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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [NO] Jotunheimen Runde Juni/Juli 2009



c.nick
07.07.2009, 12:45
Dann wollen wir mal!

Land: Norwegen
Reisezeit: Juni/Juli
Kontinent: Nordeuropa

26. Juni

Aufbruch am Freitag den 26sten Juni - dem gefühlt längsten Vor-Urlaubs-Freitag, den ich je erlebt habe... Rucksack auf der Rückbank angeschnallt (hat sich bislang bestens bewährt). Und auf geht's gen Norden! Und zwar diesmal von Hamburg aus via Fährverbindung Puttgarden-Rødby, dann die landschaftlich abwechslungsreiche Strecke über Lolland, Falster, Seeland an Kopenhagen vorbei und via Fähre Helsingør-Helsingborg rüber nach Schweden.

http://img530.imageshack.us/img530/4628/l1000276.jpg

http://img246.imageshack.us/img246/3702/l1000287.jpg

http://img18.imageshack.us/img18/1863/l1000300.jpg

c.nick
07.07.2009, 13:16
In Schweden wie immer laaaange geradeaus, vorbei an Göteborg und Vanersborg. Dieses Jahr immerhin spannend gemacht durch Stig Larssons Hörbuch "Verblendung" - Danke für den Tip Michael!!

Kurz vor Moss stand plötzlich ein Elch auf der Autobahn :o trollte sich aber beim langsamen Vorbeifahren mit dem bekanntermaßen unbeschreiblich federnden Hüftschwung. Irgendwo auf einem Parkplatz hab ich mir schließlich ein paar Stunden Schlaf gegönnt um schließlich früh morgens die norwegische Grenze zu passieren - ohne jegliche Kontrolle.

Ich bin gut durchgekommen und hab den sommerlichen frühen Morgen deshalb genutzt, um endlich einmal bei Svartskog, dem langjährigen Haus von Roald Amundsen vorbei zu fahren. Eine 1995 neu erschienene Biografie über Amundsen (von Tor Bomann-Larsen) war durch viele bis dahin unbekannte Briefe, die man erst Anfang der 90er auf einem Dachboden bei Oslo gefunden hatte, ausgesprochen interessant zu lesen gewesen. Leider war das Anwesen so früh morgens noch geschlossen. Aber immerhin gab es ein (hoffentlich...) überlebensgroßes Standbild von Amundsen über dem spiegelblanken Fjord zu sehen.

http://img9.imageshack.us/img9/9684/l1000329.jpg

Am späten Vormittag schlug ich bei Freunden in Oslo auf, denen ich die obligatorische Einkaufskiste mit allerlei in Norwegen schwer oder nur teuer zu erhaltenden Kleinigkeiten mitgebracht hatte. Es wurde ein sommerwarmer Tag und abends haben wir herrlich im Garten gegrillt.

Am nächsten Morgen ging's schließlich weiter bei strahlendem Sonnenschein auf die E16 vorbei an Hønefoss in Richtung Fagernes und weiter auf der RV51 nach Gjendesheim am östlichen Rand des Jotunheimen Nationalparks. Die Temperatur war von stattlichen 29°C auf Meereshöhe trotz des Höhengewinns bis immerhin knapp 1.000m nur unwillig auf immer noch unglaubliche 24°C gefallen. Julia hatte mich bei meinen Reisevorbereitungen schon gewarnt. Obwohl ich ihre Kompetenz in Sachen Jotunheimen (insb.) absolut zu schätzen weiß, war es mir schwergefallen, die befürchteten Temperaturen tatsächlich zu glauben. Nun stand ich auf dem Parkplatz am wunderschönen Gjende See und :hahaa: packte meinen Rucksack um... In früheren Jahren hatte ich Ende Juni völlig andere Temperaturen in Jotunheimen erlebt. Also gut: Haglöfs Thermal Pro Syberian Jacket raus :bg: ... 500g gespart... ich sag nur "und so weiter"...

http://img9.imageshack.us/img9/2483/l1000332.jpg

c.nick
07.07.2009, 13:51
Kurze Zeit nach mir war auch Boris - der Freund aus Oslo - nachgekommen, denn wir wollten den ersten Teil der Tour zusammen gehen. A propos Tour. Folgende Route war geplant:

1. Gjendesheim - Nedre Leirungen - Leirungsdalen
2. Leirungsdalen - Svartdalen - Torfinnsdalen - Langedalen - Galdebergtjerna - Oksdalen
3. Oksdalen - Grønebjergtjernet - Raudalen
4. Raudalen - Raudalsbandet - Høgvagltjønnen - Leirvassbu
5. Leirvassbu - Kyrkjeglupen - Grønbakkan - Urdadalen
6. Urdadalen - Langvatnet - Hellerfossen - Memurutunga
7. Memurutunga - Sjugurdtinden - Memurubu - Ned Russglopet - Russvatnet
8. Russvatnet - Russvatnet - Russvatnet - ... -
9. Russvatnet - Besstrondfjellet - Gjendesheim

Zzgl. ein Tag Ersatz = 10 Tage.

28. Juni

http://img520.imageshack.us/img520/7956/l1000345.jpg

Obwohl es zwischenzeitlich schon 7pm war, gingen wir natürlich los. Den Ratschlag des Hüttenwirts befolgend, ließen wir uns nicht mit dem Boot auf die südliche Seite der Sjoa übersetzen (sumpfiges Mückengebiet - speziell bei den Temperaturen und zu der Uhrzeit...) sondern liefen erstmal die Straße entlang zurück zur RV51, dort ein Stück weit südlich, um bei einem nahe gelegenen Aussichtsplatz von Osten aus oberhalb des Nedre Leirungen in die Tour "einzusteigen". Sehr schönes Panorama auf die Gjendehøe, Knutshøe und das untere Leirungsdalen (Nordwest-Südost-Richtung).

http://img17.imageshack.us/img17/4673/l1000339.jpg

Auf dem Weg durch dieses untere Leirungsdalen hatten wir leider recht viele Mücken und die von der massiven Schneeschmelze angeschwollenen Bäche gaben uns einen Vorgeschmack auf die folgenden Tage und die kommenden Durchquerungen der breiteren Bergbäche.

http://img33.imageshack.us/img33/1280/l1000358.jpg

http://img517.imageshack.us/img517/1573/l1000365.jpg

Ein paar hundert Meter nachdem der DNT Pfad dann das "obere" Leirungsdalen (Südwest-Nordost-Richtung) auf die Leirungsåe trifft fanden wir gegen 12pm eine gute Zeltmöglichkeit in einer Flussbiegung. Endlich konnte ich mein neues Akto nun auch im Fjell einsetzen und war natürlich seelig :cool: Nach vielen langen Monaten endlich wieder draußen, endlich wieder dieser Fjellduft, dieses herrliche Rauschen und Glucksen eines Baches und das Knistern des Daunenschlafsacks... Bestens. :corton:

http://img517.imageshack.us/img517/6017/l1000379.jpg

c.nick
07.07.2009, 14:03
Hoppla - warum werden denn die Bilder so gestaucht... Das'ja doof - kann ich das irgendwie vermeiden?

Die Bilder sind 16:9 aufgenommen und oft auch ein bisschen zu Gunsten der Panorama-Sicht geschnitten. Wenn Ihr ein Bild "unverzerrt" sehen wollt, müßt Ihr es offenbar nochmal gesondert anklicken nachdem es im Viewer zunächst gestaucht erscheint.

Update 12.7.: Füge jetzt die Bilder direkt in den Text ein, damit sie nicht verzerrt sind.

Susanne
07.07.2009, 14:04
Bei mir werden die Bilder in Originalgröße angezeigt. Aber Draufklicken mag helfen!

Julia
07.07.2009, 14:26
Am nächsten Morgen ging's schließlich weiter bei strahlendem Sonnenschein auf die E16 vorbei an Hønefoss in Richtung Fagernes und weiter auf der RV51 nach Gjendesheim am östlichen Rand des Jotunheimen Nationalparks.
Das nächste Mal kannst'e ja mal auf 'nen Kaffe vorbeischauen ;-).

Julia
07.07.2009, 14:26
Aber Draufklicken mag helfen!
Tut's!

c.nick
07.07.2009, 14:53
29. Juni

Am nächsten Morgen konnte ich's natürlich kaum abwarten... Viele haben das Leirungsdalen als ihrer Meinung nach schönstes Jotunheimen Tal beschrieben und entsprechend groß war meine Vorfreude. Und die wurde nicht enttäuscht.

Der Pfad steigt langsam aber stetig an und führt immer auf der nördlichen Seite des Leirungsåe. Julia hatte geschrieben, es sei sinnvoll, sich auf dieser Seite zu halten, weil es am Südufer bald zu moränenartig und unwegsam werden würde und genau den Eindruck machte es auch. Nördlich hingegen war alles bestens. Ideal zum Einlaufen mit einer herrlichen Sicht entlang des malerischen Flusses immer höher talaufwärts sowie auf steile Schneehänge des Munken und schließlich auf den Leirungsbrean.

http://img239.imageshack.us/img239/6171/l1000383.jpg

http://img269.imageshack.us/img269/8044/l1000400.jpg

Im Verlauf gab es auch den ersten mit geschätzten 20m wirklich breiten und vor Schmelzwasser tobenden Bergbach zu queren. Das klappte aber hier noch ohne echtes Waten einfach von Stein zu Stein auch wenn die zum Teil stiefeltief von Wasser überspült waren. Kein Drama also, nur Augen auf beim Eierlauf.

http://img34.imageshack.us/img34/9175/l1000418.jpg

Kurz vor dem See Leirungstjønnin dann der erste etwas knackigere Anstieg der Tour. Mit dem Fernglas hatte ich dort schon aus der Ferne zwei andere Personen erkennen können, die diesen Anstieg deutlich (zu weit?) südlich / links durch einen steilen Schneehang angegangen waren. Wir hielten uns nördlich und kamen so perfekt auf der weiten und vollständig ca. knietief schneebedeckten Fläche nordöstlich des zu blauem Eis gefrorenen Leirungstjønnin an. Irre schön.

http://img34.imageshack.us/img34/7407/l1000439.jpg

Nördlich überragte uns der Austre Leirungstinden und Skarvflyløyfttinden (wer denkt sich bloß solche Buchstabenkombinationen aus...) mit dem glitzernden Skarvflyløyftbrean. Am südlichen Seeufer erhob sich der Leirungsbrean und darüber in majestätischer Reihe die Austre und Vestre Kalvehøgde sowie abschließend der Leirungskampen. Ein toller Ort - eingekreist von diesen allesamt ca. 2.200m hohen Riesen.

Am Leirungstjønnin ging's also durch den Schnee stapfend nördlich vorbei. Dann am Südufer eines noch etwas höher gelegenen, laut Karte namenlosen Sees direkt am darüber aufragenden Leirungskampen vorbei zum Svartdalsbandet. Dies ist ein recht steiler Abstieg vom westlichen 1.678m hohen Ende des Leirungsdalen 200 Höhenmeter hinab ins nord-süd-verlaufende Svartdalen.

http://img375.imageshack.us/img375/3158/l1000441.jpg

Dazu morgen mehr, denn jetzt hol' ich erstmal mein neu mitgebrachtes Arne Brimi Kochbuch raus, suche mir ein spannendes norwegisches Gericht, gehe beim Fischhändler meines Vertrauens Zutaten jagen und bruzzele heute Abend ein Stück Erinnerungen!

Ha det bra!

Julia
07.07.2009, 14:56
Sehr schönes Panorama auf die Gjendehøe, Knutshøe und das untere Leirungsdalen (Nordwest-Südost-Richtung).
Das ist übrigens auch eine sehr schöne Tour den ganzen "Drachenrücken" entlang und unten entlang des Nedre Leirungen (Badeplatz ;-)) zurück. Dauert so ca. 5 Stunden komplett ab dem genannten Aussichtspunkt an der RV51 (der übrigens Vargbakken heisst).

c.nick
07.07.2009, 14:59
Das nächste Mal kannst'e ja mal auf 'nen Kaffe vorbeischauen ;-).

Klar! Mache ich riesig gerne! Die Anschrift von Eurer Fjellet i Bilder Seite? Schon auf der Karte lokalisiert und eingekringelt ;-) Das gilt natürlich auch umgekehrt falls Ihr mal in HH vorbeikommt. Die Espressomaschine ist im Dauerbetrieb heiß :D

Julia
07.07.2009, 15:04
Dazu morgen mehr, denn jetzt hol' ich erstmal mein neu mitgebrachtes Arne Brimi Kochbuch raus, suche mir ein spannendes norwegisches Gericht, gehe beim Fischhändler meines Vertrauens Zutaten jagen und bruzzele heute Abend ein Stück Erinnerungen!
Mmmmmmmm, lecker! Arne Brimi! Der versteht sein Handwerk! Na dann mal guten Appetit!

Julia
07.07.2009, 15:06
Die Anschrift von Eurer Fjellet i Bilder Seite? Schon auf der Karte lokalisiert und eingekringelt ;-)
Jepp. 8 km von Fagernes Richtung Beitostølen, aber auf der kleinen Nebenstrasse oben auf der Höhe entlang, in Skrautvål.

Julia
07.07.2009, 15:12
Nördlich überragte uns der Austre Leirungstinden und Skarvflyløyfttinden (wer denkt sich bloß solche Buchstabenkombinationen aus...) mit dem glitzernden Skarvflyløyftbrean.
Skarv heisst eigentlich Komoran, ist aber hier oben lokal eine Bezeichnung für Schneehuhn. Fly ist fliegen, løyfte eine Rinne/Einschnitt ("gully") und tinden halt Berg. Also so viel wie Schneehuhnflugrinnenberg :bg:.

Also hat man da sicher zu alten Zeiten viele Schneehühner in den Rinnen des Bergmassivs auffliegen sehen, und schon hatte das Ding seinen Namen weg ;-)...

Susanne
07.07.2009, 15:18
Dazu morgen mehr, denn jetzt hol' ich erstmal mein neu mitgebrachtes Arne Brimi Kochbuch raus, suche mir ein spannendes norwegisches Gericht, gehe beim Fischhändler meines Vertrauens Zutaten jagen und bruzzele heute Abend ein Stück Erinnerungen!


Willst Du damit sagen, du hast im Fjell wie Arne Brimi gekocht? ;-) Meinst du dieses Buch: CLICK (http://www.bokklubben.no/SamboWeb/produkt.do?produktId=1951547)? Das habe ich mir vor zwei Jahren aus Norwegen mitgebracht. Sind tolle Rezepte drin. Viel Spaß beim Kochen.

Susanne
07.07.2009, 15:19
Skarv heisst eigentlich Komoran, ist aber hier oben lokal eine Bezeichnung für Schneehuhn. Fly ist fliegen, løyfte eine Rinne/Einschnitt ("gully") und tinden halt Berg. Also so viel wie Schneehuhnflugrinnenberg :bg:.

Also hat man da sicher zu alten Zeiten viele Schneehühner in den Rinnen des Bergmassivs auffliegen sehen, und schon hatte das Ding seinen Namen weg ;-)...

Aufgrund des tollen Namens habe ich mal meine Signatur angepasst. :grins:

Julia
07.07.2009, 15:27
Am Leirungstjønnin ging's also durch den Schnee stapfend nördlich vorbei. Dann am Südufer eines noch etwas höher gelegenen, laut Karte namenlosen Sees ...
...tjørnin ist Mehrzahl. Beide zusammen heissten Leirungstjørnin (Leirungsteiche). Unterscheiden wird mit Lage: øvre und nedre (obere und untere) oder Himmelsrichtung: østre und vestre (also östlicher und westlicher).

c.nick
07.07.2009, 16:28
Willst Du damit sagen, du hast im Fjell wie Arne Brimi gekocht? ;-) Meinst du dieses Buch: CLICK (http://www.bokklubben.no/SamboWeb/produkt.do?produktId=1951547)? Das habe ich mir vor zwei Jahren aus Norwegen mitgebracht. Sind tolle Rezepte drin. Viel Spaß beim Kochen.
Neinein im Fjell gab's das gute Trockenfutter usw.
Das jetzt gekaufte Kochbuch ist dieses hier (http://www.brimibue.no/product_info.php?cPath=22&products_id=204).

Susanne
08.07.2009, 08:50
Ah, du hast also das Beste vom Besten Kochbuch genommen. ;-) Was hast du gestern daraus gekocht? *neugier*

c.nick
08.07.2009, 11:38
Es gab also aus dem Brimi Kochbuch das Rezept "Dobbel Laksesnitsel fylt med Dillstua Reker" von Seite 48/49. Einfach wunderbar! Herrlich natürlich! Ausgesucht hatte ich es, weil ich mir mit Hilfe von www.heinzelnisse.info die Übersetzung halbwegs zusammenreimen konnte. Da mir aber dennoch viele Worte gefehlt haben, argwöhne ich, dass das ganze Buch entweder in lokaler Schreibweise oder in Nynorsk gehalten ist... Wie auch immer - leckerleckerlecker!:D

29. Juni (Fortsetzung)

Weiter geht's mit ein paar Bildern zum gestern angekündigten Abstieg vom 1.678m hoch gelegenen Svartdalsbandet, dem westlichen Ende des Leirungsdalen 200m hinunter zum Svartdalen. Der Abstieg hat kein Problem dargestellt. Man muß eben konzentriert sein. Außerdem ist die ganze Tour ja kein Sprint. Man kann sich in Ruhe Zeit nehmen, sich umsehen, den besten Abstieg finden und im übrigen die wirklich schöne Aussicht in beide Richtungen des Tals genießen.

http://img402.imageshack.us/img402/8362/l1000448.jpg

http://img402.imageshack.us/img402/6133/l1000447.jpg

Auf der Teleaufnahme, die das Svartdalen entlang Richtung Norden gerichtet ist, vermute ich: In der Bildmitte den kleinen Hellerkampen als Ende des Storådalen und dahinter den Hellertjønne sehen zu können. Dahinter rechts den Semeltinden samt Haupt- und Südgipfel, links die Skarddalseggje sowie mittig im Hintergrund den Beginn des Urdadalen.

Auf der (verwackelten..) Nahaufnahme sieht man auf halber Höhe des Abstiegs ein sommerliches Fleckchen mit "den vakre mogopen blomstrer" ;-) inmitten von Stein und Schnee.

http://img29.imageshack.us/img29/7379/l1000454.jpg

Kurz darauf habe ich eine Herde Rentiere bemerkt. Die geschätzt 200 Tiere (auf dem Bild sieht man nur einen Teil) bewegten sich langsam das Svartdalen entlang in meine Richtung. Später sollte ich noch oft auf verschiedene Gruppen von Rentieren treffen. Unglaublich wie die Jungtiere herumtollen, springen, alle viere von sich schmeißend, vor- und zurückrennen, offenbar überglücklich, auf der Welt zu sein. Ich hätte Stunden zusehen können...

http://img524.imageshack.us/img524/210/l1000457.jpg

Noch ein Blick das Svartdalen entlang gen Süden. Rechts der gefrorene See (auf der Karte von Statens Kartverk ohne Namen) liegt auf 1.475m Höhe. Der kleine Hügel am Ende des Sees markiert den Übergang zum Torfinnsdalen. Dieses führt von dort an hinab bis zur Torfinnsbu am Bygdinsee. In diese Richtung ging es weiter.

http://img524.imageshack.us/img524/9681/l1000458.jpg

c.nick
08.07.2009, 12:10
29. Juni (Fortsetzung)

Unten angekommen bogen wir also nach links gen Süden. Entlang des Sees ging es noch ca. eine Stunde leicht bergan bis zu besagtem kleinen Hügel. Die Rentiere waren übrigens unbeeindruckt in die selbe Richtung wie wir unterwegs und blieben uns sozusagen auf den Fersen...

http://img18.imageshack.us/img18/4862/l1000471.jpg

http://img18.imageshack.us/img18/9818/l1000481.jpg

Der Übergang zum abwärts führenden Torfinnsdalen zeichnete sich vor allem durch den spontanen Wechsel von Schnee zu grünem Fjell aus. Rechts überragen die Torfinnsegge und der Torfinnstinden das Tal sowie den in der Ferne erkennbaren Bygdin.

http://img186.imageshack.us/img186/6930/l1000483.jpg

Nach einer Dreiviertelstunde weiterem Abstieg fanden wir direkt nach der Sommerbrücke eine gute Gelegenheit die Zelte aufzustellen. Es war zwischenzeitlich etwa 8pm. Also den Kocher angeschmissen, den Rücken auf der Isomatte lang gemacht, Globis "Elchfleisch Gourmet Topf" angerührt und beim Essen beobachtet wie das Sonnenlicht an den Felswänden langsam von den emporkriechenden Schatten, die die Nacht ankündigen, verdrängt wurde. Es wurde kühler und wir konnten zufrieden in unsere Zelte und in die Schlafsäcke kriechen.

http://img6.imageshack.us/img6/9835/l1000484.jpg

Susanne
08.07.2009, 12:25
Hmm.. das hört sich wirklich lecker an. Ein Nynorsk-Wörterbuch findest du hier (http://www.dokpro.uio.no/ordboksoek.html). Es soll ja nicht an der Übersetzung scheitern, ne?!

Klasse, super Bilder!

c.nick
08.07.2009, 12:31
Übrigens sehen einige der Bilder doch recht "kalt" aus. Kalt war es aber keineswegs. Wie gesagt, in Gjendesheim waren ca. 24°C oder so. Ich weiß nicht genau wie die Temperaturen dann auf dem Abschnitt der Tour waren. Als Anhaltspunkte:

Beim Aufstieg durch das Leirungsdalen trug ich eine lange Trekkinghose (Haglöfs Nansen Fjell Pant, aus dem mittleren Climatex Material). Am Oberkörper ein Merino Shirt (Icebreaker 200g/m) und im höher gelegenen Teil des Tals sowie im Svartdalen ein Stretch-Fleece (Mountain Equipment 100er Stärke). Da es auf dem Weg zum südlichen Ende des Svartdalen auch einige Zeit lang regnete, hatte ich kurzzeitig meine Wetterjacke übergezogen (Bergans Anatomic LV, Dermizax).

Damit habe ich mich bestens wohl gefühlt. Nicht zu warm, nicht zu kalt. Also schätze ich die Temperaturen anfangs auf 20°C, später auf 15°C.

Susanne
08.07.2009, 12:37
Damit habe ich mich bestens wohl gefühlt. Nicht zu warm, nicht zu kalt. Also schätze ich die Temperaturen anfangs auf 20°C, später auf 15°C.
Sehr angenhem. Genau meine Temperaturen. ;-)

c.nick
08.07.2009, 13:02
30. Juni

Am nächsten Morgen habe ich verschlafen... Ich glaube wenn Boris mich nicht irgendwann aus dem Zelt geschüttelt hätte, würde ich dort heute noch liegen und seelig schlummern. Ja ja - die gute Luft :corton: Zum Frühstück hab ich dann den sicher allerseits bekannten und geschätzten Tüten-Kaiserschmarrn gebruzzelt und gegen 9:30 konnten wir aufbrechen.

Das erste was uns begegnete, war wiederum eine - wenn auch kleinere - Herde Rentiere, die uns mindestens genauso neugierig beobachteten wie wir sie. Wenn man sich in einiger Entfernung (vielleicht 100m) ruhig verhält, sind die Tiere zwar aufmerksam aber scheinen nicht beunruhigt.

http://img188.imageshack.us/img188/1375/l1000493.jpg

Wunderschön zu sehen. Kurze Zeit darauf dachte ich schon, uns käme ein vereinzeltes Ren entgegen getrabt. Im nächsten Moment erkannte ich aber, dass es sich um einen Elch(!) handelte. :o Wie der sich ins Torfinnsdalen verirrt hatte muss mir mal jemand erklären. Vermutlich entlang des Bygdin auf der Suche nach leckeren Birkenblättern? Und dann durch irgendetwas verschreckt und falsch abgebogen? Der Kollege schien jedenfalls leicht desorientiert. Wir waren schwer beeindruckt von unserem Zoo und warteten auf die nächsten Überraschungen. Die scheuen Fjellgiraffen?

http://img188.imageshack.us/img188/1049/l1000501.jpg

Das Bild mit der DNT Markierung zeigt einen Blick zurück ins Torfinnsdalen. Wir wollten nicht die ganzen 300-400 Höhenmeter zur Torfinnsbu absteigen, nur um uns kurz darauf wieder 300-400 Höhenmeter durch das Langedalen hinauf zu mühen. Also hielten wir uns rechterhand am Hang des Torfinnstinden auf den zahlreichen Rentierpfaden. Diese erlaubten uns mit sicherem Tritt die Höhe zu halten.

http://img106.imageshack.us/img106/2358/l1000515.jpg

http://img401.imageshack.us/img401/3521/l1000504.jpg

Wenn man nicht auf die Hütte angewiesen ist, ist diese Abkürzung sehr zu empfehlen. Zum einen aus praktischen Gründen, zum anderen eröffnen sich wirklich gigantisch schöne Aussichten über den riesigen Bygdin mit der südlich dahinter liegenden Skeldrane. Mit Teleobjektiv habe ich auch die Torfinnsbu samt ihrem Bootsanleger am Bygdin tief unter uns fotografiert.

http://img18.imageshack.us/img18/7493/l1000511.jpg

Julia
08.07.2009, 13:19
Auf der (verwackelten..) Nahaufnahme sieht man auf halber Höhe des Abstiegs ein sommerliches Fleckchen mit "den vakre mogopen blomstrer" ;-) inmitten von Stein und Schnee.
Ich will ja nicht pingelig werden, aber das da ist Gletscherhahnenfuss (Issoleie auf Norwegisch) ;-). Die Blüte der Mogops ist längst vorbei (im Mai, rund Himmelfahrt), und die sieht anders aus (wie eine weisse Kuhschelle, ist sie ja im Grunde auch).

konamann
08.07.2009, 13:21
well done! sehr schön, bitte weitermachen ;-)

Julia
08.07.2009, 13:25
...Kurze Zeit darauf dachte ich schon, uns käme ein vereinzeltes Ren entgegen getrabt. Im nächsten Moment erkannte ich aber, dass es sich um einen Elch(!) handelte. :o Wie der sich ins Torfinnsdalen verirrt hatte muss mir mal jemand erklären. Vermutlich entlang des Bygdin auf der Suche nach leckeren Birkenblättern? Und dann durch irgendetwas verschreckt und falsch abgebogen? Der Kollege schien jedenfalls leicht desorientiert. Wir waren schwer beeindruckt von unserem Zoo und warteten auf die nächsten Überraschungen. Die scheuen Fjellgiraffen?
:bg: Fantastisch! Was für ein Erlebnis! Ja, Elche gehen vereinzelt sehr weit hoch ins Fjell. Ich habe von jemandem gehört, der einen Elch auf der Südseite des Gjende auf dem Gipfel des Eggen (2000 nochwas Meter) gesehen hat! Aber nur davon hören und selber sehen sind ja zwei ganz verschiedene Dinge :-). Glückwunsch!

Ausserdem kriege ich von Deinem Bericht einen Fjellsog nach Jotunheimen im Bauch, der ist unbeschreiblich. So viele Erinnerungen, und noch so viele Erlebnisse, die auf mich warten!

c.nick
08.07.2009, 13:27
...das da ist Gletscherhahnenfuss (Issoleie auf Norwegisch) ;-). Die Blüte der Mogops ist längst vorbei (im Mai, rund Himmelfahrt)

Damit wäre bewiesen, dass ich Nicht-Vegetarier bin :bg: Maaaann und ich war so stolz, dieses Blütendings in Deinem Buch gefunden geglaubt zu haben... Also Issoleie ;-) Hier noch eine Nahaufnahme des ominösen Gewächses.

Und auch noch ein Bild vom Torfinnsdalen-Elch. Und erzähl' mir jetzt bitte keiner, dass es sich eigentlich um eine ordinäre Milchkuh handelt :baetsch:

Mr.Sunrise
08.07.2009, 13:29
Wirklich ein schöner Bericht - da kommen direkt die Erinnerungen an meine Jotunheimentour von vor 2 Jahren wieder hoch!:bg:

Und ich bin gespannt auf die Bilder von der Fjellgiraffe!:grins:

Beste Grüße,
Daniel

Julia
08.07.2009, 13:30
Maaaann und ich war so stolz, dieses Blütendings in Deinem Buch gefunden geglaubt zu haben... Also Issoleie ;-)
Nicht traurig sein, die Issoleien haben wir doch auch in unseren Büchern ;-).

Ausserdem wachsen die am Abstieg vom Leirungsdalen ins Svartdalen in rauhen Mengen, und ich habe auch noch nie nirgendwo grössere und höhere Büsche gefunden als dort. Issoleieparadies :D.

c.nick
08.07.2009, 15:00
So, gestärkt durch einen guten Espresso geht's weiter...

Wir haben also zunächst auf ca. 1.500m Höhe, später eher auf der 1.400m Höhenlinie südlich den Torfinnstinden umrundet. Dabei hatten wir bei hochsommerlichen Temparaturen (sicher über 25°C) eine traumhafte Aussicht auf den herrlichen Bygdin. Der erstreckte sich von weit im Osten bis so weit in den Westen, dass wir die jeweiligen Enden nicht sehen konnten. Die Sicht über die Skjeldrane, das südlich des Sees gelegene Hochland, hat Lust gemacht, auch diese Gegend eines Tages zu erkunden. Auf unserer Route ging es aber ersteinmal über viele kleine und steile Moränenrücken sowie über und durch kleine Bergbäche westwärts in Richtung des Langedalen. Mit dem Fernglas konnte ich am Fuße des Langedalsåne zwar die auf der Karte dort eingezeichnete Sommerbrücke sehen, erkannte aber auch, dass sie an dem Tag (30.Juni) noch nicht installiert war. Wir wollten den Fluß ohnehin weiter oben und nördlich furten.

http://img38.imageshack.us/img38/3057/l1000525.jpg

Das erwies sich angesichts der Schneeschmelze als anstrengend. Zunächst einmal speist sich der Langedalsåne aus dem Langedalstjernet, der sein Wasser wiederum aus den ihn umrahmenden Midtre und Søre Langedalstinden und teils sicher auch aus dem Langedalsbrean bezieht. Ein ziemliches Einzugsgebiet also. Entsprechend gut gefüllt zeigte sich der Bergbach. Nach einigem Bergaufgehen glaubte ich ca. bei 1.400m Höhe eine Stelle gefunden zu haben, die mir einen Querungsversuch sinnvoll erscheinen ließ. Im Endeffekt war die Querung kein Problem - man muß nur genau hinsehen was man tut und dann auch konsequent rangehen.

http://img38.imageshack.us/img38/1314/l1000527.jpg

Für alle, die noch keine anstrengendere Querung hatten: Also Hosenbeine so hoch wie möglich, Rucksack-Hüftgurt öffnen, Brustgurt öffnen, Schultergurte etwas öffnen, Topgurte stramm ziehen, Trekkingstöcke ausfahren und fixieren - und dann über den 1m Schneerand hinab und hinein ins Getümmel. Wer schonmal ein Fuß- äh Beinbad bei 3°C Wassertemparatur genossen hat, kann sich die Glücksgefühle vorstellen. Was man auf den Bildern nicht ahnt ist die Wassertiefe. Insbesondere an den schmaleren Stellen. Irgendwo muß das Volumen ja hin. Die Watstelle war je nach Stein, den ich gerade oder auch nicht unter mir hatte, ca. Waden- bis Oberschenkel-tief und etwa 8m breit. Das war viel Wasser mit kräftigem Druck auf dem Weg ins Tal. Was man außerdem nicht sieht ist der Umstand, dass weitgehend Ufer noch von Schnee überhangen waren, bzw. der Bach seitliche Zuläufe zu haben schien, die meist noch schneeüberdeckt waren. Diesen Schneedecken war nicht zu trauen, so dass man manche an sich gute Watstelle eben nicht vernünftig erreichen konnte. However - Also beherzt die Stöcke schräg voran stemmen, Blick flußaufwärts, immer drei Punkte kräftig belasten während man ein Bein oder einen Stock neu gegen den Strom stemmt und sicher zu positionieren versucht. Das ganze natürlich nicht hastig aber konzentriert zügig. Auf der anderen Seite der obligatorische Männlichkeits-Schrei (wir Kerle brauchen das :bg: ) und dann raus aus der letztlich doch klitschnassen Hose, alles trocken gerubbelt und schnell in die noch trockene Regenhose, denn es sah nun dringend nach Sturm und Regen aus.

http://img520.imageshack.us/img520/8047/l1000529.jpg

Für meinen Freund Boris, der mich die ersten zwei Etappen begleiten wollte, war an der Stelle der Punkt zur Umkehr gekommen. Bis hierhin hatte er mich auf den Weg gebracht, was für die Tour sehr schön gewesen war. Von Torfinnsbu aus wollte er nun mit dem Boot zurück zur östlichen Anlegestelle des Bygdin und auf der RV51 zurück nach Gjendesheim. Wie er mir später erzählt hat, fuhr das Bygdin-Boot aber noch nicht. So musste er wieder durch das Torfinnsdalen hinauf zum Svartdalen, einmal übernachten und dann nördlich nach Gjendebu am Westende des Gjendesees hinabsteigen um dort das Boot zu unserem Ausgangspunkt in Gjendesheim nehmen zu können.

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Ein kurzes Thumbs-up und Winken, da wir uns aufgrund des Wasser-Getöses sowieso nicht verstehen konnten. Dann drehte sich jeder seinem Weg zu, der Regen setzte ein und während er bergab stieg, stapfte ich durch den Schnee bergauf.

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c.nick
08.07.2009, 19:24
Wie mir die Log-Daten der Bilder sagen, war das gegen 2pm. Wenn ich vorblättere sagen mir die weiteren Daten, dass ich an dem Tag noch ganze 7h vor mir hatte.

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Zunächst begann es also zu regnen und etwas zu winden. Für mich ging es hinauf zum Südufer des Sees Langedalstjernet und weiter über das Hochland zu den Galdebergtjerna Seen (plural, richtig?). So eindrucksvoll die Landschaft mit den steil aufragenden Wänden der nördlich gelegenen Berge auch ist, so mühsam wurde das Vorankommen durch den nassen, teils knietiefen Restschnee. Bei jedem Schritt sackte ich unterschiedlich tief ein, was es anfangs schwer machte, einen Geh-Rhythmus zu erlangen. Wenn aber der Rhythmus da ist - Schritt für Schritt für Schritt - dann driftet man ab in dieses meditative Genießen der Anstrengung, des Duftes dieser Natur, die je weiter man dort draußen ist, umso mehr nur einem selbst gehört oder man selbst umso mehr sich Teil all dessen fühlt, dicht daran zumindest, zugehörig, zwischen dem naßdunklen Boden und den triefenden Wolken. Schritt für Schritt für Schritt...

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Die Temperaturen müssen in der Zeit wieder auf ca. 15-18°C gefallen sein, denn ich habe mich mit meiner Wetterhose (Bergans Breheimen, Dermizax) und den Gamaschen sowie mit dem Stretch-Fleece unter der Wetterjacke absolut wohl gefühlt. Generell liegen mir kühlere Temperaturen mehr und wenn ich die Wahl hätte, dürfte es die Hälfte des Jahres Herbst sein.

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c.nick
08.07.2009, 19:27
Nachdem ich am Westufer des großen bläulich gefrohrenen Galdebergtjernet (auf 1.507m) vorbei war, begann der Anstieg zu einem steilen Sattel der diesen Teil vom Oksdalen trennt. Da das Oksdalen sich nach Westen (und damit zur Abendsonne) öffnet, war meine Spekulation, dass ich dort trockene und schöne Zeltmöglichkeiten finden würde. Julia hatte mir die Oksdalshøe auf der südlichen Seite zum Zelten empfohlen - aber das war bevor sie mein geplantes Reisedatum bemerkt hatte :grins: Ich war also echt gespannt und nach einer kurzen Pause zum Kräfte tanken mit ein paar Stück Beef Jerkey und einem halben Seitenbacher Fruchtriegel (wahnsinnig gut!) gings hoch in die letzten 200 Höhenmeter des Tages.

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Die letzten ca. 50 Höhenmeter habe ich als einigermaßen steil empfunden. (Hej - ich komme aus Hamburg...). Dieses Stück bestand natürlich wieder aus nassem aber scheinbar tiefem Schnee, denn am unteren Einstieg war ich teils bis zur Hüfte eingesunken. Da es am Hang nirgends Halt gab, galt es, mit den Schuhspitzen Trittmöglichkeiten wenigstens für den Vorfuß hinein zu treten. Das gab leider öfters mal erschreckend weit nach. Für besseren Halt habe ich die Trekkingstöcke auf 30 cm zusammengeschoben und immer auf Kopfhöhe in rechts und links tief in den Schnee geschlagen. Irgendwie habe ich diesem Hang nicht besonders vertraut, zumal ein Abrutschen erst unten am Geröllfeld jäh gestoppt wäre. Mit den Stöcken und der Steigtechnik ging es jedoch ganz gut.

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Der Blick über den Sattel offenbarte ein sehr schöne Aussicht in das Oksdalen 140 Höhenmeter unter mir. Allerdings hatte ich mich mit der Abendsonne und den trockenen Zeltmöglichkeiten ca. um weitere 150 Höhenmeter verkalkuliert. Die Zeltmöglichkeiten konnte ich erst jenseits des zugefrorenen und blau schimmernden Uksedalstjernet am breiten Ausgang des Tales erahnen. Bis dahin waren es noch 3 km und laut der Bilddaten 2 h durch weiterhin etwa knietiefen Schnee. Das klingt sicher nicht toll - aber ich habe diesen Abschnitt ehrlich genossen. Hier oben hatte ich das Gefühl tatsächlich und im Gegensatz zu anderen Tälern des Jotunheimen völlig alleine zu sein. Außerdem ging es immerhin bergab und auf mein Zelt zu, das im Geiste irgendwo dort vorne schon mit dampfendem Tüteneintopf auf mich wartete ;-)

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Gegen 8 pm habe ich dann das Oksdalen verlassen und das breite Tal des Flusses Høystakka mit dem schönen See Grønebergtjernet erreicht. Dieses Tal ist durchzogen von vielen kleinen und auch breiteren Bächen, Tümpeln und Schwemmflächen. Aber es gab eben hier und da auch malerische Fleckchen mit Gras oder Fjellflechten die zum Zelt aufschlagen einluden. Noch im oberen Teil des Hanges, der zum Tal hinabführt, hatte ich mit dem Fernglas ein grünes Tunnelzelt (vermutlich Namatj 3) auf einem sehr schönen Flecken Land zwischen zwei Flußläufen gesehen und davor jemanden mit einem roten Fleece oder roter Jacke. Ich habe nicht auf mich aufmerksam gemacht und da derjenige alsbald im Zelt verschwunden war, habe ich einen einigermaßen großen Bogen gemacht. Vielleicht liest der/diejenige ja mit?

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Ich jedenfalls hab nach einer weiteren kleinen Furt, für die nochmal die Stiefel gegen Tevas getauscht werden mußten, bald meinen eigenen Premium Zeltplatz gefunden, der mich schon so lange gerufen hatte. Ruckzuck stand das Akto und schmurgelte der Kocher vor sich hin. Das Licht nahm diese herrlichen skandinavischen Sommerabend-Farben an und ein Dreiviertelstündchen später war ich zufrieden mit der Welt in den Daunenschlafsack gekrabbelt. Ssssst - Zelt zu - ausatmen - einschlafen...

Julia
08.07.2009, 22:30
Julia hatte mir die Oksdalshøe auf der südlichen Seite zum Zelten empfohlen - aber das war bevor sie mein geplantes Reisedatum bemerkt hatte :grins:
Ich hatte Dir aber auch gesagt, dass das Oksdalen sehr steinig (Blockmark) ist, gelle ;-)? Also auch ohne den Schnee hättest Du da vor dem Talausgang nix gescheites zum Zeltaufbau gefunden, abgesehen von der genannten Oksdalshøe, d.h. oben im Sattel zum Galdeberget (da muss man zwar aus dem Tal noch mal 50-100 m hoch, aber ohne Schnee hätte sich das sehr gelohnt, und das Terrain ist mit einem Mal erstaunlich leicht begehbar, sobald man aus dem Tal rauskommt).

Witzig, dass Du die Høystakka am See gefurtet hast. Das haben wir auch mal gemacht (01. Oktober, von Gjendebu kommend und kurz vor dem Dunkelwerden), weil wir uns nicht sicher waren, ob die Sommerbrücke noch da war, die ca. 300-500 Meter weiter flussabwärts ist. Dort wäre aber kein Rüberkommen mehr gewesen, und wir wollten im Falle des Falles nicht wieder zurückmüssen. Die Brücke war natürlich noch da :bg: (haben wir ja dann wenig später festgestellt, als wir schon drüben waren). War bei Dir die Brücke noch nicht da? Die Route zwischen Fondsbu und Gjendebu geht da ja auch drüber, und das ist eine der Hauptrouten in dem Teil Jotunheimens. Das würde mich jetzt echt wundern...

Ausserdem ist das Oksdalen auch im Sommer wenig begangen. Den meisten (bequemen) Hütte-zu-Hütte-Norwegern ist die Etappe Fondsbu-Torfinnsbu nämlich zu lang und zu strapaziös. Und ausserdem, warum zwei Tage bis Gjendebu benutzen, wenn's direkt geht? Deshalb ist man dort fast immer allein.

PS: Die Region südlich des Bygdin ist sehr schön. Sie sei Dir ans Herz gelegt ;-).

c.nick
08.07.2009, 22:59
@Julia:
Jope - hattest Du präzise beschrieben. Hatte nur auf leichteres Vorankommen (ohne Schnee) gehofft und dann eben die Oksdalshøe zum zelten angepeilt. Schnee war eben Pech - obwohl auch das super schön war!


Witzig, dass Du die Høystakka am See gefurtet hast. Das haben wir auch mal gemacht (01. Oktober, von Gjendebu kommend und kurz vor dem Dunkelwerden), ... War bei Dir die Brücke noch nicht da?

Ich meine, ich habe bestenfalls einen Zufluß der Høystakka gefurtet. Da läuft ja einiges zusammen in der Ecke. Sowohl aus dem Oksdalen als auch aus Richtung Geithøe und Rundtom. Die Sommerbrücke habe ich weit und breit nicht gesehen, war aber aufgrund meiner Route auch eher gen Norden orientiert. Später habe ich andere Wanderer aus Fondsbu getroffen, die aber nicht über eine fehlende Sommerbrücke geschimpft haben. Also gehe ich mal stark davon aus, dass sie im Gegensatz zu der am unteren Ende des Langedalen schon aufgebaut war. Zumal die Route - wie Du schon sagst - viel frequentierter ist als die von Torfinnsbu kommende.

Die Zeltgelegenheit auf der Oksedalshøe muss in der Tat traumschön sein wenn der Schnee erstmal weg ist. Besonders weil man vermutlich einen tollen Rundblick über das ganze Tal der Høystakka und bis runter zum Bygdin haben dürfte... Ich glaube, da will man dann erstmal nicht mehr weg :D

c.nick
10.07.2009, 15:38
1. Juli

Der nächste Morgen war hell - sehr hell - und an Schlaf war für mich ab 7 Uhr nicht mehr zu denken. Also raus aus dem Zelt und die müden Glieder strecken. Vom knallblauen Himmel strahlte die Sonne. Herrlich! 360° im Kreis gedreht - keine Wolke, kaum Wind und der langsam sich aufwärmende Boden begann zu duften. Den Schlafsack zum Lüften auf dem Zeltdach ausgebreitet, frisches Wasser aus dem lokalen Bergbach geschöpft, Müsli aufgekocht. Tief einatmen und das schiere Dasein genießen. Beim Frühstück nochmal ein Blick auf die Karten geworfen. Es sollte weiter nordnordwestlich ins Raudalen und dort in Richtung Olavsbu gehen.

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Bald war das Zelt, die Schlafsachen und der Kocher wieder im Rucksack verschwunden und es konnte losgehen. Für alle, die die Route vielleicht auf der Karte mitverfolgen: Um Höhe zu sparen bin ich nicht entlang des DNT Pfades zwischen Rundtom und Geithøe erst 100 Höhenmeter hinab in Richtung Gjendebu gegangen nur um dann links ab also nordwestlich um die Geithøe herum wieder 100 Höhenmeter aufzusteigen. Stattdessen bin ich gleich westlich an der Geithøe vorbei direkt auf den südlichen Grisletjønnen zu gegangen. Das Gelände ist sehr einfach zu gehen und die Bäche so zahm, dass kein Schuhwechsel nötig war.

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Nach etwa einer Stunde hatte ich langsam den See erreicht und war wiedereinmal begeistert von der wunderbaren Aussicht. Nicht spektakulär aber weit und auf eine skandinavisch kühle Art lieblich. Im Osten verabschiedeten sich der eindrucksvolle Slettmarkkampen unter dessen Flanke ich durch das Oksdal gekommen war. Im Süden ließ ich das weite Becken des Grønebergtjernet und der Høystakka hinter mir, mit all ihren kleinen Zuflüssen, Tümpeln und Flecken von Restschnee neben ersten grünen Inselchen. Und vor mir lag nun dieser noch weitgehend mit Eis bedeckte und türkis schimmernde Grisletjønnen, hinter dem im Nordwesten die steile Südflanke des Store und Midtre Raudddalseggje den Weg wies. Wieder ein Ort zum Bleiben.

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Hier setzte allerdings auch der in der Sonne weich schmelzende Schnee wieder ein und wurde stetig dicker. Während ich unter den Augen der ortsansässigen Rentierherde den Grisletjønnen westlich umrundete begann mir dieser Schnee zum ersten Mal Gedanken zu machen. Von hier an würde ich mich die nächsten drei Tage ausschließlich oberhalb 1.400m Höhe bewegen und gen Westen war alles weiß. Na gut, dachte ich mir. Erst mal gucken, dann werde ich schon sehen, und dann schau' ich mal weiter... :-? In Richtung Rauddalen wurde es langsam zunehmend mühsam. Der Schnee wurde einerseits tiefer und unter der tatsächlich sengenden Sonne zugleich immer weicher. Es gab keine Spuren und jeder Schritt sackte knietief ein. Das Problem daran ist nicht so sehr die Mühe, sondern dass man am Boden schief am Gestein abrutschen und umknicken kann. Die Schritte wurden also langsamer und vorsichtiger.

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Eingangs des Rauddalen kamen mir schließlich ein Norweger und eine Schwedin entgegen gestapft. Nach dem üblichen woher und wohin zeigten sie sich froh das angeblich "gröbste" an Schnee hinter sich zu haben und rieten mir eindringlich ab, die Route fortzusetzen. Aha? Das habe ich bei Skandinaviern selten erlebt. Normalerweise ist immer alles "machbar". Die beiden waren schon um 3 Uhr aufgestanden und bei Olavsbu losgegangen, damit sie noch möglichst kalten und somit tragfähigen Schnee nutzen konnten. Und zwar - wie sie sagten - vor allem für die ein oder andere Schneebrücke über Bäche und die zahllosen Seen im Rauddalen. Diese hatten so gerade mal noch gehalten - Stunden zuvor. Zwischenzeitlich hatte die Sonne aber alles weiter aufgeweicht. Für einen Sologänger sei dies ein Risiko. Hmm - ich war die Strecke noch nie zuvor gegangen. Meistens ist es dann gut auf solche Ratschläge zu hören. Ein Blick auf die Karte sagte mir, dass ich damit ca. 3 Tage meiner geplanten Route würde abschneiden müssen. Nicht schön. Erstmal dankte ich also für den Rat, versprach vernünftig zu sein aber wollte mindestens einmal weiter hoch ins Tal schauen.

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Eine halbe Stunde später war ich schon ein paar Mal bis zum Oberschenkel und einmal - offenbar über einem überschneiten Bach - bis zum Rucksack eingesackt. :hahaa: Da hatte ich eine Weile gebraucht, um wieder hoch zu kommen :motz: Wieder eine halbe Stunde später stand ich vor einem Schneefeld, das hinter einem Bach mit ca. 1m Dicke begann und bergan führte. Darunter mußte wieder irgendwo ein Bach verlaufen. Die Fußspuren des Paares hatten sich angesichts der Sonne schnell verloren. Dieses Schneefeld war irgendwo auf einer Fläche von vielleicht 8x5 Metern tief in sich eingesackt - ganz ohne Fußspuren. Über tragfähige Schneebrücken brauchte ich mir demnach wohl tatsächlich keine Gedanken mehr zu machen. Gerade mal zu viel Schnee also um den festen Boden erkennen zu können, aber andererseits zu wenig fester Schnee um diesem wiederum vertrauen zu können. :( Doofes Pech das - aber an dem Tag nicht zu ändern. Es war wohl genau die falsche Woche. Also kehrte ich einigermaßen enttäuscht um. Die Nachteile wenn man alleine unterwegs ist...

c.nick
10.07.2009, 18:41
Das gute an dieser Routenänderung war, dass ich auf diese Weise endlich einmal die hübsche DNT Hütte Gjendebu kennengelernt habe. Vom Grisletjønnen hatte ich die Geithøe nun nördlich und talabwärts passiert und schon bald konnte ich am Ende des Vesladalen das Westende des Gjende sehen.

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Der Fluß Vesleåe sprudelte vor Schmelzwasser, die Sonne tat weiter ihr Bestes und alles glänzte wie aus dem Ei gepellt. Offenbar sollte mir die Enttäuschung versüßt werden. Nach etlichen Höhenmetern talabwärts und einer nicht in meiner Karte verzeichneten Brücke begann ein hübscher Birkenwald und irgendwann konnte ich die schönen, alten, dunklen Holzhäuser von Gjendebu durch die lichten Bäume sehen. Viel kleiner als das große Gjendesheim am anderen Ende des Sees. Malerisch.

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In Gjendebu traf ich das norwegisch/schwedische Paar wieder. Wir bestellten jeder ein sündhaft teures aber kaltes Bier und machten zusammen ein Stündchen Pause von der Hitze. Ich kann es nicht genau sagen, denke aber dass es gut über 25°C warm war. Auf der Karte sah ich mir meine Optionen an und entschied, noch am Abend das Storådalen hinauf und dann hoch auf die Memurutunga zu steigen um dort zu zelten.

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Das Storådalen hat mir unglaublich gut gefallen. Der Fluß Storåe tobte und schäumte vor Schmelzwasser. Glänzendes Türkis und Weiß und ohrenbetäubendes Rauschen wo der Weg unmittelbar am Fluß entlang führte. Grandios. Von den Flanken des Tals überschlugen sich steile Abflüsse der hoch gelegenen Seen hinunter in die Storåe. Nach zwei Dritteln des sanft ansteigenden Tals erreichte ich die Schutzhütte Storådalsbue von der rechterhand ein DNT Pfad die Ostflanke des Tals ca. 300 Höhenmeter hinauf zur Memurutunga führt.

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c.nick
10.07.2009, 18:55
Meter für Meter wurde die Aussicht besser. Zunächst konnte man den Hellerfossen unterhalb des Hellerkampen am nördlichen Ende des Storådalen erkennen, einen mächtigen Wasserfall vom Hellertjønne in die Storåe. Dahinter war schon wieder alles weiß. Jotunheimen scheint tatsächlich in Bezug auf die Schneeschmelze und vermutlich auch hinsichtlich des Wetters klar west-ost-geteilt zu sein. Einige Höhenmeter weiter eröffnete sich immer mehr der Blick zurück auf die Gjendetunga und die Berglandschaft in der ich noch den ersten Teil des Tages verbracht hatte. Auf gleicher Höhe war dort alles weiß, während es hier nur vereinzelte Restschneeflecken gab.

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Das Bild war schön, der Umstand aber schade. Also wollte ich nun nach vorne sehen, nach Osten, und war gespannt darauf, zum ersten Mal südlich 500 Meter tief unter mir den türkis leuchtenden Gjende zu entdecken. Doch das Hochland der Memurutunga ist ziemlich weitläufig und zunächst führte der steinige Pfad so weit nördlich, dass vom Gjende nichts zu sehen war. Das war aber mein Ziel. Ich wollte diesen Tag mit einem schönen Fleckchen für das Zelt beenden.

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Also ging ich weiter und weiter obwohl die Sonne langsam mit Untergang drohte. Irgendwann passierte ich die Wegkreuzung, die nach Süden den berüchtigten Bukkelægret hinab zum Gjende führt. Dies ist wohl die steilste vom DNT markierte Route. Sie ist stellenweise mit Ketten ausgestattet, an denen man sich sichern kann. Wer die sich berührenden Höhenlinien (je 20m) auf der Karte betrachtet, der ahnt wie steil die Passage sein muß. Nicht mein Ding heute Abend...

Für mich ging es stattdessen weiter nach Nordosten zum etwas tiefer gelegenen Teil der Lågtunga in Richtung des Sjugurdtinden und bald fand ich den gesuchten Platz für mein Zelt. Guter Boden, etwas erhöht, fließendes Gewässer in der Nähe und eine Aussicht auf die nördlichen Gipfel, für die man hätte Kinokarten verkaufen können. Na also.

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Kurz darauf stand das Akto, die Uhr zeigte Punkt 11pm, auf dem Kocher blubberte Rindfleischtopf "Modell Försterin" (oder so) , der Rücken lehnte am nächstbesten Fels, die müden Füße freuten sich über eine Kiefernölbehandlung während vor dem Zelt auf der anderen Seite des stillen Bergsees der Nachthimmel über den Bergen in Flammen stand.

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Einstimmiger Beschluss: Mehr geht nicht.

c.nick
10.07.2009, 23:28
2. Juli

Der darauffolgende Tag begann so grausam wie der letzte. Sonne satt um 7am... Wieder keine Wolke am Himmel, wieder Windstille, wieder dieser herrliche Fjellboden-Duft. Allerdings war ich von den 16 Stunden am Vortag doch ziemlich geschafft. Fussmassage hin oder her...

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Die Memurutunga ist tatsächlich ausgesprochen sehenswert. Die Aussichten auf die Berge und die tief in die Täler geschnittenen Flüsse und den Gjende See sind einfach großartig. Schön vor allem, dass dieser Abschnitt bei weitem nicht so frequentiert ist, wie der berühmte Besseggen, der ein paar Kilometer weiter östlich am selben Nordufer des Gjende verläuft. Vor ein paar Jahren hatte ich dort bestimmt 30-40 andere Wanderer auf der Tagestour von Memurubu nach Gjendesheim getroffen. Hier begegneten mir nur zwei Personen während des Vormittags auf dem Weg zum Sjugurdtinden und dort beim Abstieg nochmal zwei weitere. Die Aussicht entlang des langgestreckten Gjende ist ähnlich schön wenn auch richtungsbedingt nicht eingerahmt von den vielen schneebedeckten 2.000ern, die man vom Bessegen aus rund um den See sieht. Dafür steht man hier ja quasi schon mittendrin.

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Auf dem Sjugurdtind am östlichen Ende der Memurutunga steht man ca. 300m über den privat bewirtschafteten Hütten Memurubu. Unter einem fließt die mächtige Muru, der Fluß des Memurudalen, die sich aus den großen Gletschern Vestre und Austre Memurubrean sowie aus dem Hinnotetjønne und dem Hinnotebekken unterhalb der Memurutunga speist, weiß und türkis brausend in den Gjende.

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Man kann gut sehen wie die mitgewaschenen Sedimente den Gjende an dieser Stelle noch heller und noch intensiver türkis färben als er ohnehin schon ist. Der Abstieg ist steil aber unproblematisch solange man es schafft, den Blick vom See loszureißen und auf den nächsten Tritt zu richten.

Memurubu finde ich an sich nicht wirklich schön. Es ist mir persönlich im Vergleich zu anderen Hütten zu groß und ein Stück zu modern. Dafür ist es aber schön gelegen und bietet unten direkt am See eine große Wiese auf der auch schon einige Zelte standen. Die üblichen Verdächtigen: Fast ausnahmslos Hilleberg und Helsport. Mich zog der See magisch an.

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Schon stand der Rucksack im Gras, die Klamotten landeten daneben und ich direkt im kühlen Nass. Herrlich frisch. So frisch, dass sich das Vergnügen auf höchstens eine Minute ausdehnen lies. Danach wurden Socken, T-Shirts, Stretch-Fleece und Shorts nacheinander gewässert und gewrungen. Anschließend nochmal der Kerl ins Wasser und dann alles zum Trocknen in die Sonne - wunderbar. Sommerurlaub. Was für ein Kontrast zum Schnee und Regen zweieinhalb Tage zuvor... Und sssst war ich eingeschlafen...

Später beschloss ich, diesen Tag als Ruhetag zu betrachten, stellte mein Akto auf und schlenderte hinauf zum Haupthaus. Dort kam ich schnell ins Plaudern mit Anderen, die sich nach dem Woher und Wohin erkundigten und natürlich Tips für meine weitere Route hatten. Später fand ich einen der Bildbände, die Julia und ihr Mann herausgebracht haben. Ich lies mich in eines der gemütlichen Sofas fallen, trank eine Solo (norwegische Fanta) und stöberte langsam durch das dicke Buch. Ich kann nur sagen: Wer das norwegische Fjell liebt, der findet in diesen Bildbänden den Urlaub für den Rest des Jahres, den man nicht im Norden sein kann. Erstklassige Fotografien, umfassende Texte (komplett norwegisch), detaillierte Routenbeschreibungen, Landkarten mit DNT Routen und viele eigene Routenempfehlungen nebst Bezeichnung schwieriger Passagen, und vieles mehr. Große Klasse.

Nach dem Geschmöker (norwegisch kann man einigermaßen entschlüsseln) verzog ich mich schon gegen 9pm in meinen Schlafsack. Gegen die Abendsonne zog ich meinen Buff über die Augen und war schon eingeschlafen bevor ich überhaupt an irgendetwas zurückdenken konnte.

c.nick
11.07.2009, 17:12
3. Juli

Kaum nimmt man sich einen halben Tag Auszeit, schon kommt man am nächsten Morgen nicht aus'm Quark. Eigentlich hatte ich aufbrechen wollen noch bevor das erste Boot von Gjendesheim die erste Gruppe Wanderer nach Memurubu brachte. Daraus wurde nix. Meine Augenbinde hatte sich über Nacht gut gehalten und so habe ich geschlafen wie ein alter Stein... Beim Frühstück konnte ich die Neuankömmlinge beobachten, wie sie mit ihren beneidenswert kleinen Tagesrucksäcken aber auch einige mit großen, offenbar für viele Tage gepackten Trekkingrucksäcken vorbeitrotteten. Erst gegen 9am hatte ich dann Zelt und Sachen im eigenen Rucksack verpackt. Die meisten Wanderer waren zwischenzeitlich vorausgegangen und so machte ich mich nun fast alleine auf den Weg. Wieder war es schon morgens richtig heiß.

Von früheren Bessegenausflügen wußte ich, dass die 400 Höhenmeter Anstieg von Memurubu hinauf Richtung Russvatnet es ordentlich in sich haben. Also ging ich den Anstieg in aller Ruhe an. Der Blick zurück auf den Gjende, den Sjugurdtind ist eines der Bilder, die mir schon vor Jahren nicht mehr aus dem Kopf gingen. Wie ein steiler Keil klemmt der Sjugurdtind als Vorposten der Memurutunga zwischen das Memurudalen und den Gjende. Wann werde ich wohl das nächste Mal diese Aussicht genießen können?

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Gegen halb 11am eröffnete sich vor mir das Tal, dass unterhalb der mächtigen Besshøe (2.258m), hinab zum Russvatnet (1.175m) führt. Dieser herrliche See bildet einen langgestreckten Bogen zwischen Bessfjellet im Südosten und dem Austre Surtningsue im Westen sowie dem weitgestreckten Russfjellet im Norden.

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An seiner Südspitze thront der Gloptinden (1.678m), den mir Julia als Abstecher empfohlen hatte. Wie ich nun sehen konnte, muß das wieder ein ausgezeichneter Tip sein. Shame upon me - aber ich konnte mich bei der Hitze beim besten Willen nicht aufraffen noch weiter bis auf dessen Spitze aufzusteigen. Später konnte ich von der anderen Seite ahnen welch grandiose Aussicht man von dort oben haben muss. Ihr könnt es auf den Bildern sicher nachvollziehen. Und während ich heute hier sitze und den Bericht tippe kann ich es kaum fassen, dass ich mir das habe entgehen lassen. :nixda: Selber schuld.

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Was soll ich sagen - der Russvatnet ist ein Traum. Man umrundet ihn zunächst am Westufer wo man hier und da und besonders schön an der kleinen Landzunge Sundodden wunderbare Kieselstrände zum Baden findet. Das habe ich angesichts der Temparaturen auch ausgiebig genutzt. Der See war durch das Wetter der letzten Tage so "warm", dass ich tatsächlich ein paar (wenige :grins:) Züge schwimmen konnte.

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Kurz nach Sundodden führt der DNT Pfad ca. 150 Höhenmeter hinauf ins Tal der Blåtjønnåe, einem wild schäumenden Bergbach der dem höher gelegenen Blåtjønnet und der Blåtjønnholet als Abfluss in den Russvatnet dient. Die Sommerbrücke darüber ist sehr sehenswert und angesichts des reißenden Baches war ich froh, dass diese Sommerbrücke im Gegensatz zu der am unteren Langedalen bereits installiert war. Auf diesem Stück begegneten mir zweimal Gruppen von 4 und 6 Wanderern, die jeweils aus Glitterheim in Richtung Memurubu unterwegs waren.

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c.nick
11.07.2009, 17:13
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Um nicht noch weitere 200 Höhenmeter in Richtung Glitterheim hinauf zu müssen bog ich kurz nach der Brücke nach Osten ab und stieg am Hang entlang quer durchs Gestrüpp. Das war zwar einigermaßen unwegsam, brachte mich aber bald wieder auf den anderen DNT Pfad in Richtung Russvasbue.

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Dieser führte nun ca. 250 Meter hoch über dem Russvatnet mit wunderbarer Aussicht nach Süden bis zur zweiten Sommerbrücke über den nicht minder spektakulären Tjønnholåe. Erst danach biegt der Pfad wieder hinunter direkt an den See, wo es wiederum herrliche Stellen zum Baden gibt. Da schon wieder ein paar Stunden vergangen waren und die Sonne nach wie vor heiß vom Himmel brannte, war eine weitere Schwimmpause obligatorisch. Neben der wunderschönen Landschaft war das absolut das beste am ganzen Tag. :D

Eigentlich hätte ich auch hier schon die ein oder andere gute Stelle für die Nacht gefunden. Aber ich hatte die Empfehlung bekommen, bis zum Ende des Sees zu gehen. Kurz nach der Ganzjahresbrücke über die Russa sollte ich auf der Südseite ebenfalls schönste Strände und gute Zeltmöglichkeiten finden können und darüber hinaus einen einzigartigen Blicke entlang des Sees haben. Darauf freute ich mich nun. Es würde der letzte Abend dieser Tour werden und da war ein besonders schönes Fleckchen gerade richtig.

http://img11.imageshack.us/img11/1327/l1000864.jpg

Eineinhalb Stunden später konnte die Wirklichkeit locker mit der Empfehlung mithalten. Kurz nach der hölzernen und urigen Russvassbu überquert man mittels Ganzjahresbrücke den Fluss Russa. Auf der Südseite beginnen unmittelbar zwei langgestreckte Kieselstrände mit kleinen, von niederem Gestrüpp umwachsenen Zeltmöglichkeiten auf weichem Grasboden. Perfekt.

http://img38.imageshack.us/img38/2560/l1000881.jpg

Man hat im DNT offenbar seit einiger Zeit hin und her diskutiert, ob Russvassbue ebenfalls als DNT Hütte angemietet / gekauft und ausgebaut werden sollte. Der Grund ist die doch von manchen als zu lang empfundene Tagesetappe von Gjendesheim nach Glitterheim, die hier unmittelbar vorbei führt. Russvassbue befindet sich ungefähr auf halber Strecke, liegt traumhaft schön und bietet sich somit tatsächlich an. Ich für meinen Teil würde in dem Falle hoffen, dass man den urigen Charakter der Hütten möglichst beibehält - ähnlich wie in Gjendebu. Na, wir werden sehen.

http://img269.imageshack.us/img269/6130/l1000871.jpg

c.nick
11.07.2009, 17:25
Ein weiteres Mal wurde die Hitze des Tages im kühlen Russvatnet gelöscht, anschließend noch ein bisschen auf der Isomatte die warme Abendsonne genossen und dann bald das Zelt aufgestellt.

http://img9.imageshack.us/img9/4340/l1000885.jpg

Kurz darauf bemerkte ich, dass am Ufer gegenüber Leben in der Russvassbue herrschte. Dort war jetzt offenbar auch Zeit für's abendliche Bad. Angenehm, dass die Distanz gerade groß genug ist, um sich nicht gegenseitig zu stören. Ich befeuerte meinen Trangia, setzte mich auf einen der Steine, löffelte bald einen leckeren Elchfleischeintopf mit Preisselbeeren. Norwegische Idylle.

http://img193.imageshack.us/img193/2469/l1000884.jpg

Später sah ich einen junger Mann mit Trekkingrucksack aus Richtung Gjendesheim die Brücke zur Russvassbue hinübergehen. Die Leute dort konnte ich auf ihrer zurückgezogenen Veranda erahnen. Der Wanderer spazierte geradewegs auf den Rasen zwischen den Hütten und machte Anstalten, genau dort sein Zelt aufzustellen. Offenbar hatte er mich zuvor bemerkt und wollte mir nicht als Nachbar auf die Pelle rücken. Umso erstaunter war ich, dass er sich nicht im Mindesten um die Hütten scherte. Nach wenigen Minuten waren die Hüttenbewohner aufgestanden und auf den dreisten "Kollegen" zugegangen. Der Gestik konnte ich entnehmen, dass man dem jungen Mann offenbar nahelegte, bitte ein Stück weiter am See entlang einen Zeltplatz zu suchen. :roll: Die Diskussion dauerte überraschend lange, dann trollte sich der Wanderer samt Rucksack in die empfohlene Richtung. Mir gefällt es nicht, wenn Leute, die zur gleichen Gruppe wie ich gezählt werden, sich so daneben benehmen. Gerade wenn man bestrebt ist, sich gegenüber den wenigen Menschen in dieser wunderschönen aber doch von Touristen frequentierten Region, möglichst dezent zu verhalten. Schließlich will man nicht als Plage empfunden werden, sondern auch in Zukunft noch auf entspannte und freundliche Einheimische treffen. Nun, der Wanderer dürfte aus der Situation sicher gelernt haben.

http://img9.imageshack.us/img9/9467/l1000888.jpg

Als es später endlich kühler wurde nahmen leider die Mücken überhand. Zuerst versuchte ich noch, mich mit der schon in den vergangenen Tagen verwendeten Lotion von BugBand zu verteidigen, gab aber bald auf und krabbelte lieber ins Zelt. Rein in den Schlafsack, den Buff über die Augen gezogen und weg war ich auch schon.
:sleep:

c.nick
14.07.2009, 20:27
4. Juli

Am liebsten wollte ich den Weg rückwärts zurück laufen statt mich auf die letzte kurze Etappe zu machen... Ein letztes Frühstück mit Blick über die herrliche Landschaft, ein letztes Zusammenpacken des Zeltes, dann ging es los. Von der Hütte am gegenüberliegenden Ufer kam ein freundliches Winken als Gruß und gute Wünsche für den Weg.

http://img339.imageshack.us/img339/4360/l1000913.jpg

Die kurze Strecke vom Russvatnet über das Besstrondfjell am Bessvatnet vorbei, das Veslefjell streifend und hinab nach Gjendesheim ist hübscher als ich erwartet hatte. Die Ausblicke ins Sjodalen sind trotz der irgendwann erkennbaren RV51 wirklich schön und insbesondere der Bessvatnet mit der dahinterliegenden Besshøe lockt zu weiteren Abstechern.

http://img195.imageshack.us/img195/4469/l1000903.jpg

http://img195.imageshack.us/img195/1970/l1000908.jpg

Nach gefühlten 3-4 Stunden (die Batterie meiner Uhr hatte in der letzten Nacht offenbar aufgegeben) kam ich in Gjendesheim an. Wie beim Aufstieg von Memurubu Richtung Bjørnbøltjønne hatte man auch hier die vielen von Wanderern ausgetretenen Pfade durch gezielt aus Naturstein angelegte Stufen und kleine Blockaden rechts und links auf einen Pfad verdichtet. Zu Gunsten der Natur. Ungewohnt zwar - aber angesichts der wirklich vielen Ausflügler im Bereich der stärker frequentierten Hütten durchaus verständlich.

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Als ich den Parkplatz sehen konnte traute ich meinen Augen nicht. Voll. Offenbar hatte die Hitze in den tief gelegenen Tälern die Menschen scharenweise in die Berge getrieben. Nun - das Thermometer an der Hütte zeigte ebenfalls immerhin 25°C. Im Schatten. Zum Glück hatte ich keine Lebensmittel im Auto gelassen.

So endete diese wunderbare - aber durch die erzwungene Abkürzung am Rauddalen viel zu kurz geratene Tour am sechsten Tag. Als ich kurz darauf in Gjendesheim unter die Dusche stieg, deren Warmwasser trotz 10 Kronen Stück nicht funktionierte, habe ich es erst garnicht bemerkt :-)

eumel66
14.07.2009, 20:59
Hi Christian,

besten Dank für den sehr ausführlichen Bericht und die tollen Fotos. Scheint doch eine sehr schöne Tour gewesen zu sein!

Wir sind ab dem 22.08. im Jotunheimen unterwegs und hatten ursprünglich fast die gleiche Tour geplant, bis auf den Abstecher zum Bygdin.
So wie es jetzt aussieht werden wir die von Dir ursprünglich geplante Tour laufen, hoffentlich mit weniger Schnee :o

Grüße Dirk

c.nick
14.07.2009, 20:59
Nochmal besten dank für die vielen guten Tips, die Ihr mir bei der Vorbereitung der Tour gegeben habt. Es ist toll, auf solche Erfahrungen zurückgreifen zu können.

Ich habe die Tour als nahezu perfekte Runde empfunden, zumal man durch den langgestreckten Gjende See und den Bootspendelverkehr tatsächlich von fast jedem Punkt der Tour binnen eines Wandertages zurück zum Ausgangspunkt gelangen kann, falls es einmal ein größeres Problem geben sollte.

Bei etwas weniger hochsommerlichen Temperaturen hätte ich sicher auch den ein oder anderen Abstecher auf die von Julia empfohlenen Bergspitzen gemacht. Im Einzelnen waren das der Knutsholstinden im Svartdalen, der Galdebergtinden zwischen Oksdalen und Bygdin, die Oksedalshøe und der Gloptinden oberhalb des Russvatnet. Unterwegs haben zwei Mädels noch vom Surtningssue östlich des Memurudalen und vis-à-vis der gigantischen Austre und Vestre Memurubrean geschwärmt. Jede Menge Spielplätze also - nur vielleicht besser 2 Wochen + X später im Jahr ;-)

Mein nächster Urlaub ist im September und dann....

Lümmel
14.07.2009, 21:01
Neid! Einfach, blanker, purer Neid! Weil ich dieses Jahr wohl nicht rauskomme. So eine Sch... :motz:

Wunderschöne Bilder, schöner Bericht!

Gruß,
Lümmel

c.nick
14.07.2009, 21:08
So wie es jetzt aussieht werden wir die von Dir ursprünglich geplante Tour laufen, hoffentlich mit weniger Schnee :o

Ach - bis dahin sollte doch alles bestens sein. Es war ja wirklich nur an den falschen Stellen gerade mal zu viel um den Untergrund einschätzen zu können und gerade mal zu wenig um den Schneebrücken vertrauen zu können. Und hauptsächlich auch nur in meiner Einschätzung weil ich eben solo unterwegs war. Zu zweit empfinde ich das als viel weniger problematisch weil man sich helfen oder Hilfe holen kann. Vielleicht werdet ihr im Urdadalen (lange Restschnee) noch was haben, vielleicht auch stellenweise mal bis zum Knie oder so. Aber solange die Flussläufe erkennbar sind ist ja alles gut.

Viel Spass jedenfalls und macht mich dann mit Bildern meiner "fehlenden" Etappen neidisch!!

Gruß Christian

Susanne
15.07.2009, 08:51
Hi Christian,

danke für den tollen Bericht und die schönen Bilder. 5 Sterne von mir! 5sterne Da hast du ja wirklich Traumwetter (von den Temperaturen mal abgesehen ;-)) gehabt. Kann Deine Bedenken wegen der Risiken einer alleinigen Flussüberquerung bestätigen. Bin deswegen auch schon mal umgedreht an einer Stelle, die zu zweit locker machbar gewesen wäre.

Gruß Susanne

Julia
16.07.2009, 08:25
Super Christian! War jetzt ein paar Tage in Deutschland und anschliessend auf Fotomission rund um Jotunheimen und im Rondane und habe mir nun heute morgen, während Mann und Besuch noch schlafen, ein wenig Alleinzeit am PC abgezweigt und genüsslich Deinen fantastischen Bericht zuende gelesen und inden Fotos geschwelgt. In den nächsten 5 Wochen geben sich hier die Leute die Klinke in die Hand, da wird es weniger PC-Zeit geben.

Ich bin begeistert und würde am liebsten sofort selber loslaufen! Ich finde Jotunheimen einfach so schön und bin so glücklich darüber, so nah zu wohnen. Allerdings verleitet das auch immer zu Abstechern und Kurztrips. Ein-zwei Wochen Rucksackwandern in der ganzen Herrlichkeit ist leider schon lange her (und mit kleinem Kind auch wieder noch ein paar Jahre hin). Aber man nimmt, was man kriegen kann ;-)!

Ich freue mich sehr, dass Du so eine schöne Tour hattest! Und ich finde auch, dass man lieber abkürzen und umplanen sollte, wenn die Verhältnisse nicht danach sind. Sonst kann es wirklich schief gehen. Das hast Du also gut gemacht :D! Herzlichen Dank für den wunderschönen Bericht!

Dogeared
16.07.2009, 13:50
Hallo Christian!


Ich habe gerade Deinen Bericht gelesen und finde ihn einfach toll! Und die Photos gleich dazu! Als wie schwer würdest Du Deine Tour denn einstufen? (Orientierung, Wegbeschaffenheit etc.)

Hoffe Du bist bald wieder unterwegs und sendest uns wieder so tolle Berichte samt Photos!

Grüße
Charlotte

c.nick
16.07.2009, 14:25
Als wie schwer würdest Du Deine Tour denn einstufen? (Orientierung, Wegbeschaffenheit etc.)

Hallo Charlotte

ich empfinde die Tour als einfach bis mittel.

Zur Orientierung:

Die grobe Orientierung ist sehr einfach. Zum einen führen einen die Täler durch die man geht, zum anderen sind die umliegenden Berge sehr markant. Verlaufen ist also unwahrscheinlich. Zusammen mit der Wanderkarte also garkein Problem. Außerdem ist die Karte zur Einschätzung von Distanzen nützlich und natürlich interessant, um das Gelände auch mal "von oben" verstehen zu können und alle Namen der Täler und Berge etc. zu sehen. Kompass habe ich in keiner Weise gebraucht. Der wäre nur bei der ausgibigeren Navigation abseits der DNT Pfade erforderlich gewesen. Vor allem wenn's nebelig geworden wäre.

Im Detail ist die Orientierung anhand der sehr guten Pfad-Markierung durch Steinmännchen und DNT Zeichen (rotes T auf Stein gepinselt) gegeben. Außerdem ist auf 95% der Strecke der "Pfad" bestens erkennbar. Dort wo er mal nicht zu sehen ist, ragen sicher zwischenzeitlich die Markierungen aus dem Schnee. Mein Problem hinsichtlich des Nicht-einschätzen-könnens des Untergrundes bzw. der nicht gegebenen Tragfähigkeit etwaiger Schneebrücken an der ein oder anderen Stelle dürfte eigentlich nur zu einer kurzen Zeit des Jahres auftreten - und die habe ich wohl mit schlafwandlerischer Zielsicherheit getroffen :roll:

Zur Wegbeschaffenheit:

Im wahrsten Sinne "über Stock und Stein". Trekkingstiefel mit hohem Schaft, der den Knöchel schützt und vor Umknicken bewahrt sind Pflicht. Außerdem solltest Du in jedem Fall eine schon relativ steife Sohle wählen. Zum Vergleich: Ich war mit meinen Hanwag Banks GTX unterwegs, von denen ich rund um begeistert bin. Eventuell hätte ich mir eine ETWAS steifere Sohle gewünscht. Wenn Du allerdings nicht Zelt und Verpflegung usw. tragen mußt, weil Du vielleicht von Hütte zu Hütte gehst (und keine Abstecher auf höhere Gipfel unternimmst), dann würdest Du die Sohle auch gewichtsmäßig weniger belasten und könntest mit einem tendenziell "weicheren" Schuh wie dem Banks GTX sehr gut auskommen.

Sumpfig ist es eigentlich nirgends gewesen. Aber im Schnee - besonders wenn er nass ist - sind auf längere Sicht leichte und atmungsaktive Gamaschen empfehlenswert.

Die zahlreichen flachen Bäche konnte ich mit den Goretex-Stiefeln einfach durchlaufen oder vielleicht von Stein zu Stein steigen auch wenn dabei die Stiefel mal überspült wurden. Da ist das Gore-Material einfach unproblematisch. Bei 3 oder 4 tieferen Bächen mußte ich auf Teva Sandalen ausweichen und würde die auch jedem für Touren in Norwegen immer ans Herz legen. Man hat eine verhältnismäßig gute Fixierung des Fußes in dieser Art Sandale und durch die feste Sohle hat man einen schmerzfreien Stand im steinigen Bachbett. (gut - abgesehen von der KÄÄÄLTE :bg:) Die Bäche können übrigens auch außerhalb der Schneeschmelze mal mehr Wasser führen, wenn es nämlich mal amtlich geregnet hat! Wäre die eine breitere und tiefere Durchquerung noch etwas haariger gewesen, dann hätte ich vermutlich die Goretex-Stiefel anbehalten und hätte sie anschließend mit trockenen Socken "trockengelaufen". Das funktioniert mit Lederstiefeln nicht so toll. Will sagen: wohl garnicht.

Als sehr angenehm empfinde ich immer wieder dieTeleskop-Trekkingstöcke. Hauptsächlich weil durch die laufende Bewegung der Arm- und Schulterpartie all die kleinen Rücken- und Nackenmuskeln auch bei längerem Laufen locker bleiben und nicht verkrampfen. Nebenbei werden die Knie entlastet und man kann besonders beim Abstieg und natürlich beim Durchwaten tieferer Bäche einen sichereren Stand realisieren. Aber Stöcke sind für jeden Geschmackssache.

Huch :ignore: jetzt bin ich von "Orientierung" und "Wegbeschaffenheit" ganz schnell auf Material gekommen... Aber vielleicht hilft Dir ja auch das bei der Einschätzung.

Dogeared
16.07.2009, 14:33
Hallo Christian!

Vielen Dank für die Infos - das hat mir schon einmal sehr geholfen! Ich bin momentan auf der Suche nach einer Tour und da ich noch Trekking-Anfänger bin, muss ich immer abschätzen, ob ich mir das auch wirklich zutraue. Die Runde klingt also für meine nächste oder übernächste Tour machbar.

Meinst Du man sollte eher etwas früher im Juli oder lieber später im August hinfahren, damit man der ganz schlimmen Wärme (25°C sind nicht so mein Traum, jedenfalls nicht mit einem Rucksack auf dem Puckel ^^) und aber auch der Schneeschmelze oder zu hohem Schnee entgehen kann?

Was hattest Du für einen Schlafsack mit in der Zeit?

Wanderstiefel sind bei mir die: Meindl Maine GTX Lady (nach meiner Einschätzung haben die eine mittelharte Sohle)

Vielen Dank für die Infos schon einmal!

Grüße
C.

Julia
16.07.2009, 14:34
Wäre die eine breitere und tiefere Durchquerung noch etwas haariger gewesen, dann hätte ich vermutlich die Goretex-Stiefel anbehalten und hätte sie anschließend mit trockenen Socken "trockengelaufen". Das funktioniert mit Lederstiefeln nicht so toll. Will sagen: wohl garnicht.
Wieso nicht?

(Und sind nicht Goretex-Stiefel aussen auch aus Leder?)

Susanne
16.07.2009, 14:41
Ich glaube Christian spielt auf komplette Lederstiefel an, die auch innen ein Lederfutter haben. Wenn die mal nass sind, gute Nacht Marie! Die bekommt man nicht mal eben so trockengelaufen. :(

Dogeared
16.07.2009, 14:43
Oh, nur mal OT als Zwischenfrage: Reicht es, wenn ich meine Trekkingstiefel mit so einem Nano-Spray von Collonil imprägniere?

Susanne
16.07.2009, 14:45
Was hast Du denn für Trekkingstiefel?

Dogeared
16.07.2009, 14:46
Meindl Maine GTX lady

Susanne
16.07.2009, 14:54
Die habe ich auch, allerdings in der etwas höheren Mid-Version. Allerdings habe ich die nur für Touren im flachen Mecklenburg-Vorpommern, wo sie eigentlich auch etwas überdimensioniert sind. Für Bergtouren würde ich die nicht nehmen.

Ich habe meine gleich hiermit (http://www.nikwax.de/de-de/products/productdetail.php?productid=188&activityid=1&itemid=2&fabricid=-1) eingeschmiert, wodurch natürlich die Atmungsaktivität verloren ging. War mir aber egal, da ich eh immer zu warme Füße habe. ;-)

An sich braucht man bei GTX-Schuhen ja keine Imprägnierung, da die Membran ja dicht hält. Meine im besagten Schuh ist allerdings schon kaputt.

Dogeared
16.07.2009, 14:57
Tour in Mecklenburg oder Vorpommern? ;)

Nein, im Ernst: Dann sprühe ich sie mal mit dem Imprägnierzeug ein, schaden kann es wahrscheinlich ja nicht und hoffe auf Wasserdichte!

In Schweden hat der Schuh jedenfalls gut dicht gehalten ohne Imprägnierung - spricht für das GTX

Susanne
16.07.2009, 14:59
Tour in Mecklenburg oder Vorpommern? ;)
:grins: In beiden Teilen natürlich.



In Schweden hat der Schuh jedenfalls gut dicht gehalten ohne Imprägnierung - spricht für das GTX
Ja, bis die Membran eben durch ist oder bricht. :ignore: Bei mir im Zehenknick gebrochen nach nur einem Jahr. :motz: Nutze sie aber trotzdem noch. Kommt eben eine besonders fette Schicht Nikwax drauf.

Dogeared
16.07.2009, 15:08
Den Tipp mit dem NikWax merke ich mir - dann muss man die Stiefel nicht sofort in die Tonne befördern! Bekommt man das auch im Schuhgeschäft/Schuster oder muss man das online bestellen?

Btw: Habe mich gerade in das Jotunheimen-Thema eingelesen und bin fast überzeugt, dass das meine nächste Runde wird :)

Susanne
16.07.2009, 15:12
Also im Schuhladen habe ich das Nikwax Waterproofing Wax noch nie gesehen. Beim Schuster = weiß nicht. War schon seit Jahren nicht mehr beim Schuster. Aber online gibt es das Zeug ja.

Viel Spaß beim Jotunheimen-Planen. ;-) Ich hoffe, du willst da nicht mit den Maine GTX-Tretern hin?!

Dogeared
16.07.2009, 15:28
Ich hatte schon befürchtet, dass mir gleich einer sagt, die Schuhe gehen nicht ;) aber nein, dafür sind die Meindl dann vielleicht doch etwas zu wackelig. Diese Anschaffung war schon eingeplant
Habe mir aber sonst noch keine Gedanken über ein Alternativmodell gemacht. Was soll ich denn statt dessen nehmen?

Lese mich gleich mal im Forum schlau - das ist ja das schöne am ODS-Forum - man findet fast auf jede Frage eine Antwort :D

P.S.: Übrigens: ich mag Dein Bild - da bekomm ich irgendwie Hunger von :D

Susanne
16.07.2009, 19:24
Am besten, du nimmst einen Schuh, der Dir passt. :grins: Ich habe den Meindl Island Lady. Allerdings noch ein altes Modell von 2000 ohne Pro MFS. Aber wie gesagt, am besten mehrere Schuhe anprobieren, dann findest du garantiert einen, mit dem du dich wohlfühlst.

Das glaube ich, dass du bei dem Bild Hunger bekommst. ;-)

c.nick
16.07.2009, 20:06
Wieso nicht?
(Und sind nicht Goretex-Stiefel aussen auch aus Leder?)

Ich meine: Ich hätte bei einer deftigeren Flussdurchquerung notfalls die Stiefel angelassen und wäre mit ihnen oberschenkeltief durch den 8m breiten Bach gegangen. Das hätte mit Rucksack und Stöcken und möglichst nicht ausrutschen sicher 1-2 Minuten gedauert. Dabei wären die Schuhe vermutlich auch von innen durchnässt gewesen.

Trockenlaufen dürfte man so durchweichte Lederstiefel bestimmt auch können - irgendwann - aber eben deutlich langsamer als Goretex-Stiefel - oder täusche ich mich da?

(Ob das Außenleder nass ist, ist mir dann eigentlich wurscht. Vor allem wenn ich die Lederteile gut vorbehandelt habe.)

Aber Kollegen, wollen wir die Stiefeldiskussion nicht hier rausoperieren lassen? (Ich weiß - gewissermaßen hab ich den Anlass gegeben...:ignore:)

Skål!

Susanne
16.07.2009, 20:25
Sorry, dass wir deinen Reisebericht zum Stiefelthema gemacht haben. :roll:

c.nick
16.07.2009, 20:30
Meinst Du man sollte eher etwas früher im Juli oder lieber später im August hinfahren, damit man der ganz schlimmen Wärme (25°C sind nicht so mein Traum, jedenfalls nicht mit einem Rucksack auf dem Puckel ^^) und aber auch der Schneeschmelze oder zu hohem Schnee entgehen kann?

In den letzten Jahren bin ich meiner damaligen Freundin zuliebe immer im August unterwegs gewesen. Da hatte sich das Wetter stets als völlig unproblematisch erwiesen. Klar gab es auch mal Tage mit Wind und Regen - aber nix womit man nicht gut klargekommen wäre. Damit muß man eben immer rechnen. Für eine Einsteigerin würde ich deshalb den August sogar empfehlen. Klar sind zu der Zeit auch ein paar mehr Wanderer unterwegs. Aber gerade als Einsteiger ist das vielleicht auch nicht verkehrt. Außerdem hatte ich weniger Mücken - aber das mag Zufall gewesen sein.

Übrigens bietet sich zum "Einsteigen" (also wenn Du noch nicht so einschätzen kannst, wieviel und wieviele Höhenmeter Du am Tag mit wieviel Gewicht überhaupt laufen magst) auch die Hardangervidda an. Das Gebiet ist ebenfalls wunderschön, im Westen zwar durchaus bergig aber insgesamt deutlich weniger hoch und im Osten sehr weitgestreckt und flach. Da kann man einen guten Mix finden :-) Dazu könnten ich und andere Dir aus eigener Erfahrung sicher auch jede Menge Tips und Eindrücke liefern.

c.nick
16.07.2009, 20:41
Was hattest Du für einen Schlafsack mit in der Zeit?

Schlafsack: Ajungilak Taiga (Daunenfüllung)

Aber Vorsicht! Das Komfortempfinden ist von Mann zu Frau und Mensch zu Mensch ziemlich unterschiedlich... Orientiere Dich v.a. nicht am Minimalwert der Temperaturangaben sondern an der Komfortzone und kalkulier' lieber ein paar Grad Gemütlichkeitsfaktor mit ein, wenn Du's lieber mummelig hast... :corton:

Matte: Noname geschlossenporig 8mm

Weil leicht und sehr gute Isolation. Für mich bedeutet Komfort auch, dass ich mir nicht wie bei jeder Bewegung auf einer offen(!)porigen Matte automatisch die kalte Bodenluft an den Körper pumpe. Deshalb bevorzuge ich geschlossenporige Matten, die außerdem angenehm leicht sind.

Fenris
16.07.2009, 20:46
Hej,

sehr schöner und detaillierter Bericht und ganz tolle Fotos!!!
So "früh" im Jahr war ich noch nicht oben im Norden, aber es hat auch seinen besonderen Reiz.
Ich muß leider noch bis mitte September warten, bis ich auch in die wunderschöne Bergwelt des Jotunheimen eintauchen kann.
Dein Bericht hat die Vorfreude auf jeden Fall erheblich angefacht!

Grüße vom Niederrhein

c.nick
16.07.2009, 22:52
Jaaaa - im September kann ich dann auch endlich wieder los! Und bin sehr gespannt darauf! Denn "so spät" war ich noch nie "dort oben". Dazu werde ich dann sicher in der Vorbereitung eine Menge Fragen haben. Freu mich jetzt schon auf Puderzucker Schnee über herbstrotem Fjell!!!

Dogeared
16.07.2009, 23:35
Hallo noch einmal!

Stiefel-Thema wird in den Ausrüstungs-Channel verschoben ;) Sorry

Danke für die INfos - beim Schlafsack habe ich mir jetzt einen bei Cumulus bestellt (wiederum ein anderes Thema) - der dürfte dafür wohl gut herhalten. Je nach dem wie kalt es da im August so ist. Vielleicht ist er sogar ein wenig warm; dann hab ich noch einen anderen.

August - muss ich mir merken!

Ja, Hardangervidda ist auch schon eine Überlegung gewesen - ich fand nur die Landschaft (natürlich nur von Bildern beurteilt ) rund in/um Jotumheimen schöner- lasse mich aber gern umstimmen :)

Weniger Höhenmeter sind vielleicht für den Anfang gar nicht schlecht. Wenn was konkretes steht, würde ich gern noch mal auf das Angebot zum Tipps holen zurückkommen! :)

Wo gehts denn bei Dir im September hin? Wieder Jotunheimen?

Grüße
C.

c.nick
16.07.2009, 23:48
Ja, Hardangervidda ist auch schon eine Überlegung gewesen - ... Wenn was konkretes steht, würde ich gern noch mal auf das Angebot zum Tipps holen zurückkommen! :)

jederzeit gerne


Wo gehts denn bei Dir im September hin? Wieder Jotunheimen?

:grins: Ich weiß nur, dass ich in Skrautvål vorbeikommen werde :grins: Kaffee trinken :grins:

Ach, ich hab im September ja nur eine Woche... Aber Jotunheimen wäre schon ziemlich toll! Gibt aber auch noch jede Menge andere Ecken, die ich gerne sehen würde. Trollheimen zum Beispiel und das Dovrefjell... Jetzt hab ich ja erstmal ein bisschen Zeit, zum Pläne schmieden ;-)

Dogeared
17.07.2009, 08:34
Oh, das klingt toll! Ich befürchte ja auch, wenn man sich erst einmal richtig mit den ganzen Gebieten beschäftigt hat und in das Trekking richtig eingestiegen ist, dann gibt es so viel zu sehen - schafft man alles gar nicht.

Dann geh ich mir jetzt mal die Hardangervidda-Infos durchlesen

Dir wünsch ich viel Spaß bei der Tourenplanung und Danke nochmal für die Tipps

Charlotte

P.S.: Und denk dran, bitte wieder so ein toller Reisebericht mit Photos :D

Julia
17.07.2009, 10:05
:grins: Ich weiß nur, dass ich in Skrautvål vorbeikommen werde :grins: Kaffee trinken :grins:
Genau ;-):bg:! (Aber ich habe keine Expressomaschine, also wird es gepresster normaler werden müssen :ignore:...)

Lasst Euch für die Zeit auch Rondane ans Herz legen. Aber Jotunheimen ist immer toll, ganz klar und ohne Zweifel! Vielleicht erlebst Du ja dann einige der Stimmungen, von denen Du im Buch gesagt hast, sie liessen den Sommerwanderer den Rest des Jahres in Jotunheimen erleben...

Zu der Zeit sind halt auch die "Touristenbomben" wie Besseggen oder Bukkelægeret, Galdhøpiggen oder Glittertinden etc. menschenleer. Man hat halt keine Boote mehr und die bedienten Hütten sind teilweise schon zu, aber die Selbstbedienungsquartiere sind offen.

deltakid
29.04.2010, 19:46
Super Bericht und tolle Informationen. Vielen Dank!

entenpower
06.05.2010, 09:51
Sehr sehr geil! Echt wunderschöne Bilder die du da mitgebracht hast! Ich muss da dringend auch mal hin! Danke^^ für den Bericht

Philipp

hambe
23.05.2010, 14:57
Ein wirklich wunderbarer Bericht!
Da gerät man wirklich gleich wieder ins schwärmen und versinkt in Gedanken.

Wir werden die Runde in fast gleicher Form Mitte Juli angehen! Ich freu mich schon sehr!

Problem ist nur, wenn ich nun diese Bilder meiner Freundin zeige, und dann das Wetter nicht so wunderbar wird, gibts im Zelt :motz:

Da hilft immer 100m vorausgehen ;-)

Danke für den detaillierten Bericht!

Eine Frage hätte ich:
Die Etappe ab Torfinnsbu bis ins Gronebergtjernet. Angenommen die wäre schneefrei gewesen, die ist dann vermutlich sehr steinig oder? Ist die ähnlich wie das Urdadalen? Da springt ja oft nur von Steibblock zu Steinblock.
Dann würde ich nämlich über Gjendebu Richtung Olafsbu gehen ?
Wäre prima, wenn mir das jemand sagen könnte!

fimbulwinter
23.05.2010, 20:21
Eine Frage hätte ich:
Die Etappe ab Torfinnsbu bis ins Gronebergtjernet. Angenommen die wäre schneefrei gewesen, die ist dann vermutlich sehr steinig oder? Ist die ähnlich wie das Urdadalen? Da springt ja oft nur von Steibblock zu Steinblock.
Dann würde ich nämlich über Gjendebu Richtung Olafsbu gehen ?
Wäre prima, wenn mir das jemand sagen könnte!

Das Uksedalen ist besonders im Bereich des Passes und am Uksedalstjernet steinig bis "grobblockig". Bin den Weg letztes Jahr im September bei starkem Regen gegangen und hatte vor allem auf dem Abstieg zum Uksedalstjernet nicht wirklich Spass auf den rutschigen Blöcken...
Bei Trockenheit sollte es mit etwas Trittfestigkeit kein Problem sein.
Im Juli kann man dort durchaus noch mit Schneeresten rechnen. Obwohl dieses Jahr scheinbar weniger Schnee liegt als die Jahre zuvor. Wenn du das Urdadalen nicht mochtest solltest du eher den direkten Weg von Gjendebu durch das Vesladalen nehmen.
Ich werde Anfang Juli 10 Tage im Jotunheimen verbringen und eventuell auch wieder an der Ecke vorbeikommen. Kann ja dann berichten wie es dort mit der Schneelage ausschaut...

hambe
23.05.2010, 20:30
Wenn du das Urdadalen nicht mochtest solltest du eher den direkten Weg von Gjendebu durch das Vesladalen nehmen.
Ich werde Anfang Juli 10 Tage im Jotunheimen verbringen und eventuell auch wieder an der Ecke vorbeikommen. Kann ja dann berichten wie es dort mit der Schneelage ausschaut...

Danke, das war genau das, was ich wissen wollte!
Bitte poste dann doch nochmal kurz die Schneelage, wenn Du zurück bist.
Gruss

Kenobi
01.06.2010, 23:31
Weiß nicht ob unsere Runden identisch sind. Bin September09 diese Runde gegangen.
http://www.youtube.com/watch?v=S8TaCpbrgrg
Von Gjendesheim entgegen der Uhr und mit Boot von Gjendebü zurück.
Der tägliche Regen war mir egal aber die eintönige Gegend ist keine Reise wert. 13 Tage nur Steine, Steine, Steine. Kam mir vor wie in nem Straflager und hatte richtig schlechte Laune. Die Geschmäcker sind verschieden aber es gibt hoffentlich schönere Gegenden in Norway. Damit mal Abwechslung passiert hab ich mich zur ner Wanderung während nem kleinen Stürmchen den Goldhoppigen hoch gezwungen. Mußte im Schneesturm abbrechen. Das war schön. Bin nächsten Tag bei Sonne hoch.
War meine erste Tour. Hingefahren bin ich weil im Buch: Norwegen. Trekking Guide von Alwig Derstvenscheg, die Tour als mittelschwer und abwechslungsreich beschrieben war.
Zu mittelschwer: Täglich von Stein zu Stein hüpfen um voran zu kommen.
Zu abwechslungsreich: Täglich von Stein zu Stein hüpfen um voran zu kommen.
Das hat nix mit Urlaubs Trecking oder Wandern zu tun, daß ist einfach Kopf nach unten und aufpassen damit man bein Sturz möglichst nicht mit dem face einrastet.
Was mir sehr gut gefallen hat: die freundlichen Hüttenwirte(einer hat mir für 3 tage die Kosten fürs Essen erlassen-muss an meinem traurigem Gesichtsausruck gelegen haben), die vielen freundlichen Leute, die Masse an leckerem Essen(ist aber sehr teuer), die gemütlichen Hütten mit Kaminen während draußen der Regensturm tobt.
Trotzdem war das der erste Urlaub den ich abgebrochen habe(1 Woche eher).
Das schockierenste Erlebniss waren jedoch die Drogensüchtigen am Osloer Hbf. und Hafen. Am Tag die Nadel in den Penis usw. Keine 500m entfernt steht ein Opernhaus für´n paar 100 Mill. EU.
Meine Eindrücke während der Jotunheimen Runde.

winnetoux
02.06.2010, 10:54
:bg: Danke sehr für die erfrischenden Eindrücke! Dieses uneingeschränkte Hochjubeln Nordeuropas insgesamt ist manchmal ja schon ein bisschen nervig ;-)
Norwegen ist trotzdem schön, ist dir bei der Fahrt nicht aufgefallen? Jotunheimen auch, m.E, da gibt's auch Seen! Die Berge - naja, gemeinhin sind die eben steinig. Aber das Wandern, das ist sicherlich richtig, Norwegen hat da oft mehr Felsen auf dem Weg als anderswo. Soll schließlich "Wildnis" sein. Vielleicht solltest du mal an einen Fjord fahren. Da ist dann alles eintönig grün :D.