meilen ausserhalb von Escalante in Richtung Boulder biegen wir auf die Hole-in-the-Rock Road (HitRR) ein und kurze Zeit später fahren wir, eingehüllt in eine grosse Staubwolke, zügig die gute Gravelroad nach Süden. Bei einem Fotostopp überholt uns die Wolke aus feinem Staub und lässt uns schnell zurück ins Fahrzeug flüchten. Der Zustand der HitRR ist hervorragend. Mit sorglosen 45 mpH brettern wir die gegradete Backroad hinunter, rechterhand begrenzen die Aufwerfungen des Kaiparowits Plateau unsere Sicht, linkerhand erstreckt sich die Landschaft der Canyons of the Escalante schier bis ins Unendliche. Wir passieren nach knapp 11 Meilen die Abfahrt zum Harris Wash und merken uns bei Meilenstand 12,3 den Abzweig zum Devils Garden für den Nachmittag vor. Die nächsten Abfahrten zum Egypt Trailhead, Left Hand Collet Road und Early Weed interessieren uns diesmal nicht und so biegen wir nach etwa 26 Meilen nach Links in den Dry Fork Turnoff ein (BLM Road 252 / 253).

Bis zum Trailhead am Ende der BLM Road 252 sind es etwa 2 Meilen über eine ausgewaschene Dirtroad mit vielen Schlaglöchern und Rippen, für Strassenfahrzeuge möglicherweise problematisch. Am Trailhead parken bereits 5 Geländewagen und gerade marschiert eine vierköpfige Gruppe unter lautem Geschnatter los. Wir finden ein Plätzchen für unseren staubbedeckten Trailblazer und packen die Rucksäcke. Unsere Trekking-Wassersport-Sandalen trocknen neben dem Zelt in der Sonne und wir ärgern uns gründlich, dass wir unsere Wadingboots nicht zur Verfügung haben. In flachen Trekkingschuhen laufen wir los und uns bleibt noch die Hoffnung auf trockene Gumpen im Peek-a-boo Slot Canyon. Unsere Cowboyhüte bleiben im Wagen, in den engen Canyons wären die ausladenen Hutkrempen nur hinderlich. Frank setzt stattdessen seine Baseballcap auf, ich verzichte auf Sonnenschutz, grösstenteils werden wir uns in den schattigen Canyons aufhalten. An der Registraturbox tragen wir uns ins Trailbook ein und beginnen kurz darauf über griffigen Fels eine steile Felskante nach unten zu klettern.

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Steinmännchen leiten uns sicher über Felsbänder und durch sandige Passagen. Am Ende des Hangs können wir bereits den Einstieg ins Flussbett erkennen. Der schattige Zustieg in die Dry Fork of the Coyote Gulch ragt wie eine klaffende Wunde aus der zerklüfteten Felslandschaft.

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Vorbei an grünem Bewuchs laufen wir auf die gähnende Öffnung im Fels zu und verschwinden kurze Zeit später zwischen den schattenspendenden Felswänden. Hier kann man noch nicht von Narrows sprechen. Das Flussbett ist weit, auf der rechten Seite laufen wir durch lockeren Sand direkt an der glatt geschliffenen Felswand entlang, links türmen sich Hügel von Sand. Fußspuren verraten uns, dass wir auf dem richtigen Weg sein müssen. Gelegentlich ist der Weg mit Cairns (Steinmännchen) markiert.

Wir folgen dem Weg weiter durch den lockeren Sand und stehen bald vor dem Eingang des Peek-a-boo-Canyons. Vor uns hadert eine Familie mit dem Eingang in etwa 4 Metern Höhe. Die Mutter findet es zu gefährlich, die Kinder und der Vater möchten in den Canyon klettern. Nach kurzer Diskussion setzt sich der abenteuerlustige Teil der Familie durch und der Junge klettert geschickt unter Zuhilfenahmen der Trittkerben nach oben. Seine Schwester folgt ihm im zügigen Tempo bevor sich der Vater anschickt ihnen nachzuklettern. Hoch oben stockt die Versammlung und es beginnt eine neue Debatte, anscheinend steht Wasser im Canyon.

Wir geben ihnen noch etwas Vorsprung und wenden uns zunächst nach Westen, in etwa 200 m Entfernung haben wir eine unscheinbare Öffnung in der Felswand entdeckt, der Eingang zu den Upper Narrows. Die Felswände stehen gut 2 m auseinander und verengen sich auch nach einigen Windungen nicht merklich. Zurück am Peek-a-boo Slot treffen wir auf die Amerikaner, die mit nassen Füssen die Peek-a-boo-Erkundung abgebrochen haben. Jetzt sind wir an der Reihe. Ich klettere zuerst. Direkt unter dem Einstieg befindet sich ein grösseres Schlammloch. Ich überquere es mit einem grossen Schritt und stelle mich auf einen Felsbrocken, damit meine Schuhe schlammfrei bleiben. In die Felswand hat jemand Trittkerben gemeisselt, die bereits durch Schlamm rutschig geworden sind. Der Aufstieg gelingt trotzdem im 1. Versuch und in etwa 4 m Höhe inspiziere ich den Canyoneingang und winke zu Frank runter, dass er hochkommen soll. Der fotographiert noch und erwischt mich mit einem Schnappschuss mit den Händen vorm Gesicht beim Nase putzen.

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Diese Geste kann man auch anders deuten: Oh Gott, ist das hoch, wie komme ich hier wieder runter. ;-) Statt ich runter, kommt Frank hoch und ist, beladen mit 2 Kameras, beim Klettern leise am Fluchen. Der Aufstieg ist kein Problem, aber ein Sturz und das teure Foto- und Videoequipment wäre hinüber. Wir klettern über eine Felsbarriere tiefer in den Canyon und stehen vor einem gewaltigen Pool, gefüllt mit schmutzig-schlammigem Wasser. Die Überquerung trockenen Fusses würde nicht einfach werden. Doch wir wollen noch weiter, bis zu den Fenstern im Canyon. Diese Felsdurchbrüche sind ein schönes Fotomotiv. Ein amerikanischer Hiker in Teva-Sandalen hat mittlerweile zu uns aufgeschlossen und wir unterhalten uns kurz. Er rät uns zu dem Rundweg über Peek-a-boo und Spooky. Der Cross-Country Weg wäre mittlerweile gut markiert und man könnte sich praktisch nicht mehr verlaufen. Doch vor dem Ausgang warten noch zahlreiche Pools mit trüber, brauner Brühe. Der Amerikaner schickt sich an, mit seinen Sandalen die geschliffenen, rutschigen Canyonwände zu erklimmen und rutscht ab und steht mehr als knöchelhoch in der trüben Suppe. Jetzt ist es egal und er schwingt sich mit dem Hintern zuerst auf die Felsbarriere, die das Wasserloch vom nächsten Pool trennt. Er berichtet uns, dass auch hier im nächsten Trog Wasser steht, allerdings nicht mehr ganz so hoch wie im ersten.

Frank schaut mittlerweile besorgt auf seine nagelneuen Trekkingschuhe, in den Jack Wolfskin Tretern hat er noch keine 50 Kilometer zu Fuss zurückgelegt und er möchte sie ungern ruinieren. Ich habe eigentlich auch keine Lust auf nasse Füsse, speziell nicht, da es so unappetitlich trüb-braunes Wasser ist. Ich verkünde, ich werde den Pool trockenen Fusses überklettern und mir die nächsten Pools mal anschauen. Ich wähle eine andere Route als der amerikanische Hiker und ziehe mich an einer Felskante unter Aufbietung meiner gesamten Armkraft nach oben und gelange trockenen Fusses auf die Felsbarriere. Doch wo hin jetzt? Der nächste Pool ist anscheinend nicht so tief, aber dafür breiter. Ich versuche mit einem Spreizschritt die trockenen Anteile des Troges zu erreichen, keine Chance, langsam - in Zeitlupe - rutsche ich auf dem glitschigen Untergrund nach unten und stehe knöcheltief in der trüben Brühe. Frank kommentiert das Platschgeräusch mit einem „das habe ich mir gedacht, trocken schaffen wir das nicht“. Ich hebe meinen Fuss aus der Brühe, das Wasser steht gut 5 cm über den Schuhrand und mein Schuh ist bereits voll gelaufen. Meine Halbschuhe sind schon betagt und abgelaufen und sollten sowieso den Weg über den Teich nicht mehr zurück schaffen. Ich stakse durch den Pool und lasse mir die Kamera geben.


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Wenn die Füsse jetzt ehe schon eingesifft sind, kann ich auch genausogut noch ein wenig weiter in den Canyon und das Fenster fotographieren. Das kommt schon nach dem nächsten Pool, ich bin allerdings zu dicht dran und klettere wieder etwas zurück.

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Frank wartet noch immer in der Nähe des Canyoneingangs. Ohne ihn macht mir das Canyonklettern keinen Spass und schon bald stehe ich mit völlig verdreckten Schuhen, bespritzter Hose neben ihm am Eingang. Jetzt heisst es noch ohne Sturz wieder nach unten zu gelangen was mit den glitschigen, schlammigen Schuhen noch schwieriger ist. Nachdem ich die Wand zur Hälfte hinuntergeklettert bin, springe ich den Rest ab und es gelingt mir sogar, mich soweit von der Canyonwand weg zu katapultieren, dass ich nicht im Matsch lande. Frank folgt mir und klettert geschickt, mit SLR-Kamera und Camcorder bewaffnet, nach unten. Mit unserer dritten Kamera, der Digitalen, halte ich Franks Abstieg fest.

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Unten angekommen ist es Zeit für einen grossen Schluck aus dem Wasserpack und für einen Striptease. Damit wir uns an den engen Windungen des Canyons nicht die Haut aufschürfen, trägt Frank ein Sweatshirt und ich meine Fleecejacke. Diese Kleidungsstücke binden wir uns jetzt um die Hüften und nachdem ich meine Socken ausgewrungen habe sind wir bereit für neue Abenteuer und stapfen in östliche Richtung zunächst durch Tiefsand zum Spooky Canyon davon.

Ausser uns sind noch weitere Wanderer in der Dry Fork unterwegs, die meisten allerdings in umgekehrter Richtung. Bei der ersten Gelegenheit wechseln wir in das feste Bett des Dry Fork Wash, kommen jetzt zügig voran und legen den km bis zum Eingang des Spooky Gulch binnen kürzester Zeit zurück. Angeblich kann man den Canyoneingang beim Gehen im Wash auch übersehen, vielleicht haben wir einfach nur Glück, dass wir genau auf die gähnende Öffnung in der Felswand zulaufen und praktisch direkt vor dem Eingang der Spooky Gulch stehen.

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Der Canyon beginnt zunächst unspektakulär, die Felswände stehen etwa 3 m auseinander, binnen kürzester Zeit verengen sich diese so weit, dass Frank die Kamerataschen und ich den Wasserrucksack vor dem Bauch tragen muss. Wir schieben uns seitwärts durch die schmalen Windungen der Spooky Gulch. Auf einem Felsvorsprung in Augenhöhe liegt ein riesiger Skorpion, den ein vorsichtiger Wanderer getötet und ihm den Schwanz mit dem Stachel abgebrochen hat. Mit deutlich mehr Respekt betrachten wir jetzt den Canyon und schauen ganz genau in Felsnischen unter denen wir uns hindurchdrücken.

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Die Sonne steht nahezu senkrecht über dem Canyon, es ist schwierig ohne Stativ anständige Fotos zu schiessen. Von den Canyonwänden hallen unsere schlurfenden Schritte und die gedämpfte Unterhaltung wieder. Der Rückhall kündigt weitere Wanderer an: Zwei Frauen unterhalten sich unüberhörbar und jauchzen immer wieder lautstark. Wir schieben uns bis zu einer Ausbuchtung im Canyon, wo wir die beiden bequem passieren lassen können. Doch die beiden sind stehengeblieben und machen keine Anstalten weiterzugehen. Also raffen wir unser Equipment und quetschen uns weiter durch die engen Felsschluchten und stecken bald fest. Die Amerikanerinnen vor uns und einen Felsspalt von nur etwa 30 cm Breite im Rücken. Die beiden Wanderer mit ihren bunten Kopftüchern, Trekkingblusen- und Hosen legen den Rückwärtsgang ein und nach etwa 10 m sind wir an einer Stelle wo wir zu viert bequem stehen können. Wir erfüllen die Bitte eines Fotos und knipsen die beiden Frauen, die ihre Köpfe lachend aus dem engen Canyongang strecken.

Hier in den Slotcanyons der Dry Fork werden Erwachsene wieder zu Kindern, es macht riesigen Spass durch die schmalen Canyons zu kriechen und sich immer wieder seitlich durch die engen Windungen zu schieben.

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Manchmal ist der Canyon in Brusthöhe so eng, dass wir auf allen Vieren durch den Sand robben müssen, an einigen Stellen klettern wir in Kamintechnik die seitlichen Canyonwände hinauf um vorwärts zu kommen. An einer solchen Stelle posieren wir abwechselnd für ein Foto.

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Leider sorgt senkrecht einfallendes Licht dafür, dass die Fotos nicht zu den Best Shots gehören.

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Immer wieder wirbeln wir beim Gehen, Krabbeln, Klettern Sand auf und schon bald sind wir eingehüllt in eine im Licht tanzende Wolke feinsten Sandes, der sich auch auf dem Filter unserer Objektive absetzt. Bevor die Kameras völlig gesandstrahlt werden, packen wir diese in die Taschen und quetschen uns noch weitere Meter durch diesen Funcanyon bevor wir umkehren.

Auf dem Rückweg kommt uns ein amerikanisches Ehepaar entgegen, die uns überreden wollen, mit ihnen gemeinsam den Rundweg über Spooky und Peek-a-boo zu laufen. Wir lehnen ab mit Hinweis auf die vielen Pools im Peek-a-boo und wünschen ihnen viel Spass. Im Nachhinein wäre es sicher doch möglich gewesen den Rundweg zu laufen, da man den Peek-a-boo Slot auch über einen etwa 800 m langen Pfad über einen Sandhügel umgehen kann und so vom Eingang zum Ausgang oder umgekehrt gelangen kann.

Am Ausgang des Spooky Gulch ist es Zeit für einen kleinen Snack und wir verspeisen jeder einen Power Bar Riegel und nehmen einen kräftigen Zug aus dem Wassersack. Die Sonne brutzelt unerbittlich vom Himmel, trotzdem entschliessen wir uns, zum Brimstone Gulch weiterzulaufen. Wir sind uns nicht sicher, wo er genau abzweigt, wir müssen zunächst östlich dem Verlauf des Washs folgen. Prophylaktisch krame ich den Wanderführer von Peter Felix Schäfer - Wandern im Südwesten der USA und das GPS-Gerät hervor, schalte das Gitter auf UTM um und tippe die Koordinaten des Brimstone ein.

Luftlinie ist es wenig mehr wie eine Meile, tatsächlich windet sich der Wash in einigen Kehren zwischen den Felswänden hindurch, sodass die tatsächliche Wegstrecke sich entsprechend verlängert. An einigen Stellen ist das Bett bereits so trocken, dass der feste Untergrund von lockerem Sand durchzogen ist und wir laufen kreuz und quer und halten uns an den trockenen, aufgesprungenen, aber festen lehmigen Untergrund. Der Wash verengt sich und führt in eine Felsöffnung, deren Durchlass von einem Chalkstone etwa zu ¾ versperrt wird.

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Auf den Seiten ist jeweils ein schmaler Durchlass, dahinter ein Dryfall und der Canyonboden liegt in etwa 1,5 – 2 m Tiefe. Ich schaue etwas ratlos zu Frank, der meinen Blick mit einer Frage erwidert: Schaffen wir es hier wieder nach oben? Hier wäre etwas Reepschnur ganz nützlich, die wir als Aufstiegshilfe zurücklassen könnten, doch die liegt in unserem Wanderrucksack im Auto. Wir sind trotzdem optimistisch und ich klettere vor. Von unten sieht der Aufstieg schon deutlich schwieriger aus und mir schwant bereits, dass es viel Kraft kosten wird, sich hier wieder nach oben zu ziehen. Frank reicht mir die Kameras nach unten und ich fotographiere ihn, als er an dem gewaltigen Chalkstone vorbei nach unten klettert. Wir befinden uns jetzt in den Lower Narrows. Die Wände treten so eng zusammen, dass nur wenig Licht hineinfällt.

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Auf halbem Weg steckt ein weiterer riesiger Chalkstone wie ein Korken im Canyon fest und wir denken an Aaron Ralston, einen jungen Amerikaner der seinen Arm bei einer Canyontour eingebüsst hat, als ein riesiger Felsbrocken seinen Arm festklemmte und er, ohne Aussicht auf fremde Hilfe, in einem abgelegenen Canyon in den Canyonlands festsass und sich den eigenen Arm mit einem Taschenmesser amputierten musste um frei zu kommen.

Nach etwa 100 m weitet sich der Canyon wieder und wir treten hinaus in das lichtdurchflutete Bett des Coyote Creek. Ich bereue inzwischen, dass ich meine Mütze im Auto habe, in dem weiten Wash brennt die Sonne unbarmherzig. Frank bietet mir seine Mütze an, aber sein Haupt wird von bereits etwas schütterem Haar bedeckt und er könnte sich schnell einen Sonnenbrand am Hinterkopf holen. Vor kurzem muss das Flussbett noch matschig gewesen sein, doch die Sonne hat den Matsch mittlerweile getrocknet und auf dem Untergrund ist der lehmige Boden inzwischen schuppig aufgesprungen. Bei jedem Tritt raschelt es, als unsere Sohlen die rissigen Strukturen zermahlen. Der Wasservorrat in unserem Rucksack ist bereits ziemlich zusammengeschmolzen, weniger als die Hälfte des Wassers steht uns für den Rückweg zur Verfügung, da wir bereits eine der beiden Reservefläschchen ausgetrunken haben. Das GPS weist uns den Weg, wir stapfen dem Richtungspfeil hinterher, es sind noch etwa 300 m, als im Wash auf der linken Seite ein sandiger Nebenlauf abzweigt. Frank meint, das müsste der Brimstone sein, ich verlass mich lieber auf das GPS, das nicht lügen kann und so laufen wir weiter durch die schattenlose Weite in dem hier menschenleeren Gebiet.

Da wo der Eingang zum Canyon sein soll, stehen wir vor einer etwa 10 m hohen Felswand, auf der anderen Seite sieht es nicht besser aus, dorniges Gestrüpp aber kein Canyoneingang. Wir folgen dem Wash noch etwa 500 m, passieren ausgebleichte Rinderknochen, die die Wassermassen mitgerissen haben. In einer Felsnische entdeckt Frank ein riesiges Nest, darunter hebt sich schwarz-weisser Vogelkot deutlich von der roten Felswand ab. Wir rätseln, welcher riesige Vogel hier brütet und tippen auf einen Geier. Es könnte allerdings auch ein Condor sein, da sich die nächste gesicherte Population weniger als 150 Meilen weiter südlich in den Vermilion Cliffs befindet. Mit dem Camcorder zoomt Frank das Nest heran, unser Fernglas liegt auch im Rucksack und wir verwünschen uns dafür, dass wir so schlecht gerüstet den Hike in dieser faszinierenden Landschaft angetreten haben. Durch das Zoomobjektiv der Spiegelreflex kann ich auch nicht mehr erkennen und wir einigen uns auf ein Geiernest, bevor wir umkehren um den Brimstone Eingang zu suchen.

Frank fordert mich auf, dass GPS auszuschalten, er verlässt sich lieber auf seine Nase und die lässt ihn auch diesmal nicht im Stich. Der sandige Abzweig ist der Eingang zum Brimstone Gulch und wir stapfen schon bald durch den tiefen rötlichen Sand.

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Nach den engen Canyons können wir hier echtes Sandwüstenfeeling erleben. Leider geht es nur sehr mühsam vorwärts. Meine nassen Schuhe sind mittlerweile schon wieder fast abgetrocknet, jetzt dringt feinster Sand von oben in die Schuhe ein und erzeugt beim Gehen Reibung. Frank geht es mit seinen flachen Schuhen nicht besser. Wir kämpfen uns durch die Sanddünen bis zur nächsten Biegung vor, dahinter vermuten wir die sich verengenden Felswindungen, doch weit gefehlt, es geht weiter müsahm durch den losen, lockeren Sand. Nach weiteren 10 anstrengenden Minuten beginnen sich die Felswände ganz allmählich zu verjüngen, der Trail wird steiniger und schattiger.

Mit zwei Schlucken ist unsere 2. Reserveflasche Wasser leer und wir werden vernünftig. Wir haben den grössten Teil unseres Wasservorrates verbraucht und es ist höchste Zeit umzukehren, wollen wir in der erbarmungslosen Hitze dieser Fels- und Sandwüste nicht dehydrieren. Auch mein Hirn fühlt sich allmählich gekocht an, wahrscheinlich habe ich bereits einen leichten Sonnenstich, ich fühle mich etwas schwach. Frank nötigt mir jetzt seine Mütze auf und zieht sich sein Sweatshirt als Sonnenschutz übers Haupt. Als Beduine verkleidet stapft er jetzt voraus, wählt ein gemächliches Tempo, damit wir nicht unsere Kräfte verpulvern und den steilen Schlussanstieg noch schaffen können. Das erste Problem ist der Chalkstone in den Lower Narrows. Mein erster Aufstiegsversuch misslingt, kraftlos sinke ich zurück auf den Canyonboden. Frank versucht es und zieht sich hinauf, keilt sich am Chalkstone fest und will mir anschliessend von oben die Hand reichen um mich hinaufzuziehen. Jetzt bin ich in meiner Ehre gepackt und ich sage ich würde es auch alleine schaffen. Jemand hat ein paar Felsbrocken als Aufstiegshilfe platziert. Damit bin ich aber gerade mal 30 cm über dem Canyonboden, bleiben noch etwa 1,50 m. Es gibt keine guten Tritte für die Füsse, also ziehe ich mich unter Aufbietung all meiner Armkraft an dem Chalkstone nach oben, stemme mich gegen den riesigen Stein und erklimme mit zitternden Armen und Beinen das letzte Stück zurück in den Wash.

Nach einer kurzen Pause habe ich mich erholt und wir folgen dem Flussbett zurück zum Spooky Canyon. Diesmal laufen wir an der Felswand entlang durch den Sand zum Peek-a-boo Canyon und zweifeln zwischendrin, ob wir uns möglicherweise verirrt haben, es ist kein Mensch mehr zu sehen. Wo wir heute Morgen noch ein Dutzend Leute getroffen haben, scheinen wir jetzt die einzigen Wanderer zu sein. Den Abstecher zum Brimstone haben sich die meisten wohl gespart. Am Peek-a-boo laufen wir über einen sandigen Hügel und treffen auf die ersten Cairns, die uns den Weg aus der Dry Fork weisen. Wir passieren den schmalen Ein-/Ausstieg und schauen den steilen Hügel hinauf, hinter dem der Parkplatz mit dem Trailblazer und unseren Getränken liegt. Der Anstieg ist schweisstreibend und anstrengend, bis nach oben haben wir den letzten Tropfen Wasser ausgetrunken.

Noch nie haben wir uns so über warme Getränke im Auto gefreut wie heute. Eine Flasche Gatorade Orange rinnt fast in einem Zug unsere ausgedörrten Kehlen hinunter. Für den Hunger gibt es für jeden einen weichen Cliff Bar, kochen wollen wir erst am Devils Garden. Wir öffnen alle Türen, Fenster und die Heckklappe und nach kurzer Zeit ist die Temperatur im Innenraum so erträglich, dass wir einsteigen können. Zur Abwechslung darf ich jetzt fahren und ich schaffe es ohne Aufsetzer über die ausgewaschene Dirtroad zur Hole-in-the-Rock Road.

Ein Blick auf die Uhr zeigt uns, dass wir für die Wanderung zum Sunset Arch und Moonrise Arch zu spät dran sind, da wir zur Golden Hour unbedingt am Devils Garden sein wollen. Eigentlich sind wir für heute auch genug durch die Wildnis gestapft und so verschieben wir die Wanderung zu diesen beiden endrucksvollen Felsbögen auf das nächste Mal, denn die Hole-in-the-Rock Road wird uns nicht zum letzten Mal gesehen haben.

Von Süden brettert ein Auto an uns vorbei und wir schlucken zur Abwechslung mal fremden Staub, als ich mit 45 mpH die Verfolgung aufnehme. Das Fahrzeug ist zu schnell für uns, 50 oder 55 mpH möchte ich nicht fahren und so zieht bald nur unsere eigene Staubwolke die HitRR hinauf. Die Sonne steht jetzt ungünstig über dem Kaiparowits Plateau, eigentlich wollte ich noch ein paar Aufnahmen machen, so beschränken wir uns auf einen Schwenk des Camcorders aus dem fahrenden Auto hinaus und auf die Landschaft auf der rechten Seite, die Canyons of the Escalante.

Die Abfahrt zum Devils Garden verpasse ich bei dem Höllentempo beinahe und im letzten Moment erwische ich den Abzweig mit der BLM Nr. 225. Auf dem Parkplatz steht ein weiterer Wagen, von den Insassen keine Spur. Wir nutzen die Zeit und erkunden die vielgestaltigen Felsformationen im Devils Garden, klettern auf die Plateaus zu Füssen der Felskobolde, drücken uns dazwischen hindurch, laufen über die Trampelpfade zur nächsten Formation und haben eine Menge Spass beim Erkunden der Sandsteingestalten im Devils Garden.

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Es ist ein aussergewöhnlicher geologischer Bezirk mit den eigentümlichsten Erscheinungen. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt, mit etwas gutem Willen erkennt man neben den allgegenwärtigen Hoodoos, Domen und Kobolden auch Tiere. Der Metate Arch ist eine weitere bekannte Formation im Devils Garden und wir machen uns auf die Suche.

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Er ist nicht schwer zu finden und wir möchten gerne ein ähnliches Foto schiessen wie Karsten Rau, das im Buch [[Photographing the Southwest]] von Laurent Matres abgedruckt ist. Karsten (http://www.karsten-rau.de) hat den Felsbogen so photographiert, dass zwei benachbarte Hoodoos im Zentrum stehen. Die Photoposition stellt uns zunächst vor ein Rätsel. Wir klettern auf die umliegenden Felsen, legen uns sogar flach auf den Bauch. Jetzt sind wir viel zu nah dran und es macht sich die Erkenntnis breit, dass die Aufnahme wohl mit einem Weitwinkel geschossen wurde. Schade, das haben wir nicht. Also lichten wir den Metate Arch und die Hooodoos getrennt ab und gehen dann zurück zum Auto um uns vor der Golden Hour ein frühes Abendessen zu kochen.

Es gibt mal wieder Chef Boyardee Nudeln und nach kurzer Zeit faucht unser Gaskocher und erhitzt den Edelstahltopf mit den Nudeln in Tomatensauce. Wir angeln aus der Styropor-Box jeder eine Dose Cola und geniessen das nicht ganz kühle Getränk an einem Tisch der Picnic Area mit Blick auf eine markante Wand aus Sandsteinhoodoos.

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Nach den Nudeln gibt es für jeden eine Dose Obst und nachdem der letzte Bissen verzehrt und Müll und Abwasch im Auto verstaut sind, beginnen wir mit Teil 2 der Erkundung von Devils Garden. Während des Essens ist ein Geländewagen vorgefahren und ein Ehepaar ausgestiegen. Wir halten einen Plausch, es sind zwei Deutsche und es entwickelt sich eine nette Unterhaltung, nicht zuletzt deshalb, da wir uns bereits im Forum begegnet sind. Sie und wir erzählen vom bisherigen Urlaub, die beiden hatten bisher mehr Glück mit dem Wetter, während wir in Moab im Regen davonschwammen sind die beiden erst in Las Vegas gestartet und hatten bisher nur schönes Wetter. Die weitere Reise soll sie bis nach New Mexico führen.

Wir verabschieden uns, schnappen unsere Kamera und tauchen zur Fotosession nochmals ein in die verwunschene Sandsteinwelt des Devils Garden. Wir platzieren uns zwischen zwei mächtigen Hoodoos auf einem Felsplateau und unter gewaltigem Laufeinsatz gelingt Frank eine Aufnahme mit dem Selbstauslöser der Kamera.

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Im Metate Arch schiessen wir ebenfalls ein gemeinsames Foto der Canyoncrawler, bevor wir uns wieder den Domen und Hoodoos zuwenden, die zur Golden Hour in ein phantastisches Licht gehüllt sind und die letzten Strahlen der Sonne zu reflektieren scheinen. Noch eine ganze Weile nach Sonnenuntergang laufen wir im Halbdunkeln zwischen den langen Schatten der bizarren Felsen herum. Ohne die Sonne wir es schnell kühl und ein wenig unheimlich sind die vielen Schatten und die Geräusche der einsetzten Nacht schon.

Wir steigen ins Auto und fahren nach einem rundum gelungen Tag in Richtung Escalante und gönnen uns zum Ausklang des Tages unsere letzte Flasche Wein aus den Vorräten und entfachen ein heimeliges Lagerfeuer. Schon ein wenig beschwipst nehmen wir zu vorgerückter Stunde eine Dusche und verkriechen uns schläfrig in unseren Schlafsäcken und träumen uns dem neuen Tag entgegen.

Übernachtung: Escalante Petrified Forest State Park 15 USD

Canyoncrawler
03.01.2010, 09:16
Montag, 25. September 2006

Nach Frühstück, Morgenhygiene und Zeltabbau drücken wir uns noch solange auf dem Platz herum, bis wir unter Berücksichtigung der Zeitverschiebung bei einem Anruf in der Heimat jemanden antreffen. Eine Hiobsbotschaft wartet auf uns, eine Tante von Frank ist plötzlich verstorben und bereits beerdigt. Das müssen wir erst einmal verdauen und verziehen uns zum Trauern an das Wide Hollow Reservoir, den Stausee im State Park.

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Die Stimmung ist verständlicherweise sehr gedrückt. Nachdem wir den ersten Schock überwunden haben, denken wir darüber nach, wie wir den heutigen Tag noch gestalten können.
Geplant war die Wanderung zum Lower Calf Creek Fall, doch nach den schlechten Nachrichten fehlt es uns an Schwung.

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Wir laufen am Ufer des 526000 m² grossen Stausees entlang und entschliessen uns, nachdem der halbe Vormittag bereits verstrichen ist, zur Calf Creek Recreation Area zu fahren. In Escalante stoppen wir an der Tankstelle am Ortsausgang und wollen im angeschlossenen Store unsere Vorräte aufstocken. Wasser ist ausverkauft und so verschieben wir die Einkäufe im Supermarkt auf den Nachmittag. Es ist schon beinahe 11.00 Uhr und wir gönnen uns jeder eine Mini-Pizza aus der heissen Theke. Diese verzehren wir wenige Meilen ausserhalb von Escalante am Boynton Overlook mit Blick auf das grüne Pflanzenband entlang des Escalante Rivers und fahren anschliessend weiter in Richtung Boulder.

Die Calf Creek Recreation Area liegt zwischen Escalante und Boulder, beinahe unmittelbar am Highway 12. Etwa 15 Meilen östlich von Escalante zweigt die beschilderte Zufahrt zur Recreation Area ab. Der Parkplatz derselben ist voll belegt - mit Glück erwischen wir eine Parklücke die just im Moment unserer Ankunft frei wird. An der Selfregistration Box erwerben wir für 4 Dollar (2 Dollar pro Person) ein Day Use Permit und platzieren den Kontrollabschnitt hinter unserer Windschutzscheibe, packen unseren Rucksack und marschieren los in Richtung Campground. Heute hätten wir mehr Glück, einige wenige der 13 Stellplätze sind noch verfügbar. Unsere Planung für die Übernachtung ist jedoch eine andere und so folgen wir der Beschilderung Lower Calf Creek Fall einen Hügel hinauf. Damit haben wir bereits den nennenswertesten Anstieg überwunden, der Trail – der einzige unterhaltene Wanderweg im gesamnten Grand Staircase-Escalante National Monument – folgt ohne merklichen Höhenunterschied dem Lauf des malerischen Calf Creek und ist daher auch für Gelegenheitswanderer machbar. An der Trailregisterbox tragen wir uns in das Trailbook ein und erwerben ein illustriertes Faltblatt, auf dem die wichtigsten Sehenswürdigkeiten und Stopps entlang des 3 Meilen (one-way) langen Trails verzeichnet sind. Trotz moderaten Höhenprofils verlangt der Pfad im Sommer in einigen sandigen Abschnitten ein wenig Kondition, Zeitbedarf für den 6 Meilen Roundtrip ist zwischen 3 und 4 Stunden, je nach Länge des Aufenthaltes am Fusse des Wasserfalls.

Im Gegensatz zu vielen Wasserläufen im Südwesten, fliesst der Strom des Calf Creek das ganze Jahr über und versiegt selbst in heissesten Sommern nicht vollständig.

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Daraus resultiert eine reichhaltige Artenvielfalt an Pflanzen und Tieren. Auch der Mensch nutzt das stetige Wasservorkommen seit vielen Tausend Jahren. Der Calf Creek ist eine ausgeprochene Flash Flood Area, bei Niederschlägen tosen gewaltige Wassermassen durch den Canyon und reissen selbst mächtige Felsbrocken mit. Seinen Namen verdankt der Strom dem Ideenreichtum der frühen Siedler, die die natürlichen Barrieren des Canyons als Kälberpferch nutzten. Von der ehemaligen Zaunlinie am Canyonausgang ist heute kaum mehr etwas zu sehen. Der Trail führt immer wieder an Schwemm- und Marschland vorbei, aufgestaut durch Biberdämme.

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Um das Jahr 1900 nutzte ein lokaler Farmer das fruchtbare Land für die Wassermelonenzucht. Vor mehr als 800 Jahren bauten die Menschen der präkolumbischen Fremontkultur Lagerräume für Vorräte und Werkzeuge in die Klippen, deren zerfallende Steinmauern noch heute sichtbar sind. Millionen Jahre früher bedeckte eine Sandwüste wie die Sahara das gesamte Gebiet. Der heute allgegenwärtige Navajo-Sandstein ist das Resultat von mehr als hundert Meter hohen Sanddünen die sich verschoben und sich im Laufe der Zeit verfestigten. Der bestens ausgebaute und markierte Trail führt durch eine prächtige Canyonlandschaft, die vorherrschenden Farben sind weiss, gelb und zarte Rot-und Brauntöne.

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Einen Höhepunkt des Trails erreicht man nach etwa 2 km. Die rötlichen Farbpigmente der Felszeichnungen sind noch heute mit dem blossen Auge zu erkennen. Mit dem dreieckigen Körper, den Gliedmassen und dem Kopfschmuck gelten die Pictogramme als typisches Beispiel für die Rockart der Fremont-Indianerkultur.

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Bei einem weiteren Fotostopp stellt Frank seinen Rucksack an den Rand des Wanderwegs und unsere Aufmerksamkeit wird schon bald auf ein leises Rascheln im Gebüsch gelenkt. Wir stehen völlig regungslos, starren in das trockene Gestrüpp und erwarten ein Erdhörnchen oder ähnlichen Kleinnager. Stattdessen erblicken wir bei genauem Hinsehen ein Schlangennest. Die kurzen Leiber der noch kleinen Tiere kriechen wild durcheinander. Ein besonders neugieriges Exemplar steckt züngelnd seinen Kopf aus den Sträuchern und nähert sich Franks Rucksack. Das ist jetzt zu viel des guten, bevor Mama-Snake noch auf uns aufmerksam wird, schultert Frank seinen Rucksack und wir machen uns auf den Weg.

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Nach einer Weile treffen wir zwei bekannte Gesichter: die beiden Deutschen, die wir am Abend zuvor am Devils Garden getroffen haben, sind hier auch unterwegs und bereits auf dem Rückweg. Welch netter Zufall, dass wir uns erneut begegnen. Wir stoppen und halten einen kurzen Plausch. Es wäre nicht mehr weit und sie hätten auch die kleinen Schlangen gesehen.

Der Weg führt jetzt in sanften Kehren leicht bergan, die Intensität und das Fliessgeräusch des Wassers nehmen zu. Langsam nähern wir uns dem Wasserfall, laufen kurzzeitig durch einen schattigen Wald. Das tosende Geräusch hinabstürzenden Wassers ist unüberhörbar als wir aus dem kleinen Waldstück heraustreten und den Blick auf eines der phantastischen Naturwunder im Grand Staircase fällt. Staunend betrachten wir den 38 m hohen Wasserfall.

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In mehreren Kaskaden stürzen die Wassermassen des Calf Creek über beinahe vertikale Klippen in die Tiefe. Am Fusse des Wasserfalls sammelt sich das Wasser in einem grossen Teich, bevor der Wasserlauf des Calf Creek etwa 2 km weiter südlich in den Escalante River mündet. Das Farbenspiel an den Sandsteinwänden des Canyons ist phantastisch. Die steilen und hochaufragenden Felsen sind von einer blau-grünen Algenschicht bedeckt und von dunklen Streifen Desert Varnish (Wüstenlack) überzogen. Die Dimensionen des Wasserfalls werden deutlicher, wenn man einen Menschen (hier Frank) für den Grössenvergleich einbezieht.

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Wir suchen nach einer Möglichkeit, den Calf Creek trockenen Fusses zu überqueren und balancieren über glitschige Steine zur anderen Seite des Flusslaufes um den Wasserfall aus einer anderen Perspektive zu betrachten und ein ruhiges Fleckchen für ein Picnic zu suchen. Die Wiesen östlich des Wasserfalles sind sehr sumpfig. Von den Felswänden neben dem Wasserfall tropft ständig Feuchtigkeit und verwandelt den Navajo-Sandstein in eine farbenfrohe Leinwand aus nass schimmernden Braun- und Ockertönen.

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Ich teste die Temperatur des smaragdgrünen Wassers indem ich meine Hand hineintauche: es ist ziemlich kalt. Eine amerikanische Gruppe ist weniger zimperlich. Einer nach dem Anderen schmeisst seine Kleider auf die Seite und springt splitterfasernackt in das kühle Nass. Lange hält es niemand aus, binnen kürzester Zeit eilen die Badefreunde aus dem Wasser und rubbeln sich trocken. Ich habe für heute genug nackte Hintern und wippende Körperteile gesehen und brummele zu Frank, dass er mich zuhause daran erinnern soll, dass ich einen Leserbrief an Reise-Know-How schreibe. Die müssen anscheinend den Reiseführer umschreiben. Es ist nicht mehr erforderlich, die Europäer vor dem Nacktbaden und dem Schamgefühl der Amerikaner zu warnen, denn die US-Bürger die heute hier versammelt sind, geben sich viel freizügiger als die Europäer. Auf dem Rückweg überholen wir ein älteres Ehepaar, die sich über die Nacktbadeeinlage empören und wissen möchten, was wir davon halten. Ich antworte unverbindlich, dass die Freiheit des Einzelnen da aufhören sollte, wo sich ein Anderer gestört fühlt. Frank ist heute so ziemlich alles egal und er brummelt nur, dass er den scheinbaren Gruppenzwang eher komisch als belästigend fand.

Nach mehreren Fotostopps und einem Beinahe-Unfall mit einem grossen Kakteenpulk stehen wir wieder am Auto. Frank ist wegen des Todes seiner Tante ziemlich niedergeschlagen und hat keine Lust, für eine weitere Wanderung zum Upper Calf Creek Fall, Escalante Natural Arch oder Escalante Overlook. Ich überrede ihn jedoch zur Besichtigung des Cedar Wash Arches und der Steinbrücke in der Nähe. Dafür fahren wir zunächst zurück nach Escalante und biegen beim Padre Motel auf die Centre Street ab und folgen der Strasse, dessen Teerdecke einige Meilen ausserhalb der Stadt endet und als Cedar Wash Road in die Hole-in-the-Rock Road mündet.

Während der Fahrt füttere ich das GPS mit den Koordinaten aus Peter Felix Schäfers Buch Wandern im Südwesten der USA und beginne mich irgendwann zu Fragen, ob wir den Führer nicht besser zum Entfachen eines Lagerfeuers nutzen sollten... . Hat die Gemeinde Escalante nach einer Flash Flood den Verlauf der Cedar Wash Road verändert? Die Koordinaten des Startpunkts zur Covered Wagon Natural Bridge sind mit dem PKW unerreichbar, man müsste noch ein Stück cross-country vordringen, was in dem Gelände aber nur per Pferd oder ATV möglich ist. Wir fahren zurück und gelangen zu einer Stelle, die der beschriebene „Parkplatz“ sein könnte und halten nach einem Hügel Ausschau. Nichts zu sehen, weit und breit keine Fußspuren. Dafür fesselt eine Begegnung kurzfristig unsere Aufmerksamkeit: in etwa 5 m Entfernung kriecht eine Schlange über die staubige Strasse. Wir nähern uns aufgeregt aber vorsichtig und inspizieren Kopfform und Schwanzende. Juchu, wir treffen hier auf unsere erste lebende Klapperschlange und so haben wir doch noch etwas zu Fotographieren.

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Das Geräusch der Klapper am Schwanzende ist viel leiser als erwartet, es ist kaum hörbar und beim Wandern auch leicht überhörbar. Als wir uns bis auf 1,5 m nähern, richtet sich die Schlange auf, das ist zu nah und wir gehen wieder auf Abstand. Wir verfolgen den Rattler mit den Augen, bis er auf der anderen Seite der Cedar Wash Road in unübersichtlichem Gestrüpp verschwindet. Das war jetzt doch noch ein Highlight und wir freuen uns über die Begegnung.

Die Covered Wagon Natural Bridge haken wir ab, wir finden sie nicht. Beim Ausgangspunkt zum Cedar Wash Arch das gleiche Spiel: wir laufen umher und suchen nach den Pfadspuren, nichts zu sehen. Das ist doch nicht möglich, dass die so detaillierten Wegbeschreibungen und die Koordinaten alle falsch sind. Der Fehler muss bei uns liegen! Ich blättere im Buch um Bezugskoordinatensystem und Kartendatum zu überprüfen: UTM-Gitter – habe ich eingestellt, NAD27 – haben wir nicht!!! Das Kartendatum steht auf WGS84 – kein Wunder, dass wir weder den Eingang zum Brimstone Gulch noch die Steinbrücke und den Felsbogen hier bei Escalante mit dem GPS finden. Das ist peinlich, ich bin davon ausgegangen, dass sich das Garmin beim Umschalten auf UTM das Kartendatum automatisch zieht. Dem ist jedoch nicht so, da es gebietsabhängig, verschiedene Versionen von NAD27 gibt.

Frank hat für heute genug und möchte nur noch Einkaufen und zum Zeltplatz. Wir fahren die Cedar Wash Road bis zum Ende, stossen auf die Hole-in-the-Rock Road, erreichen Escalante und stoppen am Supermarkt um unsere Wasservorräte aufzufüllen. Hier erleben wir die nächste Überraschung. Wasser ist auch hier ausverkauft. Wir erstehen noch eine 1 Oz-Flasche teures Evian-Wasser und beschliessen die leeren Kanister auf dem Campground aufzufüllen. Es ist nach 19.00 Uhr, als wir uns Cannonville und dem Abzweig zum Kodachrome State Park nähern. Leider haben wir die heutige Portion Pech noch nicht verbraucht und es wartet eine weitere Enttäuschung. Der Campground des Kodachrome State Parks ist voll. Das ist besonders schade, da der Park beim letzten Aufenthalt wegen einer Wanderung im Bryce Canyon viel zu Kurz gekommen ist und wir noch nicht einmal den Shakespeare Arch besichtigt haben. Wieder müssen wir improvisieren und entscheiden uns für den KOA Campground in Cannonville und nutzen die Gelegenheit um im Laundry unsere staubigen Wanderkleider zu waschen.

Übernachtung: Bryce Valley KOA Campground Cannonville 22$

Canyoncrawler
03.01.2010, 09:18
Dienstag, 26. September 2006

Aus unseren zusammengeschrumpften Vorräten zaubern wir uns ein Frühstück und starten nach Zeltabbau und Morgenhygieneprogramm in Richtung Cottonwood Canyon Road. Die direkte Zufahrtstrasse in Cannonville vom Highway 12 am Visitor Centre vorbei in Richtung Kodachrome State Park ist auch heute Morgen noch gesperrt. Wir nehmen die Parallelstrasse und folgen den Umleitungsschildern. Erst als wir am Abzweig zum Kodachrome Park vorbeikommen, fällt uns ein, dass wir aufgrund der Umleitung das Visitor Centre verfehlt und vergessen haben, den aktuellen Wetterbericht abzuholen. Ein Blick zum Himmel – fast wolkenlos, wir werden die unbefestigte Cottonwood Canyon Road riskieren.

Die 46 Meilen zwischen dem Kodachrome State Park und dem Highway 89 im Süden waren wir bereits im Herbst 2005 gefahren und auf eine nach heftigen Niederschläge schlammige und ausgewaschene Dirt Road getroffen, deren Befahrung einige Nerven gekostet hatte. Heute ist nichts der gleichen zu befürchten, der Strassenzustandsbericht vor 2 Tagen war gut und seitdem hat es nicht geregnet. Es kann also losgehen.

Auf den ersten Meilen führt die Strasse durch eine karge Landschaft, geprägt von niedrigem Buschwerk und streifigen rot-weissen Felsabbrüchen,

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die in der Nähe des Grosvenor Arch durch gelbliches Gestein abgelöst werden.

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Den sehenswerten grossen Doppelbogen (http://666kb.com/i/awne4z5m97d9zj8z1.jpg), der sich in luftiger Höhe spannt sparen wir uns, da wir ihn bereits gesehen haben. Wir stoppen erst, als sich die Strasse verengt und wir beim Cottonwood Wash zu den Narrows gelangen.

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Hier windet sich die Piste besonders malerisch durch die gezackten, rot-weissen Felsen die sich in den bizarrsten Verwitterungsformationen am Strassenrand erheben.

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Nachdem wir diese spektakuläre Erosionslandschaft gebührend bewundert haben, setzen wir unseren Trailblazer wieder auf Kurs.

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Ein Schlagloch zwingt uns zur Tempoverringerung, bisher das einzige nenneswerte Unebenheit auf der Cottonwood Road, die sich ansonsten in einem sehr guten Zustand präsentiert.

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Am Ausgang der Narrows stoppen wir erneut und betrachten diese reizvolle vielgestaltige und vielfarbige Wunderlandschaft aus Stein. Wir suchen den unteren Einstieg zu den Cottonwood Narrows, einem einfach zu erreichenden Canyon und passieren die fotogene Engestelle des Cottonwood Canyon.

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Mit dem GPS in der Hand dirigiere ich Frank auf der Suche nach dem Trailhead noch weiter in südliche Richtung. Den Abzweig sehen wir dann auch direkt und wenig später parkt unser Trailblazer auf einem welligen, mit Schlaglöchern durchzogenen Platz zwischen einigen hochgewachsenen, schattenspendenden Büchen. Nach einem letzten Blick in den Wanderführer stapfen wir mit leichtem Gepäck davon und halten auf den Einschnitt in den hochaufragenden Felswänden zu, die von eingen Hoodoos gekrönt werden.

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Der Trail folgt zunächst auf bequemen Weg dem verfestigten Sand des Cottonwood Wash und das Gehen bereitet zunächst keine Mühe. Unvermittelt stehen wir vor einer Blockhalde und suchen uns einen Weg vorbei an den riesigen Felsbrocken, das ist der Einstieg zu den südlichen Narrows.

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Im Schatten der steilwandigen Sandsteinwände folgen wir dem natürlichen Verlauf, den der Cottonwood Creek im Laufe der Zeit in das weiche Gestein gegraben hat. Wir erkunden einen seitlich abzweigenden Slotcanyon, stehen aber schon bald vor einem unüberwindbaren Hindernis.

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Zwischendrin weitet sich der Canyon immer wieder und einzelne grüne Sträucher sorgen für schöne Farbtupfer zwischen den gelb-weiss-roten Canyonwänden.

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Plötzlich verengt sich der Canyon so weit, dass wir uns unseren Pfad durch von tosendem Wasser ausgewaschenen Trögen bahnen müssen.

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Das glattgeschliffene Gestein gibt Zeugnis von den Urgewalten, mit denen die Flash Floods durch den Canyon schiessen und immer wieder riesige Felsbrocken, Baumstämme und Geröll mitreissen.

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Mit hallendem Stimmenklang kündigen sich zwei weitere Hiker an. Es sind zwei ältere, aber gut ausgerüstete Damen, die den nördlichen Einstieg genommen haben und jetzt mit hohen Wanderstiefeln, Trekkingstöcken und Daypack durch den Canyon wandern. Nach ein wenig Small Talk laufen wir weiter, um uns auch die oberen Narrows anzuschauen.

Das Bett wird jetzt steiniger, das hält Frank trotzdem nicht davon ab, unsere Wanderung zu Filmen.

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Wir passieren den Ausstieg und streifen weiter nach Norden und folgen dem Verlauf bis zu einem weiteren abzweigenden Slotcanyon. An den Upper Narrows verengt sich der Canyon zunehmend, wir sind am Ende unserer Tour angelangt und kehren um. Den Ausstieg meistern wir mit wenig Mühe und stehen inmitten bizarrer Felsen neben der Cottonwood Canyon Road.

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Wir begeben uns auf die Suche nach „Candyland“. Dieses von Laurent Matres beschriebene Wunderland aus vielfarbigen, aufragenden Felstürmen finden wir ein wenig die Strasse runter auf der anderen Strassenseite und bahnen uns einen Weg durch die niedrige aber teilweise stachlige Vegetation, stetig bemüht, mit unseren Tritten so wenig Schaden wie möglich anzurichten.

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Ich möchte gerne die umliegenden Hügel erklimmen und die Gegend erkunden. Frank zeigt dafür wenig Begeisterung, denkt er doch an die Kamerataschen, die uns rechts und links um die Hüften baumeln und die wir beim Klettern nicht in den Rucksack stecken können, da dieser im Auto ist. Unser Wasservorrat in dem kleinen Hydrobag neigt sich auch allmählich dem Ende zu und nach einer knappen halben Stunde cross-country stehen wir wieder auf der staubigen Cottonwood Road. Das GPS hätten wir heute nicht gebraucht, da ich es um den Hals hängen habe, starte ich die Navigation und wir folgen spasseshalber dem Richtungspfeil zu unserem Auto. Es sind etwa 2 km die Cottonwood Road runter und trotz Hitze eilen wir zügig unserem Fahrzeug entgegen. Für die Wanderung mit dem kleinen Ausflug ins „Candyland“ haben wir etwa 2,5 Stunden gebraucht.

Viel Zeit zum Rasten haben wir nicht, es ist noch eine weitere Wanderung geplant. Wir stärken uns mit Energieriegel, Plätzchen, etwas Obst und weiter geht’s nach Süden. Die Strasse folgt einer langen, schmalen Verwerfung der Erdkruste, dem Cockscomb. Dieser Hügelkamm trennt die geologische Formation des Grand Staircase von der des Kaiparowits Plateaus im Osten. Die Landschaft ist hier besonders malerisch, nach allen Richtungen bieten sich phantastische Blicke auf die Canyon- und Felswildnis. Die Strasse verläuft jetzt im Tal des Paria River, zahlreiche Trailheads zu Wanderungen laden zur Erkundung dieser Canyons ein. Einer der schönsten Canyons der Region ist der Hackberry Canyon, den man mit dem Paria und Hogeye Canyon zu einer mehrtägigen Rundtour verbinden kann.

Unser nächster Halt ist der Abzweig der Brigham Plains Road, wir wollen auf den Yellow Rock. An einem auffallenden, quer zur Fahrbahn verlaufenden Felskamm inmitten unwirtlicher brauner Erosionsstrukturen startet die Wanderung auf den farbenfrohen Felsen, den man hoch oben bereits von der Strasse ausmachen kann. Der Zugang ist über eine steile Felsrinne in einem Seitencanyon unterhalb des Hackberry Canyon möglich. Von dieser Rinne trennt uns ein breites Band aus hohen, stachligen Sträuchern die den Hackberry Creek säumen. Wir halten auf das Dickicht zu, nehmen nach kurzer Zeit schützend die Arme vors Gesicht und kämpfen uns durch das dichte, teilweise dornige Gestrüpp. Kleine Dornen stechen durch die Hosen und kratzen an Armen und Gesicht entlang. Frank fordert mich auf, Stehen zu bleiben um sich zu orientieren. Eingerahmt von stachligen grünen Sträuchern sehen wir so gut wie gar nichts, ausser einigen schmalen Pfaden, die von getrockneten Kuhfladen gesäumt werden. Einem solchen Viehpfad folgen wir jetzt. Nur haben die Viecher es nicht so eilig gehabt, zum Fluss zu kommen. Sie sind kreuz und quer durchs Gebüsch und haben zahlreiche Haken geschlagen. Wir folgen jeder Windung, Hauptsache wir kommen vorwärts und bleiben nicht stecken. Meine Frage, was wir tun, wenn wir in dem Engen Gebüsch plötzlich auf eine verwilderte Kuh treffen, wiegelt Frank ab. Ich solle lieber aufpassen und schauen wo ich hintrete, damit ich nicht versehentlich Bekanntschaft mit einem Rattler mache. Irgendwann versagt unsere Theorie von Kühen die den Fluss erreichen.

Das Vieh muss entweder weitergeflogen oder in dem Labyrinth auf gleichem Weg wieder zurückgelaufen sein. Es gibt keinen Durchbruch in dem struppigen Gesträuch in Richtung Flussbett. Na prima, jetzt heisst es wieder Hände vors Gesicht, Augen abwechselnd nach vorne und auf den Boden und durch. Frank krantelt, dass wir hier gut eine Machete gebrauchen könnten und wirft mir vor, dass ich im Walmart keine kaufen wollte. Diese Investition fand ich überflüssig, da wir zu Hause bereits ein Haumesser für die südeuropäische Machia haben. Eine grosse Klinge um uns den Weg zu bahnen wäre aber auch hier sinvoll gewesen.

Haben wir nicht, wir müssen also so weiter. Die Wanderstöcke, die wir für den Abstieg am Rucksack befestigt haben verfangen sich immer wieder in dem Geäst und ich bin dankbar für meine robusten Wanderhosen mit Kevlarfaseranteil. Baumwollfasern hätte ich mir wahrscheinlich längst zerrissen. Frank flucht gewaltig und ist bereits kurz davor umzukehren. Ein letzter Kraftakt und etwa 1 m unter uns sehen wir tatsächlich den versiegten Wasserlauf des Hackberry Creek. Wir haben einen mind. 300 m breiten Streifen Gestrüpp durchquert und haben durch die vielen Haken und Schlenker auf der Suche nach einem Durchlass viele Meter mehr gelaufen. Jetzt springen wir in das matschige Flussbett und mit schmatzenden Schritten halten wir auf den Einschnitt in der Felswand zu. Aber zuerst eine kurze Pause. Unsere Unterarme zieren einige oberflächige Kratzwunden, die Wanderstiefel sind staubig von Sand und jetzt auch noch matschig vom Flussbett. Am Rucksack und am geflochtenen Hutband hat sich etwas Grünzeug verfangen, aber Mensch und Ausrüstung haben die „Dschungeldurchquerung“ unbeschadet überstanden.

Franks Laune bessert sich nicht, als er den steilen Aufstieg sieht. Er murmelt irgendetwas davon dass er mich oben an den Füssen packen würde und über den Abgrund baumeln liesse, wenn es sich nicht lohnen würde darauf zu gehen. Das beeindruckt mich nicht, ich spare meinen Atem lieber für den Berg. Wenig später folgen wir dem steinigen Pfad, der schon bald immer steiler wird und über loses Geröll führt. Bei jedem Schritt muss man aufpassen wo man hintritt, ein falscher Schritt und die halbe Bergflanke würde mit uns nach unten rutschen. Einige wenige Steinmännchen lotsen uns durch den lockeren Schotter und wir schinden uns in engen, steilen Kehren den Hang nach oben. Bei der Hitze ist der Weg eine schweisstreibende Angelegenheit und trotz des steil abfallenden Geländes rasten wir um etwas zu trinken. Frank macht eine Bemerkung darüber, dass ich mich schon erstaunlich gut von meiner Erkältung erholt habe und ich solle gefälligst etwas langsamer laufen. Frank hat letzte Nacht viel über seine verstorbene Tante gegrübelt und sehr schlecht geschlafen. Nicht gerade die besten Voraussetzungen für die konditionsfordernde Tour auf den Yellow Rock.

Ich gehe nicht langsamer sondern warte lieber oben auf Frank, der sich kurz nach mir mit einem letzten kräftigen Schritt und einem „heilige Sch… war das steil“ auf das Plateau wuchtet. Ja das war es und wir machen erstmal Pause um wieder Atem zu schöpfen.

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Wir geniessen die Aussicht auf die gewaltige Cockscomb-Auffaltung und die schmale Fahrspur der Cottonwood Road in der Tiefe. Lange hält es uns jedoch nicht, die vielfarbige Bergflanke des Yellow Rock lockt. Über einen jetzt sanften Anstieg, flankiert von kantigen Felszähnen, nähern wir uns dem Fusse des Yellow Rock. Nach Überquerung einer letzten Kuppe schweift der Blick ungehindert auf den gelben Slickrock des Yellow Rock.

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Frank bremst meinen Enthusiasmus mit einem besorgten Blick gen Himmel. Es ist stark bewölkt und im Nordosten drohen dunkle Wolken.

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Jetzt rächt es sich, dass wir den Wetterbericht für heute nicht abgeholt haben. Ich bin optimistisch, es wird nicht regnen, trotzdem machen wir noch mal Pause um die Lage zu erörtern.

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Frank möchte auf der unbefestigten Cottonwood Road und auf der exponierten Bergflanke kein Risiko eingehen und mahnt zum baldigen Abstieg. Ich glaube nicht recht an ein aufkommendes Unwetter habe jedoch auch ein wenig Gamaschen davor, hier hoch oben von einem Gewitter überrascht zu werden. Wir wären zweifellos die höchste Erhebung hier und ein rascher Abstieg ist bei nassem Slickrock und dem losen Geröll der Rinne kaum möglich. Wir einigen uns auf einen Kompromiss. Wir laufen ein wenig an der Südflanke des Yellow Rock umher und sparen uns die besonders farbenfrohe Ostflanke für einen weiteren Urlaub auf. Frank ist einverstanden und wir nähern uns dem schuppigen Bergrücken. Die Struktur erinnert an vergrösserte Elefantenhaut, die Farben reichen von Orange über Weiss, und Rot bis hin zum allgegenwärtigen Gelb.

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Leider verhindern die vielen Wolken, dass die Farben so richtig prächtig strahlen können. Ein Grund mehr, um bei wolkenlosem Himmel noch mal wiederzukommen. Ein weiterer Blick nach Norden – die Wolkensuppe ist noch dichter, deutlich dunklelgrau und - was mich jetzt auch besorgt - die Berge im Norden zeichnen sich nicht mehr klar am Horizont ab. Es sieht so aus, als würden tatsächlich Regenschauer die Sicht eintrüben. Jetzt habe auch ich genug und mahne zum Abstieg. Nur keine Panik, der Regen wird uns so schnell nicht einholen können, meint Frank und wir laufen gemächlich zur Rinne zurück.

Wir verschaffen und einen Überblick über den Rückweg und erspähen tatsächlich einen Weg zurück zur Cottonwood Road, der nur einen ganz schmalen Streifen durch Gebüsch führt, an einem Zaun entlang und an einem Weiderost direkt neben der Strasse endet. Am oberen Ende der Steilrinne lösen wir unsere Trekkingstöcke vom Rücken und stützen uns beim Abstieg darauf. Wir müssen trotzdem sehr vorsichtig sein, immer wieder lösen sich kleinere Steine und rutschen mit einer Mini-Geröll-Lawine ins Tal. Ich habe meine Augen nicht da wo sie sein sollen und ich lande kurzfristig auf dem Hosenboden und stemme mich mit meinen Hacken gegen den Berg um die kurze Talfahrt zu bremsen. Frank ist sichtlich erschrocken und hat mich schon abstürzen sehen. Besorgt hilft er mir auf die Beine und klopft mir den Staub von den Kleidern. Nichts passiert, doch mit etwas mehr Vorsicht steige ich fortan nach unten. Nach der Rinne folgen wir dem steinigen Pfad zurück ins Flussbett, dem wir schätzungsweise 400 m nach Süden folgen müssen.

Unsere Schritte erzeugen wieder schmatzende Geräusche, als wir durch das matschige Bett des Cottonwood Creek stapfen. Mein Trekkingstock versinkt bis über den Teller in dem flüssigen Lehm und ich Laufe zur Mitte des breiten, flachen Stroms, wo noch ein Rest Wasser fliesst. Hier wasche ich den Stock und säubere auch meine Schuhe und gehe am Rand des fliessenden Wassers entlang. Völlig unvorbereitet treffen wir ausserhalb des Washes auf einen Tierkadaver und gleichermassen angewidert und fasziniert starren wir auf die faltigen, zerfransten Überreste einer Kuh. Die liegt schon länger hier, Raubtiere, Vögel und andere Aasfresser haben sie bereits bis auf die Haut und Knochen ausgeweidet. Da wo man glänzende Augen erwartet, findet sich nur eine klaffende, faltige Höhle. Frank lässt es sich nicht nehmen, ein Foto zu schiessen, das möchte ich aber nicht zeigen, da der Anblick selbst auf dem Foto abstossend ist.

Dem Weidezaun, den wir aus der Höhe gesehen haben, folgen wir bis zur Cottonwood Road und in etwa 300 m Entfernung sehen wir unser Auto neben dem Abzweig der Brigham Plains Road stehen. Als wir dort eintreffen biegt ein Geländewagen in die BLM Road #430 ein und die Insassen halten kurz an. Die beiden Burschen sind aus Deutschland - wen wunderts ;) und sind auf dem Weg zu einem Aussichtspunkt. Anschliessend wollen sie über die BLM #431 zurück zur Cottonwood Road fahren. Sie wissen, dass der Rundkurs etwas heikel ist, sind ihn aber vor zwei Jahren schon mal gefahren. Wir wünschen ihnen viel Spass und der Geländewagen verschwindet, eingehüllt in eine Staubwolke aus unserem Blickwinkel.

Wir hatten eigentlich noch den Besuch der Paria Contact Station geplant, um uns über die Strassenverhältnisse Richtung Cottonwood Cove zu informieren. Das schaffen wir aber nicht, da die Rangerstelle um 5.00 Uhr schliesst und wir praktisch fliegen müssten um noch rechtzeitig einzutreffen. Also lassen wir uns Zeit auf dem letzten Abschnitt der Cottonwood Road, die jetzt durch das Tal des Paria Rivers führt. Wir queren einige Washes, einen alten Korral und halten auf einer Anhöhe um zurückzublicken.

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Anschliessend führt die Strecke durch eine weitläufige Landschaft aus grau-braunen Badlands. Um etwa 18.00 Uhr stossen wir wieder auf Asphalt und fahren über den Highway 89 in Richtung Page.

Geplant ist die Übernachtung auf dem Wahweap Campground, den wir als nächstes ansteuern und anschliessend nach Page zum Einkaufen fahren wollen. Am Westeingang der Wahweap Marina biegen wir auf den Lakeshore Drive ein und nähern uns dem Wahweap Campground. Bereits von weitem sehen wir die neue Baustelle. Die Arbeiten zur Erweiterung des RV-Parks sind in vollem Gange, gewaltige Erdbewegungen und schweres Räumgerät zeugen davon. An der Anmeldung erstehen wir einen Stellplatz und bezahlen 19 Dollar/Nacht - 1 Dollar mehr als im letzten Jahr.

Reisende mit Wohnmobil haben weniger Glück, sie können statt der gewünschten 3 Nächte nur für 2 Nächte einen Stellplatz mit Anschlüssen mieten, der RV-Abschnitt ist vollbelegt und wenn kein Platz mehr frei werden sollte, müssen sie die 3. Nacht ohne Anschlüsse campen oder weiterfahren.

Waren wir letzten November neben einem alten Wohnmobil die einzigen Camper auf dem Campground, treffen wir jetzt in der Schleife auf mind. 10 Zelte. Neugierig betrachten wir bei der Anfahrt auf dem Rundkurs die Behausungen und gelangen zu dem Schluss: Wahweap Campground ist fest in deutscher Hand. Anhand der Zelte schliessen wir, dass nur in dem Familienzelt in der Nähe der Ausfahrt Amerikaner campen, der Rest schläft in Tunnel- und Kuppelzelten von Vaude, Wolfskin und Salewa – ein untrügliches Zeichen für die europäische Herkunft.

Wir inspizieren unseren Stellplatz und suchen einen schönen Platz für unsere Hütte.

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Unser Vaude-Tunnel thront kurze Zeit später auf dem sandigen Boden, noch schnell Matten und Schlafsäcke rein und weiter geht’s.

Von der Glen Canyon NRA haben wir, trotzdem wir schon zum 2. Mal hier sind, noch nicht viel gesehen. Daher brechen wir auf, fahren erneut zum Westeingang hinaus um noch verschiedene Viewpoints anzufahren. Unser erster Stopp ist ein Aussichtspunkt über den See, von dem man einen phantastischen Blick über die Wahweap Marina im unwirklichen Glanz der untergehenden Sonne hat.

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Wir können uns kaum losreissen von diesem Blick. Die weissen Hausboote auf der spiegelnden Wasserfläche, dahinter die gelblichen und rötlichen Felsen die den Lake Powell in der Wahweap Bay umspielen. Bevor die Sonne vollends untergeht, gehen wir zurück zum Fahrzeug, um noch im Hellen in Page anzukommen und den Safeway Markt zu suchen. Wir finden ihn direkt am Business Loop der US 89 und verschwinden für geraume Zeit um unsere geschrumpften Vorräte aufzufrischen. Bewaffnet mit allerlei Leckereien und zwei gekühlten Dosen Bier verlassen wir den Supermarkt um uns dem gemütlichen Teil des Abends zu widmen.

Übernachtung: Wahweap Campground Glen Canyon NRA 19$

Den folgenden Tag verbrachten wir in Arizona, den gibt es hier:
Coyote Buttes South - unterwegs im farbenfrohen Wunderland der Cottonwood Teepees (http://www.outdoorseiten.net/forum/showthread.php?t=38174)

Am darauffolgenden Tag war Utah wieder dran. ;-)

Canyoncrawler
03.01.2010, 09:23
Donnerstag, 28. September 2006

Den 5.00 Uhr Hoodoo-Wecker ignorieren wir und träumen noch ein wenig von den Coyote Buttes South. Um 6.30 Uhr schält Frank sich als erstes aus dem Schlafsack und beginnt mit den Frühstücksvorbereitungen. Als ich um 7.00 Uhr noch ein wenig verschlafen aus dem Zelt krieche, hat er bereits das schmutzige Geschirr vom Vorabend erledigt und den Tisch für das Frühstück gedeckt. Der Wasserkessel brodelt und feine Dampfschwaden ziehen einladend über den Tisch. Am verlockendsten sind die frischen Croissants und ich beeile mich im Bad. Wenig später frühstücken wir in aller Ruhe und blicken auf den Lake Powell, der sich, noch in wenige Dunstwolken gehüllt, friedlich und still vor uns ausbreitet. Langsam kommt auch Bewegung in unsere Platznachbarn, Leute wuseln zwischen Sanitärgebäude und Stellplatz hin und her, Autotüren schlagen und die ersten Reisenden verlassen den Platz. So weit sind wir noch lange nicht, bis wir den Abwasch gemacht und uns in die Reihe geschafft haben, ist es so spät, dass wir noch das Zelt abschlagen müssen, da wir es bis zur Check Out Time um 11.00 Uhr auf keinen Fall bis zurück auf den Platz schaffen.

Um 8.30 Uhr sind wir on the Road und fahren gemächlich den Lakeshore Drive nach Westen, biegen in die US 89 North ein, passieren Big Water und Churchwells und erreichen die Abfahrt der Cottonwood Canyon Road. Unser Ziel sind die weissen Hoodoos der Wahweap Drainage, deren offizielle Bezeichnung Wahweap Hoodoos lautet. Diese profane Namensgebung wird dem Gebiet jedoch nicht gerecht, der klangvolle Titel von Karsten Rau - „Valley of the White Ghosts“ – passt besser. Nach 1,4 Meilen auf der Cottonwood Canyon Road biegen wir in die BLM Road #431 ein. Von hier lautet die Wegbeschreibung die wir haben: 4 Meilen immer nach Nordost, die restlichen 8 Meilen in östliche Richtung fahren, bis man den Wahweap Wash erreicht. Hört sich so einfach an, ist es in der Praxis aber nicht, da zahlreiche Weggabelungen von der Spur abzweigen. Wir versuchen Kurs zu halten und lassen uns auch nicht davon beirren, dass die BLM Road 431 nach Kreuzung mit der Brigham Plains Road (BLM #430) abrupt endet und wir im Niemandsland umherfahren.

Die Landschaft besteht aus einer kargen, bräunlichen Hügellandschaft und wir wären schon längst umgekehrt, wenn nicht die einzigartigen strahlend weissen Felstürmchen mit den schokobraunen Häubchen auf uns warten würden. Wir queren zahlreiche Washes deren Durchfahrung nahezu die gesamte Bodenfreiheit unseres Trailblazers aufbraucht. An einigen Flussbetten lese ich vor der Durchfahrt kleinere Felsbrocken auf und an einer besonders haarigen Stelle haben andere Reisende eine Fahrspur aus Gestein gebaut, die wir für die Querung nutzen. Mehrmals hänge ich mit der Nase direkt über dem Boden und dirigiere Frank mit Handzeichen durch das Flussbett. Zwischen die Frontschürze unseres Trailblazers und die Felsbrocken im Wash passt an der schlimmsten Stelle kaum mehr als ein Blatt Papier. Doch aufgeben ist nicht, die „Towers of Silence“, wie sie von einem amerikanischen Naturfotographen tituliert wurden, wollte ich mir schon bei unserer ersten Reise ins Grand Staircase anschauen. Vor knapp einem Jahr verhinderte jedoch ein weggeschwemmter Strassenteilabschnitt die Zufahrt.

Der letzte Hügel hat es besonders in sich: auf einer schmalen Lehmspur geht es mit Haarnadelkurve steil bergab. Diese Kurve möchte ich bei rutschigen Verhältnissen nicht fahren, da es in dem abschüssigen Gelände kein Halten mehr gibt und das Fahrzeug unweigerlich nach unten rutschen würde. Wir haben Glück, es ist trocken und Frank navigiert das SUV vorsichtig den Hang hinab. Jetzt ist es nur noch ein kurzes Stück, bis zum Wahweap Creek. Als wir ankommen, verladen zwei junge Männer gerade ihre Rucksäcke in ihren Geländewagen und wenig später fährt der GMC Envoy ab. Wir wenden und parken unseren Trailblazer auf dem freigewordenen „Parkplatz“, direkt neben dem Zaun des Wahweap Creeks. Von hier geht es offiziell nur noch zu Fuss weiter, sollte man meinen, aber Reifenspuren im Wash verraten uns, dass die Fahrer von ATVs die Verbotsschilder einfach ignorieren und mit ihren Quad-Vehikeln im Flussbett weiterfahren.

Wir packen Getränke und die Kameras in die Rucksäcke und stapfen los. Von hier sind es in südliche Richtung knapp 2 km bis zur nördlichsten der drei Hoodoo-Gruppen und wir schlüpfen über den Zaun ins Flussbett. Im breiten Strom des Wahweap Creek fliesst nur ganz in der Mitte ein kläglicher Rinnsal Wasser und wir laufen durch das steinige Flussbett. Nach 20 minuten entdecken wir die Kopfbedeckungen der ersten Hoodoo-Gruppe und folgen einem Trampelpfad aus dem Flussbett. Der Aha-Effekt stellt sich direkt ein, als wir den schlanken grossen Geist entdecken.

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Der schlaksige lange Kerl hat es uns direkt angetan und wir nähern uns vorsichtig den empflindlichen weissen Formationen mit der Kappe aus braunem Sandstein.
Die Erosion hat hier ein wahres Meisterstück geschaffen. Die Szenerie aus gipsartigen weissen Felstürmen mit den dunklen Caprocks ist so unwirklich, dass man sie einem Märchenbuchillustrator zubilligen möge. Auch Frank ist sichtlich beeindruckt und blickt ehrfürchtig zu den Geister-Hoodoos.

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Dass die Felswand bereits mächtige Schatten wirft, stört uns nur wenig und wir erkunden das Areal.

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Einige unvorsichtige Tritte haben Schaden in den äusserst empfindlichen Strukturen hinterlassen. Die Abdrücke von schweren Stiefeln mit Profilsohlen findet man nicht nur im Sand, sondern auch in den weissen Erosionsschichten an der Basis der Hoodoos. Ein Hoodoo hat seine Kopfdeckung verloren. Die liegt direkt daneben und man ist versucht, sie wieder aufzusetzen.

Wir machen uns auf zur mittleren Gruppe und finden sie praktisch direkt hinter der nächsten Biegung des Flussbettes.

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Das ist die Hoodoo-Familie mit dem mächtigen, breiten Gespenst und wir suchen nach einem Aufstieg auf das Plateau.

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Dabei stellen wir fest, das einige der niedlichen winzig kleinen Hoodoos einfach platt getrampelt wurden und das macht mich einfach traurig. Daher ein dringender Appell: seit vorsichtig und tragt durch sorgfältig gewählte Schritte dazu bei, dass noch viele Generationen von Reisenden die Wahweap Hoodoos in ihrer einmaligen Schönheit bewundern können.

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Im unteren Bereich der Hoodoo-Gruppe finden wir zwei sehr fotogene Hoodoos, die sich durch sanfte braunen Streifen von den übrigen Türmen unterscheiden.

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Anstelle des dunkelbraunen Sandsteins tragen einige Hoodoos Kappen aus rötlich-braunem Gestein.

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Nachdem wir diese Hoodoos gebührend bewundert haben, bleibt noch das südlichste der drei Hoodoo-Areale und das liegt auch beinahe um die Ecke.

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Hier scheint die Sonne direkt in die Kamera, sodass die Foto-Perspektiven ziemlich begrenzt sind.

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Wir streifen zwischen den Hoodoos umher und folgen schliesslich einem Trampelpfad zurück zur mittleren Hoodoo-Gruppe. Hier hat sich ein Fotograph mit Stativ breit gemacht, wir winken freundlich und nehmen den nächsten Trampelpfad zurück ins Flussbett des Wahweap Creek.

Auf dem Weg zum Auto überrede ich Frank, noch den Abstecher zu einem weiteren Hoodoo-Canyon zu fahren, für den sich im deutschen Sprachgebrauch die Bezeichnung „Rainbow Valley“ eingebürgert hat. Wir nehmen den nächsten Abzweig in südliche Richtung und rumpeln über die staubige Dirt Road, die von tiefen Fahrrinnen durchzogen wird. Unwillig tänzelt der Trailblazer in dieser ausgefahrenen Spur. Zum grossen Ärger sind wir auch noch falsch gefahren, anstelle der Aussicht auf den Hoodoo-Canyon erblicken wir nur bräunliches bis ockerfarbenes Gestein. Wieder zurück auf die Hauptroute, die nächste Abfahrt ist die richtige und nach wenigen Minuten haben wir einen atemberaubenden Ausblick auf ein Meer aus pastellfarbenen Hoodoos und vielgestaltigen Felsformationen. Ich springe aus dem Auto und suche bereits nach einer Abstiegsmöglichkeit. Frank bremst mich in meinen Bemühungen mit einem Tippen auf die Uhr. Wir haben über 3 Stunden bei den Wahweap Hoodoos verbracht und es ist bereits nach 1.00 Uhr nachmittags. Alles Verhandeln hilft nichts, es gibt keine Rainbow-Hoodoos, das Auto fährt zurück nach Page zum Einkaufen.

Ich sehe es ja auch ein, wenn wir erstmal unten im Tal sind, dass 2 Stunden wie im Fluge vergehen und wir garantiert nicht mehr bis zum Zion NP kommen. Trotzdem tue ich auf der Rückfahrt meinen Unmut ein wenig schmollend kund. Ein Burger in Page und das neue Walmart Supercentre versöhnen mich dann teilweise. Nach einer guten Stunde verlassen wir vollbepackt das gut sortierte Warenhaus, nicht ohne einen Abstecher in die Camping-, Fishing und Huntingabteilung gemacht zu haben. Um einige Ausrüstungsgegenstände reicher und etliche Dollars ärmer verlassen wir Page und halten am Carl Hayden Visitor Centre.

Eine etwas forsche Besucherin bekommt beinahe einen Anfall, als ich mit Rucksack über den Parkplatz laufe: „Backpacks are forbidden“ – „No Problem“ - sie versteht nicht, dass wir gar nichts ins Gebäude wollen, sondern lediglich die Staumauer und die Schlucht an der Brücke bewundern wollen. Kopfschüttelnd betritt sie das Besucherzentrum, für die Ausstellungen und die Führungen haben wir keine Lust, die Details des Glen Canyon Dams kennen wir bereits aus dem Web und den Reiseführern. Die Aussicht auf die gewaltige Staumauer sollte man sich jedoch im Original gönnen.

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Ein weiterer Abstecher zum Lone Rock Beach beschert uns wieder eine Sandpiste. Ausnahmsweise ist hier das Befahren des Strandes mit Fahrzeugen erlaubt und Frank pflügt mit reichlich Gas bis zum Ufer des Stausees.

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Unser Blick fällt auf den markanten Lone Rock, ein von Wasser umspülter gewaltiger Felsen. Der Strand gefällt uns gut, hier würden wir gerne Zelten und merken uns das Fleckchen für den nächsten Aufenthalt in Page. Die Sandherige sollte man allerdings nicht vergessen, da der gesamte Uferabschnitt aus lockerem Sand besteht.

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Zahlreiche Wohnmobile und nur ganz wenige Zelte bevölkern diese malerische Bucht und die Urlauber sitzen auf Campingstühlen direkt am Wasser oder plantschen in dem kühlen Nass.

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Ich ziehe Schuhe und Strümpfe aus und tauche meine Füsse in den Lake Powell, bevor wir nach 30 min. Aufenthalt in Richtung Kanab davonfahren.

Bis zum Zion National Park sind es über die US 89 und den Highway 9 etwas 110 Meilen und die zügige Fahrt endet bereits bei Mount Carmel Junction. Da wir kein Ticket riskieren wollen, halten wir uns an die Geschwindigkeitsbeschränkung und tuckern gemächlich den Zion-Mount Carmel Highway entlang. Kurz vor der Einfahrt in den Park stoppen wir, um die vielköpfige Bisonherde eines Restaurants zu bewundern.

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Der gewaltige Bulle gibt sich völlig gelassen und schreitet in bester Fotodistanz auf der riesigen Koppel umher.

Die Schatten sind bereits ziemlich lang, als wir den Eingang des National Park passieren und eintauchen in die Wunderwelt aus glattgeschliffenen rot-weissen Gesteinsschichten im Zion National Park. Bis zum Tunnel läuft der Verkehr ausserdordentlich zäh. Strassenbauarbeiten sind im vollen Gange. Direkt vor dem Tunnel warten wir besonders lange, da gerade dampfender Asphalt aufgetragen wird und verteilt werden muss, bevor der Verkehr über eine Fahrspur wieder abwechselnd freigegeben wird. Der Overlook Trail ist wegen der Road Construction geperrt. Am Trailhead neben dem Rangerhäuschen parkt schweres Baugerät. Gemächlich schrauben wir uns auf den Serpentinen des Highways nach unten in das Tal des Virgin Rivers.

Dort wartet eine unschöne Überraschung: die Campgrounds im Park sind belegt, und das obwohl noch nicht einmal Wochenende ist. Wir haben Glück und finden auf dem Zion Canyon Campground, direkt neben dem Park ein freies Plätzchen für unser Zelt. Mit Wohnmobil hätten wir hier ziemlich schlechte Karten gehabt, die Plätze sind alle belegt und die Dame an der Registration muss das Paar vor uns weiterschicken. Einige Plätze für Zelte sind noch frei und die sind tatsächlich den Zeltern vorbehalten und werden nicht an kleinere Wohnmobile vermietet. Unser Stellplatz liegt direkt am Virgin River, unmittelbar gegenüber dem Campground des Parks. Wir sind wieder versöhnt und besichtigen nach dem Zeltaufbau die Anlagen. Der Platz ist brechend voll, ähnlich sieht es in den beiden Sanitärgebäuden aus, viel zu wenig Kapazitäten für die vielen Besucher. Anstelle einer Dusche kochen wir unser Abendessen und vesenken eine Flasche Wein zur Kühlung in den Fluten des Virgin Rivers. Das Wasser ist kälter als erwartet und wir können schon bald mit einem wohltemperierten Glas Wein im Schein der Gaslaterne den gemütlichen Teil des Abends einläuten. Kurz vor den Nachtruhezeiten schlüpfen wir unter die Dusche und haben erfreulicherweise auch noch heisses Wasser zur Verfügung.

Übernachtung: Zion Canyon Campground 24,53 $

Canyoncrawler
03.01.2010, 09:30
Freitag, 29. September 2006

Noch vor dem Wecker reisst uns ein intensives Brummen aus dem Schlaf. Ein Blick auf die Uhr, es ist gerade mal 6.02 Uhr morgens. Der Geräuschpegel ist so laut, dass an Schlaf nicht mehr zu denken ist. Ich verwünsche den rücksichtslosen RVler der zu unchristlicher Zeit seinen Generator laufen lässt. Frank beschliesst dem nachhaltigen Brummen auf den Grund zu gehen und berichtet mir schon bald darauf, dass auf dem nordöstlich angrenzenden Grundstück eine Maschine zur Holzverarbeitung in Gang gesetzt wurde. Die frühe Störung bewirkt, dass schon bald auf den Nachbarplätzen Reissverschlüsse auf- und zugezogen werden, die Morgenstunde ist erfüllt von leisem Stimmengewirr und knirrschenden Schritten auf dem Kies. Als Frank vom Sanitärhäuschen zurückkommt und Geschirrklappern das nahende Frühstück ankündigt, schäle auch ich mich aus dem Schlafsack und laufe mit wenig Begeisterung zum Sanitärgebäude. Im Hellen wirkt es etwas heruntergekommen und als ich die Tür öffne und eintrete, schauen mich etwa 10 Augenpaare neugierig an. Der weibliche Teil einer Trek America Gruppe hat sich im Waschraum breit gemacht und belagert mit allerlei Utensilien die 3 Waschbecken vor dem grossen Spiegel. Ich wünsche den Mädels einen Guten Morgen und laufe weiter zum anderen Sanitärhäuschen. Auch dieser Waschraum ist fest in den Händen von Trek America, mir wird jedoch spontan ein Fleckchen freigeräumt. So kommt es, dass ich bereits am frühen Morgen mit der Zahnbürste im Mund Konservation betreibe und schon bald im Bilde bin, dass die Truppe heute zum Wandern aufbricht und noch eine weitere Nacht auf dem Campground verbringt, genau wie die 4 anderen Gruppen des Veranstalters von Campingreisen. Frank verfällt nicht gerade in Begeisterungsstürme, da auch der Herrenwaschraum von den America Trekkern belagert wurde und es nur 2 Steckdosen gab, wovon eine noch durch ein Batterieladegerät blockiert war. Dummerweise haben wir bereits für 2 Nächte bezahlt und können nicht auf einen Parkcampground flüchten. Nach dem Frühstück stehen wir in der Schlange vor den Geschirrspülbecken und verwünschen diesen überfüllten Campground mit den ungenügenden, teilweise maroden Anlagen. Unsere Platznachbarn haben noch weniger Freude: sie haben simples Kaffeewasser auf der Campsite verschüttet und schon bald kämpfen Kakerlaken verschiedener Grösse um die besten Plätze in der feuchten Erde und sie laden uns ein, das Schauspiel zu verfolgen. Mich schüttelt es und ich hoffe inständig, dass die ekligen Kriechtiere die Grenzen der Campsite kennen. Vorsichtshalber entfernen wir vor dem Aufbruch alles was nicht zum Zelt gehört und verfrachten es ins Auto.

Unser Plan sieht vor, dass wir heute Morgen den Zion-Mount Carmel Highway bis zum östlichen Parkeingang fahren um die Staus vor den Baustellen zu vermeiden und die Wanderung auf den Nachmittag legen. Schon bald sind wir via Südeingang auf der Strasse durch den östlichen Parkabschnitt unterwegs und schrauben uns über die Serpentinenstrecke aus dem Wüstenboden zum Hochplateau in Richtung Tunnel. Vorbei am 120 m hohen Great Arch folgen wir den Spitzkehren des Pine Creek Canyons. Insgesamt überwindet der Highway 9 zwischen Springdale und East Entrance Station einen Höhenunterschied von 600 Höhenmetern. Da der Canyon Overlook Trail wegen der Bauarbeiten gesperrt ist, stoppen wir an verschiedenen Haltebuchten entlang des Highways und erklimmen die einzigartigen, glatt geschliffenen Felsen des Zion National Park.

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Die malerischen Felsformationen strahlen im Licht der Morgensonne und verzaubern mit sanften Weiss- und Pastelltönen.

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Dazwischen Nadelhölzer im satten Grün und in Herbstfarben glühende Laubbäume. Eine der bekanntesten Viewpoints ist der Halt an der Checkerboard Mesa und wir geniessen die Aussicht auf die zerfurchte Oberfläche des Tafelberges aus Navajo-Sandstein.

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Ein weiterer Stopp und wir entdecken Hoodoos, hoch oben auf einer Felsflanke.

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Während Frank bereits am Aufstieg ist, werde ich von einem atemberaubenden Herbstpanorama aufgehalten. Die Laubsträucher am Fusse des Hanges strahlen in feurigen Rot- und Gelbtönen. Die Hoodoos am Felsen wirken, als hätte sie die Hand eines Riesen platziert.

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Dazwischen finden sich unzählige Felsbrocken aus lavaartigem, schwärzlichem Gestein. Wir streifen ein wenig durch diese gefällige Landschaft, erreichen den Osteingang und kehren um.

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Mittlerweile schieben sich schon deutlich mehr Fahrzeuge dem Tal des Virgin Rivers entgegen und wir reihen uns ein in die nicht versiegende Autoschlange, die die populären Nationalparks des Grand Circle durchzieht.

Zurück in Springdale parken wir den Trailblazer auf unserem Stellplatz auf dem Campground und nehmen den kostenlosen Shuttle zum Zion Canyon, der direkt neben der Campground-Einfahrt hält. Der Bus ist gut gefüllt mit Touristen aus aller Herren Länder: Asiaten, Europäer, Amerikaner und einige wenige Besucher indianischer Abstammung. An der Haltestelle zum Beginn des Park Scenic Drive heisst es umsteigen und wir quetschen uns zusammen mit den anderen Reisenden aus dem Bus. Der Bus Stopp wird belagert von einer quirligen Menschenansammlung, aus denen eine grössere Gruppe Jugendlicher durch lautstarke Zurufe und gegenseitiges Schubsen unangenehm auffällt. Wir sind auf dem Weg zur Grotto Picnic Area, dem Trailhead für die Wanderung zum Aussichtsfelsen Angels Landing. Als zwischen zwei Angehörigen dieser Gruppe die Wortfetzen „Angels Landing“ und „Hiking“ fallen, haben wir genug vom Massentourismus im Zion und wechseln wortlos in stillschweigender Übereinstimmung die Haltestelle und fahren mit dem nächstmöglichen Shuttle zurück zum Campground. Auf eine Wanderung in einem Pulk unvernünftiger Jugendlicher auf dem im oberen Bereich ausgesetzen Trail haben wir definitiv keine Lust. Es ist unser letzter voller Tag in der Natur und den möchten wir in Ruhe geniessen.

Der Alternativplan ist schnell gefasst: die Kolob Terrace Road kennen wir noch nicht und soll uns in einsame Gefilde des Zion National Park führen. In Virgin nehmen wir die abzweigende Kolob Terrace Road und fahren schon bald durch dünn besiedelte Gebiete entlang des North Creek. Der grösste Teil der 21 Meilen bis zum Lava Point verläuft ausserhalb der Parkgrenzen des Zion NP. Einzelne Farmgebäude und Weideland kennzeichnen die Landschaft. Auf einer von Aspen gesäumten Koppel äsen einige Quarterhorses.

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Dazwischen immer wieder weitläufige Naturlandschaften und wunderschöne Ausblicke auf die Kolob Terraces.

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Langsam macht sich unser Magen bemerkbar und wir nutzen die nächste Bank für eine verspätete Mittagsrast. Während Frank fleissig unsere Nudeln in Tomatensauce umrührt, folge ich neugierig einem Trampelpfad in den lichten Kiefernwald und nach kurzer Zeit überwältigt mich ein Panorama aus kunterbunten Herbstfarben und eindrucksvoller Felslandschaft. Ich stürze über den kurzen Trail zurück, schnappe mir Kamera und Camcorder um den atemberaubenden Anblick festzuhalten.

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Anschliessend übernehme ich die Verantwortung für den Essenstopf und Frank erfreut sich an der farbenfrohen Herbstlaubfärbung. Nach dem selbstgekochten Mittagsmahl folgen wir wieder der Strasse zum Kolob Reservoir und treffen am Ende der asphaltierten Strasse auf einen prächtigen Stausee, dessen spiegelnde Wasserfläche von Wäldern in malerischen Herbstfarben eingerahmt wird. Ein Bild so kitschig, wie das Gemälde eines Landschaftsmalers aus vergangenen Jahrhunderten.

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Wir schauen einigen Anglern beim fischen zu und umrunden das Kolob Reservoir mit dem Fahrzeug. Dabei treffen wir auf die Forest Road, die die Kolob Terraces mit dem Cedar Breaks National Monument verbindet. Die Versuchung ist gross, aber heute siegt die Vernunft und wir kehren um, um verschiedene Aussichtspunkte anzulaufen und uns ein wenig die Füsse zu vertreten.

Der Abzweig zum Lava Point hat es in sich. Die Piste ist ausgewaschen und übersät mit Schlaglöchern, trotzdem haben es einige Strassen-PKW auf den Parkplatz geschafft. Wir laufen das kurze Stück bis zum Lava Point und geniessen den Blick aus der Vogelperspektive.

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Unter uns erstreckt sich eine weitläufige Szenerie aus dichten grünen Nadelwäldern, gelb-braunen Laubbäumen, toten Baumskletten, die von einer Feuersbrunst zeugen und ein Labyrinth aus Felsabbrüchen. Dazwischen können wir mühelos die ersten Meilen des 14 Meilen langen West Rim Trails verfolgen, dem man binnen 2 Tagen zur Grotto Picnic Area im Zion Canyon folgen kann. Ausser uns sind nur wenige Besucher am 2405 m hoch gelegenen Lava Point und wir verweilen eine ganze Zeit lang und schauen einfach nur stumm auf die Weite der Landschaft die unter uns liegt. Noch ein paar Fotos und Camcorderschwenke und wir laufen zurück zum Auto.

Wir haben Lust, uns ein wenig die Beine zu vertreten, da uns die Landschaft des West Rim Trails auf den ersten Meilen aber nicht so zusagt, wollen wir einen der nächsten Trailheads anlaufen. In der Parkzeitung haben wir vom Wildcat Trail gelesen, der hinauf zum Lava Point führt. Der Name hört sich interessant an und wenige Minuten später parkt unser Trailblazer am Trailhead und wir marschieren mit leichtem Gepäck los. Der Pfad unterscheidet sich kaum vom West Rim Trail, er führt über Wiesen und durch lichten Wald. Wir laufen querfeldein zur Abbruchkante, doch statt der erhofften zerklüfteten Canyonlandschaft blicken wir auf weitläufige, sattgrüne Nadelwälder. Enttäuscht geht es zurück zum Trail. Wir laufen etwa 2 Meilen und queren immer wieder zum Rand des Plateaus, die Aussichten verändern sich kaum. Gelegentlich lugt ein wenig weissliches Gestein zwischen dem grünen Nadelbaumteppich hervor. Richtige spektakuläre Aussichten bleiben uns aber verwehrt. Enttäuscht drehen wir um und fahren mit dem Auto die Kolob Terrace Road hinab. Es bieten sich jetzt wieder völlig andere Ausblicke als bei der Auffahrt und wir stoppen an verschiedenen Aussichtspunkten, bevor wir bei Virgin wieder auf die State Road 9 stossen.

Es ist noch zu früh um zum Campground zurückzufahren und wir blättern im Guide von Laurent Martres: Photographing the Southwest. Ganz in der Nähe liegt eine verlassene Mormonensiedlung und wir beschliessen, uns die Ghosttown anzuschauen. Die Abfahrt liegt in Rockville, einem Dörfchen mit kaum mehr als ein paar Häusern. Trotzdem gelingt es uns, 2x an der Zufahrt vorbeizufahren bis wir endlich die leicht zu übersehende Abfahrt erwischen. Schon bald haben wir die meisten Häuser hinter uns gelassen und fahren über eine historische Brücke, deren Gewirr aus genieteten Stahlträgern noch immer einen soliden und robusten Eindruck macht.

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Wir passieren die letzten Siedlungen aus der heutigen Zeit und folgen jetzt einer sehr guten Gravel Road, dem Smithonian Butte Scenic Backway. Diese unbefestigte Strasse quert die Canaan Mountains und mündet bei Colorado City in die State Road 389. Unterwegs soll es phantastische Blicke auf den Zion Canyon geben. Wir verlassen den Backway in Höhe des alten Friedhofes von Grafton und laufen zwischen den restaurierten Grabstätten umher. Eine Initiative „Grafton Heritage Project“ hat Gelder gesammelt und die Gräber der ehemaligen Bewohner von Grafton rekonstruiert. So erfahren wir mehr über die Verwandschaftsgrade und das eine junge Ehefrau im Alter von nur 20 Jahren am 2. April 1866 von Indianern getötet wurde.

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Am gleichen Tag starb ihr 23 Jahre alter Ehemann. Viele weitere Mormonen die hier begraben sind, sind nicht älter als 40 Jahre geworden. Es muss eine unvorstellbar harte Zeit gewesen sein. Etwas nachdenklich steigen wir wieder ins Auto und fahren weiter zum Dorf.

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Aufgrund von Besitzstreitigkeiten sind noch nicht alle Gebäude wieder restauriert. So kommt es, dass man zuerst an völlig zugewucherten Gebäuderesten vorbeifährt, an deren Besichtigung uns ein Private Property Schild hindert. Wenige Meter weiter stehen die restaurierte Dorftkirche und ein instandgesetztes Wohnhaus.

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Neugierig schreiten wir näher und rütteln an der Tür – abgeschlossen. Ein Blick durch die Fenster zeigt uns, dass nur die äusseren Fassaden wiederhergestellt wurden. Das Innere der Häuser präsentiert sich noch in einem verfallenen Zustand. Man erkennt einzelne alte Gerätschaften, die die letzten Bewohner achtlos zurückgelassen haben.

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An einem Metallpfosten hinterlassen wir eine Donation und nehmen ein Faltblatt mit, dass die Geschichte beschreibt. Mehrfach wurde Grafton von Überschwemmungen ausradiert und die Mormonen fanden immer wieder die Kraft zum Neuanfang. Erst zu Beginn des 20 Jahrhunderts wurde die Siedlung nach und nach verlassen und im Jahr 1945 zogen die letzten Bewohner fort. Die Initiative „Grafton Heritage Project“, darunter viele Nachkommen der ehemaligen Bewohner, bemüht sich um den Ankauf der anderen Wohnhausreste zwecks Restaurierung und ist auch um die Grabpflege bemüht.

Nach diesem Ausflug in die jüngere Vergangenheit fahren wir zurück nach Rockville und entdecken das Geschäftsgebäude eines bekannten Fotographen. Fatali unterhält hier ein „Schoolhouse of Photography“. Vor dem Haus steht ein liebevoll restaurierter Oldtimer, ein Pickup-Modell von GMC mit einer hölzernen Einfriedung der Ladefläche und ausladenden Trittbrettern aus Riffelblech und Zwillingreifen hinten.

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Jetzt freuen wir uns auf den letzten Abend im Zelt. Ein wenig getrübt wird die Vorfreude, als wir über den Campingplatz fahren. Mittlerweile ist der Platz bis zum Bersten gefüllt und wir blicken neidisch über den Fluss, wo die Stellplätze auf dem Campground des National Parks so grosszügig bemessen sind, dass mehr Privatsphäre bleibt. Dafür entschädigt der Ausblick auf die im sanften Abendlicht strahlenden Felsformationen oberhalb des Campgrounds.

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Wir nutzen wieder die kalte Strömung des Virgin Rivers und köpfen eine Stunde später eine wohltemperierte Flasche kalifornischen Weins.

Übernachtung: Zion Canyon Campground 24,53 $