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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [FI] Solo-Tour Saariselkä wilderness / UKK 09/2009



hc-waldmann
28.09.2009, 15:29
Terve Kollegen!

zurück aus Finnland mache ich mich gleich an den Bericht, einfach um das Ganze gleich nochmal zu erleben. Aus 240 eine Handvoll Bilder ausgewählt und kommentiert, jetzt ist's noch frisch. Bitte sehr:



Ort/Zeit:
Finnland / Lappland: Urho Kekkosen NP / Saariselkä wilderness area, ab /bis Kiilopää; 09.09-20.09.2009, Feldzeit 11.09-18.09.2009

Route:
Kiilopää - Suomenruoktu - Tuiskukuru - Luirojärvi - Maantiekuru - Sudenpesä/Sarvioja - Jyyrkevaara - Aittajärvi - Suomujärvi - Porttikoski - Lankojärvi - Rautulampi - Luulampi - Kiilopää


Voller Bericht / mehr Bilder unter https://theoretische-psychologie.uni-bremen.de/travel/finn2009/index.html

Pro Tag wurde dort eine Photostrecke mit Text erstellt, mit Sortierung der Bilder in striktem Verlauf der Route. Pro Seite sind zudem Waypoints, Geländemarkierungen, Laufzeit (netto + Pausen), Tages-Km sowie Gelädenbeschaffenheit in einer Tabelle ausgewiesen. Es finden sich zudem: eine Ausrüstungskritik (https://theoretische-psychologie.uni-bremen.de/travel/finn2009/equip.html) und GPS-Datensätze in verschiedenen Formaten.


Und los geht's

Tag 1

Es fing ja mal gut an: In Hamburg wurde gleich der Flug nach Helsinki gecancelt, was den Anschluss nach Ivalo auf den nächsten Tag verschob. Dafür gab es eine feudale Nacht im Ramada Helsinki: Gelegenheit die Finnisch-Kenntnisse aus dem VHS-Kurs auszuprobieren, was nur leidlich geklappt hat.

Einen Tag überfällig dann Ankunft im Tunturikesus Kiilpää, wo man gleich mit Wind in Sturmstärke begrüßt wird. Da es nun wesentlich zu spät ist zum Losmarschieren, verbringe ich die Nacht in einem 16er-Dormitory einer Blockhütte, und wundere mich, dass das Tourbook im Fjell-Center nur eine Handvoll Leute als unterwegs ausweist. Für die Ruska in Finnlands größten Nationalpark hatte ich mit mehr Wanderern gerechnet. Andererseits will ich ja solo gehen und allein sein; man sagt mir, dass der "Verkehr" es ab dem Luirojärvi / Sokosti in Richtung Osten ohnehin extrem abnimmt. Fein.




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Ich hinterlege meine Tourdaten als Kartenscan mit allen GPS-Positionen elektronisch bei der NP-Aufsicht und laufe dann um 10.00 Uhr los. Die Waage am NP-Eingangstor meldet 31 kg Startgewicht, das Wetter ist klar bei 10 Grad plus, und ich bin guter Dinge. Zumindest an den West-Hängen bis Nilanpää ist, wie man sieht, etwas Ruska. Dann wird das ganze eher grau und grün. Später sagt man mir, der Sommer sei ungewöhnlich heiß gewesen, und die Ruska fiele dieses Jahr im Sinne von großer Farbenpracht aus. In den nächsten drei Tagen habe ich ohnehin eher Nadelwald, so fällt das erstmal nicht weiter auf.




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Es gibt bereits viel Totholz. Der Trail ist hier noch gut zu erkennen, das Laufen selbst wird immer schwieriger, weil der Boden ständig von Wurzeln und Steinen überzogen ist, und man nicht so recht in einen Rhythmus kommt: immer musst du aufpassen wo du hintrittst, und bekommst von der Landschaft nur was mit, wenn du dafür stehen bleibst. Allerdings bin ich ziemlich stabil unterwegs mit steigeisenfesten zwiegenähten Hanwag Cima Stiefeln, dunkelblaue Leder-Riesentreter ohne Gummierung und ohne GoreTex, die noch gewisse Aufmerksamkeit erregen werden. Überhaupt scheinen nur Externe so bunt herumzulaufen (blaue Schuhe, rote Jacke, etc.), bei den Finnen sieht man fast ausschließlich das Jäger-Grün von Halti.

Luft und Farbe sind herrlich, ab dem Lavvu S01 ist das Gelände eher flach, und ich komme schnell voran. Bis dann, unmittelbar vor der Suomunruoktu-Hütte, ein erstes nettes Flüsschen auftaucht. Da muss man rüber: erster Einsatz für die Tevas. Es ist kalt, aber ohne wirkliche Strömung. Gut, dass ich keine Stöcke dabei habe. Sehr erfrischend nach dem Lauftag, in späteren Abschnitten werde ich das am gleich zu Anfang des Tages und/oder mehrfach haben, dann wird das für die Füße doch unangenehm. Heute, beim ersten Mal, ist's willkommen, und es kommt nun nach dem teils noch markierten Weg das erste Mal so richtig "Wildnis-Stimmung" auf. Um 14.00 Uhr bin ich erstmal der Einzige an diesem wundervollen Fleck: es hat eine riesige Hütte (ausgestattet mit Ofen und Gaskocher), das übliche Trocken-WC (Luxus: getrennt nach "naiset" [Frauen] und "miehet" [Männer], man merkt dass man noch in der basic zone des UKK-NP und damit nah dran am Massenbetrieb ist), und einen Schuppen mit vorgeschlagenem Holz. Hier also sitze ich an der tulipaikka (Feuerstelle) und nutze den Selbstauslöser. Gegen 18.00 Uhr ist's mit der Ruhe vorbei: zwei Schulklassen mit 14-16 Jährigen fallen ein. Also fange ich mich mein abendliches Programm an:


Zuerst Füße pflegen (denn mit denen darfs für die nächsten 9 Tage nun gar keine Zicken geben),
trockene Kleidung anziehen und die nasse (man ist immer nass mit diesem Riesenrucksack) trocken kriegen per Aufhängen in der Hütte oder per Räuchern an der Feuerstelle (lecker Geruch),
dann Schlafstelle richten (schön abseits der Hütte, bitte), wobei in meinem HB UNNA jeder Quadratzentimeter mit klarem Raster genutzt ist (Bild folgt) und alles blind griffbereit zu sein hat,
Elektronik und Sicherheit checken (Stirnlampe funktional? Bärenspray bolzengesichert? Zeltspanner mit Reflektoren versehen? Klopapier nicht nass?)
Essen. Endlich. Spülen entfällt dank Real Turmat und Kollegen direkt aus dem Beutel.
So vorhanden, Leute ansprechen, Schoko anbieten, nach dem Weg fragen, wer kommt woher und geht wohin, etc. Ein bisschen Finnisch, gleich wie radebrechend, öffnet die Herzen.





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Tag 2
10.00 Uhr Start, zusammen mit einem Finnen, der einen obszön kleinen Rucksack trägt und gleich vorschlägt, meine zwei Tagesetappen in einem Rutsch heute durchzulaufen. Ich bekomme eine Stunde Vorsprung, und das ist nötig: der Weg wird up/down und sehr felsig. Das wird mir noch Tage aufs Gemüt gehen: die Flüsse mäandern sehr, und du musst jede Kurve laufen. Jede Kurve hat ihre kleinen Zuflüsse nebst zugehörigen Sumpf. Da jedesmal trocken durchzukommen kostet viel Zeit. Mir wird klar, warum Finnen mehrheitlich direkt über Fjell gehen und sich nicht um trails scheren.




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Salonlampi (S03): Bilderbuch-See vor dem Einstieg in den Vintilaoja-Canyon. Hier hat mich der Finne wieder, packt seinen Kocher aus und gibt mir nochmal großzügig Vorsprung. Er will jetzt zweites Frühstück. Fein. Ich nehme einen Powerbar, und gehe wieder los. Ein wenig haut das schon aufs Ego, aber ich trage ja auch wesentlich mehr, etc. etc., aber letzlich, na ja, ist er einfach viel fitter als ich. Was solls.

Mittlere Höhe eines Tunturi, eines typischen Hügels dieser Gegend (firmiert hier bereits als Berg, weil bis zu 700 Meter hoch bei Referenzhöhe 280 Meter Suomunjoki). Unten Wald/Sumpf, dann Krüppelbirken und viel Totholz ohne die "Busch-Schicht" (was den offen-weitläufigen Charakter ausmacht), oben nur Flechten auf Fels (daher: Kahlfjell).




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Erst gegen 19.30 erreiche den Luirojärvi, den Bilderbuchsee schlechthin. Der Anblick hebt die Stimmung: ich bin fix und alle, der Finne turnt fidel durch die Umgebung. Es gibt nicht nur eine Hütte (ich baue trotzdem das zelt auf), sondern sogar eine Sauna mit Bohlenweg direkt zum See. Die benutze ich aber nur zum Waschen, da ich mir eine Doppelportion Erbseneintopf über die einzige Hose schütten musste.




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Fast alle anderen (es gibt 8 Zelte rund um die Hütte) werden am nächsten Tag von hier auf den Sokosti steigen, die höchste Erhebung in der Gegend mit weitem Blick nach Russland hinein. Ich habe durch die Doppeltour heute zwar meinen verlorenen Tag wieder eingeholt, aber bin auch ziemlich am Ende davon. Der Weg nordost nach Sudenpesä / Sarvioja wird nicht ohne: in der Karte hört er nach einem Drittel Strecke bei Pälkkimaoja (Lavvu) schlichtweg auf. Grund: die Kletterei den Mantierkuru hinauf ist wohl zu übel für häufige Begehung. Ich werde niemanden treffen auf diesem Stück, und abends werde ich auch wissen warum :-).




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Tag 3
Man sollte nachts seine Stirnlampe nicht suchen müssen. Man sollte nicht über die Abspannleinen des eigenen Zeltes fallen, weil nun ohne Stirnlampe unterwegs. Und man sollte besser sehen, wo man hinpinkelt. Lassen wir das. Keine schöne Nacht. Am Morgen sind schon alle weg, ihren Sokosti besteigen. Nach Müsli, aufgelöst in Wasser und Milchpulver, hole ich die gewaschene Hose aus der Sauna (die outdoor-Seife von Globi: ich nutze sie für Geschirr, für Kleidung, für mich, klappt einfach). Ich bin von oben bis unten in GoreTeX gewandet weil es windig und bedeckt ist, und ich keine Lust auf Wechsel in diesem Canyon habe. Um 09.30 laufe ich tapfer in Gegenrichtung zu den anderen los. Sagte ich schon, das "Suomi" (=Finnland) von suo (=Sumpf) abgeleitet ist?




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Noch sieht das gut aus. Nach der Pälkkimaoja gehte zwar stetig aufwärts, aber einfach zu laufen. Man merkt schon, dass sich der Taleinschnitt langsam aber sicher verengt.




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Am Ende sieht das dann so aus: Hinter dieser Kuppe ist Schluss mit Weg. Nicht dass Ungewissheit bestünde über die Richtung: nach links geht es praktisch senkrecht in die Tiefe, nach rechts geht es ebenso übel aufwärts. Normalerweise wäre das der beste Plan: einmal richtig anstrengen und gleich ganz hoch auf das Fjell, und dann dort fein auf dem Grat vergleichsweise plan laufen, und an gewünschter Stelle hinab ins Tal (am besten gleich bei der Hütte, oder?). So weit die Theorie. Praktisch ist es oben nicht besser: es bläst abartig, die Einschnitte der Zuflüsse erzwingen querliegend zur Marschrichtung ein up/down, und man hat trotz insgesamt (im Sinne von relativ) ebenen Gang dann und wann Felskanten von 2 und mehr Metern. Sieht man schön hier:




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Nach diesem Versuch steige ich sehr schräg wieder ab. Die Verbesserung besteht einzig darin, dass die Sonne heraus gekommen ist, allerdings habe ich gut 2 km gespart, weil der "Weg" im Bogen um die Bergflanke herum gegangen wäre, und ich nun sollkursmäßig hinüber (gekrabbelt) bin.

Ja, und so sehe ich danach aus: fertig. Und nein: es ist nur Schweiss.




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Mein Anblick animiert ein Paar in der Hütte (Sudenpesä ist eine Bezahl-Hütte, also laufe ich eh weiter), mir ein Gemisch aus heißem Wasser, Schokoladenpulver und Stroh-Rum ("from Austria!") anzubieten. Danach hat sich der Anblick nicht verbessert. Überhaupt gar nicht. Fehler. Fehler. Ich brauche für die austehenden 1.5 km zur Sarvioja eine gute Stunde. Diesen Abend fällt die zuvor geschilderte Sorgfalt der Abendroutine aus. Zelt, Feuer, Essen, fertig. Leute: trinkt nix, niemals, nach 8 Stunden Laufen, und nur Wasser seit 3 Tagen. Blöd.



Tag 4

So sieht es auch nach 4 Nächten noch im Zelt. Das mit dem Stirnlampe suchen des Nachts hatten wir ja schon :-). Heute, sagt die Karte, soll's gemütlich werden. Hm.



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Vor dem Start gönne ich mir ein Art Bad im Fluss. Eine "Art" deshalb, weil es nicht wirklich lang gedauert hat, aber ich war gaaaanz unter Wasser. 8 Sekunden. Ehrlich. Ich meine: die Sonne war da, es war relativ warm, gestern war alles nass und dreckig, ich hatte getrunken. So. Man könnte Leute treffen. Man sollte sich mal waschen. Die Karte hat erstmal nicht gelogen: es geht fast eben den Fluss lang. Ich laufe tatsächlich im Shirt. Dieses Tal läft ost-west-abwärts, daher hat es kaum Wind. Ein Segen. Wo ich doch grad so frisch gewaschen bin.

Das mit dem "eben" geht nie lange gut, denn eben wird unweigerlich sumpfig. Nach dem Ausgang ins Tal des Muorravaaranjoki ist Schluss mit lustig. Die Höhenlinien der Karte hatten es eigentlich angekündigt: die Zähllinien sind weit auseinander am Zusammenfluss von gleich 3 fetten Flüssen. Irgendwann, genauer: mit dem Tagesziel in einer Stunde Aussicht, ist's mir dann egal: ich hab genug vom Balancieren, und laufe mitten durch. Das geht erstaunlich gut, wenn man, in Ermangelung von Gamaschen, die Gore-Hose mit Einmachglas-Dichtgummies gegen den Stiefelschaft abschnürt (aha!). Vor der Hütte ist der Muorravaaranjoki zu queren, und das ist ein ganz anderes Kaliber als die bisherigen Flüsse. Besonders prickelnd: am nächsten Morgen muss ich, 3 km stromaufwärts, wieder hinüber auf diese Seite. Ich nutze das Gränfors Bruks Minibeil und präpariere einen Wat-Stock. Nötig, denn hier ist gewaltig Strömung, und ich bin ja allein.



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Danach sind es 30 Minuten zur Jyyrkevaara. Dort sind wieder reichlich Leute, denn nach Raja-Jooseppi, dem Grenz-Ort zu Russland und damit zu einer Straße, sind es gerade noch 12 km. Daher ist hier immer Betrieb. Zelt aufbauen, und Finnisch ausprobieren. Das bringt heute auch was, den einer der Finnen spricht richtig gut deutsch (Tochter verheiratet in Deutschland, er meinte: bis deren Mann jemals halbwegs Finnisch kann, kann er perfekt deutsch, und recht hat er). Diesmal kommt, auch wenn mich das unter den Finnen blamiert, kein Alkohol in die heiße Schololade. En voi. Trotzdem wird es spät. Der Tag war nass, aber einfach zu gehen.


Tag 5

Ich schlafe heute bis gut 11.00 und komme erst um 13.00 los. Der Weg zurück zum Fluss ist genauso nass wie gestern von Süden her. So sieht das aus, wenn in der Karte eine Wat-Stelle eingezeichnet ist, die ist kurz vor dem Einfluss in den großen Suomunjoki. Am anderen Ufer sind schon (oder immer noch) die drei Finnen von gestern abend, und sind so freundlich zu warten bis ich auch drüber bin. Das ist beruhigend, denn diesmal geht es in wirklich starker Strömung bis zur Hüfte ins Wasser. Es lässt sich beim besten Willen nicht vermeiden, dass der Rucksack unten ins Wasser gerät. Das heißt: schneller laufen, um am Lavvu des Suomunjärvi lang genug ein Feuer in Gang zu haben, um die Sachen ggf. trocken zu räuchern.




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Der Weg entlang des Suomunjoki ist eher langweilig und langwierig. up/down immer am Ufer, weit auseinanderstehende Kiefern und Lärchen. Der Weg ist breit und gut zu sehen, das ist der Highway zum Aittajärvi, wo man, so man über den Fluss kommt, einen Parkplatz findet zur Straße nach Ivalo. Es ist einfach nur laaang.




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Das Lavvu ist perfekt: gebaute Feuerstelle direkt davor, Trockenstange in Windrichtung, geschlagenes Holz. Vor der Nacht ist alles trocken, und riecht herrlich nach Rauch. Ich gönne mir zwei Mahlzeiten Adventure Food, koche einen Tee (zum ersten Mal am 5. Tag :-)), es ist der Luxus-Abend schlechthin. Ich bin alleine, totale Stille, Sonnenuntergang, so soll es sein. Morgen wird sich Weg ändern: bis zum Lankojärvi geht es zwar wieder den Fluss entlang, aber die Höhenlinien weisen auf einen anstrengenden Tag hin. Heute war alles gut, und die Flussquerung war der frühe Höhepunkt.


Tag 6

Am nächsten Morgen sieht es praktisch genau so aus wie am Abend zuvor: eine trübe Sonne zwischen den Bäumen. Gepackt ist schnell, der Rucksack ist nun deutlich leichter. Ich schlage Holz nach, so wie ich das gestern genossen habe. Nach 6 Km wird der Weg schlagartig anders: es wird sehr felsig, die Einschnitte zukm Suomunjoki werden unangenehm, das Gehen ist nicht ungefährlich: ständig Steine und Überwuchende Wurzeln. Mehrmals falle ich, und es geht langsam voran. Ich kann nur auf die Brücke an vor der Porttikoski hoffen: hier kann man definitiv nicht waten. Vor dem Aittajärvi gab es einen Seilzug über den Suomunjärvi, aber kein Boot. Das wäre interessant gewesen: die Leine nur zum Halten gegen den Strom, aber nass wäre man vollends.



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Die Brücke ist intakt, das beflügelt für die letzten 5 km zum Lankojärvi. Wieder schlagartig andere Situation: extrem feucht, und keine Umgehung: nach rechts nackter Fels. Man muss durch, und diesmal werden die Füsse nass. Die Hütte lockt. Es ist erst 16.00 Uhr, aber das Licht ist konstant wie früh morgens, eine typische Lappland-Sonne durch den voll bedeckten Himmel. So hatte ich das 2007 das erste Mal erlebt, es war der Anfang meiner Neigung zu Finnisch-Lappland. Allerdings ist es nun sehr viel kälter als vor zwei Tagen. als ich im Shirt gegangen war. Wir haben kurz über null Grad.



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Tag 7

Mittlerweile regt es mich nicht mehr auf, der Sumpf, es sind nur 8 km heute, und zwei Tage bis zum Ziel. Also los. Es kommen mir heute gut 20 Leute entgegen: bis zur Rautulampi ist der Weg ab Kiilopää mit Stangen markiert, und viele laufen von dort direkt die 20km zum Lankojärvi. Das will ich gar nicht, denn ich wäre dann zwei Tage zu früh am Fjellcenter, bevor am Sonntag der Flug zurück geht. Was soll ich dort, also mache ich heute mal langsam, schlafe genüsslich aus, brauche das Müsli komplett auf (obwohl ich noch morgen den ganzen Tag laufen werde, aber die Riegel müssen ja auch mal weg, ich hab noch 10 Stück).




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Die Hügel im Hintergrund, da liegt die Rautulampi, aus ist's mit dem schönen Wald. Die Sicht wird aber nicht besser, da der Fluss sich extrem windet, nach oben immer enger wird und bald zwischen dem Fels fließt. Dazwichen tauchen immer öfter Sandflächen auf, richtig gelbe Flecken zwischendurch, eine merkwürdige Palette. Zum Fotographieren komme ich gar nicht, die Augen sind ständig auf dem wechselnden Untergrund. Die Hütte sehe ich wirklich erst als ich praktisch davor stehe: sie taucht unvernmittelt hinter einer Felsformation auf, die den Abfluss der Rautuoja aus dem Rautujärvi cachiert. Im Dunkeln könnte man glatt daran vorbei laufen. Was ich aber, i.Ggs. allen anderen Tage geboten bekomme, ist ein perfekter, langsam aufziehender Sonnenuntergang. Es regnet leicht.



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Gegen 19.30 kommt ein älterer Finne an, dessen Rucksack noch dicker ist als meiner. Er sei heute morgen von der Tuiskukuru augfgebrochen, und müsse morgen in Kiilopää sein. Ich bin schwer beindruckt, das ist weit von der Tuiskukuru, und kenne die Streckenbeschaffenheit ja. Respekt. Und er läuft in einer Art Gummistiefel (nein: keine Lundhags, Gummistiefel). Ich frage mich nur, was der Mann am Ende der Tour noch in diesem Volumen in seinem Rucksack hat. Da es nun wirklich kalt ist, und das vor zwei Stunden gefilterte Seewasser langsam zu überfrieren beginnt, gönnen wir uns eine Nacht in der Hütte. Die ist als päivätupa ausgewiesen, als Tageshütte, und sie ist wirklich winzig und steht ungeschützt (schon baumlos jetzt) im Wind. Morgen ist der Tag bewusst kurz geplant, das Tal der Rautuoja sieht auf Karte eher simpel aus. Ich war aber gewarnt, dass die Rückkehr in die basic zone des UKK Richtung Kiilopää wiederum eine extreme Änderung der Landschaft bedeuten würde.

Tag 8

So, letzter Tag. Und in der Tat, der zweitschwerste Tag, nach dem Doppelpack mit dem Finnen am zweiten Tag. Ich fange diesmal sehr früh an: um 5 Uhr mal vor der Tür (zuviel Tee), und festgestellt: Der Wassersack ist gefroren, es ist glatt, richtig glatt auf dem flechtenüberzogenen Fels. Verdammt. Der Weg ist mehrheitlich felsig, die Rautuvankanoja entlang. Der Himmel ist grau, es ist kalt, überfroren. Da denke ich, mach mal lieber hin, mach schnell los, dass du langsam laufen kannst. Denn ankommen sollte ich heute abend schon, und zwar in einem Stück. Acht Marschtage lang keine Verletzung, und bitte nicht am letzten Tag. Ich will ankommen, also los. Nach dem steinigen Part wird es flacher und freundlicher, nur der Buschbewuchs hakelt gemein an den Beinen. Ich bin trotzdem froh, das vorherige hinter mir zu haben.




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Nur gefrorener Sumpf ist guter Sumpf. Na ja, belastbar ist das noch nicht, aber der Matsch drumherum und auf der nun deutlich ausgearbeiteten Spur (da fahren wohl öfter mal Quads!) ist schön hart, und das laufen wird unbeschwerter.




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So stelle ich mir das eigentlich vor, Lappland. So war das auch mehrheitlich im letzten Jahr in der Kaldoaivi (was aber auch nördlicher ist). Mäßig hügelig, verstreute Gruppen von Birken, abwechslungsreiche Färbung. So soll es sein, und nach dem Tagen mit reichlich Wald, und viel Nadelholz genieße ich das richtig. Weite. In den Flusstälern siehst du ja nichts, hier ist Fernblick vom Feinsten. Mist: heute Abend ist es zu Ende. Gestern abend, in der eiskalten Hütte fand ich den Gedanken klasse, jetzt nicht mehr. Save the best for last: erst heute sehe ich freilaufende Rentiere wirklich aus der Nähe.




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Endspurt: es wird noch mal anstrengend. Es geht steil den Berg hoch, und zwar gute 30 Minuten lang, frontal zu nehmen. Es ist gerade mal mittag, und mir kommen eine ganze Menge "Nach-dem-Frühstück-gehen-wir-walken" Grüppchen entgegen, nach 50 hör ich auf zu zählen. Einige Personen tragen orangene Jacken mit gelbem Aufnäher "UKK Guide" Es ist Freitag, und der Wochend-Betrieb in Kiilopää ist wohl in vollem Gange. So gut ich die Wanderbegeisterungen finde, es beruhigt mich doch, dass sie alle ab der Rautulampi umkehren werden, und wirklich keiner die basic zone verlassen wird. Das wäre für die Landschaft in der wilderness area wirklich zu viel, so bleibt sie eine wilderness area. Ausgenommen, zugegebenermaßen, die Störung durch solche wie mich selbst. Aber das sind, gerade zu der Zeit, sehr wenige in einem riesigen Gebiet. Und wer hier 8-10 Tage unterwegs ist, unterwegs sein kann, sollte wissen was er tut. Er nimmt z.B. jede leere Packung Real Turmat wieder mit hinaus.



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Auf der Höhe bläst es ordentlich. Man sieht es nicht, aber man "weiß" es: hinter der linken Flanke liegt es, das UKK-Tor, durch das man am Anfang ja gegangen war. In großer Vorfreude. Und durch das man jetzt gleich wieder gehen wird: zufrieden und etwas traurig.



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barleybreeder
28.09.2009, 20:56
Wieder mal ein wunderbarer Bericht von dir, von einer Ecke die schon seit Jahren auf meiner Wunschliste steht. Jetzt wieder etwas mehr...:D

ulfs
29.09.2009, 10:20
Danke für den Bericht! Sehr schön!
Hast dich auch als eindeutigen Komfortrekker entlarvt :o

Biggi
29.09.2009, 12:14
Klasse Tour 5sterne.

Allein ist´s doch am schönsten, gell?

Und Respekt für das Foto von Dir, sieht wirklich nicht lecker aus, wenn man keine Ahnung hat ;-).

zero
29.09.2009, 23:12
Du scheinst ja ein Mensch zu sein, der sehr viel Wert auf Sicherheit beim Wandern legt... Machst du dir all deine Sorgfalt durch den sauschweren Rucksack nicht wieder zunichte?

Umknicken, Ausrutschen, Hinfallen, all das wird durch das hohe Gewicht doch viel riskanter.

Beim Furten bist du deutlich im Nachteil, weil du nicht nur dein Körpergewicht kontrollieren musst, sondern auch noch den Rucksack.

Wenn wirklich schlechtes Wetter aufkommt, bist du viel zu langsam, um schnell die nächste Hütte zu erreichen.

Hinzu kommt, dass man ja, wenn man nur am schleppen ist, oft unkonzentriert ist und mehr auf seine Schweißtropfen als auf den Weg achtet. (Kenne ich selber aus meinen Anfängertagen)

Ich weiß ja nicht... Schließlich warst du nur 8 Tage unterwegs. Mit dem Gewicht könnte ich (ohne Ultra-Leicht !) 4 - 5 Wochen ohne Nachschub unterwegs sein.

Trotzdem eine schöne Tour und tolle Fotos und vor allem gut geschrieben.

Zero

Sternenstaub
30.09.2009, 01:06
Lass es doch jeden machen, wie er will, es möchte und kann....
Sehr schöner Bericht, danke dafür. :-)

chriscross
30.09.2009, 01:15
Ja, wirklich schön!5sterne

November
30.09.2009, 06:17
Jupp, habe schon auf deine Rückkehr und deinen Bericht gewartet. ;-) Bist ja oft in für mich interessanten Gegenden unterwegs.

Obwohlich jetzt weiß, das genau dieses Gebiet der schwierigen Furten wegen nichts für mich ist, zumindest nicht alleine. Aber auch dafür können Reiseberichte gut sein.

Aquilaheliaca
30.09.2009, 07:46
Super Bericht, vielen Dank :D 5sterne

hc-waldmann
30.09.2009, 09:26
Erst mal Danke für eure feinen Rückmeldungen.

[Zero] hat einen sehr interessanten Punkt angesprochen, über den ich vorher und jetzt hinterher viel nachgedacht habe:



Du scheinst ja ein Mensch zu sein, der sehr viel Wert auf Sicherheit beim Wandern legt... Machst du dir all deine Sorgfalt durch den sauschweren Rucksack nicht wieder zunichte? Umknicken, Ausrutschen, Hinfallen, all das wird durch das hohe Gewicht doch viel riskanter. Beim Furten bist du deutlich im Nachteil, weil du nicht nur dein Körpergewicht kontrollieren musst, sondern auch noch den Rucksack.
...
Ich weiß ja nicht... Schließlich warst du nur 8 Tage unterwegs. Mit dem Gewicht könnte ich (ohne Ultra-Leicht !) 4 - 5 Wochen ohne Nachschub unterwegs sein.
Zero


Im Grunde ist das alles wahr und richtig. Also gibt es ein ABER.

Das Sicherheitsbedürfnis ist abhängig von bisherigen Erfahrungen. Mein "Medizinköfferchen" ist schon recht dick, aber das macht eher Volumen denn Gewicht. Ich hab in der Ausrüstungskritik ja geschrieben, dass einige dahingehende Ausstattung umsonst im Sinne von unbenutzt ist, aber dennoch. Wenn dir mal was passiert ist, denkst du anders. Und wenn deine Kinder heulen wenn du losgehst, auch.

Die 30 Kilo sind für mich vielleicht auch anders zu nehmen als für viele andere. Ich bring ja selbst schon 115 kg mit (siehe Bild), Oberschenkelumfang 63 cm muskulär, Jahre lang Leistungssport Rudern. Insofern kann ich das schon tragen (was es nicht angenehmer macht), und es ist es mir einfach wert. Ich schätze den Gedanken der Autarkie unter allen Bedingungen. Also trage ich ein Beil mit, weil ich nicht immer an die Hütten kommen müssen will, und das Feuerchen trotzdem haben möchte. If you want it all, you have to carry it all. Man muss natürlich zugeben, dass es wesentlich leichtere Schlafsäcke gibt den KuFa ME Moonwalker IV :-). Nahrung für geplante 10 Tage kann man auch nur mäßig reduzieren (zudem habe ich einen dem o.a. Umfang angemessenen Bedarf und Appetit, ich will ja nicht leiden :-).

Insofern bin mir nicht sicher, ob "ohne Ultra-Leicht 4-5 Wochen ohne Nachschub" in der Gegend lustvoll und sicher machbar sind.

Zumindest habe ich ja mal geschafft, meinen Ersatzteil-Wahn los zu werden. Du glaubst nicht, was ich alles durch Grönland getragen hatte (jede Schnalle doppelt, zwei Jacken, und sogar Ersatz-Schuhe). Unglaublich. So wie es jetzt war, ist es für mich OK. Unter die 28kg werde ich wohl nie kommen, und das geht auch.

Hans-Christian

zero
30.09.2009, 19:08
Hallo Waldmann,

so wie du deinen schweren Rucksack kommentierst, ist es für mich völlig in Ordnung. Und im Prinzip ist es mir auch egal, was jemand mit in seinen Rucksack packt. Jeder nach seinem Geschmack, nach seinen Vorlieben...

Trotzdem wollte ich das schwere Gewicht nicht unkommentiert lassen, gerade weil ich deinen Grönlandbericht kenne. Grönland steht auf meiner Wunschliste auch sehr weit oben, und zu diesem Thema gibt es leider nicht so viele aussagekräftige Berichte. Ich habe auch mit einigen Leuten (4) gesprochen, die den Arctic Circle Trail gelaufen sind und ebenfalls vorher deinen Bericht gelesen haben.

Die generelle Aussage war: "Der Kerl hatte mehr als 30 Kilo mit - unsere Rucksäcke wiegen gerade einmal 20 Kilo - was haben wir falsch gemacht, was haben wir vergessen?" Und dann wurde noch dies und das eingepackt, was dann gar nicht benötigt wurde. Die Rucksäcke wurde schwerer und das Wandern hat dann vielleicht nicht mehr so viel Spaß gemacht...

Es ist ja nun einmal so, dass dem geschriebenen Wort seltsamerweise viel mehr Bedeutung beigemessen wird als der mündlichen Rede. Und ein Rucksack mit 31 Kilo in Finnland ruft bei dem Einen oder Anderen vielleicht ein falsches Bild hervor. Man kann mit soviel Gepäck wandern, wenn man es will und wenn es einem gefällt, aber es muss nicht so sein... Ich persönlich kenne niemanden, der mit so einem schweren Rucksack mehr als 2 - 3 Tage unterwegs sein könnte, meine Wenigkeit eingeschlossen.

Ich wollte nur vermeiden, dass irgend jemand auf die Idee kommt, dass es so sein muss...

Nix für ungut.

Happy Trails

Zero

Inarijoen Peter
30.09.2009, 22:01
Schöner Bericht wie immer. Habe ja einen Teil Deiner Tour im UKK ca. 1 Woche vor Dir gemacht. Das schlechte Wetter hat mich dann aber veranlasst die Tour etwas früher zu beenden und war dann dafür noch am Lemmenjoki.

hc-waldmann
01.10.2009, 09:01
@peter:

Der Lemmenjoki ist meine Alternative, wenn es nächstes Jahr mit Grönland nix werden sollte. In der tat wollte ich ja dieses jahr ja zuerst die Kombination Hammastunturi (ab Kultala) schräg rüber in den Lemmenjoki laufen, und hatte schon Karten, Routen und Waypoints etc. War dann aber, nach Aussage der dortigen Kontakte, zu nass (in der Hammastunturi), und das Hin- und Wegkommen zu den Trailheads ist ohne Auto ab Mitte September eher schwierig im Vergleich zum UKK. Wenn du da Erfahrungen hast: ich bin für alle Info dankbar.

@zero:

Überzeugt mich völlig. Hat aber auch was dem "die waren zu zweit" zu tun, denn es wird wohl nicht jeder EINZELN ein Zelt, einen Kocher, ein Trangia-Set, ein Medizintasche, etc. getragen haben oder? Allein ist immer anders, zumal in Grönland.

Ich habe deinen Beitrag absolut nicht als Kritik verstanden ("nix für ungut"), ich denke ständig darüber nach, ob ich mir zu viel antue. Deshalb ja auch die etwas andere Ausrüstungskritik diesmal. Das einzige Ergebnis dieser Überlegung ist der Rekurs auf die Grundfrage: muss ich allein gehen. Wenn ja, wird der Rs eben schwerer. Für Grönland (Ilulissat Hinterland) bin ich da auch schwer am Zweifeln, ob ich das alleine angehen sollte. Und dann wird der Rs gewisslich leichter ...

Hans-Christian

ulfs
01.10.2009, 12:26
Überzeugt mich völlig. Hat aber auch was dem "die waren zu zweit" zu tun, denn es wird wohl nicht jeder EINZELN ein Zelt, einen Kocher, ein Trangia-Set, ein Medizintasche, etc. getragen haben oder? Allein ist immer anders, zumal in Grönland.

Ich habe deinen Beitrag absolut nicht als Kritik verstanden ("nix für ungut"), ich denke ständig darüber nach, ob ich mir zu viel antue. Deshalb ja auch die etwas andere Ausrüstungskritik diesmal. Das einzige Ergebnis dieser Überlegung ist der Rekurs auf die Grundfrage: muss ich allein gehen. Wenn ja, wird der Rs eben schwerer. Für Grönland (Ilulissat Hinterland) bin ich da auch schwer am Zweifeln, ob ich das alleine angehen sollte. Und dann wird der Rs gewisslich leichter ...

Hans-Christian

Finde es sehr sympathisch, dass in diesem Thread so undogmatisch über Gewicht geredet wird. Deswegen hänge ich auch noch mal einen kurzen Senf dahinter.
Ich stimme vollkommen zu, dass jeder schleppen muss worauf er Lust hat und maße mir auch nicht an den Gesundheitspolizisten bei anderen zu spielen. Dann müsste ich auch jedem Raucher die Zigarette aus der Hand schlagen ;-)
Nur was ich nicht ganz so stehen lassen will, ist das Hans-Christians hohes Gewicht allein der Tatsache geschuldet ist, das er solo geht. Sicherlich kann man mit mehreren Personen sicher noch mehr Gewicht verteilen, also sparen, aber Dinge wie ein Beil oder einen kompletten Trangia allein mitzuschleppen ist nicht sicherheitsrelevant. Will nicht sagen, dass ich es nicht verstehe, aber es es ist reiner Luxus. Jeder muss dann selber entscheiden ob er Luxus auf dem Rücken oder im Camp will. Sicherheitsrelevante Ausrüstung, die man aufteilen könnte, sind für mich allein Medizin, Zelt, usw. Natürlich ist ein Trangia eine sehr solide, und damit sichere Sache, aber es hat auch noch keinen umgebracht wenn es mit defektem MYOG-Kocher mal überm Feuer kochen musste. Außerdem kann man Tütennahrung auch kalt essen, was grausam schmeckt aber keinem schadet. Sicherheit fängt also da an wo wirklich bleibende Schäden entstehen können. Ich behaupte du könntest mindestens 5-10Kg einsparen ohne große Investitionen und ohne Sicherheitssverlust. (Obiges gilt alles natürlich nicht für Wintertouren).
Liebe Grüße
Ulf

Ari
01.10.2009, 12:30
Sehr schöner Bericht mit guten Fotos, danke dafür.

Was das Rucksackgewicht angeht, so habe ich auch den Eindruck, das es stark von der eigenen Konstitution (bzw. dem Eigengewicht ;-)) abhängt was man als zumutbar empfindet.

Ich war auch schon 5 Wochen mit 30kg unterwegs und dieses Jahr mit ~ 28kg (ersteres weil meine Ausrüstung damals noch ziemlich schwer war, letzeres weil ich das Futter für meine Kinder mit tragen mußte :D) und hab das als nicht sehr problematisch empfunden - erstrebenswert ist natürlich was anderes.
Damals wog ich ballastfreie 90kg, heute - schweigen wir lieber ;-).

Umgeknickt bin ich mit schweren Gepäck noch nie, im Gegenteil. Als ich mir diesen Sommer auf Tour meinen Finger ausgekugelt habe, war das beim "schnell mal ein Foto vom Lager machen".

hc-waldmann
01.10.2009, 13:31
Sicherheitsrelevante Ausrüstung, die man aufteilen könnte, sind für mich allein Medizin, Zelt, usw. Natürlich ist ein Trangia eine sehr solide, und damit sichere Sache, aber es hat auch noch keinen umgebracht wenn es mit defektem MYOG-Kocher mal überm Feuer kochen musste. Außerdem kann man Tütennahrung auch kalt essen, was grausam schmeckt aber keinem schadet. Sicherheit fängt also da an wo wirklich bleibende Schäden entstehen können. Ich behaupte du könntest mindestens 5-10Kg einsparen ohne große Investitionen und ohne Sicherheitssverlust. (Obiges gilt alles natürlich nicht für Wintertouren).
Liebe Grüße
Ulf


@Ulf: sehe ich ein. Das Verhältnis von Komfort und Sicherheit ist bei einigen Dingen sicher optimierbar, und, wie ich schon inder Ausrüstungskritik geschrieben habe, sind zwei volle Brennstofflaschen wohl wirklich zu viel.

Ich werde nachdenken. Ist ja noch reichlich Zeit bis zum nächsten mal :(

Hans-Christian

Lightfoot
02.10.2009, 08:15
Erstmal: ein sehr schöner Bericht, informativ, witzig und ehrlich, schöne Fotos, habe ich sehr gerne gelesen. Die Gegend ist scheinbar nichts für mich, zu waldig, trotzdem schön.

Zur Gewichtsdebatte: jeder wie er mag und kann. Ich könnte mit 20, 25 oder mehr kg keine Tour machen, aber wenn man die körperliche und geistige Stärke mitbringt, warum nicht.
Die Sicherheitsfrage sehe ich ein bißchen zwiespältig. Was mich erschreckt hat, ist der Teil des Berichts, wo Du lapidar schreibst, Du wärest mehrfach hingefallen. Falls das hohe Rucksackgewicht dabei eine Rolle gespielt hat (was ich nicht beurteilen kann), verkehren sich alle Sicherheitsüberlegungen bezüglich Ausrüstung ins Gegenteil, denn Hinfallen mit Gepäck ist für mich mit das Gefährlichste, was passieren kann.

BigKahuna
02.10.2009, 12:41
...denn Hinfallen mit Gepäck ist für mich mit das Gefährlichste, was passieren kann.Wirklich? :o

Ich finde es etwas überzogen, wegen ein paar Kilo mehr gleich so zu tun, als ginge es um Leben oder Tod. Es gab Zeiten, da hatte man gar keine Wahl, denn die ganze schöne bunte Plastikausrüstung gab es noch gar nicht. Trotzdem hatten die Leute Spaß - auch mit einem 40kg-Rucksack.


Ach ja, schöner Bericht! Durch schweres Gelände zu keulen, macht eine Tour doch erst interessant ;-)

peter-hoehle
02.10.2009, 15:18
@Waldmann

für die Bilder 5sterne

für den Text 5sterne

Eben ein erstklassiger Reisebericht.Danke sagt

Peter;-)

Lightfoot
04.10.2009, 11:29
Wirklich? :o

Ich finde es etwas überzogen, wegen ein paar Kilo mehr gleich so zu tun, als ginge es um Leben oder Tod. Es gab Zeiten, da hatte man gar keine Wahl, denn die ganze schöne bunte Plastikausrüstung gab es noch gar nicht. Trotzdem hatten die Leute Spaß - auch mit einem 40kg-Rucksack.


Ach ja, schöner Bericht! Durch schweres Gelände zu keulen, macht eine Tour doch erst interessant ;-)

Na ja, wenn man hinfällt, kann es zwar auch mal um Leben und Tod gehen, ich denke aber eher an Prellungen, Verstauchungen und Brüche, die einem die Tour verleiden können. Natürlich geht es meist gut, wie hier bei waldmann. Gab aber auch andere Beispiele.

Und wenn man keine Wahl hat, dann hat man eben keine Wahl, wenn man aber eine hat, dann hat man eine. ;-)

hc-waldmann
06.10.2009, 12:28
Na ja, wenn man hinfällt, kann es zwar auch mal um Leben und Tod gehen, ich denke aber eher an Prellungen, Verstauchungen und Brüche, die einem die Tour verleiden können. Natürlich geht es meist gut, wie hier bei waldmann. Gab aber auch andere Beispiele.

Und wenn man keine Wahl hat, dann hat man eben keine Wahl, wenn man aber eine hat, dann hat man eine. ;-)


Schon wahr, bin ja selbst so ein "anders Beispiel" (Grönland 2004). Aber wenn ich auf meinen Orthopäden hörte ("mit Ihren 115 kg Nackt-Gewicht knicken Sie sowieso ein, Sie sind verrückt"), dürfte ich solche Touren gar nicht machen, auch mit weniger Gewicht nicht. Wir hatten so einige threads in diesem Forum, dass man solo mit höherem Bedacht geht, konservativer entscheidet und langsamer geht.

Ich habe das nach den Antworten in diesem thread (der ja eigentlich ein Reisebericht ist) nochmal sehr genau durchgesehen, und denke, dass ich unter 25 kg nicht gekommen wäre (wobei wir über Vollverpflegung für geplante 10 Feldtage reden). Ich erinnere auch, dass die Finnen, die ich getroffen habe, und die nicht a priori auf eine reine Hüttentour aus waren (kein zelt, dünneste Schlafsäckchen) auch alle sehr voluminöse Rucksäcke hatte (auch zu zweit oder zu mehreren, allerdings glaubt ihr nicht, was die zu Essen mitgetragen hatten, vom Bierchen mal ganz abgesehen). DAS ist wohl ein typischer Fall von "Man hat die Wahl" was wichtig ist :-)

Leute, schauen wir uns die neuen Reiseberichte an, die Diskussion um das Rucksackgewicht ist wohl doch zu individuell für die endgültige Klärung.

Hans-Christian

marcus
08.10.2009, 23:48
Schöner Bericht wie immer. Habe ja einen Teil Deiner Tour im UKK ca. 1 Woche vor Dir gemacht. Das schlechte Wetter hat mich dann aber veranlasst die Tour etwas früher zu beenden und war dann dafür noch am Lemmenjoki.


dann waren wir ne gute woche vor dir da und hatten pech mit dem wetter.
peter haben wir noch im hotel getroffen am ersten abend.
und dann is er vor uns her gelaufen :bg:



@ peter

moin peter,

wir hatten dich an der tuiskukuru hütte anscheinend um ca 12h verpaßt :motz:;-)

aber das wetter war echt net so prickelnd. wo bist du denn anschließend noch gewesen???

grüße, marcus

Sapmi
23.10.2009, 15:57
So, jetzt hab ich mir den Bericht auch endlich mal durchgelesen.
Sehr schön geschrieben, vielen Dank. Eine kleine Ecke von der Gegend kenne ich auch von letztem Jahr.

Etwas verwundert haben mich nicht nur die 30 kg, sondern auch die Aussage "Gut, dass ich keine Stöcke dabei habe" im Zusammenhang mit einer Watstelle. Ist das ein Tippfehler, oder Ironie, oder doch so gemeint, wie es dasteht? http://www.cosgan.net/images/smilie/konfus/a015.gif

Inarijoen Peter
24.10.2009, 01:20
@ peter

moin peter,
wir hatten dich an der tuiskukuru hütte anscheinend um ca 12h verpaßt :motz:;-)
aber das wetter war echt net so prickelnd. wo bist du denn anschließend noch gewesen???
grüße, marcus
Man hätte ja fast ein Forumstreffen im UKK machen können, da doch einige zur fast selben Zeit dort unterwegs waren. :bg:

Eine Zusammenfassung von meinem Lapplandaufenthalt (nicht nur UKK) gibt es hier (http://www.tenhola.net/Lapp09.html).

hc-waldmann
25.10.2009, 12:53
Man hätte ja fast ein Forumstreffen im UKK machen können, da doch einige zur fast selben Zeit dort unterwegs waren. :bg:

Eine Zusammenfassung von meinem Lapplandaufenthalt (nicht nur UKK) gibt es hier (http://www.tenhola.net/Lapp09.htm).

Peter, das ist zum Schreien: wir haben Kiilopää-Tuiskukuru teilweise EXAKT die gleichen Bilder gemacht (z.B. bei dir Bild 16 von 45 ff: Die beiden Tannen an der Aitaoja Brücke). Danke für den Abschnitt Lemmenjoki, der steht auch auf meinem Programm. Kannst du mir ein paar Anhaltspunkte geben, wo du lang gegangen bist, ich wollte die klassische Route immer am Fluss entlang vermeiden.

Kiitos
Hans-Christian