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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [FI] Hetta-Pallas-Trail im August 2009



MonaXY
30.08.2009, 17:15
Hetta-Pallas-Trail vom 5. bis 10. August 2009

5. August: Abendlicher Flug von Helsinki nach Kittilä. Es ist der Flughafen, der zwar ca. 170 km entfernt von unserem Startpunkt am Pallas-Yllästunturi National Park liegt, aber dennoch am nähsten dran ist.

http://www.luontoon.fi/page.asp?Section=4984

Der Flughafen in Kittilä ist sehr klein und nur kurz (während unserer Ankunftszeit) sind die Informations- und Serviceschalter geöffnet. Wir erfahren, dass wir über eine Stunde auf den Bus nach Hetta warten müssen und dort erst so gegen 22.00 Uhr ankommen werden. Na, hoffentlich bekommen wir dann noch eine Stellfläche auf dem örtlichen Campingplatz...

http://img215.imageshack.us/img215/1122/dsc00849m.jpg (http://img215.imageshack.us/i/dsc00849m.jpg/)

In kürzester Zeit sind wir vor dem Flughafen alleine und fühlen uns etwas verlassen - ob der Bus auch wirklich kommt?

Ein Handyanruf aus Deutschland (unsere Tochter) beschäftigt uns kurz danach und die Sorge lässt unsere Verlassenheitsgefühle erst mal in den Hintergrund treten. Glücklicherweise klären sich nach einiger Zeit alle Probleme!

Der Bus kommt und wir fahren durch die einsame Landschaft Lapplands. In der Grenzstadt Muonio hat der Fahrer 10 Minuten Kaffeepause eingeplant, dann geht es weiter Richtung Norden - insgesamt ca. 170 km sind es von Kittilä nach Hetta.

So gegen 22.10 Uhr erreichen wir den Campingplatz in Hetta und tatsächlich ist es um diese Zeit immer noch taghell (die Mitternachtssonne) und der Zeltaufbau schnell geschafft.

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Der Platz ist zwar mückenreich, aber sonst sehr schön (mit Gemeinschaftsküche und Sauna) und wir brechen nach einem stärkenden Cappuccino zu unserem ersten Mitternachtsspaziergang im Tagesdämmerlicht auf...

Außerdem lohnt es sich noch einen Blick in die Nationalpark-Karte zu werfen, um die möglichen Etappenziele zu besprechen:

http://www.luontoon.fi/binary.aspx?Section=5161&Item=6717


6. August: Erster Wandertag vom Flussufer nach Pyhäkero (6 km)

Ein sehr warmer Tag in Lappland (25 Grad) begrüßt uns. Wir frühstücken spät und ausgiebig und erst gegen Mittag machen wir uns auf die Suche nach dem berühmten „Boat-Taxi“, das uns auf die andere Seite des Ounasjärvi zum Nationalpark bringen soll. Nahe des Supermarktes (wir kaufen noch Grillwürste und frisches Brot) finden wir es - oder zumindest eines davon, denn offensichtlich gibt es mehrere, die sich durch diesen Transfer etwas zusätzliches Geld verdienen.

Direkt am anderen Ufer befindet sich eine Feuerstelle und eine Kota.

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Unser Weg schlängelt sich leicht (und angenehm zu laufen) durch lichte Wälder. Bald sind wir an der Schutzhütte Pyhäkero.

http://img32.imageshack.us/img32/4577/dsc00859t.jpg (http://img32.imageshack.us/i/dsc00859t.jpg/)

Dort treffen wir Anne aus Rovaniemi, die nach ihrer Rast eigentlich weiter wollte, aber hier noch etwas abwartet, da dunkle Wolken im Anzug sind. Zwei finnische Mountainbiker sitzen auch vor der Hütte, aber sie fahren dennoch. Bald - nachdem die ersten schweren Tropfen fallen und das Donnergrollen näher kommt - sehen wir sie wieder. Zufluchtsuchend brausen sie den Hang runter auf unsere Hütte zu...

http://img32.imageshack.us/img32/2828/dsc00860fkr.jpg (http://img32.imageshack.us/i/dsc00860fkr.jpg/)

Gut geschützt warten wir also mit ihnen und zwei anderen Finnen des Ende des sich plötzlich mit Macht und starkem Regen entladenen Gewitters ab. Es ist so gegen 18.00 Uhr, als die anderen sich wieder auf den Weg machen. Wir und Anne bleiben - die Hütte ist doch zu einladend mit ihrem Brunnen, der Feuerstelle und dem Gaskocher. Soviel Luxus überrascht uns.


Miteinander grillen wir unsere Würste am Lagerfeuer und Anne zeigt mir eine lappländische Spezialität: Cloudberries oder Hillas, die hier wachsen und sehr gesund sein sollen. Nachdem ich die erste rote Beere gegessen habe, lerne ich auch noch, dass die gelben reif, die roten unreif sind. Naja, sie haben wohl auf alle Fälle sehr viel Vitamin C.

Spät am Abend stößt dann noch eine christliche Jugendgruppe zu uns, die den gleichen Weg wie wir in 5 bis 6 Tagen geplant haben.

7. August: Zweiter Wandertag von Pyhäkero über Sioskuru nach Pahakuru (20 km)

Wieder ein sehr warmer Tag in Lappland. Gleich der erste Aufstieg zum Pyhäjärvi-See geht steil hoch. Die Sonne sticht, mein Rücken und meine Füße schmerzen und während ich mit Moskitohut so vor mich hin trotte, überlege ich, was von den 19 Rucksack-Kilos ich besser zu Hause gelassen hätte. Ob der Fön wirklich nötig war? Natürlich in Helsinki werde ich ihn brauchen, aber jetzt belastet er mich! Und wie ist das mit den zwei zusätzlichen Hosen, dem Kilo Vollkornbrot?

http://img137.imageshack.us/img137/3032/dsc00867c.jpg (http://img137.imageshack.us/i/dsc00867c.jpg/)

peter-hoehle
30.08.2009, 17:24
@MonaXY

Ein sehr guter Einstand im Forum.:bg:
Ich hoffe du fühlst dich hier im Forum
wohl.
http://www.smileygarden.de/smilie/Schilder/danke-001.gif (http://www.smileygarden.de)

Gruß Peter

MonaXY
30.08.2009, 20:41
Ich nutze das Forum schon längere Zeit - allerdings bisher immer als Gast - um mich zu informieren, bzw. die Vorfreude auf die ein oder andere Tour zu wecken. Auch diese hier hat sich aufgrund eines Reiseberichtes im Forum (von "Hexe und Markus") entwickelt...
Nun dachte ich, ist es an der Zeit, auch mal etwas zurück zu geben und unsere Erfahrung für andere einzustellen;-)

MonaXY
30.08.2009, 21:24
nun weiter mit meinen Aufzeichnungen...


Irgendwann sind wir am Bergsee.
Ein leichter Wind bringt Kühlung und die Stille, der Ausblick entschädigt mich auf der Stelle für das mühsame Geschleppe.

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Auf Walters Trekkingstöcken können unsere Hemden in kurzer Zeit trocknen und nach einer guten halben Stunde machen wir uns auf den Weg nach oben zum Gipfel des Pyhäkero. Hinter uns bemerken wir 4 finnische Rentner mit erstaunlicher Fitness. Sie überholen uns und ich frage mich, wie die in diesem Alter ein solches Tempo durchhalten.

Der Gipfel besteht - wie alle folgenden auch - aus einem einfachen Steinhaufen. Grandios ist der Rund-umblick in die endlose Weite des Nationalparks. Nirgendwo eine menschliche Ansiedlung, nur Einsamkeit, Wind und Weite. Ich genieße das.

http://img33.imageshack.us/img33/1209/dsc00869hxs.jpg (http://img33.imageshack.us/i/dsc00869hxs.jpg/)

Nach dem Aufstieg folgt zwangsläufig wieder der Abstieg in das grüne Tal, in dem die Hütte Sioskuru liegt:

http://img33.imageshack.us/img33/1364/dsc00874b.jpg (http://img33.imageshack.us/i/dsc00874b.jpg/)

Sioskuru ist bestimmt eine der schönsten Schutzhütten und in traumhafter Lage . An einem Bach schöpfen wir frisches Wasser, in einem anderen kühlen wir uns die Füße. Walters Solardusche wird gefüllt und ist jetzt - nach dem Mittagspicknick - genau das richtige zum Erfrischen...

http://img196.imageshack.us/img196/3388/dsc00877e.jpg (http://img196.imageshack.us/i/dsc00877e.jpg/)

Die ersten Jungs aus der Jugendgruppe hinter uns treffen ein und suchen sich für ihr Mittagsschläfchen ausgerechnet das schwarze Dach der Trocken-Toilette aus. Das gibt sicher Sonnenbrand.

Wir beschließen gegen Abend trotz der schönen Hütte weiter zu wandern und machen uns auf den Weg - natürlich zuerst wieder bergauf. Später leicht bergab durch Moor- und Sumpfgebiete in die Ebene der Tappuri-Hütte und dann wieder höher steigend.

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Am Himmel ziehen dunkle Wolken auf, wir hören leichtes Donnergrollen und überlegen ob es besser wäre zurück zu der sicheren Hütte zu gehen, entscheiden uns aber dann die 8 km vor uns noch zurück zu legen und notfalls schnell unser Zelt aufzubauen - wobei das weniger ein Gewitter- als ein Regenschutz wäre...

Müde, erschöpft, aber trockenen Fußes erreichen wir die kleine Hütte Pahakuru, in der es sich bereits ein junges finnisches Paar bequem gemacht hat. Es ist sehr wenig Platz in der Hütte und wir beschließen (nach unserem ausgiebigen Abendeintopf-Essen), unser Zelt aufzubauen. Auch Anne treffen wir dort wieder - sie will ebenfalls lieber im Zelt schlafen und am nächsten Tag früh aufbrechen. Die erste Wasserstelle ist mehr ein Wasserloch und den Hang runter in der „Wilderness“ zu finden. Etwas weiter hinten gibt es noch eine sauberere Stelle. Wir sind dennoch froh über unser Entkeimungsmittel!

Bald darauf wird es sehr dunkel und regnet wolkenbruchartig für eine halbe Stunde in Strömen. Ein wunderschöner Regenbogen belohnt uns.

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In dieser Nacht schlafe ich schlecht. Rentiere kommen bis ans Zelt und ich fühle mich unsicher. Das Geweih erscheint mir bedrohlich. Walters Kommentar als ich ihn wecke, um hilfreich und die Tiere vertreibend, einzugreifen: „Lass sie grasen und schlaf weiter.“ Okay, soviel zur Ritterlichkeit des männlichen Geschlechts!

http://img196.imageshack.us/img196/9816/verndert1.jpg (http://img196.imageshack.us/i/verndert1.jpg/)



8. August: Dritter Wandertag von Pahakuru über Hannukuru nach Nammalakuru (16 km)


Gleich morgens nach unserer zweiten Tasse Cappuccino (um ca. 7.30 Uhr) machen wir uns auf den nur 2 km langen Weg zur sagenhaften Hannukuru-Hütte, bei der es einen See mit kostenloser Sauna geben soll. Der Weg führt durch ein wunderschönes und schattiges Tal, in dem sich allerdings auch die Mücken wohl fühlen. Aber mit „OFF“ und Moskito-Hut ist auch das kein Problem.

http://img30.imageshack.us/img30/4848/dsc00893k.jpg (http://img30.imageshack.us/i/dsc00893k.jpg/)

Hannukuru selbst ist fast ein kleines Dorf. Neben der Sauna (mit Bootssteg am See) gibt es sowohl eine vermietbare, als auch eine öffentliche Schutzhütte, eine Kota, eine eigene Campingfläche, eine Feuerstelle und einen Brunnen mit frischem Quellwasser! Ich bin begeistert! Walter weniger, denn er hat seine Trekkingsandalen in der Pahakuru stehen lassen und muss nochmals zurück ...

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Die Sauna tut uns beiden gut, genauso wie das Schwimmen im kalten See und das frische Wasser. Hier steht ein zahmes Rentier vor dem Holzlager nahe bei der Sauna:

http://img30.imageshack.us/img30/1533/dsc00895zie.jpg (http://img30.imageshack.us/i/dsc00895zie.jpg/)

Wir wissen, dass noch drei Berge vor uns liegen und starten gegen Mittag. Unser Pfad führt zunächst über den ersten Berg zur Kota Rajoitusvyöhke. Im Grunde sind es nur 5 km bis dort - berghoch und auf der anderen Seite wieder bergab. Trotzdem schmerzt mein Rücken, mein Kopf (die Hitze) und meine Fußgelenke (meine Schuhe haben keinen Knöchelschutz und ich knicke auf dem Geröll oft um).

http://img44.imageshack.us/img44/6589/verndert2.jpg (http://img44.imageshack.us/i/verndert2.jpg/)

An der Kota kann und mag ich nicht mehr. Nur die Tatsache, dass es an der Wasserstelle kein auch nur irgendwie vertrauenserweckendes Wasser gibt und zwei kalt angerührte Espressos bringen mich zum Weitergehen. 7,5 km über noch zwei Berge sind es bis Montellinmaja und ich mach Walter gleich vorsichtshalber klar, dass ich heute bestimmt keinen einzigen Schritt weitergehe - egal ob es da Wasser gibt oder nicht. Notfalls trinken wir aus der Pfütze und mischen unsere Tropfen rein, die ja angeblich alles abtöten!!!

Endlos lang führt der Weg bergauf...

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Und immer wenn ich denke, jetzt ist die Kuppe erreicht, verbirgt sich nur eine neue und noch höhere Kuppe dahinter!

Endlich: Die erste Kuppe - der Lumikero ist geschafft! Wir brauchen Wasser und unseren Schokoriegel (das nächste Mal würde ich drei mitnehmen)!

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Nicht ganz so anstrengend ist der Weg zum Vuontskero

http://img12.imageshack.us/img12/8607/dsc00905anc.jpg (http://img12.imageshack.us/i/dsc00905anc.jpg/)

und irgendwann gegen 20.00 Uhr sehen wir vor uns im Tal die Hütte von Montelinmaja:

http://img25.imageshack.us/img25/1867/dsc00907lgh.jpg (http://img25.imageshack.us/i/dsc00907lgh.jpg/)

Walter macht sich auf die Suche nach Wasser. Sehr schnell und ernüchtert kommt er zurück. Er setzt mir wortreich auseinander, dass wir hier nicht bleiben könnten, wir bräuchten Wasser und das hier vom Bach wäre ungenießbar und einen Gaskocher zum Abkochen gäbe es in dieser kleinen und etwas herunter gekommenen Hütte ja auch nicht. Und außerdem sind es ja nur noch 1,5 km den Hügel hoch. Mir ist das alles egal. Dann eben ohne Wasser. Aber der Hügel ist heute ein Hügel zuviel!!!
Walter nervt. Ich überlege, den Weg hier abzubrechen. Als ein touristisches Ehepaar kommt, dass unten im Tal campiert und einfach nur eine Wanderung hier hoch unternommen hat, merke ich, wie einfach und nahe der Ausstieg (es gibt insgesamt nur zwei) hier wäre. 7 km talwärts und unsere Tütennahrung, das endlose Vollkornbrot mit Schmelzkäse und die Trinkwassersuche hätten ein Ende. Allerdings war der Weg trotz allem auch sehr schön und wir könnten ja morgen noch aussteigen... Okay, ich gebe nach und schleppe mich also noch den Hügel hoch nach Nammalakuru:

http://img12.imageshack.us/img12/6213/dsc00908auk.jpg (http://img12.imageshack.us/i/dsc00908auk.jpg/)

Die 6 Finnen dort sind zwar eigentlich schon müde, helfen uns aber dann die Wasserstelle zu finden und warten, bis wir unser Essen gekocht und unser Lager bezogen haben. Meine Bemerkung, dass das Wasser in der Hütte gelblich ist, wird kommentiert mit der Aussage, dass sie es eben nicht so genau nehmen beim Wasser schöpfen und außerdem: „It´s organic, there is protein inside.“

Sapmi
31.08.2009, 13:13
Hei. Danke für den Bericht und die schönen Bilder. Bin vor ein paar Jahren auch die Strecke gelaufen: Jugendgruppen und Donner scheinen dort also üblich zu sein.
Freue mich schon auf die Fortsetzung.

Hexe
31.08.2009, 17:55
Das kommt mir irgendwie alles bekannt vor :bg:
Schöne Bilder und schöner Bericht. Fahrt nächstes mal im September dann seit ihr auch die Mücken los;-) !

Für uns geht es am Mittwoch Richtung Finnland, dieses Jahr Fortsetzung vom Urho Kekkonen Nationalpark...yeah die Rucksäcke haben wir gestern schon mal teilweise gepackt..:cool:

Grüßli Hexe

MonaXY
31.08.2009, 22:02
Hallo Hexe,

euch beiden ein besonderes "Danke" für eueren Bericht im Forum! Ohne den wären wir nicht derart überzeugt der Idee verfallen, diesen wunderschönen Trail zu gehen...

Wir wünschen euch ganz viel tolle Erlebnisse und viel Spaß im Urho Kekkonen - ein Bericht kommt doch dann sicher wieder - oder?;-)

Uns treibt auch schon wieder die Sehnsucht um :roll:
Leider ist nun erstmal hartes Arbeitsleben dran. Und dann evtl. der Kevo-Park oder der Bärenweg oder mal ganz was anderes wie den Teide im Nationalpark von Teneriffa...

So, nun will ich aber den Bericht noch zu Ende bringen!

MonaXY
31.08.2009, 22:48
9. August: Vierter Wandertag von Nammalakuru über Rihmakuru nach Pallas (13 km)

Sehr früh am Morgen bin ich wach. Die Mitternachtssonne verhindert immer noch die Dunkelheit, unser Schlafrhythmus ist ohnehin durcheinander und der ältere Finne in der Hütte war am Schnarchen. Schon vor 6.00 Uhr beschließe ich, den Morgen draußen an der Feuerstelle zu genießen. Es ist wunderschön und ich sitze bestimmt über eine Stunde, bis langsam Leben in der Hütte hörbar wird.

http://img395.imageshack.us/img395/608/dsc00911k.jpg (http://img395.imageshack.us/i/dsc00911k.jpg/)

Umkehr und Ausstieg aus dem Trail sind für mich kein Thema mehr. Füße und Rücken haben sich erholt, der Tagesbeginn wirkt märchenhaft. Eine junge Finnin entzündet mit ihrem Bruder und ihrer Mutter ein erstes Lagerfeuer und kocht Kaffee. Auch Walter und ich verspüren Kaffeedurst...

http://img395.imageshack.us/img395/2274/dsc00912s.jpg (http://img395.imageshack.us/i/dsc00912s.jpg/)

Wir bleiben bis nachmittags hier, unterhalten uns mit den Finnen und genießen den traumhaften Ausblick und die Ruhe.
Einige Rentiere kommen den Hügel hoch und grasen. Später legen sie sich zur Holz- und Abfallhütte.

http://img395.imageshack.us/img395/8832/dsc00910.jpg (http://img395.imageshack.us/i/dsc00910.jpg/)

Aus Richtung der Pallas-Berge schiebt sich eine dunkle Wolkenfront über den Horizont. Und wieder leichtes Donnergrollen. Wir sind unsicher, ob wir gehen oder bleiben sollen und entscheiden uns, die nächsten 3 km zur Kota Rihmakuru zu gehen.

Natürlich geht es sofort wieder - und in der heiß brennenden Sonne - bergauf! Aber bald erreichen wir die Kota und treffen Finnen die den Weg anders herum gehen, also von Pallas kommen. Von ihnen hören wir, dass sie auf ihrem Weg immer den Regen und das Gewitter im Rücken gehabt hätten. Wir würden unweigerlich hinein laufen und sollten lieber hier nächtigen, sagen die Frauen. Ein junger Finne wiederspricht ihnen und meint, er würde gehen, da es die nächsten Tage sowieso regnen sollte...

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Und richtig die dunklen Wolken sind schon da, das Gewitter scheint näher zu kommen. Wir ziehen uns in die Kota zurück und überlegen.

http://img259.imageshack.us/img259/3924/dsc00915xvk.jpg (http://img259.imageshack.us/i/dsc00915xvk.jpg/)

Mit Gottvertrauen, Gebet und den guten Wünschen der Finnen ziehen wir los und trotz dunkler Wolken regnet es nicht, bis wir unten über den Bach sind. Kurz danach fängt es allerdings an. Wir steigen den Berg dessen ungeachtet weiter hoch - von unten hören wir die Finnen rufen.

Sie wollen uns wohl zurück rufen. Der Regen wird stärker, bald bin ich trotz Umhang (viel zu dünn und ungeeignet) durchnässt. Walter ist unsicher, ob wir nicht doch zurück sollten - auch wegen des Donners. Aber oben an der Kuppe des Weges sehen wir einen hellen Fleck, einen Silberstreifen am Horizont. Vielleicht ein Zeichen, einfach weiter zu gehen? So wandern wir weiter bergauf und sind bald dort, wo der Silberstreifen größer wird und der Regen nach und nach aufhört.

Ein zarter Regenbogen zeigt sich über dem Tal, aus dem wir aufgestiegen sind:

http://img259.imageshack.us/img259/4181/dsc00918c.jpg (http://img259.imageshack.us/i/dsc00918c.jpg/)

Noch liegen viele Kilometer mit einigen Auf- und Abstiegen vor uns. Aber das Gewitter ist vorbei gezogen und wir laufen ins „Helle“ vor uns.

http://img259.imageshack.us/img259/8801/dsc00922j.jpg (http://img259.imageshack.us/i/dsc00922j.jpg/)

Ein leichter Wind weht und langsam trocknet unsere Kleidung. Es ist allerdings kühl hier oben und wir wechseln zumindest die oberen Kleidungsstücke und hängen die feuchten Teile zum Trocknen an den Rucksack.
Der Weg an sich ist - bis auf 2 km in der Mitte des Bergrückens - gut gehbar und schön. An diesen Geröllfeldern dagegen spüre ich meinen Knöchel sehr deutlich und bereue erneut, keine knöchelhohen Schuhe zu tragen.

Gegen 19.00 Uhr erreichen wir diese Stelle. Nun geht es für die nächsten Kilometer mehr oder weniger nur bergab. Und irgendwo da unten wird ein richtiges Berghotel sein, in dem wir duschen können, in einem weichen Bett schlafen und am nächsten Morgen richtig frühstücken können...

http://img58.imageshack.us/img58/522/dsc00925.jpg (http://img58.imageshack.us/i/dsc00925.jpg/)

10. August: Das Frühstück im Hotel Pallas ist wirklich bombastisch! Zumindest für Wanderer - nach einigen Tagen Tütenfutter und Wasser ist frischer Kaffee, Orangensaft, warmes Fladenbrot mit Honig, Lachs, Eier und Käse so etwas wie Schlaraffenland pur!

Nachdem es mittlerweile regnet und auch weiter regnen soll, fahren wir mit einem Bus in Richtung Kittilä (woanders hin gab es keine Busverbindung) und verbringen noch einige ruhige Tage in einem kleinen Holzhäuschen (mit Sauna!) in dem bekannten Wintersportort Levi.

http://img90.imageshack.us/img90/1440/dsc00933q.jpg (http://img90.imageshack.us/i/dsc00933q.jpg/)

Mika Hautamaeki
03.09.2009, 20:56
Schöne Bilder und schöner BEricht. Vielen Dank!

peter-hoehle
04.09.2009, 10:23
Schöne Bilder und schöner BEricht. Vielen Dank!
Dem kann ich mich nur anschließen.:bg:

Gruß Peter

Wald-Fuchs
04.09.2009, 10:45
DANKE Mona für den schönen Bericht!
Ich möchte jetzt sofort nach Finnland...:(

Nammalakuru
07.09.2009, 21:28
Herzlichen Dank für den Bericht! Fand die Tour damals auch sehr schön .... echt ne nette Gegend dort. Und: Besonders toll ist natürlich die Nammalakuru-Hütte :bg:

Nam

MonaXY
07.09.2009, 22:29
Danke - ich freu mich, wenn euch der Bericht gefällt :D

Gibt es irgendjemand von euch, der schon mal den Kevopark-Schluchtenweg ging? Wir überlegen dieses Tour für das nächste Jahr (wobei mir der Bärenweg lieber wäre) und finden recht wenig über die Suchmaschine.

@Nammalakuru: Hattest du ein besonderes Erlebnis mit dieser Hütte? Oder hast du dich nur zufällig nach ihr benannt???

Nammalakuru
07.09.2009, 22:34
@Nammalakuru: Hattest du ein besonderes Erlebnis mit dieser Hütte? Oder hast du dich nur zufällig nach ihr benannt???
... das, liebe Mona, wird immer ein Geheimis bleiben :grins:

Sapmi
08.09.2009, 10:34
Vielen Dank für den Rest des Berichts.


... das, liebe Mona, wird immer ein Geheimis bleiben :grins:

Diesen Eindruck hab ich auch. ;-) Diese 3 großen Hütten auf dem Weg (mit jeweils 16 Schlafplätzen im offenen Bereich) unterscheiden sich ja nicht groß voneinander - außer in der der Lage natürlich.

MonaXY
08.09.2009, 19:04
:ignore: Wie konnt ich nur fragen...;-)