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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [TZ] Meine Besteigung des Kilimanjaro



wildboy
19.07.2009, 09:47
It’s Kili Time,

so lautet der Slogan für das gleichnamige Kilimanjaro Bier. Aber auch für uns wird es Zeit das wir endlich unseren Wunsch, den Kilimanjaro, zu besteigen umsetzen. Bereits vor einigen Jahren hatten wir eine Besteigung geplant. Irgendwie konnten wir sie aber nicht durchführen. Viel Geld hätten wir uns sparen können. Heute kostet eine Besteigung ein Vielfaches von damals. Der Schnee am Kilimanjaro schmilzt unaufhaltsam, darum ist jetzt auch für uns Kili Time. Unbedingt möchten wir ihn noch mit seiner weißen Mütze sehen.
Bereits Mitte letzten Jahres begann ich mit der Planung der Reise. Ich kramte meine alten Unterlagen hervor und stöberte im Internet. Schnell hatte ich die Lemosho Route für uns ausgewählt. Neu war auch die Möglichkeit einer Kraterübernachtung. Dafür gibt es aber nur sehr wenige Anbieter. Ein riesiger Vorteil dadurch war, daß man am Tage aufsteigen konnte, mit dem Ziel vor Augen. Für mich und meine Freunde gab es nichts Unangenehmeres als sich unausgeschlafen, mitten in der Nacht, den Berg hoch zu quälen. Mit Mawenzi Reisen fanden wir einen Veranstalter, der uns dabei half unseren Plan umzusetzen. Für die Besteigung des Kibo empfehlen sich die Monate Januar und Februar, sowie Juni bis September. Wir haben den Juli gewählt, da er statistisch gesehen der wolkenärmste Monat ist.
Leider mußte die ursprünglich geplante dreiwöchige Reise - aus Kostengründen - auf
2 Wochen schrumpfen. Tansania ist nicht gerade ein billiges Urlaubsland. Im September 2008 haben wir dann die Reise gebucht. Zu Beginn besuchen wir den Arusha NP und besteigen den Little Meru. Es folgt die Besteigung des Kilimanjaro und zum Abschluß fahren wir in den Ngorongoro Krater und den Laka Manyara NP.
Im Januar 2009 beginnen unsere Vorbereitungen. Ich mache regelmäßig Spinning. Gemeinsam unternehmen wir Schneeschuhtouren in den Alpen. Ab März wechsle ich das Spinbike mit meinem Mountainbike und fahre sehr viel bei uns durch die Gegend. Da wir unterschiedliche Typen sind trainiert jeder auf seine Weise. Sepp trainiert seine Muskeln im Fitneß-Studio und fährt Rad. Roland ist Marathonläufer, dementsprechend läuft er sich fit und Werner nutzt die Möglichkeit einer Höhentherapie.
Kurz vor unser Abreise treffen wir uns noch einmal um letzte Details zu besprechen. Vier Tage später geht es endlich los.

Dienstag 23.06.09 und Mittwoch 24.06.09:
Gegen Mittag trifft Werner bei mir ein. Gemeinsam holen wir unser Mietauto ab, mit dem wir nach Frankfurt zum Flughafen fahren. Das Auto ist bis oben mit unserem Gepäck voll geladen. Kurz nach 20:00 Uhr hebt die Boeing 767 von Condor ab. Wieder einmal sitzen wir in der sehr eng bestuhlten Economy Class. Irgendwie schaffe ich auch ein paar Stunden zu schlafen. Wir sitzen auf der linken Seite des Flugzeugs, somit habe wir die besten Chancen den Kibo bei unserer Ankunft zu sehen. Leider ist es noch stockdunkel als wir um 5:30 Uhr auf dem Kilimanjaro Airport landen. Zuerst müssen wir uns ein Visum besorgen. Die 50 $- Scheine dafür stapeln sich bereits auf dem Schreibtisch des Beamten. So einfach kann man die Haushaltskasse erhöhen. Wir werden nach der Gepäckausgabe bereits von Valerien, unserem örtlichen Reiseführer, erwartet. Mit einem alten Landrover geht es Richtung Arusha NP los. Doch langsam, jetzt sind wir in Afrika, da läuft es ein bißchen anders. Pole, Pole in allen Lebenslagen. Wir sind schon voller Erwartung auf die Tierwelt im Nationalpark, doch erst müssen wir in einem Ort halten. Noch haben wir nicht alle Vorräte die wir benötigen. Irgendwann erreichen wir den Park. Nach der Registrierung fahren wir hinein. Gleich zu Beginn stehen die ersten Giraffen rum. Büffel, Zebras und Warzenschweine sehen wir in der Little Serengeti. Weiter fahren wir zu unserer Campsite am Momella Gate. Nach einem Lunch ziehe ich mich ins Zelt zurück und schlafe ein bißchen. Auf den Bäumen um das Camp sehen wir Blue Monkeys. Jetzt möchten wir unbedingt wieder auf Tour gehen. Doch erst fahren wir gemütlich zur Momella Wildlife Lodge. Irgendwie war hier einst der Drehort von Hatari mit John Wayne. Ein Klassiker, den ich mir immer wieder gerne ansehe. Nach einem Kilimanjaro Premium Lager fahren wir an die Momella Lakes. Dort sehen wir viele Flamingos. Im Dunst können wir zum ersten Mal den Berg unserer Träume sehen. Im Park gibt es sehr, sehr viele Giraffen. Sepp zählt einmal 40 Stück an einem Platz. Wieder im Camp gibt es Abendessen. Die Suppe ist sehr lecker. Bereits um 19:00 Uhr gehen wir schlafen. Unser erste Nacht im afrikanischen Busch.

Donnerstag, 25.06.09:
Die Nacht verläuft sehr angenehm. Nur einige Affen haben gebrüllt. Aus dem Nachbarzelt schallte das angenehme Geräusch eines schnarchenden Freundes. Um 7:00 Uhr werden wir geweckt. Goodluck stellt vor jedes Zelt eine Schüssel mit warmen Wasser zum waschen. Nach dem Frühstück fahren wir zum Ngurdoto Crater. Von dort oben haben wir einen schönen Überblick über den Krater. Leider darf man ihn nicht betreten. In den Bäumen entdecken wir die großen Colobus Affen mit ihren buschigen weißen Schwänzen.
Nach unserer Rückkehr packen wir für die Meru Tour und bauen das Camp ab. Simon, unser Fahrer fährt zurück nach Moshi.
Mit Matuba, Ranger des NP, wandern wir an Büffel- und Giraffen-Herden vorbei. Matuba ist offensichtlich etwas nervös, da überall um uns Büffel sind. Als ich den Reißverschluß meiner Fototasche schließe ist er ganz schön heftig erschrocken. Hat wohl gedacht das uns einer angreift. Selbst auf 2400 m Höhe kurz vor der Mirikamba Hütte treffen wir auf Büffel. Die Möglichkeit einer Dusche in der Hütte nutzen wir alle. Danach gibt es Tee und Popcorn. Da nicht viel los ist benutzen wir 2 Zimmer. Die Matratzen sind ok. Die Temperatur sinkt lediglich auf 14 Grad im Zimmer. In den Hütten treiben Mäuse ihr Unwesen. Sofort verschwinden sie in offenen Rücksäcken, auf der Suche nach Freßbarem. Offenbar schrecken sie auch nicht von verschlossenen PowerBar Riegeln zurück. Alles wird gnadenlos angeknabbert. Also immer alles schön verschlossen halten.

Freitag, 26.06.09:
Stehen um 06:15 Uhr auf. Zum Frühstück gibt es Porridge. Der läßt sich sehr gut mit Zucker, Marmelade oder Peanutcream verfeinern. Unser Ziel, die Saddle Hut erreichen wir nach etwa 4 Stunden. Wir durchwanderten eine tolle Landschaft. Immer wieder mußten wir darauf achten nicht in Büffelfladen zu treten. Als die Wolken sich verzogen hatten, haben wir den Kibo wieder im Blickfeld. Unterwegs habe ich mich mit Mentos und Traubenzucker getunt. Lecker Essen gab es erst auf der Hütte. Ein riesiger Gemüseeintopf der ratzfatz weg war. Nach weiteren 4 Stunden Pause machen wir uns gegen 17 Uhr mit Goodbless und Goodluck auf den Weg zum Little Meru. Dafür benötigen wir eine knappe Stunde. Eine weitere Stunde genießen wir das grandiose Schauspiel der Wolken. Von dort oben auf 3820 m Höhe haben wir auch eine tolle Sicht auf den Kibo. Erst nach dem Sonnenuntergang steigen wir wieder ab. Kaum sind wir in der Hütte angekommen gibt es schon wieder was zum Essen. Zur Vorspeise ein Gurkensuppe, gefolgt von Spaghetti mit Gemüsesoße und reichlich Knoblauch. Zum Nachtisch noch Papaya. So gut genährt fühlen wir uns hier sauwohl.

Samstag, 27.06.09:
So richtig gut hat keiner geschlafen. Grund dafür ist die fehlende Akklimatisation für diese Höhe. Als ich um 6:00 Uhr zum Fenster raus schaue sehe ich wie gerade die Sonne aufgeht. Sofort springe ich in meine Klammotten um mir das Schauspiel anzusehen. Dabei kann ich auch einige schöne Bilder vom Kibo machen. In der Hütte hatten wir Temperaturen um die 8 – 9 Grad; außerhalb lagen sie um den Gefrierpunkt. Nach dem Frühstück joggen wir bergab. Keiner von uns hat eine Ahnung warum es Matuba so eilig hat. Nach 1,5 Stunden erreichen wir völlig verschwitzt die Mirikamba Hütte. Kurz vor der Hütte lag noch sehr frischer Elefantendung. Vor dem Lunch ziehen wir uns trockene Kleidung an und beschließen die Jungs ein wenig abzubremsen. Schließlich sind wir ja nicht auf der Flucht. Etwas langsamer beginnt der restliche Abstieg. Dabei machen wir auch noch einen Abstecher zu dem Tulusia Fall. Das herabfallende Wasser erzeugt ein angenehmes Klima und lädt zum Verweilen ein. Im Rangerposten trinken wir alle eine Cola, tragen uns ins Registrierungsbuch ein und erhalten eine tolle Urkunde. Braucht man die wirklich? Anschließend versammelt sich die ganze Mannschaft. Jeder kommt einzeln vor und bekommt sein Trinkgeld. Mit einem neuen Fahrer und Landcruiser geht es zurück nach Moshi. Natürlich nicht direkt. Wir sind ja in Afrika. Auf halber Strecke wird erstmal die Bremsflüssigkeit aufgefüllt. Der Behälter war schon ziemlich leer. Eine halbe Stunde später geht es weiter. Nach 2 Stunden Fahrt erreichen wir das HoneyBadger. Nach dem Duschen wird erstmal wieder kräftig umgepackt. Nur das wichtigste wird mit auf den Kili genommen. Das restliche Gepäck bleibt sicher in der Lodge zurück. Zum Abendessen gönne ich mir ein oder waren es auch zwei Serengeti Lager. Im Bett gibt es erst noch einen Kampf mit dem viel zu kleinen Moskitonetz. Das hat die Größe für Säuglinge und nicht für ausgewachsene Männer. Da ich keine Malariaprophlaxe anwende ist mir das Netz schon sehr wichtig. Doch wenn ich oben und unten anstehe erfüllt es wohl nicht seinen Zweck. Irgendwie schaffe ich es mit der Decke und dem Kopfkissen aus der Stachelreichweite der Moskitos zu kommen. Nach Auskunft der Einheimischen stechen die erst nach Mitternacht. Um die Zeit schlafe ich ja schon gut.

Sonntag, 28.06.09:
Schlecht habe ich geschlafen. Die Nase läuft, der Hals kratzt und meine Gedärme unterhalten sich lautstark. Zur Krönung habe ich auch noch einen riesigen Muskelkater vom gestrigen Downhill Race. Beinahe falle ich hin als ich aufstehe. Da kommt Freude auf. Kann mich vielleicht jemand auf den Kili tragen? Nach dem Frühstück kommt Valerian. Wir besprechen noch einige Dinge mit ihm. Unter anderem empfiehlt er nur Paracetamol als Schmerzmittel mitzunehmen. Aspirin sollen wir unbedingt da lassen. Die vertragen sich überhaupt nicht mit Diamox. Wir haben zwar keines dabei, trotzdem soll man das nur nach Rücksprache mit dem Guide einnehmen. Diese verfügen über die entsprechende Erfahrung und können erkennen ob man es wirklich benötigt. Auf weitere Empfehlung von Valerian werden wir am Lake Manyara nicht zelten, sondern ohne Aufpreis in der dazugehörigen Twigga Lodge übernachten. Schnell komme ich auf die Idee, daß es wohl noch besser ist, wenn wir vom Kili runter kommen gleich zur Lodge nach Mto wa Mbu zu fahren. Damit verlieren wir nicht zu viel Zeit mit der Fahrerei. Valerian nimmt seinen Rechner zur Hand und nimmt uns im Anschluß 55 $ ab. Es ist aber mindestens ein halber Tag mehr Zeit für die Safaris. Alle sind mit der Lösung zufrieden und los geht’s. In Moshi nehmen wir die gesamte Mannschaft auf. Außer dem gesamten Gepäck befinden sich jetzt insgesamt 16 Personen im Kleinbus. Gott sei Dank machen wir nach einer Stunde Fahrt eine Pause. Wieder gehen die Jungs shoppen. An einem Stand kaufen sie leckeres Fleisch. Weiter geht es Richtung Londrossi Gate. Langsam wird mir von dem Geschaukel übel. Am Gate angekommen wird alles ausgepackt. Andere Gruppen sind auch schon da oder kommen auch gerade an. Wir müssen uns mit dem Reisepaß registrieren, während das Gepäck penibel genau abgewogen wird. Da kann es schon sein, dass eine Avocado wieder rausgenommen wird, um woanders eine Platz zu finden. Maximal dürfen die Träger 15 kg Gepäck annehmen und dazu kommt noch ihr eigenes Gepäck. Nach dem Lunch fahren wir noch einmal eine gute Stunde zum Ausgangspunkt der Lemoshoroute. Die Strecke ist eigentlich eine 4WD Piste. Irgendwie kämpft sich der Fahrer mit dem Kleinbus tapfer den Berg hoch. Zweimal müssen die Träger aussteigen um das Fahrzeug zu erleichtern. Wir dürfen brav sitzen bleiben. Als er endgültig nicht mehr weiter kommt, halten wir an und laden aus. Ab hier gehen wir zu Fuß weiter und hier beginnt unsere Tour auf den höchsten Berg Afrikas, den Kilimanjaro. Eins wird uns gleich zum Beginn klar, einsam werden wir auf der gesamten Route nie sein. Zu viele sind unterwegs und was die so alles brauchen: Tische, Stühle, Chemie-Toiletten mit dazu gehörigem Zelt, weiße Hemden mit Krawatte für den Waiter und eine weiße Mütze dazu für den Koch. Während wir durch den Regenwald wandern werden wir ständig von Trägern überholt. Überall stehen riesige Bäume in denen wieder Kolobusaffen zu sehen sind. Am Wegesrand wachsen im Schatten der großen Bäume kleine Orchideen. Auch Elefantenkot liegt immer wieder auf dem Weg. In meinen Gedärmen ist Partytime. Da geht es ganz schön rund. Leider auf kosten meiner Kräfte. Die letzte Stunde bis zum Camp ist daher für mich sehr anstrengend. Wir sind die ersten im Camp. Nach und nach kommen immer mehr hinzu. Ich würde mal sagen das Camp ist fully booked. In einem Zelt unserer Träger wird uns das Essen serviert. Um mein Magen-Darm-Problem in den Griff zu bekommen nehme ich Perenterol ein. Das hat mir bisher immer sehr gut geholfen.
It’s Showtime; der Koch und die Waiter müssen, für ein auf der Hochzeitsreise befindliches Pärchen wieder in ihre Kostümchen springen, total bescheuert. Von überall sind jetzt die Geräusche der Menschen zu hören. Erst ab Mitternacht dringen einige schöne Geräusche des Waldes an mein Ohr.

Montag, 29.06.09:
Ich habe relativ gut geschlafen. In meinem Unterleib ist Ruhe eingekehrt. Nach dem Frühstück verlassen wir das Camp. Auf und ab geht es weiter. Das ab bereitet uns allen wegen des Muskelkaters erhebliche Unannehmlichkeiten. Dreimal erreichen wir 3000 m um dann wieder abzusteigen. Erst beim vierten Mal bleiben wir auf der Höhe. Den Wald haben wir auch schon verlassen. Von hier haben wir auch unser Ziel im Blickfeld. Etwas später erreichen wir das Shira Camp. Unsere Jungs sind wirklich sehr gut. Sie erfüllen uns jeden Wunsch und kommen sofort, wenn jemand Hilfe benötigt. Keiner drückt sich vor der Arbeit. Mit dem Wetter haben wir sehr viel Glück. Leider ist es durch die Trockenheit sehr staubig. Der Wind bläst den Staub überall hin. Dementsprechend ist alles, einschließlich uns, schmutzig. Darum empfehle ich allen den Schlafsack erst unmittelbar vor seiner Benutzung aus dem Sack zu nehmen. Ich pirsche um das Lager. Unterhalb des Camps befindet sich ein Bach aus dem die Träger das Wasser holen. Außer Raben, kleinen Vögeln, Eidechsen und Mäusen sind keine Tiere zu entdecken. Als eine Gruppe mit südafrikanischer Flagge ins Lager kommt hole ich meine Bavarian raus. Was muß, das muß. Kurz darauf kommen sie zu uns herüber. Eigentlich sind es Deutsche die schon seit 25 Jahren in JoBurg leben. Auch sie wollen sich einen Traum erfüllen. Ich darf vom verliebten Hochzeitspärchen ein Bild mit Kili im Hintergrund machen. Mei is des schee. Wirklich gut daran ist, daß die beiden im Anschluß noch 2 Monate in Afrika unterwegs sind. Da kommt neid auf. Kurz vor Sonnenuntergang präsentiert er sich zum ersten Mal komplett ohne Wolken. Kaum ist die Sonne weg wird es schlagartig sehr kalt. Immerhin sind wir schon auf 3440 m Höhe. Nach dem Abendessen kommt Goodbless zum Briefing für den nächsten Tag zu uns ins Zelt. Auf seine Frage ob wir Ugali probieren möchten sagen wir nicht nein. Ugali ist die Hauptnahrung der Träger. Also zuerst Finger waschen und etwas Teig zwischen den Fingern kneten. Im Anschluß in eine Soße mit winzig kleinen Fischen tunken. Überrascht sind wir einstimmig der Meinung, dass es sehr gut schmeckt. Bereits um 20:00 Uhr liegen wir im Schlafsack. Ist doch die kuscheligste Stelle auf der Campsite. Unangenehm ist nur, daß man alle 3 Stunden zum Wasserlassen aufstehen muß. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt ist das nicht wirklich lustig. Das einzig schöne daran ist, das man den Sternenhimmel bestaunen kann. Der ist aber dann doch nicht so aufregend, wenn einem der eiskalte Wind um die Ohren bläst. Schnell wieder in den Schlafsack und weiter schlafen.

Dienstag, 30.06.09:
Das war eine eisige Nacht. Draußen vor dem Zelt ist der Boden gefroren. Meine Nase läuft und die Stirnhöhle pocht. Das kommt wohl von der kalten Nacht. Heute brauchen wir nicht weit marschieren. Auf halben Weg kommen wir am stillgelegten Simba Camp vorbei. Hier ist auch die Piste für die Rettungskräfte zu sehen. Das Camp wurde wegen der gleichnamigen Tiere geschlossen. Diese hatten ihre Freude mit dem, in den umliegenden Höhlen, zurückgelassenen Müll. Nach drei Stunden erreichen wir Shira Camp 2. Wieder ist alles schmutzig. Der feine Staub findet überall seinen Weg. Alles was man anfaßt ist dreckig. Zum Mittagessen gibt es Hühnchen und Pommes. Der Hammer was unser Koch alles drauf hat. Danach liege ich im Zelt und relaxe ein wenig. Später wandern wir zum Nachbarcamp Shira Caves. Dort befinden sich die Kollegen von der Machame Route. Das dient der Akklimatisation und ist nicht besonders schwierig. Ebenso kommen einige von ihnen zu uns herüber. Dort ist schon einiges mehr los. Etwas weiter oben vereinigen sich beide Strecken. Vom Shira Caves Camp hat man einen tollen Blick auf das Shira Gebirge. Es ist sehr zerklüftet. Viele Wolken hängen darin oder ziehen drüber hinweg. Ein tolles Schauspiel. Wieder zurück sende ich eine SMS nach Hause. Ich warte aber nicht auf eine Antwort. Den an der einzigen Stelle von der man senden kann, pfeift ein eisiger Wind. Im Zelt ist wieder alles staubig. Gut das ich feuchte Tücher zum Reinigen dabei habe. Als Betthupferl gibt es ein paar Haribos. Immer noch habe ich Muskelkater. Meine Füße brauchen Urlaub. Lalla Salam.


Mittwoch, 01.07.09:
Was für eine Nacht. Eigentlich bin ich sehr schnell eingeschlafen. Etwa um 22:00 Uhr war ich wieder einmal kurz draußen. Dann habe ich mich zum weiterschlafen auf die Seite gedreht. Plötzlich erschrecke ich total heftig. Ich habe das Gefühl keine Luft zu bekommen. Ich will nur schnell hoch und raus aus meinem Schlafsack. Leider habe ich den zuvor komplett dicht gemacht. Dementsprechend dauert es bis ich das geschafft habe. Was war das? Ein sehr unangehnemes und beunruhigendes Gefühl. Ich sitze einige Minuten aufrecht und mache mir so meine Gedanken. Als ich mich beruhigt habe versuche ich noch einmal zum einschlafen. Diesmal funktioniert es ohne Probleme. Leider mußte ich in der Nacht noch fünfmal raus. Das liegt wohl an den letzten beiden Tassen Tee zum Abendessen. Kurz nach dem Frühstück geht die Sonne auf. Schlagartig wird es warm. Der Schreck letzte Nacht ist wohl auf eine Sauerstoff-Unterversorgung zurückzuführen. Wahrscheinlich bin ich noch nicht richtig für diese Höhe angepaßt. Heute hat es so um die 20 Grad. Nur der Wind ist kalt. Mit Windstopper-Weste, leichten Handschuhen und Mütze ist es mir aber mollig warm. Langsam gehen wir höher. Der Ruhetag gestern war absolut richtig. Der Muskelkater ist endlich fast weg. Wie leicht sind dann die Füße wieder. Es ist ein ganz anderes gehen. Mit Leichtigkeit überschreiten wir die 4000 m Marke. Zum ersten Mal bin ich so hoch wie noch nie zuvor. Kurz vor dem Mittagessen wird mir schwindelig. Unterzucker würde ich meinen. 4 Stunden ohne Essen sind hier einfach zu lang. Mit einem Riegel und Traubenzucker überbrücke ich die Zeit bis zum Lunch. Mit vollem Magen gehen wir weiter. Ein kreidebleicher Junge kommt uns mit seinem Träger und Guide entgegen. Für ihn war es das. Er war aus der südafrikanischen Gruppe. Die sind gestern bis zum Lava Tower Camp aufgestiegen. Das liegt mit seinem 4400 m schon sehr hoch. Als wir am Camp ankommen möchten wir eigentlich auch auf den Tower klettern. Offenbar hat Goodbless keine Lust. Erst sagt es sei zu schwierig. Als ich nicht aufhöre ihn zu drängen meint er es sei verboten. Na dann halt nicht. Uns geht es richtig gut. Beim Abstieg vom Lava Tower Camp überholen wir eine Gruppe. Auch bei ihnen gibt es Probleme. Ein Mädchen muß sich ständig übergeben. Auch sie ist kreidebleich. Kurz vor dem Barranco Camp sehen wir viele Lobelien und Senezien. Das sind riesige Gewächse. Auf einem entdeckte ich einen kleinen, grünen Vogel. Der ernährt sich wohl mit seinem langen Schnabel von dem Nektar. Das Camp selber ist riesengroß, sehr viele Zelte sind zu sehen. Die Lage ist fantastisch. Vielleicht das schönste Camp auf unserem Weg nach oben. Ich wechsle die Gläser meiner Sonnebrille. Ab morgen benötige ich die Gletschergläser. Interessant, wie die vielen jungen Kibobesteiger das handhaben. Da wird die Brille lässig in die Harre oder voll cool ins T-Shirt gesteckt. Über die Gefahren für ihr Augenlicht sind sich die Kids wohl nicht so richtig bewußt. Haben ja zwei. Was soll’s. Mein Bettnachbar klagt über Kopfschmerzen. Die Höhe macht sich bemerkbar. Jeder freut sich schon auf den Kili. Hoffentlich klappt es weiter so gut wie bisher.

Donnerstag, 02.07.09:
Wenn ich abends nur eine Tasse Tee trinke brauche ich nur dreimal aufstehen. Die Temperatur lag im Zelt bei 2 Grad. Heute geht es zum letzten Camp vor dem Gipfel. Doch zuerst reihen wir uns in die Schlange an der Barrancowall ein. Echt krank was hier abgeht. So etwas turnt mich total ab. Hunderte Wanderer und noch mehr Träger wollen gleichzeitig da hoch. Einige Touris sind mit den einfachen Kletterstellen total überfordert und halten das ganze Geschwader auf. Da hilft nur kräftig durchatmen und abwarten bis wir an der Reihe sind. Der Wahnsinn und wir mittendrin. Allen die gerne in irgendwelcher Schlange vor etwas anstehen kann ich eine Tour auf den Kili nur wärmstens empfehlen. Allen anderen nur einen der vielen anderen Berge auf unserem Planeten. Lang zieht sich der Weg ins Barafu Camp. Immer wieder müssen wir in ein Tal absteigen. Dementsprechend auf der anderen Seite wieder hoch. Insgesamt steigen wir viermal auf. Da kostet sehr viel Kraft. Zum Glück funktionieren meine PowerBar Riegel. Nach etwa fünf Minuten verfügt der Körper wieder über Energie für die nächste Etappe. Nach etwa sieben Stunden freuen sich meine Füße auf Feierabend. Trotzdem sind alle wieder sehr gut drauf. Das kann man von anderen nicht behaupten. So gegen 18:000 Uhr kommen die Letzten an. Total fertig sehen sie aus. Sie haben nicht einmal die Kraft ihren eigenen Tagesrucksack zu tragen. Für diese Gruppe mit jungen Leuten ist hier wohl Ende. Die Wolken verziehen sich und der Blick zum Mawenzi wird frei. Für die meisten bedeutet die Ankunft hier nur ein kurzer Zwischenstopp. Viele von ihnen werden um Mitternacht zum Gipfel aufbrechen. Wir dagegen dürfen bis um 6:00 Uhr schlafen. Allen die direkt vom Barranco Camp kommen kann ich hier nur eine zusätzliche Nacht empfehlen. Alternativ auch eine Nacht im Karangacamp. Sonst wird das ganze viel zu anstrengend. Die vielen Zombies, die uns am nächsten Tag entgegen kamen, werden mir wahrscheinlich zustimmen.

Freitag, 03.07.09: „Summit Day“
Ich habe hier auf 4600 m Höhe sehr gut geschlafen. Bei meinen nächtlichen Ausflügen aus unserem Zelt konnte ich nach Mitternacht eine riesige Lichterschlange sehen. Sie haben alle mein Mitgefühl; ich habe mich anschließend wieder in meinen Schlafsack verzogen. Nach dem Frühstück brechen auch wir gegen 7:00 Uhr auf. Nur 2 Träger transportieren unser abgespecktes Gepäck nach oben. Nach ungefähr 2 Stunden machen wir die erste Pause. Wie einen riesigen Stromschlag empfinde ich das wieder losmarschieren. Es ist ein sehr unangenehmes Gefühl. Zum Glück dauert es meist nur ein paar Sekunden. Schritt für Schritt geht es nur nach oben. Jeder Fußtritt wird sehr präzise abgesetzt. Kein einziges Mal rutsche ich zurück. Dazu atme ich mit jedem Schritt. Ein Bein vorwärts und dann einatmen, das andere Bein nach und ausatmen. Somit ergibt sich ein perfekter Rhythmus. Dieser bringt mich ständig meinem Ziel näher. Zum fotografieren habe ich aber trotzdem keine Lust. Ständig kommen uns Leute von oben entgegen. Manche sehen glücklich aus, viele fertig. Mit uns steigen vier Träger auf, die die Rücksäcke von ihren Kunden runterholen müssen, die diese einfach oben stehen haben lassen. Den Stella Point kann ich schon sehen. Trotzdem bleibe ich alle 8-10 Meter stehen und hohle 2 bis 3 mal tief Luft. Zum Pause machen habe ich jetzt keine Lust mehr. Viel zu Gut funktioniert mein Körper. Nach etwa 5 Stunden wölbt sich der Boden vor mir nach innen. Ich sehe auf der rechten Seite einige Gletscher. Zwei Schritte weiter und ich kann in den Krater blicken. Ungläubig stehe ich da. Es dauert schon einige Zeit bis man realisiert hat, daß man jetzt wirklich auf dem Dach von Afrika steht. Wir setzten uns in den Windschatten einer Felswand auf der linken Seite. Die Sonne heizt uns ein. Um so mehr schmeckt unser Lunchpaket. „Mahlzeit“ auf 5700 Meter. Was will man jetzt noch mehr? Da es uns allen sehr sehr gut geht, ist es nur eine Frage der Zeit, bis wir uns wieder auf den Weg machen. Auf zum höchsten Punkt des Kilimanjaro. Zusammen mit Elisamehe erreiche ich nach einer knappen weiteren gemütlichen Stunde den Uhuru Peak. Das ist schon noch eine Steigerung zum Stella Punkt. Es ist ein sehr freudiger, emotionaler Augenblick. Gut daß unsere Gletscherbrillen verspiegelt sind. Helden weinen schließlich nicht. Glücklich fallen sich alle in die Arme. Nur wir sechs sind hier oben. Der Ausblick ist Traumhaft, die Gletscher zum Greifen nahe. Topfit genieße ich die Zeit am Gipfel. Wir machen unsere obligatorischen Gipfelfotos vor der Bretterwand. Auf ihr steht in großen Lettern: Congratulations. You are now at Uhuru Peak. Tanzania. 5895m AMSL. Africa Highest Point. World highest free standing Mountain. Daneben steht eine Alukiste. Sie ist leer. Früher befand sich darin das Gipfelbuch. Doch die wenigsten haben sich darin eingetragen. Vielleicht waren auch nur die Ranger zu faul um es ständig zu erneuern. Leider geht auch unsere Zeit hier oben viel zu schnell zu Ende.
https://fotoalbum.web.de/alben/juergenpetra.voigt/Bilder/printImage?imageId=128474229&imageType=image
Nach etwa 45 Minuten brechen wir wieder auf. Wir gehen etwas weiter, bevor wir nach rechts abbiegen und einen Geröllhang hinab zum Kratercamp rutschen. Unser Lager ist bereits errichtet. Nebenan ist eine Gruppe aus Amerika. Sie ist über den Western Brach hochgekommen und wird sich morgen auf den Weg zum Gipfel machen. Sehr unschön empfinde ich die menschlichen Hinterlassenschaften unserer Vorgänger. Der gesamte Bereich des Camps ist übersät mit Klopapier und den dazu gehörigen Fäkalien. Da bekommt die Parkverwaltung jedes Jahr ein Vermögen an Eintrittsgeldern und ist nicht einmal in der Lage das abzustellen. Sehr traurig. Daran kann ich jetzt eh nichts ändern. Auf jeden Fall wird keiner eine Spur von mir finden. Das beruhigt ein wenig. Nach dem Tee mache ich mich noch einmal auf den Weg um die Umgebung zu erkunden. Jetzt ist es noch schön warm und wer weiß ob wir morgen noch dazu kommen. Als erstes gehe ich zum Furtwängler Gletscher. So schön wie er auch anzuschauen ist, so erbärmlich wirkt er. Schon ziemlich klein ist er und auf dem braunen Sandboden sieht er ziemlich hilflos aus. No Future, würde ich behaupten. Die Träger brechen hier Eisstücke ab um es zu schmelzen. Somit ist auch die Frage nach dem Wasser geklärt. Von der Abbruchkante des Western Breach habe ich eine tolle Aussicht. Unterhalb sehe ich den Lava Tower. Etwas rechts davon die Shira Camps. Ich setzte mich hin und lasse die Füße nach unten baumeln. Mir gegenüber ist der Mount Meru zu sehen. Unter den Wolken müßte links davon Arusha sein. Das bringt mich auf den Gedanken mein Handy auszuprobieren. Prompt habe ich einen Superempfang. Ich sende eine SMS an meine Freunde das wir oben sind. Mit meiner Frau führe ich mein bisher höchstes Telefongespräch. Die Glücksgefühle spielen wieder verrückt. Sniff! Ich bleibe noch eine Zeitlang sitzen. Die Sonne geht langsam unter. Erst als es mir zu kalt wird gehe ich langsam zurück zu den anderen. Rolland liegt bereits mit Kopfschmerzen im Zelt. Auch zum Abendessen hat er nicht viel Appetit. Im Gegensatz zu mir. Voller Freude gehe ich gegen 19:00 Uhr ins Bett. Hier ist es schon etwas kälter. Jedenfalls kommt es einem so vor. In dieser Höhe braucht der Körper viel länger um sich zu erholen. Dementsprechend will es auch im Schlafsack nicht wirklich warm werden. Erst als ich frische Kleidung anziehe wird es umgehend warm. Langsam kehrt die Müdigkeit ein. Mit einem Grinsen im Gesicht schlafe ich ein. Im gleichen Moment reißt es mich wieder hoch. Das selbe Scheißgefühl wie schon im Shira 2 Camp. Wieder lege im mich hin und versuche es erneut. Sofort habe ich wieder Atemnot. Immer wieder beruhige ich mich, aber es nützt nichts. Ich lege einige Klamotten unter die Isomatte, damit mein Oberkörper höher liegt. Nichts funktioniert. Die Zeit will auch nicht vergehen. Das wird wohl eine sehr lange Nacht werden. Teilweise muß ich jetzt auch noch stark husten. Ich habe mir meine Daunenjacke angezogen damit ich, wenn ich so da sitze, nicht friere. Beim letzten Hustenanfall habe ich auch einen sehr starken Brechreiz gehabt. Echt super, das nennt man wohl Höhenkrank. Nachdem es mir den ganzen Tag so gut gegangen ist. Bisher haben wir ja alles richtig gemacht. Die letzte Etappe ist natürlich zu viel des Guten. Höhentechnisch soll man nicht mehr als 500 m pro Tag aufsteigen. Vom Barafu Camp bis hier sind es aber
1100 m! Das ist auch der Grund warum alle nach dem Gipfel sofort wieder nach unten absteigen. Es ist an der Zeit mal zu fragen wie es den anderen geht. Roland kann wegen der starken Kopfschmerzen auch nicht schlafen. Werner, im Nachbarzelt, hat die gleichen Symptome wie ich, nur noch nicht so stark. Als Werner draußen ist weckt er Goodbless, unseren Guide. Als er uns sieht, empfiehlt er den sofortigen Abstieg. In dieser Situation ist das das einzig Richtige. Noch können wir selber gehen. Würde man abwarten und die Symptome schlimmer werden könnte das sehr übel ausgehen. Nur Sepp ist etwas enttäuscht, gerne wäre er hier oben geblieben. Doch alleine ist das Risiko auch für ihn zu groß. Sehr schnell wird unser Camp abgebaut. Ich weiß nicht warum, aber irgendwie werde ich zum am schlimmsten Erkrankten erklärt. Das hat den Vorteil daß ich meinen Rucksack nicht tragen muß. Mit Höchstgeschwindigkeit verlassen wir gegen 23:00 Uhr den Krater. Am Stella Point sind alle außer Atem. Nix Pole, Pole; Downhill Race für die nächsten sieben Stunden. Zum Glück scheint der Mond, denn die Batterien meiner Stirnlampe sind ziemlich leer. Wer hätte daran gedacht, daß wir einen so langen Nachtmarsch unternehmen. Auf halben Weg zum Barafu Camp stürzt einer unser Träger. Das Gepäck rollt bergab. Er läuft hinterher und kann es gerade noch fassen. Wieder stürzt er dabei und verletzt sich leicht. Er tat mir total leid. Kurz nach Mitternacht kommen uns die ersten Gipfelstürmer entgegen. Mitleidvoll betrachten sie uns. Glauben sie doch, daß wir den Aufstieg schon so früh abgebrochen haben. Im Barafu Camp wird es für mich lustig. Die wollen mich doch tatsächlich auf so eine Karre verfrachten und abwärts bringen. Das ist ja schließlich in der von uns bezahlten Rescuefee enthalten. Um Gotteswillen, hat das schon jemals einer überlebt? Das ist ja Achterbahn und Geisterbahn zusammen. Nein Danke! Noch kann ich selber laufen. Zu meinem Glück kann Werner sie davon abhalten. Das hätte zwar nur 1,5 Stunden gedauert, hätte mir aber meinen bisher Superurlaub schwer vermiest. So gehe ich mit den anderen die letzten 4 Stunden zum Mweka Camp. Die Route ist total unangenehm zum laufen. Alle sind total müde. Immer wieder stoßen meine Füße an irgendwelchen Steinen. Trotzdem müssen wir vorsichtig sein. Ein Fehltritt kann unangenehme Folgen haben. Die ersten Büsche tauchen auf. Mit ihnen verschwindet das Mondlicht. Nur mit der schwachen Funzel auf der Stirn erreichen wir alle das Camp. Schnell werden die Zelte aufgestellt. Gegen 5:00 Uhr kehrt Ruhe ein.


Samstag, 04.07.09:
Gegen 6:00 Uhr höre ich die ersten Stimmen. Vom Geräuschpegel her haben wir mitten auf einem Marktplatz unsere Zelte aufgeschlagen. Mit Ohropax schaffe ich es bis 9:00 Uhr zu schlafen, dann ist die Nacht endgültig vorbei. Alle von uns drei sind ohne Symptome. Wir hängen den ganzen Tag herum und beobachten das Treiben um uns herum. Ich sitze dabei meist auf einer Holzbank und genieße die Sonne. Wir spendieren unserer gesamten Mannschaft eine Runde Bier. Schon lächeln sie wieder alle. Gegen Mittag erscheinen die ersten Gipfelstürmer. Am Nachmittag gehe ich mit Roland Richtung Wasserstelle. Dort wollen wir uns, wie die Guides auch, waschen. Auf halber Strecke treffen wir auf unsere Träger. Die nehmen uns gleich wieder mit. Da sie ja schon das Wasser für uns dabei haben. Ich war barfuß unterwegs, meine Schuhe unterm Arm und wollte mir meine Füße waschen. Irgendwie dachten die Jungs ich wollte meine Schuhe waschen. Deswegen haben sie mir meine Schuhe abgenommen und gereinigt. Für mich bringen sie eine Schüssel mit Wasser und Seife. Damit ich meine sauberen Füße nicht wieder schmutzig werden, bringen sie mir auch noch ein Stück Holz auf dem ich meine gereinigten Füße abstellen kann. Sie sind einfach super. Mit allen Mitteln versuchen sie, daß es uns gut geht. Ein großes Lob dafür. Ein Träger war bereits früher vom Barfau Camp mit unserem Müll abgestiegen. Am Mittag ist er mit frischen Nahrungsmitteln zurückgekommen. Zum Abendessen gibt es einen afrikanischen Eintopf mit Bananen. Zum Nachtisch frische Ananas. Wieder einmal zeigt unser Koch wie man mit einfachsten Mitteln hervorragende Gerichte zaubern kann. Goodbless fragt uns später wie wir mit ihm und der Crew zufrieden waren. Auch von Valerian werden wir dazu des öfteren befragt. Wie ich aber schon erwähnte, sind wir mit allem mehr als zufrieden. Ob sie diese Antworten verwerten weiß ich nicht. Bereits um 19:00 Uhr liege ich in meinem Schlafsack und lasse den Tag noch einmal Revue passieren. Irgendwie schlafe ich dabei ein.

Sonntag, 05.07.09:
Relativ schnell verlassen wir unser letztes Camp. Der Weg ist immer noch unangenehm zu gehen. Die Wolken hängen tief und der Boden ist davon aufgeweicht. Meine Schuhe werden wieder schmutzig. Des öfteren halten wir vor riesigen Bäumen an. Sie sind einfach faszinierend und ewig alt. Aus dem Pfad wir ein befahrbarer Weg. Das Ende ist zu sehen. Ein letztes Mal müssen wir uns registrieren. Aufdringliche Kids wollen unsere Schuhe putzen und irgendwelchen Tourikram andrehen. Zum Glück dauert es nicht lange bis Goodbless mit unseren Urkunden kommt. Der Rest der Mannschaft hat sich während dessen gewaschen und umgezogen. Nur wir stinken noch in unseren Klamotten. Komplett fahren wir in einem Kleinbus nach Moshi. Wir sind der Meinung, daß wir alle ins Honeybadger fahren und dort noch kurz auf alles anstoßen. Leider weit gefehlt. Mitten in der Stadt hält der Bus an und die Träger steigen aus. Es ist eine blöde Situation. Da Valerian für uns Geld gewechselt hat können wir ihnen kein Trinkgeld geben. Wir fahren weiter. Dadurch haben wir uns nicht einmal verabschieden können. Echt bescheuert. Es ist klar, daß sie nach Hause wollen, aber eine Stunde später wäre wohl auch kein Problem gewesen. Liebes Mawenzi Team: Das ist unbedingt verbesserungsfähig!! Im Honey Badger treffen wir auf Valerian. Mit dem Geld bedanken wir uns beim verbliebenen Rest der Mannschaft. Ihnen geben wir auch das Trinkgeld für die Träger. Verschiedene Ausrüstungsgegenstände haben wir unterwegs schon an den Mann gebracht. Schnell verschwinden auch sie mit dem Bus. Unser neuer Fahrer Elli wartet bereits. Mit ihm fahren wir die nächsten 2 Tage auf Safari. In Arusha fährt er auf unseren Wunsch zu einer Kneipe. Dort essen wir zu Mittag. Wir laden ihn dazu natürlich ein. Da wir unser Ziel, die Twiga Lodge in Mto wm Mbu, recht früh erreichen, organisiert Elli für uns eine Stadtführung. Eigentlich wäre ich lieber in den Manyara NP gefahren. Doch das ist für die wenigen Stunden zu teuer. Die Tour ist aber sehr informativ. Natürlich kommen wir auch bei lokalen Künstlern vorbei. Bei den Schnitzern kaufen wir genauso wie bei den Malern schöne Dinge. Zum Abschluß besuchen wir eine Einheimischenkneipe. Dort dürfen wir das köstliche Bananenbier trinken. Zurück gehen wir direkt durch das Zentrum. Schade, daß wir das nicht fotografieren können. Hier lebt Afrika wie man es sich vielleicht vorstellen kann. Überall Stände und Läden. Jeder will hier etwas verkaufen. Durch unseren Guide werden wir auch nicht aufdringlich angesprochen. Gemütlich schlendern wir weiter und können alles in Ruhe betrachten.

Montag, 06.07.09:
Um 6:00 Uhr klingelt der Wecker. Schnell gefrühstückt und ab geht es in Richtung Ngorongoro Krater. Der Weg zieht sich ziemlich lange. Mit dem Landcruiser fahren wir bis auf 2500 m hoch. Am Wegesrand grasen Büffel. Ein großer Elefant winkt uns mit seinem Rüssel zu; ein freundlicher Riese. Als ich schon gar nicht mehr daran glaube, geht es endlich 600 m hinab in den Krater. Endlich tauchen die ersten Tiere auf. Es ist schon verblüffend, welche Artenvielfalt hier herrscht. Überall grasen Antilopen, Gnus und Zebras. Wir fahren zu einem Kill. In der Nacht haben Löwen einen Büffel gerissen. Ein Pascha schlägt sich den Magen voll, während der Rest der Familie in sicherer Entfernung wartet bis auch sie an der Reihe sind. Unterwegs sehen wir einen Geparden, sowie einen Serval. Nilpferde dösen im Hippopool vor sich hin. Live werden wir Augenzeuge wie sich 2 Löwinnen an Warzenschweine anpirschen und erfolgreich eines davon erlegen. Quick, Quick waren die letzte Worte. Zehn Minuten später war von ihm, außer ein paar Knochen, nichts mehr übrig. Gegen Mittag füllt sich der Krater mit sehr vielen Safari Fahrzeugen. Trotzdem war es ein sehr schöner Tag. Auf unserer Rückfahrt machen wir einen Stopp in Karatu. Irgendwie kennt Elli überall gute Kneipen.

Dienstag, 07.07.09:
Toll, in der Hauptstadt der Moskitos, surrt ein fettes Insekt unter dem Moskitonetz. Irgendwie finden diese Viecher immer einen Weg unters Netz. Ohne Malariaprophylaxe finde ich das gar nicht lustig. Schau ma mal! Um 6:00 Uhr gibt es Frühstück. Eine halbe Stunde später sind wir Lake Manyara Nationalpark. Wir fahren direkt zum Hippopool. Eines läuft noch außerhalb rum und frißt Gras. Der Rest döst im Pool. Auf alle Wegen tummeln sich die verschiedenen Affenarten. Wir sehen Paviane, Meerkatzen, Blue Monkeys, Giraffen, Zebras, Elefanten. Einmal kommen wir einer Herde sehr nahe. Voll entspannt können wir sie aus nächster Nähe beobachten. Bevor wir wieder aus dem Park fahren schauen wir noch einmal zum Hippopool. Diesmal sind fast alle an Land. Das sieht man eigentlich nicht so oft. Irgendwann müssen wir dann doch los. Wir holen unser Gepäck und fahren zurück nach Moshi. Im Honey Badger treffe ich Roland. Er ist ein Bekannter aus dem Internet. Er parkt hier seinen Landrover und unternimmt von hier aus seine Touren durch Afrika. Er läßt einen Tisch und Stühle direkt vor unserem Zimmer abstellen. Wir essen zu Abend und trinken ein paar Bierchen. Zeitig gehen wir aber ins Bett. Um 2:30 Uhr ist die Nacht vorbei. Der Hausherr serviert uns ein letztes Frühstück, bevor wir zum Flughafen fahren und die Heimreise antreten.

Wie so oft sind auch diese beiden Wochen in Tansania sehr schnell vergangen. Wir hatten eine sehr schöne Zeit dort. Mit einem wirklichen Highlight haben wir uns alle einen langjährigen Wunsch erfüllt. Bei traumhaftem Wetter standen wir auf dem Kilimanjaro. Durch unseren mehrstündigen Aufenthalt über 5700 m sind wir zwar Höhenkrank geworden, aber auch das hat das Erlebnis nicht getrübt. Von Anfang an haben wir uns mit dem Thema befaßt und haben letztendlich das einzig Richtige gemacht. Für den Laien ist der sofortige Abstieg das einzige Vernünftige. Die Einnahme von entsprechenden Medikamenten ist nur etwas für erfahrene Höhenbergsteiger und Mediziner. Der letzte Anstieg auf den Gipfel und ins Kratercamp widerspricht den Regeln für das Höhenbergsteigen. Diese empfehlen maximal 500 Höhenmeter pro Tag. Ebenso braucht der Körper 10 bis 14 Tage entsprechende Anpassung um länger auf über 5000 m verbleiben zu können. Bis Symptome einsetzen kann es 8 - 12 Stunden dauern. Bis dahin füllte ich mich topfit. Erst als ich mich zu Ruhe begab kam es im meinem Körper zu einer Unterversorgung mit Sauerstoff. Dadurch verengen sich die kleinen Blutgefäße in der Lunge. Der Druck in der Lungenarterie steigt. Durch die verengten Gefäße wird der Gasaustausch gestört. Es kommt zu Atemproblemen mit Atemnot. Tritt jetzt Gewebsflüssigkeit aus den Lungengefäßen ins Lungengewebe und in die Lungenbläschen besteht die Gefahr eines Lungenödems.
Das einzige was wirklich unangenehm war, sind die deutlich überhöhten Preise in Tansania. Vor allem die Eintrittsgelder sind viel zu hoch. Das ist auch der Grund warum ich in Zukunft wieder in das südliche Afrika reisen werde.

Mika Hautamaeki
20.07.2009, 10:57
Moin, schöner Bericht, aberein paar Bilder wären nett ;-)

wildboy
21.07.2009, 17:50
Hallo Mika,

Bilder habe ich genügend, so grob sind es wohl 2000. :baetsch:

Hier habe ich ein paar für dich.

Schöne Grüße

Jürgen

P.s. Auf meiner Homepage findest du auch noch welche.

ulfs
21.07.2009, 19:59
Danke für deinen Bericht und die schönen Bilder!
Will nicht indiskret sein, aber könntest du vielleicht eine preisliche Größenordnung nennen, mit der man mit allem Drum und Dran (Flug, Unterkunft, Guide....) rechnen muss? Habe gelesen, dass es ziemliche Qualitätsunterschiede zwischen den Anbietern geben soll. Ist das so und spiegelt sich das auch im Preis wieder?
Grüße
Ulf

wildboy
21.07.2009, 21:09
Hall Ulf,
das ist kein Geheimnis. Mich hat der Spaß 3000 Euro gekostet. Das ist so die untere Preisklasse. Luxus kann man da nicht erwarten. Recht viel mehr würde ich aber auch nicht ausgeben wollen. Wenn du die Reise bei einen Deutschen Anbieter, wie wir bei Mawenzi Reisen, buchst bist du auf alle Fälle auf der sicheren Seite. Die arbeiten mit sehr guten Agenturen vor Ort zusammen.

Schöne Grüße

Jürgen

-CaRsTeN-
28.07.2009, 11:42
Hallo,

schöner Bericht :bg: Und danke für die Auffrischung meiner Erinnerungen an die schöne Zeit am Kili *sniff*

Sehr gut fand ich die Reaktion eures Guides, der euch bei den Anzeichen der Höhenkrankheit direkt zum Abstieg gedrängt hat. Wie lange haben die Anzeichen denn bei dir angehalten?

Hattet ihr eigentlich auch einen Certeg Bag dabei?

Grüße
carsten

Mika Hautamaeki
28.07.2009, 13:25
Wow, was für Fotos. Ich denke, ich muß nun doch nochmal nach Afrika...

wildboy
28.07.2009, 19:51
Hallo,

schöner Bericht :bg: Und danke für die Auffrischung meiner Erinnerungen an die schöne Zeit am Kili *sniff*

Sehr gut fand ich die Reaktion eures Guides, der euch bei den Anzeichen der Höhenkrankheit direkt zum Abstieg gedrängt hat. Wie lange haben die Anzeichen denn bei dir angehalten?

Hattet ihr eigentlich auch einen Certeg Bag dabei?

Grüße
carsten

Danke an euch beide.

Die Probleme mit der Atmung war bei uns beiden eigentlich weg als wir wieder aktive geworden sind. Durch die Bewegungen haben wir natürlich wieder richtig fest geatmet und den Körper wieder mit ausreichend Sauerstoff versorgt. Nur beim dritten Mann mit den Kopfschmerzen hat es fast bis ins Mweka Camp auf 3100m gedauert bis auch er ohne Symptome war.
So ein Teil hatten wir nicht dabei. Ich habe unterwegs aber eines gesehen. Ich glaube das Beste ist, das man den Rückzug antritt solange man das noch selbstständig tun kann. Bei allen anderen Rettungsmethoden bist du am Kilimanjaro ziemlich am Arsch. Da entscheidet nur dein Glück wie die Geschichte ausgeht.


Schöne Grüße

Jürgen