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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [IL] Planloses Wandern auf dem Israel National Trail



ranunkelruebe
26.07.2009, 15:53
Land: Israel
Reisezeit: Ende März, Anfang April 2009

Vorspiel
Nachdem mein eigentlich geplanter Portugal-Fahrrad-Urlaub leider nicht stattfinden konnte, kam die Suche nach einer Alternative.
Die Bedingungen:
- nicht gar zu kalt sollte es sein
- wildzelten möglich
- irgendeine Form von Outdooaraktivität – am Besten zu Fuß
- bezahlbare Anreise
- keine Impfungen oder andere zeitraubende Vorbereitung – in 2 Wochen sollte es losgehen
- kein Visum nötig (wegen der Kurzfristigkeit)

Wir sahen uns ein paar Klimatabellen an und verwarfen Schweden, Estland, Polen, und überhaupt alles in der Region. Thailand, Laos, Kambodscha schlossen wir wegen der Flugpreise und der Visumspflicht aus, ebenso Australien, Neuseeland, Afrika... was bleibt denn dann eigentlich noch?
Da fiel mir ein, daß ich ja immer schon mal nach Israel wollte, und es da ja auch diesen Wanderweg gibt... vorsichtiges Nachhören bei Jakob, ob er Einwände gegen Israel habe, Klimatabelle gecheckt, Flugpreise rausgesucht → alles klar, Israel wird es werden!

Vorbereitung
Dann folgten 2 Wochen Zusammensuchen der benötigten Ausrüstung, dooley242 verkaufte mir netterweise sein Zelt, Susi lieh uns ihren nagelneuen Schlafsack (Danke an euch beide!), Jakob brauchte einen neuen Reisepass, wir besorgten uns ein günstiges Bahnticket, kündigten Berliner Freunden unseren Besuch an (unser günstiger Flug ging ab Berlin, Düsseldorf hätte mehr als das Doppelte gekostet) und saßen dann tatsächlich nach einer halsbrecherischen Taxifahrt auf letzte Minute abends um 8 im ICE nach Berlin, der prompt aufgrund irgendwelcher Streckenumbauten nicht nach Berlin reinfuhr, so dass wir erst nach 1 Uhr bei Jakobs Freunden ankamen, die sogar noch ein warmes Essen für uns bereit hielten. Essen, quatschen, allerletzte Vorbereitungen (mir fiel plötzlich ein, dass ich ja vielleicht noch eine Auslandskrankenversicherung bräuchte), gegen drei lagen wir im Bett... im Wasserbett des nicht anwesenden WG-Mitbewohners. Da ich mich an das Schaukeln und die Wärme von unten nicht gewöhnen konnte, schlief ich die Nacht auf der relativ breiten hölzernen Begrenzung des Rahmen – sehr gemütlich. Aber egal, wir mußten ja eh um 5.15 aufstehen.

Freitag
Frühstück, ab zum Bahnhof. Und dann haben wir aus völliger Verpeiltheit unseren Zug zum Flughafen verpasst! Naja, 35 Minuten später kam der Nächste, Zugfahrt auf glühenden Kohlen, Sprint ins Flughafengebäude, denn die Israelis sollen ja sehr streng mit den Zeiten sein, und hatten extra angegeben, man solle wegen der Sicherheitschecks doch bitte 4 Stunden früher dasein... und dann Entwarnung, außer uns war noch fast niemand da. Die israelischen Sicherheitsangestellten nutzen diesen Umstand, um uns getrennt sehr ausführlich zu befragen, mich auf Englisch, Jakob auf Deutsch. Dazwischen trafen sie sich immer wieder und verglichen unsere Antworten. Ich mußte den Verlauf des Wanderwegs auf einer Israelkarte zeigen, meinen Emailaccount öffnen, meine berufliche Homepage wurde angeschaut, kontrolliert ob ich meine Telefonnummer auswendig kann, ob mein Anrufbeantworter sagt, ab wann ich wieder zu erreichen bin, und endlos viele Fragen beantworten: seit wann Jakob und ich uns kennen, wo und wie wir uns kennengelernt haben, wie oft wir uns sehen, in welcher Beziehung wir zueinander stehen, was mein Nachname bedeutet, warum ich Hebamme bin, was eine Hebamme eigentlich macht, warum ich lieber freiberuflich arbeite als angestellt, ob ich Sonnenbrille und Sonnencreme dabei habe usw. usf.
Dann haben sie sich noch die Erlaubnis geben lassen, unser gesamtes Gepäck auszupacken, habe alle elektronischen Teile mit so einem Schnüffelsensor abgerieben... und endlich bekamen wir unser O.K. Alles in allem hat unsere Sicherheitsüberprüfung über 1 Stunde gedauert.
Entweder die Leute hatten echt Langeweile, oder wir passten irgendwie nicht ins Schema der harmlosen Touristen. Was ihnen Sorgen zu machen schien, war, dass wir den Flug erst so kurz vorher gebucht hatten.
Das wirklich erstaunliche ist, dass ich mich trotz der sehr genauen Nachfragen, der doppelten und dreifachen Kontrollen usw. nie schikaniert gefühlt habe – 'mein' Sicherheitsbeamter war sehr freundlich, sehr professionell und sehr korrekt!
Danach folgte dann noch die übliche Sicherheitskontrolle, allerdings gleich zweimal, einmal ganz normal vor'm Betreten des DutyFreeBereiches, und dann nochmal vorm Betreten des Warteraumes aus, von dem geboardet wird.
Und endlich, endlich saßen wir an Bord!
Leider hatte Israir unser vegetarisches Essen vergessen, so dass wir stattdessen Extraportionen Hummus und Fladenbrot bekamen, und einen weiteren Nachtisch, hmmmm. Überhaupt fand ich den Flug sehr amüsant – eigentlich alle mitfliegenden Israelis standen die ganze Zeit im Gang rum, tauschten ständig Plätze, unterhielten sich lautstark durchs ganze Flugzeug, und die Flugbegleiter schoben sie einfach ganz selbstverständlich aus dem Weg, wenn sie durchwollten. Nach dem Frühstück wurde neben den Toiletten ein Wagen mit Getränken aufgestellt, an dem man sich einfach bedienen konnte, ohne immer eine Stewardess bemühen zu müssen. Sehr angenehm!
In Tel Aviv angekommen stellten wir dann fest, das mein Interviewer in Deutschland leider den Zettel mit den Namen, der Adresse und der Telefonnummer unserer Couchsurfing-Gastgeber behalten hatte – aber macht ja nichts, der vorausschauende Reisende schickt sich wichtige Dokumente selbst per Email... was garnicht hilft, wenn es im gesamten Flughafen kein Internet-Terminal gibt! Ich mußte also all meinen Charme aufbieten, um einen gelangweilten amerikanischen Geschäftsreisenden zu überreden, mich mal kurz sein Apple-Notebook samt kostenlosem Flughafen-Wlan nutzen zu lassen.
Der Versuch, unseren Wanderführer in einer der zahlreichen Buchhandlungen am Flughafen zu kaufen schlug auch fehl, da er nur in der Filiale im DutyFreeBereich geführt wurde, und aus dem waren wir ja nun schon raus. Grrr.
Schlußendlich saßen wir dann doch im Taxi, denn es war natürlich Shabbat, und da fahren Busse und Züge nicht.
Unsere Gastgeber, Eli und Regev empfingen uns sehr freundlich, kochten uns erstmal einen Tee, gaben uns unseren eigenen Schlüssel und machten eine kurze Stadtführung mit uns. Danach gingen sie zu Freunden, und wir erkundeten ein bißchen die Stadt, kauften etwas zu essen und fielen irgendwann todmüde ins Bett.

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Unser Bett auf dem komplett verglasten 'Balkon'

Samstag
Nach einem gemeinsamen Frühstück ging es zum Strand, und Eli zeigte uns Yaffa, während sie uns viel über die Geschichte der Stadt, aktuelle Probleme und den allgemeinen Konflikt erzählte, in dem Israel sich befindet. Abends gingen wir mit Eli, Regev und ein paar Freunden von ihnen noch etwas Trinken, und konnten beobachten, wir die Stadt bei Sonnenuntergang aus dem Shabbat erwacht. (Wobei der Shabbat in Tel Aviv nicht besonders streng gehandhabt wird, viele Läden und Cafés haben trotzdem auf)

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Der Stadtstrand von Yaffa

Sonntag
Wir stehen früh auf, denn wir müssen ja noch den Wanderführer, Essen und eine Gaskartusche kaufen, bevor wir gegen Mittag den Bus nach Tel Dan nehmen.
In beiden Outdoorläden in der Mall schaut man uns nur verwirrt an, von unserem Wanderführer haben sie noch nie gehört, und Kartuschen verkaufen sie aus Sicherheitsgründen nicht. Ahja. Wir versuchen erneut eine Buchhandlung, auch dort führen sie den Wanderführer nicht, teilt uns die Angestellte mit (die immerhin als erste schon mal davon gehört hatte). Jakob lässt sich nicht abwimmeln und durchsucht die englischsprachige Abteilung Buch für Buch – und siehe da, es gibt doch ein Exemplar! Glücklich ziehen wir von dannen zum nächsten Outdoorshop ein paar Strassen weiter, dort gibt es dann auch Gaskartuschen. Schnell noch Essen gekauft, Wasserflaschen gefüllt, ein kleines Dankeschön für unsere Gastgeber, die uns herzlich einladen, auf dem Rückweg wieder bei ihnen zu übernachten, und ab zum Bus.
Im Bus nach Dan sitzen außer uns nur Soldaten, für mich ein ungewohntes Bild – soviele Uniformen, und soviele Maschinengewehre.
Nach einer landschaftlich reizvollen Fahrt inclusive einem Abstecher zu jedem kleinen Ort auf dem Weg erreichen wir am frühen Abend den Kibbutz Dan, in dem der INT startet. Jakob möchte gerne noch ein paar Kilometer gehen, um am Trail das Zelt aufzuschlagen, ich bin skeptisch, da die Sonne schon sehr tief steht und ich ungern in die Dunkelheit hineinlaufen möchte. Während wir noch diskutierend und desorientiert (hinter einer Infotafel des INT gabelt sich der Weg in 3 Richtungen, und es ist nicht ganz klar, wo es lang geht), kommt ein Kibbutz-Bewohner im Jeep vorbei, fragt uns nach woher und wohin, und rät uns sehr eindringlich, die Nacht im Kibbutz zu verbringen, da es heute einen Raketenalarm gegeben hätte, und er davon ausginge, dass es heute Nacht zu Militärbewegungen im Grenzgebiet käme. Da der INT die erste Etappe nur 4 km von der Grenze zum Libanon entfernt wäre, würden wir eventuell dazwischen geraten. Er erlaubt uns, unser Zelt auf der Wiese aufzubauen, zeigt uns Toiletten und Wasserhahn, und schließt das Tor zum INT ab, um dann bei seiner Grenzzaunkontrolle weiterzumachen.
Abendessen, Zeltaufbau, schlafen. Die erste Nacht im neuen Zelt.

Montag
Morgens regnet es, so dass wir noch etwas länger liegenbleiben. Während Frühstück und Abbau immer wieder kurze Schauer. Sobald wir zum Abmarsch bereit sind, kommt die Sonne raus. Ich unterhalte mich noch ein wenig mit einer älteren Dame, die ganz begeistert ist, als sie uns deutsch sprechen hört, da sie selber ursprünglich aus Österreich kommt. Sie erzählt mir, dass außer ihrer Schwester und ihr die ganze Familie in Konzentrationslagern ermordet wurde. Sie selbst war nach der Flucht vor den Nazis nie wieder in Österreich und lebt seit der Staatsgründung in Israel. Ihr Mann spricht französisch und hebräisch und bringt mir das hebräische Wort für Hebamme bei. Die beiden wünschen uns alles Gute und sagen, sie freuen sich sehr, dass wir als Deutsche Israel besuchen kämen.

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Der Beginn des INT

Dann endlich geht unsere Wanderung los – erst ein kurzes Stück auf Asphalt, dann auf einer nicht asphaltierten Strasse und ganz schnell wird es ein Feldweg, zwischen Wiesen und Feldern entlang mit Blick auf die umliegenden Berge, insbesondere den Golan.

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Felder und Wiesen

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Berge in der Ferne

Bald schon kommen wir an einen kleinen Bach, den wir queren müssen.

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Kaum sind wir drüben, kommen zwei israelische Mädels am anderen Ufer an – Noa und Maja. Wir unterhalten uns ein bißchen, sie wollen den gesamten INT gehen. Dann ziehen wir weiter. Kurze Zeit später wird der Weg von einem Bach als Bachbett benutzt, so daß wir ein ganzes Stück durch erstaunlich kaltes Wasser laufen müssen. Watschuhe haben wir natürlich keine dabei, haben doch alle Quellen gesagt, mit Wasser sei nicht zu rechnen.
Einige Zeit später verläuft der INT ein ganzes Stück auf einer Strasse, auf der allerdings kein einziges Auto fährt – als wir die nächste Kreuzung erreichen, wissen wir auch warum: Diese Strasse ist gesperrtes Militärgebiet. Nunja, wir sind ja nur den Wegmarkern gefolgt... wären wir von der anderen Seite gekommen, hätte ich mich wohl nicht da rein getraut.

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Nun geht es durch einen Nationalpark, am Eingang muß man Eintritt bezahlen, bekommt eine kleine Infobroschüre, es gibt Toiletten und Picknickbänke. Wir füllen unsere Wasservorräte auf, und stellen fest, dass der Weg, der sowohl in unserem Buch als auch in der Broschüre als der INT gekennzeichnet ist, wegen Überschwemmung gesperrt ist. Netterweise ist eine Umgehung ausgeschildert, der wir folgen, bis sie plötzlich endet. Wir entdecken einen Marker, queren schnell ein Bächlein, und sind wieder auf dem richtigen Weg – der allerdings ziemlich schnell kein Weg mehr ist, sondern ein Bach!

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Erst hüpfen wir von Stein zu Stein, ich befürchte, dass wir gleich beide im Wasser liegen. Irgendwann sind dann nicht mehr genug Steine da, Schuhe aus, rein ins kalte Wasser, dass hier z.T. über kniehoch ist, aber zum Glück nicht sehr schnell fließt. Und plötzlich ist der Spuk vorbei, eine kleine Kletterei über einen großen Felsen (der eigentlich Weg stand zu hoch unter Wasser), und wir sind wieder auf dem Trockenen.

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Bei einer kurzen Pause überholen uns Noa und eine triefendnasse Maja – sie ist in den Fluß gefallen. Bald endet der Nationalpark, es geht ca. 3 km bergauf an einer Strasse entlang bis zum Kibbutz Ma'ayan Baruch, wo Noa und Maja erschöpft am Strassenrand sitzen und sagen, sie würden sich strikt weigern, auch nur einen Schritt weiter zu gehen und außerdem sei für heute Nacht ein Gewitter angekündigt. Gleich fahre ein Bus nach Kiryat Schmona, ob wir mitkommen wollen und und eine Unterkunft teilen, der Kibbutz habe nämlich kein Gästehaus. Der danebenstehende Polizist hört das, und bietet uns an, unsere Zelte in seinem Garten im Kibbutz aufzuschlagen. Wir nehmen dankend an, worauf sich der Sicherheitsposten des Kibbutz einschaltet und dem Polizisten klarmacht, dass Leute, die man am Strassenrand aufliest, nicht als Gäste gelten würden, und außer Gästen von Anwohnern dürfe über Nacht keiner im Kibbutz bleiben. Der Polizist empfiehlt uns, noch schnell den nächsten Hügel zu besteigen, dort oben könne man hervorragend zelten. Aufgrund des Gewitters finden wir aber, dass das keine so gute Idee sei. Daraufhin meint der Polizist, 300 m die Strasse wieder runter sei ein Campingplatz, der noch nicht geöffnet habe, aber er erlaube uns, über den Zaun zu klettern und dort zu campen. Wir machen uns also auf den Weg zurück, es sind eher 3 km als 300 m, der Campingplatz ist genau am Ausgang des Nationalparks. Ganz dekadent schlagen wir unsere Zelte auf der überdachten Terrasse des Campingplatz-Restaurants auf, da es inzwischen schon ziemlich düster aussieht. Und weil es so windig ist, benutzen wir die praktischerweise herumstehenden Tische als Windschutz, so dass unser Lager sehr schnell aussieht wie ein befestigtes Fort.

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Maja und Noa informieren die 3 hinter uns wandernde Jungs über unseren grandiosen Schlafplatz, und Jakob und ich stellen fest, dass die Toiletten zwar verschlossen sind, die Duschen aber auf, und dass das kalte Wasser sogar funktioniert. Zusammen mit dem Regen treffen die Jungs ein, es gibt eine große gemeinsame Kochsession und einer der Jungs ist sehr verwundert, als er meine Meindl-Schuhe sieht und auf Nachfrage erfährt, dass man die in Deutschland einfach so im Laden kaufen könne. Er hat seine beim Militär bekommen, und dort bekommt man Meindl-Stiefel nur, wenn man in einer speziellen Elite-Einheit ist. Spät am Abend fährt der Polizist nocheinmal vorbei, um sicherzugehen, dass bei uns alles in Ordnung ist. Es gewittert und blitzt die ganze Nacht durch, und wir sind froh, nicht auf irgendeinem ausgesetzten Hügel zu sein.

Dienstag
Die ganze Nacht hat der Regen auf das Wellblechdach geprasselt, und auch am beim Aufwachen schüttet es immer noch. Außerdem ist es kalt geworden. Gemeinsames Frühstück mit Noa und Maja in langer Unterwäsche und mit langen Gesichtern. Ich ziehe zum ersten Mal meinen Buff an, mit dem ich mich bis jetzt noch nicht so richtig anfreunden konnte. (Eingeweihte wissen, was für eine innige Beziehung aus desem zähen Start noch wurde) Jakob und ich verziehen uns nochmal ins Zelt, da ist es wenigstens kuschelig warm. Gegen Mittag stehen auch die Jungs auf, es regnet immer noch, wenn auch nicht mehr ganz so stark. Gemeinsam beschließen wir, noch einen Tag zu bleiben, wir sind halt irgendwie alle Weichei-Wanderer.

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Am Nachmittag wird das Wetter besser, zwischen den Schauern liegen jetzt auch mal trockene Phasen. Eine davon nutzen wir, um mit Noa zur nächsten Tankstelle zu laufen, dort gibt es nämlich eine Fallafel-Bude. Und was für eine! Ein richtig netter kleiner Imbiss und wirklich gutes Essen. Grandios!!! Danach statten wir dem Tankstellenladen noch einen kleinen Besuch ab, um Kekse und Wein zu kaufen.
Als wir zurück am Campingplatz sind, sitzt Maja alleine da – die Jungs haben es nicht mehr ausgehalten, untätig zu sein, und sind doch noch losgewandert. Dafür kam der Besitzer des Campingplatzes vorbei, der nicht so ganz begeistert davon war, dass wir dort 'illegal' zelten, es schlußendlich dann aber doch o.k. fand und sogar seine Handynummer hinterliess, falls etwas sein sollte.
Der Nachmittag vergeht träge, wir hängen rum, lesen, und ich bringe Jakob, Maja und Noa die einzig richtige Art bei, TimTams zu essen. (Falls es jemanden interessiert: Man beißt zwei sich diagonal gegnüberliegende Ecken ab, taucht den Keks mit der einen angebissenen Ecke in ein Heißgetränk, vorzugsweise starken Kaffee, und legt die Lippen an die andere angebissene Ecke. Dann benutzt man den Keks als Strohhalm und saugt das Heißgetränk zügig durch die schokoladige Füllung. Bevor der Keks sich auflöst, steckt man ihn ganz in den Mund. So hatt man erst Kaffee mit Schokogeschmack und dann Schokokeks getränkt mit Kaffee. Hmmmmmmm.)
Am frühen Abend trinken wir den Wein und krabbeln dann früh in die Schlafsäcke, schließlich wollen wir morgen wieder wandern.
Kaum sind wir eingeschlafen, laufen Leute um die Zelte – Verwandte des Campingplatzbesitzers, die meinen, sie hätten Einbrecher entdeckt. Maja klärt das Ganze auf, bietet auch an, den Besitzer anzurufen, dass wollen die Neuankömmlinge aber dann doch nicht. Kurze Zeit später wissen wir auch warum: Es treffen immer mehr Jugendliche ein, der Campingplatz ist (sicherlich ohne das Wissen seines Besitzers) der Ort, an dem sich die Jungen Leute der Umgebung zum Kiffen und Saufen treffen. Nanja, eine Weile ist es unruhig, dann ziehen sie alle ab, und wir können endlich schlafen.

Mittwoch
Kein Regen mehr, die Sonne scheint strahlend vom Himmel. Ich nutze diesen Umstand, um meinen Schlafsack ordentlich aufzuschütteln und zu lüften (dazu später mehr).
Die Tagesetappe beginnt mit 3 km bergauf entlang der Strasse – und ich fand diese Stück schon beim ersten Mal so nervig...

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Kibbutz Ma'ayan Baruch

Am Kibbutz geht es links auf einen unbefestigten Weg, der lehmige Boden ist schwer und vom Regen so klebrig, dass wir alle paar Meter stehen bleiben, um die riesigen Lehmplatten von unseren Schuhen zu lösen. Gehen mit einem Kilo Lehm an den Füßen ist nämlich ganz schon anstrengend.

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Es geht leicht bergauf, dann wieder an einer nicht befahrenen Strasse entlang zwischen Blumenwiesen. Die Wiesen sind bevölkert von unglaublichen Mengen Bienen, die uns natürlich sofort umschwirren. Jakob gerät in Panik, schlägt wild um sich und wird prompt ins Ohr gestochen. Durch einen kleinen Sprint lassen wir das inzwischen sehr aufgebrachte Bienenvolk hinter uns. Dann Stachelentfernung und ein ernstes Wort über den Umgang mit primär harmlosen Bienen – ich habe ja auch gut reden, ich hab ja schließlich keine Angst vor den Viechern ;-)

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Die Blumenwiesen

Danach geht es weiter bergauf, am Kibbutz Kfar Giladi vorbei, wo vor dem Friedhof die Trümmer der libanesischen Rakete liegen, die dort 2006 zwölf Soldaten getötet hat. Diese ständige Präsenz von Krieg und Bedrohung ist für mich ein sehr eigenartiges Gefühl, habe ich doch bis jetzt ein Leben geführt, in dem soetwas unvorstellbar ist! Wir hätten den kleinen Friedhof gerne besichtigt, haben es dann aber gelassen, da dort gerade eine Beerdigung oder eine Zeremonie stattfand, und wir nicht stören wollten.
Von Kfar Giladi aus geht es dann wieder bergab durch ein enges Tal voller Blumen, nur um direkt danach weder bergauf zu gehen. Irgenwie steht in unserem Wanderführer garnichts von Steigungen, komisch.

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Weiß jemand, was für Blumen das sind?

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Noch mehr Blumen

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Bergauf (bitte beachtet die fluvialen Strukturen, die das Herz des Geographen an meiner Seite höher schlagen ließen :grins:)

Schließlich führen uns die Trailmarker auf eine z.T geschotterte, z.T.asphaltierte und z.T. garnicht versiegelte 'Strasse', die laut pompösem Schild eine 'Scenic Route' ist. Obwohl wir den Großteil des Tages auf dieser Strasse zubringen, begegnen uns nur 3 Autos, viel befahren scheint diese Scenic Route nicht zu sein. Das ganze wirkt etwas bizarr; obwohl nichts los ist, ist die Strasse offensichtlich für große Touristenmengen ausgelegt: Es gibt immer wieder angelegte Rastplätze mit Bänken, riesigen Barbecues, usw.
Und es geht die ganze Zeit bergauf.

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Aussicht

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Das Wäldchen am Strassenrand

In einem Wäldchen am Strassenrand treffen wir auf alte Bekannte: Die drei Jungs. Ihnen ist das Wasser ausgegangen, da helfen wir doch gerne aus und geben ihnen was von uns ab, schließlich wissen wir aufgrund unseres grandiosen Wanderführers, dass in einigen Kilometern auf der rechten Seite ein kleiner Pfad abgeht, der zu einer Farm führt, an der man Wasser bekommt (Noch haben wir Illusionen über die Genauigkeit des Wanderführers). Die Landschaft verändert sich merklich, wir kommen immer höher. Nur der Pfad zur Rechten, zur Farm, den sehen wir irgendwie nicht, rechts ist nur ein steiler Hang. Naja, macht nichts, noch haben wir ja Wasser. Da es rechts neben der Strasse steil hoch geht, und links steil runter, machen wir unsere Mittagspause eben auf der Strasse: Isomatte ausgerollt, Süppchen gekocht, Beine ausgestreckt. Es kommt kein Auto.

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Noch eine Aussicht

Danach geht es weiter, die Abzweigung zur Farm kommt und kommt nicht, wir haben zu zweit jetzt nur noch einen halben Liter übrig. Und plötzlich weisen die Trailmarker nach links, einen kleinen Pfad runter. Verwirrung, Kompass und Karte rausgeholt: Die Farm hätte schon vor geraumer Zeit zu unserer Rechten liegen müssen. Naja, aber wir sind doch nicht blind, da war doch nur ein steiler Hang, oder doch nicht? Während wir noch da stehen, kommt ein Auto von hinten (das zweite des Tages) und wer sitzt darin: Noa und Maja. Da ihnen die Füße wehtaten, haben sie das Auto angehalten. Der Fahrer erzählt von einer Campsite, nur ca 2 km die Strasse entlang und dann direkt rechts, garnicht weit... wir beschließen, auch dort übernachten zu wollen, scherzen mit Noa und Maja, sie sollen schon mal Essen kochen, wir wären dann in 30 Minuten da, und winken dem Auto hinterher.

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Blick in's Tal

Wandern die Strasse entlang weiter, die nach ca. 2 km auch tatsächlich endet und auf eine richtige, asphaltierte Strasse trifft. Diese Strasse zieht sich rechts den Berg hoch, und man kann gut sehen, dass da den nächsten Kilometer kein Campingplatz, kein Haus, keine Wiese ist – es geht nämlich nur steil bergauf!
Und schonwieder stehen wir ratlos an einer Abzweigung. Karte raus, Kompass gezückt, zweite Karte raus, hin und herüberlegt. Der nächste verzeichnete Ort ist ein ganzes Stück den Berg runter. Wenn wir da jetzt hintrampen, um Wasser zu holen, kommen wir vor Einbruch der Dunkelheit nicht zurück, dass heißt, wir müssen uns im Ort eine Unterkunft suchen. Darauf haben wir beide keine Lust. Hinter uns kommt das dritte Auto des Tages die Scenic Route entlang – und hält an. Der Fahrer fragt uns, ob wir Hilfe bräuchten oder uns verirrt hätten. Wir erzählen, und er bietet uns an, uns mit in den Ort zu nehmen und uns seine noch komplett volle 1,5l Flasche Wasser zu schenken. Damit ist die Entscheidung gefallen: Wir nehmen das Wasser aber lehen die Mitfahrgelegenheit ab, laufen in der schnell hereinbrechenden Dämmerung noch ein Stück auf der Scenic Route zurück zu einer kleinen Wiese, die sich hervorragend zum wildzelten eignet. 2 l wasser reichen schließlich für die Nacht, und am nächsten Morgen werden wir zurücklaufen zur Strasse, in den Ort trampen, Wasser holen, zurück trampen und weiterwandern, so ist der Plan.

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Abendstimmung

Während wir das Zelt im halbdunkeln aufbauen, verspricht mir Jakob leckeres Essen und danach einen heißen Tee unter'm Sternenhimmel... aus beidem wird leider nichts, den unser Kocher, der uns vor ein paar Stunden noch klaglos Suppe gekocht hat, funktioniert nicht mehr. Eine genauere Untersuchung ergibt, dass ein ganz wesentlicher Pinöppel weg ist. Wir suchen die Wiese mit der Taschenlampe ab, geben schlussendlich aber auf, und legen uns hungrig und verfroren in die Schlafsäcke, essen noch ein bißchen Müsli und eine Handvoll Nüsse und schlafen schnell ein.
Schon beim Reinkriechen in den Schlafsack hatte ich mich kurz über das daunig-flauschige Gefühl an meinem Hintern gewundert... und irgendwie wurde es mir während des Essens auch garnicht so richtig warm, obwohl mir sonst immer nach spätestens 10 Minuten im Schlafsack immer schon muckelig ist, komisch, warum nur... und zack, war ich schon eingeschlafen. Währed der Nacht wache ich immer wieder halb auf, mir ist arschkalt, ich bilde mir sogar ein, die Kälte durch die Oberseite des Schlafsackes hereinziehen zu fühlen, kann ja nicht sein. Gegen vier gebe ich auf, wecke Jakob, und verlange, dass er seinen Schlafsack mit mir teilt. Innerhalb 10 Minuten ist mir brüllend heiß, so zu zweit in einem Sack, dass wärmt ganz gut. Wir dösen beide noch ein wenig vor uns hin, es ist doch etwas eng...

Donnerstag
Als es hell wird, erkenne ich, warum ich so gefroren habe: Gestern morgen, als ich meinen Schlafsack so voller Elan aufgeschüttelt habe, habe ich alle Daunen in die Rückenseite geschüttelt. Der Apache hat durchgehende Kammern, nicht dass ich das nicht gewußt hätte... Daher auch also das daunige Gefühl am Popo. Geschlafen habe ich auf knapp 500 g feinster Daune, zugedeckt mit zwei Schichten dünner Mikrofaser. Eine Meisterleistung an Intelligenz meinerseits! :roll:
Als wir aus dem Zelt krabbeln, erwartet uns ein Anblick, den ich bis jetzt nur aus dem Flugzeug kenne – wir sind über den Wolken!

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Man bekommt direkt Lust, mit Anlauf in diese flaumig-wattige Schicht zu springen ;-)
Nach dem Frühstück trage ich das Zelt in die Sonne auf den Weg, damit es trocknen kann. Zum esrten Mal ist es vom Kondens wirklich nass geworden – gestern Abend war es so windig, dass ich das Zelt bis zum Boden runtergezogen hatte, über Nacht wurde es dann aber komplett windstill, und das lange Gras tat sein Übriges.

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Als wir gerade auf der Strasse das Zelt und die letzten Dinge zusammenpacken, kommt das erste Auto des Tages vorbei. Und hält auch prompt wieder an, um uns zu fragen, ob wir Wasser brauchen (unsere leeren Wasserflaschen liegen neben dem Rucksack auf dem Boden). Wir bejahen, und der Fahrer füllt uns nicht nur die beiden leeren Flaschen in Sichtweite, sondern besteht darauf, dass wir alle Wasserbehältnisse auspacken. Insgesamt schenkt er uns 9 Liter Wasser aus dem Wassertank auf seiner Ladefläche und erzählt uns, dass er Kühe habe, die hier irgendwo frei rumliefen, und denen bringe er alle paar Tage Wasser.

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Eine der freilaufenden Kühe

Völlig fassungslos über unser großes Glück, das uns einen langen Umweg erspart, brechen wir auf. Es geht wieder bergab, über kleine, z.T. schattige Pfade, und nach ca. 1 Stunde findet sich zu unserer rechten ein kleines Hinweisschild auf die Farm, die wir gestern vergebens gesucht hatten. Sie war schlichtweg auf dem falschen Kartenausschnitt eingetragen. Naja, jetzt haben wir ja genug Wasser.

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Die Sonne brezelt heute extrem, so dass ich mir was Langärmeliges überziehen muss, um keinen Sonnenbrand zu kriegen. Der schmale Weg ist ganz schön zugewuchert, die dornigen Büsche rechts und links kratzen an den nackten Beinen (wir haben keine Gamaschen dabei) und reißen kleine Stücke aus Jakobs auußen befestigter Isomatte.

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Wir beschließen, weiterzulaufen bis nach Ramot Naftali, dem nächsten Ort am Trail, wo es laut unserem tollen Buch einen Laden gibt. Wir hoffen, dass dieser Laden Campingkocher führt, obwohl wir es eigentlich nicht glauben, und beschließen, im Notfall nach Kiryat Shmona zu trampen, der größten (und häßlichsten) Stadt in der Region.
Bei jeder Pause hoffen wir, von Noa und Maja überholt zu werden - ein wenig Sorgen machen wir uns schon um sie, im Auto mit zwei fremden Männern, die sie mitnehmen wollen zu einem Campingplatz „ganz in der Nähe“, der auf keiner Karte eingezeichnet ist und wohl auch doch nicht ganz so nah... wir haben sie leider nie wieder gesehen! Da wir auch keine Emailadressen ausgetauscht haben (wir gingen alle davon aus, uns noch mehrmals zu sehen), weiß ich nicht, was aus ihnen geworden ist, und ob sie tatsächlich wie geplant den gesamten INT gegangen sind.
Nach einer kurzen Strassenpassage kommt die nächste Scenig Reserve, in diesem Fall eine Schlucht, in der angeblich besonders viele Iris' wachsen. Als wir am Eingang der Schlucht ankommen, sammelt sich dort gerade eine riesige Gruppe Schulkinder – alles Jungs, alle mit Kofbedeckung, und bei vielen schauen die langen Schnüre unter den T-Shirts hervor. Ein junger Mann mit umgehängtem Maschinengewehr bittet uns, kurz zu warten, bis alle Kinder in der Schlucht seien, um die Gruppe nicht zu trennen. Wir haben nichts dagegen, und er erzählt uns angeregt, dass es eine Klassenfahrt von Schülern aus Jerusalem sei, er gehöre zum Wachpersonal der Schule, sie machten eine Tour durch Israel, um den Kindern die landschaftlichen Höhepunkte zu zeigen. Dann befragt er uns nach dem woher und wohin, wie es uns bis jetzt gefällt, wo wir noch hinwollen, usw. um dann irgendwann zu fragen, wo genau aus Amerika wir denn her seien. Als wir sagen: Nein, nein, wir kommen nicht aus Amerika, wir kommen aus Deutschland, schaut er uns kurz verwundert an, meint, wir hätten ja Nerven, als Deutsche nach Israel zu kommen, und dreht uns dann konsequent den Rücken zu und sprcht kein Wort mehr. Wir sind etwas verdutzt. Im Vorfeld hatte ich erwartet, häufiger auf solche Kommentare bzw. auf Ablehnung aufgrund unserer Nationalität zu stossen. Da wir bis jetzt aber das genaue Gegenteil erfahren hatten, traf es mich dann doch etwas unvorbereitet.

http://fotos.outdoorseiten.net/data/500/medium/CIMG0705.JPG (http://fotos.outdoorseiten.net/showphoto.php/photo/6370)
Der Einstieg in die Schlucht

Wir lassen der Gruppe noch etwas Vorsprung, und begeben uns dann selbst in die Schlucht. Erst ist es nur steinig, dann kommen erste Passagen, wo man sich doch etwas am Fels fethalten muss, und am Schluss klettert man mit Riesenrucksack über große Steine. Zum Glück sind in einige davon Stahltritte eingeschlagen, sonst wäre ich dort nicht hochgekommen. Auch so finde ich es ganz schön anstrengend, weil die Stahlhaken offensichtlich für Leute mit etwas mehr Armspannweite und deutlich längeren Beinen als ich gemacht wurden. Aber es macht Spass!

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Im Anschluss daran zieht sich ein schmaler Weg wieder einen Hügel hoch, um schlussendlich an einem Denkmal zu enden, das derartig monumental ist, dass wir schnell das Weite suchen, nachdem wir uns am öffentlichen Wasserhahn schnell Gesicht und Hände gewaschen haben. Wir verlassen hier den Trail und wandern die Strasse entlang nach Ramot Naftali. Auch hier ein Zaun drumrum, ein bewaffneter Wachposten im Häuschen. Es ist kein Kibbutz, sondern ein Moshav, eine genossenschaftlich organisierte Dorfgemeinschaft. Am Eingang des Dorfes finden wir ein kleines Hinwesschild, dass dem unserer Campinplätze ziemlcih ähnlich sieht. Als wir anfareg, ob wir hier zelten könnten, schaut die Besitzerin allerdings etwas verwundert, denn sie vermietet nur Zimmer. Sie meint aber, eigentlich sei es ihr egal, wir könne unser Zelt einfach aufstellen und gerne auch die neugebaute offene Küche nutzen. Wenn wir eine Dusche wollten, ginge das auch, ihr jüngster Sohn sei nicht da, wir könnten sein Bad benutzen. Gesagt, getan, wir duschen schnell und erkunden dann den Ort, auf der Suche nach dem Laden. Obwohl er laut angegebenen Öffnungszeiten schon länsgt aufhaben sollte (Öffnungszeiten: 2 Stunden am Morgen, 1 Stunde am frühen Abend), ist noch keiner zu sehen, so dass wir uns auf dem Dorfplatz in die Abendsonne setzen und das Leben genießen. Gegenüber hält ein Bus und mengenweise Kinder aller Alterstufen springen heraus – Miriam, unsere Wirtin, erzählt uns später, dies sei der Schulbus gewesen, da der Ort leider keine eigenen Schule mehr habe und die Kinder jeden Tag mehrere Stunden hin und her fahren. Irgendwann öffnet dann auch der Laden, es gibt Gaskartuschen, aber leider keinen Kocher, so dass wir nur etwas Brot, Obst, Oliven, Hummus, gefüllte Weinblätter und Schokopudding kaufen. Es gibt es erstmal ein dickes Festmahl auf der Terasse, und wir beschließen, dass wir unser Zelt mal wider ganz dekadent unter dem Dach aufbauen werden, statt auf der etwas unebenen Wiese. Miriam gibt ihr o.k., also machen wir es. Abends wird es wie immer kalt, und wir kriechen in die Schlafsäcke. Gute Nacht!

http://fotos.outdoorseiten.net/data/500/medium/CIMG0712.JPG (http://fotos.outdoorseiten.net/showphoto.php/photo/6374)

Freitag
Nach einem ausführlichen Frühstück mit tierischem 'Besuch' machen wir uns auf den Weg nach Kiryat Shmona.

http://fotos.outdoorseiten.net/data/500/medium/CIMG0718.JPG (http://fotos.outdoorseiten.net/showphoto.php/photo/6527)
Unser Frühtücksgast

Zuerst zu Fuß zurück zur nächsten großen Kreuzung. Viel Verkehr ist nicht, und als wir nach 12 Minuten immernoch am Strassenrand stehen, fange ich an zu fluchen und zu schimpfen... ich bin leider eine sehr verwöhnte Tramperin.
Kurz darauf nimmt uns dann aber doch ein nettes Päarchen mit, auch sie ursprünglich europäische Israelis. Wir lassen uns mitnehmen bis zum großen Einkaufskomplex am Stadtrand, wo es laut Aussage von Miriam einen Outdoorladen geben soll. Unsere Frage nach einem Kocher stößt dort allerdings auf verwunderte Blicke, sie seien schließlich ein Outdoor-Sport-Laden. Aha. Der Verkäufer schickt uns zur nächsten Tankstelle, die führen aber auch keine Kocher, schicken uns weiter zum Baumarkt. Dort gibt es Kocher – zweiflammige Kocher im Koffer, komplett mit Geschirr und Besteck für 4 Personen. Woanders gäbe es in Kiryat Shmona keine Kocher, teilt uns der Verkäufer mit.
Inzwischen schauen wir schon etwas genervt aus der Wäsche, beschließen, erstmal unsere Lebensmittelvorräte im Supermarkt aufzustocken und dann notgedrungen weiterzutrampen bis zur Tankstelle in der Nähe von Ma'ayan Baruch, da hatten sie nämlich kleine Gaskocher.
Im Supermarkt hört uns ein Mann deutsch sprechen (übrigens ist einkaufen in einem Land mit 'fremden' Schriftzeichen ein recht abenteuerliches Unterfangen. Man orientiert sch halt doch sehr an den Bildern auf der Verpackung... und dass die Werbung manchmal lügt, wissen wir ja alle :grins:) und spricht uns begeistert an, um zu erfragen, wo genau aus Holland wir denn herkämen – "nein, nicht Holland, Deutschland", antworten wir, was er sehr komisch findet, denn seine Frau ist Holländerin, und die klänge genauso wie wir, wenn sie mit ihrer Familie telefoniert. Natürlich befragt auch er uns ausführlich nach woher und wohin, wir erzählen vom Kocherdrama, und er sagt, es gäbe ganz am anderen Ende der Stadt noch einen Outdoorladen in einer großen Shopping-Mall. Er wohne eh dort in der Richtung, er würde uns mit dahin nehmen. Gesagt, getan. Auf dem Weg stellt sich dann heraus, das er auf der halben Strecke wohnt, für uns also gerade einen großen Umweg fährt. An der Mall angekommen, kommt er mit hinein, weil er meint, falls sie dort keinen Kocher hätten, würde er einen Freund anrufen, der öfter Wandern gehe, damit der uns seinen Kocher leiht. Wir sind mal wieder erstaunt über soviel Freundlichkeit gegenüber Fremden.
Im Laden gibt es aber Kocher – wir kaufen einen, und unser Stechkartuschenadapter erregt großes Aufsehen, da keiner der Mitarbeiter soetwas je gesehen hat. Vor ein paar Monaten seien aber europäische Touristen dagewesen, die nach soetwas gefragt hätten, und da hatte der Ladenbesitzer geglaubt, die hätten einfach keine Ahnung. (Falls also jemand ein zweites Standbein braucht: Import von Stechkartuschenadaptern nach Israel ;-) )
Unser netter Fahrer besteht darauf, uns zum anderen Ende der Stadt zurück zu fahren, da trampen in der Stadt kaum möglich sei und der Weg so weit. Während der Fahrt erzählt er uns noch, wie er nach Israel gekommen ist, er ist nämlich eigentlich Amerikaner, gehört aber einer christlichen Freikirche an, die eine große Gemeinde in Israel unterhält, um die grenznahen Gebiete zu besiedeln.
2 Mitfahrgelegenheiten später sind wir wieder in Ramot Naftali, wo wir uns erstmal ein Mittagessen zubereiten, während langsam Gewitterwolken aufziehen und es immer dunkler wird. Kaum sind wir mit Essen fertig, fängt es an, wie wild zu regnen, Blitz und Donner toben, und wir beschließen, doch noch eine Nacht hierzubleiben. Weicheiwanderer eben. ;-)
Der Versuch, den neuen Kocher in Betrieb zu nehmen, ist leider nicht von Erfolg gekrönt: Es kommt einfach kein Gas raus. Schimpfend gehen wir davon aus, das unser vor wenigen Stunden noch so hochgelobter Adapter offensichtlich defekt ist, und wir jetzt also eine Schraubkartusche zu unserem neuen Kocher benötigen. Da inzwischen natürlich auch schon wieder Shabbat ist, kostet uns das noch einen weiteren Tag. Ärgerlich!
Später am Abend gibt es noch einen Stromausfall, der aber nach ca. einer Stunde behoben ist. Macht uns nichts, wir liegen eh schon in den Säcken, da es mit dem Gewitter richtig kalt geworden ist.

Samstag
Die ganze Nacht durch hat ein Gewitter getobt, auch am Morgen regnet es immer wieder, der Himmel hängt voller dunkler Wolken und es ist kalt - arschkalt!
Wir sitzen dick bekleidet und mit Mützen beim Frühstück, als Miriam in Daunenjacke vorbeikommt, uns Kuchen bringt und den Wetterbericht für den Tag mitteilt: Schauer, gegen Mittag kurz trocken aber bedeckt, abends Regen und evtl. Gewitter in der Nacht. Ab morgen früh aufklarend.
Jakob und ich beratschlagen, unser Plan für den Tag war eine kleine Wanderung in der Region gewesen, um dann morgen früh schnell eine neue Gaskatusche zu besorgen und weiterzuziehen. Bei diesem Wetter erscheint uns das aber alles nicht besonders reizvoll und kalt ist uns auch. Der Krisenrat ergibt: Wir wollen ein Zimmer! Mit Heißwasser! Miriam und ihr Mann sagen, sie haben keine Lust, am Shabbat die freigewordenen kleinen Zimmer mit Dusche zu putzen, sie würde uns für den selben Preis ein großes Zimmer mit Jacuzzi geben - da sind wir doch dabei :-)

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Das Zimmer

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Das Beste am Zimmer

Einzug in unser neues Luxusheim, Miriam erklärt uns, wie man die Klimaanlage anmacht. Ich schaue offensichtlich so verdutzt, dass sie erklärt, die würde auch heizen. Ach so! Also, Heizung an, Jacken aus, dreckige Klamotten in den Jacuzzi und Waschtag gemacht. Als das ganze Zimmer voller nasser Wäsche hängt, springen Jakob und ich in die Wanne und bleiben drin, bis das warme Wasser alle ist. Toll!!!

http://fotos.outdoorseiten.net/data/500/medium/CIMG0747.JPG (http://fotos.outdoorseiten.net/showphoto.php/photo/7850)
Waschtag!

Die mittägliche Regenpause nutzen wir, um unsere nassen Sachen draußen in den Wind zu hängen, danach sind sie fast trocken. Der Rest des Tages vergeht mit essen (zum Zimmer gehört ein Obst-, Kuchen- und Schokoladenteller), teetrinken, lesen, dösen und dem Regen zuhören, der gegen die Fenster prasselt. Sehr gemütlich hier...

Da ich die maximale Länge für einen Beitrag sonst überschreite, kommen die nächsten Tage in einem neuen Beitrag hier im Thread.

Grüße,
Rana

paddel
26.07.2009, 16:53
Der Anfang klingt ja schonmal super interessant.:p

Bitte so bald wie möglich weiter schreiben.

Rainer Duesmann
26.07.2009, 17:02
Die israelischen Sicherheitsangestellten nutzen diesen Umstand, um uns getrennt sehr ausführlich zu befragen, mich auf Englisch, Jakob auf Deutsch. Dazwischen trafen sie sich immer wieder und verglichen unsere Antworten. Ich mußte den Verlauf des Wanderwegs auf einer Israelkarte zeigen, meinen Emailaccount öffnen, meine berufliche Homepage wurde angeschaut, kontrolliert ob ich meine Telefonnummer auswendig kann, ob mein Anrufbeantworter sagt, ab wann ich wieder zu erreichen bin, und endlos viele Fragen beantworten: seit wann Jakob und ich uns kennen, wo und wie wir uns kennengelernt haben, wie oft wir uns sehen, in welcher Beziehung wir zueinander stehen, was mein Nachname bedeutet, warum ich Hebamme bin, was eine Hebamme eigentlich macht, warum ich lieber freiberuflich arbeite als angestellt, ob ich Sonnenbrille und Sonnencreme dabei habe usw. usf.
Alles in allem hat unsere Sicherheitsüberprüfung über 1 Stunde gedauert....

Ganz ehrlich. Wenn ich das höre, da vergeht mir die Lust auf das Reiseziel Israel. Vielleicht bin ich da auch zu empfindlich, mag sein. :o

Ansonsten, besten Dank für den Bericht. Liest sich sehr gut. ;-)

Beste Grüße,
Rainer

Sinister
26.07.2009, 17:24
schön geschrieben, unglaublich interessant. Ich freue mich auf die Fortsetzung :)

Wooki
27.07.2009, 00:01
Toller Bericht - Freue mich auf die Fortsetzung

konamann
27.07.2009, 01:04
sehr interessant!
Israel hatte ich irgendwie noch nie auf meinem wanderhorizont!

Anja2
27.07.2009, 13:02
Hallo Rana, danke für den Bericht, er versüsst mir die Mittagspause, bitte weiter schreiben!


Ganz ehrlich. Wenn ich das höre, da vergeht mir die Lust auf das Reiseziel Israel. Vielleicht bin ich da auch zu empfindlich, mag sein.
eftl. sollte man nicht als Mitglied der Autonomen Buff - Fraktion aufschlagen!:bg:

L.G. Anja

digriz
27.07.2009, 13:24
Super Bericht, bin auf die Fortsetzung gespannt:p
Grüße
digriz
PS:

Ganz ehrlich. Wenn ich das höre, da vergeht mir die Lust auf das Reiseziel Israel. Vielleicht bin ich da auch zu empfindlich, mag sein.
Mir ist es lieber etwas ausführlicher kontrolliert zu werden, um dann beim Fliegen ein sicheres Gefühl zu haben.:ignore:

Rainer Duesmann
27.07.2009, 13:51
PS:

Mir ist es lieber etwas ausführlicher kontrolliert zu werden, um dann beim Fliegen ein sicheres Gefühl zu haben.:ignore:


"Wer die Freiheit aufgibt um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren". *Benjamin Franklin*

:ignore:

Wann gehts weiter Rana?

Beste Grüße,
Rainer

ranunkelruebe
27.07.2009, 16:29
Hallo!

Ich habe noch zwei Tage zugefügt.
Danke für eure netten Kommentare, es freut mich, wenn es euch gefällt!!!

Rana

ranunkelruebe
27.07.2009, 16:31
"Wer die Freiheit aufgibt um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren". *Benjamin Franklin*
:ignore:


Nunja, wenn du so argumentierst, müßtest du auch gegen jegliche Sicherheitsüberprüfung an Flughäfen sein...




Wann gehts weiter Rana?


Ähhh, wenn ich meine Steuererklärung endlich fertig habe? :grins:

Rana

dooley242
27.07.2009, 19:04
Israel hab ich mir immer anders vorgestellt.

Das sieht ja teilweise richtig schön aus .:o

ranunkelruebe
27.07.2009, 21:40
Das sieht ja teilweise richtig schön aus .:o

Wie, was soll das denn heißen? Klar ist Israel schön! Warum denn auch nicht... :grins:

Habe übrigens noch einen Tag hinzugefügt...

Rana

konamann
27.07.2009, 22:07
ich hätte irgendwie auch ein bisschen mehr wüste mit eher vereinzelten vegetationsbereichen erwartet.

aber so eine grüne und schöne landschaft... nicht schlecht!

Mr.Sunrise
27.07.2009, 22:12
Ein sehr schöner Bericht bisher! Als ich die Bilder gesehen habe habe ich auch zuerst gedacht - das ist Israel?
Sehr schön, bin gespannt auf die Fortsetzung.

Beste Grüße,
Daniel

ranunkelruebe
27.07.2009, 23:01
Ja, ihr müsst aber bedenken, ich bin gaaaanz oben im Norden von Israel - bevor hier gesiedelt wurde, war das eine riesige Sumpflandschaft, in der jedes Jahr Millionen von Vögeln auf ihren Wanderungen gerastet haben... nix trocken und so. Ist aber halt auch noch Frühjahr, ich könnte mir vorstellen, dass es da Ende September ganz anders aussieht.

Gute Nacht,
Rana

Edith sagt: Das hier ist das Tal, das man auf unseren Photos sieht
http://en.wikipedia.org/wiki/Hula_Valley

Menelaos
28.07.2009, 01:37
Supi Bericht ... freue mich auf die Fortsetzung!

ranunkelruebe
01.08.2009, 12:07
Hallo!

Nicht das ich meinen Bericht vergessen hätte - ich hab nur gerade garkeine Zeit, weiterzuschreiben...

Bitte noch etwas geduld, dann geht's weiter,

Schönes Wochenende,
Rana

Julia
02.08.2009, 13:10
http://fotos.outdoorseiten.net/data/500/medium/CIMG0661.JPG (http://fotos.outdoorseiten.net/showphoto.php/photo/6346)
Weiß jemand, was für Blumen das sind?

Alpenveilchen :).

ranunkelruebe
11.08.2009, 23:58
Alpenveilchen :).

Danke!

habe noch einen kurzen Tag hinzugefügt. Bald mehr.

Liebe Grüße,
Rana

samsons_fox
16.08.2009, 16:40
hallo rana !
echt toller beitrag den du da geschrieben hast. war zwar schon sehr oft in israel, aber so hab ich das land noch nie erlebt. ich hoffe das mal nachholen zu können. mir persönlich gefällt es sehr gut auf den golan höhen, wenn sich die farbe der landschaft dauernd verändert.
liebe grüsse aus at
harry

Goettergatte
16.08.2009, 22:08
Schön grün ist es, das (un)Heilige Land.
Wie sähe es wohl aus, wenn das Wasser des Golan gerecht verteilt wäre???
(:motz:)

Aber ein schöner Bericht, danke.

samsons_fox
17.08.2009, 07:29
Wie sähe es wohl aus, wenn das Wasser des Golan gerecht verteilt wäre???
()
man könnte hier eine endlos lange diskussion führen, ich persönlich kann hierzu keinen kommentar abgeben, weil ich nicht "neutral" sein kann.

für mich ist israel das grösste museum in dem ich je war, ranas bericht ist für mich eine erinnerung an eine tolle erlebnisreiche zeit.
grüsse
harry

Goettergatte
17.08.2009, 09:07
man könnte hier eine endlos lange diskussion führen, ich persönlich kann hierzu keinen kommentar abgeben, weil ich nicht "neutral" sein kann.

für mich ist israel das grösste museum in dem ich je war, ranas bericht ist für mich eine erinnerung an eine tolle erlebnisreiche zeit.
grüsse
harry


Du hast zweifelsohne Recht!
Ich will auch nicht an Israels Sicherheit und Existenzrecht rühren.
Es ist wahrlich und leider der meistbedrohte Staat auf der Welt.

ranunkelruebe
01.11.2009, 20:42
Sonntag
Morgens um 8 bringt Miriam uns ein dickes Frühstück: Cornflakes, Müsli, Milch, Brot und Hörnchen, Butter, Käse, Marmelade, Honig, Omelette mit Kräutern, Tomaten-Gurken-Salat, Thunfischdip, Joghurt, selbstgepressten Zitrusfrüchte-Saft, hmmmmm!
Danach packen wir unseren Kram und statten dem kleinen Lädchen einen Besuch ab, leider gibt es aber nur Stechkartuschen, keine mit Gewinde. Also auf nach Kiryat Shmona. Miriam nimmt uns mit in den Ort und setzt uns am Einkaufszentrum ab, wir kaufen eine Kartusche und ein paar Fressalien, und wandern die lange Durchgangsstraße entlang. Kiryat Shmona ist nicht besonders schön, viele runtergekommene Häuser, aber wir haben natürlich auch nur einen kleinen Teil gesehen, vielleicht nicht den Besten. Entlang der Straße gibt es immer wieder Denkmäler, Reste von Raketen und alte Panzer, die uns daran erinnern, das dieser Ort relativ regelmäßig vom Libanon aus bombardiert wird. Die Vorwarnzeit für Raketeneinschläge beträgt 10-60 Sekunden, so dass es oft Tote gibt. Zum ersten mal fühle ich mich unsicher, möchte schnellstmöglich weg von hier. Später erfahren wir, dass die israelische Regierung armen Familien Land bzw. Häuser in Kiryat Shmona kostenlos überlässt und es z.T. noch andere finanzielle Anreize (Steuererlasse, Zuschüsse) gibt, wenn man bereit ist, hier zu wohnen und diesen umkämpften Teil Israels besiedelt zu halten.
An einer Falaffel-Bude holen wir uns unser Mittagessen, und kommen irgendwann am anderen Ende der Stadt an, von wo aus wir endlich zurück nach Ramot Naftali trampen können. Wir sammeln unseren Kram ein, verabschieden uns von Miriam und Familie und wandern zurück zum INT - endlich!
Kaum zurück auf dem Trail, nur wenige Meter von der Straße entfernt, liegt direkt am Weg n einer Senke eine Ruine, ziemlich groß, und ziemlich eindrucksvoll. Unser Führer enthält die Geschichte des nur wenige hundert Meter entfernten Koach Fort zweimal, obwohl sie dort auch in Englisch und hebräisch auf Hinweistafeln angebracht ist, von dieser (sehr viel besser erhaltenen) Befestigungsanlage erwähnt er nur den Namen: Nebi Yusha.
Auch das Internet gibt nicht viel her, hier ein Link.
http://www.palmach.org.il/show_item.asp?levelId=42858&itemId=8785&itemType=0

http://fotos.outdoorseiten.net/data/500/medium/CIMG0751.JPG (http://fotos.outdoorseiten.net/showphoto.php/photo/7852)
Nebi Yusha

http://fotos.outdoorseiten.net/data/500/medium/CIMG0757.JPG (http://fotos.outdoorseiten.net/showphoto.php/photo/7853)
Fast wie beim Herrn der Ringe, der Baum

http://fotos.outdoorseiten.net/data/500/medium/CIMG0759.JPG (http://fotos.outdoorseiten.net/showphoto.php/photo/7855)
So ist die Anlage gebaut

Wir schauen uns alles ausführlich an. Einige Räume scheinen noch genutzt zu werden, sie sind mit Teppichen ausgelegt und relativ sauber, in einem findet sich ein Topf und mehrere Teetassen.

http://fotos.outdoorseiten.net/data/500/medium/CIMG0758.JPG (http://fotos.outdoorseiten.net/showphoto.php/photo/7854)

http://fotos.outdoorseiten.net/data/500/medium/CIMG0762.JPG (http://fotos.outdoorseiten.net/showphoto.php/photo/7856)
Die Aussicht aus dem Fenster

In den Schutthaufen neben der Ruine tummeln sich Tiere, die ich noch nie gesehen habe. Leider ist unsere Kamera nicht sehr zoomstark und die Tiere scheu, so dass es nur unscharfe Bilder gibt. Regev hat uns nachher erzählt, der hebräische Name bedeute übersetzt 'Steinhase'. Auf jeden Fall sind sie sehr possierlich, und sehr zahlreich.

http://fotos.outdoorseiten.net/data/500/medium/CIMG07661.JPG (http://fotos.outdoorseiten.net/showphoto.php/photo/7857)
Ein so ein Tier

http://fotos.outdoorseiten.net/data/500/medium/CIMG0770.JPG (http://fotos.outdoorseiten.net/showphoto.php/photo/7858)
Und noch so eins

Wenn jemand den deutschen Namen kennt, bitte melden!
Weiter geht es auf einem grünen Trampelpfad, der plötzlich für ca. 1 km zu einem geraden und ordentlich begrenzten Wanderweg wird, um dann wieder ein Trampelpfad zu sein, der einen über Zäune klettern lässt. Manchmal fragt man sich schon...

http://fotos.outdoorseiten.net/data/500/medium/CIMG07741.JPG (http://fotos.outdoorseiten.net/showphoto.php/photo/7859)
Der Trampelpfad...

http://fotos.outdoorseiten.net/data/500/medium/CIMG0777.JPG (http://fotos.outdoorseiten.net/showphoto.php/photo/7861)
...und der 'ordentliche' Wanderweg

http://fotos.outdoorseiten.net/data/500/medium/CIMG07751.JPG (http://fotos.outdoorseiten.net/showphoto.php/photo/7860)

http://fotos.outdoorseiten.net/data/500/medium/CIMG07782.JPG (http://fotos.outdoorseiten.net/showphoto.php/photo/7862)
Ich mag Blumen :grins:

Wir wandern weiter, über Wiesen, zwischen Feldern entlang, und stehen irgendwann oben auf einem Hügel (Keren Naftali), zu unserer Linken eine riesige Anlage der Armee. Da sie im Guidebook nicht erwähnt wird, beschließen wir, dass es vielleicht klüger ist, keine Photos davon zu machen und beschränken uns auf die schöne Aussicht.

http://fotos.outdoorseiten.net/data/500/medium/CIMG07821.JPG (http://fotos.outdoorseiten.net/showphoto.php/photo/7864)

Danach geht es wieder bergab, und hier verlaufen wir uns zum ersten Mal. Die Trailmarker führen uns auf einen Weg, dem wir auch prompt folgen - wir hätte ihn aber nur queren sollen. Als wir uns langsam über den Mangel an Markern wundern, sind wir schon seeeehr weit bergab gegangen. Also zurück, alles wieder bergauf, wir finden den Wegweiser in die Wiese, und dort verlieren wir dann die Marker völlig.

http://fotos.outdoorseiten.net/data/500/medium/CIMG07791.JPG (http://fotos.outdoorseiten.net/showphoto.php/photo/7863)
Wo ist der nächste Marker?

Das Gras steht so hoch, dass man die Marker erst sieht, wenn man direkt davor steht. Wir stapfen also in die grobe Richtung querfeldein, der abendliche Wind kommt auf und es wird merklich kälter. Langsam sollten wir einen Platz für die Nacht finden, aber die riesige Wiese liegt voller großer Steine, alles garnicht so einfach.

http://fotos.outdoorseiten.net/data/500/medium/CIMG07941.JPG (http://fotos.outdoorseiten.net/showphoto.php/photo/7865)
Und wo bitte sollen wir hier unser Zelt hinstellen?

Schlussendlich lasse ich Jakob samt Rucksäcken zurück und laufe bis zum Ende der Wiese, zu dem einzigen dort stehenden Gebäude. Es ist eine Anlage zum Waschen und Verpacken von Äpfeln. Ein paar Arbeiter sind noch auf dem Gelände, ich frage sie, ob es in Ordnung wäre, auf der Wiese zu zelten, sie sprechen kaum Englisch, und ich bin mir nicht sicher, ob sie verstanden haben, was ich frage, aber sie bejahen. Ich muss zugeben, dass es mich doch etwas gruselt, sie wirken schon etwas zwielichtig und habe eine Menge Hunde dabei. Ein kurzes Auskundschaften des weiteren Weges ist nicht vielversprechend, es geht bergab in einem trockenen Flußlauf, gerade breit genug zum gehen, aber nicht für ein Zelt. Zurück bei Jakob schildere ich meine Sorgen, und lasse mich von ihm beruhigen, er fühlt sich sicher. Na dann, Zeltaufbau. Inzwischen ist es richtig windig geworden, die Wiese ist recht ausgesetzt. Wir finden einen Platz ohne Steine und im Windschatten eines Baumes, perfekt bis auf den Kuhfladen. Also Zelt geschickt so lange drehen, bis es genau zwischen Fladen, Steine und Baum passt, Plastiktüte auf Fladen, um Reintreten im Dunkeln zu vermeiden, Isomatten ausgerollt und erstmal lecker gekocht und der Landschaft beim dunkelwerden zugeguckt. Schön ist es hier.


Montag
Nach einer ungestörten Nacht haben wir am morgen Besuch.
Die Sonne scheint, die Aussicht ist schön, wir trödeln beim Frühstück und machen dann noch ein Nickerchen - und dann haben wir Mittagessenhunger, so dass wir erst seeehr spät loskommen.
Beim überqueren der Wiese trete ich fast auf eine kleine Schildkröte, die sich totstellt und frage mich, ob der Schildkrötenpanzer einen Wanderschuh samt mir uns Rucksack ausgehalten hätte.
In der Apfelabfüllanlage fragen wir nach Wasser und werden zu einem Wasserfilter-Spender-was-auch-immer geführt. Während wir unsere Flaschen füllen, beobachten wir das rege Treiben in der Halle: Junge Frauen sortieren die Äpfel in Kisten, die Männer fahren Gabelstapler mit Paletten durch die Gegend, klassische Arbeistteilung eben.:ignore:
Ich weiß nicht, welcher ethnischen Gruppe oder Glaubensgemeinschaft die Frauen angehören, sie tragen in der Mehrzahl Kopftücher und sprechen kein Englisch, daher ist die Verständigung schwierig.
Nachdem wir all unsere Flaschen gefüllt haben, geht es durch besagten trockenen Flußlauf bergab und dann einen Weg entlang, der außer von Wanderern anscheinend nur von Bauern benutzt wird, die zu ihren Feldern und Kuhwiesen fahren.
Und dann betreten wir mal wieder eine Nature Reserve - zelten verboten.
Unten im Tal angekommen, mußen wir erstaunliche viele kleine Bächlein queren. Manchmal hüpfen wir von Stein zu Stein, manchmal müssen die Schuhe runter... Das wasser ist kalt, der Untergrund steinig und wir haben keine Watschuhe dabei :motz:
All die Bächlein sind Zuflüsse eines kleinen Flusses, der durch das Tal fließt. Da wir hier in der Nature Reserve nicht zelten dürfen, und es schon ziemlich spät ist, versuchen wir, uns zu beeilen. Leichter gesagt als getan, wenn man ständig seine Schuhe an und ausziehen muss.
Am Ende der Reserve steht ein irgendwie mit Stromerzeugung assoziertes Gebäude, und dann geht es auf der Zufahrtsstraße zu diesem gebäude weiter, rechts der Fluß, links ein Abhang, und schon wieder kein Platz für unser Zelt.
Schlussendlich finden wir eine Wiese, perfekt zum Zelten geeignet, wenn, ja wenn sie nicht von der Landstrasse, die sich den Berg herunter zieht, einsehbar wäre. Mir schwirren all die Regeln für's wildcampen durch den Kopf (nicht in Strassennähe, nicht einsehbar), aber Jakob findet den Ort völlig unbedenklich, und außerdem wird es gerade dunkel, so dass wir bleiben. Es gibt Abendessen unterm hell leuchtenden Mond, sehr romantisch.


Dienstag
Nach einer kurzen Wäsche im Fluss und dem üblichen Morgenkram queren wir die Strasse und wandern weiter - und auch hier müßen wir wieder Bächlein voller Kaulquappen queren. Da wir ja keinen Filter dabei haben (braucht ihr nicht, Wasser gibt es eh keins, haben alle Quellen gesagt :motz:), können wir uns aus dem Bach nicht bedienen, und unsere Vorräte sind nicht mehr so üppig. Laut Wanderführer geht ganz bald ein deutlich sichtbarer Weg die Hügelflanke hoch, der direkt in den nächsten Ort führt, wo es Wasser gibt. So ganz trauen wir dem Braten ja nicht, und als uns ein Jeep begegnet, fragen wir direkt nach Wasser und bekommen ein paar Flaschen gefüllt. Was sich auch als sehr gut erweist, denn den Weg, den finden wir irgendwie nicht.
Weiter geht es, an Kakteen, schiefstehenden Felsen und der Ruine einer alten Mühle entlang, zeitweilig begleitet von einer Kuh, die hinter uns herstapft - ein bißchen mulmig ist mir schon mit ihr im Rücken, sie hat nämlich Hörner.
Wir begegnen auch noch anderen Tieren: Einem ziemlich großen Insekt und mal wieder einer Schildkröte, die ich am liebsten als Haustier mitnehmen würde. Es ist warm und sonnig und so gönnen wir uns eine ausgiebige Mittagspause am Wegesrand.
Und dann erreichen wir mal wieder eine Strasse und nutzen das als Anlass, mal über die weitere Urlaubsplanung zu sprechen. Soviel Zeit haben wir nicht mehr, und ein paar Tage würden wir gerne noch in der Stadt verbringen... da bietet sich doch ein Ausstieg jetzt und hier an.
Wir rufen Eli und Regev an, ob es ihnen recht wäre, wenn wir heute oder morgen wieder bei ihnen aufschlagen würden un dernten Begeisterung. Na dann, an die Strasse gestellt und Daumen rausgestreckt. Es ist nur wenig Verkehr und so stehen wir bestimmt 20 Minuten an der Strasse, was mir die Gelegenheit gibt, ein sehr eigenartiges Tier ausführlicher zu betrachten - es sieht aus wie eine Raupe, die am hinteren Ende in einem Stück hohlen Ast steckt. Oder ist das ihr Kokon?
Schlussendlich sammelt uns ein mittelaterlterer Israeli ein, der bis Nahariya fährt. Perfekt, denn von dort gibt es laut seiner Aussage sowohl eine Busverbindung als auch einen Zug nach Tel Aviv.
Er wohnt schon länger in dieser Region und ist im Naturschutz aktiv, so dass wir von im viel über Flora und Fauna erfahren. Er sagt, wir hätten uns die schönste Zeit ausgesucht, in 4 Wochen wäre hier alles verwelkt und braun.
Da unser Fahrer uns die Fahrt mit der Bahn empfiehlt, die zwar etwas teuerer aber dafür von der Aussicht sehr viel schöner sei, folgen wir seinem Rat.
In Nahariya werden wir beim Betreten des Bahnhofs von bewaffneten Sicherheitskräften nach dem woher und wohin befragt, müssen unsere Pässe vorzeigen und unsere Rucksäcke öffnen. Der Sicherheitsposten ist sehr verwundert, dass mein gesamter Rucksack mit einer großen Mülltüte ausgekleidet ist und fragt misstrauisch nach dem Grund. Ich erwidere, dass ich viel in Neuseeland gewandert sei, wo es eben öfter regne, und das mir schon grundsätzlich klar gewesen sei, dass Israel trockener sei, aber Macht der Gewohnheit und so - danach grinsen beide nur noch breit und nehmen mich irgendwie nicht mehr so ganz ernst.
Der nächste Zug fährt in 25 Minuten, so dass wir uns erstmal Tickets besorgen und dann an einer winzigen Imbissbude unendlich leckere Teigfladen essen, die auf einer von innen befeuerten Halbkugel aus Metall gebacken werden, mit säuerlichem Frischkäse bestrichen sind und mit einer Kräuter-Knoblauch-Öl-Mischung beträufelt werden. Dazu gibt es unglaublich starken, heftig gezuckerten Kaffee (nach der Hälfte der kleinen Tasse muß ich wegen Herzrasen aufgeben) und einen Plausch mit dem Inhaber der Bude. Sehr nett.
Die Gleise führen die meiste Zeit in Sichtweite des Meeres entlang, so dass es tatsächlich viele schöne Ausblicke gibt. Irgendwann geht die Sonne unter, und nachdem wir unseren Bahnhof verpasst haben (dumm, wenn man kein Hebräisch versteht :hahaa:), erreichen wir dank hilfsbereiter Mitreisender doch noch unsereZiel und kommen spätabends erschöpft und glücklich bei Eli und Regev an.

Die restlichen Tage
Die nächsten Tage verbringen wir touristisch-urban - Frühstücken im Café, Spaziergang am Strand, Kafeetrinken, Postkarten schreiben, über Märkte bummeln und all die unbekannten Leckereien probieren usw.
Nachdem wir unsere grandiosen Gastgeber zu einem indischen Abendessen eingeladen haben (empfehlenswert: 24 Rupee), vertrödeln wir die restliche Zeit mit Eisessen und quatschen, bis wir gegen 2 h zum Bahnhof aufbrechen, um unseren Zug zum Flughafen zu nehmen. Am Flughafen kommt das schon bekannte Sicherheitsinterview, und da wir angeben, Geschenke von unseren Gastgebern dabei zu haben, werden wir an der langen Warteschange vorbei geführt, was eine Gruppe älterer deutscher Bibeltouristen (so steht es zumindest auf ihren Rucksäcken, Käppis und Windjacken) zu lauten und langanhaltenden Entrüstungsstürmen veranlasst - die außer uns hoffentlich niemand versteht, da sie zum Glück nur auf deutsch schimpfen über die Unverschämtheit, mangelnde Gerechtigkeit, Vordrängler, typisch junge Leute, denken wohl, die könne sich alles erlauben, usw. Zum Glück schäme ich mich nicht so schnell fremd :grins:
Die Frau, die unsere Rucksäcke auspackt, tut mir ein bißchen leid, denn die Socken unserer Wanderung sind noch nicht gewaschen, nur luftdicht in einer Plastiktüte eingepackt...:sorry:
Und dann sorge ich noch für einen kleinen Eklat, als ich mit Erlaubnis des Sicherheitspostens an der Tür den Eincheckbereich verlasse, während Jakob noch in der Schlange steht, um unser Gepäck aufzugeben, da ich ganz dringend auf Toilette muß. Als ich wieder zurückkomme, ist der Sicherheitsposten ausgewechselt, und ich bin nun eine Frau ohne Tickets und ohne Pass (hat ja alles Jakob), die in einem sicherheitsrelevanten Bereich herumläuft. Ganz schnell habe ich vier bewaffnete Sicherheitsbeamte um mich herum und eine schnelle Abtastung nach Waffen hinter mir, bevor ich von allen Vieren zu Jakob geleitet werde, wo Ticket und Pass kontrolliert werden und die Dame, die vorher unser Gepäck untersucht hat, hergebeten wird, um nocheinmal genau zu erzählen, was wir alles dabei haben. Die deutsche Bibelreisegruppe, die inzwischen in der Schlange hinter uns steht bekommt geschlossen riiiiesige Augen und tuschelt und murmelt was von ausgleichender Gerechtigkeit, und das habe man davon, wenn man sich vordrängle, und so weiter. Ich glaube, ich hätte nichts tun können, was sie mehr befriedigt hätte :hahaa:
Und dann holt mich die Müdigkeit ein, schon im Boardingbereich kann ich kaum die Augen offen halten, und im Flieger schlafe ich ein, bevor wir gestartet sind. Ein Frühstück und 4 Stunden später landen wir auch schon in Berlin, und unser wunderschöner Urlaub ist vorbei.

ranunkelruebe
01.11.2009, 20:48
So, ich habe mir dann mal die Zeit genommen, noch zwei Tage hinzuzufügen - der erste ist im ersten Posting, ab jetzt geht es dann aber in einem neuen Posting weiter, da ich die maximale Buchstabenzahl pro Posting sonst überschreite. Vielleicht sollte ich mich kützer fassen :grins:

Grüße,
Rana

Menelaos
02.11.2009, 12:59
Ach, da werden alte Erinnerungen wahr .. danke für die Bilder!

Impi
17.01.2010, 21:38
Thx für den tollen Bericht.
Bin grad dabei nen Kurzurlaub in Israel zu Planen und werde vermutlich auch 3-4 Tage auf dem INT wandern. Derzeitige Idee is Dan - Tiberias ... kann das grad noch nicht so gut einschätzen. Wie lang habt ihr bis dahin gebraucht?
Wanderführer hast du ja eingehend beleuchtet.... die erwähnte Neuauflage müsste ja mittlerweile draußen sein was ;-)
beste Grüße
Niels

ranunkelruebe
18.01.2010, 16:33
Thx für den tollen Bericht.
Bin grad dabei nen Kurzurlaub in Israel zu Planen und werde vermutlich auch 3-4 Tage auf dem INT wandern. Derzeitige Idee is Dan - Tiberias ... kann das grad noch nicht so gut einschätzen. Wie lang habt ihr bis dahin gebraucht?
Wanderführer hast du ja eingehend beleuchtet.... die erwähnte Neuauflage müsste ja mittlerweile draußen sein was ;-)
beste Grüße
Niels

Hallo Niels,

also, bis Tiberias sind wir garnicht gekommen :grins:
So oder so wären unsere Angaben für dich wahrscheinlich nicht sehr hilfreich - wir haben immer ausgeschlafen, morgens ewig gebraucht, bis wir abmarschbereit waren, in der Mittagspause immer gekocht, sind langsam-gemütlich geschlendert, und für meinen Mitwanderer war es die erste Mehrtagestour. Zusätzlich zum Wanderkram hatten wir auch noch nicht-outdoor-Gepäck dabei, da wir uns die Option offenhalten wollten, vom Wandern aus direkt in irgendeine Stadt zu fahren und Stadturlaub zu machen.

Laut Führer sind es von Dan bis Migdal (irgendwo vor Tiberias) 105 km, falls dir das hilft. Ob du das in 3-4 Tagen schaffst, weiß ich nicht.
Ich an deiner Stelle würde mir da aber garkeinen Stress machen: Fahr mit dem Bus nach Dan, lauf los. Wenn deine Zeit um ist und du noch nicht in Tiberias bist, halte an der nächsten Strasse, die du kreuzt, den Daumen raus und lass dich mitnehmen.

Ich wünsch dir auf jeden Fall ganz viel Spass in Israel und auf dem INT!
Gruß,
Rana

Impi
19.01.2010, 00:08
hey danke für die schnelle Antwort!

Schaun ma mal was geht in so paar Tagen...
Heut grad den Flug gebucht und freu mich schon voll... :-)

Hattet ihr eigentlich zusätzlich zum Wanderführer noch Kartenmaterial? Wie gut war das? Gabs da unten ne ordentliche Wanderkarte zu kaufen - eventuell sogar als Alternative zum Wanderführer?
Heut grad mal im Handel nachgefragt - der Typ hatte nix da und meinte tatsächlich man könnte russische oder amerikanische Militärkarten nehmen, hätte dann aber vermutlich Ärger mit der Einreise und so.... toll ...

good night & greetz
Niels

ranunkelruebe
19.01.2010, 10:52
Hallo Niels

Ja, wir hatten noch eine Karte dabei - hier in D gekauft, zur Übersicht über ganz Israel und besonders die Strassen, zum Wandern nix. Gab eine (ich glaube Freytag und Berndt), da war sogar der verlauf des INT eingezeichnet, aber da gefielen uns die anderen Details nicht. Haben dann eine ohne INT genommen, Name vergessen, war gelb oder rot, glaub ich. Zum Trampen und zur Übersicht sehr praktisch.
Gab's in der regulären Buchhandlung, in der Kartenbuchhandlung gab's nix Gescheites, die hätte nur verbindlich bestellen wollen.
Wanderkarten (wohl auch sehr gute) gibt's in Israel selbstverständlich. Auf Hebräisch. :grins: Wenn du das lesen kannst, kein Problem. Ansonsten: Kauf dir den wanderführer, da sind die Orte übersetzt drin und 'ne Übersichtskarte hier in D.

Ich beneide dich!
Gruß,
Rana

KiBa
20.01.2010, 18:46
Machst du noch weiter mit deinem Bericht? Finde das sehr spannend.

ranunkelruebe
21.01.2010, 11:54
Machst du noch weiter mit deinem Bericht? Finde das sehr spannend.

Ja, werde das hier noch zuende schreiben (schäm). Sind nur noch zwei Tage.
Vielleicht schaffe ich sogar heute Abend noch einen Tag.

Grüße,
Rana

ranunkelruebe
07.02.2010, 17:00
So, ich habe jetzt die letzten Tage auch noch geschrieben. Da der Foto-Upload in die Galerie gerade nicht funktioniert, sind sie noch bilderlos, ich werde das aber schnellstmöglich nachholen.

Und hier noch ein paar Gedanken:
Israel war absolut die richtige Entscheidung!
Wir haben bewusst die klassischen Touristen-Hochburgen (Jerusalem, Totes Meer, ...) gemieden, da wir in der knappen Zeit keine Lust auf Stress hatten.
Bis auf eine Ausnahme hat unsere Nationalität nicht für Ablehnung gesorgt, ganz im Gegenteil.
Der kleine Teil des INT, den wir gegangen sind, war wunderschön. Allerdings war es auch die grünste Jahreszeit - wie es da am Ende des Sommers aussieht, weiß ich nicht. Wasser ist ein Thema, wobei wir mit Filter (oder besserer Planung) deutlich autarker gewesen wären.
Auch hier kann ich nicht einschätzen, wie das zu anderen Jahreszeiten ist.
Klar auch, dass in einem so kleinen Land die Zivilisation nie weit weg ist - mal kreuzt der Wanderweg eine Strasse, mal stehen Strommasten herum oder es geht zwischen bewirtschafteten Feldern entlang.
Dafür ist der Ein- und Ausstieg sowie Proviantnachkaufen kein Problem.
Die Markierung ist nicht schlecht, manchmal aber verwirrend, man merkt, dass einzelne Abschnitte von verschiedenen lokalen Organisationen markiert wurden. Mit Karte findet man sich aber problemlos auch ohne große Orientierungskentnisse gut zurecht.
Fahren per Anhalter hat für uns gut funktioniert. Ich habe auch schon andere Berichte gehört, aber wir sind immer recht schnell mitgenommen worden.
Das Busnetz ist gut und günstig.
Der INT war zumindets zu dieser Jahreszeit wenig begangen, und die meisten Wanderer waren Israelis. Mehr als max. 5 Leute haben wir glaube ich nie getroffen, und manchmal auch niemanden. Wer absolute Einsamkeit sucht, wird sie aber wohl nicht finden, dafür kommt man zu oft an Ortschaften vorbei.

Worüber sich -denke ich- jeder Israel-Urlauber vorher klar sein sollte, ist, dass Israel ein Land ist, dass sich seit seiner Gründung de facto ständig im Kriegszustand oder zumindest im bewaffneten Konflikt befindet. Die Durchdringung der ganzen Gesellschaft durch das Militär, die ständige Anwesenheit von Soldaten mit Maschinengewehren, die bewaffneten Sicherheitsposten an vielen Orten, das ist etwas, was zumindest für mich im Vorhinein schwer vorstellbar war, und was auf mich auch befremdlich gewirkt hat. Nicht, weil ich nicht verstehen kann, warum das so ist, sondern weil es für mich als friedensbeschenkte Deutsche einfach nicht gewohnt ist.

Klar kam man darüber diskutieren, wer der oder die Schuldigen des Nahostkonflikts sind, ich bitte aber explizit darum, dass nicht hier zu tun!
Ebenso kann man in Frage stellen, ob man ein Land, in dem eine Bevölkerungsgruppe unterdrückt wird, als Tourist besuchen sollte. Ob man als Tourist ein Land besuchen sollte, in dem Krieg/bewaffneter Konflikt herrscht.
Wie ich dazu stehe, weiß ich selber nicht. Ich habe es getan, ich würde es wieder tun. Aber ich sehe die Fragwürdigkeit.

Gruß,
Rana

lutz-berlin
07.02.2010, 17:02
bei mir klappt der Fotoupload uch nur ins Fotoalbum:(

ranunkelruebe
07.02.2010, 17:03
bei mir klappt der Fotoupload
Bei mir aber nicht :grrr::motz:

Zecke
07.02.2010, 18:35
Sehr schøner Reisebericht, viel dank. wirft mal ein friedliches Licht auf Israel. leider ist es fuer mich unaktuell in dieses land zu reisen, solange es als okkupationsmacht palestina besetzt und mauern baut. Ich reise als tourist generell nur aus prinzip in demokratische lænder , die sich zudem nicht im krieg befinden.

OT: die jenigen foriker , die skandinavisch lesen kønnen, sollten sich das Buch "Øyene i gaza" zulegen, Geschrieben unter der "offensive" auf den gazastreifen letztes weihnachten. Autoren sind Mads gilbert und erik fosse, damals die einzigen westliches ærzte in Gaza. Sie informierten den Rest der Welt ueber die situation in Gaza und ihre arbeid als Ærzte im Schifa krankenhaus der Stadt.

Gruss zecke

Impi
15.02.2010, 00:51
hey Rana,

heute/gestern zurückgekommen und es war einfach grandios! Bin fast dieselbe Strecke wie ihr gewandert (die ersten 3 Tagestouren von Dan aus) und habs really genossen. Is grad wahnsinnsgrün da drüben da es viel Regen gab diesen Winter.

Hab bei anderen Wanderern mal die hebräische Ausgabe des Guides gesehen. Da sind die Karten schärfer und da gibt es für jede Tagestour auch die Höhenunterschiede in nem Diagramm... Sauerei...

Viele freundliche Leute getroffen - sogar bei welchen auf der Terasse geschlafen... und einfach ein kleines Stück mein Herz verloren... ;-) Werd sicher irgendwann wieder hin um den nächsten Abschnitt zu wandern...

Vielleicht später nochmal ein bißchen mehr...

Grüße
Niels

ranunkelruebe
15.02.2010, 12:21
heute/gestern zurückgekommen und es war einfach grandios! Bin fast dieselbe Strecke wie ihr gewandert (die ersten 3 Tagestouren von Dan aus) und habs really genossen. Is grad wahnsinnsgrün da drüben da es viel Regen gab diesen Winter.


Neid!!!
Schön, dass es dir gefallen hat.
Bitte unbedingt mehr!

Gruß,
Rana

Mondsee
05.03.2010, 10:12
Vielen Dank für deinen schönen Bericht...

Hat mich sehr an meine Fahrt durch Israel erinnert... obwohl das schon fast 10 Jahre her ist. Auch damals schon gab es Kontrollen am Flughafen, Militär überall aber doch ein wunderbar schönes und sehenswertes Land mit all seinen kulturellen und landschaftlichen Facetten.