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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [USA] Coyote Buttes South - unterwegs im farbenfrohen Wunderland der Cottonwood Teepees



Canyoncrawler
26.11.2009, 06:01
Land: USA (Arizona)
Reisezeit: September 2006
Region/Kontinent: Nordamerika

Hallo,

eine der landschaftlich schönsten Gebiete im Südwesten der USA liegt in der Paria Canyon Vermilion Cliffs Wilderness, im Grenzgebiet von Utah und Arizona. Die Natur zelebriert hier ein wahres Feuerwerk der Farben und Formen und es fällt schwer, sich nicht dafür zu begeistern, aber seht selbst. :D


Mittwoch, 27. September 2006

Beim Aufwachen ist es schon da, ein Kribbeln im Bauch und das Gefühl, dass heute ein besonderer Tag ist. Heute ist Coyote Buttes-Tag, wir haben Permits für die Coyote Buttes South. Eigentlich nichts ungewöhnliches, da die Permits für die South Coyote Buttes wesentlich einfacher zu bekommen sind als für die Coyote Buttes North mit der populären Wave. Trotzdem sind wir etwas aufgeregt, denn wir wollen zu den Cottonwood Teepees und von der Anfahrt haben wir schon viel gelesen. Bis zum Cottonwood Cove Trailhead benötigt man schon etwas Abenteuergeist um den Tiefsand und die ruppigen Felsen zu meistern. In gespannter Erwartung erledigen wir unsere Morgenhygiene und gönnen uns ein paar Leckereien zum Frühstück, rollen die Schlafsäcke zusammen und verstauen sie im Fahrzeug. Genügend Wasser und Lebensmittel haben wir ebenfalls an Board - es kann losgehen.

Wir haben uns für die Anfahrt über den Highway 89A entschieden und stossen über den Lakeshore Drive zunächst auf den US-Highway 89 und fahren in Richtung Page. Nachdem wir dort noch einmal voll getankt haben verlassen wir Page in Richtung Bitter Springs und fahren kurze Zeit später am Parkplatz des Horseshoe Bend vorbei und erreichen ein Wunderland aus roten Felsen. Da wo die Strasse kurvig durch einen Felsdurchbruch führt wird die Strecke besonders malerisch und ich geniesse die Aussicht auf den hier wie dahingeschmolzen aussehenden Sandstein. Bei Bitter Springs biegen wir in den US 89A ein und fahren in Richtung Grand Canyon North Rim, überqueren den Colorado beim Marble Canyon über die Navajo Bridge und erreichen die bizarre Schönheit der Vermillion Cliffs. Unser Ziel, die Coyote Buttes South liegen in der Paria Canyon-Vermilion Cliffs Wilderness Area im nordwestlichen Teil des im November 2000 gegründeten Vermilion Cliffs National Monument.

Unweit dem Abzweig der BLM Road #1065 wird unsere Geduld auf eine harte Probe gestellt. Wir treffen auf eine der in den USA typischen „Wanderbaustellen“. Die Strassenarbeiter sind gerade dabei einen längeren Strassenabschnitt Instand zu setzen und auf einer Länge von mehreren hundert Metern wird dampfender Asphalt gewalzt. Der Verkehr kommt beidseitig völlig zum Erliegen und in beiden Richtungen bildet sich rasch eine Schlange von wenigstens 20 Fahrzeugen. Da wir gerade nicht Besseres zu tun haben, steigen wir aus und halten Small Talk mit den anderen Wartenden. Schnell ist eine nette Unterhaltung im Gange, man scherzt während man sich die Beine vertritt. Der zum Schutz vor der Sonne mit weissen Tüchern vermummte Navajo-Strassenarbeiter, dessen Aufgabe heute darin besteht, das Verkehrsschild von Stop auf Slow zu drehen, gibt einige Anekdoten zum Besten. Die Stimmung ist, anders als an Baustellen im europäischen Strassenverkehr, locker und gelöst. Es dauert beinahe 30 Minuten bis der Verkehrsfluss wieder in Gang kommt. Zunächst ist der Gegenverkehr an der Reihe und die Fahrer winken den Wartenden in unserer Schlange freundlich zu.

Nach gut 30 Minuten verschluckt uns der Staub der House Rock Valley Road. Etwa 9 Meilen legen wir auf der Dirtroad zurück, die sich - im Gegensatz zum letzten Besuch - in perfektem Zustand befindet, bevor wir auf die Corral Valley Road (BLM # 1017) einbiegen und unseren Meilenzähler nullen. Die ersten Meilen sind noch relativ problemlos, Frank navigiert das Auto souverän über einige felsige Abschnitte. Ernst wird es erst nach 3,1 Meilen. Wir verlassen die BLM 1017 und biegen in die BLM Road #1066 ein. Jetzt ist Schluss mit lustig, der Allradschalter soll von der Position „Auto“ auf "Low4WD". Trotz mehreren Versuchen in unterrschiedlichen Getriebe- und Zündschlüsselstellungen gelingt es nicht. Wir müssen mit "Hi4WD" auskommen und nach kurzer Zeit geht es nur noch langsam voran.

Einige heftige Felsbänder bringen nicht nur die Unterhaltung im Fahrzeug nahezu vollständig zum Erliegen. Meine Hände werden feucht, ich bin jetzt merklich aufgeregt und sitze angespannt auf dem Beifahrersitz während Frank unseren Trailblazer vorsichtig über spitze Steinbrocken und hohe Felsabsätze zirkelt. Zwischendrin immer wieder sandige Abschnitte. Die Tiefsandpassagen werden immer schlimmer, zeitweise pflügen wir mit Vollgas durch den lockeren Sand und kommen doch nur langsam vorwärts. Die Dosierung von Bremse und Gas ist jetzt eine Herausforderung für den Fahrer. Rechtzeitiges Bremsen ist angesagt, damit uns die ruppigen, quer zur Fahrbahn verlaufenden Felsbänder nicht unsanft stoppen. Dazwischen immer wieder Sandfallen. In diesen ausgefahrenen Rinnen tänzelt der Trailblazer unwirsch nach rechts und links, die Räder drehen trotz 4WD durch und Frank muss kräftig gegenlenken um nicht aus der Spur zu geraten.

Unser nächster Abzweig soll nach etwa 6 Meilen kommen, doch hier ist nichts. Wir fahren zur Sicherheit noch eine halbe Meile weiter, wenden dann und fahren zurück. Wir sind zuvor an einer Weggabelung vorbeigekommen, die Fahrspur ist mit Sträuchern ziemlich zugewachsen, passt aber vom Meilenstand (5,3) perfekt zur Wegbeschreibung von Steffen Synnatschke (http://www.synnatschke.de/cbs/cbs.html). Wir werfen die andere Beschreibung nach hinten und halten uns jetzt an Steffen, der die linke Fahrspur empfiehlt. Hier kommen wir vergleichsweise gut voran. Die nachwachsende Beifuss-Vegetation hat einen guten Teil der Fahrrinne überwuchert, was den positiven Nebeneffekt hat, dass die Räder deutlich seltener durchdrehen. Dieser Zustand dauert nicht lange an, es geht wieder durch Sand, Frank ruft nur noch „Festhalten!“ sobald er eine Sandfalle an der ausgeschlagenen Spur erkennt und das Fahrzeug unwillig durch den Tiefsand ackert.

Ich klammere mich an den Türgriff, Vollgas ist angesagt und beinahe unberechenbar schlingert der Chevrolet durch diese Passagen. Fahrer und Beifahrer sind beinahe mit den Nerven am Ende und vergessen vor lauter Aufregung sogar das Erinnerungsfoto an diese tückische Dirt Road. Frank ist ziemlich ungehalten und mault mich an, ob ich sicher wäre, dass schon mal jemand lebend und ohne Achsbruch oder Reifenschaden dieses Gelände wieder verlassen hat. Ja, ich bin mir sicher - habe aber auch schon einige Reiseberichte gelesen, wo jemand im Sand feststeckte. ;-)

Je ärger die Piste wird – kaum zu glauben, aber der Strassenzustand konnte sich tatsächlich noch verschlechtern – desto mauliger wird Frank. Er ist jetzt heftig am Schimpfen, nur Irre würden solche Strassen wie diese fahren. Irre und Geisteskranke! Wenn wir nicht bald da wären, würde er auf der Stelle umkehren und nur noch Cluburlaub machen. An seinem Gesichtsausdruck kann ich jedoch sehen, dass er es nicht ernst meint, im Grunde liebt er Abenteuer wie diese. Die Kreuzung rettet mich erstmal vor dem Schicksal Cluburlaub. Leider steht hier weit und breit kein Schild. Sollten wir uns doch verfahren haben? Wir haben die Qual der Wahl: 3 Fahrspuren - alle gleichermassen sandig und schlecht - stehen zur Verfügung.

Etwas ratlos schaue ich auf die ausgedruckte Karte, ich kann nichts erkennen, mein Bauchgefühl sagt mir nach links. Von meinem Bauchgefühl willl Frank nichts hören, sein Bauch sagt halblinks. Besonders überzeugend finde ich das auch nicht und nehme das GPS aus dem Rucksack, tippe die Koordinaten des Trailheads ein, starte die Navigation und folge mit dem GPS der von mir bevorzugten linken Fahrspur. Nach einer Weile zeigt der Richtungspfeil des GPS nicht mehr in Richtung der Spur. Ich laufe zurück und Frank trommelt bereits ungeduldig mit den Fingern auf das Autodach. Dass habe ihm gerade noch gefehlt. Ironisch meint er, wir könnten ja ein paar Tage warten, bis jemand vorbeikäme, den wir nach dem Weg fragen könnten.

Ein finsterer Blick in seine Richtung lässt ihn verstummen. Aber nicht lange, er würde nächstes Jahr auf alle Fälle Cluburlaub machen, und zwar mit dem Frosch. In seinen grau-grünen Augen blitzt der Spass, er geniesst es, mich zu necken. Bei etwa 30° im Schatten heisst es kühlen Kopf bewahren und der Spur halb links folgen. Nach 250 m sieht es vielversprechend aus, der Richtungspfeil des GPS verläuft noch immer deckungsgleich mit der Fahrrinne. Zurück am Auto ist die Entscheidung gefallen, wir müssen nach halblinks, Frank hat mal wieder ohne techn. Hilfsmittel den Weg geahnt.

Dafür bin ich mir sicher, dass es rechts zur Poverty Flat Ranch und White Pocket geht wo wir anschliessend noch hin wollen. Unterwegs habe ich die Gebäude und das Windrand der verlassenen Ranch in der Ferne ausmachen können. Wir sind wieder auf Kurs und nach weiteren elendig langen Minuten durch Tiefsand erspähen wir das Hinweisschild auf die Coyote Buttes Special Managed Area. Frank ist weiter zu Scherzen aufgelegt und übersetzt für mich den Text: Herzlichen Glückwunsch, Sie Irrer und Geisteskranker, dass Sie es bis hierhin geschafft haben. Wenn Sie noch einen Funken Verstand haben, kehren Sie jetzt um. Falls Sie Hilfe beim Einsammeln der Einzelteile Ihres Autos benötigen, halten Sie das nächste Flugzeug an oder warten Sie auf den nächsten Irren, vorzugsweise aus Germany.

Wie um seine Worte zu untermauern, lacht uns kurze Zeit später ein ausgebleichter Rinderschädel an.

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Jemand hat die Überreste gut sichtbar auf einer roten Sandsteinplatte platziert.

Jetzt sind es nur noch wenige hundert Meter. Es gibt reichlich Parkmöglichkeiten. Den letzten sandigen Hügel bis zum Ende der Fahrspur sparen wir uns, der könnte bei der Auffahrt zum Problem werden. Wir parken das Auto in einem natürlichen Pullout und Reifenspuren verraten uns, dass wir nicht die ersten sind, die die Piste nicht bis nach unten fahren. In der Ferne erblicken wir bereits die markanten kegelförmigen Felsformationen die unser heutiges Ziel sind: die Cottonwood Teepees. Ein letzter kontrollierender Blick in den Rucksack, das GPS und die Kamera um den Hals, den Parkabschnitt des Permits hinter die Scheibe und wir stapfen den sandigen Hügel hinab. Am Trailhead parkt ein robuster, hochbeiniger Jeep mit dem Schriftzug eines Outfitters aus Page. Der Fahrer ist gut gerüstet mit zwei Ersatzrädern, Sandblechen, einer ausladenden Schaufel, einem Reservekanister, einer Seilwinde und weiterem Equipment, verstaut in einer Alubox auf dem Dachträger. Fehlende Ausrüstung kompensieren wir mit Abenteuergeist und Zuversicht.

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Voller Vorfreunde folgen wir den wenigen, aber deutlich sichtbaren Fußspuren Richtung Teepees und tauchen ein in das reichlich gefüllte Schatzkästchen von Mutter Natur. Bereits aus der Distanz wirken die Kegelfelsen prächtig und wir bleiben stehen, um die Formationen in der Nähe zu betrachten.

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Je näher wir den Teepees kommen, desto höher steigt unser Begeisterungspegel. Die Landschaft, die wir bisher nur von Fotos kannten, zieht uns in ihren Bann.

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Überwältigt von Farben und Formen wissen wir nicht, wohin wir zuerst gehen sollen. Wir schauen uns zunächst die fragilen Strukturen zu Füssen der Teepees an.

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Die Schichten wirken wie so filigran wie hauchzarte Bätterteigplätzchen. Vorsichtig laufen wir auf den Felsen herum, stetig bemüht an den empfindlichen Felsplatten keinen Schaden anzurichten.

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Leider war in der Vergangenheit nicht jeder so rücksichtsvoll, bröckelnde Strukturen zeugen von unüberlegten Schritten. Das Gestein ist durchzogen von verschiedenen Farbtönen im Streifenmuster. Die Kraft von Wind, Wasser und viel viel Zeit haben die Felsen zu einem Wunderland aus Farben und Formen erodiert. Wir suchen eine Aufstiegsmöglichkeit auf das Plateau – wollen so wenig Schaden wie möglich anrichten und finden ene Route über einen Felssattel mit stabileren Gesteinsschichten.

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Oben angekommen ist es erstmal Zeit für unser Lunch. Wir suchen uns ein schönes Fleckchen und geniessen das mitgebrachtes French Bread mit smoked Turkey Breast. Als Nachtisch verspeist jeder einen Apfel. Erst einmal haben wir in einer ähnlich faszinierenden Landschaft diniert, vor beinahe einem Jahr in den Coyote Buttes North. Wenn ich mich festlegen müsste, welche Landschaft mir am besten gefällt, könnte ich mich nicht entscheiden. Die Coyote Buttes South sind mindestens so attraktiv wie die Coyote Buttes North mit dem Top Rock.

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Einige Spitzen der Teepees sehen aus wie Tiere. Wir erkennen einen Uhu und einen Adler und machen einen Wettbewerb daraus, phantasiereich die Felsen in der Umgebung zu deuten. Längst sind wir wieder unterwegs. Am härtesten ist es für die Kameras, pausenlos klicken die Blenden und Frank hat bereits den Film gewechselt. Die Speicherkarte meiner Digitalkamera ist ebenfalls voll aber wir sind bestens gerüstet, wir haben noch 2 GB zum Fotographieren. Frank wechselt ständig zwischen SLR und Camcorder, hält dazwischen immer wieder ehrfürchtig inne, ein Gesicht zeigt grösste Bewunderung für die Einzigartigkeit dieser Landschaftsformationen. Ich bin nicht weniger angetan, es ist so schön, dass ich vor Rührung heulen könnte.

Stattdessen streife ich immer weiter über das Plateau und geniesse unseren Aufenthalt in dieser einmaligen Umgebung. Ich entdecke Felsen, die ich von Fotos kenne und unzählige Motive die nur darauf warten, von uns abgelichtet zu werden.

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Kleine Bögen, plattenförmig aufeinandergeschichtete Türmchen, rundliche Haufen, erodierte Hoodoos, Brainrocks, Knubbel, Kleckse, Platten, kreisförmige Farbmuster, Figuren in den unterschiedlichsten Grössen und Farbschattierungen.

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Rosa und Gelb sind besonders markant, eine Fläche von der grösse eines Sportplatzes schimmert fotogen in den tollsten Farben.

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Wir entdecken den Weird Rock ...

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... und geschliffene, wellenförmige Flächen, die stark an die Wave in den Coyote Buttes North erinnern.

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Weitere Teepees am Horizont. Kaum eine Landschaft hat uns je so vereinnahmt wie die Coyote Buttes, die Zeit vergeht wie im Fluge.

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Bei unseren Streifzügen treffen wir auf den Outfitter aus Page, der ein älteres Ehepaar führt und wechseln ein paar Worte. Der Outfitter meint, wir wären ziemlich mutig, dass wir alleine hier nach draussen fahren würden, und das mit einem Trailblazer. Wenn wir stecken oder liegen bleiben, würde das Abschleppen aus dieser entlegenen Gegend 1500 Dollar kosten. Das sind vermutlich Tatsachen, aber für Abschreckung ist es bereits zu spät und der Outfitter weißt bestimmt nicht ganz uneigennützig darauf hin. Die Drei sind auf dem Rückweg zum Auto, wir sind noch lange nicht durch. Ein Blick auf die Uhr verrät uns, dass wir die White Pocket für heute vergessen können.

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Macht nichts, bleibt mehr Zeit für die Coyote Buttes. Zwischendrin trennen wir uns, aber nicht für lange, wir locken uns gegenseitig mit Begeisterungsrufen und möchten unsere Entdeckungen unbedingt mit dem Anderen teilen.

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Wir haben noch viel zu zeigen und zu bestaunen bevor wir uns irgendwann loreissen und zur Umkehr zwingen müssen, damit wir bis zur Dämmerung die sandigen Abschnitte hinter uns lassen können. In dieser betörenden Landschaft sind die Stunden wie im Zeitraffer verflogen und ein Tag mit unglaublichen Eindrücken und Entdeckungen neigt sich dem Ende zu. Mit dem GPS möchten wir zurück zum Auto, Luftlinie sind es von unserem Standort etwa 2 Meilen. Dafür müssen wir das gesamte Plateau überqueren und uns anschliessend durch den sandigen Untergrund am Einstieg der Teepees bis zur Fahrspur kämpfen. Um die Vegetation zu schonen, suchen wir nach unseren Fußabdrücken und laufen in unserer eigenen Spur zurück zum Auto. Geschafft aber unheimlich glücklich plumsen wir ins Auto und verabschieden uns mit einem letzten Blick Richtung Cottonwood Teepees.

Die Rückfahrt ist nicht minder abenteuerlich als die Anfahrt. Richtig schocken kann uns die Strecke jetzt aber nicht mehr, da wir sie schon einmal gemeistert haben und die Piste keine nennenswerten Steigungen oder Gefällestrecken aufweist. Trotzdem atmen wir tief durch, als wir die unberechenbare BLM Road 1066 hinter uns lassen und die weniger anspruchsvolle 1017 auf uns wartet. Erleichterung macht sich breit, als wir die vertrauten Formationen der Vermilion Cliffs in der Nähe der House Rock Valley Road entdecken und fortan auf der gut ausgebauten Dirt Road nach Norden fahren.

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Am Parkplatz des Wirepass Trailheads stoppen wir und treffen auf viele glückliche und strahlende Gesichter, auch den Wavewanderern hat es gefallen. In einem Autokorso zuckeln wir anschliessend die Houserock Valley Road nach Norden und planen das Abendprogramm. Ich möchte gerne noch zur Pahreah Townsite um die farbenprächtigen Chinle-Badlands zu bewundern und mir selbst ein Bild vom abgebrannten Paria Movieset machen. Frank ist einverstanden und anstelle von Page, fahren wir auf dem US 89 Richtung Kanab. Kurz nach der langgezogenen Biegung zweigt die BLM Road 585 zum Movieset ab.

Wir parken vor den Schautafeln und studieren die Geschichte der verlassenen Mormonensiedlung als uns ein älterer Herr anspricht und uns berichtet, dass das Movieset abgebrannt sei. Das wissen wir und eine aufgeklebte Notiz des BLM weist ebenfalls daraufhin. Der Einheimische mit dem alten Pickup wartet hier auf seinen Sohn mit dem Viehhänger und verteibt sich durch Unterhaltungen mit den Touristen ein wenig die Zeit. Er erzählt uns, dass er zur Bürgerintiative gehört, die einst das Movieset nach der Zerstörung durch eine Flutwelle in Kooperation mit dem BLM errichtet hat. Unsere Frage nach dem Wideraufbau beantwortet er positiv, der Aufbau wäre früh im nächsten Jahr geplant. Wir bedanken uns für das nette Gespräch und fahren auf der etwas ausgewaschenen Dirt Road zum Paria Movieset.

Bereits bei der Anfahrt beeindrucken die lilafarbenen Chinle-Formationen.

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Der Tag neigt sich dem Ende, die Schatten sind lang und die Felsen glühen in einem intensiven Farbton. An die schönen Holzgebäude des Movieset erinnern nur noch einige geschwärzte Metallstümpfe, die einst das Fundament bildeten und einige verbogene Metallteile. Ein Baum in der Nähe hat den Brand ebenfalls nicht überlebt und das verkohlte Skelett zeugt von der enormen Hitze des Feuers. Am Trailhead zur Pahreah Townsite nehmen wir uns ein Faltblatt aus dem Behälter und lesen, dass von der verlassenen Mormonensiedlung nichts mehr sichtbar ist als ein paar umgefallene Grabsteine auf dem Friedhof.

Da es bereits spät ist, sparen wir uns die Kurzwanderung und brechen auf um in Page einzukaufen.

Zum Ausklang dieses besonderen Tages gönnen wir uns ein Brathähnchen von der heissen Theke im Safeway, einen Salat für jeden und eine Flasche Wein, mit der wir nach einer wohlverdienten Dusche den gemütlichen Teil des Abends auf dem Zeltplatz einläuten.

Gefahrene Meilen: 187
Übernachtung: Wahweap Campground Glen Canyon NRA 19$

xe3tec
28.11.2009, 23:00
toller Bericht und schöne Bilder!
muss ja ne spannende Gegend sein

boehm22
29.11.2009, 09:13
Hi Kate,

vielen Dank für den schönen und ausführlichen Bericht.

Die "roten Steine" sind schon immer wieder faszinierend, und dabei ist das ja nur ein ganz kleiner Teil von allem.

Ich freu mich über weitere Berichte in der Art von Dir. :p

Canyoncrawler
30.11.2009, 20:03
Hallo,

ich Danke Euch für die netten Kommentare. :D