PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [Testbericht] kleiner vs. großer Topf auf Trangia Fyr



Schattenparker
05.09.2009, 22:10
Vor einigen Jahren hatte ich mir einen Trangia Fyr Kocher gekauft und ihn nach wenigen Versuchen fluchend in einer abwegigen Kellerecke versenkt. "So ein Mist!" dachte ich.

Nun las ich hier im Forum wahre Wunderdinge über Spirituskocher und deren Kochzeiten. Und auch etliche Kommentare von zufriedenen Trangia-Nutzern.
Hm.
Sollten meine Probleme (1 ltr. Wasser war fast nicht zum Kochen zu kriegen) möglicherweise nur am fehlenden Windschutz gelegen haben?
Heute hatte ich mir für den Kocher einen Windschutz aus einer Alu-Pfanne eines alten Camping-Kochtopfsets gebastelt. Und nun juckte es mich auch, das mal auszuprobieren, wenngleich der Windschutz in der heimischen Küche natürlich nicht so richtig zum Zuge kommt.
Dabei dachte ich dann auch an die verschiedenen Hinweise hier im Forum, dass ein breiter Topf effektiver sein soll, als ein schmaler und hoher.

Also los.
Erster Versuchsaufbau: Coffee-Boiler, Volumen 800 ml, Durchmesser 10 cm, aus Messing, innen verzinnt, mit 500 ml Wasser befüllt. Ein großes Schnapsglas (so ca. 40 ml) Spiritus in den Brenner, anzünden und etwas warmlaufen lassen. Dann den Topf mit geschlossenem Deckel drauf. Wassertemperatur beim Start: 20,7°C.

Nach 5 min. die Wassertemperatur gemessen: grade mal 60°C. Für die Messung hatte ich den Deckel ca. 30 s offen.
Nach 9:30 min kochte das Wasser dann schön sprudelnd bei 99,8°C.

Ich habe den Brenner ausbrennen lassen, um zu sehen, wie lange die 4 cl Spiritus reichen. Nach 15 min Gesamtbrennzeit war Schluss.

Zweite Runde: Ein alter Alu-Campingtopf, Volumen 1,5 ltr., Durchmesser 16 cm, gut schließender Deckel. Brenner hatte ein paar Minuten Zeit zum Abkühlen. Gleiche Menge Spiritus, wie beim ersten Versuch. 500 ml Wasser, Temperatur diesmal: 20,3°C.

Nach 5 min hatte das Wasser 65°C, also ein kleiner Vorsprung gegenüber dem ersten Versuch.
Sprudelnd kochen habe ich dann nach 8:30 min definiert. Das Wasser kochte in dem breiteren Topf allerdings wesentlich ungleichmäßiger als in dem schmaleren vorher, man konnte an der Blasenbildung im Prinzip noch das Flammenbild unter dem Topf ablesen.

Den Brenner habe ich wieder ausbrennen lassen, diesmal war aber zu meiner Überraschung schon nach 13 min Schluss. Das heißt also, die gleiche Menge Spiritus ist in deutlich kürzerer Zeit verbrannt, was dann natürlich eine höhere Heizleistung beim zweiten Versuch bedeutet. Der Brenner war wohl beim Beginn des zweiten Versuches noch deutlich wärmer als beim ersten. Wie sollte man das sonst erklären? Oder hat vielleicht die breitere Flamme unter dem breiteren Topf - durch ihre stärkere Wärmeabstrahlung nach unten - für eine schnellere Vergasung des Brennstoffs gesorgt?

Mein Resumée:
1. Wenn ich die hier und auch sonst im Internet geposteten Kochzeiten diverser Dosenbrenner ernst nehmen kann (meist so um die 5 min für 500 ml Wasser), dann ist der Trangia-Brenner vergleichsweise Schrott. Diesen gewaltigen Unterschied zu glauben, fällt mir aber schwer, denn mit Flammen hat der Trangia wirklich prächtig um sich geworfen. Wo liegt der Hase im Pfeffer?

2. Sowohl die Form des Topfes (hoch und schmal vs. breit und niedrig) als auch das Material (hochwärmeleitendes Aluminium vs. eher mäßig wärmeleitendes Messing) scheinen praktisch keinen großen Unterschied zu machen. Die um 1 min kürzere Kochzeit beim 2. Versuch kann zu einem erheblichen Teil auf höhere Heizleistung zurückgeführt werden. Dafür ist die Durchwärmung des Wassers im schmalen Topf anscheinend gleichmäßiger, es kocht "schöner".

Hm. Da fällt mir noch etwas ein ... bis später.

Lürbker
05.09.2009, 22:34
Habe auch schon diverse Dosenbrenner gebaut und ich glaube das ihr größter Vorteil zum Trangia einfach das Gewicht ist. Außerdem sind sie viel schneller heiß.

Schattenparker
05.09.2009, 22:52
So, mir war eingefallen, dass ich ja vor einiger Zeit auch mal probiert hatte, einen Dosenbrenner (Super Cat) zu bauen. Allerdings aus einer relativ großen Dose. Den habe ich jetzt mal unter dem Coffee Boiler ausprobiert.

Brennerdurchmesser: 8 cm. Topfdurchmesser: 10 cm. Also rundherum grade mal 1 cm Überstand über den Brenner; eigentlich absurd, grade bei dem Brennerprizip. Aber was soll's, Versuch macht kluch. Also wieder 500 ml Wasser mit 20,3°C in den Topf. 40 ml Spiritus in den Brenner, wie gehabt.

Nun, nach 5 min hatte das Wasser bereits 70°C und nach 7:30 min kochte es sprudelnd. :o
Der Brenner war nach 9:30 min ausgebrannt. Rechnet man die Vorwärmzeit von 1:30 dazu, hat er insgesamt 11 min gebrannt. Daraus folgt eine noch höhere Heizleistung, als oben beim zweiten Versuch.

Damit glaube ich auch die geposteten Kochzeiten. Die Super Cats haben einfach eine höhere Heizleistung, als der Trangia. Was gleichzeitig bedeutet, dass die gleiche Menge Spiritus in den Dosenkochern schneller weggebrannt ist (was jetzt nicht wirklich überraschend ist, sondern simple Physik).

Außerdem zeigt das meiner Meinung nach, dass auch Flammen, die noch an der Seite am Topf hochkriechen, den Inhalt effektiv erwärmen. Ob dünn und hoch oder flach und breit scheint für die Effektivität nicht praktisch bedeutend zu sein. Außer beim Trangia, der offenbar einen breiten Flammenschirm über dem Brenner braucht, um richtig in Fahrt zu kommen.

@Lürbker: Beim Gewicht hast Du natürlich recht, aber darauf kam es mir hierbei nicht an.

ADDIT vom 6.9.:

Es hat mir keine Ruhe gelassen, dass ich nicht noch den größeren Topf auf dem Super Cat zum Vergleich ausprobiert habe. Also habe ich heute früh nochmal einen Vergleich gemacht.
Diesmal habe ich jedesmal so lange gewartet, bis der Super Cat richtig heiß war und beim Aufsetzen des Topfes sofort das voll entwickelte Flammenbild zeigte. Darauf hatte ich gestern nicht so richtig geachtet. Ansonsten alles wie gestern auch.

Also: Breiter Topf: Fing nach 5 min zu "singen" an, kochte sprudelnd nach 5:45 min. Die Flammen schlugen nur ein wenig am Topfboden vorbei.

Schmaler Topf: Fing nach 5:45 min zu "singen" an, kochte sprudelnd nach 6:45 min. Die Flammen schlugen am Topfboden vorbei und bis zur Hälfte der Topfhöhe seitlich am Topf hoch.

In beiden Fällen waren die Brenner kurz nach dem Kochen des Wasser auch schon ausgebrannt. Es hat sich nicht mehr gelohnt, die restliche Brennzeit zu messen.

Damit sind also die Ergebnisse von gestern deutlich NICHT bestätigt. Also ist doch ein flacher, breiter Topf besser als ein schmaler, hoher?

Meine Interpretation: Die Versuche zeigten, was einem schon der gesunde Menschenverstand leise zuraunt: Die Brennerflamme muss in einem gesunden Verhältnis zur Topfgröße stehen. Sobald ein großer Teil der Flamme am Topfbodenrand "um die Ecke" geht, sinkt die Effektivität. Sie sinkt andererseits nicht so stark, dass man deswegen schlaflose Nächte haben müsste.

Und der Trangia, um den es im Threadtitel ursprünglich ging, braucht einen Wärmestau über dem Brenner. Innerhalb des Trangia-Sturmkocher-Aufbaus wird er wohl recht gut funktionieren, schätze ich. Aber als Solo-Kocher, etwa in dem Fyr-Kochergestell, stinkt er gegen die Dosenbrenner nach dem SuperCat-Prinzip ziemlich ab.

Weiß jemand zufällig, ob Trangia Brenner und Sturmkocher damals gleichzeitig auf den Markt kamen? Wenn ja, dann sind die beiden wohl ein aufeinander abgestimmtes Komplettsystem.

Andererseits muss man auch feststellen, was die Physik vorhersagt: Man bekommt mit 40 ml Spiritus mit jedem Brenner einen halben Liter Wasser zum Kochen - in der Praxis natürlich einen guten Windschutz vorausgesetzt. Beim Trangia Fyr braucht man halt ein wenig mehr Geduld; dafür eignet der sich besser zum Simmern, also zum längere Zeit vor sich hin köcheln lassen.

Es ist halt wie sonst auch im Leben: Muss der Mensch wissen, was will er.

skullmonkey
14.09.2009, 10:12
Klasse Test. Finde die selbstgemachten Brenner sehr viel effizienter wie den Trangia, doch gewinnt der Trangia wenn es darum geht "richtig" zu kochen (ich mach' normal nur couscous, nudeln & reis auf tour, da koche ich nur Wasser und fertig ist - mit dem Trangia geht das kochen besser, wie ich finde).