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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [SE][NO] Sarek, Padjelanta, Sulitjelma



dingsbums
14.10.2009, 22:47
Land: Schweden, Norwegen
Reisezeit: Ende August, Anfang September
Region/Kontinent: Nordeuropa

[IMG-L]http://img126.imageshack.us/img126/4458/7304.jpg[/IMG-L]Dieses Jahr ging es für Holger und mich zum ersten Mal in den Sarek. Nachdem wir auf diversen Touren in Lappland einiges an Erfahrung gesammelt haben, sollte das eigentlich kein Problem sein. Trotzdem haben wir uns für den Anfang eine vermeintlich leichte Tour ausgesucht, mit Trampfelpfaden. Wir entschieden uns für eine Tour durchs Basstavagge und Alggavagge mit anschließender Wanderung nach Staloluokta.

Um es vorwegzunehmen: Es war sogar noch leichter als erwartet. Ich habe lange überlegt, ob ich das hier so schreiben soll. Nicht, dass jetzt die Leute denken - ach, der Sarek ist einfach, da gehe ich auch hin. Ich möchte eigentlich zum Gegenteil motivieren. Es gibt viele markierte Wanderwege, die wahnsinnig schön, bei Bedarf auch anspruchsvoll und teilweise auch einsamer (dazu später mehr) sind. Durch Brücken und Hütten unterwegs bieten sie aber mehr Sicherheit und sind für Anfänger eher geeignet. Ich finde es unsinnig, gleich in den Sarek zu gehen, nur um im Sarek gewesen zu sein.

Wenn ich mir Carstens aktuellen Bericht (http://forum.outdoorseiten.net/showthread.php?t=36936) angucke und er schreibt 'Der Nordkalottleden ist ueberall da wo er sich nicht die Strecke mit einem anderen Trails wie dem Kungsleden oder Padjalantaleden teilt ein sehr anspruchsvoller Trail und zusammenfassend kann ich sagen, das die Aktion sicher das anspruchsvollste war, was ich in meinem Trekkingleben bis dato gemacht habe.', dann wird das mit dem 'einfach' vielleicht auch etwas relativiert.
Wir waren in den letzten Jahren viel auf Teilen des Nordkalottleden und anspruchsvolleren Nebenstrecken in Norwegen unterwegs. Außerdem hatten wir im Sarek Glück mit dem Wetter. Fast nur Sonnenschein und kein Fluss war höher als knapp knietief. Bei Regen und hohem Wasserstand in den Flüssen sieht das schon ganz anders aus. Also: für uns und unter den Randbedingungen war die Wanderung überraschend einfach, ich möchte das auf gar keinen Fall verallgemeinern!

Aber genug der Vorgeschichte, die Erzählung beginnt:

23.08. Anreise oder 'Alles anders'

Wie immer hieß es früh aufstehen, um 4:30 nach nur 3 Stunden Schlaf, und ab nach Frankfurt zum Flughafen. Beim Einchecken war es etwas aufwändig, das Gepäck bis Kiruna durchzuchecken, da wir die Flüge separat bei Lufthansa und SAS gebucht hatten, aber die Dame am Schalter schaffte es. Uns war aber gleich klar, dass wir das in Stockholm prüfen würden - eine gute Idee, wie sich zeigen sollte.

Beim Einsteigen in den Flieger erkannten wir auch gleich Mart76 mit Frau, die lustigerweise ganz in der Nähe saßen. Wir hatten hier im Forum vorab festgestellt, dass wir den gleichen Flug haben, und uns gegenseitig etwas beschrieben. Schön, wenn man so 'Bekannte' trifft. :-)
Ich nutzte den Flug, um etwas Schlaf nachzuholen.

In Stockholm kamen dann tatsächlich unsere Rucksäcke auf dem Band angefahren. Martin und Martina waren besonders dankbar, dass wir das prüfen wollten, denn auch ihre Rucksäcke mussten abgeholt und neu aufgegeben werden. Während das bei uns ja von Anfang an fraglich war, gab es bei ihnen beim ein- und Gepäck durchchecken aber keine Probleme, und ihnen wurde gesagt, sie könnten die Rucksäcke in Kiruna dann wieder abholen. Da hätten sie schön gestanden ... Ich fragte auch noch nach, wie das kommt, dass das Gepäck doch nicht durchgecheckt wird. Als Erklärung wurde mir gesagt: Wenn man mit Lufthansa fliegt, muss man das Gepäck abholen, wenn man mit SAS fliegt, geht es durch. Komisch - man checkt schließlich an genau dem gleichen Schalter ein - kein Wunder, dass es da auch in Deutschland zu Missverständnissen kommt.

Okay, wir also mit unserem Gepäck los zum nationalen Terminal. Eine knappe Stunde zum Umsteigen wird damit sehr knapp, durften wir feststellen. Bei Holger und mir wäre das vermutlich noch unser persönliches Problem geworden, da wir ja einzeln gebucht hatten. Mart76 hatte allerdings den Flug komplett gebucht, da hätte sich die SAS kümmern müssen. Aber es reichte ja ... Wir konnten das Gepäck zwar nicht einfach nur 'droppen', denn das in Frankfurt ausgestellte Label war nicht mehr gültig. Wir brauchten ein neues, wurden aufgrund der Zeitknappheit auch schon nach vorne geleitet, aber der CheckIn für unseren Flug war eigentlich schon zu. Nun, ein Anruf konnte das Problem beheben, neue Labels, Rucksäcke beim Sondergepäck abgeben, hoch zu den Gates - und natürlich war eine Schlange am Securitycheck. Auch die durften wir dann aber passieren und so kamen wir noch fast pünktlich zum Boarden. Es waren zwar schon alle im Flugzeug verschwunden, aber sie waren noch dabei, sich zu setzen. Uff! Das war geschafft, jetzt mussten unsere Rucksäcke nur noch auch wirklich in Kiruna ankommen. Anderthalb Stunden später konnten wir dies positiv verifizieren.

Netterweise stand auch ein Flygbuss vor der Tür, obwohl es ja offiziell keinen Fahrplan dafür gibt (wurde an anderer Stelle hier im Forum diskutiert). Prima, mit Zwischenstop am Busbahnhof und im Zentrum fuhr er uns bis zum Bahnhof. Jetzt hieß es warten auf den Zug. Martin und Martina gingen nochmal kurz ins Zentrum Geld ziehen, während wir bei den Rucksäcken blieben. Dann nutzten wir die für die nächsten Wochen letzte Möglichkeit auf Fastfood :bg: und kauften am gut besuchten Alta Grillen Hamburger mit Pommes. Während wir am Futtern waren, kam schon unser Zug. Also nahmen wir Abschied von Martin und Martina (Wird es auch von euch einen Bericht geben? So oder so hoffe ich auf ein Treffen am Pfälzer Stammtisch und viele Erzählungen!) und steigen ein.

Dann gab es noch ein lustiges Intermezzo im Zug, der erst 10 min später losfuhr. Plötzlich steht jemand neben uns und fragt: "Habt ihr den Bericht über die Wanderung von Katterat nach Ritsem im Internet geschrieben?" Da mein Bericht von letztem Jahr auf diese Frage zutrifft, sage ich mal "Ja" und schwups - ist dieser Mensch auch schon wieder verschwunden. Ich kann es mir nur so erklären, dass er uns erkannt hat, es halt einfach wissen wollte, aber nicht wusste, dass der Zug noch 10 min im Bahnhof stehen wird. Und bevor er ungewollt unterwegs nach Gällivare ist, ist er halt doch lieber schnell wieder raus. Großer Unbekannter, falls du diesen Bericht liest - habe ich mit meiner Vermutung recht?

In Gällivare war wenig Zeit zum Umsteigen, aber wir waren pünktlich, kein Problem. So schwer es mir fällt, unterwegs zu schlafen (nicht weil ich nicht schlafen könnte, nur aus Angst, etwas zu verpassen), diesmal verzichtete ich auf Bäume und Steine und machte im Bus die Augen zu. Der Busfahrer gab (wie immer :-) Gas, und so standen wir 20 min zu früh am Bootsanleger. In Saltoluokta wartete unser reserviertes Primus Power Fuel auf uns (ein Kocher ohne Benzin ist Scheiße, deswegen war ich auf Nummer Sicher gegangen und hatte vorher per Email 'bestellt'), außerdem gönnten wir uns nochmal ein schönes Doppelzimmer mit Betten zum Kuscheln.

Beim Abendessen gab es Neuerungen. Die Tür des Restaurants wurde zugemacht, die Gäste begrüßt, das Menu und dazu passende Weine vorgestellt - und es gab wieder teilweise Buffet. Ob vielleicht zu viele Leute ins Gästebuch Bemerkungen über sehr gutes Essen, aber recht kleine Portionen geschrieben haben? ;-) Das Essen war super wie immer, Lachs als Vorspeise, Souvas im Buffet und Zitronensorbet als Nachtisch. Damit kann die Outdoorküche der nächsten 3 Wochen nicht ganz mithalten - obwohl es nach einem langen Tag im Fjäll fast noch besser schmeckt. :-) Danach saßen wir noch bei einem Bier an unserem 'Stammtisch' beim Kamin. Das Schmökern im Gästebuch zeigte erste Spuren von Henning, sein Eintrag eine Woche alt. Wie schon im Forum angekündigt hatte er dieses Jahr (wieder :-) teilweise gleiche Ziele, allerdings war er einen Monat vor uns unterwegs.

24.08. Die längste Etappe am ersten Tag (Saltoluokta - Sitojaure)

Was für ein toller Plan, gleich am ersten Tag mit vollen Rucksäcken die mit 20 km längste Etappe der Tour zu machen. Nun - es passte und ich würde es wieder so machen, aber es wurde ein langer Tag. Ich gehöre zu den Menschen, die eher etwas langsamer unterwegs sind und nach ca. anderthalb Stunden eine Pause brauchen. Deswegen dauern meine Etappen auch immer etwas länger, was aber meinen Genuss an einer Tour in keinster Weise mindert!

[IMG-L]http://img118.imageshack.us/img118/3636/saltor.jpg[/IMG-L]Beim Frühstück saßen wir zusammen mit einem Pärchen, das gerade aus dem Sarek kam, das war doch eine schöne Einstimmung auf unsere Tour. Nach packen, Zimmer saubermachen und Tee kochen trennte uns nur noch eins vom Start: die Rucksackwaage. Wir hatten morgens noch etwas zu mir umgepackt, da ich zuhause einen so 'leichten' Rucksack hatte. Jetzt zeigte die Waage bei mir doch 23,5 kg, bei Holger 'nur' 26 kg, allerdings jeweils mit voller Tee- bzw. Wasserflasche. Holger bot mir auch gleich an, wieder was zu ihm zurückzuladen, aber mit dem Beschluss, abends aus meinem Rucksack zu essen, fand ich das so schon okay. Tja, so viel leichter als letztes Jahr was das nicht, trotz Essen für 'nur' 12 statt 17 Tage. Aber es war okay und so ging es gegen 11 Uhr endlich los, erst mal bergan. Das Wetter war mittlerweile trocken und ab und zu erahnte man schon die Sonne. Ich war sogar eher froh, dass sie erst mal hinter Wolken war, bis wir die 300 Höhenmeter hinter uns hatten.


[IMG-L]http://img245.imageshack.us/img245/9275/salto2b.jpg[/IMG-L]Nach dem Aufstieg gab es eine erste Pause, mit Blick zurück und auf Lulep Kierkau, auf den wir letztes Jahr gestiegen waren.


[IMG-L]http://img396.imageshack.us/img396/4622/9117.jpg[/IMG-L]Danach marschierten wir bis zur Schutzhütte, dort gab es die nächste Pause. Mittlerweile lachte auch die Sonne. Ich habe heute die Leute gezählt, die uns entgegen kamen, damit ich das mit dem Sarek vergleichen kann, es waren 17. Mit einem netten Schweden haben wir uns etwas länger unterhalten, er hatte nur Regen im Sarek. Das gleiche berichtete uns abends jemand in der Hütte. Na, dann wurde es ja Zeit für gutes Wetter! Und das sollte in den ersten Tagen auch wahr werden. :D

Die Strecke ging sich weiter gut, allerdings hatte ich zu Beginn des letzten Drittels ein kleines Tief und bewegte mich mehr mit Willenskraft als mit Freude vorwärts. Und so musste dann auch nochmal eine Pause sein. Während der Rastplatz zuerst eher aus der Not geboren war, anstatt einen tollen Ausblick zu bieten, erspähte ich dann aber etwas weißes im Fluss. Was sollte das denn sein? Also Fernglas ausgepackt und wir konnten eine Gänsefamilie beobachten: Papa, Mama und 3 Kids - schön!

Danach gingen sich die letzten Kilometer fast von selbst und so waren wir nach 8,5 Stunden da. Da die Pausen zusammen über 2 Stunden dauerten, war ich mit meinem Schnitt für 20 km am ersten Tag mehr als zufrieden. Zuerst hielten wir einen Schwatz mit dem Mann der Hüttenwartin und waren positiv überrascht von der Small-Talk-Fähigkeit unserer immer noch dünnen Schwedischkenntnisse. Die Hüttenwartin selbst war in der Hütte zum Kassieren. Sie war sehr nett, sprach super Deutsch und erzählte auch gerne, so dauerte es ein bisschen, bis wir unser Zimmer bezogen und bezahlt hatten.

Mittlerweile war die Sonne hinterm Horizont verschwunden, also hieß es schnell in den See, bevor es richtig kalt wird. Aber es war kaum windig und so auch ohne Sonne kein Problem. Und nach einem 'Bad' im kalten Wasser fühlt man sich einfach wie neugeboren.

Danach bin ich noch schnell ein paar Blaubeeren fürs Müsli am Morgen pflücken gegangen. Dieses Jahr gibt es kein Jammern übers Müsli, nicht weil ich es mittlerweile so lecker finde (obwohl die Mischung dieses Jahr besser war), sondern weil ich diesmal konsequent für Blaubeervorrat gesorgt habe. So gab es morgens Blaubeeren mit gesunden, nahrhaften Flocken dazwischen, das war fast lecker. ;-)

Bis wir dann mit Essen und Tagebuch schreiben fertig waren, war es schon 10. Also schnell ab ins Bett. Mein Eintrag im Tagebuch endete heute mit 'Und dann kommt er, der Sarek. Ich bin ja mal gespannt und freue mich.'

Atze1407
15.10.2009, 02:23
he, wo ist der Rest?

Gruss Atze 1407

ulfs
15.10.2009, 09:20
Danke für den Bericht!
Kann deine Erfahrungen nur bestätigen. Waren dieses Jahr im Sulitjelma- und Arjeplogfjäll unterwegs und es war wesentlich einsamer (und damit auch "wilder") als die Haupttäler des Sareks. Man muss nur damit leben, dass man hin und wieder mal kleine, meist verlassene, Zivilisationsreste vorfindet. Trotzdem bleibt der Sarek natürlich landschaftlich etwas einmaliges!
Freue mich auf die Fortsetzung!
Ulf

Mika Hautamaeki
15.10.2009, 12:13
Das liest sich ja (wieder) phantastisch! Bitte schnell weiterschreiben.

Prachttaucher
15.10.2009, 13:16
:wohoo: super, es geht los

Ich bin komplett mit SAS (leider mit Umweg) geflogen. In Kopenhagen wurde der Rucksack durchgecheckt, weil ich dort ja nicht einreisen wollte. In Stockholm mußte ich Ihn zum Inlandsflug schleppen, weil ich in Schweden einreisen wollte.

dingsbums
15.10.2009, 13:23
:wohoo: super, es geht los
Ja, nach dem ein oder anderen Wink mit dem Zaunpfahl habe ich endlich angefangen. ;-) Ich habe leider wenig Zeit und muss auch die Bilder noch scannen. Aber heute abend gibt es die nächsten beiden Tage, versprochen. Es macht ja auch für einen selbst unheimlich Spaß, alles noch einmal zu 'erleben'.

Ich bin komplett mit SAS (leider mit Umweg) geflogen. In Kopenhagen wurde der Rucksack durchgecheckt, weil ich dort ja nicht einreisen wollte. In Stockholm mußte ich Ihn zum Inlandsflug schleppen, weil ich in Schweden einreisen wollte.
Das ist doch komisch, wir waren ja Ende Juni auch nach Kiruna geflogen, da wollten wir das Gepäck abholen (und sind ja nach Schweden eingereist), da wurde es aber durchgecheckt ... Na, wenn es eine Ordnung hätte, wäre es auch zu einfach. :-)

Prachttaucher
15.10.2009, 14:43
Ich finde es jedenfalls :motz: in Arlanda nicht durchgecheckt zu werden. Hatte das letzte Mal nicht so viel Zeit zum Wechseln. Hinzu kam, daß der Rucksack in Hannover als Sperrgut aufgegeben wurde. Jetzt durfte ich in Arlanda immer zwischen Gepäckband 7 (wo er dann letztendlich ankam) und dem für Sperrgurt hin und her rennen - so etwa einmal durch die Halle...Doch jetzt :angst: auf daß es bald weitergeht

phoeniks
15.10.2009, 15:33
Viel schöner finde ich es ja, wenn man mit Germanwings von Arlanda nach Deutschland fliegt. Der Rucksack gilt auch als Sperrgepäck, man muss das Ganze dann beim Einchecken selber durch die Absperrung, sprich hinter den Tresen der Angestellten, aufs große Gepäckband legen während die Mädels vom Schalter grinsend zuschauen :bg:

dingsbums
15.10.2009, 18:17
25.08. Zelt kaputt (Rinim - Basstavagge, kurz vor der Wasserscheide)

[IMG-L]http://img205.imageshack.us/img205/6497/9113h.jpg[/IMG-L]Um 10:00 fuhr heute das Boot nach Rinim, so standen wir um 7:00 auf. Hektik am Morgen ist nichts für mich. :-)
Die Nacht war kalt, Reif auf den Pflanzen, und uns erwartete ein strahlender Tag.
Mit uns fuhren zwei Schweden nach Rinim, die Fahrt war bei diesem Wetter wunderschön und dauerte ca. eine Stunde. Zwischendurch war der See ganz flach und unser Bootsführer folgte einem durch Stecken markierten Weg. Aber an anderer Stelle beträgt die Tiefe wohl um die 65 Meter, wurde uns gesagt.

[IMG-L]http://img339.imageshack.us/img339/3407/9104.jpg[/IMG-L]Um 11:00 hüpften wir aus dem Boot und marschierten kurz später los.

[IMG-L]http://img339.imageshack.us/img339/3793/8233.jpg[/IMG-L]Kurz vor dem Eingang zum Basstavagge gab es dann die erste Pause - Genuss in der Sonne.
[IMG-L]http://img238.imageshack.us/img238/5640/8235.jpg[/IMG-L]

[IMG-L]http://img392.imageshack.us/img392/3482/8224b.jpg[/IMG-L]Der Weg war immer gut zu gehen, der erste Fluss so flach, dass wir in Wanderschuhen durchkamen. Beim nächsten mussten wir dann Schuhe wechseln, in Crocs kein Problem, aber kalt! Bei dem schönen Wetter konnten wir auf der anderen Seite aber einfach kurz warten, bis die Füße wieder trocken waren, und weiter ging's. Auch am nächsten Fluss wechselten wir wieder in Watschuhe. Vielleicht wäre das gar nicht nötig gewesen, stellten wir dann beim Furten fest, aber dass so viele geeignete Steine im Fluss liegen, war bei dem trüben Gletscherwasser vorab nicht zu sehen gewesen. Nach einer weiteren Pause zum Füße trocknen kam dann der Endspurt.
[IMG-L]http://img339.imageshack.us/img339/2246/8223.jpg[/IMG-L]


Wir entschieden uns, kurz vor der Wasserscheide zu zelten, der Bootsführer hatte uns dort einen Platz empfohlen. Nach ein bisschen (kritischem :-) Suchen hatten wir auch bald einen Platz gefunden, den wir als gut empfanden, stellten das Zelt auf, wollen einräumen - und dann höre ich Holger fluchen.

Der Reißverschluss der einen Apsis war kaputt. Was für eine Scheiße! :( Wenn wir unser Zelt nicht zukriegen, können wir gleich wieder umdrehen, das darf doch wohl nicht wahr sein!

Also mal geguckt, was wir machen können. Der Zipper war rausgegangen. Wir versuchten, ihn wieder einzusetzen (wobei ich erst mal nicht aufpasste und ihn falschrum einsetzte - so konnte er natürlich nicht schließen :ignore:), aber es half nichts. Irgendwas war gebrochen und er saß nicht mehr fest genug, um den Reißverschluss zu schließen.

Aber dann hatte ich eine gute Idee: Schließlich hat der Reißverschluss einen Doppelzipper, so dass man den Eingang auch von oben öffnen kann. Gut, offen war er zwar schon, aber wenn wir ihn trotzdem 'geöffnet' haben, konnten wir ihn mit dem zweiten Zipper von unten nach oben wieder schließen. Die Nacht war gerettet, allerdings war das noch keine Dauerlösung, da unten das Gegenstück fehlte und so der Reißverschluss keinen Abschluss hatte und schnell wieder aufging. Wir entschieden aber, dass es für die Nacht okay ist und wir am nächsten Morgen über zunähen nachdenken.

Der erste Schock war überwunden, aber so endete ein schöner und sonniger Tag doch eher frustrierend. Während wir an unserem Zelt werkelten, kamen noch zwei Wanderer mit Hund vorbei - es waren Nummer 9 und 10 für den Tag. 10 Leute an einem Tag? Nein, der Sarek ist eindeutig nicht einsam! Bis zur Skarja sollte das so ähnlich bleiben, erst danach wurde es ruhiger.

dingsbums
15.10.2009, 21:50
26.08. Zelt genäht - weiterhin Sonne (Basstavagge - Bielavallda)

[IMG-L]http://img397.imageshack.us/img397/9803/8219.jpg[/IMG-L]Die erste Nacht im Zelt schlafe ich immer sehr unruhig - so auch dieses Jahr. Trotzdem wachten wir gegen 7:00 recht ausgeruht auf, und die Sonne schien auch schon. Es kam zwar die ein oder andere Wolke aus dem Tal gekrochen, löste sich dann aber schnell auf, prima.
[IMG-L]http://img131.imageshack.us/img131/9638/8218.jpg[/IMG-L]
Nach dem Frühstück packten wir erst mal alles bis auf das Zelt ein, und ich machte mich an das Nähen des Reißverschlusses. Ich habe ihn also unten festgenäht - und er bestand den 'Ziehen- und Zerren-Test'! Das sollte auch für starken Wind reichen! Wir können unsere Tour fortsetzen, juchu!
:wohoo:

Unser geliebtes Kaitum hat zwar jetzt nur noch einen Eingang, aber immer noch zwei Apsiden. :-) Außerdem kann man auf der zugenähten Seite den Reißverschluss schon von oben aufmachen, um Sachen reinzulegen. Wir nehmen uns aber vor, das nicht zu oft zu machen, lieber vorsichtig sein. Die Info vorab: Es gab keine weiteren Probleme mit dem Zelt, wir hatten uns schnell wieder an nur einen Eingang gewöhnt und weniger Platz gab es ja dadurch nicht.

[IMG-L]http://img508.imageshack.us/img508/3109/8215.jpg[/IMG-L]Um 10:15 ging es dann los, der Alep Basstajåhkå war schnell erreicht. Der Blick hoch zum Gletscher war klasse, der Fluss heute kein Problem - nur noch kälter als die anderen! Aber es war sonnig und so blieben wir gleich wieder ein bisschen sitzen und ließen die Füße trocknen. Das Tal war hier oben schon sehr steinig und es folgte auch das ein oder andere Geröllfeld. Aber wir sind da ziemlich abgehärtet, und es ging sich eigentlich immer ganz gut.

[IMG-L]http://img99.imageshack.us/img99/4801/8209e.jpg[/IMG-L]Hier die Stelle zwischen Schneefeld und Fluss, über viele kupferrote Steine, war sogar richtig schön. Und lustig sehe ich von hinten aus, mit meinem blauen Pulli, grünen Rucksack und den roten und gelben Schuhen.

[IMG-L]http://img50.imageshack.us/img50/4826/8207b.jpg[/IMG-L]Bald danach gab es eine Stelle mit schönem Blick ins weitere Tal, weiter hinten sah man schon das Sarekmassiv. Die perfekte Stelle für eine Pause. Aber am meisten fasziniert hat mich der kupferrote Berg mit Schneefeld, von der Sonne angestrahlt.
[IMG-L]http://img339.imageshack.us/img339/7843/8202.jpg[/IMG-L]
[IMG-L]http://img240.imageshack.us/img240/137/8201.jpg[/IMG-L]
[IMG-L]http://img115.imageshack.us/img115/5793/8205.jpg[/IMG-L]

[IMG-L]http://img405.imageshack.us/img405/6455/7336.jpg[/IMG-L]Dann ging es weiter, ein Fluss erwartete uns heute noch, der aus dem Soabbevagge. Auch hier fanden wir problemlos eine gute Stelle, Schuhe wechseln war aber wieder nötig. Auf der anderen Flussseite sahen wir eine Gruppe von mindestens 6 Leuten, die rasteten aber weiter oberhalb, so traffen wir uns nicht direkt. So langsam wurde es zu einer netten Gewohnheit, nach dem Waten faul in der Sonne zu sitzen, bis die Füße trocken sind. Und das bei diesem Ausblick!
[IMG-L]http://img124.imageshack.us/img124/81/7335.jpg[/IMG-L]
Kurz danach kam ich in den Genuss, fremden Müll aus dem Sarek rauszutragen. Ich denke (und hoffe), dass eine halbvolle Packung Erdbeersaft mitten auf dem Weg nicht mit Absicht weggeworfen wurde. Wer das Zeug allerdings freiwillig trinkt, ist mir nicht so ganz klar ...

[IMG-L]http://img101.imageshack.us/img101/6162/7331.jpg[/IMG-L]Das Ziel heute war nicht mehr weit, wir wollten am Bielajavratja zelten. Schon von weitem sahen wir auf der anderen Seeseite ein Zelt in der Nähe der Stuga stehen. Unser Trampelpfad war erst noch recht weit oberhalb des Sees, allerdings sprach auch nichts dagegen, eher bis zum Ende des Sees zu gehen - bis auf die Tatsache, dass es mittlerweile nach Regen aussah. Wo kam das denn her? Also vielleicht doch mal bald nach einem Zeltplatz suchen. :-)

Als wir uns der ersten guten Stelle näherten, sahen wir einen Wanderer, der gerade selbst auf der Suche nach einem Zeltplatz war. :-) Na, dem mussten wir uns ja nicht genau vor die Nase bauen, also gingen wir noch ein Stückchen weiter. Und fanden einen schönen Platz, mit super Stelle zum Baden. Und das Wetter hielt doch, es wurde wieder sonnig.

Nachdem wir unser Zelt aufgebaut hatten (jetzt musste man ja wieder darauf achten, auf welcher Seite der Eingang ist, wie ungewohnt), saßen wir so erst mal schön in der Sonne, futterten Nüsse und genossen das Leben. Das anschließende Bad im See war eiskalt, aber toll. Dann gab es noch einen kleinen Spaziergang, mit Blaubeerpflücken, immer brav für Frühstücksvorrat sorgen!

Das Zelt unseres Nachbarn war in einer Senke nicht zu sehen, aber zwischendurch kam er auf seinen Hügel, und wir winkten uns zu. Am Seeufer gegenüber blieb alles still, vermutlich waren die Bewohner noch auf Tagestour. Wir kamen heute also auf 7 Leute, plus das Zelt gegenüber, trafen aber niemanden direkt.

backpacker99
15.10.2009, 22:01
Endlich kommt euer Tourenbericht!!!

Habe schon täglich damit gerechnet!
Liest sich mal wieder sehr schön und auch tolle Bilder.
Tatsächlich so viele Leute im Sarek unterwegs????
War selber 2mal dort und habe nur sehr wenige leute getroffen ( allerdings war das Anno Domini 1986 und 1990).


Weiter so und schönen Abend noch!!!

Prachttaucher
15.10.2009, 22:48
"Das Tal war hier oben schon sehr steinig und es folgte auch das ein oder andere Geröllfeld. Aber wir sind da ziemlich abgehärtet, und es ging sich eigentlich immer ganz gut."

;-)Eine Eurer Übungsstrecken kenne ich nun ja auch...

:D Wieder super tolle Bilder und spannender Bericht. Wettermäßig hattet Ihr ja einen sehr guten Start. Mitte August (mein Start) war´s recht ungemütlich mit einem Schnee-Morgen, die zweite Woche (Euer Start) dann auch frohlocken meinerseits mit einmal Sonnenbaden.

ulfs
15.10.2009, 22:57
Ein Hund im Sarek? Das sollten mal besser nicht die Ranger sehen!
Mein Fernweh steigt langsam immer schneller, und das wo ich gerade mal einen Monat wieder da bin :motz:

Dani
16.10.2009, 09:25
super bericht und fotos!

nur eine frage hab ich, der bisher "nur" in den alpen trekken war. führen all diese trekking-wege nie auf die berge rauf? oder anders gefragt, reizt es euch nicht, mal auf so'nen hügel raufzusteigen. die aussicht müsste doch phantastisch sein da oben?

peter-hoehle
16.10.2009, 09:36
Ein sehr schöner Anfang!
Das ist der ideale Stoff um Fernweh zu schüren.:motz:
Die Bilder sind sehr schön.Bitte weiter so.;-)

Einen schönen Tag wünscht Peter(der in 3 Wochen nach Peru fliegt :bg: )

ulfs
16.10.2009, 10:14
super bericht und fotos!

nur eine frage hab ich, der bisher "nur" in den alpen trekken war. führen all diese trekking-wege nie auf die berge rauf? oder anders gefragt, reizt es euch nicht, mal auf so'nen hügel raufzusteigen. die aussicht müsste doch phantastisch sein da oben?

Sofern man im Sarek von "Wegen" sprechen kann, führen sie weitestgehend durch die Täler. Ist im Fjäll auch sinnvoller, man kommt dort wesentlich besser voran, in größeren Höhen sind etwaige Routen ständig von Gletschern, etc. unterbrochen. Außerdem ist es schlicht nicht nötig über Gipfel zu kraxeln, denn Täler und Quertäler führen meist von A nach B. Gipfelbesteigungen machen da als Tagestouren nach persönlichem Geschmack mehr Sinn.
Grüße

Dani
16.10.2009, 10:32
Sofern man im Sarek von "Wegen" sprechen kann, führen sie weitestgehend durch die Täler. Ist im Fjäll auch sinnvoller, man kommt dort wesentlich besser voran, in größeren Höhen sind etwaige Routen ständig von Gletschern, etc. unterbrochen. Außerdem ist es schlicht nicht nötig über Gipfel zu kraxeln, denn Täler und Quertäler führen meist von A nach B. Gipfelbesteigungen machen da als Tagestouren nach persönlichem Geschmack mehr Sinn.
Grüße

???

ich gehe eben vorallem der landschaftlichen schönheiten, der natur, den tieren aber auch der körperlichen anstrengung wegen oder um mal abzuschalten, trekken/wandern und nicht um möglichst sinnvoll und auf guten wegen von A nach B zu kommen. sollte das mein bedürfnis sein, würde ich wohl eher bus/zug/wagen/flugzeug nehmen.

dingsbums
16.10.2009, 10:52
Klar kann man den ein oder anderen Berg besteigen und das wird auch gemacht. Wege gibt es nicht, man muss also gucken, welcher Berg ist machbar, was sind mögliche Routen, dazu gibt es etwas Literatur und natürlich das Internet mit Berichten oder Foren wie hier. :-)

Wir haben da noch nicht so viel gemacht, aus diversen Gründen. Erstens ist eine Tour auch so einfach klasse und man hat schon super Ausblicke. Zweitens sind die meisten Berge nicht so einfach, man sollte schon gut überlegen, was man sich da zutrauen und auf was man steigen sollte. Und dann mein persönliches drittes: Ich bin zu dick und auf einen Berg zu steigen ist für mich einfach richtig anstrengend.

Und so waren wir dieses Jahr auf keinem, und viele Leute wandern 'nur' durch Täler und über Pässe und Hochebenen. Und glaube mir, der ein oder andere Pass auf solchen Touren ist heftig genug. Allerdings liebäugele ich schon mit dem ein oder anderen Berg - auf einer der nächsten Touren. ;-)

Dani
16.10.2009, 11:21
... und viele Leute wandern 'nur' durch Täler und über Pässe und Hochebenen ...

das ist eben das, was mir heute auffiel. die fotos fast aller skandinavientouren ähneln sich darin, dass man vorallem weite täler und hochebenen sieht. nicht dass mir das nicht gefallen würde, auch wenn es mir zugegebenermassen auf die dauer wohl ein wenig zu langweilig wäre. aber eben, mit meinem hintergrund stellte sich mir automatisch die frage nach dem besteigen der berge/hügel an den bildrändern.

Ari
16.10.2009, 12:28
Wieder ein schön zu lesender Bericht mit guten Fotos. Danke dafür.


Ein Hund im Sarek? Das sollten mal besser nicht die Ranger sehen! - schade eigentlich, dass sich die Schweden so "haben", so bleiben auch mir die schwedischen NP verschlossen (zum Glück sehen das die Norweger anders ;-))

Jaerven
16.10.2009, 13:31
- schade eigentlich, dass sich die Schweden so "haben", so bleiben auch mir die schwedischen NP verschlossen (zum Glück sehen das die Norweger anders )

Das hat seine Gründe.... und ist für Weidegebiete der Rentiere auch sinnvoll. :grins:

Dani
16.10.2009, 13:58
Das hat seine Gründe.... und ist für Weidegebiete der Rentiere auch sinnvoll. :grins:

ist in den französischen nationalparks zum glück auch so. obwohl's da, glaub ich, keine rentiere gibt.

Prachttaucher
16.10.2009, 14:33
;-) Dafür gibt´s da die Trüffelsuchschweine, die dürfen bei ihrer Arbeit nicht gestört werden...

Ari
16.10.2009, 16:12
Das hat seine Gründe.... und ist für Weidegebiete der Rentiere auch sinnvoll. - die Rentierweiden gibt es in Norwegen genauso - deswegen auch genereller Leinenzwang.

In französichen Nationalparks rennen ganze Herden von Haustieren (Rinder, Schafe, Pferde) frei herrum, das ist mit Sicherheit problematischer als ein angeleinter Hund - zumal ich zumindest in den Pyrenäen Hütehunde auch im NP getroffen habe.

ulfs
16.10.2009, 17:05
???

ich gehe eben vorallem der landschaftlichen schönheiten, der natur, den tieren aber auch der körperlichen anstrengung wegen oder um mal abzuschalten, trekken/wandern und nicht um möglichst sinnvoll und auf guten wegen von A nach B zu kommen. sollte das mein bedürfnis sein, würde ich wohl eher bus/zug/wagen/flugzeug nehmen.
Irgendwie kannst du nicht ohne immer eine kleine Provokation oder zumindest ein bißchen Populismus , oder? ;-)
Naja ich möchte mir jedenfalls nicht unterstellen lassen, nicht aus selbigen Gründen wandern zu gehen. Die Verhältnisse sind nun mal andere als in den Alpen, mir fallen spontan keine längeren Gradwanderungen oder ähnliches im Sarek ein, die insofern Sinn machen, dass sie von A nach B ohne klettern oder Gletscherbegehungen gehen sondern meist nur von A nach A und in dem Fall gehe ich das lieber ohne Gepäck als Tagestour und setze meinen Weg im Tal fort. Daraus würde ich nicht machen, dass nicht wandern gehe um Natur zu sehen und körperliche Anstrengungen auf mich zu nehmen.

Dani
16.10.2009, 18:31
...

Die Verhältnisse sind nun mal andere als in den Alpen, mir fallen spontan keine längeren Gratwanderungen oder ähnliches im Sarek ein, die insofern Sinn machen, dass sie von A nach B ohne klettern oder Gletscherbegehungen gehen sondern meist nur von A nach A und in dem Fall gehe ich das lieber ohne Gepäck als Tagestour und setze meinen Weg im Tal fort.

...

genau das wollte ich wissen. besten dank.

Jaerven
16.10.2009, 19:14
Man kann da wunderbare Hochtouren machen.
Aber dazu benötigt man Zeit- viele Lebensmittel- viel Gepäck ;-)
Auf sehr alten Sarekkarten sind da teilweie noch Hochwege eingezeichnet.

ulfs
16.10.2009, 22:00
Man kann da wunderbare Hochtouren machen.
Aber dazu benötigt man Zeit- viele Lebensmittel- viel Gepäck ;-)
Auf sehr alten Sarekkarten sind da teilweie noch Hochwege eingezeichnet.
Kennst du eine Quelle, wo man solche Karten noch bekommen, bzw. einsehen kann? Besser gefragt:
Gibt es eine Quelle (wenn es eine gibt gehe ich davon aus, dass du sie kennst;-) )

Jaerven
16.10.2009, 23:25
Svenska Fjällklubben
In den alten Zeitschriften, welche man öfter noch auf älteren Hütten des STF findet, sind solche Routen oft beschrieben.

Dani
17.10.2009, 07:53
Man kann da wunderbare Hochtouren machen.
Aber dazu benötigt man Zeit- viele Lebensmittel- viel Gepäck ;-)
Auf sehr alten Sarekkarten sind da teilweie noch Hochwege eingezeichnet.

da hier ja die meisten berge sowieso von A nach A führen, könnte man all das gepäck, das man nicht braucht im tal (einer hütte, im zelt, im grossen rucksack, einer mülltüte) lassen, während man den tagesausflug (mit einem mini-rucksäcklein) auf den berg macht?

auch in den alpen gibts auf etliche berge weder markierungen noch wegspuren, da muss man den weg selber finden.

dingsbums
17.10.2009, 11:04
Während ulfs genau diesen Vorschlag der Tagestouren erklärt hat, hat Järven eigentlich darauf hingewiesen, dass es doch Touren von A nach B gibt.
Der Hauptunterschied zu den Alpen ist, dass du im Sarek einfach grundsätzlich mindestens 2-3 Tage Fußmarsch von jeglicher Zivilisation und Hütte entfernt bist. Also rechne die Zeit 'rein', deine Hochtour (anspruchsvolles Gelände), evtl. dann noch Ausflüge auf Gipfel, deine notwendigen Ersatztage, die Zeit 'raus' und überlege dir, was du alles mitnehmen musst ... Deswegen fangen die meisten dann doch mit einer Standardtour durch die Täler an. :-)

Mika Hautamaeki
18.10.2009, 13:25
Sehr schöner Bericht. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung. 5sterne

Übrigens finde ich es sehr gut, daß du diesen Absatz über die Schwierigkeit und Einsamkeit zu Beginn deines Berichts vorangestellt hast. Es gibt da ja doch den einen oder anderen Mythos über den Park, der wohl so nicht mehr haltbar ist.

ulfs
18.10.2009, 18:51
Es gibt da ja doch den einen oder anderen Mythos über den Park, der wohl so nicht mehr haltbar ist.

Genau dazu gibt es ja auch einen offiziellen Text vom schwedischen Umweltschutzamt, deutsche Übersetzung z. B. hier (http://nilsgerisch.de/mythos%20und%20wirklichkeit.htm)

Mika Hautamaeki
25.10.2009, 14:45
Wann gehts endlich weiter???

Prachttaucher
09.11.2009, 14:27
:kapituliere: nach dieser schöpferischen Pause könnte es jetzt doch wieder....

dingsbums
09.11.2009, 19:22
Sorry für die Pause - aber ich war die letzten 2 Wochen in Rom zum Arbeiten, und diese Italiener haben mich einfach fertig gemacht. Morgen oder übermorgen geht es weiter, versprochen!

NilsAc
23.12.2009, 00:07
Hi!

Wann gehts denn weiter? Hab letztens die Sarek-Fjällkarte günstigst erstanden und würde liebend gerne deinen Weg weiter verfolgen.

Gruss
Nils

Prachttaucher
29.12.2009, 22:42
:kapituliere::kapituliere::kapituliere::kapituliere::kapituliere::kapituliere::kapituliere::kapituliere::kapituliere::kapituliere:

Mika Hautamaeki
30.12.2009, 13:13
Genau: Bitte weiter schreiben, bitteeeeee!

dingsbums
30.12.2009, 15:04
Tja, das Versprechen mit dem "Morgen oder übermorgen geht es weiter ..." habe ich eindeutig nicht gehalten und auch ein ganz schlechtes Gewissen.
Krankheit in der Familie und Berufsstress haben mich nicht nur vom Schreiben abgehalten, sondern auch die Erinnerung an den Urlaub verblassen lassen.
Um so schöner, diese durch meinen Bericht hier wieder aufzufrischen. Und so gehe ich die guten Vorsätze fürs neue Jahr schon heute an und es geht weiter.

27.08. Im Herzen des Sarek (Bielavallda - Skarja)

[IMG-L]http://img508.imageshack.us/img508/5574/piela1.jpg[/IMG-L]Heute gingen wir nicht besonders weit - man könnte es fast als halben Ruhetag bezeichen. ;-)
[IMG-L]http://img508.imageshack.us/img508/8541/7325.jpg[/IMG-L]Um 7:30 standen wir auf, wieder bei strahlender Sonne und planten den Tag. Mal mindestens bis zur Mikkastugan, dann mal sehen ... Na, da war ja fast schon klar, dass wir nicht wirklich weiter kommen würden. Und das war absolut okay, in der Skarja, wo die Täler des Sarek zusammenlaufen, ist es einfach unheimlich schön. Was kann es besseres geben, als da faul bei Tee und Schokolade zu sitzen und den Rundumblick zu genießen.

Aber nicht die Erzählung durcheinander bringen, erst mal hinwandern. Wir haben wie immer alles mit Ruhe gemacht, zwischendurch die Menschen am anderen Seeufer beobachtet, einen Hubschrauber mit Last bestaunt (ich tippe ja darauf, dass ein Rentier am Hubschrauber hing, die Elchjagd war noch nicht eröffnet) und um 10:45 ging es dann los.

Noch am See trafen wir einen netten Deutschen, mit dem wir einen Schwatz hielten. Er hatte unser Zelt wohl schon am Abend entdeckt. Dann ging es weiter und am Ausfluss des Sees war das Furten des Flusses gar kein Problem.

Bald darauf trafen wir zwei ältere Schweden, auch sehr nett. Als wir erzählten, welche Tour wir noch planen (lustigerweise fragte fast jeder, ob wir von Stalo mit dem Hubschrauber ausfliegen, und alle staunten immer, wenn wir von den weiteren Plänen erzählten), kam von ihm Vorschlag über Vorschlag, welche schönen Wege es von Stalo nach Sulitjelma gibt. Ich glaube, der kennt jedes Tal dort (und wohl auch den ein oder anderen Berg :-). Schade, dass wir den beiden unterwegs begegneten, mit ihnen länger zusammenzusitzen wäre sicher interessant gewesen. Und ich hätte mir mehr von den vielen Vorschlägen behalten. Nun, wir werden in den nächsten Jahren bestimmt das ein oder andere Tal noch selbst entdecken.

[IMG-L]http://img339.imageshack.us/img339/3231/rapa.jpg[/IMG-L]Dann gab es irgendwann die erste Pause, mit super Aussicht. Dabei sahen wir auch etwas unterhalb einen weiteren Wanderer passieren. Es gibt hier einige Wege, vermutlich alle mehr oder weniger gut. Wir waren mit unserem zufrieden, nur ein kurzes sumpfiges Stück, und er verlief recht weit oben, deswegen mit guter Aussicht.
[IMG-L]http://img339.imageshack.us/img339/6311/7319.jpg[/IMG-L]
[IMG-L]http://img240.imageshack.us/img240/8086/7316.jpg[/IMG-L]

[IMG-L]http://img243.imageshack.us/img243/8083/vatten2.jpg[/IMG-L]Kurz nach der Pause kamen wir zum nächsten Fluss, dem Tjågnårisjågåsj. Als erstes fiel ein toller Wasserfall auf, zu dem sind wir ein paar Meter hoch, zum Genießen und Foto machen. Hier wurde ganz offensichtlich auch schon öfters gezeltet, eine schöne Stelle, muss man sagen. Wir haben uns dann eine gute Watstelle gesucht. Holger und ich sind uns da immer schnell einig, und lustigerweise sahen wir nach dem Aussuchen auch eine Markierung an dieser Stelle. Man hört immer wieder, dass der Tjågnårisjågåsj schwierig sein kann, heute war er kein Problem.

[IMG-L]http://img385.imageshack.us/img385/5366/7303.jpg[/IMG-L]
Der nächste Fluss war noch einfacher, wir mussten noch nicht mal Schuhe wechseln. Ich denke, über den ist Alexander so schön gesprungen (http://www.outdoorseiten.net/forum/showpost.php?p=540807&postcount=10). Wir machten dort nochmal eine kleine Pause.

[IMG-L]http://img407.imageshack.us/img407/6564/6436a.jpg[/IMG-L]
[IMG-L]http://img17.imageshack.us/img17/4636/6431m.jpg[/IMG-L]
[IMG-L]http://img17.imageshack.us/img17/5564/6435l.jpg[/IMG-L]
[IMG-L]http://img42.imageshack.us/img42/610/6433a.jpg[/IMG-L]Und dann kam schon der Endspurt, es war ja gar nicht mehr weit. Die Wanderer 5-10 haben wir nur mit einem 'Hej' gegrüßt, und schon waren wir da. Die Schlucht unter der Brücke ist wirklich beeindruckend.

Auf der Terrasse zwischen Nothütte und Brücke stand schon ein Zelt, wir haben unseres dann dazu gestellt. Die beiden Schweden waren ein lustiges Paar, der eine war zum ersten Mal auf Fjälltour. Als ich dann fragte, ob es nicht unvernünftig wäre, dann gleich in den Sarek zu gehen, meinte der andere 'Aber er ist doch mit mir unterwegs!' :-)

Auch sonst war hier voll der Rummel. 4 Leute machten Pause, als wir kamen, und gingen dann noch weiter, 3 zelteten in der Nähe, und später kam noch ein Australier, mit dem wir länger gequatscht haben. Der war ein ziemlicher Outdoorfreak, der Sarek war schon immer sein Traum (das war seine Antwort auf meine Frage, was einen Aussie hierhin verschlägt) und er hätte die UL-Fraktion hier im Forum entzückt. Er ist mit 10 kg gestartet.

Die Zeit nach unserer Ankunft bis zum Abendessen verging wie im Flug. Waschen im Fluss war sehr kalt, aber wohltuend wie immer. Es zogen zwar mehr und mehr dunkle Wolken auf, aber das Wetter hielt doch bis 20:00 Uhr. Danach gab es einige Tropfen, aber nicht viel. Gut für unsere schwedischen Nachbarn, die zur Nachmittagswanderung zum Mikka-Gletscher aufgebrochen waren. Ich nutze die Zeit natürlich unter anderem, um viele Blaubeeren zu pflücken, die hier in Mengen wachsen.

dingsbums
30.12.2009, 16:04
28.08. Das Wetter hält! (Skarja - Alggavagge)

Heute hatten wir mehr oder weniger den 5. Tag ohne Regen, ein nettes 'Geschenk' für unsere erste Sarektour. Wir standen wieder gegen 7:30 auf, erst Frühstück, danach konnte man den Luxus eines Klohäuschens genießen (nachdem man es geschafft hatte reinzuklettern, ganz schön hoch gebaut, das Ding :-).

Während wir packten, kamen schon wieder die ersten 3 Wanderer vorbei. Allerdings sollte es ab heute einsamer werden. Um 10:10 waren wir abmarschbereit. Wie gesagt, das Wetter hielt, allerdings gab es doch recht viele Wolken.

http://img697.imageshack.us/img697/3148/6420a.jpg[/IMG-L]
[IMG-L]http://img697.imageshack.us/img697/4716/6419a.jpg[/IMG-L]Wir also los, durch den Rentierzaun, ein Stück den Hang hoch und dann Richtung Guohpervagge auf der Suche nach einem geeigneten Trampelpfad, der auch schnell gefunden war. Etwas oberhalb kamen uns noch 2 Wanderer entgegen. Das waren abgesehen von den anderen 3, die wir noch wiedersahen, die einzigen für heute. Also 5 für diesen Tag.

Während unserer ersten Pause beobachteten wir die besagten 3 Wanderer, wie sie den Guohperjåhkå querten und dann auf der südlichen Seite ins Alggavagge stiegen. Wir entschieden uns aber für den eingezeichneten Pfad und furteten den Guohperjåhkå oberhalb der Mündung.

Diese Watstelle war heute kein Problem und so nutzte Holger das für eine Fotosession meiner Watkünste.

[IMG]http://img706.imageshack.us/img706/5141/6418.jpghttp://img706.imageshack.us/img706/6205/6417.jpghttp://img215.imageshack.us/img215/4277/6416.jpghttp://img215.imageshack.us/img215/2551/6415c.jpg

[IMG-L]http://img193.imageshack.us/img193/5796/6414.jpg[/IMG-L]
[IMG-L]http://img193.imageshack.us/img193/110/6413.jpg[/IMG-L]Dann ging es etwas bergan, mehr oder weniger direkt an der Renvaktarstugan vorbei (sie war allerdings auf der anderen Flussseite) und durch den nächsten Rentierzaun. Faszinierend, wie weit hoch der hier gezogen ist. Der Weg war prima zu gehen, vor einem sumpfigen Stück waren wir erst etwas zögerlich, es stellte sich aber als harmlos heraus.

Während unserer nächsten Pause entdeckten wir die 3 Jungs auf der anderen Flussseite, ein Stück hinter uns. Das verwunderte uns erst, wir mutmaßten dann aber, dass sie typisch schwedisch eine lange Mittagspause gehalten haben. Später zogen sie dann an uns vorbei, während wir einen Zeltplatz suchten.

Außerdem kam mal wieder ein Hubschrauber vorbei, er flog in unser Tal und zwar so richtig tief, so nah habe ich vorher noch keinen vorbeifliegen sehen.

[IMG-L]http://img193.imageshack.us/img193/4811/6410.jpg[/IMG-L]
[IMG-L]http://img94.imageshack.us/img94/9026/6409v.jpg[/IMG-L]
Wir zogen weiter, an der Wasserscheide war es etwas steinig, danach folgte aber ein 'Spaziergang' durch eine Wiese. Hinter uns hätte man wohl die Sarek-Berge gesehen, wären sie nicht in Wolken versteckt gewesen.

Wir entschieden uns dann für einen Zeltplatz mehr oder weniger unter dem Gipfel des Härrabakte, nah am Fluss, gegenüber der beiden Gletscherflüsse. Nach etwas Suchen war ein guter Platz gefunden, später durften wir dann feststellen, dass dies wohl auch ein beliebtes Weidegebiet der Rentiere ist. Auch schön, die Tiere ständig in Nähe zu sehen und zu wissen.

Heute abend blieb es noch trocken, allerdings frischte der Wind auf.

Als Zusatz zur Abendroutine fällt heute aber eine weitere Näherei an. Schon wieder habe ich ein Loch im Strumpf (wie letztes Jahr), diese Merinosocken sind anscheinend nicht für meine Füße gemacht. Ansonsten bin ich ja ganz begeistert von der Merinowolle, kein Stinken, schön warm, aber die Löcher nerven. Letztes Jahr waren es Icebreaker, dieses Jahr Smartwool. Diese 'Naht' oberhalb der Zehen scheint mir die Sollbruchstelle zu sein. Oder eher Sollreißstelle. :-) Habe sie mal mit meinen Falke TK1 verglichen, da gibt es diese 'Naht' auch, aber sie sitzt etwas höher. Das könnte es auch stabiler machen.

Ich bin für Tipps dankbar. Hat jemand das gleiche Problem und kann mir Merinosocken empfehlen, die nicht so anfällig sind? Kennt jemand Modelle ohne diese komische Sollreißstelle? Und bitte keine dummen Sprüche wie 'Zehennägel schneiden'! ;-) Daran lag es nicht, es ist einfach der 'Druck' auf diese Naht in den Schuhen.

Natide
03.01.2010, 17:49
Hallo,

hatte heute endlich mal Zeit auch deinen Bericht zu lesen und warte gespannt auf die Fortsetzung.

Wie genau seid ihr denn gegangen? Von Rinim bis durchs Alggavagge is klar. Aber wie von dessen Ende nach Staloluokta?

Jaerven
03.01.2010, 18:55
Schön, und die alte Hütte am Alggavagge steht auch noch.
Dachte schon die hätten sie im Frühjahr abgefackelt.

Fjaellraev
03.01.2010, 19:29
Wie genau seid ihr denn gegangen? Von Rinim bis durchs Alggavagge is klar. Aber wie von dessen Ende nach Staloluokta?
Das kommt wohl im nächsten Teil der Serie ;-)

Langsam frage ich mich echt ob ich den Tjågnårisjågåsj einfach an einem schlechten Tag erwischt habe, oder ob ich nach 2004 als ich die normale Watstelle wegen eines umgeknickten Knöchels umgangen habe einfach zuviel Respekt vor dem Bach habe. Ich musste auf jeden Fall wieder runter bis zur Mündung und auch dort war er noch recht kräftig, von daher war er als ich durch wollte wohl wirklich heftig...
Beim Guohperjåhkå habt ihr wohl die gleiche Stelle zum waten genutzt wie ich, wenn ich es richtig sehe, im Rückblick hatte ich den Eindruck dass es etwa 100m weiter oben noch einfacher gewesen wäre. Aber das war erst erkennbar als ich schon auf der anderen Seite war, vom Gelände deutete nichts wirklich auf die Verästelung des Flusslaufs hin (Nur im Grundsten hätte ich es eigentlich gelesen ;-)).

Freue mich auf jeden Fall dass es weiter geht und vielleicht gibt es mir den nötigen Tritt in den Hintern selber auch endlich loszutippen ;-)

Gruss
Henning

Ewald
03.01.2010, 19:34
.... und durch den nächsten Rentierzaun. Faszinierend, wie weit hoch der hier gezogen ist.

Das fand ich auch bemerkenswert!

http://img22.imageshack.us/img22/4273/zaun.jpg (http://img22.imageshack.us/i/zaun.jpg/)


Schön, und die alte Hütte am Alggavagge steht auch noch.


http://img145.imageshack.us/img145/6307/renstugan.jpg (http://img145.imageshack.us/i/renstugan.jpg/)
Weißt du noch? Ich kann mich noch an jede Einzelheit erinnern.

Prachttaucher
04.01.2010, 14:25
Danke für´s weiterschreiben und besonders auch für die Watbilder, :o gut um mal eine Vorstellung zu bekommen. Bei kräftiger Strömung würde ich das erstmal als zu tief empfinden...

dingsbums
04.01.2010, 14:48
Bei kräftiger Strömung würde ich das erstmal als zu tief empfinden...
Hm, eigentlich nicht. Das wirkt auf dem Foto vielleicht etwas tiefer, als es war. Das Wasser ging noch nicht mal bis zum Knie, das ist okay. Bis Knie finde ich auch bei noch stärkerer Strömung akzeptabel, allerdings habe ich ja auch ein bisschen Masse zum dagegenhalten. ;-)

Jaerven
04.01.2010, 15:00
Steht immer auch in den Blättern der Fjällsäkerhet (http://swenviro.naturvardsverket.se/fjallsaker/)- bis zum Knie ist ok, darüber wird es kritisch.

Dogeared
04.01.2010, 18:56
Hej !


Endlich wieder ein Reisebericht :) Habe ihn gerade verschlungen und warte jetzt natürlich sehnsüchtig auf die Fortsetzung - auch die Photos sind wieder toll geworden.

Dem Padjelanta-Teil gilt dabei auch mein besonderes Interesse - da ist die nächste Tour geplant!

Weiter so, bin gespannt!
C.

dingsbums
05.01.2010, 00:46
Das kommt wohl im nächsten Teil der Serie ;-)
... und vielleicht gibt es mir den nötigen Tritt in den Hintern selber auch endlich loszutippen ;-)
Genau, das kommt jetzt in den nächsten Tagen. Und es wäre super, wenn du auch einen Bericht schreibst, auf den hoffe ich ja schon länger. Vielleicht werden dich ja die Hinweise auf deine 'Spuren', die es demnächst gibt, inspirieren.

Dem Padjelanta-Teil gilt dabei auch mein besonderes Interesse - da ist die nächste Tour geplant!
Vom Padjelantaleden wird es ja kein so großes Stück geben, aber Tuottar ist mit drin, und allein die Lage dieser Hütte ist es meiner Meinung nach wert, den Padjelantaleden zu gehen. :p

Also, machen wir uns auf den weiteren Weg:

29.08. Und dann kam er doch ... (Alggavagge - Alkavare kapell)

... der Regen. Als wir heute morgen wach wurden, regnete es. Das war natürlich gar nicht nett. Gegen 7:30 Uhr, also zur typischen Zeit, kamen wir in die Gänge, heute Frühstück im Zelt. Zum 'Toilettengang' ging es altbewährt unten nackig und oben mit kompletter Montur. Auch der Rucksack wurde im Zelt gepackt, natürlich bis auf letzteres selbst. Das haben wir dann etwas abgewischt und schnell eingepackt. Holger trägt immer unser Zelt, der arme Kerl. Heute war sein Rucksack also noch etwas schwerer.

Der Weg war ganz gut, allerdings war der Matsch matschiger und die Steine glatt. Prompt ist Holger ausgerutscht, hat sich das Knie gestoßen und seine neue Regenhose hat an der Stelle ein Loch. Der Weg war aber wie gesagt ansonsten gut, am Wegesrand standen viele von diesen blauen Glockenblumen, die mir so gut gefallen (aber kein Foto, sorry). Außerdem war es der Tag der Frösche und Kröten, kein Wunder bei dem Wetter. Ich hoffe, ich habe keine aus Versehen zertrampelt.

Schnell war die nächste Furt erreicht, der Fluss kommt aus dem Vattendelar-Gletscher. In einer unserer Beschreibungen wurde er als schon bei Niedrigwasser schwer zu furten beschrieben, in einem anderen Reisebericht erzählte aber jemand, er wäre ein bisschen am Fluss entlanggegangen, um nach einer Stelle zu suchen, an der er in Wanderschuhen durchkommt (allerdings hatte er keine gefunden). Tja, als wir ankamen, sah der Fluss ganz harmlos aus, allerdings sah man nicht genau, was nach den Steinen am anderen Ufer noch kommt. Wir also erst mal in Wanderschuhen rüber - und dann kam erst der Fluss. :-) Er hatte mindestens 5 Arme und wir sahen es ein und wechselten in Watschuhe. Der mittlere Arm war der heftigste, etwas tiefer und gut Strömung, allerdings haben wir uns nie unsicher gefühlt. Schwer war also auch diese Furt nicht wirklich, aber schon eine der größeren, die wir bisher durchwatet sind.

[IMG-L]http://img683.imageshack.us/img683/8986/6405.jpg[/IMG-L]
Weiter ging's, mittlerweile konnte man den See (wunderbar türkis) sehen und auch die Sonne dachte wohl, das haben die beiden gut gemacht, und ließ sich immer öfter blicken. Der Blick nach hinten war um so bedrohlicher, dunkle Wolken im Alggavagge. Auf Höhe des Sees machten wir dann Pause, das Wetter war okay, der See unter uns, schön. Außerdem wollten wir heute nur bis zum Ende des Alggajavrre bzw. zur Kapelle, das wussten wir noch nicht so genau. Aber so oder so war das Ziel nicht mehr weit.
[IMG-L]http://img683.imageshack.us/img683/9438/6404.jpg[/IMG-L]
[IMG-L]http://img683.imageshack.us/img683/4843/6403.jpg[/IMG-L]
[IMG-L]http://img171.imageshack.us/img171/1059/5536.jpg[/IMG-L]
[IMG-L]http://img171.imageshack.us/img171/9342/5535.jpg[/IMG-L]

[IMG-L]http://img51.imageshack.us/img51/7674/5532a.jpg[/IMG-L]
[IMG-L]http://img51.imageshack.us/img51/6295/5523i.jpg[/IMG-L]
[IMG-L]http://img51.imageshack.us/img51/7667/5529.jpg[/IMG-L]
[IMG-L]http://img51.imageshack.us/img51/1457/5531.jpg[/IMG-L]
[IMG-L]http://img245.imageshack.us/img245/7341/5525a.jpg[/IMG-L]Der weitere Weg ging sich dann auch überraschend gut, die Beschreibungen hatten vor viel Gestrüpp und einem beschwerlichen Weg am Nordufer gewarnt. Vielleicht hatten wir auch einfach einen guten Trampelpfad erwischt, auf alle Fälle mal einen hohen, denn er führte uns zur Kapelle statt zum Seeufer. Nun, das sollte uns auch recht sein, so zelteten wir gleich oben an der Kapelle.

Natürlich habe ich mir die Kapelle gleich von innen angeguckt, ein Blick ins Gästebuch, ein Gebet. Schön war es schon, aber das Gefühl eines 'ganz besonderen Ortes', das so mancher beschreibt, konnte ich jetzt doch nicht teilen. Lustig fand ich auch einen Eintrag im Gästebuch, dass jemand hier speziell in der Kapelle so zur Ruhe gefunden hätte. Ja, kann ich mir vorstellen, aber ehrlich: Wenn ich im Fjäll in dieser grandiosen Landschaft bin, brauche ich dafür keine Kapelle mehr.

Es war da oben bei der Kapelle zwar sehr windig, aber das kam uns bei unserem nassen Zelt ja erst mal entgegen. Obwohl es schon kurz nach dem Aufbau annähernd trocken war. Das war auch gut so, denn kaum war es eingeräumt - genau, fing es wieder an zu regnen. Allerdings nicht viel, manchmal etwas Regen, nur stark windig blieb es. Aber wir konnten ein bisschen Abendrot bewundern.

Unten am Seeufer stand ein weiteres Zelt, 2 Wanderer hatten wir von oben dazu gesehen. Am Ufer des Alggajavrre lagen auch 3 Boote (noch sogar 2 auf unserer Seite :-), aber wir hatten schon vorher entschieden, dass wir nördlich um den Nuortap Rissavarre gehen und dann auf der Nordseite des Alajavrre entlang. So waren uns die Boote egal, unser erstes Ziel am nächsten Morgen sollte die Brücke über den Miellädno sein. Laut neuester Fjällkarte sollte sie ca. 1 km unterhalb des Sees sein, allerdings war sie von der Kapelle aus nicht zu sehen. Naja, das würde sich am nächsten Tag finden.

Jaerven
05.01.2010, 07:30
die Beschreibungen hatten vor viel Gestrüpp und einem beschwerlichen Weg am Nordufer gewarnt.
Das ist dort auch etwas beschwerlich wenn es sehr nass ist.
Aber ihr seid wie es scheint etwas höher am Hang entlang?

dingsbums
05.01.2010, 10:42
Aber ihr seid wie es scheint etwas höher am Hang entlang?
Genau, wir haben uns tendenziell immer eher höher als tief gehalten, in der Hoffnung, so wenig Sumpf/Matsch wie möglich zu erwischen. Und das hat uns auf einen richtig guten Trampelpfad gebracht. Der kam dann bei der Kapelle raus. Wer also andersrum geht, dem kann ich nur empfehlen, von der Kapelle aus weiter zu gehen, dann sollte er den gleichen Pfad erwischen.

Mika Hautamaeki
05.01.2010, 23:01
Endlich komm ich dazu den langerwarteten Bericht zu lesen. Vor allem in Ruhe. Unglaublich schöne Bilder und sehr unterhaltsam geschrieben. Vielen Dank!

paddel
06.01.2010, 09:44
Toll!

dingsbums
14.01.2010, 23:27
30.08. Kaputte Schuhe (Alkavare kapell - Alajavrre)

Heute gab es bei mir kaputte Schuhe und kaputte Hose - irgendwie ist dieses Jahr der Wurm drin mit der Ausrüstung. Zelt, Socken und das Loch in Holgers Hose, heute meine Schuhe und ein absolut vergleichbares Loch in meiner Regenhose - aber alles nur Kleinigkeiten, die nicht wirklich stören - also egal!

Aber fangen wir am Morgen an. Das Aufwachen war nicht so toll - es regnete. Aber wir mussten ja doch aktiv werden, also anziehen, Frühstückssachen rauskramen, total lustlos sein - und nochmal ein Nickerchen halten. :-)
Haben wir tatsächlich gemacht, aber da wir heute schon noch weiter wollten, Regen hin oder her, gab es dann doch Frühstück. Der Regen war auch gar nicht so schlimm, er hörte zwischendurch immer mal wieder auf, netterweise auch, als wir endlich soweit waren, das Zelt einzupacken. So ging es tatsächlich trocken in den Rucksack, denn es hörte dann nicht nur auf zu regnen, sondern zu dem starken Wind schien auch noch mehr und mehr die Sonne. Außerdem sahen wir heute morgen den ersten Regenbogen dieser Tour. Am 7. Tag, ganz schön spät, spricht aber auch für das bisher recht gute Wetter. :-)

Wir zogen gegen 12:00 los, nachdem wir nochmal kurz in die Kapelle geguckt und eine kleine Spende dort gelassen hatten. Erst mussten wir durch den Fluss Gainajjåggåsj, der neben der Kapelle runter zum Miellädno fließt. Zielstrebig gingen wir auf die breiteste Stelle zu, aber Schuhe wechseln mussten wir trotzdem. Die drei Arme, wie in der Karte eingezeichnet, waren aber bei aller Liebe nicht zu erkennen. Dass dies der besagte Fluss ist, war trotzdem keine Frage. :-)

[IMG-L]http://img11.imageshack.us/img11/2152/5519.jpg[/IMG-L][IMG-L]http://img11.imageshack.us/img11/961/5518.jpg[/IMG-L]Laut Karte sollte kurz unterhalb der Mündung in den Miellädno die Brücke sein - wie schon von oben zu erahnen, war dem nicht so. (Sie hätte noch hinter einem Hügel versteckt sein können, aber auch das sah von oben nicht nach einer typischen Stelle für eine Brücke aus.)
Allerdings gab es einen sehr guten Trampelpfad zur Brücke hin. Sie befindet sich noch ein gutes Stück flussabwärts, relativ kurz bevor der Miellädno ein Delta bildet.
[IMG-L]http://img63.imageshack.us/img63/1558/5517c.jpg[/IMG-L]
Sie sah ein bisschen zusammengeflickt aus, und dieses hübsche Schild lädt auch nicht dazu sein, sie zu betreten. Trotzdem nutzten wir sie, um den Fluss sicher zu überqueren. Das muss dann jeder für sich entscheiden. ;-)

Tja, damit hatten wir den Sarek Nationalpark verlassen und den Padjalanta Nationalpark betreten - und mussten zum ersten Mal seit Beginn unserer Wanderung wirklich weglos laufen. Irgendwie lustig, dass das erst jetzt der Fall war, nachdem wir 'die letzte Wildnis Europas' hinter uns lassen. Es ging erst mal bergauf, wir sind an der Seite des Nuortap Rissavarre schräg hoch, bis ca. 940m, um auf dieser Höhe um den Berg rum, östlich an den 3 Seen vorbei und dann nach Westen zum Alajavrre zu gehen. Das lief sich auch gut, keine Beschwerden.


[IMG-L]http://img63.imageshack.us/img63/7896/5513t.jpg[/IMG-L][IMG-L]http://img63.imageshack.us/img63/5015/5510o.jpg[/IMG-L][IMG-L]http://img63.imageshack.us/img63/3007/5515r.jpg[/IMG-L]Nach der Hälfte des Anstiegs gab es die erste Pause. Es war dort zwar furchtbar windig, aber die Aussicht war toll, es musste dort Pause sein! Blick zurück zum türkisen Alggajavrre, zur Kapelle und natürlich auf den Miellädno, der unter uns ein tolles Delta bildete.

Dann ging es weiter und ich hatte den Sturz des Tages, irgendwie bin ich über einen Stein gestolpert. (Tja, man sollte die erste Regel des Wanderns nie vergessen: "Füße heben!") Auch ich bin auf mein rechtes Knie gefallen und habe dort jetzt auch ein Loch in der Regenhose - Partnerlook könnte man sagen. :-) Sonst aber nix passiert und weiter ging's.

Bald war die nötige Höhe erreicht, wir waren etwas oberhalb der Seen und dort ging es sich recht gut. Nach einem heftigen Regenguss kam wieder die Sonne und die Landschaft war wirklich bizarr. Es war recht steinig, wir gingen ja nach Süden, und die Steine und Tümpel leuchteten so in der Sonne. Sehr mondartig, aber schön.

Lustig war, als der erste Regen wieder einsetzte. Holger meinte sehr trocken: 'Tja, das Opfergeld in der Kapelle ist aufgebraucht, geh mal bitte zurück und werfe nach.' :grins:

Nach dem dritten See hielten wir dann auf den Alajavrre zu, da fand sich sogar streckenweise so was wie ein Weg, manchmal auch ein Steinmännchen. Aber so schnell wie er da war, war der Weg auch wieder weg, und da wir sowieso näher an den See und eine Pause wollten, hielten wir etwas auf das Ufer zu. Kurz vor dem Alajavrre gab es dann die nächste Pause.

Laut Berichten sollte sich das Nordufer des Sees sehr gut gehen lasen, so sah das von unserem Standort aber gar nicht aus. Deswegen hielten wir uns erst noch etwas höher, die Gegend war auch noch recht steinig. Es ging sich trotzdem akzeptabel und nach einer Weile sah man, dass es sich in Ufernähe mittlerweile vermutlich wirklich gut gehen lässt, also hielten wir wieder auf den See selbst zu.

[IMG-L]http://img693.imageshack.us/img693/4053/5508.jpg[/IMG-L][IMG-L]http://img693.imageshack.us/img693/2338/5507.jpg[/IMG-L]
Ich denke, dass wir so wirklich einen recht optimalen Weg hatten, und ab hier konnte man am 'Strand' oder durch die Wiesen etwas oberhalb laufen. Teilweise etwas sumpfig, aber immer ohne Probleme zu gehen. Nach einer guten Stunde gab es nochmal eine kleine Pause, wir hatten ungefähr die halbe Strecke am See entlang geschafft, und dann kam der Endspurt.

Bald kam die Renvaktarstuga in Sicht, wir gingen aber nicht ganz bis dort, denn kurz vorher fiel Holger ein guter potentieller Zeltplatz auf. Da haben wir nicht lange überlegt (sehr untypisch für mich) und das Zelt ruckzuck hingestellt. War auch gut vom Timing, denn kaum war alles fertig, fing es wieder an zu tröpfeln.

Mir war im Zelt erst recht kalt, also haben wir schnell gekocht und gegessen, damit der Körper was zum Verbrennen hat. Dadurch wurde mir auch schnell wieder warm. Da wir erst um 12:00 los sind, war es sowieso recht spät, also hatten wir auch keinen Grund zum Rumtrödeln.

Noch kurz zu meinen kaputten Schuhen: Als ich meine Wanderschuhe auszog, stellte ich fest, dass sich oben hinten im Schaft das Futter anfängt zu lösen. Das ist doch doof! :motz: Zwar unkritisch, aber meine geliebten Schuhe - wie können die mich denn so enttäuschen? Und als ich dann meine Waldies anziehe, muss ich feststellen, dass an einem der Riemen los ist. An der 'Niete' ist das Loch etwas eingerissen und deswegen ging der Riemen raus. Hm, mit meinen Crocs ist das nie passiert - Zufall oder sind die stabiler? Sie sind schließlich auch etwas schwerer ... Nun gut, man konnte den Riemen wieder festmachen, Frage ist, wie gut das hält. Ich bin mal vorsichtiger mit ihnen umgegangen und habe sie nicht mehr an den Riemen an meinem Rucksack aufgehangen, wenn sie nach dem Waten außen dran kamen. Und tatsächlich hat der Riemen die restliche Wanderung durchgehalten.

dingsbums
15.01.2010, 12:33
31.08. Stalo und Sauna

[IMG-L]http://img27.imageshack.us/img27/156/5506i.jpg[/IMG-L]Wir sind wieder mit Regen aufgewacht, im Gegensatz zum Vortag aber trotzdem gleich in die Gänge gekommen. Und auch heute war der Regen nicht so schlimm, machte Pausen und wir konnten das Zelt wieder trocken einpacken.

[IMG-L]http://img27.imageshack.us/img27/6861/5504pw.jpg[/IMG-L]Erst ging es die paar Meter zur Renvaktarstuga, der geplante Weg war wieder recht einfach - nach Westen. ;-) Also, nördlich von Unna Liemak, dann zwischen den beiden Seen Njallajavrasj und Stallojavrasj durch, auf den alten Padjelantaleden stoßen und dem dann bis Staloluokta folgen.

[IMG-L]http://img41.imageshack.us/img41/3188/liemak.jpg[/IMG-L][IMG-L]http://img27.imageshack.us/img27/3010/5503z.jpg[/IMG-L]Von der Renvaktarstuga aus achteten wir erst einmal darauf, nicht zu sehr an Höhe zu verlieren, damit wir nicht in das Sumpfgebiet kommen. Das ging sich prima, schnell sichteten wir den Sumpf und auch den Rentierzaun.

Und dann waren wir auch schon am Zaun und gingen ein kleines Stück an ihm entlang. Man sah Stellen, die man zum Passieren hätte nutzen können - manche zum Durchkriechen, eine war halb kaputt, da wäre man drüber gekommen. Unser Ziel war aber von Anfang an eher eine Stelle, die ich in einem Reisebericht gefunden hatte. Dort, wo der Zaun einen kleinen Flusslauf quert, besteht er aus Stäben, die aufgehangen sind und die man so einfach wegdrücken kann, um den Zaun zu passieren.

[IMG-L]http://img16.imageshack.us/img16/4950/5501w.jpg[/IMG-L]Zu der Stelle kamen wir dann auch schnell und sie ließ sich noch besser passieren als erwartet (wir gingen ja in Flussrichtung). Danach mussten wir direkt den Arasjåhkå queren, auch kein Problem, und dann machten wir eine Pause. Mit Blick Richtung Virihaure und Arasluokta.

Weiter ging's, wir umrundeten den Unna Liemak, dabei hielten wir uns ungefähr auf gleicher Höhe, um danach zwischen den beiden Seen durchzugehen. Dieses Stück empfand ich als anstrengend, dabei ging es sich ganz gut. Es gab zwar immer wieder Sträucher, durch die man durch musste, aber schwierig war der Weg nicht. Allerdings mochte mein rechter Knöchel, der noch vom Sommer ein bisschen empfindlich war, diese konstante Hanglage nicht, das war wohl das Problem.

So war es gut, als der See Njallajavrasj in Sicht kam und wir schräg auf ihn zuhalten konnten. Allerdings ging ich wohl ein bisschen zu schräg (ich dachte mir, naja, der alte Padjalantaleden führt ja auch nach Süden, dann halte dich ruhig schon etwas weiter südlich), denn plötzlich tauchten zwei weitere kleine Seen vor uns auf. Aber man kam gut zwischen denen durch, also kein Problem. Wir prüften dann mit dem GPS, wo genau wir uns befanden. Guckt man sich auf der Karte die Seen Stallojavrasj an, so sind wir zwischen den beiden kleinen nördlichen und dem großen darunter durch. Na, auch gut. :D

Zum alten Padjelantaleden war es laut Karte noch ca. 1 km, also los. Fast wären wir über den Weg hinweg gelaufen, denn er kam definitiv früher. Holger hat ihn aber zum Glück als Trampelpfad erkannt, den wir antesteten, und nach den ersten Metern war klar - das muss er sein, so 'ausgelatscht' ist kein einfacher, kleiner Trampelpfad. Die ein oder andere Markierung durch Steine bestätigte das.

[IMG-L]http://img16.imageshack.us/img16/2766/4636o.jpg[/IMG-L]Tja, Pfad oder nicht, es hatte in den letzten Tagen geregnet und der Weg war teilweise sehr sumpfig. Wir sind da aber mittlerweile ziemlich abgestumpft und gehen meist ohne mit der Wimper zu zucken durch so manchen Matsch und kalkulierbaren Sumpf. Aufpassen muss man dabei natürlich trotzdem!

Durch einiges Auf und Ab war der Weg aber recht anstrengend und so war, am höchsten Punkt angekommen, Zeit für die nächste Pause. Schöner Blick ins Tal, aber Staloluokta selbst lag noch hinter einer Kuppe. Doch kaum saßen wir da, wurde es sehr sehr windig, abartig. Aber egal, Pause musste trotzdem sein, und wir schafften es auch irgendwie, Tee zu trinken und Nüsse zu essen, während wir dem Wind mit vermummtem Gesicht trotzten.

Danach war der Endspurt angesagt, der aber noch recht lange dauerte. Erst einmal ging es überraschend steil bergab, zum Glück nicht weit. Dann wieder ein bisschen Auf und Ab, hoch zur nächsten Kuppe - und wir sahen Stalo. Aber damit waren wir natürlich noch nicht da. :-)

Kurz später ging der Weg in den Wald. Für einen Waldweg ging er sich prima, kaum Steine. Und das Gute im Wald ist: Da man nicht sieht, wo man ist, kann man sich immer einbilden, dass man fast da ist. ;-)

Aber tatsächlich ging es noch einmal ins Fjäll hinaus, und dann sahen wir Staloluokta endlich direkt unter uns liegen. Also gingen wir noch die paar Meter den Berg hinab und waren da. Geschafft!

Wir warteten auf den Hüttenwart, wir hatten vorher von oben jemanden bei der Nachbarhütte räumen sehen, also war sie (es war eine Hüttenwartin) noch irgendwo fleißig. Sie kam auch bald zurück und wir bezogen ein 4er Zimmer, in dem noch ein Pole übernachtete. Beim Einräumen war er aber nicht da.

Wir gingen erst einmal zum Shop (ja, nach 8 Tagen draußen muss man Prioritäten setzen :-) und kauften Fisch zum Abendessen, Knäckebrot, Kalles und Käse für das Frühstück am nächsten Tag. Der Fisch wurde dann auch gleich gefuttert, frisch geräuchert, noch warm, mjam.

Als wir dann ins Zimmer kamen, war auch der Pole da, wir quatschten mit ihm und machten eine lustige Feststellung. Er war der Mensch, der am Bielajavratja in unserer Nähe gezeltet hatte und der uns von seinem Hügel aus zugewunken hatte. Die Welt ist klein. Er war von Ritsem nach Rinim gewandert (und weiter nach Salto), und da er noch Zeit hatte, ist er nochmal mit dem Hubschrauber nach Stalo, um jetzt über den Padjelantaleden zurück nach Ritsem zu wandern. Er kam also heute mit dem Hubschrauber an. Wie klein die Welt doch ist!

Dann war es Zeit für Sauna und waschen mit warmem Wasser! Phantastisch! Ich glaube, dazu muss man nicht mehr sagen! Wir machten zwei Saunagänge, natürlich mit Gang in den See danach.

Zurück in der Hütte hockten wir uns in den großen Aufenthaltsraum, schrieben Tagebuch und unterhielten uns mit den anderen Gästen. Zum einen war dort eine sehr nette, etwas ältere Norwegerin aus Sulitjelma, mit der wir heute nur kurz quatschten, am nächsten Tag aber mehr, also erzähle ich morgen. Und dann eine nette schwedische Familie, der Vater ein älterer Mann, mit Sohn und Tochter unterwegs, die beide ungefähr in unserem Alter waren. Der Vater hat Probleme mit dem Knie und kann nicht mehr viel tragen, vermisst aber die Touren, die sie seit 1972 machen. Deswegen sind auch sie mit dem Hubschrauber gekommen, um hier ein paar schöne Tagestouren zu machen. So ließen wir den Tag gemütlich ausklingen.

Prachttaucher
15.01.2010, 13:05
:D Richtig Klasse, könnte mir gut vorstellen, daß ich nächstes Jahr wieder etliche Schritte in Euren Fußspuren gehe.

Wenn ich richtig gezählt habe, waren es 8 Tage von Salto nach Stalo oder ? Würdest Du Euch eher als gemütliche Geher bezeichnen ? Wahrscheinlich ist´s aber besser 10 Tage einzuplanen, falls das Wetter schlechter ist, oder wäre das zuviel ?


Gruß Florian

dingsbums
15.01.2010, 15:19
Wenn ich richtig gezählt habe, waren es 8 Tage von Salto nach Stalo oder ? Würdest Du Euch eher als gemütliche Geher bezeichnen ? Wahrscheinlich ist´s aber besser 10 Tage einzuplanen, falls das Wetter schlechter ist, oder wäre das zuviel ?
Ja, das war eine gemütliche Tour. Ach ich sehe, du fragst, ob wir 'gemütliche Geher' sind. Das noch dazu, ich bin ein langsamer Geher und die Tour war auch für mich noch 'locker'. Die Strecke von Rinim bis Mikkastugan kann man in 2 Tagen gehen - vielleicht sogar eher bei schlechtem Wetter als bei unserem schönen. ;-) Wir haben da ja gemütlich gemacht, kürzere Etappen und die Landschaft bei Sonnenschein sehr genossen. Wir hatten mit 8 Tagen geplant und die dann auch gebraucht. Da es ja unterwegs keine Hütten gibt, ist halt die Frage, ob du wirklich abwettern würdest oder halt einfach weiter gehen. Problem könnte bei viel Regen natürlich der ein oder andere Fluss bringen, aber vermutlich würde man selbst den dann am Morgen versuchen, statt im Zelt im Regen abzuhängen. Natürlich hatten wir Essen für mehr als 8 Tage mit und ja noch 2 Wochen hinten raus (ich bemühe mich, so schnell wie möglich weiter zu schreiben, aber es kostet halt schon immer Zeit), von daher hatten wir Puffer. Mit 8 Tagen zu planen ist okay, denke ich, wenn man sich irgendwo aufhält, kann man danach längere Strecken machen und kommt immer noch durch.

Prachttaucher
15.01.2010, 16:04
:p Stimmt es geht ja noch nach Sulitjelma, mal sehen ob Ihr das Taxi genommen habt. Aber ich will ja nicht vorgreifen.

Um mich hier mal zu outen : Der Start ist bei mir schon festgelegt, das wird Euer Ziel sein. Deshalb interessiert mich das Taxi auch, zum Starten ist´s vielleicht schon geschickt erst oben loszulaufen.

dingsbums
15.01.2010, 19:52
01.09. Ruhetag (Staloluokta)

Wie so oft ging die Zeit am Ruhetag rum wie nix. Ich bin tatsächlich wie sonst auch um 7:30 wach geworden, also bin ich leise aufgestanden, um die beiden Jungs nicht zu stören, habe mich in den Aufenthaltsraum gehockt und mir dort ein Buch geschnappt. Allerdings kam kurz später auch Holger und es gab Frühstück. Ach, war das lecker, mal Knäckebrot statt Müsli zu bekommen.

Danach war Waschzeit. Ich habe unsere Wäsche durchgewaschen und danach den Waschraum gesäubert. Zum einen hatte ich gekleckert, zum anderen hatte der sauber machen generell mal nötig. Holgi hat in der Zeit in Küche/Aufenthaltsraum eine Saubermachaktion ausgelöst, denn nachdem er angefangen hatte, die Gasherde zu putzen, ist die Norwegerin hingegangen und hat im großen Raum klar Schiff gemacht. Sie meinte später auch, das muss sie ihren Kollegen vom SOT erzählen, dass ein deutscher Mann in der Hütte so geputzt hat. :-)

Danach gab es Bestandsaufnahme und eigentlich wollten wir anfangen, für die nächsten 12 Tage unsere Vorräte aufzufüllen. Gestern beim Fischeinkauf hatten wir schon mal geguckt, was es in dem einen Shop alles so gibt (zur Not alles), aber jetzt wollten wir checken, was MiniLivs so im Vergleich zu bieten hat. Dies ist der Laden mit dem frischen Brot, wurde und schon erzählt. Tja, Minilivs (offen von 8:00 bis 21:00) hatte zu, Holger aber Hunger, wir also zum anderen Shop und zum Mittagessen Würstchen und Potatismos gekauft. Und für mich die letzte Fanta der Saison, man hat nach 8 Tagen draußen schon komische Gelüste. Und für abends haben wir gleich nochmal Fisch bestellt.

Nach dem Essen ging es an die Schuhpflege, dazu haben wir uns vor die Kyrka gehockt. (Wir haben auch wieder reingeguckt, sie ist von innen wirklich sehr schön.) Und dann ging es wieder zu MiniLivs, jetzt war die Inhaberin auch da. Die Auswahl war nicht sehr groß, so haben wir nur Erdnüsse gekauft. Aber sie hatte frisches Brot gebacken, davon nahmen wir natürlich auch mit.

Dann Teepause. Holgi hat es dabei irgendwie geschafft, den Löffel kaputt zu machen, die Tasse dabei umzustoßen und eine schöne Sauerei zu machen. Also erst mal wieder putzen. Aber er bekam eine neue Tasse Tee.

Und schon war es 6 Uhr, die vereinbarte Zeit, um unseren Fisch abzuholen. Allerdings kam uns auf dem Weg der Shop-Besitzer entgegen - er musste erst zum Hubschrauber. Kein Problem, dann sind wir halt was später hin. Wir bekamen ausreichend Essen, der weiteren Wanderung stand also nichts im Weg. Das war während der Planung so ein bisschen die Frage gewesen, ob wir am Ende der Saison in Staloluokta noch ausreichend Essen einkaufen können. Wir hatten natürlich noch was und hätten zur Not abwandern können und müssen. Aber so konnten wir wie geplant weiterwandern.

Als Zwischenmahlzeit musste es jetzt Nüsse und Schokolade geben, absolut okay. (Sonst bevorzugen wir Riegel und Salami.) Ein bisschen Salami hatte er sogar für uns, solch in Scheiben abgepackte. Da er die von nebenan geholt hat, frage ich mich, ob das eigentlich sein Privatvorrat war. Das Müsli sah allerdings ekelhaft gesund aus und so schmeckte es auch. (Ich habe gesagt, ich würde dieses Jahr nicht über das Müsli jammern, oder? Aber das hier war wirklich gar nicht lecker. Aber egal, ich bin trotzdem der Meinung, dass Müsli auf Tour das beste Frühstück ist, habe brav für Blaubeervorrat gesorgt und alles war prima. Einmal habe ich auch probiert, ob Zucker hilft, aber da muss man sehr vorsichtig mit sein. Zuviel Zucker macht das nicht wirklich leckerer.) Nudeln gab es noch ausreichend, bei der Soße gab es allerdings nur noch Carbonara. So entschieden wir, dass drei Mal Nudeln mit Carbonara-Soße definitiv reicht und es bestimmt in Såmmarlappa noch irgendwas zu essen gibt, so dass wir da noch zwei Abendessen erstehen können ...

Für heute (und auch morgen) gab es nochmal Fisch, dazu das frische Brot, lecker. Wir haben uns zum Abendessen zu der Norwegerin gehockt. Sie hatte ganz viele Blaubeeren gepflückt, von denen hat sie uns dann abgegeben als Dessert. Außerdem hat sie uns ihre restliche Wurst geschenkt (eine Art Blutwurst und sehr lecker). Anscheinend bewirken wir das öfters bei älteren Norwegerinnen, letztes Jahr in Lossi (http://www.outdoorseiten.net/forum/showpost.php?p=402658&postcount=5) war das genauso. *lach*

Als sie dann mitbekam, dass wir noch in die Sauna wollen, hat sie uns auch noch angeboten (sehr bestimmt), dass sie unser Geschirr mitspült. Das war wirklich super nett. Wir also ab in die Saune und wieder zwei schöne Saunagänge gemacht. Wieder zurück haben wir uns nochmal zusammen gesetzt, die Karten ausgepackt, und erst haben wir ihr von unserer bisherigen Tour erzählt, dann haben wir uns die Gegend um Sulitjelma angeguckt und sie hat uns Tipps gegeben. Außerdem hat sie uns erzählt, welcher der schwarzen Pünktchen auf der Karte ihr Sommerhaus ist. :D

Und dann war der Tag rum. Es war schon spät und so ging es ab ins Bett.

Zwei Sachen noch zur bisherigen Tour. Wir waren ja zum ersten Mal (mehr oder weniger) weglos unterwegs. Auf der einen Seite kann man sich im Sarek schlecht verlaufen. Wie meinte jemand so schön: 'Na ja, du gehst ja immer durch Täler. Wenn du also 3 Stunden bergan gehst, obwohl du durch ein Tal willst, dann machst du wohl was falsch. ;-) Natürlich ist ein GPS bei solch einer Wanderung eine gute Sache. Ich habe aber bei jeder Pause erst mal die Karte rausgeholt, mich orientiert und überlegt, wo wir wohl sind. Das GPS hat mir dann immer recht gegeben, aber gut zu wissen, dass es (bei entsprechendem Wetter) auch ohne geht.

Und dann war da noch der Running Gag der Tour - so einer entwickelt sich ja fast immer. Bei uns war es dieses Jahr unser "reliable shelter for serious wilderness travel". So steht es auf diesem Aufnäher im Hilleberg, es geht darum, dass das Zelt als eben dieses "reliable shelter for serious wilderness travel" gebaut ist und was man alles beachten muss. (Kein Feuer im Zelt und solche Dinge, ich krieche jetzt nicht extra ins Zelt, um das nachzugucken. :grins:) Und so kam mehr als einmal der Spruch: Uns kann ja gar nix passieren, schließlich haben wir ein "reliable shelter for serious wilderness travel" !!!

dingsbums
15.01.2010, 20:01
:p Stimmt es geht ja noch nach Sulitjelma, mal sehen ob Ihr das Taxi genommen habt. Aber ich will ja nicht vorgreifen.
Um mich hier mal zu outen : Der Start ist bei mir schon festgelegt, das wird Euer Ziel sein. Deshalb interessiert mich das Taxi auch, zum Starten ist´s vielleicht schon geschickt erst oben loszulaufen.
Dann verrate ich schon mal was vorab: Wir sind von Ny-Sulitjelma nach Sulitjelma runter gelaufen. Das Taxi haben wir trotzdem noch gebraucht.
Und weil die letzten Tage nicht ganz so liefen wie geplant, wird Sulitjelma früher oder später wohl auch wieder unser Startort sein. Ob dieses Jahr oder erst später - das steht noch gar nicht fest.

Fjaellraev
15.01.2010, 20:16
Ist zwar etwas OT aber vielleicht hilft es Prachttaucher ja ;-) Ich habe in Sorjus eine Deutsche getroffen die mit dem Bus nach Sulitjelma gefahren ist, der hat der Busfahrer das Taxi rauf nach Ny Sulitjelma organisiert.
Beim Preis haben der Busfahrer und der taxifahrer dann wohl auch noch etwas gedreht damit es mit ihren knappen norwegischen Kronen gereicht hat ;-)

Gruss
Henning

windu
15.01.2010, 23:21
OT: Ich denke, ihr solltet hier Prachttauscher nicht so viele Tipps geben. :baetsch:
Ich finden den ersten Berg der Wanderung mit dem Taxi zu bezwingen irgendwie nicht stilecht. Florian, den Berg schaffst du schon.

Ansonsten toller Bericht. Ich bin schon gespannt wie es weitergeht.

Grüße, Stefan

dingsbums
16.01.2010, 18:19
02.09. Regen/Sonnentag

Gestern am Ruhetag war das Wetter ganz gut, wurde abends aber schlechter, und heute regnete es munter weiter. Tja, nicht zu ändern, also Körper und Rucksack regenfest machen und durch.

Zum Frühstück gab es das restliche Knäckebrot und frisch gekaufte Brot, nochmal lecker. Danach verteilten wir unsere neuen Lebensmittel nach Gefühl, packten, machten das Zimmer sauber, und gegen 10:30 waren wir abmarschbereit.

Erst haben wir nochmal die Rucksäcke gewogen, ich hatte 'nur' 21,5 kg, bei Holger waren es wieder 26 kg. Da hatte das 'Verteilen nach Gefühl' wohl mich bevorzugt, obwohl ich mir schon Sachen geschnappt hatte, die Holger ursprünglich auch noch tragen wollte. Mit dem Plan, dann erst aus seinem Rucksack zu essen, ließen wir die Sachen aber so gepackt.

Wir verabschiedeten uns noch von der Norwegerin und den drei Schweden und los ging's. So sind wir also im Regen losmarschiert, der Weg ging sich gut, was nicht verwundert, schließlich sind wir auf dem Padjelantaleden. (Kurz zur Info, der Padjelantaleden hat zwischen Akka und Såmmarlappa viel weniger Steine als der Kungsleden. Allerdings hatte ich, als wir den Padjelantaleden vor Jahren komplett gewandert sind, den Eindruck, dass die dann alle zwischen Såmmarlappa und Njunjes lagen. Und somit ist diese Info komplett subjektiv. *lach*)

[IMG-L]http://img687.imageshack.us/img687/1450/4634a.jpg[/IMG-L]Zwischendurch wurde der Regen weniger, sogar die Kamera wurde kurz rausgeholt ('Dann mache ich wenigstens mal ein Foto zurück.'), allerdings fing es dann so richtig mit regnen an, das war gar nicht schön. Uns kamen 4 Deutsche entgegen, die seit 9 Uhr ab Tuottar schon 3,5 Stunden ohne Pause im Regen unterwegs waren - und nur noch ankommen wollten. Ihnen folgte ein deutsch-schwedisches Paar in gleicher Situation. Und dann überholte uns ein junger Mann, der alles andere als regenfest bekleidet war und genauso nass aussah. Sehr UL, aber jedem das seine.

Kurz vor der Brücke sahen wir rechts zwischen den Büschen ein Zelt stehen, da hatte wohl jemand keine Lust, bei dem Regen 'vor die Tür' zu kommen. An der Brücke angekommen, ließ der Regen mal wieder nach, so gab es eine Pause, die ich auch nutzte, um Blaubeeren für den nächsten Morgen zu pflücken. An die Stelle konnte ich mich noch vom letzten Mal erinnern.

[IMG-L]http://img34.imageshack.us/img34/9139/4630b.jpg[/IMG-L]Als es wieder anfing zu regnen, gingen wir weiter. Aber - was war denn das? Die Sonne kam. Erst zaghaft, aber dann wurde es immer heller, es gab Weitsicht - und es wurde noch ein richtig schöner Tag. Nur die Pfützen auf dem Weg zeugten noch vom Regen des Morgens. Im sanften Aufstieg begegneten wir einem jungen Deutschen, mit dem wir etwas länger quatschten. Er war auf seiner ersten Tour.

[IMG-L]http://img194.imageshack.us/img194/1690/4628e.jpg[/IMG-L][IMG-L]http://img194.imageshack.us/img194/5180/4627.jpg[/IMG-L][IMG-L]http://img96.imageshack.us/img96/4307/4624.jpg[/IMG-L][IMG-L]http://img13.imageshack.us/img13/2464/4621a.jpg[/IMG-L]Nach dem Aufstieg gab es die nächste Pause, jetzt mit schönem Blick zurück auf die Seen und einen großen Gletscher. In unserer Nähe weidete ein einsames Rentier mit lustig weißer Nase.

[IMG-L]http://img46.imageshack.us/img46/4346/4619.jpg[/IMG-L][IMG-L]http://img695.imageshack.us/img695/234/4616.jpg[/IMG-L][IMG-L]http://img690.imageshack.us/img690/7999/4618.jpg[/IMG-L]Weiter ging's, uns kamen nochmal 3 Mädels entgegen, und kurz vor unserer letzten Pause passierten wir 3 Leute der finnischen Gruppe. (Die Finnen waren mehr oder weniger zeitgleich mit uns in Staloluokta, wohnten allerdings in der Nachbarhütte bzw. zelteten davor, deswegen hatten wir mit ihnen bisher noch keinen Kontakt gehabt. Das sollte sich noch ändern, aber dazu später.) Die 3 Finnen zogen dann während unserer Pause wieder an uns vorbei und gingen auf dem letzten Stück bis Tuottar dann immer ein Stückchen vor uns.

Während der letzten Pause hatten wir eine schöne Aussicht in der Sonne, dann kam der Endspurt. Wir kamen immer näher an die Finnen ran, die regelmäßig stehenblieben. Es gab das ein oder andere Flüsschen zu passieren, eines davon war so richtig rot. Also die Steine darin, das sah irgendwie klasse aus. Weit konnte es nicht mehr sein - und ja, da tauchten sie auf, die Hütten.

Zwei der Finnen bogen ab zum Zelten, nur eine Dame ging noch ein paar Meter vor uns. Während sie an der Watstelle unschlüssig war, gingen wir den Fluss zackig unten über entsprechend hingelegte Steine an. Danach sahen wir, dass es minimal weiter oben vermutlich noch einfacher gewesen wäre (die Stelle hatten wir letztes Mal gewählt), aber auch so war es kein Problem.

Auf dem kleinen Stück zur nächsten Watstelle kam uns ein Wanderer entgegen (so spät?), und ich erkannte sie fast sofort: das Mädel aus Hamburg. Wir hatten sie vor drei Jahren während unserer Wanderung gleich zweimal getroffen. Damals waren wir von Katterjåkk nach Ritsem gewandert und dann den Kungsleden wieder hoch nach Abisko. Wir traffen sie damals kurz hinter Hukejaure und dann wieder in Singi, da sie die Querverbindung von Hukejaure zum Kungsleden gewählt hatte. Auch sie erinnerte sich gleich an uns und meinte 'Habe ich mir doch gedacht, dass ich euch treffe.' Häh? Das muss ich aber nicht verstehen.

Manche Dinge ändern sich wohl nie, sie war wie eh und je. 'Soll ich in der Hütte schlafen oder noch ein Stück gehen und zelten? Ach, ich gehe mal ein Stück ... oder doch nicht? Ach, ich gucke mal, vielleicht komme ich zur Hütte zurück ...' Zur Erläuterung: Das war vor Jahren in Singi genauso. Sie hatte schon mal ihr Zelt neben der Hütte aufgebaut, falls sie im Zelt schlafen will, und überlegte dann auch hin und her: Zelt? Hütte? Zelt? Hütte? Was ihren weiteren Weg betraf, war sie genauso unentschlossen.
Nun, da sie nicht mehr zurückkam, hat sie sich wohl dieses Jahr für Zelt entschieden. Allerdings kam sie am Morgen nach Tuottar zurück, ich mutmaße, um sich aufzuwärmen. Da sie dazu in die Nebenhütte ging, haben wir uns nicht mehr gesprochen.

Zurück zu unserer Ankunft in Tuottar. Auch die zweite Watstelle war harmlos, beide konnte man locker in Wanderschuhen gehen, dann noch den Hügel hoch und wir waren da. Wir sind zum Hüttenwart, der kam gerade vom Angeln zurück (aber nix gefangen). Er meinte, er hätte schon einige Hütten geputzt (wir waren ja ganz kurz vor Ende der Saison), deswegen sollten wir in die Hütte mit Antenne (das ist die, die später als Nothütte offen bleibt), dort wären 3 Leute.

Tja, warum standen dann 5 Paar Schuhe im Vorraum? Genau, es waren mittlerweile 5 Leute in der Hütte, die anderen waren angekommen, während der Hüttenwart beim Angeln war. Und so musste der Arme doch noch eine Hütte aufmachen, und wir übernachteten in einer blitzeblanken Hütte. Da er die Abdeckungen der Gasheizung abmachen musste, die zum Schutz vor Schnee außen angebracht sind, bekommen wir direkt eine Anleitung, was zu tun ist, wenn man später eine Nothütte nutzt. (Was für die weitere Wanderung in Stáddajåhkå auf dem Plan stand, nur leider kamen wir dann doch nicht dorthin.)

Leider war die Hütte erst etwas kalt, aber die Heizung tat ihren Dienst. Wir bemühten uns auch wirklich, sie weiterhin so sauber wie möglich zu halten. Etwas später kam der Hüttenwart zurück zum Kassieren, und wir hielten noch ein nettes Schwätzchen. Er glaubt, dass er uns vor 6 Jahren auf dem Padjelantaleden gesehen hat. Er ist aus Dänemark und hat damals seine Frau kennengelernt. Er war mit einem Freund unterwegs, und eigentlich übernachteten sie im Zelt. Aber als sie den Hügel nach Låddejåhkå runter kamen, sah die Hütte sehr einladend aus, also entschieden sie sich ausnahmsweise für Hütte. Und dort war seine jetzige Frau Hüttenwartin - und er blieb gleich für 5 Tage. Seitdem sind die beiden im Sommer in Tuottar.

Da es schon spät war, wurde schnell gewaschen, es gab den gestern gekauften Fisch mit dem restlichen Potatismos zum Abendessen, Tagebuch schreiben und dann ab ins Bett.

Atze1407
16.01.2010, 19:21
Bitte weiter, echt schöne Aufnahmen.

Jaerven
16.01.2010, 19:27
Er glaubt, dass er uns vor 6 Jahren auf dem Padjelantaleden gesehen hat.
Kann sein dass er euch da verwechselt hat :bg:

dingsbums
16.01.2010, 23:48
Kann sein dass er euch da verwechselt hat :bg:
Warum? Weil er vor Liebe blind war? ;-)
Gewandert sind wir mal da, aber an ihn konnten wir uns nicht erinnern ...

dingsbums
17.01.2010, 02:16
03.09. Der Förster (Tuottar - Tarraluopal)

[IMG-L]http://img251.imageshack.us/img251/4519/4614a.jpg[/IMG-L]Als wir heute morgen aufwachten, sahen wir draußen blauen Himmel. Super! Nur - leider blieb das nicht so. Er zog sich immer mehr zu und als wir gegen 10:00 an Aufbruch dachten, regnete es schon wieder. Unsere Hütte haben wir sehr ordentlich hinterlassen, auch die Tassen habe ich wie aufgefunden in Reih und Glied gestellt. :bg:

[IMG-L]http://img251.imageshack.us/img251/7717/4613a.jpg[/IMG-L][IMG-L]http://img251.imageshack.us/img251/7522/4611a.jpg[/IMG-L]Um 10:30 ging es dann wirklich los, in leichtem Regen. Der wurde mal weniger, mal mehr, man sah auf alle Fälle mal mehr als vor 6 Jahren. Wie gehabt nutzten wir nach einer guten Stunde eine Regenpause und machten an einem windstillen Plätzchen Pause. Weiter ging's, mittlerweile lachte sogar ab und zu die Sonne.

Landschaftlich gab es nicht so viel zu sehen (kaum Weitsicht), es ging halt auf der Höhe zwischen vielen kleinen Seen hindurch. Obwohl ich das schon mag!

Dann kam eine kleine Watstelle (ging wieder in Wanderschuhen), und wir haben zum ersten Mal mit einer der finnischen Ladies gesprochen, die dort Pause machten! Sie konnte sehr gut deutsch!

Kurz bevor der Abstieg begann, sahen wir jemanden seinen Topf spülen. Er war ein Deutscher, und wir fingen an zu quatschen. Er hatte in dem Zelt übernachtet, das wir gestern kurz vor der Brücke gesehen hatten. Wie vermutet hatte er den Regen ausgesessen, war dann aber am Nachmittag, als es heller wurde, noch ein Stück gegangen und ist morgens in Tuottar wieder an uns vorbei.

Mir war er ja etwas bekannt vorgekommen, aber ich bin so schlecht darin, mir Gesichter zu merken, dass ich dachte, Unsinn. Als er aber erzählte, dass er aus Wiesbaden bzw. Karlsruhe ist, wusste ich, dass mein Verdacht wohl wahr ist. Sicherheitshalber fragte ich ihn noch nach seinem Beruf: Förster. Er ist der Förster, der uns letztes Jahr in Saltoluokta Zucker für den Tee gegeben hat (http://www.outdoorseiten.net/forum/showpost.php?p=443083&postcount=41). So klein ist die Welt. Ich fragte ihn auch gleich, ob er meinen Tipp von damals angenommen hat und auf Skierffe war. Ja, er war und war begeistert. (Was auch sonst? ;-)) Jetzt wissen wir auch seinen Namen: Florian. Wir haben recht lange mit ihm gequatscht, dann ging es weiter.


[IMG-L]http://img62.imageshack.us/img62/3731/4610t.jpg[/IMG-L][IMG-L]http://img62.imageshack.us/img62/5630/4608d.jpg[/IMG-L][IMG-L]http://img62.imageshack.us/img62/5776/4607t.jpg[/IMG-L][IMG-L]http://img18.imageshack.us/img18/7159/4606.jpg[/IMG-L]Aber nur kurz, denn der Blick auf Tarraluopal ist auf alle Fälle eine Pause wert! So haben wir uns in die Sonne gesetzt - nur damit es 5 Minuten später wieder anfängt leicht zu regnen. Mittlerweile kam auch Florian an, und er hat noch ein Foto von uns dreien gemacht. Eigentlich sogar drei. Dummerweise stolperte er dabei, und sein Stativ ging leicht kaputt - zum Glück war es ein billiges, das er auf dieser Tour mal angetestet hat. Florian, falls du das hier je liest - ich warte immer noch auf deine Email mit den Fotos!

Florian zog dann gleich weiter, Holger und ich folgten kurz später. Ruckzuck waren wir in Tarraluoppal und wurden von der Hüttenwartin auf Deutsch begrüßt. Sie war super nett (wie eigentlich alle Hüttenwarte) und spricht sehr gutes Deutsch. Wir sind zu 2 Schwedinnen in die Hütte, die aber noch auf einem Spaziergang waren. Ich bin natürlich erst mal wieder Blaubeeren pflücken, denn Tarraluoppal liegt im Blaubeerparadies.

Heute wurde sich mal wieder im Fluss gewaschen, kalt wie immer und wohltuend wie immer. Danach haben wir faul in der Hütte gehockt, mit den Schwedinnen gequatscht, später auch mit der Hüttenwartin, die zum Kassieren kam. Warum sie so gut Deutsch kann? Der Liebe wegen ...

Als wir dann alle ins Bett gingen, hingen die beiden Schwedinnen extra die Vorhänge vor die Fenster - das hatte ich ja noch nie erlebt. Sie wiederum waren darüber verwundert, dass uns das Licht am Morgen nicht stört. Während es mittlerweile schon relativ früh dunkel wird, wird es immer noch recht früh wieder hell. Nun, ich bin ein Langschläfer und Morgenmuffel, so sagte ich ihnen auch, dass sie sich am Morgen nicht sorgen müssen, wenn sie aufstehen. Mich stören sie bestimmt nicht.


04.09. Die Finnen und wir ... (Tarraluopal - Såmmarlappa)

[IMG-L]http://img69.imageshack.us/img69/548/4601f.jpg[/IMG-L][IMG-L]http://img33.imageshack.us/img33/3999/4603m.jpg[/IMG-L]... saßen und warteten - auf den Hüttenwirt. Aber fangen wir am Morgen an. Als ich wach wurde, waren Anna und Angela (ja, die beiden Schwedinnen hatten auch Namen) schon beim Frühstück. Ich hockte erst mal faul im Bett und als die beiden fertig waren, kamen auch wir in die Gänge. Die beiden sind bald los, aber auch wir waren schon vor 10:00 fertig, für uns ist das früh.

Als wir starten wollten, liefen auch die Finnen gerade los, eine Gruppe von 11 Leuten, schön brav im Gänsemarsch. Lustig sah das aus. Allerdings sahen wir Solveig, die Hüttenwirtin, von ihrer Stuga anmarschiert kommen, so warteten wir noch auf sie und hielten ein Abschiedsschwätzchen. Sie trug uns auch auf, das Hüttenpaar in Såmmarlappa zu grüßen. Sie meinte schon, die beiden werden bestimmt gucken, wenn am vorletzten Tag noch so eine große Gruppe ankommt. Schließlich ist die Hütte in Såmmarlappa nicht sehr groß. Ich glaube, sie waren sogar leicht schockiert.

[IMG-L]http://img33.imageshack.us/img33/1527/3736s.jpg[/IMG-L][IMG-L]http://img33.imageshack.us/img33/5338/3734.jpg[/IMG-L]Aber erst mal hin. Um 10:00 ging es dann los, die erste Stunde zog sich heute furchtbar hin. Warum auch immer. Dann gab es 'Gegenverkehr', zwei Deutsche, mit denen wir länger quatschten, 2 Polen (hatten uns die Deutschen verraten, wir sagten nur 'hej') und noch ein deutsches Paar, mit dem wir auch einen kurzen Plausch hielten. Man sieht die Hütten ja noch wirklich lange, ich stelle mir vor, wenn man den Weg andersrum geht, kann sich das ganz schön ziehen. Der Blick zurück ins obere Tarradalen ist aber sehr schön.

Leider verschwand die Aussicht bald, denn die Bäume hatten uns wieder. Und nicht nur das, es gab einen Wegabschnitt, wie ich ihn hasse. Waldweg mit Steinen, über die man drüber, drumrum oder was auch immer muss, ein beschwerliches Auf und Ab. Zum Glück war das Stück aber eher kurz.

[IMG-L]http://img524.imageshack.us/img524/5783/3733.jpg[/IMG-L][IMG-L]http://img524.imageshack.us/img524/6526/3732.jpg[/IMG-L]Nach einiger Zeit bot sich ein Platz mit Aussicht zur nächsten Pause an, hier hatten wir auch schon vor 6 Jahren gestoppt. Während heute morgen rundherum blauer Himmel war (und kalt und Raureif), hatte es sich mittlerweile zugezogen und die ersten Tropfen fielen. So machten wir kurz später nochmal halt und die Regenhülle auf den Rucksack. Uns selbst ließen wir in Wanderhose und Softshell, weil es nur ein leichter Regen war. Das stellte sich als schlechte Entscheidung heraus, denn erstens regnete es immer mehr und zweitens macht wandern durch Sträucher dann noch mehr nass. Allerdings war es dann auch egal, es war ja nicht mehr weit, und wir freuten uns auf eine warme Hütte.

Als wir ankamen, waren natürlich Anna und Angela da (schon lange und noch trocken) und die Hälfte der Finnen (die anderen hatten wir irgendwann überholt, während sie noch Pause machten). Aber der Hüttenwart war nicht da und zwei der Zimmer waren schon abgesperrt. So gab es im Moment nur einen offenen 4-Bett-Raum, den die beiden Schwedinnen und zwei der finnischen Damen schon bezogen hatten.

Und so hockten wir dann alle 15 im Aufenthaltsraum, die Rucksäcke blieben alle draußen (zu wenig Platz), jeder hing seine nassen Sachen über den Ofen (das war ein Bild!), und wir warteten. Heute wollten alle in die Hütte. Na, so lernten wir die finnische Truppe auch ein bisschen besser kennen. Sie waren, wie schon erwähnt, 11 Leute, das waren 10 Damen und ein Mann (eine der Damen war aber seine Frau). Die Tour war organisiert von einer der Ladies, die wollte auch, dass gemeinsam gewandert wird. Deswegen der Gänsemarsch am Morgen. Die ein oder andere nutzte dann aber immer die Mittagspause, um sich abzusetzen. Holger und ich errieten auch, welche der Damen dieser 'Boss' ist, sie hatte ein passendes Auftreten. :-)

Die meisten Finnen kochten dann schon, erst Kaffee, dann ihr Abendessen. Holger und ich begnügten uns erst mal mit Tee und Erdnüssen und schauten dem Treiben zu. Nach 19:00 kamen dann auch die beiden Hüttenwarte zurück - sichtlich überrascht. Tatsächlich hatten sie an diesem Tag zum ersten Mal für die Saison volles Haus, so dass alle Betten belegt waren.

Die Hüttenfrau wollte als erstes den Einkauf erledigt haben, also ging es nach nebenan in den Shop. Außer uns wollten auch fast alle Finnen einkaufen - Schokolade, Kekse und das letzte Lättöl. Wir kauften erst mal neue Erdnüsse, nachdem wir eben fast unseren ganzen Vorrat aufgefuttert hatten. Für den Abend Tortellini mit - Überraschung - Carbonara-Soße. Es gab auch hier keine andere mehr. Aber wir bekamen tatsächlich auch noch Adventure-Food, wir brauchten ja noch ein Abendessen für unterwegs. Außerdem gab es für den nächsten Morgen nochmal Knäckebrot mit Käse.

Danach wurden die Zimmer aufgesperrt - mit der Bitte, etwas vorsichtig zu sein und vor allen Dingen nicht mehr zu heizen. Klar, wenn man mit viel Arbeit alles schon sauber gemacht hat, kann ich verstehen. Das finnische Paar belegte mit uns ein Viererzimmer, so konnten sie restlichen Ladies in den letzten Raum.

Dann mussten auch noch alle zahlen, auch das dauerte lange. Ich habe in der Zeit in Ruhe gekocht, Abendessen, Tagebuch schreiben, wir waren am Schluss noch die einzigen im großen Raum. Dieses Warten mit den Finnen war schon ein bisschen nervig, aber irgendwie auch ein sehr lustiges Erlebnis, das uns noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Mika Hautamaeki
17.01.2010, 13:36
Vielen Dank fürs weiter schreiben. Meine Fernsucht wächst mit jedem weiteren Bild....

dingsbums
17.01.2010, 18:28
05.09. Ein kurzer Wandertag (Såmmarlappa - Brücke Tarraätno)

Wenn man 5,5 Stunden denn kurz nennen will - aber wir sind nur ca. 10 km gewandert. Wo ist denn nur die Zeit geblieben? Allerdings berichtet mein Tagebucheintrag auch von dreimal zwischendurch in die Büsche hocken, allein das kostet Zeit, es waren wohl doch zu viele Erdnüsse am Vortag. ;-)

Was ich an diesem Tag auch aufgeschrieben habe, ist eine Bemerkung über die Lieder, die einem immer so durch den Kopf gehen. Geht euch das auch so? Ich singe in meinem Kopf vor mich hin (zu Holgers Glück nur innerlich, ich kann nämlich gar nicht singen). Das wäre ja noch okay, wenn das nicht so unsägliche Lieder wären, die man im Kopf hat. Bei mir gehören 'Taler, Taler, du musst wandern' und 'St. Martin' zu den Favoriten. Das erste kann ich mir ja noch erklären, aber 'St. Martin war ein guter Mann'? Nun, immer noch besser als 'Nimm mich jetzt, auch wenn ich stinke'. Wodurch das motiviert ist, ist wohl keine Frage. :grins:

[IMG-L]http://img705.imageshack.us/img705/7946/3727.jpg[/IMG-L][IMG-L]http://img193.imageshack.us/img193/9533/3725.jpg[/IMG-L][IMG-L]http://img705.imageshack.us/img705/1598/3728.jpg[/IMG-L]Zurück zu unserem kurzen Wandertag. Heute war der Himmel beim Wachwerden grau, allerdings verzogen sich die Wolken recht schnell, nur ein paar Nebelschleier hingen noch um die Berge. Das sah vor der Hütte am Fluss wirklich toll aus.

Anna und Angela waren wie immer schon früh los, während unseres Frühstücks wurden auch mehr und mehr Finnen abmarschbereit. Sie sind dann wieder brav in Reihe los. Holger und ich haben gepackt, die Hütte fertig gesäubert (war nicht mehr viel, die Finnen waren ordentlich gewesen), und um 10:30 waren auch wir fertig.

Ich hatte den Weg von unserer letzten Wanderung als anstrengend in Erinnerung. Er hatte dann auch ausreichend dieser verhassten Steinpassagen, allerdings hatte er auch viele Abschnitte, die wirklich gut zu gehen waren.

Während wir in trockenem und warmem Wetter los sind - genau - fing es kurz später an zu regnen. Die Regenhose hatten wir wegen der Sträucher schon an, also wurde jetzt auch Regenhülle und Regenjacke ausgepackt.

Das führte zur Frage: Was ist mit meiner Pause, im Regen macht das keinen Spaß! Also sind wir ein bisschen länger als sonst gelaufen, aber als der Regen aussetzte und wir gleichzeitig an einem prima Sitzstein vorbei kamen, gab es meine wohlverdiente Pause. Natürlich dauerte die Regenpause nicht so lange wie unsere Pause. :(


[IMG-L]http://img705.imageshack.us/img705/9311/3723.jpg[/IMG-L]Weiter ging es, der Weg war wie gehabt, also eher anstrengend. Irgendwann tauchte überraschend ein Teil der Finnengruppe auf (Mittagspause, der Rest entflohen :p). So sahen wir die doch noch, und nicht nur einmal. Erst passierten wir sie, dann sie wieder uns bei unserer nächsten Pause (Chefin voran) und kurz vor unserer Abzweigung trafen wir uns noch einmal an der Watstelle.

Kurz vorher: Was war denn das? Das Geröllfeld! Ich dachte, das käme erst nach der Abzweigung und bliebe uns erspart. Nein, es befindet sich vorher, ist aber ganz harmlos. Und dann kommt noch der Fluss. Die Finnen hocken auf der anderen Seite und zeigen uns gleich eine gute Stelle zum Furten. Ist auch kein Problem.

Wir hatten kurz überlegt, ob wir überhaupt furten sollen, denn laut Karte werden wir nach der Abzweigung ein Stück zurück gehen und den Fluss unten wieder queren. Wir entschieden uns dann aber, dem markierten Weg zu folgen, vermutlich eine gute Entscheidung. Unten war es sehr sumpfig, wer weiß, wo wir uns hätten durchkämpfen müssen, wenn wir einfach dem Fluss nach unten gefolgt wären. Und durch das Geröll am Rand ging es sich auch nicht gut ...


[IMG-L]http://img705.imageshack.us/img705/5410/3721.jpg[/IMG-L]So trafen wir also nochmal die Finnen, gingen die paar Meter bis zur Abzweigung mehr oder weniger zusammen und sagten dann endgültig Tschüss. Der Weg ging sich ganz gut, wie schon gesagt, war er zwischendurch etwas sumpfig. Unverschämterweise hat mich irgendwas (schmerzhaft!) in die Wange gestochen. Vorher hatte es neben meinem Kopf gesummt, das war wohl der Übertäter. Es tat ein bisschen weh, wurde wohl auch etwas dick, aber abends war es schon wieder weg.

Relativ bald kamen wir zur Brücke, an der viel genutzte Zeltplätze zu sehen waren. Wir überlegten, was tun? Wenn wir weiter gehen würden, könnten wir vielleicht an (oder in?) der alten Tarraälvshyddan übernachten, aber wäre es dort so schön wie hier? Und da die ja nicht mehr weit ist, wäre dadurch für morgen wenig gewonnen. Wenn wir noch weiter gehen, ist zu befürchten, dass wir noch ziemlich weit den Berg hoch müssen, bis wir einen Zeltplatz finden. Und da es im Moment wieder trocken war - entschieden wir, dass wir den Tag für heute beenden.

Nach etwas Begutachtung (wer die Wahl hat, hat die Qual) hatten wir uns dann für einen der möglichen Zeltplätze entschieden. Die Brücke diente als prima Wäscheleine für Regenhülle und Hosen. Auch heute war der Fluss kalt wie immer.

Als ich vom Waschen zurück zum Zelt komme, denke ich, warum wackelt die Brücke denn so? Dafür gibt es nur eine Erklärung, Wanderer. Es war ein schwedisches Paar, das uns von ihrer Erfahrung über die Strecke nach Vaimok und Pieskehaure erzählte. Außerdem hatten sie die Info, dass das Wetter besser werden soll. Das hört man doch gerne.

Nach unserem Schwatz kroch ich erst mal schnell in den Schlafsack, aufwärmen mit dem restlichen Tee und Keksen. Am Abend dann Routine, keine besonderen Vorkommnisse.

06.09. Ein langer Tag (Brücke Tarraätno - Vaimok)

[IMG-L]http://img190.imageshack.us/img190/8707/3719l.jpg[/IMG-L][IMG-L]http://img190.imageshack.us/img190/9633/3718y.jpg[/IMG-L]Leider wurden wir heute morgen durch Tropfen am Zelt geweckt. Holger meinte, das sei bestimmt der Fluch der Finnen. Seit die mit uns wandern, hatten wir jeden Tag Regen. Damit konnten wir hoffen, dass es so langsam besser wird, schließlich sind wir ja gestern 'abgebogen'. Und siehe da, das Wetter wurde besser, und so konnten wir unser Zelt wieder trocken einpacken.

Heute warteten ca. 18 km auf uns, Ziel war Vaimok. Um 10:45 ging es los. Nach der Brücke ging es durch Büsche und Wald, deswegen hatten wir auch die Regenhose an, obwohl es trocken und auch recht warm war (sollte aber nicht so bleiben).


[IMG-L]http://img25.imageshack.us/img25/1664/3717y.jpg[/IMG-L]Nach einem kurzen Stück kamen wir zur Tarraälvshyddan, dies ist die älteste existierende STF-Hütte. Sie liegt ein paar Meter ab vom Weg, aber natürlich haben wir sie uns angeguckt. Sie ist vor allen Dingen sehr klein, eine schmale Pritsche für ca. 2 Leute, ein offener Kamin, Holz. Wenn nötig, kann man hier gut Schutz suchen.

Und wir sahen Hennings Eintrag im Hüttenbuch, mal gespannt, ob er wirklich hier übernachtet hat.

Dann ging es weiter, heute warteten ein paar Höhenmeter auf uns, die gleich hinter der Hütte begannen. Allerdings ließ es sich super gehen, am Anfang durch den Wald, dann wurden die Bäume weniger und wir stiegen durch buntes Blaubeerfjäll.

Wie sagte ich so schön zu Holger: "Fehlt nur noch die Linbana." Der Weg wirkte ein bisschen wie der Trampelpfad unter dem Sessellift in Abisko.


[IMG-L]http://img197.imageshack.us/img197/4574/3716c.jpg[/IMG-L][IMG-L]http://img191.imageshack.us/img191/9572/3715.jpg[/IMG-L]Als Belohnung gab es tolle Blicke zurück ins Tarradalen, super!

Nachdem der erste heftige Anstieg geschafft war, gab es eine Pause - und die ersten Tropfen. Also Regensachen raus - und wir sollten sie auch nicht mehr loswerden. Immer wenn wir dachten, jetzt ist das Wetter besser, kamen neue Tropfen. Aber da es zwischendurch stets wieder akzeptabel wurde, wollen wir uns gar nicht beschweren, es war okay.


[IMG-L]http://img268.imageshack.us/img268/6978/3712.jpg[/IMG-L]Nach der Pause ging es immer weiter das Guravagge hinauf, nach einer harmlosen Flusskreuzung gab es schon die nächste Pause. Das nächste Ziel war die Schutzhütte Kurajaure, allerdings zog es sich länger als gedacht bis dorthin.

So langsam wurde es auch etwas steiniger, die beiden gestern hatten uns vor Steinen ab Kurajaure gewarnt. Aber es gab viele Bohlen, und so ging es sich vorerst immer noch überraschend gut.

In der Hütte machten wie dann die nächste Pause. Kurajaure ist eine recht große Schutzhütte mit Holz. Bei Bedarf könnte man hier sehr gut übernachten. Weiter ging's, mal wieder im Regen.


[IMG-L]http://img2.imageshack.us/img2/9446/3711p.jpg[/IMG-L]Am nächsten See vor dem Abstieg brauchte ich nochmal Pause, noch sah man allerdings nicht hinunter nach Vajmok. Dafür wurde das Wetter wieder besser.


[IMG-L]http://img2.imageshack.us/img2/8960/vaimok.jpg[/IMG-L]Weiter ging's und dann kam er in Sicht. Zu unseren Füßen lag der See Vaijmok. Der Abstieg selbst ging sich prima, also jetzt nur noch ein Stück am See entlang und schon sind wir da.

Naja, als erstes brauchte ich nochmal eine Pause. Danach sah man aber bald die Hütten und wir dachten, da gehen wir jetzt locker hin. Und dann kamen die Steine! Die letzten 3 km bis zur Hütte waren wirklich die schwierigsten des Tages. Immer wieder musste man durch steinige Passagen klettern, das kostete Zeit. Der Körper war müde, und es wurde zwar noch nicht dunkel, aber das Licht doch schon diffuser, auch deswegen empfand ich das konzentrierte Wandern über die Steine als noch anstrengender.

Und so war es tatsächlich schon 20:15, als wir vor der Hütte des Stugvärd standen. Sie waren noch da. Da es ja der allerletzte Tag war, waren wir uns dessen gar nicht so sicher. Es hätte ja sein können, dass der Hüttenwart schon weg ist. Allerdings wäre er uns dann vermutlich entgegen gekommen. Also, sie waren noch da, und die Hüttenwartin (wieder mal eine nette ältere schwedische Dame) kam auch gleich zu uns raus.

Wie erwartet war die Hütte selbst schon zu, das Hüttenwartpaar wollte auch am nächsten Tag früh los, so haben wir im Notraum übernacht, der gleich neben dem Zimmer des Hüttenwarts ist.

Während ich Wasser holen war (einen Eimer 1st Choice am Fluss (weit) und noch einen halben 2nd Choice am Rinnsal gleich neben der Hütte), hat Holger Feuer gemacht. Bevor ihr fragt, warum ich nicht gleich 2 Eimer 1st-Choice-Wasser (so hatte die Hüttenwartin uns das erklärt) geholt habe - wir hatten erst nur einen Eimer gesehen. Und das Rinnsal war nicht tief genug für einen ganzen Eimer. Außerdem wurde es so langsam wirklich dunkel, ich war froh, dass ich das Rinnsal überhaupt gefunden habe.

Und dann wurde mein Körper auch müde, kein Wunder nach 9,5 Stunden. Deswegen gab es schnell Abendroutine und ab ins Bett. Ich habe gut geschlafen!

Prachttaucher
19.01.2010, 08:58
Da habt Ihr wirklich wieder eine rießige Tour gemacht, ich dachte ja "jetzt gehen sie noch schnell nach Sulitjelma..." Und gutes Timing : Das schlechtere Wetter erst dann wenn Hütten da sind. Tolle Bilder wieder !

Gibt´s denn keine Taxfahrer hier :ignore: oder spricht man da nicht so gerne darüber ? Ist ja schon unsportlich, aber als erstes gleich den Berg hoch ? Man muß sich doch schonen für den Sarek, oder ?

dingsbums
19.01.2010, 09:43
Gibt´s denn keine Taxfahrer hier :ignore: oder spricht man da nicht so gerne darüber ? Ist ja schon unsportlich, aber als erstes gleich den Berg hoch ? Man muß sich doch schonen für den Sarek, oder ?
Na, wenn du es nicht erwarten kannst. Es gibt ein 'Taxiunternehmen' in Sulitjelma, die Nummer steht in allen Hütten auf dem Weg nach Sulitjelma (okay, hilft dir nicht viel :-). Ich habe die Nummer irgendwo liegen und gebe sie dir gerne, ich hatte sie übrigens auch vorher im Netz gefunden.
Wir haben da angerufen, der stand 3 Minuten später vor uns und hat uns gefahren. Waren ca. 8 km, war nicht gerade billig (muss ich gucken, ob wir aufgeschrieben haben, was es gekostet hat) Also greif vielleicht auf Hennings Tipp mit dem Busfahrer zurück. ;-)

Ich finde es absolut in Ordnung, eine Straße hoch zu fahren, Straße gehen macht nicht so richtig viel Spaß. Obwohl ich sagen muss, dass ich es überraschend okay fand (Straße runter gehen macht auch nicht viel mehr Spaß). Hier in Sulitjelma würde ich das nach Lust und evtl. auch Ankunftszeit gestalten. Vielleicht passt es ja, nach der Ankunft noch ein paar Meter zu laufen und zur (wirklich schönen) Hütte Ny-Sulitjelma hoch zu gehen, um dann am nächsten Tag die Wanderung so richtig zu starten. Vielleicht passt es auch besser, sich schön faul hochfahren zu lassen.

Ja, wir hatten eine schöne lange Tour. Was klasse war! Allerdings hat man vielleicht an meinem Bericht gemerkt, dass ich mit der Zeit irgendwie langsamer unterwegs war. Ob da die Luft raus war? Eigentlich hätte ich ja erwartet, dass man immer fitter wird. Trotzdem werden wir auch die nächste Tour mit 2,5 bis 3 Wochen planen.

Prachttaucher
19.01.2010, 10:04
Ich muß sagen, daß Ihr meinen vollen Respekt habt, bezgl. der Tourenlänge. Ich bin nach den 14 Tagen eigentlich irgendwo immer froh wieder zurück zu fahren. Ist aber sicher auch ein Problem der nicht vorhandenen Ruhe-Tage. Also wer weiß. Auf jeden Fall nicht so einfach in der dritten Woche !

Andreas H.
19.01.2010, 14:45
Toller Bericht, sehr inspirierend, danke dafür!
Könntest Du vielleicht ein paar Worte darüber verlieren, welche Lebensmittel in welchen mengen Ihr dabei hattet? Muss ja eine ganze Menge gewesen sein - und auf was habt Ihr gekocht? Benzin?

Danke und Gruß,

Andreas

dingsbums
19.01.2010, 23:02
Könntest Du vielleicht ein paar Worte darüber verlieren, welche Lebensmittel in welchen mengen Ihr dabei hattet? Muss ja eine ganze Menge gewesen sein - und auf was habt Ihr gekocht? Benzin?

Für die Packliste ist Holger verantwortlich, noch gibt es keine digitale Form (nur der handgeschriebene Zettel). Sobald sie fertig ist, stelle ich sie ein.

Aber ich kann gerne schon was zur Verpflegung erzählen.

Zum Frühstück rechnen wir mit 100 g Müsli pro Person. Das gibt es mit Milchpulver und Wasser. Ich trinke morgens Kaffee mit Kaffeeweißer, Holger Tee mit Zucker.

Für unterwegs kochen wir morgens einen Liter Tee mit Zucker, der kommt dann in die Thermoskanne. Super, während der Pausen etwas warmes zum Trinken zu haben, ist mir das Gewicht der Thermoskanne auf alle Fälle wert.

Zum Essen unterwegs gibt es Riegel und etwas herzhaftes. Wir planen mit 2 (an langen Tagen auch 3) Zwischenmahlzeiten am Tag. Wir essen dann zusammen einen 60g-Riegel. Die letzten Jahre mochten wir PowerBar Harvest (http://www.powerbar.com/products/72/POWERBAR%C2%AE_HARVEST_Bar_Kirsch.aspx) und INSUmed Riegel. (http://www.insumed.de/index.php?id=400) Die Insumed sind eigentlich gedacht, um im Rahmen einer Diät eine Mahlzeit ersetzen zu können. Dementsprechend machen sie gut satt.

Als Herzhaftes gibt es dann entweder eine Salametti oder zwei, drei Stückchen Beef Jerky für jeden hinterher.

Abends kochen wir eine Trekkingmahlzeit, eine 250g-Packung für uns beide.

Wenn wir ankommen, trinken wir gerne etwas mit Geschmack, außerdem brauche ich zusätzlich Magnesium. Deswegen sind Magnesium- und MultiVitamin-Brausetabletten dabei.

Als Snack vor dem Zu-Bett-Gehen gibt es immer ein Stückchen Käse und ein Stückchen getrocknetes Rentierfleisch. So hatten wir dieses Jahr z.B. ein 600g-Stück Käse mit, das aber auch die 3 Wochen gehalten hat. Immer nur ein Stückchen zum Genießen.

Dann gibt es meist für die ganze Zeit eine Tüte Nüsse (dieses Jahr Wasabi-Macadamias, die sind geil!), eine Tüte getrocknetes Obst (Mangos!) und eine Tafel Schokolade oder ähnliches. Davon gibt es halt ab und zu zwischendurch oder abends.

Das war es fast. Wir hatten noch 4x Heiße Tasse und 2x Tütensuppe mit, wenn man mal gleich nach Ankunft was will (oder als Mittagessen am Ruhetag). Dann 2x Milchreis und 2x Bannock-Brotteig, das wurde beides erst spät während der Tour gefuttert, am Ruhetag, kommt in meinem Bericht erst noch.

So, zusammen macht das für ca. 12 Tage knapp 12 kg, also 0,5 kg pro Person pro Tag.

Ja, wir kochen mit Benzin. Wir machen morgens zweimal Wasser warm. Einmal für Kaffee/Tee und auch das Milchpulver wird dann in warmem Wasser aufgelöst. Das zweite Mal für den Tee in der Thermoskanne.

Abends dann nochmal Wasser warm machen für die Trekkingsmahlzeit. Allerdings lassen wir das noch ein bisschen auf dem Kocher köcheln, auch wenn das offiziell nicht nötig ist. Wir waren bisher mit dem Ergebnis dann sehr zufrieden.

Wir hatten 1 Liter Benzin mit, wir waren uns sicher, dass das reicht, obwohl wir nicht so ganz genau wissen, wieviel wir verbrauchen. Dem war auch so. Da wir ja gerne in Hütten übernachten, wenn welche vorhanden sind, mussten wir nicht so oft den Kocher nutzen. 6 Nächte im Sarek, noch einmal im Zelt, auch 4 Übernachtungen in Noträumen des STF, da es dort kein Gas mehr gibt. Damit sind wir bei 11 Übernachtungen mit Kocher. Und wenn ich es richtig in Erinnerung habe, war die Flasche immer noch fast halb voll.

So, das war die Zusammenfassung. ;-) Wie gesagt, ich stelle die Packliste ein, sobald sie fertig ist. Wenn du vorher schon mehr wissen willst, einfach weiter fragen.

Waldwichtel
20.01.2010, 02:32
Abends kochen wir eine Trekkingmahlzeit, eine 250g-Packung für uns beide.


Da würde ich gnadenlos verhungern :bg:
Ich futtere abends eine komplette 250g-Packung weg, morgens 200g Müsli und zwischendurch 2 Früchteschnitten.

Prachttaucher
20.01.2010, 08:06
Zumindest die 100 g Müsli finde ich auch sehr wenig, bei mir sind´s schon 150 g. :grins: Wenn man´s aber nicht so mag...

Rhodan76
20.01.2010, 08:21
Da würde ich gnadenlos verhungern :bg:
Ich futtere abends eine komplette 250g-Packung weg, morgens 200g Müsli und zwischendurch 2 Früchteschnitten.

Wir haben auf der letzten Tour zu zweit selbst eine 250g Packungen nicht geschafft - so werden wir uns testweise auf der nächsten Tour nur noch eine 125g Packung teilen....so unterschiedlich kann das mit dem Hunger sein. Positiver Nebeneffekt: Gewichtsersparnis in Sachen Nahrungsmittel

Andreas H.
20.01.2010, 08:35
Danke für die ausführliche Futter-Erläuterung! Da kann ich mir schon ein ganz gutes Bild machen.
Für zwei doch recht "gestandene Personen" finde ich eine 250g-Packung allerdings auch sehr "übersichtlich", um ehrlich zu sein :o
Noch eine letzte Frage: was für einen Kocher habt Ihr benutzt, und wie habt Ihr das mit dem Benzinkocher im Flugzeug gehandhabt? Keine Probleme?

Nochmals dankt

Andreas

dingsbums
20.01.2010, 11:51
Die "gestandenen Personen" haben ja auch noch Reserven am Körper, die verbrannt werden können. ;-) Ca. 5 kg Eigengewicht verschwinden bei einer Wanderung.

Es ist tatsächlich so, dass wir gar nicht so viel Hunger haben. Deswegen wird hauptsächlich gegessen, weil der Körper versorgt werden muss. Aber das ist nicht der erste Thread, wo man feststellen kann, wie unterschiedlich das Futterverhalten auf Tour ist. Bei uns passt es so ganz gut.

Wir haben einen MSR Dragonfly, bisher im Flugzeug keine Probleme. *touch wood*
Im Gegensatz zu früher ist die Flasche aber mittlerweile leer. :bg: Ich finde auch, dass Kocher und Flasche sehr wenig nach Benzin riechen.

Wir versuchen meist, vor Ort Reinbenzin zu bekommen, haben aber schon mehrfach auf Benzin von der Tanke zurückgegriffen. Dieses Jahr hatten wir in Saltoluokta ja das Primus Powerfuel 'reserviert', dadurch war das ganz unkompliziert.

Prachttaucher
21.01.2010, 22:58
"Nun, immer noch besser als 'Nimm mich jetzt, auch wenn ich stinke'. Wodurch das motiviert ist, ist wohl keine Frage"

:grins: Sonst sag ich winke, winke....Eine (wie ich finde schlimmere Angewohnheit) ist bei mir das Führen von Selbstgesprächen im Dialekt meiner süddeutschen Heimat. Ich kann mich da dann so reinsteigern, daß ich über irgendeinen Spruch ständig lachen muß...

dingsbums
25.04.2010, 15:29
Nachdem die Planungen für die diesjährige Wanderung in die ernste Phase gehen, muss ich doch endlich mal den Bericht von letztem Jahr beenden.

07.09. Ein noch längerer Tag (Vaimok - Pieskehaure)

Heute wartete mit ca. 17 km eine nicht so einfache Etappe auf uns - und aus welchem Grund auch immer sollte sie sehr lang werden. Wir waren tatsächlich über 10 Stunden unterwegs. Warum wir so lange gebraucht haben - keine Ahnung. Vielleicht war in der dritten Woche die Luft irgendwie raus, außerdem war der Tag vorher auch lange, und es gab heute ein paar Höhenmeter. Aber auch egal, es war wieder ein wunderschöner Wandertag, und genau deswegen sind wir ja hier.

[IMG-L]http://img8.imageshack.us/img8/8915/vaimokstuga.jpg[/IMG-L]Obwohl wir gegen 7 Uhr wach wurden und für uns richtig zackig in die Gänge kamen, war es doch wieder 10:20 Uhr, bis wir los sind. Das Hüttenpaar war relativ früh Richtung Njunjes aufgebrochen, nachdem sie uns ihr letztes Wasser 'geschenkt' hatten. Ich mutmaße, dass die beiden auch für das riesige Lebensmitteldepot im Notraum verantwortlich waren. Es gab hier tatsächlich Essen für eine Woche: 1 kg Spaghetti, 4 Packungen passierte Tomaten, ein Blå Band, eine Doppelpackung Adventure Food, 2 Riesenpackungen Wasa, Kekse, Reiskracker und bestimmt noch mehr, was ich schon wieder vergessen habe. Nun, wir brauchten nix mehr und ließen deswegen alles da. Es hat sich bestimmt noch der ein oder andere über eine Ergänzung seiner Vorräte gefreut.

Wir mussten zuerst einmal über den Fluss. Der war breiter als erwartet, aber an den markierten Stellen einfach zu überqueren. Dann kam der 'große' Anstieg. Man muss erst einmal ca. 250 Höhenmeter hoch auf 1100 m, nur um diese drüben wieder runter zu gehen. Aber am Ufer des Sees entlang geht nicht, dort ist es wohl zu steil, mit großen Brocken. Habe dieser Tage noch einen Bericht gelesen, wo es jemand versucht hat und umkehren musste. Tja, es wird wohl einen Grund geben, warum der offizielle Weg über den Berg führt ...

[IMG-L]http://img85.imageshack.us/img85/7042/3702a.jpg[/IMG-L]Steigen war zwar anstrengend, aber mit Blick zurück zu Hütte und See, am Fluss mit seinen kleinen Wasserfällen entlang, doch schön und recht schnell geschafft. Weiter oben wurde es wieder steiniger (Hallo? Die Hüttenfrau hatte doch gesagt, es ist nicht mehr steinig, das hätten wir hinter uns.), aber oben angekommen wurden wir belohnt mit einem Wahnsinnsblick zum Sulitjelma-Massiv.

[IMG-L]http://img85.imageshack.us/img85/5185/2835v.jpg[/IMG-L]Wir gingen noch ein Stückchen weiter, kurz vor dem Abstieg machten wir dann die erste Pause. Wir blickten auf den See vor uns und verschätzten uns total in der Entfernung (normalerweise sind wir darin besser, aber manchmal ...). Der See kam uns richtig weit weg vor, aber ein Blick auf die Karte zeigte uns, dass er mit 4 km nicht so richtig weit weg ist und tatsächlich mehr oder weniger unser nächstes Ziel.


[IMG-L]http://img59.imageshack.us/img59/7750/2831.jpg[/IMG-L]Der Abstieg war harmloser als befürchtet, immer schön durch die Flanke, nicht sehr steil, gut zu gehen. Trotzdem machten wir an der Brücke die nächste kleine Pause. Diese auf der Karte eingezeichnete Brücke stellte sich als 3 Holzbohlen über den Fluss heraus. Solche gibt es viele, ohne als Brücke markiert zu sein. Was auch immer diese hier als Brücke nennenswert macht ...

Danach ging es wieder leicht bergauf, zum schon beschriebenen See. Ich weiß ja nicht, was für die Hüttenfrau per Definition steinig ist, aber wir hatten viele Steine auf unserem Weg. Allerdings muss man sagen, dass diese meist entweder flach und/oder klein waren, ich schätze, deswegen zählen sie nicht. Es ließ sich gut gehen.


[IMG-L]http://img594.imageshack.us/img594/8812/2830.jpg[/IMG-L]Am See vorbei, immer mit schöner Sicht Richtung Sulitjelma, stiegen wir weiter, wieder bis zur 1000er Linie. Oben durch steiniges, eher langweiliges Gelände, dann bergab - und der Pieskehaure mit dem Varvvekjåhkå lag vor uns. Vor dem endgültigen Abstieg gab es nochmal eine Pause, dieses grandiose Panorama musste man genießen. Man sah auch schon die Hütten am See, allerdings waren es noch über 8 km bis dorthin.
[IMG-L]http://img156.imageshack.us/img156/4371/2827e.jpg[/IMG-L]
[IMG-L]http://img140.imageshack.us/img140/5782/2826a.jpg[/IMG-L]

Also los. Allerdings lief es sich ab hier wirklich prima. Fast keine Steine, die Abschnitte unten über die Ebene waren wie ein gerader Strich durch Moos und Blaubeeren, prima zu wandern.

Und dann kamen wir zur Watstelle. Kurz vorher zeigte eine Markierung ganz eindeutig vom Weg fort, im Gegensatz zu den bisher orangen Markierungen war diese aber in rot. Wir entschieden uns, dieser 'roten Umgehung' zu folgen, und vermutlich war es eine gute Entscheidung. Der Weg führte zu einer guten Watstelle, an der wir den Fluss in Wanderschuhen queren konnten. Auf Schuhe wechseln hätte ich auch keine Lust mehr gehabt, allerdings hatten wir damit gerechnet, dass das nötig wäre. Um so besser, dass es ohne ging. Auf der anderen Seite war der Weg erst etwas matschig und dann auch etwas schwieriger (im Vergleich zu vorher), aber doch gut zu gehen.

Irritiert hatten uns dann aber die Bohlen, die wir irgendwann rechts von uns sahen. Da musste doch noch ein Weg sein? Ja, die beiden Wege führten schließlich wieder zusammen, auch hier eindeutig ein Pfeil, der auf den von uns gewählten Weg zeigte, aber warum hat dann der andere Bohlen? Nun, da in Pieskehaure kein Hüttenwart mehr war, konnten wir das 'Geheimnis' erst mal nicht lüften. Da unser Weg zu einer sehr guten Watstelle geführt hatte, waren wir mit unserer rot markierten Umgehung aber zufrieden. Mittlerweile habe ich hier im Forum (http://www.outdoorseiten.net/forum/showpost.php?p=648886&postcount=54) den Henning befragt, der ein paar Wochen vorher in die andere Richtung unterwegs war. Unsere Watstelle war wohl die einfachere und ist bei höherem Wasserstand zu empfehlen.

Das letzte Stück bis Pieskehaure zog sich dann aber sehr, außerdem wurde das Licht wieder schwächer, was meiner Meinung nach das Gehen auch anstrengender macht. Aber es half ja nichts, Fuß vor Fuß gesetzt, nur so kommen wir an. Um 20:35, nach über 10 Stunden, waren wir dann endlich da, Wahnsinn. Wie am Tag vorher war ich Wasser holen, während Holger Feuer macht. Während ich das noch gut schaffte (vermutlich setzt die Erleichterung, endlich da zu sein, nochmal Energie frei), war ich danach aber fix und fertig. Der Körper ist einfach 'runtergefahren'. Allein Waschen und Wäsche aufhängen war unglaublich anstrengend. Essen konnte ich mir erst gar nicht vorstellen, allerdings wurde mir trotz warmer Hütte kalt. Ich hatte Hunger, und so ging das Essen dann doch ganz gut. :-) Und dann nichts wie ab ins Bett.

08.09. Ein wohlverdienter Ruhetag (Pieskehaure)

[IMG-L]http://img140.imageshack.us/img140/7648/2824b.jpg[/IMG-L]Wir hatten ihn sowieso geplant und nach den beiden letzten Tagen hatte ich ihn auch nötig - einen Ruhetag. So blieben wir heute im Notraum in Pieskehaure. Natürlich gibt es gemütlichere Hütten, aber wir hatten alles, was macht braucht. Hier ein Foto vom Aufbruch, also nicht von diesem Tag, aber damit ihr euch unser 'Zuhause' vorstellen könnt.
[IMG-L]http://img412.imageshack.us/img412/1238/2825a.jpg[/IMG-L]
Der Ofen war besonders hübsch.


Tatsächlich wurde ich heute wie mittlerweile meist auf dieser Tour gegen 7 Uhr wach. Auf dem Rückweg vom Klo kam ich auf die Idee, gleich mal Blaubeeren fürs Frühstück zu pflücken. Gesagt, getan. Dann wurde zum ersten Mal das Buch ausgepackt, das ich dieses Jahr mit mir herumtrug. Mein erster Mankell - ich bin im Allgemeinen kein Fan von Krimis und von so düsteren skandinavischen erst recht nicht. Ich wollte aber ein schwedisches Buch für den Urlaub - und es gefiel mir überraschend gut. Nun, über das Lesen wurde ich wieder müde und hielt einfach noch ein Nickerchen. So gegen 10:30 waren wir dann beide wieder fit und es gab Frühstück. Scheiße, was schmeckte das in Stalo gekaufte Müsli gesund. Gut, dass ich viele Blaubeeren hatte!

Es folgte dann ein gemütlicher Ruhetag, das Wetter war auch passend. Es kam zwar zwischendurch ein bisschen Sonne, aber rundherum war es grau, es regnete immer wieder, es windete zwischendurch auch stärker. Allerdings war der Blick durch das Fenster zum See fast immer schön. Bunte Welt und türkisblauer See.

Ich wusch Handtuch und Unterwäsche, mehr nicht. In einer der Sonnenperioden ging ich zur Flussmündung und dabei Blaubeeren pflücken. Mir hätte klar sein müssen, dass die Sonnenperiode vermutlich nicht so lange dauert - ich wurde auf dem Rückweg nass.

Als (spätes) Mittagessen gab es heute Vorräte, die schon von Anfang an dabei waren und endlich mal gegessen werden mussten. :-)
Suppe mit Bannockfladen und Milchreis (für mich mit Blaubeeren) als Nachtisch. Mjam, man muss es sich an so einem Ruhetag ja auch gutgehen lassen.

Der Rest des Tages verging mit Sudoku lösen, Buch lesen, Nickerchen halten, Abendessen, ... wie nix. Abends überlegten wir unsere weiteren Pläne. Sollten wir die Wanderung wie geplant weiter laufen oder doch aufgrund des schlechten Wetters ändern? Wir vertagten die Entscheidung aber auf den nächsten Tag.

woelfchen
25.04.2010, 17:14
Wow, danke für den tollen Bericht bis hierher und die vielen super Fotos.

dingsbums
25.04.2010, 21:58
09.09. Abwettern

Als wir heute morgen wach wurden, war es grau in grau und regnete. Holger drehte sich deswegen nochmal um, ich war aber wach und las in meinem Buch. Gegen 9 Uhr wurde Holger wieder wach und eine Entscheidung musste her. Ich bin immer furchtbar schlecht im Entscheiden.

Eigentlich wollten wir nach Norden weiter wandern, über Stáddajåhkå, dann nach Westen und über Sorjus nach Sulitjelma die Tour beenden. Alternativ konnten wir jetzt natürlich gleich nach Westen und so auf direkterem Weg nach Sulitjelma. In Vaimok hatte uns die Hüttenfrau vor heutigem Sturm gewarnt, das hatten wir natürlich im Hinterkopf. Wir also am Überlegen und in dem Moment, als ich sage 'Also los, lass uns packen und wie ursprünglich geplant weiterlaufen.' fängt es aber so heftig an zu winden, dass wir das als Zeichen gesehen haben. Oha, vielleicht lieber doch nicht. Deswegen sind wir dann noch einen Tag länger geblieben.

[IMG-L]http://img11.imageshack.us/img11/6595/2823w.jpg[/IMG-L]Nun, viel zu tun gab es nicht. Und so haben wir uns die Zeit wieder mit Holz holen, Sukoku lösen, Buch lesen, ... vertrieben. Zwischendurch sah das Wetter gut aus, natürlich fragt man sich gleich 'War die Entscheidung doch doof?', allerdings wehte der Wind immer wieder so stark, dass wir dachten 'Doch, war gut, da ist es hier in der Hütte doch schöner als irgendwo draußen im Zelt'. Obwohl ich vollstes Vertrauen in unser 'Reliable Shelter for Serious Wilderness Travel' gehabt hätte. ;-)
[IMG-L]http://img689.imageshack.us/img689/8616/2822.jpg[/IMG-L]
Gegen 16:00 Uhr gab es Mittagessen, und plötzlich stand ein Wanderer vor unserer Tür. Steven aus Irland. Er kam aus Richtung Mavas und freute sich nach einer stürmischen Nacht im Zelt auf einen Schlafplatz in der Hütte. Mit Gesprächen verging die Zeit sehr schnell, außerdem gingen wir heute auch früher ins Bett.

Steven wollte sich partout nicht dazu überreden lassen, in einem der beiden Betten zu schlafen. Er legte sich stattdessen in den Vorraum auf seine Matte, schön mit Decken darunter. Nun ja, wir konnten ihn ja nicht zwingen, hätten aber gerne den Schlafplatz für ihn geräumt.

Na, da ist es doch passend, dass ich noch erwähne, dass wir Hennings Eintrag hier in Pieskehaure im Hüttenbuch gesehen haben. ;-)



10.09. Muorki

Es gab dann doch die Planänderung, aber immerhin haben wir uns endlich weiterbewegt. Beim Aufwachen windete es nicht nur immer noch (wenn auch nicht mehr so stark), sondern es regnete auch schon ziemlich lange, wenn man sich die Pfützen so anschaute. Nach der Entscheidung, 'nur' nach Muorki zu wandern, hat Holger sich erst mal wieder umgedreht und noch eine Runde geschlafen. Ich habe dann mein Buch fertig gelesen.

Steven ist relativ früh los, wir waren um 11 Uhr fertig, Abmarsch in kompletter Regenmontur. Immerhin war es mittlerweile nicht mehr grau in grau, sondern die Sonne guckte zeitweise sogar raus.

Der Weg war unglaublich nass, aber sonst gut zu gehen. Und so kamen wir auch bald an die Watstelle - und mussten schnell einsehen, dass es nicht ohne Schuhe wechseln geht. Das war nicht überraschend, denn auch sonst kleine Bäche hatten heute schon eindeutig sehr viel Wasser gehabt.

Das Wasser hier im Fluss hatte ganz schön Kraft. Da es mir lieber war, wirklich sicher zu stehen, als über Steine zu 'balancieren', habe ich mich hinter die Steine gestellt. Damit was das Wasser aber auch ganz schön hoch. Es war noch kein Problem, und dass die Regenhose halt ein bisschen nass wurde, weil nicht weit genug hoch gekrempelt - was soll's. Trotzdem würde ich sagen, dass das die schwerste Furt unserer ganzen Tour war.

[IMG-L]http://img195.imageshack.us/img195/3962/2820b.jpg[/IMG-L]Weiter ging es und bald kamen die Brücken. Besonders die erste hatte eine gigantische Kulisse. [IMG-L]http://img195.imageshack.us/img195/3467/2818n.jpg[/IMG-L]
Bei der zweiten war vor allen Dingen auffallend, was für eine 'Drecksbrühe' so ein Fluss mit sich bringen kann. :-)

Und sie mochte mich wohl nicht. Denn als ich von der Brücke runter ging, rutsche ich auf dem glatten Metall aus, fiel hin - und zwar etwas eklig aufs Steißbein.

Sitzen war für die nächsten Tage unangenehm und ich sollte feststellen, dass ich eine solche Verletzung wohl noch nie hatte - daran hätte ich mich erinnert. Während der Schmerz beim Sitzen zwar nach den ersten Tagen schon leicht nachließ, spüre ich es aber tatsächlich manchmal heute noch. Es kommt darauf an, aus welchem Stuhl ich aufstehe - dann ist das Aufstehen sehr unangenehm. Meine Recherche im Internet lässt mich trotzdem mutmaßen, dass ich noch zu den harmloseren 'Steißbeinfällen' gehöre.


[IMG-L]http://img260.imageshack.us/img260/5931/2815.jpg[/IMG-L]Die Wanderung hat es nicht gestört, eher ein paar Tage später die lange Busfahrt. Aber so ging es ohne Probleme weiter, der Weg am See entlang war gut zu gehen und eigentlich auch sehr schön. Meistens war es trocken, manchmal sogar mit Sonne und einem wunderbar blauen See.

Irgendwann war die Brücke erreicht, an der wir abbiegen mussten. Dies war eine überraschend kleine Holzbrücke. Kurz vorher hatten wir schon einen Hund rumflitzen sehen, hier trafen wir dann auch den Besitzer dazu. Alleine mit einem Boot im Schlepptau. Uns als Nicht-Paddler hat das mehr als verwundert. Er war aus Bodø, zum Angeln und Jagen unterwegs gewesen und jetzt auf dem Heimweg. Und dann zog er zackig davon, mit dem Boot hinter sich und war im Sumpfgebiet schneller als wir ohne Boot.

Wir hielten uns an den Weg, aber als wir ihn dann doch ein Stück weiter links überholten, weil er (ich denke, sobald der Sumpf hinter ihm lag und es bergan ging) Wege doppelt ging, erst mit Rucksack, dann mit Boot, hatte ich fast ein schlechtes Gewissen. Die Leute hier sind immer so hilfsbereit, und wir hatten ihm keine Hilfe angeboten. Naja, ich hätte nicht können, Holger hatte immer noch einen schweren Rucksack und passte lieber auf mich auf. Außerdem wusste der Norweger ja, auf was er sich eingelassen hatte, und war auch zackig weitergegangen, aber es nagte an mir.

Als ich ihn später in der Hütte darauf ansprach, hatte ich aber den Eindruck, dass er das ehrlich okay fand und auch keine Hilfe erwartet hätte.

Ja, wir mussten ein Stück bergan, aber dann tauchte die Hütte überraschend schnell auf. Das war auch gut, denn trotz (oder gerade wegen?) 2 Ruhetagen war ich eher langsam unterwegs.
Selbst für norwegische Verhältnisse war diese Hütte sehr gemütlich, schön sind die ja eigentlich immer. Außerdem liegt sie toll direkt am See, dahinter guckt der Sulitjelma raus (wenn er sich nicht in Wolken versteckt).

Holger hat gleich wieder Feuer gemacht, Wasser holen war eigentlich sehr einfach (nur 10 m zum Wasser gehen). Allerdings war das Bücken mit meinem Steißbein gar nicht so einfach.

Gar nicht so lange nach uns kam der Norweger und fragte, ob er mit in der Hütte übernachten kann. Selbstverständlich. Ich denke, die Frage kam auch daher, dass er selbst keinen Schlüssel dabei hatte, weil er eigentlich geplant hatte, noch an diesem Abend weiter zu paddeln. Er hatte sein Auto am Ende des Lomivatnet stehen. Da er aber befürchtete, dass es darüber dunkel wird, ist er lieber zum Abschluss seiner Tour mit uns in der Hütte geblieben und am nächsten Morgen relativ früh das letzte Stück gepaddelt.

Als die Hütte warm war, wir den restlichen Tee getrunken und Schokolade gefuttert hatten, gingen wir uns waschen. Der See ist wie ein schöner Badesee - nur viel zu kalt. :-) Egal, da muss man durch, und es war wie immer super wohltuend.

Zum Abendessen vernichteten wir erfolgreich die letzten Nudeln mit Carbonara-Soße. Endlich sind wir die los! Dann saßen wir in der Hütte bei elektrischem Licht und Radio, dem Sonnenkollektor sei dank. Aber welch ungewohnten Töne, ein Radio. Der Norweger hatte es zwecks Wetterbericht eingeschaltet. Nun, das Wetter soll eher schlechter werden, das wollten wir nicht hören. Allerdings war damit die Entscheidung für Plan B die richtige gewesen. Während den Sonnenphasen heute hatten wir ja schon wieder dazu tendiert, es zu bereuen, den direkten Weg nach Sulitjelma gewählt zu haben.

Aber mit diesen Wetteraussichten und wo wir so klasse in dieser schönen Hütte hockten, fand ich die Entscheidung für Muorki richtig gut.

OttoStover
28.04.2010, 06:14
I too like the Muorki hut, it is just perfect. And what a view against the glacier!.

Nice story dingsbums. But one small point. I think it is more than 17 km from Vaimok to Pieskehaure when you follow the summer route. Perhaps the scooters in winter have a track that is just 17 km, but in summer it is more in the range of 20km

Mika Hautamaeki
28.04.2010, 09:07
Juhuu, es geht weiter. Danke!

dingsbums
11.07.2010, 14:33
Da der nächste Urlaub schon fast vor der Tür steht, schreibe ich mal schnell meinen Bericht fertig. Danach traue ich mich dann auch, Fragen für die Planung dieses Jahr zu stellen. ;-)

11.09. Regen (Muorki - Lomi)

http://img200.imageshack.us/img200/6561/2814n.jpg

Heute beim Aufwachen war alles grau und es regnete. Der Paddler ist bald los, da er happy war, dass es windstill war. Bei uns gab es Morgenroutine und um 10:30 waren wir abmarschbereit. Mittlerweile war es sogar trocken, damit hatten wir ja gar nicht gerechnet. Der Weg ging sich erst ganz prima am See entlang, später gab es dann wieder etwas mehr auf und ab. Zwischendurch sah man sogar Teile des Gletschers, der morgens (leider) komplett in Wolken war.

http://img42.imageshack.us/img42/1534/2813r.jpg

Mit entsprechendem Blick und trocken machten wir dann eine erste Pause. Tja, trocken sollte es nicht bleiben, es regnete immer mehr. Ich bin dann auch auf glattem Fels ausgerutscht, passiert ist nichts, ich war nur noch ein bisschen nasser. Bei so Wetter hilft nur eins: tapfer weitergehen. Und ich wollte es kaum glauben, wie schnell das Ende des Sees in Sicht kam.

Also auf zum Endspurt. Am Ende des Sees beginnt eine Straße. Wir waren etwas irritiert, wie hoch die Straße ging. Und so waren wir irgendwann hoch über Lomi, wo die Karte doch mutmaßen ließ, man müsste nur mal kurz 'rüber' gehen zur Hütte. Einen passenden Weg dazu (der ja von der Straße abgehen müsste) haben wir nicht gefunden. Allerdings sahen wir weiter unten eine Straße zurück nach Lomi führen. So haben wir uns bei dem Regen auf keinerlei Experimente im Hang eingelassen, sind der Straße gefolgt und kamen dann auch zu der Abzweigung. Es gab sogar einen DNT-Wegweiser: Lomi 1,5 km. Aber wo genau der hinzeigte, war nicht so klar. Wir folgten erst mal der Straße, die aber zwischendurch leicht unter Wasser stand und dann einfach aufhörte. Der weitere kurze Trampelpfad endete in einem kleinen See. :-)

Nun gut, wir hatten vorher links der Straße Markierungen gesehen. So gingen wir über einen kleinen Damm (davon gibt es hier einige), entdeckten wieder Markierungen und folgten denen bis zu einer Brücke. Diese Brücke ist nicht in der Karte eingezeichnet, wir waren aber froh um sie. Als ich vorher von oben den Fluss sah, fragte ich mich schon, wie wir über den denn rüber kommen sollten. 'Hoffentlich gibt es da eine Brücke!' sagte ich mir. Es war eine solide Holzbrücke, aber aufgrund der Höhe und der Stärke des Wassers hatte ich Respekt.

http://img90.imageshack.us/img90/2593/2810a.jpg

Ich fragte mich sowieso, wo dieser Fluss herkam. Die Karte konnte das nicht erklären. Also kam ich zu dem Schluss, dass er künstlich sein muss, was ja auch Sinn macht, da die ganzen Seen hier zu einem komlexen System zur Energiegewinnung gehören. Wenn ich mich richtig erinnere, hat meine Internetrecherche zuhause ergeben, dass das Wasser tatsächlich aus dem Storelvvatnan kommt. Viel mehr große Seen gibt es oberhalb auch nicht, aber irgendwie schien der mir einfach zu weit weg.

Ich wäre dann ja fast an der Hütte vorbei gelaufen, da ich dachte, sie müsste weiter hinten sein. Zum Glück hat Holger aufgepasst. Und so standen wir dann nach 7 Stunden endlich vor der Hütte. Was hatte ich vorher im SOT-Buch über die Hütte gelesen: 'Nicht schön, aber funktionell.' Auf den ersten Blick war sie ziemlich gammelig, sie war allerdings auch nicht sauber hinterlassen worden. Später haben wir uns doch sehr wohl gefühlt.

Holger hat erst Holz gemacht, während ich Wasser holen war. Da der Lomivatnet ein Stausee ist, an dem ganz sicher Wasser abgelassen war, musste ich etwas weiter laufen. Ich fand aber einen guten Weg und eine gute Stelle. Das Wasser kam schließlich auch in Massen von oben aus diesem rauschenden Fluss.

Abends packten wir dann das Handy aus, es gab schon Empfang, wenn auch nicht gut. So schickte ich eine SMS nachhause, in der ich mitteilte, dass es uns immer noch gut geht. (Beim 5. Versuch ging sie auch endlich raus.) Außerdem gab es mal wieder Nachrichten vom FCK. Auch dieses Jahr ist er gut in die Saison gestartet. (Der Sender der Fußballnachrichten hatte ganz offensichtlich einen schönen Abend bei Bier und einem 4:1.)

Im Hüttenbuch fanden wir dann Einträge von Henning und Otto. Schön bei einer Wanderung auf Spuren des Forums zu stoßen.

Fjaellraev
11.07.2010, 15:04
Ich fragte mich sowieso, wo dieser Fluss herkam. Die Karte konnte das nicht erklären. Also kam ich zu dem Schluss, dass er künstlich sein muss, was ja auch Sinn macht, da die ganzen Seen hier zu einem komlexen System zur Energiegewinnung gehören. Wenn ich mich richtig erinnere, hat meine Internetrecherche zuhause ergeben, dass das Wasser tatsächlich aus dem Storelvvatnan kommt. Viel mehr große Seen gibt es oberhalb auch nicht, aber irgendwie schien der mir einfach zu weit weg.
Richtig das Wasser kommt aus dem Storelvvatnan http://no.wikipedia.org/wiki/Lomi_kraftverk
Sind ja nur grob 4 Kilometer, im Kraftwerkbau keine Distanz.

Ich wäre dann ja fast an der Hütte vorbei gelaufen, da ich dachte, sie müsste weiter hinten sein. Zum Glück hat Holger aufgepasst. Und so standen wir dann nach 7 Stunden endlich vor der Hütte. Was hatte ich vorher im SOT-Buch über die Hütte gelesen: 'Nicht schön, aber funktionell.' Auf den ersten Blick war sie ziemlich gammelig, sie war allerdings auch nicht sauber hinterlassen worden. Später haben wir uns doch sehr wohl gefühlt.
...
Im Hüttenbuch fanden wir dann Einträge von Henning und Otto. Schön bei einer Wanderung auf Spuren des Forums zu stoßen.
Schön dass auch ihr euch in dieser Hütte wohlgefühlt habt, so heruntergekommen sie auf den ersten Blick wirkt so gemütlich kann sie doch sein. :p Da war ja letztes Jahr richtig viel Besuch von ODS-Seite in dieser kaum besuchten Hütte.

Gruss
Henning

dingsbums
11.07.2010, 15:09
12.09. Ein kurzer Walk (Lomi - Ny-Sulitjelma)

Unsere heutige Strecke hat die Bezeichnung Wanderung nicht wirklich verdient, aber egal. Wir hatten beschlossen, erst am Montag morgen mit dem Schulbus von Sulitjelma in Richtung Abisko aufzubrechen. Das hatte den Vorteil, dass wir die ganze Strecke an einem Tag schafften. Und deswegen spazierten wir heute nur bis zur Hütte Ny-Sulitjelma, um dort die nächste Nacht zu verbringen.

http://img42.imageshack.us/img42/1207/2812.jpg

Morgens weckte mich die Sonne - allerdings hielt sie sich nicht lange. Beim Frühstück war ich froh, dass ich noch viele Blaubeeren hatte, um den Geschmack dieses gesunden Müslis zu verbessern. Heute waren wir gegen 11:00 fertig.
Wir gingen nicht über die Brücke, sondern blieben rechts - und trotzdem mussten wir über kein reißendes Wasser. Allein das war schon der Beweis für meine Theorie, dass der Fluss irgendwo künstlich aus dem Berg kommen muss. :-) Wir gingen sogar noch ein paar Meter extra, um evtl. den Tunnelausgang zu sehen, man hatte aber keinen direkten Blick drauf. Und so wichtig war es ja auch nicht.

Das gute Wetter hatte sich wieder zu Regen entwickelt, allerdings kein starker - und Rückenwind. Der Weg ging sich prima und schon sah man die Straße und die Hütte. Nach ca. 1,5 Stunden waren wir angekommen. Hier steht zwar ein Schild, das sagt, es sind 5 km, aber ich glaube nicht, dass es wirklich so weit war.

Hier in Ny-Sulitjelma gibt es eine alte Hütte, die innen wie außen sehr heruntergekommen ist.

http://img90.imageshack.us/img90/5227/2809t.jpg

Und eine neue, die wirklich klasse ist.

http://img94.imageshack.us/img94/1450/2808h.jpg

Neu, Strom, elektrische Heizung, fließend Wasser, auch warm (aber keine Dusche :-), 2 Etagen, einfach schön. Nachdem wir uns ein Schlafzimmer ausgesucht hatten, gab es erst mal Tee. Ich bin dann Blaubeeren pflücken, mittlerweile war es trocken, aber eisig kalter Wind. Danach kamen die Schuhe in den Trockenschrank, auch einen solchen Luxus gibt es hier.

Dann haben wir zuhause angerufen, uns gesund zurückgemeldet und die frohe Nachricht gehört, dass Holger Onkel geworden ist. Es folgte ein gemütlicher Tag im großen Aufenthaltsraum. Holger hatte einen guten Sender im Radio gefunden, es lief den ganzen Tag richtig gute Mucke.

Gegen 18:00 kam ein Auto und jemand guckte kurz zu uns rein. Sie überlegten, ob sie noch nach Sorjus gehen sollten, und wollten evtl. einen Rat. Was soll man dazu sagen? Es wird mittlerweile relativ früh dunkel (am Tag vorher kurz nach 8, aber da war das Wetter auch schlechter), das müssen sie schon selbst wissen. Und die beiden sind dann auch los. Ein bisschen Sorgen habe ich mir schon gemacht, am nächsten Tag haben wir aber von anderen Wanderern erfahren, dass sie zwar im Dunkeln, aber sicher angekommen sind. (Originalzitat: Ich glaube, die Norweger sehen auch im Dunkeln. Die können immer wandern.)

Wir beendeten den Abend dann mit einer Partie Bauernskat. Das hatte ich vermutlich seit meiner Kindheit nicht mehr gespielt. Ein komisches Gefühl, wenn beim Kartenspielen alle Karten offen sind.

Der Tag in Ny-Sulitjelma war richtig schön. Gut geeignet, die Tour ausklingen zu lassen und sich so langsam wieder auf Zivilisation einzustimmen.

windu
11.07.2010, 15:37
Toll, dass du dir die Zeit nimmst, deinen Bericht zu Ende zu schreiben.

Viele Grüße,
Stefan

dingsbums
11.07.2010, 19:48
13.09. Sulitjelma

Wie meist sind wir auch heute um 7:00 aufgestanden. Es war Sonntag, und wir hatten nichts anderes vor, als uns irgendwann runter nach Sulitjelma zu begeben. Da der Bus am nächsten Morgen um 7:00 los fuhr, wollten wir nicht erst morgens runter wandern. Außerdem dachten wir, dass es ganz nett sein sollte, sich ein bisschen Luxus im Hotel Sulitjelma zu gönnen.

So ließen wir den Tag langsam angehen, wieder Radio Norge, wieder Bauernskat, irgendwann Frühstück. Das Wetter sah morgens gar nicht so schlecht aus, Wolken im Tal. Aber statt weg zogen die sich dann zu. Also warteten wir erst mal ab.

Kurz vor 12 kamen dann Wanderer aus Sorjus an - 2 Deutsche aus Bremen. Die waren sehr lustig, Norddeutsch eben. Nach kurzer Überlegung kamen sie auch auf einen Tagesbesuch rein. Vor allen Dingen der eine konnte dem Trockenschrank nicht widerstehen. Nun ja, er kam durchnässt an, später war die Hose trocken. Die beiden blieben fast 2 Stunden.

Als sie wieder weg waren, machten aber auch wir uns fertig. Wir hatten ja kurz mit dem Taxi geliebäugelt, entschieden uns dann aber doch für laufen. Die Wanderung ausklingen lassen ... Wir sind zwar in voller Regenmontur los, aber es wurde heller. So blieb es erst mal trocken und wir sahen runter ins Tal. Super!

http://img94.imageshack.us/img94/3784/sulitjelma.jpg

Die Straße ging sich überraschend gut, selten zu steil. Trotzdem waren die Füße irgendwann konstant zu weit vorne in den Schuhen, aber die Knie hatten immerhin nix zu meckern. Unten angekommen waren es noch 2 km bis zum Hotel, und dann fing es auch noch an zu regnen.

Um so frustrierender war es, dass dieser Weg umsonst war. Das Hotel hatte zu. Dort hing ein Zettel mit der Info, dass am nächsten Tag um 8:00 wieder jemand da wäre und 2 Telefonnummern, falls man was braucht. Die erste angerufen - kein Englisch, kein Deutsch, da hat der Typ einfach aufgelegt, kaum zu glauben. Die Frau hinter der 2. Nummer war immerhin nett. Allerdings hatte sie auch keinen besseren Rat, als dass wir im Turistsenter übernachten sollten. Ich: Das ist aber weiter weg, oder? Sie: Ja, 8 km, wir könnten ja Taxi fahren. Sie hatte auch Telefonnummer von Turistsenter und Taxiunternehmen parat. Na dann.

Wir haben dann überlegt, was tun. Hoch zur Hütte war keine Option. Irgendwo hier unten das Zelt aufbauen, hatten wir auch nicht wirklich Lust zu. Also, dann gucken wir uns mal das Turistsenter an. Wir haben erst mal angerufen, ja, sie hätten eine Hütte für uns. Beim Taxiunternehmen angerufen, der stand keine 5 Minuten später vor uns und hat uns dahin gefahren.

Das Turistsenter (http://www.home.no/sulitjelma.turistsenter/) ist ein großer Campingplatz mit Hütten, einem Shop und auch einem kleinen Restaurant. Die Frau organisierte für uns auch gleich die Fahrt morgens wieder runter zur Bushaltestelle (der Taxifahrer konnte weder Englisch noch Deutsch und war auch sofort wieder weg gewesen). Wir duschten, hatten ein Doppelbett und es gab sogar Sat-TV (mit Fußball und Radio Norge). Zum Abendessen gab es Fisch mit Kartoffeln und Krautsalat. Sehr lecker! So eine servierte Mahlzeit nach 3 Wochen hat doch was für sich. Dazu gab es Bier und als Nachtisch Møsbrømlefse.

So frustriert wir erst waren, als das Hotel zu hatte, so gut wurde der Abend dann noch. In der Hütte hat Holger noch ein bisschen gezappt zwischen Fußball und einem Film, den ich ganz gut fand. Wir schliefen prima, außer dass es viel zu warm war.

14.09. Reisetag

Heute klingelte um 5:30 der Wecker, wir mussten die Hütte ja sauber übergeben. Viel dreckig hatten wir zwar nicht gemacht, aber Bad wischen und staubsaugen musste schon sein. Kurz nach 6:30 stand dann auch unser Chauffeur (eigentlich zu früh) vor der Tür. Wir waren aber fertig und los ging's zur Bushaltestelle. Wer auch immer uns da gefahren hat, es war nicht das Taxiunternehmen. Es war ein junger Kerl in einem überheizten Auto, der kein Geld wollte. Vermutlich hatte die Dame vom Turistsenter ihren Sohnemann dazu verdonnert. Das hatten wir am Vortag nicht richtig verstanden, aber das war natürlich sehr nett.

Um 6:50 kam der Bus. Aber seine 'Ticket Machine' war kaputt, deswegen kostete die Fahrt nach Fauske nichts. Das wurde ja immer besser. ;-) Während an der Starthaltestelle nur wir einstiegen, kamen nach und nach die Schüler dazu. Schließlich war es der Schulbus. Und in dem war nicht gut mit meinem Steißbein zu sitzen. Das konnte ja ein lustiger Tag werden.

Nach einer Stunde waren wir in Fauske, hier hieß es umsteigen. Die Haltestelle war an einer Tanke, also gab es erst einmal Frühstück. Dann kam der Bus nach Narvik, allerdings fuhren wir erst mal nur zum Bahnhof, da gab es Pause. Gegen 9:00 ging die Fahrt dann wirklich los. Ich setze mich in eine eigene Reihe und fand so meist eine akzeptable Sitzposition. Es gab den ein oder anderen schönen Blick zwischendurch, aber auch ich schlief irgendwann ein.

Gegen 13:30 gab es dann eine Überraschung. Wir fuhren Fähre. Dabei wurden wir natürlich munter, standen draußen und guckten. Danach war ich auch wach und guckte bis Narvik wieder Gegend an. Der Bus hielt am Einkaufszentrum, bzw. dahinter. Wir machten uns auf den kurzen Weg zum Bahnhof. Wir hatten immer noch über eine halbe Stunde, bis der Zug fuhr, aber er wurde früher bereitgestellt, so konnten wir uns schon reinsetzen. Die Fahrt am Fjord entlang war einfach toll und auch sonst ist die Strecke ja schön. Und so gingen die 2 Stunden schnell vorbei und schon waren wir in Abisko.

Wir bezogen ein Doppelzimmer, ich kaufte im Shop ein neues Buch, alles prima, nur war dummerweise die Waschmaschine kaputt. Damit fiel Waschen erst mal aus, an einem der nächsten Tage würden wir aber Handwäsche machen müssen.

Das Abendessen war gewohnt lecker. Wir saßen am Tisch mit 3 Deutschen, die in Lappland waren, um Permafrostboden zu untersuchen. Allerdings hatte der Wind ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht, ihnen im Hochtal mehr oder weniger das Zelt um die Ohren geweht, und so hatten sie diesen Standort aufgegeben und waren nach Abisko gekommen. Aber ich hatte endlich jemand kompetentes gefunden, um ihn über die 'Maulwurfs- bzw. Kamelhöckerhügel' zu befragen. Sie sind vermutlich durch Frost entstanden, wenn auch nicht sicher ist, ob sie wirklich Permafrost haben.

Mika Hautamaeki
12.07.2010, 09:01
Vielen Dank für die Fortsetzung deines Berichtes! Eine wirklich schöne tour, die ihr da gemacht habt!

dingsbums
14.07.2010, 21:08
15.-18.09. Abisko: Nichtstun, gut essen, Linbana und Storband i Storstugan

Viel haben wie die letzten 4 Tage in Abisko nicht unternommen. Das hatte viele Gründe: Das Wetter war nicht so toll. Auch irgendwo (am liebsten am großen Fenster im Kaminzimmer) sitzen und lesen ist für mich Urlaub. (Das im Shop gekaufte Buch hatte 880 Seiten und reichte bis zum Rückflug, in Stockholm war es fertig gelesen.) Nach 3 Wochen Wanderung waren Spaziergänge in der Umgebung ausreichend. Und wir haben die Tage sehr genossen. Und sie gingen rum wie nix.

Die Handwäsche war in einem Zimmer mit fließend Wasser immer noch einfacher als auf einer Hütte. Also okay. Zum Essen ist zu sagen, dass Abisko sehr umweltbewusst ist oder zumindest sein will (sie haben die Euroblume), was bedeutet: Zum Mittag- und Abendessen kein Schwein oder Rind. Das bedeutet Ren, Elch, Fisch oder evtl. Huhn auf der Speisekarte. Damit konnten wir gut leben. ;-)

Was natürlich Zeit gekostet hat, ist die Unmengen von Postkarten zu schreiben, die in der Heimal erwartet werden. Nun, ich tue das schon freiwillig. Auch ich freue mich immer über Urlaubsgrüße.

Am 16.09. folgten wir einer Tradition, wenn wir in Abisko sind. Wir fuhren Linbana. Und hatten oben auf dem Berg den ersten Schnee. Da wir schon mehrfach auf Njulla waren, gingen wir diesmal hoch auf den Slåttatjåkka. Wow, warum hatten wir das noch nie vorher getan? Der Blick war super! Allerdings fing oben ein Schneegestöber an, so dass die Sicht nicht mehr die beste war. Nun, da haben wir doch gleich einen Grund, das nächste Mal in Abisko wieder Linbana zu fahren und diesen Berg bei schönen Wetter nochmal zu besteigen. :-)

Auf dem Weg nach oben hoppelte ein Hase vor uns her:

http://img714.imageshack.us/img714/1453/1935a.jpg http://img714.imageshack.us/img714/2692/1934a.jpg http://img707.imageshack.us/img707/4152/1933a.jpg

Blick ins Kårsavagge und nach Abiskojaure:

http://img28.imageshack.us/img28/8859/1924a.jpg

http://img707.imageshack.us/img707/9220/1928e.jpg

http://img707.imageshack.us/img707/721/1927.jpg

Holger im 'Schneegestöber' (wenig Schnee, viel Wind):

http://img28.imageshack.us/img28/4622/1919c.jpg

Und da Holger es nie lassen kann, Lapporten zu fotografieren, dürft ihr es auch wieder bewundern:

http://img686.imageshack.us/img686/6692/abisko1.jpg

http://img686.imageshack.us/img686/8987/abisko2.jpg

http://img686.imageshack.us/img686/6177/1913q.jpg

Wieder in der Turiststation gingen wir in die Sauna. Allerdings ist die Frauen-Sauna im Hauptgebäude nicht so der Bringer. Nicht wirklich warm und der Aufguss tat meinem Buch nicht gut ... Aber dann kamen ein paar weitere Besucher, unterhalten mit anderen Leuten macht immer Spaß.

Am nächsten Abend unterhielten wir uns auch noch etwas länger mit Holgers Saunabekanntschaften. Die IF Metall hatte ein Treffen in Abisko. Einer der Jungs war aus Piteå - der Riviera des Nordens mit Invasion norwegischer Touristen, wurde uns erklärt.

Es gab wie immer Einkauf in Östra, Spaziergang an Canyon und See und schon war der letzte Abend. Da am Tag nach unserer Abreise auch die Turiststation dicht machen würde, gab es ein Konzert in der Storstugan. Eine Bigband aus Kiruna, die im Bus mit 17 Leuten angereist waren. Spaß hat das gemacht. Nur leider was der Cider schon Anfang der Woche alle, so musste ich notgedrungen Bier trinken. ;-)

Auf dem Heimweg schickte ich glücklicherweise unserem Chauffeur (Klaus war so nett, uns am Flughafen abzuholen) noch eine SMS, dass wir pünktlich boarden. Prompt kam die Antwort 'Ihr kommt heute?!' Er rechnete erst einen Tag später mit uns. Aber so stand er pünktlich am Flughafen und brachte uns sicher nachhause. Danke.

Fast 4 Wochen Urlaub - auf der einen Seite vorbei wie nix, auf der anderen Seite voller schöner Erinnerungen. Und mittlerweile steht ja schon die nächste Tour vor der Tür. Gestartet wird in Sulitjelma mit dem Bogen, den wir letztes Jahr ausfallen lassen mussten, weil das Wetter zu schlecht war. Dann durch den Padjelanta zum Rago Nationalpark. Wir freuen uns schon!

Prachttaucher
15.07.2010, 08:53
Von mir auch nochmal ein dickes Dankeschön, werde mir die Reiseberichte von Dir und Henning ausdrucken und auf einer langen Zugfahrt gut studieren. Danach sehe ich sicher klarer, was ich in den 2 Wochen zwischen Sulijelma und Kiruna eigentlich machen will. Am liebsten wäre mir ja eine Variante mit einer Einkaufsmöglichkeit nach einer Woche, mal sehen... ;-) Vielleicht läuft man sich ja mal über den Weg...

4911
10.11.2010, 08:06
Servus,

Tatsache, wir sinds die Permafrostler aus Abisko ;-)

Ihr habt ja das maximale aus 4 Wochen Urlaub rausgeholt, das macht wirklich Spaß zu lesen. Und eure Aufnahmen sind ebenfalls Klasse.

Hier zum Beispiel (http://www.outdoorseiten.net/forum/showthread.php?37214-SE-NO-Sarek-Padjelanta-Sulitjelma&p=556654&viewfull=1#post556654) ist im obersten Bild mit großer Wahrscheinlichkeit Eis unter dem Blockschutt. Die Buckel an der Oberfläche sind ein Hinweis auf Kriechbewegungen des Blockschuttkörpers in der jüngsten Vergangenheit.

Grüße aus Würzburg