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29.09.2009, 16:27
Land: Italien, Südtirol
Reisezeit: September 2009


Meraner Höhenweg

6-tägige Hüttenwanderung in Südtirol, rund um den Naturpark Texelgruppe.

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Der Meraner Höhenweg wird in der Südtirol-Werbung gerne als „der vielleicht schönste Höhenweg der Alpen“ beschrieben. Ob dem wirklich so ist, darüber muß sich jeder ein eigenes Urteil bilden. Für den Weg spricht aber auf jeden Fall die leichte Erreichbarkeit, die Vielfalt der Einstiegsmöglichkeiten (Rundweg), recht freie Gestaltung der Etappen aufgrund zahlreicher Unterkunftsmöglichkeiten sowie natürlich das milde Klima südlich des Alpenhauptkammes.

Wir beginnen unsere Tour im Vinschgau, genauer in Naturns, wo man problemlos parken kann und die Seilbahn Unterstell uns in wenigen Minuten nahe den Weg mit der Nummer 24 befördert, eine Zahl, die uns fortan begleitet.

Es ist Sonntag Mittag und unzählige andere Seilbahnnutzer schweben mit uns nach oben. Die Massen strömen primär auf die naheliegenden Almen und Gasthäuser, dennoch sind auf unserem Weg Richtung Katharinaberg viele Wanderer unterwegs. Es ist heiß und die Sonne knallt unbarmherzig auf uns. Erst nach dem malerischen Katharinaberg, als wir vom Schnalstal ins Pfossental einbiegen, wird es schlagartig leer, anscheinend haben wir die Grenze der Tagesausflügler überschritten. Fast kontinuierlich ansteigend nähern wir uns nach ca. 14 km unserem ersten Domizil, dem Nassreidhof (nicht zu verwechseln mit der geschlossenen Nassereithütte), einem ca. 500 Jahre alten, romantischen Bergbauernhof mit bewegter Geschichte. Uns erwartet in dem ausgebuchten Haus – neben Dusche und Gang-WC – ein 3-Gänge-Abendessen und eine sehr freundliche Bewirtung. Fängt doch gut an.

Schnalstal:
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Katharinaberg:
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In der Nacht hat es kaum merklich geregnet, aber der nächste Morgen empfängt uns nahezu wolkenlos. Fast 1500 Höhenmeter am Stück erwarten uns heute, denn es geht hochalpin zum Eisjöchl rauf. Kurz nach 9 Uhr sind wir einsam unterwegs um 30 Minuten später auf die zahlreichen Ausflügler am gebührenpflichtigen Parkplatz Jägerrast / Vorderkaser zutreffen. Gegen Mittag machen wir Rast am Eishof, die meisten Wanderer beenden Ihren Tagesausflug hier. Ab jetzt geht es richtig bergan und wir sind gar nicht böse, dass es sich mittlerweile bewölkt hat... Hauptsache, es bleibt trocken. Der Weg zieht sich, langsam aber stetig nähern wir uns in langen Serpentinen dem Eisjöchl (2.895m), dem Übergang ins Pfelderer Tal. Gegen 15 Uhr sind wir oben, genießen die Aussicht und freuen uns nach ca. 20 km bergauf auf die naheliegende, nur einige Meter tiefer liegende, Stettiner Hütte.

Rückblick Pfossental:
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Stettiner Hütte:
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Nun, diese Freude wird dann leider etwas getrübt, nicht etwa dass die Hütte voll wäre, nein, 100 vorhandenen Plätzen stehen nur 8 Übernachtungsgäste gegenüber. Also propft man diese in ein winziges 8-Bett-Zimmer. Logisch, muß man sonst nirgendwo putzen. Denn das reichhaltig vorhandene Personal ist hier lieber mit sich selbst beschäftigt, man bereitet sich scheinbar schon mal aufs Saisonende vor. Eigentlich könnte die Hütte recht gemütlich sein, selbst das Essen ist gut und nicht überteuert, aber die Muffeligkeit des Wirts und Details wie eisiger Trockenraum oder herausgebrochene Toilettenraumtür sind kein Aushängeschild.

Nach einer kalten und unruhigen Nacht (einer hat einen Kreislaufkollaps und ich Bauchweh) erwartet uns ein Überraschungsfrühstück: Marmeladenrest im 10-Liter-Eimer, lätschiges Brot, bisserl Müsli und ne Tasse Kaffee ... hmm, ist das wirklich 7,50 Euro wert? Nun gut, dafür war der Sonnenaufgang in den wolkenlosen Bergen wirklich fantastisch, vielleicht ist der eingepreist.

Abstieg ins Pfelderer Tal:
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Kurz vor 9 Uhr geht es auf teils von der Nacht noch gefrorenem Boden auf die heutige Monsteretappe, denn wir haben uns vorgenommen, bis hinter Ulfas zu laufen, über 26 km, primär natürlich bergab. Auch das kann durchaus anstrengend sein, geht doch stark in die Knie. Ab der Lazinser Alm ist das Brutalste vorbei, wir füllen unseren Wasservorrat auf (auf der Stettiner Hütte angeblich kein Trinkwasser) und die ersten Ausflügler kommen uns vom verschlafenen Pfelders entgegen.
Lazinser Alm:
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Entlang des Pfelderer Bachs wandern wir nun in komplett veränderter Landschaft, wir sind jetzt nur noch auf ca. 1.500 hm. Im Gasthof Bergkristall gönnen wir uns ein Mittagessen, nicht etwa weil die Bedienung/Eigentümerin etwa hübsch oder freundlich wäre oder dem gehobenen Preisniveau auch nur ansatzweise Leistung gegenüber stände, sondern die Sonnenplätze im Garten haben es uns angetan. Gut so, denn kurz darauf ändert der bisher sehr schöne Weg seinen Charakter : es geht über schattige Wege, oft Forststrassencharakter oder Teerweg oder Pfad neben Teerweg. Welch eine Umstellung. Sowas haut aufs Gemüt und der Weg zieht sich.... bis Ulfas ist es schwer, danach sehr schwer ... rein psychisch. Gegen 17 Uhr erreichen wir den Unterchristl-Hof. Historie wie aus dem Bilderbuch. Eine 90-jährige Oma, die auf schwerhörig macht, ihr geschäftstüchtiger Sohn, Gang-Bad, Gang-WC. Alles irgendwie cool, aber auch nur irgendwie.... Das Abendessen (war der feuchte, lauwarme Klecks wirklich eine Suppe?) fällt spartanisch aus, der Wein ist jedoch ok. Auch das Wetter ist bestens.
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Nach einem übersichtlichen Frühstück am nächsten Morgen löhnen wir mal wieder ordentlich Euros für .... , ja, für was eigentlich? In der Gegend kann man jedenfalls aus jeder Bruchbude ne Goldgrube machen, beneidenswert.

Die heutige Etappe kann man nach den vergangenen dann mit ca. 18 km fast schon als Erholung bezeichnen. Der Weg behält seinen zwiespältigen Charakter: entweder total tolle Abschnitte oder langweilige Teeretappen. Mittag machen wir heute auf einer Bank mit genialem Tal- und Bergblick kurz hinter Magdfeld. Eine schöne Stelle de Weges ist dann der Abschnitt vor Durchquerung des Saltauser Tals, wir baden die Füße im Bach und kehren anschließend noch beim Brunner (Aussichtsterrasse, guter Apfelstrudel) ein. Übernachtet wird heute im „Walde“, ein Berggasthof, der etwas vom Weg ab liegt (24a, etwa 50 hm über 24). Wow, für nur unwesentlich mehr Euros als sonst erwartet uns ein niegelnagelneues Zimmer mit Du/WC und sonnigem Westbalkon. Schnell noch einige Sachen durchwaschen und dann ein klasse Wiener Schnitzel und Bier und Wein. Wunderbar. Aber auch hier ist es voll.

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Die folgende Etappe bereitet mir etwas Kopfweh, da die Nassereithütte geschlossen ist bleiben nur das Hochganghaus oder das entferntere Giggelberg als nächstes Tagesziel. Wir entscheiden uns für Giggelberg, also ca. 22 km und ständiges Auf und Ab. Um 9 Uhr ziehen wir los. Der Weg hat glücklicherweise wieder Bergpfad-Charakter. Wir erreichen den Longfallhof und nach dem Wasserfall geht es um die Mutköpfe herum unzählige Stufen nach oben. Sauanstrengend, aber aufwärts vermutlich doch besser zu gehen als runterwärts. Wir kommen zur Seilbahnstation Hochmuth, Leute en masse. Lauter Gestörte, manche quälen sich unbeschreiblich über den nicht immer leicht zu laufenden und teils recht ausgesetzten Weg, die Angst im Gesicht und der Drang zur Bergseite sind offensichtlich. Na gut, wer weiß, was die über uns denken.
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Der Weg zieht sich wunderschön zur Leiteralm, (ab hier nehmen die Massen deutlich ab) danach steil hoch zum Hochganghaus. Das Teil hat seine besten Tage auch schon hinter sich, na ja, der Neubau ist schon begonnen. Wir müssen noch bis Giggelberg, weitere 3 Stunden Gehzeit. Deshalb sparen wir uns auch eine Einkehr in der wunderschön gelegenen Tablander Alm. In Giggelberg, das wir kurz nach 17 Uhr erreichen, erwarten uns wieder Mehrbettzimmer (wir sind zu sechst im 7-Bett-Zimmer). Eine heiße Dusche und ein WC ist auch im Hof vorhanden. Übers Abendessen und die Bewirtung darf man nicht schimpfen, wir unterhalten uns gut mit anderen Wanderern.

Aufgrund durchgelegener Matratze und den saunamäßigen Temperaturen schlafe ich dann natürlich recht schlecht. Wenn man davon absieht, ist wieder mal erstaunlich, wie wenig man hier investieren muß und die Leute rennen einem trotzdem die Bude ein (alle Zimmer belegt).

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Um 8,45 Uhr startet unser Endspurt. Der Weg ist noch mal schön anstrengend, wieder viele Stufen, ein stetes Auf und Ab. Es bewölkt sich heute stärker. 3 Stunden und 9 km später stehen wir wieder an der Seilbahn und schweben bald darauf zum Parkplatz zurück. Und als wir abfahren, fallen einige Tropfen auf die Scheibe....

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4 ganze und zwei halbe Tage, gut 105 km, unzählige Höhenmeter, viele Erfahrungen, bleibende Eindrücke.... der Weg „24“ lohnt sich. Obwohl..... mit meinem heutigen Wissen würde ich mir den Teil über dem Passeiertal ( um Ulfas bis Matatz) wohl sparen und lieber über die Spronser Seen gehen... aber hinterher weiß man`s immer besser.

Mal sehen, mit welchem Höhenweg sich der Meraner HW nächstes Jahr messen darf, die Planungen laufen bereits....

paar mehr Bilder gibts wie immer auf meiner HP!

peter-hoehle
30.09.2009, 10:00
schöner Bericht.Das mit der Stettiner Hütte zeugt nicht
von Gastfreundlichkeit.Überall gibt es eben ein paar
schwarze Schafe.

Gruß Peter