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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Tarp (Vollständig geklebt) – Ein Erfahrungsbericht



Ajungilaq
08.10.2009, 12:21
Moin moin,

Nachdem ich bisher nur gelesen habe und mich fleißig informiert habe hier nun einige Fotos, Lösungsansätze und Erfahrungen.

Die Idee:
Ein relativ leichtes Tarp aus Silikon beschichtetem Ripstop Nylon (Quelle: extremetextil) mit reichlich Abspannpunkten. Optimiert für das Aufstellen mit dem Fahrrad. Gibt es auch zu kaufen aber für >150€. Habe nun incl. Footrint (1,5*3m), Schnüre und allem Material <75€ bezahlt

Nachdem ich viel Positives, aber auch Negatives über Kleben mit Elastosil N199 von Wacker gelesen habe musste ich es einfach ausprobieren. Ich selber habe Textiltechnik als Maschinenbauer vertieft und war daher einigermaßen vertraut mit der Thematik, speziell mit dem Thema Krafteinleitungspunkte (Abspannpunkte) habe ich mich im Vorfeld auseinander gesetzt.

Nun zum Tarp, Basics:

Silikonbeschichtetes Ripstop Nylon, 2. Wahl von extremetextil.
3*3,30m Fläche
Nur geklebte Nähte und Abspannpunkte
Klebstoff Elastosil N199 von Wacker
Verschiedene Konzepte zur Krafteinleitung


Zunächst hier ein Bild vom fertigen und aufgestellten Tarp:
http://forum.outdoorseiten.net/attachment.php?attachmentid=3224&stc=1&d=1254994770
http://forum.outdoorseiten.net/attachment.php?attachmentid=3225&stc=1&d=1254995632

Die verschiedenen Konzepte für die Krafteinleitung:
Alle mit Kunststoffring (12mm) oder Kunststoffelement für Gurte.

1. Gurtband auf Nylon aufgeklebt, dann auf das Tarp geklebt. Verwendet: Firstabspannpunkte
+ Ultra fest
- relativ steif
- recht schwer, da ich am Anfang viel Klebstoff verwendet habe
http://forum.outdoorseiten.net/attachment.php?attachmentid=3227&stc=1&d=1254995632

2.Gurtband auf die Ecke geklebt und dann eingerollt und geklebt:
+ hält
- stellt sich bei Belastung auf
- nicht schön
(so wie nächstes Bild, nur nicht schön)

3. Abspannseil (2mm)in die Ecke/Seite geklebt, eingerollt, Verstärkung darüber geklebt.
+ hält
+ schön
- bisher keine
http://forum.outdoorseiten.net/attachment.php?attachmentid=3226&stc=1&d=1254995632

4. Ripstop Nylon Streifen mit Kunststoffelement aufgeklebt. Verwendet: Zusatzabspanner, First
+ super leicht
+ sehr einfach zu kleben
- sicher nicht ultra stabil, für Zwischenpunkte aber ausreichend
http://forum.outdoorseiten.net/attachment.php?attachmentid=3228&stc=1&d=1254995632

5. Nylon einfach flächig aufkleben (Lifter)
+ ultra leicht
+ stabil genug für Lifter

Verarbeitung:
Wie schon erwähnt wurde ist das Zeug extrem zähflüssig. Ich habe es mit einem kleinen, flexiblen Metallspachtel verstrichen.
Nicht zu Dick auftragen, aber auch nicht zu dünn. Gut festdrücken und glatt streichen.
Beim Mittelfirst aufpassen das sich keine falten legen, habe nun leider welche in der Mittelnaht.

Nützliches Zusatzmaterial:

Einmalhandschuhe
Schaschlikspieße (zum verstreichen unter kleinen Ecken)
Eine Kunststoffrolle zum andrücken
Gute Silikonspritze
Fingerhut zum nähen
Cutter und Schneidunterlage
Geduld, dass Zeug ist manchmal etwas eckelig
Gut belüfteter Arbeitsraum oder Schutzmaske


Mein Favorit: Version 3: Hier eine kleine Bauanleitung
Da ich finde das Version 3 für die Ecken und für die Seitenabspannpunkte echt gut geworden ist, hier eine kleine Bilderserie zur Herstellung:

Ecke im 45° Winkel abschneiden (ca 15-20mm)
Schnur mit ein Paar stichen fixieren. Ring einfädeln nicht vergessen. (Wer Geduld hat kann hier auch direkt kleben und warten.
http://picasaweb.google.de/Sebastian.Reinert/Tarp#5390159190122054098
Klebstoff auftragen
http://picasaweb.google.de/Sebastian.Reinert/Tarp#5390159187906044322
Ecke Einrollen
Wieder mit ein paar Stichen fixieren, hierdurch wird der Klebstoff gut an der Schnur verteilt.
http://picasaweb.google.de/Sebastian.Reinert/Tarp#5390159190349031554
Runde, eingeschnittene Verstärkung auf der einen Seite aufkleben.
http://picasaweb.google.de/Sebastian.Reinert/Tarp#5390159193396823154
Umklappen, kleben, überstehende Seiten abschneiden
Ich habe noch die Schnur an der Ecke mit Nähgarn vernäht (umwickelt), damit die Kraft direkt an der Ecke eingeleitet wird.
http://picasaweb.google.de/Sebastian.Reinert/Tarp#5390159193032325474
Fertig, trocknen lassen.


Sonstiges:
Leider (naja, eigentlich nicht) hat es auf unser Radtour nicht geregnet oder gestürmt. Deswegen bedeutet "hält" zunächst nur: "hält bei normaler Belastung". Sturm muss noch getestet werden. Wenn jemand plant demnächst auf Tour zu gehen und dieses Tarp weiter testen/nutzen möchte, PN an mich. Ich würde es durchaus verleihen.

Ich habe den Rand nicht gesäumt. Bisher hat sich das Material aber noch keiner Stelle angefangen aufzulösen.

Habe noch reichlich Elastosil (Ich habe so gut wie nichts gebraucht, es ist halt ein Industrie Kleb- und Dichtstoff. Eine Kartusche reicht für X-Projekte)

Mein Ingeniuerdasein bringt mich nun noch dazu die Sache etwas wissenschaftlicher zu betrachten. Ich werde über diesen Winter Streifen kleben und diese an meiner alten Uni testen lassen. Es hat nicht jemand zufällig über die Uni oder so Zugang zu DIN Normen und könnte mir diese für die Zugprüfung und Weiterreissfestigkeit besorgen?

Langzeitstabiliät, UV-Stabilität, Aushärtung, Versprödung und Co wird sich wohl erst über die Zeit zeigen.

Im Großen und Ganzen bin ich mit dem Ergebniss sehr zufrieden.

Suche nun noch die "perfekten" Heringe zum Tarp. Leicht, stabil, mit Schlaufe.

So, würde mich gerne über eine angeregte Diskussion, Verbesserungsvorschläge etc. freuen.

Gruß Sebastian

hyrek
08.10.2009, 12:37
vielen dank fuer den sehr ausfuehrlichen bericht und die top bilder. das macht lust, das auch mal auszuprobieren. mit dem naehen habe ich es nicht so.

ranunkelruebe
08.10.2009, 12:54
Hallo!

Erstmal Kompliment für die gut bebilderte 'Anleitung'.
Habe aber mal eine generelle Frage zu Tarp-an-Fahrrad:
Meine Erfahrung ist, dass Räder ja nicht immer so wahnsinnig stabil stehen auf weicher Wiese - und bei stärkerem Wind fallen sie (also zumindest meins) irgendwie gerne mal um. Sicherst du das Rad/die Räder irgendwie gegen umfallen?
Wie praktisch findest du es generell, das Rad im Tarp integriert zu haben? (Diebstahlschutz versus noch-mal-schnell-in-den-nächsten-Ort-radlen-können)

Aber auf jeden Fall ein sehr interessantes Projekt!

Grüße,
Rana

Ajungilaq
08.10.2009, 13:13
Hey Ho,

das geht ja schnell mit Antworten....

@ Rana.
Wir haben mit dünnen Absannschnüren die Räder abgespannt. Genauso wie einen Trekkingstock. Dadurch stand es bei unserem Fall recht gut (kein Sturm).
Bzgl Diebstahlschutz, denke mann muss schon ziemlich viel kriminelle Energie aufweisen um das Rad bei darin schlafenden Leuten mitzunehmen. Jedoch ist man ja evtl nicht immer unterm Tarp, da ist der Schutz gleich null. Zwei Heringe und ein Knoten dürften keinen Dieb aufhalten.
Wir haben vor dem Aufbau immer alles eingekauft bzw. dabei gehabt. Demnach stellte sich die Frage mit noch mal eben abfahren nicht. Ansonsten durchaus richtig, nicht perfekt. Aber mit Ästen und Bäumen zu ändern.

Gruß Sebastian

Hausi
08.10.2009, 13:37
Ich kann nächste Woche mal in die Bibliothek gehen und im Normen-Katalog nach den Normen schauen.

Danke für die Anleitung.

mfg
Nils

barleybreeder
08.10.2009, 14:22
Schöne saubere Arbeit! Ne Frage dazu...

Wie weit hast du die Dynemschnur im Saum integriert? Ich hätte erlich gesagt Angst dass es mir die Schnur bei straker Dauerbelastung irgendwann aus dem Saum reißt. Wenn ich richtig gelesen habe ist die ja nur eingeklebt (bis auf ein paar Stiche). Die Klebefläche welche die Schnur hält relativ klein.

Ajungilaq
08.10.2009, 14:43
Hey,

die Schnur ist ca 10cm eingelegt und wie Du Richtig erkannt hast ist sie mit den Stichen nur fixiert, die Kraftübertragung findet hauptsächlich über die Klebefläche statt. Da ich dort im Verhältnis recht viel Klebstoff aufgetragen habe und mehrfach auf und zu gerollt habe ist theoretisch auf der gesamten Mantelfläche der Schnur Klebstoff. Ergibt in etwa 6,283cm² Klebefläche. Vergleichbar also mit 10mm Gurtband mit 6cm Länge. Das ist in etwa soviel wie ich auf an den Gurtband am First geklebgt habe.
Ob es sich rauszieht wird sich über die Zeit zeigen, jedoch wird die Kraft direkt auf eine Kante gezogen (abrollen der Klebung) und nicht genau in Schnurrichtung. Bisher macht es einen sehr guten Eindruck. Werde es aber mit in die Zugversuche aufnehmen um einmal Vergleichswerte zu bekommen.

ulfs
08.10.2009, 15:37
Erstmal danke für den Bericht! Wirklich sehr informativ!
Kannst du noch sagen was das gute Stück wiegt? (wenn ich das übelesen haben sollte=>Asche auf mein Haupt)

Ajungilaq
08.10.2009, 15:44
Hast Du nicht, leider habe ich das Tarp im Moment nicht bei mir und meine Küchenwaage war zum Zeitpunkt der Fertigstellung defekt. Werde ich nachreichen.

papajoe
08.10.2009, 15:50
Hallo!
[...]
Habe aber mal eine generelle Frage zu Tarp-an-Fahrrad:
Meine Erfahrung ist, dass Räder ja nicht immer so wahnsinnig stabil stehen auf weicher Wiese - und bei stärkerem Wind fallen sie (also zumindest meins) irgendwie gerne mal um. Sicherst du das Rad/die Räder irgendwie gegen umfallen?
Wie praktisch findest du es generell, das Rad im Tarp integriert zu haben? (Diebstahlschutz versus noch-mal-schnell-in-den-nächsten-Ort-radlen-können)[...]

ich spanne mein tarp auch am bike auf. in etwa so (das bild zeigt nur den ersten test, in der praxis hab ich die ecken dann doch weiter runtegezogen):
http://farm4.static.flickr.com/3330/3476139148_c413cec380.jpg
http://www.flickr.com/photos/martn_rtr/3476139148/sizes/o/

das rad steht schon alleine durch die abspannleinen (das funzt übrigens auch gut als ständeersatz), das tarp wird mittels karabinern an sattel, gepäckträger und laufrädern eingehängt und zieht dann nochmal in die andere richtung, so dass nichts mehr umfallen kann. das vorderrad hab ich zusätzlich mit einem packriemen am unterrohr fixiert um den lenker am einschlagen zu hindern (gegen wegrollen schützt das auch). hat bei mir auch kräftigem wind standgehalten.




das geklebte tarp finde ich spannend. wollte ich ja ursprünglich auch machen, hab mich aber nie rangetraut und dann hab ich das lowland hier im basar günstig erstanden...

Lodjur
08.10.2009, 19:04
Hallo Sebastian,
klasse Arbeit. Und kommt mir sehr passend. Ich bin auch gerade dabei mir ein neues Tarp zu basteln und schrecke vor der nötigen Näharbeit zurück. Obwohl ich in meinem Job auch öfter mit Elastosil klebe bin ich noch nicht auf die Idee gekommen damit die Plane zu kleben. Aber halten tut das Zügs wie Hölle. Zu deiner Frage wg. Häringe. Der 10 Beitrag von oben in der MYOG Rubrik befasst sich mit UL Häringen. Dabei kamen auch welche aus Carbon zur Sprache. Ich bin zwar kein ULler aber es interessierte mich doch was sich da so machen liess. Als Bogenschütze habe ich auch kein Problem an das Material zu kommen. Es sammelt sich mit der Zeit genug Pfeilschrott an.
Die Häringe werden so recht preiswert. Selbst wenn man die Materialien neu kauft kommt man bei einem 19 cm Häring auf 1.50-1.60 Euro. In dem letzten Beitrag habe ich ein paar Bilder eingestellt von ein paar Versuchballons. Die 12 cm Variante wiegt 11 Gramm die 19 cm 14 Gramm. Ich habe die nun etliche mal in die Erde, auch feste steinige geschlagen und die halten bombig. Das Rausziehen ist etwas mühsam bei den kurzen. Ich habe mich daher für die längeren entschieden und sitze gerade dabei mir aus dem im Keller gefundenen Pfeilresten erstmal 12 St. 19 cm Häringe zu bauen. Es ist beinahe unmöglich so einen 19 cm Häring auch nur leicht zu verbiegen, brechen geht gar nicht. Und da Pfeilcarbon bidirektional auf Längsfasern gewickelt ist sind die Rohrstücke gerade für die Belastung in Längsachsrichtung optimiert. Ein Pfeil muss beim Einschlagen das ja auch abkönnen. Es sind "preiswerte" Pfeile "Easton Powerflight" die man schon ab 3.20 Euro pro Stück bekommt. Aus einem Pfeilrohling kann man 5 x 17 cm Stücke schneiden. Die haben einen Durchmesser von 7.2 mm. Am Ende ist eine Nylon Unterlegscheibe aufgeschraubt und da könnte man dann leicht eine Schlaufe anknüpfen. Die Scheibe verhindert dann das abrutschen nach oben.
CU Bernd

rover
09.10.2009, 13:26
...chapeau!!!

btw.: die (fast) richtige Weissbiermarke hast Du auch

Ajungilaq
09.10.2009, 14:05
Weissbier und zusätzlich Pils aus der Region.

Gewichtsupdate:
Material: 60-80 g/qm (laut extremetextil)
3*3,30m = 9,9m²
Müssten sicht 594 bis 792g ergeben.

Mit allen Abspannpunkten, Klebungen, Verstärkungen, Überlappungen, Ringen, und Liftern wiegt das Tarp nun gewogene 850g. Nicht ultraleicht aber zufriedenstellend.

Gruß

MikeTango
15.10.2009, 22:25
Mahlzeit,

kann ich euer beiden Bilder im Wiki im Artikel "Tarp" verwenden?

Grüsse

hunter3
08.08.2011, 14:31
Nach nun 2 Jahren währe es interessant zu sehen, ob die Klebungen mit Elastosil N199
noch in Ordnung sind, oder ob es doch irgendwelche Probleme gibt bezüglich
UV Belastbarkeit, Elastizität, Stabilität, Materialschäden am Ripstop, oder was auch immer gibt.

Gruß
Harald

Mathews
20.02.2012, 22:25
hallo,

hat sich hier nun noch etwas getan?

Oder hat jemand anderes Erfahrungen mit Klebeverbindungen bei Tarps und Zelten gesammelt?

Wäre mal ziemlich interessant.

Vielen Dank

milestone
09.03.2012, 21:04
würde mich auch interessieren, will an mein zelt noch 2 zusätzliche abspannpunkte anbringen und dazu nicht nähen müssen. von daher hätte ich gern paar langzeiterfahrungen.