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Werner Hohn
09.07.2009, 20:34
Land: Portugal
Reisezeit: Oktober 2008 und März/April 2009
Reiseart: Wanderung

Ganz im Westen

Zwei Wanderungen entlang der portugiesischen Atlantikküste

http://fotos.outdoorseiten.net/data/500/Kueste-setubal.jpg

Eine Einleitung

Einen Reisebericht mit einer Warnung anzufangen ist nicht ganz üblich, aber in diesem Fall wohl unvermeidlich. Nicht, dass irgendwann jemand aufschreit und einen richtigen Wanderbericht einfordert. Den wird es nicht geben, denn meine Frau und ich sind nicht gewandert, wir sind zu Fuß gegangen. Folglich werden Wanderwege, Trampelpfade, „Traumrouten“ eine marginale Rolle spielen, um es freundlich zu sagen.
Straßen haben die Hauptrollen gespielt. Mit dabei, sozusagen in den Nebenrollen, waren ein paar Staubpisten, jede Menge konditionsmordende Sandwege, ein Bahngleis, der Betonrand eines Bewässerungskanals und und und. Aber Straßen, die hatten wir in allen Variationen, von der Schlaglochpiste bis zur Standspur 4-spuriger Schnellstraßen, von „Wenig Verkehr hier“ bis „Na, will heute kein Auto kommen?“.

Noch eine Einleitung (die muss man nicht lesen)

Weil ich ein klein wenig faul bin und dieser Reisebericht zusätzlich zur Einleitung eine Erklärung braucht, wie man auf der Straße landet, habe ich kurzerhand den Anfang für einen Wanderbericht genommen, der irgendwann auf der Homepage vom Netzwerk Weitwandern auftauchen wird.

Weichkochen kann dauern. Tage, Wochen, Monate. Für unsere „Wanderungen“ entlang der portugiesischen Westküste hat es Jahre gebraucht. Es war ein langer Weg vom Trampelpfad durch dunkle heimische Tann bis auf die Seitenstreifen 4-spuriger Schnellstraßen unter südlicher Sonne.
Angefangen hat das Weichkochen 2004. Nach Süden, hinunter nach Frankreich, wollte ich. Die ganze Strecke über Wanderwege. Der E1, die Jurahöhenwege in der Schweiz, der GR65 in Frankreich. Bekannt, beschrieben, markiert und schön. Nur wenige Straßen, dafür von anderen ausgedacht und vorgekaut.

Die Sache mit dem Weichkochen hat auf eben dieser Wanderung ein alter Mann in Gang gesetzt. Südlich von Frankfurt, war das. Wir waren beide auf dem E1 unterwegs. Er in Richtung Norden und im Gegensatz zu mir hatte der keine Wanderkarten im Gepäck. Ihm reichte eine Straßenkarte, die gute alte Generalkarte. Dass er auf dem E1 gestoßen war sei purer Zufall gewesen. Solange die Markierung ihn nach Norden führe würde er dem Fernwanderweg folgen. Ansonsten sei ihm die Sache mit den Wanderwegen wurscht. Das Weitwandern auf Wanderrouten hätte er schon seit 20 Jahren aufgeben. Heute reiche ihm eine Straßenkarte. Erwischt er zufällig eine Wanderstrecke ist es gut, muss er auf kleine Straßen passt es auch. Spinner, habe ich damals gedacht. Jedoch hatte der keinen kiloschweren Packen Wanderkarten im Rucksack wie ich. Und ihn „zwang“ keine Markierung wie mich.
Einen Tag später traf ich im Odenwald auf einen jungen Schweizer aus Zürich. Der wollte bis Frankfurt und dort nach Dresden abbiegen. Auch der hatte keine Wanderkarten, war auch mit einer Straßenkarte unterwegs. Noch so einer, der den Autoverkehr liebt, dachte ich.
Mitgekocht hat auch Wolfgang Büscher mit seinem Buch „Berlin–Moskau Eine Reise zu Fuß“. Einfach losgehen, nur die großen Straßen und der direkte Weg nach Osten als grobe Richtschnur, das hat schon etwas Faszinierendes.
Richtig Dampf beim Kochen hat der Rothaarsteig gemacht. Sechs graue, nasse und dunkle Herbsttage durch Wald, Wald und nochmals Wald. Man sieht nichts vom Land, läuft vorbei an den Menschen und kann sich nur über sinnlose Installationen am Weg wundern.
Ein paar Gewürze hat Hamish Fulton mit seinen „Walks“ über Europas Straßen drunter gemischt. Turnschuhe an und ab auf die Straße. Nicht immer, aber oft haben ihm die gereicht.

Und dann gab es auch die Tage, an denen eine Bemerkung des Alten vom E1 auflebte. Wandern, hatte er gesagt, lässt sich auch da wo keine Wanderwege sind, sonst bleibt ein Teil der Welt für Wanderer unentdeckt.

Irgendwann waren wir reif fürs Wandern ohne Wanderwege, ohne Wanderkarten, ohne Wanderführer. Portugal sollte es werden. Immer die lange Atlantikküste entlang. Ein Packen Militärkarten, ein Packen ausgedruckte Satellitenfotos, eine Straßenkarte und ein Reiseführer sollten reichen, denn brauchbare Infos übers Weitwandern in diesem Land waren nicht zu bekommen. Meine E-Mails an die entsprechenden Stellen blieben unbeantwortet, die Infos im Internet drehten und drehen sich immer um Spaziergänge in der Algarve. Einzig der Wanderführer „Algarve“ von Ulrich Enzel aus dem Bergverlag Rother sollte den Einstieg und das Vertrautwerden erleichtern. Denn so’n bisschen hasenfüßig bin ich dann doch, wenn’s um was ganz Neues in einem fremden Land geht.

So ausgerüstet stieg ich im Frühjahr 2008 aus dem Flugzeug in Faro, machte eine Etappe vom Flughafen weg am Strand entlang nach Quarteira, noch eine bis Albufeira und hatte die Nase voll. Drei Tage später war ich wieder bei meiner Familie. Eine Woche später stand ich in Pamplona, um den Camino bis Santiago zu gehen, und wieder vier Wochen später in Porto. Erneut war Santiago das Ziel, nun über den Caminho Português, da war meine Frau dabei.

Von Portugal waren wir begeistert. Auf uns wirkte das Land etwas verschlafen, nicht so geschäftig wie sein großer Nachbar. Nur zwei Dinge störten: unsere Landsleute und dass wir mal wieder einer Markierung und einem Buch hinterherliefen. Mangels Karten waren wir beiden ausgeliefert. Aber wir wollten wiederkommen, das Land für uns entdecken. Meine abgebrochene Wanderung vom Frühjahr bot sich an. Aus Zeitgründen mussten wir die Küstentour auf zwei große Etappen á 3 Wochen aufteilen: im Oktober 2008 von Lagos nach Lissabon, im März/April 2009 von Lissabon bis Porto. Zusammen gut 620 Kilometer.

Auf beiden Reisen haben wir gefunden, wonach wir gesucht haben, auch wenn wir dafür ein paar hundert Kilometer Straße gehen mussten. An einigen Tagen haben wir Wanderwege gesehen oder kurz unter den Füßen gehabt. Manchmal haben wir die sogar gemieden, weil wir über keinerlei Wissen verfügten wohin die wenigen markierten Wege überhaupt führen. Die lokalen Tourismusbüros übrigens auch nicht, jedenfalls nicht, wenn die Wege über die Gemeindegrenze hinausgehen.

Bis auf die oben erwähnten Karten gab es keine Planung. Doch, eins haben wir vorher gemacht: wir haben die Lage der Jugendherbergen und Campingplätze in die Militärkarten übertragen. Jeden Abend, hin und wieder erst beim morgendlichen Aufbruch haben wir uns Gedanken über die anstehende Etappe gemacht. Nach mehreren Irrwegen und Sackgassen hatte eine halbwegs gesicherte Wegführung Vorrang vor der Suche nach naturbelassenen Wegen. Hauptsache nach Norden, war die Devise, und so nahe an der Küste wie möglich. Und mehr als einmal hat der Zufall den Weg bestimmt. Sei es, dass wir uns verlaufen hatten, auf der Suche nach einer Bar eh schon auf einer anderen Straße gelandet waren oder der geplante Weg versperrt war.

So, das war’s mit der Rechtfertigung und Selbstbeweihräucherung. Wer jetzt noch auf Beschreibungen für Wanderwege hofft, darf sich zu den Optimisten zählen.

Resteverwertung?

Das ist dann schon die einzige Gemeinsamkeit mit dem Bericht fürs Netzwerk, der Bericht hier wird etwas anders, eher das was hängen geblieben ist. Fußgängeralltagsgeschichten eben, und das auch noch in zufälliger Sortierung.
Es gibt nur eine Trennung zwischen der Herbst- und der Frühjahrstour, sonst keinen chronologischen Ablauf. Sicherlich könnte man auch Resteverwertung dazu sagen.

Nur die Fotos sind ab hier nach Etappen geordnet und bleiben somit leider oft auch ohne Bezug zum Text.

Bevor ich es vergesse: Gedanken wegen Massenandrang, dem Vermeiden beliebter Wege oder um die optimale menschenauflaufkategorischauschließende Wanderzeit haben wir uns nicht machen müssen. Wo nix is, is halt nix, waren wir uns sicher. So war es denn auch. Auf mehr als 600 Kilometer haben wir keine Wanderer getroffen, nur einmal eine junge Frau und ein junger Mann mit Fahrrädern.

Werner Hohn
09.07.2009, 20:36
Nachsaison oder Der Herbst, der ein Sommer war


http://fotos.outdoorseiten.net/data/500/kueste-schmal.jpg[/img-l]In der Algarve haben wir angefangen,

das war einfach. Zwei Tage haben wir von Lagos bis zum gedrungenen Leuchtturm oben auf dem Cabo de São Vicente gebraucht. Dort hört Europa auf, sofern man die Krümel im Atlantik unterschlägt, und ab da gibt es nur noch eine Richtung: nach Norden immer die Küste hoch.

Am Turm hatten wir auch das einzige Scheißwetter der 3 Wochen im Oktober 2008, eine halbe Stunde hat es geregnet. Schon frühmorgens sind wir da gewesen. Noch waren die Tore verrammelt. Auf dem Parkplatz, der sich in wenigen Stunden mit Fritten- und Bratwurstbuden füllen würde, konnte der Wind noch ungehindert zeigen, dass Regen nicht unbedingt von oben kommen muss. Wie gesagt, eine halbe Stunde später waren wir erneut im T-Shirt unterwegs, das dann auch für den Rest der Fußreise.

Kurz vor Sagres sind wir den letzten Touristen begegnet, sogar Wanderer, eigentlich Spaziergänger. Schon länger hatten wir eine Gruppe beobachtet, die in unsere Richtung ging. Bei einer Pause wehte der Wind immer häufiger Wortfetzen zu uns hinüber. Schnell wurde hörbar, dass es sich um Landsleute handelte. Wer auch sonst.
Meine Frau und ich waren denen wahrscheinlich etwas suspekt. Niemand aus der Gruppe hat uns angesprochen, nur ein paar verstohlene Blicke haben die Mutigen für uns übrig gehabt. Einzig der Wanderführer der Gruppe, ein Österreicher der in Spanien lebt und sich mit dem Führen deutscher Wandergruppen in Portugal etwas dazu verdient, war gesprächiger. Bis hoch nach Lissabon war das unsere letzte Begegnung mit anderen Urlaubern.

Im Nachhinein war die Südküste der Algarve das, was man sich zu Hause am Küchentisch sitzend unter einer Küstenwanderung in Südeuropa vorstellt: wenig erschlossen, dazu Pfade und Wege die mal hoch auf die Klippen führen und sich dort ein Zeit lang an bröckelnden abgrundtiefen Abbruchkanten entlang hangeln, um dann unverhofft auf steilem Geröllpfad zu einem einsamen gelbweißen Sandstrand hinab zu fallen.
In der Vielzahl der Abzeigungen und Verzweigungen, die aus breiten Pfaden schmale machen, aus denen wiederum schmalste herauswachen, die sich dann meist zwischen wuchernden hüfthohen Büschen oder an der Abbruchkante der Klippen verlieren, haben wir uns am Brausen des Atlantiks orientiert. War der Ozean kaum noch zu vernehmen, waren wir zu weit weg, wurde das leise Rauschen der Wellen zum Brausen, hieß es aufpassen, denn hinter dem nächsten Busch konnte ein Abgrund lauern.

Dazwischen ein paar Dörfer, drüber blauer Himmel, gelegentlich eine Bucht mit den letzten Hippies, manchmal ein Bach zum Furten, rauf und runter, Gestrüpp, Gebüsch, kurz Küstenwandern wie man sich das im Süden vorstellt.

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Beischlafträume

sind uns nicht oft über den Weg gelaufen. Um ehrlich zu sein, nur einmal, am letzten Tag der Herbstwanderung. Wir hatten einen Campingplatz weit abseits unserer Route gefunden und waren auf dem Weg nach Lissabon. Noch 20 Kilometer, dann hätten wir es geschafft. Wie, wussten wir noch nicht, war fürs Erste auch egal, denn ich musste ganz dringend pinkeln. Wenn nur diese Frauen nicht gewesen wären. Kaum war die eine außer Sichtweite, stand schon die nächste da. Einfach so, mitten in der Pampa. Immer an einem abzweigenden Sandweg. Anfangs dachte ich, die warten auf eine Mitfahrgelegenheit um zur Arbeit zu gelangen. Was sollen Frauen auch schon so früh am Straßenrand mitten im Nirgendwo. Meine Frau hatte es eher kapiert. Wir waren auf dem Autostrich unterwegs, was mehr als offensichtlich war, und nur dem noch nicht aufgefallen war, für den solche Angebote gedacht sind.

Quellende, nach Licht und Freiheit strebende Brüste vie zu engen Tops, stramme, scheinbar aus dem staubigen Seitensteifen wachsende Beine, die erst bei den untersten Ästen der Bäume enden würden, hätte sich nicht ein mal eben handbreiter Stoffrest dazwischen geschoben. Die Behauptung anatomischer Lehrbücher, dass Oberschenkel übergangslos in Arschbacken übergehen, wurde hier am Straßenrand ohne den geringsten Zweifel bestätigt. Die Frage war nur, wo was anfängt oder aufhört.
Neben jeder Frau stand ein Berg aus akurat aufgeschichten leeren Plastikflaschen, daneben eine Batterie eingeschweißter voller. Meine Vermutung, dass die Traumfrauen portugiesischer Männer immerhin genug zu trinken haben, kommentierte meine Frau nur mit „Badezimmer".
Wir waren hier fehl am Platz, störten offensichtlich das Geschäft. Die Autofahrer, die anfangs das Tempo zur Fleischbeschau drosselten, drückten sobald sie uns sahen aufs Gas. Geschäftsschädigendes Wandern sozusagen. Aber wie oft im Leben bietet sich die Gelegenheit auf einem bestimmt 1 Kilometer langen Straßenstrich zu wandern? Dann endlich war's geschafft, die letzte Frau, die einzige mit eigenen Auto, die Traummeile lag hinter uns, ich durfte endlich pinkeln.

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[img]http://fotos.outdoorseiten.net/data/500/Lagos-Salema-Kueste.jpg
Etappe Lagos – Salema: Steilküste bei Lagos
http://fotos.outdoorseiten.net/data/500/Lagos-Salema-weg-q.jpg
Etappe Lagos - Salema: Zwischen Burgau und Barrancão, eine 'unserer' Straßen

Werner Hohn
09.07.2009, 20:38
Ein kleiner Einschub: Die Etappen im Überblick

Quelle: wikipedia.de (http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Portugal.png&filetimestamp=20030808143137)
[img-l]http://fotos.outdoorseiten.net/data/500/Portugal.png[/img-l]
Herbst 2008 – Nachsaison

Tag 1: Lagos – Salema
Tag 2: Salema – Sagres
Tag 4: Sagres – Carrapateira
Tag 5 : Carrapateira – Serrão (NW Aljezur)
Tag 6 : Serrão – Carvalhal da Rocha
Tag 7: Carvalhal da Rocha – Almograve
Tag 8: Almograve – Porto Covo
Tag 9: Porto Covo – Sines
Tag10: Sines – Fontainhas da Mar
Tag 11: Fontainhas da Mar – Setúbal
Tag 12: Ruhetag
Tag 13: Setúbal – Fontaínhas
Tag 14: Fontaínhas – Coina (15 km vor Lissabon)

Frühjahr 2009 – Vorsaison

Etappen:

Tag 1: (Lissabon) - Sintra – Ericeira
Tag 2: Ericeira – Santa Cruz
Tag 3: Santa Cruz – Praia da Areia Branca
Tag 4: Praia da Areia Branca - Óbidos
Tag 5: Óbidos – Foz do Arelho
Tag 6: Foz do Arelho – Nazaré
Tag 7: Nazaré – São Pedro de Muel
Tag 8: São Pedro de Muel - Pedrógão
Tag 9: Pedrógão – Figueira da Foz
Tag 10: Ruhetag
Tag 11: Figueira da Foz – Praia de Mira
Tag 12: Praia de Mira – Costa Nova
Tag 14: Costa Nova – Torreira
Tag 15: Torreira – Ovar
Tag 16: Ovar – Espinho (15 km vor Porto)


Einige Tipps fürs Weitwandern in Portugal habe ich im Outdoorwiki (http://www.outdoorseiten.net/wiki/Portugal) zusammengeschustert.

Den "eigentlichen" Start dieser Wanderungen kann man hier (http://www.outdoorseiten.net/forum/showthread.php?t=25366) nachlesen. Die Strecke von Porto bis zur spanischen Grenze findet sich ab Beitrag Nummer 66.

Und unsere Wanderung entlang der Algarveküste vom Flughafen Faro bis Salema im Herbst 2010 wird hier (http://www.outdoorseiten.net/forum/showthread.php?49858-PT-Eine-K%FCstenwanderung-in-der-Algarve) beschrieben.

Sternenstaub
10.07.2009, 00:30
danke Werner für den Einstieg ins "einfach" los gehen. Sehr interessant für mich (nicht nur, weil du halt gut schreibst), weil das meinen Gedanken zum Weitwandern sehr nahe kommt.
Bin schon gespannt auf den weiteren Bericht!

Biggi
10.07.2009, 00:47
Es ist so leicht: einfach losgehen, nicht viel planen. Danke für die Inspiration.

lina
10.07.2009, 00:56
Wie immer wunderbar zu lesen & träumen.
Freu mich schon auf die Fortsetzung :cool:

hotdog
10.07.2009, 07:36
Super! Ein Portugal-Reisebericht. Und dann auch noch von Werner!

Ich war früher oft in Portugal, aber immer nur mit dem Auto. Wanderer habe ich nie gesehen, immer nur Pilger nach Fatima, die ganz früher auch noch den ganzen Weg auf den Knien zurückgelegt haben. Irgendwann reduzierte sich das Kriechen auf die wenigen 100 Meter bis zur Kapelle.

Pfad-Finder
10.07.2009, 23:34
Das mache ich demnächst auch - Panorama-Bilder hochkant stellen! Was für eine krasse Idee. Aber das ist ja offensichtlich nicht die einzige krasse Idee bei dieser Tour.:ignore:

Werner, Dein Ansatz erinnert mich in gewisser Weise an eine Gruppe tschechischer Studenten, die ich 2006 (oder 2008?) in den Highlands getroffen habe. Die waren auch nur mit einer Autokarte 1:250.000 unterwegs. Überraschungen erlebt haben die jedenfalls mehr als ich.

Schade, dass hier in Deutschland die Straßen so stark befahren sind. Die Magie der alten Reichsstraße 1, die Wolfgang Büscher auf Weg nach Küstrin erlebt haben will, ist mir bisher verschlossen geblieben.

Ich bin schon gespannt auf die Fortsetzung!

Pfad-Finder

Pero
11.07.2009, 10:16
Hallo Werner,

es fängt sehr gut an, macht spaß zulesen. Freu mich schon auf Weiteres...

Schöne Grüsse
Pero

Werner Hohn
11.07.2009, 10:51
Hoppela, vielen Dank.

Ja, die auf Knien rutschenden Pilger nach Fatimá dürften der Vergangenheit angehören. Pilgernlassen ist heute ohne weiteres möglich. Jedenfalls bietet das ein Portugiese an. Pilgerziel und Motivation ist egal, er übernimmt das alles gegen einen individuell auszuhandelnden Betrag.

Die Sache mit den auf die hohe Kante gestellten Bildern ist noch im Experimentalstadium. Vermutlich wird es auf schmale Streifen hinauslaufen. Beim Text verkürzt das die Zeilenlänge und bei den Fotos verkleinert sich das große weiße Nichts, das sich seit der Limitierung auf 500 Pixel breit macht. Allerdings wirkt das alles etwas unruhig. Mal sehen, wie es endet.

Die bisher vor mir praktizierte Methode Querformat neben Hochformat habe ich ja schon zu Genüge ausgereizt.

Die Magie der Straße kommt noch. Das ist wie das Sitzen in einem leeren Raum. Anfangs ist da nichts, nur Leere, aber dann ... hier ein Fliegenschiss, dort eine Falte in der Tapete, dort ein altes Nagelloch. So richtig war das auf der Frühjahrstour '09 zu erleben.

Werner

jasper
11.07.2009, 10:54
Bei deinem vertikalen Panorama musste ich immer den Kopf schiefhalten. ;-)
Irgendwie hat mich das vom Lesen des Textes abgelenkt.

Das was du von Portugal beschreibst, ist mir auf meiner Tour vor 3 Jahren auch aufgefallen. Aber trotzdem ein sehr schönes Land.

Ich freue mich schon auf mehr!

Gruß,

Jasper

Werner Hohn
11.07.2009, 22:30
Verlockungen

hat es auch geben. Oft wenn Straßen nicht enden, Abzweige nicht kommen oder das Straßengewusel keinem Plan weichen wollte. Das waren die Stunden an denen wir uns oft gefragt haben, was das alles soll. Wären wir hier nicht besser mit dem Rad oder dem Auto aufgehoben?
In Setúbal wollten wir uns einen Mietwagen nehmen. Keine 50 Kilometer mehr bis Lissabon. Wie die werden würden war abzusehen. Ein Mietwagen für 28 Euro am Tag versprach das Plakat im Schaufenster der Autovermietung. Nach 10 Gehtagen und angesichts des Kommenden ein mehr als verführerisches Angebot. Das Plakat hielt sein Versprechen am Samstagnachmittag, den ganzen Sonntag und auch noch am Montagmorgen. An dem Morgen wollte ich das versprochene Auto. Eins von denen, die auf dem Parkplatz hinter dem Haus standen. Das Blech blitzblank und der Innenraum vermutlich, nein, sicherlich nach Kunststoffreiniger riechend. Hertz, die Autovermietung wollte nicht, eine andere auch nicht
Wir haben uns wirklich Mühe gegeben, haben die ersten drei Etagen des Bürogebäudes erstiegen, an Türen gerüttelt und gewartet. Nichts, kein Mensch da. Durch großzügige Fensterfronten zum Flur hin sahen wir in leere Büros mit leeren Schreibtischen mit Flachbildschirmen, Regale mit Akten, Prospektständer mit tollen Autos, nur Menschen, die sahen wir nicht. Nicht um halb neun, nicht um neun, erst gegen halb zehn bewegte sich der Aufzug. Es war nur eine Familie aus einem der oberen Stockwerke. Nein, meinte der Mann, so früh am Morgen würde in den Büros keiner mit der Arbeit anfangen. Wir sind dann zu Fuß gegangen, nicht ganz bis Lissabon, aber beinahe. Coina mit seinen modernen Bahnhof war auch so eine Verlockung.


http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/Praia_do_Barranco_2008.jpg
Etappe Salema - Sagres: Praia do Barranco

http://fotos.outdoorseiten.net/data/500/Salema-Sagres_kueste.jpg
Etappe Salema - Sagres: Agaven

http://fotos.outdoorseiten.net/data/28/sagres-carra-leuchtturm.jpg
Etappe Sagres -Carrapatiera: Leuchtturm am Cabo de São Vicente

http://fotos.outdoorseiten.net/data/28/sagres-carra-blume.jpg
Etappe Sagres - Carrapateira: Herbst im Hinterland der Algarve


http://fotos.outdoorseiten.net/data/500/streifen-zelt.jpg[/img-r]Ausgerechnet auf einem Campingplatz

mussten uns wir uns mit halbwilden Hunden rumschlagen. Wer in Südeuropa wandert muss sich auf halbwilde Rudel einstellen, hört man immer wieder. Uns sind in all den Jahren noch nie Rudel begegnet, höchstens 2 oder 3 Tiere. In der Nacht auf dem Campingplatz von Serrão, noch in der Algarve, doch schon nach Norden hoch, war das. Rumschlagen ist allerdings übertrieben, die Hunde wollten nichts von uns. Das kleine Rudel tauchte nachts auf. Bis auf ein paar portugiesische Dauerbewohner und ein spanisches Paar mit Hund waren wir alleine auf dem Platz. Am Eingang neben dem offenen Tor war noch der Nachtwächter. Der war den ganzen Abend noch nicht aufgetaucht. Wozu auch.

Mitten in der Nacht hatte mich nervöses Bellen geweckt. Aus Richtung Klo war eine laut schimpfende Frauenstimme zu hören. Im grellen Lichtstreifen, der aus der offenen Tür fiel, tauchten immer wieder Hunde auf. Fünf, sechs oder waren es sogar sieben? Dürre, zottelige Kerle, die den Schwanz vorsorglich eingezogen hatten. Große Hunde allemal. Vermutlich waren die nicht so arg groß, doch mitten in der Nacht wird alles größer, wenn man Schiss hat sowieso.
Das Geschimpfe der Frau wurde lauter, das Bellen ihres Hundes immer nervöser, aus dem Rudel leises Knurren, der ein oder andere hob zum Bellen an. Das war es dann auch schon. Denn nahe bei den Hunden war das dumpfe Aufschlagen von Steinen auf hartem Sandboden zu hören - das Rudel war weg.

In dieser Nacht habe ich schlecht geschlafen, trotz kleinem Steinvorrat, den ich mir im Dunklen zusammengesucht hatte. Hin und wieder war das Rudel noch zu hören. Einmal fiel ein Mülleimer um und einmal hörte ich eiliges Hundegetrappel dicht am Zelt. Da war ich beinahe wieder eingeschlafen und erneut hellwach. Wände, deren Stärke in Mikrometer gemessen wird, sind kein vertrauenswürdiges Schlafmittel. Meine Frau hat vom nächtlichen Trubel nichts mitbekommen, sie hat geschlafen wie ein Stein. Vertrauen ins Zelt, in ihren Mann oder weil sie hundemüde war?
Wir sind noch oft Hunden begegnet. Bei Tag und im Stehen ist das kein Problem, nachts sind nicht nur alle Katzen grau, da gibt es auch Wölfe.

Sonst waren die Nachmittage und Nächte auf den Campingplätzen geruhsam. Kein Diskolärm, kein Animationsprogramm, keine Fernseher mit aufgedrehtem Ton, keine Schlangen vor den Duschen. Nur wir und ein paar Dauerbewohner. Auf dem einsam gelegenen Platz oberhalb der Praia do Carvalhal fehlten sogar die.
Nachmittags sind wir dort angekommen. Der Tag war heiß gewesen. Viele Stunden auf der Straße lagen hinter uns und bis auf die Notreserve hatten wir nichts mehr zu essen.
Verlassen lag der Platz da, nur ein vergammelter Wohnwagen stand abseits in der Ecke bei den nach Farben sortierten Mülleimern. Unter den Eukalyptusbäumen abgeworfene Rinde und trockenes Laub auf steinhartem rissigem Lehmboden. Auf dem Hof fanden wir einen japanischen Pickup mit runtergekurbelten Seitenscheiben. Niemand ließ sich blicken. Die Bar zu, das Restaurant zu, die Rezeption zu. Neben der Terrasse grüner Rasen, mittendrin ein Pool mit irritierend im hellen Sonnenlicht leuchtendem Wasser. Blaues Quecksilber, sogar der Wind würde sich nicht trauen Wellen aufzuwerfen.

Ein Hund hatte uns bemerkt, dann auch der Eigentümer. Klar, der Platz ist geöffnet, er hat sogar noch Reste im Supermarkt. Ob wie Hunger haben? Das Restaurant sei zwar zu, Personal auch keins mehr da, doch verhungern müssten wir deshalb nicht. Suppe und Toast könne er machen. Wenige Minuten später stand eine Schüssel mit der in Portugal allgegenwärtigen Gemüsesuppe auf dem Tisch, gefolgt von zwei Riesentoasts, wir wurden satt. An den Wasserflaschen stellten Rinnsale kondensierenden Wassers Versuche in Deltabildung an. Kaffeeduft zog über die Terrasse, meine Frau rückte sich den Stuhl in die Sonne, krempelte die Hosenbeine hoch und ich verkroch mich unter dem Sonnenschirm. Der Hund suchte sich eine schattige Ecke und fing auf der Stelle mit dem Dösen an. Der Besitzer setze sich zu uns, paffte sehr zur Freude meiner Frau eine Zigarette, telefonierte, klemmte sich danach hinters Lenkrad seines Pickups und verschwand. Jetzt waren wir wirklich allein. Ein ganzer Campingplatz für uns alleine, und ein paar Gehminuten den Berg runter die Sandbucht der Praia do Carvalhal. Wir hatten Urlaub.

Auf dem Campingplatz zwischen Fontainhas da Mar und Malha Brancha an der Sandküste der Costa da Galé gab es nicht mal einen Supermarkt. Der ist schon seit ein paar Wochen verschlossen, hatten uns die Mitarbeiter an der Rezeption verkündet. Klasse, habe ich gedacht, drei Leute am Empfang und hinten raus die Verlassenheit portugiesischer Kiefernwälder und danach nur Meerwasser.
Fast eine ganze Stunde hatten wir gebraucht, um von der Straße über eine breite, staubige Wellblechpiste ans Meer zu kommen. Scheppernd, krachend, eine Staubfahne hinterlassend war uns der Pritschenwagen des Campingplatz’ entgegen gekommen. Wenig später kam die Karre zurück, wieder fliegend.

Für Wellblechpisten gibt es zwei Fahrstile: kriechen und fliegen. Kriechen, also jede Welle vorsichtig ausfahren, tun nur Leute mit Liebe zum Auto und Fremde. Fliegen, also so schnell fahren, dass die Räder richtigen Bodenkontakt nur auf Wellenkämmen haben, tun alle anderen, die Einheimischen eben. Als staubschluckender Fußgänger schließt man die Vorsichtigen ins Herz.

Das Restaurant würde um 19 Uhr öffnen, hat man uns getröstet, jedoch nach kurzer Zeit wieder schließen. Der Hunger hatte uns eine halbe Stunde eher hingetrieben. Vergebens. Durch die Scheiben der verschlossenen Alutür konnten wir zwei Frauen in der Küche beobachten. Eine alte und eine junge, vielleicht Oma und Enkelin. Sehen konnte wir auch, wie dampfendes Essen seinen Platz in den Warmhalteschüsseln der Selbstbedienungsdecke fand.
Pünktlich wurde der Schlüssel umgedreht, die Oma stellte sich hinter die Theke, die Enkelin hinter die Kasse, die Frauen war endlich bereit zum Verteilen der Speisen. Meine Frau und ich reihten uns in die Miniwarteschlange ein, konnten zwischen zwei Essen wählen: gebratene Tintenfischringe und gekochtes Rindfleisch, dazu Pommes, Reis, Gemüse und Salat. Ein kaltes Getränk dazu, das Besteck nicht vergessen, einen freien Tisch im leeren Lokal auswählen und aufs Abendessen freuen. Das warme Essen war kalt! Die beiden Frauen hatten die Warmhaltetheke nicht eingeschaltet. Die haben das bestimmt vergessen, haben wir uns eingeredet.


[img]http://fotos.outdoorseiten.net/data/28/carra-alejzur-hof.jpg
Etappe Carrapateira - Serrão: Bauernhof bei Monte Novo

http://fotos.outdoorseiten.net/data/28/carra-aljezur-kork.jpg
Etappe Carrapateira - Serrão: Korklager an der Straße

http://fotos.outdoorseiten.net/data/28/aljezur-praia-pcp.jpg
Etappe Serrão - Carvalhal da Rocha: Unsterblich in Odeceixe

http://fotos.outdoorseiten.net/data/28/aljezur-praia-odeceixe.jpg
Etappe Serrão - Carvalhal da Rocha: Windmühle von Odeceixe

http://fotos.outdoorseiten.net/data/28/aljezur-praia-strand.jpg
Etappe Serrão - Carvalhal da Rocha: Praia do Carvalhal

jasper
12.07.2009, 18:30
Ach, einfach schön zu lesen. Macht wirklich sehr viel Lust auf mehr.

Ob diese Form des Reisens die richtige wäre für mich; ich weiß es nicht. Für einen Urlaub wären mir da doch etwas viele Entscheidungen und Unwägbarkeiten auf dem Weg. Aber für ein Abenteuer ... ;-)

Freu mich schon auf die Fortsetzung!!!

Werner Hohn
12.07.2009, 20:25
Japser, irgendwann will ich noch mal da runter. Eine Tour im Herbst von Faro hoch durch den Alentejo über Beja, Évora nach Lissabon. Nicht in diesem Jahr, nicht im nächsten. Meine Frau wird wohl nicht wollen. Ich werde frühzeitig bei dir anläuten.

Ein paar Fotos bei der Fotocommunity (http://www.fotocommunity.de/search?q=Alentejo) (nicht von mir).
Werner

Werner Hohn
18.07.2009, 19:29
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/streifen-schilder.jpg[/img-r]Google gegen das Militär

war eine spannende Auseinandersetzung, wenn auch eine kurze. Google hat nicht lange gefackelt. Gegen ein Foto aus dem Weltall kommt eine Papierkarte nicht an, jedenfalls nicht, wenn Bauern mitmischen.
Östlich vom Cabo Sardão war das. Dort wollte ich abkürzen. Abkürzen ist falsch, denn in der Karte des portugiesischen Militärs war ganz klar ein Feldweg zu sehen. Der würde sich zwar oft verzeigen, aber letztendlich, und wenn ich mich nicht ganz blöd anstellen würde, uns direkt zur Straße nach Almograve bringen. Auf dem Foto aus dem All waren keine Wege mehr zu sehen. Stattdessen zwei kreisrunde Felder: ein kleineres und ein riesiges. Sogar die Spuren der gummibewehrten Reifen, die selbstfahrende Bewässerungsanlagen im Getreide hinterlassen, waren zu erkennen.

Bei einer Pause auf der harten Betonbank im Schatten einer wellblechüberdachten Bushaltestelle, eingeklemmt zwischen einem fliegenumschwärmtem Mülleimer und einer Wand aus Einheitsbriefkästen der portugiesischen Post, habe ich mich gegen Google entschieden. Vermutlich aus Trotz.

Anfangs stimmte noch alles mit der Karte überein. Die Lage der Bauernhöfe, die Zufahrten, der Zustand der Wege, alles wie erhofft. Verlassen haben wir die papierne Welt der Militärkartographen mit einem einzigen Schritt: haargenau an der Stelle, wo das bunte Satellitenfoto den Weg enden lies, keinen Meter vorher und keinen später.
Danach habe ich mich an einen kleinen Bewässerungskanal geklammert. Bei gutem Willen konnte man den zugewachsenen Pfad entlang des Ufers als Weg bezeichnen. Beiden, Kanal und Pfad, hat ein Bauer ein überraschendes Ende gesetzt. Eines der besagten Kreisfelder lag vor uns, auch genau an der Stelle die Google angibt. Das Feld war frisch eingesät und plan wie ein Tennisplatz, schon das verbot eine Abkürzung. Wir haben uns dann unter der geparkten Bewässerungsanlage entlang gehangelt, später noch eine verführerisch grüne Wiese mit Rollrasen umgehen müssen und sind doch haargenau dort rausgekommen wo wir hinwollten.

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[img]http://fotos.outdoorseiten.net/data/28/praia-almograve-zam.jpg
Etappe Carvalhal da Rocha – Almograve: Früh morgens bei Zamburjeira do Mar
http://fotos.outdoorseiten.net/data/28/praia-almograve-huette.jpg
Etappe Carvalhal da Rocha – Almograve: Fischerhütte bei Zambujeira do Mar

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http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/streifen-hof.jpg[/img-l]Die Tage an der Westküste

waren völlig unspektakulär. Wir haben dort keine Naturwunder gesehen, die Stoff für Reisebuchautoren und Tourismusplaner hergeben, keine Landschaften, über die man mit offenem Mund schaut, keine Kunstschätze, die Eingang in die Analen Menschheit finden werden und erst recht keine Attraktion, die gelangweilten Urlaubern das Geld aus der Tasche ziehen sollen. Portugal ist da hinten ganz normal, ein Land ohne Schminke und Glamour - bis auf die Küste, die gibt schon was her. Besonders am frühen Morgen, wenn die Sonne mal eben über den Hügelkette im Osten hochsteigt.

Das Land an der Steilküste im Süden kommt dann ans Glänzen, mit ihren weglosen Plateaus, der hüfthoch wuchernden undurchdringlichen Macchia. Dazwischen gelegentlich ein Gehöft, mit Bauten so niedrig, dass sie nur kümmerlichen Schatten werfen. Meist sind es ärmliche Höfe und trotzdem fast immer von einem Rudel Hunde bewacht.

Weiter hoch nach Norden zu dann schnurgerade Straßen zwischen Stacheldrahtzäunen, die fette Wiesen begrenzen. Die Höfe sind hier nicht mehr so ärmlich. Keine bröckelnden Wände unter notdürftig geflicktem Dach, wie unten im Süden. Weiß gekalkt, ein ordentlicher Zaun drumherum, hin und wieder sogar ein Schild, dass Zimmer vermietet werden. Offensichtlich wird dort mehr verdient.

Im Norden, nachdem wir Sines hinter uns hatten, dann die unendliche Monotonie der Sandküste. Sand und Kiefernwälder, Kiefernwälder und Sand. Nur vier Dörfer und ein Gefängnis auf 70 Kilometer. Keine Bauernhöfe, keine bekannten Strände, nichts. Niemandsland für Reiseführer.

Fast ganz am Schluss die abgeernteten Reisfelder von Comporta. Die Bauern hatten die niedrigen Dämme, die das Wasser auf den Feldern halten, schon vor Tagen durchstochen. Tagelang hatten die Reisfelder in der Herbstsonne trockenen können, bis umgebaute Mähdrescher zu Ernte eingesetzt werden konnten. Schade, für überflutete Reisfelder im hellen Licht des Südens waren wir etwas zu spät dran.

Und ganz am Schluss, da wo die Hafenstadt Setúbal seine touristischen Finger zur Halbinsel Troia ausstreckt, hat eine grasgrüne Fähre auf uns gewartet. Die Fähre war ein Zeitmaschine. Neu, modern und glänzend. Plötzlich waren jede Menge Menschen da. Um uns herum lachende, redende Portugiesen, klingelnde Telefone und glänzende Autos. So viel Betrieb auf so kleinem Raum hatten wir seit Tagen nicht mehr erlebt. Die ruhigen Tage lagen hinter uns.

Aus anfänglicher nervöser Neugier waren alltägliche Tage geworden. Nichts Besonderes, Aufregendes oder Abenteuerliches. Tage, wie geschaffen fürs Vergessen, die dann doch einen Platz ganz hinten in den Erinnerungen finden werden, nur um dort zu bleiben.

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[img]http://fotos.outdoorseiten.net/data/28/almograve-covo.jpg
Etappe Carvalhal da Rocha – Almograve: Küste bei Almograve

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http://fotos.outdoorseiten.net/data/28/almograve-covo-sandweg.jpg
Etappe Alomgrave - Porto Covo: Sandweg vor Porto Covo
http://fotos.outdoorseiten.net/data/28/almograve-covo-porto-covo.jpg
Etappe Almograve - Porto Covo: Abendstimmung in Porto Covo

eifelwalker
22.07.2009, 13:39
Hallo Werner!

Wieder ein toller Reisebericht von Dir!

Freue mich schon sehr auf die Fortsetzung. :D

Gruß
Rainer

Werner Hohn
22.07.2009, 16:10
Rainer, wenn mich das Brohltal und die umliegenden Höhen nicht aufgehalten hätten, wäre die Fortsetzung schon da.

Bad Breisig-Burg Rheineck-Niederlützingen-Lützingen-Bausenberg- Rodder Maar-Königssee-Schalkenbach-Königsfelder Wald-Sinzig

Gruß, Werner

Werner Hohn
22.07.2009, 23:10
http://fotos.outdoorseiten.net/data/500/streifen-strasse1-jpg.jpg[/img-r] Den Seitenstreifen der nahen Schnellstraße

sollen wir nehmen, meinte der Vorarbeiter des Bahnarbeitertrupps. Diese Straße sei der einfachste und schnellste Weg in die Stadt. Das war kurz vor Sines, dort wo die Gleise zum Hafen abzweigen. Auf der Suche nach einem Weg abseits eben dieser Schnellstraße waren wir auf den Bahngleisen gelandet. Und weil der Vorarbeiter englisch gesprochen hat, erhielten wir den Tipp mit der Schnellstraße. Rumgemault oder gar mit den Vorschriften der portugiesischen Bahn gedroht hat niemand. Stattdessen bekamen wir den Hinweis mit der Schnellstraße. In Portugal ist es durchaus üblich die nächstbeste Straße zu nehmen – nicht nur für Autofahrer, auch Pilger nach Fatimá oder eben Fußgänger greifen gerne darauf zurück. Aber eine Schnellstraße und dann noch mit 4 Spuren?

Da waren wir schon ein paar Tage unterwegs gewesen. Allerlei Wege hatten wir bis dahin unter den Füßen gehabt: Trampelpfade hoch über Steilküsten, Staubpisten durchs hügelige Hinterland, locker weiche Sandwege durch die Dünen, den harten Strand nahe am brausenden Atlantik, Feldwege, Ackerfurchen, in der Mittagshitze flimmernde Teersträßchen, die schmalen Randstreifen wenig befahrener Nationalstraßen, aber die Standspur einer 4-spurigen Straße noch nicht. Ein halbe Stunde später waren wir in Sines. Begegnet war uns mal eben ein paar Autos. Gut, dachten wir, Schnellstraßen sind ab sofort eine mögliche Alternative. Spätestens hier wurde aus einer Wanderung eine Reise zu Fuß.

Schon bei der Planung war uns klar geworden, dass wir oft auf Straßen landen würden. Dass es dann doch mehr wurde als gedacht, war meist dem Zufall und manchmal meiner Faulheit zu verdanken. Mit tage- vielleicht wochenlangem sorgfältigem Planen und Vorausschauen hätte sich bestimmt der ein oder andere zusätzliche Weg abseits der Straßen finden können. Aber wozu?

Wir haben dem Zufall oft die Regie überlassen, meist, weil wir uns verlaufen hatten. Und Einheimische nach einem Weg abseits der Straße zu fragen, haben wir nach wenigen Versuchen aufgegeben. Ein Weg mal eben diagonal vom Campingplatz rüber zur Nationalstraße, über den Feldweg da vor dem Tor? Die Antwort des Campingplatzbesitzers war nur ein Schulterzucken. Eine Abkürzung, welche die Nationalstraße meidet, zum nur 3 Kilometer entfernten Nachbarort? Nein, da würde es nichts geben, hatte der alte Mann dessen Auto ich unten in der Algarve gestoppt hatte, mir zu verstehen gegeben. Er blieb dabei, auch nachdem ich ihm mit dem Finger einen möglichen Weg auf der Karte gezeigt hatte. Das hätte ich mir sparen können. Die Militärkarte hat der angesehen wie die Sternenkarte einer fernen Galaxie.

So wurde das Runterzählen der Kilometersteine, entspanntes Gehen nebeneinander zur Selbstverständlichkeit. Um diese Jahreszeit waren wir meist alleine unterwegs, sogar auf größeren Straßen. Hin und wieder ein Auto, wenn Langeweile aufkommen wollte auch schon mal ein Traktor, mehr war es dann auch nicht. In erster Linie war das der schon weit fortgeschrittenen Nachsaison zu verdanken. Im Sommer, wenn die Küstendörfer ihre Einwohnerzahl vervielfachen, wenn Bars, Restaurants und Lebensmittelläden mit Nachschub versorgt werden müssen, wären wir vermutlich geflüchtet.

Nur eine „Traumstraße“ wollte ich gehen, das hatte ich mir fest vorgenommen. Der unendlich lange Strand von Sines bis zur Spitze der Halbinsel Troia war von Anfang an eingeplant. Drei, wenn es gut laufen würde nur zwei Tage hatte ich dafür vorgesehen. Es ist ganz einfach: immer am Atlantik entlang nach Norden. Einzig mit Verpflegung und Wasser sieht es schlecht aus auf dieser Route.
Am Abend vorher hatten wir uns Weg raus dem Städtchen gesucht, um den Graben der Pipeline, die den Hafen mit den Raffinerien verbindet, überqueren zu können. Meterhohe Zäune mit Kronen aus Stacheldrahtrollen und Kameras alle paar Meter machten das nötig. Mehr als eine Stunde haben wir gesucht, um es dann am Morgen doch so zu machen wir die Einheimischen. Die Bewohner einer versteckten Strandsiedlung hatten sich kurzerhand mit ihren Autos eine staubige Zufahrt auf die Schnellstraße geschaffen. Mit einer Staubfahne rauf auf die Straße, einmal das Gaspedal kurz runter bis auf Blech, sofort auf die Bremse und mit einer Staubfahne über die nächste selbst geschaffene Zufahrt in die Stadt. Ganz so schnell waren wir nicht auf dieser typisch portugiesischen Abkürzung, die auch uns weitergebracht hat.

Aus der Strandweitwanderung ist nichts geworden. Meine Frau wollte nicht. Sie hat es versucht, aber nach einer Knieoperation ist das Gehen über lange Sandstrecken für sie zur Tortur geworden. Wir haben dann das gemacht, worin wir schon jede Menge Übung hatten, wir haben die nahe Straße genommen. 70 Kilometer Asphalt am Stück. In zwei Tagen waren wir durch. Gesehen haben wir die Belanglosigkeiten der Straßenränder. Verschlafene Nester in der Mittagssonne, eine Köchin die erwartungsvoll den Eingang ihres Gasthauses ausfüllte, einen gepflegten Knast mit hohen Zäunen und Palmen vor den Häusern der Bediensteten, eine vergammelte Bar in einem bis zu den Achsen im Sand versackten englischen Doppelstockbus, die schon erwähnten Reisfelder und die Uferlandschaft de Rio Sado bei Ebbe.

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[img]http://fotos.outdoorseiten.net/data/28/covo-sines-stadtmauer.jpg
Etappe Porto Covo - Sines: Altstadt von Sines

http://fotos.outdoorseiten.net/data/28/Covo-Sines-stadthaus.jpg
Etappe Porto Covo - Sines: Sines, Centro de Artes


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http://fotos.outdoorseiten.net/data/28/sines-fontai-korkeiche.jpg
Etappe Sines - Fontaínhas do Mar: Geschälte Korkeiche
http://fotos.outdoorseiten.net/data/28/sines-fontai-sandkueste.jpg
Etappe Sines - Fontaínhas do Mar: Sandküste bei Fontaínhas do Mar

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http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/Streifen-kaffee.jpg[/img-l] Ob wir draußen essen möchten,

wollte die junge in etwas zu engen Klamotten steckende Bedienung wissen. Ihrem Ton nach zu urteilen wäre das einer Todsünde gleichgekommen, denn hier drinnen standen frisch eingedeckte Tische mit weißem Tuch. Mitten auf jedem Tisch die obligatorische Vierergruppe Wassergläser. Außerdem sollte es noch ein paar Minuten dauern, bis das Essen fertig sei, schob sie nach.

Nein, zu Mittag essen wollen wir nicht, konnte ich sie beruhigen. Zwei Kaffee, mehr war nicht nötig, die würde ich mit hinausnehmen auf den schmalen Bürgersteig. Dort standen zwei Tische mit staubigen Stühlen. An einem Tisch saß ein alter Mann. Wir würden den anderen nehmen, den direkt an der Ampel. Der Bürgersteig war so schmal, dass, sollte ich auf die Idee kommen meine Beine ausstrecken, diese auf der Straße landen würden. Der Bürgersteig war dreckig, die Straße war dreckig, im Rinnstein die seit Monaten unangetasteten Hinterlassenschaften, die wartende Autofahrer beim Zwangshalt an roten Ampeln gerne aus dem Fenster werfen. Bei Rot saßen wir unmittelbar in den stinkenden Abgasen, bei Grün direkt im Lärmteppich schwerer Lkw-Reifen.

Der Kaffee war mal wieder gut, wir könnten eine Viertelstunde länger an der Kreuzung dösen oder noch einen Kaffee nehmen, haben wir uns überlegt und dann erst weiterziehen.

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[img]http://fotos.outdoorseiten.net/data/28/fontain-setubal-rio-sado.jpg
Etappe Fontaínhas do Mar - Setúbal: Ebbe am Rio Sado bei Comporta

http://fotos.outdoorseiten.net/data/28/fontain-setubal-reisfelder.jpg
Etappe Fontaínhas do Mar - Setúbal: Reisfelder bei Comporta

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http://fotos.outdoorseiten.net/data/28/setubal-coina-hafen.jpg
Etappe Setúbal – Coina: Fischerhafen in Setúbal
http://fotos.outdoorseiten.net/data/28/coina-Lissabon.jpg
Lissabon und die Brücke des 25. April

Werner Hohn
31.07.2009, 00:44
Vorsaison oder Das Frühjahr, das sich als Winter versuchte


http://fotos.outdoorseiten.net/data/500/streifen-kachel.jpg[/img-l] Ovar, so steht es im Reiseführer,

soll man sich wegen seiner sakralen Kunst, seinem aus Kapellen bestehenden Kreuzweg und wenn man zu richtigen Zeit dort ist, wegen der Karnevalsumzüge ansehen. Das haben wir alles verpasst. Ob leider, sei dahingestellt. In Ovar waren wir nur gelandet, weil wir mal wieder nicht wussten wohin mit unserer Zeit. Morgen, spätestens Übermorgen, würden wir Porto erreichen, und hatten eine Woche Luft nach hinten - die Parallele zum Herbst. So sind wir eben nach Ovar gegangen. Besseres fiel uns nicht ein. Das war an einem Sonntag.

Ovar liegt ein paar Kilometer von der Küste weg, Nicht viel, eben so weit, dass die Küste nicht da ist. Anfangs waren wir enttäuscht von dem Städtchen. In Richtung Atlantik wuchert eine 3 Kilometer lange Ausfallstraße mit gesichtslosen Häusern wohlhabender Stadtbewohner. An der Ampel bei der Feuerwehr wurde Ovar zu einen portugiesischem Kleinstädtchen.
Kachelgeschmückte, mit Patina überzogene Häuser, die ihre beste Zeit schon lange hinter sich haben, das ist Ovar. Neben dem Hauseingang sieht man oft das schwarze Schild aus Stein, mit dem ein Advogado mittels Goldlettern auf sein Büro in einer der oberen Etagen verweist. Viel öfter sind die bunten Pappschilder der Immobilienmakler in den dunklen, vom Straßenstaub blinden Scheiben der Fenster zu sehen. Wer Interesse hat, kann die halbe Innenstadt kaufen oder mieten.

Aus Fassaden, die nur aus Kacheln zu bestehen scheinen, daraus scheint das noch gar nicht so alte Zentrum Ovars zu bestehen. Kacheln vom Bürgersteig bis hoch zum Dach. An den Wänden der Kirchen und Bürgerhäuser, der Läden, Apotheken, Bars und Lebensmittelläden. Überall, in den Kirchen sogar innen. Aufwändig und etwas hermachend an den Bürgerhäusern, den hohen Häusern der Stadtverwaltung, der Kirche. Schlicht, einfarbig und preiswert an den niedrigen Häusern der Ärmeren.
Azulejos, bunt, bunter, noch bunter, mit Muster, ohne Muster, glatt, mit Struktur, mit und ohne Ecken, mit und ohne Facette. Mit Fliesenmalereien die Geschichten erzählen, erfundene und wahre. Figuren, Fabeln, Kirchenmythen, Legenden. Alle möglichen und unmöglichen Kombinationen. Etwas fürs Auge, wenn es auch manchmal weh getan hat. Eben die ganze Vielfalt, zu der portugiesische Kleinstserienfertigung einmal fähig war.

Wir waren zur Touristeninformation gegangen, um nach einem Hotel zu fragen. Das sei kein Problem, meinte der Mann hinter dem Tresen mit der verglasten Auslage, er würde uns hinbringen, damit wir das einzige Hotel im Zentrum auch finden. Ehe wir uns versahen, standen wir auf dem Bürgersteig und 200 Meter später vor dem Hotel.

Die Sache mit der sakralen Kunst scheint tatsächlich neben den Kacheln einer der Haupterwerbszweige der Stadt gewesen zu sein. Nirgendwo sonst haben wir so oft vor Schaufenstern mit Kirchenkitsch und Plastikgrabkram gestanden wie an diesem Sonntagnachmittag in Ovar. So wie die Schaufenster aussahen, scheint es ein Gewerbe im Niedergang zu sein.

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[img]http://fotos.outdoorseiten.net/data/28/seinta-ericeira-sintra.jpg
Etappe Sintra - Ericeira: Sintra - Palácio Nacional de Sintrahttp://fotos.outdoorseiten.net/data/28/sintra-ericeira-trockenfisch.jpg
Etappe Sintra - Ericeira: Trockenfisch in Ericeira

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Chez Bernard

steht in Neonlettern über der Fensterfront des Strandrestaurants in Praia de Santa Cruz. An dem Abend waren wir die ersten Gäste, und sollten auch die einzigen bleiben. Draußen, dort wo der Atlantik mit seinen Wellen erst mit den nächsten Winterstürmen wieder hinreichen darf, arbeiteten noch ein Dutzend Männer an der Verschönerung der Strandpromenade. Da draußen war es windig und kalt. Wir waren drinnen, hinter den vom Betonboden bis zur Eisenkonstruktion der Decke reichenden Fenstern, auf deren Glas das Licht der untergehenden Frühlingssonne die Salzkristalle zum Glitzern brachte.

Nur ein Kellner schob Dienst, mehr pflichtschuldig als mit Begeisterung. Etwas weiter hinten, zwischen dem Aquarium mit den lebenden Schalen- und Krustentieren und dem Fernseher unter der Decke, saß die Küchenmannschaft und vertrieb sich die Zeit, bis wir unsere Bestellung aufgeben würden.
Die Speisekarte des „Chez Bernard“ war mehrsprachig und dick, wenn auch in der Aufmachung nicht sonderlich ansprechend. Die Karte sah aus wie die letzte ihrer Art aus der Vorjahressaison.
Der Portugiese, der auf Franzose macht ist teuer, haben wir uns gesagt. Zweimal das Schweinefleisch mit Venusmuscheln, das „Carne de Porco à Alentejana“ haben wir genommen. Nichts Besonderes, das hat in Portugal jede Armeleuteküche auf der Karte, aber nicht zu dem Preis. Der Kellner hat sich nicht anmerken lassen, dass er uns gerne etwas Teures verkauft hätte. Ein guter Kellner eben.

Im Fernseher lief ein Fußballspiel. Ich hab mir dann noch einen Teil der ersten Halbzeit angeschaut, obwohl mir Fußball sowas von egal ist. Südafrika gegen Portugal. Ein Freundschaftsspiel ohne Wert, meinte der Kellner. Meine Frau ist immer hellauf begeistert, wenn ich in spanischen oder portugiesischen Restaurants beim Essen auf den Fernseher starre. Nach dem Kaffee sind wir gegangen. Gut war das Essen nicht, es ging so. Aber wer geht in Portugal schon zu „Chez Bernard“?

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http://fotos.outdoorseiten.net/data/500/streifen-poeta.jpg[/img-l]http://fotos.outdoorseiten.net/data/28/ericeira-santa_cruz_kueste.jpg
Etappe Ericeira - Praia de Santa Cruz: Küstenweg bei Barill
http://fotos.outdoorseiten.net/data/28/ericeira-santa_cruz_dorfplatz.jpg
Etappe Ericeira - Praia de Santa Cruz: Vorsaison in Santa Cruz

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[img-r]http://fotos.outdoorseiten.net/data/500/streifen-porto_novo.jpg[/img-r] Golfplätze sind die Seuche des Südens,

nicht nur, wenn man deshalb zu einem Umweg gezwungen wird. Schon im letzten Jahr hatte ich mir in der Algarve wegen einem bis an den Strand reichenden Platz nasse Füße geholt. Ein uniformierter Wächter hatte mir das Betreten des Grüns und damit auch den Weg zu einer kleinen Brücke verweigert. Zutritt nur für Mitglieder.

Porto Novo hat jetzt auch einen Golfplatz. Das ist schade. Nicht, weil ich Golfplätze grundsätzlich nicht mag, sondern weil so ein Platz vermutlich an jedem anderen Ort in Portugal besser aufgehoben ist. Porto Novo hat es geschafft Porto Novo zu bleiben. Sieben oder acht Häuser am Strand, am linken Mündungsufer des Rio Alcabrichel. Und auf dem Hügel gegenüber, am anderen Bachufer, ein großes Hotel. Die mehrstöckigen Häuser unten am Strand sind nicht schön, eine kurze Halbzeile direkt am Hang. Nutzarchitektur für Urlauber ohne nennenswerte Ansprüche an den Ferienort. Hauptsache nichts los. Das Hotel ist viel hässlicher. Ein wucherndes Betongeschwür, eine Erbsünde touristischer Bauwut. Ohne den Golfplatz würde sich kein Mensch hierher verirren, haben wir uns eingeredet. Vermutlich war der Golfplatz der rettende Strohhalm für das viel zu große Hotel hoch über dem Atlantik. Welcher Golfplatzplaner lässt sich so eine Traumlage auf den Hügeln hoch über dem Meer entgehen?

Uns hat der Golfplatz den Weg versaut, sogar die eilends zurechtgeschusterte Alternativroute. Bei der stimmten schon nach wenigem hundert Metern die Angaben der Karten und der Satellitenfotos nicht mit der Wirklichkeit überein. Das hatten wir noch nie. Wir sind dann auf die Dorfstraßen ausgewichen. 10 und mehr Kilometer über die Straßen der in die Länge wuchernden Straßendörfer. Maceira, Ribamar, Marquiteira, Atalaia de Cima, Montoito haben einen langen, zum Atlantik auslaufenden Kamm mit ihren anderthalb Stockwerk hohen Häusern okkupiert. Wir hätten so weit sehen können, wenn die Häuser nicht gewesen wären. Und was hätten wir erst gesehen, wenn uns der Golfplatz nicht den Weg an der Küste verwehrt hätte.

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[img]http://fotos.outdoorseiten.net/data/28/santa_cru-_Areia_k_stenweg.jpg http://fotos.outdoorseiten.net/data/500/streifen-blumen.jpg
Etappe Praia de Santa Cruz - Areia Branca: Küstenweg vor Porto Novo

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http://fotos.outdoorseiten.net/data/500/streifen-eingang.jpg[/img-l][img]http://fotos.outdoorseiten.net/data/28/areia_-_obidos_mauer.jpg
Etappe Areia Branca – Óbidos: Stadtmauer von Óbidos
http://fotos.outdoorseiten.net/data/28/areia_-_obidos_burg.jpg
Etappe Areia Branca – Óbidos: Kastell von Óbidos

peter-hoehle
31.07.2009, 13:03
Toller Bericht,Werner.
Weiter so.;-)

Gruß Peter

Werner Hohn
02.08.2009, 18:04
http://fotos.outdoorseiten.net/data/500/streifen-fratze.jpg[/img-l] "Die könnten hier jeden Plunder abstellen",

hat meine Frau etwas despektierlich das Innere des Weltkulturerbes kommentiert. Das war in Sintra, genauer im Palacio Nacional da Pena. Der Palast, einige andere auch noch, und das ganze Drumherum um Sintra ist UNESCO-Welterbe. Die Burg ist wahr gewordene Phantasie eines Dom Sowieso, einer von der Sorte, die eine römische Ziffer hinten im Namen haben, damit sie in der Geschichte nicht verloren gehen.

Nach Sintra waren wir mit dem Zug gefahren - ungeplant. Losgegangen sind wir mitten in Lissabon, sogar mit dem Vorsatz bis Sintra zu Fuß zu gehen. Drei Stunden sind wir gegangen. Immer nach Nordwesten, vorbei am Zoo ins Arbeiterviertel Benfica. Dahinter hört die Stadt dem Namen nach auf. Wir haben sogar die Stadtgrenze mit den ehemaligen Kontrollhäuschen gesehen. Die Stadt stört sich nicht weiter daran, denn die wuchert weiter, allerdings unter Tarnnamen. In Amadora hat sie endlich aufgehört, aber nur auf dem Stadtplan. Da war auch für uns Schluss. Nicht, dass wir uns die Geherei auf Bürgersteigen zum Hals raushing, aber mir fehlte eine Karte. Leider hatte ich bei der Planung geschlampt. Der Übergang vom Stadtplan auf die Militärkarte bestand aus einen stundenlangen Nichts. Auf der Straße haben wir unsere Planung geändert. Gehen wir eben nicht von Lissabon nach Norden, fangen wir halt in Sintra neu an.

Und so sind wir schon am Mittag in Sintra angekommen. Da hätten wir genug Zeit gehabt, für all die Sehenswürdigkeiten, die man sich ansehen muss. Von außen haben wir uns so gut wie alles angesehen. Reingegangen sind wir nur in den Palacio Nacional da Pena oben auf dem Berg, das auch nur, weil ich aus Versehen für die Innenbesichtigung bezahlt hatte. Wenn es um das Innere alter Gemäuer geht, sind wir Banausen. Zu dunkel, zu eng, zu zugig, zu verwinkelt, erdrückend; und alte Möbel beurteile ich, wenn überhaupt, nur unter dem Gesichtspunkt der darin steckenden Wärmeenergie.

Wir haben uns dann in die Schlange eingereiht. Immer schön brav im Gänsemarsch über dunkle Teppiche und dunkle Holzböden durch zugige Räume mit winzigen Fensterchen. Bis zur Schmerzgrenze vollgestopft mit dunklen Betten, dunklen Tischen, dunklen Stühlen, dunklen Schränken und Vitrinen. An den Wänden zwischen ausgestopften toten Tieren überall irgendwelche vor zig Jahren verstorbene Männer und Frauen in Öl. In unseren Augen nichts als Plunder und Nippes aus dem 19. Jahrhundert.

Natürlich waren wir da oben nicht alleine. Sintra steht in allen Reiseführern, hat jeder Veranstalter als Sintra-mit-dem-Bus-für-10-Euro-inklusive-landestypischem-Menue im Programm. Leider Gottes führt eine Straße hoch zur Burg und zur Maurenruine auf dem Hügel nebenan. Parkplätze gibt es auch, wenn bis jetzt auch wenige. Für absolute Verweigerer der Fortbewegung zu Fuß, gibt es Minibusse für die Überwindung der letzten 300 Meter. Kostet 2 Euro pro Nase.

Óbidos ist auch so ein Treffpunkt der Tagsausflugsjunkies und Studienreisenden. Die einen fahren hin, weil der Reiseveranstalter der Meinung ist, dass der Ort zur Bildungsreise gehört, die anderen, weil der Tagesausflug mit dem Bus spottbillig ist. An solchen Orten lassen sich beide Gruppen ganz gut auseinanderhalten. Die einen stehen meist mit einem dicken Reiseführer vor einem geschichtsträchtigen Gebäude und schauen sich minutenlang einen Stein an. Die anderen sind in fünf Minuten durch und bevölkern dann die Nippesläden mit anschließendem ausgiebigem Besuch einer Kneipe mit Lokalkolorit - oder andersrum. Meine Frau und ich liegen irgendwo dazwischen. Dass Óbidos auf keinen Fall ausgelassen werden darf - und auch nicht wird - wenn man schon mal in der Gegend ist, macht der große Parkparkplatz direkt an der mittelalterlichen Stadtmauer klar. Die Stadtverwaltung hat sich nicht lumpen lassen und geklotzt. Bis auf die Autos der wenigen Bewohner, die es noch innerhalb des zinnenumschlungenen Gassenwirrwars aushalten, darf kein Auto rein. Ganz im Gegensatz zu Sintra. Dort werden die Straßen zugeparkt.

Dass wir überhaupt nach Óbidos gegangen sind war eine Mischung als Zwang, Neugier und Ad-hoc-Planung beim Frühstück in der Jugendherberge von Praia da Areia Blanca. Egal wie wir es anstellen würden, ein kleiner Bogen ins Landesinnere würde uns letztendlich nicht erspart bleiben. Die Verbindung der Lagoa de Óbidos mit dem Atlantik lässt sich beim besten Willen nicht überqueren, wenn dann nur schwimmend. Da sind wir halt übers Land gegangen. Es war ein nicht immer schöner Umweg, auf dem mir völlig überflüssig ein kläffendes Hundchen an die Hose gegangen ist, der sich zum Schluss doch gelohnt hat. Óbidos auszulassen wäre ein kleiner Frevel gewesen. Ein Japaner auf Deutschlandreise lässt ja auch nicht Rothenburg ob der Tauber aus.

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[img]http://fotos.outdoorseiten.net/data/500/obidos-arelho-stern.jpg
Etappe Óbidos - Foz do Arelho: In Foz do Arelho
http://fotos.outdoorseiten.net/data/28/arehlo-nazare-frauen.jpg
Etappe Foz do Arelho - Nazaré: Alte Frauen in Nazaré

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http://fotos.outdoorseiten.net/data/28/nazare-moel-gegenlicht.jpg
Etappe: Nazaré - São Pedro de Muel: Küste beim Vale de Paredes
http://fotos.outdoorseiten.net/data/28/nazare-moel-leuchturm.jpg
Etappe Nazaré - São Pedro de Muel: Leuchtturm in São Pedro de Muel

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Der Sieger der portugiesischen Polizeimeisterschaft im Wellenreiten

sieht haargenau so aus, wie ich mir einen Sieger dieser Sportart vorstellen würde: Ende 20, schlabberige Bermudashorts, knatschbuntes Hawaiihemd und braungebrannt bis unter die Fußsohlen. Letzteres ist nur eine Vermutung, denn seine Füße steckten in bunten Flipflops. Und wie es sich für so’ne Sportart gehört, verdient er sein Geld bei der Polícia Marítima, die portugiesische Version der Küstenwache.

Im überschaubaren Fischerhafen von São Pedro waren wir auf der Suche nach einer kleinen Personenfähre, die angeblich von da rüber nach Figueira da Foz fahren soll. Das steht im Reiseführer, wenn auch nicht mit allerletzter Bestimmtheit, aber die Worte Fähre und rüber zum andern Ufer kommen darin vor. Von einer Fähre war weit und breit nichts zu sehen. Kein Boot, kein Anleger, kein Schild, nichts. Wir hätten alles wieder zurück gemusst. Zurück zur Brücke, an deren geschwungenen Auffahrt wir vor einer halben Stunde vorbeigelaufen waren. Und dann in einem weiten Bogen in die Stadt. Eine Stunde Umweg, um ans Ziel zu gelangen, das eben ein paar Steinwürfe weit weg war.

Unser Scheitern war ganz offensichtlich, entsprechend unsere Laune. Da tauchte zwischen den runtergewirtschafteten Hallen ein blauer Pickup der Polícia Marítima auf. Den habe ich dann gestoppt. Nein, eine Fähre gibt es hier nicht, hat es nie gegeben, meinte der Kerl hinter dem Lenkrad, aber das sollte kein Problem sein, er wird uns auf die andere Flussseite fahren.
Ja, er hat uns dann noch bis ins Zentrum gefahren und uns dabei die Geschichte mit der Meisterschaft im Wellenreiten erzählt. Wir waren ein bißchen über seine „Dienstkleidung“ erstaunt. Das hat er mit Innendienst abgetan. Wenn die alle in so einem Aufzug auf der Dienststelle erscheinen, hat sich die Polizei in Portugal seit den Zeiten der Diktatur doch sehr gewandelt, habe ich gedacht, als er hupend auf der Gegenfahrbahn verschwand.

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http://fotos.outdoorseiten.net/data/28/moe-pedrogao-radweg.jpg
Etappe São Pedro de Muel - Pedrógão: ...
http://fotos.outdoorseiten.net/data/28/moel-pedrogao-verwehungen.jpg
Etappe São Pedro de Muel - Pedrógão: Vorsaison in Pedrógão

Mo667
02.08.2009, 19:12
Sehr schön!

Pfad-Finder
02.08.2009, 23:17
Werner, meine Hochachtung! Du setzt hier ganz neue Maßstäbe in Sachen Text- und Bildgestaltung. Um es mal auf eine Kurzformel zu bringen: Die meisten - und ich schließe mich da gar nicht aus! - machen hier so eine Art Fotoalbum mit Text oder ein Notizbuch mit eingeklebten Bildern. Aber Du zauberst einen Bildband.

Viele Grüße

Pfad-Finder

Werner Hohn
03.08.2009, 19:41
Dankeschön, auch weiter nach oben.

Der Hintergedanke bei der Fotogeschichte war, dass ich mir für diesen Bericht nicht so eine Menge Arbeit mit der Schreiberei aufhalse wollte. Zudem hat mich gereizt, was mit bb-Code möglich ist. Und durch die Begrenzung auf maximal 500 Pixel in der Breite ist dem Panoramaformat das Wasser abgegraben worden. Da musste etwas anderes her. Sicher bin ich mir noch nicht, doch vermutlich wäre ich mit der Textversion schon durch.

Grüße, Werner

Werner Hohn
05.08.2009, 00:20
http://fotos.outdoorseiten.net/data/500/streifen-sandbau.jpg[/img-l] Klimaanlagen sind eine tolle Sache,

haben wir uns mehr als einmal bestätigt. Ohne würden die Hoteliers, Zimmervermieter und Pensionswirtinen in den Sommern Südeuropas von halbleeren Häusern leben müssen. Die erste Fernbedienung für den Kasten hoch oben im Winkel zwischen Wand und Decke hat uns auf dieser Reise die freundliche Frau vom Hotel in Santa Cruz in die Hand gedrückt. Im ersten Augenblick wussten wir nichts damit anzufangen. Ende März, Anfang April war es so kalt in Portugal, dass wir nicht aus den warmen Fleecejacken rausgekommen sind. Wofür braucht man dann eine Klimaanlage? Mit einer Heizung wären wir besser bedient. Es hat ein paar Minuten gebraucht, um auf die Idee zu kommen, dass die Südeuropäer mit dem Gerät auch heizen.

Die 3 Wochen um Ostern waren anders als die im Herbst. Ganz anders. Nicht wegen der Landschaft und der Dichte der Besiedlung, hauptsächlich das Wetter hat gezeigt, dass Portugal auch andere Seiten hat, nämlich eiskalte. Frieren war an der Tagesordnung. Selten haben die Temperaturen die 15-Grad-Marke überschritten. Morgens war es mancherorts so kalt, dass ich beim Zurückschlagen des Außenzelts mit Reif gerechnet habe. An einem Morgen waren wir nicht weit davon entfernt. Runter bis an den 5-Grad-Strich war die blaue Säule im Glasröhrchen des Thermometers gefallen.

Trotz überwiegend strahlend blauem Himmel waren Kälte, Sturm und Regen unsere Begleiter. Nicht mal eben so ein bisschen Wind. Starker Nordwestwind, der arktische Kälte mitbrachte, machte es unmöglich längere Strecken über den Strand zu gehen, trieb uns oft weit vor der frühen Dämmerung in die Schlafsäcke oder unter die dünne Bettdecke
Campingplätze haben wir nach der Wassertemperatur der heißen Duschen beurteilt. Das war der Ersatz für die fehlende Heizung. Mit das schönste an den Abenden in den Jugendherbergen, Hotels, dem einem Estalagem in den wir gelandet waren, war das Blubbern und Zischen der schweren Heizkörper oder eben das Schnurren der Klimaanlage.

In dem Frühjahr hat es über Ostern in den Bergen der Serra da Estrala bis weiter unterhalb 2.000 Meter geschneit. Darüber haben sich die Skiliftbetreiber und Hoteliers im einzigen Skigebiet Portugals sehr gefreut. In den Nachrichten waren vor Begeisterung strahlende Gesichter unter draufgängerisch die südländische Stirn zierende Skibrillen zu sehen. Portugiesen und Spanier im Wintersportfieber. Unten an der Küste, noch keine 100 Kilometer weiter westlich, haben wir gefroren, wie noch in keinem Urlaub in Südeuropa.

Den obligatorischen Nachmittagkaffee am Strand hat uns oft der Sturmwind mit Sand verfeinert. Da half kein Verkriechen hinter den aus einer schweren, alten Lkw-Plane zurechtgeschnitten und doch knatternden Windschutz, hinter die schon seit Jahren blinde und rissige Plexiglasscheibe oder in den Windschatten der Strandbude. Der Wind hat den feinen Sand durch Ritzen, Risse, Ösen und Löcher, über die Dächer und unter den Böden der Buden getrieben. Fliegender Sand hatte die Strände und Promenaden leergefegt, wenn überhaupt jemand da war.

Wind hat uns vom ersten Wandertag an begleitet. Schon in Sintra hat der so sehr durch die Ritzen der alten zimmerhohen Fenster gedrückt, dass ich eine halbe Rolle von dem dünnen iberischen Klopapier verarbeiten musste, damit es erträglich wurde. Auf dem Campingplatz in Ericeira kamen erstmals wieder die Sturmleinen zum Einsatz, dann aber immer.
Praia de Mira habe ich mir erst mit beginnender Dämmerung ansehen können, so sehr hat der Wind geblasen. Im abendlichen Pedrógão war ich auf dem kurzen Weg vom Restaurant zur Pension nicht sicher, was fazinierender war: die sandverwehten Straßen oder der bitterkalte Nordwind, der beißend um die Häuser fegte. Die Orte auf dem schmalen Landstreifen zwischen der Ria de Aveiro und dem Atlantik werden für uns zweigeteilt bleiben. Stürmisch und kalt am Ozean, sonnig und angenehm nur wenige Meter landeinwärts am Ufer der Ria. Draußen unaufhörlich an den Strand donnernde Wellen, von dessen Schaumkornen der Wind nicht enden wollende Gichtfahnen riss. Drinnen nur das Gluckern am Rumpf der an wackeligen Holzstegen verdäuten Kähne.

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[img]http://fotos.outdoorseiten.net/data/28/pedrogao-figureia-strandbuden.jpg
Etappe Pedrógão – Figueira da Foz: Strandbuden in Figueira da Foz
http://fotos.outdoorseiten.net/data/28/pedrogao-figureia-leerstand.jpg
Etappe Pedrógão – Figueira da Foz: Warten auf Sommergäste in Figueira da Foz

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http://fotos.outdoorseiten.net/data/500/streifen-mira.jpg[/img-r] Unbeschreiblich öde

waren nur wenige Strecken. Meist nur für wenige Kilometer, sogar nur für kurze Minuten. Die waren dann aber so öde, dass sie den halben, wenn nicht sogar den ganzen Tag bestimmt haben.

Die halbe Stunde runter von Salir do Porto nach São Martinho do Porto gehört dazu. Beide Orte sind gesichtslos und geschmacklos bis zur Tristesse. Salir macht oben auf einem Hügel den Anfang, São Martinho führt das unten in der weiten geschlossenen Bucht weiter und setzt noch die Öde vielstöckiger leerstehender Apartmenthäuser drauf. Zwischen beiden Orten eine viel zu breite Straße, die, wenn die Träumereien Wirklichkeit geworden wären, schon lange von Ferienhäusern, Amüsiermeilen und Hotels flankiert würde. Heute wächst auf den überflüssigen Parkstreifen Unkraut, das langsam auch Besitz von den Verkehrsinseln nimmt. Wir haben dort den hässlichsten Campingplatz gesehen, den stimmungsmordensten Himmel ertragen müssen, und in mir tobte die Lust am Abbruch.

Die paar Kilometer von Olho Marinho bis Amoreira und hinten wieder raus waren quälend, ohne das es einen besonderen Grund gab. Einfach so.

Der Frust über die dämliche Sucherei nach einer Abkürzung von Pederneira nach Sitio da Nazaré am frühen Morgen, die zu einem Umweg werden sollte, hat lange vorgehalten. Aus jenem großen „S“, das wir an einem Sonntagmorgen in die Landschaft gelaufen haben, wäre eventuell eine passable Strecke geworden, hätten wir mehr Mut zum Ungewissen gehabt. Die ewige Frage, warum man sich das mal wieder antut, hat noch weit bis über den Kaffee hinaus in uns genagt.

Das morgendlich Unverständnis über den Weg raus aus Praia de Mira hat so lange gehalten, bis wir den Abzweig am Kanal gefunden hatten. Es war ein nasser, ein kalter und ein dunkler Morgen. Das Zelt hatten wir schon früh abgebaut. Wir hatten sogar eine offene Bäckerei gefunden. Für Minuten hatten wir im Warmen gesessen und um die zu verlängern, noch einen Kaffee mehr bestellt. Schließlich mussten wir raus, auf die vor Nässe glänzende Straße, von deren Anhöhe kalte Atlantikwinde einfallen würden.

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[img]http://fotos.outdoorseiten.net/data/28/figueira-mira-quiaaios.jpg
Etappe Figueira da Foz - Praia de Mira: In den Dunas de Quiados
http://fotos.outdoorseiten.net/data/500/figueira-mira-boot.jpg
Etappe Figueira da Foz - Praia de Mira: Fischerboot in Praia de Mira

Nicki
05.08.2009, 10:53
Sehr schön

Und ein richtig gutes "Foto" Auge

Gruß FS

paddel
09.08.2009, 08:36
Mal wieder ein absoluter Topreisebericht!

Immer wieder faszinierd bin ich von deinen Bildern. Klasse!

Grüße!

eifelwalker
11.08.2009, 10:27
Wird fortgesetzt.

Hallo Werner!
Du spannst uns (besonders mich) ganz schön auf die Folter.

Gruß, Rainer

flashons
25.08.2009, 13:47
Hallo Werner,

ich kenn dich zwar nicht, aber super Bericht und tolle Fotos! Bin total gespannt auf den Rest...

LG
flashons

PS bin jedes jahr in der region unterwegs...:D

Werner Hohn
26.08.2009, 18:09
Tach Leute,

ja, geplant war, dass ich Anfang August mit dem Bericht durch bin. Dann kam eine fette Erkältung dazwischen. Im Anschluss dann eine 2,5 Wochen Wanderung, von der wir gestern Abend zurückgekommen sind. In den nächsten Tagen geht es hier weiter und dann direkt bis zum Ende.

Gruß, Werner

Werner Hohn
02.09.2009, 17:12
http://fotos.outdoorseiten.net/data/500/streifen-winter.jpg[/img-l] Beim ersten Haus hast du alles gesehen,

haben wir uns oft gesagt. Grottenschlechte mehrstöckige preisorientierte Urlaubernutzarchitektur. Dazwischen die Ferienhäuser des portugiesischen Mittelstands oder der Auswanderer, die einmal im Jahr ihrem Heimweh freien Lauf lassen und über den Sommer ihre Familien in die alte Heimat verschleppen. Wert auf Schönheit hat keiner gelegt. Nordeuropäische Vorstellungen, wie ein Stranddorf im Süden auszusehen hat, haben zum Glück noch keinen Weg bis an die Westküste gefunden. Und wohltuend war das Fehlen mediterraner Kitschbauten.

Überall verrammelte Rollläden und vergitterte Zufahrten. Gut sichtbar an den Zäunen oder Eingängen das Schild einer Wachgesellschaft. Ein halbes Dutzend sandverwehte Straßen in praktischer Rechteckordnung, durch die in den nächsten Stunden bestimmt kein Auto fahren wird. Zugige, leblose Plätze mit Betontrögen, Plastikmülleimern und Bänken aus sonnengebleichtem Eukalyptusholz.
Vorfinden würden wie eine verlassene Touristeninfo, deren von Staub und Salz blinde Fensterscheiben nur notdürftig den Blick auf leere Prospekthalter verweigern wird. Irgendwo dazwischen eine Bar, vielleicht auch zwei und ein unscheinbarer Supermarkt mit stark eingeschränktem Winterangebot. Mit etwas Glück eine Pension, mit noch mehr Glück ein Hotel oder ein Residencial. Zum Atlantik raus eine schmale Promenade, über die der Nordwestwind Sand treiben würde.

Hinter Nazaré hat das mit den austauschbaren Orten angefangen. Dort beginnt die langgestreckte Küstenebene, die bis hoch nach Porto keine wirklich nennenswerten Anhöhe mehr hat. Bis zur Ria da Aveiro nur Sand, Kiefern und der Atlantik. Hauptsächlich Kiefernwälder mit schnurgeraden schmalen Straßen und diese Dörfer, die kein Reiseveranstalter je anbieten wird.

Auf unserem mehrtägigem Weg durch die Kiefernwüste hat nur Figueira da Foz aus dem Einerlei herausgeragt. Halbwegs groß, gepflegt, gebügelt, belebt und im Frühjahr noch angenehm träge. Zum Strand raus die obligatorische Hochhausreihe. Hinten raus gemütlich, bürgerlich und bewohnt. Die Stadtverwaltung, weiß, was sie den Gästen schuldig ist.

Aber sonst? Orte, die meiste keine Orte sind, nur Ansiedlungen. Urbanes Leben gibt es nur im Sommer, der erst spät im Juni anfängt. Wenn die Wirte ihre Bars und Restaurants mit weißen und roten Plastikstühlen bis zur Promenade verlängern, bunte Eisplakate und Fähnchen die ausgebleichten Farben der Buden überdecken, Klamottenständer die Bürgersteige säumen, Surfshops Badelatschen und -hosen zu überteuerten Preisen anbieten, über den von Sonne und Hitze knochentrockenen Holzzäunen, die den Sand am Strand halten sollen, nasse Handtücher zum Trocknen hängen, dann ist Saison.

Vermutlich wird dann das Bürgermeisteramt dafür sorgen, dass die Mülleimer geleert werden und der Dreck von den Plätzen verschwindet. Dem Sand werden sich Kehrmaschinen oder Saisonarbeiter mit Reisigbesen, neuen, ladenfrisch glänzenden Schaufeln und alten, großen Schubkarren annehmen.

Mitte, spätestens Ende September läuft das alles wieder rückwärts. Die erste dünne, nervig raschelnde Plastiktüte, das heimliche Markenzeichen iberischer Lebensmittelläden, wird sich im Zaun verfangen. Der zunehmende Herbstwind wird leere Plastikflaschen über leere Parkplätze wehen. Nach und nach wird sich der Sand in der Ansiedlung verteilen. Anfangen wird es mit einer kleinen Sandanwehung hinter der Mauer, die den Strand von den ersten Häusern trennt. Hinter Blumenkübeln und Begrenzungssteinen wird sich der Stand aufstauen, schließlch einen Weg durch Lücken und Ritzen finden und kleine Sandverwehungen auf die Straßen schieben, die über den Winter ungestört wachsen werden. Die Kehrmaschinen und Besen und Schaufeln sind in den Depots verschwunden, die Saisonarbeiter sitzen zu Hause vorm Fernseher oder in der Bar.

Mit den letzten Urlaubern verschwinden Tische, Stühle und Sonnenschirme. Ein Barbesitzer wird durchhalten und seine Bar über den touristischen Winter, der hier ein länger als halbes Jahr dauert, für die paar Einheimischen und die seltenen Gäste offen halten. Die Straßen in Strandnähe werden von leergeräumten Läden flankiert. Blinde, dunkle Schaufenster werden bis zum kommenden Sommer mit grellbunten Aufschriften an den Saisonausverkauf vom letzten Jahr erinnern.

Am Strand und auf den Klippen werden Angler unter sich sein, wenn sie stundenlang ihre Angelruten ins Meer auswerfen. Auf den Promenaden werden bei Sonnenschein alte Männer in dicken Jacken ihren Rücken dem Wind zudrehen, um beim Schwätzchen dem Jahr einen Tag abzuluchsen. Mittags werden zwei, drei Handwerker in der Bar erscheinen, ein einfaches Essen bestellen und nach dem nie fehlenden Kaffee wieder verschwunden sein.

Wie gesagt: Beim ersten Haus war das schon abzusehen, und trotzdem, vermutlich deshalb, haben wir uns in solchen Orten wohl gefühlt. Fünf Minuten die Straße rauf, fünf Minuten wieder runter. Durch die eine Querstraße in Richtung Land, über die andere wieder in Richtung Meer. Nochmal mit dem Wind die Promenade hoch und mit hochgeschlossener Jacke gegen den Wind zurück. Es würde noch keine halbe Stunde dauern, bis wir den ganzen Ort kennen würden, und die Einheimischen uns.

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[img]http://fotos.outdoorseiten.net/data/28/mira-porto_novo-blume.jpg
Etappe Praia de Mira - Porto Novo: Am Wegrand bei Barra da Mira
http://fotos.outdoorseiten.net/data/28/mira-porto_novo-haeuser.jpg
Etappe Praia de Mira - Porto Novo: Typische Strandhäuser in Porto Novo (Aveiro)

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1948, 1960 und 1968

steht in den Legenden der Militärkarten. Letzte Vermessung im Feld: 1948, bei einer Karte sogar 1947. Letzte Korrekturen mittels fotoplanimetrischem Verfahren: um die 1960er Jahre. Letzte Überarbeitung der Straßenklassifikation: 1968. Auf Blatt 16 IV steht als Quellenangabe sogar: „Hidrográfica de Alemaha número 1053, edição de 1952 (precisão boa)“. Jenes betrifft aber nur den Atlantik. Ist das nun beruhigend oder sollten wir uns ernsthafte Gedanken ums weitere Vorankommen machen?

Im Kartenstoß waren drei 50.000er Blätter, die immer noch auf so alten Daten basieren. Der große Rest war aktueller – um viele Jahrzehnte. Die meisten stammen aus den Jahren zwischen 1990 und 2002. Die Karten des portugiesischen Militärs sind genau, wenn auch nicht so genau und mit Liebe zum Detail wie die Karten Schweizer Behörden oder bundesrepublikanischer Landesvermessungsämter. Aber da, wo es drauf ankommt passt es schon, hatten wir in den vergangenen Wochen erfahren.

Hierher, das war nördlich Figueira da Foz bis fast ans Ende der Ria de Aveiro. Drei Tage sind wir mit den uralten Karten unterwegs gewesen. Bis auf eine Brücke im Hafen von Aveiro, die neu gebaut wurde, und eine Brücke, auch dort im Hafen, die abgerissen wurde, sowie eine damals noch nicht fahrende Fähre, hat sich nicht viel geändert. Die Orte, speziell die an der Küste, sind etwas größer geworden, die Zufahrten dorthin auch. Die Forsthäuser und Zollstationen sind in den vielen Jahren zu Ruinen geworden und ein kleiner See ist eingetrocknet. Alles andere hat sich an die Vorgaben der Militärkarten gehalten. Was damals als einspurige Schlaglochpiste Eingang in die Karte gefunden hat, ist das heute immer noch. Und an den Kiefern und dem Sand ändert sich eh nichts.

Nur einmal haben wir uns verlaufen. Das war noch in Quiaios, einem Nest mit fünf Straßen. Das Dorf hat sich in den vergangenen 6 Jahrzehnten einen kleinen Umbau gegönnt, nicht viel, Fremden fällt das nicht auf. Uns auch erst, als uns ein Verkehrschild spanisch vorkam. Dank der alten Karten wurde aus dem Verlaufen nur ein Umweg von wenigen Minuten.

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http://fotos.outdoorseiten.net/data/28/porto_novo-toreira-ria.jpg
Etappe Porto Novo - Torreira: Die Ria de Aveiro
http://fotos.outdoorseiten.net/data/28/porto_novo-toreira-boote.jpg
Etappe Porto Novo - Torreira: Moliceiro-Boote (Tangfischer) bei Torreira

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Nicht vergessen ...

... habe ich die Traumstrände an der Atlantikküste. Unten im Süden und rund um Lissabon meist klein und zwischen hohen Klippen versteckt. Im Norden, eigentlich in der Mitte Portugals, ab Nazaré bis hoch zur Mündung des Douro, unendlich. Menschenleer waren alle. Im Herbst 2008 von der Sonne beschienen und warm, im Frühjahr 2009 manchmal sonnenbeschienen aber immer stürmisch und kalt.

... die archaischen Fischerboote an der stürmischen Atlantikküste, die dort wie Relikte aus lange vergangenen Zeiten auf dem Sand liegen – immer noch. Mangels Häfen ziehen alte, vor Meersalz starrende Traktoren mit mehrfach übersetzten Winden die tonnenschweren Holzkähne hoch auf den Strand. So hoch, dass auch bei auflandigem Sturm und auflaufendem Wasser die Boote sicher sind.

... ist die Brackwasserlagune der Ria de Aveiro. Eine Lagune im Gezeitenrhythmus, mal ausufernd zum See, dann wieder ein schmales Rinnsal. Eine lange Uferstraße, mit wackeligen Holzstegen für die Freizeitfischer direkt neben dem Asphalt. Mit bunten, manchmal halbabgesoffenen Kähnen und Ruderbooten. Mit den Booten der Tangfischer, die vorsorglich auf dem Land liegen und nur noch zur alljährlichen Regatta auslaufen.

... die Fähre von Forte da Barra nach São Jacinto, denn die hat uns lange warten lassen. Ganz früh hatten wir uns auf den Weg gemacht, um möglichst noch am Morgen überzusetzen. Diesen Tag hätten wir gemütlicher angehen können. An Sonntagen im Frühjahr fährt die alte Autofähre schon in aller Herrgottsfrühe, dann erst wieder mit dem Mittagshochwasser, wenn die Flut den Atlantik in die Ria drückt.

… ist, dass wir das bekannteste Feriendorf an der südlichen Westküste nur wegen zwei Tassen Kaffee umgangen haben. Vila Nova de Milfontes oder Kaffee in einer runtergekommen Bar an einem Kreisverkehr in der Peripherie, haben wir uns gefragt. Im Herbst war uns der Kaffee wichtiger, auch wenn wir danach aus Faulheit einige Kilometer Straße mehr gehen mussten.

... das funkelnagelneue Residencial in Porto Novo, in dessen Bad ein Zettel in drei Sprachen die Gäste daran erinnert, dass benutztes Toilettenpapier in eben diese geworfen werden soll. Meist geht das andersrum: benutztes Klopapier gehört in den neben der Toilette stehenden Eimer – egal wie sehr das stinkt.

... haben wir das Cabo da Roca. Das Kap ist der westlichste Punkt des europäischen Festlands. Wir waren nicht dort, obwohl wir ganz ganz nah waren. Erst unterwegs, als wir vorbei waren, ist uns das aufgefallen. Vorher habe ich so oft daran gedacht. Aber dann ...? Vermutlich ein Grund wieder hinzufahren. Wo befindet sich eigentlich der östlichste Punkt des Kontinents?

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http://fotos.outdoorseiten.net/data/28/torreira-ovar-kahn.jpg
Etappe Torreira - Ovar: Morgens an der Ria de Aveiro
http://fotos.outdoorseiten.net/data/28/torreira-ovar-kirche-ovar.jpg
Etappe Torreira - Ovar: Kirche in Ovar

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http://fotos.outdoorseiten.net/data/28/ovar-espinho-hauseingang.jpg
Etappe Ovar - Espinho: 1 x für die Post, 2 x für die Hl. Maria, alles für den Fußball. Portugal!

Atze1407
02.09.2009, 17:20
Einfach toll!

sterne

Atze1407

eifelwalker
11.09.2009, 11:21
Ein Super-Bericht lieber Werner, ich verneige mich. 5sterne

Herzliche Grüße
Rainer