PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [UK] West Highland Way September 2009



teulabonari
05.10.2009, 23:59
Hier nun mal wieder ein Reisebericht vom WHW;-), solange die Erinnerungen noch frisch sind.

Zuerst mal die Eckdaten und noch etwas zur Vorgeschichte: Start am 6.9., erster Lauftag am 7.9., Rückflug am 17.9. Die Idee, den WHW zu gehen stammte nicht von mir sondern von einer Arbeitskollegin (Sabine), die letztes Jahr auf dem Jakobsweg Geschmack am Weitwandern gefunden hat und da sie Schottland sehr mag war es zu dem Entschluß nicht mehr weit. Dann wurden Mitstreiter gesucht und ich habe zunächst abgelehnt, da ich mich zwar schon für einen netten Zeitgenossen halte aber auch weiß, wie anstrengend ungebändigter Redefluß sein kann;-) Der 1. Mitstreiter war dann doch schnell gefunden (Birgit) und beim nächsten Mal Nachfragen habe ich (Andrea) zugesagt, weil es mich doch reizte. Die Reisegruppe stand also fest, 3 nette junge Damen von 30- 33 und dann ging es an die genauere Planung. Das meiste haben wir dabei Sabine überlassen, da sie die Sache auch angezettelt hatte. Wir hatten uns entschieden, nicht zu zelten und hatten maximal 9 Tage Zeit für den Weg.

Bereits 4 Wochen vorher habe ich immer sehr aufmerksam den Wetterbericht studiert, meistens den von metoffice und mwis. Deprimierend war das, durch und durch!!! Kalt, windig, Regen. Regen, kalt, Sturmböen. Wind, Regen, kalt. usw., usw. Am Samstag vorm Abflug dann der letzte Blick ins Internet und siehe da: wenn Engel reisen!!! Da stand doch tatsächlich, daß es am Montag schön, am Dienstag nochmal windig und regnerisch werden bzw. richtig regnen sollte und ab Mittwoch ein stabiles Hoch Schottland erreichen würde. Wie haben wir das nur hinbekommen, daß unser Flehen erhört wurde?

West- Highland- Way 2009 oder von den Highlandbabes, Munrobagging ... und Flöhen

Tag 1 6.9.2009 München- London Heathrow- Glasgow- Milngavie

Am Sonntag morgen machten wir uns um 4.45 Uhr auf den Weg zum Flughafen, alle noch etwas müde, die andern beiden zusätzlich noch erheblich nachtdienstgeschädigt. Ich war vor allem gespannt, wer den Kampf um den leichtesten Rucksack für sich entscheiden würde. Meiner wog am Flughafen doch 10kg:( Hatte ihn aber daheim noch mit Wasser und Zwischenmahlzeiten komplettiert, es handelte sich also um das Endgewicht und deshalb war ich doch zufrieden. Habe aber nicht gewonnen. Start dann 7.40 Uhr von München über Heathrow nach Glasgow. Der Flug an sich war unspektakulär. In Heathrow hatten wir 4 ! Stunden Aufenthalt und mußten durch 3 Sicherheitskontrollen, also 3 mal Bergschuh an und aus und noch ein Foto machen, das dann beim Einsteigen abgeglichen wurde. Das war doch etwas ungewohnt für mich. Irgendwann waren wir dann doch in Glasgow, haben bei der Dame am Busticketschalter gleich mal gelernt, wie man Milngavie richtig ausspricht und uns dann über Buchanan Bus Station auf den Weg gemacht. Soweit, so gut. Leider kannten wir den Namen der Haltestelle nicht und es war leider nicht so offensichtlich, wie wir gehofft hatten. Also sind wir erstmal etwas spazieren gefahren. Der Busfahrer hat uns dann aber wieder zurückgebracht und diesmal Bescheid gesagt, wo wir raus müssen. Dann suchten wir eine Unterkunft in Milngavie und waren ziemlich enttäuscht, weil die Auswahl doch sehr begrenzt war. Leider hatte keiner von uns vorher gesehen, daß sich die große, lange Unterkunftsliste im Führer auf Glasgow bezog. Wir haben dann doch ein Hotel gefunden, auch wenn das für 104 Pfund für 3 Personen ohne Frühstück schon ein Loch in die Urlaubskasse gesprengt hat. Aber was soll´s, auf der Straße schlafen wollten wir auch nicht. Das Abendessen im Westhighland Cafe war allerdings sehr fein und ich habe mit meiner Burgerdiät begonnen.

Tag 2 7.9.2009 Milngavie- Carbeth- Drymen

Am nächsten Morgen waren wir dann nicht besonders früh dran, fanden aber den Anfang des Weges problemlos wieder und stürzten uns ins Abenteuer. Das obligatorische Stelenfoto haben wir natürlich auch gemacht, das hab ich aber nur auf Papier.

Von allerlei aufmunternden Worten von Einheimischen begleitet (Ältere Dame, Typ Oberlehrer, es fehlte nur der erhobene Zeigefinger: Doing the WHW, Ladies? It is not well marked everywhere, look for wooden posts, this height! und die Dame an der Rezeption auf die Frage, wie denn das Wetter würde: You will need your bad weather gear!), ging es also endlich los. Beim Frühstück hatte es tatsächlich noch geregnet, als wir losgingen war das schon wieder Geschichte. Das Wetter hielt den ganzen Tag, meist schien sogar die Sonne. Wir versuchten erstmal, uns einzulaufen und ließen es ruhig angehen und die Gegend auf uns wirken. Bald hatte ich den Dumgoyach am Horizont entdeckt und gehofft, daß unser Weg darüber führt. Dem war leider nicht so, wie Birgit und Sabine nach einem Blick in den Führer erleichtert feststellten. Schade. Den Weg an der Bahntrasse entlang haben wir nicht gefunden, vor lauter Gackern haben wir wohl den Absprung verpaßt so daß wir plötzlich an der Straße standen. Dafür haben wir dort ein paar tolle Fliegenpilze gesehen und ein paar Auerhühner. War also kein Problem, am Beech Tree Inn waren wir wieder auf dem Weg zurück. Dort haben wir erstmal eine Kaffeepause eingelegt. Der restliche Weg bis Drymen zog sich dann in die Länge und spätestens auf der Asphaltstrecke von Gartness nach Gateside gab es die ersten Proteste von den Füßen. Bei mir ging es noch ganz gut und ich wäre fast geschlagen worden, als ich nach 5 Stunden Gehzeit mein Unverständnis über schmerzende Körperteile zum Ausdruck brachte :ignore:. Nach einer letzten Pause an der Brücke in Gateside und einigen spektakulären Matsch- Wasserdurchquerungen kamen wir in Drymen an.

http://img24.imageshack.us/img24/8785/img0022fr.jpg

Auf der Suche nach einer Unterkunft klapperten wir an der Hauptstraße ein paar BnB´s ab. Eine Dame, die leider noch auf ihre Wanderer warten wollte (hatten reserviert und es war erst 16.00 Uhr) schickte uns zum Pub, in dessen Nähe es ein neues Bunkhouse geben sollte. Ob wir das gefunden haben, weiß ich zwar nicht aber die Unterkunft sollte sich als Volltreffer herausstellen (dazu später mehr). Die Betreiber waren ein älteres Ehepaar, sehr bemüht und sehr nett! Mit Joe haben wir uns dann noch etwas über alles mögliche unterhalten so daß wir uns gleich mal in die Besonderheiten der schottischen Aussprache reinhören konnten. 27.50 Pfund mit Frühstück klang jetzt nicht billig aber es war wirklich super. Ein separates Häuschen, unten Garage, oben 2 Zweibettzimmer mit Bad jeweils und einer Küche, alles blitzsauber und nagelneu. Wir haben dann viel Tee getrunken und die andern beiden haben erstmal probeliegen gemacht und sich bei mir beschwert, daß ich immer noch auf und ab lief und nicht müde war. Nach ausreichender Erholungszeit waren wir dann im Pub "The Clachan", direkt gegenüber, zum Essen. Die Beschreibung im Führer konnte ich nicht teilen. Das Essen war gut, die Portionen aber höchstens normal. Ich mußte keine Reste von den andern beiden essen. Das war nicht immer so. Dafür konnte ich aber meine Burgerdiät fortsetzen und mußte mir nichts anderes überlegen und Birgit konnte ich auch dafür begeistern.
Dann haben wir uns beizeiten ins Bett verzogen. Nachts hat es dann mächtig gestürmt, so daß ich mein Bad vor der weiteren Überflutung bewahren mußte und mit Sorgen an den nächsten Tag dachte.

teulabonari
06.10.2009, 00:41
Tag 3 8.9.2009 Drymen- Balmaha

Nach einer eher unruhigen Nacht desillusionierte der Blick aus dem Fenster (immer noch Schnürlregen und starker Wind) ein Drittel unserer Reisegruppe doch gewaltig, so daß Birgit sich zu der Aussage: "Heit geh i nirgens!" hinreißen ließ. Das irritierte mich zwar, war ich doch der Meinung, Regen sei in Schottland normal und wir hätten das vorher gewußt, aber ich setzte erstmal darauf, aggressiv abzuwarten. Im Laufe eines sehr guten, reichlichen Frühstücks mit vielen Eiern nahm der Regen tatsächlich ab und da es auch nicht kalt war konnten wir Birgit doch zum Losgehen bewegen. Also die Regensachen (hatte den Poncho im Rahmen einer Grundsatzdiskussion Gott sei dank doch daheim gelassen, 450g gespart! und nur Goretexjacke und Regenhose mitgenommen) übergeworfen, Rucksäcke verhüllt und ab dafür.
http://img79.imageshack.us/img79/4907/img0029l.jpg
Der Weg war eher unspektakulär und erinnerte mich an den heimischen Forstenrieder Park. Breite Wege, Wald, nichts spannendes. Der Regen war relativ moderat. An der Abzweigung nach Milton of Buchanan haben wir uns dann getrennt, da die Mädels nicht über den Conic Hill wollten, ich aber schon. Als ich ins freie Gelände kam, regnete es stärker und mit zunehmendem Wind wurde es recht kühl. Der Weg war ziemlich überflutet und ich fand schnell heraus, das es in der Mitte am begehbarsten war: Von Stein zu Stein konnte man prima hüpfen, fast ohne einzutauchen, an den Seiten war es sehr zertrampelt und morastig.
http://img79.imageshack.us/img79/4756/img0031x.jpg
Jedenfalls war ich froh, daß ich allein unterwegs war denn auf dem Weg hätte es sonst massive Motivationsprobleme mit den anderen beiden gegeben. Am Abzweig zum Gipfel hat es so gezogen, daß ich mir den geschenkt habe. Zu sehen hätte es eh nichts gegeben, da ich mit zunehmender Höhe direkt in die Wolken reingelaufen bin. Dort habe ich dann zum 1. und letzten, einzigen Mal die Stecken benutzt, um über eine überdimensonale Pfütze zu springen. Den Abstieg habe ich dann schnell hinter mich gebracht und als ich unter die Wolken kam, hörte auch der Regen auf. Die Mädels hatten mich schon vermißt, sie saßen im Oak Tree Inn beim Tee und warteten auf mich. Als ich da ankam, stellten sie mich vor vollendete Tatsachen und teilten mir mit, daß sie ein Zimmer gebucht hätten und heute nicht mehr weitergehen wollten. Die meisten unserer Sachen waren naß und bei Birgit war das Wasser von oben in die Schuhe gelaufen. Mir war es nicht unrecht, auch wenn ich noch weitergegangen wäre.
Wir warteten dann bis 15.00 Uhr, bis wir in den Bunkroom konnten. 25 Pfund mit Frühstück. Im Zimmer 2 Stockbetten, auf den ersten Blick einigermaßen sauber, soweit ok. Wir richteten uns häuslich ein, wuschen ein bißchen Wäsche und lasen die meiste Zeit.
http://img53.imageshack.us/img53/2950/img0034qj.jpg
http://img53.imageshack.us/img53/7168/img0035az.jpg
Irgendwann meinte Birgit dann, daß sie nicht allein im Bett sei und zeigte uns aufgekratzte Oberschenkel, die ziemlich zerstochen aussahen. Wir haben das erst mal nicht so ernst genommen, da uns nichts fehlte. Auch das forcierte- in- die- Decken- einwickeln von Sabine und mir half nicht, so daß wir es fast als Spinnerei, Allergie, was auch immer abtun wollten. Allerdings konnten wir dann auf Sabines Laken tatsächlich einen Floh hüpfen sehen!!! Alles klar, Schmerzgrenze erreicht, ab zum Manager. Wir sprachen mit dem Foodmanager, der uns glaubte und auch gleich mit zur Besichtigung kam (zum Glück hatte Birgit schon ein wenig zusammengepackt und unsere Wäscheleine verschwinden lassen) aber natürlich gab es nichts mehr zu sehen. Da es mittlerweile schon 21.00 Uhr war, hatte er auch kein anderes Zimmer mehr frei. Er meinte, er könne uns zusätzliche Laken geben. Naja. Birgit wollte aber nicht bleiben und so telefonierte er ganz Balmaha ab, ohne Ergebnis. Er hatte es auch schon in Drymen versucht, ebenfalls Fehlanzeige. Tja, da war guter Rat teuer. Ich habe ihm die Karte von Joe gegeben und er meinte dann, ich solle selbst mit ihm sprechen. Ich habe nur gesagt, daß wir in Balmaha im Oak Tree Inn seien, ein Problem hätten und ein Zimmer bräuchten. Er meinte erst, er hätte nur noch eins, einer könnte aber im Wohnzimmer auf der Couch schlafen und dann fragte er doch tatsächlich, ob er uns abholen solle?! Ich war so froh daß ich alle Bescheidenheit vergaß und sofort ja sagte. Da half dann auch kein Zurückrudern mehr, wir könnten auch ein Taxi nehmen... In 15 min bin ich da, aufgelegt. Dann schnell zu den Mädels und die frohe Botschaft verkündet. Beim Warten kam uns dann alles so unwirklich vor. Mit dem Foodmanager hatten wir noch vereinbart, daß wir am nächsten Tag wiederkommen und mit dem Chef sprechen würden, da wir natürlich vorher bezahlt hatten. Dann bange Minuten, ob Joe auch tatsächlich kommen würde? Aber natürlich, abgemacht ist abgemacht. Da haben wir dann das erste Mal was von den Flöhen gesagt, da wir die nicht bei ihm einschleppen wollten, falls sie sich schon häuslich auf uns niedergelassen haben sollten. Er war total entrüstet, sowohl über die Geschichte an sich als auch über den Preis, den wir gezahlt hatten! Wir müßten unser Geld unbedingt zurückfordern und gleich mit dem Gesundheitsamt drohen. Die Nacht haben wir dann in einem 2- Bettzimmer verbracht, Birgit auf dem mehr schlecht als recht abgepolsterten Fußboden. Wir waren aber sehr froh, dort zu sein. Geld wollte Joe für das Zimmer auch nicht, wir haben es ihm am nächsten Morgen aufgedrängt, nachdem wir ihm erfolgreich ausgeredet hatten, uns wieder mit dem Auto zurückzufahren!!! Er hat uns dann noch die Nummer vom Gesundheitsamt aufgeschrieben und uns nochmal eingeschärft, unser Geld zurückzuverlangen.

Komtur
06.10.2009, 08:28
Danke für den Bericht! Toll geschrieben ... und ich weiss nun auch, was ich an meinem Zelt habe ;-)

Freue mich auf die Fortsetzung.

Gruß

Dirk

Lightfoot
06.10.2009, 11:58
Schöner Bericht, hab ich sehr gerne gelesen, zumal wir in der Zeit auch in Schottland waren, allerdings in einem festen Quartier. ;-)

Hast Du auch Fotos gemacht?

andi_s
06.10.2009, 15:00
Schön geschrieben, freu mich auf die Fortsetzung. Zumindest das Wetter müsste ja in den folgenden Tagen immer besser geworden sein...

teulabonari
06.10.2009, 16:16
Das Wetter war absolut gigantisch!!! Fast hab ich´s bereut, keine Sonnencreme mit genommen zu haben. War zum Glück aber schon leicht gebräunt. Die Farbauffrischung ist aber nach Rückkehr gleich aufgefallen.

teulabonari
06.10.2009, 18:31
Hast Du auch Fotos gemacht?

Ja. Nein. Vielleicht.
Sabine hat normale Papierfotos gemacht, die ich heut erhalten habe. Ein paar digitale Fotos gibt es auch. Wir hatten aus Gründen der Gewichtsersparnis nur einen Apparat dabei und kein Ladegerät,da irgendjemand der Meinung war, 2 Akkus würden reichen :roll: Der erste gab am Dienstag auf und den zweiten haben wir bis Fort William gehegt und gepflegt, bis er leer war. Das würde ich nicht mehr machen.
Werde den Bericht heut nacht hoffentlich weiterschreiben, aber auf Arbeit ist es mit den Fotos einfügen etwas schwierig, da ist ziemlich viel gesperrt. Vielleicht probiere ich es heut mal aus, sollte ich Zeit finden.

teulabonari
07.10.2009, 01:02
Hatte den Bericht von Tag 4 gerade fertig als ich feststellte, daß sich der PC beim Laden von image.shack aufhängt :sad: Jetzt bin ich etwas frustriert und mache nur noch einen Versuch für heute. Ohne Bilder.

Tag 4 9.9.2009 Balmaha- Rowardennan- Inversnaid

Morgens sind wir mit dem Bus zurück nach Balmaha gefahren, um uns dort wie verabredet mit dem Manager zu treffen. In der Küche sagte man uns, daß er nicht da sei :-? Komisch, tags zuvor hieß es, er sei ab 9.00 Uhr im Haus und wir waren pünktlich. In der Gaststube hatten wir zuvor einen Herren gesehen, maximal 40, der uns so komisch angesehen hatte beim Reingehen. Wir hatten sofort den Verdacht, daß er der Betreffende sei und so war´s dann auch, er stellte sich als "the owner" vor. Leider hatten wir statt eines geschäftstüchtigen Gentlemans einen herzinfarktgefährdeten Vertreter des little- man- syndroms vor uns. Er ließ uns kaum zu Wort kommen, so daß wir das Problem nicht mal zu Ende schildern konnten. Er ging sofort auf wie ein Hefekloß, echauffierte sich maßlos und schrie rum. Birgit sagte, er solle etwas vom Gas oba gehn aber es fiel ihm schwer. Für Argumente war er weiterhin nicht zugänglich. Wir hätten uns viel zu spät beschwert, und jetzt wollten wir auch noch unser Geld zurück!!! Außerdem sei soetwas noch nie vorgekommen, alles sei sauber und er könne sich auf seine Mitarbeiter verlassen. An dieser Stelle verließ eine Frau, die bis dahin auch noch mit ihm am Tisch gesessen hatte hysterisch die Gaststube nachdem sie uns erklärt hatte, wir würden Müll erzählen und sie hätte das Zimmer persönlich gemacht. Komischerweise war der owner auch nach mehrmaliger Aufforderung nicht bereit, sich mit uns zur Inspektion der Gegebenheiten in den bunkroom zu begeben... Schon komisch, wenn doch alles so toll ist und alle so zuverlässig sind. Natürlich hatten wir am Abend zuvor noch nach entsprechenden Dreckecken gesucht und hätten ihm auch was präsentieren können. Er würde sich persönlich von der Lage überzeugen, allein, und uns unser Geld schicken, sollte er etwas finden. Ja, nee, is klar!!!
An der Stelle hatten wir dann keine Lust mehr und haben das Feld geräumt. Im Nachhinein hab ich mich dann darüber geärgert aber in dem Moment dachte ich, daß es der Ärger nicht wert sei. Es hat mich aber doch ganz schön beschäftigt, mir taten die vergeudeten 25 Pfund leid und eigentlich hätte man viel hartnäckiger und auch unverschämter sein müssen. Dort kannte uns schließlich keiner, was soll´s! Aber wer will sich schon auf das Niveau seines Gegenübers begeben wenn dieses die Teppichkante nicht übersteigt?!
Gegen 10.00 Uhr ließen wir Balmaha hinter uns und gingen zum Loch Lomond. Anfangs war es bedeckt und fühlte sich auch mal 5 Minuten wie Regen an, riß dann aber bald auf. Der Weg bis Rowardennan hat mir gut gefallen, mal ein schöner Wanderweg. Im Ross Wood gefiel es mir am besten und da haben wir gleich mal eine Kekspause eingelegt. Habe festgestellt, daß der Führer doch manchmal abweicht, obwohl er vom letzten Jahr ist. Der Forest for a thousand years heißt laut Erklärungstafeln vor Ort Millenium Forest for Scotland und was sich Herr Engel unter einem ausreichenden Sortiment vorstellt, als er den Laden auf dem Cashel Campsite beschreibt konnten wir auch nicht herausfinden. Wasser gab´s zum Glück aber mit Keksen war´s schon schwierig.
Hinter Rowardennan haben wir dann noch mal eine längere Pause eingelegt, am Abzweig zum Ben Lomond. Leider hatte ich keine Zeit, dieses Hüglchen zu besteigen :sad: Ursprünglich wären wir ja die geraden Etappen abgelaufen und hätten also in Rowardennan übernachtet, da hätte ich den Berg mitgenommen. Aber wir wollten an diesem Tag noch weiter da laut unserer Zeitplanung noch ein paar doppelte Etappentage her mußten, um pünktlich in Fort William anzukommen.
Dort habe ich angefangen, meine Wasserverpflegung auf Naturwasser umzustellen und nebenbei haben wir nochmal alle Klamotten am Baum "ausgeschüttelt", damit den Flöhen schwindlig wird und sie das Weite suchen.

Dann sind wir nach Inversnaid aufgebrochen. Den Abzweig zur Alternativstrecke am See entlang haben wir nicht gefunden, hatten aber auch nicht gesucht da wir uns schon vorher dagegen entschieden hatten. Wegen dem Regen bis tags zuvor und überhaupt. Der Weg durch den Wald war dafür wenig spannend, eine Forststraße wie alle anderen auch: Laaang und langweilig. Es ging stetig bergauf (davon steht im Führer nichts!), was den anderen beiden ganz schön zu schaffen machte. Mir nur insofern, daß sich keiner mehr mit mir unterhielt. Zwar ist mir das Auftreten als Alleinunterhalter weder fremd noch zu blöd aber wenn dann so gar keine Reaktionen mehr kommen ist es selbst mir zu fad. Zum Glück ist auch die längste Forststraße mal zu Ende, auch wenn wir fast nicht mehr damit gerechnet hatten. Der Waldweg wurde wieder ein schöner Pfad und machte auch mir endlich wieder Spaß, mit Wurzeln und Steinen. Die andern beiden fanden es anstrengend und wurden merklich langsamer. Die Ziegen haben wir auch gesehen und gerochen. Birgit hat´s nicht so mit Viechern und war stets darauf bedacht, sie in gebührender Entfernung zu wissen. Der Wasserfall am Snaid Burn hat mir gut gefallen und wäre auch ein würdiger Tagesabschluß gewesen. Leider nur fast. Sabine und ich hatten es übernommen, im Hotel nach accomodation for three zu fragen. Hatten uns den ganzen Tag auf ein schönes Hotelzimmer gefreut und wollten uns erstmal von Bunkhoses und ähnlichem fernhalten, aus gegebenem Anlaß. Soweit der Plan. Er zerplatzte in dem Moment als die Dame an der Rezeption sagte:" We are fully booked." Sabine und ich trauten unseren Ohren kaum da wir ja wußten, daß es in Inversnaid nur noch ein Bunkhouse gibt und weitere 10,5 km bis Inverarnan wären für die Mädels an dem Tag nicht mehr drin gewesen. Außerdem war es schon 16.30 Uhr und besonders begeistert hat mich diese Idee auch nicht. Aber es half alles nichts. Mittlerweile sind wir uns einig, daß sie uns mächtig die Taschen voll gelogen hat. Kein Bock auf Wanderer oder was weiß ich. Ein 130- Betten- Hotel mitten im Nirgendwo, unter der Woche, in der Nebensaison, ausgebucht, voll belegt!!! Eigentlich war der Bär viel zu groß und zu schwer für uns beide, um ihn wegzutragen aber da wir keine andere Wahl hatten, haben wir ihn auf den Rücken geschnallt und uns auf den schweren Weg raus zu Birgit gemacht. She was not amused!!! Aber wie gesagt, wegen der mangelnden Auswahl machten wir uns schweren Herzens auf zum Bunkhouse. Laut Führer nur 800m entfernt. Mag sein, aber eben 800m bergauf. Oben angekommen hatte sogar ich die Nase voll. Am Eingang nahm uns der Koch Nick gleich mal in Empfang, zeigte uns das Zimmer, versicherte uns eines guten Abendessens (Gott sei Dank nicht noch mal den Berg runter und wieder hoch) und entschuldigte sich gleich für eine nicht funktionierende Klospülung aufgrund eines Hochwasserschadens. Sabine und ich fanden das Zimmer ok (wer DAV- Hütten kennt den schreckt eh nichts so leicht ;-)), auch wenn es leider kein Hotelzimmer und auch nicht penibel sauber war. Für Birgit war das jedoch an diesem Tag zuviel, sie kriegte einen Moralischen, aber wie! Wahrscheinlich ein Gesamtkunstwerk aus Erschöpfung, Enttäuschung und der Flohaktion tags zuvor. Jedenfalls teilte sie uns mit, daß sie die Nase voll hätte und am nächsten Tag heimfahren würde, da es ihr nicht mehr taugt. ÖHA. Ich war einfach nur perplex, damit hatte ich nicht gerechnet. Zwar hatte ich eine gewisse Impulsivität ihrerseits tags zuvor schon mal erlebt aber sowas??? Sie saß wie ein Häufchen Elend auf dem Bett und ich wußte nicht, was ich machen sollte. Wir kennen uns eigentlich nicht so gut und waren bis dato nicht mehr als nette Kollegen. Sabine hat sich gleich mal unter die Dusche verdrückt, irgendetwas von :"... sie könne das nicht so gut..." murmelnd und ich stand da mit meinem Talent. Ich habe sie dann an mich gedrückt und nur gesagt, daß es wichtig sei, daß ihr der Urlaub auch gefalle und Spaß mache, schließlich solle sie sich ja erholen und wenn das nicht mehr der Fall sei müsse sie eben notfalls heim fahren. Anscheinend hatte ich instinktiv richtig gehandelt, die Schleusen gingen auf und hinterher war alles leichter. (Dafür ist mir Birgit immer noch dankbar dabei hab ich nichts gemacht :-?) Jedenfalls wurde danach doch nicht so heiß gegessen wie zuvor gekocht!!!
Wir haben dann noch eine Zigarette für Birgit geschnorrt und dann sah die Welt gleich etwas besser aus, auch wenn die Midges vorm Bunkhouse versucht haben, mich aufzufressen. Es half auch wenig, sich direkt in den Rauch zu setzen. Irgendwie haben sie aber nur mich gestochen. Aber wenigstens jucken die Stiche nicht. Rote Punkte, zwei Tage, erledigt. Anschließend haben wir zum Trost noch unsere Freunde daheim angerufen und so ging es Schritt für Schritt wieder aufwärts.
Wir haben dann eine lange Teesession veranstaltet, der Aufenthaltsraum war sehr gemütlich, und uns ein tolles Abendessen eingeholfen. Nick hat sich für Steaks mit Pilzen und Pasta asciutta mächtig ins Zeug gelegt. Dann noch eine kleine Kuchenorgie und die nötige Bettschwere war erreicht. Birgit ist dann noch eine Weile durch´s Bett gerobbt weil sie Angst hatte, wieder nicht allein drin zu sein aber diesmal Fehlanzeige, zum Glück. Ich hab geschlafen wie ein Stein.
Die Betreiber vom Bunkhouse waren sehr nett und wirklich bemüht, im besten Sinne des Wortes!!!

Leif
07.10.2009, 01:08
Hatte den Bericht von Tag 4 gerade fertig als ich feststellte, daß sich der PC beim Laden von image.shack aufhängt :sad:

Ohhhhhhhhh.......... Das kenne ich!
Traurige Sache!

Aber der Bericht ist bis dato toll, auch ich freue mich auf Fortsetzung!

Beste Grüße,

Leif

teulabonari
07.10.2009, 02:56
Tag 5 10.9.2009 Inversnaid- Inverarnan- Crianlarich

Nach einem wunderbaren full scottish breakfast (der geneigte Leser weiß bescheid :cool:) und einigen bacon buttys für unterwegs gingen wir den Hügel wieder runter zum Loch Lomond, um die letzte Etappe am selbigen in Angriff zu nehmen. Es ist immer wieder erstaunlich, wie unterschiedlich lang und steil der gleiche Hügel morgens und abends doch sein kann (in Crianlarich sollten wir nochmal so ein Erlebnis haben). Morgens war das alles halb so wild. Wir machten uns auf "einen der schwierigsten Abschnitte des WHW´s", OT- Ton Reiseführer. Naja, was soll ich sagen, ohne gleich als ignorant und überheblich dazustehen? Die Mädels fanden diese Beschreibung nicht übertrieben. Aber ich bin eigentlich Bergwanderer und fand ihn vor allem schön und abwechslungreich, hat Spaß gemacht. Aber schwierig? Eher nicht. Auch nicht näher am Wasser als tags zuvor. Natürlich darf man nicht vergessen, daß sich unsere Super- Wetter- Glückssträhne fortsetzte und es seit zwei Tagen nicht mehr geregnet hatte. Bei überfluteten Wegen hat der Spaß dann eher mal ein Loch und die Schwierigkeiten nehmen zu, stimmt schon. Sicher schadet es auch nicht, wenn man sich im Gelände gut bewegen kann.
Wir haben dann eine ganze Zeit einen Ziegenbock vor uns hergetrieben, der einige Zeit brauchte um den Weg endgültig für uns frei zu geben. Birgit beobachtete ihn die ganze Zeit argwöhnisch und als Sabine uns dann auch noch erklärte, was zu tun sei wenn er uns anspränge war ich irgendwie auch froh, ihn ohne unser Zutun losgeworden zu sein. Endlich ging es dann mal wieder bergauf, zum Dubh Lochan, wenn auch nur ein bißchen. Zur Abwechslung war das ganz angenehm denn irgendwie zog sich der Weg am See entlang ganz schön in die Länge. Zwar hab ich gewußt, daß wir die 35 km Länge vom Loch Lomond ausgehen würden aber an dem Tag schien es mir endlos. 14.00 Uhr kamen wir auf der Beinglas Farm an und kamen uns sehr langsam vor, da die Etappe nur 10,5 km lang sein sollte. Und dann noch mal genausoweit bis Crianlarich!!! Kaputt war ich noch nicht aber die Zeit machte mir Sorgen, denn eigentlich hatte ich mich dran gewöhnt, gegen 17.30 Uhr am Ziel zu sein. Wie wir das aber schaffen sollten, wenn wir für die erste Etappe schon 5 Stunden benötigt hatten und es nochmal genauso weit war war mir nicht klar. Wir machten eine längere Pause und Birgit erkundigte sich prophylaktisch, ob es nicht auch einen Bus gäbe. Aber Fehlanzeige, da fuhr keiner mehr. Sie hat dann noch eine Schachtel Zigaretten gekauft die dann zur strengen Zuteilung in meinem Rucksack verstaut wurde.
Irgendwann rafften wir uns dann wieder auf und rüsteten uns zum Weitermarsch. Dieser Abschnitt war sehr schön, immer am Fluß entlang durch schöne Wälder, über viele Bäche (war so begeistert von der Idee, kein Wasser mehr schleppen zu müssen daß ich fast schon einen Wasserbauch hatte :o)
Bei der Unterführung an der A 82 war ich zum ersten Mal wirklich dankbar, nicht so groß zu sein, mußte mich zwar bücken aber nicht auf alle viere. Bei Sabine mit 1,76 m war das schon schwieriger. Auf der Militärstraße hat es mir dann weniger gefallen, es kommt eben das Wort Straße darin vor und so sah sie auch aus. Dann ging es einen letzten Hügel abwärts, bis wir in Crianlarich waren. Mit Schrecken dachten wir an den nächsten Morgen, weil wir da ja wieder hoch mußten aber so schlimm war´s dann nicht. Wir sind dann lange an der Straße lang gelaufen, die am nächsten erreichbaren BnBs waren alle belegt. Der Ort ist zwar nicht groß aber laaang. Haben dann im Ben More Lodge eingecheckt, diesmal erst nach vorheriger Besichtigung des Zimmers. Es gefiel uns aber und deswegen ließen wir uns häuslich nieder. Der angrenzende Pub war toll und das Essen sehr fein, auch wenn es aufgrund einer Geburtstagsfeier im Nebenraum ziemlich lange gedauert hat, bis das Essen kam. Der Pub war innen an den Wänden von allen möglichen Leuten fast komplett vollgeschrieben, an den Barhockern hingen Kilts bzw. Tartans, es lief traditionelle Dudelsackmusik, später spielte einer auf einem Banjo, wir saßen am Kamin, der zum Pub gehörige Schäferhund lag neben uns und unterhielten uns mit einer Dame mit Verwandschaft in Germanien, die uns am Gerede erkannt hat (wahrscheinlich hatte ich wieder ununterbrochen den Hals offen :baetsch:) und fasziniert war, daß wir so eine Wandertour machten. Das war toll. Ein letzter, sehnsüchtiger Blick auf Ben More- stimmt nicht, den hatte ich schon vorher angeschmachtet denn als wir vom Essen kamen war es stockfinster- und dann ab ins Bett.
Fast hätte ich noch die lustigste Begebenheit des Tages vergessen: Abends, noch vor dem Essen, haben wir Sabine gezwungen, für Samstag eine Unterkunft zu reservieren. Da sollten wir planmäßig das Kingshouse Hotel erreichen und aufgrund des geringen Unterkunftangebots vor Ort wollten wir auf Nummer sicher gehen. Sie rief also im Kingshouse Hotel an, das aber ausgebucht war. Danach probierte sie eine Nummer im Glen Coe, aus dem vielzitierten Reiseführer. Sie hatte ein ziemliches Vakuum zwischen den Ohren wegen müde und Hunger (OT Sabine) und meldete sich daraufhin mit:" Sabine is calling, servus."
Wir lagen zu zweit auf dem anderen Bett und kriegten uns kaum ein vor Lachen. Das war aber nur die Generalprobe, da die Nummer nicht mehr aktuell war und der Angerufene kein BnB hatte. Er wußte aber Bescheid, weil vermutlich alle Deutschen da anrufen und gab ihr eine andere Nummer. Da buchte sie gleich mal das Zimmer und alles klappte reibungslos, vielleicht weil sie sich diesmal mit :"Good evening!" meldete, begleitet von einem provokanten Blick in unsere Richtung. Eigentlich darf ich gar nichts sagen weil ich mich nämlich vorm telefonieren gedrückt habe aber es war einfach zu lustig. Auf jeden Fall wurde das dann zum running gag für den weiteren Weg.

Mamert
09.10.2009, 23:44
Na, das ganze scheint doch ziemlich lustig gewesen zu sein.Allerdings hatten meine Frau und ich ein Zimmer im Kingshouse!!

teulabonari
21.10.2009, 16:17
Na, das ganze scheint doch ziemlich lustig gewesen zu sein.Allerdings hatten meine Frau und ich ein Zimmer im Kingshouse!!

Am Samstag??? Jetzt weiß ich also, warum wir keins mehr bekommen haben;-)

Lightfoot
22.10.2009, 09:05
Wirklich ein witziger Bericht, bin gespannt, wie es weitergeht.

Wie verhält man sich, wenn einen ein Ziegenbock anspränge? :o

teulabonari
25.10.2009, 20:56
Wie verhält man sich, wenn einen ein Ziegenbock anspränge? :o

Sabine meinte, man müsse rechtzeitig zur Seite weg tauchen bevor er hochsteigt und ihn dann von der Seite umschubsen wenn er auf den Hinterbeinen steht. Ich wollte es nicht ausprobieren :o

teulabonari
25.10.2009, 20:59
Es tut mir leid, daß ich den Bericht solange nicht fortgesetzt habe aber ich hatte viele gute Ausreden ;-)
Gelobe aber Besserung :sorry:

teulabonari
25.10.2009, 23:14
Tag 6 11.9.2009 Crianlarich- Tyndrum- Bridge of Orchy

Morgens haben wir ziemlich lang geschlafen, da es erst 8.30 Uhr Frühstück gab. War aber nicht so schlimm da sich der Nebel bis dahin schon fast aufgelöst hatte. Wir sind also gemütlich los gestiefelt, erst noch zum Shoppen und Finanzen auffüllen (leider gingen keine EC- Karten und von meiner Kreditkarte habe ich nach 5 Jahren- nicht- benötigen- der- PIN sie doch schon vergessen bzw nur die Reihenfolge ergo: PIN- tries exceeded!!!) den Hügel zum Abzweig nach Tyndrum wieder hoch. War viel weniger steil und auch kürzer als am Abend zuvor..., komisch :roll: Landschaftlich wieder sehr schön, durch´s Strath Fillan. Hat mir gut gefallen. An der Kirkton Farm haben wir die erste Pause gemacht und die anatomisch geformte Bank genossen, da hätt ich´s noch länger ausgehalten. Besonders der Friedhof hat uns sehr fasziniert. Auf der Auchtertyre Farm mußten wir natürlich den Laden inspizieren, da der im Führer lobenswert erwähnt wird. War auch tatsächlich so. Ich war vor allem von den Keksen begeistert und hätte am liebsten schon für zu Hause eingekauft. Aber da wir noch nicht am Ziel waren hab ich das schweren Herzens auf Fort Williams vertagt. Bis Tyndrum war der Weg recht schön und kurzweilig. Natürlich habe ich wieder die Hügel angeschmachtet, erst Ben More und dann später Ben Lui (optisch so ein schöner Berg, seufz). Und keine Zeit, einen zu besteigen :( In Tyndrum sind wir dann zu Brodies rein, haben uns nochmal mit Keksproviant, Schokolade, Obst, Getränken und Sandwiches zum Mittag eingedeckt. Tolles Lädchen. Da war es auch, als ich mal wieder eine Art Running Gag kreierte: Gib her, ich eß auf, ist schließlich bezahlt! Sabine wollte Saft kaufen, hatte aber Sirup erwischt (wenn man nicht genau hinsieht! Apfel- schwarze Ribisel, klingt komisch, ist aber sehr lecker) Also noch Wasser dazu, zum Mischen. Hat aber nur die halbe Flasche untergebracht. Den Rest wollte sie wegwerfen, wegen dem Gewicht. Aber nicht mit mir!!! Das geht gar nicht. Gibt´s nicht, ist bezahlt. Hab´s dann noch ein paar Tage getragen.
Dann weiter im Text, lagen gut in der Zeit an dem Tag. Der weitere Weg war vor allem eins: WEIT. Und todsterbenslangweilig. Auch sind Straßen nix für Bergschuhe, nach ein paar Stunden glühen mir immer dermaßen die Füße, Wahnsinn. Diesmal ging es auch ziemlich nah an der Straße lang, auch nicht so schön. Also Blick immer schön rechts halten zum Beinn Dorain ;-) Bis nach Auch zur Brücke über den Allt Kinglass kam es uns schon ganz schön weit vor, schier endlos...
Irgendwann tauchten dann auch noch schottische Hochlandrinder auf, mitten auf dem Weg natürlich. Endlich, dachten Sabine und ich! Auch das noch, meinte Birgit! Also haben wir sie uns unter den Arm geklemmt, einer rechts, einer links und sie vorbeigeleitet getreu dem Motto: Halb zog sie ihn, halb sank er hin! Furchteinflößend ist das schon, wenn das Gehörn rechts und links einen halben Meter über den Kopf raus schaut bei den Viechern aber ich sag mir immer, das Vieh hat mehr Angst vor mir als ich vor ihm und hoffentlich weiß es das auch! Als wir kaum noch damit gerechnet hätten kamen wir tatsächlich in Bridge of Orchy an. Das Hotel mal wieder ausgebucht und nur im Bunkhouse was frei. Oh Gott, auch das noch, wie sag ich´s meinem Kinde? War aber dann doch nicht so schlimm, zumal das Zimmer sehr sauber war. Die Mädels haben mal wieder Wäsche gewaschen, Sabine das saubere Shirt, das sie in der Hand hatte weil sie das verschwitzte noch nicht ausgezogen hatte :hahaa: Aber da der Trockenraum seinen Namen verdient hatte war das kein Problem. Ich hatte nach dem Duschen schon wieder Hummeln im Hintern und habe ein bißchen die Gegend erkundet, den Weg zum Beinn Dorain (wieder keine Zeit :ignore:) und den Campingplatz hinterm Hotel, wo es am nächsten Tag weitergehen sollte. Abends gab es dann ein tolles Abendrot und Föhnfische am Himmel, wie ich sie nur von daheim aus den Hügeln kenne.
Leider war das schon der 3. Abend in Folge, an dem es keine Burger gab. Wieder nix mit meiner Diät!!! Zu allem Übel hatte ich noch irgendwas rein Gemüsiges erwischt, das ging ja gar nicht! Es klang wie Chili con Carne, war auch so ähnlich, bis auf das Carne... Also mußte ich das Essen zurück im Zimmer erstmal mit einer Portion Beef Jerky zu einer vollständigen Mahlzeit aufwerten. Die andern 2 haben nur die Augen verdreht, denen hatte mein Unterwegs- Snack gar nicht geschmeckt, mußte nie teilen...
Dann wieder beizeiten ins Bett, hab endlich mal wieder durchgeschlafen, wie ein Stein, bis 6 Uhr am nächsten Morgen.... Dann folgte mal wieder ein dicker Hund!!!
Davon aber ein andermal mehr, muß ins Bett, morgen prima Frühdienst :grrr:

Burnfoot
29.10.2009, 22:48
Hi,
toller Bericht aber warte schon seit Tagen auf die Fortsetzung. Wann geht es endlich weiter????
Gucke ständig nach........
Passiert leider immer wieder, dass angefangen wird und dann schläft es plötzlich ein........
Sehr schade.

teulabonari
14.11.2009, 22:49
Es tut mir leid, bin schon länger nicht mehr dazu gekommen, war auch schon wieder weg für eine Woche und... Werde versuchen, in den nächsten Tagen den Rest einzustellen, habe nämlich meiner Mum grad die Bilder gezeigt und bin daraufhin gleich ins Forum gegangen;-)

teulabonari
14.11.2009, 23:06
Tag 7 12.9.2009 Bridge of Orchy- Victoria Bridge- Kingshouse Hotel

Um 6.00 Uhr wache ich auf, weil mich ein Kissen im Gesicht streift. Kurz darauf höre ich ohrenbetäubenden Lärm: Mr. Vain!!! Ich sortiere mich und versuche zu durchschauen, was denn los sein könnte, da kommt vom oberen Bett schon die Ansage von Birgit in leicht mißgestimmten Befehlston:"Wos is jetzt des??? Andrea, Du gehst jetzt sofort da raus und schaugst, was da los ist, weil sonst kumm i!" Also bin ich vor die Tür, wo sich schon andere ähnlich gut gelaunte Mitreisende versammelten. Der Lärm kam aus dem Zimmer gegenüber. Eine wunderbare CD mit Dancehits der 90ziger. In Discolautstärke. Ich hab mir ein paar englische Schimpfworte versucht zu merken, weil der eine mächtig geflucht hat aber war wohl zu müde denn leider blieb nix hängen. Wir haben ca 5 Minuten lang versucht, die Tür einzuschlagen aber nix rührte sich. Der Betreffende hätte wohl auch nicht mit mildernden Umständen rechnen dürfen. Dann ist einer von den Jungs zur Rezeption gelatscht und ich hab mich wieder abgerollt, war ja nichts zu machen. Wir haben dann notgedrungen noch ein bißchen zugehört und bei "I like to move it" mußten wir dann doch wider Willen lachen. Die Dame von der Rezeption kam dann mit dem Schlüssel, hat die Tür geöffnet und den Radiowecker abgestellt, den ein einfühlsamer und fürsorglicher Zeitgenosse für uns gestellt hatte und so konnten wir dann doch noch bis 7.30 Uhr schlafen. Das Aufstehen dann war aber schon fies. Dann haben wir uns präpariert und uns wieder ein gutes "full scottish breakfescht" (OT Sabine, weil es bei den Schwaben kein s gibt;-)) eingeholfen. Sabine hat sogar den black pudding aufgegessen, und das zum Frühstück. Das macht sie jetzt immer noch fassungslos... Von mir waren sie es ja schon gewöhnt (gib her, ich ess auf, ist bezahlt!!!)
Die Aktion am morgen war schon lustig, zumal ich ja nicht mal vom Krach aufgewacht bin sondern durch den Beschuß vom Oberbett. Das Etagenbett hatte kein Endbrett und Birgit hatte die Musik zwar gehört, aber sie in ihren Traum eingebaut und erwachte rockend....
Dann sind wir gestartet, ein bißchen bergauf zum Mam Carraigh. Leider gab es überhaupt nichts zu sehen, wir waren zu früh dran, an dem Tag hob sich der Nebel erst gegen 11.00 Uhr. An der Victoria Bridge waren wir ziemlich schnell, aber nach einem Blick in den Führer nicht verwunderlich: Nur 5 km! Da gab es dann auch wieder midges. Zum Glück haben die es nicht so mit beweglichen Zielen, also haben wir keine Pause gemacht und sind einfach weiter gewackelt ins Rannoch Moor. Auch mal wieder ein "schwieriger" Abschnitt des WHW laut Führer, wenn nicht DER schwierigste. Bei uns war es mit der schönste und auch recht warm. Die Straße weit weg, gehen, wohin der Weg einen führt, ringsum Berge und atemberaubende Landschaft, Stille, Wind und Sonne auf der Haut. So fühlt sich Glück an waren wir uns einig.
An der Ba Bridge haben wir nochmal länger Pause gemacht, weil es einfach so schön war dort und dann sind wir am Skigebiet vorbei zum Kingshouse Hotel abgestiegen. Da kamen wir dann schon um 14.30 Uhr an und telefonierten mit Roger, damit er uns abholt. Er müsse noch auf 2 andere Gäste warten aber sobald die sich meldeten käme er. Im Nachhinein betrachtet hätte uns das schon stutzig machen können:3+ 2+ Fahrer?! Tat es aber nicht. Wir haben dann erstmal Kaffee getrunken und uns ein Stück Kuchen gegönnt, die Sonne genossen, gelesen, gedöst... Der Kuchen war Klasse, auch wenn ich bei einem chocolate cheesecake nicht damit gerechnet hatte, das er weiß ist. Schmeckte dann auch eher nach weißer Mousse au chocolat mit leichtem Quarknachgeschmack. War aber sehr lecker, wenn auch einem Drittel der Reisegruppe zu mächtig. Ich bin dann wieder meiner Verpflichtung als Hausschwein nachgekommen, so daß die Sonne am nächsten Tag durch mich sicher nicht in ihrer Pflichterfüllung behindert werden würde.
Später tauchte dann Roger am Kingshouse Hotel auf und sammelte seine Gäste ein. Wir fühlten uns erst nicht angesprochen, weil er immer von einem "Wooly Rock" sprach und das BnB laut Führer ganz anders hieß... Als er dann wieder bei uns vorbeikam habe ich ihm den gezeigt und ihn gefragt, ob das seine Telefonnummer sei (die hatten wir darin geändert) und so hatten wir uns doch gefunden. Als wir zum Auto gingen setzte bei mir auch langsam das Begreifen ein: 5 Gäste plus ein Fahrer!!! :o Ich saß dann im Kofferraum zwischen den Rucksäcken, weil ich am kleinsten war... Hatte aber genügend Platz, tolle Aussicht und laute Rockmusik von Status Quo. Noch ein Glücksmoment an diesem Tag. Roger fuhr dann mit uns durchs Glen Coe nach North Ballachulish und auch dieses BnB war sehr schön, sauber und mit gutem Frühstück. Man hätte auch Wäschewaschen können, es gab viel Literatur über die Gegend und auch ein paar (Wander)Karten. Sabine und ich sind dann noch ein bißchen am See spazieren gegangen, es roch schon herrlich nach Meer und war sehr idyllisch dort. In der Nähe war gleich das Loch Leven Hotel, in dessen Pub wir wunderbar zu Abend gegessen haben. Ein Primasteak und kurz über Medium wie gewünscht. Von der Terasse und dem Gastraum hatte man einen tollen Ausblick auf den Loch Leven und die dahinterliegenden Berge, großartig. Was ist noch schöner als Berge? Berge und Meer!
Später am Abend hätte es auch noch Live- Musik gegeben aber dafür waren wir zu müde.
Roger fragte uns dann noch, ob wir noch eine Nacht länger bleiben wöllten, er würde uns auch von Kinlochleven abholen am nächsten Tag, das sei nur 8 Meilen entfernt. Wir befanden das für eine großartige Idee, reizte uns doch die Aussicht auf eine Tagesetappe mit leichtem (ich) bzw. gar keinem Gepäck. Gesagt getan. Für den nächsten Morgen bestellten wir dann noch Kippers bei ihm und gegen 22.00 Uhr waren wir dann schon wieder im Land der Träume.

teulabonari
29.11.2009, 14:52
Will jetzt endlich mal fortsetzen.

Tag 8 13.9.2009 Kingshouse Hotel- Kinlochleven

Den nächsten Morgen begannen wir ganz entspannt mit einer (normalen/ großen/ riesengroßen? hatten leider keine Vergleichsmöglichkeiten) Portion Kippers, vom Hausherrn mit viel Liebe zubereitet. Das hatte ich mir fest vorgenommen, einmal Kippers zu essen wenn ich in Schottland bin. Fisch zum Frühstück ist zwar vielleicht nicht jedermanns Sache aber ich bin da sowieso schmerzfrei und finde, daß es von black pudding zu Hering auch nicht mehr soweit ist! Jeder hatte 3 ganze Filets auf dem Teller, zart geräuchert und mit Butter gebraten. OT Sabine:"Andrea hat in gewohnt gefräßiger Manier alles aufgefuttert!!!" Klar doch, weil.....:lol: GENAU!!!
Roger hat uns dann alle 5 ins Auto geladen, ich wieder auf dem Abspringerplatz und dann ging´ s zurück zum Kingshouse Hotel. Die Mädels hatten nur was zu trinken und die Ponchos dabei und ich hatte meinen Rucksack zwar ordentlich abgespeckt aber doch alles wichtige eingepackt da ich Stob Dearg besteigen wollte. Bis Altnafeadth sind wir dann recht flott gegangen, bevor wir uns getrennt haben. Endlich Zeit für meinen ersten Munro, endlich konnte ich mit dem Munrobagging beginnen! Ich habe mich von den Mädels verabschiedet und bin losgezogen. Birgit hatte ein etwas mulmiges Gefühl, mich allein ziehen zu lassen aber Sabine war zuversichtlich weil sie wußte, daß ich sonst auch oft allein unterwegs bin und nicht mehr so unerfahren.
Also weg von der Straße und laut Beschreibung in Richtung Stob Dearg. Genau wußte ich das aber nicht weil Ausschilderung und Wegmarkierungen in Schottland gänzlich unbekannte Fremdwörter sind. Eine Karte hatte ich zwar dabei (von Roger für diesen Tag geliehen!) aber über einen Wegweiser ab und an hätte ich mich doch gefreut. Da bin ich von den Alpen respektive in D, A und Ch doch anderes gewöhnt. Ich habe mich an ein Paar Männer gehängt, die ich für Vater und Sohn hielt und bin denen kontinuierlich hinterher gegangen. Die meiste Zeit war der Weg gut zu finden, zumal auch am Sonntag recht viel los war. Einmal hatten wir uns leicht verstiegen, ein bergabgehender Wanderer brachte uns aber auf den rechten Weg zurück. Leider war das Wetter nicht so schön wie tags zuvor und der Gipfel und die letzten 100HM davor hingen total in den Wolken. "Meine" beiden Jungs habe ich nicht aus den Augen gelassen, weil ich mich in der Scharte kurz vorm Gipfelspurt nicht noch verirren wollte. Das ging auch ganz gut bis ich sie hab im Nebel verschwinden lassen da mir das Ganze nicht mehr geheuer war. Laut Höhenmesser hätte ich auch schon am Gipfel sein müssen... Ich habe noch kurz Pause gemacht, war aber wahrscheinlich doch nicht ganz oben. Vom Ausblick hätte es wohl keinen Unterschied gemacht, es gab nichts zu sehen. Bergab waren dann "meine" beiden Männer auch wieder vor mir, bis ich sie doch überholen mußte weil ich einen tollen Lauf hatte und mir das Bergabgehen soviel Spaß gemacht hat. 3 Stunden nachdem wir uns getrennt hatten war ich wieder am Ausgangspunkt und nahm die Verfolgung auf. Devil´s Staircase war für mich ein toller Wegabschnitt, wenn auch kein schwieriger. Es war vor allem heiß! Mittlerweile war die Sonne herausgekommen und strahlte wie verrückt, hat ganz schön gebrannt. Hinter dem Paß konnte man dann schon auf Kinlochleven schauen und so setzte ich meinen Weg beschwingt fort, auch wenn es sich dann noch ganz schön zog und der Ort nicht näher kam. Die 2 Stunden die ich mir vorgenommen hatte waren nicht zu schaffen. Dieser Abschnitt gefiel mir vor allem auch deshalb,weil man wieder weiter von der Straße entfernt war und es etwas ruhiger zuging. Nach relativ kurzer Zeit erreichte ich dann die abschließende Forststraße und nach 2h10min hatte ich meine Mädels am COOP eingeholt. Am Schluß war ich ganz schön flott unterwegs aber mir taugte das Alleingehen dann nicht mehr so und deshalb machte ich kaum Pause. Die andern beiden waren grad eine Stunde vorher da, hatten aber den Supermarkt schon geplündert (zum Glück hauptsächlich das Obst, sowas kommt mir nicht in meinen Rucksack!) und Mittag gemacht. Wir waren dann noch Geld holen und ich auch noch etwas einkaufen (neue Lieblingsschokolade Cookies Crunch von Galaxy in der 119!g Tafel), bevor wir zum Ice- Faktor rübergegangen sind. Dort wollte uns Roger abholen. Ich habe mir die Halle dann noch angeschaut aber nur flüchtig, da Roger total schnell da war. Später sollten wir rausfinden, warum. Als ich gehört hatte, daß es da eine Eiskletterhalle gibt dachte ich eher an Drytooling aber weit gefehlt: Da gab es einen richtigen Riesen- Eisschrank, in dem man klettern konnte!!! Die spinnen, die Schotten, dachte ich nur!
Dann stiegen wir ein, ich bekam diesmal einen "proper seat" und nur der Rucksack mußte in den Kofferraum. Ich saß vorn links, da wo sonst der Fahrer sitzt... War sehr komisch dort, so ganz ohne Lenkrad und so;-) Ich fand die kurvige Strecke entlang Loch Leven super, hat großen Spaß gemacht. Roger war mit 80 Meilen die Stunde auf der Straßenmitte unterwegs und schlenkerte nur bei Gegenverkehr kurzzeitig auf seine Spur zurück. Die Mädels auf dem Rücksitz waren jedoch heilfroh, als Roger endlich zum Wooly Rock einbog da sie kurz davor waren, sich die Sandwiches vom Mittag nochmal durch den Kopf gehen zu lassen. Irgendwie konnten sie meine Begeisterung für die Strecke und Rogers Fahrweise nicht teilen.:cool:
An diesem Tag waren wir erneut sehr früh am Ziel und ließen ihn dann gemütlich im Pub vom Loch Leven Hotel ausklingen.
Nachts versuchte ich wieder verzweifelt, meinen Körper an die tolle Federkernmatratze und ihre hervorstehenden Federn anzupassen und schlief mehr schlecht als recht. Auf solchen Matratzenmodellen hab ich schon ewig nicht mehr geschlafen. Es scheint aber in Schottland nichts anderes zu geben, alle Betten waren so.

teulabonari
24.12.2009, 10:51
Tag 9 14.09.2009 Kinlochleven- Lochan Lunn Da Bhra- Fort Williams

Nach einer letzten morgendlichen Autofahrt mit Roger, die ich genoß und die anderen beiden mit Übelkeitsprophylaxe als weniger schrecklich als als tags zuvor empfanden, starteten wir in Kinlochleven zum großen Finale: Fort Williams, wir kommen!!!
Erneut erfreuten wir uns an einem strahlend schönen Morgen und stiegen einen letzten Paß hinauf. Nach einem abschließenden Blick auf Kinlochleven am See ging es durch ein von Hügeln gerahmtes Tal auf der alten Militärstraße entlang. Dieser Wegabschnitt war zwar landschaftlich schön, entwickelte sich aber zur Völkerwanderung. So stark frequentiert war keine andere Etappe bisher. Beim Pause machen attackierten uns wieder midges. Die gehen aber wirklich nur auf statische Ziele, die warm sind. Nette Amerikaner boten uns dann noch ein midges repellent an, das ich zwar dankbar ausprobierte, mein endgültiges Heil aber trotzdem lieber in der Flucht suchte. Die 12 km bis zum See waren recht kurz, im Nu waren wir da. Vielleicht eine Folge des Trainingseffektes aber dieses Wegstück ging uns flott von den Füßen. Die Sonne bot mittlerweile alles auf, was ihr im September noch zu Gebote stand so daß ich meine Hose aufkrempelte, Sabine die Hosenbeine abzippte und Birgit zum ersten Mal bereute, die lange Unterhose angezogen zu haben, die bis dahin erstklassige Dienste verrichtet hatte. Nach einer ausgiebigen Pause mit sonnen (Sabine), lesen (Andrea) und einem Natzerl (Birgit) nahmen wir den allerletzten Abschnitt unter die Füße. Wir waren heilfroh, als wir endlich in den Wald kamen und er uns mit angenehmer Kühle umfing, hatte ich doch mittlerweile ernsthafte Befürchtungen, sonst schmelzen zu müssen.
Bald steht man wieder auf einer wunderbaren Forststraße, sieht im Talkessel Fort Williams liegen und der erste Wehmut macht sich breit. Rechts von uns das Nevis Massiv, ein absoluter Traum im gleißenden Sonnenschein! "An 90 von 100 Tagen liegt der Gipfel im Nebel..." So oder so ähnlich äußerte sich dazu Herr Engel im Reiseführer... Leider war das wohl tatsächlich schon der 36. Tag (10%) in diesem Jahr, an dem das nicht so war denn am nächsten Tag, dem der geplanten Besteigung, gab es mal wieder nichts zu sehen :(
Kurz darauf waren wir auch schon in Fort Williams, die 2 Kilometer Hatscherei auf dem Asphalt haben meine Füße zum Glühen gebracht und meine Stimmung gedämpft, das hat mich so angekotzt!!! Aber es half ja nichts, vom Glen Coe Visitor Centre ist es nunmal noch ein Stück bis in den Ort! Dort haben wir dann das obligatorische WHW- Bezwingerfoto an der Stele gemacht und danach nach einem Quartier gesucht. Am Ortseingang war ich schon frustriert, da überall die "no vacation" Schildchen draußen hingen aber Richtung Ortskern wurde es besser. Wir haben uns das St. Andrews Guesthouse ausgeguckt, weil wir das für angemessen hielten;-) Die Betreiberin mußte zwar von uns mit der Frage nach einer Aufbettung überredet werden aber dann gab es doch ein Zimmer und dieses BnB war echt toll! Super Frühstück mit frischem Obstsalat, tolles Zimmer mit schöner Aussicht auf die Bucht und das billigste der ganzen Reise: 20 Pfund!!! Aber wie sagte Sabine so schön: Wo viel Angebot da Preiskampf!
Und auf einmal war es vorbei...
Nach einer ausgiebigen Dusche saßen wir noch bis Sonnenuntergang mit unseren Büchern im Garten, bevor wir Tescos unsicher gemacht und uns im Crofters ein letztes Steak eingeholfen haben, unisono. Dieser Pub ist zu empfehlen, riesige Portionen und vernünftige Preise. Unser Plan für den nächsten Tag sah dann so aus, das 2/3 ausschlafen und shoppen wollten und ich dem Nevis Massiv aufs Haupt steigen wollte. Meine Munrosammlung schrie nach Nahrung und außerdem wollte ich gern noch eine neue beginnen, die mit den höchsten Bergen Europas...
Gesagt getan, die andern beiden waren einverstanden :cool: Gegen 10 Uhr bin ich dann am Parkplatz vom Besuchszentrum gestartet, weil ich vorher noch auf besseres Wetter gehofft hatte. Effektiv war es nicht. Eigentlich war das fast ein wenig spät aber da ich die 6-10 veranschlagten Stunden sowieso nicht benötigen wollte kein Problem. Um 16.00 war ich zurück in Fort Williams und stolz auf mich!!! Der Weg war gut zu gehen und es gab auch Wegweiser (Respekt!), wer hätte das geglaubt! Ab ca 900m hing alles in den Wolken, aber da der Weg 1. nicht zu verfehlen ist, nicht mal im Nebel solange man einfach auf den hellen Steinen bleibt und 2 wahre Menschenmassen unterwegs waren war ich diesmal auch auf dem Gipfel!!! Nur ein Gipfelkreuz habe ich vermißt :( Stolz bin ich auf die Besteigungszeit 4h 29min!!! Aber für irgendwas müssen 152km doch gut gewesen sein...
So eine Völkerwanderung habe ich noch nie erlebt auf einem Berg: Unter der Woche, ohne Seilbahn! Und was für Leute, mit was für Schuhen (Ausrüstung wäre zu hochtrabend!), Crocs, Docs und alle Arten von Turnschuhen. Da war ich doch wieder total overdressed! Aber ein bißchen wohlfühlen will man sich ja auch...
Zum Abschluß und Feiern der Besteigung habe ich unter der Dusche noch einen Belgischen Schokopudding verspeist, mh, lecker. Die andern beiden hielten das für irgendwo zwischen dekadent und verrückt aber es war einfach nur großartig!
Meine beiden Mädels waren ordentlich shoppen und haben für den nächsten Tag alles klar gemacht, wir wollten nach Edinburgh. Bustickets kaufen, Unterkunft besorgen etc. Am nächsten Morgen sind wir um 7 Uhr abgefahren und haben uns die Strecke nochmal angesehen. Das war komisch aber machte uns auch stolz, weil wir das alles zu Fuß bewältigt hatten...
In Edinburgh haben wir noch ein wenig Touriprogramm abgespult, nichts aufregendes. Ich habe ein Kinderbuchantiquariat gefunden (lechz), konnte mich aber nicht mit weiteren Buchläden für die unzähligen Filz- und Wolläden rächen, durch die ich gnadenlos geschleift wurde da die Läden um 17.30 Uhr schon schließen!!! Wahnsinn, zumal morgens vor 11.00 Uhr auch nichts geht.
Am 17.9. sind wir dann nochmals mit dem Bus gefahren und dann wieder über Heathrow heimgeflogen. Da erledigten wir dann auch die Einkäufe, die uns in Edinburgh verwehrt wurden.
Und dann war´s vorbei...

Fazit:
1. Reisegruppe war super, ist gut zusammengewachsen. Ein neuen
Freund gefunden.
2. Wandern macht mehr Spaß, wenn man trainiert ist.
3. Elektronikkrempel nehme ich das nächste Mal alles selbst mit, die
Gewichtsersparnis wiegt den Frust nicht auf.
4. Jederzeit wieder, für mich war das totaler Urlaub.
5. Wenn das Wetter paßt, ist es überall schön.
6. Eimal im August nach Edinburgh zum Military Tattoo!!!
7. Trekkingstöcke wurden nicht benötigt.
8. Rucksackgewicht war ok, alles wichtige dabei. Die lange
Unterwäsche benötigte ich nicht, aber das konnte man nicht
vorhersehen. Würde ich bei gleicher Reisezeit wohl wieder
mitnehmen.
9. Buff war ausreichend, Handschuhe nur auf dem Ben Nevis benutzt.
Werde ich aber immer mitnehmen, M. Raynaud läßt grüßen.
10. Gott sei Dank habe ich den Poncho daheim gelassen.

teulabonari
27.12.2009, 12:12
Es ist vollbracht, jetzt kann das neue Jahr kommen!!!