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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [FR] Motorradtour Südfrankreich



Torres
24.09.2009, 15:18
Reise nach Südfrankreich, September 2009

Fortbewegungsmittel: Motorrad
Zelt: Mountain Equipment Dragonfly 3 XT
Wetter: Regen, Nebel, Sonne, Hitze, Sturm
Länge der Fahrstrecke: ca. 5000 km

Mi 2. September:
9.00 Uhr Packen und Installation des neuen Navis Garmin 60Cx am Motorrad (Wunderlich Halterung). Erste Station soll Wuppertal werden. 16.00 Uhr fertig mit Packen, Wuppertal in weiter Ferne. Soll ich losfahren und bei Hannover einen Campingplatz suchen? Ich entscheide mich, nach Norden (!) nach Nordstrand zu fahren und die Ausrüstung auszuprobieren. 126 km in die falsche Richtung, aber egal. Lerne das Navi kennen, das Zelt ist sturmfest, vergessen habe ich auch nichts, alles findet seinen Platz, die Nachbar im Zelt sabbeln die halbe Nacht, aber ich schlafe trotzdem gut.

Do, 3. September
Fahrt über Wischhafen Richtung Wuppertal. Tierischer Seitenwind, überlege, ob ich nicht doch besser das Auto genommen hätte. Nach 9 Stunden Ankunft bei Freunden, Zelt wird im Keller getrocknet, dann französische Küche und echte Zeltegespräche. Gestehe, dass ich 20 Packungen Kartoffelpürre und Fertigsuppen mithabe. Die französischstämmige Gastgeberin ist entsetzt: "Du fährrst in die Land des Esens....!

Fr, 4. September
Nach Aachen zu Touratech West, da gestörte Beziehung zu Touratech Nord und meine Wunderlich Halterung wackelt. Netter Berater. Stelle fest, dass ich für meine Halterung eine Hülse brauche, also Fahrt zum Schraubenhändler. Es regnet in Strömen, alle schauen mich mitleidig an. Befestige Halterung neu und ersetze meine Sonnenbrille (Bügel abgebrochen). Fühle mich für den Urlaub gerüstet. Man empfiehlt mir einen Campingplatz in Aachen, aber ich will Strecke machen. Lande bei Nieselregen in Belgien, Haute Fanges = Hohe Venn. Beeindruckende Landschaft, die Autos fahren wie die Schweine. Mein Navi findet Campingplatz La Plage in Robertville, Holländer an der Rezeption. Erkunde die Umgebung, ohne Regen sicherlich schön, großer See. Gute Wandermöglichkeiten, unten am Platz sammeln sich Fahrradrennfahrer und Motorradfahrer fürs Wochenende. Nettes Gespräch mit einem Holländer über Navis. Öffne die erste Packung Kartoffelpürre, dazu gibt es Tomatensuppe.

Sa, 5.September
Der Regen wird weniger, ab und zu kommt die Sonne raus. Erkunde Luxemburg und finde wunderschöne Straßen. Zelttrocknen auf einem Parkplatz in der Sonne, kann Sonne schön sein! Fahre durch Clervaux, steige aber nicht ab, obwohl ich gerne fotografieren würde. Nachmittags stelle ich fest, dass ich Südfrankreich nie erreiche, wenn ich so weiterfahre. Stelle also kürzeste Strecke beim Navi ein und gurke auf Nebenstraße immer weiter. Suche eine Tankstelle, finde aber immer nur eine mit Bankkarte. Den Aldi markt ignoriere ich auch, mein Gott, ich denke, ich bin in Frankreich! In einer Ortschaft fahre ich 30 und halte den Verkehr auf, weil ich nach Tankstellen gucke, am Straßenrand steht die Polizei und lasert und eine Polizistin schaut mich genervt an, nach dem Motto: Was ist denn das für ein Volltrottel. Finde durch Zufall eine offene Tankstelle in der Nähe von Corny-sur-Moselle. Das bessert meine Laune und ich sehe, dass dort ein Campingplatz ist. Der Stellplatz kostet 6,00 €, für eine Tüte Mirabellen zahle ich 0,50 c. Der Platz ist nicht so prickelnd, wo es gemütlich ist, ist es zu nah am Wasser, d.h. das Zelt wird klitschnaß von Kondens. Stelle mich auf eine Freifläche mit Blick auf entfernt liegendes Hochhaus (sozialer Wohnungsbau?) zu den Wohnmobilen. Schlafe wie ein Stein.

So, 6. September
Alles in Nebel, hätte also auch an der Mosel stehen können. Die Wohnmobilisten aus NL neben mir packen ihr Rennrad aus, wir fachsimpeln über Fahrräder und sie kochen mir einen Tee und versorgen mich mit Vollkornbrot. Im Ort dann eine offene Boulangerie, ich kaufe Apfeltörtchen und Vollkornbaguette (Pain complet). Dann fahre ich auf die Autobahn, die Autobahnmaut ist mir Schnurz. Ich will voran kommen. Auf einer Autobahnraststätte treffe ich einen Iren, der nach Grenoble will. Ich spreche ihn an, denn Iren fahren selten Motorrad, weil die Versicherung so teuer ist. Nach einer halben Stunde weiß ich alles über seinen Job, die Auswirkungen der Finanzkrise, seine Familie und die Hypothenbelastung seines Hauses sowie wo es steht. Er empfielt mir ein Buch übers Motorradfahrer, er ist Ausbilder für Motorradfahrer.

Abends komme ich durch Vienne und finde den Ort sehr ansprechend. Entschließe mich, den nächsten Campingplatz aufzusuchen. Der ist in Condrieu an der Rhone.


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Der Platz selbst ist nicht so dolle, aber es ist warm und der Blick auf die Weinberge ist schön.


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Das erste Mal kommt Urlaubsstimmung auf und ich gönne mir eine halbe Flasche Rotwein.


Mo, 7. September
Keine Lust, Motorrad zu fahren.


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Beschließe, die Bahn zu nehmen. Eine Französin komabodschanischer Abstammung hilft mir beim Ticketkauf (5,40 € hin und zurück) und wir quatschen eine Stunde lang (auf Englisch), weil der Zug nicht kommt. Es ist sehr heiß und ich laufe durch Vienne.


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Später setze ich mich in einen Park, kaufe etwas Gemüse und dann geht es problemlos zurück mit der Bahn zum Campingplatz.

Di, 8. September
Fahre zuerst in die falsche Richtung und komme wieder in Vienne raus, weil ich das Navi nicht anhatte. Versuche es dann mit kleinen Straßen, aber das dauert einfach zu lange. Fahre wieder auf die Autobahn. Knalle mir auf einer Raststätte bei McDonals 1000 Kalorien rein und stelle fest, noch nie soviele übergewichtige Franzosen gesehen zu haben, wie hier. Das gibt mir zu denken! Treffe einen Kölner mit Kennzeichen K-FC, Bundeligastand weiß er aber nicht. Grimmige Motorradfahrer im harten Piratenlook aus FR grüßen begeistert als sie mein Gepäck sehen und hupen, als sie mich überholen. Entscheide mich in die Camarque zu fahren, nach Le Grau du Roi (Tipp eines NL). Das Navi zeigt zwei Campingplätze, der erste ist mir zu Schicki Micki, suche den zweiten, L´Espiguette auf. Sicherheitsschleuse, Wachmann, Pass wird einkassiert. 14,50 €. Naja. Suche einen Platz, das Ding ist riesig, sehe viele Deutsche. Finde einen in der Mitte, nette Nachbarn, Sonnenschutzs fürs Zelt, lasse mich nieder, fachsimpel mit Franzosen über Motorräder, obwohl ich kein Französisch kann. Ein Schweizer zeigt mir die Wege zum Strand und zum Supermarkt.

Mi, 9. September
Eine Ameisenstraße läuft durchs Zelt. Ich kaufe frisches Pain complet und die letzte (!) Badehose in in meiner Größe, der Verkäufer entschuldigt sich, und ich ignoriere die Ameisen. Gehe den beschriebenen Weg zum Port und zum Beach und sehe dies:

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Am Strand stehen die Angler, es ist noch früh. Lege mich in die Sonne und lese. Die ersten Franzosen kommen, alle mir lustigen Sonnenstühlen und Schirm. Das Wasser ist warm, der Sand sehr fein, die Sonne strahlt, am Horizont schaukeln Jachten und Segelboote, der Strand scheint unendlich - ich bin rundum glücklich.


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Nachts schlafe ich schlecht, weil ich einen Sonnenbrand an der Hüfte habe. Die Synmat kommt mir plötzlich wie ein Nadelkissen vor.

Do, 10. September
Morgens beschneidet der Gärtner meinen Sonnenschutz, ich verteidige die abgestorbenen dickeren Äste und er lässt noch was dran. Wieder an den Beach, vorsichtiger mit Sonne. Schreibe Kindheitserinnerungen auf. Leichte Brise, wenig Menschen, St. Peter-Ording von seiner schönsten Sorte. Abends erhitze ich Scampis und Froschschenkel (cuisse de grenouille) auf dem Trangia. Spontane Weinfete mit den Nachbarn. Sonnenbrand ist schlimmer geworden.

Fr. 11.September
Am Morgen etwas zerstochen von den Moskitos am Abend. Fühle innere Unruhe. Überlege, ob ich wirklich die restlichen Tage mit beachen verbringen will oder noch etwas sehen will. Bei Frühstücken krabbeln Ameisen auf meinen Sonnenbrand. Es reicht. Springe auf und packe, zur Enttäuschung meiner Nachbarn. Will nach Menton, Lina hatte mir einen schönen Campingplatz dort empfohlen. Fahre Richtung St.Marie de la Mer und kaufe an der Straße roten Reis aus der Camarque. Nehme die falsche Abzweigung, habe keine Lust zu korrigieren und fahre idyllisch nach St. Gilles. Programmiere Frejus ein, um die Küstenroute zu fahren. Viel Betrieb, es ist Freitag. Hinter Agay lächelt mich in Antheór ein Campingplatz an, ich ringe mit mir, aber fahre bis Cannes und dann auf der Autobahn. Komme total erschöpft in Menton an, Berufsverkehr, italienische Roller, die rücksichtslos und völlig schmerzfrei überholen, die Grenznähe zu Italien ist spürbar. Es ist heiß, ich fahre zur Touristen Info, um den Campingplatz zu finden. Sie schicken mit zu St.Michel auf dem Plateu, mein Gehirn streikt, als ich die kurvenreiche Straße auf dem Plan sehe. Aber ich brauche eine Pause, also quäle ich mich die Straße hoch. Direkt am Anfang kommen mir Autos entgegen, es ist kaum Platz für Autos und Motorrad, ich schiebe mein Motorrad mit schleifender Kupplung und Fußunterstützung um die steilen Serpentinen. Oben ein Campingplatz mit Festivalathmosphäre, fast nur Zelte, weil große Wohmobile und Autos mit Wohwagen die Zufahrtsstraße nicht hochfahren können, es riecht nach Pizza und ich bekomme einen Platz mit Asphaltparkplatz fürs Motorrad.


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Supermarkt gibt es nicht, also gibt es Kartoffelpüree, ein Brite auf dem Fahrrad klagt über sein Vango Storm - tagsüber zu heiß, morgens friert er -, es zeigen sich Gewitterwölkchen, aber der Blick ins Tal ist wunderschön.


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Der Platz kommt nicht zur Ruhe, viele Italiener da, ich denke an die Kurven und schlafe unruhig.

Samstag, 12.September
Mach noch ein paar Fotos,


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aber die Entscheidung steht fest: Ich fahre zurück zu dem Campingplatz, den ich an der Küstenroute gesehen habe. Nehme die Küstenroute, fahre durch das kühle, hanseatische Monaco, durch Nizza und kürze erst bei Antibes ab. Fahre durch Cannes und finde den Campingplatz in Antheór wieder. Es ist kurz vor eins, ich checke ein und bekomme den vorletzten Platz, ich bezahle 18,00 € für den Zeltplatz. Der Platz ist schattig, nebenan sind französische Zelter, mit denen ich mit Händen und Füße redend ins Gespräch komme. Mittags gehe ich sofort an den Beach, der hinter Viadukt und Küstenstraße liegt. Der Strand ist etwas gröber, an der Wasserlinie liegen Kieselsteine, es tut etwas weh, ins Wasser zu gehen, aber das Wasser ist herrlich. Ich bin wieder glücklich und schlafe wunderbar.

Aquilaheliaca
24.09.2009, 16:37
Etwas anderer, aber cooler Beitrag :D Geht's noch weiter? Ich hoffe doch. Mit schleifender Kupplung und Fußunterstützung durch die Serpentinen? :o Hab ich ja noch nie erlebt...dat müssen ja ordentliche Kehren gewesen sein... Ach ja, und mit was für ner Mühle warste unterwegs?

Torres
24.09.2009, 16:58
So, 13. September
Morgens geht es an den Beach,


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auf der Küstenroute sind hunderte von Fahrradfahrern, Motorradfahrern und Touristen in Autos und Reisebussen unterwegs. Fast wie in Hamburg am Oortkatener See. Fühle mich heimisch. Eine ältere Französin bemitleidet meinen Junggesellenstatus und dokumentiert im Wasser offen Ihre Liebe zu Ihrem Ehemann, sie hat Parkinson im Anfangsstadium, aber seine Zuneigung wirkt aufgesetzt, ich vermute, dass sie Geld hat und er ihr Gigolo ist. Über das Vidadukt fährt auch der TGV, den muss ich unbedingt fotografieren.


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Mittags döse ich im Zelt, die Franzosen kochen und ich kaufe im kleinen Supermarkt am Platz Gemüse, Ziegenkäse, Baguette, Rotwein und Flanby (!).


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Beglückwünsche mich, dass ich die Outwell Picknickdecke mitgenommen habe, denn der Boden ist voller spitzer Steinchen. Es hat eindeutig Vorteile, einen Packesel dabei zu haben.
Koche den Camarquereis zum Gemüse und halte ein Schläfchen. Abends kommt ein deutscher Motorradfahrer an, wir fachsimpeln ein wenig. Fünf Deutsche um die zwanzig sind auf dem Fahrrad unterwegs und radeln die Küste von Genua nach Montpellier ab. Wir unterhalten uns nett und ich bewundere deren Kondition.
Abends schaue ich lange auf den Strand, bis es zu kühl wird. Meine französischen Nachbarn hören Radio im Zelt und unterhalten sich lange, aber ich schlafe dennoch ein.

Mo, 14. September
Morgens gehe ich zum Strand, um die Morgenstimmung zu genießen.


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Dann wird erst einmal gefrühstückt und dann geht es an den Strand. Das Wasser ist herrlich. Lese und unterhalte mich mit dem Motorradfahrer. Mittags gibt es Rührei mit Kartoffenpürree, den restlichen Reis muss ich wegwerfern, den haben Ameisen erobert. Im Gegensatz zur Camargue halten die sich sonst aber dezent im Hintergrund. Ein Motorradfahrer aus Wales, der mit einem Billigzelt unterwegs ist, erzählt, dass ihm in Italien vorm Supermarkt das Vango-Zelt vom Motorrad geklaut wurde. Einen Tag später haben Sie ihm beim Tanken die Schuhe geklaut, die auf den Koffer gespannt waren und als er Kaffee trinken war, wollten sie sein Navi abbauen. Aber andere Gäste haben ihn gewarnt. Er will über die Berge nach Hause, von Italien hat er die Schnauze voll.
Am Rande der Berge zeigen sich dunkle Wolken, aber es bleibt trocken. Aber an der Küste ist Sturm, ich fotografiere die Wellen und fühle mich wie an der Nordsee. Abends quatsche ich lang mit meinem neuen Kumpel, die Franzosen von nebenan stellen uns eine Kerze hin, damit wir nicht so im dunkeln sitzen müssen.


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Di, 15. September
Die Welt geht unter. In der Nacht hat es gestürmt und am Morgen fängt es an zu gießen. Mein neuer Kumpel und ich treffen uns beim Bäcker und entschließen uns, unter dem Vordach auf der Veranda eines höher gelegenen Mobilhomes zu frühstücken, von der aus man den ganzen Platz überblicken kann. Bald kommt der Wind von der Seite und wir ziehen die Regenklamotten an, bleiben aber sitzen. Zwei Ehepaare aus England, das eine Paar ist zum Tauchen gekommen, kommen gemeinsam vom Einkaufen und bleiben fast 15 Minuten im Auto sitzen. Wir lachen uns darüber kaputt, winken ihnen zu und der Taucher stürzt dann mit nacktem Oberkörper todesmutig zum Wohnwagen. Wir ziehen ihn später damit auf und singen: "Always look on the bright side of life, dudud dudududududu". In einer kleinen Regenpause stellt mein Kumpel fest, dass er nicht mehr ins Zelt kommt, weil er im Schlamm steht und zieht mit dem Zelt um. Meine Nachbarn trifft es ebenfalls, die Apsis ihres Quechua Familienzeltes läuft voll, ich kann nichts machen. Mein Zelt steht dagegen an der Mauer, wo es trockener ist. Ich verziehe mich ins Zelt und lese. Der Regenschutz am Eingang meines (britischen) Dragonflys erweist sich als tierisch praktisch und kann beim Lesen rausschauen und gucken, wer sich durch den Regen traut:


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Mittags kommen die französischen Nachbarn wieder und versuchen mit Hilfe eines britischen Schlauchbootes die Apsis abzudichten. Sinnlos. Später helfen zwei Holländer, zwei Briten (in Gummistiefeln!) und ich beim Umzug des Zeltes. Ein französisches Ehepaare im Wohnmobil direkt daneben steht am Vorhang und schaut zu, was meine französische Nachbarin fassungslos macht. Alle anderen helfen, nur die Franzosen nicht. In einer Regenpause schmeiße ich den Trockner an und die nette Französin stellt die Waschmaschine an. Wir machen Quatsch, diskutieren über das Wetter, sie hat den genauen Wetterbericht, morgen mittag hört der Regen auf, zeigt sie uns, sie hat speziellen Zugriff zur Wettervorhersage, das Ehepaar ist bei der Polizei. Ich wünsche den beiden eine gute Nacht im neuen Haus. Nachts stürmt und regnet es weiter.


Mi, 16. September
Es regnet immer noch etwas, aber meine französischen Ex-Nachbarn hatten eine trockene Nacht. Ich frühstücke und überlege, ob ich fahren soll, denn ich will Sonntag wieder in Deutschland sein. Gegen 11.00 Uhr wird der Regen weniger, ich fange an zu packen, mein Kumpel ist etwas enttäuscht, lässt sich aber nichts anmerken. Noch etwas small-talk mit den Engländern, gegen 12.00 Uhr fahre ich los. Fahre routiniert die Kurvenstraße, endlich sind die Maschine und ich eingefahren, ich merke, dass ich fast fünf Jahre nicht gefahren bin, endlich bekomme ich wieder mein altes Fahrgefühl. Das Navi lenkt mich über St.Raphael in Richtung Route Napoleon über Grenoble, doch schon im Tal sieht man, dass eine Dunstglocke über den Bergen hängt. Entscheide mich, die Hinroute zu nehmen, denn in den Bergen kann um diese Jahreszeit der Nebel schon gefrieren. Fahre an Burgen vorbei die Straße nach Cavaillon und dann auf die Autobahn. Dann regnet es wieder in Strömen. Vor Valence wird es trockener, ich suche per Navi einen Campingplatz und finde La Merle Roux bei Loriol in der Ardèche. Der Platz ist sehr abgelegen, fast ist mir das unheimlich, die Straßen sind menschenleer, es fängt wieder zu regnen an. Der Campingplatz ist Wohnmobillastig, aber hat ein gutes Flair. Die Betreiber sind Niederländer und als sie mich und das Motorrad sehen, stecken sie mir für 10.00 € in eine ungeheizte Holzhütte ohne Licht mit zwei Betten, damit ich trocknen kann.


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Drumherum sind bewaldete Hügel, es ist absolute Stille, ein Traum. Ich brate vor der Tür unter einem Partyzelt tiefgefrorene Chicken McNuggets, die in Frankreich sogar die Konsistenz von Hühnerfleisch haben, da ich mehrere Tage Fleischentzug hinter mir habe.


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Danach gehe ich sofort zu Bett und schlafe wie ein Toter.

Do, 17. September
Morgens scheint die Sonne, ich bedanke mich und fahre durch eine traumhafte Landschaft, die nach Lavendel duftet, Richtung Autobahn. Kaufe Maronencreme an der Tankstelle und schwöre mir, dass ich hier wieder her komme. Fahre Richtung Besancon, da auf der Strecke mehr Campingplätze sind und um auf der Rue Nationale nach Mulhouse noch etwas Landschaft zu sehen. Bin hundemüde, mein Navi spuckt einen Platz in Arbois aus. Dieser grenzt an einen Sportplatz und der Empfang sieht aus wie eine Raststätte. Die Rezeption hat geschlossen und öffnet erst 18.00 Uhr. Ich bin kurz davor, einen anderen Platz zu suchen, aber Deutsche im VW Bus empfehlen mir, einfach einen Platz zu suchen und knallen -entgegen der Einbahnstraße - die Auffahrt hoch. Ich suche einen Stellplatz, wo ich das Motorrad aufbocken kann, kurz darauf kommt ein VW Bus und der Fahrer lädt ein Motorrad aus. Es stellt sich heraus, dass er BMW Mechaniker aus Belgien ist. Das Paar lädt mich zum Sekt ein, kurz darauf leiht sich ein Franzose meinen Korkenzieher und schenkt mir Wein mit Schnaps ein. Die Frau an der Rezeption ist freundlich und als der Stellplatz nur 5,70 € für die Nacht kostet, bin ich vollstens versöhnt.


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Um 21.00 Uhr trainiert unten auf dem Platz noch eine Fußballmannschaft, dann ist Platzruhe und ich schlafe gut.

Fr., 18. September
Während mein Zelt in der Sonne trocknet, mache ich ein Foto von der Kirche hinter der Rezeption.


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Als ich durch Arbois fahre, ist Wochenmarkt und ich bereue, nicht noch einen Tag bleiben zu können. Die RN ist fast leer, die Landschaft wunderschön. Sehe einen Raubvogel, der langsamer wird, bis er auf der Stelle steht, aber plötzlich fliegt er nach oben und dreht sich um die Achse, da ist es ein Kampfjet. Entscheide mich, über Nancy, Metz zurückzufahren, da ich deutsche Autobahnen nicht mehr verkrafte und noch Nähe Kaiserlautern will. Sehe auf der rechten Seite die Vogesen schimmern und erinnere mich an unzählige Motorradtouren und Col de la Schlucht.


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Es kribbelt, aber ich muss tapfer sein. Esse Pommes an der Raststätte, die tatsächlich nach Kartoffeln schmecken und mache Fotos von meiner Schönen.


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Stelle fest, dass die Dichtung am Öleinfüllverschluss undicht ist, das Motorrad verliert Öl. Versuche, die Dichtung mit Saubermachen zu retten, aber es hilft nichts. Ab Metz fahre ich 90, damit das Öl nicht so spritzt und wische mit den Handschuhen die Spur vom Zylinder, damit nichts auf die Reifen kommt. Vor Saarbrücken der erste Stau auf der ganzen Fahrt und ich stelle fest, dass Franzosen auch nicht einfädeln können. Um 17.15 erreiche ich die BMW Niederlassung in Saarbrücken, bekomme einen neuen Dichtring, aber jetzt passt der Verschluss nicht mehr, er ist nicht Original. Die Verkäufer sind super freundlich, man feilt am neuen Dichtring rum und schließlich bekomme ich kostenfrei einen Originalverschluss. Überlege zu meinen Eltern zu fahren, sind nur 5 Minuten, habe aber Angst, dass sie sich Sorgen machen, weil ich mit dem Motorrad unterwegs bin. Unbegründet, wie sich hinter herausstellte, Mist, hätte ich mal angerufen oder wäre einfach hingefahren. So fahre ich zu Freunden nach Kaiserslautern.


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Sa, 19.09.2009
Bleibe bei den Freunden und erhole mich. Reagiere aggressiv auf den Fernseher, nach drei Wochen Abstinenz regt der mich nur auf. Der Tag plätschert vor sich hin.

So, 20.09.2009
Fahre früh los, die Autobahn ist furchtbar voll, ständig zählfließender Verkehr, Staus. Vermisse die französische Tempobeschränkung auf 130, die Franzosen fahren zwar auch schnell, aber gut und rücksichtsvoll, die Deutschen kacheln mit verbohrtem Ehrgeiz. Stau im Elbtunnel wegen eines Unfalls, aber dann ist es geschafft. Lade meine Kleine ab, telefoniere mit meinen Eltern, die fest mit mir gerechnet haben (nächstes Jahr auf jeden Fall!) und meinen: "wenn Du diese Strecke mit dem Motorrad geschafft hast, wirst Du ja den Rest auch noch schaffen", vermülle meine Wohnung mit Zelt und anderen Dingen, die lüften sollen und bette mich zur Ruhe.

Torres

Torres
24.09.2009, 17:22
Etwas anderer, aber cooler Beitrag :D Geht's noch weiter? Ich hoffe doch. Mit schleifender Kupplung und Fußunterstützung durch die Serpentinen? :o Hab ich ja noch nie erlebt...dat müssen ja ordentliche Kehren gewesen sein... Ach ja, und mit was für ner Mühle warste unterwegs?

An meiner Schönen liegst nicht - wenn ich müde und hungrig bin, habe ich auf unbekannten Strecken (vor allem innerorts am Berg, das war wahrscheinlich mal ein Pilgerweg oder sowas) keine Feinmotorik mehr. Hab mich in solchen Situationen schon ein paar Mal flach gelegt und die ca. 279 kg dann inklusive Gepäck hochstemmen, ist schon übel.

Torres

Torres
28.09.2009, 10:53
Nachdem mein Urlaub nun eine Woche her ist und ich mir die frei von der Seele geschriebenen Highlights noch einmal durchgelesen habe, möchte ich meine Motorradtour noch einmal tiefergehend reflektieren.

Am auffälligsten ist sicherlich, dass meine Tour keine reine Motorradkurvenräubertour mehr war. Ich habe mich zum Motorradtrekker oder zum Motorradwanderer entwickelt. Das hat Gründe:

1.) Das ist zunächst veränderten Freizeitbedingungen geschuldet. Vor 15 Jahren war Motorradfahren mein Leben, ich war in Cliquen Gleichgesinnter und die Wochenenden wurden auf Motorradtreffs verbracht. In dieser Zeit wechselte ich von einer technisch anfälligen 17 PS Enduro (Zündanlage, Elektrik, Schrauben) über einen Chopper zu meiner Schönen, einer BMW R 850 R. In 4 Jahren fuhr ich im vor allem im Umland Hamburgs 70.000 km, Kurztouren von 300-400 Kilometer nach Feierabend waren die Norm. In diese Zeit fielen auch Motorradfreizeiten im Schwarzwald, in den Vogesen und in der Schweiz, wo ich das erste Mal mit Serpentinen konfrontiert war und das Kurvenfahren gelernt habe. 11 Stunden Touren waren keine Seltenheit und kein Problem. Die Krönung war eine zweimonatige Solotour durch Großbritannien und Irland, gleichzeitig war das aber auch meine letzte Tour, danach stieg meine Arbeitsbelastung rapide an.

In den letzten Jahren bin ich höchstens noch 1000 km im Jahr gefahren, zumeist Autobahn. Eine Vorbereitung auf meine Südfrankreichtour fand praktisch nicht statt, von zwei Kurztouren über 200 km mal abgesehen. Insofern habe ich lange überlegt, ob ich eine Fahrradtour plane oder das Motorrad nehme und nur die Tatsache, dass die Generalüberholung meines Motorrad viel Geld gekostet hat und mir das Motorrad mehr Flexibilität und einen größeren Radius ermöglicht, hat den Ausschlag gegeben.

2.) Mein zunehmendes Alter führt zu mentalen Veränderungen. Früher bin ich ohne Nachzudenken Ortskundigen hinterher gefahren, mit dem Glauben, es wird schon gut gehen. Mittlerweile ist das Nervenkostum dünner geworden: An jeder uneinsichtigen Kurve kommt die Überlegung: Was ist, wenn dahinter jemand über die Straße geht, ein Auto liegen geblieben ist, der Entgegenkommende die Kurve schneidet, das entgegenkommende Wohnmobil überbreit ist, mein Vordermann abbremst? Man denkt an die Verantwortung für die Familie und die Kollegen und die Lust, die typischen Motorradstrecken, die für ein eingefleischtes Hamburger Kind eine Herausforderung sind, zu fahren, sinkt rapide.
Hinzu kommt die verringerte körperliche und mentale Leistungsfähigkeit. Flankiert von einer hohen Arbeitsbelastung im Job brauchen Körper und Geist größere Auszeiten zur Regeneration, z.B. am Strand. Nach zwei Tagen Fahrt zitterten die (schon einmal operierten) Handgelenke und sank die Konzentrationsfähigkeit rapide. Tiefpunkt war Menton, wobei die Kurven für Unkundige wirklich fies waren. So existentiell war die Dünnhäutigkeit früher aber nicht und das ist sicherlich der Grund, warum immer mehr Motorradfahrer meines Alters den Autoreisezug oder den Autoanhänger zur Anreise wählen. Dazu kommt die Altersweitsichtigkeit, die jedes Studieren der Karte während der Fahrt unmöglich macht und selbst das Entziffern kleinerer Orte auf der Karte ohne Lesebrille ausschließt. Daher das GPS.
Gleichzeitig werden Erlebnisse nachhaltiger. Die Französin mit der Parkinson Krankheit hat mich lange beschäftigt, ich hatte das Gefühl, in einen Abgrund zu schauen und mir wurde innerlich kalt bei dem Gedanken, ob ich in zehn Jahren wohl auch noch eine solche Tour machen würde? Die Jahre des Aufbruchs sind vorbei, langsam wird der Verfall einsetzen. Darüber hätte ich früher nie nachgedacht. Oder die deutschen Fahrradfahrer: Kein Training, keine spezielle Vorbereitung, sie sind spontan losgefahren. Sie waren einfach jung.

3.) Die Neigung zum "Multioutdooring". Ursprünglich wollte ich biken und wandern kombinieren. Bis zum zweiten Tag meiner Fahrt war ich mir unsicher, ob ich nach UK oder nach FR fahre. Bilder von ODSlern und der Wunsch, ein neues Land kennenzulernen sowie die Aussicht auf Sonne haben mich dann nach Südfrankreich getrieben. Ausgerüstet war ich für England, wo ein ganzes Netz „public footpath“ die Erkundung der Region ermöglicht. Das war in den von mir angesteuerten Regionen nicht möglich, zwar gab es Wanderwege, aber nur in großer Entfernung (in Antheór musste man 4 km die vielbefahrene Hauptstraße entlang laufen, um dann eine Straße hochzulaufen, die zum Wanderweg führt. Da ich keine Topo FR erwerben konnte, habe ich es sein lassen). Bei der für Norddeutsche ungewohnten Hitze am Mittag kein sehr sinniges Unterfangen. Ich hätte ein Fahrrad dabei haben müssen. Auch in der Camarque habe ich mein Fahrrad schmerzlich vermisst, denn auch hier waren die Laufwege einfach nicht optimal. Menton dagegen wäre fürs Wandern ideal gewesen, aber die Schwüle und die Gewitterwölkchen gefielen mir nicht. Für Küstenwetter habe ich einen ziemlich guten Instinkt. Tatsächlich ist das Wetter in Italien den nächsten Tag gekippt, Freunde erzählten später von einer Woche sintflutartiger Regenfälle in Italien, die einen Tag, nachdem ich Menton verlassen hatte, begannen.


Ich möchte aber auch noch etwas zu den Packlisten beitragen, die ja bei den ULern ungemein wichtig sind. Auf dem Motorrad ist das nicht so entscheidend, hier spielt auch Funktionalität eine große Rolle, denn auch bei Hitze ist der Fahrtwind kühl und wenn es mehrere Tage regnet und Helm, Tankrucksack, Regenschutz und Sicherheitskleidung feucht sind (Innenkondens), ist es unmöglich, die Sachen trocken zu kriegen. Um einer Erkältung vorzubeugen, sind daher warme Klamotten notwendig. Bei Zwischenstopps wird dagegen die Sicherheitskleidung zur Qual, daher muss auch Straßenkleidung mitgenommen werden.

Im Großen und Ganzen habe ich das System beibehalten, das ich auf meiner zweimonatigen GB-IR Tour 2002 entwickelt habe. Bei einer Testtour bin ich mit reduziertem Gepäck gefahren und das war nicht praktikabel. Zwei Gepäckrollen stabilisieren den Rücken wie ein Kissen, die dritte oben drauf ist die Tasche für das Zelt, damit ich – ohne gleich alles abpacken zu müssen – das Zelt in Pausen trocknen kann. Außerdem habe ich in Irland ständig gefroren (noch mit ALDI Zelt und Billigschlafsack), so dass die Anforderungen an mein Gepäck höher waren. Gesichert ist das Gepäck übrigens mit Spannriemen und Gepäckspinne, so sind die beiden unteren Gepäckrollen mit Spannriemen am Klammergriff für den Beifahrer befestigt und zusätzlich mit einer Gepäckspinne an Querstreben, Kofferhalterung und Klammergriff befestigt, damit auch seitlich nichts abrutschen kann (immer wenn ich packe, bewundere ich die Funktionalität von BMW, sorry für die Werbung, aber die Jungs habe wirklich nachgedacht). Oben drauf kommt die Gepäcktasche, die von zwei extrem belastbaren Spanngurten gehalten wird, die alle drei Gepäckstücke umschließt. Die Enden werden sorgfältig festgezurrt, damit nichts flattert und womöglich in die Räder kommt.

Und so sah die Packungliste aus (mit Schulnoten bewerte ich Funktion und Qualität):

Tasche oben: Zelt (1+), dünne und überbreite Evazote (1), Picknickdecke (1) (sie habe ich beim Packen als überflüssig empfunden, war aber äußerst praktisch auf Steinbelag und hat den Komfort immens erhöht), leichtes und langes Brett für den Motorradständer (1), Plastikschuhe (1).

Gepäckrolle 1: Synmat (3, da großes Packmaß), WM Antelope (1+), halbe (britische) Wolldecke = Kopfkissen und Sicherheitsreserve (2), Spannlaken (Rutschschutz und für den Schlafkomfort) (2), Nachtwäsche, 1 Strandtuch (1), ein Handtuch (überflüssig und schwer trocknend: 5).

Gepäckrolle 2: Wintermotorradjacke (verdammt schwer, wäre aber in den Bergen notwendig gewesen, da die Sommerjacke dann viel zu kalt ist) (1, da nicht gebraucht 5), Unterwäsche für 5 Tage (war auf der Anreise zu knapp bemessen, da keine Trockenmöglichkeit während der Touren), Fleecejacke (1), schnelltrocknende T-Shirts mit Baumwollanteil (keine reinen Kufa-Shirts mehr, die riechen eklig bei Schweißentwicklung) (1), Jeans mit Elastan (1), Radler-Shorts (1), warme Unterwäsche und Wollmütze (1, in der kalten Hütte meine Rettung).

Tankrucksack: Kulturbeutel (1), Batterien fürs GPS (1), Kugelschreiber (3), Wörterbuch (4), private Aufzeichnungen (1), Source Wasserbeutel mit langem Schlauch (1+), Essen (Einmal sind die Eier ausgelaufen, das war nicht so prickelnd, ein anderes Mal die Milch). Der Tankrucksack ist nicht wasserdicht, daher eine Plastiktüte als Regenschutz (1) (die Regenhülle hatte ich nicht mit, die hält leider nicht). Regenjacke und Regenhose (1), Halsschutz (1), sowie Warnweste (2). Das Bremsscheibenschloss blieb in der Jackentasche, damit der Tankrucksack nicht noch schwerer wird. Tatsächlich musste ich den Rucksack immer vor dem Absteigen abpacken, da der Seitenständer sich sehr bedenklich dem Boden zu neigte, wenn der Tankrucksack drauf blieb.

Koffer:
Trangia (1) mit großer Schraubkartusche (1, hätte aber auch kleiner sein können.....), Wanderschuhe (1, vor allem in der Camargue und im Regen gebraucht), Goretex(wander)jacke (4, da nach dem Einsatz im Regen nicht mehr trocken zu kriegen), 0,5 l Motoröl (1+), Werkzeug (1).
Küchenutensilien inkl. Öl und Salz (1), Windbreakerjacke (überflüssig, daher 5), Ersatznavi, Solarlader und Kabelgedöns (überflüssig, daher 5), Handyladegerät (1), 2 Bücher (1), Kartoffelpüree und Fertigsuppen (1+++++).

Dazu kamen natürlich die Sachen, die ich am Körper getragen habe. Vergessen hatte ich lediglich die Badehose ("my swimming costume", wie ein Engländer so schön sagte...), die lag gut sichtbar zu Hause im Flur!

Insgesamt schätze ich das Gepäck auf ca. 30-40 Kilogramm, vor allem die Küche, die Ersatzmotorradjacke und das Wanderoutfit sind Gewichtsbringer. Gewogen habe ich es leider nicht, das werde ich bei der nächsten Tour nachholen.

Torres

lina
28.09.2009, 11:48
Vielen Dank, macht Spaß zu lesen :D

Der Campingplatz, den ich meinte, ist dieser hier (http://www.camping-alafermestjoseph.com/inter-presentation-uk.htm), und er ist nicht in Menton (welches zwar faszinierend ist, aber nicht dessen Zeltplatz, sondern eher die Kirchen-Anlage in der Altstadt, zum Beispiel), sondern in St Martin Vésubie, im Hinterland von Nizza. Die Straßen da hin sind aber auch nicht ohne ;-)

Torres
28.09.2009, 12:30
@ Lina

Stimmt, das hatte ich nicht auf eindeutige Weise korrigiert, sorry. Für mich war das klar, aber für Mitleser ist das natürlich nicht klar.

Ich dachte auf der Fahrt, Linas Empfehlung wäre der Name des Campingplatzes von Menton und war zwar etwas überrascht, als der anders hieß, aber viel zu müde, um darüber nach zu denken. Ich habe bis nach meiner Fahrt nicht kapiert, dass Lina mir den Namen eines Ortes gemailt hatte und daher auch nicht im GPS nach dem Ort gesucht (das Alter? oder Blödheit?). Als ich den Campingplatz von Menton sah, war ich auch etwas überrascht, dass er Lina so gut gefällt, denn eigentlich ist das nicht Linas Stil. Ich fand ihn laut, voll, chaotisch und (obwohl sauber) sogar etwas müllig. Aber immerhin bin ich durch den Irrtum an die Corniche de l`Esterel gekommen, also vielen herzlichen Dank noch einmal. Und ohne Deine Empfehlung, Lina, hätte ich vielleicht die Camarque auch nie verlassen.....

Und schlussendlich habe ich so wieder ein neues Ziel fürs nächste Jahr...... :p

Torres

Ollie
07.12.2009, 19:07
sehr gut und interessant geschrieben Torres! :p

KRIS.
07.12.2009, 19:44
Wenn Ich so was um diese Jahreszeit Lese, bekomme Ich immer so ein Jucken in die Rechte Hand ;-)

boehm22
07.12.2009, 21:01
Wenn Ich so was um diese Jahreszeit Lese, bekomme Ich immer so ein Jucken in die Rechte Hand ;-)

Ich bin letzten Sonntag (1. Advent) gefahren. Kein einziger Motorradfahrer is mir begegnet, hab so in mich rein gegrinst, weil ich kein Saison-Kennzeichen habe.:bg:

Torres
08.12.2009, 11:36
Neid....

Aber da ich im Winter eh an den Wochenenden arbeite, ist mein Saisonkennzeichen ein Akt der Selbstdisziplinierung. Aber der nächste März kommt bestimmt :D

Torres

derjoe
08.12.2009, 20:52
Wenn Ich so was um diese Jahreszeit Lese, bekomme Ich immer so ein Jucken in die Rechte Hand ;-)

dann gewähre ihr doch freien Lauf ;-).


Ich bin letzten Sonntag (1. Advent) gefahren. Kein einziger Motorradfahrer is mir begegnet, hab so in mich rein gegrinst, weil ich kein Saison-Kennzeichen habe.:bg:

Jau, das ist für mich mit die schönste Fahrerei. Wenn es trocken ist, kalt, die ganzen Heizer sind weg - da hat man die Straße (zweiradmäßig gesehen) ganz für sich allein :cool:.


ein Akt der Selbstdisziplinierung.

oder Selbstgeißelung :baetsch: