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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [NO] Bergans Glacier Camp - Jostedalsbreenquerung und Brenibbabesteigung



sebastian75
09.07.2009, 21:23
Bergans Glacier Camp Reisebericht


http://img16.imageshack.us/img16/1498/img2528g.jpg (http://img16.imageshack.us/i/img2528g.jpg/)


Prolog:

Anstatt den Abend sinnvoll zu nutzen surfe ich noch kurz doch das Internet als es mich auf die Bergans Homepage. Da fällt mir doch tatsächlich eine Werbefläche für das Bergans Glacier Camp ins Auge. Einen Klick später erfahre ich, dass die Firma Bergans wagemutige Bergsportler in das schöne Norwegen einläd´um gemeinsam mit Cecille Skog den Jostedalsbreen zu erkunden. Und damit niemand erfriert schenken die Wikinger jedem Teilnehmer noch einen Haufen Klamotten.

Bergans formuliert diese Einladung so:


Jostedalsbreen in Western Norway is the largest glacier on the European mainland. Cecilie Skog is the first woman to reach the ‘three poles’: the North Pole, the South Pole and Mount Everest. If you combine these two elements together, you end up with a very interesting concept…

Bergans of Norway invites you to join us on a trip on the Jostedalsbreen, the largest glacier on the European mainland, guided by Cecilie Skog. This is the ultimate chance to take your experience to a new level. Cecilie grew up nearby Jostedalsbreen and she knows the glacier like her own back pocket. She will certainly not spare you during this trip, but you will get an unforgettable experience in return. And you will visit places few others have visited before you.

The glacier has an ice surface of nearly 500 km². The reason that you will find a super size glacier like this at the west coast of Norway is the climate in this part of the country. Heavy snowfall in the winter and cool summer temperatures resulted in a gigantic glacier.

The landscape around the glacier is characterized by steep, deep and lush valleys, fjords and small farm villages. During the trip we will get acquainted with this contrasting landscape. We will experience the endless white plains that will remind you of the arctic. If the conditions are in our favor we will aim for the highest pinnacle of the Jostedalsbreen, the Lodalskåpa, at 2.083m altitude. Down in the valley wild brittle ice masses invite for steep challenges. Ice climbing and ‘blue ice’ exploration.

We would like to give this glacier crossing some cultural background as well. In the early days the route over the glacier was often the quickest and only way to neighboring villages. During the trip we will follow these old trails over the glacier and tell you some of the stories from ‘the old days’.

Guiding:
Cecilie Skog (NF Glacier Instructor) from Fram Expeditions
Bjørn Sekkesæter (NF Glacier Instructor) from Fram Expeditions
Sverre Hjelmeland (International mountain guide) from Norgesguidene

The journey plan will be as follows

Sunday 21. June
Travel day

Monday 22. June
Departure to Bødalssetra and distribution of equipment.
’Blue ice’ exploration on the Bødalsbreen, with training and instruction.
Evening camp fire and diner.

Tuesday 23. June
Alpine start of the day (this means very early), hike up the steep slopes towards the glacier plateau.
Here we pitch the tents. If the weather is good we will try the ascent up Lodalskåpa or Brenibba.
We will try to camp at Ståleskaret, but there are also many other nice camping places.

Wednesday 24. June
We will descent down from the plateau to Jostedalen via the glacier tongue Fåbergstølsbreen.
Here we will camp and enjoy a good diner.

Thursday 25. June:
Steep day in the ’blue ice’ with ice climbing, glaciology and other fun.
We will end our journey at Breheimsenteret.

Friday 26. June
Travel day


Doch um in den Genuss dieses Camps zu gelangen muss man sich zuerst bei der Firma Bergans schriftlich bewerben. Ein einfaches Ausfüllen eines Anmeldeformulars erschien nicht Erfolgversprechend, da Bergans seine potentiellen Gewinner besser Kennenlernen wollte.

Also opferte ich einige nächtliche Stunden in schmiss eine Powerpointpräsentation zusammen. Denn schon aus dem Job weiß man ja, dass man mit Powerpoint jedes Problem lösen kann – und dass ohne wirklich etwas zu sagen. In 16 Seiten Präsentation kehrte ich also mein Innerstes nach außen und würzte diese emotionale PPT noch mit Bilder und einer Prise Humor und Selbstironie.

Nach dem Absenden der Bewerbung vergingen einige Woche und der kühle Norden geriet in Vergessenheit. Eigentlich wollte ich den WHW im September vorbereiten als ich im Forum über einen sehr geilen Jotunheimen Reisebericht gestolpert bin, der in mir spontan das Verlangen weckte doch noch einmal noch Norwegen zu fahren.

Einige Tage später klingelt plötzlich mein Handy und eine junge Dame aus Norwegen fragt mich, ob ich in zwei Wochen Zeit habe nach Norwegen zu fliegen. Nach einem Freudenschrei folgt sofort die hastige Bestätigung.
Es folgt eine sehr stressige Woche, in der ein Lehrgang abgesagt, Labortests verschoben und Arbeit auf die Kollegen abgewälzt wird um die Woche für Norwegen freizuschaufeln.

Für den Trip suche ich noch nach einer Wanderkarte vom Jostedalsbreen, werde aber trotz Unterstützung des Forums nicht fündig.

Sonntag, 2009-06-21

Früh morgens geht es nach Düsseldorf. Im Gepäck nur eine kleine Reisetasche mit einigen persönlichen Dingen, einigen Outdoor-Klamotten und Berghaferln und Spork.

Im strömenden Regen steige ich in den Flieger und lande zwei Stunden später im sonnigen Oslo. Einige weitere glückliche Mitwanderer können schnell ausfindig gemacht werden und so vergeht die Wartezeit auf den Bergans Reisebus um einiges schneller.

Nachdem alle 10 Gewinner eingetroffen sind geht es 8 Stunden im Kleinbus Richtung Norden. Zeit auf die Mitreisenden einmal genauer einzugehen. Das sind Merijn und Silvia aus Holland, Dorothy und Lenny aus Belgien, Klara, Eric und Henrik aus Schweden sowie Janette und Katja aus der Schweiz. Begleitet werden wir von Monica, die für Bergans im Marketing arbeitet und den Trip organisiert hat.

Die Landschaft zieht im Schneckentempo am Fenster vorbei, wird zunehmend schroffer und wilder und lässt die Vorfreude stetig ansteigen.
Abends erreichen wir gegen 20 Uhr Sunde Camping in Loen (http://maps.google.de/maps?f=q&source=s_q&hl=de&geocode=&q=Loen&sll=62.296027,7.201538&sspn=1.159473,4.932861&ie=UTF8&ll=61.87509,6.864738&spn=0.073476,0.308304&t=h&z=12&iwloc=A&lci=com.panoramio.all). Gegrillter Lachs und Bier versüßen den Abend. Als Nachtisch erhält jeder einen tollen Bergans Rask Rucksack voller Goodies, die zu spontanen Bergans-Modenschauen im Jungs- und Mädelszimmer führen.

Nachts muss ich feststellen, dass es nicht dunkel wird. Ich kann also nicht schlafen, freue mich aber trotzdem, da ich um 4 Uhr nachts noch einmal in meinem Rucksack krame und die Stirnlampe in meine Reistasche verbanne.

Montag, 2009-06-22

Nach einem reichhaltigen Frühstückbuffet wird erst einmal die Gruppenausrüstung auf die Teilnehmer verteilt. Zelte, Steigeisen, Helme, Seile, Eisschrauben, Gurte, Kocher und Geschirr wollen zusätzlich zu den Klamotten und Schlafsäcken in den 50l Rucksäcken verstaut werden.
Wir lernen die Norwegischen Guides Sverre und Kaare, sowie Cecille Skog kennen. Die beiden Guides geben grandiose Tipps als sie gefragt werden was alles mitgenommen werden muss:

„Bring everything you need – don`t bring anything you don`t need! Don’t bring any extras”

So schlau wie vorher fliegen also erstmal die Bergans Daunenjacken aus dem Rucksack und landen im Reisebus.

http://img507.imageshack.us/img507/6559/img2472.jpg (http://img507.imageshack.us/i/img2472.jpg/)
Gruppenausrüstung

Als endlich alle abmarschbereit sind geht es in einem weiteren Bus und einem Pickup den Lovanet entlang einige Höhenmeter hinauf. Schließlich geht es noch ein winziges Stück zu Fuß zur Bodalsseter (http://maps.google.de/maps?f=q&source=s_q&hl=de&geocode=&q=Loen&sll=61.768495,7.029533&sspn=0.036866,0.154152&ie=UTF8&radius=2.52&rq=1&ll=61.768495,7.029533&spn=0.036866,0.154152&t=h&z=13&lci=com.panoramio.all), wo für unsere Zelte aufschlagen.

http://img43.imageshack.us/img43/647/img2476s.jpg (http://img43.imageshack.us/i/img2476s.jpg/)
Pfad zur Bodalsseter

Es folg eine kurze Kennenlernrunde und die Erkenntnis, dass Cecille Skog an dem Trip aus persönlichen Gründen leider nicht teilnehmen wird. Aber Sverre und Kaare scheinen dies locker kompensieren zu können. Sie machen einen äußerst relaxten, aber gleichzeitig kompetenten Eindruck.

Mittags geht es dann endlich in Richtung Gletscher. Mit Tagesgepäck wandern wir durch das wilde Tal, das von Flüssen, Bächen und kleinen Rinnsalen nur so durchzogen zu sein scheint.

Die Guides vermitteln eine Menge wissen über Geografie, Botanik, Geschichte und die Menschen die hier lebten. Dies geschieht beinahe beiläufig und wirkt niemals bemüht oder aufgesetzt. Besonders die Botanik hat es ihnen angetan und so habe ich schon 4 verschiedene Flechtenarten probiert bevor wir endlich an den Ausläufern des Jostedals-Gletscher ankommen.

http://img43.imageshack.us/img43/3893/img2487b.jpg (http://img43.imageshack.us/i/img2487b.jpg/)
Überall Schmelzwasser

War es im Tal noch sonnig und warm lässt mich nun ein eisiger Wind frösteln. Mütze, Handschuhe und Hardshell kommen erstmalig zum Einsatz.
Es folgt ein kurzer Gletscherkurs, indem der richtige Umgang mit Gurt, Steigeisen und Pickel vermittelt wird. Das erlernte wird direkt bei der Besteigung der Bodalsbreen-Gletscherzunge getestet. Wir erreichen die Spitze als leichter Nieselregen einsetzt. Der Abstieg erfolgt dadurch deutlich zügiger.

http://img6.imageshack.us/img6/6734/img2486x.jpg (http://img6.imageshack.us/i/img2486x.jpg/)
Lenny auf Gletscherzunge

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Aufstieg

Abend im Camp zeigt sich bereits wieder die Sonne. Perfekt Voraussetzungen für das BBQ. Der ca. 4m² große Grillrost biegt sich unter Hotdogs, Lammsteaks und Pute. Wir schlemmen und futtern uns Kraft für den morgigen Tag an.

Dienstag, 2009-06-23

Um 5 Uhr irgendwas klingt der Wecker. Die Rucksäcke sind schnell gepackt und so geht es in aller Frühe Richtung Lodalskapa.

Doch zuerst geht es wieder durch das von weißen Riesen flankierte Tal. Der Pfad wird schnell immer steiler und schroffer. Die Passagen werden immer ausgesetzter und so muss die ein oder andere Passage auf allen Vieren bezwungen werden. Ein Wasserfall lässt uns nur kurz verweilen und die Aussicht genießen, schließlich haben wir noch hunderte Höhenmeter zu bezwingen und den Gletscher noch nicht erreicht.

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Wasserfall

Wir erreichen ein Plateau und von dort an beschränkt sich die Vegetation auf Gräser, kleine Sträucher und Flechten.

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erstes Plateau

Nach einem weiteren sehr steilen Anstieg über Schneefelder und Geröll erreichen wir ein weiteres Plateau. Nun zeigt sich endlich der Gletscher. Schnee und Eis soweit das Auge reicht, was nicht allzu weit ist, da ein weiterer steiler Anstieg über ein Schneefeld die Sicht versperrt.

Während wir pausieren und Gamaschen anlegen kommen uns zwei Norwegen auf Ski entgegen. Wir beneiden Sie für ihre flotte Abfahrt, zweifeln aber daran, dass sie viel Spass beim Abstieg mit Ski uns Skischuhen am Rucksack haben werden.

Im Gänsemarsche geht es im Zick-Zack bergauf. Der Erste muss Stufen in den Schnee treten und lässt sich immer, je nach Erschöpfungsgrad, ans Ende der Schlange zurückfallen. So geht es relativ zügig voran.

http://img406.imageshack.us/img406/9674/img2499.jpg (http://img406.imageshack.us/i/img2499.jpg/)
Gänsemarsch im Schneefeld

Schnell erreichen wir den Grat und somit den echten Rand des Gletschers. Der eisige Gletscherwind setzt wieder ein und T-Shirts werden ein weiteres Mal mit Pullovern, Jacken und Mützen ersetzt.

Die Lodalskapa liegt noch in Wolken und Nebel und lässt uns keinen Blick erhaschen. Um Gletscherspalten zu entgehen bilden wir zwei Seilschaften und trotten nun weiter im Gänsemarsch durch eine schier endlose Welt aus Eis und Schnee. Vereinzelt scheinen Felsen durch das Meer aus Eis zu brechen und erscheinen auf den ersten Blick wie Inseln.

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Insel im Eis

Der Schnee ist relativ weich und lässt uns bei jedem Schritt tief einsinken, was das vorankommen weiter verlangsamt. Aber ich habe ja keine Eile. Ich trotte am Seil durch diese unwirkliche Landschaft und kann jeden Eindruck aufsaugen.

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erste Anzeichen der Höhenkrankheit im Teilnehmerfeld

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Eis und Fels

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ich und das Eis

An einer weiteren Felseninsel machen wir Rast und füllen unsere Trinkwasserreserven an der letzen „flüssigen“ Quelle bevor wir den Gletscher verlassen wieder auf. Jetzt steht eine Entscheidung an. Von hier können wir mit leichtem Gepäck zur Lodalskapa (http://maps.google.de/maps?f=q&source=s_q&hl=de&geocode=&q=Lodalskapa&sll=61.760536,7.185402&sspn=0.036875,0.154152&ie=UTF8&ll=62.296027,7.201538&spn=1.159473,4.932861&t=h&z=8&iwloc=A&lci=com.panoramio.all) (2082 m)aufbrechen, was eine zusätzliche Strecke von ca. 4,5 Stunden bedeutet. Die Alternative besteht darin zum direkt Hochlager zu marschieren und am nächsten Tag auf den Brenibba Brenibba (http://maps.google.de/maps?f=q&source=s_q&hl=de&q=Brenibba,+6871+Luster,+Norwegen&sll=51.151786,10.415039&sspn=12.527732,39.462891&ie=UTF8&cd=1&geocode=FQt8rgMdAN1tAA&split=0&ll=61.760536,7.185402&spn=0.036875,0.154152&t=h&z=13&lci=com.panoramio.all)(2017 m) zu klettern. Da die Lodalskapa in Wolken liegt fällt die Entscheidung leicht direkt in Lager zu laufen.

Nach ca. einer Stunde klart es schlagartig auf. Jacken und Mützen verschwinden. Die Sonne von Oben und die Reflexionen machen den Aufstieg bringen uns nochmal ins Schwitzen. In jeder Pause wird nun Sonnenschutz aufgetragen. Vorbei an Formationen aus blauem Eis geht es zum Lagerplatz- einer weiteren steinernen Insel mitten im Eis.

http://img291.imageshack.us/img291/7103/img2514c.jpg (http://img291.imageshack.us/i/img2514c.jpg/)
Lagerplatz mitten im Ozean aus Schnee und Eis

Die Zelte werden mittels Steigeisen und Pickeln im Schnee verankert und danach bereitet jedes Zelt sein Essen vor und schmilzt Schnee zum Trinken.

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Zeltlager - 4 x Bergans Rodane 3 Kompakt- Brenibba im Hintergrund

http://img411.imageshack.us/img411/7473/img2513r.jpg (http://img411.imageshack.us/i/img2513r.jpg/)
Meine Jungs aus Benelux beim Kochen

Die Sonne lässt den Abend zum Genuss werden. Schuhe und Socken trocknen in der Sonne, während wir, in unsere Schlafsäcke gemummelt die Aussicht genießen. Die Zelte bleiben fast ungenutzt, biwakieren unter freiem Himmel ist angesagt.

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Schlafsacktest in der Abendsonne

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links die Jodalskapa, Mitte zwei Norweger, rechts Brenibba (nicht mehr im Bild)

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Sunset on Ice

Mittwoch, 2009-06-24

Wieder geht es in aller Frühe aus den Federn. Der ersehnte finale Gipfelsturm steht bevor. Der Schnee, der am Tag zuvor noch jeden Schritt erschwerte ist nun hart gefroren. Der mit ca- 6°C doch recht frostigen Nacht sei Dank.

http://img339.imageshack.us/img339/3597/img2518.jpg (http://img339.imageshack.us/i/img2518.jpg/)
Gipfelsturm

Der Gipfel ist leicht zu erreichen und in kurzer Zeit steht die ganze Gruppe an der Spitze. Im Hintergrund ist Jotunheimen zu sehen und wirkt beinahe magisch. Auch die Lodalskapa hat ihren Wolkenschleier endlich abgelegt und lässt und kurzfristig an der gestrigen Entscheidung zweifeln.

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Lenny auf dem Brenibba mit Jodalskappa im Hintergrund

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Fernsicht auf Jotunheimen rechts

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Reich der Riesen

Es folgt der Abstieg zum "Hochlager", die Zelte werden abgebaut, Schnee für die Trinksysteme wird geschmolzen, Gurte und Rucksäcke angelegt und es geht weiter. Immer dem Vordermann und dem Seil hinterher.

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Slush-Todesmarsch mit UV-Folter :-)

Die Sonne brennt erbarmungslos und scheint uns rösten zu wollen. Die Sonnencreme wird nun exzessiv auf jeder sichtbaren Hautpartie in jeder kleinen Pause verteilt. Es ist außerdem sonderbar jede Pause (im großen Kreis sitzend)und Pinkelpause (einige Schritte nach links – bei Gewünschter Privatsphäre mit den Augen nach rechts) angeseilt zu sein.

Die Sonne verwandelt die endlosen Schneefelder optisch in eine wundervolle Glitzerwelt, haptisch aber in einen furchtbaren Schneematsch. Anfangs versinkt jeder 2. Schritt, schließlich bricht dann jeder Schritt durch die fragile Schneedecke. Es fühlt sich an als würde man in einem Slush-Puppie wandern. Die Holländer wollen schon Sirup über dem Gletscher abwerfen, während irgendwer ein völliges Abschmelzen durch Globale Erwärmung fordert.

Meinen Schuhen ist das inzwischen völlig egal. Trotz Gore-Tex sind diese nämlich schon seit gestern völlig durchnässt. Zwei Plastiktüten über den Socken halten meine Füße nun zwar nicht mehr trocken, aber wenigstens warm.

Es geht in sanftem Gefälle immer weiter bergab. Nach Stunden erreichen wir den Rand des Gletschers. Es geht jetzt steil bergab, über unzählige Gletscherspalten, vorbei an weiteren bizarren Eisformationen.

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blue ice

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steil Bergab

Endlich erreichen wir wieder Fels und Geröll. Doch das gute Wetter hat die Gletscherflüsse stark ansteigen lassen. Wir stehen zwischen zwei reißenden Strömen und können diese nicht gefahrlos passieren. Also legen wir wieder Helme und Steigeisen an um den Fluss auf einer Eiszunge zu überqueren.

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Im Tal

Es folgt eine kurze Etappe durch das grüne Tal bis zur nächsten Straße. Dort werden wir bereits seit Stunden erwartet. Man begrüßt uns traditionell mit Schnaps und glücklich stoßen wir auf eine gelungene und wundervolle Gletscherüberquerung an.

Abends Zelten wir in Jostedal und genießen zuerst die heißen Duschen und anschließend den gebratenem Lachs vom Grill und die vielen anderen Köstlichkeiten.

Einige ziehen sich schnell in ihre Zelte zurück, während ich den Abend mit den Norwegern und einigen Schweden noch bei zahlreichen Dosenbieren ausklingen lasse. Als die norwegische Sperrstunde (Und die wollen ein zivilisiertes Land sein!) greift lege ich mich schließlich trotz Mückenschwärmen in meinem Schlafsack unter den freien Himmel. Bei 65 Kronen pro Bier hätten wir wahrscheinlich auch nicht mehr lange feiern dürfen ohne den Bergans Aktienkurs abschmieren zu lassen. :grins:

Donnerstag, 2009-06-25

Heute könnte man in Ruhe ausschlafen, doch die Sonne lässt mich bereits früh aufstehen. Nach einem reichhaltigen Frühstücksmenu geht steht ein weitere Tagesausflug zum Gletscher auf dem Programm.

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Gletscher mit See

Mit dem Motorboot fahren wir an den Rand des Niggards-Breen. Angeseilt geht es dann immer weiter bergauf. Das blaue Eis ist faszinierend und zieht alle in seinen Bann. Wasser sprudelt an allen Ecken hervor und verschwindet wieder. Spalten, Türme und Grotten aus Eis verzaubern uns.

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Aufstieg

http://img183.imageshack.us/img183/167/img2546.jpg (http://img183.imageshack.us/i/img2546.jpg/)
Aussicht vom Gletscher

Am höchsten Punkt unseres Aufstieg versuchen wir und noch im Eisklettern, was für mich eine neue tolle Erfahrung war. Der Abstieg birgt eine weitere Überraschung: Sverre, der Guide meiner Seilschaft, beschließt es sei an der Zeit, dass wir unsere erlernten Fähigkeiten anwenden. Er bindet sich aus dem Seil aus und überlässt es uns 5 selbständig den Abstieg zu planen und abzusichern. Als Team meistern wir den Abstieg und schnallen wehmütig die Steigeisen zum letzen mal für diesen Urlaub ab.

Mein Hanwag deutet die Zeichen korrekt und kapituliert endgültig, die Sohle, die ich erst letztes Jahr habe erneuern lassen löst sich fast vollständig ab. Die Zwischensohle ist total zerrüttet und zerfällt in winzige Brocken. Das Innenfutter beginnt sich auch aufzulösen. Glück gehabt, einen Tag vorher wäre das echt ein Problem geworden.


http://img196.imageshack.us/img196/4043/img2555k.jpg (http://img196.imageshack.us/i/img2555k.jpg/)
Das Ende einer fast 10 jährigen Partnerschaft

Wir fahren mit Boot und Bus zurück nach Jostedal. Dort haben wir ca. 2 Minuten um unser Gepäck in den Bus zu schmeißen. Als kleine Abkühlung wartet ein Mitarbeiter von Norgesguidene.no mit einem Tablett voller köstlicher Eisbecher auf uns als wir in den Bus steigen. Endlich einmal mit Profis arbeiten! ;-)

http://img197.imageshack.us/img197/9016/img2551f.jpg (http://img197.imageshack.us/i/img2551f.jpg/)
Eine Seefahrt die ist lustig

Es geht nun zurück in die Stadt, dort wartet auf jeden ein tolles Hotelzimmer, das aber niemand nach dieser grandiosen Naturerfahrung wirklich zu würdigen weiß. Es ist schon witzig wie die Natur sich doch auf die Ansprüche auswirkt.

Abends erfahren endlich mal Monica, Sverre und Kaare ein Überaschung. Wir Teilnehmer hatten via e-mail verabredet, dass jeder ein landestypisches Geschenk mitbringt. Und so türmen sich vor den Dreien Stroppwaffeln, Haribo, Snooze und Stoffmurmeltiere. Die Freude ist groß und der Abend ist viel zu schnell vorbei.

Nacht muss jeder noch versuchen sein Gepäck so zu verpacken, dass er kein Übergepäck bezahlen muss. Jetzt zahlt sich meine Minimalstrategie bezüglich meines Gepäcks aus.

Freitag, 2009-06-26

Stundenlanges Busfahren, verspäteter Flieger, Duty-free bummeln, Verabschiedungen, SAS-Flug trotz Lufthansa ticket, kostenpflichtige Coke an Board, ruppige Landung, schwüles Wetter in Düsseldorf

Resümee

Erst einmal gilt mein Dank Bergans dafür dass sie mir nicht nur einen einmaligen Trip ermöglicht, sondern auch tonnenweise Bergans-Stuff geschenkt haben. Ein besonderes Dank an Monica, die nicht nur super organisiert, sondern auf ihre Jungern-Trekkingtour (!!!) tapfer durchgezogen hat.

Sverre und Kaare von Norgesguidene.no waren zwei super Führer, die keinen Überfordert haben und schnell die richtige Balance gefunden haben, sodass ich nie das Gefühl hatte mich auf einer geführten Tour zu befinden.

Die internationale Truppe war eine echte Bereicherung. Die Atmosphäre war geprägt von Hilfsbereitschaft und Kameradschaft.

Mit Lenny und Merijn, meinen Zeltgenossen, habe ich ein super Benelux-Team bilden können. „Bedankt!“

Für mich war es die erste Gletschertour/Hochtour meines Lebens und ich denke der Funke der Begeisterung ist mehr als übergesprungen. Jetzt hoffe ich darauf ähnliches vielleicht einmal in den Alpen erleben zu dürfen.

Vielen Dank für lesen.
Gruß

Sebastian

Windflüsterer
09.07.2009, 22:46
Boaaaahhhhhhh du Glückspilz... "neidvoll auf die Bilder schaut"... sieht echt super aus. Den Spaß hät ich mir auch gern gegeben

Biggi
10.07.2009, 00:03
Schöne Tour und dann auch noch für lau.
Ist das Eis da wirklich blau? (reimt sich sogar)

Ja, so eine Sache mit dem Schuh kann mal blöd enden.

Schönes Ding.

konamann
10.07.2009, 00:11
man sollte mal öfter fröhlich auf herstellerseiten rumsurfen...

gemeinheit.

und grad hat mir ein kumpel noch erzählt, dass er ein auslandssemester in schwedisch lappland macht... es hört nicht auf.

sebastian75
10.07.2009, 09:01
du Glückspilz

Das kann man wohl sagen! Waren wohl über 300 Bewerber.



Ist das Eis da wirklich blau?

Ja, sieht schon super aus.
Anscheined ist Eis das viel Luft enthält weiß. Durch den Druck des vielen Eises ensteht im Gletscher wohl Eis mit wenig Luft, welches dann blau erscheint.


man sollte mal öfter fröhlich auf herstellerseiten rumsurfen...
Auf der norwegischen Bergansseite findet man noch weitere Bergans Camps. Vielleicht einfach mal als Norweger ausgeben und bewerben.

c.nick
10.07.2009, 16:11
Klasse Bericht!!
Ziemlich akzeptabler Trostpreis (wenn der Hauptgewinner sich mit Cecilie aus dem Staub gemacht hat :bg: )
Cheers! Christian

ulfs
10.07.2009, 20:11
Super! Sehr schöne Bilder!
Sollte unbedingt öfter irgendwelche Herstellerseiten abgrasen. Vermeide die eigentlich immer, da diese ja normalerweise mehr Informationen vorenthalten als bieten:motz:

sebastian75
13.07.2009, 11:13
Bergans Bilder gibt es hier:

http://www.bergans.no/glaciercamp/glaciergallery/index.html

Dobert Herris
13.07.2009, 12:32
Hallo,
ich finde, dass es ein gut Bericht mit schöne Bilder ist. Ich habe ihn gern und mit Interesse gelesen.
Ja, da kann schon Interesse geweckt werden – auch wenn ich eher Sologänger bin und den Süden Europas bevorzuge.
Eine solche Schnee-, Eis-, Gletschertour hat aber schon etwas Faszinierendes.
Mal sehen...

Ari
13.07.2009, 15:26
Spannender Bericht und humorvoll geschrieben - hast'e fein gemacht :D.