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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [GB] Skye - Glen Nevis - Glen Affric, Mai 2009



Borderli
24.06.2009, 15:54
Land: Schottland
Reisezeit: Mai 2009
Region/Kontinent: Mitteleuropa

„Was mache ich hier eigentlich?“ und „Warum tue ich mir das an?“ – diese Fragen stelle ich mir oft. Zum Beispiel wenn ich vor dem (gefühlten) 127. boghole überlegte, ob ich a) es großräumig umgehe, oder b) springe, oder c) einfach durchlaufe. Oder wenn da mal wieder ein Felsbrocken im Weg rumliegt. Oder - insbesondere zu Beginn meiner Tour – wenn sich der Weg vor mir in einen reißenden Strom verwandelt hat.

Ja, warum nur? Alles beginnt im letzten Sommer. Drei Wochen Familienurlaub in Schottland. Da die Benzinpreise astronomisch hoch sind, beschließt mein Mann, eigentlich erklärter Wandermuffel, dass wir mehr laufen und weniger fahren. Wunderbar! Ich suche im Internet und in verschiedenen Büchern etliche Routen raus und fahre gut vorbereitet und motiviert in den Urlaub. Doch schon beim ersten kurzen Spaziergang kommen vom Wandermuffel die ersten eins bis zwölf Ausreden. Bei der zweiten kleinen Tour wird es nicht besser, und nach der dritten gebe ich auf. An diesem Tag beschließe ich, im folgenden Jahr eine Wandertour ganz für mich alleine zu machen. Ganz alleine. Nur mein Rucksack und ich. Ohne mich ständig um andere kümmern zu müssen. Pause machen wann immer ich will. So viele Fotostopps wie ich möchte. Zu schön, um wahr zu sein.

Oder etwa nicht?? Kaum aus dem Urlaub zurück, gehe ich in die Planung. Erst einmal eine geführte Tour gebucht. Ist zwar kein „ich-mache-was-ich-will-solo-trip“, aber schon mal ein Anfang. Allerdings: Für nur 5 Tage nach Schottland fliegen? Lohnt sich doch nicht. Da müssen noch ein paar Tage Solotour dazu. Sinnvollerweise vor der geführten Tour, wegen der midges-Saison.

Nun denn, das Ergebnis wird jetzt und hier geschildert.
Vorab: Es war toll. Es war so toll, dass eine Fortsetzung zwingend erforderlich ist. Ideen habe ich schon jede Menge, an der zeitlichen Umsetzung muss ich noch arbeiten.
Aber hier ist erst einmal mein Bericht „Mein Zelt, mein Rucksack und ich – Wanderungen in Schottland, Mai 2009“

06.05.2009 Anreise
Anreise. Ich fahre morgens in aller Frühe zum Flughafen Hahn. Meine Tochter fährt mit; sie übernimmt dann mein Auto und kann damit fast drei Wochen fahren. Da sie an diesem Tag noch Schule hat, fahren wir früher los als erforderlich. In Hahn stehe ich erst mal vor den „ich-checke-mich-selbst-ein-Automaten“. Nun ja, ich versuche mal mein Glück und halte kurz darauf tatsächlich meine boarding card in der Hand. Rucksack aufgeben und sich über die Passagiere wundern, die keine Schilder lesen, nach wie vor am Schalter einchecken wollen, und dabei den ganzen Betrieb aufhalten. Was soll’s, ich habe Urlaub. Auch neu: das Handgepäck wird jetzt gewogen. Irgendwie verständlich; immer wieder erstaunlich, was manch einer so als Handgepäck mitschleppt. Der Flug geht pünktlich los und landet 10 Minuten zu früh in Edi. Rucksack einsammeln, Handgepäck (Tagesrucksack) draufpacken, und ab zum Bus.

Als ich in der Innenstadt aussteige, trifft mich erst mal der Schlag. So viele Menschen auf einmal. Und alle haben es eilig. Und ich mit dem dicken Rucksack mittendrin. Nein, ich fühle mich definitiv nicht wohl. Ich gehe auf schnellstem Weg zur Jugendherberge, checke ein, und begebe mich auf die Suche nach einem Laden, der Gaskartuschen und Flickzeug für meine TAR verkauft. Prima, auf Anhieb den Tiso gefunden. Schnell noch was zu Futtern besorgt, und dann nichts wie raus aus dem Getümmel. Auf einem Spaziergang auf „Arthur’s Seat“ finde ich dann etwas Ruhe. Abends packe ich unter den fassungslosen Blicken meiner Mitbewohner den Rucksack um, stelle den Wecker, und freue mich schon auf den nächsten Tag.

07.05.2009 Im Bus
Den Wecker hätte ich nicht gebraucht. Vier der Mitbewohnerinnen sind ab fünf Uhr wach, rumoren herum, und verschwinden so gegen halb sieben. Na gut, da sind alle anderen auch wach und ich brauche nicht mehr so leise zu sein. Ich mache mich gemütlich startklar und laufe dann zum Busbahnhof. Dabei stelle ich fest, dass sich ein gut gepackter Rucksack doch wesentlich besser trägt als einer, in den man einfach alles reingestopft hat. Ich war schon so lange nicht mehr mit großem Rucksack unterwegs, dass ich das ganz vergessen hatte….

Die Citylink-Tickets sind schon gekauft; für 12 GBP fahre ich entspannt von Edi nach Glasgow, und von dort über Fort William nach Sligachan. Das Wetter wird immer schlechter. Regen, Regen, Regen. Berge? Sind hier Berge? Ich sehe nur Wolken. Ab und zu hält der Bus auf freier Strecke, um völlig durchnässte Wanderer mitzunehmen. Zum Glück habe ich am Dienstag den Wetterbericht gesehen und daraufhin für die beiden ersten Nächte ein Bett im Hostel gebucht. Bei dem Sturm und mit Regentropfen quer hätte ich das neue Zelt nicht aufbauen wollen.

In Sligachan angekommen, werfe ich erst mal vorsichtig einen Blick auf die campsite. Bis auf zwei Wohnmobile steht dort nichts. Wen wundert’s! Im Hotel hole ich mir den Schlüssel für das Bunkhouse, „fliege“ mit dem Sturm rüber und erlebe im Haus erst mal einen Schock. Total vollgestopft, eine Toilette für 20 Personen, die Duschen so verdreckt, dass ich den Gedanken gleich verdränge, Mief im Schlafsaal – und eine so miese Stimmung wie ich es noch nie in einem Hostel erlebt habe. Nee, das ist nicht wiederholungsbedürftig.

Die ganze Nacht regnet und stürmt es weiter. Ich kuschele mich in meinen Schlafsack und bin froh, im Trockenen zu liegen.

(Teil 2 - mit Fotos - kommt gleich)

Borderli
24.06.2009, 16:02
Teil 2

08.05.2009 Sligachan – Glen Brittle – Sligachan
Endlich wandern. Den großen Rucksack gebe ich an der Hotelrezeption ab und ziehe nur mit Tagesgepäck und Kameratasche los. Von Sligachan gehe ich über den Bealach a’ Mhàim ins Glen Brittle und entlang der Fairy Pools wieder zurück. Es ist immer noch stürmisch und kalt. Auf einigen Gipfeln liegt neuer Schnee. Aber ich habe Glück: Zwei kurze Schauer und ein längerer Graupelschauer, das ist alles. Dazwischen immer wieder sunny spells. Die Farben sind beeindruckend. Auf dem Weg sehe ich insgesamt nur fünf Personen. Genau das habe ich gebraucht: Ruhe, Einsamkeit, Natur.

http://img38.imageshack.us/img38/4139/01sligachanglenbrittle.jpg (http://img38.imageshack.us/i/01sligachanglenbrittle.jpg/)

http://img30.imageshack.us/img30/4378/02sligachanglenbrittle.jpg (http://img30.imageshack.us/i/02sligachanglenbrittle.jpg/)

Zurück am Hotel, hole ich den Rucksack und warte auf den Schulbus nach Portnalong. Dort habe ich ein Bett im Skyewalker Hostel reserviert. Vom Hostel bin ich angenehm überrascht. Endlich eine funktionierende Heizung, eine heiße Dusche, alles ist so sauber und einladend. Das Zimmer habe ich ganz für mich alleine. Lisa quartiert alle neuen Gäste in den übrigen Schlafräumen ein. Gegen Abend fängt es wieder an zu regnen.

Borderli
24.06.2009, 16:10
Teil 3

09.05.2009 Sligachan – Camasunary
In der Küche frage ich nach einer Mitfahrgelegenheit nach Sligachan. Ich habe keine Lust, bis 11.30 Uhr auf den einzigen Bus des Tages zu warten. Kein Problem, ich finde gleich jemanden. Früher als geplant bin ich am Sligachan Hotel und kann meine Tour starten.

Die Wanderung durch das Glen Sligachan ist eigentlich recht einfach. Nicht jedoch nach mehreren Tagen Dauerregen! Die vielen kleinen Rinnsale, die die Berghänge runter zum Fluss fließen, sind zu mehreren Metern breiten Strömen angeschwollen. Die Strömung ist nicht zu unterschätzen. Da es hier keine Brücken gibt, verschwindet der Weg unter Wasser. Fast alle dieser Mini-Flüsse kann ich auf stepping stones überqueren, nur bei dreien ist Furten angesagt. Beim ersten dachte ich noch „Na ja, irgendwie peinlich. Sooo hoch ist das Wasser nun auch wieder nicht.“ Aber die Vernunft siegt, ich tausche Gamaschen, Stiefel und Socken gegen Crocs und laufe vorsichtig durchs kalte Nass. Verflixt noch mal, ist das kalt! Und die Strömung – ach du meine Güte. Da merke ich mal, wie viel Kraft im Wasser steckt. Ich komme wohlbehalten auf der anderen Seite an, setze mich auf einen Felsen, und bin gerade dabei, meine Socken wieder anzuziehen, als zwei Wanderer kommen (die einzigen, die ich in den nächsten Stunden sehen werde). Sie entscheiden sich für die Variante „stepping stones“ und stehen schon nach wenigen Metern bis zu den Knien im Wasser. Innerlich klopfe ich mir auf die Schulter, verkneife mir ein Grinsen, und konzentriere mich auf meine Socken.

http://img530.imageshack.us/img530/3843/02glensligachan.jpg (http://img530.imageshack.us/i/02glensligachan.jpg/)

Die nächste Furt sehe ich mir genauer an, denke „ja, das könnte gehen“, sehe es mir noch mal an, „ja, das geht“, und wage mich über die stepping stones. Es kommt, wie es kommen muss: Ich rutsche ab und stehe selbst bis zum Knie im Wasser. Wahhh!! Nasse Füße, nasse Socken, Stiefel geflutet. Mist. Zum Glück ist kein Mensch weit und breit und ich kann ungehemmt über die eigene Dummheit schimpfen. Also zurück, ordentlich furten, Gore-Tex-Socken an (die, die ich eigentlich aus Gewichtsgründen daheim lassen wollte….), und weiter geht’s. In den Socken bleiben meine Füße für ca. zwei Stunden trocken, dann sind sie auch durchgeweicht. Erst später merke ich, dass bei meinem Beinahe-Sturz (den ich zum Glück mit den Stöcken abfangen konnte) die Jacke auf der linken Seite ein Stück im Wasser hing. In der unteren Tasche befindet sich der einzige Ausrüstungsgegenstand, der nicht mit Plastiktüte und Ziploc-Beutel wasserdicht verpackt ist: mein Handy. Ertränkt. Nun ja, nicht zu ändern.

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Irgendwann, nach unzähligen Wasserläufen, Sumpflöchern und viel Geschimpfe, nach etlichen Regen- und Graupelschauern, aber auch nach einigen sunny spells, komme ich in Camasunary an. Den Abstecher auf den Sgurr na Stri habe ich mir geschenkt – der Berg wird noch ein paar weitere Jahre stehen, da muss ich nicht mit nassen Stiefeln und einigermaßen gefrustet rauf.

http://img150.imageshack.us/img150/1542/03camasunarybothy.jpg (http://img150.imageshack.us/i/03camasunarybothy.jpg/)

Camasunary: zwei Häuser, eine große Wiese, Strand – einfach schön. Ich finde ein für mein Zelt ideales Plätzchen. Eben, windgeschützt, nicht von allen Seiten einsehbar – und beschließe, lieber in die bothy zu gehen um meine Klamotten trocknen zu können.

Von der bothy bin ich angenehm überrascht. Sie ist groß, mit zwei Aufenthaltsräumen und vier Schlafräumen, und relativ sauber. Ein Schlafraum ist bewohnt; der Aufenthaltsraum nebenan sieht ebenfalls bewohnt aus. Also packe ich meinen Kram in den anderen Raum. Wenig später, ich bin inzwischen in trockenen Klamotten und genieße einen heißen Tee, kommt erst der andere Bewohner und kurz darauf noch eine Frau, die über den Küstenweg von Elgol aus nach Camasunary „geflogen“ ist. Es gibt Kohle! Und ein Feuer! Der Kamin wird weihnachtlich mit Socken dekoriert, davor stehen drei Paar Stiefel und trocknen vor sich hin. Irgendwann fällt eine Kohle aus dem Kamin und versengt einen meiner Schnürsenkel. Was soll’s, wozu trage ich einen Ersatz im Rucksack? An diesem Abend kann mich nichts mehr erschrecken. Ich bin einfach nur froh, im Trocknen zu sein. Ich verschwinde früh in meinen Schlafsack und träume von Wasser, Wasser und noch mal Wasser.

Borderli
24.06.2009, 16:16
Teil 4

10.05.2009 The cleared coast
Was sehe ich am frühen Morgen? Blauer Himmel, ein paar weiße Wölkchen – kein Regen in Sicht! Leise, um die beiden Mitbewohner nicht zu wecken, mache ich mich startklar. Das Frühstück gönne ich mir draußen vor der bothy in der Sonne. Ja, so muss ein Tag anfangen!

Langsam steige ich von Camasunary auf dem Landrover-Track in Richtung Passhöhe auf. Oben angekommen, bietet sich mir ein einzigartiges Panorama. Der Foto tritt wieder in Aktion. Schade, dass ich das Stativ nicht mitgenommen habe. So muss ich freihändig Fotos für ein Panoramabild machen.

http://img5.imageshack.us/img5/4066/panoramacamasfhionnairi.jpg (http://img5.imageshack.us/i/panoramacamasfhionnairi.jpg/)

Über den Pass Am Màm gelange ich bei Kilmarie an die Straße Elgol – Broadford. Um mir etliche Kilometer Asphaltwandern zu sparen, halte ich das erste Auto an, das in meine Richtung fährt. Fiona, eine nette Frau die auf dem Rückweg nach Glasgow ist, nimmt mich mit bis zum Abzweig nach Kilbride.

Bei strahlendem Sonnenschein mache ich mich auf den Weg nach Boreraig. Hier ist etwas mehr los. Kein Wunder, die Route ist in mehreren Büchern beschrieben, sie ist einfach, es ist Sonntag, und das Wetter ist optimal. So etwa 10 Personen begegnen mir auf dem Weg nach Boreraig. Die nassen Socken trocknen außen am Rucksack, aber die Stiefel sind immer noch nass. Egal, der Tag ist viel zu schön um sich über nasse Füße zu beschweren! Zu Beginn des Weges genieße ich ein wunderschönes Cuillin-Panorama. All die Gipfel, die am Tag zuvor durch Wolken verdeckt waren, sind jetzt zu sehen. Traumhaft!

http://img32.imageshack.us/img32/8476/01kilbride.jpg (http://img32.imageshack.us/i/01kilbride.jpg/)

Durch dass verlassene Dorf Suisnish geht der Weg an den Klippen entlang nach Boreraig, ein Dorf das in der gleichen Zeit wie Suisnish „geräumt“ wurde (1853).
Am Nachmittag finde ich am Rand von Boreraig ein schönes sonniges, windgeschütztes Plätzchen an einer Mauer. Ich mache es mir bequem, koche einen Tee, und träume in der Sonne vor mich hin. Dann kümmere ich mich um eine Blase, die sich auf einem Zeh angesiedelt hat. Nasse Schuhe sind halt nicht gut für meine Füße! Nun, diese Blase ist so groß, dass ich sie öffnen muss. Spätestens seit meiner blasengeplagten WHW-Tour vor drei Jahren bin ich so was wie Experte im Versorgen von Blasen an meinen Füßen. Kodan, sterile Nadel, Spritze zum Absaugen der Flüssigkeit, Pflaster – alles ist vorhanden. Zum Schluss compeed drauf, gut ist.

Später, als die Tagesausflügler weg sind, gehe ich zu dem vorher schon entdeckten Zeltplatz und baue mein mobiles Einzimmer-Apartment auf. Schön ist es – ein Schlafzimmer mit Blick auf das Meer, ein Bach plätschert in der Nähe, ein leiser Wind weht, und weit und breit ist niemand da außer mir.

http://img35.imageshack.us/img35/3032/03boreraigwildcamp.jpg (http://img35.imageshack.us/i/03boreraigwildcamp.jpg/)

Außer Wind, Wasser, Möwen, einem Kuckuck und ein paar Schafen ist nichts zu hören. Irgendwann wird es kalt draußen, also verkrieche ich mich in meinen Schlafsack. Nachts wache ich auf und schaue mal nach draußen – in schöner Vollmond scheint über der Bucht. Wieder vermisse ich mein Stativ, da muss ich mit Mauer und Steinen improvisieren. Brrr, ist das kalt. Schnell wieder in den Schlafsack!!

Borderli
24.06.2009, 16:28
Teil 5

11.05.2009 Boreraig – Broadford – Glen Nevis
Irgendwann am Morgen stehe ich auf, frühstücke und packe. Das Zelt ist nass; da hat sich einiges an Kondenswasser angesammelt. An der Belüftung muss TerraNova noch arbeiten!

http://img25.imageshack.us/img25/2300/02boreraig.jpg (http://img25.imageshack.us/i/02boreraig.jpg/)

Der Weg bis nach Broadford ist so was von gut ausgebaut, dass es schon langweilig ist. Besonders auf den kinderwagengeeigneten letzten Kilometern merke ich meinen Rucksack. Irgendwann komme ich in Broadford an und warte auf den Bus. Am frühen Nachmittag erreiche ich Fort William. Auf der Fahrt durchs Glen Shiel sehe ich auf allen Gipfeln Schnee. Der Gipfel von Ben Nevis ist komplett weiß. Sieht schön aus, so weiße Gipfel unter blauem Himmel – dumm nur, dass für Dienstag eine Tour auf genau solche Gipfel geplant ist. Nun ja, man wird sehen. Erst mal bringe ich meinen Rucksack in ein Schließfach am Bahnhof, damit ich in Ruhe einkaufen kann. Ein paar Lebensmittel, frisches Obst (nach ein paar Tagen Fertigfutter ein Genuss!), ein kühles Lilt (darauf habe ich mich schon im Bus gefreut), ein Bummel durch die High Street. Bei boots erstehe ich eine „toecap“ aus Silikon – genial gut bei Blasen auf dem Zeh.

Gut, dann muss ich mich den Tatsachen stellen. Mein ertränktes Handy hat sich auch durch zwei Nächte in meinem Schlafsack nicht wiederbeleben lassen. Da ich Nics Telefonnummer nur im Handy gespeichert hatte (beim nächsten Mal schreibe ich Telefonnummern noch auf den Stück Papier und verpacke das wasserdicht!), kann ich sie nicht anrufen. Eigentlich hatten wir vereinbart, dass ich mich bei ihr melde, sobald ich weiß, wann ich in Fort William ankommen werde. Nun denn, sie wollte ja auch zur Glen Nevis Campsite. Ich laufe also dorthin. Ist ein elend langer Weg, so in der Sonne, mit großem Rucksack. Asphaltwandern ist einfach nicht meine Sache. Aber irgendwann bin ich dort. Als ich zur Rezeption gehe, kommt eine Frau mit braunen Haaren raus. Hmm, ist sie das? Ich frage einfach mal die nette Mitarbeiterin in der Rezeption. Eigentlich darf sie mir keine Auskunft über andere Gäste geben. Aber als ich ihr die (etwas ausgeschmückte) Geschichte meines Beinahe-Ertrinkens im reißenden Fluss und dem ertränkten mobile erzähle (ohne rot zu werden!!) meint sie, es könne ja die Frau sein, die vor mir aus der Rezeption kam. Ha, ich wusste es. Ich gehe zum dem Platz, auf dem sie gerade dabei ist, ein blaues Zelt aufzubauen. Hmm. Ist sie es? Eigentlich hat sie das gleiche Zelt wie ich, so ein kleines grünes. Egal, einfach mal fragen. Klar, sie ist es. Das geplante Borderli – Nic– Treffen findet doch noch statt.

Die geplante Tour auf den Ben Nevis können wir vergessen. Dort liegt zu viel Schnee. Ein kurzer Ausflug zum Steall Wasserfall lässt uns hoffen, den Ring of Steall gehen zu können. Dort scheint es schneemäßig nicht ganz so schlimm zu sein.

Danach ist erst mal eine Dusche fällig. Puhh, drei Tage ohne Dusche, ohne Haarewaschen, nur mit Katzenwäsche an der Regentonne bzw. mit Wasser aus dem Bach – da weiß man die Errungenschaften der Zivilisation wieder zu schätzen. Und es gibt Waschmaschinen! Nichts wie rein mit den müffelnden Klamotten. Zwischen zwei Glas Cider in der Glen Nevis Bar schlurfe ich mal rüber zum Trockner und wage es, die eindeutig nicht für Wäschetrockner bestimmten Shirts, Wollsocken und meine Hose in den Trockner zu verfrachten und das Gerät einzuschalten. Später, schon sozusagen im Halbschlaf, hole ich die Sachen wieder raus, stelle fest, dass sie weder eingelaufen noch verzogen sind, krieche in meinen Schlafsack und bin schon weg.

12.05.2009 Mein Versuch, einen Berg zu besteigen
Das Ergebnis gleich vorneweg: Es blieb beim Versuch. Normalerweise neige ich dazu, mich zu unterschätzen und bin dann überrascht, was doch alles geht. Diesmal – nee, so was von überschätzt habe ich mich schon ewig nicht mehr.

Morgens machen wir uns auf den Weg zum Parkplatz bei den Lower Falls. Eigentlich sollten wir dort wieder rauskommen. Eigentlich wollten wir zum letzten Parkplatz per Anhalter fahren. Nun, die ersten Autos überholen uns kurz vor dem Parkplatz. Dumm gelaufen. Schnell durch die Schlucht, und mit Crocs durch den Nevis gelaufen. Lieber nasse Füße als über diese schreckliche Drahtseilbrücke!

Beim Anstieg auf den An Gearanach merke ich schnell, wie fit ich nicht bin. Stundenlang leicht bergauf, bergab oder geradeaus laufen ist eine Sache, aber ein relativ langer, steiler Aufstieg stellt doch ganz andere Anforderungen. Dazu noch meine mangelnde Erfahrung beim Bergsteigen und die damit verbundene nicht gut ausgeprägte Trittsicherheit…. Aber immer weiter, einen Schritt nach dem anderen. Weiter oben kommt dann ein ziemlich starker, böiger Wind auf. Diese „Gesamtumstände“, also mangelnde Fitness, Wind und Schnee, zusammen mit dem Wissen, dass es nach dem Gipfel nicht besser werden würde, bringen mich dazu, die Tour abzubrechen. Ich fühle mich alles andere als wohl dort oben. Da hilft auch gutes Zureden nichts. Gut, wir machen uns auf den Rückweg und relaxen dann noch im Sonnenschein unten im Tal. Schade, aber mein gesunder Menschenverstand riet mir zum Rückzug. Positiv dabei: Wir kommen noch rechtzeitig zum Abendessen ins Grog&Gruel.

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http://img198.imageshack.us/img198/1020/18binneinbeagbinneinmor.jpg (http://img198.imageshack.us/i/18binneinbeagbinneinmor.jpg/)

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Borderli
24.06.2009, 16:44
Teil 6

13.05.2009 Glen Nevis
Nic fährt mich morgens zum letzten Parkplatz. Winkewinke, dann geht’s los. Mit dem dicken Rucksack brauche ich ein wenig länger durch die Schlucht. Den ganzen Vormittag laufe ich durch das Glen Nevis. Strahlender Sonnenschein, aber ein recht starker Gegenwind, der mir die Augen tränen lässt. Das Gehen ist hier etwas abenteuerlich. Mal gibt es für ein paar Meter einen guten Pfad, dann ist er plötzlich weg. Dafür stehe ich dann vor einem Sumpfloch. Beim Umgehen der zahlreichen Sumpflöcher verliere ich mal kurzzeitig den Weg aus den Augen. Ach ja, da unten ist er ja wieder. Also quer durch die Heide zum dem Stückchen Weg, das ich von weiter oben gesehen habe. Auf einmal steht da mitten im Weg ein verrostetes Tor. Kein Zaun rechts und links davon, einfach nur ein offenes Tor. Nun, da man Tore ja so lassen soll, wie man sie vorfindet, lasse ich dieses offen. Trotzdem seltsam.

http://img231.imageshack.us/img231/6937/04glennevis.jpg (http://img231.imageshack.us/i/04glennevis.jpg/)

Weiter geht es, mal auf einem Weg, mal im Sumpf. Das schmatzende Geräusch, wenn der Sumpf den Schuh nicht mehr hergeben will, ist lustig und wird mich noch eine Weile begleiten. Irgendwann (Gegen Mittag? Ich habe jedes Zeitgefühl verloren.) komme ich an die Stelle, an der ich den Abhainn Rath durchqueren muss. Welche Möglichkeiten habe ich:
a) stepping stones. Nee, da ist keine geeignete Stelle. Viel zu viel Wasser.
b) Übers Wasser gehen. Diese Technik beherrsche ich nicht.
c) Warten auf Moses. Der ist aber nie da, wenn man ihn mal braucht.
d) Furten. Nun, damit habe ich ja inzwischen Übung.
Ruckzuck bin ich durch und beschließe auch gleich, hier eine Pause einzulegen. Das Ufer bietet etwas Windschutz. Ich bleibe dann unten am Fluss und sehe die Meanag bothy nur von weitem. Egal, heute ist sowieso kein bothy-Wetter.

http://img25.imageshack.us/img25/8138/06glennevismeanachbothy.jpg (http://img25.imageshack.us/i/06glennevismeanachbothy.jpg/)

Als ich schon denke, ich habe diese Schwemmlandschaft mit den vielen kleinen, tiefen Wasserläufen hinter mir, taucht da so ein besonders großer und tiefer „Priel“ vor mir auf. Zu breit um darüber zu springen, zu tief um durchzugehen, kein stepping stone weit und breit. Furten? Och nee, dazu habe ich jetzt wirklich keine Lust. Also gehe ich am Ufer entlang, immer in die falsche Richtung, bis ich an eine Stelle komme, an der ich trockenen Fußes auf die andere Seite gelange. Und dann wieder zurück – irgendwie nervt das. Daran merke ich aber auch, dass ich so langsam Feierabend machen sollte, auch wenn es erst Nachmittag ist. Das ist schließlich Urlaub, keine Schinderei. Bis ich einen schönen, windgeschützten Zeltplatz finde, dauert es aber noch ein wenig. Der ist dann aber ideal.

http://img265.imageshack.us/img265/2876/07glenneviswildcamp.jpg (http://img265.imageshack.us/i/07glenneviswildcamp.jpg/)

Abends liege ich im Zelt, lausche dem Fluss und dem Rascheln der Zeltplane, und habe immer noch keinen Plan für morgen. Laufe ich nur bis Corrour Station und fahre dann mit dem Zug zurück nach Fort William? Oder laufe ich weiter Richtung Rannoch Station, campe unterwegs noch mal, und fahre dann erst zurück? Ich habe keinen Zeitdruck, keine Verpflichtungen, kann also machen was ich will. Irgendwie komme ich zu keiner Entscheidung. Egal, ich schlafe trotzdem ein.

14.05.2009 Glen Nevis
Beim Frühstück entscheide ich mich: Wenn ich in Corrour ankomme und länger als eine Stunde auf den nächsten Zug warten muss, laufe ich weiter. Habe ich weniger als eine Stunde Zeit bis zum Zug, fahre ich zurück nach Fort William und baue mein Zelt wieder auf der Glen Nevis campsite auf.

Also gut, dann geht es weiter. Den Sumpf habe ich anscheinend hinter mir gelassen; außer ein paar matschigen Stellen ist der Weg heute richtig gut.

http://img526.imageshack.us/img526/1710/08abhainnrath.jpg (http://img526.imageshack.us/i/08abhainnrath.jpg/)

An der Creaguaineach Lodge stehen drei Zelte. Der Rest des Weges zur Corrour Station ist ein gut ausgebauter langweiliger Landrover – Track.

http://img526.imageshack.us/img526/8064/10rannochmoor.jpg (http://img526.imageshack.us/i/10rannochmoor.jpg/)

Es geht schnell vorwärts, und um kurz vor 11.00 Uhr bin ich schon am Bahnhof. Der Zug geht um 11.20 Uhr. Wie war noch mal mein Plan? Ach ja, Zug fahren. Nun gut, ich stelle meinen Rucksack im Wartehäuschen ab. Da war doch noch was… Ach so, Geld. Wo ist denn nun mein Geldbeutel? Klar, ganz unten im Rucksack, wo sonst. Auf der Suche breche ich mir die beiden letzten noch intakten Fingernägel ab. Kaum habe ich ihn gefunden und meinen Rucksack wieder eingeräumt, sehe ich die ersten Personen seit eineinhalb Tagen. Und es werden immer mehr. Am Ende sind es 14 neuseeländische Jugendliche und drei Betreuer. Ein wenig Gesellschaft ist ja ganz nett, aber gleich so viel auf einmal? Der Zugbegleiter scheint mich zur Gruppe zu rechnen, oder er hat keine Lust, mir einen Fahrschein zu verkaufen. Jedenfalls fahre ich umsonst nach Fort William. Unterwegs überlege ich, was ich mit den nächsten drei Tagen anfangen werde. Gähn. Kurz vor Fort William werde ich wieder wach und beschließe erst mal, zur campsite zu laufen. Dort sehe ich den Wetterbericht für die nächsten Tage. Okay, das war’s erst mal mit dem Sonnenschein. Stürmischer Wind und Regen sind angesagt (hatten wir das nicht erst?). Ich baue mein Zelt auf und beschließe dabei, morgen mit dem Bus nach Kinlochleven zu fahren und von dort ins Glen Nevis zu laufen. Das ist die letzte Etappe des WHW, eine Strecke die ich kenne, die keine bogholes und auch sonst keine bösen Überraschungen enthält. Dann noch eine Nacht auf der campsite. Mal ehrlich, habe ich mir dann nicht ein bequemes Bett verdient? Der Gedanke ist verlockend. Ich gehe später am Nachmittag nach Fort William und mache mich auf die Suche nach einen b&b, das ein freies Einzelzimmer für zwei Tage hat. Gar nicht so einfach. Freie Doppelzimmer, gerne auch gegen Aufpreis, gibt es viele. Aber dann finde ich mein Zimmerchen. Groß ist es nicht, aber doch deutlich größer als mein Zelt. Gebucht, angezahlt, und zurück zum Zelt.

Borderli
24.06.2009, 17:08
Teil 7

15.05.2009 Kinlochleven – Fort William
Nachts verschlechtert sich das Wetter. Morgens ist alles bewölkt, ein ganz ungewohnter Anblick. Ich fahre mit dem Bus nach Kinlochleven und laufe los. Irgendwie stehe ich mit dieser Strecke auf dem Kriegsfuß: Jedesmal regnet es wenn ich dort unterwegs bin. Dieses Mal habe ich noch richtig starken Wind. Einmal versetzt es mich regelrecht ein Stück zur Seite. Wie es wohl meinem Zelt geht? Morgens habe ich noch den ganzen Kleinkram in den Rucksack und den Schlafsack in einen Müllbeutel gepackt. So muss ich zumindest nicht die Einzelteile auf dem Campingplatz zusammensuchen, wenn es mir das Zelt wegweht!

Ein paar Stunden später komme ich mit übelsten Befürchtungen auf den Zeltplatz. Und da steht es! Mein kleines Zelt hat den Sturm überstanden. Erleichterung macht sich breit. Duschen, Essen, dann ab ins Zelt. Vorher noch Leinen nachspannen. Der Sturm nimmt weiterhin zu. Bis nachts um halb zwölf mache ich kein Auge zu, ständig befürchte ich, dass das Zelt nicht standhält. Irgendwann lässt der Sturm nach, und ich schlafe ein.

16.05.2009 Faulenzer-Tag
Morgens stelle ich fest, dass auf dem Platz ein Terra-Nova-Laser-Comp-Treffen stattfindet. Sage und schreibe 6 dieser kleinen Zelte stehen in unmittelbarer Umgebung meines Zeltes. Und alle stehen 1a da. Das Tarptent eines anderen Campers, das er am Abend vorher noch im Sturm aufgebaut hat, steht nicht mehr da. Jemand erzählt mir, er habe es mitten in der Nacht abgebaut. Egal. Ich baue mein mobiles Einzimmer-Apartment in Ruhe ab. Dank mehrstündiger Regenpause ist es trocken, als ich es einpacke.

Dann laufe ich nach Fort William, lade mein Gepäck im b&b ab und begebe mich auf den am meisten anstrengenden Teil des Urlaubs: Wandern auf der High Street. Aber auch mal schön, ohne Anhängsel durch die Läden zu bummeln. Ein paar neue Wandersocken, ein Ersatz für das irgendwo verlorene Halstuch, eine kleine Thermoskanne (gute Idee, Nic!) und noch ein paar nette Kleinigkeiten finden den Weg in meinen Rucksack. Inzwischen reift da ein Plan heran…

Meine bisherige Planung sah vor, von Montag bis Donnerstag die bereits gebuchte geführte Tour zu machen. Anschließend wollte ich am Donnerstag Nachmittag von Shiel Bridge nach Dornie fahren, und eine neue Solo-Tour starten. Unterwegs wollte ich zelten, die Tour am Freitag zu Ende laufen, und am späten Nachmittag mit dem Bus nach Fort William zurück fahren. Bedeutet natürlich, dass ich die ganzen Campingsachen vier Tage mit mir rumschleppe obwohl ich sie nicht brauche. Mmhh. Warum verstaue ich sie nicht einfach im Schließfach, verzichte auf die letzte Tour, und lasse den Urlaub gemütlich ausklingen? Klingt doch gut, oder? Also gehe ich erst mal zum Bahnhof und erkundige mich nach den Bedingungen für die Schließfächer.

Inzwischen ist es später Nachmittag, ich habe Hunger. Also was futtern, dann zurück ins b&b, danach – mal sehen. Obwohl die Matratze deutlich unbequemer ist als meine TAR NeoAir, schlafe ich sofort ein….

17.05.2009 Glen Nevis, noch mal
… und wache am frühen Morgen mit Rückenschmerzen auf. War eine blöde Idee. Wäre besser in meinem Zelt geblieben, brummele ich vor mich hin. Später beim Frühstück unterhalte ich mich mit 5 lustigen Schweizern. Besonders lustig wird es, als sich einer ein Weetabix nimmt und mit Butter und Marmelade bestreicht „Mmh, leckeres Brötchen“. Okay, so habe ich diese Teile noch nie betrachtet…

Das Wetter ist nicht viel besser als am Vortag. Dazu macht die blasengeschädigte Zehe (die ich in Boreraig verarztet habe) Probleme. Also spaziere ich nur ein wenig im Glen Nevis am Fluss herum und versuche, die Zehe zu schonen. Schließlich habe ich ja noch ein paar Kilometer vor mir.

Abends bringe ich dann die Campingausrüstung, verpackt im Packsack des Rucksacks, ins Schließfach. Was für ein fauler Tag! Aber wie schon mehrfach erwähnt: Das ist Urlaub, keine Schinderei.


18.05.2009 Fort William – Drumnadrochit – Cougie
Morgens fahre ich mit dem Bus nach Drumnadrochit. Schade, dass ich so früh weg musste, da konnte ich mich von den Schweizern nicht mehr verabschieden. In Drum hält auf einmal ein Auto neben mir. „Marion?“ Damit ist das Problem, Anja zu finden, auch schon gelöst. Später geht es los zur Bushaltestelle. Pünktlich zu Beginn der Tour fängt es an zu regnen. Kein Drama, schließlich sind Regenklamotten und Rucksackhülle ja schon erprobt.

Mit dem Bus fahren wir nach Tomich, von dort geht es zu Fuß durch den Wald nach Cougie. Die Forest Road ist ein wenig langweilig, aber für den Anfang (falls man damit seinen Wanderurlaub anfängt) ganz recht. In Cougie beziehen wir ein kleines Häuschen. Bis der Kamin so will wie wir, dauert es ein wenig. Aber irgendwann wird es dann schön warm.

19.05.2009 Cougie – Alltbeithe Hostel
Ich sehe morgens aus dem Fenster und was sehe ich? Eine Gans. Wie bitte? Nochmal rausgucken. Drei Gänse schauen ins Fenster. Okay, alles klar.

Gemeinsames Frühstück, aufräumen, packen, los geht’s. Erst wieder auf einem guten Weg, dann kommt ein Abstieg auf einem, nun ja, leicht schlammigen Pfad. Gut dass es Trekkingstöcke gibt. Ist ganz schön rutschig… Unten am Loch Affric dann wieder eine zweispurige Rennstrecke. Am Sandstrand machen wir Mittagspause. Das Wetter ist heute irgendwie schottisch. Mal Sonne, mal Regen, immer wieder anders. Am späten Nachmittag kommen wir in der Alltbeithe Jugendherberge an. Abends kommt Wild bis an das Hostel heran.

http://img10.imageshack.us/img10/6438/13glenaffric.jpg (http://img10.imageshack.us/i/13glenaffric.jpg/)

http://img194.imageshack.us/img194/2421/14alltgarbh.jpg (http://img194.imageshack.us/i/14alltgarbh.jpg/)

http://img194.imageshack.us/img194/8181/16alltbeithehostel.jpg (http://img194.imageshack.us/i/16alltbeithehostel.jpg/)

20.05.2009 Alltbeithe – Ratagan
Durch das Fionngleann geht es bei, nun ja, etwas schlechtem Wetter weiter. Ein steiler, rutschiger Abstieg ins Gleann Lichd, und dann wird das Wetter richtig schlecht. Schade, die Wolken verdecken die Sicht auf die Berge. Es gießt wie aus Eimern. Erst kurz vor der Straße nach Shiel Bridge hört es auf.

http://img150.imageshack.us/img150/2999/18fionngleann.jpg (http://img150.imageshack.us/i/18fionngleann.jpg/)

Im Kintail Lodge Hotel lassen wir uns erst mal Bier, Cider oder sonst was schmecken. Dann warten wir an der Straße auf den Bus nach Ratagan. Um die Wartezeit etwas zu verkürzen, packt Anja einen Flachmann mit Highland Park aus. Gerade als ich zum Trinken ansetze „He, das ist doch unser Bus!“ Schnell einen Schluck genommen, im Laufen die Flasche zugeschraubt, und ab in den Bus. Beim Abendessen überlegen wir einen Plan B für den nächsten Tag. Bei dem angekündigten schlechten Wetter hat keiner Lust, den Sgurr an Airgid zu erklimmen. Elke entscheidet sich spontan, den Tag am Eilean Donan Castle zu verbringen, der Rest der Gruppe beschließt einen uns bisher nicht bekannten Weg vom Ende der Ratagan-Straße bis nach Glenelg zu laufen.

21.05.2009 Ratagan – Glenelg – Ratagan
Der Wetterbericht hat nicht zuviel versprochen. Es ist trübe und windstill. Wie bitte? Windstill? Au weia. Und da sind sie: die Migdes-Saison 2009 ist eröffnet.

Das bestellte Taxi holt uns pünktlich ab und bringt uns zum Ende der kleinen Straße. Dort geht es auf einem sehr guten Weg sachte bergauf. Die Aussichten sind – sofern nicht von Wolken zugestellt – richtig gut.

http://img38.imageshack.us/img38/9185/23ardintoul.jpg (http://img38.imageshack.us/i/23ardintoul.jpg/)

Gerade als wir den guten Zustand des Weges loben und dabei insbesondere auf das Fehlen von Matsch eingehen, ist es soweit. Matsch, soweit das Auge reicht. In der forest plantation besteht der ganze Boden aus schwarzem Schlamm. Schimpfend, rutschend und von den typischen Schmatzgeräuschen begleitet gehen und rutschen wir mehr als eine Stunde lang vorwärts. Seitlich am Hang im Schlamm, ohne Halt – klasse. Wieder einmal bin ich froh, meine Stöcke dabei zu haben. Aber auch die übelste Schlammschlacht hat einmal ein Ende. Durch einen abgeholzten Wald steigen wir ab zum Strand. Kurze Zeit können wir die Sonne genießen, dann kommt wieder ein Schauer. Zum Glück erreichen wir vorher einen großen Baum, der das meiste von uns abhält. Auch eine Möglichkeit, Pause zu machen…

Der Rest der Wanderung ist einfach. Es geht am Strand entlang, und dann auf einem gut ausgebauten Waldweg (psst, nur ganz leise sagen – kleiner Insiderwitz) nach Glenelg. Vom Waldweg aus sieht man die Strömung unten in Kyle Rhea ganz deutlich. Kaum zu glauben, dass dort früher Rinder durchgetrieben wurden, auf dem Weg von Skye in die Lowlands. Der Wald hier ist ganz anders als die forest plantation. Mischwald, Moos, Flechten, Blumen – wie ein verwunschener Feenwald. In Glenelg gehen wir ins Hotel, trinken Kaffee und warten auf den vorher schon bestellten Minibus. Ein schöner Abschluss der Tour!

22.05.2009 Ratagan – Dornie – Fort William
Problem: Ich habe das Busticket von Dornie nach Fort William schon gebucht. Ein super-single Spartarif für 6 GBP. Da ich die vorher schon geplante Tour nicht laufe, habe ich nicht viele Möglichkeiten: telefonisch umbuchen (kostet), neues Ticket im Bus kaufen (kostet noch mehr), oder einen Tag verbummeln und mit dem geplanten Bus fahren. Das Wetter hat sich deutlich gebessert, daher entscheide ich mich für die letzte Möglichkeit. Als ich dann am späten Nachmittag in Fort William ankomme, stelle ich fest, dass Ferien sind oder ein Bank Holiday Weekend anfängt. Der Campingplatz ist sehr gut besucht, viele Familien sind dort. Aber das Areal, auf dem ich beim letzten Mal mein Zelt aufgebaut hatte, ist leer, wohl wegen etwas Matsch im Eingangsbereich. Gut dass mich Matsch nicht mehr abschrecken kann. Somit habe ich das ganze Areal für mich alleine, inklusive Picknickbank für ein gepflegtes Abendessen. Als ich gerade einschlafen will, so gegen halb elf abends, fängt eine Gruppe von 6 Personen an, etwa drei Meter von meinem Zelt entfernt ein großes Zelt aufzubauen und will dann noch Party machen. Nun, sie haben die Rechnung ohne die Platzordnung der campsite und den Sheriff gemacht. Ab 23.00 ist Nachtruhe, und die wird durchgesetzt. Amüsiert lausche ich der Diskussion mit dem Sheriff. Das Palaver und Gelache geht dann weiter. Dann kommt noch jemand dazu. Er teilt den Gästen kurz und knapp mit, dass sie entweder Ruhe geben, oder packen. Dann ist Ruhe. Am nächsten Morgen teilt mir der Platz-Sheriff mit, dass er seinen Chef geholt hat, weil "diese Leute" keine Ruhe geben wollten.

23.05.2009 Heimreise
Nun, das Wetter macht mir den Abschied leicht. Konnte ich am Abend vorher noch die freie Sicht auf Ben Nevis genießen und in der Sonne sitzen, nieselt es heute vor sich hin. Dieser feine, dichte drizzle, der so durch und durch geht. Dazu noch meine geflügelten kleinen Freunde – da fällt das Packen nicht ganz so schwer.

Mittags geht mein Bus nach Glasgow, dann mit dem Zug nach Prestwick, und gegen 23.30 lande ich in Hahn. Und wo ist mein versprochener Abholservice? Kurz bevor sich Frust einstellt, kommen Roland und Steffi angelaufen. Daheim begrüßen mich die Hunde, dann falle ich ins Bett und schlafe.


Nach diesem Urlaub habe ich einige Tage gebraucht, bis ich auch „im Kopf“ daheim angekommen war. Es war mal ein völlig anderer Urlaub, und mit Sicherheit nicht die letzte Solo-Tour.


Falls die hier eingestellten Fotos zu klein sind oder falls jemand mehr davon sehen möchte: auf http://picasaweb.google.de/marionwoell gibt es mehr davon.

Vielen Dank für die Geduld beim Lesen!!

Liebe Grüße
Marion

Der Wanderer
24.06.2009, 17:12
Die geplante Tour auf den Ben Nevis können wir vergessen. Dort liegt zu viel Schnee. Ein kurzer Ausflug zum Steall Wasserfall lässt uns hoffen, den Ring of Steall gehen zu können. Dort scheint es schneemäßig nicht ganz so schlimm zu sein.


Auf dem Gipfelbereich lag zwar tasächlich sehr viel Schnee, jedoch waren diese Passagen leicht zu begehen, auf dem Schnee ist man nicht gerutscht.

Du hast eine suuper Aussicht verpaßt :baetsch:

http://img196.imageshack.us/img196/8098/schottlandk02.png (http://img196.imageshack.us/i/schottlandk02.png/)


Aber ein sehr schöner Bericht!!

Borderli
24.06.2009, 17:24
Hallo Wanderer,
vielen Dank für die Blumen!
Nun ja, Nic und ich waren etwas ehrgeizig, was den Ben Nevis angeht. Die Touri-Route wollten wir nicht gehen (habe ich schon zweimal hinter mir, einmal mit Schnee, einmal ohne); wir wollte über die Carn Mor Dearg Arete hoch. Und die war noch dicke eingeschneit. War vielleicht besser so, wenn ich meine Pleite am An Gearanach betrachte...:ignore:

Liebe Grüße
Marion

Rainer Duesmann
24.06.2009, 17:26
Vielen Dank für den tollen Bericht und die klasse Fotos!
Das erinert mich sehr an meine Solo-Touren. Einsamkeit kann was Tolles sein wenn man gut mit ihr umgehen kann.

Beste Grüße,
Rainer

Borderli
24.06.2009, 17:31
Ja Rainer, mit Einsamkeit sollte man umgehen können, wenn man eine Solo-Tour macht. Wenn man mit sich selbst nicht auskommt oder sich ständig mit anderen Personen austauschen muss, sollte man nicht alleine losziehen. In meinem Bekannten- und Kollegenkreis stößt meine Tour nach wie vor auf Unverständnis. Und wenn ich dann erkläre, dass ich im Sept/Okt schon die nächste Tour vorhabe, gehen alle kopfschüttelnd davon und denken vermutlich "die Alte hat doch nen Knall".:hahaa:

Gut, dass ich damit kein Problem habe :grins:

Liebe Grüße
Marion

Rainer Duesmann
24.06.2009, 19:05
Och das mit dem anders sein hat auch so seine Vorteile.
Sicher denken meine Kollegen ich hab "einen Nagel im Kopp", aber ich bin froh nicht so zu ticken wie sie. So muß ich keinen Badeurlaub auf Malle machen, nicht täglich die Bildzeitung lesen und brauch auch nicht im Schützenverein sein... :bg:

Mit welcher Kameraausrüstung hast Du Die schönen Bilder gemacht?

Beste Grüße,
Rainer

Hexe
24.06.2009, 19:21
Wunderschöne Bilder von einer wunderschönen Landschaft. Ich will auch noch mal nach GB.

Danke für den Bericht

Gruss Hexe

Borderli
24.06.2009, 19:25
@ Rainer: Mit einer Nikon D60 und dem Nikon DX 18-55mm VR-Objektiv. Das Tele (55-200mm) habe ich zwar auch mitgeschleppt, aber höchstens fünfmal benutzt. Das muss das nächste Mal daheim bleiben.

Die D60 hatte ich zum ersten Mal im Einsatz. Gut, mal daheim die Hundis fotografieren, aber sonst nichts. In den letzten Jahren habe ich mit der D50 hunderte Fotos auf diversen Agility-Turnieren und im Urlaub geschossen, aber es war mal Zeit für was neues. Meine Tochter darf sich jetzt mit Spiegelreflexkameras im Allgemeinen und der D50 im Besonderen auseinandersetzen. So langsam gewöhnt sie sich dran und findet sie inzwischen besser als die kleine "Digiknipse" (O-Ton Töchterlein) die sie bisher hatte. :roll:
Doch, mit der D60 und den VR-Objektiven bin ich bisher zufrieden. Wenn sie doch nur nicht so lange zum Speichern brauchen würde!! Aber immerhin kann ich jetzt von den Fotos gaaanz große Abzüge machen lassen. Das Camasunary-Panorma-Foto hängt im Format 60x20cm an der Wohnzimmerwand.


@Hexe: Ich habe heute vormittag mal Flugpreise Ryanair Hahn-Edi für Ende September gecheckt: regular 0€, mit Gebühren etc knapp unter 60€ hin und zurück. Ich würde auch am liebsten gleich wieder packen!!!

Grüße,
Marion

Nic
26.06.2009, 01:19
Ich habe heute vormittag mal Flugpreise Ryanair Hahn-Edi für Ende September gecheckt: regular 0€, mit Gebühren etc knapp unter 60€ hin und zurück. Ich würde auch am liebsten gleich wieder packen!!!

Na dann - sofort zuschlagen! Billiger wird's nicht ;-)